1 ö f 1 Oberhessi eitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl.1 80 Mk. Redaktion und Expedition Giesten, Bahnhofstrasse 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Juserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 178 Gießen, Mon lag, den 2. August 1915 10. Jahrgang. Ein Rückblick. Die Frankf. Ztg. schreibt in einem Rückblick auf das vergangene Jahr des Weltkriegs: Wem noch ein Zweifel bestünde, daß wir es weit gebracht haben in diesem Jahre an äußeren Erfolgen und an innerer Festigkeit, dem würde die Schlußsitzung des englischen Unter⸗ hauses, das vorgestern lärmend in die Ferien ging, es beweisen. Wie in ein Geschäft, in dem sie nichts zu riskieren hätten, oder wenigstens nichts Ernstliches zu befürchten und das sie auf Jahre hinaus bis zur Niederzwingung Deutschlands mit ihren Verbündeten betreiben könnten, sind die Herren Asgquith und Grey in den Krieg hineingegangen, wie Unternehmer, die vom sicheren Port aus fremde Armeen und Völker dirigieren, und jetzt dringt aus dem Unterhause scheltende und lärmende Kritik, berechtigte Kritik hinaus über die Nachlässigkeit und die Mißerfolge englischer Kriegsführung, ähnliche Kritik, wie sie bei Englands Verbündeten schon seit geraumer Zeit laut wird; und eine konservative Stimme ist es, die der Regierung zuruft, es sei hohe Zeit, daß England auch daran denke, daß es verlieren könne; unter den Neutralen gäbe es eine Menge von Personen und sogar Regierungen, die zu der Ueberzeugung gekommen seien, daß England nicht gewinnen werde. Sicher hat in England an die Möglichkeit des Verlierens heute vor einem Jahre niemand gedacht, aber inzwischen werden sich mehr als dieser eine Konservative an den unangenehmen Gedanken gewöhnt haben. Kein Zweifel mehr, der Jahrestag des Kriegsbeginns wird Deutschland und seine Verbündeten auf einer allen berech— tigten und sogar kühnen Erwartung entsprechenden Höhe der militärischen Erfolge treffen. Wo ist das vielgerühmte Millionenheer Kitcheners geblieben? Bis jetzt war es ein Bluff und hat die deutsche Heeresleitung nicht verhindert, an dem großen Plane und der energischen Durchführung der umfassenden Offensi im Osten. Was ist aus Joffres so pomphaft und auf ganz be— stimmte Daten angekündigten Offensiven geworden, der vom Winter, die in der Winterschlacht in der Champagne endgültig zu⸗ sammenbrach, und der vom Sommer, deren Mißerfolg wir fünast er⸗ lebt haben? Was heute vom südöstlichen Kriegsschau⸗ platz gemeldet wird, von den siegreichen Kämpfen zwischen Weichsel und Bug, von der neuen Durchbrechung der starken rus⸗ süschen Stellung und der Erschütterung der ganzen russischen Front, auch dort, wo ihre besten Regimenter, die Gardetruppen, kämpften, das läßt einen befriedigenden und hoff⸗ nungsvollen Fortgaug des umfassend angelegten Kampfes gegen die russische Front in ihrer Gesamtausdehnung mit Zuversicht erwarten. Schon hat man gehört, wie am Gedenktage unsere Feinde Kund⸗ gebungen und Resolutionen beschließen wollen. Es wird in⸗ teressant sein, zu hören, wie sie sich mit dieser militärischen Lage im Westen und im Osten abfinden, die doch nur mittels einer selbst in diesem Kriege erstaunlichen Feindschaft gegen die Wahr⸗ heit als Mißerfolg auf der gesamten Linie verschleiert werden kann. Im neutralen Auslande auch dort, wo man gespannt die Vorgänge auf den Kriegsschauplätzen verfolgt, um nach ihnen die Entscheidung über die eigene Haltung abzuwägen, gibt man sich Taum noch Täuschungen über die mißliche Lage des durch den Verrat Italiens vergrößerten, aber nicht bereicherten Dreiverbandes hin. Die Nachrichten, die neuerdings aus Rumänien kommen, lassen deut⸗ lich erkennen, daß man sich dort des Uebergewichts der Zentralmächte über das gefürchtete Rußland bewußt wird, und das man sicherer als bisher zum mindesten die abwartende Haltung bei⸗ behalten wird. Manch schwieriges, in langwierigen diplomatischen Verhandlungen bearbeitetes Problem, das der Balkan für uns barg, reift unter dem Eindruck unserer planmäßigen beharrlichen Fort⸗ schritte im Osten befriedigender Lösung entgegen. Wir können mit dem ersten schweren, opferreichen Jahre zufrieden sein, warten wir ab, ob etwa unsere Feinde be— haupten wollen, sie seien es auch, gestützt vielleicht auf die frohe Kunde daß dem stolzen England in Flandern 10000 Zulukaffern zu Hilfe kommen. Eine rumänische Betrachtung Bularest, 30. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Universul schreibt in einem Leitartikel unter dem Titel:„Betrachtungen über den bisherigen Verlauf des Krieges“: Die größte Ueber raschung, die uns der Krieg brachte, liegt bei den Zentralmächten und Rußland. Als es bei Beginn des Krieges infolge der eduardischen Einkreisungs— politik Kriegserklärungen regnete, sagten sich selbst die ein— gefleischtesten Anhänger der Zentralmächte, daß diese ver— loren seien. Wie mächtig der deutsche Militarismus immer sein mag, wie tapfer die Armeen der beiden Reiche auch kämpfen mögen, so würden sie, glaubte man, nur Achtungs— erfolge davon tragen und schließlich zugrunde gehen. Im Kampfe gegen die ganze Welt würden sie wohl einige Wochen widerstehen, bis ihre Kraft gebrochen sei. Die größten Er— wartungen knüpften sich in dieser Beziehung an die Millionen- heere Rußlands, indessen sind in diesem Kriege alle Be— rechnungen über den Haufen geworfen worden. Wir sahen, daß die Deutschen trotz des Kampfes auf beiden Fronten, in Feindesland eindrangen und bedeutende Siege davontrugen. Mit Ueberraschung sehen wir, daß Oesterreicher und Ungarn, deren Kraft gebrochen schien, in Verbrüderung mit den Deut- schen heute die Russen auf der Flucht in Feindesland ver folgen, mit einem Worte: Die Berechnungen, die zu Beginn des Krieges aufgestellt wurden, haben fehlge— schlagen, Die Bilanz schließt mit einem bedeutenden Gewinn für die Zentralmächte, und einem großen Defizit für den Vierverband. Die nächste Schlußfolgerung ist, daß wir, sowie der Vierverband die Kräfte der Zentralmächte unterschätzten, und zwar nicht nur die rein militärischen sondern auch ihre ganze Organisation auf allen Gebieten. Lloyd George über die sͤhr ernste Lage. Lloyd George sprach als Redner in einer in London abge— haltenen Konferenz von Vertretern der Arbeitgeber und Arbeit⸗ nehmer in der Kohlenindustrie. Er hob die Bedeutung r Kohle hervor, die schon in Friedenszeiten ein Lel interesse für di Nation habe und im Krieg in allererster Reihe berücksichtigt werden genug für den müsse. Er müsse sich die Frage stellen: Tun wir Sieg? Niemand darf schlapp werden, wenn man ihn zu erringen wünscht. Das Schicksal der Freiheit der Menschheit hängt von diesem Siege ab. Wenn die Seeländer und Australier in den Dar⸗ danellen einen Angriff der Türken erwarteten, konnten die Aerzt die Leute nicht überreden, sich krank zu melden. Alle bestanden fertig zu werden und erst dann Nur dieser Geist wird uns S zweifelt daran, d 8 O08 den lassen. 18 micht sehrernst. enn die, Gefahr begreifen, in der sich das überzeugen können, selbst wenn die stünden. Toten aus ihren Gräbern auf⸗ Die Stunde ist jetzt für jeden Mann und jede Frau gekom⸗ men, um das eine große Kapitel in der Geschichte unserer Insel Die Schützengräben liegen nicht allein in Flandern. Jeder Schacht ist ein Schützengraben, jede Werkstätte ist ein Bollwerk, jeder Hof ist eine Festung.(Anhaltender Beifall.) Die Konferenz nahm eine Tagesordnung an, die allen Arbeit- gebern und Arheitern dringend empfiehlt, mit allen Kräften die Kohlensörderung zu vermehren. Die Kriegsausgaben Frankreichs T. U. Christiania, 30. Juli. Aftenposten meldet aus Paris, einer amtlichen Mitteilung zufolge betragen die Kriegs— ausgaben Frankreichs in den letzten fünf Monaten des Jahres 1914 sechs Milliarden 403 Millionen Frances. * Vom Seekrieg. Keine Einschränkung des Unterseeboot Krieges. Unterstaatssekretär Zimmermann vom Auswärtigen Amt hat sich mit einem Vertreter der United Preß über die ameri kanische Antwortnote unterhalten und bei dieser Gelegenheit erklärt:„Unsere To nchboottaktik könnten wir nie preis und ich bin sicher, daß unser Volk dies nie billigen würoe denn die ganze deutsche Nation steht hinter ihrer Regierung.“ 0 schreiben zu können. J Reuter meldet aus London: Das belgische Dampfschiff„Prin⸗ ceß Marie José“ wurde torpediert und ist gesunken. 21 Mann der Besatzung sind gerettet, vier sind getötet.