ö Ober Organ für die Interessen des wer der Provinz Oberhessen und der ktätigen Volkes Nach bargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Vahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Un für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 174 Gießen, Mittwoch, den 28. Juli 1915 10. Jahrgang. Vom Feinde lernen! Von Wolfgang Heine, Berlin. Seit Monaten überschüttet die Gruppe Julian Borchardt, Ströbel, Liebknecht usw., zu denen sich auch Bernstein, Kautsky und der Vorsitzende der Partei, Haase, gesellt haben, die Genossen mit Kundgebungen, die eine Aenderung der am 4. August von der Reichstagsfraktion eingenommenen Haltung fordern. Davon ver— sprechen sie den Parteigenossen eine baldige Herstellung des Frie— dens, eine innere Erstarkung der Partei und Erneuerung der Internationale. Das ist der Ton, auf den die Manifeste der„No— tabeln“ oder, wie die Humanits schreibt, der„großen Kanonen“ um Dr. Herzfeld, das anonyme Flugblatt„Der Feind steht im eigenen Lande“ und der Ueberfall von Bernstein, Haase und Kautsky auf die Fraktion und den Parteivorstand gestimmt sind. Die Motive, von denen die einzelnen Mitglieder dieser Gruppe geleitet sind, mögen sehr verschieden sein und sollen von mir nicht untersucht werden. Es kommt auf sie auch wirklich nicht an, mögen sie nun lauter oder minderwertig sein. In einer Zeit, wo unser Volk und Vaterland von solchen Gefahren umdrängt sind, wie gegenwärtig, haben wir nur auf die unmittelbaren Wirkungen einer Handlung zu sehen: das Graben nach irgendwie zu recht- fertigenden Motiven müssen wir der späteren Geschichtswissenschaft überlassen. Die Beobachtung der gegenwärtigen Tatsachen, namentlich die Wirkung auf die Feinde Deutschlands, besonders die Sozialisten in den gegen uns kriegführenden Ländern zeigt uns, daß alle diese Kundgebungen nicht das geringste von dem Ver- sprochenen erreicht haben. Dem Frieden sind wir dadurch nicht um einen Schritt näher gekommen, im Gegenteil hat sich der Kriegs- wille im Auslande auch bei unseren Parteigenossen durch diese Aeußerungen nur gesteigert, weil man dort in ihnen Zeichen der Schwäche und inneren Uneinigkeit Deutschlands erblickte. Was vorauszusehen war! So ist der Erfolg jedenfalls eine Schädig⸗ ung des im Kriege stehenden Deutschland. In Deutschland aber eine solche der sozialdemokratischen Partei. Denn eine gewisse Seite sucht nur gar zu gern unserer Partei die Verantwortung; die Handlungen ihres Vorsitzenden und der Redaktionen der offi⸗ ziellen Parteiblätter Vorwärts und Neue Zeit aufzuladen, welches wiederum vorauszusehen, wenn nicht von den Unternehmern dieser Treibereien geradezu gewünscht war. Wichtiger als die Gründe der Macher dieser Kundgebungen ist die Frage, weshalb sie bei einem Teil der Parteigenossen An⸗ klang sinden konnten. Denn die Stimmung der Genossen ist für die Entschlüsse der Parteileitung und der Fraktion von größter Wichtigkeit. An der Spitze steht der verbreitete und durchaus berechtigte „Wunsch nach Beendigung dieses Krieges, der in der Tat jeden ruhigen Beobachter und besonders jeden, der sein Vater⸗ land liebt, anmuten muß wie ein selbstmörderischer Wahnsinn der ganzen Welt. Wer nun gar all die per⸗ sönlichen Schmerzen, die keinem von uns erspart sind, zu diesen allgemeinen Schrecknissen hinzurechnet, seine Leiden lieber in Worten ausklagt, als durch Taten ihnen abzuhelfen sucht, der wird leicht zum Glauben geneigt sein, wenn man ihm vorpredigt, das was er sehnlichst wünscht, sei möglich. Dies um so leichter, wenn das Ansinnen, das man ihm stellt, der allgemein verbreiteten konservativen Anlage entgegenkommt. Von nichts trennen die Menschen sich so schwer als von liebge— wordenen Worten und Vorstellungen. Der große und ewige Gedanke der Internationalität gerade in den höch⸗ sten menschlichen Ideen hatte in der sozialistischen Internationale einen Ausdruck gefunden, den die den Tatsachen weit vorauseilen⸗ den Wünsche der Genossen schon als eine wirkliche Macht begrüßt hatten. Jetzt stellt sich heraus, was tiefer Blickende freilich längst gewußt hatten, daß dies leichte Gebäude edler Wünsche und wohl⸗ gemeinter Worte den Stürmen einer Weltkatastrophe nicht standhalten konnte. Die etwas schwerfällige Gewissenhaftigkeit des Deutschen, der seinen Ideen immer mehr traut als seinen Hand— lungen, erleichtert es den Gegnern der Fraktionsmehrheit, vor unseren Genossen und der Welt das als Unrecht und Abfall hinzu⸗ stellen, was nur eine notwendige Folgerung aus einer neuen Lage war, und was die Sozialisten in Belgien und Frankreich ohne Ausnahme und die Englands zum größten Teil als selbstverständlich empfunden und getan haben. Die Hauptsache aber bleibt die Unkenntnis der politischen und kriegerischen Lage. Einfache Leute finden mit ihren geschicht⸗ lichen und geographischen Kenntnissen und ihrer Beherrschung des politischen Tatsachenstoffes naturgemäß Schwierigkeiten, das unge⸗ heuxe Feld dieses Weltkrieges und die darin wirkenden Kräfte und drohenden Gefahren zu überblicken. Aber auch Leute, von denen man ein gründlicheres Urteil wohl verlangen dürfte, unterliegen oft genug der Versuchung, nur das sehen zu wollen, was sie wün— schen. So erklären sich die Selbsttäuschungen einerseits der Annexionstreiber, andererseits unserer von der Sehnsucht nach Frieden und Völkerversöhnung getriebenen Partei— genossen. Beide überschätzen im sicheren Hafen der von den Kriegsstürmen verschont gebliebenen Teile des Reiches gar zu leicht die Bedeutung des Errungenen, und unterschätzen, wie⸗ viel noch zu leisten bleibt, wenn Deutschland mit Ehren und der Sicherheit vor einem neuen Kriege zum Frieden gelangen soll. Darum ist das wichtigste, daß die Parteigenossen die Tat⸗ sachen kennen und aus ihnen lernen. Und die wichtigste Tatsache ist neuerdings der Beschluß der französischen sozjallstischen Partei vom 15. Juli. Was haben uns die Haase, Ströbel und Genossen nicht alles vorgeredet über die Bedeutung der Beschlüsse ge⸗ wisser örtlicher Organisationen und gewerkschaftlicher Syndilate in Frankreich. Der französische Parteikongreß würde, so ver⸗ sicherte man uns, hierzu und zu den deutschen sozialistischen Frie— denskundgebungen Stellung nehmen. Nun, er hat Stellung ge— nommen, und zwar in einer Weise, die keinen Kenner des franzö⸗ sischen Nationalcharakters überraschen konnte, die aber vorläufig das Ströbelblatt zum Verstummen gebracht hat. Der Vorwärts, das Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie, zeigt sich seiner Aufgabe, die Genossen über die Tatsachen zu informieren, dadurch gewachsen, daß es den wichtigen, für die Politik der nächsten Zeit auch in Deutschland geradezu zwingenden Beschluß der französi schen sozialistischen Gesamtpartei in möglichst un auf⸗ fälliger Form an leicht übersehbarer Stelle und ohne ein Wort der Erörterung oder Folgerung mitteilt, während es über jede der vereinzelten Acußerungen kleinerer ber Parteiorganisationen spaltenlange Artikel hat. Wir wollen den Beschluß der französischen Partei nicht kriti steren; ja, wir möchten ihn anerkennen als eine Aeußerung des mäunlichen starken Geistes, der diese große Nation in den Augen— blicken ungeheurer Gefahr immer erfüllt hat. Wir zweifeln nicht, daß unsere französischen Genossen Sozialästen sind wie wi füllt von der gleichen Verehrung für die Idcen der Mensch des Völkerfriedens wie wir. Auch ihre Seelen leiden un ausweichlichen Notwendigkeit, daß der Krieg menschliches Leben umersetzliche Werke der Kultur vernichtet und zwischen den Völlern Haß sät, wo einträchtige Arbeit das Ziel sein sollte. Auch haben sie gewiß nicht vergessen, wie sehr sie selbst die Politik der Poincaré und Delcasse und das russische Bündnis, wodurch ihr Land in dieses Unheil gerissen worden ist, bekämpft haben. Und ebenso wenig haben sie,— das zeigt die französische sozialistische Presse— Freude an den reaktionären Intrigen, die Klerus und Monarchisten unter dem Deckmantel der Vaterlands verteidigung in Frankreich an⸗ zetteln. Aber sie schwanken nicht: Die Hauptsache bleibt ihnen die Verteidigung des Vaterlandes.„Die sogialistische Partei erklärt sich von neuem bereit, ihre Hilfe dem Werle der Landesverteidigung ohne Vorbehalt, ohne Entmutigung oder Mattigkeit weiterzubringen. Sie fordert die Regierung, das Parlament, die Führer und die Sol⸗ daten auf, ihre Pflicht zu tun. Eine fieberhafte Tätigkeit muß sich im Innern des Landes bemächtigen und mit unwiderstehlicher Kraft bis an die Front erstrecken... Der Kongreß billigt die von den Landes verteidigung in demselben Sinne in unerschütterlicher Festig⸗ keit fortzusetzen.