1 0 1 1 1 N 1 Organ für die Interessen des werktätig der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. en Volkes Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1. 80 Mt. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstrasse 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die b mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 176 Gießen, Freitag, den 30. Juli 1915 10. Jahrgang. Erinnerungstage! Mit dem 23. Juli 1914 beginnen die entsetzlichen Tage, die jedem, der sie miterlebt hat, wohl unvergeßlich bleiben werden. Wohl hat der Krieg mit seinen Schlachten und Siegen selbst zeit— weise große Erregung ausgelöst. Aber an die Tage der Spannung zwischen dem 23. Juli und dem 4. August reichen diese Eindrücke nicht heran. Ein Jahr ist also verflossen, seit Oesterreich in Bel⸗ grad seine befristete Note überreichen ließ, die dann in ihren Nach⸗ wirkungen zu dem Weltkriege führte. Da erhebt sich noch einmal die Frage, wer die Schuld an dieser grauenvollen Verwicklung trägt. Gewiß, die Sozialdemokratie hat, solange noch eine Spur von Hoffnung war, den Krieg zu vermeiden, darauf hingewirkt, daß Oestrreich gegenüber Serbien einen versöhnlichen Ton anschlage und keine Forderungen erhebe, die man bei bös wil⸗ liger Auslegung als einen Angriff auf die Souveränität des kleinen Landes auslegen könnte. Heute, nach einem Jahre, wo diese Rücksichten nunmehr vollständig schweigen, können wir die Frage unbefangener ansehen, und es ist deshalb begreiflich, daß auch sozialistische Beobachter heute zu dem Resultat kommen, daß Oesterreich in der Tat gezwungen war, seine Existenz zu verteidigen. Der schwedische Sozialist Gustaf F. 5 Steffen in seinem vorzüglichen Buch„Weltkrieg und Imperia— lismus“ hebt diese Ansicht mit aller Schärfe hervor. Er schreibt: „Das erste Grundfaktum, von welchem ich ausgehe, ist das Be— tehen der großserbischen Bewegung und ihr Zweck, gewisse slawische Landesteile Oesterreichs von dieser Monarchie loszu⸗ reißen. Mein zweites Grundfaktum ist die Unmöglichkeit, daß der österreichische Staat, wenn er so wie er jetzt ist, erhalten bleiben will, jene groͤßserbische Bewegung in der extrem aggressiven Form, die sie während der letzten sechs Jahre gezeigt hat, noch länger dulden kann. Ein drittes Grundfaktum ist die Un⸗ denkbarkeit des Bestehens der großserbischen Bewegung. und ihrer Zuversichtlichkeit in dieser ihrer extrem⸗-aggressiven Form ohne vollste Garantie möglichst wirksamer bewaffneter Unter- stützung von seiten Rußlands im Falle einer Krisis. Mein viertes Grundfaktum ist der Umstand, daß gerade im Juli 1914 Oesterreich ein außerordentlich starkes desonderes Motiv hatte, die Frage der sogenannten großserbischen Agitation innerhalb der Grenzen der habsburgischen Monarchie ein für allemal zu erledigen. Wie nach dem Blaubuche Serbiens der serbische Gesandte in Wien schon am 7. Juli seiner Regierung in Belgrad in unheilverkündendem Tone schrieb.“ In der Tat, niemand kann im Ernst verlangen, daß ein Staat — und sei es ein Nationalitätenstaat nach österreichischem Muster — mit den Worten:„Entschuldigen Sie, daß ich ge⸗ „boren bin“, von der politischen Schaubühne abtritt. Mag man von der theoretischen Ueberlegenheit der Nationalstaaten noch so felsenfest überzeugt sein, jede bestehende Organssation ver⸗ teidigt ihre Existenz und sie tut recht daran. Wir stellen mit Freude fest, daß dies auch die Ansicht unseres Wiener Bru⸗ derblattes ist, dessen außerordentlich vom 23. Juli wir hier solgen lassen: „Heute ist es ein Jahr, daß der Weltkrieg begann! Wohl wissen wir, daß auch die Kriegserklärung an Serbien später er⸗ folgte, der Krieg erst am achtundzwanzigsten Juli zur furchtbaren Tatsache wurde. Und haben die Tage nicht vergessen, an denen sich der Konflikt in Serbien zu der Welttragödie entwickelte: die Kriegserklärung Deutschlands an Rußland, die am ersten August erfolgte, an Frankreich, die am dritten August geschah, die Englands an Deutschland, die am vierten August den Ring schloß. Aber so gewiß sich alles Furchtbare aus dem Krieg gegen Serbien entwickelte, so bestimmt wird auch der Geschichtsschreiber den Beginn des Weltkrieges in jener Note feststellen, deren Jahres⸗ tag nun vor die erschütterte Seele tritt. An dem Tage, da sie be⸗ kannt und überreicht wurde, schrieben wir die düsterahnenden Worte nieder: Der Tag, da Oesterreich-Ungarn bieses Ultimatum stellt, wird ein Tag sein, der der österreichischen Menschheit in ewigschmerzlicher Erinnerung bleiben wird. Unsere Ahnung ist übertroffen worden: diesen Tag wird die gesamte Mensch⸗ heit aus ihrem Erinnern niemals tilgen! 1 Wohl ist es uns nicht unbekannt, daß über die Grundursache des Krieges, soweit sie in den Verhältnissen und Machtkämpfen der Staaten liegt, auch andere Auffassungen bestehen und daß insbe⸗ sondere als seine wahre und letzte Ursache die Eifersucht und der Haß Englands gegen das Deutsche Reich erachtet wird, welche bei der Entfesselung des Weltkrieges die eigentlich treibende instruktive Darlegung Kraft gewesen seien. Aber wir wissen es besser! Wir wissen, daß der Krieg entbrannte um den Bestand Oester⸗ reich⸗Ungarns, um Dasein oder Vernichtung unseres Na⸗ tionalitätenstaates, von dem alle diejenigen, die an ihm Beute machen möchten, vermeinen wollten, daß seine Daseinsmöglich⸗ keiten erschöpft seien, daß er dem Anprall der nationalen Aspira⸗ tionen nicht standhalten werde können. Wohl hat ein Funke ge⸗ nügt, alle Pulverfässer in Europa zur Explosion zu bringen, aber die Entstehungsursache eines Brandes suchen wir dennoch in der Tatsache und Handlung, die ihn unmittelbar herbeigeführt hat. Daß danach alle Feinde des Deutschen Reiches aufstanden und sich zum Vernichtungskampf gegen die deutsche Entwicklung ver⸗ einigten, ist richtig, und es war leider auch zu erwarten, Trotz⸗ dem ist der Schluß, daß die Kriegsursache in dem Sein des Deut⸗ schen Reiches liege, ein Fehlschluß, der vor allem die urch die ganze Menschengeschichte erhärtete Wahrheit außer acht läßt, daß ein einheitliches, in sich geschlossenes Staatsgebilde, das sich vor jeder Prüfung als ein lebensfähiger, gesunder und gewaltiger Or⸗ ganismus behauptet, keinem Gegner die Hoffnung erwecken, keinen zu der Meinung verführen wird, es ins Mark treffen, ihm gleich⸗ sam die Lebensmöglichkeit abschneiden zu können. Und wie der Krieg gegen den Staat der vielen Nationen begann, so setzt er sich in dem Treubruch Italiens auch fort: die Selbstbe⸗ hauptung Oesterreich⸗Ungarns hat in dem Weltkrieg das Primat. Und so setzen wir den Beglun das krieges nicht bloß wegen des äußeren Ablaufs, wegen der Verknüpfung und Verkettung, in der alles Nachfolgende mit dem serbischen Konflikt steht, in die Note, die heute vor einem Jahre auf die erschreckte Menschheit niedersauste, sondern deshalb, weil schon mit dem serbischen Streitfall die Daseinsfrage des Nationalitätenstaates aufgerollt wird. Und so sprechen wir mit Schauer das Wort aus: ein volles Ein die Mannheit unseres Landes im Kriege steht! leicht sich's ausspricht und was schließt es ein! O Jahr: wie daß wir hoffen könnten, in absehbarer Zeit einen anderen Tag zu erleben! O, daß die Siege, die die verbündeten Heere über Armeen des Zaren gerade in diesen Tagen erringen, jener vol und abschließende Erfolg wären, der den Frieden möglich macht! Dann lönnten wir den Gedanken, daß dieser Weltorand nun schon dreihundertsechzig Tage währt, von denen kein Tag ohne gewaltige Opfer geblieben ist, mit dem Bewußtsein tragen, daß aus der Vernichtung sich Leben erhebt und in der unendlichen Bewegung der Natur alles Gewesene auch zum Werdenden wird.