————ͤͤ—— berhe gzeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchenklich 15 Pfg. monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Babnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Juserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 175 Gießen, Donnerstag, den 29. Juli 1915 10. Jahrgang. Vom Weltkrieg. Die Befreiungsideale. Schon von Beginn des Krieges an spfelt in der französischen sozialistischen Partei die Idee eine große Rolle, daß von den Ententemächten dem übrigen Europa die Befreiung aller Völker gebracht werden müsse. Dabei wird in den höchsten Tönen die französische Freiheit besungen, so daß man glauben könnte, nicht die Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit haben in Frankreich die sozialistische Paxtei geschaffen, sondern die gemeinsame Auffassung, daß die französische Bourgeoisrepublik die! beste Hüterin aller Freiheitsideale ist. Deshalb verspricht man auch wieder in dem Aufruf des Generalrats der französischen Partei allen Völkern die Freiheit. Und wie es so schön in dem Aufruf der französischen Partei heißt, daß Frankreich durch seinen Willen zum Frieden, zur Freiheit der Individuen und der Na⸗ tionen sich wieder einmal die Dankbarkeit der ganzen Welt ver— dienen werde. Wenn uns die Begeisterung eigen wäre, die bei den Partei— genossen in Frankreich die Menschen gefangen nimmt, dann könnten wir uns einbilden, eine gleiche Mission nach dem Osten zu erfüllen. Der Krieg schafft so harte Tatsachen, besonders wenn er 12 Monate auf das Fühlen und Empfinden der Menschen einge— hämmert hat, daß zu politischen Phantastereien, die bei uns schon schwächer entwickelt sind als in Frankreich, keine Neigung vorhanden ist. Es wäre schon besser, wenn die französischen Ge— nossen etwas weniger dramatisch die Freiheitshelden zur Schau trügen, sondern etwas ruhiger und verständiger über das Ende des blutigen Ringens nachdenken wollten. Was es mit der Freiheit des Individiums in Frankreich auf sich hat, dafür genügt doch nur das Beispiel anzuführen, wie die französische Regierung 1913 gegen die Gewerkschaften ver⸗ fuhr, als man sich dort gegen die Heraufsetzung der Dienstzeit auf drei Jahre wandte. Diese Protestaktion der Arbeiter wurde eines Tages jäh da— durch unterbrochen, daß 18 in der Gewerkschaft tätige Genossen ein⸗ gesperrt und fünf Monate in Untersuchungshaft gesetzt wur⸗ den. Der Vorwärts schrieb am 23. November 1913 in einem Be⸗ richt aus Paris über das Ende der Aktion folgendes: „Die Regierung warf sich wütend auf die Gewerkschaften, ließ in hunderten Privatwohnungen, Arbeiterbörsen und Re— daktionen Durchsuchungen vornehmen und steckte etliche Organi- sationsleiter ins Gefängnis. Natfrlich sollte nun das Publikum zum Glauben an eine Verschwörung gebracht werden, da es ja beim Antimilitarismus der mit dem dritten Jahr be— drohten Wehrmänner nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. Literarische Bediente helfen der Polizei bei der Sammlung von „Material“. Sogar die„vornehme“ Revue de deux Mondes be— teiligte sich daran... Und damit die Sache ein besseres Gesicht bekam, wurden außer den Organisationsbeamten, die mit der Versendung der Anweifungen und Begleitschreiben an die Sol⸗ daten mehr oder minder zu tun gehabt hatten, der Sekretär Yvetot und der Kassierer Mark von der Arbeiterkonföderation eingelocht. Der erste wohl darum, weil er als alter„Anti- patriot“ und Verfasser eines vielverbreiteten„Soldatenhand— buches“ als„Oberhaupt“ der Verschwörung präsentiert werden konnte und Mark vielleicht, weil man das Publikum glauben machen wollte, die Arbeiterkonföderation habe die demonstrieren— den Soldaten bezahlt.“ Der Protest aus der Arbeiterschaft wurde damit erstickt, der französische Militarismus triumphierte, die drei⸗ jährige Dienstzeit blieb bestehen. Dabei hatten wir damals in Deutschland das gerade nicht sehr angenehme Gefühl, daß unsere Militärs dem französischen Bei— spiel solgen könnten. Also, wenn die französischen Genossen den preußischen Militarismus totschlagen wollen, was sie uns wieder einmal heilig versprechen, so sollten sie nicht vergessen, daß wir immer noch die zweijährige Dienstzeit haben, und daß hier, einschließlich Liebknecht, niemand Neigung hat für ein dreijähriges französisches Exerzieren. Wir sind auch der Ueberzeugung, daß eines Tages unseren Ge— nossen in Frankreich wieder die Erkenntnis kommt, daß die Gegen⸗ sätze zwischen Kapital und Arbeit in den Regierungssystemen keine großen Unterschiede aufkommen lassen. Gegenwärtig aber ist das Festhalten an der fixen Idee, wir Franzosen haben doch die vom Freiheitsdrang getriebene Regierung und die russische wäre auch besser, wenn das nicht die preußische Regierung verhindert hätte, wie von anderer Seite entdeckt wurde(Vanderveldel), politisch töricht und eine Hinderung jeder Ver⸗ ständigung, auf die wir doch nun eines Tages hinsteuern müssen, je eher, se besser. Noch eine Absonderlichkeit des Aufrufs der französischen Ge⸗ nossen auf die Friedenskundgebung des deutschen Parteivorstandes mag hier eine besondere Würdigung erfahren. Es heißt dort, daß ein dauernder Friede nur möglich ist auf dem Prinzip der Nationalitäten, das den Willen einschließt, jede An⸗ nexionspolitik zu vermeiden und zugleich den unter⸗ drückten Völkern Europas wieder das Recht zu geben, über sich selbst zu verfügen und zu den Nationen, von denen sie gewaltsam getrennt worden sind, zurückzukehren. 8 Da möchten wir fragen, zu welchem Zweck geschieht denn die Teilnahme des französischen Heeres am Kampf um den Be⸗ sitz der Dardanellen? Welche Völker wollen denn hier die sozialistischen Minister befresen? Wenn nun die Nationen wieder alle in ihre Rechte kommen sollen, wird die französische Re⸗ gierung Marokko und Algier den Eingeborenen wieder⸗ geben, werden die Chinesen wieder Tonkin von Frank⸗ ceich erhalten? Sollen Polen, Finnland, die Mongolen und die kaukasischen Völlerschaften aus russischer Knechtschaft auch be⸗ freit werden? Natürlich soweit geht der Freiheitsdrang der französisch⸗sozialistischen Regtevung nicht, nur in Elsaß⸗Loth⸗ ringen, Schleswig Holstein und in Oesterreich jollen die Völker„befreit“ werden. Der französische Genosse Com— perxe⸗Morel wendet sich schon gegen die Annexionsidee, das linke Rheinufer für Frankreich in Besitz zu nehmen; auf ein bischen Mehr oder Weniger kommt es schließlich nicht an. Gegenüber solchen Auffassungen sind alle Bemühungen einer Verständigung leider zur Fruchtlosigkeit verdammt. Das sind vor— läufig recht trübe Aussichten, die für alle Beteiligten zu bedauern sind, aber es wäre töricht, vor diesen Tatsachen die Augen zu schließen. Die Antwort der französischen Parteigenossen wird manchen unserer Parteifreunde in Deutschland darüber aufgeklärt haben, wie a bg emessen, sachlich und auch entgegen⸗ kommend die politische Stellung der deutschen Reichs fraktion und des Parteivorstandes ist. * 8 0 —* 77 2e. 282808 2222 2 Französischer und englischer Pessimi mus. T. U. Kopenhagen, 27. Juli. Pariser Meldungen zu folge schreibt der Temps, nach den letzten Petersburger Tele grammen bestehe Grund zu der Befürchtung, daß die Stellung des russischen Heeres am Narew entweder bereits durchbrochen ist oder in den nächsten Tagen durchbrochen wird. Wie es auch den Anschein hat, ist die Verbindung Warschau-Petersburg sowie die Bahnlinie Grodno-Wilna-Dünaburg stark bedroht. T. U. Köln, 27. Juli. Ein von einer Londoner Geschäfts— reise zurückgekehrter Kaufmann versichert dem Züricher Korrespondenten der Köln. Ztg., in der letzten Woche hätten sehr große Truppentransporte über den Kanal stattgefunden. Die Soldaten sollen auf französischem Boden weiter aus— gebildet werden. In englischen Kreisen rechnet man damit, daß Frankreich in absehbarer Zeit, was Menschenmaterial anbetrifft, erschöpft sein werde. Auch die Offensivkraft Ruß— lands werde in absehbarer Zeit gebrochen sein. Die Ein⸗ nahme Warschaus sei eine Frage kurzer Zeit. Der Gewährs⸗ mann der Köln. 11 erhielt von urteilsfähigen englischen Persönlichkeiten die Erklärung, daß England die Hoffnung auf einen durchgreifenden Sieg gegen Deutschland aufgegeben habe. Die Deutschamerikaner gegen Wilsons Note. Wie der Newyorker Sonderberichterstatter des Petit Parisien meldet, geht die deutsch-amerikanische Presse mit Wilson wegen der Note scharf ins Gericht. Mam