“ Als deutscher Sozialdemokrat kann ich solchem Feinde nur ein Bravo! zurufen. Selbstverständlich kann ich mir nicht die tatsächlichen Behaup⸗ tungen und die phantastischen Kriegsziele der französi⸗ schen Genossen zu eigen machen, die schließlich doch auf eine Zer⸗ schmetterung Deutschlands und eine Abreißung Elsaß⸗Lothringens hinauslaufen. Aber ich will auch darüber nicht mit ihnen rechten Die Gestalt, die Euvopa nach dem Kriege haben wird, hängt nich von schönen Worten, sondern von den Taten unserer Kämpfer ab. Allen unseren Siegen zum Trotz glauben Fra sen und Engländer, Italiener und Russen unerschütterlich an 0 endliche Niederlage der Zentralmächte und berechnen, wie sie durch das Werk der Landesverteidigung in unerschütterlich Festigkeit forisetzen. Die sieben französischen Departements, die wir halten, wiegen nach der Mein sie die Ueberzahl der gegen u Ungunst der geographischen L 8 und unsere Kolonien in hand gebracht hat, a chen könnten. Noch will man u keinen Frieden gönnen. Also bleibt uns nich brig: Wir müssen neue Taten des Schwertes in die Wagschale werfen, neue Pfandobjekte in deutsche Hand bringen, von neuem unsere Kräfte anspannen, um den ersehnten sicheren und dauernden Frieden zu erkämpfen. Zeigen die Franzosen, die einen Rückhalt an der halben Welt haben und denen die Meere frei liegen, sich groß in ihrer Entschlossenheit und Vaterlandsliebe, so dürfen wir, umzingelt und bedroht, uns nicht kleiner ze Die deutsche Sozialdemokratie lerne vom Beispiel der französis ** 5 Das sozialistische Verteidigungskomitee Englands an die Fraunzosen. dernumamer zum französischen Nationalfeier⸗ tag(14. Juli) ingt L'Indépendance belge ein Schreiben des Sozialistischen Nationalen Vertei ingskomitees an das General⸗ sokretariat der französischen sozialistischen Partei: Mitbürger! ung de s verbündeten Großmächte die uns vom Weltmeer ab Franzosen nicht so viel, und di hen. (IK) In der eine so große Zahl von Mite edenen sozialistsscher Parteien Englands angeschlossen, daß es sich als erste mannhafte Kundgebung der sozialfstischen Einheit Englands betrachten darf Im Namen des großen Gemeinschaftswillens zur Verteidi⸗ gung der Freiheit, zu dessen Erstehen die große franszösische? volution so mächtig mitverhalf, wendet sich das kürzlich gegründete Verteidigungslomitee an die Vereinigten sozialistischen Parteien Frankreichs. Es möchte, daß seine französischen Genossen dem gesamten Frankreich ohne Unterschied der Parteien übermitteln, wie wir englische Sozialisten uns mit ganzer Seele Frankreich verbunden fühlen in diesem Kampf der Völker gegen den deutschen Absolutismus, diesem Hampf, der Europa die Freiheit zu erhalten trachtet, die die Revolution von 1789 errungen. Wir werden den 14. Juli in England wie in Frankreich im stolzen Gefühl feiern, diesmal die Waffenbrüder derer zu sein, deren Vorväter die Bastille gestürmt und die bald alle Bastillen Deutschlands zertrümmern werden. Wenn wir nicht mehr durch diese„Sklavenhorde“ bedroht sein werden und wenn einmal jede Nation ihr eigener Herr sein wird, dann werden wir die Internationale der freien Völker gründen. In Erwartung dieses großen Siegestages laßt uns, liebe Genossen, zusammen um die Freiheit der Welt kämpfen. N Mit dem Ausdruck unserer brüderlichen Hochachtung. Für das Verteidigungskomitee: Victor Fisher.“ — 1 2 gebracht 7 entfaltete Tätigkeit und gibt ihnen Vollmacht, das Werk der „ blicklich d Ueltkrieg. Zu den Sklavenhorden zählen nach den Franzosen und Engländern die deutschen sozialistischen Proletarier, zu den„Befreiern der Völker“ aber die Horden des russischen Zaren, die wilden Völker Afrikas usw. die Frankreich und England gegen uns losgelassen hat. * * Wie die Russen belogen werden. Die Nowoje Wremja sagt, daß die Stellung der russischen rmeen günstig, diejenige der deutschen Armeen aber schlecht ist. ie energischen Gegenangriffe seit den deutschen Angriffen vor den Stellungen von Jwangorod haben der Schlacht den Charakter eines mißlungenen deutschen Manövers anstelle des geplanten Charakters einer methodischen Offensive gegeben. In⸗ folgedessen entbehren die Bewegungen der Armee Mackensen einer genauen Front. Sie verfolgt nur die Eroberung kleiner Bruch⸗ stüscke des feindlichen Gebietes. Alle deutschen Angriffe haben an Kraft verloren und ihr Ziel verfehlt. Die Anstreng⸗ ungen der feindlichen Armee, um im Nordwesten von Woislawize vorzudringen, wurden durch kühne Gegenangriffe zu nichte ge⸗ macht und die feindliche Offensive gelähmt. Der Feind hat ungeheure Ver luste erlitten. Er verlor u. a. sechs Ge⸗ A . sch ü tz e. Dies ist angesichts der russischen Verteidigung ein be⸗ Imerkenswerter Erfolg, der sich aus der Erschöpfung der feindlichen Truppen in den beständigen ergebnislosen Kämpfen ergibt. Um den niedergeschlagenen Mut der Deutschen zu heben, sind große Mengen Reserven nötig, und man kann sie nicht heranziehen, weil der Große Generalstab bereits die Front von der Zlota-Lipa und Bukowina von allen seinen Kämpfern entblößt hat, um die stark bedrohte Flanke Sokal⸗Bug zu verstärken. Die Kampffestigkeit der Deutschen nimmt von Tag zu Tag ab, während für die russischen Armeen der Tag für die entscheidende Offensive naht. Das letztere glauben wir auch. Aber ärger kann wohl nicht gelogen werden, als es hier geschieht. im übrigen Die ae e Englisch⸗französische Erpre olitik. Der römische Korrespondent des Corriere della Sera enthält Die kächte, die, wie es darin heißt, in allen Balkanfragen abso⸗ eine Landung i interessantes offiziöses Material über die Balkanlage. Entente⸗ itlich vorgehen, erwägen i m ch 7 0 durch deutsche Attentate int Griechenland augen⸗ ywichtig ist, u werden dürfe. Ueberhaupt se 5 Sorgenkind der Entente zu sein. Blatt bricht in bewegliche Klagen über die angebliche der Deutschen in Salonik aus. Andererseits üben jedoch die Ententemüchte eine scharfe Kon⸗ trolle über die griechische Schiffahrt und den Handel aus. Franzö⸗ sische Torpedoboote sind sogar direkt am Meere stationiert. Auch die i e innere Schiffahrt am Ausgange des Piräus in J chen Gewässern steht u Aufsicht. Die Engländer schleppten kürzlich eine i r, der Material für das 75 ihrte, nach der Mudros⸗Bucht und unterbroe Spionageorganisation Das verlangten die Vorlegung militärischer Landungsurkunden. Infolge der Schikanen der Entente wird die griechische Schiffahrt schwer ge⸗ schädig Der Handel zieht nunmehr französische und italienische [Dampfer vor. In Rom ist die Hoffnung auf einen Sieg der Ententepartei in Griechenland sehr gesunken. In Bulgarien würde die Entente die Befreiung Gen a⸗ [diews als ihren Sieg be en. Rumänien versichere, daß es die Durchfuhr tlrkischen Kriegsmaterials streng hindere, trotzdem schlüpfe noch manches durch. In Rom erwarte man nicht mehr eine baldige Teilnahme Rumäniens. Daß j der Vier⸗ verband unaufhörlichen Druck in Bukarest a t, geht auch daraus hervor, daß der Corriere della Sera droht, England werde beim Friedensschluß Ungarn auf Kosten Rumäniens begünstigen, wenn Rumänien keine positiven Kriegsleistungen aufweise.(Fkft. Z.) Athen, 26. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Von unserem Sonder⸗ berichterstatter. Die Seeblockade Griechenlands, die, seitdem die englische Admiralität förmlich erklärt hat, sie halte alle grie en Handel an, deren Papiere nicht von den englischen Mar örden geprüft sind, vollständig wurde, greift hier schon stö rend ip das tägliche Leben ein. Es ist so weit gekommen, daß sich die griech isfe nicht ohne Gefahr, aufgehalten zu n. von einem gri hen Hafen zum andern begeben können. Wagen mit Postkolli notwendigster Handelsartikel können nicht nach Athen gebracht werden. Die Aufregung über sichtslose Vorgehen Englands wird immer größer, da man großen Teiles des griechi⸗ länder nicht die Kapertaktik daher das r den vollständ igen Zusammenbruch e schen Handels voraussieht, wenn die En einstellen. Kupfermangel in Rußland. T. U. Petersburg, 26. Juli. Der große Mangel an Kupfer und anderen Rohmaterialien zur Herstellung von Munitionen zwingt die russische Regierung zu ganz merkwürdigen Maßnahmen. Aus allen Gouvernements sind sachverständige Gutachten einge- holt worden, über die Bodenbeschaffenheit mit besonderer Berück⸗ sichtigung etwa vorhandener Kupferlager. Für verschiedene Gon⸗ vernements Süd- und Ostrußlonds lauten die Gutachten günstig und zwar für Orenburg, Kasan und Cherson. Es sind darauf von der russischen Regierung 200 Ingenieure und ein Riesenheer von Arbeitern in diese Gegenden abgeschickt worden, die die Ausbeut⸗ ung dieser