“ * 2 Wie sieht es in Mutssisch⸗Polen aus? In Holland ist ein Unterstützungskomitee für Russisch⸗Polen ge⸗ gründet worden, das jetzt öffentlich zur Einsendung von Unte⸗ stützungen auffordert. Bei dieser Gelegenheit veröffentlicht das Komitee einen Bericht, dem nach einer Depesche der Tägl, Rundschau folgendes zu entnehmen ist:. „Russisch⸗Polen umfaßt 127 500 Geviertkilometer. mit 13 Mil⸗ lionen Einwohnern und ist, mit Ausnahme des Gouvernements von Siedlee und einem kleinen Teile des Gouvernements von Warschau, nahezu vollständig durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogen wor⸗ den. Mehr als zweihundert Städte und 9000 Dörfer wurden durch den Krieg betroffen. Der unmittelbare Schaden beträgt mehr als 2½% Milliarden Mark. Fünftausend Dörfer sind voll⸗ ständig vernichtet. Zahllose Bauernhöfe, Rittergüter, Schlösser, Landhäuser usw. sind verbrannt: mehr als hundert Kirchen verwüstet; mehr als tausend beschädigt. Getreide- und alle sonstigen Vorräte wurden beschlagnahmt. Zwei Millionen Stück Herdenvieh und eine Million Pferde wurden requiriert oder kamen wegen Futtermangels um. Durch die schweren Geschosse wurde der frucht⸗ bare Boden auseinandergefegt und unter Sand und Kiesel begraben: besonders bei Radom und Lublin, wo ganze Strecken für lange Zeit unfruchtbar sind. Der kleine Bauer ist vollständig ver⸗ armt. Den Großgrundbesitzern geht es auch nicht viel besser. Der gesamte Landbau Russisch⸗Polens, der früher einen jährlichen Ertrag von rund 19, Milliarden Mark hatte, liegt für lange Zeit vollständig brach. Noch immer kommen Menschen durch Hunger um. Auch die Städte haben viel gelitten. Die Industriezentren Czen⸗ 5 Lodz usw. leiden unter einer schrecklichen wirtschaftlichen Krise. Warschau ist von jeder Verbindung mit dem übrigen Rußland abgeschnitten. Die Eisen bahnen sind über eine Länge von 1500 Kilometer vollständig vernichtet. Bahnhöfe und Brücken sind in die Luft geflogen. Die Wege sind durch die Auto⸗ mobile, Munitionszüge und Truppentransporte vollständig unbrauch⸗ bar geworden. Das Kohlenrevier von Dombrowa ist be⸗ reits zu Anfang des Krieges zerstört worden; die Zechen wurden gesprengt. Statt 30000 Waggons Kohlen monatlich erhält Warschau jetzt nur 100 Waggons. Alle Fabriken im Bezirk Warschau liegen stilhl. Ueber hundert industrielle Werke sind größ⸗ benteil stört; 400 000 Arbeiter sind ohne Beschäftigung, darunter zahllose Handwerker, Geschäftsleute ufsw. Dies gilt besonders von den kleinen Städten, wo jede Zufuhr fehlt. Ueberall herrschen Evi⸗ demien, Hunger, Flecktyphus, Diphtherie, Cho⸗ lera usw. Azneien fehlen vollständig.“ Die Italiener z e en sich aus Tripolis zurück. Die Italiener haben nun auch sämtliche Garnisonen an der Greuze von Tunis geräumt. Die Besatzung von Nalut, die abziehen wollte, wurde von Rebellen angegriffen und konnte nur mühsam Seibat in Tunis erreichen. Nachdem Sinaum und Nanut aufgegeben waren, mußte auch die wichtige bekannte Oase Ghadames geräumt werden. Auf einen Befehl von Rom wird die Besatzung gleichfalls auf das Gebiet von Tunis zurückgezogen. Hier sind starke französische Kräfte zum Schutze der Italiener vor den verfolgenden Auf ständischen bereitgestellt. Voraussichtlich werden die Italiener von Tunis auf dem Seewege nach Tripolitanien zurückkehren. T. U. Wien, 28. Juli. Das 8 Uhr-Blatt meldet: Nach einer von der italienischen Zensur zugelassenen Nachricht in der d'Italia betragen die Verluste der Italiener in Tripolitanien 8400 Tote, 4000 Verwundete und über 5800 Vermißte. Ueber das Schicksal des restlichen Teiles der Schutztruppe herrscht große Besorgnis. Türkische Erfolge im Kaukasus. Konstantinopel, 27. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Nach glaubwürdigen privaten Meldungen aus Erzerum ver— trieben die türkischen Truppen gostern den Feind vor dem rechten türkischen Flügel aus seiner letzten Stellung und schlugen ihn unter großen Verlusten in die Flucht. Die türkischen Truppen besetzten hierauf mehrere strategisch sehr wichtige Punkte. Der Feind zieht sich, ver— folgt von den türkischen Truppen, in mehreren Kolonnen in Unordnung zurück. Vergeltungsmaßnahmen in Oesterreich. Die russische Militärverwaltung hat den Postverkehr mit den in der Gewalt der Russen befindlichen österrei hen Kriegsgefangenen fast völlig unterbunden. Als Vergeltun aßnahme ist zunächst den sassen eines in Oesterreich befindlichen Russenlagers jeder brief⸗ ze Verkehr mit der Heimat untersagt worden. Beharrt die rus⸗ sische Militärverwaltung auf ihren Maßnahmen, so wird diese Ver⸗ geltungsmaßregel auf alle russischen Gefangenenlager ausgedehnt. Die österreichische Regierung hat ferner in Petersburg eine befristete Protestnote gegen die unwürdige Behandlung ihrer in Kriegsgefan⸗ genschaft gekommenen Offiziere einreichen lassen, denen, ganz abge⸗ sehen von unzulänglichen Unterkünften, bis zum Hauptmannsrang die Offiziersabzeichen abgenommen wurden. Da bis zum 21., dem Ablaufstag dieser Frist, eine Antwort von seiten Rußlands nicht ein⸗ getroffen war, wurden die in österreichischer Gefangenschaft befind⸗ 1 1 Offiziere gehalten, innerhalb 24 Stunden ebenfalls ihre Offi⸗ ziersabzeichen abzulegen. Verhaftung eines amerikanischen Arbeiterführers. Reuter meldet aus Newyork: Der Vorsitzende des Streikkomitees von Bayonne, Jermish Bayly, wurde auf den Verdacht hin verhaftet, daß er unter dem Einfluß von außen Störungen in den Betrieb der Standard Oil Co. zu bringen suchte. Bayly widersprach auf das schärfste der Behauptung, daß er durch eine ausländische Re⸗ gierung nach Bayonne geschickt worden sei, er gab jedoch zu, daß er Oesterreicher sei. 0 l Japan rüstet. Die Londoner Morning Post bringt Meldungen aus Tokio, nach welchen in Japan eine starke Heeres⸗ und Flottenvermehrung bevor⸗ stehe. In England erregt das von Japan aufgestellte Riesenpro⸗ gramm ernste Besorgnisse. Ein Artikel der Morning Post gibt ganz offen zu, daß die Rüstungen Japans sich nur entweder gegen Eng⸗ land oder gegen Amerika, voraussichtlich aber gegen alle beide richten können. Das Blatt meint, daß zurzeit einige„Mißverständnisse“ über die chinesische Politik Japans zwischen Tokio einerseits und London und Washington andererseits herrschen. In Japan scheint man bedauerlicherweise den Mißerfolg der japanisch⸗chinesischen Ver⸗ handlungen auf die Gegenarbeit Englands und Amerikas zu schieben. Das Blatt hofft, daß das Mißverständnis sich bald zerstreuen wird, warnt jedoch vor dem anscheinend ungemäßigten Ehrgeiz Japans. Ernste Unruhen in Indien. Amsterdam, 28. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Ein⸗ gegangene amerikanische Zeitungen enthalten folgende Nach⸗ richt aus Manila vom 5. Juli: Offiziere und Fahrgäste des eingelaufenen spauischen Postdampfers„Alicante“, welcher unterwegs Aden, Colombo, Ceylon und Singapore berührte, berichten über ernste Unruhen in ganz Indien. Mehrere Aufstände haben stattgefunden. In Colombo sollen revoltierende Eingeborene von englischen Truppen streng bestraft sein, nachdem mehrere Engländer ermordet und die Läden geplündert worden waren. Das Kriegs⸗ recht wurde v udet und die Europäer bewaffnet und die militärtauglichen englischen Untertanen in die Armee ein⸗ gestellt. Es wurden Vorbereitungen getroffen, die weißen Frauen und Kinder nach Australien oder in die Heimat zu bringen. In Singapore riefen die Behörden alle englischen Untertanen zwischen 20 und 30 Jahren zu den Waffen. Auch unter der eingeborenen Bevölkerung im Norden von Borneo herrscht Unruhe. Haussuchungen und Vortragsverbot in Dresden. Im Verbandsbureau und in der Wohnung des Bevollmächtigten der Friseurgehilfen in Dresden, Genossen Frenzel, wurde am Mon⸗ tag zum dritten Male gehaussucht. Man fahndete nach der Zeit⸗ schrift Die Internationale. Obwohl die Haussuchung drei Stunden gedauert hat, wurde das Gesuchte nicht gefunden. Dafür beschlag⸗ nahmte die Polizei einige Exemplare der„Gedichte eines Jugend⸗ lichen im Felde“, Briefe des Genossen Karl Liebknecht an die Redak⸗ tion des Labour Leader und einige Notizblocks„Die Mehrheit sagt — die Minderheit sagt“. Auch in den Wohnungen der Genossinnen Naumann und Lewinsohn in Dresden und des Genossen Wolf in Deuben bei Dresden fanden Haussuchungen statt, die ebenfalls er⸗ gebnislos blieben. Die Dresdener Arbeiterschaft veranstaltet seit einiger Zeit wissenschaftliche Vorträge für junge Genossen und Genossinnen im Alter von 18—21 Jahren. Am Montagabend sollte wieder ein solcher Vortrag stattfinden. Und zwar sollte Genosse Otto Rühle das kommunistische Manifest behandeln. Am 25. Juli erhielt er jedoch auf Veranlassung des stellvertretenden Generalkommandos für das 2. Armeekorps von der Abteilung B der Dresdener Polizeidirektion folgende Mitteilung: „Der in der Dresdener Volkszeitung vom 23. Juli 1915 für Montag, den 26. dieses Monats angekündigte Vortrag über das kommunistische Manifest sowie alle weitexen Vorträge über das⸗ selbe Thema werden auf Anordnung en Königlichen stell⸗ vertretenden Generalkommandos vom dieses Monats hiermit verboten. Es wird darauf hingewiesen, daß Zuwiderhandlungen gegen dieses Verbot des Generalkommandos nach§ 9b des Ge⸗ setzes über den Belagerungszustand vom 4. Juli 1851 der Be⸗ strafung mit Gefängnis bis zu einem Jahr unterliegen.