habe den Glauben verloren, daß Wilson den Bruch zu vermeiden suche, und die Ueber- zeugung gewonnen, daß er den Bruch suche, nicht um die Streit⸗ kräfte der Vereinigten Staaten mit denen der Kriegführenden zu vereinigen, sondern um England mit allen ökonomischen und Geldmitteln zu helfen. Die Zeiten seien für die Verbün⸗ deten hart, und die amerikanische Hilfe könnte um so nachdrücklicher sein, als die Lage Englands immer kritischer werde. Der Wille, England zu helfen, erkläre allein den so angreifenden Ton der Note. Scharf verurteilt man das Vorgehen Englands. Wenn England vorhabe, alle Rechte friedlicher Nationen zu brechen und sich bemühe, alle anderen zu opfern, damit es selber triumphiere, so handele es als Tyrann und verdiene das Schicksal des Tyrannen. Wenn es nicht Krieg führen könne, ohne gegen die Menschlichkeit zu verstoßen, sondern nur durch die Verletzung der Rechte der anderen Nationen; bestehen könne, tue es besser, bald Frieden zu schließen. Ein amerikanisches Schiff torpediert. Aus London, 27. Juli, wird der graphiert: Die 29 Mann der Besatzung Schiffes„Leelanow“ wurde in Kirkwall an Land gebracht. Als die Besatzung von Bord des Schiffes gegangen war, gah das deulsche Unterseebvot ein Dutzend Schüsse auf das Schiff ab, und als es nicht sank, ein Torpedo. Die Besatzung wurde an Bord des Unterseebootes genommen und dort gut be handelt. Das Unterseeboot brachte sie bis dicht vor die Orkaden-Inseln. Als sich Rauch am Horizont zeigte, mußten sich die Leute in ihre Boote begeben, und das Unterseeboot tauchte unter. Bevor die„Leelanow“ angegriffen worden war, sah man in der Ferne noch zwei andere Schiffe, offenbar darunter ein englisches, die ebenfalls in den Grund gebohrt wurden. Die„Leelanow“ maß 1924 Tonnen und gehörte nach San Francisco. Reuter meldet aus Washington: Die Torpedierung des amerikanischen Schiffes„Leelanow“ machte in offi⸗ ziellen Kreisen einen starken Eindruck. Man wünschte sich jedoch nicht zu äußern, da vorläufig nähere Einzelheiten über den Vorgang fehlten und es zweifelhaft ist, ob die Torpedierung unter die letzte amerikanische Note falle. Mit Befriedigung wurde vernommen, daß die Besatzung ge— rettet ist. Der U⸗Bootkrieg. Durch den holländischen Fischdampfer„Herkules“ wurde die neun Mann starke Besatzung des norwegischen Schoners„Harbo“, der mit Holz von Kristiania nach Sunder⸗ land fuhr, eingebracht. Der„Harbo“ wurde durch ein deut⸗ sches Unterseeboot in Brand geschossen. Der Besatzung wurde fünf Minuten Zeit gegeben, sich in die Boote zu be⸗ Frankf. Ztg. tele⸗ des amerikanischen geben, jedoch wurde diese Zeit dann auf zehn Minuten ver⸗ längert. Die Besatzung teilte mit, daß sie in der Nähe noch drei weitere Schiffe sah, die in Brand standen. Außer der Ladung Holz hatte die„Harbo“ auch Pfähle für Stollenanlagen in Bergwerken als Fracht an Bord. Die Besatzung anderer Schiffe wurde durch ein dänisches Dampf⸗ schiff aufgenommen.(Holz ist Bannware.) Der dänische Dampfer„Nogill“, von Goeteborg nach dem Tyne mit Eisenbahnschwellen unterwegs, ist in der Nord⸗ see von einem deutschen Unterseeboot in die Luft gesprengt worden. Die Besatzung wurde in Wilhelmshaven gelandet. (Schwellen sind Bannware.) Der von einem deutschen U-Boot nach Cuxhaven am Samstag eingebrachte norwegische Dampfer„Anvers“ von 1100 Tonnen hatte eine für England bestimmte Holzladung, also Konterbande, an Bord. Reuter meldet: Der englische Fischdampfer„Gardinell“ ist gestern durch ein deutsches Unterseeboot in der Nordsee versenkt worden. Die Besatzung wurde gerettet. Das gleich⸗ falls versenkte englische Dampfschiff„Grangewood“ maß 2193 Tonnen. Dienstag ist in Rotterdam kein einziges eng ⸗ lisches Schiff ausgefahren, das Passagiere nach England bringen sollte. Das gleiche geschah in Kopen⸗ hagen. Die Passagiere waren bereits an Bord der „Padang“ gegangen, die sie nach Kopenhagen bringen sollte; sie mußten wieder zurückkehren, da ihnen mitgeteilt wurde, daß das Schiff nicht abgehen werde. Die Ursache scheint darin zu liegen, daß das englische Schiff„Gannet“, das gestern abend von London abging, berichtete, nahe bei dem „Water⸗Weg“(der Kanal nach Rotterdam) ein Untersee⸗ boot gesehen zu haben, worauf auch die englischen Dampfer„Perth“,„Pern“ und„Dromed“, die bereits aus⸗ gefahren waren, zurückkehrten. Englands Mangel an Farbstoffen. Die Nationalzeitung meldet aus London: Der Mangel an Farbstoffen in der englischen Industrie macht sich immer stärker fühlbar. Ein Rundschreiben des englischen Fabri⸗ kantenverbandes lautet:„Mit Bedauern müssen wir die Händler benachrichtigen, daß wir wegen der Schwierigkeiten und der Kosten der Beschaffung von Farbstoffen nicht mehr in der Lage sind, uns für die Haltbarkeit der Farben zu ver⸗ bürgen. Unser Bedauern darüber wird noch dadurch erhöht, daß, nachdem in vielen Fällen die Kosten der Farbstoffe um mehrere Hundert gestiegen sind, die weitere Beschaffung in Frage gestellt ist.“ Der englische Lebensmittelmarkt. Kopenhagen, 27. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Nationaltidende schreibt: Der Krieg richtet in besonderem Maße die Aufmerksamkeit auf die Versorgung Englands mit Lebensmitteln. Deshalb war es für die englischen Nationalökonomen von größtem Interesse, so zeitig wie möglich zu erfahren, wie die Ernte in England ausfallen würde. Man malte sich erusthaft aus, in welch höherem Grade der Verbrauch durch eine erhöhte landwirtschaftliche Produktion gedeckt werden könnte. Aber eine intensivere Bearbeitung des Bodens, die viele Lehrer der Landwirtschaft im vorigen Jahr dringend befür⸗ wortet hatten, fand nicht statt. Hierzu kommt, daß die jetzige Ernte in England alles eher als gut ist. Der Weizenertrag ist niedriger als der Durchschnitt von 1905 bis 1914, die Gerstenernte um 9 Pro⸗ zent niedriger, die Haferernte um 8, die Ernte an Bohnen um 6, jene an Kartoffeln um 5 Progent niedriger. Die Ernte an Klee und Heu ist durchschnittlich schlecht. Ob die Ursache in geringerer Düngung wegen des Fehlens des deutschen Kalkimports oder in anderen Um⸗ ständen liegt, ist zweifelhaft. Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, daß der Gedanke des Schutzzolles für englische Landesprodukte und der weitere Gedanke erwogen wird, durch Zölle die heimatliche Produktion aufzumuntern. In der ganzen Welt, be⸗ sonders in Dänemark, wird man mit größter Spannung die Ent⸗ scheidung der Frage verfolgen. 1 Frankreichs trübe Zukunft. Mit Frankreichs Aussichten nach dem Kriege beschäftigt sich die Bataille syndicaliste vom 17. Juli. Sie sind trostlos. Von der Landbevölkerung stehen beinahe alle Männer zwischen 20 und 40 Jahren an der Front. Ein Fünftel sei schon jetzt tot oder völlig arbeitsunfähig. Ganze Familien seien aus⸗ gestorben. Man müsse damit rechnen, daß ein Viertel, ja ein Drittel des Landes nach dem Kriege unangebaut bleiben werde. Auf der anderen Seite sei es aber ausgeschlossen, diesen Ausfall durch eine Steigerung der industriellen Aus- fuhr auszugleichen. Es sei lächerlich, davon zu reden, daß Frankreich Deutschlands Märkte erobern solle. Wenn Deutsch⸗ land verdrängt werde, so werden sich Amerika und England an seine Stelle setzen, niemals Frankreich, das froh sein müsso, wenn es mit seiner dezimierten Bevölkerung seine bisherigs Industrie aufrecht erhalten könne, Der türkische Tagesbericht. Ein französisches U-Boot versenkt. Konstantinopel, 26. Inli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Vormittags um 8 Uhr brachten wir das französische Unterseebbot„Mariotte“ in der Meerenge zum Sinken. 31 Mann der Besatzung wurden ge— fangen genommen. Bei Ari Burnu warfen wir am 24. Juli Bomben und verursachten einen Brand in den feindlichen Schützengräben. Am 25. Juli zerstörte unsere Artillerie einen Teil der feindlichen Gräben und die Drahthindernisse gegen⸗ über unserem linken Flügel. Sie beschossen die Stellungen und rückwärtigen Verbindungen des Feindes und brachte ihm erhebliche Verluste bei. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr Infanterie⸗ feuer und Geschützkampf mit Unterbrechungen. Die feind⸗ liche Artillerie verwendet weiter Stickgasge schosse. Am 25. Juli nahm bei Sedd⸗ül⸗Bahr eine kleine türkische Exkundungsabteilung des linken Flügels einen Teil der feindlichen Schützengräben fort, vernichtete die Verteidiger und erbeutete 400 Gewehre mit Munition und Säcke voller Bomben. Unsere Küstenbatterien beschossen die Stellungen und Lager des Feindes an der Küste von Sedd⸗ül-Bahr mit Erfolg. Der Feind erwiderte ohne Wirkung. Feindliche Flieger warfen Bomben auf das Lazarett von Halil Pascha, obgleich das Zeichen des Roten Halbmondes wage— recht über dem Lazarett ausgespannt und deutlich sichtbar war. An den anderen Fronten nichts Bemerkenswertes. Die türkische Antwort an Griechenland. Der griechische Geschäftsträger in Konstantinopel hat seiner Re⸗ gierung eine Verbalantwort der Pforte übermittelt, in welcher ge⸗ sagt wird, daß in der Türkei keine Griechenverfolgungen stattfinden und die getroffenen Maßnahmen allein aus militärischen Gründen erfolgt sind. Die Antwort betont das Interesse der Türkei an freundschaftlichen Beziehungen zu Griechenland. Es verlautet, eine zweite ausführliche Antwort werde von der Pforte vorbereitet— Italien sucht einen Kriegsgrund gegen die Türkei. . Seit einiger Zeit schlägt die italienische Presse eine schärfere Sprache gegen die Türkei an. Als Ursache wird angegeben, die Türkei achte den Vertrag von Lausanne nicht und ziehe nicht nur die türkischen Offiziere aus Libyen nicht zurück, sondern die Türkei habe auch reichlich mit schuld n dem dortigen Aufstand.— Nach einer Meldung aus Lugano ist dies lediglich ein vorgeschobener Grund. Wirklichkeit ist, daß Italien dringend Geld braucht und es im Lande nur in sehr ungenügender Menge aufbringt. England aber will Geld nur für wirkliche Hilfe geben. Das bisherige Eingreifen Italiens an der österreichischen Grenze hat aber keinen Erfolg gehabt, und so müsse Italien, will es Geld haben, an anderen Stellen eingreifen. Seit den Besprechungen in Calais, an welchen Italien teilnahm, datiert die heftigere Sprache der italienischen Presse gegen die Türkei. Man wird also bald hören, daß Italien— für englisches Geld sich weiter engagieren wird. Die Serben in Albanien. T. U. Genf, 27. Juli. Das Journal meldet aus Mailand: Der Malländer Corriere della Sera meldet zensiert aus Du razzo, daß die Serben in allen von ihnen besetzten Gebieten Albaniens serbische Postanstalten errichten und serbische Gerichtshöse einsetzten. Das latt fügt hinzu, die Beschwerde des italienischen Konsuls gegen dieses vertragswidrige Vorgehen blieb ohne Beachtung. Drohender Streik der amerikanischen Metallarbeiter. Amsterdam, 27. Juli.(T. U.) Central News meldet aus Newyork, daß nach einer Bekanntmachung mit einem Streik von 600 000 Metallarbeitern gerechnet werden darf. Die Ar— beiter verlangen achtstündige Arbeitszeit und eine beträcht⸗ liche Lohnerhöhung. Aus einem badischen Untersuchungsgefängnis Wie die Gleichheit mitteilt, sind in Karlsruhe seit einigen Wochen 10 oder 15 Parteigenossen und ⸗Genossinnen in Unter— suchungshaft, weil sie ein Flugblatt verbreitet haben, das die Friedensagitation des Berner Internationalen Frauen⸗ rages behandelt. Das genannte Parteiorgan fügt hinzu, daß in . eee 5 Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 35 Der alte Schäferle mit seiner dampfenden Pfeife stand am Wege, nickte Diethelm und seinem Trompeter zu und winkte mit der Hand, zeigend, daß er nach Diethelms Haus zu seinem Medard gehen wolle. Diethelm wollte dies abwehren, aber die Pferde waren so rasch im Zuge, daß man unversehens weit vom Schäferle weg war, und als Diethelm den Vetter zwang, anzuhalten, und sich umwendete, war der Schäferle ver⸗ schwunden. Diethelm ließ ihm nun durch ein Kind am Wege sagen, daß er den Medard über Feld geschickt habe; er hatte nicht mehr Zeit, dies bereuend, und eingedenk seiner wider— sprechenden Aussage beim Bahnschlitten, zu widerrufen, denn der Vetter fuhr heute im vollen Trabe. Dieser Widerspruch ist auch gewiß ganz bedeutungslos, sagte sich Diethelm und nahm sich vor, fortan recht genau auf alles acht zu geben, was er sage. Noch einmal wendete sich Diethelm nach seinem Hause um, es tanzte ihm vor den Augen, als käme das Haus den Berg herab. Er nahm dem Vetter die Peitsche ab und hieb selber auf die Pferde ein, daß sie in gestrecktem Galopp davonrannten. Man begegnete vor Untertailfingen dem Bahnschlitten, und der daraufstehende Trupp, der sich im Nachbardorf er— lustigt hatte, brachte Diethelm in wildem Schreien ein Hoch g aus. Dem Trompeter schien heute sein Mundstück einge— W froren, er redete kein Wort; die Kälte war aber zu schneidend, 1 wie scharfe Messer fuhr sie ins Gesicht und schlupfte unter 1 dicken Schafpelzen durch, auf alles Eisenwerk am Schlitten und Geschirr setzte sich immer ein haarigkrauser Schneereif. Die Sonne war heute, gar nicht erschienen. Schneewolken jagten sich am Himmel, aber es war zu kalt, als daß sie nieder— fielen. An der Kalten Herberge öffnete endlich der Vetter seinen Mund und sprach von Einkehr, auch die Pferde schienen 1 5 8 5 mit dem Vetter einverstanden und wendeten sich ab des Berlin die Verhaftung einiger Genossen aus demselben Grunde als⸗ bald wieder aufgehoben wurde. Bald nach der Verhaftung in Karlsruhe teilten Leute, welche im Gefängnis geschäftlich zu ver⸗ kehren haben, unseren Genossen mit, daß sie beobachtet haben, wie der Genosse Trabinger mit Handschellen gefesselt zum Verhör geführt worden ist. Auch die Frau eines anderen der ver⸗ hafteten Genossen konnte bei ihrem Eintritt ins Gefängnis die Be⸗ obachtung machen, daß der Genosse D. gefesselt durch die Gänge ge⸗ führt wurde. Mit Entsetzen vernahm man in den Kreisen der be⸗ teiligten parteigenössischen Familien diese Kunde. Aus welchem Grunde werden brave Arbeiter, die bisher sich nichts zuschulden kom⸗ men ließen und den besten Leumund genießen, nach der Art der Räuber und Mörder behandelt? Was ist in dieser Hinsicht im Lande gesetzliche Vorschrift? § 116 der Strafprozeß⸗Ordnung bestimmt: „Fesseln dürfen im Gefängnis dem Verhafteten nur dann an⸗ gelegt werden, wenn es wegen besonderer Gefährlichkeit seiner Person, namentlich zur Sicherung anderer erforderlich erscheint, oder wenn er einen Selbstentleibungs⸗ und Entweichungsversuch gemacht oder vorbereitet hat, Bei der Hauptverhandlung soll er ungefesselt sein.“ Ein dritter verhafteter Genosse schreibt an seine Frau: „L. F.! Du hast den Schorsch gesehen in Handfesseln. Der arme Kerl! Sei froh, daß Du nicht kamst, als ich in gleicher Weise wic er durch den Hof über die Gänge an Men⸗ schen vorbeigeführt wurde. Ich will mich nicht beklagen, ich will Dir auch den Seelenschmerz nicht schildern, nicht sagen, wie mich die Handschelle, trotzdem sie locker war, noch heute schmerzt. Ich habe nicht aufzublicken gewagt, als ich an den Menschen vorbei⸗ geführt wurde. Meine Gedanken waren: gleich einem Verbrecher oder Raubmörder wirst Du dahingefüührt. Da war's zum ersten Mal in meinem Leben, daß ich mich vor mir selber geschämt habe. Bei Gott! Wenn mich so mein Bub gesehen hätte, ich hätte mir in meiner Zelle den Schädel eingerannt...“ So wird ein Mann, ein braver Familkenvater, der die Achtung aller, die ihm nahestehen, in berechtigter Weise genießt, als poli⸗ tischer Untersuchungsgefangener behandelt. Und um das Maß des Unrechts vollgumachen, kommt seine vorgesetzte staatliche Dienst⸗ behörde und bestraft den Arbeiter, der über ein Jahrzehnt in treuer Pflichterfüllung unter der allerschwersten Arbeit dem badi⸗ schen Staate— insbesondere zur jetzigen Kriegszeit— mit seiner schwielenreichen Hand gedient hatte, ehe auch nur ein Gericht eine Schuld an ihm gefunden. Man beachte folgenden Bescheid: Arheiterpensionskasse der Bad. Staatseisenbahnen und Salinen. Bescheid über Beitragserstattung aus Abteilung B. Karlsruhe, den 3. Juli 1915. Der Jungschmied Bernhard K. zu Karlsruhe, welcher seit dem 6. Mai 1907 Mitglied der Abteilung B. obiger Pensio sse war, ist mit dem 19. Juni 1915 zur Strafe ohne Aufkündigung des Dienstverhältnisses aus der Beschäftigung bei der Großh. Bad. Staatseiseubahnverwaltung entlassen worden. Einen Anspruch auf Invalidenzusatzrente hat er nicht erworben. Dem Genannten werden gemäß§ 54 Ziffer 4 der Satzung der Penstonskasse, die aus eigenen Mitteln zur Kasse B. geleisteten Beiträge in der sich aus der Tafel A. der Satzung ergebenden Höhe zurückbezahlt. Der Vorstand i „Zur Strafe ohne Aufkündigung des Dienstverhältnisses“ Wir nehmen an, daß diese ungewöhnliche oder unverständliche Ausdrucks⸗ weise von der badischen Regierung noch eine Auslegung erhält, die