e r —ů—]é—U—U—U———L—?ö zei Organ für die Interessen des werklätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mt. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraßse 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 172 Gießen, Montag, den 26. Juli 1915 10. Jahrgang. In Kriegsgefaugenenfürsorge im deutschen Reich. In Deutschland sind jetzt weit über eine Million Kriegs⸗ gefangene, die verpflegt und versorgt sein wollen, für die Wohnung und Arbeit geschaffen werden muß. Die Versorgung der Kriegs- gefangenen in Deutschland mußte geradezu aus dem Nichts her— gestellt werden, denn wenn Deutschland auch im Frieden für jeden Krieg vorbereitet war, so besaß es doch keine Gefangenen lager, als die Gefangenen kamen und es war auch sonst in keiner Weise im Verhältnis zur Zahl der Kriegsgefangenen eine Vorsorge möglich gewesen. Inzwischen ist das alles reichlich nachgeholt wor— den. Wir haben zurzeit in Deutschland über 130 Gefangenenlager, in denen auf eine im Verhältnis zu den vorhandenen Möglichkeiten wirklich musterhafte Art für die Kriegsgefangenen gesorgt wird. Die Unterbringung, Verpflegung und Beschäftigung unterstand zunächst den stellvertretenden Generalkommandos, die nach Mög— lichkeit ihre Aufgabe durchführten. Sehr bald aber wurde die Unterbringung und Verpflegung der Gefangenen zentralisiert und das preußische Kriegsministerium erließ umfassende grundsätzliche Verordnungen für die Lager. Nachdem diese Verordnungen einige Monate lang durchgeführt worden waren und man ihre Vorteile und Mängel kontrolliertahgtte, wurde vom 22. bis 25. Juni d. J. in Berlin ein besondeder Kursus für die Verpflegungs⸗ offiziere der Gefangenenlager abgehalten. Es handelt sich aber bei diesem Kursus keineswegs nur um die eigentliche Verpflegung der Gefangenen; es wurde das ganze Problem der Gefangenen⸗ versorgung erörtert d eine große Reihe von ersten Wissen⸗ schaftlern Deutschlands waren zur Unterstützung herangezogen worden. Im Vordergrund stand die Ernährungsfrage, in der wieder zunächst die Brotversorgung, der Küchen⸗ dienst, die Bedeutung des Zuckers, des Fleisches und ähnliches besonders untersucht und an Vorbildern zur Nachahmung empfohlen wurde. Daneben wurden aber auch allgemeine Fragen erörtert, wie die Aufbewahrung von Nahrungsstoffen und die produktive Beschäftigung der Kriegsgefangenen, vor allem das gerade für uns sozialpolitisch und ökonomisch so wichtige Problem, ob die Tigenwirtschaft im Gegensatz zum Unternehmerbetrieb Vorteile oder Nachteile habe. Diese Vorträge und Diskussionen sind nunmehr gedruckt und als Manuskript an Behörden und besondere Interessenten zur Verteilung gelangt. Sie liegen auch uns vor und wir möchten einige Fragen, die für unseren Leserkreis besonderes Interesse haben, herausgreifen. Zunächst muß man staunen über das, was im ganzen hier geleistet worden ist. Wir sagten schon, daß eine eigentliche Vorbereitung zur Friedenszeit nicht vorhanden war. Trotzdem hat sich der deutsche Organisationsgeist auch „hier bewährt und sehr bald einheitliche Grundsätze geschaffen, nach denen diese Großbetriebe der Wirtschaft geleitet werden. Alles wird auf wissenschaftlicher Grundlage betrieben und untersteht der ständigen Kontrolle einer Zentrale im Kriegsministerium. Die Erfahrungen werden gegenseitig ausgetauscht, die Revisionen ständig vorgenommen und die Verbesserungen an der Hand der Erx— fahrungen ruhen niemals. Was die Stätten betrifft, an denen die Lager errichtet sind, so hat man sie grundsätzlich in der Nähe größerer oder wenigstens kleinerer Städte erbaut, was für die Versorgung wirtschaftlich und technisch große Vorteile bietet. Innerhalb der Lager sind die üblichen Militärbaracken errichtet, die aber nur die Wohn- und Schlafstätten der Gefangenen umfassen, während ihre körperliche Bewegung vornehmlich im Freien stattfinden soll. Die Ernährung ist sicherlich keine ideale im Sinne der Abwechslung und des individuellen Geschmacks, aber sie ist gesund und aus⸗ reichend und Beschwerden sind eigentlich nur über die geringe Quantität von Brot gekommen; aber man kann billigerweise nicht verlangen, daß die Kriegsgefangenen in Deutschland eine größere Brotration erhalten als die Bevölkerung des Landes selbst. Die Kleidung der Kriegsgefangenen bleibt zunächst ihre Uniform, die dann durch eigene Schneiderwerkstätten ergänzt und verbessert wird. Die Gefangenen dürfen sich über die Ernährung im Lager hinaus von ihren Angehörigen Pakete mit Nahrungsmitteln und anderen Ergänzungen kommen lassen. Auch der Postverkehr ist so geregelt, daß eine ständige Verbindung mit der Heimat gesichert ist. Die Offiziere haben besondere Lager und dürfen nach der Genfer Konvention nicht zur Arbeit herangezogen werden; die übrigen Gefangenen dürfen täglich 5 Stunden mit Arbeit beschäftigt werden, soweit sie nicht verwundet oder krank sind. Die freie Zeit wird ausgefüllt durch sport⸗ liche und gesangliche Unterhaltungen, die in vielen Lagern geradezu einen küustlerischen Charakter angenommen haben. Jedes Lager hat eine umfängliche Kantine, in der zu mäßigen Preisen, die ständig amtlich kontrolliert werden, allerlei Ergänzungen für den täglichen Bedarf gekauft werden können. Dieses alles spielt sich nun aber in einem Rahmen ab, der für uns Sozialdemokraten ein ganz besonderes Inter⸗ esse gewinnt. Zunächst zeigt sich hier die Macht der Organi⸗ sation und der überlegten angewendeten Technik auf das glänzendste. Es wird enorm ökonomisch gewirtschaftet, d. h. aus einem möglichst kleinen Quantum von Kraft werden möglichst große Werte hervorgerufen. Jeder Luxus ist ausgeschaltet, ohne daß darunter Gesundheit und Wohlbefinden irgendwie zu leiden haben. In dieser Hinsicht war es ein Vorteil, daß nichts vorbereitet war; die Gefangenenlager und ihre Einrichtungen waren dadurch un⸗ belastet von Traditionen, sie konnten sozusagen grundsätzlich durch— geführt werden ohne Konzessionen an Ueberlieferungen und Ge—⸗ wohnheiten. Indessen ist eine große grundsätzliche Frage dennoch nicht von vornherein einheitlich gelöst worden, nämlich die Frage, ob die Lager sich durch Eigen wirtschaft erhalten sollen oder durch Unternehmerbetrieb, d. h. ob sie ihren ganzen Wirtschaftsbetrieb selbst durchführen oder ihn an Unternehmer verpachten sollen. Es ist nun höchst charakteristisch und für uns Sozialdemokraten eine besondere Genugtuung, daß sowohl die zentrale Militärverwaltung, das preußische Kriegsministerium, in seinen allgemeinen Verordnungen, wie der Bericht der meisten, man kann wohl sagen neun Zehntel der Lagerverwaltungen mit aller Energie auf den Eigenbetrieb hindrängen. In den uns vorliegenden Berichten geht man sogar so weit, daß direkt gefordert wird, dort, wo noch Unternehmerbetrieb ist, diesen mit allen nur möglichen Mitteln aus der Welt zu schaffen. Es scheinen sich sogar besondere Feinheiten herausgebildet zu haben, bestehende Vertré frei willigen“ Lösung zu bringen. Es ist ja auch klar, wie der Eigen⸗ züge erweisen muß. Es wird nicht nur billiger eingekauft, sondern so einheitlich durchgeführten Organisation seine besonderen Vor— züge erweisen muß. Es wird nicht nur bigiger eingekauft, sondern natürlich auch viel besser, da der Profit des Unternehmers eben nicht immer nur durch Treu und Glauben zustande kommt. Die Kontrolle ist eine weit offenere und bessere und das Interesse aller derjenigen, die an dem Betrieb des Lagers beteiligt sind, natürlich weit größer, wenn alle Vorteile für sie selbst zur Geltung kommen, anstatt in die Taschen der Unternehmer zu wandern. Dies alles wird in den Berichten noch weit deutlicher und ungeschminkter gesagt, als wir es hier für die große Oeffentlichkeit tun möchten. Alles ist auch mit Beispielen belegt. Wenn man diesen nüchternen und doch so gehaltvollen Bericht liest und wenn man im besonderen Gelegenheit gehabt hat, Ge— fangenenlager durch eigene Anschauung auf die Uebereinstimmung mit dem Gelesenen zu prüfen, so hegt man nur den einen Wunsch, daß unsere eigenen Landsleute, die in Gefangenschaft geraten sind, es ebenso gut haben möchten, wie die Fremden hier bei uns. 4 8 0 Die Durchfuhr durch Rumänien. . sel, 23. Juli. Die Baseler Nachrichten melden T. U. Basel, 23. Juli. Die B Nachricht Id aus Bukarest: Die Gesandten Englands und Frankreichs ver— wiesen bei der Regierung darauf, daß eine große Menge Ma— schinenteile aus Oesterreich und Deutschland nach der Türkei durch Rumänien gehe, obwohl es sich um Teile für Maschinen und Munitionsfabriken handle. Die rumänische Regierung erklärte laut Vittorul, die Statistik weise nach, daß die Transporte von Maschinenteilen durch Rumänien nach der Türkei gegenüber den beiden Vorjahren eher abgenommen haben als gewachsen seien und daß sich ein Verbot daher nicht rechtfertigen lasse. 