neuentdeckten Kupferlager vornehmen sollen. Wem sschadet die englische Blockadepolitik? Der Economist enthält einen bemerkenswerten Bericht, in dem die Frage untersucht wird, ob die Blockadepolitik gegen Deutschland England nicht mehr Schaden verursach als dem Feinde. Es heißt dort: Es ist immer eine offene Frage geblieben, wer den wirtschaftlichen Druck am stärksten fühlen würde, wir oder der Feind. Das praktische Refultat der englischen Politik ist es gewesen, daß Deutschland genötigt wurde, all' seine wirtschaftliche Erfahrung und Kenntnis zu mobilisieren, um Mittel zu finden, damit es sich selbst erhalten kann. Wir haben Deutschlang geholfen, sein Geld zu Hause zu behalten, anstatt es im Auslande zu ver⸗ schleudern. Wir haben ihm alle Sorge erspart, Geld zu finden, um seine Einfuhr zu bezahlen, ohne die sich das Land jetzt dank unserer Lektion recht gut helfen kann. In der Tat, Deutschland hat Grund, uns dafür dankbar zu sein. Silberne Kugeln sind jetzt ein zweckloser Luxus gegen Deutschland. Die bleiernen Kugeln ent⸗ sprechen viel besser dessen Zwecken, und so lange es genug davon hat, und genug Kartoffelmehlbrot, um seine Soldaten zu ernähren, kann es, was die wirtschaftliche Seite des Krieges angeht, den Kampf für unbeschränkte Zeit fort⸗ setzen. Wenn dagegen die Einfuhr nach Deutschland nicht verhindert worden wäre, dann wäre es viel verschwen⸗ derischer gewesen als jetzt. Zum eigenen Schaden muß England jetzt erfahren, daß die Einfuhr auf die eine oder andere Weise bezahlt werden muß, und wenn die Aus⸗ fuhr nicht in gleichem Maße steigt, dann kommt der wirtschaft⸗ liche Druck von selbst. Es scheint, daß unsere Blockade⸗ politik eher eine Quelle der Kraft als eine Quelle der Schwäche für den Feind gewesen ist. Der Economist fügt diesem Briefe hinzu: Jene Logik des Briefschreibers verdient die Aufmerksamkeit derer, die die englische Politik leiten. Deutschland und Amerika. Aus Berlin wird der Frankf. Ztg. geschrieben: Wenn das Reutersche Telegraphenbureau es ehrlich meint mit der Wiedergabe der Stimmungsberichte, welche die amerikanische Note in der deutschen Presse hervorge— rufen hat, so hat es das leicht, denn von Meinungsverschieden⸗ heiten ist da wenig oder nichts zu merken; in allen Blättern der Rechten und der Linken wird die Note des Herrn Wilson als ein unfreundlicher Akt gegen Deutschland ganz entschieden abgelehnt. Da⸗ mit ist die Angelegenheit für die deutsche Presse einstweilen erledigt, und man kann es abwarten, was die deutsche Re⸗ gierung in einer neuen Note zu antworten gedenkt. Daß eine Antwort kommen wird, steht wohl außer Zweifel, denn die amerikanische Note enthält so viel Irrtümer und Widersprüche, daß es nicht schaden kann, wenn sie durch die berufene amtliche Stelle vor aller Welt aufgedeckt werden. Nur wird man kaum hoffen dürfen, daß dergleichen Aus⸗ einandersetzungen auf den von weltfremden Theorien be— herrschten Präsidenten der Vereinigten Staaten überzeugende Kraft haben werden. Wer klipp und klar ausspricht, daß er, kurz gesagt, die Torpedierung englischer Schiffe, seien sie bewaffnet oder nicht, als vorsätzlich unfreundlichen Akt an⸗ sieht, wenn dabei amerikanische Bürger zu Schaden kommen, der hat sich sein Urteil fest gebildet und verlangt nicht mehr nach Aufklärung, sondern will abwarten, ob die Ereignisse ihn vor die Frage stellen, Folgerungen aus seiner Auffassung zu ziehen. Aus diem Grunde kommt es ja auch nicht darauf an, ob die Darlegungen, zu denen unsere Regierung durch die amerikanische Note veranlaßt wird, in nächster Zeit oder in ferner Zeit erfolgen. Es ist wie auf den Kriegsschau⸗ plätzen zu Lande: kacta loquuntur. Zusammentritt des Reichstags. Berlin, 26. Juli.(W. T. B. Amtlich.) Die nächste Vollsitzung des Deutschen Reichstages findet am 19. August nachmittags 2 Uhr statt. Die Haushaltskommission des Reichs⸗ tages wird ihre Beratungen am 17. August vormittags 10 Uhr wieder aufnehmen. Die Schwierigkeiten dauern fort. T. U. London, 26. Juli. Alle Bergleute haben die Arbeit noch eine ganze Anzahl Arbeiter, die drohen, weiter zu streiken, wenn sie nicht bessere Bedingungen erhalten als die, welche man ihnen auf der Konferenz in Cardiff vorgeschlagen hat. Am Clyde wird, wie die Times meldet, gestreikt, aber diesmal scheint nicht einmal der Versuch gemacht zu werden, das berühmte Munitionsgesetz in Anwendung zu bringen. Wenigstens ist davon nicht mehr die Rede. Es wird lediglich fest⸗ gestellt, daß 50 bis 60 Prozent der Arbeiter streiken. Man hofft, daß sie heute die Arbeit wieder aufnehmen werden. Bemerkens⸗ wert ist, daß es sich hierbei um Schiffsbauarbeiter handelt, die für die Admiralität arbeiten. Nachdem nun zuvor schon dieser Tage der Streik in Südwales zu Ende gebracht worden ist, ohne daß das bereits ernannte Munitionsgericht einzugreifen wagte, muß zugegeben werden, daß das Mun itionsge setz einen schwe⸗ ren Schlag erhalten hat, und daß es kaum mehr in der Lage sein wird, den Arbeitern irgend welche Achtung einzuflößen. Deutsch⸗österreichisch⸗ungarische Wirtschafts⸗ Konferenz in Berlin. Unter dem Vorsitz des früheren Reichstagsabgeordneten von Dircksen tagten in der Zeit vom 22. bis 24. Juli Vertreter aus Deutschland und Ungarn in Berlin, um den Plan eines engeren wirtschaftlichen Zusammenschlusses der genannten Staaten zu er⸗ örtern. Oesterreich war nur durch einen höheren Ministerial⸗ beamten vertreten. Man einigte sich auf solgende Richtlinien: „Die der wirtschaftlichen Vereinigung zu gebende Form soll die zollpolitische Bevorzugung sein, die einen fortschreitenden Ausbau zuläßt. Demgemäß ist es wünschenswert, daß Deutschland mit Oesterreich⸗Ungarn in den Friedensverhandlungen erklärt, daß die Begünstigungen, welche sich Deutschland, Oesterreich und Ungarn ge⸗ währen, in Anbetracht des Bündnis⸗ und Freundschaftsverhältnisses zwischen ihnen Vorzugszölle von der allgemeinen Regel der Meist⸗ begünstigung ausgenommen werden. Es ist die Aufstellung von gemeinsamen Richtlinien für Handels⸗ vertragsabmachungen mit anderen Staaten vorzusehen, und zwar in der Richtung, daß solche Handelsvertragsverhandlungen womöglich gleichzeitig unter gegenseitiger Unterstützung geführt werden. Mit tunlichster Beschleunigung sollen in den drei Wirtschafts⸗ gebieten alle Maßnahmen gesetzlicher und verhaltungstechntscher Natur, die zur Entwicklung der Produktion, des Handels, Verkehrs und der Finanzwirtschaft ihrer Länder notwendig erscheinen, im Sinne der Annäherung bezw. Vereinheitlichung durchgeführt wer⸗ den, um eine möglichst einheitliche wirtschaftliche und finanzpolitische Gesetzgebung zur weiteren Förderung der Annäherung zu erreichen.“ Viel Erfolg wird man sich von diesen Beschlüssen nicht ver⸗ sprechen dürfen, denn dazu sind die wirtschaftlichen Verhältnisse in jedem der drei Staaten zu verschieden. Die Industrie in Oesterreich und in Ungarn ist bestrebt, sich die Konkurrenz der deutschen In⸗ dustrie vom Halse zu halten. Die deutschen Agrarier wiederum fürchten die Konkurrenz der ungarischen Agrarprodukte. Der Ge⸗ danke der Verzugszölle ist ein Weg, der den Abschluß von Handels⸗ verträgen riesig erschweren, wenn nicht unmöglich machen wird. Der Schaffung eines gemeinsamen Zollgebietes aber stehen in der Hauptsache kapitalistische Interessen entgegen. Die Lage im Osten. Zusammenfassend läßt sich von den Operationen sagen, daß sie den größten Teil Kurlands, diese schönste Perle der russischen Krone, in deutschen Besitz brachten und daß der Fall Schaulens die notwendige Konsequenz dieser Operationen war. Damit ist auch der größte Teil von Russisch⸗ Litauen unter deutsche Botmäßigkeit gelangt, ein Erfolg, der ebenso der glänzenden Leitung wie der Zähigkeit und Tapfer⸗ keit unserer Truppen zu verdanken ist. Die deutsche Linie auf diesem Teil des Kampfgebietes geht jetzt von der Dubissa⸗ Mündung⸗östlich Ponjewo⸗südlich von Bausk. So gewinnt die deutsche Tätigkeit im Osten durch diese Aktion eine wesent⸗ liche und verheißungsvolle Ergänzung. Der deutsche Druck auf Warschau. Petersburg, 27. Juli. Der Gouverneur von Warschau hat den Befehl erlassen, die ganze Ernte müsse innerhalb der nächsten drei Tage eingebracht sein. Die zwischen Blonie und Goritzy stehenden Heeresteile haben die Ordre erhalten, die bis dahin nicht einge⸗ brachte Ernte in Brand zu stecken. Die Lockungen des Vierverbandes. T. U. Rotterdam, 27. Juli. Der Vierverband macht augenblicklich in Bukarest und Sofia die verlockendsten Ange⸗ bote. Rumänien soll Siebenbürgen, das Banat und alle von Rumänen bewohnten Teile Bessarabiens, Bulgarien dagegen ganz Mazedonien erhalten. Die Könige von England und Italien sowie Präsident Poincaré stehen wegen der Balkan⸗ verhandlungen in ständigem Depeschenwechsel mit dem Zaren. griechischen Schiffen nicht mehr erlauben werde, sich der bul⸗ garischen Küste zu nähern. Die griechische Regierung beab⸗ sichtigt, diese Verfügung damit zu beantworten, daß sie die für Serbien bestimmten Munitionstransporte nicht mehr durch griechische Gewässer durchlassen und in den griechi⸗ schen Häfen zurückhalten werde. Deutsche Unterseeboote an der bulgardschen Küste? T. U. Lugano, 27. Juli. Nach der Turiner Stampa be · richtete der Kapitän des aus Soloniki in Italien ange⸗ kommenen Dampfers„Bosnia“, daß er in der Nähe von Dedeagatsch zwei deutsche Unterseeboote gesehen habe.