* bet Organ. für die Interessen des werktätigen Volkes der rovinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementsbpreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl.1 80 Mt. Redaktion und Expedition Giesien, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 171 Gießsen, Samstag, den 24. Juli 1915 10. Jahrgang. Zum 3 Die Forkschritte im Ofen vom 15. his 19. Juli. Von Richard Gädke. Während in den Tagen vom 5. bis 14. Juli im Osten ein all⸗ gemeiner Stillstand der Operationen eingetreten war, der nach einzelnen Nachrichten aus dem österreichischen Kriegspressequartier als ein länger andauernder bewertet werden konnte, hat sich mit dem 15. Juli das Bild mit einem Schlage wieder gewandelt. Es läßt sich gegenwärtig noch nicht völlig übersehen, welche Ursachen die zeitweilige Ruhe bewirkt haben; doch ist ein sehr wichtiger Grund jedenfalls die Notwendigkeit gewesen, der bis dahin hart kämpfenden Armee Mackensens neuen Ersatz an Mannschaften, neben Nachschub an Schießbedarf und Verpflegung nachzuführen und die Etappenlinien neu zu ordnen. Wir müssen uns hierbei vor Augen halten, daß der Verbrauch an Menschen wie an Geschossen in diesem Kriege ein so ungeheurer ist wie auch nur annähernd nie zuvor. Die gewaltig gesteigerte Artillerie, deren Tätigkeit in zahl⸗ auf einem Verschleudern von Geschoßmassen, wie sie vor einem Jahr vielleicht noch keiner der Berufensten in seinen ausschweifendsten Träumen sich gedacht hat. Die lebenden Kampfesverluste sind viel— leicht in der einzelnen Schlacht durchschnittlich nicht höher als sonst; aber die Kämpfe folgen sich Schlag auf Schlag, wie noch in keinem Kriege. Die Zahl derer wird nicht ganz gering sein, die in diesem Kriegsjahre auf gegen hundert Gefechtstage zurückblicken können, während man die Zahl von 50 Feuertagen wohl als einen guten Durchschnitt ansprechen kann. Bis dahin hielt man aber die Schlachten für die Ausnahme, die Marschtage für die große Regel. Daß diese Aenderung der Kriegführung gewaltig gesteigerte An— forderungen für die Schlagfertigkeit der Truppen bedeutet, ist klar; und daraus wieder ergibt sich die zwingende Notwendigkeit, von Zeit zu Zeit längere Ruhepausen zwischen die Hast der Operationen einzulegen. Gerade in jenen östlichen Gefilden ist ja vor hundert Jahren Napoleon daran gescheitert, daß er den Marsch von der ost⸗ preußischen Grenze bis Moskau sozusagen in einem Zuge zurück⸗ legen wollte. Dabei löste sein Heer sich inmitten seiner Sieges⸗ laufbahn an Hunger und Erschöpfung auf. Um wieviel mehr sind heutzutage Aufenthalte nötig, wo die Bedürfnisse der Riesenheere unendlich gestiegen sind und der Troß, der ihnen folgt, unwahr⸗ scheinliche Ausdehnungen angenommen hat. 5 Aber in unserem Falle wird wohl noch ein anderer strategischer Grund für den zeitweiligen Stillstand der Operationen maßgebend gewesen sein. Gleichzeitig mit dem erneuten Aufbruch Mackensens von Süden her hat sich Hindenburg von Norden in Bewegung ge— setzt. Dazu aber mußte er seine Heere neugruppieren und un⸗ zweifelhaft Verstärkungen abwarten. Monatelang hatte er sich be⸗ gnügen müssen, eine eiserne Mauer um unsere Sstprovinzen zu ziehen, die sie vor einem dritten Russeneinbruch schützten. Sein kühner Vorstoß gegen Kurland war nur eine Episode und die ein- zelnen siegreichen Angriffe seiner tapferen Truppen kecke Demon⸗ strationen, die die Russen in Respekt halten und möglichst das Fort⸗ ziehen ihrer Truppen zur Verstärkung anderer Fronten erschweren sollten. Der letztere Zweck konnte, solange der Feldherr zu einer großen Offensive nicht stark genug war, natürlich nur teilweise er— reicht werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat die russische Heeres—⸗ leitung in den ersten Julitagen mit Hilfe eines günstigen Bahn⸗ netzes Armeekorps vom Norden nach dem Süden gezogen, um ihren in Galizien geschlagenen Truppen Hilfe zu bringen. Dadurch wur⸗ den diese instand gesetzt, der österreichischen J. Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand nicht nur erneuten Widerstand entgegen zu setzen, sondern sogar zu einem Gegenangriff überzugehen, der ihnen einen Tag lang Erfolge brachte. Aber dieser Abmarsch aus dem Norden erwies sich als ein Nach— teil, sobald Hindenburg seinerseits zu einem Schlage ausholte. Mit dem Geschick, das er schon wiederholt bewiesen, versammelte er an der Stelle der schwachen Gruppe des Generals von Lauenstein überraschend die Armee des Generals Below nördlich des Niemen, die nun in breiter Front gegen Nordosten und Osten vordrang. Man wird annehmen müssen, daß er mit einer ganzen Armee mehr als nur demonstrative Zwecke verfolgte und auch größere Absichten hat, als nur feindliche Kräfte zu fesseln. 5 Aus verhältnismäßig schwachen Kräften, die monatelang die Südostgrenze Ostpreußens um Kol no gedeckt und die russische Narewfestung Ossowiez bedroht hatten, entstand nun die neue Armee des Generals von Scholz, und weiter westlich wuchs die bis⸗ herige Armeegruppe Gallwitz ebenfalls zu einer augenscheinlich stattlichen Armee an. Nun waren die Dinge zu der ganz großen Operation reif ge— worden, zu der die an sich so gewaltigen und siegreichen Kämpfe vom Dunajez bis zum Bug im Mai und Juni nur das Vorspiel gebildet haben: zu dem gleichzeitigen Angriff von Norden und von Süden gegen die zahlreichen im östlichen und westlichen Polen noch verbliebenen russischen Streitkräfte. Am 14. Juli traten die beiden Armeen des Nordens ihre Vor— bewegung an; General von Gallwitz besetzte unter siegreichen Ge— fechten zum zweiten Male das so heiß umstrittene Prasznysz, während General von Scholz von Osten her auf die Flanke der Russen drückte und sie zwischen Pissa und Skwa mit seinen tapferen Landwehrtruppen zurückwarf. Am 15. Juli erfocht Gallwitz dann einen großen Sieg, indem er die 40 Kilometer lange, stark befestigte russische Stellung zwischen Ziechanow und Krasnoselz überwältigte; beide deutschen Generale warfen die geschlagenen Gegner in den folgenden Tagen bis auf und hinter die Narewlinie zurück, vor der die Armee Gallwitz nun— mehr in der Linie der Festungen Ostrolenka—PultuskNowo Georgiewsk steht, während Scholz die weiter östlich gelegenen Jestungen Ossowiez und Lomza bedroht. Mit der Bezwingung der Narewlinie haben beide deutschen Heere natfirlich noch eine schwere Aufgabe zu erfüllen, da der befestigte Flußlauf durch ausgedehnte Sumpfniederungen eine besondere Verteidigungsstärke erhält. Glücklicherweise ist gegenwärtig die beste Jahreszeit zur Ueber⸗ schreitung derartiger Flußabschnitte. Mau wird wohl hoffen dürfen, Pilaczlowica; am 18. Juli wurde hier ein Gegenangriff der russi⸗ 5 2 1 8 7 Tohl-] dem Drucke aller dieser reichen Fällen schlechthin entscheidend gewesen ist, beruht zum Teil 05 daß in diesen Tagen schon die große Schlacht um den Narew im Gange und vielleicht auch günstig entschieden ist. Denn die Wider- standskraft der russischen Truppe ist selbst hinter starken Befesti⸗ gungen augenscheinlich stark erschüttert. Erst am 16. Juli nahmen die Heere Mackensens von Süden her in der ganzen Breite zwischen Weichsel und Bug die Vorwärts⸗ bewegung wieder auf und durchbrachen die feindliche Aufstellung am folgenden Tage westlich des Wieprz zwischen Krasnostaw und schen Garde abgeschlagen und weiter östlich bis zum Bug hin sieg— reich Raum gewonnen. Am Abend des Tages trat die russische Armee den allgemeinen Rückzug in nördlicher Richtung an. Zu gleicher Zeit aber ist die lange unterbunden gewesene deutsche Offensive westlich der Weichsel wieder in Fluß gekom⸗ men; am 16. Juli trat die Armee Woyrsch in der allgemeinen Richtung auf Iwangorod an, sie siegte am 17. nordöstlich Sienno und trug am 18 ihren Angriff an und über die Ilzanka vor. Unter Niederlagen begannen nun aber die Russen auch die lange und zähe verteidigte Stellung an der Bzura und Rawka, 40 Kilometer vor Warschau, allmählich zu räumen; die deutschen Vorhuten folgten ihnen. So sehen wir in diesen Tagen die größte und gewaltigste Um— fassungsschlacht im Gange, die die Weltgeschichte bisher gesehen hat; von Norden, Westen und Süden her drängen deutsche Armeen auf einem Bogen von mehr als 500 Kilometern Länge ungestüm gegen die eingekreisten Russen vor, während andere Heere ihre eigenen äußeren Flanken sichern. Cannä und Sedan verschwinden vor der übermächtigen Riesenhaftigkeit dieses Kampfes. Noch ist die Schlacht nicht entschieden und noch läßt sich nicht übersehen, ob es möglich sein wird, den ganz großen Erfolg zu erringen; denn das hängt nicht nur von der unvergleichlichen Tapferkeit unserer Truppen, sondern zu einem guten Teil auch von den Maßnahmen der russischen Heeresleitung ab. Lange genug hat sie zwar, man möchte sagen, mit einer gewissen Dickfelligkeit die schwer bedrohte Stellung westlich der Weichsel sestgehalten. Jetzt aber ziehen ihre Armeekorps anscheinend über die Weichsel ab, um vielleicht östlich des Flusses nach Norden wie nach Süden zur Wiederherstellung des Kampfes oder zur Deckung des Abzuges einzugreifen, während unsere Truppen an den starken Weichsel⸗ festungen und dem Flusse selbst notwendig einigen Aufenthalt haben werden. Hierin liegen vielleicht noch einige Aussichten der Rettung für die Russen und wir werden den weiteren Fortgang der Dinge abwarten müssen. Noch sind die Heere Mackensens und Hinden— burgs immerhin 250 Kilometer von einander entfernt, und in diesem Raume liegen drei nach Osten führende Bahnlinien, von denen die nördliche allerdings schon einigermaßen bedroht erscheint. Wie aber auch die Entscheidung schließlich fallen möge: mit der Anbahnung dieser Einkreisungsschlacht hat die deutsche Heer leitung die bisher größte und glänzendste strategische Leistung des Krieges vollbracht. 