— — Organ für der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. die Interessen des werktätigen Volles Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1. 80 Mt. Redaktion und Exvedition Gießen, Bahnhofstraßte 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 173 Gießen, Dienstag, den 27. Juli 1915 10. Jahrgang. Amerika und Deutschland. Die amerikanische Note. Die neueste amerikanische Note an Deutschland, pebierung der„Lusitania“ betreffend, lautet amtlichen Uebersetzung wie folgt: Die Regierung der Vereinigten Stgaten bedauert, sagen zu müssen, daß sie die Note(die deutsche, Red.) sehr unbe⸗ friedigend gefunden hat, da sie es unterläßt, auf die eigent⸗ lichen Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Regier— ungen einzugehen und keinen Weg weist, auf dem die anerkannten die Tor⸗ nach der Grundsätze von Recht und Menschlichkeit in der einen ernsten Streitgegenstand bildenden Angelegenheit zur Geltung gebracht werden können, vielmehr im Gegenteil Vereinbarungen für eine teilweise Aufhebung jener Grundsätze vorschlägt, die diese im Er— folg beseitigen würden. Die Regierung der Vereinigten Staaten vermerkt mit Genug⸗ tuung, daß die Kaiserlich deutsche Regierung ohne Vorbehalt die Gültigkeit der Grundsätze anerkennt, auf denen die amerikanische Regierung in den verschiedentlichen an die Kaiserlich deutsche Re⸗ gierung gerichteten Mitteilungen hinsichtlich des Kriegsgebietes und die Verwendung von Unterseebooten gegen Handelsschiffe auf hoher See bestanden hat, nämlich des Grundsatzes, daß die hohe See fre 1 ist und daß der Charakter und die Ladung eines Han- delsschiffes festgestellt sein müssen, ehe es in rechtmäßiger Weise beschlagnahmt oder zerstört werden kann, daß das Leben von Nichtkämpfern auf keinen Fall in Gefahr gebracht werden darf, es sei denn, daß das Schiff Widerstand leistet oder zu entfliehen ver⸗ sucht, nachdem es aufgefordert worden ist, sich der Durchsuchung zu unterwerfen. Denn die Vergeltungshandlung eines Kriegführen— den ist an und für sich ein Handeln außerhalb des Gesetzes, und die Verteidigung einer Maßnahme als Vergeltungsmaßnahme be— deutet das Zugeständnis, daß sie ungesetzlich ist. Die Regierung der Vereinigten Staaten ist jedoch bitter enttäuscht darüber, daß die Kaiserlich deutsche Regierung sich in weitem Maße von der Verpflichtung zur Beobachtung dieser Grundsätze— selbst wo neu⸗ trale Schiffe in Frage kommen— entbunden erachtet infolge der Politik und Praxis, die nach ihrer Ansicht Großbritannien im gegenwärtigen Kriege gegenüber dem neutralen Handel befolgt. Die Kaiserlich deutsche Regierung wird unschwer verstehen, daß die Regierung der Vereinigten Staaten die Politik der großbritannt⸗ schen Regierung hinsichtlich ihrer Verpflichtungeen gegenüber einer neutralen Regierung nur mit der großbritannischen Regierung selbst erörtern kann, auch muß sie das Verhalten anderer krieg— führender Regierungen für jede Erörterung mit der Kaiserlich deutschen Regierung über ihrer Ansicht nach ernste und nicht zu rechtfertigende Mißachtung von Rechten amerikanischer Bürger durch deutsche Seebefehlshaber als unerheblich ansehen. Ungesetz⸗ liche, unmenschliche Handlungen, so gerechtfertigt auch immer sie einem Feinde gegenüber erscheinen mögen, von dem angenommen wird, daß er unter Verletzung von Recht und Menschlichkeit ge— handelt, sind offenbar nicht zu verteidigen, wenn sie N eutrale ihrer anerkannten Rechte berauben, insbesondere, wenn sie das Recht auf Leben selbst verletzen. Wenn ein Kriegführender dem Feinde gegenüber nicht Vergeltung üben kann, ohne das Leben Neutraler und deren Eigentum zu schädigen, so sollten sowohl die Menschlichkeit als Gerechtigkeit und ange⸗ messene Rücksicht auf die Würde der neutralen Mächte gebieten, daß das Verfahren eingestellt wird. Wird darauf bestanden, so würde dies unter solchen Um⸗ ständen einen unverzeihlichen Verstoß gegen die Souveränität der betroffenen neutralen Völker bedeuten. Die Regierung der Ver⸗ einigten Staaten ist nicht uneingedenk der außergewöhnlichen, durch diesen Krieg geschaffenen Verhältnisse oder grundlegenden Veränderungen, Umstände und Art des Angriffs, die durch den Gebrauch von Werkzeugen der Seekriegführung hervorgerufen worden sind, wie sie die Völker der Welt nicht im Auge haben konnten, als die geltenden Regeln des Völkerrechts festgelegt wur⸗ den. Die Regierung der Vereinigten Staaten ist bereit, jede ver⸗ nünftige Rücksichtnahme auf diese neue, unerwartete Ge⸗ staltung der Seekriegführung walten zu lassen, sie kann jedoch nicht zugeben, daß ein wesentliches oder grund— legendes Recht ihres Volkes wegen der bloßen Veränderung der Verhältnisse aufgehoben wird. Die Rechte der Neutralen in Kriegszeiten beruhen auf Grundsätzen, nicht auf Zweckmäßigkeit, und Grundsätze sind unabänderlich. Die Pflicht und Obliegenheit der Kriegführenden ist es, einen Weg zu finden, sich den ihnen neuen Verhältnissen anzupassen. Die Ereignisse der letzten zwei Monate haben klar gezeigt, daß es möglich und ausführbar ist, die Operationen der Unterseeboote, wie sie die Tätigkeit der kaiserlich deutschen Marine innerhalb des sogenannten Kriegsgebiets kenn⸗ zeichnen, in wesentlicher Uebereinstimmung mit den anerkannten Gebräuchen einer geordneten Kriegführung zu halten. Die ganze Welt hat mit Interesse und mit wachsender Genugtuung auf die Darlegung dieser Möglichkeit durch die deutschen Seebefehlshaber geblickt. Es ist mithin offenbar möglich, das ganze Verfahren bei Unterseebootsangriffen der Kritik, die es hervorgerufen hat, zu überheben und die Hauptursachen des Anstoßes zu beseitigen. An⸗ gesichts des Umstandes, daß die kaiserliche Regierung die Gesetz⸗ widrigkeit ihrer Handlungsweise zu gab, indem sie zu deren Rechtfertigung das Recht der Vergeltung anführte, und an⸗ gesichts der offenbaren Möglichkeit, die hergebrachten Regeln der Seekriegführung innezuhalten, vermag die Regierung der Vereinigten Staaten nicht zu glauben, daß die kaiserliche Re⸗ gierung noch länger davon absehen wird, das unbe⸗ kümmerte Vorgehen ihres Seeoffiziers bei der Versenkung der „Lusitansa“ zu mißbilligen oder eine Entschädigung für die Verluste an amerikanischen Menschenleben anzubieten, insoweit für die zwecklose Vernschtung von Menschenleben durch eine ungesetzliche Handlung überhaupt Ersatz geleistet werden kann. 10 Die Regierung der Vereinigten Staaten kann die Anregung der Kaiserlich deutschen Regierung nicht annehmen, wonach bestimmte Schiffe bezeichnet werden und nach Vereinbarung auf den zur Zeit widerrechtlich verbotenen Meeren frei fahren sollen, wenn sie auch den freundschaftlichen Geist, in dem dieses Angebot gemacht ist, nicht verkennt. Gerade eine solche würde stillschweigend andere Schiffe widerrechtlichen A aussetzen und würde eine Beeinträchtigung und Aufgeben der Grundsätze bedeuten, für die die gierung eintritt und die in Zeiten ruhigerer griffen demgemäß ein amerikanische Re⸗ Ueberlegung jede Nation als selbstverständlich anerkennen würde. ierung der Vereinigten Staaten Die R kaiserlich sie sind jener kann und diefes große gemeinsame Ziel am wirksamsten erreicht werden kann. Die kaiserlich deutsche Regier— ung drückt die Hoffnung aus, daß dieses Ziel in einem gewiss Maße sogar vor dem Ende des gegenwärtigen Krieges erreicht werden möge. Dies kann geschehen; die Regierung der Vexeinigten Staaten fühlt sich nicht nur verpflichtet, auf diesem Ziel, von wem auch immer es verletzt oder mißachtet werden mag, zum Schutze ihrer eigenen Bürger zu bestehen, sie ist auch aufs höchste daran interessiert, dieses Ziel zwischen den Kriegführenden selbst ver⸗ wirklicht zu sehen und sie hält sich bereit, als gemeinsamer Freund zu handeln, dem der Vorzug zuteil wird, einen Weg vorzuschlagen. Mittlerweile sieht sich die amerikanische Regierung gerade wegen des großen Wertes, den sie auf die lange, ununterbrochene Freund⸗ schaft zwischen Volk und Regierung der Vereinigten Staaten und dem Volk und der Regierung Deutschlands legt, veranlaßt, bei der kaiserlich deutschen Regierung feierlichst auf die Notwendig keit einer gewissenhaften Beobachtung der neu⸗ tralen Rechte in dieser kritischen Angelegenheit zu bestehen. Die Freundschaft selbst