“ — Die Schlacht um Warschau. London, 29. Juli. Hiesigen Blättern zufolge empfangen die Petersburger Zeitungen keine telegraphischen Meldungen aus Warschau, jedoch erfährt man durch private Nachrichten, daß die Stadt ruhig ist. Die bedeutendste Aktion ist auf der ganzen Linie zwischen Weichsel und Bug im Gange, wo Mackensen, seiner Taktik gemäß, wie ein Schmiedehammer auf die russischen Massen wirkt, die einen hartnäckigen Wider⸗ stand leisten. Die letzte Nacht befanden sich die Deutschen nur noch wenige Meilen von Lublin. Neue Entdeckungen im belgischen Archiv. T. U. Berlin, 29. Juli. Wie die Nordd. Allg. Ztg. mitteilt, haben erneute Nachforschungen im beschlagnahmten Archiv Bel- giens wiederum wertvolles Material von geschichtlicher Bedeutung zutage gefördert, nämlich Berichte der belgischen Gesandten im Auslande an ihre Regierung. In ihnen wird auf das bedrohliche Anwachsen des französischen Chauvinismus und das Wiederauf— leben der deutsch-französischen Gegensätze als Ergebnis der Entente mit England hingewiesen. Umgekehrt findet die Friedens⸗ liebe des deutschen Kaisers, die friedliche Tendenz des deutschen Volkes und der große Langmut Deutschlands der Provokationen Englands und Frankreichs gegenüber Anerkennung. Am Schlusse seiner Ausführung veröffentlicht das Blatt einen Bericht des bel⸗ gischen Gesandten in Paris, Baron Guilleaume, der in deutscher Uebersetzung lautet: Ich hatte schon die Ehre, Ihnen zu berichten, daß es die Herren Poincaré, Delcassee, Millerand und ihre Freunde gewesen sind, die die nationalistisch-militaristisch und chauvinistische Politik erfunden und befolgt haben, deren Wieder⸗ erstehen wir festgestellt haben. Sie bildet eine Gefahr für Europa und für Belgien.— Die Nordd. Allg. Ztg. bemerkt dazu, es ist, als ob Baron Guilleaume die Ereignisse vorausgeahnt hätte, die nur ein halbes Jahr später eintrafen und in so verhängnisvoller Weise in die Geschichte Belgiens eingegriffen haben. 5 Die„heilige Einheit.“ T. U. Paris, 29. Juli. In der letzten Sitzung der Präsidenten der verschiedenen Kammergruppen und Kom⸗ missionen wurde die Frage erörtert, durch eine feierliche Manifestation die Aufrechterhaltung der am 4. August prokla⸗ mierten heiligen Einheit zu bestätigen. Viviani wird namens der Regierung, Deschanel namens der Kammer das Wort ergreifen. 5 T. U. Genf, 29. Juli. Viviani erklärte sich unbedingt gegen einen Antrag der Sozialisten, der für die Mitglieder oller großen Kommissionen der Kammer und des Senats das Recht der ständigen und umfangreichen Kontrolle für Intendantur⸗, Sanitätswesen und anderer Dienstzweige des Heeres, einschließlich des Rekrutierungswesens, beansprucht. Der griechisch⸗italienische Flaggenzwischenfall. 5 abfahr 29. Juli. In der Angelegenheit des italienischen Kriegsfahrzeuges, das unter griechischer Flagge fahrend, von einem griechischen Torpedoboot aufgegriffen und nach Korfu u ge⸗ bracht worden war, hat jetzt die italienische Regierung die Kühn⸗ heit gehabt, anzufragen, wie Griechenland dazu komme, ein italieni⸗ sches Kriegsfahrzeug anzuhalten. Die griechische Regierung hat ihrerseits unter Vorlegung eines eingehenden Berichtes der Be⸗ hörden von Korfu mitgeteilt, daß nur ein die griechische Flagge führendes Fahrzeug aufgegriffen wurde und nochmals um Auf⸗ klärung ersucht, wie das italienische Fahrzeug dazu komme, die hellenische Flagge zu führen. Die italienische Kriegsanleihe. T. U. Lugano, 29. Juli. Der Luzerner Tages-Anzeiger berichtet: Die italienische Kriegsanleihe hat nach einer sehr zuverlässigen Mitteilung aus Schweizer Bankkreisen genau 780 Millionen Lire gebracht. Die sechs italienischen Groß⸗ banken haben auf dringende Vorstellung Salandras nachträg— lich noch 300 Millionen Lire gezeichnet, sodaß das Gesamt⸗ ergebnis 1080 000 000 Lire beträgt. Von dem ersten Betrage (780 000 000) sind gleichfalls rund 450 Millionen Lire Bank⸗ zeichnungen, sodaß die Beteiligung des italienischen Privat- kapitals lächerlich gering ist. England und Amerika. Aus Genf meldet der Berliner Lokalanzeiger, die neue eng— lische Note verspreche den Vereinigten Staaten ein beschleu— nigtes Verfahren, sowie gemeinsame Reformen ber Prisengerichte. Sie enthalte auch einen Absatz, von dem eine Beschwichtigung der am Baum wollhandel Interessier⸗ ten erwartet werde. Eine Mahnung an die Belgier. Der Generalgouverneur in Belgien, Generaloberst v. Bissing, hat am 18. Juli an die Bevölkerung des Landes einen„offenen Brief“ erlassen, worin er sie zur patriotischen Mitarbeit am Wohle Belgiens ermahnt. Er erklärt darin, als Generalgouverneur führe er die Verwaltung des Landes, nicht um einem persönlichen Drange nach Gewaltherrschaft nachzugeben, auch nicht ausschließlich zu Nutz und Frommen des Deutschen Reiches, sondern in Erfüllung schwerer, dem besetzten Belgien gegenüber bestehender Pflichten. Aus diesem Grunde dürfe und müsse von jedem belgischen Staats⸗ angehörigen, insbesondere von den Behörden des Landes, erwartet und verlangt werden, daß man die deutschen Bestrebungen, die öffentliche Ordnung und das öffentliche Leben im Lande wieder⸗ herzustellen, unterstütze. An vielen Stellen geschehe dies auch be⸗ reits, aber vielfach begegneten die Maßregeln des General⸗ gonverneurs immer noch einem offenen oder geheimen Wider⸗ stand. Es scheine der Wahn zu herrschen, als sei es eine patriotische oder mannhafte Tat, sich den Verordnungen der die Gewalt be⸗ sitzenden Macht entgegenzustellen, vielleicht wirke auch die Besorg⸗ nis, daß bei einer etwaigen Wiederherstellung der früheren staat⸗ lichen Verhältnisse denen Gefahren drohen, die sich willfährig zeigen. Beide Auffassungen aber seien beklagenswert und be⸗ ruhten auf grundsätzlichem Mißverständnisse oder auf nicht zu rüh⸗ menden Charaktereigenschaften. Wie immer das zukünftige Schick⸗ sal Belgiens sich gestalte, gegenwärtig stehe Belgien tatsächlich und auf Grund der völkerrechtlichen Satzungen unter deutscher Ver⸗ waltung. Wer dieser Verwaltung sich willfährig erweise, diene nicht der besetzenden Macht, sondern vorwiegend seinem eigenen Vaterlande, wer ihr widerstrebe, schade ausschließlich seinem Vaterlande Belgien. Von niemandem werde eine Abkehr von seinen Idealen oder etba gar eine heuchlerische Verleugnung feiner Ueberzeugungen verlangt, aber von allen sei die Anerkenn⸗ ung des tatsächlichen Zustandes zu erwarten, nämlich daß die Ver⸗ waltung nach Kriegs- und Völkerrecht die Pflicht und das Recht habe, das Land zu verwalten und die Behörden des Landes wie auch seine geistigen Führer, geistliche und weltliche, zur Mitarbeit heranzuziehen. Jedes religiöse, politische und nationale Glaubens⸗ bekenntnis werde geachtet, jede ehrliche Mitarbeit, woher sie auch komme, begrüßt, aber die Pflicht zwinge, gegen diefenigen rück⸗ sichtslos einzuschreiten, die offen oder geheim die Ordnung stören oder versuchen, die Wiederherstellung des öffentlichen Lebens zu verhindern. Ohne Ansehen der Person werde der General⸗ gouverneur diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die sich ihm mit Wort und Tat widersetzen, und soweit sie sich im Besitze eines öffentlichen Amtes befinden, von diesem entfernen. Von dem ge⸗ sunden Sinne der Bevölkerung Belgiens und ihrer Leiter aber sei zu hoffen, daß diese aufklärenden Worte falsche Auffassungen be⸗ seitigen und die Erkenntnis verbreiten werden, daß die deutsche Verwaltung dem Interesse des Landes zu dienen bestrebt ist und eine wahrhafte Betätigung vaterländischer Gesinnung in den jetzigen Zeitläuften allein in der Mitarbeit an den Aufgaben und Zielen des Generalgouverneurs bestehen kann. Kriegsnotizen. Wie Grazer Blätter melden, hat ein steyerisches Land⸗ sturm⸗-⸗ Bataillon, bas am Bug kämpft, 132 Tapferkeits⸗ Medaillen an einem einzigen Tage erhalten. Die Steyerer haben den heftigen Stürmen der Russen vier Tage lang gegen eine sechsfache Ue schließlich auf das andere Ufer gedrängt.. Nach einer Verfügung des italienischen Ministerpräsi⸗ denten ist deutschen Reichsangehörigen das Ueberschreiten der italienischen Grenze verboten. Hervés Organ Guerre sociale wurde wegen des Abdrucks zensurierter Stellen und eines sehr scharfen Leitartikels von den Behörden wieder beschlagnahmt. Secolo meldet aus Syracus: Der Kapitän des aus Buenos Aires kommenden Dampfers„Prinzessa Trafalgar“ wurde in der Nähe von Gibraltar fumkentelegraphisch angewiesen, den Tele⸗ graphisten und den Geschäfts führer wegen Spionage⸗ verdachts zu verhaften. Nach Pariser Blättermeldungen teilte das Kriegsministerium mit, daß die in Algier internierten deutschen Kriegs⸗ gefangenen genau so wie die in Frankreich selbst untergebrach⸗ ten Kriegsgefangenen behandelt werden. Lord Michelet hat dem Flieger, der einen Zeppelin zer⸗ stört, 1000 Pfund Sterling zugesagt. Die Zerstörung muß in der Luft geschehen. Im ganzen hat der Lord 10 000 Pfund Ster⸗ ling für 10 zerstörte Zeppeline ausgesetzt. Die amerikanische Regierung beruft die Abordnungen des amerikanischen Roten Kreuzes in Wien und Buda⸗ pest wie alle ähnlichen Missionen auf dem europäischen Kontinent nach genau einjähriger Tätigkeit am ersten Oktober ab, weil die finanziellen Mittel des amerikanischen Roten Kreuzes den an die europäischen Abordnungen gestellten Anforderungen nicht ge⸗ wachsen sind. Die bisherigen Kosten belaufen sich auf fünfzig Millionen Kronen. Das amerikanische Rote Kreuz wird jedoch auch fernerhin fortfahren, den kriegführenden Ländern nach Kräften Sanitätsmaterfal zu senden. 