ausschließt, daß man den Rechtsstagt Baden aus den modernen Kul⸗ turstaaten streichen müßte, zu denen zu gehören er bisher einen An⸗ spruch erhoben hatte. Selbstverständlich wird der Landtag, der im Winter zusammentritt, sich mit dieser Justiz der„Neuen Aera“ zu befassen haben. Erschwerung des Briesverkehrs mit deutschen Zivilgefangenen durch die russische Regierung. Nach einer Entscheidung der russischen Regierung ist den deutschen Zivilgefangenen in Rußland der Briefverkehr mit der Heimat untersagt, weil sie sich nicht in Konzentrations⸗ lagern befinden, sondern nur gezwungen sind, in den ihnen angewiesenen Ortschaften zu leben, und daher ihr Postverkehr! den allgemeinen Bestimmungen zu unterwerfen ist. Hier⸗ nach können aus Deutschland Postsendungen an diese Per⸗ sonen fortan nicht mehr unmittelbar nach Art der Kriegs⸗ gefangenensendungen, sondern nur noch durch Mittelspersonen (Rotes Kreuz usw.) auf dem Umwege über das neutrale Aus— land verschickt werden, wobei es noch zweifelhaft ist, ob die Sendungen die Adressaten erreichen werden. Amerikanische Provokation. Amerikanische Reisende zeigen, trotz aller Warnung, noch immer eine gewisse Vorliebe dafür, auf ihre Ueberfahrt nach Europa englische Dampfer zu benutzen, trotzdem deren Ladung meistens nur aus Kriegsmaterial und anderer Bannware besteht. Nach Meldungen aus Newyork hat wiederum eine ganze Reihe amerikanischer Bürger die Reise nach dem D Weges; aber Diethelm peitschte sie ingrimmig durch und jagte vorbei: es war ihm unmöglich, jetzt in dieses Haus einzutreten, ja schon dessen Anblick sträubte ihm die Haare empor. Der Vetter war nun noch verschlossener und letzte sich nur bisweilen an dem mitgenommenen Kirschengeist. Es war schon lange Nacht geworden, als man steif und starr in G. im Stern ankam. Mit gekrümmten Fingern griff sich Diethelm in die Tasche, um nach seinen Papieren zu sehen. Plötzlich schrie er laut auf und schlug sich auf die Stirn, er hatte die Staatspapiere vergessen, die er in der Hauptstadt zu Geld machen wollte. Der Vetter, seines Amtes eingedenk, tröstete ihn in seiner unfaßlichen Verzweiflung:„Die Staats⸗ papiere verschimmeln Euch ja nicht, und Ihr habt ja noch Geld genug.“ E Diethelm konnte es sonst nie leiden, daß der Trompeter solche Reden an ihn allein verschwendete, ohne daß sie sonst' jemand hörte; heute aber nickte er ihm schnell gefaßt zu, denn er überlegte rasch, daß das Aufgeben dieser Wertpapiere, deren Besitz er nachweisen konnte, bei etwaiger Untersuchung entschieden zu seinen Gunsten sprechen müsse. Er rieb sich ge— waltig die Hände und setzte sich behaglich an den Tisch. „Ihr habt's gut,“ sagte der Vetter, dessen Register ein⸗ mal aufgezogen war,„Euch fliegt der Reichtum nur zu, wo man gar nicht dran denkt.“ Diethelm bestätigte den Gewinnst, den er durch den Ver— kauf der Wolle mache, und erhokte sich immer mehr an dem Zutrauen, das seine Vorkehrungen einflößten. „Das mein' ich ja gar nicht, Ihr macht ja die große Erb— schaft,“ entgegnete der Vetter. „Red' nicht so. Von wem soll ich erben? Unserigen in Letzweiler?“ „Stellt Euch nur nicht so. Ihr wisset's wohl, und ich weiß nicht, warum Ihr so tut, als ob Ihr's nicht wüßtet; Eure Stieftochter auf dem Kohlenhof, die kommt nicht mehr Von den Kontinent auf dem White Star Dampfer„Adriatie“ ange⸗ treten, der nach einer Aufstetkung der Newyorker Zollbehörde u. a. folgende Güter an Bord hatte: 1995 Kisten Patronen, 190 Kisten Zünder, 30 Kisten ungeladene Granaten, 182 Kisten ungeladene Handgranaten, 6 Kisten Revolver, 4 Kisten Gewehre, 3918 Rollen Stacheldraht, 1296 Rollen anderen Draht, 95 Automobile, 5 Lastzüge, 41 Flugzeuge,. Barren Kupfer, sowie eine große Menge Messing und 1 die gleichfalls zur Herstellung von Kriegsmaterial bestimmt sind. 5 Friedensdemostrationen. T. u. Scheveningen, 28. Juli. In vielen sranzösischen Departements werden neuerdings gegen die Fortsetzung des Krieges Flugschriften verbreitet. Die Urheber, nach denen eifrigst gefahndet wird, sind noch unbekannt. Die Verluste der Italiener in Nordafrika. T. U. Wien. 28. Juli. Aus Saloniki wird gemeldet, hier wer⸗ den die furchtbaren Verluste bekannt, welche die italienischen Truppen auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatze erlitten haben. Infolge von Proviant⸗ und Munitionsabnahne war die Kraft der italieni⸗ schen Kolonialarmee sehr geschwächt. Sie war genötigt, sich nach dem Meere zurückzuziehen. Dieser planmäßige Rückzug artete aber in Flucht aus, denn die Aufständischen hatten die Italiener von drei Seiten umzingelt und rissen die italienische Front entzwei, sodaß ein Teil auf sranzösisches Gebiet gedrängt wurde, während der andere Teil bei Salmar und Sirk eine entscheidende Niederlage erlitt. Bei dem erstgenaunten Orte hatten die Italiener 2200, bei dem zweiten 2500 Tote. An Kriegsmaterial verloren ste 45 Kanonen, 50 Ma⸗ schinengewehre und viele Tausend Gewehre. Vor den Dardanellen. Die Agenkur Havas meldet aus Athen: Das Bombarde⸗ ment der türkischen Stellungen an den Dardanellen wurde drei Tage ununterbrochen fortgesetzt. Die Verbündeten ver⸗ suchten dadurch die türkischen Batterien auf der asiatischen Küste zu zerstören, bisher aber erfolglos. Englische Willkürherrschaft auf griechischen Inseln. 0250 T. U. Bukarest, 28. Juli. Aus Athen wird hiesigen Blättern gemeldet, daß die Engländer auf den von den eng⸗ lischen Truppen besetzten griechischen Inseln im Aegäischen Meer die dort noch amtierenden griechischen Behörden zur Einstellung ihrer Amtstätigkeit und zur Abreise gezwungen haben. Ein Pfarrer nach Sibirien verbannt. T. U. Kopenhagen, 28. Juli. Laut einem Bericht der Nowose Wremja wurde der Pfarrer Hlaener aus Neugut(Kurland) nach, Sibirien verbaunt, weil in seinem Hause ein Schrank mit deutschen Schriften gefunden wurbe. Kriegsnotizen. Nach Londoner Blättermeldungen wurde, wie der Voss. Itg. aus Amsterdam berichtet wird, Friedrich v. Bülow, ein Bruder des Fürsten Bülow, interniert. Bei einem Besuch Krupps v. Bohlen in England diente Herr v. Bülow als Führer durch die englischen Marine- und Militärwerkstätten. Er ist der Vertreter vof Krupp für England. Am Tage nach der Kriegserklärung war er verhaftet 5 Er wurde nach zwei Tagen auf Ehrenwort ieder frei en. auf, sie sagen ja, sie sei schon tot: Kinder hat sie nicht, und da fällt wieder alles an die Mutter zurück.“ Gläsernen Blickes, mit offenem Munde spreizten Händen hörte Diethelm diese Worte. „Dann ist ja alles umsonst!“ schrie Diethelm laut auf und faßte den Vetter an der Brust und schüttelte ihn, als wollte er ihn erdrosseln. Der Vetter wehrte ab und sagte: „Was habt Ihr denn, Ihr tut ja wie von Sinnen.“ „Ich bin's, komm', komm' da fort,“ stöhnte Diethelm, „nein, ich bin nicht närrisch, aber komm', einspannen, schnell heim, in mein Haus, mein Haus...“ Er richtete sich auf, sank aber wieder zurück auf den Stuhl und schlegelte mit den Händen, als hätte ihn der Schlag gerührt. Der Vetter schüttete ihm schnell Wein hinab, und Diet⸗ helm erholte sich bald wieder, dann bat er mit weinender Stimme, daß sie schnell wieder heimkehren sollten, er müsse zu seiner Frau. Der Vetter war gerührt, daß Diethelm der Tod seiner Stieftochter so nahe ging, er versprach, alles 3u besorgen, und eilte hinaus. Diethelm faltete die Hände vor dem Munde und sprach etwas wie ein Gebet, und so zutrau⸗ lich auch heute wieder der Sternenwirt war, er gab ihm keine Antwort und eilte hinaus in den Stall und weinte dort so laut, daß man meinte, es müsse ihm das Herz abstoßen. Er hatte den Arm auf den Hals des Handpferdes gelegt und weinte so heftig in die Mähne und sprach unverständliche und doch flehend klingende Worte, als wollte er die Pferde bitten, ihn mit schnellster Macht heimzubringen. Er hatte Verbrechen auf Verbrechen gehäuft Ehre zu retten, und nun war alles unnötig, die seiner Schwiegertochter stellte ihn ja hin, Er zitterte am ganzen Leibe, und nur ein Gedanke hielt ihn noch fest, daß daheim die grause Tat noch gutzumachen sei. Gewaltsam ballte er die Fäuste und preßte die Lippen, um sich nicht zu verraten, wenn es doch zu spät wäre, aber nein, das darf nicht sein, das kann nicht sein. Forts. folgt.) und ausge⸗ „um feine Erbschaft von glänzender als je. ——— ———ꝛ.