2 * Eine neue Rede Vanderveldes. Am Jahrestag der Erstürmung der Bastille hielt Vander velde, der Präsident der sozialistischen Internationale und bel⸗ gischer Staatsminister, im Stadtheater zu Saint Denis eine neue Rede, die sich hinsichtlich seiner Friedensneigung nicht von den früheren abhebt, neu oder eigentlich verblüffend aber ist seine Ansicht über das„immense Rußland“. An die Bastille⸗ erstürmung anknüpfend, sagte Vandervelde, daß sie für alle Völker die Bedeutung des leuchtenden Symboles der allgemeinen Befreiung angenommen habe. Sie bedeute, daß die Kräfte der Unterdrückung einen entscheidenden Niederschlag erlitten hätten. Immerhin 8 die Kräfte der Vergangenheit seit der großen Revolution blutige und grausame Wiederkehr gehabt. Heute stünden sie abermals im Kampf. Auf der einen Seite das liberale Frankreich und England, und Italien, ungeduldig, die Spuren des österreichischen Joches zu ver⸗ wischen, dann das tapfere Serbien und das immense Rußland. Auf der anderen Seite die zwei großen Feudalmächte Europas. ö Italien, Serbien und das„imanense Rußland“ als lobens⸗ werten Gegensatz der„Kräfte der Unterbrückung“ preisen, sie 1 1 1 1 sozusagen als Befreier von den„zwei Feudalmächten Europas“, das ist Deutschland und Oesterreich, hinstellen, verrät eine Au sassung, die man einem Staatsminister des klerikalen Belgien v eicht entschuldigen kann, aber bei dem Vorsitzenden der sozialistischen Internationale einfach unverständlich ist. Doch lassen wir Vander⸗ velde seine eigenartige Anschauung selbst begründen: Erstaunen Sie nicht, sagt Vandervelde zu seiner verwunderten Zuhöve ft, daß ich Rußland mit unter die Nationen stelle, die die Unabhängigkeit der Völker und die Sache des menschlichen Fort⸗ schritts verteidigen. Ich habe eine hohe russische Persönlichkeit er klären hören, Rußland könnte die größte Demokratie sein, wenn es nicht seit langem vergiftet worden wäre durch das Gift des deutschen Einflusses, der bis jetzt in den kaiserlichen Hof eingedrungen ist. Und das ist ohne Zweifel wahr. größte Teil des Absolutismus, worunter das vussische Volk le kommt ihm von Deutschland, das der russischen Regierung sein Ge⸗ präge aufgedrückt hat. Seid versichert Bürger, daß Rußland mach unserem Siege, an dem ich unerschütterlich glaube, sich eines Tages beglückwünscht an der Seste der Nationen gekämpft zu haben, die in der Welt die Kräfte der Freiheit und des Fort⸗ schrittes, die Sache der Völker vertreten. die sich selbst re⸗ 1 l⸗ 1 75 gieren wollen. Rußland wird dafür belohnt werden. Die Kräfte des Fortschrittes und der Freiheit werden bei ihm ihre Wirkung haben. Vandervelde setzt dann auseinander, daß der Vierverband füber das„Regime des Eisens und des Blutes“ siegen müsse und siegen werbe, zum ersten, weil bei seinen Verbündeten der unbeugsame Wille, bis zum Tode zu kämpfen, vorhanden wäre, zum andern, weil das mächtige England dabei sei. Vandervelde glaubt nicht nur an den Sieg, weil England seit der Einnahme Belgiens an seiner Seite slehe, sondern auch,„weil wir für eine gevechte Sache kämpfen und 2 weil wir den unerschütterlichen Willen haben, ohne Unterlaß und bis ans Ende zu kämpfen, um den Feind zu Boden zu schlagen.“ Die Balkaufragen. Dem Berliner Lokalanzeiger wird aus Konstantinopel berichtet: Die warme Aufnahme, die dem Fürsten Hohenlohe tür⸗ kischerseits bereitet wird, gilt nicht allein dem Vertreter des deutschen Botschafters, sondern auch der Persönlichkeit, von der, wie in türkischen politischen Kreisen versichert wird, eine endgültige Verständigung Rumäniens und der Zentralmächte erwartet wird. Die Verständigung dieser Mächte wird auch deshalb erhofft, weil als deren Folge eine bulgarisch⸗rumä⸗ nische Verständigung und ebenso die türkisch⸗bulgarische Ver⸗ einbarung, und letzten Endes eine offene Stellungnahme Griechenlands zu den Nachbarstaaten sich ergeben dürfte. * Die türkische Gesandtschaft im Haag widerspricht der Meldung, daß die kei einen Sonderfrieden herbeizuführen wünsche und daß sie in dieser Absicht eine Abordnung nach der Schweiz gesandt habe. Ebenso erklärt es die Gesandtschaft für unrichtig, daß zwischen türkischen Truppen und deutschen Offizieren Reibungen oder gar ernstere Zwischenfälle stattgefunden hätten. Keine griechische Intervention. T. U. Zürich, 22. Mai. Tribuna meldet aus Brindifi⸗ Die Hoffnung auf eine griechische Intervention zugunsten des Vierverbandes ist auf ein Minimum gesunken. Der deutschfreundliche Hof und der Generalstab stehen der vene⸗ zilistischen Kammermehrheit schroff gegenüber. Dardanellen und russische Getreideausfuhr. Der Kampf um die Dardanellen ist bekanntlich nicht nur von gewaltiger politischer Bedeutung, sondern ganz besonders für Ruß⸗ land und die Balkanländer ein Kampf um wirtschaftliches Sein oder Nichtsein; denn die Getreideausfuhr aus dem südlichen Ruß⸗ land und aus den meisten Balkanländern hat bisher ihren Weg durch die Dardanellen genommen, um nach dem Westen zu gelangen und sie hat weder gegenwärtig einen anderen Weg, noch in abseh⸗ barer Zeit die Möglichkeit, einen neuen zu schaffen. Um welche Werte und Größen es sich bei der Getreideausfuhr Rußlands und der Balkauländer durch die Dardanellen handelt, zeigt eine Statistik, die soeben über das Weizenjahr 1914 im Verhältnis zu 1915 an die Oeffentlichkeit gekommen ist. Danach haben Rußland und die Balkanländer im Jahre 1915 nur 14,4 Millionen Bushels statt 234,7 Millionen Bushels im Vorjahr exportieren können. Rußland erstickt also sozusagen in seinem Getreidereichtum, während die Westmächte, besonders England, den Weizen aufs bitterste ent⸗ behren. Einen Ersatz hat wenigstens England für den russischen Weizen in der verstärkten Weizeneinfuhr aus den Vereinigten Staaten und Kanada gefunden. Unsere U-Boote haben allerdings auch hier manche englische Hoffnung geknickt und die Zufuhr ver⸗ mindert, was die Preise steigen ließ. Diese Lage des englischen Weizenmarktes wird natürlich die militärische Lage an den Darda⸗ nellen je länger je mehr verschärfen; man kann aber getrost an⸗ nehmen, daß alle Versuche, die Dardanellen mit Gewalt zu öffnen, wie bisher so auch fernerhin scheitern werden, was nicht nur mili⸗ tärische, sondern auch wirtschaftliche Rückwirkungen auf England und seine Verbündeten ausüben muß. Daher der immer dringendere Wunsch, daß nun endlich auch Italien sich am Angriff auf die Dardanellen beteilige. Die öffentliche Meinung in Italien scheint aber nach neueren Nachrichten über diefen Zug an die Dardanellen sehr geteilt zu bleiben; sie wird wissen warum. Der Kampf gegen Oesterreich ist bisher nicht so verlaufen, daß die Begeisterung für eine Ausdehnung der kriegerischen Operationen besonders ge⸗ wachsen wäre. Aber England wird auf seinen Schein bestehen: wozu zahlt es die Subsidien, wenn nicht die Hilfsvölker dazu bei⸗ tragen sollen, den russischen Weizen auf den englischen Markt zu bringen. Die Brotversorgung Frankreichs. Wegen der bisherigen schlechten Bedingungen, unter denen die Zivilbevölkerung Frankreichs mit Getreide, Mehl und Brot versorgt wurde, sowie wegen der ungenügenden und von der Regierung zu spät getroffenen Abhilfsmaßnahmen und mit Rück⸗ sicht darauf, daß die Bevölkerung für den nächsten Feldzug, August 1915 bis Ende Juli 1916, zu wohlfeilen Preisen verproviantiert und vor jedem Wucher bewahrt werden müsse, fordert die sozialisti⸗ sche Kammergruppe in einer Tagesordnung von der Re⸗ gierung, daß in Zukunft den Zivilbehörden das 9 der Beschlag⸗ nahme von Getreide und Mehl zusteht, anstatt wie bisher den Mi tärbehörden, ferner die Festsetzung von Höchstpreisen sowie des Ei kaufs und der Importmöglichkeit ausländischen Getreides, die aus⸗ schließlich dem Staat vorbehalten war. Die Herstellung von Kriegsbedarf durch Deutsche im Auslande ist Landesverrat. Durch Wolffs Bureau wird folgende amtliche Warnung ver⸗ breitet: Wie verlautet, sind in den neutralen Ländern, insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika, Personen deutscher Abstam⸗ mung als Arbeiter, Ingenieure oder in sonstiger Eigenschaft in Be⸗ trieben tätig, die sich mit der Herstellung von Kriegsbedarf für un⸗ sere Feinde befassen. Alle diejenigen, die auf solche Weise die feind⸗ liche Kriegsmacht stärben und dadurch Deutschlands Kriegführung erschweren, laden nicht mur eine schwere moralische Schuld gegen ihr Vaterland auf sich; sie machen sich auch— was nicht allgemein be⸗ kannt zu sein scheint— nach den deutschen Gesetzen wegen Landes⸗ verrats strafbar. Der§ 89 des Reichsstrafgesetzbuches lautet näm⸗ lich:„Ein Deutscher, welcher vorsätzlich während eines gegen das Deutsche Reich ausgebrochenen Krieges einer feindlichen Macht Vorschub leistet, oder der Kriegsmacht des Deutschen Reiches ader der Bundesgenossen desselben Nachteil zufügt, wird wegen Landes⸗ verrats mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren oder mit Festungshaft von gleicher Dauer bestraft.“. Ferner bestimmt der§ 4 Abs. 2 des Strafgesetzbuches,„daß ein Deutscher wegen einer landesverräterischen Handlung auch dann verfolgt wird, wenn die Handlung im Ausland begangen ist.“ Sofern also Personen, die sich an der Herstellung von Kriegs⸗ bedarf für die Feinde Deutschlands beteiligen, die deutsche Staats⸗ angehörigkeit besitzen, können sie strafgerichtlich verfolgt werden, so⸗ bald sie deutschen Boden betreten. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß die deutschen Strafverfolgungsbehörden jeden Deutschen, der in dieser Zeit seine Pflichten gegen das Vaterland verletzt, ohne Nachsicht zur Verantwortung ziehen werden. Wirtschaftliche Umwälzung in Ostpreußen. Infolge der Zerstörungen, die der Russeneinfall in Ost⸗ preußen auf den dortigen Gütern verursacht hat, werden, wie die Magdeburgische Zeitung schreibt, eine ganze Reihe von Besitzern die weitere Bewirtschaftung ihres Gutes auf— geben und ihre Besitzungen zum Verkauf stellen. Auch von den Pächtern königlicher Domänen haben bereits mehrere auf die Fortsetzung der Pachtung verzichtet. Die Domänenver⸗ waltung beabsichtigt nun, die auf diese Weise frei werdenden Domänen für Zwecke der inneren Kolonisation zur Ver— fügung zu stellen. Es stehen bereits zwölf Domänen mit rund 24000 Morgen Land für die Besiedelung zur Ver⸗ fügung. Jedenfalls wird sich aber die Zahl der Domänen, deren Pachtung infolge des Russeneinfalls nicht verlängert Wird, noch vermehren. In welchem Umfange insgesamt in⸗ folge des Krieges Grundbesitz für die innere Kolonisation gewonnen wird, läßt sich zurzeit noch nicht übersehen. In erster Linie wird geplant, Bauerngüter zu schaffen, wie sie in anderen östlichen Provinzen mit gutem Erfolge einge richtet sind. Daneben wird jedenfalls auch auf eine Ansiede lung von Arbeitern Bedacht genommen werden. Ein politischer Prozeß. Vor der Strafkammer in Bremen stand am Mittwoch der Vorsitzende der dortigen Filiale des Verbandes der Maschinisten und Heizer, Genosse Heinrich Hüneke unter der Anklage der Auf⸗ reizung zum Klassenhaß, der Verleitung von Soldaten zu Vergehen gegen die militärische Zucht und Ordnung und der Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze. Dieser Straftaten soll sich der Angeklagte schuldig gemacht haben durch Verbreitung von etwa 100 Exemplaren des Flugblattes:„Der Hauptfeind steht im eigenen Land“. Die Verhandlung, zu der vom Verteidiger Dr. Herz⸗ Altona, Rrichstagsabgeordneter Genosse Henke als Zeuge geladen war, fand unter strengstem Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr Gefängnis, der Verteidiger Frei⸗ sprechung. Das Gericht erkannte nach Wiederherstellung der Oeffent⸗ lichkeit auf neun Monate Gefängnis unter Anrechnung der siebenwöchigen Untersuchungshaft.. Zur Begründung führte der Vorsitzende folgendes aus: Bei Be⸗ urteilung des Flugblattes müsse zunächst die Anklage auf Verleitung von Soldaten zu Vergehen usw. ausscheiden. Dagegen liege in dem Flugblatt sowohl eine Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze wie eine Aufreizung der verschiedenen Bevölkerungsklassen gegeneinander. Die Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Ge⸗ setze liege darin, daß den deutschen Arbeitern als Beispiel vorgehal⸗ ten werde der Kampf ihrer italienischen Genossen gegen den Kr mund die Art dieses Kampfes durch die Presse, Versammlungen und! Straßenkundgebungen. Diese Kampfesmittel seien unter dem Be⸗ lagerungszustand durch Verfügung des Stellvertretenden General⸗ kommandos für unzulässig erklärt. Ebenso liege auch Aufreizung der verschiedenen Bevölkerungsklassen gegeneinander vor. Als die gegenüberstehenden Klassen der Bevölkerung seien die deutschen Pro⸗ letarier und die deutschen Imperialisten zu bezeichnen. Der Ansicht der Verteidigung, daß der unter der Bezeichnung Imperialisten zu⸗ sammengefaßte Personenkreis, gegen den sich das Flugblatt richte, keine Bevölkerungsklasse im Sinne des Gesetzes sei, trat das Gericht micht bei. Zu den Imperialisten würden vom Verfasser des Flug⸗ blattes auch die Kapitalisten der Großschiffahrtsgesellschaften und der Schwerindustrie gerechnet. Da Hüneke das Flugblatt in Kenntnis seines Inhalts verbreitet habe, sei er schuldig,— neun Monate Ge⸗ fängnis seien angemessen. Das Gericht hob dann noch auf Antrag des Verteidigers den gegen den Angeklagten erlassenen Haftbefehl auf, da weder Flucht⸗ verdacht noch Verdunkelungsgefahr zu befürchten sei. Eine verbotene Konsumentenversammlung. Der Ortsausschuß für Konsumenteninteressen in Aachen, dem neben zfpei Mitgliedern der Gewerkschaften und der Genossenschaft dreizehn Vertreter verschiedener bür⸗ gerlicher Vereine angehören, hatte für vergangenen Montag. eine Versammlung einberufen, in der Verbandsdirektor Schlack⸗Köln von den westdeutschen Konsumvereinen christlicher Richtung über die„Ernährung im zweiten Kriegs⸗ jahr“ sprechen sollte. Vor Beginn der Versammlung teilte der Wirt des Lokals dem Ausschuß mit, daß die Polizei die Versammlung verboten habe! Grund des Verbots, das der zuständige Hauptmann des Bezirkskommandos ange⸗ ordnet hatte, war, daß in der Rede Stellen wie:„Einzelne heimsen Millionenprofite ein, während draußen das Volk Blut und Existenz opfert“, vorkamen; eine solche Rede sei, um den Burgfrieden() nicht zu gefährden, nicht zu gestatten!