drängt sie, der kaiserlich deutschen Regier— ung zu sagen, daß die Regierung der Vereinigten Staaten eine Wiederholung von Handlungen, die die Kommandanten deutscher Kriegsschiffe in Verletzung der neutralen Rechte begehen sollten, falls sie amerikanische Bürger betreffen, als vorsätzlich un⸗ freundliche Akte betrachten müßte. Die amerikanische Note im Spiegel der Presse. Die gesamte Berliner bürgerliche Presse beschäftigte sich am Sonntag mehr oder minder eingehend mit der Antwortnote Ameri⸗ kas. Einig war man darüber, daß der Wortlaut der Note diese weit schärfer erscheinen lasse, als die am Samstag mittag ver⸗ breitete Inhaltsangabe vermuten ließ. Einigkeit besteht auch darüber, daß es ganz unmöglich ist, die Amerikaner zu schützen, wenn sie an Bord von Schiffen sich befinden, die gleichzeitig zum Transport von Kriegsmaterial bestimmt sind. Die Erfüllung der Forderungen 2 rikas würde auf eine Einstellu des deutschen Unterseebootskrieges himauslaufen. So sagt d Berliner Tageblatt: „Die deutsche Regierung vermag keine Garantie dafür zu über⸗ nehmen, daß von nun ab jeder amerikanische Bürger ungefährdet im Kriegsgebiet spazieren sahren kann. Das versteht sich von selbst. Die Regierung zu Washington rfte sich bei einigem Nachdenken sagen, daß sich, wollte man bei uns eine solche Forderung annehmen, wohl kaum ein englischer Dampfer ohne mindestens einen Amerika⸗ ner an Bord in das Kriegsgebiet wagen würde. Es liegt für den logisch die Sachlage Beurteilenden kein Grund vor, die Berechtigung des deutschen Admiralstabes, die britischen Gewässer als Kriegs⸗ gebiet zu erklären, in Frage zu stellen. Die Vereinigten Staaten sprechen von„Verletzung des Völkerrechts“, weil das Leben Neu⸗ traler durch die deutschen Kriegsmethoden in Mitleidenschast ge⸗ zogen würde. Warum wird ein Unterschied zwischen völkerrecht⸗ lichen Bestimmungen auf dem Lande und auf dem Wasser gemacht? Nur weil es heute dem getreuen Helfer Großbritanniens so paßt! Wenn zum Beispiel nordamerikanische Bürger in einer deutschen Stadt weilen, die von englischen oder fran hen Fliegern heim⸗ gesucht wird— wie es zu Karlsruhe, Freiburg u. a. mehr geschah— und ihres Lebens verlustig gehen, wird Herr Wilson dann im Namen der Menschlichkeit solche Fliegevangriffe auch als„unfreund⸗ lichen Akt“ auffassen?“ Die gleiche Auffassung vertritt auch die Vossische Zeitung, die außerdem noch betont: „Richtig ist, daß die kriegführenden Staaten die Rechte der Neu⸗ tralen zu achten haben. Aber solche Achtung setzt voraus, daß die Neutralen alles tun, um zu verhüten, daß ihre Bürger in Situatio⸗ nen geraten, in deuen sie eben nicht geschützt werden können. Für die Kriegführenden ist der Sieg über den Gegner oberster Leitsatz ihres Handelns. Wer ihnen die Erreichung dieses Zieles mehr er⸗ schwert, als es nach den Regeln des Völkerrechts ihnen ohnehin er⸗ schwert wird, begeht gegen sie eine feindselige Handlung, weil er durch sein Tun den Gegner unterstützt. Der eingelne Angehörige eines neutralen Staates, der sich in die Gefahr begibt, durch not⸗ wendige Handlungen der Kriegführenden an Gut oder Leben geschä⸗ digt zu werden, begibt sich dadurch der Möglichkeit, von seimem Staate geschützt zu werden. Er muß jedes Risiko für sich selbst tragen.“ Die Germania empfiehlt der Regierung, weiterhin eine Ver⸗ ständigung über die Neuregelung des Seebeute vechts zu suchen, kommt aber zu dem Schluß:„Was Amerika aber nicht erwarten darf, ist, daß Deutschland sich die U-Bootwaffe durch diplomatische Verhandlungen aus den Händen winden und unwirksam machen läßt.“ Wesentlich schärfer lautet das Urteil der rechtsstehenden Pvesse. Die Kreugzeitung meint, daß es England eine Kleinigkeit sei, füür Geld und gute Worte stets einen Amerikaner zu finden, der das Risiko auf sich mimt, auf einem feindlichen Schiff zu fahren. Da⸗ 7 Vereinbarung einigten Staaten mit ihrer mit wäre dieses Schiff dann vor jedem Angriff geschützt. Das kon⸗ servative Blatt bemerkt schließlich: „Wir sträuben uns noch gegen den Gedanken, daß die Ver⸗ Stellungnahme in der Unterseebootfrage, wie sie in der obigen Note zum Ausdruck gelangt, auf eine mittel⸗ bare Unterstüßung Englands abzielen, aber wir müssen gestehen, daß uns der Inhalt der Note über andere Gesichtspunkte schwer begreif⸗ lich ist.“ Die Tägli * 1 der N e Rundschau findet, daß mit der Uebergabe at Ausgangspunkt angelangt ventlow die Ar „Für das in erster Linie geführt, und bringt, die seinen Zweck rechtf Auf den gleichen Ton ist dahin geht: „Nie und nimmer darf die Rücksichtnahme auf die⸗ clegenheit. tsche Reich muß es nach wi en: der U⸗Bootshandelskrieg wird weiter⸗ zwar so, daß er alle Mittel und Wege zur Geltung cel 5 Urteil der Post gestimmt, das ses Volk uns in unserm Willen und auf unserm Weg zum Siege beirren. Wir wollten eden und Freundschaft mit Amerika um einen vernünftigen Preis; um jeden Preis ihn zu suchen, wäre Schwäche, Torheit und Ueberschätzung Amerikas. Auf Wilsons letzte Note gibt es nur ein schlichtes Nein.“ 0 6 Wirksame Vergeltung. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung teilt K von Vergeltungsmaßregeln gegen Frankreich. In Nr. 192, 1. Ausgabe vom 13. ds. Mts. hatten wir mitgeteilt, daß in dem französischen Fort Entrevaux etwa 50 kriegs ⸗ gefangene deutsche Offiziere in vier stets verschlossen gehaltenen Räumen untergebracht werden, daß diese Offiziere sich tagsüber nur eine Stunde auf einem kleinen Hofe bewegen und sich nicht gegenseitig besuchen dürfen. Infolgedessen seien 50 ge⸗ fangene französische Offiziere entsprechenden Beschränkungen unterworfen worden. Inzwischen hat die deutsche Regierung unter Vermittelung einer neutralen Macht von der französischen Re⸗ gierung die Nachricht erhalten, daß sich gegenwärtig die deutschen ziere tagsüber im Hof des Forts frei bewegen und miteinander verkehren dürfen. Daraufhin sind die den französischen Offizieren auferlegten Beschränkungen alle aufgehoben worden. 15 8 e 2— 1½ Millionen russische Kriegsgefangene. Die Gesamtzahl der auf den verschiedenen Kriegsschau⸗ plätzen gefangenen Russen unter Anrechnung des neuesten deutschen Generalstabsberichts vom letzten S g ist, nach einer Zusammenstellung der Bayerischen Staatszeitung, auf über 1 500 000 gestiegen. Neue Arbeiterschwierigkeiten. London, 24. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Nach einer Meld⸗ ung der Times aus Glasgow ist die Verfügung der Admiralität, die die Sommerferien der Arbeiter im Schiffbau auf eine Woche beschränkt, von den Arbeitern nicht beachtet worden. Am Mittwoch, mit: Aufhebung wo der Urlaub aufgehört haben würde, hat die Arbeit geruht⸗ Heute arbeiten etwa 40 Prozent. Ein Völkerrechtsbruch Englands. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, hat ein deutsches Unterseeboot am 20. Juli, 11 Uhr vormittags, etwe 180 Seemeilen östlich vom Firth of Forth einen zirka 800 Tonnen großen Dampfer angehalten, der die dänische Flagge führte. Der Dampfer eröffnete plötzlich aus zwei Geschützen Feuer auf das Unterseeboot, holte nach der ersten Salve die dänische Flagge nieder, feuerte ohne Flagge weiter und setzte erst nach der fünften oder sechsten Salve die englische Kriegs- flagge. Es ist einem Glücksfall zuzuschreiben, daß das Unter⸗ seeboot diesem hinterlistigen Angriff nicht zum Opfer ge⸗ fallen ist Militärkommandantur und Stadtverwaltung in Italien. Nachdem vor einigen Tagen in Gardone einige Mitglieder der sozialistischen Stadtverwaltung verhaftet wurden, bringt der Avanti vom 20. Juli die Nachricht, daß in. Imola der städtische Wirt⸗ schaftsvoranschlag von der Militärkommandantur verworfen wurde. Daraufhin hat die sozialistische Körperschaft der Verwaltung von Imola ihr Amt niedergelegt. Der Voranschlag enthielt Gehalts⸗ erhöhungen für die städtischen Beamten und einige bescheidene wirt⸗ schaftliche Reformen. Die Kommunalverwaltung von Imola war eben daran, durch Getreideeinkäufe im großen Stil der schon heftig einsetzenden Spekulation mit der neuen Ernte, deren Preis in der letzten Woche an manchen Orten um 15 Prozent gestiegen ist, zu begegnen. Friedensvermittler. Anfang Juni tauchten allerlei Gerüchte über angebahnte und abgelehnte Friedensverhandlungen auf. Im Mittelpunkte aller dieser Anregungen stand als Vermittler ein Herr Dresselhuns, der „ein hohes Amt in der holländischen Regierung“ bekleide. Dieser habe die Verhandlungen anbahnen wollen. 