— Du wird es mit der Blockade der bulgarischen Küste für die Eng⸗ länder schlecht aussehen. Von einem U-Boot versenkt. Amsterdam, 27. Juli. Reuter meldet aus London: Der eng⸗ lische Dampfer„Grangewood“, von Hull nach Archangelsk unter⸗ wegs, wurde am 24. Juli in der Nordsee von einem deutschen Unterseeboot torpediert. Die Besatzung wurde gerettet. Der Dampfer hatte 3422 Tonnen, war 1902 gebaut worden und in London beheimatet. Das Dampferunglück bei Chicago. T. U. Newyork, 27. Juli. Die letzten Meldungen aus Chikago besagen, daß sich die Zahl der Passagiere an Bord der „Eastland“ auf 2575 belief, von denen 1810 umgekommen seien. Bis jetzt wurden 884 Leichen geborgen. Ueber die Ursache des Unglücks ist von den Behörden eine Untersuchung. eingeleitet worden. Parteinachrichten. Zur Berner Frauen⸗Konferenz. Der Parteivorstand schreibt uns: 3 5 In der Berner Tagwacht vom 20. Juli sind über die Vor⸗ bereitung der Berner Internationalen Frauenkonferenz Mit⸗ teilungen aus einem Briefe der Genossin Zietz enthalten, durch deren Wiedergabe der Anschein erweckt werden könnte, als ob es sich um Mitteilungen handelt, die der Parteivorstand der deutschen Sozialdemokratie an die Redaktion der Berner Tagwacht, die„an 135 Vorbereitung der Berner Konferenz beteiligt war“, gemacht hätte. Der Parteivorstand hat die Beschickung der Berner Konferenz in einem Briefe an die Genossin Zetkin, der vom 20. März datiert ist, mit folgenden Gründen abgelehnt: „Der Parteivorstand bleibt bei seiner Auffassung, daß Ver⸗ handlungen über die Fragen der internationalen Politik in einer Zeit, wie der jetzigen, von den Parteivorständen der sozialistischen Parteien zu führen sind.“ Diese Auffassung wurde von dem Parteiausschuß später aus⸗ drücklich gebilligt. Die in der Berner Tagwacht mitgeteilte Stelle stammt aus einem Briefe, den die Genossin Zietz am 23. März an die Genossin Zetkin geschrieben hat. Weder der Parteivorstand noch die Ge⸗ nossin Zietz persönlich haben der Redaktion der Berner Tagwacht aus diesem Briefe Mitteilungen gemacht. * Dazu schreibt uns Genossin Zietz: Daß die beanstandeten Einwände gegen den Entwurf der Friedensresolution nicht dem Parteivorstand, sondern mir persön⸗ lich zur Last fallen, ist bereits in der Vorstandserklärung gesagt. Aber die Berner Tagwacht irrt, wenn sie meint, ich schäme mich, sie bekannt zu geben. Ich halte sie auch heute noch voll aufrecht. Eine Friedensresolution, auf deren Wortlaut sich die Genossinnen aller kriegführenden Länder einigen sollen, darf keine Rekriminationen gegen die eine oder die andere Partei enthalten, wenn sie eini⸗ gend wirken soll. Die Auseinandersetzungen über die inneren Parteifragen in den einzelnen Ländern gehören vor das Forum der eigenen Partei dieser Länder. Die Friedensresolution darf auch keine Rekriminationen gegen die betreffenden Regierungen und ihre Kriegsführung enthalten, wenn man will, daß sie veröffentlicht werden und damit erst wirksam werden soll. Bis heute konnte die Friedensresolution der Berner Frauen⸗ konferenz in Deutschland und Oesterreich noch nicht veröffentlicht werden, weil meine Einwendungen, die von den österreichischen Genossinnen unterstrichen, ergänzt und begründet wurden, keine Beachtung gefunden haben. Daß ich aus Zweckmäßigkeitsgründen meine Einwendungen erhob und mich natürlich nicht grundsätzlich gegen alte allgemein anerkannte sozialistische Postulate wendete, habe ich ausdrücklich „ nicht wieder aufgenommen, man hofft jedoch, daß vor Ende der England und Griechenland. in den Sätzen über Belgien betont, obgleich das unter Genossen Woche die Arbeit in den Kohlengruben wieder normal sein wird. Wien, 27. Juli. Amtlich wird hier aus Athen mitgeteilt, daß] eigentlich überflüssig sein sollte. Alle Schwierigkeiten sind noch nicht beigelegt, in Heth gibt es noch! die englische Regierung in Athen mitteilen ließ, daß England den Diethelm von Buchenberg * Erzählung von Bertold Auerbach. 34 Das Zaudern und Trödeln des Waldhornwirts machte Diethelm alle Eingeweide kochen. Er hielt es in der Stube nicht mehr aus, sagte, er wolle nach der Schmiede gehen, und bis er zurückkäme, müsse der Vetter reisefertig sein. Diet⸗ helm War entschlossen, wenn das Zögern noch länger dauerte, lieber allein abzureisen; ohnehin war ja der Zweck erreicht, daß das ganze Dorf um seine Abreise wußte. Als er aber vor die Tür kam, wo ihm ein Wind so stark entgegenwehte, daß er ihm den Atem benahm und er sich umwenden mußte, spürte er plötzlich einen heftigen Schmerz im Oberarm von dem Bisse Medards, den er fast ganz vergessen hatte. Mit Mühe arbeitete er sich sturmentgegen nach der Schmiede, und als er dort ankam, rief er dem Schmied zu:„Nimm dich in acht vor dem zuderhändigen Rappen, der beißt. Weißt kein Mittel gegen einen Pferdebiß?“ „Laß einmal sehen,“ erwiderte der Schmied. „Es ist jetzt schon heil,“ beschwichtigte Diethelm in Furcht, sich zu verraten,„aber für's Zukünftige könntest dit mir ein Mittel geben.“ „Da wendest du dich am besten an den alten Schäferle, der hilft dir, daß es in einer Stunde vorbei ist.“ Diethelm versprach, dies vorkommenden Falles zu tun Während er, am Feuer stehend, den Schmerz verbiß, kam ein Trupp Männer und Burschen wild lärmend nach der Schmiede, so daß Diethelm erbebte. f „Komm', Schmied,“ hieß es nun,„es ist Befehl vom Im ganzen Dorfe war jetzt eine wunderliche Aufregung. Die Nachricht, daß man von aller Welt abgeschnitten sei, durchdrang alle Häuser, und die Menschen, die sonst nie daran dachten, daß anderswo auch noch Leute wohnen, taten auf einmal, als ob sie allstündliche Verbindungen nach außen hätten und gar nicht leben könnten ohne deren ungestörten Bestand. Ueberall in den verschneiten Gassen sah man mit dem Winde kämpfende Menschen hin und her rennen. Weiber grillten, wie sie unversehens in eine tiefe Schneewehe traten, Kinder jauchzten, Männer schrien; man lief nach den Nachbarhäusern zu Vettern und Verwandten, als müßte man sich vergewissern, daß der Weg dahin noch offen sei, und Vor⸗ sorgliche eilten zum Krämer, um sich Salz zu holen; denn es hatte sich das Gerücht verbreitet, daß der Salzvorrat bald erschöpft sei und man lange keines von außen bekommen könne. Vor allen Häusern wurde geschaufelt und Eis gehackt und mancher Scherz dabei verübt, und die Kinder taten überall mit, denn in der allgemeinen Aufregung war ein glücklicher schulfreier Tag. In das verschlossene, lautlose Winterleben des Dorfes war plötzlich ein buntes, lärmendes Straßentreiben gekommen, in dem das damit verbundene Ungemach fast vergessen schien; der Wirrwarr hatte seinen eigenen Reiz, und die Erwachsenen sind auch oft wie die Kinder, denen nichts lieber ist als eine tummelfreje Umkehr der gewohnten Ordnung. Das meiste Leben war bei dem Bahnschlitten. Dieses in einen spitzen Winkel gefugten Borden bestehend, einem in der Mitte zerteilten Schiffe gleichend, dessen Kiel mit Eisen noch aus dem Urzustand herstammende Fahrzeug, aus starken,... überrieselte es ihn eiskalt; den Schmerz am Arme spürte er kaum mehr. Am Bahnschlitten hörte er mehrmals den Namen Medards nennen, der sonst immer bei dieser Aus⸗ fuhr gewesen war, und sich heute nicht sehen ließ. Diethelm sagte, der Medard müsse daheim bleiben, da er verreise. Endlich fuhr das schwere Gefährt das Dorf hinaus, und es trat eine Weile Stille ein. Diethelm kehrte in das Waldhorn zurück. Der Vetter war froh, daß sich die Reise noch ver— zögerte, während Diethelm vor Verzweiflung fast vergehen wollte. Er stellte die Rappen im Waldhorn ein und wollte bis zur Abreise nur die Rückkunft des Bahnschlittens abwarten, einstweilen ging er wieder— nach Hause. Es schauderte ihn innerlich, da er dieses Wort aussprach, er hatte ja kein Haus mehr, es sollte nicht mehr sein. Dennoch ging er den Weg dahin, aber an der Anhöhe hielt er an und konnte sich nicht dazu bringen, hinaufzusteigen. Es kam ihm der Gedanke, Medard zu befreien, und wie von einem Banne erlöst, rannte er mehrere Schritte hinan; aber plötzlich hielt er wieder inne: wenn er nun Medard befreite, muß dieser ihn nicht auf den Tod hassen und ins Elend bringen?... Diethelm kehrte rasch wieder um. Aber noch einmal und noch einmal stieg er fast dieselbe Höhe des Berges hinan, und wieder stand er still und fuhr sich mit totenkalter Hand über die heiße Stirn, denn er dachte: Medard ist schon erstickt, er muß schon erstickt sein. Was willst du dir noch den grausenvollen Anblick machen, der dich nie verlassen wird, so lange dir ein Aug' offen steht? ... Der Wind im Rücken half Diethelm rasch den Berg hinab⸗ springen, und er kam eben ins Dorf, als der Eilwagen glück⸗ ————— lich durchfuhr. Nun war die Bahn offen, es galt, keine Zeit 1 mehr zu versäumen. Mit erheitertem Antlitz kam Diethelm ins Waldhorn zurück, aber er mußte doch noch dem Vetter nachgeben, daß man daheim Mittag machte. Diethelm trank zwei Flaschen von seinem Leibwein und war übera wohl⸗ 8 gemut, als man über alle Hindernisse hinweg endlich davon⸗ 5 fuhr.