„Princeß Marie José“ war ein Schiff von 1954 Tonnen Inhalt und gehörte der Belgischen Schiffahrtsbaugesellschaft in Antwerpen. Deutsche Unterseeboote im Weißen Meer. T. U. Basel, 30. Juli. Wie die Daily Mail meldet, wur⸗ den zwei deutsche Unterseeboote im Weißen Meer festgestellt Die Versicherungsprämien für Archangelsk sind unaufschwing— lich geworden. Die französischen Bahnen in der Türkei Konstantinopel, 30. Juli. Die Pforte enteignete die von Beirut nach Muzerib und von Beirut nach Muamelnin im Libanon [führenden Trambahnen, ferner die Eisenbahnlinie von R i Die Rafak mit Anschluß an die Bagdadbahn, die Eisenbahnlinie Homs—Tripo⸗ polis, die Häfen von Tripolis und Mawna, die Bahnlinie Jaffa— Jerusalem mit sämtlichem rollenden und sonstigen Inventar. Die angeführten Unternehmungen sind durchweg französische. Englischer Vohkott des deutschen Handels in China. Die Telegraphen-Union berichtet aus San Francisco: Wie aus Peking hierher gemeldet wird, hat England in ber Absicht, den noch bestehenden deutschen Handel in Ostasien völlig lahm zu legen, sich einen un⸗ erhörten Eingriff in die Hoheitsrechte des chinesischen Staates erlaubt. Nach einem, von den hervor— ragendsten Mitgliedern der englischen Kolonie in Peking aus— gearbeiteten und von der englischen Botschaft bewilligten Plane haben die englischen Handelshäuser den Boykott aller deutschen Waren über ganz China ver— hängt, Am Montag den 26. Juli erhielten die angesehensten chinesischen Kaufleute, Industriellen, Finanzmänner usw. Rundschreiben, in denen ihnen mit Entziehung des Kredits bei den englischen Banken und anderen Zwangs maßregeln gedroht wird, falls sie nicht sofort jede Handels beziehungen zu deutschen Firmen ab brächen und alle deutschen Angestellten ent- ließen. Da die chinesische Handelswelt zurzeit völlig auf eng lisches Geld angewiesen ist, haben die Drohungen seltkrieg. bedauerlicherweise Erfolg gehabt. Hunderte deutscher An⸗ gestellter sind bereits entlassen worden. Auch diejenigen Deutschen, die seit Jahren in Firmen oder in den großen Hotels arbeiteten, die unter englischer Oberleitung stehen, wurden plötzlich auf die Straße gesetzt. Die deutsche Kolonie wird selbstverständlich mit allen Mitteln versuchen, dem unerhörten Vorgehen der Engländer entgegenzuarbeiten und gegen diese offenbare Verletzung der Neutralität Chinas Protest bei der Pekinger Regierung einlegen. Bei der völligen Ohnmacht der Regierung kann jedoch eine Aenderung der Lage kaum erhofft werden. Französische Verstimmung über Japan. Zwischen den jede japanische Intervention auf den curopäischen Kriegsschauplatz rundweg in Abrede stellenden Er⸗ klärungen, die der Exzelsior dem japanischen Botschafter in Paris Motono zuschrieb, und die Möglichkeit eines bewaffneten Ein⸗ greisens der japanischen Wehrmacht als möglich hinstellenden Aus⸗ führungen Hanashis, des japanischen Botschafters in Rom, sucht die Presse der Verbündeten vergebens eine verläßliche Orientierung zufinden. Der Temps hält alle derartigen Auslassungen für zwecklos, solange nicht die Tokioter Regierung ihre maßgebende Auffassung kundgetan hat. Die französische Regierung, meint der Temps, könne der Vorwurf nicht treffen, irgend etwas verabsäumt zu haben, was Japans engeren Anschluß an den Vierverband för⸗ dern könnte. Auch Rußland habe den gegenwärtigen Umständen Rechnung tragend das nötige Entgegenkommen in Tokio gezeigt. Von irgendwelchen englischen Zusagen an Japan weiß der Temps nichts zu melden. Wirtschaftspolitische Wünsche der Industriellen. Das Direktorium des Verbandes südwestdeutscher Indu⸗ strieller sprach sich in seiner Plenarversammlung, welche dieser Tage in Karlsruhe stattfand, für ein wirtschaftliches und handelspolitisches Bündnis mit Oesterreich-Ungarn nach dem Kriege aus. In dieses müsse aber auch die Türkei einbezogen werden. Wie man sich die Vertretung der einzelnen Indu⸗ strien denkt, darüber soll eine Rundfrage bei sämtlichen Ver⸗ bandsmitgliedern Auskunft geben. Man war sich auch klar darüber, daß in Zukunft die Auslandsbericht⸗ erstattung besser werden müsse,„um deutsches Wesen und deutsche Kultur dem Auslande fruchtbringend vor Augen zu führen“. Dementsprechend beschloß die Versammlung, nach Möglichkeit alle ähnlichen Bestrebungen finanziell zu unter⸗ stützen, vor allem sprach man sich für eine Zentralisierung der Auslandsberichterstattung aus. Es scheint, daß die Er⸗ fahrungen der letzten Monate auch den südwestdeutschen Indu⸗ striellen einige Winke gegeben haben, wie man es im Aus⸗ land nicht machen darf, um Verständnis für deutsches Wesen und deutsche Kultur zu finden. Die Friedensziele der Industriellen erörterte man nur im vertraulichen Zirkel. Begreiflich, wenn man weiß, welche weitausschauende Pläne manche Fabrikanten in dieser Hinsicht hegen. Die Spionenfurcht der Engländer. T. U. Haag, 30. Juli. Wie das Londoner Pressebureau meldet, sind weiter zehn Personen verhaftet worden, darunter zwei nieder- ländische Untertanen, ein Deutscher, der einen falschen amerikani⸗ herau schen Paß besaß. ein Amerikaner deutscher Abstammung, ein Brasilianer deutscher Herkunft, ein Peruaner, von dem man an⸗ nimmt, daß er ein Deutscher ist, ein Schwede, ein naturalisierter Deutsch-Amerikaner, ein Engländer. Alle sind beschuldigt, ver⸗ sucht zu haben, sich Angaben über die englische Flotte und Armee zu verschafsen. Bei der Festnahme war keiner länger als drei Wochen auf englischem Boden. Rumäniens Haltung. Die Bukarester Blätter veröffentlichen folgende Information: Wir sind ermächtigt, das in gewissen Zeitungen verzeichnete Gerücht kategorisch zu dementieren, wonach Kriegsmunition für die Türkei durch Rumänien transportiert werden poll. Auf allen Punkten der Grenze wurde Weisung erteilt, damit die nassierenden Wagen einer strengen Kontrolle unterworfen werden. Diese Kontrolle wird so streng gehandhabt, daß ein Munitions- transport absolut unmöglich ist. Der Mißerfolg der Dardanellenaktion. Der Militärschriftsteller Hauptmann Noerregaard schreibt zusammenfassend über die Kriegslage an den Dardanellen: Seit dem großen Angriff der Alliierten vom 4. bis 6. Juni fanden offenbar nur bedeutungslose örtliche Gefechte und täg— liche Beschießungen statt, ohne daß die Alliierten die geringsten Fortschritte gemacht haben. Offenbar aber beschossen die türkischen anatolischen Batterien die feindlichen Stellungen mit guter Wirkung, obwohl weder die englischen noch die französischen Berichte davon meldeten. Da aber die Kriegs- schiffe der Alliierten in letzter Zeit diese Batterien aus weiter Entfernung beschossen, müsse deren Feuer doch lästig gewesen soin. Bei Kabatepe, wo Australier und Neuseeländer kämpften, sei überhaupt kein Fortschritt zu verzeichnen Bahr sei der äußerste Punkt, den die dart kämpfenden briti⸗ Bei Seddeül⸗ schen und französischen Kolonialtruppen erreichten, nur fünf Kilometer von der ursprünglichen Landungsstelle entfernt. Nach dem, was Asquith selbst mitgeteilt habe, hätten diese fünf Kilometer den Briten 45 000 Mann gekostet, alsoe jeder Kilometer 10 000 Mann, oder 10 Tote, Verwundete und Gefangene auf den laufenden Meter, anders ausgedrückt gegen 600 Mann täglich während voller drei Monate. Hierzu rechne man alle untergegangenen und beschädigten Kriegs⸗ schiffe, sowie die französischen Verluste, die nicht bekannt⸗ gegeben worden sind. Es werde klar, daß die Alliierten sich auf ein äußerst kostspieliges Experiment eingelassen hätten. Die Beantwortung der amerikanischen Note. T. U. Hannover, 31. Juli. Zu der Meldung der Voss. Ztg. vom Mittwoch abend, daß die deutsche Regierung die letzte amerikanische Note nicht beantworten werde, erfährt der Hann. Kurier zuverlässig, daß ein Beschluß darüber noch nicht gefaßt sei. Die bevorstehende Räumung von Warschau, Iwangorod und Nowogeorgiewsk. T. U. Kopenhagen, 31. Juli. Rußki Invalid schreibt: Augenblicklich steht das russische Heer fast der gesamten deut⸗ schen Reiterei, fast dem gesamten österreichischen Heer und mehr als der Hälfte der deutschen Streitkräfte gegenüber. Die Artillerie des Feindes ist groß an Zahl wie an Kaliber und reichlich mit Munition versehen. Das russische Heer leistet heftigen Widerstand. Es hält dem furchtbaren Feuer Stand bringt dem Feinde große Verluste bei und ermattet ihn voll⸗ ständig, trotz seiner reichen technischen Hilfsmittel. Auch für das russische Heer wird