1 1 — 5 Organ für 5 die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volksseitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Juserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends? Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 181 Gießen, Donnerstag, den 5. August 1915 10. Jahrgang. Die russische Reichs duma. Der erste Tag. Die Duma hat am 2. August, wie unsexe Leser wissen, ihre Verhandlungen begonnen und große Reden ihres Präsidenten, des Ministerpräsidenten und des Ministers des Auswärtigen anhören müssen. Diese Reden haben den bei solchen Gelegenheiten üblichen Ton und Inhalt nicht überschritten und nur ein besonderes Maß von Naivität gezeigt. Soweit man aus den telegraphischen Berichten ex⸗ sehen kann, ift die Wirkung auf die Versammlung trotzdem nicht ausgeblieben und von irgendwelcher nennenswerten Opposition war nichts zu spüren. unser Genosse Tscheid se eine Interpellation über die Bespitzelung der sozialdemokratischen Führer durch die Polizei einbringen werde. Es fragt sich aber, ob eine solche Interpellation bei der Hurra⸗Stim⸗ mung, die die Duma beherrschen dürfte, überhaupt zur Verhandlung kommt: jedenfalls zeigt diese Absicht, und manches andere, was durch die russische Presse ins Ausland durchsickert, daß die Stimmung im Zande keineswegs der Stimmung des Ministeriums und des Duma⸗ präsidiums entspricht. Immerhin hatte aber auch der Dumapräsident schon so etwas wie eine oppositionelle Forderung zum Ausdruck gebracht. Er for⸗ derte für die innere Politil einen Gesinnungswechsel und eine Aenderung in der augenblicklichen Verwaltung. Der Ministerpräsi⸗ dent Goremykin kam nur bei der polnischen Frage über die allgemeinsten Redewendungen hinaus. Er kündigte an, daß für das polnische Volk eine Organisation endgiltig und unwiderruflich beschlossen sei, die ein nationales soziales und wirtschaftliches Leben in Polen garantiere auf der Grundlage der Autonomie unter dem Szepter des Zaren. Inzwischen wird auch bekannt, daß die russische Regierung noch in der letzten Stunde die Stimmung der Polen da⸗ durch zu verbessern sucht, daß eine eigene Kommission unter dem Vorsitz eines Staatssekretärs Autonomievorschläge ausgearbeitet und die ethnographische Abgrenzung des künftigen selbständigen Polens beschlossen hat, das heißt, daß alle Gouvernements. in denen die Polen die Mehrheit darstellen, zu Polen geschlagen werden sollen. Das würde um so mehr eine Konzession bedeuten, als noch vor wenigen Jahren die Abtrennung einiger solcher Gouvernements von dem Zartum Polen große Erbitterung hervorgerufen hatte. Was davon über den Krieg hinaus bleiben wird, ist natürlich nicht zu sagen. Die offiziellen Polen haben inzwischen diese Liebeserklärung schon dadurch qufttiert, daß sie durch den Abg. Garussowitsch in der 909 10 erklären ließen, sie würden in jedem Falle treu zu Allrußland ehen. Ueber die anderen Nationalitäten hat Goremykin nur allge— meine Erklärungen abgegeben und Fürsorge nur unter dem Vor⸗ behalt versprochen, wenn es sich um treue russische Untertanen handle. Diese Beschränkung ging ganz deutlich gegen die„lieben Juden“ des Zaren, die nun offiziell wissen, was sie zu erwarten haben, und gegen die Ukrainer Finländer, Kaukasier usw. Es ist nicht zu vermuten, daß dieses bedingte Verscprechen einen besonderen Eindruck auf diese Nationalitäten machen wird. Der Minister des Auswärtigen, Sasonow konstatierte zum hundertsten Male, daß die alleinige Schuld an dem Weltkrieg Deutsch⸗ land treffe, daß kein Frieden vor der Niederringung des Feindes möglich sei und er schloß mit sehr durchsichtigen Komplimenten für Schwedens Neutralität, für ein freundschaftliches Verhältnis zu Japan, das sich zu einem engen Bündnis auswachsen solle, für Ru⸗ mänien, das von deutschen Agenten überlaufen werde, und für Bul⸗ garien, auf das er noch immer besondere Hoffnungen setzt. Diese Hilferufe wirken um so verständlicher, als Sasonow den Fall War⸗ schau und die Aufgabe weiter Teile Polens als eine ziemliche kriege⸗ vische Selbstverständlichkeit hinstellte. „So verlief dieser erste Dumatag ohne die besonderen Ueber⸗ raschungen, die man auch anderswo als in Rußland erwartet hatte: nichts von Erklärungen für die Umgestaltung der inneren Verwal⸗ tung, nichts von Mitteilungen über die militärische Lage, nichts von neuen Verwaltungsmaß regeln für das innere russische Wirtschafts⸗ leben, nichts über die Sicherung gegen Pogrome und gegen den Zu⸗ sammenbruch der russischen Währung, nichts über die neuen Ver⸗ teidigungsmaßregeln. Das letztere ist freilich außerordentlich be⸗ greiflich, aber die ganzen Ministerreden sind sicher kein Beweis dafür, daß Rußland sich innerlich und äußerlich in diesem Weltkrieg noch ein besondeves Maß von Kraft bewahrt habe. * 112 Abgeordnete der Dumaeröffuung ferngeblieben. T. U. Wien, 3. Aug. Das Neue Wiener Tagblatt meldet aus Stodholnt: 112 Abgeorznete sind als Gegner der Regierung der Dumaeröffnung ferngeblieben. * Ein Beschluß der Duma. a Die Duma hat folgende von dem Grasen Bobrinski namens der Zentrumsgruppe, der Oktobristen und der Nationalisten eingebrachte Tagesordnung angenommen: 5 „Die Reichsduma verbeugt sich vor den glorreichen und belspiellosen Leistungen unserer tapferen Armee und Flotte; sie bestätigt, daß die Armee trotz aller militärischen Mißgeschicke bei der ganzen Bevölkerung des Reiches den unerschlitterlichen und einmütigen Entschluß gestärkt hat, mit den treuen Verbündeten den Kampf bis zum Enderfolg zu führen und keinen Frieden vor einem vollständigen Siege zu schließsen. Sie erklärt, daß ein schnellerer Sieg durch den einmsttigen Beistand der ganzen Bevölkerung und durch die Schaffung neuer Kampf⸗ mittel erreicht werden soll; sie fordert die Befestigung des inneren Friedens, Beruhigung und Vergessen des einstigen politischen Kampfes, sowie wohlwollende Aufmerksam⸗ keit der Behörden gegenüber den Interessen allen loyalen russischen Bürger ohne Unterschled des Namens, der Sprache und der Religion; sie hält dafür, daß nur eine innige Einigkeit zwischen dem ganzen Lande und einer sein volles Vertrauen ge— Indessen kündigen bürgerliche Blätter an, daß zu einem sesten Ganzen vereinigte mit dem ein g schließt si nießenden Regierung zu einem schnellen Siege führen kann, und in dem sie die unerschütterliche Zuversicht ausspricht, daß die bisher in den Armeelieferungen bestehenden Fehler unverzü lich mit Hilfe der gesetzgebenden Kammern und großen öffent- lichen Gewalten beseitigt, die festgestellten strafwürdigen Mängel gutgemacht und die Urheber der Vergehen von strengen gesetz⸗ lichen Strafen getroffen werden, wie immer auch ihre amtliche Stellung sein möge, geht sie zur Tagesordnung ilber.“ Rodsianko, der mit 296 gegen 24 Stimmen zum Präsi⸗ denten gewählt wurde, hielt hierauf eine Rede, in der er sagte: „Der Krieg einigt uns; er hat alles verschwinden lassen, was uns trennte, indem er alle Vertreter des großen Rußland igen Ziele:„dem Siege.“ Er sprach den Wunsch aus, daß die freundschaftlichen, auf gegenseitigem Vertrauen beruhenden Beziehungen, die jetzt gebildet sind, zwischen allen Parteien nach dem Kriege fortbestehen mögen. Also Liebe und Friede,„Burgfriede“ auch in Rußland. W bange angesichts der militärischen Lage Rußlands diese Einigkeit von„Volksvertretung“ und Zarentum dauern wird, ist eine andere Frage. 8* * Die Lage in Warschatt. T. U. Krakau, 3. Aug. Polnische Zeitungen melden auf Grund von Mitteilungen von Personen, die nach Petrikau gekommen sind: In Warschau herrscht die allgemeine Meinung, die Russen werden ohne Kampf abziehen. Die schwere Artillerie sei bereits fortgeschafft worden. Die große Mehrheit der polnischen Bevölkerung und dis polnische Presse sind entschlossen, in Warschau zu bleiben. Der serbische, französische und belgische Konsul haben Warschau bereits verlassen. Oberpolizeimeister hat seine Tätig⸗ keit eingestellt. Die Post befördert nur noch Briefe Die Bevölkerung kauft in Mengen Lebensmittel. T. U. Rotterdam, 3. Aug. Großfürst Nikolajewitsch be⸗ fahl, daß das Eigentum in Warschau nur zerstört werden soll, wenn es aus militärischen Gründen unerläßlich notwendig sei; die Besitzer sollen entschädigt werden. Für die Bewohner, die freiwillig die Stadt verlassen wollen, sind besondere Rück— zugsstraßen freigegeben worden. „Wir sind enttäuscht!