(Fortsetzung folgt.) Amt da, daß wir mit dem Bahnschlitten naus müssen, der Postwagen kann nicht durch. Sollen wir gleich die Rappen da einspannen?“ Diethelm wehrte ab, und es gelang ihm, seine halb— gegrifften Pferde zu behalten. Die Truppe eilte nach dem Spritzenhäuschen, wo der Bahnschlitten stand. beschlagen, wurde mit sechs Pferden bespannt, und mindestens dreißig Mann, stellten sich als Beschwerdelast auf denselben, johlten und schrien. Diethelm sah all dem Treiben mit unnennbarer Seelen— angst zu. Das Herz im Leibe drückte ihn wie ein Stein, bald schlug es ihm wie Flammen zum Gesicht heraus, bald 1 1 1 — — Hessen und Nachbargebiete. Gießen und umgebung. Das Fleisch im Arbeiterhaushalt. Von berufener und unberufener Seite wird in der jetzi⸗ gen Zeit die Behauptung aufgestellt, daß das deutsche Volk in den letzten Jahren sich dem Fleischgenuß übermäßig hin⸗ gegeben habe. So berechtigt jetzt die Mahnung, weniger Fleisch zu essen, an einzelne Teile der Bevölkerung auch sein mag, so unberechtigt ist sie, wenn sich die Ratgeber an unsere Arbeiter wenden. Durch die enorme Steigerung aller Lebensmittelpreise durch den Krieg ist der Fleischgenuß im Arbeiterhaushalt im allgemeinen noch mehr eingeschränkt worden, als es in Friedenszeiten schon der Fall war. Die Gesamtjahresausgaben des Arbeiterhaushalts, in denen außer den Ausgaben für Lebensmittel auch alle andern zum Leben nötigen Gegenstände, wie Kleidung, Wohnung, Steuern usw., einbegriffen sind, zeigen, daß besonders in der jetzigen Zeit nicht allzuviel Geld für Fleisch übrig bleibt, zu⸗ mal während des Krieges die Löhne nicht gestiegen sind. Das Statistische Amt des Deutschen Reiches gibt über diesen Gegenstand wohl die beste Aufklärung. Das Amt hat im Jahre 1909 die Ergebnisse einer Haushaltungsstatistik ver⸗ öffentlicht, die im Jahre 1907 erhoben wurde. Die Arbeit des Amtes bringt in einem besonderen Abschnitt auch für 150 Arbeiterfamilien Angaben über den faktischen Verbrauch von Nahrungs- und Genußmitteln, aus denen neben der Gestaltung des Geldbudgets auch das physiologische Budget erkannt werden kann. Von den 150 Arbeiterfamilien hatten vier eine Gesamtjahresausgabe von 900 bis 1200 Mk., 35 eine Gesamtjahresausgabe von 1200 bis 1600 Mk., 71 eine Gesamtjahresausgabe von 1600 bis 2000 Mk., 40 eine Ge⸗ samtjahresausgabe von 2000 bis 3000 Mk. Die Mehrzahl dieser Familien hatte also ein Einkommen von mehr als 1600 Mk., stand demnach weit über dem Durchschnitt des Ar⸗ beitereinkommens. Der Fleischkonsum blieb mit 27,5 Kilo⸗ gramm proͤKopf weit unter dem Durchschnitt, der 1907 nach der Schlachtungs⸗Ausfuhr⸗ und Einfuhrstatistik auf den Kopf der Bevölkerung auf rund 53 Kilogramm berechnet wurde. Da⸗ bei handelte es sich nicht um besonders kinderreiche Familien, sondern um solche mit einer durchschnittlichen Kopfstärke von 4,76, was genau dem Reichsdurchschnitt entspricht. Danach bleibe man den Arbeitern mit dem Gerede vom üppigen Leben und von zu hohem Fleischverbrauch vom Halse. Mit diesen Ausführungen soll natürlich nichts gegen das Verlangen gesagt sein, fich in außergewöhnlicher Zeit, wie jetzt, einzuschränken. Das ist eine Notwendigkeit, der die Zurückgebliebenen von der deutschen Arbeiterschaft mit be⸗ wundernstderter Selbstverständlichkeit sich fügen. Sie tun es, weil auch sie, ebenso wie ihre Brüder im Felde, Opfer bringen müssen. Es würde niemand einfallen, hierüber zu sprechen, wenn nicht versucht worden wäre, die Verteuerung der Lebenshaltung in den letzten Jahren nicht auf Preis⸗ steigerung, sondern auf Unwirtschaftlichkeit der Arbeiter zu⸗ rückzuführen, und wenn den Arbeitern nicht„klargemacht“ werden sollte, welchen großen Nutzen sie sich mit der Be⸗ schränkung des Fleischkonsums erweisen würden, weil sie bis zum Kriege viel zu sehr im Fleischgenuß geschwelgt und sich damit gesundheitlich geschädigt hätten. Die guten Ratschläge, den Fleischgenuß einzuschränken, berlieren noch dadurch an Wert, daß man nicht fürs preiswerte Ersatzmittel sorgt. Die Nährwerte, die uns durch den Ver⸗ zicht auf Fleisch entgehen, müssen wir doch durch pflanzliche Stoffe dem Körper zuführen. Diese aber sind so verteuert, daß die Unterernährung sich erschreckend verbreitet. — Die Eierpreise haben eine Höhe erklommen, wie man sie noch im vorigen Jahre für völlig unmöglich gehalten hätte. 15, 16 Pfg. werden für ein Stück auf dem Gießener Wochen⸗ markte gefordert und bezahlt, anderwärts manchmal noch mehr. Diese unerhörten Preise sind völlig unberechtigt. Sie werden vielfach mit Verteuerung der Futtermittel zu recht⸗ fertigen versucht, aber sehr mit Unrecht. Darauf können sie sich aber, wie das Kreisblatt in Erbach im Odenwald aus⸗ führt, durchaus nicht berufen. Das könnte vielleicht der Ge⸗ flügelzüchter und Eierproduzent, der beides im großen be— treibt, dieser wird stets auch einen großen Bedarf an Futtermitteln haben. Ganz anders liegen aber die Verhält⸗ nisse für die Eierproduktion auf dem Lande bei den Bauern. Im Winter hat der Bauer das Putzgetreide und den Ab⸗ fall aus der Haushaltung, mit dem er seine Hühner bei freiem Auslauf durchhält. Im Winter, wo die Legetätigkeit herab- gesetzt ist, haben höhere Eierpreise auch ihre Berechtigung, aber für die übrige Jahreszeit sind Eierpreise, wie sie jetzt verlangt werden, nicht gerechtfertigt. Denn im Frühling und Sommer findet das Huhn in Wiesen, Feld und Wald so viel an Grünem und Gewürm, daß Futter nur nebenher gegeben wird. Während und nach der Ernte im Herbst liegt aber genug an Körnerfutter auf den Straßen und auf dem Hof, daß auch Körnerfutter nicht gereicht zu werden braucht. Die Masse der im Inlande erzeugten Eier kommt aus den bäuerlichen Anwesen. Bei diesen liegen, wie gezeigt, die Ver⸗ hältnisse für die Eierproduktion so günstig, daß im Sommer die Eier auch bei gutem Verdienst, den wir den Bauern wohl gönnen, dennoch viel billiger abgegeben werden müßten.— Die Stadt Aschaffenburg hat den Eierverkauf selbst in die Hand genommen und gibt das Stück auf dem Markte für 12 Pfg. ab. — Obstversteigerungen von seiten der Stadt sowie der Kreisbehörden stehen in der nächsten Zeit wieder bevor. Hier— bei könnte auch das Interesse der Verbraucher dadurch berück— sichtigt werden, daß die Versteigerung in kleinen Losen direkt an die Verbraucher erfolgte. In der letzten Zeit war das konsumierende Publikum mehr als sonst der Preistreiberei durch die Großhändler ausgesetzt, so daß man sich von behörd— licher Seite zu Abwehrmaßnahmen veranlaßt sah. Es sollte deshalb dafür gesorgt werden, daß die Obsternte nicht den Großhändlern in die Hände fällt, wenn auch dabei etwas mehr Arbeit entsteht. Vielleicht dürfte es sich empfehlen, gar nicht zu versteigern, sondern bestimmte mäßige Preise fest⸗ zusetzen und zu diesen an die Selbstverbraucher abzugeben. — Zum Rektor der Universität Gießen wurde für die Zeit vom 1. Oktober 1915 bis 30. September 1916 der ordentliche Professor der philosophischen Fakultät Dr. Wilhelm Sievers ernannt. Hütet die Zungen! Gegen die Klatschsucht in Kriegs— zeiten erläßt das stellvertretende Generalkommando des 21. Armeekorps(Saarbrücken) die folgende Bekanntmachung: „Es liegt Veranlassung vor, erneut vor der Verbreitung un— wahrer Nachrichten über den Krieg zu warnen. Auch die im guten Glauben erfolgte Weitergabe eines„Gerüchtes“ kann Strafeinschreiten gegen den Urheber und Verbreiter nach sich ziehen. Die meist aus Wichtigtuerei geborene Klatschsucht ist eine der unheilvollsten Erscheinungen im Kriege; sie ist unerwünscht und kann zum Verbrechen werden. Ihre Be— kämpfung ist selbstverständlich Pflicht jedes eintzelnen.