2 ermacht nicht nur Stand gehalten, sondern diese! Partei⸗Nachrichten. Für die Fraktion.. 1 Der 6. württembergische Wahlkxeis beschloß seiner in Reutlingen abgehaltenen, von 23 Delegierten be⸗ suchten Kreisversammlung einstimmig eine Resolution, die das Einverständias mit der Tätigkeit des Parteivorstandes, der Reichs⸗ tagsfraktion und den Entschließungen des Parteiausschusses aus⸗ spricht, die Beschlüsse des Landesvorstandes billigt und schärfsten Protest gegen das Verhalten der Parteiminderheit im Reiche und in Württemberg einlegt. Zugleich wurde außs schärfste gegen den Lebensmittelwucher protestiert. Nach dem Bericht der Kreis⸗ leitung zählt der Kreisverein noch 21 Ortsvereine. 3 Ortsvereine haben infolge Einziehung der Mitglieder zum Heeresdienst ihre Tätigkeit eingestellt. Im ganzen sind etwa 900 Mitglieder zum Heere eingerückt. 5 Vom 9. württembergischen Wahlkreis, der seine Kreisversammlung in Tuttlingen abhielt, sind etwa 800 Par⸗ teimitglieder im Militärdienst und etwa ebensoviel zahlen noch ihre Beiträge. Nahezu 200 Mitglieder sind im Berichtsjahre aus den verschiedensten Gründen verloren gegangen. Es bestehen noch 11 Ortsvereine, während 12 kleine Vereine zur Untätigkeit verurteilt sind. Gegen 3 Stimmen beschloß die von 30 Delegierten besuchte Versammlung, daß Parteigenossen, die nicht die Marken der Landesorganifation, fondern die der Westmeyergruppe kleben, da⸗ mit aus der Partei ausscheiden. Einstimmig stellte sich die Ver⸗ sammlung auf den Boden der Reichstagsfraktion, des Partei⸗ und des Landesvorstandes. Die Genossen im Reichs⸗ und Landtage werden ersucht, mit aller Entschiedenheit der Auswucherung des Volkes entgegen zu wirken. Der 5. württembergische Wahlkreis hielt in Eß⸗ lingen seine Kreisgeneralversammlung ab, auf der die starke Hälfte der Ortsvereine vertreten war. Unter den erschienenen 36 Delegierten herrschte Einmütigkeit in der Beurteilung der Haltung der Partei in der Kriegszeit. Gegen zwei Stimmen wurde eine Resolution angenommen, die die Politik der Reichstagsfraktion und des Parteivorstandes billigt und sich die Beschlüsse des Parteiausschusses zu eigen macht. auf In Ulm tagte die Kreisversammlung des 14. würt⸗ tembergischen Wahlkreifses, die durch 20 Delegierte beschickt war. Einstimmig nahm die Versammlung eine Resolution an, die das Einverständnis mit der Kreditbewilligung ausspricht, dem Landesvorstand für seine Maßnahmen zur Ueber⸗ windung der Parteiwirren dankt, die Tätigkeit der Hintermänner der Berner Tagwacht aufs schärfste verurteilt und die Handlungsweise des Genossen Haase mißbilligt. Von der Regierung werden schleunigst wirksame Maßnahmen gegen den Lebensmittelwucher verlangt. Im Sozialdemokratischen Verein in Hameln wurde ein⸗ stimmig folgende Resolution beschlossen: 5 5 Die Versammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins er⸗ klärt sich mit der Stellungnahme unseres Reichstagsabgeordneten und damit der Mehrheit der Reichstags fraktion zur Bewilligung der Kriegskredite durchaus in allen Tei⸗ en einverstanden. Die Versammlung verurteilt das disziplinlose Verhalten einer verschwindenden Minder⸗ heit der Reichstagsfraktion und der Parteimitglieder und erklärt, daß diese Genossen, ohne Ansehen der Person, sich außerhalb der Partei stellen. Die Versammlung hegt den dringenden Wunsch, daß ein Friede nur geschlossen werden möge auf einer Grundlage, die den gebrachten Opfern an Gut und Blut Genüge leistet und die Ge⸗ währ bietet, daß in absehbarer Zeit ein solches Völkermorden nicht mehr stattfinden kann. Zu den schwebenden Parteidifferenzen nahm der Bezirks ⸗ vorstand der Westpreußischen Sozialdemokratie in seiner letzten Sitzung Stellung. Daran nahmen auch die Vor⸗ stände und Vertrauenspersonen der Kreisvereine Danzig⸗ Stadt und ⸗Land teil. Genosse Gehl erstattete den Bericht von den Verhandlungen des Parteiausschusses in Berlin. Nach gründlicher Debatte erklärte sich die Sitzung mit den Beschlüssen des Parteiausschusses einverstanden. Sie wendete sich aber gegen die scharfe Note gegen den Genossen Haase, der aller⸗ dings mit der Unterzeichnung des Aufrufs„Das Gebot der Stunde“ taktisch unklug gehandelt habe. Die Maßnahmen der Opposition gegen die Politik der Mehrheit der Fraktion, be⸗ treffend die Bewilligung der Kriegskredite, wurden stark ver⸗ urteilt. Desgleichen auch die Haltung der rechten Seite, die sich ständig bemüht, die Partei in das reformistische Fahr⸗ wasser hinein zu steuern. Der Bezirksvorstand hielt die Zeit für eine Aenderung der Politik des 4. August noch nicht für gekommen. Er ist der Meinung, daß die Bewilligung der Kriegskredite eine, im Interesse des Vaterlandes liegende, zwin⸗ gende Notwendigkeit war, der die Partei sich nicht ent⸗ ziehen durfte. E nn 4* Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 36 Jede Minute, die mit Festschnallen eines Riemens, mit Anlegen eines Stranges verging, däuchte Diethelm eine Ewig— keit; er wollte Vorspann, er wollte frische Pferde nehmen, um mit Windeseile heim zu eilen, aber er fürchtete wieder, daß ihn jedes Wort verrate, und wagte nicht einmal mehr, die Einspannenden zur Eile zu drängen. Als der Vetter vor— sorglich eine Laterne mitnahm und sogar nach einem zweiten Lichte als Ersatz schickte, erschrak er, aber er hatte gelernt, zu schweigen. Er mußte vor dem Vetter alles verbergen, er hatte ihn ja mitgenommen, um ihn zum Zeugen seiner Unschuld zu gebrauchen. Man fuhr wieder heimwärts, und Diethelm mußte davon sprechen, daß er seine Frau in dem Schmerze um den Tod ihres Kindes nicht allein lassen wolle. „Warum hast mir denn nicht früher gesagt,“ fragte er, „daß es so mit der Kohlenhofbäuerin steht?“ „Ich hab' gemeint, Ihr wisset's und wollet nicht davon reden; ich hab' Euch ja oft darauf angespielt, daß Ihr wieder doppelt reich werdet.“ „Jawohl, jawohl, fahr' nur schärfer, noch schärfer, und wenn die Gäul' morgen auch hin sind,“ drängte Diethelm. In dem Bannkreis des Verbrechens, in den er einge— schlossen war, hatte er nichts gemerkt von dem, was vielleicht alle Leute wußten und einander sagten. Mit ihm sprach niemand davon, und mitten in der Qual, die ihm die Brust zusammenpreßte, dachte er immer wieder, wie schlecht die Menschen sind, sie gönnten ihm sein unverhofftes Glück nicht und redeten darum kein bestimmtes Wort davon. Der Wind hatte sich gelegt, die Schneewolken entluden sich, und Diethelm sah nach den halb verschneiten Bäumen am Wege und streckte den Arm aus nach jedem, an dem man vorüber war, als schiebe er ihn damit zurück; war man ja der Heimat immer wieder um eine Strecke näher, aber es dauerte doch lange, und ein tiefer Frost schlich Diethelm durch Mark und Bein. Er glaubte, das Herz im Leibe gefriere ihm zu Eis, während der Vetter doch sagte, die Kälte sei gebrochen. Diethelm dachte sich die Pein Medards aus, der gefesselt am Boden liegt, die Flamme immer näher knistern, die Schafe in der Ferne blöken hört, und wie die Flamme immer näher heranschleicht, von allen Seiten nach ihm züngelt und ihn still umfängt... wenn sie zuerst seine Bande versengt— er hebt die gefesselten Hände den Flammen entgegen, er macht sich frei. „Du lebst,“ schrie er auf einmal unwillkürlich laut auf, und der Vetter wunderte sich über die so innige Liebe Diet— helms zu seiner Stieftochter; nicht umsonst hieß er der Familienfürst. „Wir kriegen wieder kalt, der Mond geht heute rot auf,“ sagte der Vetter, als man auf der Kalten Herberge ange— kommen war,„seht, dort, Buchenberg zu.“ Diethelm spie das Blut aus, das er sich aus den Lippen gebissen. „Was ist denn das?“ fuhr der Vetter nach einer Weile fort,„ich höre die alt' Kathrin brummen, und es riecht in der Luft so greulich.“ Diethelm erwiderte nichts. Als man Buchenberg nahe war, schrie der Vetter„Herr im Himmel, Euer Haus brennt!