— Der Aachener Konsu⸗ mentenausschuß hat gegen das Verbot Beschwerde erhoben. Katzenjammer im Vierverband. Pariser, Londoner und Havreser Stimmungsberichte lassen, wie verschiedene Morgenblätter berichten, keinen Zweifel über die Panik, welche die Verzweiflungsversuche des russischen Heeres im Vierverbandslager hervorrufen. Man befürchtet eine Katastrophe der russischen Armee. Dazu kommen noch die schweren Sorgen wegen der italienischen Mißerfolge. In London sieht man für die Italiener am Isonzo das russische Schicksal in den Karpathen voraus. Was die Geschichte kostet. Wie nach der Deutschen Tageszeitung Wiener Blätter berichten, stellen sich die Kriegskosten des Vierverbandes im Juni für England auf 2100, für Rußland auf 1800, für Frankreich auf 1600 und für Italien auf 500 Millionen Franken, insgesamt also 6 Milliarden Franken, worin die Zinsen für die Kriegsanleihen noch nicht einbegriffen sind. Die Sündenböcke. T. U. Hamburg, 23. Juli. Das Hamburger Fremdenblatt meldet aus Kopenhagen: Nach Petersburger Meldungen wurden infolge der galizischen Niederlage 14 russische Generale und Stabs⸗ offiziere ihrer Posten enthoben und vor das Oberste Kriegsgericht in Petersburg unter Anklage gestellt. Wenn das nicht hilft—! T. U. Zürich, 23. Juni. Der Neuen Zürcher Zeitung wird aus dem Haag berichtet: General Botha bereitet die Absendung eines Buren-Hilfskorps von 10 000 bis 15 000 Mann nach England vor. Er soll das Korps persönlich nach England bringen. Der Konflikt zwischen den spanischen Seeleuten nd den Reedereien. T. U. Madrid, 22. Juli. Der Konflikt zwischen den See⸗ leuten und den Schiffahrtsgesellschaften in Barcelona und Bilbao nimmt einen bedrohlichen Charakter an. Die Re⸗ gierung ist entschlossen, die konstitutionellen Garantien auf⸗ zuheben, wenn es die Lage erfordert. Englische Kriegsstimmung. T. U. London, 23. Juni. Reuter meldet: In einer sozia⸗ listischen Versammlung in Queenstown, wo ein Antrag, den Truppen an der Front den Dank auszusprechen, angenommen worden war, drängten die Redner auf die kräftige Fort⸗ setzung des Krieges. Einige Personen, welche wiederholt den Rednern ins Wort fielen, wurden mit kräftigen Handgriffen entfernt. Die Versammlung in Kingston, welche von dem bekannten Friedensverein organisiert war, mußte abgebrochen werden. Die Redner wurden mit faulen Früchten, Eiern usw., beworfen. Das Publikum versuchte das Podium zu stürmen. Alle Pazifisten wurden innerhalb weniger Minuten aus dem Saale entfernt. Verschwörung gegen die Pacisic⸗Eisenbahn⸗ Gesellschaft. London, Juli. Reuters Besonderer Dienst meldet aus Montreal: Einer großen Verschwörung ist man auf die Spur ge- kommen, die den Plan hatte, die Maschinenwerkstätte der Canadian Pacific Eisenbahn in die Luft zu sprengen. Ein Oesterreicher sei festgenommen worden, der einen Tunnel in Brand setzen wollte. n 5 9 20. Nufsischer uebergriff gegen e e 0 ia, 23. j. Ohne vorherige Verständigung beschossen ee in der Nähe von Mangalsa an der rumänischen Küste das aus Konstanza gekommene mit Petroleum beladene bulgarische Segelschiff„Devng“, das rasch sank. Die Nachricht— 445 Sofia tiefen Eindruck. Die bulgarische Re⸗ gierung leitete eine Untersuchung ein. 5 Kriegsnotizen. Für sämtliche Gasthäuser in Sachsen soll eine einheit⸗ 11 8 e 5 an 225 Lande gültige Brotmarke ein⸗ eführt werden. 5 1 ain Per Pet Baristen erfährt aus Hare, die rumänische Re⸗ gierung habe durch Vermittlung des vumänischen Gesandten der del gischen Armee 3 Millionen Zigaretten überreichen lassen. 3 D. 1 zeldet, daß 22 Mann des russischen .(2118 Tonnen) in Pete rhead Dampfers„General Radetzky“(2. im 1 an Land gebracht wurden. Das Schiff ist durch ein deutsches Unter⸗ seeboot bei den Shetlandsinseln in den Grund gebohrt worden. Der Dampfer gehörte nach Riga und ging von Archangelsk nach London mit Bauholz. Vermischtes. Feuer in einer Leder fabrik. f Dienstag abend brach in der Lederfabrik von Westphal in Stellingen⸗Langenfelde bei Hamburg Großfeuer aus, das in kurzer Jeit sich über die ganze Fabrik ausdehnte und sie völlig vernichtete. Die Wohnhäuser wurden gerettet. Die Höhe des Schadens und die Ursache des Brandes ist unbekannt. Es wird Brandstiftung ver⸗ mutet. 1309 Zentner Spinnstoffe verbrannt. 5 In den von der e und ⸗Weberei in Bäumenheim bei Donauwörth gepachteten Lagerschuppen entstand am Sonntag nachmittag Feuer, das sich bald über das ganze Gebäude verbreitete. Im Innern befanden sich 130 000 Kilogramm Rohstoffe der Spinnerei, die zwar vollständig versichert waren, deren Verlust jedoch um so mißlicher ist, als Ersatz während des Krieges nur schwer zu beschaffen ist. Die Löschung des Brandes war sehr er⸗ schwert, weil sich in der Nähe kein Wasser befindet. Der Inhalt des Schuppens ist vollständig dem Feuer zum Opfer gefallen. Trotz dieses Verlustes ist die Spinnerei noch auf geraume Zeit hinaus mit Rohmaterial versehen. Brandstiftung wird angenommen. Vom Zuge abgesprungen. Am Montag abend verfäumte auf der Lokalbahn Mutterstadt⸗ Dahnstadt(Pfalz) der 36jährige Fabrikarbeiter Zahneisen an der Haltestelle das Aussteigen, sprang unterwegs vom Zuge ab und kam unter die Räder, wobei ihm beide Beine glatt abgefahren wurden. Zahneisen starb eine Viertelstunde später. Kinobrand. g f Zu Griesheim a. M. entstand in einem Kino unmittelbar nach Schluß der Vorstellung ein Brand, der sämtliche Films, Apparate und Ausstellungsstücke vernichtete. Eine Weiterverbreitung des Brandes auf das Gebäude wurde durch rasch herbeieilende Hilfe verhütet. Ein Zigeuner als Mörder. Als Täter, der Ende Juni auf der Landstraße von Dettelsbach nach Lengsfeld den 20jährigen Landwirtssohn Johann Klein aus Lengsfeld ermordete, wurde der 17 Jahre alte Zigeuner Wilh. Kon⸗ rad Dreschner aus Mönsheim in Württemberg ermittelt. Der Hanauer Untersuchungsrichter erließ gegen den flüchtigen Mörder einen Steckbrief. Die Verzweiflungstat einer Mutter. Die Wirtsfrau Rösberg in Köln versuchte am Samstag sich und ihre beiden Kinder im Alter von vier und sechs Jahren durch Gas zu vergiften. Da nur das kleine Mädchen bewußtlos wurde, schoß die Frau ihr Söhnchen nieder und tötete sich damn selbst durch einen Schuß in die Schläfse. Das jüngste Kind kam wieder zu sich, das Söhnchen wurde sterbend ins Hospital geschafft. Der Mann steht im Felde. Kampfhähne. Bei einem Wortwechsel kamen am Dienstag der ledige Zim⸗ mermann Joseph Fleißner von Schmidmühlen, der Dienstknecht Franz Humel von Burglengenfeld und der Dienstknecht Johann Graf von Gattersdorf in Streit, in dessen Verlauf Fleißner von den beiden angegriffen, mit Biergläsern beworfen und derart verletzt wurde, daß er an den erlittenen Verletzungen starb. Die beiden Täter sind verhaftet. Eine reiche Bettlerin. In Steinamanger in Ungarn lebte die 60 Jahre alte Witwe Johanna Ostrie viele Jahre mit ihrer 23jährigen Tochter Jlonka als Bettlerin. Nach ihrem jetzt erfolgten Tode wurde die Behörde verständigt, daß in der Wohnung der Verstorbenen, die für jeden Fremden streng verschlossen war, große Geldsummen verborgen seien. Bei einer Haussuchung wurden dann auch in einer Ofen⸗ röhre ein Barbetrag von 28 000 Kronen und mehrere Sparkassen⸗ bücher mit einer Gesamteinlage von 130000 Kronen gefunden und beschlagnahmt. Diethelm von Buchenberg. 5 Erzählung von Bertold Auerbach. 31 Im Stalle traf Diethelm den Medard, der ein großes Seil mit Karrensalbe einschmierte, und auf seine verwunderte Frage erhielt er die Antwort, daß dieses Seil aus der Rad— winde sei, das, mit Fett getränkt, als Lunte dienen müsse, um das Feuer blitzschnell in den Neubau auf den Heuboden zu leiten. Diethelm konnte nicht umhin, auch diese erfinde— rische Klugheit zu loben; dennoch sprach er davon, die Sache noch zu verschieben, da man an die dumme Prophezeiung glaube; Medard aber erwiderte:„Just deswegen müssen wir gleich losschießen. Weil alle davon schwätzen, ist jeder vor— sorglich und glaubt niemand dran, und geschieht jetzt was, da heißt's: das hat sein müssen, das hat kein Mensch getan, es hat sein müssen, weil's prophezeit gewesen ist.“ Wie doch alles auch seine Kehrseite hat, das erfuhr jetzt Diethelm; die Wendung, die Medard der Sache gab, war doch überaus sinnreich und fein berechnet, und doch war Diethelm schwer beklommen, schwerer als je; ihm war's, als wäre die Tat nicht mehr sein, sie war in fremde Hand gegeben und mußte geschehen, sei er nun willfährig oder nicht. Fast die ganze Nacht hindurch war Diethelm mit Medard beschäftigt, alles herzurichten. Die Mäuse liefen ohne Schen wie toll hin und her, als ahnten sie den Untergang des Hauses. Diethelm zitterten oft die Hände, aber Medard war voll heiterer Laune, und wenn es Diethelm versäumte, lobte er sich selbst über hundert kleine Erfindungen, die er noch machte, und kniff sich selbst in die Wangen. Diethelm schau⸗ derte, als Medard über die geweihten Kerzen im Kirchenton einen wild närrischen Feuersegen sprach. »Als der Morgen graute und ein lustiger Wind pfiff, ent— zündeten sie die Kerzen und verschlossen alles sorgfältig, daß kein Lichtschein nach außen dringe. Diethelm sagte nun, daß er verreise. „Bis wann kommst du wieder?“ fragte Medard. Betroffen sah Diethelm drein, daß ihn sein Knecht duzte, aber er hielt an sich und erwiderte:„Bis gegen Abend.“ „Drum,“ erwiderte Medard,„wenn du nicht auch da bist, wenn es losgeht, zeig' ich dich an, so wahr die Lichter da brennen; oder nimm mich mit, ich will nicht allein da sein, daß alles auf mich kommt.“ Diethelm bebte vor Wut, er sah, in welche Hände er ge— geben war, er griff sich hin und her am Halse, denn er fühlte, wie es ihm die Kehle zuschnürte; endlich brachte er unter Zähneklappern die Worte hervor:„Kannst dich drauf ver— lassen, daß ich abends wieder da bin, da hast mein' Hand drauf.