“ Amsterdam, 3. Aug. In einem Leitartikel über das erste Kriegs⸗ jahr sagt Daily Mail, es muß zugegeben werden, wir sind er täuscht. kit Der Vor einem Jahr glaubte, mit Ausnahme von Lord Kit⸗ chener, niemand bei uns daran, daß der Krieg 12 Monate dauern könnte. Wir alle nahmen an, daß die Deutschen, nach einigen vor⸗ übergehenden Erfolgen, durch das Gewicht der Gegner, durch die Riesenarmee Rußlands, den hervorragenden Mut der Franzosen, den heroischen Widerstand Belgiens, den kräftigen, wenn auch stillen Druck der englischen Flotte niedergedrückt werden würden. Die Hoffnungen blieben erfolglos. Wir sehen die Deutschen im Osten siegreich, und eine unerschütterliche deutsche Front im Wesden. finden Deutschland in sast vollkommenen Besitz von Belgien, des größten Industrieteiles von Frankreich und eines großen Teiles von Russisch⸗Polen, Ausweisuug deutscher Kolonifslen aus Rußland. T. U. Petersburg, 3. Aug. Dem Rußkija Wjedomosti wird aus Mir Wir Kiew depeschiert: in den Wolhynen Gouvernements wurden alle deutschen Kolonisten ausgewiesen, man gab ihnen nur bis zum 25. Juli Frist. Der Befehl zur Ausweisung der deutschen Kolonisten wurde auch auf das Kiewer Gouvernement ausgedehnt, wobei auch sogenannte besitzlose Kolonisten das Kiewer Gouvernement verlassen mußben. Eine Ausnahme bestand nur für solche Famflien, deren Söhne oder nächsten Verwandten in der Front sind und sich ausge⸗ zeichnet haben. Die Russen auf der Flucht. Konstantinopel, 3. August.(W. T. B.) Das teilt mit: An der Kaukasusfront entwickeln sich unsere Bewegungen in der Gegend von Total mit Erfolg. Am 1. August besetzten wir die Stellungen von Kilidj Guedigui, 16 Kilometer nördlich Totck und die 2300 Meter hohe Bergkette in der Umgegend. Das Becken Urad Tschai befindet sich in unserem Besitz. Die vussischen Truppen nördlich Kilidj Guedigui fliehen in voller Auflösung. Ein Augriffsplan gegen die kleinasiatische Hüste. Athen, 3. August.(W. T. B. Nichtamtlich.) Aus Mytilene wird gemeldet: Die Alliierten planen einen großen Angriff auf die kleinasiatische Küste gegenüber Mytilene, nachdem sie eingesehen haben, daß ein Vorwärtskommen auf Gallipoli ausgeschlossen ist. Schwedische Proteste gegen England. Die Schwedische„Vereinigung der Kolonialwaren- und Kaffee⸗Importeure“ richtete, wie der Rhein.-Westf. Ztg. tele graphiert wird, an die schwedischen Delegierten, die mit den englischen Delegierten über Englands Haltung gegen den schwedischen Handel konferieren, ein Schreiben, worin in schärfster Weise gegen die englische völkerrechtswidrige Ver⸗ hinderung des schwedischen Handels protestiert wird. Be⸗ sonders beklagt man sich über die aufdringliche Handels- spionage der englischen Agenten in Schweden; es wird ver⸗ langt, daß England für die Zurückbehaltung schwedischer Hauptquartier enger! Waren vollen Schadenersatz leistet. Schweden wolle sich nicht darin finden, daß der überseeische Handel der Kontrolle Eng⸗ lands unterstellt werde, das bestimmen wolle, wieviel Schweden einführen dürfe. Das Schreiben billigt die schwedi⸗ sche Repressalienpolitik betreffend den Durchgangsverkehr nach Rußland und tritt dafür ein, daß auch wegen der eng⸗ schritten werden müsse. Schließlich wird in dem Schreiben gegen die mögliche Bildung eines Einfuhrtrustes unter eng⸗ Holland gefallen lassen müßte, würde Schweden sich nicht bieten nehme. Die schwedischen Firmen, die noch etwas Selbst⸗ achtung haben, werden sich einem derartigen Einfuhrtrust nicht unterwerfen. f Schmarotzer des Kriegs. 35 0 Die Berliner Gerichtskorrespondenz Thiele berichtet über eine Privatklage, die einen Blick in das Treiben der Heereslieferungen gestattet: Die Verhandlung Schöffengericht Berlin⸗Schöneberg statt. Klagende sind Kaufmann Martin Bührbank in Cunnersdorf i. Schl. und Kaufmann Wilhelm Karfunkelstein in Schöneberg. Zwischen den beiden Parteien, die früher bei Heereslieferungen Hand in Hand gearbeitet hatten, waren, als sich der eine von dem anderen übervorteilt glaubte, Streitigkeiten entstanden, die schließlich dazu führten, daß sich die Beiden Titel wie„Schieber“,„Erpresser“, „verrufener Geschäftsmann“ usw. an den Kopf warfen. Wie der Vorsitzende in seiner Urteilsbegründung hervorhob, hat sich Bührbank„Kaufmann und Heereslieferant“ genannt, ob⸗ fand vor dem wohl er weiter nichts sei als einfacher Agent. Nachdem ein Zwischenagent, der weiter nichts als ein einfaches Telephon⸗ gespräch geführt habe, für diese„Arbeit“ 4000 Mk. im Hand⸗ umdrehen verdient habe, sei der Privatkläger gekommen und habe für Tornister, für die er selbst einem anderen Agenten 39 Mk. an⸗ geboten habe, von der Heeresverwaltung 48 Mk. verlangt und er⸗ halten, so daß er ohne einen Pfennig eigenes Geld dabei zu ris⸗ kieren, bei der Lieferung von 10000 Stück an einem Tage 90 000 Mark verdient habe. Die eigentlichen Fabrikanten, die zirka 20 Mk. pro Stück von den Agenten erhalten hatten, habe das Ge⸗ richt in diesem Prozeß überhaupt nicht zu sehen bekommen. Die Verhandlung habe, wie der Vorsitzende ausdrücklich betonte, er⸗ geben, daß es Kreise gibt, welche die augenblickliche Lage unseres Staates dazu benutzen, sich in einer durch nichts gerechtfertigten Weise zu bereichern und ganz erhebliche Vermögen zu verdienen. Zu diesen Leuten gehören beide Parteien. Irländisches. London, 3. August. Die Beisetzungsfeierlichkeit für den irischen Revolutionär O'Donovan Rossa in Dublin gab Anlaß zu großen Demonstrationen. Die Freiwilligenkorps, deren Führer zum Teil in den letzten Tagen aus Irland verbannt worden waren, nahmen an den Demonstrationen teil, auch sogar die Bürgerarmee, die von indet worden ist, demselben Larkin, der nun in James Larkin geg„ Amerika die schärfsten Reden gegen England hält. Mit einer ge⸗ 1 wissen Nervosität teilt die Times mit, daß sich mindestens 5000 Flinten und Seitengewehre im Besitz der irischen Freiwilligen⸗ armee befanden. Es sei wohl viel Zündstoff bei der Masse ge⸗ wesen; alles habe sich jedoch in größter Ruhe abgespielt. Die gänzliche Befreiung Galiziens. Der Kriegsberichterstatter des Berl. Tagebl., Emil Scomorz, meldet seinem Blatte aus dem K. und K. Kriegs- pressequartier vom 3. August: Zwischen Dubienka und Grubieszow bemächtigten sich deutsche, zwischen Sokal und Krylow österreichisch-ungarische Truppen der Bug-Linie und marschieren gegen Wladimir-Wolynski vor; dadurch wurde der oberhalb des Bug und der Zlota-Lipa stehende linke Flügel der russischen Armee ebenfalls in die allgemeine Katastrophe hineingezogen. Dieser linke Flügel hielt bisher Ostgalizien besetzt und hatte die Aufgabe, den rechten Flügel der Armee Mackensen zu beunruhigen. Die Lage des russischen Heeres in Ostgalizien ist dadurch außerordentlich schwankend ge- worden und der Augenblick, wo auch Oesterreich-Ungarn sagen kann, auf unserem Boden steht kein Feind mehr, naht allmählich heran. Nach einer Meldung des Berliner Lokalanzeigers aus dem Kriegspressequartier droht den in Ostgalizien stehenden russischen Heeren eine vollständige Abtrennung von der ost⸗ polnischen Front. Bombardierung des englischen Hauptquartiers. Nach einer Meldung des Berliner Lokalanzeigers wurden auf St. Omer, wo sich das englische Hauptquartier befindet, am Sonn⸗ tag 8 Bomben geworfen, die großen Schaden angerichtet haben sollen. Opfer deutscher U⸗Boote. T. U. Haag, 4. Aug. Nach einer Lloyds-Depesche wurde der englische Dampfer„Rollo“ in der Nordsee von einem deutschen Unterseeboot versenkt. Acht Mann der Besatzung ertranken. 5 T. U. Haag, 4. Aug. Die am 2. August als versenkt ge- meldeten sechs englischen Fischdampfer heißen:„Ceriander!. lischen Zensur der schwedischen Post zu Gegenmaßregeln ge⸗ lischer Kontrolle schärfstens protestiert und erklärt, was sich lassen, da Schweden eine ganz andere Stellung ein⸗ Vermittler von Gegenseitig —— 4 5 f 1 5 — „Ditzgerald',„Quest“,„Athena“,„Achieve,„Strive“. Die Besatzungen wurden gerettet. München, 3. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Münchener Neuesten Nachrichten melden in einem Privat- telegramm aus Athen vom 3. August: Im Mittelmeer wurde das große englische Truppentransportschiff„Arneuron“ durch ein U-Boot versenkt. Der Truppentransport und der größte Teil der Bemannung sollen ertrunken sein. Stürmische Szenen in der serbischen Skupschting. T. U. Sofia, 4. Aug. In der serbischen Skupschtina, die zu einer außerordentlichen Session einberufen wurde, kam es zu großen Kund⸗ gebungen der oppositionellen Parteien gegen Rußland und dem Ministerpräsidenten Pasitsch. Veranlassung zu den stürmischen Szenen war das Verlangen Rußlands, Durazzo zu räumen. Mi⸗ nisterpräsident Pasitsch versuchte, die Haltung Rußlands zu recht⸗ fertigen; seine Worte riefen aber einen Sturm seitens der oppo⸗ sitionellen Abgeordneten hervor. Nach der stürmischen Sitzung traten die Führer der Opposition zu einer Beratung zusammen. Mehrere Redner beschuldigten Pasitsch, daß er die Politik Serbiens an den Rand des Abgrundes gebracht habe und verlangten den Rück— tritt des Ministerpräsidenten. Die Forderung Rußlands, daß Ser- bien das macedonische Gebiet an Bulgarien abtreten solle, wurde non der Versammlung mit großer Entrüstung aufgenommen und der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß die serbischen Offiziere niemals zugeben würden, daß das durch blutige Kämpfe eroberte Macedonien! an Bulgarien abgetreten werde. Die Volkszählung in Deutschland. Die Volkszählung von 1915, die nach einer früheren Meldung am 1. Dezember 1915 stattfinden sollte, wird, wie das Kaiserliche statistische Amt dem Berliner Tageblatt mitteilt, in diesem Jahre nicht abgehalten werden, sondern auf einen noch später zu bestim⸗ menden Termin verschoben werden. Auf Veranlassung des Reichs⸗ amts des Innern soll die Frage der Volkszählung bis nach Friedens⸗ schluß zurückgestellt werden. Kriegsnolizen. Eine Anzahl Pressevertreter neutraler Staaten weilte auf einer Studienreise in Dresden. Industrieanlagen, Lazarette und Museen. Sie werden auch das Gefangenenlager in Königsbrück besuchen. Sie versicherten, bisher überall die besten Eindrücke empfangen zu haben, burch die die Be— hauptungen des feindlichen Auslands gründlich widerlegt würden. Nach Mitteilungen der Fachpresse haben am 4. Juli über 200 deutsche Zeitungen und Zeitschriften ihr Erscheinen einge— stellt. Die Zahl der deutschen Lokal- und Fachblätter hat sich um etwa 1200 seit Beginn des Krieges vermindert. „Die Städte Nürnberg und Fürth, die baulich völlig zusammen⸗ hängen, haben eine Gesellschaft für Volksernährung ins Leben ge— rufen. Zweck der Gesellschaft ist der Ankauf und die Abgabe von Lebensmitteln. Vorsitzende des Aufsichtsrates dieser mit einem Kapital von 100 000 Mk. gegründeten Gesellschaft sind die Oberbürgermeister beider Stäbte. Die in Melsungen erscheinenden Hessischen Blätter sind auf Anordnung des stellvertretenden Generalkommandos in Kassel unter Präventivzensur gestellt worden. Die Spinnerei und Weberei von Hielle u. Dietrich in Russisch⸗ Polen, die vor dem Kriege 9000 Arbeiter beschäftigte und von Deutschen und Oesterreichern geleitet wurde, ist von den Russen bei ihrem Rückzuge nach Warschau vollständig zerstört worden. Der durch die Verwüstung und Requisition angerichtete Schaden beträgt 16 Millionen Rubel. Reuter meldet aus Newyork: Nach einem Telegramm der World aus Norfolk in Virginia ist ein noch unaufgeklärtes Feuer in den Schiffbauwerften ausgebrochen. Ernst⸗ hafter Schaden sei jedoch durch rechtzeitiges Eingreifen verhindert worden. Nach den Urhebern des Feuers wurden Nachforschungen angestellt. Daily Mail meldet, daß ein Feuer in der Ardeer— Fabrik in Glasgow ausbrach, dem mehrere heftige Ex⸗ plostonen folgten. Ein Mann wurde getötet und 11 verwundet. Meldung des Reuterschen Bureaus. Militärtruppen wurden aufgerufen, um bewaffnete ungarische Aus- ständige der Aluminiumfabrik von Massene(Amerika) zu über⸗ wältigen. Die Fabrikbeamten schreiben die Bewegung ausländi⸗ schen Einflüssen zu. Ein Ausständiger wurde getötet, mehrere wurden verwundet. Die Teheraner Zeitung Asri Inkilia meldet: Der Direktor der persischen Bank und Chef der Mission zur Reorganisation der persi— schen Finanzen, Paguet, ist auf einem Spaziergang ermor— det worden. Der Täter ist entwichen. Parteinachrichten. Aus den Organisationen. Die Parxteigenossen Pommerns nahmen in einer Bezirks⸗ konferenz, die am Sonntag in Stettin tagte, zu der Haltung der Fraktion Stellung. Anwesend waren 53 Vertreter aus der ganzen Sie besichtigten die! . Provinz; als Referenten waren die Genossen Braun(Partei⸗ vorstand) und Vogtherr erschienen. Den sehr eingehenden Referaten folgte eine ausgedehnte Debatte, in der sich die große Mehrzahl der Redner für eine Abkehr von der Politik des 4. August aussprach. Die Konferenz wax polizeilich überwacht, eine Abstimmung über irgend welche Entschließungen wurde nicht zugelassen. Die nachstehende Resolution erhielt die Unterschriften von 28. Delegierten: 5 „Die am 1. August in Stettin tagende Bezirks-Konferenz der Provinz Pommern billigt die Bestrebungen des Parteivor— standes zur Herstellung einer internationalen Verständigung für den Frieden. Sie erwartet vom Parteivorstand, der Reichstagsfraktion und der Gesamtpartei, daß allen Annexionsbestrebungen ent⸗ schiedener Widerstand entgegengesetzt wird. Von der Regierung wird verlangt, daß sie ihren unzweideutigen Friedenswillen kundgibt und sich gegen jede Annexion ausspricht. Bei Ab⸗ lehnung dieser Forderungen empfiehlt die Konferenz die Verweigerung weiterer Kriegskredite. Die Konferenz fordert eine energische Vertretung beiterinteressen ohne Rücksicht auf den Burgfrieden.“ Einige Genossen lehnten die Unterzeichnung ab, da sie mit der Haltung der Fraktion am 4. August nicht einverstanden sind. Eine zweite Resolution, die den Wunsch ausspricht, daß die Partei⸗ debatten sachlich geführt werden mögen und die verurteilt, daß der Artikel von Bernstein, Haase und Kautsksy„Das Gebot der Stunde“ zum Anlaß eines Parteiskandals und einer Hetze gegen den Genossen Haase genommen werden, vereinigte gleichfalls eine knappe Mehrheit auf sich. 8 der Ar⸗ Eine Konferenz der Parteifunktionäre von Groß⸗ Thüringen, an der auch die Reichstagsabgeordneten aus sechs Wahlkreisen teilnahmen, fand am 1. August in Weimar statt. Nach einer eingehenden, sehr sachlichen Aussprache wurde folgende Re— solution, gegen eine Stimme, angenommen: „Bezsiglich der Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Partei, wegen der Haltung der Reichstagsfraktion, ist die Kon— ferenz der Ansicht, daß alle Teile bestrebt waren, mit ihrer Haltung den Gesamtinteressen der Partei und dem Volke zu dienen. Die Konferenz erblickt in der Haltung des Genossen Haase keine Schädigung der Partei, sie erkennt ihm vielmehr das Recht zu, wie jedem Mitgliede, seine Meinung frei zum Ausdruck zu bringen. Es wird jedoch erwartet, baß auf allen Seiten darnach ge— handelt wird, die Geschlossenheit der Partei und damit die Schlagkraft derselben zu erhalten, um— wenn es dringender als je notwendig ist— die Jutexessen des Volkes so zu vertreten, wie es die Partei ihren Grundsätzen schuldig ist. Die Bezirkskonferenz für Groß-Thüringen erklärt sich mit allen Bemühungen, eine internationale Verständig⸗ ung, den baldigen Frieden zu erzielen, einverstanden. Demgemäß erachtet die Konferenz es als nächste Aufgabe der Reichstagsfraktion, von der Regierung zu verlangen, daß sie jede Annexionspolitik ablehnt. Gibt die Regierung diese Erklärung nicht ab, so verhindert sie den von der Sozialdemokratie er- strebten Frieden, der die Freundschaft mit den Nachbarvölkern er⸗ möglicht und deshalb ist es dann Pflicht der Fraktion, gegen die Eroberungspolitik Protest einzulegen, indem sie die Kredite ver⸗ weigert. Die Konferenz erwartet ferner, daß die Fraktion von der Re⸗ gierung wiederum und auf das allerentschiedenste fordert, daß die Auswucherung des Volkes durch Beschlagnahme aller Nahrungs- mittel und durch Festsetzung mäßiger Höchstpreise beseitigt und die Zensur und die Einschränkung des Vereins- und Versammlungs⸗ rechtes aufgehoben wird.