“, aber Diethelm hörte es nicht, und mit Mühe erweckte ihn der Vetter mit Schneereiben aus dem Schlage, der ihn getroffen zu haben schien. XVII. Lautlos und regungslos, weiß überschneit, stand die Menschenmasse am Berge versammelt, und wie sie vom roten Glutschein übergossen war, erschien sie wie von einem Zauber festgebannt. Keine Menschenstimme ward hörbar, nur vom Turme dröhnte die Sturm- und Sterbeglocke, die sogenannte alte Kathrin, und aus der Flamme, die breit und still, von keinem Winde bewegt, hochauf schlug, tönte ein tausend— stimmiges Wehklagen, so dumpf und tief und wiederum so gräßlich röchelnd, als hätten die auflodernden Flammen⸗ zungen markerschütternde Stimmen gewonnen, und über der Flamme glitzerte der fallende Schnee und verdampfte in selt⸗ same Luftgebilde. „Zu Hilfe! Rettet! Rettet!“ schrie Diethelm vom Schlitten springend,„was steht ihr so müßig da? Rettet!“ Wie aus einem Zauberbann erlöst, wendeten sich alle plötzlich nach ihm und umringten ihn. „Es ist nichts zu helfen,“ sagte der Schmied,„dein Haus ist an allen vier Ecken angegangen, eh man's gewußt hat, und kein Mensch als dein Medard hat die Kloben aus der Spritze da rausgenommen. Wir können nichts machen.“ „Wo ist der Medard?“ fragte Diethelm. „Das weiß kein Mensch, er hat sich heut vor niemand sehen lassen, der hat gewiß angezündet und ist vielleicht im Hause verbrannt; die, wo zuerst kommen sind, sagen, sie hätten ihn schreien gehört.“ „Rettet! Rettet!“ schrie Diethelm und eilte nach dem Hause, aber von dorther kam eine Rachegestalt mit weißen Locken und zerfetzten Kleidern und warf sich auf Diethelm und wollte ihn erdrosseln. „Mordbrenner! Mordbrenner!“ kreischte der alte Schäferle mit schäumendem Munde,„wo hast du mein Kind? Wo? Gib mir mein Kind. Mordbrenner! Mein Kind! Mein gutes, braves Kind!“ Mit Gewalt wurde der rasende alte Mann von Diethelm losgerissen, er hatte mehr als jugendliche Manneskraft und hielt Diethelm wie mit eisernen Banden umklammert, und Diethelm ächzte laut auf, denn der Schäferle hatte ihn gerade an der Armwunde gefaßt, und als fräßen sich tausend schneidende Spitzen durch Mark und Knochen ein, so schmerzte bei der Berührung der Vaterhand der vom Sohne eingepreßte Biß. Das Blut rann Diethelm von der Hand herab, als er losgemacht war; er taumelte halb besinnungslos umher aber der Vetter stand ihm getreulich bei. Jetzt hörte man deut⸗ lich, woher das Wehklagen kam: die Schafe im Stalle, dessen Eingangswand bereits in Flammen stand, blökten so schmerz⸗ voll klagend, daß es das Herz im Leibe erschütterte; es war nicht anzuhören. Cortsetzung folgt.) r Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. — Ist das kein Wucher? Der Marktbericht vom Montags-Viehmarkt in Frankfurt besagt, daß die Preise für Rinder wieder in die Höhe gegangen sind, obwohl der Auftrieb sehr stark war und fast dem der Vorwoche gleichkam. Diese ungesunden, der Volksgesundheit schwere Wunden schlagenden Zustände sind— wir müssen es immer und immer wieder sagen— die Folgen des unver— schämtesten Wuchers, der beim Viehhandel getrieben wird. So wird uns gerade vom letzten Frankfurter Viehmarkte folgender krasser Fall berichtet: Der Metzger August Nebel aus Aschaffenburg und der Makler Engel aus Schaafheim hatten in der Nähe von Aschaffenburg zwei Bullen zum Preise von 1700 Mark eingekauft. Darauf aber haben sie auf dem Viehmarkte dieselben Tiere für 2475 Mark verkauft. Sie haben also auf einen Schlag 775 Mark an zwei Tieren ver— dient, ohne erhebliche Ausgaben gehabt oder irgendwelche besondere Arbeit geleistet zu haben! Ist das kein Wucher? Wir meinen, und sicher mit uns die gesamte Oeffentlichkeit: hier liegt einer von jenen Fällen vor, gegen die nach den Ver⸗ ordnungen der Generalkommandos und neuerdings des Bundesrats mit der ganzen rücksichtslosen Schärfe des Ge— setzes vorgegangen werden soll. Barfüßler. Von Zeit zu Zeit tauchten vor dem Kriege sogenannte Natur- apostel auf. Mit einem Haar- und Bartwuchs, dem nie ein Scher⸗ messer nahe kam, barfuß, und in einem härenen Johannes⸗ gewande trabten sie durch die Straßen. Und Männlein und Weib⸗ lein schauten ihnen nach, während die liebe Jugend bis zur über⸗ nächsten Straßenecke mitlief, um sich das Bild dieses„Kultur⸗ losen“ recht tief einzuprägen. Wir sind ja im Grunde genommen alle noch recht weit von wahrer Kultur eutfernt— der Krieg mit seinen Begleiterschein⸗ ungen beweist es—, aber äußerlich heben wir uns doch durch voll⸗ ständige Bekleidung von den Wilden ab. Das wird bald anders werden, es ist schon anders geworden. Wir müssen wieder barfuß gehen wie Adam und Eva, und wenn wir nicht ganz in den Urzustand zurücksinken und auch nackt laufen müssen, so verdanken wir das lediglich dem Umstand, daß die„Konfektion“ noch nicht das Interesse deutscher Heeres⸗ lieferanten gefunden hat. Dafür haben sich die Herren desto gründlicher auf Häute und Leder geworfen. Riesengewinne, fabelhafte Verdienste haben einzelne Besitzer und Aktiengesell— schaften eingestrichen, und jeder Tag bringt ihnen einen neuen aus⸗ giebigen Goldregen. Ihr Weizen blüht ebenso reich, reicher noch wie der ihrer Kollegen von der landwirtschaftlichen Fakultät. Aber je reicher die Ernte jener, desto mehr muß der Ver⸗ braucher zahlen. Werden nicht für Sohlen und Absätze riesige Preise verlangt. und dabei muß der„Besohlanstaltsbesitzer“ noch beinahe um das Leder betteln. Das sind reizende Zustände. Um so reizender, aufreizender und erbitternder als auch hier nicht ein Mangel an Ware, sondern der Lederwucher im großen die Schuld trägt. Es ist Leder genug vorhanden. Man bekommt so viel Sohlen, wie man haben will, aber man muß zahlen, zahlen, zahlen! Eine schon ohnedies millionenreiche Gesellschaft von Spekulanten kontrolliert den Häute- und Ledermarkt und schreibt den 67 Millionen die Preise vor. Da muß es denn natürlich kommen, daß eine einzige süddeutsche Lederfirma in 9 Kriegs- monaten 20 Millionen Mark verdienen konnte, während Millionen Kriegerfrauen nicht mehr wissen, wie sie ihre Kinder anständig in die Schule schicken sollen. So werden wir sie eben barfuß laufen lassen müssen. Wir Er⸗ wachsenen aber können uns ja aus alten abgelegten englisch— ledernen Hosen oder anderen Stoffen serbische Opanken zusammen⸗ flicken und sie mit Bindfaden an den Beinen befestigen. Holländische Holzschuhe wären auch in Betracht zu ziehen. Nur müßten von vornherein Höchstpreise festgesetzt werden, denn sonst kosten auch sie innerhalb 6 Wochen so viel wie eine Saloneinrichtung von Nuß— baum. Sind doch heute schon die Preise für die einfachsten Holz⸗ schuhe auf das Doppelte ihres bisherigen Standes gestiegen, ohne daß die Rohmaterialien auch nur um einen Pfennig teurer ge—⸗ worden wären! Ach ja! Wir leben in einer großen, großen Zeit. Alle Schlacken sind von der deutschen Seele abgefallen. Warum sollen wir da nicht auch die Stiefel verlieren? Das paßt ganz zum Bilde des Krieges, der, wie seine ganze vieltausendjährige Geschichte lehrt, bisher noch immer die Wenigen reich machte und Hundert⸗ tausende arm. Wie die Butterpreise herabgesetzt werden können. Wie der Münsterer Anzeiger berichtet, war dort der Preis für das Pfund Butter, der in der vorherigen Woche fast durchweg 1,50 Mark betrug, in der letzten Woche auf 1,70 bis 1,80 Mark gestiegen. Vereinzelt wurde sogar für Molkereibutter 1,90 Mark gefordert. Um eine Herabsetzung dieser für Münster außergewöhnlich hohen Preise zu erlangen, hatte der Magistrat durch Polizeibeamte den Butterverkäufern ein Formular aus⸗ händigen lassen, in dem er aufforderte, mit den Preisen auf 1,50 Mark herunterzugehen. Andernfalls seien Höchstpreise zu erwarten, die noch niedriger sein würden. Die meisten Verkäufer hielten zunächst an ihren hohen Preisen fest. Andere deckten kurz entschlossen ihre Körbe zu und protestierten gegen die Anordnung des Magistrats mit der Drohung, ihre Butter zum Industriebezirk zu fahren, wo noch höhere Preise bezahlt würden. Einige Verkäuferinnen zeigten sich doch bereit, das Pfund Butter für 1,50 Mark zu verkaufen. Die Hausfrauen, die in Scharen die Butterhändler umstanden und die Bestürzung der Verkäufer ruhig mit angesehen hatten, kauften nun von denen, die nur 1,50 Mark verlangten und ihre Ware schnell absetzten. Um die Butter nun nicht wieder mit nach Hause nehmen zu müssen, bequemten sich die Ver— käufer nach und nach dazu, sie zu dem vom Magistrat fest⸗ gesetzten Preise loszuschlagen. An diesen Vorgängen sieht man, daß ein energisches Zugreifen der städtischen Behörden den Konsumenten sehr