“— Auch gegen die besonders bei den Marktverkäuferinnen neuer⸗ dings wieder gesteigerte Sucht, ihren Nebenmenschen durch Schimpfereien und Klatschereien eins auszuwischen, wird rücksichtsloses Vorgehen recht am Platze sein. Wie hohe Preise gemacht werden. Böses Blut hat in Geinsheim und in anderen rheinhessischen Orten wie Nier⸗ stein und Oppenheim eine am diesseitigen Rheinufer abge⸗ haltene fiskalische Obstversteigerung dadurch hervorgerufen, daß das gesamte Obst statt in kleinen Losen in einem einzigen großen Lose an die Großhändler versteigert wurde. Die Ver⸗ gebung in einem Los war von Anfang an beabsichtigt. Als aber hiergegen von anwesenden Steigerern Einspruch erhoben wurde, erfolgte die Versteigerung in kleineren Partien. Der dabei erzielte Preis befriedigte aber nicht, weshalb gegen ein Pauschalgebot das ganze Obst an Frankfurter Großhändler vergeben wurde. Sie soll„Dreck fressen“. In der Neuen Badischen Landes zeitung wird eine Marktszene vom Mannheimer Wochen⸗ markt mitgeteilt, welche ein deutliches Licht auf die Preis⸗ treibereien wirft, zugleich aber auch zeigt, daß an dem Lebens⸗ mittelwucher auch die Bauern beteiligt sind. Auf dem Markt wurde von einer Bauersfrau Blumenkohl zu 30 Pfg. das Stück, Kohlrabi zu 14 Pfg. das Stück und Bohnen zu 50 Pfg. das Pfund feilgehalten. Eine arme Frau mit einem kleinen Kinde auf dem Arm und zwei größeren an der Hand erklärte der Bauersfrau, daß sie zu diesen teuren Preisen nichts kaufen könne. Mit breitem Lachen erklärte diese darauf, dann müsse eben die Frau„Dreck fressen!“ Eine dabei stehende Köchin war aber resolut genug, sofort einen Schutzmann zu holen, der die Bauersfrau abführte, während ein anderer Schußz⸗ mann den Stand der Bauersfrau übernahm und die Waren zu mäßigem Preis verkaufte. So sollte es mit allen gemacht werden, die die Käufer überfordern. In unverschämten, höhnischen Antworten sind übrigens auch die Offenbacher Marktverkäufer überaus groß. Auch hier wird einmal ordent⸗ lich zugegriffen werden müssen. Am Freitag ist z. B. von den Händlern einer ihrer Kollegen angestiftet worden, am städtischen Obststande Heidelbeeren zu kaufen; er schüttete sie in seinen Hut und warf sie dann immer handvollweise den städtischen Verkäuferinnen und den Einkaufenden ins Gesicht. Ein Schutzmann mußte den Burschen vom Markte versbeisen. Wie die Spekulanten arbeiten. In der Dotzh. Ztg., lesen wir: Schon jetzt laufen Agenten und Spekulanten den Landwirten und Obstbaumbesitzern die Haustüren ein, um ihnen das Obst, so wie es eben auf den Bäumen hängt, abzukaufen. Wir möchten an alle Obstbaumbesitzer die dringende Bitte richten, unter keinen Um— ständen jetzt schon das Obst abzugeben, sondern es im Besitz zu be— halten bis zur Reife und es dann direkt an die Konsumenten zu verkaufen. Nur so kann der Ausbeutung des Volkes vorgebeugt werden, wenn wir das Spekulantentum ausschalten. Noch besser wäre es freilich, wenn die Regierung Mittel und Wege fände, dem Unwesen zu steuern. — Gießener Freilichtbühne. Nun ist gestern abend der viel⸗ besprochene„Spenglermeister Bim bächer“ endlich, nach Ueberwindung mancher Schwierigkeiten in Szene gegangen. Das unbeständige Wetter zwang die Künstlergesellschaft, sich unter das schützende Dach des Stadttheaters zu flüchten, das die Theater⸗ kommission in entgegenkommender Weise zur Verfügung gestellt hatte. Und das war klug getan; das volle Haus bewies, daß die Freilichtbühne sich Anerkennung im Publikum erworben hat und sie braucht in der Tat das Rampenlicht nicht zu scheuen. Für die nicht berufsmäßigen Spieler bedeutet diese gelungene Darstellung eine höchst achtungswerte Leistung, die hervorzubringen ein ge— rüttelt Maß von Liebe zur Sache gehört. Mit offensichtlichem Wohlgefallen wurde entgegengenommen, was da im vertrauten Gießnerisch von der Bühne quoll... Ueber den„Bimbächer“ haben wir vor kurzem schon etliches mitgeteilt. In der Posse aus Alt⸗Gießen wird ein biederer Handwerker gezeichnet, der es bei seinem blechernen Gewerbe zu„etwas“ gebracht hat und darauf nicht wenig stolz ist. Sein Töchterchen„Lowise“ will deshalb auch hoch hinaus, sie verschmäht den ehrlichen Spenglergesellen Valentin und wird die Braut des von irgendwoher gekommenen und höchst dicktuerischen Borne, der sich aber als Windbeutel und Hochstapler entpuppt. Er legt im Verein mit dem Tanzlehrer Stromski, dessen Existenz auch nur auf dem Kredit seiner Mitmenschen aufgebaut ist, den Bimbächer gehörig herein, daß der Biedere in höchst be— denkliche Nähe des Bankerotts gerät. Sein früherer Geselle Valentin rettet ihn aber mit Hilfe seines reichen Onkels und nun ist das zerknirschte Louischen froh, den Spenglergesellen zu be⸗ kommen. Bimbächer wurde von W. W. Göttig dargestellt, wie er nur sein muß, urwüchsig, volkstümlich, stets bereit, seinen Widersacher mit einem gehörigen Trumpf abzuführen. Das treff— liche Gelingen des Ganzen ist ohne Zweifel in erster Linie Göttig zu danken, in dessen Händen auch die Spielleitung lag. Vortrefflich verkörperte auch Hellmut Eckhardt den Tanzlehrer; besonders gefiel die Szene, wie er den mahnenden Hausbesitzer unter einem Strom von Worten hinauskomplimentiert, was auch den von Robert Schäfer vorzüglich dargestellten Juden passiert. Die Louise Bimbächer suchte Agnes Vetters mit dem schnippischen Wesen der das Näschen hoch tragenden Bürgerstochter auszu⸗ statten und es gelang ihr, dabei den richtigen Ton zu treffen. Der Geselle Valentin wurde recht gut von Kurt Frey verkörpert; während Georg Lutz sich mit Erfolg bemühte, durch weltmänni⸗ sches Auftreten die brüchige Existenz des Borne zu verschleiern.— Die Wirtshausszene im„Felsenkeller“ erregte ebenfalls viel Heiterkeit; es war bewundernswert, wie die sehr jugendlichen Darsteller Kurt Rosenberg, H. Kowarzik, Franz Haber, K. Mootz und Willy Trautmann die Gießener Spießbürger markierten, für deren Durst Lilly Weil als Wirtin sorgte. Im ganzen hat die Freilichtbühne gestern Lorbeeren geerntet! Kreis Wetzlar. n. Die Spielerei mit Schußwaffen hatte vor einiger Zeit in Katzemfurt ein junges Menschenleben gekostet. Beim Hantieren mit einem Revolver hatte dort der 19 Jahre alte Jakob Weber den 13jährigen Schüler Biener in den Leib geschossen und nach ein paar Tagen erlag dieser der Verletzung. Am Samstag kam der Fall vor der Wetzlarer Strafkammer zur Verhandlung. Der un⸗ vorsichtige junge Mensch kam mit drei Wochen Gefängnis davon, zu welcher Strafe ihn das Gericht verurteilte. n. Kriegsopfer. Von 1 Eltern aus Gelsenlirchen traf in Wetzlar die Nachricht ein, daß unser Genosse Bernhard Schrül⸗ kam p, Bäckergeselle im hiesigen Konsumverein, am 4. Juli schwer verwundet wurde und am 15. Juli im Kriegslazarett Douai(Frank⸗ reich) gestorben ist. Schrülkamp war 27 Jahre alt und ist erst dieses Frühjahr als Soldat ausgebildet worden. Welche furchtbaren Opfer der Krieg fordert, dafür liefert der Wetzlarer Konsumverein, ein verhältnismäßig kleiner Betrieb, einen drastischen Beweis. Neben Genossen Rausch ist nun auch Schrülkamp lot. Genosse Brückel ist zum Krüppel geschossen, und vier weitere Mitarbeiter waren erkrankt. Westerwald und Unterlahn. * Petroleum ins Feuer schütten hat schon manchem das Leben gekostet. Daß es jetzt noch vorkomme, wo das Oel so teuer ist, sollte mau nicht annehmen. Und doch ereignete sich in Braubach a. Rh. dadurch am Montag ein f rer Unfall. Die Frau des Landbrief⸗ trägers Heuser wurde schwer verletzt, ihr Kind erlitt derartige Brandwunden, daß Gefahr für das junge Leben besteht. Von Nah und Fern. Wieder Spielerei mit Schußwaffen. Beim Biegwald in der Nähe von Bockenheim schoß der 13jährige Schüler Rübmann aus Rödelheim mit einem Terzerol auf den ihm entgegenkommenden 16jährigen Lehrling Müller und traf ihn in das Auge. Der junge Mann stürzte erheblich verletzt zu Boden und mußte sofort in ärztliche Behandlung gegeben werden. Von der Straßenwalze zerquescht. Auf der Landstraße nach der Tenne, in der Nähe von Usingen(Taunus) ereignete sich am Freitag früh ein folgenschweres Unglück. Bei dem Walzen der neu⸗ gepflasterten Landstraße mit einer Dampfwalze aus Darmstadt ge⸗ riet ein bei den Arbeitern beschäftigter 15jähriger Mann vor die Walzen, die über ihn hinweggingen und ihn zermalmten, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Vermutlich wollte der junge Mann an dem Walzwerk etwas in Ordnung bringen und wurde dabei