ñ— ² W ñ⏓ 9 Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Die Preissteigerung der Margarine. Fast alle unentbehrlichen Nahrungsmittel sind während des Krieges ganz enorm im Preise gestiegen. Das ist be⸗ sonders deshalb sehr betrübend, weil im besonderen diejeni⸗ gen Artikel am meisten verteuert wurden, die am unentbehr— lichsten für die arme Bevölkerung sind. Gewiß leidet die arbeitende Bevölkerung schon desonders unter der droßen Fleischteuerung. Immerhin war ja aber der Arbeiter noch nie an ein allzu großes Stück Fleisch gewöhnt. Viel schwerer wurden diese Armen schon von der wucherischen Preis- treiberei auf dem Kartoffelmarkte betroffen, da ja die Kar⸗ toffeln nicht nur ein Nahrungs-, sondern vor allem auch ein Sättigungsmittel sind. Eine erhebliche Verteuerung haben aber auch Milch, Käse und Naturbutter erfahren. Nun war von jeher schon die Margarine die Butter der armen Leute, Das wird man nun bald nicht mehr behaupten können, denn wenn die Preiserhöhung der Margarine so weiter geht, so wird sie bald von der minderbemittelten Bevölkerung nicht mehr gekauft werden können. Schon im März dieses Jahres ließ eine große Margarine-Gesellschaft eine Preiserhöhung von acht Mark pro Zentner eintreten. Sie begründete diese Maßnahme damit, daß die Preise für alle Fettwaren seit Aus⸗ bruch des Krieges unausgesetzt gestiegen seien und daß ferner die Beschaffung der für die Margarinefabrikation erforder⸗ lichen Mengen nur in beschränktem Umfange unter den größ⸗ ten Schwierigkeiten, und so weit sie aus dem neutralen Aus⸗ land kommen, unter enormen Kursverlusten möglich ist. Um diese Preiserhöhung den Abnehmern aber schmackhaft zu machen, teilte die betreffende Gesellschaft gleichzeitig mit, daß sie den Ladenkaufpreis auch um 10 Pfg. per Pfund er⸗ höht habe. Das bedeutet mit anderen Worten, daß von jetzt ab der Konsument für ein Pfund Margarine 10 Pfennig mehr bezahlen mußte, als bisher. Von diesen 10 Pfennigen flossen der Firma acht und dem Ladenverkäufer zwei Pfennige zu, so daß also beide dabei ein ganz gutes Geschäft auf Kosten des Konsumenten machten. Am 15. Juli dieses Jahres ließ aber dieselbe Margarine⸗Gesellschaft schon wieder eine ganz erhebliche Preissteigerung eintreten. Für die verschiedenen Marken wurden 10, 12 und sogar 20 Mark mehr gefordert als bisher. Eine Sorte Margarinebutter, die am 31. De⸗ zember noch 65 Mark pro Zentner kostete, stieg bis zum 1. Januar 1915 auf 75, bis zum 1. April auf 83, bis 2. Juni auf 95 und bis 15. Juli auf 105 Mark pro Zentner. Seit Anfang dieses Jahres bis Mitte Juli war also diese vielge⸗ kaufte Marke um 40 Mark pro Zentner teurer geworden. Eine andere, ebenfalls viel begehrte Marke, kostete bei einer anderen Firma im April d. J. noch 75 Mark pro Zentner, während sie am 1. Juli 1915 mit 110 Mark bezahlt werden mußte. Das sind nur einige Beispiele, die Wir hier aus der Menge des Materials herausgegriffen haben. Bemerkens⸗ wert ist aber vor allem noch das Eine, daß die billigen Marken von verschiedenen Margarinefirmen überhaupt nicht mehr geliefert werden. Zur Begründung dieser eigenartigen Maßnahmen führt man an, daß es an den geeigneten Roh⸗ stoffen zur Herstellung der billigen Qualitäten fehle. Das will uns zwar nicht recht einleuchten, denn man müßte meinen, daß dieser Hinderungsgrund dann erst recht auch auf die guten Qualitäten zutreffend müßte. Es fällt dabei auch noch auf, daß gegenwärtig verschiedene neue Marken von Margarine auf dem Markte erscheinen, Ob auch diese neue Benennung einiger Qualitäten deshalb erfolgt, um die kolossale Preissteigerung zu erleichtern oder gar zu ver⸗ schleiern, können wir allerdings nicht beurteilen und wollen es deshalb gerade nicht behaupten. Merkwürdig bleibt diese Erscheinung aber immerhin. Durch die ungeheure Verteue— rung der Margarinebutter und ganz besonders auch durch den gänzlichen Ausfall der billigen Qualitäten, ist es natür⸗ lich der minderbemittelten Hausfrau nicht mehr möglich, dieses Nahrungsmittel einzukaufen. Ja, wenn die Preis⸗ erhöhung so weiter geht, dann wird jede Arbeiterfrau, deren Wirtschaftsgeld doch recht gering ist und die daher recht spar⸗ sam verfahren muß, gezwungen sein, lieber wieder Natur⸗ butter zu kaufen. Es wäre jedenfalls sehr notwendig, daß die zuständigen Regierungsstellen einmal der Verteuerung der Margarine ihre Aufmerksamkeit schenkten. Solange nicht auf Grund einwandfreier behördlicher Untersuchungen festgestellt ist, daß der Preisaufschlag eine natürliche Folge der Kriegs- wirkungen ist, kann sich niemand des Verdachts erwehren, daß auch hier die armen Leute so übervorteilt werden, wie das bei vielen anderen Nahrungsmitteln erwiesenermaßen der Fall ist. Sollte sich das herausstellen, dann dürfte mit der Festsetzung von Höchstpreisen für Margarine nicht einen Augenblick gezögert werden. Petroleumhöchstpreise und Konsumvereine. Das an sich lobenswerte Unternehmen des Bundesrats, die ungeheuer⸗ lichen Petroleumpreise auf ein erträgliches Maß zurückzu⸗ führen, hat sich, wie leider manche kriegswirtschaftliche Maß. nahme, als zweischneidige Waffe erwiesen, die am Schuldigen vorbei Unschuldige trifft. Während die Herren Spekulanten größtenteils ihr Schäfchen aufs Trockene gebracht haben werden, erleiden Händler und Konsumvereine, die genötigt waren, um jeden Preis ihren Abnehmern Erdöl zu verschaffen, zum Dank für ihre sehr schwierigen Bemühungen Verluste, die in die Tausende gehen. Der Zentralverband und die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine haben in dieser Angelegenheit an den Reichskanzler eine Eingabe ge— richtet, in welcher ersucht wird, eine ergänzende Bestimmung zu der Verordnung zu treffen, die außer Zweifel stellt, daß auch für Petroleum, über dessen Bezug vor dem 15. Juli Abschlüsse erfolgt sind, das aber erst nach dem 15. Juli zur Ablieferung gelangt, an die Petroleumimporteure nur der Höchstpreis von 30 Mark für 100 Kilogramm zu zahlen ist. In der Begründung wird hervorgehoben, daß zwar der mit der Verordnung vom 8. Juli verfolgte Zweck, dem„wilden“ Petroleumhandel und den damit verbundenen Preistreibereien ein Ende zu bereiten, selbstverständlich vollen Beifall findet; es dürfe jedoch nicht verkannt werden, daß seit April andere Möglichkeiten, Petroleum zu beziehen, als zu den vorhin erwähnten hohen Preisen, nicht bestanden. Konsumvereine und private Kleinhändler hätten daher überhaupt keine andere Wahl gehabt, als die hohen Preise zu zahlen, wenn sie überhaupt ihren Abnehmern Petroleum zur Verfügung stellen wollten. Es wäre daher überaus hart, wenn ihnen der Verlust aufgebürdet würde, der notwendigerweise ent— stehen müsse, wenn alle vor dem 15. Juli getätigten Abschlüsse auch nach dem 15. Juli zu den höheren Preisen abgenommen werden müßten. Die Verordnung des Bundesrats träfe dann nicht diejenigen Kreise, die zu Spekulationszwecken den Petroleumpreis in die Höhe getrieben haben, sondern den reellen Kleinhandel und die Konsumgenossenschaften, die nicht vom Gewinnstreben, sondern von der Absicht geleitet waren, ihren Abnehmern Petroleum zu liefern, und diese Ab⸗ sicht nur erfüllen konnten, wenn sie die hohen Preise anlegten. Weder die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine noch die einzelnen Konsumvereine hätten bei der Vermittlung des Petroleums an die Verbraucher in den letzten Monaten irgendwelche Gewinne erzielt. — Mehr Brot. Zu dem dem deutschen Bürger in den gegenfpärtigen kriegerischen Zeitläuften vorgeschriebenen Stück Brot gibt es jetzt eine kleine Zugabe, wie aus der im heutigen Blatte veröffentlichten Bekanntmachung der Bürgermeisterei hervorgeht. Danach erhält jeder über 14 Jahre alte Ein⸗ wohner mit Einkommen bis 2600 Mark auf Antrag eine Zusatzbrotkarte, die zum Bezuge von 350 Gramm Mehl oder 500 Gramm Vrot wöchentlich berechtigt. Auch solche Personen, die besonders schwere Berufsarbeit leisten müssen, können Zusatzbrotkarten erhalten, auch wenn ihr Arbeitseinkommen 2600 Mark übersteigt. — Auszahlung der Familienunterstützung an die An⸗ gehörigen der Einberufenen für die Zeit vom 1. bis 15. August findet von Montag den 2. bis Freitag den 6. August täglich von 8—1 Uhr im Bürgermeistereigebäude statt. Wir ver⸗ weisen auf die Bekanntmachung. 