der Augenblick kommen, wo die not— wendigen Vorräte zu seiner Verfügung stehen werden. Wenn auch Warschau und die Weichsellinie mit Jwangorod und Nowogeorgiewsk geräumt werden müssen, der Rückzug sichert Rußland eine baldige unwiderstehliche Offensive. Grenzgefechte in Bessarabien. Bukarest, 31. Juli. Heutige Morgenblätter melden aus Mihaileni: Die Russen haben an der Grenze von Bessarabien eine neue empfindliche Niederlage erlitten. Truppen der Armee Pflanzer-Baltin haben in der Nacht einen schneidigen Angriff auf die Posten unternommen, die aus ihren Stellungen derart verdrängt wurden, daß sie viel Kriegs⸗ material und auch Gefangene in den Händen der Oesterreicher ließen und sich zurückzogen. Die englische Note an Griechenland. Genf, 31. Juli. Die englische Note an Griechenland wegen der Besatzung von Mytilene gibt den Blättern Anlaß festzustellen, daß England bereits zweimal dasselbe tat wie Deutschland gegenüber Belgien. England war aber sicher, daß niemand, auch nicht die neu⸗ tralen Länder, es wagen würden, sich einzumischen und England Ungerechtigkeit vorzuwerfen. Das Schlagwort vom größten Ver⸗ rechen der Geschichte sei eben, wie die Blätter sagen, nur Deutsch⸗ ö gegenüber anzuwenden. Die Enthüllungen der Norddeutschen. T. U. Genf, 31. Juli. Nach einer Privatmeldung bot Baron Guilleaume, der Gesandte des Königs Albert in Paris, wegen der Enthüllungen in der Norddeutschen Allgem. Ztg. seine Demission an, aber Poincaré und Delcassé wirkten auf den König ein, die Ent⸗ lassung einem späteren Zeitpunkt vorzubehalten, damit der Schein 5 werde, als ärgerten sich die Pariser leitenden Persönlich⸗ eiten. Kriegsnotizen. Die Petersburger Telegraphen⸗Agentur meldet: Ein deut sches Flugzeug, das Mitau überflog, ist aus großer Höhe a b gestürzt. Die beiden Flieger wurden getötet. Die dänische Kommunalverwaltung erhielt für September und Oktober 1915 das Vorkaufsrecht zum Erwerb von Brennholz für Unbemittelte. In den Staats⸗ waldungen sollen umfassendere Ausforstungen bevorstehen. Nach dem Berliner Lokalanzeiger bewilligte der schweizeri⸗ sche Bundesrat 15 bis 18 Millionen für die feldgraue Uni⸗ formierung der schweizerischen Armee. Die Tribune meldet aus Washington: Trotz der britischen Blockade und der Tatsache, daß Deutschland faktisch von der übrigen Handelswelt isoliert ist, gelang es im Mai, Güter im 1 von 3 172 000 Dollers nach den Vereinigten Staaten zu ringen. * u rr Parteinachrichten. Genossin Zetkin verhaftet. Wie wir vernehmen, ist die Genossin Klara Zetkin in Stutt⸗ art verhaftet und nach Tarlsruhe überführt worden. Der rund zu dieser Maßnahme ist nicht bekannt. Die Genossen Martin und Wicky 5 in Mülhausen im Elsaß wurden wegen„Bekundung deutsch⸗ feindlicher Gesinnung“ zu je drei Monaten Ge⸗ fängnis verurteilt. Es sind seinerzeit in Mülhausen zehn Ge⸗ nossen verhaftet worden. Drei wurden wegen Briefschmuggels nach Frankreich schon früher zu kurzen Strafen verurteilt, gegen fünf wurde das Verfahren eingestellt und gegen die Genossen Martin und Wicky wurde jetzt verhandelt mit dem obenerwähnten Ergebnis. Gesprächsweise gefallene Aeußerungen während der französischen Invasion in Mülhausen, die von einem Landsturm⸗ mann als Zeugen wiedergegeben wurden, bildeten die Grundlage zur Beurteilung der Gesinnung der verurteilten Genossen durch den Richter. Die Strafe wurde auf die mehr als viermonatige Untersuchungshaft angerechnet. Ob die beiden Genossen entlassen sind oder noch weiter in Schutzhaft behalten werden, konnten wir bisher nicht feststellen. i Ein sozialdemokratischer Beigeordneter. In der niederrheinischen Stadt Höhscheid(17000 Einwohner) besitzen unsere Genossen im Stadtverordnetenkollegium die Mehr⸗ heit. Anstelle eines kürzlich verstorbenen bürgerlichen Beige⸗ ordneten wählten unsere Genossen den sozialdemokratischen Stadt⸗ verordneten Alb. Freund zum Beigeordneten. Die bürgerlichen Herren stimmten für einen der Ihrigen. Die Hamburger Budgetbewilligung. In zwei stark besuchten Parteiversammlungen erörterten die Hamburger Genossen die Frage der sozialdemokratischen Bewillig⸗ ung des Budgets in der Hamburger Bürgerschaft. Mit sehr großer Mehrheit wurde beschlossen, diese Budgetbewilligung für gerechtfertigt zu erklären. Die sozialdemokratischen Frauen und der Krieg. Wie wir erfahren, ist die Arbeit der Genossin Zietz, die unter dem obigen Titel im Ergänzungsheft der Neuen Zeit erschienen und bereits von uns besprochen wurde, jetzt in einer billigen Agitationsausgabe herausgekommen. Der Verlag(Genosse Dietz— Stuttgart) hat sich dabei sehr entgegenkommend gezeigt, er liefert das Einzelheft inkl. Porto für 15 Pfg., 1000 Stück, beim Bezug durch die Organisationen, für 75 Mk. Der sehr billige Preis er⸗ möglicht die weiteste Verbreitung, die auf das wärmste empfohlen werden kann. Aus dem württembergischen Landtage. Bei der Schlußabstimmung über den Etat stimmten unsere Ge⸗ nossen im württembergischen Landtage mit Ja unter Abgabe sol⸗ gender Erklärung: „Wir haben dem vorliegenden Hauptfinanzetat, dessen Berat⸗ ung unter außergewöhnlichen Umständen erfolgte, aus solgenden Gründen zugestimmt: Durch die Einführung der Ver⸗ mögenssteuer ist eine alte Forderung unserer Partei in einer Form verwirklicht worden, die zwar nicht alle unsere Ansprüche erfüllt, in ihrer weitgehenden Befreiung der kleinen Ver⸗ mögen aber unsere Anerkennung findet. Auch die Gewinnung der Wertgzuwachssteuer für den Staatshaushalt findet unsere Anerkennung. Die Regierung hat durch die Vorlage der beiden Gesetzentwürfe bei der Deckung des Defizits nach dem, Grundsatz der Schonung der weniger leistungsfähigen Klassen ge⸗ handelt, den wir für die Ausbildung des staatlichen Steuersystems in die erste Linie stellen. Weit schwerer als dieser Gesichtspunkt fällt für unsere Ent⸗ scheidung die Erwägung ins Gewicht, daß alle inner politi⸗ schen Gegensätze solange zu schweigen haben, als die Gefahren, die dem Sein unseres Volkes von einer feindlichen Uebermacht drohen, nicht endgiltig abgewehrt sind. Die Geschlossenheit des württem⸗ bergischen Volkes in diesem ungeheuren Kampfe auch nach außen zu betonen, galt uns als erste Pflicht. Es handelt sich jetzt für uns nicht darum, einer Regierung ein Vertrauens votum zu geben. Wir lehnen daher alle Schlüsse ab, die man in dieser Hinsicht aus unserer Handlung ziehen möchte. Es handelt sich vielmehr darum, auszusprechen, daß die Volks⸗ klassen, die wir zu vertreten haben, sich als untrenn⸗ baren Teil des Volksganzen betrachten.“ Die Fraktion„Sozialistische Vereinigung“(Westmeyer⸗ Gruppe) stimmte gegen den Etat. In einer gemeinsamen Sitzung beider Kammern erfolgte der Schluß der Tagung mit der Bekanntgabe einer Botschaft des Königs, die den Dank für die Arbeit des Landtages, besonders aber für die Truppen im Felde zum Ausdruck brachte, und mit einem vom Präsidenten der Ersten Kammer ausgebrachten Hoch auf König, Truppen, Land und Volk. Für Narteivorstand und Neichstagsfraktion. Zur Haltung der Reichstags fraktion in der Kriegs⸗ kredit⸗ und Budgetbewilligungsfrage und den Vor⸗ gängen in der Partei nahmen am vor. Sonntag zwei Vertrauens⸗ männerversammlungen des 22. ischen Reichstagswahl⸗ n* N . kreises in Reichenbach und Plauen Stellung. Die Vertrauensleute des 22. Kreises nahmen nach einem Referat des Bezirkssekretärs, i 5. Juli in Reichenbach j. V. versammelten Ver⸗ . 55 Jagtalbemokratischen Vereins für den 22. e schen Roichstagswahlkreis erklären sich mit der 1. gebung des Parteiausschusses vom 1. Juli ein vet st a 55 115 In der Konferenz des 23. Kreises wurde nach einem Vortrag s Reichstags a zenossen und längerer Debatte des Reichstagsabgeordneten Genossen Jäckel un 18 9651 zunächst eine Resolution abgelehnt, welche die bis 7217 1105 ligung der Kriegskredite und des Budgets verurtei 1 105 fernere Bewilligung derselben ablehnt und im weiteren 8 n die Beschlüsse des Parteiausschusses in seiner Stellung zur b 1799 heit und zur Kundgebung der 110 e usw. wendet. Für iese Resolution sti ur drei Gen. 5 33 Bonn gegen 16 Stimmen von ungesähr 110 anwes retern folgende Resolution ann 5 teste des 23. sächsischen Wahlkreises stellen sich in Sachen der Kriegskredite auf den Boden der Beschlüsse des Parteivorstandes und des Parteiausschusses. 