erfaßt und getötet. Drei Monate Gefängnis für einen Kartoffelwucherer. Das Land⸗ gericht Halberstadt hat den Kaufmann Paul Höpfner in Bleckendorf zu drei Monaten Gefängnis wegen Ueberschreitens der Höchstpreise verurteilt. Der Angeklagte hatte der Stadt Siegburg für eine Kar⸗ toffellieferung 1,75 Mark pro Zentner über den Höchstpreis abge⸗ fordert. Schwerer Unfall beim Exerzieren ereignete sich am Samstag in Mainz bei einer Uebung des Pionierbataillons 21, wobei Handgranaten verwendet wurden, der zwei Menschenleben gefordert hat. Durch eine vorzeitig geplatzte Handgranate wurde der das Ge⸗ schoß schleudernde Pionier Johann Kranz und der Leutnant der Landwehr, Regierungsbaumeister Leo Wetter, so schwer verletzt, daß sie einige Stunden danach starben. * Brand in Offenbach. Am Samstag nachmittag brach in Offenbach in der Scheune des Fuhrunternehmers Scheich in der Schloßgrabenstraße Feuer aus. Kaum war der Brand entdeckt, da stand auch schon die zum Teil mit Heu neuer Ernte gefüllte Scheune liber und über in Flammen. Der bald einstürzende Südgiebel be⸗ drohte sehr stark die bewohnten Nachbarhäuser. Indessen gelang es den angestrengten Bemühungen der durch die Militäreinberufungen stark zusammengeschmolzenen städtischen und freiwilligen Feuerwehr, der eine Anzahl Soldaten beistanden, das Feuer nach einstündigem Kampfe, in dem die elektrische Motorspritze tüchtige Arbeit leistete, die Gefahr zu beseitigen. Die Scheune ist völlig ausgebrannt, Dach und inneres Gebälk sind eingestürzt. Der Schaden ist durch Ver⸗ sicherung gedeckt. Als Brandursache wird Funkenwurf aus einer benachbarten Esse mit ziemlicher Sicherheit angenommen. Krieg in der Familie. In Biebernheim bei St. Goar gingen bei einem Familienstreit der Metzger Peter Rudolf und sein Schwiegersohn Josef Heinen mit Messer und Schlachtbeil aufein⸗ ander los. H. erhielt einen Stich in den Unterleib, dem er alsbald erlag. R. ist durch Schläge mit dem Schlachtbeil ebenfalls schwer verletzt. Telegramme. Tagesbericht des Großen Hauptanartiers. An der Westfront Schützengräbenkämpfe⸗ 7300 Russen gefangen. W. B. Großes Hauptquartier, 27. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz, Schwache französische Handgranatenangriffe nördlich von Souchez und Sprengungen in der Gegend von Le Mesnil in der Champagne waren erfolglos. In deu westlichen Argonnen besetzten wir feindliche Gräben. Auf die Beschießung von Thiaucourt antworteten wir abermals mit Feuer auf Pont a Mousson. In den Vogesen setzte sich der Feind gestern abend in den Besitz unserer vordersten Gräben auf dem Lingekopfe (nördlich von Münster). Bei Roncque nordwestlich von Tourcoing wurde ein französisches, bei Peronne ein englisches Flug⸗ zeug zum Landen gezwungen. Die Insassen sind gefangen genommen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Ein Vorstoß aus Mitau wurde von uns Zwischen Poswol(südlich von Mita u) Njemen folgen wir dem weichenden Gegner. Die Russen versuchten gestern uusere über den Nar em vorgedrungenen Truppen durch einen großen, einheitlichen, aus der Linie Goworowo l(östlich von Rozan)— Wis⸗ kow—Serok(südlich von Pultusk) angesetzten Angriff zurückzudrängen. Die russische Offensive scheiterte völlig. 3390 Russen wurden gefangen, 13 Maschinengewehre er⸗ beutet. Oestlich und südöstlich von Rozan drängen unsere Truppen hinter dem geworfenen Feinde nach Osten vor. Am Pruth südöstlich von Pultusk wird noch hartnäckig ge⸗ kämpft. Vor Nowo⸗Georgiewsk und Warschau Veränderung. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Vor Jwangorod nichts Neues. Nördlich von Hrubieszow warfen wir den Feind aus mehreren Ortschaften und nahmen 3940 Russen(darunter 10 Offiziere) gefangen. Im übrigen ist die Lage bei den deutschen Truppen des Generalfeldmarschalls v. Mackensen unverändert. Oberste Heeresleitung. einige abgewiesen. und dem keine Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Eine Höhe am Bug erstürmt. Wien, 27. Zuli.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: Juli, vormittags: Rufsischer Kriegsschauplatz. Seit der Erstürmung von Sokal durch unsere Truppen wurde südöstlich der Stadt um den Besitz einer Höhe gekämpft, die für die Behauptung der Bugübergänge besonders wichtig ist. Gestern stürmten unsere tapferen Regimenter diese Position, wobei wir 20 Offiziere und 3000 Mann gefangen nahmen und fünf Maschinengewehre erbeuteten. Die Kämpfe nördlich Grubieszow schreiten erfolgreich fort. Sonst ist die Lage im Nordosten unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz 5 Unter dem Schutz des gestern früh eröffneten Artilleriemassen⸗ feuers griffen die Italiener das Plateau von Doberdo mit ver⸗ stärkten Kräften abermals an. Der Ansturm scheiterte unter größeren Verlusten denn se. Nach erbitterten Nahkämpfen blieben unsere Truppen auch an diesem neunten Schlachtage im vollen Besitz ihrer alten Kampfstellungen am Plateaurande. An den übrigen Teilen der küstenländischen Front und im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet hat sich Wesentliches ereignet. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschallentnant. Die Lage am Dnjestr und in Bessarabien. Aus Wien wird der Frankf. Ztg. geschrieben: Nachdem an der Dnujestr⸗ und bessarabischen Front, von unbedeutenden Geschützkämpfen und Vorposten⸗ gefechten abgesehen, vollständige Ruhe eingetreten ist, kann man das Ergebnis der jüngsten Kämpfe nun überblicken. Als unsere Truppen den Dnujestr übersetzt hatten, wollte der Feind selbst um den Preis der größten Opfer die auf dem nördlichen Flußufer verlorenen Stellungen zurückgewinnen. Wir hatten die heftigsten Angriffe zurückzuschlagen, haben aber von den eroberten Gebieten keinen Fußbreit dem Feind überlassen. Die Russen haben etwa 3000 Gefangene, darunter 20 Offiziere, und 5 Maschinengewehre verloren. Die Mannschaft eines ganzen Korps fiel vor unseren Maschinengewehren, so daß die Russen gezwungen waren, ihre erfolglosen Versuche ein⸗ zustellen. Warschaus Fall— bedeutungslos! Der bisherige Korrespondent des Secolo in Rußland, Mag⸗ rini, rechnet mit dem bevorstehenden Falle Warschaus, sucht aber natürlich seine Bedeutung zum Voraus herabzumindern. Schon seit Oktober vor der ersten deutschen Offensive seien ein großer Teil des Generalstabes und der damalige Kriegsminister Suchomlinow für die Räumung Warschaus eingetreten, jedoch habe der Generalissimus Nikolai Nikolajewitsch durchgesetzt, daß Warschau verteidigt werde wegen des politischen Eindrucks, den sein Fall weit über Polen hinaus in ganz Europa gemacht hätte. Immerhin waren nuch damals alle Vorbereitungen zur Räumung der Stadt getroffen und die drei Weichselbrücken unterminiert worden. Später errich⸗ teten die Russen drei starke Verteidigungslinien um Warschau. Magrini tröstet sich über das bevorstehende Schicksal der polnischen Hauptstadt mit den alten Argumenten, daß es militärisch bedeutungslos sei, da das russische Heer unversehrt zurückgehe und daß die Zeit der Entente den Erfolg verbürge, da diese den techni⸗ schen Vorsprung Deutschlands allmählich einholen könne und über unermeßliche Reserven verfüge, während die deutschen Reserven vor der Erschöpfung stünden. N Die Räumung Livlands. T. U. Petersburg, 27. Juli. Der Gouverneur von Livland hat alle Kreischefs angewiesen, die gesamte Bevölkerung fortzuschaffen, wie es wörtlich heißt, angesichts des Vordringens des Feindes. Zurückbleiben dürfen nur Juden, ferner Frauen christlicher Kon⸗ fesston und Männer unter 18 und über 45 Jahren. Alles, was von der Militärbehörde nicht requiriert wird, muß verbrannt werden, mit Ausnahme von Häusern und häuslichem Inventar. Nichtrequi⸗ riertes Vieh wird vor dem Abzug erschlagen. 6 * Die dritte Isonzoschlacht. Schwere Verluste der Italiener. Das gewaltige Ringen um die Isonzolinie hält nun schon den neunten Tag an. Auch in der dritten Isonzoschlacht richtet sich der Hauptstuem der Italiener gegen das Plateau von Doberdo, das sie mit einem furchtbaren Artilleriefeuer überschütten und gestern mit neuen Kräften angriffen. Die Geschütze brüllen hier ununterbrochen. Der zweite Stoß der Italiener richtet sich gegen Görz, um welches sich immer wieder neue heftige Kämpfe entwickeln, in denen der Feind seine schweren Verluste noch immer vermehrt. Insbesondere ein italienisches Armeekorps hat bei diesen Kämpfen schon nahezu ein Drittel seines Bestandes eingebüßt. Heute kam es in erbitterten Kämpfen vielfach zum Handgemenge, ausnahms— los blieben aber die alten Kampfstellungen in den Händen der heldenmütigen Verteidiger. 4 27. dann nichts Die Gesamtverluste der Engländer. London, 27. Juli.