5 Wie es der Landwirtschaft„schlecht“ geht. Wir hatten schon an dem in Kassel abgehaltenen Bezirkstage der hessischen Raiffeisenvereine nachgewiesen, wie schlecht es unseren Land⸗ birten in dieser Kriegszeit geht. Nun bietet uns der Bericht über die Hauptversammlung der Spar⸗ und Darlehenskasse (System Raiffeisen) in Ober⸗Abtsteinach einen weiteren Beleg dafür. Die eingelegten Spargelder der Mitglieder haben danach nicht nur die alte Höhe erreicht, sondern sogar über⸗ schritten; der Warenverkehr(Futter- und Düngemittel) hat sich trotz mannigfachen Schwierigkeiten den Vorjahren würdig angereiht. Also muß es mit der Futter⸗ und Dünge⸗ miltelnot nicht gar so schlimm stehen, wie man es gern aus gewissen Gründen glauben machen will. Andererseits ist die Ausgabe von Darlehen zurückgegangen. Bei der Zeich⸗ nungsstelle der Kasse wurden 24000 Mark auf die Kriegs⸗ anleihe gezeichnet; der Gesamtumsatz überschritt eineinviertel Millionen. An Kriegshilfen wurden fast 1800 Mark seitens des Vereins bewilligt, so für Beschaffung von erstklassigen Saatkartoffeln, die zu billigem Preise— nun also! Warum da die teueren Kartoffelpreise?— an die Mitglieder geliefert wurden. Der Abschluß ergab einen Reingewinn von 2571 Mark, von dem außer den Zuteilungen an den Reserve⸗ und Stiftungsfonds Zuwendungen für ideale Zwecke bewilligt wurden. Mit Stolz— so heißt es im Bericht des Mainzer Journals— konnten Rechner Rohr und Vorsteher Pfarrer Wunderle den äußerst günstigen Stand und die vorteilhafte Entwickelung betonen, die im Kriegsjahr die Genossenschaft zeigt.— Ja, ja: es geht der Landwirtschaft während des Krieges wirklich schlecht! Bei der Kriegsversicherungskasse der Volksfürsorge standen am 23. Juli 1915 247 000 Mark zur Verfügung, die nach Friedensschluß an die Hinterbliebenen der im Kriege sterben— den Versicherten restlos zur Auszahlung gelangen. Dafür sind für 34 487 Kriegsteilnehmer 49 400 Anteilscheine zu je 5 Mark erworben worden. Da bei den gegenwärtig in starkem Maße sich vollziehenden Einberufungen auch älterer Landsturm⸗ jahrgänge zahlreiche Familienväter unter die Waffen treten, wird diese Kriegsversicherungskasse für eine immer größere Zahl von Familien wichtig, und sollten besonders Angehörige, Bekannte, Kollegen und Organisationen von Arbeitern dafür sorgen, daß durch Benutzung dieser Versicherung den durch den Krieg sicher am schwersten Betroffenen diese wünschens⸗ werte Hilfe gesichert wird. Die Rechnungsstellen der Volks- fürsorge und Funktionäre der Gewerkschaften und Genossen⸗— schaften werden gerne die Erwerbung von Anteilscheinen ver⸗ mitteln. Solche werden auch erworben durch Einsendung des Betrags mittels Postschecks(Volksfürsorge, Postscheck— konto Nr. 7053, Hamburg) direkt an die Hauptverwaltung. Die Versicherungen sind rechtskräftig vom Tage der Ein⸗ zahlung an. — Gefallene Ersatzreservist Aug. Inf.⸗Reg. 118. Abschaffung der Frauenabteile in Zügen. Nach einer Ver⸗ fügung der Eisenbahndirektion Mainz sind auf sämtlichen Neben— bahnstrecken des Direktionsbezirks die Frauenabteile in den Zügen aufgehoben worden. Ferner flihren keine Frauenabteile mehr die Personenzuge der Strecken Wiesbaden— Frankfurt, Wiesbaden— Rüdesheim, Wiesbaden—Aschaffenburg, Mainz— Frankfurt, Mainz Bingerbrück, Darmstadt Frankfurt, Darmstadt Eberbach usw. Bei Personenzügen, die dem Arbeiterverkehr dienen und bei denen bis— her besondere Frauenabteile oder ganze Wagen für Arbeiterinnen freigehalten worden sind, findet die Verfligung keine Aenderung. Bei den Personenzligen des Fernverkehrs sind nach wie vor Frauen- abtetle einzurichten. — Brotmangel im Kreise Gießen. Aus verschiedenen Orten des Kreises Gießen kommen uns lebhafte Klagen zu Ohren darüber, daß bei den Bäckern kein Brot zu haben sei. Viele Ar- beiterfamilien, die jetzt auch keine Kartoffeln mehr haben und destomehr auf Brot angewiesen sind, sind dadurch in eine höchst aus Oberhessen und Nachbargebieten. Specht aus Leusel bei Alsfeld, Landw. verzweifelte Notlage geraten. Aus welchen Ursachen die Bäcker kein Brot liefern können, ist uns nicht bekannt. — Kommunalisterung der Milchbeschaffung. Den Maglst car der Stadt Nürnberg beschäftigt zurzeit bie Frage der Kommunali⸗ sierung der Milchbeschaffung. Es handelt sich dabei nicht nur um die Preisfrage, sondern auch um die Beschassung ausreichenber Mengen. Da bauliche und maschinelle Einrichtungen nicht un⸗ erhebliche Mittel erfordern, dürfte es sich voraussichtlich um ständige, den Krieg überdauernde Einrichtungen handeln. Der private Milchhandel hat infolge Wettbewerbs der Milchhändler einerseits die Milch beim Produzenten verteuert, daneben zu ver⸗ stärkter Verwendung der Milch zur Herstellung von Butter und Käse geführt, von der sich die Bauern noch höheren Gewinn ver⸗ sprechen. Die städtische Organisation wird auch aus entfernteren Landesteilen Milch heranziehen und den Versuchen anderer Groß⸗ städte, in der Umgebung Nürnbergs Milch aufzukaufen, wirksamer entgegentreten. Die neue kommunale Wohlfahrts⸗Unternehmung soll in Form einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung unter der Firma Nürnberger Milchzentrale ins Leben treten, die bei einer täglichen Milchlieferung bis zu 20 000 Liter eines Kapitals? von 130 000 Mark bedarf, wozu die Stadt mindestens 60 000 Mark her⸗ geben wird.— Diese Maßnahmen können anderen Städten zum Vorbild dienen. — Mit der Nachtarbeit in den Bäckereien beschäftigte sich auch der Verbandstag Deutscher Brotfabrikanten in Düsseldorf. Es wurde ein Antrag angenommen, in welchem sich der Verbandstg gegen die von den Bäckerinnungen auch nach dem Kriege geforde unbedingte Aufhebung der Nachtarbeit aussprach. — Die Gießener Freilichtbühne wird nächsten Samstag den „Spenglermeister Bim bächer“ als Volks⸗ und Wohl⸗ tätigkeitsvorstellung wiederholen. Für diese Vorstellung gelten Volkspreise, wie sie sonst im Stadttheater üblich sind. Es steht zu erwarten, daß diese Vorstellung ebenfalls stark besucht wird. — Lang⸗Göns. Durch einen Unfall büßte der Schneider⸗ meister Joh. Konrad Müller das Leben ein. Als er mit seinem Kuhfuhrwerke ausfuhr, gingen die Kühe durch, Müller wurde zu Boden geworfen und ein Stück mitgeschleift. Dabei erlitt er er⸗ hebliche Verletzungen, die seinen Tod in kurzer Zeit herbeiführten. — Bersrod. Von einer hiesigen Familie, Hamel, sind bereits drei Söhne im Kriege gefallen. Kreis Wetzlar. n. Ein Jubiläum Wetzlars. Am 27. Juli waren es 100 Jahre, daß Wetzlar zu Preußen gehört. An diesem Tage ging es aus dem Generalgouvernement Frankfurt zum preußischen Staate über. An dieses Ereignis erinnerte der Bürgermeister Dr. Kühn in der qar Dienstag abgehaltenen Sitzung der Wetzlarer Stadtverordneten. Von Nah und Fern. Straßenbahn⸗Unfall in Mainz. Am Dienstag früh ereignete sich bei der Gastell'schen Fabrik in Mombach ein schweres Ungliick. Der Führer einer Lokomotive hatte innerhalb des Fabrikhofes seine Maschene angeheizt und war danm unbegreiflicherweise weggetreten, ohne die Maschine zu sichern. Diese setzte sich, nachdem der Kessel genügend Dampf entwickelt, in Bewegung, durchbrach das Hof⸗ tor und fuhr auf die Straße. In demselben Augenblick kam ein elektrischer Wagen mit einem Anhängewagen von Mombach. Die Maschine traf den vordersten dichtbesetzten Wagen, schleuderte ihn aus dem Gleise und örlickte ihn gegen die Mauer, wo er vollständig zertrümmert auseinanderbrach. Von den Insassen sollen 10 Per⸗ sonen, davon drei schwer, verletzt sein. Der Führer der Fofomotive erlitt, als er das Unglück sah, einen Nervenchok und kam ins Krankenhaus. * Gefährlicher Spaß. In einem Frankfurter Geschäft machten sich mehrere Angestellte den höchst bedenklichen Scherz, einen Lehrling in den Kassenschrank zu sperren, um zu sehen, wie lange er es darin aushalten könnte. Unglücklicherweise schnappte die Tür zu und der Junge hatte aber auch den Schlüssel mit hineingenommen. Es dauerte lange, bis ein Schlosser den Schrank geöffnet hatte und man den Lehrling in halb verschmachtetem Zustande wieder an die Luft bringen konnte. Parteinachrichten. Privatdozent Dr. Lindemann. Der bekannte parteigenössische Kommunalpolitiker, Landtags⸗ abgeoroͤneter Dr. Lindemann wird von Beginn des nächsten Semesters ab als Privatdozent für Kommunalwissenschaft an der Technischen Hochschule in Stuttgart tätig sein. Die württem⸗ bergische Regierung hat das vom Senat der Hochschule einstimmig unterstützte Gesuch Dr. Lindemanns, ihn vom Kollegium und von der Einreichung einer Habilitationsschrift zu befreien, bereits ge⸗ nehmigt. In den nächsten Tagen wird der sozialdemokratische Privatdozent seine Probevorlesung halten, die nur noch die Be⸗ deutung einer Formalität hat. Telegramme. Naberigt des großen Hauptiunttier. Erbitterte Kämpfe bei Souchez und am Lingekopf. Verzweifelte Gegenwehr der Russen am Narew W. B. Großes Hauptquartier, 28. Juli, vorm.