5 l Diplomatische Aktionen werden bekanntlich von Niemandem ernst genommen, wenn sie nicht von wirklich einflußveichen Leuten uniernommen und gestützt sind. Inwieweit biese Voraussetzung in dem vorliegenden Falle zutraf, das möge man aus folgenden Zeilen entnehmen, die ein hervorragender holländischer Parteigenosse an uns richtet: „.. Herr Dresselhuys ist von Beruf Rechtsanwalt und jetzt als Reserendar im Ministerium des Innern tätig, eine Stellung, die ungesähr der eines Regierungsrats in Deutschland entspricht. Auch ist er Vorsitzender des„Anti-Kriegs⸗Nates“, einer absolut privaten Frledensverelnigung. Im übrigen aber kann ich versichern, daß in leitenden politischen Kreisen unseres Landes nichts davon bekannt ist, daß England im Friihjahr oder später irgendwie zum Frieden geneigt war. Wenn fbrigens die englische Regierung durch die holländische eine Vermittlung hätte herbeiführen wollen, so hätte sie sich zweifellos an einen Diplomaten gewandt, der auch einen ent— scheidenden Einfluß in der holländischen Regierung hat. Herr Dresselhuys hat jebenfalls in bezug auf Friebensverhandlungen nicht mehr Einfluß wie jede andere Privatperson...“ Deutscherseits, so hieß es damals, seien an der Vermittlungs— altion ein Professor und Herr v. Tepper⸗Lasli beteiligt gewesen. Der letztere ist Vorsitzender eines ebenfalls privaten deutschen Friedensvereins. Bekannter ist er als Rennstallbesitzer. Als solcher vertritt er zurzeit in einem offenen Briese an den Union-Club energisch„die sofortige Wiederaufnahme eines ausgedehnten Renn— betriebes mit Totallsator, ohne den es nicht geht... Sentimentale Rlücksichten auf die Schwere der Zeit sind hier nicht am Platze...“ So berichtete nämlich der Vorwärts am 16. Juli. In diesem Falle hat es sich also auch auf deutscher Seite laum um eine Persön— lichkeit gehandelt die den zu solch ernster Mission nötigen Einfluß besitzt. Englischerseits sollen einige Geistliche und ähnliche wohl— meinende, aber bei der Regierung ebenso einflußlose Leute betelligt gewesen sein. Das serbische Heer. Chiasso, 25. Juli. Magrini, der Berichterstatter des Secolo in Serbien, schilbert den Zustand des serbischen Heeres als vorzüg— lich. Es betrage herzeit 290000 Bajonette. Velgrad sei durch eng lische, französische und russische Batterien verteidigt. Das serbische eer sel zur Offensive bereit, aber der Generalstab halte den Zeitpunkt nicht für güünstig. Ein wirklicher Nutzen aus der serbischen Offensive ergebe sich nur dann, wenn der Ring ganz ge— schlossen sei. Es fehle noch Rumänien. Die Oesterreicher hätten die Grenze gegen Serbien stark befestigt. Die Offensive sei darum keine Kleinigkeit. Bryan gegen die amerikanischen Kriegslieserungen. Amsterdam, 25. Juli.(T. U.) Der frühere Staatssekretär Bryan setzt dem Newyorker Commerce zufolge seine Agitation gegen die Kriegslieferungen der Vereinigten Staaten fort. In einer Massenversammlung, über die weder Reuter, noch englische Zeitungen etwas berichten, hat Bryan die früheren Präsidenten Taft und Roseevelt aufs heftigste angegriffen und ihnen dorgeworfen, daß ihre Haltung gegenüber den Ereignissen auf den europäischen Kriegsschauplätzen einer objektiven Neutralität widerspreche. Die Streikbewegung in Amerika. Rotterdam, 24. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Wie der Rotter— damsche Courant aus London meldet, erfährt der Daily Telegraph aus Newyork, daß die Streils in ben Oststaaten erheblich zu— nehmen, was den Regierungsbeamten viel Sorge bereite. Man befürchte nämlich, daß die Arbesterunruhen, die durch deutsche Auf— wiegler hervorgerufen sein sollen, als eine Verletzung der ameri— lanischen Neutralität ausgelegt werden könnten, weil dadurch die Lieferung von Kriegsmaterial an die Alliserten behindert werde. Es sel bemerkenswert, daß alle Arbeiter, die in den Ausstand treten, in Munftionsfabriken, bei Schiffahrtsgesellschaften, Petro— leumrassinerlen und anderen Fabriken, die Kriegslieferungen aus— zuflihren hätten, beschäftigt seien. Das Arbeits- und Justlz— departement hat beschlossen, einzuschreiten. Newyork, 25. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Ausständigen der Standard Oil Company in Bayonne und New-Yersey haben vorge— schlagen, daß sie entweder eine Lohnerhöhung von 15 Prozent bei 50 Arbeitsstunden in der Woche annehmen, oder die Arbeit' wieder aufnehmen und die Entscheidung des Schiedsgerichts abwarten würden. Es verlautet, daß sich die Gesellschaft für letzteres ent— schleden hat. Die türkisch⸗bulgarischen Verhandlungen. Die türkisch-bulgarischen Verhandlungen sind offenbar in ein entscheidendes Stadium eingetreten. Die Audienz des Konstinopeler deutschen Botschafters, Baron von Wangenheim, beim König Ferdinand, sowie eine Besprechung mit dem bulgarischen Premierminister Radoslawow scheint die Ent— scheidung gebracht zu haben. Radoslawow hat gleich nach Diethelm von Buchenberg. Erzählung bon Bertold Auerbach. 33 „Munde, du bist dein Lebtag gut zu mir gewesen, ich bitt“ dich, Munde, guter Munde, hilf mir, daß ich fortkomm'“, rief sie immer laut weinend, und Munde selber weinte mit und versprach, alles zu tun. Der Schaffner sah auf seine Uhr und sagte, durch Buchen berg gehe erst morgen wieder ein Eilwagen, in einer Stunde aber gehe ein anderer nach G. ab, und von dort aus könne Fränz leicht nach Buchenberg kommen. Fränz eilte schnell auf ihre Kammer, holte ihre Kleider, und trotz aller Einrede, daß sie doch den Abgang des Wagens im Hause abwarten möge, blieb sie nicht und ging, von Munde allein begleitet, nach dem Posthof. Wie träge schlug hier die Uhr; Fränz wollte fast vergehen vor Hast und Verzweiflung, und Munde, der sie gar nicht be— ruhigen konnte, sagte fast unwillkürlich:„Wenn ich nur den bösen Gedanken aus dem Kopf bringen könnt'!“ „Was? Was hast du?“ fragte Fränz, ihn am Arme sassend. Munde sagte, daß es nichts sei, und er könne es nicht sagen, es sei schlecht, und sie solle es ja nicht glauben, aber er sag's ihr nicht. Nun drang Fränz immer heftiger in ihn und schwur, ihr Leben lang ihn nicht mehr anzusehen, wenn er nicht mitteile, was er im Sinne habe. Da sagte Munde:„Es ist einfältig, es wäre besser ge wesen, ich hätt' dir gar nicht gesagt, daß ich was weiß. Aber ich seh' schon, ich komm' so nicht mehr los. Schwörst du mir, es nicht zu glauben und keinen Haß auf mich zu werfen und mich gern zu haben, wenn ich dir's sag'? Nein, nein, ich kann auch so nicht, ich bring's nicht auf die Zunge, nie.“ „Ich schwör' dir alles, ich bitt' dich, lieber, lieber Munde, ich hab' dich so lieb, ich bitt' dich, sag mir's, was ist? Was weißt?“ „Es ist eigentlich dumm, und du könntest meinen, wunder r der Rücksprache mit Baron von Wangenheim den Minister⸗ rat einberufen. Wenn eine Einigung über die Abtretung des thrazischen Grenzgebietes mit der Bahnlinie und die Aegäe noch nicht erzielt ist, so scheint sie doch zumindest un⸗ mittelbar bevorzustehen. Mit dem Abschluß der türkisch⸗ bulgarischen Verhandlungen wäre allen weiteren Bemühungen des Vierverbandes, Bulgarien auf seine Seite zu ziehen, jeder Boden entzogen. Griechenland und die Türkei. Athen, 25. Juli. Hiesige politische Kreise und die öffent— liche Meinung verfolgen seit einiger Zeit mit wachsende: Mißstimmung die Ausweisung, resp. zwangsweise Entfernung der griechischen Bevölkerung an den Küsten des Marmara— meeres und Kleinasiens, besonders der Bezirke Vurla und Aivali. Flüchtlinge aus diesen Gegenden treffen andauernd auf Mitylene und anderen Inseln ein und verursachen der griechischen Regierung, die durch die Flüchtlingsfrage schon schwer heimgesucht ist, große Verlegenheit. Auf die Meldung, daß die Türkei die griechischen Frauen und Kinder aus Aivali entfernen will, hat die griechische Regierung ihren Geschäftsträger Tsamados beauftragt, die Rücknahme dieses Beschlusses zu beantragen und die Aufmerksamkeit der Pforte auf die systematische Ver— folgung des Griechentums durch die Türkei zu lenken. 