(Priv.⸗Tel. Indirekt. zens. Frkft.) Die englischen Gesamtverluste werden offiziell angegeben auf 4009 Offiziere tot, 8330 Offiziere verwundet, 1383 vermißt, ferner e Mannschaften getötet, 188 190 verwundet und 62 502 ver⸗ mißt. U 8 Der türkische Tagesbericht. Konstantinopel, 26. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Vormittags um 8 Uhr brachten wir das französische Unterseeboot„Mariotte“ in der Meerenge zum Sinken. 31 Mann der Besatzung wurden ge— fangen genommen. Bei Ari Burnu warfen wir am 24. Juli Bomben und verursachten einen Brand in den feindlichen Schützengräben. Am 25. Juli zerstörte unsere Artillerie einen Teil der feindlichen Gräben und die Drahthindernisse gegen— über unserem linken Flügel. Sie beschossen die Stellungen und rückwärtigen Verbindungen des Feindes und brachte ihm erhebliche Verluste bei. Bei Seddül⸗Bahr Infanterie⸗ feuer und Geschützkampf mit Unterbrechungen. Die feind— liche Artillerie verwendet weiter Stickgasgeschosse. Am 25. Juli nahm bei Sedd⸗ül⸗Bahr eine kleine türkische Erkundungsabteilung des linken Flügels einen Teil der feindlichen Schützengräben fort, vernichtete die Verteidiger und erbeutete 400 Gewehre mit Munition und Säcke voller Bomben. Unsere Küstenbatterien beschossen die Stellungen und Lager des Feindes an der Küste von Sedd⸗ül-Bahr mit Erfolg. Der Feind erwiderte ohne Wirkung. Feindliche Flieger warfen Bomben auf das Lazarett von Halil Pascha, obgleich das Zeichen des Roten Halbmondes wage⸗ recht über dem Lazarett ausgespannt und deutlich sichtbar war. An den anderen Fronten nichts Bemerkenswertes. Vereinskalender. Samstag, 31. Juli. Gießen. Gemeinde⸗ und Staatsarbeiterverband. Abends 29 Uhr Generalversammlung im Gewerkschaftshaus, Schan⸗ zenstraße 18. Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise am 26. Juli 1915. e Fleischpreise in Gießen Frankfurt a. M. Ochsen 50 kg Schlachtgewicht 102138 ME. ½ kg 116— 124 Pfg. Kälber 3 81103 Pf ½„ 100-104, Schweine ½„ 1 142155„„ Brotpreise in Gießen Weißbrot 2 kg— Pfg. Schwarzbrot 2„ 71, Getreidepreise in Mannheim. 100 kg 29.70 Mk. Höchstpreis 85 25.70 Höchstpreis Bekanntmachung. Nachstehende Bekanntmachung des Großh. Kreisamts Gießen bringe ich zur öffentlichen Kenntnis. Diejenigen landwirtschaftlichen Betriebsunternehmer, die auf das Recht, für das Erntejahr 1915 als Selbstversorger für sich und die Angehörigen ihrer Wirtschaft auf⸗ zutreten, Anspruch erheben, werden aufgefordert, dies bis spätestens zum 29. ds. Mis. auf Zimmer 9 des Stadthauses anzumelden. Gießen, den 26. Juli 1915. g Der Oberbürgermeister: Keller. Weizen Roggen Bekanntmachung. Betr.: Verkehr mit Brotgetreide und Mehl aus dem Erntejahr 1915; hier: die Selbstversorger. Um der uns nach§ 17 in Zusammenhang mit§ 6 Absatz 12 der Bundes vatsverordnung in obigem Betreff vom 28. Juli 1915 obliegenden Verpflichtung, die Zahl der im Bezirk des Kommunal⸗ verbandes vorhandenen Selbstversorger festzustellen, nachkommen zu können, werden hiermit diejenigen landwirtschaftlichen Betriebs⸗ unternehmer, die auf das Recht, für das Erntesahr 1915 als Selbst⸗ versorger für sich und die Angehörigen ihrer Wirtschaft auftreten zu wollen, Anspruch erheben, hiermit aufgefordert, sich in dem von ihrer Bürgermeisterei sestzusetzenden Termin zu melden und daselbst die für die Beurteilung ihrer Rechte erforderlichen Angaben zu machen. Bemerkt wird hierbei, daß nach unserer Bekanntmachung im gleichem Betreff vom 12. l. Mts.(Kreisblatt Nr. 60 vom 13. Juli l. Js.) nur diejenigen auf dieses Recht Anspruch erheben können, die den in der letztgenannten Bekanntmachung gestellten Bedingungen entsprechen. Ueber welche Vorräte hiernach Selbstversorger ver⸗ fügen müssen, um als solche anerkannt zu werden, ist aus der nach⸗ stehend abgedruckten Tabelle für jeden unschwer zu errechnen. Wir empfehlen den landwirtschaftlichen Betriebsunternehmern in ihrem eigenen Interesse, der an sie auf ortsübliche Weise er⸗ gehenden Aufforderung der Bürgermeisterei wegen ihrer Anmeldung möglichst umgehend und ausnahmslos zu entsprechen, damit die Bür⸗ germeisterei den ihr gesetzten Termin zur Vorlage des an uns zu liefernden Materials einzuhalten in der Lage ist. Gießen, den 22. Juli 1915. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Usinger. Bekanntmachung. Nachstehende Bekanntmachung des Großh. Kreisamts Gießen bringe ich zur öffentlichen Kenntnis. Die von der Verordnung betroffenen Personen weise ich auf die ihnen obliegenden Ver⸗ pflichtungen besonders hin. Gießen, den 26. Juli 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. Bekanntmachung. Betreffend: Regelung des Verkehrs mit Brotgetreide und Mehl aus dem Erntejahr 1915: hier: das Ausdreschen des Getreides. Auf Grund der Ss 2 und 3 der Verordnung über den Verkehr mit Brotgetreide und Mehl aus dem Erntejahr 1915(R.⸗G.⸗Bl. S. 363) und der Ausführungsanweisung des Großherzoglichen Ministeriums des Innern hierzu vom 19. Juli 1915(Darm städter Zeitung Nr. 166 voin 19. Juli 1915) sowie der 88 2 und 3 der Verordnung über den Verkehr mit Gerste aus dem Erntejahr 1915(R.⸗G.⸗Bl. S. 384) und§ 1 der Bekanntmachung des Groß- herzoglichen Ministeriums hierzu vom 12. Juli 1915(Darm⸗ städter Zeitung Nr. 161 vom 13. Juli 1915) wird bis auf weiteres folgendes bestimmt: 81 Wer als Eigentümer oder Besitzer Brotgetreide, nämlich Roggen, Weizen, Spelz allein oder mit anderem Getreide außer Hafer gemengt, Gerste ausdreschen will, hat dies dem Bürgermeister der meinde, in der der Ausdrusch stattfinden soll, spätestens bei ginn des Dreschens anzuzeigen. Die Anzeige muß enthalten: 5 a) den Namen des Eigentümers oder Besitzers des Getreides, b) 5 Namen des Dreschmaschinenbesitzers, der den Ausdrusch esorgt, c) die Art des auszudreschenden Getreides, d) den Tag oder die Tage des Ausdruschs. 2 o der Ge⸗ Be⸗ 8 2. Wer als Eigentümer oder Besitzer Getreidesorten der in§ 1 erwähnten Art ausgedroschen hat oder hat ausdreschen lassen, hat sofort nach Beendigung des Dreschgeschäfts dem zu⸗ ständigen Bürgermeister(siehe 8 1) die ausgedroschene Frucht⸗ gattung ihrer Menge nach in Zentnern anzuzeigen. Die gleiche Anzeigepflicht liegt dem Dreschmaschinenbesitzer Leitung des Dreschgeschäfts bei diesem Dreschsatz Beauftragten sowohl hinsichtlich der Person, für die ausgedroschen worden ist, wie auch in Bezug auf die für diese Person ausgedroschene Ge⸗ treidegattung und-menge ob. Die Ermittlung des Gewichts des erdroschenen Getreides hat unter Benutzung einer bei dem Dresch⸗ satz aufzustellenden Dezimalwage zu erfolgen. Für das Vor⸗ handensein einer solchen richtiggehenden Wage hat sowohl der Eigentümer bezw. Besitzer des Getreides, wie auch der Dresch⸗ maschinenbesitzer oder Leiter des Dreschsatzes, zu sorgen. 8 3 Die Vorschriften der 88 1 und 2 finden auf Getreide, das mit der Hand oder mit eigenen Maschinen ausgedroschen wird, ent⸗ sprechende Anwendung. Die Anzeige- und Wiegepflicht liegt in solchen Fällen dem Betriebsunternehmer ob. 8 8. Der Bürgermeister hat die ihm nach den vorstehenden Para- graphen gemachten Anzeigen in eine Liste einzutragen. 85 An dem ausgedroschenen Getreide dürfen, unbeschadet dem⸗ nächstiger, das Ausmahlen desselben regelnder behördlicher An- ordnungen, ohne Zustimmung des für den Aufbewahrungsort zu⸗ ständigen Kommunalverbandes vor dem 16. August l. Is. Ver⸗ änderungen nicht vorgenommen werden. Das Getreide ist vielmehr von dem Besitzer ordnungsmäßig aufzubewahren und pfleglich zu behandeln. (Dinkel, Fesen), sowie Emer und Einkorn oder, sofern es sich um einen Gemeindedreschsatz handelt, dem mit 8 6.. a N Eigentümer bezw. Besitzer von Getreide, die bereits ausge⸗ droschen haben, müssen die vorgeschriebenen Anzeigen nachholen Das Gleiche gilt für die ee e Wer den vorstehenden nach 8 60 der Verordnung zu 6 Monaten oder mit Gel nicht die schwereren Strafen des 8 9 1915(Gefängnis bis zu einem Jahre 10 000 Mk.) verwirkt sind. Beklimmungen zuwiderhandelt, wird om 28. Juni 1915 mit Gefängnis bis öostrafe bis zn 1500 Mk. bestraft, sofern der Verordnung vom 28. Juni oder Geldstrafe bis zu 1 Die Ortspolizeibehörden und die Gendarmerie haben sich durch häufige Revfstonen von der Richtigkeit der nach den 88 4—3 gemachten Anzeigen zu überzeugen. 5 Gießen, den 22. Juli 1915, 11 8 Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Usinger. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. 75 Jahre alt. 52 Jahre alt. Verstorbene. Louis Köhler in Alsfeld, Valentin M eunier, Kultur⸗ Ingenieur in Gießen, %5. N 1—ů—42˙ — 2. 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