“ Kaum hatte Diethelm die Hand Medards erfaßt, als e ihm einen Stoß vor die Brust gab, daß er niederfiel, und jetzt kniete er auf ihn und band ihm mit dem Halstuch die Hände zusammen, aber Medard biß ihn in den Arm, schnell raufte Diethelm eine Hand voll Wolle aus einem daneben stehenden Sack, stopfte sie Medard in den Mund, band ihm die Füße mit Stricken zusammen, betrachtete ihn einen Augenblick mit gehobenem Fuße, a's wollte er ihn zertreten, und eilte hinab, alles sorgfältig hinter sich verschließend. Vor dem Hause rief er absichtlich laut nach Medard, aber die Magd kam und half ihm die Pferde einschirren, und so schnell als der Wind, der den Schnee aufwirbelte, jagte Diethelm davon. 1 XV. Im Rautenkranz in der Hauptstadt lebte indes Fränz auch nicht so vergnügt, wie sie es gehofft hatte. Das Wirts— haus war fast wie eine kleine Stadt für sich; der gepflasterte Hof war so groß wie der Marktplatz eines kleinen Städtchens, bequem konnten zwei Frachtfuhren darin wenden, und in den Scheunen und Ställen war allezeit ein reges Leben: Frachtfuhren, Stellwagen, Botenwagen, Reiter und Fuß⸗ gänger von allen Gegenden des Landes gingen hier ab und zu, und jeder wußte so vollkommen Bescheid im Hause, daß das rührig bunte Treiben sich doch wieder wie eine stille Regel⸗ Haus geleitet gewesen, man hätte in ihm nicht geglaubt, daß man sich mitten in der Hauptstadt befinde. Die weite, offen stehende Küche mit ihrem zahlreichen glänzenden Kupfer⸗ geschirr an den Wänden und dem übermäßig breiten Herd in der Mitte, die steinernern Treppen mit ausgelaufenen Gleisen zeigten, daß hier alles von altem Bestand war, und gleicherweise zeigte sich's in der alten Wirtsstube, wo nicht weit von dem mächtigen Kachelofen an der großen, mit neu⸗ gebackenem Brot überschütteten Anrichte die Herrin des Hauses, eine stattliche Witwe, saß, nähte und sich von den An⸗ kommenden erzählen ließ und ihnen Bescheid gab, ohne sich zu irgend jemand zu drängen. Es gab vielleicht keinen zweiten Menschen im Lande, der dessen innerste Verhältnisse so genau lannte, wie die Frau Rautenwirtin, sie machte aber von ihrer Wissenschaft keinen Gebrauch, außer in seltenen Fällen, wenn sie von alten Hausfrauen um eine Nachricht angegangen wurde; sie wendete vielmehr ihre ganze Macht auf die Re⸗ gierung ihres Hauses, und diese gelang ihr vollkommen, denn sie herrschte unbedingt. Von ihren drei Töchtern hatte eine die Aufsicht in der Küche, während zwei die Gäste bedienten, die beiden Söhne versahen die Bäckerei und Metzgerei, und alle gehorchten der Mutter mit unbedingter Unterwürfigkeit; ja, die Söhne bekamen Sonntags von der Mutter ein Taschen⸗ geld ausbezahlt und fanden diese Abhängigkeit vollkommen in der Ordnung. Und wenn die Rautenwirtin zwei- oder drei⸗ mal des Tages durch das Haus ging, konnte man sich darauf verlassen, daß alles vom Morgen bis zum Abend in fester Ordnung sich hielt; denn die Knechte und Mägde, durch das Beispiel der Kinder belehrt, waren ebenfalls voll Gehorsam und Pflichterfüllung, und wer aus dem Rautenkranz sich anderswohin verdingte, konnte bei gutem Lobe zehn Dienste in einer Stunde haben. Nie hörte man einen Zank im Hause willfährig geschah die Handreichung von 20 zum anderen der Pflichtenkreis eines jeden war fest abgemessen, es konnte niemand aus seiner Bahn abirren; und wenn noch so viele Gäste da waren, bemerkte man nie eine Hast, nie aber auch mäßigkeit darstellte. Wären nicht Gasröhren durch das war Unfähigkeit.(Fortsetzung folgt.) — Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 17 Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Der Lebensmittelspekulant. Er kennt nur eines: den Profit. Er macht bei allem seinen Schnitt. Er preist den Krieg mit Herz und Mund, Der Lumpenhund. Die Ware steigt auf sein Geheisch. Die Viktualien und das Fleisch, Sie nähren er st die Lebensfunz Des Lumpenhunds. Den Markt beherrscht sein Tatendurst. Das Volkswohl ist ihm gänzlich wurst. Dafür schwillt Bauch und Beutel rund Dem Lumpenhund. Ja, Michel, warum zagst du nur? ö Nimm ihn doch endlich in die Kur Und hau' ihn bis zum Seelenschwund, Den Lumpenhund. Gideon Gum(Simpl.) Die Stadt der Zukunft. Die durch die Technik des Weltkrieges hervorgerufene Be— drohung der menschlichen Wohnsitze hat den satirisch veranlagten französischen Journalisten Joseph Galtier veranlaßt, ein Bild der Städte zu entwerfen, wie sie, nach seiner Ansicht, die Zukunft verlangt. „Die Oberfläche der Erde genügt der menschlichen Tätigkeit nicht mehr. Bisher liebten die Menschen das Tageslicht so sehr, daß nichts so schrecklich schien wie eine Trennung von Licht und Sonne. Das Leben spielte sich im Freien ab; die Menschen be— durften des lachenden Himmels, der in den Aether gereckten Berge und der vom Sonnenlicht vergoldeten Ebenen. Nur das finstere Reich der Toten wurde unter die Erde verwiesen. Nun hat sich all dies geändert. Der Mensch begnügt sich nicht mehr mit seinem einstigen Wirkungskreis; es ist, als sei er der freien Luft überdrüssig geworden. Die großen Weltstädte haben einen Teil ihres Verkehrs unter die Straßen verlegt. Und heute sehen wir, daß der blutige Kampf einem unterirdischen Ringen gleichkommt. Auch der Krieg gräbt sich in die Erde und sucht sich verborgene Wege und Schlupfwinkel. Das Schlachtfeld ist kein offener Raum mehr, wo der Tod unter der Wölbung des Himmels Ernte hält. Der Krieg von heute bohrt sich in die Tiefe, wirft die Erde auf, und wenn der Sturm von Eisen und Feuer vorüber ist, nehmen die siegreichen Truppen nichts als Ruinen in Besitz. Aber dieselbe Zeit, die die Menschen in die Tiefen der Erde drängt, treibt sie auch in die Höhe, dem Himmel entgegen. Wolken von Flugzeugen beleben den Aether, um den Städten Vernichtung zu bringen. So verlangt die Zeit gebieterisch die Schaffung einer neuen Architektur. Die neuen Generationen bedürfen neuer Wohn- stätten. Unsere Häuser genügen nicht mehr den Lebensbedingungen von heute. Die modernen Baumeister werden sicherlich die Form der Architektur finden, die den neuen Erfordernissen entspricht Wir werden bombenfeste Dächer haben, die vor allem gefeit sind, was vom Himmel fällt und nicht mehr Manna ist. Die Dächer werden terrassenförmig angelegt sein und numerierte Schuppen tragen, in denen die Flugzeuge der Mieter aufbewahrt sind. Die unterirdischen Räumlichkeiten werden nicht weniger sicher und bequem angelegt sein wie die sonstigen Wohnungen. Wir haben das klägliche Ende dessen, was man Keller nannte, miterlebt. So⸗ lange man darin bloß Wein aufbewahrte, ging es noch. Aber seit der Keller der Treffpunkt der Familien geworden ist, seit er der Tummelplatz der Kinder, der Ruheort der Eltern ist, seit man von ihm alle Eigenschaften des Eß⸗ und Schlafzimmers verlangt, mußte man erkennen, daß die Baumeister dies alles nicht bedacht haben. Sagen wir es rund heraus: unser Keller ist unbewohnbar. Noch gestern war er so gut wie nichts, aber schon morgen wird er sehr viel bedeuten. Dies ist eins der großen Probleme für die Bau— meister der Zukunft. Künftig werden die Keller Zimmer, Bade— stüben und Küche enthalten. Und die Fußsteige der Zukunftsstadt werden unter der Erde zu den Kellertoren führen. Ja die Städte werden doppelt gebaut sein: man wird ebenso unter der Erde leben wie auf ihr. „Und die Denkmäler?“ fragt man,„wird man auch künftig wagen, sie frei aufzustellen?“ Je nun— die Künstler werden wohl darauf verzichten müssen, Denkmäler zu schaffen.“ „Gute Leute... Bitte schonen!“ Truppen, die zu Beginn des Krieges hinter der ersten Flutwelle durch belgische und französische Dörfer und Städte zogen— so schrebt tief empört ein verwundeter Unteroffizier, Inhaber des Eisernen Kreuzes, unserm Kölnischen Bruderblatt— fanden auf Tlrren und Feusterläden oft eine Aufschrift:„Gute Leute. Bitte schonen!“ Oder:„Hier wohnen friedliche Leute“. Oder:„Gute Leute, geben alles für die Soldaten...“ Angst, Not und Sorge batten den Leuten die Kreide in die Hand gedrückt und sie in mehr oder minder fehlerhaftem Deutsch diese Worte hinkritzeln lassen, zur Vesänftigung des„barbarischen Eroberers“. Man war draußen, und wenn man sich Zeit zum Nachdenken ließ, bewunderte man alles, was mit unsrer ungeheuren Volkskraft zusammenhing: den deutschen Generalstab, die vollendete Bereit⸗ schaft, die beispiellose Organisation auf allen Gebieten, unsere nie geahnte wirtschaftliche, industrielle und finanzielle Kraft. Draußen erging es uns nicht schlecht, und wir wußten, daß auch in Deutsch⸗ land„alles in Ordnung“ war. Der Feind war nicht im eignen Lande. Aber: Ob wir durchhalten könnten? Abgeschnitten von jeder Zufuhr? Bange Sorge: Wie wird die nächstjährige Ernte ausfallen?—— Man ist wieder in Deutschland. Tränen schossen einem in die Augen, als man wieder deutschen Boden betrat. Dieses herrliche, blühende, sommerlich stvahlende Land! Dieses einzige Land, das Tausendfaches erlitten und Millionenfaches noch über⸗ dauern wird. Man sieht näher zu— und der Ekel fällt einen an. Drei Tage, und man spürt, wie man langsam vergiftet wivd. Zwi⸗ schen kargem Leben und Blut und Leiden und stummem Schmerz jene gemeine Sorte, die in Cafés, Bars und Amorsälen das Schicksac unter die Füße zwingt; jene seige Sorte, die um alles herunn⸗ schwadroniert— aber bestimmt nicht mitzieht; Dichterbanden, die in ektatischer Besoffenheit immer feste weiter strophend, herumgröhlen. Und dazwischen drängend und schiebend, die mit einem Uebermaß von Ellbogenfreiheit, Borniertheit und Skrupellosigkeit ausgestattete und dem untröglichen Instinkt fürs„Geschäft“ begabte schamlose Horde der großen und kleinen Wucherer, der Ausbeuter, mit dem Schrei:„'s Geschäftblüht!“ Die Ernte ist miserabel schlecht ausgefallen: wir müssen„Wucher⸗ preise“ fordern, liebe Leute Die Ernte ist gut ausgefallen; wollt ihr aber fressen, daun zahlt, was wir fordern——— Der Ekel steigt einem bis zum Erbrechen. So sieht also das Deutschland aus, das seit bald einem Jahr seine Wiedergeburt aus dem Blut feiert. Das Deutschland, dessen Söhne und Väter jenseits der Grenzen die Wacht halten und ihr Blut verströmen. Gießen, Sams tag, den 24. Juli 1915. 2222 8 Streik der Verbraucher oder eine„Tat“ der jetzt herrschonden Militärgewalten: Alle Bessern müssen Abhilfe von dem Schröpf⸗ system fordern. Sollen wir auch diesmal daran zweifeln, daß was„geschieht“ꝰ Ach!— Auf Türen und Fensterläden und Firmenschildern, auf Fabrikdächern und Misthaufen prangt knallig und frech die Auf— schrift:„Gute Leute. Bitte schonen!“——— Eine Kriegstagung der Bäckermeister Hessens. Am Sonntag trafen sich in Darmstadts Mauern die Ober meister der hessischen Bäckerinnungen. Die Versammlung war gut besucht und befaßte sich in der Hauptsache mit den Verhältnissen im Bäckergewerbe während des Krieges. Die Zustände wurden eingehend beleuchtet und teilweise, insbesondere soweit es vielfach die Anordnungen der Kommunalverbände betrifft, einer scharfen Kritik unterzogen. Von vielen Seiten wird geklagt, daß die ver— schiedenen Kommunalverbände bei den Brot- und Mehlpreisen, bei der Verrechnung der Brot- resp. Mehlkarten außerordentliche Unter⸗ schiede machen und daß es sicher nicht im Interesse der Volks⸗ ernährung liegt, wenn einzelne Kommunalverbände bei der Ab— gabe des Mehles an die Bäcker sehr große Verdienste erzielen. Sehr bedauert wird, daß derjenige, welcher im Besitz entsprechender Mittel sei, sich leicht sogen.