“ 8 In einer sehr aut besuchten Generalversammlung des Sozial⸗ demokratischen Vereins flir den Reichstagswahlkreiss Augs⸗ burg⸗Werlingen⸗ Schwabmünchen, die am 31. Juli stattgefunden hat, wurde nach einem Referat des Genossen Simon-⸗Augsburg über die Stellung der sozialdemokratischen Partei zum Kriege folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins Augsburg-Werlingen⸗Schwabmiiuchen erklärt ihre Uebereinstimmung mit dem Verhalten der Mehrheit der Reichstagsfraktion, des Partei⸗ vorstandes und des Parteiausschusses in der Frage der Bewilligung der Kriegskredite. Die Versammlung hält in gegenwärtiger schwerer Zeit die Einigkeit und Geschlossenheit der Partei für notwendiger als je und verurteilt auf das allerschärsste jeden Versuch, diese Einigkeit zu ge⸗ fährden und so die Aktionskraft der Partei zu lähmen, gleichviel von welcher Seite dieser Versuch unternommen wird. Im Interesse der baldigen Herbeiführung eines gedeihlichen Friedens wird von der Reichstagsfraktion erwartet, daß sie mit Ent⸗ schiedenheit die Freigabe der Erörterung der Kriegsziele von der Reichsregierung verlangt. Ferner wird von der Reichstagsfraktion das tatkräftige Ein⸗ treten für die wirksame Bekämpfung des Wuchers mit den notwen⸗ digen Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen gefordert.“ N G Gießen und umgebung Teuerung und Kriegerfrau. Der Ortsausschuß für Konsumenteninteressen in Elber⸗ feld hat die Haushaltsrechnung einer Kriegerfrau aufgestellt, bie in ihrer Schlichtheit eine erschütternde Sprache redet. Es handelt sich um eine Frau mit drei Kindern im Alter von 10, 9 und 5 Jahren. Die Rechnung sieht so aus: Einnahme: 1 Monat Kriegsunterstützung 63 Mk. 1 Monat Mietszuschußß zusammen: 70 Mk. also wöchentlich Ausgaben(für eine Woche im Juli): 16,15 Mk. Miete(monatlich 28 Mk.).. 6.46 Mk. Gs%%% 2 7 SC((—,¹5⁵* Schuhwichse 115 Kaffee( Pfund). 0„ ais ,, , Butter(1½ Pfund)... 1,95„ Pl!!! 4410 5 JJ ct Sonstise Lebensmittel: Sonntag„ e Dunn 184 nd Miro„ ,, 92 W, 10 ü,, 8 zusammen: 26,18 Mk. bleiben ungedeckt wöchentlich 10,03 Mk. Die„sonstigen Lebensmittel“ sind auf dem Speisezettel der Familie zu finden, der sich für die fragliche Woche wie folgt gestaltet: g ö Sonntag mittag: Montag mittag: / Pfd. Erbsen. 0,60 Mk. Koh!!! 0,25 Mk. %„ Fleisch%%% 3 Pfd. Kartoffeln.. 0,30„ daktoffen 080„ Js Pfd. Spee, abend: abend: C 0,30„ 2 Oerin z 8 Df. 3 Bfd. Kartoffeln.. 030 1,34 Mk. Dienstag wittag: Mitiwoch mittag: 4 Pfd. dicke Bohnen(0,32 Mk. 6 Stück Kohlrabi. 0,42 Mk. id ek s 3 Pfd. Kartoffeln. 030„ 3 Pfd. Kartoffeln. 0,80„ 1 Liter Milch. 0,06„ abend: abend: ½ Pfd. Gries. 0%„ pid Res 1 Liter Milch 0,24„ 1½ Liter Milch.. 0,38„ / Pfd. Zucker. 0% Pfd. Zuckenr d 1,56 Mk. 1,52 Mk. Donnerstag mittag: Freitag mittag: Pfd. Gerste P, 0,30 Mk. ½% Pfd. Fleisch. 0,60„ 3 Pfd. Kartoffeln. 0.30„ Suppengrrnrnn 0,10„ Pill 1½ Pfd. Kartoffeln. 0,15„ abend: abend: Kartoffelsalat(3 Pfd. 1 Liter Miß, U Walch Pfeffer, 955 I. Dil ssig, Milch).. 080 1,50 Ml. Samstag mittag: / Pfd. Gries. 0,12 Mk. 1½ Liter Milch 0,36„ ½ Pfd. Zucker e abend: % Pfd. Wurst. 0,30„ 0,88 Mk. „Wirtschaftstechnisch“ gesprochen läßt sich kaum billiger leben, wie die angesetzten Preise zeigen. Eine andere Frage ist, ob die den vier Personen gebotene Ernährung, namentlich in ihren Mengen, auch nur einigermaßen ausreicht. Unter⸗ ernährung ist schon da in gefährliche Nähe gerückt. Es ist, aber eine Tatsache, daß zahlreiche Krieger- oder Arbeiter— Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 4¹ Endlich näherten sich Schritte aus der Nebenstube, der Amtsverweser und der Aktuar traten ein, ihnen folgten die beiden Gerichtsschöffen, und diese waren niemand anders als der alte Sternenwirt und der pensionierte Kastenverwalter. Diethelm war aufgestanden und sagte, mit dem Kopfe nickend: „Guten Abend!“ Er erhielt keine Antwort; krampfhaft faßte er die Stuhllehne, und seine Zähne klapperten, aber er biß sie aufeinander, und als der Amtsverweser ihm mit den Worten zuwinkte:„Setzt Euch!“, tat er dieses, räusperte sich und rieb sich hastig die Hände. Nun begann ein kluges Ver— hör von Kreuz- und Querfragen, und Diethelm war es, als umgäben ihn von allen Seiten scharfe Schwertspitzen; aber er hielt sich ruhig, er antwortete ohne Hast, aber auch ohne Zögern, es war fast, als ob er dem schreibenden Aktuar Zeit lassen wolle, genau seine Worte aufzuzeichnen. Auf manche Fragen antwortete er sogar mit spaßigem und heraus— forderndem Lächeln, und die Anwesenheit des Kastenver— walters gab ihm den glücklichsten, unvorhergesehenen Ent— lastungsbeweis an die Hand. Alles, was er so klug vorher bedacht hatte, war minder durchschlagend als das, was ihm eine unbedachte Vergeßlichkeit in die Hand spielte; der Kasten- verwalter mußte bezeugen, daß er Diethelm für sechshundert Gulden inländische Wertpapiere geliehen habe; diese nun nebst einem Hypothekenschein auf das Wirtshaus Zum Wald- horn waren verbrannt. „Ich weiß wohl,“ schloß Diethelm,„daß das Verbrennen der Hypothek nichts schadet, sie ist im Hypothekenbuch einge— tragen; aber die Staatspapiere sind verloren, und diese hätte ich doch gewiß leicht gerettet, wenn ich den schlechten Gedanken an Anzünden nur eine Minute gehabt hätte.“ Als der Amtsverweser erklärte, daß man die Nummern der Staatspapiere, die der Kastenverwalter noch in seinem Buche verzeichnet hatte, in den Zeitungen bekannt machen und die etwaigen Besitzer bei Vermeidung der Amortisation auffordern werde, da sagte Diethelm:„Was das ist, ich weiß es nicht, ich frag' auch nicht danach, es wird sich alles zeigen; wie es scheint, glaubt man mir ja nicht mehr.“ Und das, daß man ihm das Wahrhafte an seinen Angaben bezweifelte, gab ihm immer mehr den Mut, mit kecker, herausfordernder Zu— versicht aufzutreten. Zuletzt faßte er seine Aussagen dahin zusammen, daß er mindestens zehn Stunden abwesend war, als der Brand ausbrach, daß er gerade jetzt in der besten Lage war, da er nicht nur einen schicklichen Verkauf machen konnte, sondern auch durch den Tod seiner Stieftochter ihm eine reiche Erbschaft ins Haus kam; er habe daher nach der Hauptstadt reisen wollen, um den Handel abzuschließen und seine Fränz heimzubringen, damit die Mutter in ihrem Schmerze doch auch ein Kind um sich habe. Dem Vorhalt, daß er über den Auf— enthalt Medards widersprechende Aussagen gemacht und wohl mit ihm im Einverstand gewesen sei, setzte Diethelm die Be— teuerung entgegen, daß er im Gegenteil dem Knaben gesagt habe, der alt' Schäferle möge zu seinem Sohne hinaufgehen, da er daheim bleiben müsse und an seinem Beinbruch leide. An dieser letzten neuen Zutat fand der Richter eine Handhabe, um Diethelm noch eine geraume Weile hin und her zu zerren, aber Diethelm riß sich endlich gewaltsam los und sagte auf⸗ stehend mit mächtiger Zornesstimme:„Ein Ehrenmann wie ich braucht sich eigentlich gar nicht zu verteidigen. Ich bin seit fünfzehn Jahren Waisenpfleger und habe für die Waisen gesorgt wie ein Vater und nie auf meinen Vorteil gesehen—“ Diethelm hielt plötzlich mit einem Schrei inne, denn von der Höhe senkte sich eine Flamme und brannte ihm ins Gesicht. „Was macht Ihr?“ schrie er plötzlich laut und fuhr weit zurück, sank auf den Boden und starrte drein, als sähe er ein Gespenst. „Was macht Ihr?“ schrie er nochmals. Der Richter sprang schnell von seinem Stuhle auf, faßte Diethelm an der Schulter und fragte mit gebieterischem Tone: „Habt Ihr mit solch einer Kerze das Haus angezündet?“ „Ich weiß nicht, was Ihr wollt. Ist das erlaubt? Ich Jetzt will ich aber nicht mehr reden. Sie zu fragen haben.“ will das zu Protokoll genommen. Darf man mich brennen?“ schrie Diethelm sich aufrichtend. Der Richter befahl dem Kanzleidiener, die Kerze, die Diethelm beim raschen Aufstehen von dem Wandleuchter ge— stoßen, wieder aufzustecken, und gebot Diethelm, ruhig auf seinem Stuhle zu bleiben und sein Handfuchteln zu lassen. Sich am Stuhle aufrichtend, setzte sich Diethelm auf diesen und atmete laut. „Warum seid Ihr wegen der Kerze so erschrocken?“ fragte der Richter nochmals, rasch und nahe auf Diethelm zutretend und die Hand gegen ihn ausstreckend. „Nur gemach, nur gemach,“ wehrte Diethelm ab,„sind Sie vielleicht feuerfest, Herr Amtsverweser? Tut's Ihnen nicht weh, wenn Ihnen ein Licht ins Gesicht brennt, noch dazu den Tag, nachdem so ein Unglück über Sie kommen ist und man jedem Licht bös ist, weil es so was anrichten kann? Sie können, nein, beim Teufel, Sie müssen mich frei⸗ sprechen, Herr Amtsverweser, aber die Schande, daß ich ein⸗ gesperrt gewesen bin, ich, der Diethelm von Buchenberg, und die Qualen, die man mir antut, die könnt Ihr mir nicht wieder gut machen. Mich tröstet nur eins: ich bin zu stolz gewesen, ich hab' mir auf meinen Ehrennamen vielleicht zu viel eingebildet, ich hab' gedemütigt werden müssen; aber so viel weiß ich, so gut gegen die Menschen bin ich nicht mehr, wie ich gewesen bin. Fragt in Letzweiler nach mir, fragt über⸗ all nach mir, und man wird Euch sagen, wer der Diethelm ist. Ich soll geholfen haben anzünden? Ja, das beste vergeß ich ja. Der Kastenverwalter da, und der Sonnenwirt und der Kaufmann Gäbler, die können mir alle bezeugen, daß sie mich überredet haben, zu versichern, ich hab' nicht gewollt. Tut das ein Brandstifter? Tut das ein Mordbrenner?