8 b e Gewalttaten der Russen in rumänischen Gewässern. Laut einer Meldung aus Bukarest berichtet Universul aus Bazaresik, daß vorgestern früh ein bulgarischer Segler unter Kapitän Tanaszie Muga mit einer Petroleumladung den Hafen verlassen habe. Nach einer kurzen Strecke mußte jedoch der Segler zurückkehren, da er von russischen Torpedobooten in der Nähe des Hafens Mangalia verfolgt wurde. Als die russischen Torpedoboote sich entfernt hatten, glaubte der Kapitän sich in Sicherheit und fuhr gegen Varna zu. In der Nähe des Dorfes Sabia erreichte ihn jedoch ein russisches Torpedoboot, das die Mannschaft zum Ver⸗ lassen des Seglers zwang und das Schiff acht Kilometer weit schleppte, wo es von einem zweiten Torpedoboot in Brand gesteckt wurde. Am selben Tage, abends gegen 8 Uhr sah man in der Nähe von Konstanza auf offenem Meer vier russische Torpedoboote, die mehrere Salven abgaben, ohne daß das Ziel gesehen werden konnte. Kilsmeter vom Ufer entfernt war, Flotte in den rumänischen Gewäf Anstoß. Die Gewalttaten der russischen rn erregen in Rumänien starken Massenkaperung griechischer Dampfer. Rom, 23. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) gero aus Malta meldet, hat ein französischer Kreuzer an der syrischen Küste die griechischen Dampf „Indiano“,„Penelope“ und„Konstantino“ gekapert, die mißbräuchlich unter amerikanischer Flagge fuhren. Diese Konterbande führende Schiffes wurden als gute Prise erklärt. Ein weiterer griechischer Dampfer unter hollän⸗ discher Flagge wurde im unteren Jonischen Meer und ein anderer unter schwedischer Flage bei Malta gekaperi. Vier andere griechische Schiffe„Sida“,„Atronipos“,„Adria⸗ tiko“ und„Ismin“ sind nach Untersuchung der Ladung sofort wieder freigelassen worden. Uebertriebene Choleragefahr. Die Reutermeldung aus Verona, nach der in Oesterreich täglich mehrere tausend Cholerafälle vorkämen, entspricht, wie eine Wiener amtliche Meldung besagt, nicht den Tatsachen. In. der Zeit vom 20. bis 26. Juni wurden 211. bis 8. Juli 80 und bis 20. Juli 200 Fälle gezählt. Auch diese Fälle ereigneten sich hauptsächlich in den von den Russen wie in anderer, so auch in sanitärer Hinsicht in jämmerlichem Zustande zurückgelassenen galizischen Gebieten und in den übrigen Kronländern fast ausschließlich bei vom Kriegsschau⸗ platze kommenden Individuen, insbesondere bei russischen Kriegs⸗ gefangenen. Die bevorstehende Tagung des Reichstags. Der Reichstag ist bekanntlich bis zum 10. August vertagt. An diesem Tage wird aber, nach einer Berliner Meldung der Kölnischen Zeitung, noch nicht das Plenum, sondern vorerst die Budgetkommission zusammentreten. Die Mel⸗ dung besagt dann weiter: „Für die Budgetkommission wird wiederum die Beratung Wie der Messa⸗ fer Gesetzblatt veröffentlicht nämlich eine Um Mitternacht sah man ein brennendes Schiff, das 10 liche Nebeneinnahme gebildet. uoran! der wirtschaftlichen Maßnahmen, die seit den letzten Tagungen des Reichstages getroffen oder in Aussicht genommen sind, den Gegenstand der Beratungen bilden. Unerledigt in der Kommission steckt die Vorlage wegen des Stickstoff⸗ Monopols. Ob angesichts der großen Schwierigkeiten der Materie eine Erledigung in diesem Sommer möglich ist⸗ erscheint zum mindesten zweifelhaft, namentlich auch mit Rücksicht auf das gewaltige Material, das mittlerweile aus den Kreisen der beteiligten Industrien vorgelegt worden wird zweifel⸗ Die Besteue⸗ ist. Die Kriegs⸗Kredit⸗ Vorlage los eine glatte Erledigung finden. rung der Kriegsgewinne befindet sich in den Vorbereitungsstadien und wird erst in der Herbsttagung des Reichstags eingebracht werden. Beim Auseinandergehen des Reichstags hat sich die Kommission über die Reform des Reichsvereinsgesetzes kon⸗ stituiert und den Abgeordneten Junck zum Vorsitzenden gewählt. Die Kommission wird sich zunächst schlüssig zu machen haben, in welcher Weise sie an den Beratungsstoff herantritt; auch hier ist angesichts der großen Schwierigkeit der gesetzgeberischen Neuordnung und der großen Zahl der Abänderungsanträge, die zu beraten sind, mit einer Er⸗ ledigung in diesem Sommer nicht zu rechnen. Die Tagung des Reichstags wird hiernach eine kurze sein. Herabsetzung von Reisegebühren. Seit Jahren ist im Reichstag von sozialdemokratischer Seste gegen die hohen Reisegebühren angekämpft worden, die an Offiziere und in gleichem Rang stehende Militärbeamte gezahlt wurden. Darin ist nun mit einem Male Wandel eingetreten, und es darf wohl angenommen werden, daß die Aenderung auf das Eingreifen des Staatssekretärs Dr. Helfferich zurückzuführen ist. Das Rei bestimmt wird: g g „Soweit die Beförderung nicht kostenlos erfolgt, werden bei Dienstreisen nach ausgesprochener Mobilmachung und bis zum Eintritt der Demobilmachung die wirklich entstandenen notwen⸗ digen Fuhrkosten erstattet. Die baren Auslagen für Quartier und Verpflegung werden nach folgenden Grundsätzen vergütet: 1. Für Dienstreisen, die ein Uebernachten außerhalb des Stand⸗ orts bedingen, werden diese Auslagen erstattet: a) bei Reisen im Inland bis zur Hälfte der regelmäßigen Inland⸗Tagegeldsätze: b) bei Reisen außerhalb des Reichs⸗ gebiets bis zu drei Vierteln dieser Sätze. Daneben fällt die Beldvergütung für die Verpflegung fort. Für Dienstreisen, die an demselben Tage angetreten und be⸗ endet werden, wird nur die Geldvergütung für nicht ge⸗ währte Verpflegung gezahlt. . Bei Reisen zum Dienstantritt oder beim Wechsel der Kriegs⸗ stelle, bei Kommandos im Truppendienste, zur Aufnahme ins Lazarett oder in Privatpflege und bei der Entlassung hieraus, bei der Eutlassung aus der Kriegsgefangenschaft, bei Antritt und nach Verbüßung von Freiheitsstrafen sowie bei Reisen beim Aussch aus dem Militär⸗ oder Marine⸗ dienst oder bei der Demobilmachung findet eine Erstattung von baren Auslagen für Quartier und Verpflegung nicht statt.“ g 5 Diese Verordnung ist mit Freuden zu begrüßen, denn gerade jetzt während des Krieges sind die Beamten der Militär⸗ und Marineverwaltung genötigt, besonders viele Reisen zu machen. Und diese Reisen haben schon in Friedenszeiten immer eine sehr erheb⸗ Man darf wohl hoffen, daß der Reichsschatzsekretär bef den Beamten der Militär⸗ und Marinever⸗ waltung nicht Halt machen wird, sondern seinen Reformeifer auch noch auf andere Kreise ausdehnt. Eine Entscheidungsschlacht im Osten. In einem Kopenhagener Telegramm der Tägl. Rund⸗ schau wird nach einem Drahtbericht aus Petersburg gemeldet, die wichtigste ernsteste Schlacht sei in Vorbereitung. Die russischen Militärkreise betrachten den Kriegsschauplatz zwischen Weichsel und Bug als die Arena, in der die Entscheidungs⸗ schlacht des ganzen Feldzuges geschlagen werden würde.— In Warschau herrscht die größte Aufregung, weil die rück⸗ wärtigen Bahnverbindungen in das Innere Rußlands ernst⸗ lich bedroht sind und die Bahnen eine Gewähr für Beförde⸗ rung nicht mehr übernehmen. Die Russen auf das rechte Weichselufer zurückgedrängt. Der Kriegsberichterstatter des Berl. Tagebl. meldet seinem Blatte aus dem K. und K. Kriegspressequartier vom 23. Juli: Von der Pilicamündung weichselaufwärts sind die Russen nunmehr überall auf das rechte Weichselufer zurück- geworfen worden. Der Brückenkopf von Iwangorod auf dem linken Weichselufer ist von den Verbündeten vollständig eingeschlossen. Infolge des außerordentlich hartnäckigen russischen Widerstandes dauerten die Kämpfe zwischen Weichsel und Bug noch gestern abend an. Nördlich und beiderseits der Straße Krasnik-— Lublin und nördlich von Grobiesow gewannen österreichisch-ungarische soßpz, 1 0 Verordnung in der folgendes ru deutsche Truppen Raum. Zwischen Sokal und Christinopol wurden heftige russische Angriffe abgewiesen. Dort suchte der Feind vergeblich durch Vorstöße die großen, nördlich ge— richteten Operationen der Verbündeten zu stören. Arbeiterausstand in den staatlichen Vetrieben in Petersburg. T. U. Wien, 24. Juli. Das 8 Uhr⸗-Blatt meldet aus Peters⸗ burg, in den staatlichen Betrieben hat ein neuer Ausstand begonnen. Es haben etwa 11000 Arbeiter die Arbeit niedergelegt. Die Ichlacht am Isonzo. Wien, 24. Juli. Die Kämpfe am Isonzo lassen sich nur mit den Tagen zu Ostern an Furchtbarkeit vergleichen, wo die Russen am Duklapaß um jeden Preis durchzustoßen versuch— ten. Cadorna befolgt hier dieselbe Taktik der