1 1 Sie danken den Partciinstanzen für die zahlreichen Kundgebungen zum Zwecke der Herbeiführung eines bal⸗ digen Friedensschlusses und erwarten erweiterte Tätigkeit nach dieser Richtung. N. besonders notwendig erscheint den Vertrauensleuten Ganz besonders notwendig den emflußrein en wirf entschiedener Protest gegen die von 0 0 lichen, fast die gesamte bürgerliche Welt Deutschlands repräsen⸗ tierenden Körperschaften propagierten A nnexionspläne. Sie 1 8 für geboten, ungesäumt in geeigneter Weise den Standpunkt der Sozialdemokratie zur Frage der Annexionen ein⸗ gehend vor der Oeffentlichkeit zu begründen und dem deutschen Volke die aus der Befolgung der Annexionspläne erstehenden Schäden darzulegen. 8 2 Des 1 5 hat die Fraktion die Freigabe der Diskussion der Kriegsziele zu verlangen, gogen weitere Kredite zu stimmen, sobald Eroberungen als Kriegsziele erkannt sind. Sie verurteilen die vergiftende Tätigkeit jener Anhänger der Minorität, welche, in Sondergruppen organisiert, die Partei im In⸗ und Auslande, in Flugblättern und Preßartikeln schmähen und herabsetzen. 1 In Sachen des Aufrufs der Genossen Haase, Kautsky sind die Vertrauensleute der Meinung, daß es Pflicht des Parteivorsitzenden ist, vor Erlaß solcher Publikationen seine Absicht dem Parteivorstand vorzutragen. Sie lehnen es aber ab, aus dem Einzelakt zu folgern, daß Haase als Vorsitzender un⸗ möglich sei. Parabellum gießt wieder einmal in der Berner Tagwacht seinen Unrat über die deutsche Sozialdemokratie. In einem Artikel„Revolutionäre Durchgaltepolitik“ beschäftigt er sich mit den friedens feindlichen Beschlüssen des Nationalrats der französischen Sozialdemokratie. Diese Beschlüsse sind ihm natürlich sehr unangenehm, sind sie doch der beste Beweis für die Richtigkeit der deutschsozialistischen Politik des vierten August, und er befürchtet, wie sehr deutlich aus dem Artikel zu erkennen ist, durch diese Beschlüsse eine Diskredi⸗ tierung und Erschütterung der deutschen Parteiminderheit. Aber einem Parabellum muß alles zum Vorteil dienen, wenn es gilt, die deutsche Parteileitung und die hinter ihr stehende Parteimehr⸗ heit zu verunglimpfen. Und so findet er denn, daß die Schuld an der friedensfeindlichen Haltung des Nationalrates der französi⸗ schen Partei die— deutsche Parteileitung und Parteimehrheit tragen. Er schreibt nämlich: „Dann kommt noch eines in Betracht, was die deutsche Opposition bedenken muß: sie, die ganze Organisationen hinter sich hat, bewährte Führer, über Preßorgane verfügt usw., steht, was die politische Aktion gegen den Krieg anbetrifft, erst am Anfang. Und nur ihre kräftige Aktion kann in weiteren Kreisen der französischen Arbeiterschaft die Zuversicht wecken, daß es in Deutschland eine Kraft gibt, die dem Imperialismus in den Arm fallen kann. Die einzige wirklich aussichtvolle Art, auf die Friedensbestrebungen der französischen Arbeiter einzuwirken, ist die politische Aktion gegen den Imperialismus in Deutschland zu steigern. Die deutschen Sozialpatrioten ziehen natürlich den umgekehrten Schluß: daß nach dem Ausgang der Tagung des französischen Parteirates nichts anderes zu tun sei, als sich desto enger um den Kaiser zu scharen, was sie schon bisher mit per⸗ verser Wollust getan haben. Die Heuchler! Als ob die Haltung der französischen Sozialdemokratie nicht zu gutem Teil der Aus⸗ fluß der Tatsache wäre, daß eben die jetzt von Entrüstung heulen⸗ den deutschen Sozialpatrioten die Fahne des Sozialismus mit Füßen getreten haben! Als ob sie und die Parteiinstanzen nicht alles getan hätten, um der französischen Sozialdemokratie klarzumachen, daß die Opposition in Deutschland keine Bedeut⸗ ung habe.“ Parabellum ist kein deutscher Sozialdemokrat; insofern könnte man ihn seinen Gemeinheiten gegen die deutsche Partei einfach überlassen. Aber die Minderheit der deutschen Sozialdemo⸗ kratie, sollte es sich verbitten, daß Parabellum als ihr Lehrer, Führer, Berater und journalistischer Herold sich aufspielt. l Sehen ven Dugenere Erzählung von Bertold Auerbach. 38 Der alte Schäferle trat ein, bleich, mit weißen Haaren und eingefallenen Wangen, eine bejammernswerte Gestalt. Alle Blicke waren auf Diethelm gerichtet, und dieser wußte, daß dies geschah; mit ruhigen Augen betrachtete er den Mann. in der Wunde am Arme zuckten Pulse, als spürten sie die Nähe des Rächers. In dem Gesicht Diethelms wollte sich's regen, aber er beherrschte seine Züge, er sah gewaltsam starr drein, und kein Nerv bebte. „Sagt, was Ihr habt?“ ließ sich Diethelm nach einer lautlosen Pause vernehmen, in der man nichts als das Winseln von Medards Schäferhund vor der Tür vernahm. „Das ist meine Sache,“ fiel der Amtmann ein, und oft von Weinen und Schluchzen unterbrochen, erklärte der alte Schäferle, wie sein Medard ihm schon im Herbste gesagt habe, der Diethelm habe nur eingekauft und versichert, um anzu— zünden, er habe sichere Anzeichen davon; wie der alte Mann jetzt klagte, daß er nicht einmal die Leiche seines Sohnes habe, um sie zu bestatten, fuhr sich mancher mit der Hand über das Gesicht; auch Diethelm wischte sich die Augen. Als aber der alte Schäferle schloß:„Wenn der Hund da draußen reden könnte, der wüßte mehr, was vorgegangen ist,“ da spielte ein Lächeln auf dem Antlitz Diethelms. Wieder entstand eine Pause, in der man nichts als das Federkritzeln des Proto— kollanten und das Winseln des Hundes hörte. „Soll ich was drauf antworten?“ fragte Diethelm in höflich stolzer Weise den Amtmann, und dieser erklärte, daß er vorerst gar nichts zu sagen habe. Der Schäferle erwähnte nun noch, daß ihm Diethelm beim Wegfahren einen Knaben geschickt habe mit der Weisung, er habe Medard über Feld geschickt, und der Vater möge ihn nicht besuchen, während Diethelm doch beim Bahn— schlitten gesagt habe, Medard müsse zu Hause bleiben. Alle Zuhörer in der Stube nickten einander zu und deuteten sich mit den Fingern, wie wichtig das sei. „Soll ich darauf auch nichts sagen?“ fragte Diethelm, den Kopf zurückwerfend,„man soll den Buben holen lassen, was ich ihm aufgetragen hab', und da mein Vetter war bei mir im Schlitten, der hat alles gehört.“ „Ich hab' nichts gehört,“ platzte der Vetter heraus. „Ruhe!“ gebot der Amtmann,„ich weiß schon selbst, wen ich zu verhören habe.“ Er verkündete nun Diethelm, daß er verhaftet sei und nach der Stadt abgeführt werde. „Gut,“ sagte Diethelm aufstehend,„darf ich in meinem Fuhrwerk fahren? Ich hab' einen bösen Arm.“ Der Amtmann bewilligte dieses, und jetzt trat Martha vor, die allem still zugehört hatte, und sagte:„Ich weiß von allem so gut wie mein Mann, ich will mit in den Turm, ich bleib' bei dir, Diethelm. Wir sind von Gott zusammen⸗ gegeben, kein Mensch kann dich von mir trennen.“ Jetzt erst sah Diethelm tief traurig drein, wie seine Frau seine Hand faßte. Eine tiefe Bewegung bemächtigte sich aller, und der Amtmann erklärte, daß Martha nicht bei ihrem Manne bleiben, daß sie aber mit ihm selbst nachfahren könne, da man ihrer nur als Zeugin bedürfe. Als Diethelm von dem Landjäger abgeführt wurde, legte er an der Tür die Hand auf die Schulter des Schäferl“, sah ihn durchbohrend an und sagte:„Du bist ein Vater, ich nehm' dir's nicht übel, was du tust, aber du wirst's bereuen, was du an mir getan. Wenn ich mit meinem halben Leben deinen Medard wieder aufwecken könnte, ich tät's; und da schwör' ich's vor allen Leuten, ich laß dir's nicht entgelten ich will dir helfen, wo ich kann, du hast ja deinen Sohn ver⸗ loren, und du könntest ja mein Vater sein; ich will mich dünken lassen, mein Vater lebt noch einmol.“ „Friedle, was hast du an uns tan?