5 Der Kampf um China. Euglaud und Amerika als Gegner Japans. Die Morning Post enthält, wie der Frankf. Ztg. aus London berichtet wird, einen Artikel aus Tokio von 24. Juni. Darin wird gesagt, daß der Mißerfolg, den Japan bei seinen jüngsten Unterhandlungen mit China hatte, vor allen Dingen dem Wi derstande Groß— britanniens und der Vereinigten Staaten gegenüber den Forderungen Japans zugeschrieben wird, und daß es auch die Politik dieser beiden Staaten ist, die sich der zukünftigen Politik Japans in die Wege stellt. Japans Ansprüche an eine überwiegende Stellung im fernen Osten und seine stets wachsenden Ansprüche in bezug auf Ching finden eben in der Politik dieser beiden englischsprechenden Länder ihren natürlichen Gegner, und, um seine Wünsche durchzusetzen, glaubt nun Japan keine andere Wahl zu haben als eine mächtigere Bewaffnung der Nation. Keine geringere Persönlichkeit als der Premierminister Graf Okuma hat sich über diese Notwendigleiten in offener Weise ausgelassen. Während die militärische Partei in Japan zu— bor nur zwei Armeedivisionen verlangte, erklärt jetzt Graf Okuma, daß Japan nicht zufriedengestellt sein würde, bis fünfundzwanzig neue Armeedivpisionen geschaffen seien, Ein gleich großes Ausbreitungsprogramm gilt für die Flotte. Zuvörderst sollen gebaut werden: 4 Ueber- dreadnoughts, 4 Torpedobootszerstörer, 2 Patrouillen— schifse, 8 Unterseeboote und ein Schiff für Aexoplane, was für die nächsten 4 Jahre eine Ausgabe von 190 Millionen Yen verursachen würde. Das bedeute jedoch nur die Hälfte des Gesamtprogramms der Flottenerweiterung, das in seiner Ge— samtheit 8 Panzerkreuzer, 8 Dreadnoughts, 6 Patrouillen— schiffe, 64 Torpedobootszerstörer, 24 Unterseeboote und ver— schiedene Transport- und Hilfsschiffe umfasse. Das Datum der Fertigstellung dieses Programms ist nicht bekannt. Die militärischen Behörden sprechen sich dafür aus, daß das Flottenprogramm erst nach dem jetzigen Kriege in Aus— führung genommen werde, damit die Erfahrungen, die in diesem Kriege gewonnen werden und die wichtige Aenderungen im Bau der Kriegsschiffe verlangen, mit in Betracht gezogen werden. Das Marineministerium dagegen wünscht keinerlei Aufschub und viele dringen darauf, daß das Flottenprogramm mit aller Eile ausgeführt werde, während wieder andere einer Erörterung im Reichstage das Wort reden. Die Morning Post sagt, daß in diesem Ehrgeiz, mit dem Japan die Westmächte in seiner Politik in China zu überflügeln suche, ein starkes Element der Gefahr was es wär', drum will ich's sagen, aber du darfst's nicht glauben.“ „Nein; aber sag's.“ „Mein Medard hat einmal im Rausche gesagt, dein Vater wolle das Haus anzünden. Das ist alles. Nicht wahr, du glaubst's nicht? Ich bitt' dich nur, gib mir gleich Nachricht, wie er den Meinigen geht. Wenn ich Urlaub bekomm', komm' ich morgen nach. Was hast? Warum redest denn nicht? Steh doch auf.“ „Ja, ja,“ sagte Fränz, wie träumend und erhob sich von der eisbedeckten Staffel, auf die sie sich gesetzt hatte.„So, jetzt kommen die Pferde, aber wie langsam die machen. Gott im Himmel! Ich sterb', wenn das nicht schneller geht. Munde, was hab' ich sagen wollen? Ich weiß nicht mehr. Ja, sei mir nicht bös. Wenn nur meine Eltern noch leben, dann ist alles gut. Ich hätt's nie geglaubt, daß ich so aus der Stadt weggeh', und da, Munde, da hast du auch noch Geld: das, was du gesagt hast, wird nie mehr gesagt. So, gottlob. nun ade,“ schloß Fränz, als der Schaffner„Eingesetzt!“ rief. Der Postillon blies lustig, der Wagen fuhr ab, und Munde schlug sich davongehend auf die Stirn; es kränkte ihn, daß er so unbesonnen herausgeredet und den Schmerz des Mädchens noch grausam vermehrt hatte, und jetzt merkte er erst, wie er so unbewußt Geld angenommen. Er kehrte in den Rautenkranz zurück, um noch einiges zu besorgen, das Fränz in der Eile vergessen hatte. VI Unter klingendem Schlittenschellen fuhr Diethelm nach dem Dorfe hinab, er atmete tief auf in der scharfen Morgen— lälte und starrte fast bewußtlos vor sich hin, beobachtend, wie die Rappen so rasch und gleichmäßig die Füße hoben, und wie sie so mutig die schellenumwundenen Köpfe warfen. Während im Herzen ein jäher Schreck ausklingt oder wilder Schmerz rast, ist oft der äußere Sinn verloren und gefangen in der Betrachtung eines Farbenspiels, eines all— täglichen Ereignisses, und verfolgt seine Wandlungen mit einer Stetigkeit und gesammelten Kraft, als wäre sonst nichts liege und die Besorgnis wachse, daß die englische und ameri⸗ kanische Auffaffung von der Unabhängigkeit Chinas sich nicht mit denen Japans decke. Die Gefahren des Militarismus, die in England und Amerika so sehr gepredigt würden, scheinen Japan nicht zu beunruhigen. Die amnerikanische Presse zur Note an Deutschland. W. B. London, 25. Juli. Das Reutersche Bureau meldet aus Newyork: Die Blätter sind einstimmig der Meinung, daß die Vereinigten Staaten in der Angelegenheit der Unterseeboote ihr letztes Wort gesprochen haben und der Ausgang der Sache werde nur von Deutschland abhängen. Die Fassung der Note wird allgemein gelobt. Man vertraut darauf, daß die Nation den Präsidenten unterstützen werde, was immer auch kommen möge. Der Newyork Herald sagt: Es bleibt jetzt Dentschland kein Mittel mehr, um sich den Folgen einer Tätigkeit, wie es die Versenkung der„Lusitania“ war, zu entziehen. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als den Unterseebootskrieg nach dem Völkerrecht zu führen.— World schreibt ähnlich.— Das Blatt of Commerce erklärt: Die Note ist in energischem Tone gefaßt. Man kann daraus schließen, daß man nichts anderes erwartet, als ein Nachgeben Deutschlands.— Die Newyork Times schreiben: Mit, Mut und Entschlossenheit haben Wilson und Lansing dem Willen des amerikanischen Volkes Ausdruck gegeben, daß es Zeit ist, den langwierigen Besprechungen ein Ende zu machen, bei denen auf den Einspruch und die Forderungen Amerikas von Deutschland stets ausweichend geantwortet worden ist. Neues Flottenprogramm Wilsons. T. U. Amsterbam, 26. Juli. Reuter meldet aus Washington: Nach Veröffentlichung der Note an Deutschland wird bekannt, daß Präsident Wilson die Chefs der Marine und des Heeres um Be⸗ richt über die nationale Verteidigung ersuchen ließ. Ohne Ver⸗ bindung mit den gegenwärtigen Differenzen habe der Präsident bereits vor einiger Zeit ein neues Flottenprogramm erwogen, das er jetzt dem Kongreß vorzulegen gedenke. Obleich er in erster Linie wisse, daß die amerikanische Flotte an Kraft und Brauchbax⸗ leit den Flotten der anderen Nationen gleichstehe, so sei der Prä⸗ sident doch gewillt, in seiner Votschaft den Kongreß ein Programm zur Verstärkung des Heeres vorzulegen, das eine richtige mili⸗ tärische Ausbildung der Bürger vorsieht, wie sie den amerikani⸗ schen Traditionen entspricht. Es heißt, daß bezüglich dieses Teils des allgemeinen Programms bereits einige ganz bestimmte Be— schllisse gefaßt sind. 0 Bevorstehende Räumung Warschaus. T. U. Genf, 26. Juli. Nach einer Mitteilung des Temps bereiten sämtliche Pariser Blätter die Bevölkerung auf die Notwendigkeit der Preisgabe von Warschau durch den Groß— fürsten Nikolajewitsch vor, der die Verbündeten schon von einem anderen Verteidigungsplan durch Vorbereitung einer neuen Linie hinter dem Bug Kenntnis gegeben habe. Der Fachkritiker einer großen französischen Zeitung schrieb noch gestern: Der russische Generalstab hat durch Maßnahmen jüngsten Datums dafür gesorgt, daß Rozan, Pultusk und Segrsze hartnäckigen Widerstand leisten und die Absicht des Feindes, sich Warschau zu nähern, vereiteln werden. Ent⸗ sprechend erklärten sich vorgestern alle vom Botschafter Isvolski inspirierten Organe. Große Ueberraschung riefen deshalb die jetzt in Paris vorliegenden Petersburger Depeschen hervor, welche im wesentlichen die deutschen Meldungen be— stätigen. M. B. Berlin, 26. Juli.(Priv.⸗Tel.) Nach dem Berliner Lokalanzeiger teilt die Petersburger Telegraphen-Agentur mit: Die Fabriken und Werkstätten von Warschau und Um⸗ gebung, die für die Militärkommandos arbeiten, wurden wegen der Schwierigkeit der Beschaffung von Brennmaterial und wegen der Nähe der Front auf Kosten der Regierung ins Innere des Landes verlegt. Oesterreichische„Brummer“ vor Jwangorod. T. U. Paris, 26. Juli.(Indirekt) Tribune de Geneve teilt aus Innsbruck mit, daß die Oesterreicher sieben 42 Emtr.