„markenfreies Mehl“ beschaffen könne, während vielfach arme Handwerker mit starker Familie fast hungern müßten, da die Brotbeschaffung oft Schwierigkeiten habe. Energische Ab⸗ hilfe wird verlangt gegenüber der Tatsache, daß die von den Kom⸗ munalverbänden gelieferten Mehle oft ein ganz bedeutendes Minder⸗ gewicht haben und daß oft Beschwerden vollständig unbeantwortet bleiben. Weiter wird bedauert, daß man den Bäcker in dem jetzigen schweren Kampfe um seine Existenz durch allzu scharfes Handhaben der Strafbestimmungen furchtbar bedriicke. Die Mehrzahl der Bäckermeister sei oft ohne ihr Verschulden schon mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Man erwarte, daß die am 15. August in Kraft tretende anderweite Regelung der Kommunalverbände eine einheit— liche Ordnung schaffe. Die Frage der Nachtarbeit wird von der großen Mehrheit dahin beantwortet, daß nach dem Kriege die alte Einrichtung, d. h. die Nachtarbeit wieder geschaffen resp. beibehalten werden möge. Die Frage der Arbeitszeit während des Krieges möge wie bisher den Kreisämtern überlassen bleiben. Für die Vorbereitung des Brotteiges möge eine halbe Stunde vor Beginn der jetzigen Ruhezeit freigegeben werden. Lebhaft wurde auch die jetzige Ausmahlung des Brotgetreides besprochen und einheitlich dem Wunsche Ausdruck gegeben, lieber der Bevölkerung etwas besseres Brot zu einem etwas höheren Preise zu liefern, als die jetzige oft kaum genießbare Qualität, zudem ja nach den Fest⸗ stellungen ausreichende Getreidevorräte vorhanden resp. zu er⸗ warten seien. Man solle sowohl das Roggen- wie das Weizenmehl etwa 5 Prozent weniger stark wie seither ausmahlen, und wurde auch der Antrag Worms angenommen, auch eine zweite Sorte Weizenmehl, die nur zu 70 Prozent ausgemahlen sei, herzustellen. Einheitlichkeit für das Großherzogtum Hessen wird endlich gewünscht bei der Verrechnung der Brotmarken, bei Brotpreis wie bei der Festsetzung der Mehlpreise, außerdem Verbot des Verkaufes des sogenannten„markenfreien“ Mehles, Festsetzung eines geringeren Verdienstes der Kommunalverbände und endlich Abgabe einer gartie Mehl an die Bäcker ohne Brotmarken als Ersatz für das vielfach vorhandene Mindergewicht. Der geschäftsführende Vor— stand wird mit der Einleitung der nötigen Schritte beauftragt. Insoweit sich die Beschwerden der Bäcker gegen die zutage getretenen Auswüchse in der Mehlverteilung richten, müssen wir sie unterschreiben, wie uns überhaupt die Bäcker an ihrer Seite finden, wenn es gilt, die Volksernährung sicherzustellen oder zu ver⸗ bessern. Dagegen sind wir mit einer großen Reihe von Organi⸗ sationen der Bäckermeister der Ansicht, daß es auch im Frieden ohne die Nachtarbeit gehen wird, so mit den Berlinern und mit den Hannoveranern. Ein Schuß gegen England. Die Lohnzettel der Concordia, Spinnerei und Weberei in Bunz— lau, haben diesen Aufdruck: (Außenseite) Seid sparsam mit dem Brot! Mit jedem ersparten Bissen Brot unterstützt Ihr den schweren Kampf Eurer Männer. Väter und Söhne! (Nummer) f * Jede ersparte Schnitte Brot ist ein Schuss gegen England unsern Erzfeind und verkürzt die Dauer des Krieges! (Junenseite) (Stempel.) Concordia Spinnerei und Weberei Bunzlau. Lohn für 57½ Std. 4 9.91 Abzüge: Krankengeld 28 Invalidengeld 12. Netto 1 9.51 Der Textilarbeiter bemerkt dazu: „Bei einem so„fürstlichen“ Lohne von 9,52 Mark für 57½stün⸗ dige Arbeitzeit versteht es sich eigentlich von selbst, daß bei der großen Teuerung nicht viel Brot zwischen die Kinnladen der Ar— beiter kommt, aber die Concordia, Spinnerei und Weberei, lebt eben vielleicht gerade dieses jämmerlich niedrigen Lohnes wegen, den sie ihren Arbeitern zahlt, in der ständigen Sorge, daß diese eines Tages kommen könnten, um eine Lohnzulage zu fordern, und sie denkt, da ist es besser, man beugt vor. Es paßt ja auch ausgezeichnet. Ist es doch angeblich eine große patriotische Leistung, kein Brot zu essen. Denn just jede ersparte Schnitte Brot ist nach Ansicht der Leitung der Concordia, Spinnerei und Weberei in Bunzlau, ein Schuß gegen England, unsern Erzfeind. Wahrhaftig, man muß mit aller Gewalt würgen, um den Ekel hinabzudrängen, der einem beim Lesen solcher Blüten des Prozenr⸗ patriotismus aufsteigt. Wenn man sich die Lohnsumme auf dem Lohnzettel vergegenwärtigt, da tritt doch wirklich zu drastisch zutage, daß die patriotische Phrase von dem englischen Erzfeind nur zur Bemäntelung dividendenfördernder Lohnpolitik dient.“ — Wie wird sich die Wirtschaftslage nach dem Kriege gestalten? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine in Magde— burg erschienene Schrift eines Bankbeamten. Vielfach wird geglaubt, daß nach dem Kriege eine geschäftliche Hochkonjunkt— tur eintreten werde. Dies verneint die erwähnte Schrift, wie wir dem Magdeburger Parteiblatte entnehmen, aus folgenden Gründen: Die Kriegsentschädigung, die wir etwa Blumenkohl, Wirsing, sowie Rot⸗ und Weißkraut. 2 π¹ͥ r. bekommen könnten, wird in barem Gelde nicht so groß sein, daß sie den Aufschwung bringen kann. Nach dem Krieg! wird infolge der Erschöpfung unserer Rohstoffvorräte, die wir bisher im Betrage von etwa 7 Milliarden Mark aus dem Ausland bezogen, eine Riesensumme deutschen Kapitals ab⸗ wandern zur Bezahlung neuer Rohstoffe. Der Export von Fertigprodukten wird nur sehr schwer in das alte Gleis kommen. Die vernichteten menschlichen und tierischen Ar⸗ beitskräfte werden nur langsam zu ersetzen sein, die Preise für diese Arbeitskräfte werden steigen, ebenso die Preise der Roh⸗ materialien. Durch die Kriegsanleihen ist der Zinsfuß ge⸗ stiegen. Gelder für Hypotheken und für Industrie⸗ unternehmungen werden teurer als vor dem Kriege sein. Bautätigkeit und Unternehmungslust werden dadurch ge⸗ hemmt. Die Lebensmittelpreise werden voraussichtlich hoch bleiben, dadurch wird die Kaufkraft der Massen auch für in⸗ ländische Industrieprodukte gelähmt. Ungeheure Summen werden für die Verzinsung der Kriegsschuld, für Pensionen für Invaliden, Witwen und Waisen gebraucht. Die Arbeits⸗ kraft der Männer, die, im Felde waren, auch wenn sie schein⸗ bar unbeschädigt wiederkommen, wird in sehr vielen Fällen gebrochen sein, sie können nicht mehr das gleiche leisten wie früher. Selbstberständlich wird sich die Nation wieder er⸗ holen. In vielen Zweigen wird reichlich Arbeit sein, weil ja ein Volk von 70 Millionen wohnen, sich nähren und kleiden muß. Aber der große Schwung, die Hochkonjunktur, wird uns versagt sein, weil dieser Krieg, wie keiner vordem, Blut, Gut und Geld verschlingt. Das dürfte gar nicht unrichtig sein. Die Arbeiter ⸗ schaft muß daher unter allen Umständen ihre Organisatio⸗ nen aufrecht zu erhalten, zu stärken suchen, damit sie ihre In⸗ teressen zu schützen in der Lage ist. Die kommunale Wucherbekämpfung. Seit dem 15. Juni hat die Stadt Aachen 13 200 Zentner Zucker bezogen und zum Selbstkostenpreise an die dortigen Geschäfte abgegeben, die den Zucker zu einem festgesetzten Preise weiterverkaufen müssen.— Die Stadt Köln gibt Kristallzucker, fünf Pfund zu 1,40 Mark, durch bestimmte Geschäfte ab. Sie weist darauf hin, daß sie einen besonders günstigen Abschluß ge⸗ macht habe und die Preise viel billiger als in den Kolonial- warenhandlungen seien.— Die städtische Verwaltung von Mainz hat eine größere Partie Reis preiswert erworben und wird die Ware im Kleinen(in Paketen von einem Kilo Gewicht) verkaufen. In erster Linie sollen die Familien der Kriegsteilnehmer bedacht werden. Dann wird der Reis auch an Personen verkauft, deren Einkommen 2000 Mark nicht übersteigt.— Zu den wirtschaftlichen Maßnahmen die die Stadtverwaltung Worms im Interesse der Ernährung der städtischen Bevölkerung ergriffen hat, gehört auch der Ver ⸗ kauf von Gemüsen auf dem Wochenmarkt. Mit dem Verkauf wurde bereits Ende April begonnen und er fand seit dieser Zeit an allen Hauptwochenmarkttagen regelmäßig statt. Zum Verkauf kamen bisher Kopfsalat, Gurken, Kohlrabi, Insge⸗ samt wurden bisher ungefähr 18 000 Stück abgesetzt. Sämt⸗ liches Gemüse ist im Eigenbetrieb der Stadt erzeugt. Der Zweck der Maßnahme war die Absicht, städtische Einrichtungen bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln im Kriegsjahr mit heranzuziehen, um sodann mit Hilfe dieser einen Einfluß auf die Gestaltung der Marktpreise zu gewinnen. In Offenbach hat sich eine Kommission aus Ver⸗ kretern der städtischen Verwaltung und des Konsumenten⸗ Ausschusses gebildet, welche Gemüse usw. beschafft und auf dem Markte verkauft. Man hat damit bisher gute Erfah⸗ rungen gemacht. Die Preise sind zunächst auf 9 Pfennige für das Pfund neuer Kartoffeln, 18 Pfennige für das Pfund Bohnen, 25 Pfennige für das Pfund Zwiebeln und 28 Pfen⸗ nige für das Pfund Erbsen festgesetzt worden; es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß die Preise noch weiter herabgesetzt werden können.— Solche Maßnahmen sind zu begrüßen; nur auf diese Weise kann der Lebensmittelwucher bekämpft werden.. — Vom Petroleum. Bekanntlich muß infolge Fest⸗ setzung des Höchstpreises das Liter Petroleum für 32 Pfg. im Kleinhandel verkauft werden. Wir sagten vorgestern be⸗ reits, daß dadurch manchem Kaufmann nicht geringer Schaden zugefügt wird. Dasselbe ist bei dem Konsum⸗ verein der Fall, der sich deshalb genötigt sah, seinen Mit⸗ gliedern wöchentlich nicht mehr als 1 Liter zu verabfolgen. Wir werden ersucht, die Mitglieder nochmals ganz besonders darauf aufmerksam zu machen, daß mit den Petroleumkarten kein Mißbrauch getrieben werden darf. Unter keinen Um⸗ ständen darf ein Mitglied Petroleum aus dem Konsumverein entnehmen, um es etwa einem Nichtmitgliede zu überlassen. Dadurch würden der Verein und seine Mitglieder ganz empfindlich geschädigt, weil der Verein an jedem abgegebenen Liter Petroleum mehr als 30 Pfg. einbüßt. Von der neuen Roggenernte. Die ersten Druschergebnisse der Roggenernte liegen bereits aus verschiedenen Orten vor. Das Ergebnis bestätigt vollauf die hohen Erwartungen. Wie ein Landwirt aus Rheinhessen berichtet, hat er in seinem ganzen Leben noch keine so vorzügliche Kornernte gesehen. Man erntet auf gutem und mittelschwerem Boden pro Mor- gen durchschnittlich seine 12 Haufen zu 10 Garben. Beim Dreschen aber erzielt man pro Haufen in der Regel einen Zentner Körner. Das bedeutet auf den Morgen(2500 Quadratmeter) einen Körnerertrag von 6 Doppelzenter, ein Ergebnis, wie man es höchstens in der Tat in den allerbesten Jahren antrifft. Auf erstklassigem Boden ist der Ertrag noch reicher. Dazu kommt, daß Lagerfrucht, die wohl viel Stroh, aber wenig Körner liefert, diesmal sehr selten angetroffen wird. Wäschediebstahl. In der Nacht vom 22. Juli wurden in hiesiger Stadt von einer Bleiche mehrere Damenhemden, Damenhosen, Hemdhosen, Nachthemden und Taschentücher, die zum Teil A. S., M. K. und D. L. gezeichnet waren, ent⸗ wendet. Da von dem Täter noch jede Spur fehlt, werden sachdienliche Mitteilungen an die Kriminalpolizei erbeten. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Offiz.⸗Stellvertr. Karl Kröning aus Gießen, Inf.⸗Regt. Nr. 116.— Ersatzreservist Wilhelm M üller aus Wald⸗ girmes, Res.⸗Inf.⸗Regt. 83.