“ „Sprecht nur leiser,“ ermahnte der Ri ter, iet⸗ helm fuhr fort:„Sie haben recht, ja, abe ich möcht k schreien, daß es die ganze Welt hört, was man mir antut. Fragen Sie noch, was (Jortsetzung folgt.) und 2 —— ͤ — —— samilien sich mit einer noch unzulanglicheren Nahrung be⸗ helfen müssen, denn man sieht an dem relativ bedeutenden Defizit der Rechnung, daß die Frau einige Ersparnisse zuzu— setzen hat— die allerdings im vorliegenden Falle auch bald ausgegeben sind. Was aber dann? Dabei ist für Anschaffungen usw. in diese Rechnung nichts eingesetzt worden. Die Frau hat auch reinemachen können. Die Schuhe ihrer Kinder hat sie selbst in Ordnung gebracht, da sie im Besitz eines Stück Leders war. Auch damit ist es zu Ende. Dann naht der Winter heran. Heizung muß beschafft werden. Wovon? Der Fall ist typisch insofern, als er uns einen Blick in die Wirtschaft einer„bessergestellten“ Kriegerfamilie tun läßt. Zehntausende andere stehen sich noch schlechter. Die Sorgen verzehren die Kriegerfrauen. Regierung und Gemeinde— behörden sollten die Eindringlichkeit der Sprache einer solchen für unzählige geltenden Rechnung verstehen und für aus— reichende Unterstützung sorgen, daneben aber auch dem Lebens— mittelwucher mit aller Wucht zu Leibe rücken. Beides ist dringend nötig. 400 000 Pfund Fleisch verdorben! Im Kölner Stadt⸗Anzeiger(Nr. 352) finden wir dieses Angebot: Rindfleisch gesalzen(ca. 4000 Zentner), zu techn. oder Futterzwecken verwendbar, ist abzugeben. Angebote u. S 17 an die Hauptag. Pantaleonstr. 28. Man muß die Anzeige zweimal lesen, um sie voll zu be— greifen: In einer Zeit großer Fleischknappheit und höchster Teuerung müssen 4000 Zentner Rindfleisch verschleudert wer— den, weil sie für die menschliche Ernährung nicht mehr zu gebrauchen sind. Dabei handelt es sich nicht einmal um einen Einzelfall. Sind doch in Köln neulich schon Mengen ver— dorbenen Fleisches in den Rhein geworfen worden, und zwar nicht von der Stadtverwaltung, wie vielfach angenommen wurde, sondern im Auftrage einer andern Stelle, die zur gewissenhaften Aufbewahrung oder rechtzeitigen Abstoßung des Fleisches verpflichtet gewesen wäre.— Da gehen Massen von Nahrungsmitteln zugrunde, während das Volk darben muß! — Gereimte Nachrufe. Bei Todesanzeigen, die von An⸗ gehörigen im Kriege Gefallener oder von Vereinen für ihre Mitglieder in den Zeitungen veröffentlicht werden, kann man vielfach Gedichte zur Verherrlichung und zum Lobe der Ver⸗ storbenen lesen. Meistens druckt man sie von vorhergegangenen Nachrufen ab, unbekümmert darum, ob der Inhalt auf den Toten zutrifft oder nicht. Die Wirkung auf den Leser ist daher sehr oft nicht die gewünschte, besonders dann nicht, wenn es dabei mit der Dichtkunst hapert. Ueber die Sitte, den Schmerz über den Verlust eines Angehörigen in ge— reimten Worten auszudrücken, lasen wir dieser Tage in einem Parteiblatt treffende Worte. Diese Sitte, hieß es da, ist in ihrem Kerne feierlich und rührend und legt Zeugnis ab von der tiefen Empfindsamkeit des deutschen Gemütes. In den nachgelassenen Werken unserer großen Dichter finden wir denn auch ergreifende Nachrufe auf geliebte Verstorbene, die in ihrer herben Schönheit wohl geeignet sind, Hinterbliebenen wohlzutun. Aber es ist immerhin ein ander Ding, ob bei solchen ernstesten Vorgängen des Lebens ein Berufener zum höchsten Ausdruck der Sprache— der Dichtung— greift oder ob ein Unberufener ihm nachzueifern sucht. Auch im letzteren Falle ist das Bedürfnis eines Nichtdichters, das, was ihn bewegt, in Verse zu kleiden, nur zu ehren, wenn er es als ein stilles Vermächtnis betrachtet, das in der breiten Oeffent⸗ lichkeit nichts zu suchen hat. Seit Ausbruch des Krieges aber findet man täglich in den Todesanzeigen gefallener Krieger gereimte Nachrufe, die, so wohl sie auch gemeint sein mögen, doch zu dem heiligen Ernst ihres Anlasses in keinem rechten Verhältnis stehen. Läßt schon die äußere Form meist fast alles vermissen, was von einer Dichtung gefordert wird, so wirkt auch der Inhalt auf Fernerstehende meist äußerst pein— lich. Ganz besonders gilt dies von den Erzeugnissen gewerbs- mäßiger Reimeschmiede, die auf Verlangen gegen Entgelt jeden Nachruf verfassen, dabei aber mit einer inneren Teil⸗ nahmslosigkeit und oberflächlichen Geschäftsmäßigkeit zu Werke gehen, die Aergernis erregen muß. Selbstverständlich ist es stets Sache des Geschmackes und Empfindens des ein⸗ zelnen, wie er sich zu dieser Frage stellen will, aber man möchte doch einmal den Angehörigen eines Gefallenen zu bedenken geben, ob sie— falls ihnen nicht ein wirkliches, echtes Dichter⸗ wort zu Gebote steht— ihre Toten nicht besser durch wenige einfache, dafür aber herzliche und warmempfundene Worte ehren, als durch ein schlechtes Gedicht, das nur ein Zerrbild des wahren Empfindens gegenüber dem Verstorbenen sein kann und gar zu oft sogar dem Fluche der Lächerlichkeit anheim- fallen würde, wenn es davor nicht die Majestät des Todes schützte. — Heinrich Buckendahl, der frühere Bezirksleiter des Holzarbeiterverbandes in Frankfurt, der vielen unserer Leser bekannt sein dürfte, ist auch dem Kriege zum Opfer gefallen. Er war als Landsturmmann in Rußland und ist im Lazarett zu Rawa am Typhus gestorben. Seit Frühjahr 1912 war er Gauvorsteher in Hamburg, seinem Geburtsorte. Ueber- all hat Buckendahl für seine Organisation eine umsichtige und erfolgreiche Tätigkeit entfaltet, besonders bei Unterhand— lungen in Lohnkämpfen. Persönlich war Buckendahl ein lieber Mensch und ein guter, aufrichtiger Charakter. Alle, die ihn kannten, werden den Verlust des braven Genossen schmerzlich empfinden. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Musketier Heinrich Ruckelshausen aus Arnshain, Kreis Alsfeld, Inf-Reg. 92. Wehrmann Konrad Ruckels⸗ hausen aus Ehringshausen, Kreis Alsfeld, Landw.-Inf.⸗ Reg. 87.— Unteroffizier Hans Pflug aus Ober-Gleen, Inf.⸗Reg. 167.— Unteroffizier Louis Schäfer aus Rod— heim a. d. Bieber, Landw. Reg. 8g. Unteroffizier Karl Goubcaud aus Werdorf, 1. Garde-Reg. zu Fuß. Soziale Fürsorge aus den Taschen der Arbeiter. Der Inhaber der Ledersabrik Freudenberg in Weinheim g. B. hat dieser Tage eine Versammlung mit seinen Arbeitern abge— halten. Dabei kamen recht interessante Dinge zur Sprache, es zeigte sich wieder einmal, daß die Kriegsfürsorge der Arbeit— geber mitunter nicht von diesem, sondern von den Arbeitern selbst bezahlt wird. In dem Betrieb sind nach dem Bericht über jene Fabrikversammlung 3550 Arbeiter beschäftigt, da— von ist die Hälfte als Kriegsteilnehmer eingezogen. An Unterstützungen wurden bis jetzt 37 400 Mark ausbezahlt, so daß also auf jeden Kriegsteilnehmer etwa 20 Mark Unter⸗ stützung für die ganze einjährige Dauer des Krieges ent— fallen. Am Anfang des Kriegsjahres wurden den Arbeitern mit deren Einverständnis 10 bis 15 Prozent von ihrem Lohne abgezogen; das wurde jedoch nach kurzer Zeit wieder einge— stellt. Dieser Betrag ergab 57 000 Mark, er wurde zins— tragend angelegt und soll später für Kriegsinvaliden ver— wendet werden. Auf dem Schlachtfeld sind bis jetzt 73 Ar— beiter gefallen. Der Betrieb kann in seinem jetzigen Umfang aufrechterhalten werden. Die Unterstützungen werden weiter— gewährt. Man denke, daß es sich um eine Lederfabrik handelt, also um einen Betrieb, der gerade in der Kriegszeit bedeutende Gewinne bringt. Der kommunale Kampf gegen die Lebensmittelteuerung. Die Stadt Darmstadt hat große Gerstengraupen und Teigwaren(Nudeln und Makkaroni) angeschafft, von denen sie in den nächsten Tagen einen Teil an solche Einwohner abgeben wird, die einen eigenen Haushalt führen und ein Einkommen von nicht mehr als 2000 Mark versteuern. Die Abgabe erfolgt gegen besondere Berechtigungsscheine, die gegen Vorzeigung von Brotausweiskarte und Steuerzettel ausgegeben werden. Die Waren, zunächst die Graupen, wer— den in Mengen von je ein Pfund abgegeben. Der Preis