“ klagte die Frau und der Schäfer weinte, man sah es ihm an, wie weh es ihm tat ob dem, was er angerichtet, zumal um den Schmerz der Frau Martha. Selbst der Landjäger behandelte Diethelm mit Freund⸗ lichkeit und redete ihm Trost zu, daß alles bald wieder aus sei. Als Diethelm an dem Berge vorbeifuhr, auf dem nur noch ein Schutthaufen rauchte, stieß er einen Schmerzens⸗ schrei aus; dann schloß er die Augen wie zum Schlafe, aber seine Lippen bewegten sich stets, als spräche er; in der Tat stand er auch in Gedanken dem Untersuchungsrichter Red' und Antwort, und manchmal zuckte etwas wie ein Lächeln um seine Mundwinkel, wenn ihm eines der Beweismittel ein⸗ fiel, das jeden Verdacht abwälzen mußte. Der Landjäger schaute oft verwundert in das Antlitz des Schlafenden, der nach so grauenvollen Ereignissen unter peinlicher Anklage so ruhig träumte. Als man der Stadt nahe war, schlug der Landjäger den Mantelkragen Diethelms höher hinauf, setzte ihm die Pelzmütze tiefer ins Gesicht, und Diethelm dankte herzlich für die gutmütige Vorsorge des gegen Mitleid ab⸗ gehärteten Landjägers. Erst am Gefängnistor öffnete er die Augen, und jetzt erst merkte er, daß der Paßauf, Medards Schäferhund, ihm gefolgt war; der Landjäger scheuchte den Hund zurück, der Diethelm in die Stube des Gefangenen⸗ wärters folgten wollte. Zwei Stunden nach im verschlossenen Wagen ihm fuhr der Amtmann mit Martha nach der Amtsstadt. ee zu erneuern, das erste fremde Menschenbild, Di sah, war der Zeugmacher Kübler, und jetzt inge daß dieser ja der Sohn des Amtsdieners sei. Mit welch hoch⸗ mütiger Gönnerschaft hatte Diethelm immer diesen armen Teufel betrachtet, und jetzt überdachte er schnell, daß er ihm alles verdanken könnte und, wenn alle Mittel zuschanden werden— die Flucht. Daran aber war noch lange nicht zu denken. Diethelm hob den Mantel von den Schultern in die Höhe und wartete ruhig, bis der dienstbeflissene junge Kübler nm denselben ehrerbietig abnahm; er streckte nun dem Amts- diener die Hand entgegen und sagte mit heller Stimme in herablassender Höflichkeit:„Guten Morgen, lieber Amts⸗ diener. Wollt Ihr einen abgebrannten, armen Verwandten nicht ein paar Tage bei Euch wohnen lassen? Habt Ihr kein Zimmer frei? Ich nehme mit einem E 75 [Jortsetzung folgt.) —— Die Sage vom Löwen und der Maus schien sich wieder leinen vorlieb.“. Genossen Mefer⸗ Zwickau folgende Entschließung ein stim mig an: Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Wer vertevert die Lebensmittel? Die agrarische Presse wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Behauptung, daß den Landwirten die Schuld an der herrschenden gewaltigen Teuerung beizumessen sei. Wenn man's so liest, möcht's leidlich scheinen. wenn nur anderer- seits ncht Tatsachen vorhanden wären, aus denen sich die Be⸗ rechtigung der erhobenen Vorwürfe ergibt. Man denke nun an das Verhalten vieler Landwirte in der Kartoffelver⸗ sorgung und den famosen Schweinehandel der Landwirt schaftskammer in Hannover. Die Preistreiberei für Milch sällt in das gleiche Kapitel. Die Deutsche Tageszeitung bringt nun zur Abwehr einen Artikel des Geheimrats Semmler-Breslau, der mit seiner Beweisführung offene Türen einrennt, denn es ist noch von keiner Seite bestritten worden, daß die Preise für Dünge- und Futtermittel in die Höhe gegangen sind. Diese Preissteigerung steht aber in gar keinem Verhältnis zu der Steigerung, die die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse erfahren haben. Daß es der Landwirtschaft nicht schlecht geht, das ergibt sich auch aus den Rechnungsabschlüssen landwirtschaftlicher Spar- und Dar⸗ lehensvereine. Geheimrat Semmler schiebt demgegenüber die ganze Schuld auf den Handel, indem er schreibt: „Die Landwirtschaft will keine höheren Preise haben, als sie durch die Kosten und durch einen mäßigen Verdienst bedingt werden. Sie kann nicht billiger liefern als zu Preisen, wie sie die Aufrechterhaltung der Wirtschaftskraft erfordert: das ist der Grundsatz, der gerecht ist und gegen den niemand verstoßen darf. Es ist dann Sache der Verbraucher, die ihnen von der Landwirt⸗ schaft zur Verfügung gestellten Nahrungsmittel sinn- und sach⸗ gemäß zu behandeln und zu verwalten; Sache der Verbraucher ist es, scharf aufzupassen, daß die Nahrungsmittel, sobald sie den Hof des Landwirts verlassen haben, nicht unnütz verteuert wer⸗ den: Auge und Ohr muß der Verbraucher offen halten, wenn er nicht die Erfahrung machen will, daß die Verteuerung der Lebens⸗ mittel erst eintritt, nachdem der Landwirt sie abgeliefert hat. Ganz ungeheuer sind im letzten Kriegsjahr die Aufschläge ge⸗ wesen, die die Verbraucher dem Zwischenhandel bei manchen Artikeln haben bezahlen müssen. Der Landwirt hat durchaus kein Interesse daran, daß der Zwischenhandel ausgeschaltet wird, aber er hat ein großes Interesse daran, daß die Höhe der Lebens⸗ mittelpreise nicht ihm selber in die Schuhe geschoben wird. Zu⸗ nächst möge man unter allen Umständen dahin wirken, daß Höchstpreise für Mehl festgesetzt werden. Die Getreidepreise müssen nach meiner Ueberzeugung unbedingt dem letzten Jahr gegenüber erhöht werden, aber diese Erhöhung spielt keine Rolle für den Brotpreis. Die Verbraucher werden billigeres Brot haben, wenn nur die unnötigen Verdienste im Mehlhandel be⸗ schnitten werden.“ 5 l 5 Kein Mensch hat bestritten— die Interessenten natürlich ausgenommen— daß Spekulation und Handel auch ihr red⸗ lich Teil zur Verteuerung mit beigetragen haben. Deshalb muß immer wieder verlangt werden, daß die Beschlagnahme der Lebensmittel beim Produzenten erfolgen muß unter gleichzeitiger Festsetzung von Höchstpreisen für den Handel. Auf keinen Fall aber ist eine Erhöhung der Getreidepreise gerechtfertigt, wenn man nicht direkt auf eine Katastrophe zu⸗ steuern will. Die Landwirtschaftskammer für die Provinz Westfalen gibt z. B. die Versicherung ab: „Die Landwirtschaft wird wie bisher, so auch in Zukunft vor keinem Opfer zurückschrecken, wo es sich um das Wohl des Vater⸗ landes handelt, und ist nach wie vor bereit, durch ihre Standes⸗ vertretungen auch in einem Ausgleiche der Sonderinteressen der einzelnen Bevölkerungsklassen mitzuwirken, soweit dies ohne Ge⸗ fährdung ihres Bestandes möglich ist.“ 5 Gleichzeitig aber droht dieselbe Landwirtschaftskammer: Vor einer Festsetzung von Höchstpreisen für Vieh und tierische Erzeugnisse muß dringend gewarnt werden, da eine solche Maßnahme zu einer die Volksernährung bedrohenden Ein⸗ schränkung der Viehhaltung führt und daher eine ernste Gefahr für die Sicherung einer nachhaltigen Versorgung der Bevölkerung mit diesen Erzeugnissen in sich schließt.“ 5 a Wenn Worte noch einen Sinn haben sollten, dann können diese Sätze nur bedeuten, daß mit einer Einschränkung der Viehhaltung gedroht wird, falls das Reich Höchstpreise fest⸗ setzen sollte. Wo da die stets betonte Opferwilligkeit liegen soll, ist wirklich unerfindlich. Lügt mit Verstand! „Die Maulheldenpresse, deren wir jetzt nach zwölf Monaten des zähesten aller Kriege leider immer noch eine beschämend große Zahl haben, treibt mit großem Eifer und noch größerer Strenge eine be⸗ sondere Art von Völkerpsychologie. Alle Nationen, die den Zentral⸗ mächten gegenüberstehen, werden auf Herz und Nieren geprüft, aber keine kann vor diesen Helden der Feder in des Wortes übelster Be⸗ deutung bestehen. Die Engländer sind erbärmliche Krämerseelen, die sich vor dem Kriege wie der Teufel vorm Weihwasser. Das framzösische Volk ist durch einen jahrhundertelangen liederlichen und ausschweifenden Lebenswandel vollständig entnervt und verbraucht. Nußland hat bestechliche und diebische Beamte, seine Offiziere sind Spieler, Säufer und Weiberhelden und der Muschik ist ein stumpf⸗ sinniges Vieh, also im Kriege nicht brauchbar. Die Serben sind Halbwilde. Die Montenegriner Hammeldiebe. Die Japaner Halb⸗ affen. Und unsere ehemaligen Bundesbrüder, die noch vor kr em von der Maulheldenpresse so heiß umworbenen Italiener, sind ein Volk non Plattenbrüdern, Mauldreschern und Feiglingen. Man wird zugeben: diese Urteile sind einigermaßen befremdend. Nicht, weil sie erstunken und erlogen sind. Daß die Kriegsheter lügen, versteht sich von selbst. Auch daß sie gar so unanständig lügen, ist begreiflich; wenn schon, denn schon. Aber daß sie so ganz ohne Verstand, so unzweckmäßig lügen, ist doch sehr auffallend. Sie sind doch sonst geriebene Burschen. Wie können sie übersehen, was ein Blinder sieht: daß die fortwährende systematische Herabsetzung des Feindes auf eine Selbstherabsetzung hinauslaufen muß? Macht eséuch endlich einmal klar, ihr edlen Herren, was Ihr treibt! Ihr erzählt der Welt seit zwölf Monaten, daß die Armeen, mit denen die deut⸗ schen und österreichischen Truppen kämpfen, aus lauter Falstafsschen Steifleinenen bestehen. Da muß sich doch schließlich sogar Eueren Fritiklosesten Lesern die Frage aufdrängen: Wie ist es nur mög⸗ lich, daß der Weltkrieg länger als vierzehn Tage dauern koumte? Wenn die seindlichen Mächte wirklich nur schlecht ausgerüstete, schlecht verpflegte, schlecht geführte und von Haus aus demoralisierte Armeen ins Feld gestellt haben, wie kommt's, daß die in jeder Be⸗ ziehung hervorragenden Heere der Zentralmächte mit ihnen so lange nicht fertig werden können? Seht Ihr, verehrte