Opferung des Menschenmaterials. Eine immer wieder anschwellende Sturmflut ergießt sich nun schon seit fünf Tagen gegen unsere Stellungen, zurückgeschlagen, brachen immer wieder neue bereitgehaltene Reserve-Regimenter vor, denen es dann öfters gelingt, unsere Deckungen zu erreichen, wo sich dann in der Nacht im Scheinwerferlicht ein furchtbares Handge— menge abspielt, das an Furchtbarkeit alles, was bisher in diesem Kriege erlebt wurde, übertrifft. Die Dalmatiner, schon in Friedenszeiten die Todfeinde der Italiener, riesen— hafte Kroaten und Alpler stürzen sich mit ungeheurer Wut auf den Feind, sodaß diese immer wieder, schon knapp vor dem Ziele zurück müssen. Deutsche Farbstoffe für Amerika. T. U. London, 24. Juli. Reuters besonderer Dienst meldet aus Washington: Die amerilanischen Industriellen brücken ihre Be⸗ friedigung über die letzten Meldungen aus London aus, daß ein Abkommen zustande gekommen sei, wodurch es den Vereinigten Staaten ermöglicht werde, regelmäßig eine gewisse Menge von Farbstoffen für die Textilindustrie und andere Chemikalien und Produkte für die Union aus Deutschland einzuführen. Auch hofft man hier, daß die Gerüchte über die Möglichkeit der Bildung einer amerikanischen Organisation begründet sind, die den neutralen europäischen Ländern Waren schicken sollen, ohne daß die Be— stimmung der Waren kontrolliert wird. Englische Baumwolle für Schweden. T. U. Stockholm, 24. Juli. Aus London wird der Göteborg Handels Tidningen telegraphiert, daß zwischen England und Schweden ein vorläufiges Uebereinkommen getroffen worden ist, wodurch der schwedischen Baumwollindustrie für die nächste Zeit eine monatliche Einsuhr von 20000 Ballen Baumwolle zugesichert wurde. Kriegsnotizen. Dem Vorwärts zufolge haben in den letzten Tagen bei mehreren Soldaten wieder Haussuchungen stattgefunden. Es wurden Broschütren und sonstiges Material beschlagnahmt. Ein Maun wurde mehrere Tage in Haft gehalten, dann aber wieder entlassen. Das Gouvernement Mainz teilt mit: Zwei französische Zivil⸗ gefangene mit Namen Jean Lavry und Auguste Denagée sind aus dem Arbeitslager Nauheim bei Groß-Gerau entwichen. Beide tragen Zivilkleider und sprechen nur gebrochen Deutsch. Be⸗ sondere Kennzeichen sind, daß beiden im Ober⸗ und Unterkiefer mehrere Zähne fehlen. Sobald über den Aufenthalt der beiden bekannt wird, wird um sofortige telephonische Nachricht an das Gouvernement Mainz(Militärpolizei) gebeten. Der sozialistische Abgeordnete Bissolati, der in der Isonzo— schlacht leicht verwundet wurde, hat vom Ministerrat ein Glück⸗ wunschtelegramm erhalten. Bissolati gehört zu den„So⸗ zialisten“ im Stile des Mussolini, die eifrig zum Kriege hetzten. Ein Brand zerstörte in Strazele ein großes Lager von einer Million Säcke, die mit Sand gefüllt für die Schützengräben dienen sollten. Der angerichtete Schaden beträgt 500 000 Franken. 1 Die Ver luste in dem siebentägigen Bergarbeiterstreik in Süd wales werden in der Times auf 1½ Millionen Pfund (30 Millionen Mark) geschätzt. Der durch den Produktionsausfall 3 Mangel an Kohlen dürfte aber noch weit schwerer wiegen. Reuter meldet aus Newyork: Der Streik in den Werken der Standard Oil Company in Bayonne dauert fort. Zwei Streikende wurden getötet und sechs sind ernstlich verwundet worden. Reuter behauptet, daß unter den tödlich Verletzten ein Oesterreicher sei, der die Kämpfenden angeführt habe. An verschiedenen Orten sind Brände angelegt worden. PVarteinachrichten. * Erzähleing von Bertold Auerbach. 32 Franz hätte wohl kein besseres Haus finden können, um die Wirtschaftlichkeit in größerem Maßstab kennen zu lernen, und so erschien es ihr auch anfangs; der gediegene Halt und die Ordnung des Hauses nötigten ihr da eine hohe Achtung und willfährige Unterordnung ab; ja, sie griff um so freu— diger zu, wenn sie daran dachte, wie daheim bei den wenigen Menschen alles so kunterbunt durcheinander ging, daß man oft nicht wußte, wann Mittag und wann Abend ist. Nach und nach aber fühlte sich Fränz wiederum beängstigt und gefesselt von dieser Hausordnung; spät schlafen gehen und früh auf— stehen, den ganzen Tag arbeiten und nie eine Lustbarkeit, ja kaum vor die Tür kommen, dazu war sie nicht nach der Stadt gegangen; sie lebte ja hier fast wie eine Magd. Sie versuchte es, die Töchter und die Mägde zu Widerspenstigkeit aufzu⸗ hetzen, aber sie fand kein Gehör, und die Rautenwirtin hatte ein scharfes Auge auf sie. Fränz hatte dem Sohne des Stern— wirts von G. bald zu wissen getan, daß sie hier sei; er kam auch mehrmals in der Dämmerung, wenn im Erbprinzen ab- gespeist war, aber mit Schrecken und Ingrimm sah Fränz, daß er fast nur Augen für die älteste Tochter der Rautenwirtin hatte und sich oft stundenlang zu der Mutter setzte, die großen Gefallen an ihm zu haben schien. Nun behandelte ihn Fränz mit augenfälliger Mißachtung, und sie verstand es bald, mit dem ältesten Haussohn, dem Metzger, einen kleinen Liebes— handel anzuzetteln. Das dauerte aber auch nicht lange, und mit einem Male war aller Verkehr abgebrochen, und Fränz erfuhr von einer vertrauten Magd, die gelauscht hatte, daß die Wirtin ihrem Sohne jede Hinneigung zu Fränz ernstlich ver— boten und dieser fast ohne Widerspruch nachgegeben habe. Fränz sah von da an in dem Hause nur noch ein Sklavenhaus und verwünschte alles, was darin war, den Sohn, der sich von dem Herrschteufel, der Mutter, befehlen lasse, und vor allem diese selbst; wenn sie sie hätte vergiften können, es wäre ihr erwünscht gewesen. Nun aber blieb ihr nichts als, wo sie konnte, Unordnung und Unfrieden im Hause stiften und all Freitag lebhafte Szenen, die mit der eingetretenen Parteispaltung im Zufammenhaug stehen. Zur Beratung stand das neue Vermö⸗ genssteuergesetz, das einen gleichmäßigen Steuersatz von eins pro Tausend vorsieht. Den Standpunkt unserer Fraktion zu dem Gesetz vertrat Genosse Keil. Er verlangte, daß zur Verminderung des Fehlbetrages im Staatshaushalt der Besitz herangezogen werden soll und legte dar, daß und warum auch bei der Veruögenssteuer der Steuersatz mit der Größe des Vermögens steigen muß. Mit Rüick⸗ sicht auf die vor Einbringung der Vorlage stattgefundene Be⸗ sprechungen verzichtete unsere Fraktion auf einen Antrag, über dessen Ablehnung durch alle bürgerlichen Parteien kein Zweifel bestand. Der Abg. Westmeyer machte während dieser Beratung dem Präsi⸗ dium die Mitteilung, daß er sich mit den Abgeordneten Hoschka und Engelhardt zu einer neuen Fraktion, genaunk Sozialistische Vereini⸗ gung, zusammengeschlossen habe. Namens dieser Fraktion bvachte er einen Antrag ein. der eine Staffelung der Vermögenssteuer bis zu 5 Prozent bezweckt. In Vertretung dieses Antrages machte West⸗ meyer anzügliche Bemerkungen von„Farbe bekennen“,„Wechseln der Ueberzeugung“ usw. g Gen. Dr. Lindemann unterzog den Antrag einer Kritik, aus der sich ergab, daß die Antragsteller das württembergische Steuerwesen nicht genügend kennen. Der Antrag hätte sogar eine Ausdehnung der Rechte der Ersten Kammer auf Kosten der Rechte der Zweiten Kammer bewirkt und eine Verschlechterung der Regierungsvorlage bedeutet. Diese Kennzeichnung führte zu erregten Auseinander⸗ setzungen, die damit abschlossen, daß der Antrag gegen 2 Stimmen abgelehnt wurde. Unter stürmischer Heiterkeit stimmte sogar der Mitantragsteller Hoschka gegen den Antrag. Das Gesetz wurde schließlich einstimmig angenommen. Arbeiterbewegung. Eine klassische Unternehmerantwort. An die Metallwarenfirma Herbrand u. Co. in Köln⸗ Ehrenfeld, die jetzt umfangreiche Bestellungen für die Heeres— verwaltung ausführt, war die Kölner Ortsverwaltung des Deut⸗ schen Metallarbeiterverbandes wegen Lohnzulagen für die Arbeiter herangetreten. Diese wurden abgelehnt und zwar mit folgen⸗ der Begründung: 5 „Unter der durch den Krieg geschafsenen wirtschaftlichen Lage, insbesondere der Verteuerung aller Lebensmittel, leiden alle Erwerbsschichten unseres deutschen Vaterlandes gleichmäßig, und es ist eine patriotische Pflicht jedes einzelnen, sich in seiner Lebensweise diesen veränderten Verhältnissen anzupassen.