- und zwei 50 Emtr.⸗Kanonen gegen Iwangorob geführt haben, welches jetzt mit furchtbarer Wirkung bombardiert wird.. auf der Welt und als müßte gerade dieser Vorgang in seinem innersten Wesen erforscht werden. Erwacht dann das innere Bewußtsein aus solcher träumerischer Versenkung, so fährt der Gedanke an das erlittene Unheil wie mit tausend schnei— denden Waffen aufs neue durch alle Lebensnerven, durch— zuckt das ganze Wesen und ein lauter Aüfschrei spricht es aus, was über das selbstvergessene Menschenherz gekommen. Diethelm fuhr so heftig auf, daß er mit dem Leitseil die Rappen herumriß, so daß sie sich nur mühsam auf den Beinen hielten. Diethelm sprang heraus, und es gelang ihm bald, das Fuhrwerk wieder flott zu machen; er stieg aber nicht mehr ein, sondern heftig trappend neben den Pferden her bis zur Schmiede im Dorfe, wo er die Pferde frisch griffen ließ, während er nach dem Waldhorn ging. Der Waldhornwirt war noch nicht zuweg, und als er kam, war er überaus übel launisch über die heutige Ausfahrt. „Wir sollten heut lieber daheim bleiben,“ sagte er,„alle Wege sind verschneit, der Wind treibt allen Schnee auf den Straßen zusammen, und es ist heute so sträflich kalt, daß der Hungerbrunnen zugefroren ist; das erinnern sich die ältesten Leute nicht.“ Diethelm sah den Vetter starr an, preßte die Lippen und sagte endlich:„Wir müssen fort, und da ist nichts mehr zu reden.“ Der Waldhornwirt holte sich eine große Schale Kaffee aus der Ofenröhre, und während er auf das Erkalten wartete dem Diethelm mit schnaubender Ungeduld zusah, sagte er: „Wenn heute das Unglück wollte, daß ein Feuer auskäme man hätt' keinen Tropfen Wasser zum Löschen, das ganze Dorf wär' verloren.“ Diethelm kam es vor, daß der Vetter bei diesen Worten ihn so seltsam anstierte, und er verfiel plötzlich in ein grinsen— des Lächeln; er überlegte rasch, ob er auf das Gehörte ant⸗ 0 sollte, aber Schweigen konnte Mißtrauen erregen en er aufstehend:„Glaubst du auch an die Prophe⸗ „Nein, aber möglich könnt' es sein.“ f „Nein, aber möglich könnt' es doch sein.“(Forts. folgt.) Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. — Die neuen Maßnahmen des Bundesrats. Die Bundesratsverordnungen, die am Freitag beschlossen und am Samstag veröffentlicht wurden, sind unseren Lesern bekannt. Sie enthalten im wesentlichen eine neue Festsetzung der Höchstpreise für Brotgetreide, Gerste und Hopfen und eine energische Abwehr des Lebensmittelwuchers. Was die Höchstpreise für Getreide betrifft, so hat man sie vernünftigerweise nicht erhöht, sondern bei dem bisherigen Stand gelassen. Ja, man ist insofern noch etwas weiter der berechtigten Kritik an der bisherigen Höhe dieser Preise ent— gegengekommen, als man statt der bisherigen 32 Höchstpreis— bezirke vier größere Preisgebiete eingerichtet hat und die Spannung, die im Vorjahr zwischen den Bezirken von 209 bis 237 Mark betrug, auf 215 bis 230 Mark verringert, was immerhin eine bei der Größe der in Frage kommenden Ge— treidemengen eine kleine Preisreduzierung bedeutet. Für unsere Gegend gilt der Höchstpreis von 230 Mark. Auf der andern Seite sind allerdings erneut große agrarische Vorteil! festgelegt worden. Sie bestehen zunächst darin, daß man die Höchstpreise für Hafer und Gerste bedeutend erhöht hat. Sie haben jetzt einen Einheitspreis von 300 Mark bekommen und noch dazu die besondere Prämie, daß die Qualitätsgerste, die für Brauzwecke, Graupenfabrikation und Malzkaffeerzeugung in Frage kommt, überhaupt nicht mit Höchstpreisen versehen ist, sondern dem freien Spiel der Kräfte überlassen bleibt. Sehr bedauerlich ist auch, daß das Verhältnis von Getreidepreis zum Mehl— preis trotz erneuter Forderung nicht begrenzt worden ist. Allerdings können jetzt nach der früheren Verordnung vom 28. 6. d. J. nur die Kommunalverbände Getreide er— halten und daraus Mehl erzeugen. Die Ueberschüsse, die die Kommunalverbände dann aus der Differenz zwischen Getreide— und Mehlpreis abzüglich Mahllohn und Spesen ihrer Kasse abführen können, sollen nach der genannten Verordnung ausschließlich für Volkswohlfahrtszwecke verwendet werden. Indessen wissen wir, daß in den ländlichen Kommunal- bezirken die agrarischen Interessen vorangestellt werden und daß auch die Großmühlen ihr Interesse hier durchzusetzen wissen. Es wird also leider keine Aussicht sein, daß die Mehl— preise und damit— worauf es für die Masse der Bevölkerung ankommt— die Brotpreise fürderhin herabgesetzt werden. Die Erhöhung der Futtermittelpreise, soweit Hafer und Gerste in Frage kommen, und das Bestehenlassen der hohen Höchstpreise für Weizen und Roggen wird nun in der offiziösen Kundgebung und in allen Blättern, die sich ihr kritiklos angeschlossen haben, mit den besonderen Teuerungs— verhältnissen und besonderen Schwierigkeiten in der Land— wirtschaft begründet. Demgegenüber muß mit allem Nach— druck betont werden, daß diese Verhältnisse auch auf der übrigen Bevölkerung genau so schwer lasten; daß umgekehrt die Landwirte durchgängig den besonderen Vorzug vor der ganzen übrigen Bevölkerung haben, daß sie im allgemeinen Nahrungsmittel nicht zu kaufen brauchen, sich damit vielmehr selbst versorgen können und so die besonderen Ausbeutungen, unter denen die ganze übrige Bevölkerung am meisten leidet, gar nicht empfinden. Dazu kommt ferner, daß sie ja nicht bloß— womit besonders hausiert wird— Futtermittel kaufen müssen, die allerdings enorm im Preise gestiegen sind, sondern daß sie ja auch Futtermittel verkaufen, ebenso wie sie nicht nur Vieh zur Zucht kaufen, sondern auch Muttervieh zahl— reich verkaufen und dann ungeheure Profite einheimsen. Im übrigen aber scheint es uns, als ob gerade für die Landwirte, die sich doch eines besonderen nationalen Empfindens früher gerühmt haben— wenn sie jetzt auch zugeben, daß gegen— wärtig alle anderen Klassen genau so national empfinden und handeln— als ob die Landwirte dem Vater— lande besonderen Dank schuldeten, weil unsere unvergleichlichen Heeresmassen den Feind von ihren Fluren abgehalten haben, sodaß sie in Ruhe ihr Land bestellen und ihren erhöhten Verdienst einscheffeln könnten. Keine andere Klasse der Nation hat für ihre Erhaltung dem Heere so viel Dank abzustatten, wie die Landwirtschaft und sie sollte das wenigstens, wenn durch nichts anderes, so dadurch tun, daß sie mindestens kein Vorrecht vor den übrigen Volksklassen verlangt. Die Verordnung gegen den Lebens mittel— wucher schließt sich, wie hier schon ausgeführt wurde, tat— sächlich an die mit Recht so berühmt gewordene Verordnung des Münchener stellvertretenden Generalkommandos an. Sie bedroht mit Enteignung und bestraft mit Gefängnis und mit hohen Geldbußen den, der für Gegenstände des täglichen Bedarfs, insbesondere für Nahrungsmittel, einen über— mäßigen Gewinn erhält oder gewährt und den, der Gegen— stände dieser Art zurückhält, um dadurch übermäßige Gewinne zu erzielen. Es kann neben Gefängnis und Geldstrafen auf Einziehung der Vorräte erkannt und die Schuldigen können öffentlich bekannt gemacht werden. Das ist eine sehr energische Sprache und ein erfreulicher Erfolg der einmütigen Bewegung gegen den Lebensmittelwucher. Wir hoffen einerseits, daß diese Verordnung möglichst selten in Anwendung zu kommen braucht, aber andererseits, daß, wo die in ihr bezeichneten Fälle vorliegen, sie mit desto größerer Rücksichtslosigkeit be— nutzt wird, um wenigstens die übelsten Erscheinungen der gegenwärtigen Lebensmittelversorgung auszumerzen. Leider sind die Begriffe in dieser Verordnung recht dehnbar und es wird großer Umsicht und Tatkraft bedürfen, um sie in den not— wendigen Fällen zur Anwendung zu bringen. Den Vertretern der Arbeiterorganisationen und ihrer Presse wird hierbei die besondere Aufgabe zuteil, zu beobachten und ganz rücksichts⸗ los die Lebenswucherer an den Pranger zu stellen. Das können sie umso leichter, als die Militärbehörden selbst damit voran— gegangen und ein Muster geblieben sind. Und die sozialdemo— kratische Presse wird auf dem beschrittenen Wege fortfahren, unbeirrt von allen Anfeindungen, ohne sich um die Vorwürfe, daß sie dadurch den Burgfrieden störe, zu kümmern. Den Burg⸗ frieden gefährdet und