Herren Kriegshetzer, das kommt von der sinnlosen Schimpferej auf den Feind. Besiegt man ihn im ersten Anlauf, so ist der Sieg von vornherein durch Euer Geschwätz ent⸗ wertet, weil es natürlich beine sonderliche Ehre sein kann, einen kriegsuntschtigen Feind niederzuringen. Läßt aber der Sieg auf sich warten, so mülssen die hirnrissigen Schmähungen, mit denen ihr den Feind überhäuft, verwirrend und beunruhigend wirken. Also verbessert Eure Methoden! Das soll nicht heißen: Lügt nicht mehr! sondern: Luigt mit Verstand! Macht den Feind herunter, aber nicht so, daß er lächerlich und ungefährlich erscheint, sondern so, daß man Respekt vor ihm haben muß! Bedenkt doch: wie werdet ihr dann nach jedem Sieg triumphieren können! — Ueber die voraussichtliche Kartoffelernte wird von allen Seiten günstig berichtet. Seit Jahren hätten die Kartoffeln nicht so schön gestanden, als in diesem und wenn die Witterung einigermaßen günstig bleibe, so wäre eine ganz ausgezeichnete Kartoffelernte zu erwarten. Auch über die Frühkartoffeln kann man gar nicht klagen, obwohl sie infolge der Inni⸗ Trockenheit im Wachstum zurückblieben. Hoffentlich greifen die Behörden rechtzeitig ein, damit die Konsumenten nicht wieder derartig übervorteilt werden, wie es im vorigen Herbst der Fall war. 75 Jahre in einer Mietwohnung. Im Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker wird berichtet: Der dieser Tage in Stuttgart verstorbene 76 Jahre alte Buchdrucker Wilhelm Götz, eine in weiten Stuttgarter Kreisen wohlbekannte Persönlichkeit, hat 75 Jahre, also sein ganzes Leben lang, in ein und derselben Mietwohnung zugebracht.(Das läßt darauf schließen, daß der Hausbesitzer nicht so steigerungswütig war, wie viele seiner Kollegen.) — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Kanonier Richard Waldeck aus Alsfeld, 21. Fuß⸗Artillerie⸗ Bataillon.— Wehrmann Wilhelm Euler aus Albach, Inf. Reg. 186.— Musketier Karl Bill aus Naunheim, Inf. Reg. 221.— Schütze Wilhelm Messerschmidt aus Ulm, Kreis Wetzlar. — Sonnenbad und Hautverbreunnung. Es gibt Leute,— so schreibt die Arbeiter⸗Turn⸗Zeitung— die es schön finden, wenn sie braungebrannt Kraft und Gesundheit oder glauben, daß es die Leute dafür halten. Aus purer Efsekthascherci lausen sie ins Sonnenbad, lassen sich dort regelmäßig braten und wundern sich dann, wenn sie statt der erhofften Wohlgefühle Fieber bekommen, und ihnen nach Tagen die Haut fladenweise nom Leibe pellt. Man muß sich geradezu wundern, welch krasse Unwissenheit über die Wirkung der Sonnen⸗ bäder herrscht, denn man sollte meinen, jedermann müßte wissen, daß Verbrennung eben Verbrennung ist, ganz gleich, ob sie von den Man ihn Sonnenstrahlen oder von einer audern Feuerquelle herrührt. stelle jemand in die Nähe eines glühenden Ofens und beriesele des öfteren mit Wasser, und man wird sinden, daß er bald die 5 eines duftenden Schweinebr 3 annimmt. Ganz dieselbe Pr dur, wenn auch in milderer Form, nimmt der braunlsüsterne Jüng⸗ ling vor, wenn er in einem Bade aus dem Wasser steigt und sich in die brennende Sonne legt. Je öfter den Aufenthalt zwischen Sonnenschein und Wasser wechselt, um so schneller wird er braun. Die Wirkung kommt auf ziemlich einfache Art zustande, die Wasser tropfen auf der Haut fangen die Sonnenstrahlen wie eine Lin konzentrieren und verstärten damit ihre Wirkung um ein vielfaches, ohne daß der ahnungslose Jüngling etwas davon merkt. Wenn es ihm zu warm wird, geht er vertrauensvoll wieder ins Wasser, um sich abzukühlen und glaubt obendrein noch, der guten Sonne ein Schnippchen geschlagen zu haben, bis er dann gegen Abend den Braten merkt. Die Haut ist zum Platzen spröde und im Körper glüht es, als stecke die Hölle darin. Das ist das Fieber. Im günstigsten Falle kommt er mit dem Verlust der obern Hautschicht davon, damit ist dann freilich quuch die„schöne“ braune Farbe wieder zum Teufel. Es kann aber auch schlinnmner kommen, ja, sogar das Leben kosten. Die verbrannte Haut kann nicht mehr atmen, ist also ihrer wichtigsten Funktion beraubt. Was das für den Körper be⸗ deutet, davon zeugt das entstehende Fieber recht deutlich. Beim Gebrauch non Sonmenbädern muß ganz vorsichtig be⸗ gonnen werden, das Liegen in der Sonne ist überhaupt verwerflich. muß aber jedenfalls an den ersten Tagen streng vermieden werden. Nach dem Verlassen des Wassers muß der Körper trockengerieben werden. Ist erst die Haut genügend abgehärtet, dann ist keine Ge⸗ fahr mehr vorhanden, aber das Herumlaufen im grellen Sonnen⸗ schein mit nassem Körper ist auch dann zu unterlassen. Fürsorge für die Kriegsbeschädigten. Der Landesausschuß für die Kriegsbeschädigtenfürsorge im Großh. Hessen gibt soeben eine kleine Druckschrist heraus, die für die weiteste Oeffentlichkeit be⸗ stimmt ist. Der Landesausschuß richtet darin zunächst ein Trost⸗ und Mahnwort an die Kriegsbeschädigten und verbreitete sich dann eingehender über die Zwecke und Aufgaben der Kriegsbeschädigten⸗ fürsorge sowie über ihre Organisation im Großh. Hessen. Die Schrift wird an alle Interessenten kostenlos abgegeben und kann von der Landesversicherungsanstal; Großh. Hessen, Darmstadt, Wil⸗ helminenstraße 34 bezogen werden. Gleichzeitig verbreitet der Landesausschuß ein Merkblatt über die Versorgungsansprüche der Kriegsbeschädigten und ihrer Hinterbliebenen, das ebenfalls von der Landesversicherungsanstalt unentgeltlich abgegeben wird. — Bestandserhebung und Beschlagnahme. Das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat zwei Verordnungen erlassen und zwar über: I. Beschlagnahme, Meldepflicht und Ablieferung von fertigen, gebrauchten und ungebrauchten Gegenständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel. A) Gegenstände aus Kupfer und Messing: 1. Geschirr und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen Backstuben. 2. Waschkessel, Türen an Kachelöfen und Kochmaschinen bezw. Herden. Warmwasserschiffe, behälter, 3. Badewannen; ⸗schlangen usw. B) Gegenstände aus Reinnickel: 1. Geschirre und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und Backstuben. 2. Einsätze für Kocheinrichtungen, wie Kessel, Deckelschalen usw. II. Sämtliche Vorräte der in einer der Bekanntmachung beige⸗ fügten Uebersichtstafel erwähnten Chemikalien. Die Verordnungen benennen in 8 3 alle von ihr be⸗ troffenen Personen, Gesellschaften und Betriebe. Die Meldepflicht zu J. wird noch festgesetzt, zu II. be⸗ ginnt sie am 10. August dieses Jahres. Die Bekanntmachung ist am Gießen ausgehängt und auch auf unserem Bureau worauf wir besonders hinweisen. — Die Gießener Freilichtbühne hat mit der am Samstag im Stadtheater nochmals veranstalteten Aufführung des„Bimbächer“ vorläufig Schluß gemacht. Wieder war die Vorstellung recht gut besucht und erzielte lebhaftesten Beifall. Herrn W. W. Göttig, der unermüdliche Arbeit für die Freilichtbühne geleistet hat, wurde ein Lorbeerkranz überreicht.— Ob nach den großen Ferien noch rag 5 zur Aufführung gelangen können, ist vorläufig noch raglich. und ⸗blasen, Bürgermeistereigebäude zu einzusehen, Kreis Friedberg⸗ Büdingen. — Tyb infolge einer kleinen Verletzung. In Rendel stieß sich dieser Tage ein junger Bursche einen Holzsplitter unter den Fingernagel. Es entstand eine Blutvergiftung, zu der noch ein 5 hinzutrat, an dessen Folgen der junge Mann ver⸗ arb. Bad⸗Nauheim, 31. Juli. 1015: 14309 Kurgäste angekommen. 175 090 abgegeben. Badebesuch. Bis zum 29. Juli Bäder wurden bis dahin — An das deutsche Volk! Berlin, 31. Juli.