wohl helfen kann. Kriegsdarlehen an notleidende Gemeinden. In ihrer vertraulichen Besprechung am vorigen Freitag hat die Zweite Kammer des hessischen Landtags sich unter anderem auch mit der weiteren Gewährung von Darlehen an notleidende Ge— meinden für außerordentliche Kriegszwecke beschäftigt. In der Dezembertagung des Landtags war bekanntlich der Re— Merung zu diesem Zwecke ein Kredit bis zu acht Millionen Mark bewilligt worden. Da dieser Kredit in Kürze erschöpft sein wird, erklärten sich die Kammerfraktionen am Freitag damit einverstanden, daß die Regierung den Landständen für die kommende Tagung eine Gesetzesvorlage unterbreitet, in der die Bewilligung eines weiteren Kredits von zehn Mil lionen Mark für die in Betracht kommenden Städte Kommunalverbände beantragt wird. — Vom Nahrungsmittelwucher. Wie durch die Speko lation die Preise in die Höhe getrieben werden, zeigt ein Beispiel, das dieser Tage im Nassauer Boten zu lesen war. Diesem Blatte schrieb ein im Getreidehandel erfahrener Leser aus Limburg: In Ihrem Blatte wurde unlängst sehr richtig ausgeführt, daß die Brot⸗ bezw. Mehlpreise im Kreise Lim burg im Verhältnis zu den Getreidepreisen zu hoch seien; dieses trifft auch heute noch voll zu. Nachfolgend ein Beispiel, wie der Kreisausschuß bezw. sein kaufmännisches Bureau auch weiterhin für billige Lebensmittel sorgt: Bei der Be schlagnahme lagerte außer Mehl auch Weizengries im Kreise, welcher zu dem sehr anständigen Preise von 47 Mark pro Doppelzentner an diesen übereignet wurde. Der Gries wurde durch obengenanntes Bureau zu 90 Mark pro Doppelzentner, also nach dem recht bescheidenen Gewinn von mehr als 91 Prozent, an Kaufleute abgesetzt; im Handel würde man einen solchen Gewinn mit Recht mit einem wenig schmeichelhaften Ausdruck bezeichnen und den käufer zur Verantwortung ziehen. Im Kleinhandel wurde dieser Gries dann zu 60 Pfg. pro Pfund, also 120 Mark pro Doppelzentner, berechnet; bemerkt sei noch, daß Gries vorzugsweise von der ärmeren Bevölkerung als Kinder- Nahrungsmittel gekauft wird. — Tod des Eisenbahners. Gestern abend kurz nach 8 Uhr wurde im Gießener Bahnhofe der Bahnarbeiter Joh. Müller aus Großen-Linden von einer Maschine, die auf dem Fuldaer Gleise nach dem Bahnhofe zu fuhr, erfaßt und gräßlich verstümmelt. Ein Bein war vollständig abgefahren, das andere ebenfalls gebrochen und außerdem hatte der Ver— unglückte noch weitere schwere Verletzungen. Der Tod trat in wenigen Minuten ein. Müller steht in den 50er Jahren: er war Lokomotiv- oder Wagenputzer. — Das Wiedersehen. Dieser Tage wurden eine Anzahl Gefangene aus den Lagern von Gießen, Darmstadt und anderen Orten in ihre Heimat nach Nordfrankreich befördert, soweit dies von den Deutschen besetzt ist. Von einem Partei⸗ genossen, der einen Transport begleitete, werden uns die rührenden Szenen geschildert, die sich bei Ankunft der Leute in Roubaix ereigneten. Man sei so ergriffen gewesen, daß man es kaum habe ansehen können, wenn die alten Mütter ihre Söhne wiedergesehen und geherzt und geküßt hätten. Fast die ganze Bevölkerung sei zusammengelaufen.— Das ist sehr begreiflich. Man kann danach ermessen, wie furcht⸗ bar der Schmerz derjenigen sein mag, welche vergebens auf die Heimkehr ihrer Angehörigen warten. „Burgfrieden“ und Händlerpresse. Die großen moralischen Erfolge der Konsumvereine in der jetzigen Kriegszeit lassen ge— wissen Kreisen der Kleinhändler keine Ruhe. Immer wieder ver⸗ suchen die Fachorgane des Kleinhandels sich an den Konsumgenossen⸗ schaften zu reiben, als ob diese nicht auch das Recht hätten, den Schutz des Burgfriedens zu genießen. Ein Beispiel hierfür liefert die neueste Nummer des Nahrungs⸗ und Genußmittelhändlers, eine fachwissenschaftliche Beilage zur Leipziger Kolonialwaren⸗ zeitung. Wir lesen da folgendes: Ein großer Teil der Arbeiterschaft ist dem Nahrungsmittel⸗ handel leider verloren gegangen infolge der politischen Werbe⸗ kraft gewisser Konsumpereine. Wenn sich der Nahrungsmittel- handel auch diesen Verhältnissen angepaßt hat und sich auch ganz gut dabei besindet, daß er von der weniger kaufkräftigen Kundschaft der Proletarier entlastet ist, so ist diese Entwicklung im Interesse vieler Arbeiter und Familien zu bedauern, da sie natürlich durch die Konsumvereinsqualitäten weniger gut ver⸗ pflegt und ernährt werden, als wenn sie ihren Bedarf in einem guten Fachgeschäft decken würden.... Je besser die Industrie beschäftigt ist und je größer der Verdienst der Arbeiterschaft ist, desto mehr suchen sie sich der Konsumvereinswirtschaft zu ent⸗ ziehen und sind bestrebt, ihre Lebenshaltung dem höhern Ver⸗ dienst entsprechend zu verbessern. Das zeigt sich in der Wohnung, der Kleidung und vor allem auch in der Nahrung. Auch der politische Einfluß der Konsumvereinsmacher geht zurück, denn der zufriedene Arbeiter pflegt viel vernünftiger darüber nach— zudenken, weshalb er die auf Kosten der Arbeiterschaft ange— stellten Genossen erhalten soll. Diese Leistung verdient festgehalten zu werden. Wenn sie auch gerade nicht den bündigen Beweis für die Untadelhaftigkeit der den Konsumvereinen feindlich gesinnten Kleinhändler erbringt, so zeigt sie doch, welche Unverfrorenheit man sich auch in Kriegs— un Ver⸗ zeiten im Kampfe gegen die Selbsthilfeorganisationen der Ver— braucher erlauben darf. Landesverband der Hausbesitzervereine in Hessen. Uns wird mitgeteilt: Die Vorstände der Hausbesitzervereine im Großhe tum Hessen hielten am 25. d. M. in Frankfurt a. M. eine ab. Es waren vertreten: Darmstadt, Offenbach, Worms, Gießen, Mombach und Mains-Kostheim. Der Vorsitzende rr Grünwald, der gleichzeitig auch Mitglied des Vorstandes des Zentralverband deutscher Haus⸗ und Grundbesitzer ist, erstattete zunächst erst ssihrlichen Bericht über die am 30. Mai 1915 in Berlin abgehalt Vorstandssitzung und besprach auch die Tagesordnung der am und 9. August in Halberstadt stattfindenden erweiterten Kriegs-Vor⸗ stands⸗Sitzung des Zentralverbandes. Es wurde beschlossen, daf Herr Grünwald an derselben für den Landesverband& nehmen soll. Den Vorständen der hessischen Hausbesitzerve wurde außerdem empfohlen, mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Verhandlung stehenden Fragen, auch ihrerseits unter allen Umst den Vertreter nach Halberstadt zu entsenden. Die Vereine Mainz. Darmstadt, Offenbach a. M., Worms und Gießen werden dies vor- aussichtlich auch tun. Im übrigen wurde über die Herbeiführung der Besteuerung nach dem Ertrag und über Herabsetzung de satz- und Hypothekenstempels beraten. Herr von Hessert, Darmstadt stellte noch in der Sitzung den Antrag: ie Regierung zu ersuchen, durch ihren Vertreter bei dem Bu at dahin zu wirken, daß während des Krieges die Darlehenskassen auf ein schulde n freies Hausgrundstück stempelfrei ein Darlehen gewähren. Der An⸗ tragsteller hob hervor, daß man während des Krieges von den Dar— lehenskassen wohl gegen Verpfänoͤung von Waren und Wertpapieren jederzeit ein Darlehen erhalten könne, dagegen aber nicht gegen Ver— pfändung eines schuldenfreien Hausgrundstückes, was doch recht merkwürdig sei. Ueber alle Fragen wurde längere Zeit eingehend beraten und alsdann beschlossen, durch Eingaben und versönliche Besprechungen mit der Regierung zu versuchen, daß die Regierung die Forderungen als berechtigt anerkennt und ihnen wenigstens sülr die Dauer des Krieges Geltung verschafft. Bevor die Eingaben an die Regierung abgehen, soll zunächst versucht werden, bei den in Be⸗ tracht kommenden Ministerien persönlich vorzusprechen und mit den zuständigen Herren Dezernenten über unsere Wünsche zu verhandeln. In letzterer Beziehung wurde das Erforderliche inzwischen bereits veranlaßt. — Die Nachtarbeit in den Bäckereien. Jahrzehntelang haben die organisterten Bäcker und allen voran unser unvergeßlicher zog⸗ . August Bebel die Nachtarbeit im Bäckeresgewerbe bekämpft— ohne 1 [Vauquois sprengten wir mit Erfolg Minen. vaß man jevoch auch nur einen Schritt vorwarts getommen ware. Die Bäckermeister sowohl wie die Regierung hatten sich immer wieder mit aller Kraft gegen jede Einschränkung dieser unhygieni⸗ schen, gesundhei a Nachtarbeit ge⸗ wandt. ohne Gnade revo⸗ 0 Das nteste 11 len diese Naßnahme mit selbf ißt haben, sondern Bäckerinnungen und die Regierung das Verbot der Nachtarbeit als dauernde Einrichtung betrachteten. Einen neuen eweis ftir dieses Umlernen hat nun eine Versammlung der Be zwangsinnung von Berlin gegeben. Sie beschäftigte sich ausschließlich mit dem Verbot der Nachtarbeit, hörte zwei Referate über e Frage und kam zu dem einstimmigen Beschluß, den An⸗ trag des Innungsvorstandes auf Abschaffung der Nacht⸗ arbeit auch nach dem Kriege anzunehmen. In der Begründung wurde von dem Innungsvorstande ausgeführt: Durch die Be⸗ seitigung der Nachtarbeit werde der ganze Stand dadurch gehoben und ihm ein gebildeter Nachwuchs gesichert. Das Nachtbackver⸗ bot während der Kriegszeit habe die gänzliche Abschaffung der Nachtarbeit in den Bäckereibetrieben wesentlich erleichtert und es werde wohl kein Bäckermeister mehr gern zur Nachtarbeit zurück⸗ auch sehr bald die kehren.