— Musketier Karl Mohr aus Reiskirchen bei Wetzlar, Inf. Regt. 221. — Ein Zusammenstoß zwischen Straßenbahnwagen und Last⸗ fuhrwerk war gestern Gegenstand einer Verhandlung vor der Gießener Strafkammer. Angeklagt war der Fuhrknecht Leib aus Gleiberg, der vom Schöffengericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, dagegen aber Berufung eingelegt hatte. Es handelt sich um den Unfall, der sich im Frühjahr dieses Jahres an der Ecke Schanzenstraße und Bahnhofstraße ereignete, bei welchem einem Pferde des betreffenden Fuhrwerks durch den Straßenbahnwagen ein Vorderbein kaput gefahren wurde. Natürlich mußte der arme Gaul sofort getötet werden. Das Urteil lautete für den Fuhrmann auf Freisprechung, ferner wurde ihm Ersatz der notwendigen Aus⸗ lagen zugesprochen. In dem Urteil wurde gesagt, daß der Ange⸗ klagte im Schritt gefahren sei und ihm auch ein Verstoß gegen die straßenpolizeilichen Vorschriften nicht nachzuweisen sei. Die Be⸗ weisaufnahme ergab auch nicht, ob bei dem Führer des Straßen⸗ bahnwagens ein Verschulden vorliegt; ob er vorschriftsmäßig ge⸗ schellt habe oder nicht, wie das von einigen Zeugen behauptet wor⸗ den war. — Schulprügel. sich gestern der Lehrer Aug. Merz aus 5 feld wegen Ueberschreitung des Züchtigungsrechts zu verantworten. Der Lehrer steht bereits in den sechziger Jahren; er hat die Lehrerstelle in Grebenau bereits seit vollen 42 Jahren inne. Nach der Anklage wird er beschuldigt, in 10 Fällen 8 Kinder im Alter von 8—13 Jahren, darunter 5 Mädchen, körperlich miß⸗ handelt und teilweise an der Gesundheit beschädigt zu haben. Der Angeklagte entschuldigte sein Tun durch seine hochgradige Nervosstät, durch Krankheit und mißliche Verhältnisse in seiner Familie. Tat⸗ sache ist, daß Merz schon in der Jugend dazu geneigt, fleißig den Rohrstock zu schwingen. Deshalb wurde er bereits vor etwa 25 Jahren von seiner vorgesetzten, Behörde wiederholt verwarnt. In der letzten Zeit erhoben die Eltern öfters Klagen beim Pfarrer Schreiber, daß der Lehrer ihre Kinder zu hart und maßlos be⸗ strafe, es wurde aber immer gebeten, von einer Anzeige abzusehen. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte die ihm anver⸗ trauten Kinder ziemlich roh mit Fäusten traktiert, gegen die Mädchen mit der Schiefertafel geschlagen und gestoßen hat; in mehreren Fällen zerrte er Mädchen am Haarzopf hin und her, wo⸗ bei diesen ganze Büschel Haare ausgerissen wurden. Die Straf⸗ kammer nahm nur 8 Fälle der körperlichen Mißhandlung an, an 6 Kindern verübt, und erkannte auf Geldstrafen in Höhe von 370 Mark oder für je 10 Mark 1 Tag Gefängnis. Nur dem Umstand, daß der Angeklagte ein sehr aufgeregter kränklicher Mensch ist, hat das Gericht veranlaßt, Milde walten zu lassen, da sonst auf eine Gefängnisstrafe hätte erkannt werden müssen. 1. Die Gießener freiwillige Feuerwehr hat bei der letzten Ein⸗ berufung wieder einige ihrer Mitglieder zum Heeresdienst gestellt. Da auch die Mannmschaften der Pflichtfeuerwehr zum größten Teil einberufen sind, kann gegenwärtig nur noch eine kleine Schaar von geübten Feuerwehrleuten bei Ausbruch eines Brandes sich mit einem Teil der Geräte an den Löscharbeiten betätigen. Es ist daher an der Zeit, dafür Sorge zu tragen, daß die Mitgliederzahl der Feuerwehr⸗ leute sich so erhöht, daß alle Geräte von, geübten Feuerwehrmännern bedient werden. Sehr erwünscht und erfreulich wäre es deshalb, wenn recht viele Bürger, unter denen sich ja so manche tatkräftige Männer befinden, als aktive Mitglieder der Feuerwehr beitreten würden, wodurch sie ihrer Vaterstadt einen schönen Dienst erweisen würden. Die noch in den Monaten Juli, August und September stattfindenden Uebungen würden noch Zeit geben, sich im Feuerwehr⸗ dienst auszubilden. Anmeldungen nimmt der Vorstand der Gießener freiwilligen Feuerwehr entgegen. Auch sind Anmeldeformulare im Turmhaus am Brand erhältlich. Solchen Bürgern, die nicht aktiv sich zu betätigen wünschen, ist Gelegenheit gegeben, als außer⸗ ordentliche Mitglieder(Jahresbeitrag 5 Mark) die Wehr zu unter⸗ 15 Vor der Gießener Strafkammer hatte Grebenau im Kreise Als⸗ — Die starken Zigarrenfabrikanten. Die offizielle Zeitung der deutschen Zigarren⸗Ladeninhaber(Hamburg) berichtet über die Verhandlungen der Fabrikanten und Händler, die am 2. und 3. Juli in Berlin stattfanden. Am Schlusse des Berichts heißt es: „Einen Eindruck aber möchten wir wiedergeben, den wir in beiden Versammlungen gewonnen. Die Zigarren fabri⸗ kanten fühlen sich heute, wo sie mit Kriegsliefe⸗ rungen gute Geschäfte machen und wo Mangel an Ware ist, sehr als die Starken, welche die Bedingungen für den Verkauf diktieren können. Nun, wir hoffen, es kommen, wenn der Krieg zu Ende ist, auch einmal wieder andere Tage, wo einzelne Herren von dem hohen Pferde, auf dem sie jetzt sitzen, wieder herabsteigen müssen.“ Wir haben diese Aeußerungen zu Nutz und Frommen der Tabakarbeiterschaft hiermit vermerkt. Ein Typus? Wie oft hört man den schönen Satz von der hohen Aufgabe der vaterländischen Landwirtschaft, und wieviele Kommen⸗ tars hat uns doch die Jetztzeit darüber schon geschriehen. Einen nicht minder interessanten lieferte die Verhandlung der Darmstädter Strafkammer am Samstag gegen den Landwirt Johs. Schmitt 2. non Großzimmern wegen Uebertretung des Viehseuchengesetzes. Im Oktober November v. J. herrschte in dem genannten Oxte die Maul⸗ und Klauenseuche. Schmitt unterließ wissentlich die Anzeige, daß die Seuche auch seinen Hof ergriffen hatte, verkaufte rußig weiter die Milch end tat so, als ob er garnichts von Viehseuchen wisse. Als bei ihm der wahre Stand entdeckt wurde, war die Krankheit be⸗ reits im Abheilen. Der Staatsanwalt kennzeichnete das Verhalten des wackeren Landwirts, der noch dazu Mitglied der Lokalkommission der Landwirtschaftskammer ist(I), als höchst gemeingefährlich. Auch das Urteil des Gerichts erklärte, daß es geschwankt habe, ob es den Mann, der nur seinen persönlichen Vorteil im Auge hatte, nicht ins Gefängnis schicken sollte, da gerade in der jetzigen Zeit die Sicherung des Viehstandes eine höchste vaterländische Pflicht sei. Da Schmitt noch nicht vorbestvaft war, kam er mit 300 Mark Geldstrafe davon. Und was erklärte nun unser braver Agrarier?„Ich verkauf' die Kith und bezahl' die Straf'!“ So malt sich in dieses Agrariers Schädel die vaterländische Aufgabe von der Sicherung des Vieh⸗ bestandes, vom hohen nationalen Beruf der Landwirtschaft! 5 Leistungen der Ortskrankenkasse Gießen an Kriegsteilnehmer. Seit Ausbruch des Krieges hat die Gießener Ortskrankenkasse bis 1. Juli d. J. an Kriegsteilnehmer ausbezahlt: 18 612 Mk. Krankengeld und 1640 Mk. Sterbegeld, zusammen also 20 242 Mk. Diese Unterstützungen verteilen sich auf 282 Fälle.— Es handelt sich hierbei um solche Mitglieder, welche bei ihrer Einberufung die Mitgliedschaft fortsetzten. — Anlagenmusik Sonntag, den 25. Juli, vormittags 11½ Uhr in der Süd⸗Anlage, ausgeführt von der Kapelle des Landsturm⸗In⸗ fanterie⸗Ersatz⸗Bataillons Gießen. Spielfolge: 1. Litaney auf das Fest aller Seelen von Frz. Schubert; 2. Ouverture zur Operette „Die Verlobung bei der Laterne“ von J. Offenbach; 3.„An der Weser“, Lied für Posaune, von G. Pressel; 4.„Mondnacht auf der Alster“, Walzer, von O. Fetras: 5. Soldateska 1870/71. Potpourri, von H. Seidenglanz; 6. Freundestreue, Marsch, von H. Blankenburg. — Oberhessischer Kunstverein. Es ist erfreulich, daß Interesse an der Prof. Illner⸗Ausstellung durch einen fortgesetzt regen Besuch gezeigt wird. Seit Eröffnung wurde diese Ausstellung von über 400 Personen besucht. Ein Portrait wurde der Ausstellung neu ütberwiesen und verkauft wurde das Pastellbild„Großherzog von Hessen“, welches in hiesigen Privatbesitz übergeht. — Spenglermeister Bimbächer. Wir machen nochmals auf die morgige Aufführung der Freilichtbühne auf m. Die Vorstellung meister Bimbächer“, K 0 haftem Wetter wird eine Stunde vor Beginn durch. Bürgermeisterei bekannt gegeben, ob gespielt wird oder nicht. Kreis Alsfeld⸗Lauterbach. Alsfeld, 22. Juli. H imbeersegen. sind die Himbeeren außerordentlich reichlich gediehen. Bevölkerung e Und in der Stadt muß man werden! w. Zu Tode geschleift. sollte ein 10jähriger Junge eine sie beginnt 5 Uhr nachmittags. Kuh auf die Weide führen. den armen Jungen hinter sich herschleifend. l so schwere Verletzungen, daß alsbald der Tod eintrat. Tier anzuvertrauen. Es kommt ich! Kühe auf der Weide scheuen oder herumspringen. Von Nah und Fern. Ein Mord in Niederrad. Donnerstag vormittag 10 Uhr wurde die Ehefrau Wilhelmine Asbestwerken beschäftigien Expedien⸗ Hahnstraße 7, im Frankfurter Der in der Schwarzwaldstraße 39 belegenen Wohnung verhaftet. Ueber den Hergang der Tat erfährt die Frank⸗ Keller ließ sich gestern vormittag von einem Gärtner Gelberüben bringen, die sie zum Mittagessen zu⸗ Gaß, anscheinend der Liebhaber der Frau, beobach⸗ Haus und Wohnung der Frau betrat. So⸗ fort erwachte in ihm eine rasende Eifersucht, und er eilte gleichfalls in das Haus, um an der, wie er wohl annahm, ihm ungetreuen Ge⸗ Türe und Küche ein, während der Ob es nun zunächst zu Auseinander⸗ zum Messer griff, läßt sich nicht Hauseinwohner hörten den Lärm, und einige wollen auch 10 Plötzlich verließ Gaß fluchtartig das Die Nachbarn bemerkten seim Verschwinden und sahen auch, daß er die eine Hand verbunden hatte, während er in der andern Frau Keller lag tot in der Mitte den Blut entströmte einem tiefen Messerstiche Keller des in den Frankfurter ten Georg Keller in ihrer Wohnung, Stadtteile Niederrad, von dem Gärtner Max Gaß ermordet. Täter wurde in seiner, furter Presse folgendes: Frau bereiten wollte. tete den Gärtner, als es liebten Rache zu nehmen. Gewaltsam sprengte er die drang in den Vorplatz und von da in die andere Gärtner sich entfernte. setzungen kam, oder ob Gaß sogleich sagen. einen Hilfeschrei der Frau vernommen haben, jedoch dachte nem an eine grausige Mordtat. Haus. das blutige Messer hielt. Kliche neben ihrem Stuhle, in der linken Brust und bildete eine große Lache um die Liegende. Im Schoße der Ueberfallenen lag noch das Küchenmesser, mit dem sie die Gelberüben geschabt hatte, sodaß sich annehmen läßt, daß Gaß die Frau bei ihrer Arbeit überraschte und ohne weiteres miederstach. Polizeibeamte begaben sich in die elterliche Wohnung des Gaß in der Schwarzwaldstraße 39, fanden er festgenommen wurde, willig fortführen ließ. sind achtbare und außerordentlich tüchtige Leute. Gaß, der letzte Bürgermeister der Gemeinde Niederrad und seit deren Eingemeindung in Frankfurt Bezirksvorsteher und Standes⸗ beamter für den Stadtteil Niederrad, ist völlig zusammengebrochen. Von dem Mörder erzählt man im beiter und in seinem Wesen etwas langsam und stumpfsinnig sei. Niemand hätte ihm diese Tat zugetraut. zwischen ihm und der Ermordete bestand, davon sprach man Nachbarschaft wohl, jedoch wußte man nichts Genaueres. Mann der Ermordeten, der aus seinem ist ganz niedergeschlagen. einem Liebesverhältnis seiner Frau nichts Osthofen, 22. Juli. fallen wurden der Landwirt Herr Rudolf Neef und seine beiden wertvollen Pferde in dem Augenblick, als zu wissen. die am Boden liegenden, sich in ihren von ihren Peinigern zu befreien, waren anfangs erfolglos. als die Feuerwehrschläuche in Betrieb gesetzt wurden, kalte Wasserstrahl Hilfe. Beherzte Männer mit Schutzvorrichtungen versehen, befreiten die Tiere aus dem Gestränge. stündiger Arbeit gelang es, die Pferde vom Platze wegzubringen. Der Besitzer und die Tiere haben schwere Stichwunden erlitten. Von den Pferden ist das wertvollste leider krepiert, während Men⸗ schenleben erfreulicherweise außer Gefahr sind. Budenheim, 21. Juli. Opfer des Rheines. genswerter Vorfall ereilte den etwa 25 und Musiklehrer Knieriem aus