(W. B. Amtlich.) Ein Jahr ist verflossen, seitdem ich das deutsche Volk zu den Waffen rufen mußte; eine unerhört blutige Zeit kam über Europa und die Welt. Vor Gott und der Geschichte ist mein Gewissen rein: Ich habe den Krieg nicht gewollt. Nach den Vorbereitungen eines ganzen Jahrzehnts glaubte der Verband der Mächte, denen Deutschland zu groß geworden war, den Augenblick gekom⸗ men, um das in gerechter Sache treu zu seinem österrei⸗ chisch-ungarischen Bundesgenossen stehende Reich zu demütigen oder in seinem übermächtigen Ringe zu erdrücken. Nicht Eroberungslust hat uns, wie ich schon vor einem Jahre verkündete, in den Krieg getrieben. Als in den Augusttagen alle Waffenfähigen zu den Fahnen eilten und die Truppen hinauszogen in den Verteidigungskampf, fühlte jeder Deutsche auf dem Erdball, nach dem einmütigen Beispiele des Reichstags, daß für die höchsten Güter der Nation, ihr Leben und ihre Freiheit, gefochten werde,— wußte, was uns bevorstand, wenn es fremder Gewalt gelang, das Geschick unseres Volkes und Europas zu bestimmen. Das haben die Drangsale meiner lieben Provinz Ostpreußen gezeigt. Durch das Bewußtsein des aufgedrungenen Kampfes ward as Wunder vollbracht: Der politische Meinungsstreit ver⸗ stummte, alte Gegner fingen an, sich zu verstehen und zu achten, der Geist treuer Gemeinschaft erfüllte alle Volks- genossen. Voll Dank dürfen wir heute sagen: Gott war mit uns. Die feindlichen Heere, die sich vermaßen, in wenigen Monaten in Berlin einzuziehen, sind mit wuchtigen Schlägen im Westen und im Osten weit zurückgetrieben. Zahl⸗ lose Schlachtfelder in den verschiedensten Teilen Europas, Seegefechte an nahen und fernsten Gestaden bezeugen, was deutscher Ingrimm in der Notwehr und deutsche Kriegs⸗ lunst vermögen. Keine Vergewaltigung völkerrechtlicher Satzungen durch unsere Feinde war imstande, die wirtschaft⸗ lichen Grundlagen unserer Kriegsführung zu erschüttern. Staat und Gemeinden, Landwirtschaft, Gewerbefleiß und Handel, Wissenschaft und Technik wetteiferten, die Kriegsnöte zu lindern, verständnisvoll für notwendige Eingriffe in den freien Warenverkehr. Ganz hingegeben der Sorge für die Brüder im Felde, spannte die Bevölkerung daheim alle ihre Kräfte an zur Abwehr der gemeinsamen Gefahr. Mittiefer Dankbarkeit gedenkt heute und immer⸗ f. dar das Vaterland seiner Kämpfer, derer, die todesmutig dem Feind die Stirne bieten, derer, die wund oder krank zurück⸗ kehrten, derer vor allem, die in fremder Erde oder auf dem Grunde des Meeres vom Kampfe ausruhen. Mit den Müt⸗ tern und Vätern, den Witwen und Waisen empfinde ich den Schmerz um die Lieben, die fürs Vaterland starben. Der innere starke und einheitlich natio⸗ nale Wille, im Geiste der Schöpfer des Reiches, ver ⸗ bürgen den Sieg. Die Deiche, die sie in der Voraus⸗ sicht errichteten, daß wir noch einmal zu verteidigen hätten, was wir 1870 errangen, haben der größten Sturmflut der Weltgeschichte getrotzt. Nach den beispiellosen Beweisen von persönlicher Tüchtigkeit und nationaler Lebens⸗ kraft hege ich die frohe Zuversicht, daß das deutsche Volk, die im Kriege erlebten Läuterungen treu bewährend, auf den erprobten alten und auf den vertrauensvoll betretenen neuen Bahnen weiter in der Bildung. und Gesittung rüstig vorwärtsschreiten wird. Großes Erleben macht ehrfürchtig und im Herzen fest. In heroischen Taten und Leiden harren wir ohne Wanken aus, bis der Friede kommt, ein Friede, der uns die not ⸗ wendigen militärischen, politischen und wirtschaftlichen Sicherheiten für die Zu- kunftbietet und die Bedingungen erfüllt zur ungehemm⸗ ten Entfaltung unserer schaffenden Kräfte in der Heimat und auf dem freien Meere. So werden wir den großen Kampf für Deutschlands Recht und Freiheit, wie lange er auch dauern mag, in Ehren bestehen und vor Gott, der unsere Waffen weiter segnen wolle, des Sieges würdig sein. Großes Hauptquartier, den 31. Juli 1915. Wilhelm J. R. Tahesberichtedes Großen Hauptguartiers. Heftige Luftkämpfe im Westen. Vorwärts am Narew und am rechten Weichselufer. W. B. Großes Hauptquartier, 31. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Gestern früh stürmten wir die bei unserem Angriffe auf Hoghe(südlich von Ppern) am 3. Juni noch in englischer Hand gebliebenen Häuser am Westrande des Orts sowie einen Stützpunkt südlich der Straße nach Ypern. Nachmittags und nachts wurden Gegenangriffe des Feindes zurückgeschla⸗ gen. Wir eroberten 4 Maschinengewehre, 5 Minenwerfer und nahmen einige Engländer gefangen. Die in den Gräben des Feindes gefundene Zahl Toter beweist sehr große blutige Ver- luste. Die Franzosen griffen bei Souchez abermals erfolglos mit Handgranaten an. Die erbitterten Kämpfe um die Linie Lingekopf— Barrenkopf in den Vogesen sind zu einem Stillstand gekommen. Die Franzosen halten einen Teil unserer Stellung am Lingekopf noch besetzt. Schratzmännle und Barrenkopf sind nach vorübergehendem Verlust wieder in unserer Hand. Als Vergeltung für die mehrfachen Bombenabwürfe der Franzosen auf Chauny, Tergnier und andere Orte hinter unserer Aisnefront wurde der Bahnhof Compieux beschossen. Auf die Augrisse französischer Flugzeuggeschwader, die gestern auf Pfalzburg, Zabern, nördlich Hagenau K ccc. . — 1 und auf Fretvurg Bomben abwarfen, antwortete am Nach. mittag unser Geschwader mit Bombenabwürfen auf Flughafen und Fabrik von Lune ville, die Bahnhofsanlagen Saint Dieu und den Flughafen bei Nancy. Der durch die feind⸗ lichen Flieger angerichtete Schaden ist unwesentlich. Ein französisches Flugzeug wurde bei Freiburg durch unsere Abwehrgeschütze heruntergeschossen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nordwestlich von Lomsha und an der Bahn nördlich von Goworowo(östlich von Rozan) geht unser Augriff vorwärts. Gestern wurden 1890 Russen gefangen, 3 Maschi⸗ nengewehre erbeutet. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die auf das rechte Weichselufer übergegangenen Truppen des Generalobersten v. Woyrsch dringen unter hart⸗ näckigen Kämpfen nach Osten vor. Alle Gegenangriffe eiligst herangeführter russischer Verstärkungen scheiterten völlig. Die Zahl der Gefangenen ist auf 7 Offiziere(darunter 1 Regi⸗ mentskommandeur) und 1500 Mann gestiegen. Den in der Verfolgung begriffenen verbündeten Armeen des Generalfeldmarschalls v. Mackensen scheint der Gegner in der ungefährdeten Linie Nowo Alexandria an den Weichselhöhen nördlich Lublin(das gestern nachmittag besetzt wurde)— dichtsüdlich Cholm erneut Widerstand leisten zu wollen. Der Feind wird überall angegriffen. Während der Kämpfe der deutschen Truppen bei Bis⸗ kupice— Piaski am 30. Juli sind 4930 Gefangene ge⸗ macht und 5 Geschütze, 8 Maschinengewehre erbeutet. Oberste Heeresleitung. Die Siegesbeute im Juli! Im Juli 170 000 Russen gefangen. 55 Geschütze, 356 Maschinengewehre erbeutet. W. B. Großes Hauptquartier, 1. Aug., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz, Ein englischer Angriff gegen unsere neue Stellung bei Hooge i brach völlig zusammen. Ebenso wenig Erfolg hatten nächtliche Vorstöße der Franzosen gegen Souche z. In den Argonnen heftiges Artilleriegefecht. Am späten Abend wurden unsere Stellungen auf dem Reichsackerkopf in den Vogesen angegriffen. Der Feind wurde zurückge— schlagen. Die Tätigkeit in der Luft war auch gestern rege. Der euglische Flugplatz St. Pol bei Dünkirchen wurde mit 30 Bomben belegt. Ein deutsches Flugzeug bei Dou ay wurde ergebnislos von einem feindlichen Geschwader ange— griffen; einer unserer Kampfflieger schoß hier ein feindliches Flugzeug ab. Ein französischer Flugplatz bei Nancy wurde heute früh mit 103 Bomben beworfen, 18 Treffer sind in den Zelten beobachtet. Die zur Abwehr aufgestiegenen feindlichen Flugzeuge konnten den Angriff nicht hindern. Sechs deutsche Flugzeuge griffen über Chateau Salins 15 französische an; in dreiviertelstündigem Kampf wurden mehrere feindliche Flugzeuge zu Notlandungen gezwungen. Als ein weiteres feindliches Geschwader in das Gefecht eingriff, zogen sich unsere Flieger ohne Verlust zurück. Nördlich von Saargemünd mußte ein französisches Flugzeug landen. Die Insassen sind gefangen. In den Argonnenkämpfen vom 20. Juni bis 20. Juli nahmen wir 125 Offiziere, 6610 Mann gefangen und erbeuteten 52 Maschinengewehre, sowie sehr zahlreiches sonstiges Material. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nördlich des Njemen fanden örtliche Kämpfe statt. Nordöstlich von Royzan machten wir weitere Fort⸗ schritte. Feindliche Gegenangriffe wurden abgeschlagen. Im Juli wurden zwischen Ostsee und Pilica 95023 Russen gefangen genommen, 41 Geschütze(darunter 2 schwere), 4 Minenwerfer, 230 Maschinengewehre erbeutet. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere nördlich von Jwangorod über die Weichsel vorgegangenen Truppen wiesen heftige feindliche Gegen— angriffe ab. Beim Nachstoß eroberten wir die Höhen bei Podzaweze und machten mehr als 1000 Gefangene. Zwischen oberer Weichsel und Bug stellte sich der Feind gestern erneut. Deutsche Truppen warfen ihn im Laufe des Tages aus seinen Stellungen bei Kurow löstlich von Nowo⸗Alexandria), südlich von Lenczna, südwestlich und südlich von Cholm, sowie südwestlich von Dubienka. Der Feind hat darauf beiderseits des Bug und auf der Front zwischen Bug und südlich Lenczna den Rückzug fortge⸗ setzt. Cholm ist in der Verfolgung durch⸗— schritten. Auf dem südöstlichen Kriegschauplatze fielen im Juli in die Hände der deutschen Trupepn: 323 Offiziere, 75 719 Mann, 10 Geschütze, 126 Maschinengewehre. Oberste Heeresleitung. 