ist 45 Pfg. für das Pfund. Einigkeit macht stark! Noch ist der Frieden nicht erkämpft. berufungen stehen noch bevor. Ein⸗ Gedenkt alsdann der hessischen riegsversicherung, einer von den Krankenkassenverbänden unter dem Vorsitz des Direktors des Oberversicherungsamts für den Krieg gegründeten Sterbekasse auf Gegenseitigkeit, einem ohne jede Erwerbsabsicht lediglich ehrenamtlich betriebenen, ministeriell empfohlenen Wohltätigkeitsunternehmen. Die Ein⸗ zahlungen betragen bereits über 420 000 Mark. Gerne wird Jeder auf den Betrag verzichten, wenn der Versicherte aus dem Kriege zurückkehrt! Ein Vielfaches aber(im Kriege 1870/71 wäre es das 25fache gewesen), wird im Falle der Versicherte den Heldentod verstirbt, seinen Angehörigen zugute kommen! Anträge nimmt nur noch die Hauptgeschäftsstelle im Oberversicherungsamt, Darmstadt, Neckarstraße 1(Tel. Nr. 2141) entgegen, die auch zu jeder Auskunft gerne bereit ist. — Eine Verkaufsordnung für den Wochenmarkt hat jetzt das Generalkommando für das 18. Armeekorps erlassen. Sie deckt sich im gangen mit der vor etlichen Wochen für Gießen erlassenen Markt⸗ ordnung, nur mit dem Unterschiode, daß nach der Gießener Vor⸗ schrift der Einkauf durch Zwischenhändler für den ganzen Markttag verboten ist, während die Verordnung des General⸗ kommandos den Zwischenhändlern den Einkauf von 10 Uhr vor⸗ mittags an erlaubt. Jedenfalls bleibt aber erstere Bestimmung in Kraft. Zuwiderhandlungen sind aber nunmehr mit Gefängwis⸗ strafen bedroht. — Die Trauerfeier für Stadtverordneten Max Friedberger fand gestern nachmittag in der israslitischen Friedhofskapelle statt. Nachdem Her Rabiner Dr. Sander den Verstorbenen als tüchtigen, cha raktervollen und hilfsbereiten Menschen, der sich durch seine fleißige Arbeit ein glückliches Leben geschaffen habe, gefeiert hatte, stattete Oberbürgermeister Keller dem Toten den Dank für die dem Gemeinwesen geleistete Arbeit ab; das Andenken Friedbergers werde in Ehren gehalten werden. Im Auftrage der Handelskammer legte ein Mitglied derselben einen Kvanz an der Bahre nieder. ebenso Fustizrat Metz für die Fortschrittliche Volkspartei.— Die Leiche ist heute Vormittag in Offenbach eingeäschert worden. — Zn keine höhere Klasse einsteigen! Auf der Eisenbahn näm⸗ lich. Vor etlichen Tagen verurteilte das Schöffengericht in Mar⸗ burg einen Reisenden, der vom Südbahnhof aus mit einer Fahr⸗ karte nach Gießen 4. Klasse einen Wagen 3. Klasse bestiegen hatte, wegen Schädigung des Eisenbahnsiskus um 35 Pfennige zusieben Tagen Gefängnis. Die Schutzbehauptung, daß er den Wagen 4. Klasse nicht mehr habe erreichen können, wurde für widerlegt erachtet. — Aus den Gewerkschaften. Beim Verband der Brauerei⸗ und Mühlenarbeiter war die Mitgliederzahl am Schlusse des zweiten Quartals 1914 im Vergleich zu derjenigen am Schluß des Fahres 1913 etwas gestiegen. Mit Ausbruch des Krieges und mit den Einberufungen zum Heeresdienst setzte die rückläufige Be⸗ wegung im Stande der Mitalieder ein. Von 51587 im zweiten Quartal fiel die Mitgliederzahl auf 34903 im dritten und auf 31193 im vierten Quartal. Der Verlust übersteigt die Zahl der Kriegsteil⸗ nehmer. Einberufen zum Heere waren Anfang September 27,4 Pro⸗ zent, Ende Oktober 33,6 Prozent der Mitglieder. Ueber die Finanzverhältnisse berichtet der Vorstand: Das Jahr 1914 schloß ab mit einem Vermögensbestand in der Hauptkasse von 1655 031 Mk. gogen 1704 402 Mk. im Vorjahre, also weniger rund 50 629 Mk.: in den Lokalkassen mit 356741 Mk. gegen 382944 Mk. im Vorfahre, weniger 26 203. Der Gesamtvermögensbestand des Verbandes be⸗ trug Ende 1914 rund 2011772 Mark. Kreis Friedberg⸗ Büdingen. e Friedberg. Allgemein wird in Parteikreisen bedauert, daß unser Genosse Landtagsabg. und Stadtverordneter Busold seit längerer Zeit krank darniederliegt. Er leidet an einer Nieren— krankheit, sein Zustand ist nicht unbedenklich, doch hofft man trotz⸗ dem, ihn bald wieder hergestellt zu sehen. Diesem Wunsche wird sich gewiß jeder Parteigenosse anschließen, jedem ist bekannt, daß Busold seit langer Zeit nach besten Kräften für die Interessen der arbeitenden Bevölkerung arbeitete. Kreis Alsfeld⸗Lauterbach. e Alsfeld. Am Montag nachmittag ereignete sich auf der Leuseler Straße ein Unfall, dem ein junges Menschenleben zum Opfer fiel. Von einem Handwagen fiel ein gefülltes Bierfaß herab, wodurch das in der Nähe befindliche siebenjährige Söhnchen des Oberbahnassistenten Schmidt so schwer am Kopfe verletzt wurde. daß es bald darauf in den Händen des zurzeit hier auf Urlaub be⸗ findlichen Sanitäts-Unteroffizlers Schmandt, der sich zufällig in der Nähe befand und Hilfe leistete, verstarb. Der Vater des ver— unglückten Kindes befindet sich gegenwärtig im Felde. Kriegsopfer. Aus dem Dorfe Ober⸗-Gleen sind bis jetzt bereits zwölf Kriegsteilnehmer gefallen. Von Nah und Fern. Ein Kohlenlager in Brand. In Frankfurt brennt seit Montag abend das große Kohlenlager der Firma Miller u. Sinning. Mehrere tausend Zentner Briketts und Kohlen stehen in Flammen. Die Tätigkeit der Feuerwehr kann sich nur darauf beschränken, die Ausdehnung des sedenfalls durch Selbstentzünd⸗ ung entstandenen Brandes zu verhüten. Eich, 3. Aug. Den Tod durch Genuß von Tollktr⸗ schen hat sich das 6jährige Söhnchen des Landwirtes Adam Baer zugezogen. Beim Bromboerenpfllicken hatte das Kind auch einige Tollkirschen genossen. Merkwülrdigerweise traten die Vergiftungs⸗ erscheinungen erst einige Zeit später hervor, aber gleich im solchem Maße, daß alle ärztliche Mühe ergebnislos war. g Vermischtes. Unter dem Verdacht des Elternmordes verhaftet. g In der luxemburgischen Ortschaft Kleinbettingen wurde der Zollbeamte Fetter und seine Frau in der Wohnung ermordet auf⸗ gefunden. Die Leichen trugen zahlreiche Messerstiche. Das Bett war in Brand gesteckt worden, um durch Verbrennung der Leichen die Spur des Mordes zu verwischen. Die Gendarmerie verhaftete den zwanzigjährigen Sohn der Ermordeten, der Buchhalter ist; er ist des Elternmordes verdächtig. Explosion. In Aich bei Zellhof(Nob.) wurde auf einem Gutshof ein Benzinmotor zum Dreschen benützt. Der 19jährige Arbeiter Stein⸗ lellner zündete sich in nächster Nähe des Motors eine Zigarette an als eine heftige Explosion erfolgte, durch die Steinkellner die Schädeldecke zertrümmert wurde, so daß er alsbald starb. Furchtbarer Wolkenbruch über Nisch. Wie Az Est aus Sofia gemeldet wird, wütete am Mon tag in Nisch und Umgebung ein furchtbarer Wolkenbruch und Orkan. Hagelkörner von riesiger Größe vernichteten die Ernte. Zahlreiche Personen wurden getötet. Der Telephon⸗, Telegraphen⸗ und Eisen⸗ bahnverkehr ist dermaßen gestört, daß Nisch für mehrere Tage von den übrigen Teilen des Landes abgesperrt ist. Mutter und Kind schwer verunglückt. In Thannheim bei Memmingen geriet die Landwirtsehefrau Abrell, als sie abends an ihren, im Felde stehenden Mann einen Brief schrieb, mit dem Kopf dem Licht zu nahe. Im Nu fingen ihre Haare Feuer und die Frau erlitt gräßliche Brandwunden. st zur gleichen Stunde geriet ihr dreijähriger Knabe mit beiden Händen in einen Aufzug. Dabei wurden ihm von der rechten Hand alle vier Finger abgedrückt und die linke Hand ebenfalls bös zu⸗ gerichtet. Vom Baum gestürzt. In schwer verletztem Zustande wurde in St. Ingbert der 19 Jahre alte Student Erich Zumpfel aus Saarbrücken eingeliefert. Der junge Mann war im Griesbachtal bei Niederwürzbach, wohin er einen Ausflug unternommen hatte, von einem Baum abgeftürzt und hatte sich dabei einen Schädelbruch zugezogen. Rettungstat eines Kriegers. Aus Nordhausen wird geschrieben: Der Reservist Paul Becker aus Hannover, befand sich in Nordhausen auf Urlaub. Als er an den Ufern der Salza spazieren ging, be⸗ merkte er, daß ein kleines Mädchen ins Wasser gefallen war. Trotz seines steifen Beines und einer Lähmung seiner rechten Seite sprang er ins Wasser der Salza und rettete das Kind das bewußt⸗ los war. Dann stellte er Wiederbelebungsversuche an und brachte das Kind in die Wohnung seiner Eltern. Weil er sich aus dem Zugfenster lehnte. In Reichertshofen bei Ingolstadt wurde ein Soldat, der am Fenster eines Personenzuges lehnte, von einem begegnenden Eilzug am rechten Arm erfaßt und erheblich verletzt. Der entführte Zollbeamte. Der Hoser Anzeiger meldet: Eine erheiternde Seite weist eime Schmugglergeschichte auf, mit