Frankfurt g. M. Ein bekla⸗ kam dieser zu spät. Knieriem verf wurde hier die Leiche des Gärtners ländet. Worms, 21. Juli. Der Arm abgerissen. Der 14jährige Sohn des Telegraphenarbeiters Klett, der bei der Weinhandlung Schilling tätig ist, wurde bei einer gelegentlichen Arbeitsleistung in der Brauerei Rühl von der Transmission erfaßt. Es wurde ihm der Arm bis zum Ellenbogen abgerissen. Der Arm mußte ampu⸗ tiert werden. Oppenheim, 21. Juli. Eine reiche Nußernte ist in diesem 5. n Jahre zu erwarten. Die Bäume haben gut geblüht und zeigen einen sest an die Völker des Balkans erlassen. überaus reichen Behang. Stellenweise neigen sich schon fetzt die Aeste bis zur Erde. Leider sind die Nußbäume in den letzten Jahren be⸗ deutend vermindert worden. Auch in der Wetterau zeigen die Nuß⸗ bäume einen reichen Behang. Partei⸗Nachrichten. Manifest der österreichischen Sozialdemokratie. Der österreichische Parteivorstand und der Vorstand des Klubs der deutschen sozialdemokratischen Abgeordneten im österreichischen Reichsrat haben das folgende Manifest beschlossen: Arbeiter und Arbeiterinnen! Der Parteivorstand der Sozialdemokratie Deutschlands hat am 23. Juni ein Manifest erlassen, das eine ernste und warme Mah⸗ nung zur endlichen Herbeisührung des Friedens darstellt. Oester⸗ reich ist mit dem Deutschen Reiche in diesem Kriege militärisch und diplomatisch zur Einheit geworden und es ist ganz begreiflich, daß das Gesühl der Schicksalsgemeinschaft der Arbeiterklasse Oester⸗ reichs mit der Deutschlands deutlich und lebendiger ist denn je. Alle Möglichkeiten, zum Frieden zu kommen, sind uns gemeinsam und schon darum begrüßen die sozialdemokratischen Arbeiter Oester⸗ reichs auf das allerwärmste jene Kundgebung, die in der ganzen Internationale mit größter Genugtuung aufgenommen wurbe. . Bald ein volles Kriegsjahr dulden die Völker Europas; es ist ein Jahr unerhörtester Kraftanstrengung und ungeheurer Opser für alle; unsagbares Leid ist in allen Familien eingekehrt. Zur Trauer um die Gefallenen, zu dem schmerzlichen Anblick der zahl⸗ losen Verkrüppelten gesellt sich die harte Sorge um die Erhaltung der Ueberlebenden; zu den wirtschaftlichen Entbehrungen der Kriegszeit die Besorgnis um die Zukunft der Volkswirtschaft, deren Grundlagen diese tiefgreifende Zerstörung der schaffenden Kräfte und der geschaffenen Güter auf lange Zeit hinaus erschüttert. Der herannahende Jahrestag des Kriegsausbruchs mahnt alle Völker und Staaten, Volksvertreter und Regierungen sedes Landes zu ernster Prüfung. Die leidenden Massen haben keinen anderen Ge⸗ danken als den an den Frieden. Keiner der Kriegführenden hat heute noch den Einwand zu bringt bekanntlich die Gießener Lokalposse„Spengler⸗ Bei zweifel⸗ Anschlag an der In unseren Wäldern Die ganze der Dörfer zieht mit Eimern aus, sie einzusammeln. zahlen, daß die roten Beeren schwarz In Landenhausen bei Lauterbach Wie es vielfach Sitte ist, band er sich beim Hinausführen den Strick um den Leib. Plötzlich wurde das Tier scheu und raste fort dem Dorfe zu, Natürlich erlitt er dabei Wir meinen, es ist höchst fahrlässig gehandelt, einem Jungen ein solches bekanntlich gar nicht selten vor, daß ihren Kräften lag, dort den Mörder, der sich, als Die Eltern des Gaß Der Vater, Georg keiten der Aufgabe als gewachsen erwiesen Niederrad, daß er ein ruhiger Ar⸗ Daß ein Liebesverhältnis in der Auch der Geschäft herbeigerufen wurde, Er gab an, Gaß nicht zu kennen und von Von einem Bienenschwarmüber⸗ der Besitzer im Begriff war, auf seinem Grundstück im See Korn aufzuladen. Alle Versuche, Schmerzen wälzenden Tiere Erst brachte der Nach nahezu ein⸗ Jahre alten Landsturmmann in Lemberg arbeitete er unermüdlich Während er nachts Wache stand, stürzte er in der Dunkelheit mit seiner ganzen Aus⸗ rüstung in den Rhein. Seine Hilferufe hörte wohl ein Schiffer, doch schwand in den Fluten.— Ebenso Staiger aus Stuttgart, 19 Jahre alt, der beim Baden im Biebricher Strandbad ertrunken ist, ge⸗ fürchten, wer vom Frieden rede, verrate Denn genugsam hat in diesem ga jeder dem anderen bewiesen, daß kein schlossenheit zur Selbstbehauptung erlahmt. wird verstärkt durch die Hürgschaft der Erfahrung, ibi weis der gewaltigen militärischen Ueberlegenheit der Verteidigung. Selbst der jüngst erfolgte mutwillige Eintent der italienischen Machthaber in den Krieg, der späte Angriff einer frischen, noch unerschöpften Macht auf ein seit Monaten an vielen Grenzen im schwersten Kampfe stehendes Staatswesen hat diese Erfahrung nur bestätigt. f 5 g S0 gewiß die Kraft der Selbstverteidigung, so zweifelhaft aber und krügerisch ist das Glücksspiel der Eroberung Das haben die Heere des Zaren erfahren, deren übermächtiger Einbruch nunmehr abgewehrt ist, so daß sogar die Hossfnung auf bleibende Sicherung vor ihrem bisher stets drohenden Angeilf und auf die endliche Wiederauferstehung des polnischen kes nahegerückt erscheint. Mit dieser unerschütterlichen Ensschlossenheit Jur Selbstbehaup⸗ tung, solange die blutige Nolwendigteit dazu besteht, steht keines⸗ wegs im Widerspruch der in allen Schichten aller kriegführenden Völker täglich und stündlich wachsende? unsch nach dem Ende, der täglich stärker werdende Wille zum Frieden. Es ist die Pflicht der Sie auf diesen Ruf zu hören und den Weg zum Frieden mit Ernst zu suchen. 5 5 Für alle Kriegführenden ist es Zeit, zum Frieden zu rüsten. Es ist Zeit, daß der entsetzliche Zustand der Verbitterung und Ver⸗ hetzung der Völker gegen einander einem menschenwürdigen Ver⸗ hältnis des gegenseitigen Vertrauens Platz mache, und es ist die Pflicht auch der Regierungen, alle Bestrebungen, woher sie auch kommen mögen, insofern sie einen Weg zum Frieden öffnen, mögen sie nun durch Mittlerversuche der Neutralen erwachsen oder aus der Triedenssehnsucht der 0 Massen in allen kriegführenden Staaten stammen, aufzußreisen und zu verfolgen. 8 Denn es ist in diesem Kriegsjahr offenbar geworden, daß die großen Probleme, vor die Europa gestellt ist, die Sicherung der nationalen Selbstbestimmung der Völker und die Ordnung der Welt⸗ wirtschaft, durch die Begründung der Handels⸗ und, Verkehrsfreiheit für alle Staaten der Welt nicht im Wege der Waffen gelöst werden können, sondern nur im Wege von Vereinbarungen aller Kultur- völker, im Sinne billigen Interessenausgleichs und gleichberechtigter Mitarbeit aller an den Kulturaufgaben, zu denen Europa be⸗ rufen ist. Es ist vor allem der Wille und die Pflicht der Arbeiter⸗ parteien aller Lönder, auf ihre Regierungen in diesem Sinne mit größter Offenheit und unermüdlicher Energie einzuwirken. Die Sozialdemokraten Oesterreichs haben vor dem Kriege alles, was in aufgewendet, um ihn zu verhindern. Sie haben, Pflicht der Verteidigung erlich zu bekunden, ine größere Hoffnung und der blutigsten Schlachten Volk in der kraftvollen Ent⸗ Diese Entschlossenheit durch den Be⸗ solange er dauert, die ihnen auferlegte treu erfüllt, aber niemals aufgehört, fei nach wie vor den Frieden wollen und kei. keinen heiligeren Wunsch hegen, als daß die Glieder der prole⸗ tarischen Internationale die volle, durch das Schicksal geläuterte Einsicht in den Dienst des Friedens werkes stellen. Das Proletariat Oesterreichs mahnen wir zu wachsender Aus⸗ dauer. Die Reihen unserer Organisation sind durch schwere Ver⸗ luste gelichtet; Opfer aller Art sind der Arbeiterschaft auferlegt, neue schwere und verantwortungsvolle Aufgaben hat der Krieg un⸗ seren Vertrauensmännern gestellt. Wir können mit Genugtuung seststellen, daß sich die Kraft und Pesonnenheit unserer Vertrauens⸗ männer, Genossen und Genossinnen, den unerhörten Schwierig⸗ haben, und wir haben das feste Vertrauen, daß sie sich auch fernerhin nicht beugen und die Fahne nicht sinken lassen werden. Der Krieg war nicht unsere Wahl. Nicht in unseren Händen lag das Geschick des Staates. Wir hatten nicht die Macht, das Unheil zu verhüten, wir haben sie nicht, es allein zu wenden. Es bleibt bei uns nichts, als aus⸗ zuharren, unserer proletarischen Sache die Treue zu wahren und unsere Organisationen durchzuhalten bis zu der Stunde, wo das Proletariat sein Erhebungs⸗ und Befreiungswerk fortzuführen im⸗ stande ist. Mit uns ist die Zeit und unser die Zukunft! Von der württembergischen Sozialdemokratie. Am Schlusse der gestrigen Sitzung des württembergi⸗ schen Landtags machte der Präsident die Mitteilung, daß nach einem dem Präsidium der Kammer zugegangenen Schweiben die Ab⸗ geordneten Engelhardt, Hoschka und Westmeyer aus der sozlaldemokratischen Fraktion des Hausbs ausgeschieden seien und eine Mitgliedsvereinigung gemäß der Geschäftsordmung gebildet hätten mit der Bezeichnung„So ziali stische Verefniguwg“. Opfer des Krieges. Theophil Melenj, einer der bedeutendsten Vorkämpfer der ukrainischen Sozialdemokratie Ostgaliziens, ist als Soldat der ukrainischen Legion Mitte Juni bei Halytsch gefallen. Er war 1879 als Sohn eines Volksschullehrers geboren. Schon als Student für die Organisation des städti⸗ schen Proletariers und der Zwergbauern seiner Heimat. 1900—1905 lebte er in Wien, wo er bei vielen Versammlungen und Feiern die ukrainischen Genossen vednerisch vertrat. Er arbeitete viel für die Parteipresse. Die materielle Grundlage seiner Existenz war eine Stelle als Kranbenkassenbeamter. Eine sozialistische Balkankonferenz. Sonntag, den 18. Juli, werden in Bukavest Delegierte der sozialistischen Parteien aller Balkan⸗ staaten zu einer Konferenz zufammentreten, deren Tagesordnung lautet: 1. Mittel und Wege zur Propaganda für die Balkanföderation. 2. Die Sozialisten des Balkans und die Wiedererrichtung der In⸗ ternationale. Schon vor der Konferenz haben die Balkansoziglisten ein Manmi⸗ Es schildert in beredten Worten die gemeinsame Gefahr, die allen Balkanstaaten von seiten der mächtigen europäischen Staaten, die eine imperialistische Politik treiben, droht, und fordert die Völker zur Abwehr auf, die mur in der Gründung der Balkansöderation bestehen kann. Nun soll sich die Interbalkankonferenz über die Mittel und Wege zur Propaganda 52 diefe große Idee einigen. Dies wird ihre praktische Arbeit sein. Gleichzeitig wird aber diese Konferenz auch eine große moralische Wirkung nach außen haben, sie wird eine Manifestation für den Friedenswillen der Volksmassen aller Balkanstaaten sein, die jetzt so stark umworben werden. Durch die Teilnahme des kriegführenden Serbien an der Konferenz gewinnt diese Manisestation nur noch an Bedeutung. Die Konferenz wird Somitag, den 18. Juli, mit einem Volls⸗ ee. eröffnet. Die eigentlichen Verhandlungen beginnen erst am Montag. n Ueber den Gang und die Resultate der Verhandlungen werden wir ausführlich berichten.. Die Parteivertretung der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich hielt zusammen mit dem Klub der Abgeordneten am 13. Juli eine gemeinsame Sitzung ab. Es wurde zunächst vom Vorstand ein aus⸗ führlicher Bericht über seine Tätigkeit seit der letzten Parteikon⸗ ferenz gegeben. Diese vielseitige Tätigkeit erstreckte sich in der Hauptsache auf die Fragen der Volksernährung, des Arbeiterschutzes und der Verhältnisse der Arbeiter während des Krieges, und der verschiedenen Formen der sozialen Fürsorge. Die Partei, das ist der Grundzug des Bildes, das man aus den Berichten empfangen hat, steht aufrecht, ungebeugt und entschlossen, durch intensivere Leistung die furchtbare Schwierigkeit des Augenblicks zu überwinden Wester beschäftigte sich die Sitzung mit der politischen Lage und be⸗ schloß, 75 1 zu Vale, die die Empfindun⸗ gen und das Wollen der sozialdemokratif iterpartei Ausdruck bringt. W 0 D. Kaminka, Gießen Marktplatz Il. Reichhaltiges Lager in uhren, Golde und Süberwaren. Lieferant des Konfum- Bereins Gießen u. Ung. bahn. und d 5 es Een Müdigkeit und Schwache.) eee Telegramme. Tagesbericht des Großen Hauptguartiers Französische Angriffe inden Vogesen vergeblich Das erste Werk von Warschau gestürmt. W. B. Großes Hauptquartier, 23. Juli, vorm.