8 Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Gegenstöße der Russen abgewiesen. Cholm durchschritten. Die Julibeute. Heftige italienische Angriffe am Karstplateau. Wien, 1. August.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 1. August 1915, mittags. Rulsischer Kriegsschauplatz. Zwischen Weichsel und Bug entbrannte gestern un zahllosen Punkten heftiger Kampf. Unsere warfen den Feind westlich von Dubienka, Cholm und südlich von Leczna. Nördlich Lublin wiesen unsere Truppen starke Gegenstöße ab und setzten seither ihren Angriff fort. Bei Kurow stürmte eine, im Verbande der Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand stehende deutsche Division zwei hintereinander liegende feindliche Linien. Oesterreichisch⸗ ungarische Truppen erkämpften sich den Weg bis Nowo⸗Alexan⸗ drija. Während hier am Ostufer der Weichsel und bei Lublin der Gegner noch Widerstand leistet, setzte er weiter östlich im Raume bis zum Bug seit heute früh den Rückzug fort. Deutsche Regi⸗ ert haben bei seiner Verfolgung vormittags Cholm durch⸗ erneuert Verbündeten südlich von In Ingairtron ii bir Nuhr anvetanvect, Nordöstlich Zwangorod entrissen gestern die auf das öst⸗ liche Ufer vorgedrungenen deutschen Truppen den Russen einen wichtigen Stützpunkt. Von den unter österreichisch⸗ungarischem Oberbefehl stehenden Streitkräften der Verbündeten wurden im Juli 527 russische Offi⸗ ziere und 126311 Mann als Gefangene eingebracht, 16 Geschütze und 202 Maschinengewehre erbeutet. Jtalienischer Kriegsschauplatz. Kleinere Gefechte im Tiroler und Kärntner Grenz⸗ gebiet waren auch gestern für uns von günstigem Ausgange. In der Gegend vom Kastell Tesino wurden zwei feindliche Kompagnien überfallen und erlitten starke Verluste. Angriffe von Bersaglieri gegen unsere Stellungen gegenüber dem Hohen Trieb(Grenz⸗ höhe östlich des Plöcken) gelangten stellenweise bis in die eigenen Linien; der Sturm unserer Reserven warf jedoch den Feind, welcher namentlich durch unser Artilleriefeuer schwere Verluste er⸗ hielt, wie der zurück. An der küstenländischen Front herrschte vom Krn⸗ gebiet bis einschließlich des Gör zer Brückenkopfes— abge⸗ sehen von Artilleriefeuer und kleinen feindlichen Angriffsver⸗ suchen— im großen Ruhe. Dagegen unternahm der Feind im Laufe des gestrigen Tages und der heutigen Nacht wiederholt starke Angriffe gegen den nach Westen vorspringenden Teil unserer Stellungen am Rande des Karst⸗Plateaus; östlich Palazzo ist der Kampf noch nicht abgeschlossen. Ein von Selz und drei von Ver⸗ megilano angesetzte feindliche Nachtangriffe wurden unter schweren italienischen Verlusten abgeschlagen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschallentnant 2 Die Räumung Warschaus. T. U. Krakau, 1. August. Der Generalgouverneur von Warschau ist bereits nach Liedlte übergesiedelt. Von den Zivil⸗ organen bleiben nur die Feuerwehr und die Polizei, die dem Generalgouverneur unterstellt sind, zurück. In der Stadt hört man Geschützdonner von Westen, Süden und Norden. Eine Un⸗ masse von Verwundeten werden durch die Stadt transportiert. Bei Nacht sieht man in weitem Umkreis brennende Dörfer. Die Russen führen alle Lebensmittel aus den Militärmagazinen fort. Ein Tagesbefehl des Zaren an Heer und Flotte Petersburg, 1. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Anläßlich des Jahrestages des Krieges hat der Zar an die Angehörigen von Heer und Flotte einen Tagesbefehh erlassen, in dem gesagt wird, daß, obwohl trotz aller Anstrengungen, die ihre Fahnen mit neuem Ruhm bedeckt hätten, des Feindes Kraft noch nicht gebrochen sei, sie doch nicht den Mut verlieren und nicht zurückschrecken dürften vor neuen Opfern und neuen Prüfungen, die nötig seien, um Rußland dem friedlichen Leben wieder zuzuführen. Der Zar sagt dann weiter: Gott hat oft dem Vaterlande schmerzliche Prüfungen gesandt, aber das Land ist stets mit neuer Kraft und neuer Stärke daraus hervorgegangen. Der Tagesbefehl drückt dann den unerschütterlichen Glauben und die feste Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang des Kampfes aus und fleht weiter den Segen Gottes auf Ruß⸗ lands bewaffnete Macht herab. Meuterei in der russischen Armee. T. U. Czernowitz, 1. August. Von authentischer Stelle erfährt der Korrespondent des Berl. Tgbl., daß die Russen zur Verstärk⸗ ung ihrer Stützpunkte in Ostgalizien etwa 40 000 Mann frisch aus⸗ gerüsteter Truppen herbeischafften. Als diese am bestimmten Orte angelangt waren, verweigerten die Mannschaften und die Offiziere den Gehorsam, vernichteten die Munition und kehrten sich gegen die höheren Vorgesetzten. Die Meuternden wurden schließlich über⸗ wältigt, entwaffnet und nach Rußland zurückbefördert. Die türkischen Kriegsberichte. Konstantinopel, 31. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Agence Milli meldet: Gestern örtlicher Feuer kampf, wie gewöhnlich. Bei Ari Bur nu brachten wir von unserem Zentrum gegen den Feind vorgetriebene Minen mit gutem Erfolge zur Entzündung. Ein Teil der feindlichen Schützen⸗ gräben und der Drahtverhau wurden zerstört. Von den übrigen Fronten ist nichts von Bedeutung zu melden. Das Hauptquartier teilt mit: Auf der Dardanellenfront nichts von Bedeutung. Am 31. Juli erbeuteten unsere Erkundungskolonnen, welche bei Sedd⸗ül⸗Bahr in die feindlichen Gräben einge⸗ drungen waren, eine Menge Gewehre und Munition. Einer unserer Flieger warf mit Erfolg vier Bomben über Tenedos, wovon eine ihr Ziel auf dem feindlichen Flug⸗ platz traf. Unser Flieger wurde von zwei feindlichen Fliegern verfolgt, die auf ihn ein wirkungsloses Maschinengewehrfeuer eröffneten. Auf den übrigen Fronten nichts von Bedeutung. Der Luftkrieg. ö Ein neuer Fliegerangriff auf Freiburg. Berlin, 1. Aug.(W. T. B. Amtlich.) Gestern morgen gegen 6 Uhr erschienen über Freiburg i. Br. wiederum sechs feindliche Flieger. Es gelang, ein Flugzeug bei Munzingen herunterzuschießen. Die zwei leichtver⸗ letzten Insassen wurden gefangen genommen. Straßburg i. Els., 31. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Vor⸗ gestern besuchte ein größeres Flugzeuggeschwader die Gegend von Merkweiler-Walburg. Es sollen 25 Bomben abgeworfen worden sein, die fast keinen Schaden angerichtet haben. Dagegen wurden leider einige harmlose Landleute verwundet. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Wochenmarktpreise in Gießen N am 31. August 1915 1.60 1.70 Mk. Liter 24 Pfg. Zwiebeln per Pfund 25—00 Pfg. Butter per Pfd. 8 1 Milch Blumenkohl per Stck. 20—50 Pfg. Hühnereier Stück 14—15 Pfg. Weißkraut p. Haupt 20—70 Pfg. Gänseeier Stück— Pfg.] Rotkraut p. Haupt 00—00 Pfg Käse Stück 6—8 Pfg.] Wirsing b. Haupt 15— 25 Pfg. käsematte 2 Stück 5—6 Pfg.] Kohlrabi ver Stück 6—8 Pfg. Tauben per Paar 0.80—1.20 Mk Gurken per Stück 10—30 Pfg. Hühner per Stück 1.20— 2.00 Mk.] Kleine Gurken Stück 3—5 Pfg. Hähne ver Stück 1.50— 2.90 Mk.] Bohnen Pfund 20— 00 Pfg. Ochsenfleisch per Pfd. 1.20—1.24 Mk.] Kopfsalat per Kopf 8— 10 Pfg. Kalbfleisch ver Pfd. 108—112 Pfg.] Gelbe Rübchen Päckchen 8—10 Pfg. Kuh⸗ u. Rindfl. per Pfd. 100-418 bfg. Birnen Pfund 15—20 Pfg. Schweinefleisch Pfd. 140—150 Pfg.] Aepfel Pfund 15— 20 Pfg. Hammelfleisch p. Pfd. 96—410 Pfg.] Falläpfel Pfund 5—6 Pfg Kartoffeln p. Malter 00-00 Mk.] Pflaumen Pfund 15—20 Pfg. Kartoffeln Pfd. 6—8 Pfg. Heidelbeeren Schoppen 20 Pig. f 0 Verstorbene. Louise Richler, geb. Nispel, in Ober⸗ Ofleiden, 72 Jahre alt. 5 Johannes Fehl in Gießen, 55 Jahre) alt.— Frau Emilie Kurz, geb. Weil, in Braunfels. 5 Für die Zinmachzeit! 5 Gan Anerkannt bestes, mit Salizyl getränktes Papier. Verhutet jeden Schimmel- 1772 ansatz. 7 Rolle nur 15 Pig. 1 55 Bahnhofstrasse 205 II Martin Krug, Gießen Schulstraße 5 Zigarren ⸗Spezial⸗ Geschäft empfiehlt seine aus rein überseeischen Tabaken hergestellten Fabrikate bestens Zigaretten u. Zigarrilos, Rauch-, Kau⸗ U. Schnupftabale. Cementarbeiter, Maurer, Zimmerleute und Arbeiter werden eingestellt Nach 14 tägiger Arbeit Fahrtvergütung. Paul Zürn, Bangeschäft, 6. u. b. 5. Cassel. %%. Niesen⸗Auswahl in allen Sorten zu den denkber billigsten Preisen. 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