der sich kürzlich das Kreisgericht in Böhmisch⸗Leipa zu beschäftigen hatte. Der Kraftwagenführer Hanisch kam eines Tages mit seinem Auto beim Zollhaus in Warnsdorf vor⸗ gefahren und wurde hier wegen Schmuggelverdacht angehalten. Der Verdacht erwies sich auch als begründet. Hanisch kam in Haft. Das Auto wurde beschlagnahmt und sollte im Laufe des Tages auf höhere Anweisung in eine Garoge gebracht werden, und da niemand sonst zur Stelle, wurde Hanisch damit beauftragt, während ein Beamter im Rücksitz des Wagens die Fahrt mitzumachen hatte. Hanisch, num⸗ mehr im Besitz seines Wagens, fuhr aber nicht in die Garage, son⸗ dern kurz entschlossen mit rasendstem Tempo der sächsischen Grenze zu. Der Beamte mußte mit, ob er wollte oder nicht. Erst in Zittau konnte das Auto zum Stehen gebracht werden und der entführte Zoll⸗ beamte trat mit der Eisenbahn die Rückfahrt von der unfreiwilligen Reise an. Dem Führer brachte der Ausflug einen Monat schweren Kerker ein. Goslarsche Jäger, Telegramme. Tageöbericht des Großen Hauptauartiers. Warschau wird angegriffen. Der Westteil von Jwangorod gefallen. W. B. Großes Hauptquartier, 4. Aug., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Oestlicher Kriegsschauplatz. In der Verfolgung des weichenden Gegners erreichten unsere Truppen gestern die Gegend von Kupischki(östlich Pon iewic z). Nördlich von Lomsha wurden die Russen in die vorge⸗ schobene Verteidigungsstellung der Festung zurückgedrängt. Ost- und westpreußische Regimenter nahmen die noch durch die Feldbefestigungen geschützten Narewübergänge bei Ostrolenka nach heftigstem Widerstande. Mehrere tausend Russen wurden gefangen genommen, 17 Maschinengewehre er⸗ beutet. Auch hier ist die Verfolgung aufgenommen. Vor Warschau wurden die Russen aus der Blonie⸗ strellung in die äußere Frontlinie geworfen. Die Armee des Prinzen Leopold von Bayern befindet sich im Angriff auf die Festung. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bei den über die Weichsel vorgedrungenen deutschen Truppen der Armee des Generalobersten v. Woyrsch nimmt der Angriff seinen Fortgang. Die österreichisch-ungarischen Truppen dieser Armee sind im Besitz des Westteils der Festung JIwangorod bis zur Weichsel. Gegenüber den verbündeten Armeen des Generalfeldmar⸗ schalls v. Mackensen versuchte der Feind auch gestern die Ver⸗ folgung zum Stehen zu bringen. Er wurde bei Lenezua nordöstlich von Chohm und westlich des Bug erneut ge⸗ schlagen. Seit heute früh ist der geworfene Feind im Rückzug zwischen Weichsel und Bug in allgemein nördlicher Rich- tung. Auch bei und südlich Uszilny am Bug weicht der Gegner. Oberste Heeresleitung. Notiz: Kupischki liegt etwa 40 Kilometer östlich Poniewiez. 2 Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Deutsche Fortschritte am Ostufer der Weichsel. Schwere Verluste der Italiener. Italienische Infanterie von ihrer Artillerie beschossen. Wien, 4. August.(W. T. B.) Amtlich 4. August 1915, mittags. KRufsischer Kriegsschauplatz. Zwischen Weichsel und Bug leisteten die schrittweise weichen⸗ den Russen in gewohnter Art an verschiedenen Stellen ernenert wird verlautbartz Seeland Es kam nördlich Dubienka und Cho lm an der winska und an der Linie Lenezuna⸗Nowo Alexandria zu stärkeren Kämpfen. An manchen Teilen der Front unternahm der Gegner, um unser Nachdrängen einzudämmen, kurze Gegen⸗ stöße. Aber er vermochte nicht Stand zu halten, wurde gewor⸗ sen und setzte um Mitternacht den Rückzug gegen Norden fort. Der auf dem linken Weichselufer gelegene Westteil von r ist in unserer Hand. Die gegenüber der adomka⸗Mündung auf dem Ostufer der Weichsel stehenden deut⸗ schen Kräfte machten abermals Fortschritte. Zwischen Wladimir⸗Wolynskij und Sokal zer⸗ sprengten unsere Truppen ein Kosaken⸗Regiment. Südwestlich Wladimir⸗Wolynskij sind große Brände sichtbar. In Ostgalizien nichts Neues. . Italienischer Kriegsschauplatz. Im Görzischen wurden in der Nacht zum 3. August am Plateaurande wieder mehrere vereinzelte italienische Angriffe ab⸗ gewiesen, so südlich Sdraussina und östlich Polaz 3 0, wo die feindliche Infanterie zweimal mit dem Bajonett angriff, je⸗ doch beidemale unter schweren Verlusten zurückgeschlagen wurde. Am Nachmittag des 3. August versuchten die Italiener bei Regen und Nebel nach heftiger Artillerievorbereitung abermals Vorstöße gegen unsere Stellungen auf dem Monte Dei Sei Busi. Auch dieser Angriff wurde abgeschlagen.. Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet kam es in einigen Ab⸗ schnitten zu lebhafterer Artilleriectätigkeit. Die gegen den Zellenkofel angesetzte italienische Infanterie zog sich, da sie von ihrer eigenen Artillerie beschossen wurde, auf den Westhang der Höhe zurück. Ein Angriff von zwei feindlichen Kompagnien gegen die Grenzbrücke südlich Schluder⸗ bach und ein starker italienischer Angriff auf den Col di Lana (Buchenstein) wurde abgewiesen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. 175 von Höfer, Feldmarschalleutnant. .* 8 Zur Lage in Rußland. T. U. Lausanne, 4. Aug. Zur Lage im Osten und über den russischen Rückzug in Polen schreibt die Revue: Der russische Rückzug macht sich notwendig infolge des Mangels an Munition, der keine längere wirksame Offensive mehr zuläßt. Dem Optimismus der Russen und Franzosen, daß die Räumung Polens nur eine unwesentliche Episode des Krieges darstelle, hält das Blatt die Bemerkung entgegen, daß die verbündeten Deutschen und Oesterreicher mit der Er⸗ reichung dieses Zieles wohl zufrieden sein könnten, da sie hierdurch ein wichtiges Pfand in die Hände bekommen, das sie würden behaupten können. Die Erfahrungen in Frankreich und Belgien lehren, wie schwer es sei, die Zentralmächte aus den gewonnenen Gebieten wieder zu vertreiben. Die Amputation Polens sei notwendig, um den Rest des russischen Organismus zu retten. Das kranke Rußland sehe, nach den Meldungen dortiger Blätter, diesen Operationen mit Mut und Kaltblütigkeit entgegen. Das Resultat des ersten Kriegsjahres. Unter den militärischen Sachverständigen, die in der hollän⸗ dischen Tagespresse eine hervorragende Rolle spielen, steht der General Jonkher van der Goes mit an erster Stelle. Ueber den lächerlichen Widerspruch, der sich gegenwärtig feststellen läßt zwischen dem, was die Russen mit Worten darstellen, und dem, was in Wirk⸗ lichkeit vor sich geht. äußert sich der General neuerdings in einem längeren Aufsatz im Arnhemschen Courant vom 2. August. Er geht davon aus, daß die Räumung Warschaus jetzt wahrscheinlich geworden sei, und spricht mit bewundernden Worten von dem großen strategischen Plane, der diese Ergebnisse herbeigeführt habe. Keines⸗ wegs, sagt er, möchte er den Mut und die Ausdauer des Entente⸗ Heeres oder die Geschicklichkeit ihrer Führer umterschätzen, aber er müsse auf die verkehrte, ja törichte Art hinweisen, in der die Entente⸗Zeitungskorrespondenten und Augenzeugen beständig mit Geringschätzung vom Feinde sprechen und schreiben, kleine Erfolge au großen Siegen aufblasen und sich selbst und das Publikum mit der Vorstellung gewaltiger Erlebnisse erfüllen lassen. Was werde doch das russische Volk, was das englische und französische was würden die Belgier und Italiener denken müssen, wenn sie einmal wach⸗ gerüttelt würden aus dem seligen Traume des ihnen vorge⸗ spiegelten schließlichen Sieges! General van der Goes zerpflückt dann die russischen Communiqués und meint, es wäre wohl wür⸗ diger und vernünftiger gewesen, die Wahrheit zu sagen und nicht auf einmal die Welt glauben machen zu wollen, daß die Njemen⸗ und Buglinie die Linie gewesen sei, an der man schon seit Jahren den Entscheidungskampf zu führen beschlossen hätte. Er bezweifelt auch, daß die neue Linie nach den durch die Deutschen bis dahin erreichten Erfolgen lange ernsthaft werde standhalten können. General van der Goes schließt seine Betrachtungen folgendermaßen:„Liest man, daß der englische Gesandte Buchanan und auch der militärische Mit⸗ arbeiter der Times es nötig fanden, ihre Bewunderung und Be⸗ geisterung für das russische Heer auszusprechen und der unzerstör⸗ baren treuen Hilfe Englands zu gedenken, während ein fünfmal stärkeres Heer den Rückzug antreten muß, und entkleidet man die russischen und englischen Betrachtungen ihres Flittergoldes, das dazu dienen muß, die Geistesarmen zu blenden, dann sieht man doch in, allem den Niederschlag der Beunruhigung, und zwar in Rußland vor der Nemesis und in England vor der Gefahr, daß Rußland den Kampf aufgeben könne. Das ist also am Jahres⸗ tage der Kriegserklärung das Resultat der famosen russischen Dampfwalze.