“ Die Firma, die diese klassische Antwort erteilt hat, zahlt mit die schlechtesten Löhne im Kölner Industriegebiet— ihren Aktionären aber sehr hohe Dividenden. Nicht„zweckmäßig“! Die Köln⸗Rottweiler Pulverfabriken haben in ihrer Fabrik⸗ ordnung eine Bestimmung, wonach die Zugehörigkeit zu einer Ge⸗ werkschaft bei Strafe verboten ist. Der Krieg brachte den Unter⸗ nehmungen Arbeit in Hülle und Fülle, sodaß die Siebung der ein⸗ gestellten Arbeiter nicht mit der Vorsicht vorgenommen wurde, wie dies ehedem der Fall war. So kam es, daß einige christliche Ver⸗ bändler in die— nur soweit Arbeiter in Frage kommen— koalitionsfreien Fabriken kamen. Die koalitionsfeindliche Firma hat ihrerseits die Koalition auf internationaler Basis fein ver— standen und sie nur auf bestimmten Druck hin aufgegeben. Der Vorstand des christlichen Fabrikarbeiterverbandes war nun darauf neugierig, ob seine Mitglieder in den Pulverfabriken Bürgerrecht erwerben könnten und frug bei der Direktion an,„ob die Direktion auch jetzt in der Stunde der nationalen Erhebung ihren bedauerns⸗ werten Standpunkt beibehalte“, worauf folgende klassische Antwort einlief: „Auf Ihr geehrtes Schreiben vom 10. d. M. gestatten wir uns, Ihnen zu erwidern, daß wir ebenso wie Sie gewillt sind, den Burgfrieden aus vaterländischen Rücksichten hochzuhalten und erachten es deshalb nicht für zweckmäßig, jetzt in eine sachliche Erörterung der von Ihnen angeschnittenen Frage einzutreten.“ PVermischtes. Ein unerwartetes Wiedersehen. Weihnachten 1913 wurden dem Wirte Arnold in Kallbach (Rheinpfalz) 3600 Mark gestohlen und zwar in Staatspapieren. Jetzt erhielt der Bestohlene die Papfere unversehrt nebst Zinsbogen anonym aus München zurück. Verhaftete Einbrecherbande. Sieben Diebe, die bandenmäßig in Heidelberg 50 schzwwere Ein⸗ brüche verübt hatten, wurden in einer gemeinsamen Herberge er- mittelt und verhaftet. N Verfolgtier Mörder. Vor sechs Wochen wurde bei Schernau(Unterfr.) der 27jährige Bauerssohn Johann Klein von Lengfeld auf freiem Felde ermordet. Wie sich jetzt herausstellt, kommt als Täter der 1898 in Württem—⸗ berg geborene Zigeuner Wilhelm Konrad Dreschner in Betracht. Er wird vom Untersuchungsrichter verfolgt. in Würzburg steckbrieflich Wirtin sie über letzteres zur Rede stellte, erklärte Fränz voll Heftigkeit: sie sei keine Magd, noch viel weniger ein Sklave, sie tue, was sie wolle, dafür bezahle ihr Vater Kostgeld. Ohne ein Wort zu erwidern, ordnete die Wirtin an, daß Fränz nichts mehr im Hause zu tun habe, und daß sie nur noch eine Kostgängerin sei, bis ihr Vater sie abhole, und das je eher, je lieber. Darum schrieb Fränz den Brief an ihren Vater und wollte nun nach Laune frei und ledig in der Stadt umherlaufen; die Wirtin aber erklärte, daß das nicht angehe, solange sie bei ihr im Hause sei; sei ihr Vater da, könne sie machen, was sie wolle. Munde hatte, ohne daß es ihm Fränz zu wissen tat, doch bald erfahren, wo sie war; er kam nun auch oft in den Rauten— kranz und blieb übermäßig lange bei seinem Schoppen sitzen, meist schweigsam und wenig teilnehmend an den Gesprächen um ihn her, nur seine Blicke folgten Fränz, wenn sie durch die Stube ging, und er trommelte mit den Fingern auf dem Tische, wenn sie mit einem Gaste freundlich tat. Fränz aber lächelte ihm nur manchmal schelmisch zu, wenn er sie heimlich auf einen sogenannten„Ständerling“ vor dem Hause bestellte oder gar mit ihr zum Tanze gehen wollte, wehrte sie strenge ab, da die Wirtin sie bei dergleichen mit Schimpf und Schande aus dem Hause jagen würde. Während sie auf Habhaft— werdung des Sternenwirtssohnes und dann des Haussohnes ausging, verstand sie es, Munde doch so hinzuhalten, daß er treulich wiederkam, und diese ausdauernde Liebe tat ihr einer— seits wohl, anderseits hoffte sie dadurch besonders bei dem Haussohn eine Eifersucht und eine raschere Entscheidung her— beizuführen. In der Küche und bei dem Wirtssohn scherzte sie oft über Munde und seine närrische Verliebtheit, wobei sie ihn stets ihren Knecht nannte. Schon seit mehreren Tagen erwartete Fränz ihren Vater, und als sie von allen ankommenden Fuhrleuten vernahm, welch eine unerhörte Kälte draußen sei, beklagte sie, daß ihr Vater dadurch abgehalten werden könne, sie zu holen. Gegen Abend kam Munde mit noch einem Soldaten und dessen Vater, einem Bauern aus Untertailfingen, der seinen Sohn besucht hatte, Fränz tat heute besonders freundlich gegen Munde, bat Hessen und Nachbargebiete.⸗ Gießen und Umgebung. Gegen den Lebensmittelwucher. Amtlich wird aus Berlin vom 23. Juli gemeldet:„Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung den Erlaß einer Verordnung beschlossen, welche gegen eine übertriebene Preis- steigerung bei dem Handel mit Gegenständen des täglichen Bedarfs, insbesondere Nahrungs⸗ und Genußmitteln aller Art, rohen Naturerzeugnissen und Heiz⸗ und Leuchtstoffen richtet. In der Verordnung ist einmal die Möglichkeit einer Enteignung vorgesehen für Fälle, wo jemand derartige Gegenstände zurückhält. Sodann ist in ihr eine Strafvor⸗ schrift enthalten gegen diejenigen Erzeuger und Händler, welche für obengenannte Gegenstände sowie für solche des Kriegsbedarfs Preise fordern, die einen übermäßigen, durch die gesamten Verhältnisse, insbesondere die Marktlage nicht gerechtfertigten Gewinn enthalten. Auch wird weiter bestraft, wer Vorräte solcher Art in gewinnsüchtiger Absicht zurückhält, vernichtet oder andere unlautere Machenschaften vornimmt. Mit dem Erlaß dieser Verordnung wird den vielfachen Wünschen aus allen Kreisen der Bevölkerung Rechnung ge⸗ tragen, welche durchgreifende Maßnahmen gegen die gewinn⸗ süchtige Preistreibereien, insbesondere auf dem Lebensmittel markte, zum Gegenstand hatten. Die Verordnung ist deshalb vom sozialen Standpunkt besonders zu begrüßen.“ Hoffentlich werden die ausführenden Organe, insbeson⸗ dere die Kreisämter, Polizeiverwaltungen usw., nun auch im Geiste der Verordnung mit aller Strenge und ohne Rück⸗ sicht auf die immer von neuem sich breit machenden Sonder⸗ interessen der Lebensmittelerzeuger und spekulierenden Zwischenhändler vorgehen, damit die Verordnung nicht bloß auf dem Papiere stehen bleibt. Insbesondere wird dafür gesorgt werden müssen, daß der Begriff des übermäßigen und nicht gerechtfertigten Gewinnes eine Auslegung und Festlegung erhält, die eine wirkliche Gesundung der Lebens⸗ mittelpreise zum Wohle der verbrauchenden Volksschichten ge⸗ währleistet. Daß nebenher die Gemeinden nach wie vor mit allem Eifer als Verkäufer von Lebensmitteln in großem Umfange auftreten müssen, erwartet das Volk als selbstver⸗ ständlich. In Offenbach sind gestern mit dem Verkauf von Gemüse und Obst durch die Stadt bereits recht erfreuliche Wirkungen erzielt worden. Landtagswahlen und Nuherbekinpfung in der 2. Kammer. Das Plenum der Zweiten Kammer hielt gestern eine nichtöffentliche Sitzung ab. Nach der seinerzeit ergangenen Einladung galt die Beratung einmal'der Frage, ob die im Vorjahre abgelaufenen Abgeordnetenmandate abermals um ein weiteres Jahr verlängert oder durch Neuwahlen ergänzt werden sollen; ferner der Bildung eines Kammerausschusses zur Mitarbeit bei der Lebensmittelversorgung des Landes und sonstigen wirtschaftlichen Maßnahmen. Ueber Verlauf und Ergebnis der Plenarverhandlungen wird strengste Ver⸗ schwiegenheit bewahrt. Warum? Das dürfte wohl eine der mannigfaltigen Doktorfragen sein, an denen der Burgfrieden, so reich ist. In der Frage der Abgeordnetenmandate gehört wohl wenig Kombinationsgabe dazu, um zu dem Schlusse zu kommen, daß die in Rede stehenden Mandate abermals ver⸗ längert werden dürften. Der voraussichtlich in der zweiten Septemberhälfte zusammentretenden Kammer wird die Re⸗ gierung einen den gestern gemachten Vorschlägen entsprechen⸗ den Gesetzentwurf vorlegen. Was die kriegswirtschaftlichen Maßnahmen anlangt, so wurde vor einiger Zeit schon aus einer Quelle, die der Bauernbund zu speisen pflegt, berichtet, daß für das nächste Jahr von der Regierung ein regulär neues Budget zu er— warten sei. Dringender als das dürften aber alle die Dinge sein, die im innigsten Zusammenhange mit der Lebensmittel ihn um Aufträge an die Seinigen, verlasse. „Und du wirst jetzt noch einmal so reich“, sagte Munde. „Wieso? Hast du was gehört? Hat mein Vater ver— kauft?“ „Das auch, aber dein' Stiefschwester, die Kohlenhof— bäuerin, liegt im Sterben, und da kriegst du alles.“ „Woher weißt das?“ fragte Fränz. „Da der Peter von Untertailfingen Schwester wird schon gestorben sein.“ Während Fränz sich noch mit der Schürze die Augen ab—⸗ rieb, trat ein Postschaffner, vor Kälte heftig trappend, ein. Es war ein ehemaliger Unteroffizier, den Munde kannte; er bot ihm nun das Glas zum Trinken an, und der Schaffner sagte, sich den Bart wischend:„Weißt auch schon, des Diet⸗ helms Haus in Buchenberg ist abgebrannt?“ „Herrgott, unser Haus?