(Amtlich) Westlicher Kriegsschauplatz. Nordwestlich von Souchez wurden einzelne, von frühe⸗ ren Kämpfen her noch in der Hand der Franzosen befindliche Teile unserer Stellung nachts von schlesischen Truppen er⸗ stürmt. 4 Maschinengewehre sind erbeutet. In den Vogesen fanden in der Linie Linge kopf Barrenkopf erbitterte Kämpfe statt. Französische An⸗ griffe wurden durch Gegenstoß nach mehrstündigem Nahkampfe zurückgeschlagen. Dabei sind auch die vorgestern abend ver⸗ loren gegangenen Gräben am Lingekopf bis auf ein klei⸗ nes Stück von uns zurückgewonnen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Zwischen Mitau und Niemen wurden gestern noch etwa 1000 versprengte Russen zu Gefangenen gemacht. Oestlich und südöstlich von Rozau schreitet unser Angriff vorwärts. Goworowo wurde genommen. i Nördlich von Serok, beiderseits des Narew und süd⸗ lich von Nasielok setzten die Russen ihre Gegenangriffe fort. Sie scheiterten völlig. Der Feind ließ hier und bei Rozan 2500 Gefangene und 7 Maschinengewehre in unserer Hand. Vor Warschau wurde westlich Blonie der Ort Pierunow von uns erstürmt. In der Gegend westlich von Gora Kalwarja wird gekämpft. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage bei den deutschen Truppen ist im allgemeinen unverändert. Oberste Heeresleitung. Notiz: Pierunow liegt 24 Kilometer westlich der Vorlinie von Warschau. ** Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Vollständiger Mißerfolg der Italiener bei Görz. Neue Angriffe auf Italiens Küstenbahnen. Wien, 28. Juli.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 288. Juli, mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Der Feind unternahm zwischen Weichsel und Bug Sokal eine Reihe heftiger, jedoch erfolgloser Gegenstöße. Westlich Jwangorod brach ein feindlicher Vorstoß serem Feuer zusammen. Italienischer Kriegsschauplatz. Gestern ermaitete auch der gegen das Plateau von Doberdo gerichtete Angriff der Italiener. Stellenweise unterhielten sie noch ein heftiges Artilleriefeuer, ansonsten rafften sie sich nunmehr zu vereinzelten schwachen Vorstößen auf, die mühelos abgewiesen wurden. In dem Kampf großen Stils trat somit eine Pause ein. Wie die erste, so endete auch die ungleich gewaltigere zweite Schlacht im Görzischen mit einem vollständigen Mißerfolg des angreifenden Feindes, der diesmal in ungefähr 30 Kilometer breitem Raum zwischen dem Monte Sabotino und der Küste 7 Korps mit min⸗ destens 17 Infanterie⸗ und Mobilmilizdivisionen einsetzte und um jeden Preis ohne Rücksicht auf Opfer an Menschen und Material durchzubrechen versuchte. Die Gesamtverluste der Italiener sind auf 100000 Mann einzuschätzen. Erst die Geschichte wird die Leistungen unserer siegreichen Truppen und ihrer Führer in dieser Abwehrschlacht bewerten; unerschüttert und unerschütterlich stehen sie noch immer da, wo sie vor zwei Monaten den Feind er⸗ warteten. Dies gilt nicht nur von den in zwei Schlachten heiß um⸗ und bei unter un⸗ strittenen Stellungen im Görzischen, sondern auch von unserer ganzen zur Verteidigung im Südwesten der Monarchie gewählten Kampffront. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschallentnant. Ereignisse zur See. Am 27. Juli früh unternahmen unsere leichten Kreuzer und Torpedobootseinheiten einen erfolgreichen Angriff auf die Eisenbahnstrecke von Ancona bis Pesaro und beschossen die Stationsanlagen, Bahnhofsmagazine, Wachthäuser und Eisenbahn⸗ brücken an dieser Küstenstrecke mit gutem Erfolg. Mehrere Loko⸗ motiven und zahlreiche Waggons wurden demoliert; ein Bahn⸗ hofsmagazin in Fano geriet in Brand, der eine starke Explosion zur Folge hatte. Gleichzeitig belegten unsere Seeflugzeuge den Bahnhof, eine Batterie, Kasernen und sonstige militärische Objekte in Ancona er⸗ folgreich mit Bomben, wobei der Rangierbahnhof sehr stark be⸗ schädigt und viel rollendes Material zerstört wurde. In einem Naphthatank entstand ein noch auf 30 Seemeilen sichtbarer Brand. Alle Einheiten sind ohne Verluste zurückgekommen. Feindliche Seestreitkräfte wurden nicht gesichtet. Flottenkommando. Bomben auf Warschau. Petersburger Meldungen zufolge überflogen deutsche Flugzeuge Warschau mit der Aufgabe, durch Bombenwürfe eine der Weichselbrücken zu zerstören. Durch die herabgeschleu⸗ 8 Bomben wurden mehrere Militär⸗ und Zivilpersonen ge⸗ e Die deutschen Fortschritte im Argonnenwald!. T. U. Amsterdam, 28. Juli. Seit Beginn der Woche r⸗ zielten die Deutschen im Argonnenwalde Fortschritte, welche der französischen Armeepresse ernste Besorgnis einflößen wegen der unmittelbaren Bedrohung der für die Franzosen so wichtigen westlichen Stützpunkte im Umkreise von Binarville. Die Deutschen verfügen dort, was von gegnerischer Seite zu⸗ gegeben wird, über eine zu den verwegensten Angriffen geeignete Elitetruppe. Die Beschießung von Reims. Lyon, 27. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Nach dem Nouvelliste erzählen aus Reims eingetroffene Flüchtlinge, daß die letzte Be⸗ schijeßung am 22. Juli nachmittags begann und mit großer Heftigkeit den ganzen Nachmittag anhielt. An den beiden folgenden Tagen wurde die Beschießung etwas weniger heftig fortgesetzt. Im ganzen wurden etwa 1000 Schuß gegen die Stadt abgegeben. An vielen Stellen sind Brände ausgebrochen, die aber dank der Auf⸗ opferung der Feuerwehr gelöscht werden konnten. Besonders gab es wiele Brände durch die Beschießung in der Nacht zum Freitag. Allein in diesen Stunden sollen über 200 Granaten großen Kalibers auf die Stadt gefallen sein. Die Zahl der Toten und Verwundeten in der Zivilbevölkerung ist sehr groß. Die fürchterliche deutsche Macht im Osten. London, 28. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Morning Post schreibt in einem Leitartikel: Deutschland hat eine fürchterliche Macht im Osten zusammenge— bracht und treibt die Russen durch sein überlegenes Gewicht zurück, sodaß die russischen Stellungen und Armeen gefährdet sind. Trotzdem hörten wir von keiner Diversion an der Westfront. Die britische Armee war un— tätig. Wir hatten wochenlang keine Meldungen von Be— deutung. Nichts ist geschehen während dieser Krisis, um den Verbündeten durch einen Druck in Flandern zu Hilfe zu kom— men. Deutschland darf die Initiative ergreifen und strategisch ungestraft hier und dort zuschlagen. Wir behaupten 30 Lauf⸗ gräben mit Schwierigkeit. Deutschland behauptet eine Linie von vielen hundert Meilen einschließlich Belgiens und eines Teils von Frankreich und unternimmt diese gewaltigen An— griffe. Trotzdem schmeichelt sich das britische Volk, daß 8 angemessen Teil am Kriege nimmt. Die Lage ist ge— fährlich und unbefriedigend. Wenn wir nur eine Linie von wenigen Meilen behaupten können, dann liefern wir keine sehr starken Gründe dagegen. Wir haben finanziell für eine Linie von 30 Meilen ebensoviel ausgegeben, wie Deutschland an allen Grenzen. Rußland und Frankreich wissen, daß wir nicht alles tun, was wir können, daß wir den Krieg verlängern, weil wir kaum mit halber Kraft kämpfen. Der Artikel schließt mit der Forderung der Wehrpflicht. Rußland kann nicht Frieden schließen. Kopenhagen, 28. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Ein Artikel Menschikows in der Nowoje Wremja erörtert wegen der Bedrohung Warschaus die Möglichkeiten eines Friedensschlusses für Rußland und führt aus, Deutschland würde gern Frieden schließen, um den Rücken frei zu bekommen, aber für Rußland würde ein Frieden der Vernichtung gleichkommen. Die Deut— schen würden große Landteile, eine ungeheure Kontribution, einen für Rußland schädlichen Handelsvertrag verlangen und sodann das ganze Slaventum vernichten. Rußland würde verarmen und nicht imstande sein, Armee und Flotte zu unter— Halten, so daß es auf den Standpunkt Chinas herabsinke. Deshalb bleibe nur ein Kampf bis aufs Messer übrig. Eine neue russische Anleihe. Petersburg, 28. Juli. Finanzminister Bark benachrichtigte die Finanzkommission der Reichsduma von der Absicht der Aus⸗ gabe einer 1200 Millionen Rubel-Staatsanleihe. Der Seekrieg. 