— Wir unterstreichen dieses bemerkenswerte Einge⸗ ständnis; es bekräftigt aufs neue eine der ältesten Forderungen der sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Sozialpolitik. Wie wir bereits mitteilten, sprach sich auch der Verbandstag der Brot⸗ fabrikanten gegen die Nachtarbeit aus. — Fällige Pachtgelber. Unter den heutigen amtlichen Be⸗ kanntmachungen der Stadt Gießen befindet sich auch die Erinne⸗ rung zur Zahlung des bereits am 15. d. Mts. fällig gewesenen Pachtgeldes. Die Zahlung kann noch in den nächsten 8 Tagen ohne Mahnkosten bei der Stadtkasse erfolgen. — Die Bekämpfung der Kohlblattlaus. In ganz beängstigender und stark verheerender Weise tritt in diesem Jahre die Kohlblatt⸗ laus auf, die zurzeit der Schrecken der Kleingärtner und Gemüse⸗ bauern bildet. Wegen ihrer grauen Farbe wird sie von vielen nicht gekannt und hat zu den phantastischsten Auslegungen Anlaß gegeben. Im Gegensatz zu anderen Blattläusen ist die ungeflügelte Kohlblattlaus(denn um diese handelt es sich meist) von grau⸗ grüner Farbe und weißlich-blaugrau bestäubt. Am Hinterleib trägt sie zwei kleine schwarze Punkte. Die geflügelte Laus da⸗ gegen zeigt braune Färbung, ist grau bestäubt und hat den Hinter⸗ leib mit braunen Binden versehen. Die Kohlblattlaus tritt in großen Mengen an Spinat, auch Salat, Kohl, Rettich und Rüben auf. Die enorme Vermehrung und Verbreitung der Kohlblattlaus in diesem Jahre ist die Folge der anhaltenden trockenen und heißen Witterung. Die Schädigung der Kohlblattläuse beruht auf dem Aussaugen der befallenen Pflanzen. Das Wachstum bleibt zurück und der Ernteertrag wird stark vermindert. Aber auch indirekt können die Läuse schädigen. Der starken Vermehrung steht auch eine hohe Sterblichkeitszahl gegenüber. Die toten Läuse faulen und bringen dadurch die Blätter ebenfalls zum Faulen. Bei feld⸗ mäßigem Anbau schaltet die Bekämpfung schon wegen der Unaus⸗ führbarkeit von vornherein aus. Im Garten kann man sich die Mühe nehmen und die befallenen Pflanzen mit einer Schmier⸗ seifenlösung(auf 100 Teile Wasser 1 bis 2 Teile Schmierseife in warmem Wasser gelöst) bei trübem Wetter zwei⸗ bis dreimal be⸗ spritzen. Auch eine Quassiaseifenbrühe(250 Gramm Quassiaspäne in 5 Liter Wasser kochen, nach dem Abkühlen 24 Stunden stehen lassen, dann abgießen, mit einer Lösung von 1 Kilogramm Schmierseife in 3 Liter heißem Wasser vermischen und auf 50 Liter mit Wasser verdünnen) tötet die Läuse ab. Treibt das Geflügel auf die Stoppelfelder! Wenn bei uns die Kornernte beendet, sollten unsere Landwirte nicht unterlassen, ihre Stoppelfelder nach der Abfuhr des Getreides durch Gänse und Hühner absuchen zu lassen, damit nicht nur die ausgefallenen Ge⸗ treidekörner oder liegengebliebene Aehren verwertet werden, son⸗ dern die oft massenhaft vorkommenden Unkrautsamen und Gräser beseitigt werden. Eine Unmenge Futter wird alljährlich beim Um⸗ flügen der Stoppelfelder vernichtet. In diesem Jahre darf dies nicht geschehen. Von Nah und Fern. Sozialdemokratischer Beigeordneter. In Höhscheid bei Solin⸗ gen wurde der sozialdemokratische Stadtverordnete Freund zum Beigeordneten gewählt. Die Mehrheit des dortigen Gemeinde⸗ kollegiums setzt sich aus Parteigenossen zusammen. Eine ganze Fuhre Getreide gestohlen! Eine böse Ueberraschung wurde einem Bauersmann in Flörsheim zuteil, als er auf das Feld hinausfuhr, um dort sein bereits in Garben gebundenes Korn heimzuholen. Ein unbekannter Spitzbube hatte die ganze Ernte des Grundstücks im Betrage von 54 Garben gestohlen. Der Schaden stellt sich auf mehr als 100 Mark. Telegramme. Tagesbericht des Großen Hauptguartiers. Kleine Kämpfe im Westen. Die russischen Verzweiflungskämpfe abermals vergeblich. W. B. Großes Hauptquartier, 29. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. In Flandern schoß unsere Artillerie einen auf dem Furnes-Kanal liegenden Prahm in den Grund, auf dem ein schweres Schiffsgeschütz gebaut war. Westlich von Souchez wurde ein französischer Angriff, abgewiesen. Givenchy in und bei Französische Sprengungen in der Champagne e verliefen ergebnislos. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nördlich des Njemen ist die Lage unverändert. Nordöstlich von Suwalki beiderseits der nach Olita führenden Bahn besetzten unsere Truppen einen Teil der feindlichen Stellungen. Sie machten dabei 2910 Gefangene und erbeuteten 2 Maschinengewehre. Gestern und in der Nacht zu heute wiederholten die Russen ihre Angriffe gegen unsere Front südlich des Na rem und südlich von Nasielok. Alle Vorstöße scheiterten unter schweren feindlichen Verlusten. Westlich von Nowo-Georgiewsk und dem Süd⸗ ufer der Weichsel nahm eine halbe deutsche Kompagnie bei einem Ueberfall 128 Russen gefangen. In der Gegend südwestlich von Gora Kalwarja⸗ versuchten die Russen in der Nacht vom 27. zum 28. Juli nach Westen vorgestoßen. Sie wurden gestern angegriffen und zurückgeworfen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage bei den deutschen Truppen ist im allgemeinen unverändert. Oberste Heeresleitung. den Argonnen l n 0 a 3 Der österreichisch · ungarische Tages bericht Weitere Erfolge gegen die Russen. Die italienische Niederlage. Wien, 29. Juli.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 29. Juli 1915, mittags: Nufsischer Kriegsschauplaßg. 4 An der Grenze zwischen der Bukowina und Bessara⸗ bien überfielen kroatische Landwehr und ungarischer Landsturm eine stark ausgebaute russische Stellung. Der Feind wurde voll⸗ ständig überrascht und flüchtete nach einem blutigen Handgemenge, das ihn 170 Tole kostete, aus seinen Verschanzungen. Oestlich Kamionka— Strumilowa nahmen unsere N einen Oberstleutnant, 7 Offiziere und 500 Mann ge⸗ sangen. 0e Sokal wurden erneut heftige Angriffe des Gegners zu⸗ rsückgewiesen.. Sonst ist die Lage an der Nordostfront unverändert. Jtalienischer Kriegsschauplatz An der küstenländischen Front unternahmen die Italiener am Plateaurande bei Sdraussina und bei Vermegliano erfolglose Vorstöße. Im Vorfelde des Brückenkopfes von Görz räumte der Gegner seine Sturmstellungen und ging in jene Linie zursick, die er vor der Schlacht inne hatte. An der Kärntner Grenze Artilleriekämpfe und Geplänkel. Im Tiroler Grenzgebiet wurde ein feindliches Bataillon bei Marco im Etschtale zurückgeworfen, eine italienische Kompagnie im Gebiete der Trofana zersprengt. . Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Göfer, Feldmarschallentnant. * Der Ning um Warschau. Aus Wien, 29. Juli, wird der Frankf. Ztg. telegraphiert: Unaufhaltsam verengt sich die Front der Verbündeten um Warschau, indem die Zernierungstruppen gestern auf der großen Straße von Sochaczew nach Warschau bis Piorenow, drei Kilometer westlich von den Befestigungen bei Blonje und 22 Kilometer westlich von den Außenwerken der Be— festigungen Warschaus, vorgedrungen sind und von Süd— westen von Gora-Kalwarja bereits mit der russischen Haupt- stellung im Kampfe stehen. An der Nordwestfront ist die Lage unverändert. Zwischen Weichsel und Bug versucht der Gegner die vordringenben Truppen durch heftige Angriffe zurückzuhalten, die sämtlich mißlangen. Allgemeine Mobilisation in Sibirien. Paris, 29. Juli. Dem Petit Journal wird aus London ge⸗ meldet: Ein Telegramm aus Wladiwostol berichtet, die Prokla⸗ mation der allgemeinen russischen Mobilisation in Sibirien werde für nächsten Dienstag erwartet. Die Verluste der Italiener. Der Domherr der Kathedrale in Lugano, der mit dem Mailänder Klerus in Beziehungen stehe, hat nach einer Mit⸗ teilung des St. Galler Tageblattes von angeblich zuver— lässiger Seite die Nachricht erhalten, daß die italienischen Gesamtverluste in den zwei Monaten des Feldzuges an Toten, Verwundeten und Vermißten 180 000 Mann betragen. Die Fleischnot in Frankreich. i T. U. Paris, 29. Juli. Eclafr stellt infolge einer Untersuchung über die Fleischteuerung in Frankreich fest, daß die Bevölkerung sich mit Gefrierfleisch behelfen muß, um der Fleischnot abzuhelfen. Das Blatt stellt mit Bedauern