“ schrie Fränz in lauter Wehklage und stieß im Umsichschlagen die Flasche vom Tisch die klirrend auf den Boden fiel, so daß alles im Zimmer sich nach ihr wendete. Munde sprang schnell auf und setzte die zitternde Fränz auf seinen Stuhl. Der Schaffner bedauerte seine Un⸗ vorsichtigkeit, daß er nicht gewußt habe, daß das Diethelms Tochter sei. Fränz aber, leichenblaß und mit stierem Blick, wollte Näheres wissen. Der Schaffner hatte dies nur von einem anderen gehört, der am Morgen durch Buchenberg go— fahren war, und wußte weiter nichts, als daß kein Mensch dabei verunglückt sei, nur einen Knecht, der das Haus ange⸗ zündet habe, suche man noch vergebens. Alles versammelte sich nun um Fränz und tröstete sie; ja, man wollte ihr sogar die ganze Sache ausreden, es sei vielleicht gar nicht wahr und dergleichen mehr. Fränz aber war rasch entschlossen, sie wollte augenblicklich heim; sie saßte beide Hände des Munde und bat ihn, ihr zu helfen, daß sie fortkäme, sie jammerte um ihren Vater und ihre Mutter und klagte sich selber an, daß sie von ihnen fortgegangen sei, es seien gewiß alle verbrannt, und man sage es ihr nicht. Die Wirtin wollte sie beruhigen und ihr solch wildes Rasen ausreden, aber Fränz stieß sie heftig von sich.(Fortsetzung folgt.) da sie bald die Stadt erzählt's, dein' 9 ö —!—(w.y.— — Bersorgung und wohlfeilen Ernährung des Volkes stehen und denen eine wirkliche Volksvertretung zielbewußt ein ganz bestimmtes Geficht geben könnte, wenn sie es wollte! Die Frage stand auf der Tagesordnung der nichtöffentlichen Sitzung. Es wurde die Einsetzung eines parlamentarischen Kriegsausschusses beschlossen, der mit der Regierung über alle wirtschaftlichen Fragen, insbesondere auch über die Lebensmittelfragen, in Verhandlungen treten soll. Der Kriegsausschuß wurde in der Weise gebildet, daß man den Finanzausschuß der Kammer um je einen Vertreter und Er— satzmann aus jeder Fraktion ergänzte und hierfür die Abg. Lang(natl.), v. Helmolt(Bbd.), Herdt(freis.) Uebel(Zentr.) und Dr. Fulda(Soz.) bestimmte. Roch ein Ruf nach Erntehilfe. Ueber die Unzweckmäßig⸗ keit der Absicht, die städtische Jugend zur Erntehilfe heran— zuziehen, haben wir in unserem Blatte bereits das Notwendige gesagt. Nun ersucht uns heute der Oberbürgermeister der Stadt Offenbach, folgenden Aufruf zur Erntehilfe zu ver— öffentlichen: „Die Erntezeit kommt immer näher heran, aber auf dem Lande mangelt es überall an den nötigen Hilfskräften. Gar viele wollen helfen, aber es fehlt besonders an Leuten, die mit den landwirt⸗ schaftlichen Arbeiten schon vertraut sind. Am meisten sind die Kleinbauern in Mitleidenschaft gezogen, die Männer stehen zum größten Teil im Felde, nur ein kleiner Teil wird auf kurze Zeit beurlaubt werden können. Aber den Bauersfrauen ist es unmög⸗ lich, die Ernte allein heimzubringen. Hilfe ist dringend nötig. Dienstherrschaften! Die auf dem Lande geborenen Dienstmädchen sind für die Erntearbeiten geeignete Arbeitskräfte, ihre Eltern oder Verwandten haben fast alle Aecker. Dienstherrschaften! Tut ein patriotisches Werk und beurlaubt die Dienstmädchen auf einige Wochen. Es geschieht im vaterländischen Interesse und zur Sicherung der Volksernährung.“ Der Plan, die Hausangestellten der städtischen Dienst⸗ herrschaften den Bauern zur Verfügung zu stellen, ist ins⸗ besondere vom Kriegsausschuß des Rhein-Mainischen Ver— bandes für Volksbildung gehegt und gefördert worden. Charakteristischer Weise, nachdem die Absicht, die Haustöchter der wohlhabenden Familien als Erntehilfsarbeiterinnen her— anzuziehen, kläglich Fiasko gemacht hatte, weil die jungen Damen und die Frauen Mamas allerhand schöne Ausflüchte zur Hand hatten, als aus dem romantischen Patriotismus einmal ernster Patriotismus des Handelns werden sollte. Nun sollten, weil die vornehmen Haustöchter nicht mochten — und wir glauben, die Bauern hätten für solche Hilfe auch sehr schnell gedankt— die Dienstmädchen vor die Front. Die— selben Dienstmädchen, die man bei Kriegsausbruch kurzer Hand„um zu sparen“ entlassen hatte, denen man jetzt noch die Löhne nach den Meldungen des letzten Arbeitsmarktberichts zu drücken mit Erfolg bemüht ist— sie sollen jetzt als Folie für den— Patriotismus der Dienstherrschaften dienen. Denn in den Beratungen der Hausfrauenorganisationen und Kriegsfürsorgeorganisationen ist bereits viel darüber geklagt worden, daß so viele Dienstherrschaften, die es gerade am besten könnten, ihre Dienstmädchen nur während ihrer Bade— oder Sommerreise freigeben und auch nicht den Lohn weiter zahlen wollen, so daß also die Mädchen sogar noch Lohn— einbuße erleiden würden. Zudem hat man die Dienstmädchen und ihre Organisationen überhaupt noch gar nicht gefragt, wie sie denn über die Erntehilfsfrage denken. Und wir meinen, die Dienstmädchen und deren Zustimmung ist doch die Hauptsache. Warum wendet sich der Oberbürgermeister nur an die Dienstherrschaften und nicht an die Dienstmädchen, auf deren Kosten das patriotische Werk der Erntehilfe doch letzten Endes geschehen muß? — Städtische Lebensmittelversorgung. Seit Jahren hat die Stadtverwaltung in Ulm ihre Aufmerksamkeit darauf gerichtet, nach Möglichkeit billige Lebensmittel zu beschaffen. Man hat bisher, besonders während der Kriegszeit, auf diesem Gebiete gute Erfahrungen gemacht. Die Stadt hatte sich nämlich an der„Genossenschaft für rationelle Schweinezucht“ beteiligt, von der sie nunmehr jährlich 2 bis 3000 Schweine bezieht. Auf diese Weise war es möglich, das Schweine⸗ fleisch, dessen Marktpreis pro Pfund 1,40 Mark beträgt, an Minderbemittelte und jetzt auch an Kriegerfamilien um den mäßigen Preis von 1 Mark abgeben zu können. Nach dem Gelingen dieses Unternehmens hat die Stadtver— waltung auch Versuche mit der Beschaffung von Ochsen- und Rindfleisch gemacht, indem sie prächtige Tiere der Simmen⸗ taler und fränkischen Rasse mästen läßt, wofür sie lediglich den Marktpreis der Gewichtsdifferenz zwischen An- und Ab⸗ lieferung zu bezahlen hat. Dadurch kann die Stadt Ochsen— und Rindfleisch augenblicklich an die in Betracht kommenden Kreise zu 1,05 Mark pro Pfund verkaufen. Ferner ist seit der Kriegszeit auf den der Stadt gehörenden Feldern eine Gesamtfläche von 71 Tagwerk mit nahezu 700 Zentner Kar- toffeln bepflanzt worden. Es wird ein Ertrag von etwa 8500 Zentnern erwartet, sodaß die Stadt ihren Kartoffel- bedarf selbst decken kann. Die Kosten dieser ganzen Anlage werden sich einschließlich des Kartoffeltransportes nach Ulm voraussichtlich auf höchstens 16000 Mark stellen, so daß sich bei einem Verkaufspreis von 3 Mark pro Zentner ein Ge— winn von nahezu 10 000 Mark(der bisherige Pachtertrag betrug 1100 Mark) erzielen läßt. Die Anlage hat also neben ihrem sozialen Charakter noch eine günstige finanzielle Seite, Durch diese Unternehmungen hat sich die Stadt Ulm von der jeweiligen Marktlage und damit auch von den Preis steigerungen und Teuerungen unabhängig gemacht. Andere Städte sollten sich das Vorbild Ulms zum Muster dienen lassen. — Angebliches amerikanisches Weizenmehl wird jetzt vielfach im Handel angeboten. Und zwar zu geradezu horrenden Preisen, 120, 130 Mark der Doppelzentner. Im Einzelverkauf wird das„beschlagnahmefreie“ Mehl mit 70 Pfg. und noch mehr das Pfund verkauft. Im Publikum fragt man sich, wie es eigentlich kommt, daß Mehl überhaupt angeboten werden kann, da doch alles beschlagnahmt ist. Letzteres trifft aber nicht ganz zu; es waren für die Ueber- gangszeit gewisse Vorschriften gegeben, nach welchen Mehl— handel in beschränktem Umfange zugelassen war. Für das neue Wirtschaftsjahr ist aber jeder Mehlhandel verboten, der Mehlverkehr über die Grenzen eines Kommunalverbandes hinaus ist nur Sache der Reichsgetreidestelle. Durch diese * Uebergangsvorschriften war es aber moglich, daß sich ein Handel mit angeblich„beschlagnahmefreiem“ Mehl entwickelte, das auch in den Handelszeitungen vielfach angeboten wird. Was für Mehl das eigentlich ist, weiß man nicht so recht; jedenfalls handelt es sich um Vorräte, die bis jetzt zurück⸗ gehalten worden sind. Nunmehr sind aber die Uebergangs— vorschriften aufgehoben worden; am 16. August wird alles beschlagnahmt. Wer jetzt so teueres„amerikanisches“ Mehl kauft, handelt unklug. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Wehrmann Wilhelm Lippert, Postschaffner aus Gießen. — Leutnant Willy Lahr aus Gießen, Inf.-Reg. 116. Ersatzreservist Wilhelm Benner aus Gießen, Inf.-Reg. 81. — Einjähriger Hans Kraiker aus Wetzlar, Inf.