292 Handelsschiffe versenkt, (W. T. B. Nichtamtlich.) In der englischen Presse wird die Nachricht verbreitet, daß in den bisherigen 22 Wochen des Unterseebootskrieges 98 englische und 95 neutrale Handelsschiffe versenkt worden seien. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, stimmen diese Zahlen nicht. Es sind viel⸗ mehr bis zum 25. Juli von deutschen Unterseebooten im Kriegsgebiet versenkt worden: 229 englische, 30 andere feind⸗ liche Schiffe, sechs mit feindlichen verwechselte neutrale Schiffe. Außer diesen neutralen Schiffen sind weitere 27 neutrale Schiffe von deutschen U-Booten angehalten, unter- sucht, und wegen Führens von Bannware nach dem Prisen⸗ recht versenkt worden, da sie nicht eingebracht werden konnten. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß außerdem drei neutrale Schiffe von deutschen Unterseebooten infolge von Verwechslung angeschossen wurden, aber nicht versenkt sind. London, 28. Juli.(Priv.⸗Tel. Indir. Zens. Blu.) Reuter meldet aus Stornoway: Das 3800 Tonnen fassende nor⸗ wegische Dampfschiff„Fimreite“ aus Bergen ist im Atlantischen Ozean durch ein deutsches Unterseeboot in den Grund gebohrt worden. Die aus 20 Mann bestehende Besatzung wurde in Stornoway an Land gebracht. Ueber die Versenkung des norwegischen Schiffes „Harboe“ wird über London gemeldet, der Kapitän sage aus, er habe mehrere deutsche Unterseeboote auf einmal gesehen, von denen eines die„Harboe“ anhielt. Das Schiff, das Grubenholz geladen hatte, sei mit Petroleum über- gossen und angesteckt worden. Vier andere norwegische Schiffe hätte er zu gleicher Zeit brennen sehen, deren Namen ihm unbekannt seien. Ihre Mannschaften seien von einem dänischen Dampfer auf Ersuchen des deutschen U-Boot⸗ Kommandanten in Sicherheit gebracht worden. Die schwedische Brigg„Fortuna“, von Halmstad nach Westhartlepool unterwegs, ist in der Nordsee von einem deutschen Unterseeboot in Brand geschossen worden. Die Besatzung wurde an Bord des Unterseebootes genommen und sodann auf einem gekaperten norwegischen Dampfer über⸗ geführt, der nach Cuxhaven gebracht wurde.(Es ist anzu⸗ nehmen, daß die„Fortuna“ Bannware an Bord hatte.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Fischdampfer „Salacia“ und„JIceni“ wurden gestern von Untersee— booten versenkt. Die Besatzungen wurden in Lowestoft gelandet. Keine Antwort ist auch eine Antwort. Die Vossische Zeitung schreibt: Wie wir erfahren, wird die deutsche Regierung die letzte amerikanische Note zunächst nicht beantworten. Der U.Bootkrieg wird, ganz im Sinne des in unserem heutigen Morgenblatte veröffentlichten Artikels von Prof. Eduard Meyer, mit allem Nachdruck fort⸗ geführt. Aus Washington wird der Köln. Ztg. gemeldet, man gewinnt hier den Eindruck, daß die an Deutschland gerichtete Note die öffentliche Meinung befriedigt. Aus den Erörterungen ist be⸗ sonders hervorzuheben, daß die bisherigen Verhandlungen über die„Lusitania“-Frage es Amerika unmöglich mache, in diesem Kriege eine Vermittlerrolle zu spielen, ferner, daß Deutschland, wenn es Amerika keine genügende Antwort geben könne, am besten überhaupt nicht antworte, um weitere Er⸗ regungen zu verhindern. England korrigiert seine Note an Amerika. Minister Grey drahtete nach einem Bericht des Reuter⸗ schen Bureaus nach Washington an den Staatssekretär Lansing, die englische Regierung sei damit beschäftigt, eine andere neue Note an die Vereinigten Staaten zu verfassen und ersucht, die am 26. Juni überreichte Note nicht zu ver⸗ öffentlichen, solange die zweite Note nicht eingetroffen sei. Die Italiener ziehen sich aus Tripolis zurück. Die Italiener haben nun auch sämtliche Garnisonen an der Grenze von Tunis geräumt. Die Besatzung von Nalut, die abziehen wollte, wurde von Rebellen angegriffen und konnte nur mühsam Seibat in Tunis erreichen. Nachdem Sinaum und Nanut aufgegeben waren, mußte auch die wichtige bekannte Oase Ghadames geräumt werden. Auf einen Befehl von Rom wird die Besatzung gleichfalls auf das Gebiet von Tunis zurückgezogen. Hier sind starke französische Kräfte zum Schutze der Italiener vor den verfolgenden Auf— ständischen bereitgestellt. Voraussichtlich werden die Italiener von Tunis auf dem Seewege nach Tripolitanien zurückkehren. T. U. Wien, 28. Juli. Das 8 Uhr-Blatt meldet: Nach einer von der italienischen Zensur zugelassenen Nachricht in der d'Italia 0 in Tripolitanien 8400 Tote, 4000 fer wundeie und Aber 8800 Vermißte; ehe das Schicksal des restlichen Teiles der Schutztruppe herrscht große Besorgnis. Türkische Erfolge im Kaukasus N Konstantinopel, 27. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Nach glaubwürdigen privaten Meldungen aus Erzerum ver⸗ trieben die türkischen Truppen gestern den Feind vor den; rechten türkischen Flügel aus seiner letzten Stellung und schlugen ihn umter großen Ver lusten In d Flucht. Die türkischen Truppen besetzten hierauf mehrere strategisch sehr wichtige Punkte. Der Feind zieht sich ver⸗ folgt von den türkischen Truppen, in mehreren Kolonnen in Unordnung zurück. Bergeltungsmaßnahmen in Oesterreich. Die russische Militärverwaltung hat den Postverkehr mit den im der Gewalt ber Ressen befindlichen österreichischen Kriegsgefangenen fast völlig unterbunden. Als Vergellungsmaßuahme ist zunächst den Jusassen eines in Ocsterreich befindlichen Russenlagers jeder brief⸗ liche Verkehr mit der Heimat untersagt worden. Beharrt die rus⸗ sische Militärrerwaltung auf ihren Maßnahmen, so wird diese Ver⸗ geltungsmaßregel auf alle russischen Gefangenenlager aud 5 0 Die österreichische Regierung hat ferner in Petersburg eine befristete Protestnote gegen die unwürdige Behandlung ihrer in Kricgsgefan⸗ genschaft gekommenen Offiziere einreichen lassen, denen, ganz abge⸗ sehen von unzulänglichen Unterkünften, bis zum Hauptmannsrang die Offiziersabzeichen abgenommen wurden. Da bis zum 21., dem Ablaufstag dieser Frist, eine Antwort von seiten Rußlands micht ein⸗ getroffen war, wurden die in österreichischer Gefangenschaft befind⸗ lichen Offiziere gehalten, innerhalb 24 Stunden ebenfalls ihre Offi⸗ ziers abzeichen abzulegen. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Verstorbene. Frau Witwe Rehm geh. Biehl in Wetzlar, 64 Jahre alt.— Christian Heckelmann in Braunfels, 86 Jahre alt. Bekanntmachung. Mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde erhält die Verordnung über den Verkehr mit Brot und Mehl in der Stadt Gießen vom 12. März 1915 folgenden Zusatz: 9 A. Jedem über 14 Jahre alten Einwohner lohne Unterschied des Geschlechts) mit einem eigenen Arbeitseinkommen bis 2600 Mk., also landwirtschaftlichen und gewerblichen lindustriellen) Arbeitern, kleinen Landwirten(auch Selbstversorgern), Handwerkern, kleinen Beamten(Eisenbahn⸗, Stvaßenbahn⸗, Post⸗, Polizei⸗Bureaubeamten und dergl.) kann auf Antrag eine Zusatzbrotkarte bei der regelmäßi⸗ gen Brotkartenausgabe erteilt werden. Die Zusatzbrotkaxte berech⸗ tigt zum Bezuge von wöchentlich höchstens 350 Gramm Mehl oder 500 Gramm Brot. Personen, die besonders schwere Berufsarbeit, insbesondere häufige Nachtarbeit verrichten, können Zusatzbrotkarten erhalten, auch wenn ihr Arbeitseinkommen 2600 Mark übersteigt. Gießen, den 27. Juli 1915. Der Oberbürgermeister: Keller. — Für die Einmachzeit! II un Tegan Anerkannt bestes, mit a Salizyl getränktes Papier. verhütet jeden Schimmel- 2 ansatz. 5 fiolle nur 15 pig. ess Aalteleig Bahnhofstrasse 23. Senossen! Berücksichtigt unsere Jer Sosse Gießener FIfreilicht⸗ Bühne (Gegründet 1909.) (Künstlerische Oberleitung: Direktor Steingoetter). Wohltätigkeits⸗Vorstellung. Samstag, den 31. Juli 1915, abends 3 Uhr, im Stadttheater „Der Spenglermeister Bimbächer“ Einzige Wiederholung. Lokalposse in 5 Akten von G. Asmus u. Dr. Krönlein. Spielleitung u. Titelrolle: Willy Werner Göttig. Es gelten die Volkspreise des Stadttheaters: Mt. 1.50, 1.—,—.60 und—. 30. Vorverkauf bei E. Challier, Neuenweg. Für die Freilichtbühne: Dr. K. Bernbeck. Sesessssssss sse sss Ankauf,, Alteisen, Lumpen, Knochen, Papier, Kupfer, Messing, Zink, Zinn, Blei, bei Louis Rothenberger Neuenweg 22. Ein tüchtiger Wickelmacher für sofort bei Tariflohn für die Genossenschaftsfabrik gesucht Der Arbeitznachweis des deutschen Tabakarbeitet⸗Verbandes. Meldungen sind schriftlich oder mündlich Schanzenstraße 18, 1. im Burcau abzugeben.. Einfach möbl. kleines Zimmer zu vermieten Grabenftraße 9, I. ... * ——