stört nicht der, der den Lebensmittel— wucher scharf bekämpft und beim rechten Namen nennt, sondern ihn stört einzig der, der ihn treibt oder der ihn duldet. Außerordentlich bedauerlich ist schließlich, daß man mit dieser Ordnung der Getreideverhältnisse nicht auch schon sofort eine Ordnung der Kartoffelfrage in Angriff genom men hat. Uns wird berichtet, daß schon seit Wochen wieder Agenten im Lande herumreisen, um die Kartoffeln aufzu kaufen und nach dem berühmten Muster des Vorjahres einen neuen Kartoffelwucher in Szene zu setzen. s muß sofort mit der Beschlagnahme der neuen Kar— toffelernte und mit Höchstpreisen dagegen vorgegangen werden, wenn nicht die üblen Erscheinungen des Vorjahres wieder zum Schaden des Volksganzen eintreten sollen. Auch hat der Bundesrat noch keinerlei Schritte in der Fleischfrage getan, obwohl hier einer der größten Bundesstaaten— Sachsen— durch seinen Minister des Innern besondere Vorschläge gemacht und Forderungen erhoben hat. Die sächsische Eingabe an den Reichskanzler, die vor wenigen Tagen durch die Presse ging, forderte be kanntlich Höchstpreise für Schlachtschweine in Gestalt von Stallpreisen und will den Kommunalverbänden die Pflicht auferlegt sehen, Höchstpreise für Schweinfleisch festzusetzen. Ferner soll ein Verbot der Schlachtung von nicht schlacht— reifem Vieh ausgesprochen werden. Die Eingabe beschränkt sich bewußt nur auf das Schweinfleisch, weil der sächsische Minister des Innern annimmt, und zum Teil mit Recht, daß der Markt des Schweinefleisches den ganzen übrigen Fleisch— markt reguliert. Von diesem vernünftigen sächsischen Vor schlag hat der Reichskanzler nichts verwirklicht; man muß ihn bei jeder Gelegenheit daran erinnern, diese Forderungen endlich zu erfüllen. So sehen wir trotz mannigfachen Fortschritten und trotz dem guten Willen, der die neue Verordnung des Bundesrats durchzieht, doch keine grundsätzliche Besserung und keine Er— füllung der größten und vielleicht wichtigsten Forderungen, die die große Masse des Volkes— je länger der Krieg dauert, desto zwingender— aufstellen mußte. Es wird Aufgabe des demnächst zusammentretenden Reichstages sein, auf eine Ab— änderung der Bundesratsverordnungen in diesem Sinne hinzuarbeiten. Die Höchstpreise für Getreide. Aus Berlin meldet unterm 23. Juli das Wolffbureau amtlich: Der Bundesrat hat am 23. Juli Höchstpreise frü Brotgetreide, Gerste und Hafer für das kommende Wirtschaftsjahr festgesetzt. Wenn auch die er— höhten Produktionskosten und die vermehrten Schwierig— keiten des landwirtschaftlichen Betriebes in diesem Jahre, be— sonders auch das voraussichtlich geringere Ernteergebnis, eine Erhöhung der Preise wohl gerechtfertigt hätten, hat der Bundesrat doch mit Rücksicht auf eine möglichst wohlfeile Ernährung der deutschen Bevölkerung an den bestehenden Preisen für Brotgetreide festgehalten und nur die Zahl der gegenwärtigen 32 Höchstpreisbezirke auf 4 große Preisgebiete unter gleichzeitiger Einschränkung der Preisspannung ver— ringert. Danach bleibt der Grundpreis für den Bezirk Berlin wie bisher auf 220 Mark für die Tonne Roggen. Vom 1. Januar 1916 ab treten wie bisher Zuschläge von 1½ Mark halbmonatlich hinzu. Der Preis für Weizen ist wie in diesem Jahre auf 40 Mark über den Roggenpreis festgesetzt. Für Hafer und Gerste sind, um wenigstens eine Annäherung an die stark gestiegenen Preise für die übrigen Futtermittel zu erreichen, Einheitspreise für das ganze Reich von 300 Mark festgesetzt. Dabei ist die Gerste für gersteverarbeitende Be— triebe, ebenso alles Saatgetreide, wie in diesem Jahre an die Höchstpreise nicht gebunden. Höchstpreise für Zucker— Aufhebung der Zuckersteuer. Als guter Ersatz für die mangelnden Nahrungsmittel wurde besonders von unseren akademischen Strategen auf dem Ge— biete der Nahrungsmittelversorgung die Konsumierung des Zuckers empfohlen, an dem kein Mangel sei. Wie steht's nun damit? Kein Zweifel besteht darüber, daß auch der Zucker nur zu unerhört hohen Preisen zu haben ist. Wer kann daher noch vom Zucker als einem guten und billigen Ersatzmittel in der Zeit der Teuerung reden? Die Klagen über die Verteuerung des Zuckers kommen aus allen Kreisen der Bevölkerung. So schreibt die Berl. Morgenzeitung: „Einen wirklichen, tatsächlichen Zuckermangel haben wir nicht. Der bestehende Zuckerwucher aber hindert die Aus— nutzung dieser tatsächlich vorhandenen Ernährungsmöglich keiten mit Zucker. Die Schuld an dem Zuckerwucher schiebl einer dem andern zu... Die Konsumenten aber, die Zuckerverbraucher, leiden, und der Volksernährung fehlt ein tatsächlich reichlich vorhandenes und ausgezeichnetes Nah rungs- und Genußmittel. Das sind Zustände, die einfach unhaltbar geworden sind! Umso unhaltbarer und unge— sünder, als sie ganz klar und verhältnismäßig leicht geändert werden könnten. Wir haben schon wiederholt auf die gänz— liche Beschlagnahme hingewiesen und mit ihr zugleich Höchst preise im Kleinhandel gefordert. Dazu fordern wir heute die Aufhebung der Zuckersteuer! Es gibt sicher seit langem in Deutschland keinen ernsthaften Volksfreund mehr, der gegen diese Forderung ist, nur— der Fiskus ist gegen ihn; ihm würden allerdings jährlich etwa 182 Millionen Mark entgehen, die ihm die Zuckersteuer einbringt. Aber was sind jetzt bei den gegenwärtigen Milliardenausgaben 182 Millio— nen Mark? Besonders wenn es sich um die Volksernährung, um die innere Kriegssicherung handelt und darin um ein so vorzügliches und reichliches Nahrungsmittel, dessen Mehrver— brauch jeder fordert. Die Zuckersteuer aber belastet jedes Pfund Zucker des Menschen mit über 5 Pfennig! Was eine solche Belastung bezw. ihre Aufhebung für die Masse der Be völkerung bedeutet, ist klar. Trotzdem findet sich kein Ent— gegenkommen der Regierung gegen die Bevölkerung; aber dem Vieh ist man auch auf diesem Gebiete entgegengekommen, ebenso den Brennereien. Das liebe Vieh genießt bei seinem Zuckerverbrauch als Futtermittel bereits volle Steuerfreiheit, die Brennereien zahlen für ihre Schnapszwecke nur noch 2 Mk. (statt 14 Mark!) für den Doppelzentner Steuer. Die Land— wirte und die Spirituszentrale können sich also wirklich nicht beklagen, desto mehr aber die übrigen Menschen, die Masse der Bevölkerung. Die Zuckersteuer aber ist überhaupt eine der ungerechtesten und unsozialsten Steuern. Der bekannte Steuertechniker und Universitätsprofessor Gerloff hat schon vor Jahren berechnet, daß auch und vor allem diese indirekte Steuer ein Einkommen desto höher belastet, je geringer es an sich ist. Er kam zu dem Ergebnis, daß die Steuerbelastung des Einkommens durch die Zuckersteuer für die Armen bis 0,88 Prozent beträgt, bei den Bemittelten nur bis 0,33 Pro— zent, bei den Wohlhabenden sogar nur bis 0,24 Prozent. Das heißt: der Arme zahlt mehr als dreimal so viel Zucker- steuer im Verhältnis zu seinem Einkommen, als der Wohl- habende! Sind das schon in Friedenszeiten ungeheuerlich ungesunde Zustände, so erst recht und vielmehr in Kriegs- zeiten. Auch darum fordern wir jetzt die Aufhebung der Zuckersteuer.— Im August tritt der Reichstag zusammen. Wenn die Regierung bis dahin nichts Durchgreifendes gegen den Zuckerwucher getan hat, muß er unbedingt eingreifen, und die Wähler aller Parteien müssen ihre Abgeordneten in dieser wichtigen Aufgabe der Gegenwart an ihre Pflicht mahnen. Wir brauchen Zucker, wir besitzen ihn; wir wollen ihn zu billigen, erschwinglichen Preisen, und um diese zu er⸗ reichen, ist nichts nötig als völlige Beschlagnahme, niedrige Höchstpreise im Kleinhandel und Aufhebung der Zuckersteuer. Wo ein Wille ist, muß ein Weg sein!