“ So schreibt General van der Goes. Die abgesagte Kriegsanfangs⸗Gedenkfeier a in Frankreich. T. U. Genf, 4. Aug. Die in Paris und der Provinz ge— plant gewesene Kriegsanfangs⸗Gedenkfeier wurde infolge der Berichte über den Zusammenbruch der russischen Wehrkraft abgesagt. Das Ministerium Viviani hat durch seine Unter— werfung unter die parlamentarische Kontrolle den Vertretern der Kammer weitgehende Einflußnahme auch auf Auswärtiges und Finanzen eingeräumt. Der türkische Tagesbericht. Der Rückzug der Russen im Kaukasus. Karakilissa besetzt. Konstantinopel, 4. Aug.(W. T. B.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Kaukasusfront griffen unsere Truppen heftig eine feindliche Nachhut an, die in den Stellungen in der Umgebung von Hamur, östlich Kilidj Guedigui, den Rück⸗ zug der Hauptmacht zu decken versuchte. Wir jagten den Feind nach Norden und machten 150 Gefangene. Die Russen hatten über 500 Tote und 1000 Verwundete. Unsere ver⸗ folgenden Abteilungen besetzten Karakilissa und die Umgegend nördlich von Hamur. An der Dardanellenfront am 3. August bei Ari Burnu Schützengrabenkämpfe ohne Bedeutung. Unsere Artillerie Zerstörte eine feindliche Bombenwerferstellung auf unserem linken Flügel. Ein feindlicher Kreuzer beschoß ohne Wirkung Altschi Tepe. Unsere Artillerie erwiderte das Feuer und licher Flieger warf eine Bombe aus das Hospital in Eznie, südlich von Kum Kale, ab, die einen Verwundeten tötete. Am 3. August ließen ein Kreuzer und vier Torpedoboote über Sighadjt Kliman, südlich Smyrna, ein Flugzeug auf⸗ steigen, das drei Bomben abwarf, die eine Person töteten. Die erwähnten Schiffe schleuderten 200 Granaten auf den genannten offenen Ort, durch die ein Haus zerstört wurde. An den übrigen Fronten nichts von Bedeutung. Die Diversion gegen Kleinasien. Athen, 4. August. Nach Privatmeldungen werden bei Chios und Samos Torpedoboote und Kreuzer der Verbündeten sowie Truppen in Stärke von 15000 Mann zusammengezogen. Es wird angenommen, daß eine Landung bei Tchesme, Nea Ephesos und Adalia als Diversion beabsichtigt ist. Von der Valkanfrage. Das türkisch⸗bulgarische Abkommen. Athen, 4. Aug. Der Abschluß des türkisch⸗bulgarischen Abkommens wird hier für Tatsache gehalten. Es verlautet, daß an Bulgarien das ganze Gebiet westlich der Maritza, durch das die Linie Dedeagatsch—Philippopel geht, abgetreten wird. Dagegen scheint Bulgarien die Verpflichtung zu über⸗ nehmen, in keinem Falle aus seiner Neutralität zugunsten der Feinde der Türkei herauszutreten, und sich im Falle eines Angriffs eines Balkanstaates gegen die Türkei auf deren Seite zu stellen. Der Vertrag verknüpft nach der hier herrschenden Auffassung Bulgarien fest mit der Türkei und den beiden Zentralmächten. Zweifellos werde das Abkommen auch die noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen der Entente mit Bulgarien und die Politik Rumäniens und der übrigen Balkanstaaten beeinflussen. Vereinskalender. Donnerstag, 5. August. Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends 9 Uhr Sitzung im Gewerkschaftshaus. Alle erscheinen! 4 Samstag, 7. August. Wieseck. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung bei B. Wacker. Sonntag, 8. Au gust. Gießen. Tabakarbeiter⸗ Verband. Uhr Mitgliederversammlung im Gewerkschaftshause. Montag, 9. August. Gießen. Wahlverein. Abends 9 Uhr Versammlung inn Gewerkschaftshaus. 0 Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise am 2. August 1915. Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M. Nachmittags 3 Fleischpreise in Gießen Ochsen 50 kg Schlachtgewicht 102—138 Mf. J, kg 112116 Pfg. FTälber ½„ 5 95—117 Pf/„ 100000, Schweine ½„ 5 150—160„%„ 450000„ Getreidepreise in Mannheim. 100 kg 27.00 Mk. Höchstpreis Weißbrot 2 kg Pfg. 23.00 Höchstpreis] Schwarzbrot 2„ 71„ Städtischer Wohnungsnachweis Gießen. Es sind zu vermieten: Brotpreise in Gießen Weizen Roggen 5 behör; 1 herrschaftliche Wohnung von 7 Zimmern mit Zentral⸗ heizung; 1 herrschaftliche Wohnung von 6 Zimmern; 7 Wohnungen von 5 Zimmern; 6 Wohnungen von 4—5 Zimmern; 2 Wohnungen von 3 Zimmern; 1 Wohnung von 3 Zimmern, mit oder ohne Laden: 4 Wohnungen von 2 Zimmern; 5 Wohnungen von 1 Zimmer; 2 Ladenräume mit je 1 Zimmer: 1 Lager⸗ oder Fabrikraum; 3 Lager⸗ räume mit 1 Arbeitsraum; 10 möblierte Zimmer, davon 2 neben⸗ einanderliegende; 2 leere Zimmer. 0 Zu mieten gesucht: 18 Wohnungen von 1—7 Zimmern. Bekanntmachung. Nachstehende Bekanntmachung des Großh. Kreisamts Gießen vom 29. Juli 1915 bringe ich zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 31. Juli 1915. Der Oberbürgermeister: Keller. Bekanntmachung. Betr.: Verkehr mit Brotgetreide und Mehl jahr 1915. Nachdem dem Kommunalverband(Kreis) Gießen auf Antrag die Selbstwirtschaft gestattet worden ist(vgl.§ 26 der Bundes⸗ ratsbekanntmachung vom 28. Juni 1915), ist durch Beschluß des Kreisausschusses vom 21. Juli J. Js. die in das Handelsregister aus dem Ernte⸗ 1 Haus zum Alleinbewohnen, 10 Zimmer, Bad, Küche und Zu⸗ des Großh. Amtsgerichts Gießen unter Abteilung B am 10. Juli I. Js. eingetragene Firma„Vereinigte Getreidehändler G. m. b. P. t Gi 45 it beauftragt worden, nach nähexer Vereinbarung e möglichster Berläasschesgung des im Kommunalverband ansässigen Handels bei Beschaffung der erforderlichen Brot⸗ getreidemengen, für den Kommunalverband die Wahrung solcher Rechte und die Erfüllung solcher Pflichten zu übernehmen, die nach der Bekanntmachung vom 28. Juni 1915 den Kommunalver⸗ bänden im allgemeinen und den selbstwirtschaftenden Kommunal- verbänden im besonderen auferlegt worden sind. Die Firma„Vereinigte Getreidehändler G. m. b. H. zu Gießen“ wird dem Kommunalverband sowie Dritten gegenüber einzig durch den zum Handelsregister angemeldeten Geschäftsführer Kaufmann Louis Rosenthal zu Gießen und seinen Stellvertreter Kaufmann Ferdinand Bär daselbst vertreten. Die von der Ge⸗ sellschaft zum Erwerb von Getreide bestellten Händler und Makler werden sich bei Erledigung der ihnen überwiesenen Aufträge durch Vorweisung einer Vollmacht die von einem der beiden vorgenannten Geschäftsführer ausgestellt sein muß, legitimieren. 4 5 5 5 Feststellung des monatlichen Bedarfsanteils der Kreis⸗ gemeinden an Mehl sowie die Ueberweisung dieses Mehls an die Kreisgemeinden wird wie seither so auch in Zukunft durch den Kommunalverband(Mehlverteilungsstelle) erfolgen. Gießen, den 29. Juli 1915. 5 Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Usinger. Verstorbene. Heinrich Stein in Alsfeld, 64 Jahre alt.— Heinrich Seuling in Gießen, 68 Jahre alt.— Georg Heinrich Müller in Wetzlar, 84 Jahre alt.— Frau Auguste Simon, geb. Hamann, 62 Jahre alt. Neue Kartoffeln 23 n 28 PU. Neue Zwiebeln uud 20 5 gentner W.. 19.— 2 Neue Salzgurken... a 10 Neue Vollheringe... 2 Städ 35 ö Zum Ein machen: la Weinessig lose per Liter 34 Margarita-Essig Eäneuefftg 5. oer E i Maisgries, Ersas für Weizengries, Pfund 45 Weizengries für Kinder u. Kranke, Pfund 457 Obne Brotkarten! Wasfel⸗Mischung aged e a 305 Kunsthonig . 2 Pfund⸗Dose Mt. 1.—, gr. Wasserglas 50 65 0 Schraubendeckelglas 60 Pfg. 1 In unserer Zentrale eingetroffen: 2 Waggons gemischte Marmelade Pfund 46 Kondens. Milch, Dose 60 u. 63 4 Feldposttube 38 7 Puddingpulver verschiedene Sorten, Packet 10 0 8 2 eee Verkaufsstellen: Bahnhofstrasse 26, strasse 20, Walltorstrasse 24. Alg, Deutscher Trauenperei Ortsgruppe Gießen. Aus kunftstelle für Frauenberufe. Frauen und Mädchen erhalten unentgeltlich Rat und Aus⸗ kunft für alle Berufe im alten Rathaus, Marktplatz 14. Diens⸗ tags nachm. von 6¼—7½ Uhr. Rechtsschutzstelle. Frauen und Mädchen erhalten unentgeltlich Rat und Auskunft in Rechts angelegenheiten im alten Rathaus Marktplatz 14 Mittwoch nachmittags von 6˙/ bis 8 Uhr. Alle 14 Cage 5 Tinoxa ist das sicherste und 1 1 Motten deren Brut..⸗Drog. Seltersweg 39 Otte Schaaf. Saal ein feindliches Torpedoboot, das sich enternte. Ein feind. Wahre Jacob kommt soeben zur klusgabe. Vestellungen durch die Kolporteure, sowie durch die Buchhandlung der Oberhessischen Volkszeitung. erscheint eine Nummer. preis 10 Pfennig.