fest, daß der Krieg mehr als eine grausame Lage geschaffen habe, an der Frankreich leide. Trotz seines Vieh⸗ weichtums besäße Frankreich nicht genügend Fleisch, um seine Armee und die Zivilbevölkerung zu versorgen. Frankreich müsse deshalb im Auslande Gefrierfleisch kaufen. Da viele Personen nur mit Be⸗ dauern und sehr ungern sich zum Genusse von Gefrierfleisch ent⸗ schließen können, appelliert Eelair an den Patriotismus der Bürger, die 0 diese kleinen Widerwärtigkeiten mit Geduld ertragen werden. Der Seekrieg. Die Arbeit der deutschen U⸗Boote. Der Nieuwe Rotterdamsche Courant meldet unter dem gestrigen Datum aus London, daß in den letzten 24 Stunden zehn englische Fischdampfer durch deutsche Unterseeboote ver— senkt wurden. Sie wurden sämtlich beschossen, aber es scheint kein Menschenleben dabei verloren gegangen zu sein; des gleichen wurden ein dänischer, ein schwedischer und vier norsdegische Dampfer versenkt. Ein deutsches Unterseeboot versenkte am Montag in der Nordsee den schwedischen Dampfer„Emma“ und die dänischen Schooner„Maria“,„Neptun“ und„Lena“. Die Besatzungen sind heute in Blyth gelandet. Reuter meldet aus Lowestoft, daß der Fischdampfer „Westwarth“ in der Nordsee von einem deutschen Unterseeboot versenkt wurde. Die Besatzung landete in Lowestoft. Reuter meldet: In Grimsby landete heute die Besatzung der norwegi— schen Barke„Nagnedalen“. die von einem deutschen Unter— seeboot am Sonntag in Brand gesteckt worden war. Die Be— satzung erhielt 10 Minuten Zeit, um das Schiff zu verlassen und wurde dann von dem schwedischen Dampfer„Loke“ auf— genommen. Ein deutscher Fischdampfer torpediert. Esbjerg, 29. Juli.(W. B. Nichtanmtlich.) Nach dem Vestufllands Social⸗Demokrat ist gestern nachmittag zwischen 5 und 6 Uhr der deutsche bewaffnete Fischdampfer„Senator von Berenberg“ fünf bis sechs Meilen von der Küste nördlich vom Harnsrew-Feuer⸗ schiff von einem Unterseeboot, das wahrscheinlich der eng- lischen Marine angehört, torpediert worden und ge— funken. Der Dampfer hatte eine Besatzung von 30 Mann; ein Mann ertrank, drei wurden von dem Unterseeboot an Bord genommen, 26, darunter zwei Schwerverwundete, begaben sich in ein Rettungsboot nach dem Harnsrew⸗Feuerschiff.— Nach einer Meldung von Ribe Stiftstidende waren von der Besatzung des Fisch— dampsers drei Mann ertrunken, drei vom Unterseeboot gerettet und 24, darunter 3 Verwundete, an Bord des Harnsrew- Feuers gegangen. Die Sehnsucht der englischen Flotte. London, 29. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Erz— bischof von Hork, der der englischen Flotte einen zwer— wöchigen Besuch abstattete, sagt in einem langen Stimmungs bericht darüber: Die einzige Sehnsucht der Flotte ist, den deutschen Schiffen zu begegnen und sie zu versenke n; aber Monat um Monat vergeht und die deut schen Schiffe nehmen die Herausforderung nicht an. Der türkische Tagesbericht. Erfolge iin Kaukasus. Abgewiesene Torpedobootsangriffe.. Konstäntinopel, 29. Juli.(W. T. B.) Das Hauptquartier teilt mit: 5 5 An der kaukasischen Front drängten unsere wiederholten Angrisse die russischen Kräfte unter Verlusten gegen Osten zurück, die mit Hilfe von Banden versucht hatten, unserem rechten Flügel in den Rücken zu fallen, um das Kampffeld zu erweitern. Am 25. Juli warfen wir in einem Kampfe auf der Höhe von Grebodo die Nachhut dieser Truppen weiter nach Osten und erbeuteten über 300 Ge⸗ fangene, darunter sieben Offiziere, eine unbe⸗ schädigte Kanone, große Mengen Munition, zwei Munitions- wagen und zahlreiche Waffen. Auf der Flucht geriet der Feind mit dem rechten Flügel infolge eines Irrtums in einen Kampf mit seinen herbeikommenden Verstärkungen. Unsere Artillerie beschoß ihn und brachte ihm weitere beträchtliche Verluste bei; er floh in Unordnung. An der Dardanellenfront fand am 27. Juli auf beiden Seiten zeitweilig Geschütz- und Gewehrfeuer statt. Am 26. Juli wollten einige feindliche Torpedoboote die Küsten⸗ gebiete bei Kerevindere und unseren linken Flügel bei Sedd⸗ül Bahr beschießen. Unsere Artillerie traf ein Torpedoboot, worauf die anderen das Feuer einstellten und sich entfernten. An den übrigen Fronten nichts von Bedeutung. Der Bankroett der Alliierten. Konstantinopel, 29. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Unter der Feststellung des bisherigen Mißlingens der englisch-französischen Dardanellen-Unter⸗ nehmung, die bei Schluß des dritten Monats nach der Landung auf der Spitze der Halbinsel Gallipoli keine Fort⸗ schritte machte, führt der Tanin aus, daß die Alliierten vor den Dardanellen Bankerott machten und eine vollständige Schlappe erlitten, da sie ihr Ziel der Freimachung des Weges nach Konstantinopel nicht haben erreichen können. Wenn in Zukunft von der einstmals im Orient sprichwörtlichen Macht Englands und Frankreichs gesprochen würde, werde jedermann spöttisch die Achseln zucken. Die italienische Kriegserklärung an die Türkei verschoben? T. U. Lugano, 29. Juli. Die Patria erfährt aus Rom, der am Freitag nach der Front einberufene Ministerrat ist abgesagt. Die Minister bleiben in Rom. Die Kriegs⸗ erklärung an die Türkei ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Englischer Gewaltakt. Die Besetzung von Mytilene. Paris, 29. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. England hat Griechenland amtlich den Beschluß der Alliierten mitgeteilt, Mytilene vorläufig aus ausschließlichmilitärischen Gründen zu besetzen, wie dies in ähnlicher Weise zuvor mit der Besetzung von Lem nos der Fall war. Die englische Note ist in freundschaft⸗ lichem Tone gehalten. Sie versichert, daß die Alliierten die Souveränitätsrechte Griechenlands achten und die Insel räumen würden, worauf die Gründe für ihre Besetzung ver⸗ schwinden würden. l Bekanntmachung. Das am 15. Juli 1915 fällig gewesene Pachtgeld von städtischen Grundstücken kann in den nächsten 8 Tagen noch ohne Mahnkosten an die Stadtkasse bezahlt werden. Gießen, den 30. Juli 1915. Der Stadtrechner. Mäser. Bekanntmachung. Die Gemeindesteuerzettel für 1915 werden den Steuerpflichtigen in den nächsten Tagen zugestellt. Diejenigen Steuerpflichtigen, welche bis zum 10. August keinen Steuerzettel erhalten haben, werden aufgefordert, hiervon auf dem städtischen Steuerbureau Anzeige zu erstatten. Gießen, den 28. Juli 1915. Der Oberbürgermeister: Keller. Bekanntmachung. Die Auszahlung der Familienunterstützungen für 1.—15. August an die Angehörigen der zum Heeresdienst Einberufenen findet statt: a) Reichs⸗ und Kreisunterstützung: an diejenigen, deren Namen beginnen mit A—K Montag, den 2. August; I—2z Dienstag, den 3. August. b) Städtische Unterstützung(Mietszuschuß): an diejenigen, deren Namen beginnen mit Ae Mittwoch, den 4. August; 1.—2 Donnerstag, den 5. August. c) An Vermieter, die Mietbeträge abholen: Freitag, den 6. August. Die Auszahlungen finden von 8—1 Uhr vormittags im Stadt⸗ haus Zimmer Nr. 16, statt Der Oberbürgermeister: Keller. Vereins kalender. 10 Samstag, 31. Juli. Gießen. Gemeinde- und Staatsar beiterver band. Abends 529 Uhr Generalversammlung im Gewerkschaftshaus, Scham⸗ zenstraße 18. Sonntag, 11 gu st. Gießen. Metallarbeiter. Nachmittags 3 Uhr General⸗ versammlung im Gewerkschaftshause. Bericht vom Verbandstage. Ref. Kollege Schott⸗Franlfurt. 3 e Verantwortlicher Redakteur: J. Vetters, Gießen. a oon Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H. Offenbach a. M. Verslorbene. Siegmund Flörsheim in Alsfeld. 0 Schuss erien-Tages 5 95 285 . am Sonntag, den J. August: Benützen Sle noch die Aselten günstige Kauigelegenheitf Kaufhaus Katz 2— 14—— 8 Praktischer Wegweiser G bene demie f 2 Brennmsaterlallen Zrauerelen und Derhangfungen 0 2 J.. ring. bich Joh. fischer mit eigener Müälzerel Anerkannt vorzügliche helle und dunkle Export- Biere eorg Uunt Alg Uerlach& Euler vormals J. Luy Hohlen, Roks und Briketts. Kolonlelwaren Heinrich Möser, Gießen Welzen- u. Roggenmehle Sümtliche Futterartikel engros Rüböl, Leinöl en detall Christian Inderthal LIkörfabr. 8 Welnhandlung ellen Neuen-Bäue 27, Diezstr. 14. Wetzlar MHH III sfe* eren 3 Hoch& Wald C. J. Melchior Mainxergasse u. Altenburger Weg Butzbach Hödelgesehätt Polster werkztätte Vertr.: Georg Hebstreit Gleßen. Telephon 163 Jeb. Maldschmidt I. Hazen Walk. seische reien Morxipl. 19, Ochsen, ll. Rodler e ee sscreuůlaus J. aer asse Gr. Linden 19 Habe Legal 0 Wetzlar ul J. Kureier, Lahnstr. 21 EC ˙ Reparaturen Neubeziehenf von Sonnen- und Waschpulver kostet 1 Pfund nur 25 Pfg. Reformhaus Kreuzplatz 5. 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