“ Die Fleischpreise stehen bei uns in Gießen noch immer auf der höchsten Höhe, obwohl die Schlachtviehpreise merkbar zurückgegangen sind. Fleisch ist tatsächlich ein Luxusartikel geworden, wenigstens für die arbeitende Bevölkerung, in deren Kreisen auf den Fleischgenuß fast völlig verzichtet wer⸗ den muß. Es gibt zwar Leute, die es für überflüssig halten, Fleisch zu essen das heißt für andere, nicht für sich— wir können diese Ansicht aber keineswegs teilen. Zumal halten wir jetzt, wo sich jede nicht mit Reichtümern gesegnete Familie aufs äußerste einschränken muß, Fleischnahrung für unbedingt nötig, weil sonst Unterernährung mit allen ihren schädlichen Folgen zu befürchten ist. Aus anderen Gegenden werden übri— gens ganz erheblich billigere Fleischpreise gemeldet, als sie in Gießen bezahlt werden müssen. — Die Ferien der Volksschule in Gießen beginnen nächsten Montag und dauern bis zum 28. August. Für Oktober sind nochmals eine reichliche Woche Ferien vorgesehen und zwar vom 1. bis 9. Oktober, die aber unter Umständen noch verlegt werden. — Eine gefährliche Unsitte. Es gibt Leute, welche der törichten und unappetitlichen Unart huldigen, ihren Hund zu küssen, besonders von Frauen kann man dies hier und da beobachten. Aus Zahna in Sachsen wird von einem Falle berichtet, daß eine junge Dame, die ihren Hund geküßt hatte, schwer erkrankte, so daß sie operiert werden mußte. Bei der Operation fand sich, daß in der Leber massenhaft Blasen— würmer vorhanden waren. Es gelang der ärztlichen Kunst jedoch, die Leber von den gefährlichen Parasiten zu befreien. Meistens verlaufen solche Fälle tödlich, und nicht genug mögen Hundebesitzer und noch mehr Hundebesitzerinnen ge— warnt werden, die Hunde zu küssen. — Gegen die Preistreiberei auf dem Wochenmarkte schreitet die Polizei in Friedberg energisch ein. Am Samstag wurden die Verkaufspreise auf dem Markte geprüft und wo zwischen Einkauf und Verkauf ein zu großer Unter- schied klaffte, brachte sie die Händler rücksichtslos zur Anzeige. Außerdem wurde verboten, Ueberstand zurückzulassen. Die Folge war, daß der Markt ein recht„normales“ Aussehen in wenigen Viertelstunden erhielt und seit Monaten nicht dagewesene Preise aufwies. Das Vorgehen verdient Nach— ahmung. Durchbrechung der Petroleum⸗Höchstpreise. Bei der Leitung des Verbandes des Rabattsparvereine Deutschland in Hannover ist folgendes Telegramm eingelausen:„Berlin, den 18. Juli 1915. An den Verband der Rabattsparvereine Deutschlands, E. V. Han⸗ nover. Bin geneigt, auf Grund§ 2 Bekanntmachung über Höchst⸗ preise für Petroleum vom 8. Juli in geeigneten Fällen Einzelfirmen und Einzelpersonen auf Antrag für Verkauf genau zu bezeichnender Mengen Befreiung von Höchstpreisen zu bewilligen. Antragsteller hat Attest der Gemeindebehörde beizubringen, daß er bereits vor dem 1. August v. J. Handel mit Petroleum betrieben hat. Reichs⸗ kanzler. Reichsamt des Innern. Auftrag Miller.“ Die Verbands⸗ leitung hat die Vorstände der Verbandsvereine unverzüglich dahin unterrichtet, daß diejenigen Detailhändler, welche Petroleum wesent⸗ lich teurer als jetzige Höchstpreise eingekauft waben(3. B. rumäni⸗ sches), beim Regierungspräsidenten ihres Bezirks sofort ent⸗ sprechende Befreiungsauträge stellen mögen.— Wir verkennen durch⸗ aus nicht die schwierige Lage, in die mancher kleine Händler, der sich mit einigen Vorräten an Petroleum zu höheren Preisen ein⸗ gedeckt hat, durch die Höchstpreisfestsetzung geraten ist. Indessen ist zu befürchten, daß die jetzt zugelassene Durchlöcherung der Höchst⸗ preisfestsetzung der Spekulation wieder Tür und Tor, wenn auch nur auf eine kurze Spanne Zeit öffnen wird. Hier muß die Reichs⸗ regierung Vorsorge treffen, daß nicht durch den Schutz einzelner Händler die ungleich höheren Interessen der Gesamtverbraucher⸗ schaft Schaden nimmt. Heilanstalt sstr tuberkulose-verdächtige Kinder. Die von der Landesversicherungsanstalt Großh. Hessen im Solbad Wimpfen a. N. errichtete Station für skrophulöse und tuber⸗ kulose⸗bedrohte Kinder erfreut sich stets wachsender Nach⸗ frage. Erst standen 25 Plätze zur Verfügung, sofort nach der Er⸗ öffnung wurde die Zahl auf 35 erhöht und jetzt sind sogar 50 Betten belegt. Die Verhandlungen wegen weiterer Betten sind augenblick— lich im Gange. Voraussichtlich können noch 10—12 gestellt werden, sodaß die Station über 60—62 Plätze verfügen wird. Vornehmlich sind es die Städte und Kreise Darmstadt, Maing, Gießen, Offenbach und Worms, die die Station beschicken, die übrigen Kreise sind naturgemäß weniger vertreten. Die meisten Kinder entsendet aber die Landesversichevungsanstalt selbst, indem sie sast sämtlichen Waisen— auch Halbwaisen— die von ihr Renten beziehen und ent⸗ weder skrophulös oder tuberkulose⸗ bedroht sind, eine kostenlose Kur in Wimpfen angeboten hat. Von diesem Anerbieten wurde, wie nicht anders zu erwarten, veichlicher Gebrauch gemacht. Zur Zeit sind etwa 60 Kinder für Wimpfen vorgemerkt, die wegen Platzmangels noch nicht eingewiesen werden konnten. Es ist aber zu erwarten, daß ein großer Teil in den nächsten Tagen eingewiesen werden kann. Ende Juni fanden die ersten Entlassungen statt und es wurde durchweg ein guter Kurerfolg erzielt, dessen Wirkung sich natürlich, wie dies bei Solbädern der Fall, in der Folgezeit moch steigern wird. Unter den eingewiesenen und vorgemerkten Kindern befinden sich auch einige Kriegerwaisen. Auf die„Bimbächer“ Aufführung heute Abend im Stadt⸗ theater sei nochmals ausmerksam gemacht. Die Vorstellung beginnt um 8 Uhr. Telegramme. Tagesbericht des Großen Hauptguartiers. Der eiserne Ring um Warschau schließt sich Vorwärts in Kurland und Südpolen. W. B. Großes Hauptquartier, 26. Juli, vorm.(Amtlich) Westlicher Kriegsschauplatz. Auf der ganzen Front kein besonderes Ereignis. a Oestlicher Kriegsschauplatz. Nördlich des Njemen erreichte die Armee des Generals v. Below die Gegend von Pos wol und Poniewitz. Wo der Gegner noch Stand hielt, wurde er geworfen. Ueber 1000 Russen wurden zu Gefangenen gemacht. An der Narewfront erzwangen unsere Truppen nuch oberhalb Ostrolenka den Uebergang; unterhalb da— von drängen sie den erbitterten Widerstand leistenden Gegner langsam gegen den Bug zurück. Einige tausend Russen wurden gefangen, über 40 Maschinengewehre erbeutet. Gegen die Nord- und Westfront der Festungs⸗ gruppe von Nowo⸗Georgiewsk und Warschau schieben sich die Einschließungstruppen näher heran. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nördlich der Linie Wojslawice⸗(südlich von Cholm) Hrubieszow(am Bug) haben deutsche Truppen in den Kämpfen der letzten Tage den Feind nach Norden weiter zurückgedrängt. Gestern wurden 11 Offiziere, 1457 Mann gefangen genommen, 11 Maschinengewehre er⸗ beutet. Im übrigen ist die Lage westlich der Weichsel und bei den verbündeten Armeen des Generalobersten v. Mackensen unverändert. Oberste Heeresleitung. Notiz: Poswol und Poniewitz liegen etwa 60 Kilometer östlich bezw. südöstlich von Schaulen. 0 Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Eroberung eines russischen Stützpunktes am Bug. Vergebliche Angriffe der Italiener. Wien, 26. Juli.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 26. Juli 1915, mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Südlich Sokal eroberten unsere Truppen einen für uunsere Brückenköpfe am östlichen Bugufer wertvollen Stützpunkt, wobei 1100 Gefangene und 2 Maschinengewehre in unsere Hand fielen. Nordwestlich Grubieszow gewannen deutsche Kräfte ernent Raum. An den anderen Teilen der Front trat keine Aenderung der Lage ein. i Italienischer Kriegsschauplatz. Gestern entbrannte der Kampf um den Rand des Plateaus von Doberdo aufs neue. Tag und Nacht griffen die Italiener an der ganzen Front ununterbrochen mit größter Heftigkeit an. auch der neue Aufwand an Kraft und Opfern war umsonst. Nur vorübergehend erzielte der Feind örtliche Erfolge. Heute bei Morgengrauen waren die ursprünglichen Stellungen wieder ausnahmslos im Besitze der heldenmütigen Ver⸗ teidiger. Gegen den Görzer Brückenkopf unternahm der Gegner einen neuen Angriff. Heute früh setzte das Massenfeuer der italienischen Artillerie im Görzischen wieder ein. Im Krun⸗ gebiete wurde gestern nacht ein feindlicher Angriff im Hand⸗ gemenge und mit Steinwürfen zurückgeschlagen. Die zurückgehen⸗ den Italiener erlitten in unserem Geschützfeuer starke Ver⸗ In ste. Einer unserer Flieger belegte Verona mit Bomben. An der Kärntner und Tiroler Front hat sich nichts von Bedeutung ereignet. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. Urteile über die Lage im Osten. Ein schweizerisches Urteil. 