-Reg. 222. Müssen sich Soldaten operieren lassen? Während im allge— meinen die Vornahme einer Operation bei einem Kranken ohne dessen Einwilligung unstatthaft ist, ist es eine juristische Frage, ob der im Heere stehende Soldat auf die Anordnung der Sanitäts⸗ behörde zu einer Zulassung der Operation angehalten werden kann oder ob auch er, um seine Zustimmung befragt, diese ver⸗ weigern darf. Dr. von Olshausen bespricht in der Medizinischen Klinik diese Frage an der Hand der vorliegenden deutschen Judi⸗ katur. Die Dienstpflicht des Soldaten erschöpft sich nicht darin, ein Mitglied des Heeres zu sein, sondern sie greift auch ein, daß er ein brauchbares Mitglied sei. Zu diesem Zwecke muß er sich gewisse ärztliche Eingriffe, vorbeugende Maßnahmen zur Erhaltung des Gesundheitszustandes gefallen lassen, andernfalls er wegen Gehor⸗ samsverweigerung gegen einen zu Heilzwecken erteilten Befehl des zuständigen Sanitätsoffiziers verurteilt wird. So haben die Militärgerichte in letzter Zeit mehrfach entschieden, als sich Sol⸗ daten kleineren chirurgischen Maßnahmen, wie etwa Sondier⸗ ungen, entzogen hatten. In anderen Fällen hat das Gericht die Gehorsamsverweigerung verneint, nämlich, wenn es sich um eingreifende Operationen handelte. Die Vornahme einer Operation ist auch nach der Militärsanitätsordnung an einer Militärperson ohne deren Einwilligung nicht gestattet. 8 77 lautet: Vor jeder erheblichen chirurgischen Operation muß sich der ordi⸗ nierende Sanitätsoffizier der Einwilligung des Kranken ver⸗ sichern. Ob Lebensgefahr mit der Operation verbunden ist, darauf kommt es nicht an. Allein nicht jeder chirurgische Eingriff ist als eine Operation anzusehen. Insbesondere sind diejenigen Maß⸗ nahmen keine Operationen, die eine ordnungsmäßige Wund⸗ behandlung überhaupt ermöglichen, wie Einschnitte in Geschwüre oder die Entfernung abgestorbener Knochenteile. Allen der— artigen Eingriffen, die darauf abzielen, den Soldaten wieder feld— dienstfähig zu machen, darf er sich nicht widersetzen. Die Gesund— heit ist nicht Privatsache des Soldaten, sondern von ihr hängt seine Felddienstfähigkeit ab. Der Militärarzt muß auch bei der Be⸗ handlung der Soldaten Befehlsbefugnisse haben, damit nicht durch verschleppte Krankheiten Dienstuntauglichkeit herbeigeführt wird. Innerhalb der geschilderten Grenzen hat der Soldat sehr wohl ärztliche Eingriffe an sich vornehmen zu lassen, darüber hinaus muß er um seine Zustimmung befragt werden. — Schöffen und Geschworene. Eine Bekanntmachung des amts fordert die Bürgermeistereien auf, die Listen der zum Amt eines Schöffen oder Geschworenen gesetzlich fähigen Personen aufzu⸗ stellen. Es heißt darin unter anderem, daß die Listen genau auf⸗ gestellt und keine Personen weggelassen werden sollen, welche die Blürgermeistereien für ungeeignet halten; es sollen vielmehr alle auf⸗ genommen werden, die nach gesetzlicher Bestimmung aufgenommen werden müssen.— In früheren Jahren konnte man beobachten, daß fast nie Arbeiter unter den Geschworenen sich befanden. * Was alles gestohlen wird. In Höch st wurde ein sehr reich⸗ haltiges Diebeslager entdeckt und u. a. gefunden: ein vollständiges Zweizylinderauto, ein photographischer Apparat, eine Dezimalwage für 80 Zentner Tragkraft, ein französisches Seitengewehr, zwei Bohrmaschinen, zahlreiche Handwagen, das Wirtschaftsschild vom „Schützenhof“, zwei Scheinwerfer, 16 Schmelztiegel, 9 Dutzend Pitch⸗ pine⸗Leisten, Schraubstöcke, Bücher usw. Dem Diebe ist eine gewisse Vielseitigkeit nicht abzuspvechen. Der Wert einer Risikoversicherung bei der Volksfürsorge. In Leipzig schloß am 15. Oktober 1913 ein 24jähriger verheirateter Fensterputzer zwei Versicherungen bei der Volksfürsorge ab, eine nach Tarif V(Sparversicherung) in Verbindung mit einer nach Tarif Va(abgekürzte Risikoversicherung mit fallender Versicherungs⸗ summe). Durch die letztere sicherte er sich eine bei seinem Tode fällige V Schon in der zweiten Versicherungssumme von 501 Mark. Hälfte des Dezember 1913, also nach Zahlung von nur fünf Halb⸗ monatsprämien von je 1,68 Mark, stellte der Versicherte die weitere Prämienzahlung ein. In der Sparversicherung waren ihm bis dahin 5 Mark gutgeschrieben worden. Nach den Bedingungen der Volksfürsorge wurde diese stornierte Risikoversicherung in eine prämienfreie Versicherung umgewandelt. Diese Versicherung be stand ohne weitere Prämienzahlung fort. Der Versicherte starb am 1. Juni 1915, worauf seine Witwe die bedingungsgemäße Summe von 101 Mark aus beiden Versicherungen ausgezahlt er⸗ hielt; an Prämien sind dafür 15,40 Mark bezahlt worden. Nichteinstellung der Prämienzahlung wäre die ganze Versicherungs⸗ summe fällig gewesen. — Gießener Freilichtbühne.„Doch mit des Geschickes Mächten, ist kein ew'ger Bund zu flechten“. So seufzte gestern die Leitung unserer rührigen Freilichtbühne, als ihr die unbestimmte Witterung einen Strich durch die schöne Rechnung machte. All' die Arbeit um⸗ sonst! Aber man wandte sich vertrauensvoll an die Theaterkom⸗ mission und siehe da: diese stellte der Freilichtbühne in Anerkennung ihres verdienstvollen Wirkens das Stadttheater in überaus entgegenkommender Weise zur Verfügung. So kann denn„Der Spenglermeister Bimbächer“ über die Bretter gehen. Da verschie⸗ dene Vorbereitungen nötig sind, wurde die Vorstellung auf Diens⸗ tag, 27. Juli, abends 8 Uhr festgesetzt. Der Vorverkauf für die Sonntagaufführung war so rege, daß mit einem ausverkauften Haus gerechnet werden darf. Die Preise der Plätze sind beibehalten wor⸗ den; unsere verwundeten Feldgrauen sind natürlich auch hier Ehren⸗ gäste; man hat den Lazaretten Freikarten für sie zur Verfügung ge⸗ stellt. Alles Weitere geht aus der heutigen Anzeige hervor. Schade, daß die Aufführung gestern nicht im Walde stattsinden konnte. Aber bei dem unsicheren Wetter, das jede Viertelstunde mit einem heftigen Regenguß drohte, war es doch das beste, die Vor⸗ stellung zu verschieben. Es hätte im anderen Falle die Gefahr be⸗ standen, daß gerade während der Vorstellung ein gehöriger herunterkam, der alles verdorben hätte. Außerdem hätte sich ber von den vorhergegangenen Regentagen noch sehr nasse Waldboden für die Zuschauer unangenehm fühlbar gemacht, selbst, wenn es am Nachmittag trocken blieb. So war es schon vorsichtiger und richtiger von der Leitung der Freilichtbühne gehandelt, daß sie die Vor⸗ stellung verschob. Hoffentlich würd sie auch morgen Abend im Stadt⸗ theater gut besucht. Wir haben neulich bereits über den„Bim bächer“ mitgeteilt, wir sind überzeugt, daß die lustige Posse aus alten Gießener Tagen gut gefallen wird. Die heutigen teueren Zeiten nötigen die meisten Leute zu allerbetzt ans Theater zu denken, wer aber die paar Pfennige aufzuwenden in der Lage ist, dem möch⸗ ten wir angelegentlichst empfehlen, sich das Stück anzusehen. Es wird ihm nicht gereuen. Von der Rabenau, Juli. Reiche Honigernte. Die Bienenzüchter vechnen alle Jahrzehnt auf ein reiches Bienenjahr. Ein solches ist das diesjährige. Aller Gläservorrat der Imker reichte nicht aus, den Honigsegen zu sassen. Mam mußte nach steiner⸗ nen Töpfen, ja zu Eimern greifen. Zwingenberg, 22. Juli. Auf dem Obstmarkt kosteten türkische Kürschen 25 Pfg., Reineklauden 25 Pfg., Pfirsiche 40 Pfg., Frühbirnen 14—16 Pfg., Frifhäpfel 14—15 Pfg., Pflaumen 16—18 Pfennig das Pfund. 22 Bei Telegramme. Tahesberichte des Großen Hauptauartiers. In Kurland die 5. russische Armee geschlagen Zwei Narewfestungen erobert. Seit 14. Juli 120 000 Nussen gefangen. W. B. Großes Hauptquartier, 24. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz, Bei Souchez wiederholten die Franzosen Nacht ihre erfolglosen Handgranatenangriffe. Bei auch heute den gestern gemeldeten Sprengungen in der Champagne hat der Feind nach sicheren Feststellungen große Verluste erlitten. Seine Versuche, uns aus der gewonnenen Stellung zu vertrei⸗ ben, scheiterten. Südlich vor Leintrey wiesen unsere Vorposten aber⸗ mals feindliche Vorstöße ab. Die in dem Bericht der franzö⸗ sischen Heeresleitung vom 22. Juli, 11 Uhr abends erwähnte, über die Seille geworfene starke deutsche Aufklärungsabtei⸗ lung bestand aus 5 Mann, die das feindliche Hindernis durch⸗ schnitten und unter Verlust eines Mannes zurückkamen. In der Gegend von Münster fanden gestern Kämpfe von geringerer Heftigkeit statt. Nach den Gefechten der letzten Tage sind dort vor unserer Front etwa 2600 gefallene Franzo⸗ sen liegen geblieben. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Armee des Generals v. Below siegte bei Schaulen (Schawli) über die russische 5. Armee. Seit 15 Tagen ständig in Kampf, Marsch und Verfolgung gelang es den deutschen Truppen gestern die Russen in der Gegend Rozalin und Szandow zu stellen, zu schlagen und zu zersprengen. Der Ertrag ist seit Beginn dieser O Operationen, dem 14. Juli, auf 27 000 Gefangene, 25 Geschütze, 40 Maschinengewehre, über 100 gefüllte, bespannte Munitionswagen, zahlreiche Bagage und sonstiges Kriegsgerät angewachsen. Am Narew wurden die Festungen Rozan und Pul⸗ tu sk in zähem, unwiderstehlichem Ansturm von der Armee des Generals v. Gallwitz erobert und der Uebergang über den Fluß zwischen den beiden Orten erzwungen. Starke Kräfte stehen bereits auf dem südlichen Ufer. Weiter nördlich und südlich dringen unsere Truppen gegen den Fluß vor. In den Kämpfen zwischen Niemen und Weichsel wurden seit dem 14. Juli 41000 Gefangene, 14 Geschütze, 90 Maschinengewehre genommen. Was in Rozan und Pultusk an Kriegsgerät erobert ist, läßt sich noch nicht übersehen. Vor Warschau fielen bei kleineren Gefechten der letzten Tage 1750 Mann Gefangene und 2 Maschinengewehre in un⸗ sere Hand. 8 Nördlich der Pilicamündung Truppen die Weichsel. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Von der Pilicamündung bis Koskozienice, nordwestlich pon Jwangorod, ist der Feind über die Weichsel zurückgedrückt. Vor Jwangorod schoben sich un⸗ sere Truppen näher an die Westfront der Festung heran. Zwischen Weichsel und Bug dauert der Kampf hartnäckig an. In der Gegend von Sokal wurden russische Angriffe gegen die B erreichten deutsche Brückenkopfstellung abgewiesen. Ein thürin⸗ gisches Regiment zeichnete sich dabei besonders aus. Den deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen der Armee des Generalobersten v. Woyrsch und der Armee des Generalfeldmarschalls v. Mackensen fielen seit dem 14. Juli etwa 50 000 Gefangene in die Hand. Die genaue Zahl sowie die Höhe der Materialbeute lassen sich noch nicht übersehen. Oberste Herresleitung. Notiz: Rozalin liegt 17 Kilometer nordwestlich Sandow. Erfolgreiche Stürme südlich Warschau. Dünkirchen beschossen. W. B. Großes Hauptquartier, W. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Am Ostrande der Argonnen sprengten wir ein Blockhaus des Feindes. Bei Leunois südlich von Bau⸗de⸗Sapt setzten sich die Franzosen in einem kleinen Teil unserer vordersten Gräben fest. 5 Die Festung Dünkirchen wurde mit mehreren mien belegt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei der Armee des Generals von Belo p finden Kämpfe mit Nachhuten des Gegners statt. Gestern wurden weitere 6000 Gefangene eingebracht. i Bei Vorstößen an der Jesia südlich Kowno und in der Gegend Dembowo, zehn Kilometer nordöstlich von Suwalki, wurden russise rüben erobert. Der Narew ist auf der ganzen Front von südlich Ostrolenka bis Pultusk überschritten. Südöstlich von Pultusk nähern sich unsere Truppen dem Bug. Südwestlich dieser Festung wurde trotz zähen Widerstandes des Feindes die Linie Nasielsk— Gzowy erreicht. Westlich von Blonie wurden mehrere Stellungen des Gegners genommen und füdlich von Warschau die Orte Ustanow, Lbiska und Jazgarzew erstürmt. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage bei den deutschen Truppen ist unverändert. Oberste Heeresleitung. Notiz: Die Orte Ustanow, Lbiska und Jazgarzew liegen etwa 25 Kilometer südlich des Mittelpunktes von Warschau. Gzowo liegt zehn Kilometer südlich Pultusk an der Straße Pultusk— Serozk. 8 Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Schwere Verluste der Italiener. Wien, 25. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.] Amtlich wird ver⸗ lautbart: 25. Juli 1915, mittags. Italienischer Kriegsschauplaß Im Görzischen beschränkte sich der Feind gestern tlagsüber auf starkes Artilleriefeuer. Verzweifelte Nachtangriffe gegen un⸗ B o sere Stellungen am Rande des Plateaus von Doberdo . Warschau. amer schweren Berlusten der Jtauener zufsammen und konnten an der Tatsache nichts ändern, daß der Ansturm gegen die küsten⸗ ländische Front vergebens ist. 8 Russischer Kriegsschauplaß.. Auf dem russischen Kriegsschauplatz verlief der gestrige Tag verhältnismäßig ruhig. Bei Jwangorod wiesen unsere Trup⸗ pen einige schwache Vorstöße des Gegners ab. Südlich Krylom wurde ein russischer Uebergangsversuch über den Bug vereitelt. Im übrigen ist die Lage unverändert. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant, Englische Sorgen um Riga. London, 25. Juli.(Ctr. Frlkft.) Die Wochenzeitschrift Economist schreibt über die Bedeutung Rigas: Die Bewegung der deut⸗ schen Truppen in den baltischen Provinzen, die vielleicht guerst nur dazu dienen sollte, russische Truppen von Galizien zurück— zuziehen, ist in einer Hinsicht wichtiger noch als der Angriff auf Riga ist während der letzten 20 Jahre eine der Hauptindustriestädte in Rußland geworden, und es mag wohl für die russische Munitionsfabrilation ein wichtigeres Zentrum sein als Warschau. Abgesehen davon hat Riga zwei der größten Waggon— fabriken in Rußland und weitbekannte Gummifabriken. Andere Fabriken stellen Boote, Leinen und Tlicher her. Alles zusammen hat Riga etwa 200 Fabriten, die 30 000 Arbeiter beschäftigen. Warschau hat nicht nur große Textilfabriken, aber die Hauptindustriestadt Polens ist bereits in deutschen Händen, nämlich Lodz, das für Weberelen am allerwichtigsten ist. Vom Standpunkt der Einkünfte ind Polen und die baltischen Provinzen ziemlich wichtig für Ruß⸗ land. Wenn die Deutschen nun erfolgreich sind, so könnten sie eine gerade Linie ziehen von Riga bis Lemberg und dann mit dem Vorgehen einhalten. Riga und Warschau würden dann wahr⸗ scheinlich schwere Geld⸗ und Material-Kontributionen zahlen müsssen. Es ist zwar nicht viel Getreide vorhanden, aber Bauholz und Flachs in reicher Menge, und Flachs ist für die Anfertigung von Aexoplau⸗ flügeln und Luftschiffhüllen von großem Werte. Der schlesische Flachs ist bei weitem gevingwertiger an Qualität als der Flachs von Riga. Britische Interessen sind in Riga und Um⸗ gebung stark vertreten, mehr sogar noch als in Polen, wo vor allen Dingen deutsches Kapital interessiert ist. Die baltischen Provinzen sind sehr kultiviert und gut bebaut, hauptsächlich mit Flachs, obgleich sio zweifelsohne seit der Mobilmachung unter der Okkupation durch die russische Armee gelitten haben müssen. Der Weg von Riga nach Petersburg beträgt etwa 350 Meilen, und eine siegreiche deutsche Armee könnte es versuchen, weit hinter Riga vorzurlicken. Anderer- seits wären die Kosten eines derartigen Versuchs an Menschenleben, Material umd Geld derartig groß, daß wir selbst jetzt noch nicht, daran verzweifeln miissen, daß sich Rußland wieder erholen könne. Die Aussichtslosigkeit der französischen Angriffe. Der militärische Mitarbeiter der Basler Nach— richten bespricht die Lage im Westen und kommt dabei zu folgendem Schluß: Es ist keine Aussicht vorhanden, daß die Angriffe der Franzosen zu einer entscheiden— den Aktion führen. Es handelt sich auch hier nur um lokale Kämpfe, die in diesem schwierigen Gelände viel Kraft ver— brauchen, ohne daß die allgemeine Lage dadurch beeinflußt wird, selbst wenn sie mit einem Siege endigen. Die Lehre von der Guerre d'usure, die immer wieder in der Entente— presse auftaucht, kann zu keinem Ergebnis führen, ebenso— wenig wie die Versuche, durch Abschneiden der Zufuhr die Zentralmächte zum Nachgeben zu zwingen. Auch heute noch gibt es im Kriege der Großmächte nur ein Mittel, dem Gegner seinen Willen aufzuzwingen: die Vernichtung seiner Streit— kräfte auf dem Schlachtfelde. Der türkische Tagesbericht. Die Dardanellenkämpfe. Konstantinopel, 24. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Bericht des Hauptquartiers. An der Dardanellenfront in der Nacht vom 22. zum 23. Juli bei Ari Burun zeitweise Artilleriekampf. Am Morgen des 23. Juli hatte eine Gegen— mine, die wir zur Explosion brachten, um die Wirkung einer feindlichen Mine gegen unser Zentrum aufzuheben, ein gutes Ergebnis. Am Nachmittag traf während einer erfolglosen Beschießung unserer Stellungen auf dem linken Flügel durch zwei Monitore ein Volltreffer unserer Artillerie einen Monitor, worauf sich beide entfernten. Am Vormittag des 23. Juli schlugen wir cinen Angriff gegen einigt unfcrxx Gräben unseres rechten Flügels bei Sedd-ül-Bahr ab. Unsere Artillerie brachte die feindliche Artillerie, die unsere Gräben beschoß, zum Schweigen. Unsere auatolischen Batterien zerstreuten feindliche Truppen, die Verschanzungen bei Sedd⸗ ül-Bahr auswarsen. Auf den anderen Fronten ereignete sich nichts Wesentliches. Konstantinopel, 25. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront bei Ari Burnu gegenseitiger Minenkampf. Am 24. Juli wurde die feindliche Landungsstelle beschossen. Bei Sedd-ül-Bahr schwaches Feuergesecht. Unsere Artillerie zwang eine feind⸗ liche Haubitzenbatterie westlich Hissarlick vor unserem linken Flügel, die Stellung zu wechseln, und brachte sie zum Schweigen, als die Batterie das Feuer wieder begann. Auf den übrigen Fronten nichts von Bedeutung. Schwere Verluste der Alliierten. Athen, 24. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Aus Salonik wird ge⸗ meldet, daß die Alliierten bei ihren letzten Angrifsen vor den Dardanellen sehr schwere Verluste erlitten haben. Be⸗ sonders eine französische Division litt entsetzlich und ließ im Zurück⸗ gehen den größten Teil ihrer Maunschaften zurück. Ein enlischer Trans portdampfser torpediert? Athen, Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Aus Salonik kommt die Meldung, daß der englische Truppentransport— dampfer„Arrewurous“(?) von einem Unterseeboot torpediert worden ist. Die erste große französische Kriegsanleihe von 6000 Millionen. Wie aus Paris berichtet wird, hat der französische Ministerrat in einer seiner jüngsten Sitzungen die Aufnahme ber ersten großen Kriegsanleihe im Mindestbetrage von 6000 Millionen beschlossen. Diese Anleihe wird wahrscheinlich Ende August oder Anfang September zur öffentlichen Zeich— nung aufgelegt werden; denn bis dahin wird der gesetzliche Höchstbetrag der Notenausgabe der Bank von Frankreich (15 000 Millionen) erreicht sein. Die Vorsorge für einen Winterfeldzug. Berlin, 25. Juli.(W. T. B. Amtlich.) Die Herresver— waltung teilt mit, daß für einen etwa kommenden Winter— feldzug der Bedarf an warmer Unterkleidung, namentlich an Handschuhen, Pulswärmern und Kopfschützern, schon jetzt ge— deckt ist. 25. Dampferunglück in Chicago. 1200 Tote. Reuter meldet aus Chicago, daß der „Eastland“ auf dem Flusse umgeschlagen ist. Es waren mindestens 2500 Mann an Bord. 300 Leichen sind bereits gefunden worden, sie wurden hauptsächlich aus dem Schiffsinnern geholt. Es wur⸗ den Löcher in die Seitenwände geschlagen. Erschütternde Szenen spielten sich ab, als das Schiff überzuhängen begann. Die Leute, die an Deck waren, und die sich an der hoch liegenden Seite des Schiffes festklammerten, sind durch vorbeifahrende Schiffe zum Teil gerettet worden. Aber die Passagiere in den Kajüten, die zum größten Teil aus Frauen und Kindern bestanden, konnten nicht ge⸗ rettet werden. Feuerwehrleute, die mit dem Wegholen der Leichen betraut wurden, fanden sie in den Kabinen aufeinandergehäuft wie Ballen Kaufware. Aus der Lage der Leichen ist zu ersehen, daß die Leute versuchten, alle zu gleicher Zeit nach den Türen zu stlirzen. Zeugen der Katastrophe erklären, daß alles innerhalb 5 Minuten vorüber war. Die Leichen wurden mit Schlepp⸗ dampfern an Land gebracht, wo sie nach dem Bootshaus verbracht wurden. Aus der Leichenschan geht hervor, daß viele Frauen Kratzwunden im Gesicht hatten und zerrissene Kleider, ein Beweis dafür, daß verzweifelt um den Ausgang gekämpft worden ist. Nachdem die ersten 500 Leichen gehoben worden waren, suchten die Taucher die Leichen aus dem Innenraum des Schiffes weiter zu bergen und fanden noch weitere Leiche, die mit Stricken herauf gezogen wurden. Offiziell wird die Anzahl der Toten nun auf 1000 geschätzt. Die Erklärung, daß die Menschen sich alle auf die Vergnügungsdampser eine Seite zhlagen war, wird als unrichtig erklärt. Die Lolalbehörden haben den Kapitän und die Steuerleute in Haft nehmen lassen, und es wurde jetzt erst festgestellt, daß die„Eastland innen 9 55 einmal gezeigt hatte, daß sie als ein Schiff von, wee e Güte einmal beinahe gekentert war. Es war ein stählernes! bot 7 00 etwa 300 Fuß Länge. Die gesamte Mannschaft konnte sich retten, indem sie nach dem Lande schwamm. Bei einer durch die 5 inspektion eingeleiteten Untersuchung stellte sich weiter heraus, 1 der Wasserballast aus dem Schiffsraum gepumpt war, un mehr Passagiere an Bord nehmen zu können. Eine andere nutmaßung geht dahin, daß das Schiff im Schlamm stecken geblieben ist un nicht mehr loskommen konnte, als 97 e zu arbeiten be⸗ gannen, wodurch das Schiff Schlagseite bekam.. 1 Das Reutersche Bureau meldet aus Chicago: Die Zahl, der beim Untergang des verunglückten Dampfers„Eastland“ er⸗ trunkenen Passagiere wird auf 1200 geschätzt. Eine Millionenunterschlagung. Der Hauptkassierer des Schweigerischen Bankvereins in Vasel unterschlug ungefähr 2 Millionen Franken. Er wurde verhaftet. Die unter⸗ schlagene Summe hat er anscheinend zur Deckung von Differenzen verwendet, die aus Privatspekulationen entstanden sind. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Verstorbene. Marie Weber in Alsfeld, 23 Jahre alt.— Heinrich Dörr, Maurer in Gießen, 41 Jahre alt. b K. Mü'lfer II., Schneidermeister in Lang⸗Göns, 52 1 alt. — Franziska Koch in Alsfeld, 50 Jahre alt.— Heinrich 9 meier in Rainrod b. Alsfeld, 60 Jahre alt.— Frau Wilhelmine Zutt, geb. Scharf, in Biskirchen b. Wetzlar. Wochenmarktpreise in Gießen am 25. Juli 1915 Butter per Pfd. 1.60—1.70 Mt.] Neue Kartoffeln Pfd. 10—13 Pfg. Milch 10 Liter 24 Pfg.] Zwiebeln ver Pfund 25—30 ffg⸗ Hühnereier Stück 15—00 Pfg.] Blumenkohl per Stck. 20—30 Pf Gänseeier Stück— Pfg. Weißkraut b. Haupt 00 00 Pfg. Käse Stück 6—8 Pfg.] Notkraut b. Haupt 00—00 Pfg. Käsematte 2 Stück 5—6 Pfg.] Wirsing. v. Haupt 20—25 Pfg. Tauben per Paar 0.80— 1.20 Mk.] Kohlrabi per Stück 6—8 Pfg. Hühner per Stück 1.20—2.00 Mk.] Gurken per Stück 10.—30 Pfg. Hähne der Stück 1.50—2.50 Mk.] Kleine Gurken; Stüc 3—5 Pfg. Ochseufleisch per Pfd. 1.20—1.24 Mk.] Bohnen Pfund 20—00 Pfg. Kalbfleisch ver Pfd. 108—112 Pfg.] Kopfsalat. per Kopf 8-10 Pfg. Kuh⸗uu. Rindfl. per Pfd. 100.118 Pfg.] Gelbe Rübchen Päckchen 12 Pfg. Schweinefleisch Pfd. 140—150 Pfg.] Falläpfel Pfund 6—8 Pfg. Hammelfleisch p. Pfd. 96— 110 Pfg.] Pflaumen Pfund 30-35 Pfg. Kartoffeln p. Malter 00-00 Mk.] Heidelbeeren Liter 45—50 Pfg. Kartoffeln Pfd. 6—8 Pfg Himbeeren Schoppen 25—00 Pfg. Das Einbringen der Ernte. In diesem Sommer fehlen auf dem Lande viele Arbeitskräfte zum Einbringen der Ernte. Die in den städtischen Haushaltungen vorhandenen Dienstboten stammen meist vom Lande und sind mit den Erntearbeiten vertraut. 5 g N An die städtischen Dienstherrschaften richte ich daher die Bitte, ihre Dienstboten auf Wunsch zu beurlauben, wenn sie auf dem Lande beim Einbringen der Ernte helsen wollen. Gießen, den 24. Juli 1915. Der Oberbürgermeister: Keller. Ferien der Volksschulen. Die Herbstferien für die Volksschulen sind festgesetzt worden auf die Zeit vom 1. bis 28. August und vom 1. bis 9. Oktober ds. Js. Sollte Ende September ungünstiges Wetter eintreten, so bleibt anderweite Festsetzung dieser 2. Herbstferjen vorbehalten. Gießen, den 23. Juli 1915. Der Schulvorstand. zum Anlernen in der Gießerei Akkordarbeit, garantierter Minimallohn. Bänninger G. m. 6. H., Giessen. Soeben erschienen! A eueste Kriegskarte!, Gießener (Künstlerische So ste am 12. Juli 1915 Für nur 40 Pfg. Von maßgebender militär. amtl. Stelle geprüft und genehmigt g Jedermann daheim und unsere Truppen im Felde wollen wissen: Wie steht der Krieg! Die rascheste und zuverlässigste Auskunft darüber gibt die von maßgebender amtlicher militärischer Stelle geprüfte und genehmigte Kriegsoperationskarte als Feldpostbrief ht der Krieg hat Jedermann in farbigen Karten, Texten und Bildern einen Rück⸗ u. Ausblick in überraschend anschau⸗ Jufolge andauernd unbest Erstaufführung! „Der Spen Lokalposse in 5 Akten v. G. Preise der Plätze: . Logen 4. 2. Parkett D. 3. Parkett 5. 2. Rang Nur zu haben: Giesten. Bahnhofstraße 23. 3 licher Weise über alle Kriegsschauplätze der Welt N Buchhandlung Oberhess. Volkszig. sprechende Plätze e in getaus Militär, vom Feldwebel Plätzen halbe Preise. Dienstag, 27. Juli 1915, abends 8 Uhr, im Stadttheater 2. 1. Parkett/ . 1. Rang 8 5 7 Für die Sonntagsvorstellung gelöste Karten können g 2 989 Freilicht⸗ Sühne (Gegründet 1909.) Oberleitung: Direktor Steingoetter). immter Witterung mußte die gestrige Aufführung abgesagt werden. Erstaufführung!? glermeister Bimbächer“ Asmus u. Dr. Krönlein. Spielleitung: W. W. Göttig.“ Im Vorverkauf: An der Abendkasse: **** 1.75 2.— 1.20 1.50 *„ 90 1.10 . 8. 2.60 80 Galerie u. 2. Rang Seite—.40—.40 bei Erust Challier cht werden. e abwärts, zahlt auf den unter 4, 5, 6 und 7 genannten Für die Freilichtbühne: Dr. K. Bernbeck. zu verkehren, ist Pilicht eines jeden organisierten Arbeiters. Durch den Besuchdesdewerkschaftshauses un- terstützt der Arbeiter sein eig. Heim 12 Speisen u. Cetränke. Billig. Logis