5 Ueber die Kämpfe im Osten äußert sich die Neue Zürcher Zeitung wie folgt:„Die gegenwärtigen deutsch-österreichischen Operationen auf dem östlichen Kriegsschauplatz geben das Bild eines Einkreisungsmanövers und einer Um- fassungsschlacht, wie es großzügiger angelegt und konsequenter durchgeführt die Kriegsgeschichte bis jetzt nicht annähernd kennt. Weder Cannä, Ulm noch Sedan bieten der räumlichen Ausdehnung nach auch nur im ent— ferntesten einen Vergleichsmaßstab. Auf einem Bogen, der über 500 Kilometer mißt, vom Bobr bis zum Bug, streben die deutschen und österreichisch-ungarischen Heere unter Hindenburgs und Mackensens Oberleitung aus westlicher und südlicher Richtung gegen die langen und hartnäckig gehaltenen russischen Stellungen, die sich der Bobr-, Narew- und Weichsel— linie entlang auf nicht weniger als neun Flußfestungen stützen konnten. Auf der nördlichen wie auf der östlichen Flanke, vom Njemen bis zur Dubissa und Windau, dem oberen Bug, der Zlota-Lipa und dem Dnjestr entlang sichern andere Heere den konzentrischen Vormarsch vor unliebsamer gegnerischer Einwirkung. Dabei ist dieser Flankenschutz so angelegt und wird so durchgeführt, daß er besonders von Norden her wiederum umfassend wirken kann und die russisch— Njemenstellung in der Flanke zu packen vermag. Es ist daher kein Wunder, wenn die russische oberste Heeresleitung unter dem Eindruck dieses riesenhaften Einkreisungsverfahrens ihre Truppen zum Teil kampflos hinter die schützenden Fluß— schranken führt und von langer Hand vorbereitete Stellungen ohne Kanonenschuß preisgibt, wie das zwischen der unteren Weichsel und der Pilica in der Richtung auf Warschau zu geschehen ist. Nur auf diese Weise ist es noch möglich, dem Zaren die nötigen Feldheere schlagfertig zu erhalten, deren er zu einer Weiterführung des Krieges bedarf.“ Ein dänisches Urteil. W, politiken“ schreibt in einem Leitartikel über den Krieg, eine gewaltige Umkreisungsschlacht, ein modernes Sedan über eine Front von 500 Kilometer stehe in Polen bevor. Die größten Ergebnisse hätten die Deutschen nördlich an der Narewfront erzielt. Sie nähern sich nun dem Unterlauf des Bug und bedrohen die Haupteisenbahn von Warschau nach Wilna—Dünaburg—Peters⸗ burg. Im Süden rücken die Zentralmächte zwar langsam vor, aber jedenfalls sei auch die südliche Bahnlinie Polens nach dem Innern Rußlands(JIwangorod—Lublin—Cholm— Kowel) ernstlich bedroht. Wenn diese Linie verloren gehe und die Deutschen gleichzeitig die Nordlinie nehmen, werde das russische Millionenheer an der . Weichselfront mit seiner Basis in Rußland nur noch durch eine einzige Bahn, die Gabelbahn von Warschau und Iwangorod bis Aber Brest⸗Litowsk verbunden sein, was zu wenig sei. Vielleicht werden sich aber die Russen zu diesem zweiten Sedan nicht locken lassen. Im Vergleich zur Sicherung des russischen Heeres spielen Festungen wie Warschau und JIwangorod nur eine untergeordnete Rolle. Was die Italiener sagen. Der Durchbruch der russischen Narewlinie ist der italienischen Presse äußerst un a ngenehm. Sie druckt den deutschen Kriegsbericht über den wichtigen Sieg mit kleinsten Buchstaben. Secolo meint kurz, der Fall von Rozan und Pultusk bedeute für die Russen einen schweren Verlust und könnte sie unmittelbar zur Räumung des Ab⸗ schnitts WyszkowNowo-Georgiewsk zwingen. Einen aus⸗ führlichen Kommentar bringt nur Corriere della Sera; er schreibt: Auch Optimisten müßten die russische N ieder⸗ lage als schwer bezeichnen. Es handle sich nicht um einen kleinen Keil oder ein leicht verstopfbares Loch im russischen Körper, sondern um einen Durchbruch auf 30 Kilometer Front, wo sich drei Armeekorps leicht entfalten und Artillerie⸗ massen nach der erneuten napoleonischen Taktik auffahren können. Auch der Fall Ostrolenkas, das den deutschen eine vierte Straße auf Warschau öffnet, sieht Corriere als bevor— stehend voraus. Die Russen finden nunmehr am Bug eine gute Verteidigungslinie vor, aber es sei zweifelhaft, ob sie noch Widerstandskraft besitzen. Außerdem hänge das Schicksal der beiden Seiten der russischen Stellung in Polen gegen⸗ seitig von einander ab. Wenn die deutsche Zange sich noch enger um sie schließe, so laufen sie einfach Gefahr, eingedrückt zu werden. Deshalb erwartet der Militärkritiker des Corriere, daß die Russen Warschau räumen und den Kampf weiter östlich wieder aufnehmen. Das Abkommen zwischen der Türkei und Bulgarien abgeschlossen? Der Times wird nach der Frankf. Ztg. aus Sofia ge⸗ meldet: Das Abkommen, wonach an Bulgarien die Dedeagatsch— Eisenbahn abgetreten wird, wurde am 22. Juli in Kon⸗ stantinopel unterzeichnet. Das gesamte Gebiet westlich des Flusses Marizza wird bulgarisch. Das Uebereinkommen schließt keinerlei politische Verpflichtungen für beide Teil ein Weiter meldet die Times aus Sofia: Bulgarien ver— pflichtet sich ebensowenig neutral zu bleiben, wie die Durch⸗ fuhr der Kriegskonterbande nach der Türkei zu gestatten. Nach dem neuen Abkommen erhält Bulgarien die Eisenbahn, die durch die Türkei geht, in ihrer ganzen Ausdehnung: Kara⸗ gasch, Demotiko und Kulel⸗Burgas. Die bulgarische Grenze läuft längs der Marizza, so daß das Gebiet westlich davon den Bulgaren zufällt. Rund um Cara, einem Bahnhof vor Adrianopel, macht Bulgarien Anspruch auf eine Zone von etwa 2900 Meter. Falls ihm diese zugestanden wird, wird eine neue Eisenbahn angelegt werden, 1 neuen unabhängigen Zugang zu Adrianopel verleiht. g Die Antwort der Entente auf die letzte Note Bul⸗ gariens wird nun mit Spannung abgewartet. Cs i vorhanden für die Annahme, daß, wenn Bulgarien e Zukunft Mazedoniens beruhigt wird und Garantien 1 0 einen Angriff der Nachbarstaaten erhält, eine bemerkens wer 5 Aenderung in der Richtung seiner Politik eintrete. 1 Trotz dieser beruhigenden Mitteilungen aus Sofia wird die Times zu der Bemerkung veranlaßt, daß es un wa 0 155 scheinlich sei, daß die Türkei sich einer solch wichtigen Gebietsentäußerung unterziehe, ohne die Sicherheit der einen oder anderen politischen Gegenleistung zu haben. Rassische Niederlage im Kaukasus. T. u. Konstantinopel, 26. Juli. Nach einer authenti⸗ schen Privalmelhüng des Sunn wurde im Kaukasus der 15 unserem rechten Flügel gegenüberstand, durch einen e 2 5 1 andauernden Basonettangriff zurückgeschlagen. Ante 17 1 Toten befindet sich auch eine Anzahl rassischer Offiziere. Me 55 Tausend Russen wurden gefangen genommen, sowie 1 D Menge Lebensmittel, Munition, Gewehre und Befes nene material erbeutet. Heute griffen unsere Truppen 95 rech 55 Flügel des Feindes an. Unsere seit drei Tagen an B Offensive hat die Russen bis auf 50 Kilometer zurückgokrie den. 8 Russen befestigten Batum aus Angst vor einem Angriff der „Goeben“. Deutsche U⸗Boote an der Arbeit. 5 Der russische Dampfer„Ribonia“, mit Kohlen von Cardiff nach Rußland unterwegs, ist bei den Orkney⸗ inseln von einem deutschen Unterseeboot torpediert wor⸗ den. Die Besatzung wurde gerettet. Nach einer Reutermeldung ist der U 8 Dampfer„Danage“ nordwestlich von Capewrath versenkt worden. Die Besatzung ist gerettet. Ferner wurde der Dampfer„Fierth“ 8 Vier Mann der Besatzung wurden getötet, sechs an Land gebracht. Auch der Dampfer„Triton“ ging verloren. Kapitän und fünf Mann der Besatzung ertranken. Weiter fielen vier Fischdampfer den deutschem U-Booten zum Opfer. Ihre Besatzungen wurden an Land gebracht. Aus Grimsby wird gemeldet, daß der Fischdampfer „Perseus“ am Samstag in der Nordsee in die Luft ge ⸗ flogen ist. Die Besatzung von 9 Mann wurde getötet. Druck und Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. HD.— Ver⸗ antwortlicher Redakteur: Georg Kaul.— Für den Inseratenteil verantwortlich Aug. Ulrich, sämtlich in Offenbach a. M. Verstorbene. Richard Kuntz, Betriebsleiter in Wetzlar, 59 Jahre alt.— Jakob Dörr, Gastwirt in Erda, 85 Jahre alt. Der Hüte, Mützen känten Ara, Ade ulerwäseie. Militär-Artikel Militär-Mützen Fr Besonders ermässigte Preise. Tafel⸗ Zuckerhonig garantiert rein, ausserordent- lich wohlschmeckend und be- kömmlich, durch grossen Absatz b Ads al Hitag. 2 5 Kilo-Postkolli gegen Nach- nahme Mk. 4.25 Mau verlange Preisliste. Tubllertabrik er.-Eerd (Hessen). 2 Ag. Deulseher Frauenr grain Oberhessische U. Giessen 22 Bahnh Eier-, Wurst-, Kuchen-, Linz allen dachaue Waertplat 1 Flaschen- u. Büchsen-Versand in allen Grössen äusserst billig. Ikszeitung Ortsgruppe Gießen. Auskunftstelle für Frauenberufe. 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