(Amtlich) Westlicher Kriegsschauplatz, Nächtliche Handgranatenangriffe des Feindes nördlich und nordwestlich von Souchez wurden abgewiesen. In der Champagne unternahmen wir in der Gegend von Perthes umfangreiche Sprengungen und be— setzten die Trichterränder. Im Priesterwalde mißlang nachts ein feindlicher Vorstoß. In den Vogesen dauerten die Kämpfe fort. Ein feindlicher Angriff gegen die Linie Linge kopf—Bar⸗ renkopf nördlich von Münster wurde nach heftigen Nahkämpfen vor und in den Stellungen der Bayern und mecklenburgischen Jäger zurückgeschlagen. 2 Offiziere, 64 Alpenjäger sind dabei gefangen genommen worden. Auch am Reichsackerkopf griffen die Franzosen erfolglos an. Bei Metzeral warfen wir sie aus einer vorgeschobenen Stellung, die wir, um Verluste zu vermeiden, planmäßig wieder räumten. In Erwiderung der mehrfachen Beschießung von Thie cvurt und anderer Ortschaften zwischen Maas und Mosei nahm unsere Artillerie Pont a Mousson unter Feuer. Unsere Flieger griffen das Bahudreieck von St. Hilaire in der Champagne au und zwangen feind— liche Flieger zum Rückzug. Auch auf die Kasernen von Geradmer wurden Bomben abgeworfen. Bei einem Luftkampfe über Conuflaus feindliches Kampfflugzeug vernichtet. Oestlicher Kriegsschauplatz. Im Kurlande folgen wir den noch weichenden Russen unter fortgesetzten Kämpfen, bei deuen gestern 6550 Gefangene gemacht, viele Munitionswagen und Feldküchen erbeutet wurden. Gegen den Narew und die Brückenkopfstellungz von Warschau schoben sich unsere Armeen näher herau. Vor Rozan wurde das Dorf Milunij und das Werk Szygi mit dem Bajonett gestürmt und in letzterem 290 Ge⸗ fangene gemacht. Nächtliche Ausfälle aus Nowo⸗Georgiewsk miß⸗ langen. wurde ein Südöstlicher Kriegsschauplatz. Das Westufer der Weichsel von Janowiec westlich von Kazimierz bis Granica ist vom Feinde gesäubert. Im Waldgelände von Koziniec wird noch mit russischen Nachhuten gekämpft. Zwischen Weichsel und Bug gelang es den ver— bündeten Truppen, den zähen Widerstand des Gegners an verschiedenen Stellen zu hrechen und ihn dort zum Rückzug zu zwingen. Die blutigen Verluste der Russen sind außer⸗ gewöhnlich groß. Notiz. Lingekopf und Barrenkopf liegen 3 bis 4 Kilo⸗ meter nördlich Münster, Granica 10 Kilometer südlich Iwangorod. Oberste Heeresleitung. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Vorwärts in Polen. Vergebliche Vorstöße der Italiener. Wien, 23. Juli.(W. T. B.) Amtlich wird 23. Juli: Russischer Kriegsschauplaßtz. Die Kämpfe in Südpolen, in Wolhynien und am oberen Bug nehmen ihren Fortgang. Gegen die Bugstrecke Kamionka—Strumi⸗ lowa—Krystynopol—Sokal, an deren Ostufer wir uns einige brückenkopfartige Stellungen eingerichtet haben, setzte der Feind sehr starke Kräfte an. Er arbeitete sich an einzelnen Punkten bis auf 300 Schritte bis an unsere Schützengräben heran; anderenorts kam es bis zum Handgemenge Ueberall wurden die Russen unter großen Ver lusten zurückgeworfen. Südöstlich Sokal nahm bei einem kühnen Flankenstoß das Feldjägerbataillon Kopal Nr. 10 drei russische Offiziere und 342 Mann gefangen. Norbwestlich Grubieszow gewannen deutsche Kräfte be⸗ deutend Raum. Zwischen der Bystryce und der Weichsel warfen die Truppen des Erzherzogs Josef Ferdinand den Feind auf Belzyce und über Wronow zurück. Westlich der Weichsel, von der Pilicamündung aufwärts, sind die Verbündeten bis an den Strom und den Gürtel von Jwan⸗ gor od herangerückt. Bei Kozinice kämpfen unsere Truppen noch mit feindlichen Nachhuten. An den anderen Teilen der Front ist die Lage im allgemeinen unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Schlacht im Görzischen ist noch immer nicht abgeschlossen. Gegen den Görzer Brückenkopf unterhielten die Italiener gestern ein mäßiges Artilleriefeuer. Ein Angriff auf den Monto Sabotino wurde abgeschlagen. Im Vorfelde von Podgora liegen Hunderte von Feindesleichen. Unsere Truppen haben die ursprünglichen Stellungen des Brückenkopfes ausnahmslos im Be⸗ sitz. Bei der Abwehr der zahlreichen feindlichen Stürme zeichnete sich die dalmatinische Landwehr neuerdings besonders aus. Am Rande des Plateaus von Dober do wird weiter gekämpft. Gegen den Abschnitt Peteano— Sdraussina setzten die Italiener in der verflossenen Nacht drei Angriffe, die abgewiesen wur⸗ den, an. Ebenso miß lang ein Versuch des Gegners, sich zwischen Sdraussina und Polazzo näher an unsere Gräben heranzu⸗ arbeiten. Auch neuerliche Vorstöße des Feindes bei Selz, Vermegliano und gegen den Monte Cosich waren gleich allen früheren vergeblich. Am Mittel⸗Isonzo finden nur Geschützkämpfe statt. Im Krn⸗ gebiete wiesen unsere Truppen gestern, dann nachts und heute früh Angriffe ab. Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet hat sich nichts Wesent⸗ liches ereignet. Ein Nachtangriff der Italiener auf den Monte Piano scheiterte. Das Artilleriefeuer hält an mehreren Stellen an. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. Warschau in Schrecken. „Die Warschauer Nowa Gazeta vom 5. Juli schreibt über die Stimmung in Warschau:„Seit einigen Tagen ist Warschau in Schrecken. Die Stimmung, die noch unlängst allzu sorglos er— schien, veränderte sich hie und da in eine nervöse Erregung und verlautbart: Depression“. Im weiterem führt der Artibel aus, daß der physischen Kraft die moralische Widerstandskraft entgegengesetzt werden müsse. C8 ist bemerkenswert, daß mit Genehmigung der strengen russischen Zensur dieser Artikel schon am 5. Juli erscheinen konnte, daß er also sozusagen von den Behörden inspiriert war und daß man demnach schon in den ersten Julitagen eine derartige Beängstigung in War⸗ schau seststellte, daß man es fiir nötig erachtete, durch die Zeitungen beruhigen zu lassen. 0 Die Bahn Iwangorod— Cholm durchschnitten Der Frankf. Ztg. wird aus Wien gemeldet: Die Ein⸗ kreisungsoperationen der verbündeten Armeen haben ihren erfreulichen Fortgang auch gestern genommen. Die Kämpfe in Südpolen und Wolhynien und am oberen Bug schreiten günstig vorwärts. der Weichsel weichen gegen die großen Waldungen von Ra dom zurück und sind hart an den Strom gepreßt. Der rechte Flügel, der die Vorstellungen von Warschau schüttzt, hat einen schweren Stand. Rechts der Weichsel ist der Lublinot Landrücken fast schon gänzlich in den Händen der Unseren, während der wolhynische Rücken bereits überschritten und der erste Lebensnerv des polnischen Zentralraumes, die Eisen bahnlinie Jwangorod-Cholm von den Verbün⸗ deten bereits durchschnitten worden ist. Der zum befestigten Stützpunkt ausgebaute Platz von Lublin sieht bereits die gegnerischen Heeressäulen vom Süt Südosten an sich heranrücken. Die Truppen der 2 mee des Erzherzogs Josef Ferdinand warfen den Feind zwischen der! Bystrica und der Weichsel aus mehreren Stellungen auf Belzyce und über Wronow zurück. Bei Kozyenice kämpften unsere Truppen noch immer mit feindlichen Nachhuten. Der Feind warf große Verstärkungen gegen die Strumilowa— Krystynopol weise zum Handgemenge, weil sich Punkten ganz nahe hatten. Sie erlitten aber bei all' mu Of n Offensivunterneh⸗ Si 5 Situation in Miga. 1s Riga wird gemeldet, urg ist wi ar! EI. dess überf weil eine 5 n Flüchtlinge harren. Unter den letzteren und den Russen egung. Unter den Balten wurden viole nommen. Die Zeitungen legten ihren Sitz noch die beiden deuts ngen Rigaif Rundschau kommen heraus. Die n sind gefaßt und darüber befriedigt, daß die gezwungene Auswanderung unmöglich ist. Russische Durchbruchsversuche an der 5 J ** 9 2 5 bessarabischen Front abgeschlagen. T. U. Wien, 23. Juli. Das 8 Uhr Abendblatt meldet aus Czernowitz: An der bessarabischen Grenzfront haben die Russen wieder etliche Sturmangriffe gemacht. An einer Stelle durchschnitten die Russen die Drahtverhaue und drangen mit einer größeren Abteilung in unsere Stellungen ein. Diese Abteilung wurde gefangen genommen. Der vor⸗ gestrige nächtliche Angriff dauerte sechs Stunden. Unauf⸗ hörlich unternahmen die Russen Sturmangriffe; an manchen Stellen versuchten sie achtmal vorzustoßen, aber alle Be— mühungen waren vergebens. Ein norwegisches Urteil. Kristiansa, 233. Juli. Das nicht besonders deutschfreundliche Blatt Sjöfarts Tidende schreibt in seiner militärischen Uebersicht: Es könne nicht mehr lange dauern, bis Zentralpolen in deut⸗ schen Händen und Rußland für lange Zeit auf die Defensive an⸗ gewiesen sei oder Frieden suchen ma Die Zentralmächte hätten dann die Wahl, weiter gegen Osten vorzugehen oder ihre ganze Macht gegen Westen zu werfen, wo die Verbündeten nicht fähig ge⸗ wesen seien, die Zeit zu entscheidenden Operationen gegen die Deut⸗ schen auszunutzen. Die Schlacht am Isonzo. T. U. Berlin, 23. Juli. Der Sonderberichterstatter des Berl. Tagebl. meldet aus dem K. und K. Kriegspressequartier: Die gigantischen Kämpfe im Isonzogebiet dauern an. Die österreichisch-ungarischen Truppen leisten gegenüber den mit Unterstützung eines riesigen Artillerieaufgebotes und mit Einsatz fortwährend herangeführter frischer Reserven geführ⸗ ten Angriffen der Italiener Wunder an Unerschrockenheit und Festhalten. Die Teilerfolge, die die Italiener an ein⸗ zelnen Punkten vorübergehend erzielten, kosteten diesen schreckliche Opfer. In den letzten 24 Stunden kam es dort zu wilden Handgemengen, die an allen Stellen mit der Zurück⸗ nahme der Stellung durch unsere Truppen endeten. Die„Erlöser“ in den besetzen Gebietsstreifen. Aus den von den Italienern besetzten Gebietsstreifen berichtet die Politische Korrespondenz eine große Anzahl von Erschießungen, die in Cermons, Grado, Monfalcone und Karfreit stattgefunden haben. Männer, Frauen und Kinder wurden aus den besetzten Ortschaften nach Udine, Verona und Florenz gebracht. In Lorenza di Mossa bedrücken die Bersaglieri die Einwohner, gerstören viele Wohnungen und zwingen die Bevölkerung, die italienische Fahne zu hissen. In Lueinia wurden Frauen und Kinder durch Bajonett⸗ stiche schwer verletzt. Der Ort Casotto im Astizotal wurde von italienischer Infanterie geplündert. 3 280 Dee nnen Der türkische Kriegsbericht. Konstantinopel, 23. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Am 20. Juli abends versuchte der Feind einen durch Bombenwürfe angriff gegen unseren linken Flügel. Seine Reihen, dur unser Feuer gelichtet, kehrten in ihre Stellungen zurück. Bis morgens erneuerte er den Versuch dreimal; wir warfen ih immer zurück und trieben ihn mit schweren Verlusten bis in seine Stellungen. Bei Sedd⸗ül-Bahr bes 20. Juli nachmittags unseren linken F zwei Stunden laug vergeblich. In der Nacht zum 21. i wiederholte er die Beschießung, indem er unseren rechten Flügel mit Leucht kugeln und Scheinwerfern beleuchtete, wirkungslos. Wir hielten eine Erwiderung für überflüssig. In derselben Nacht Er eval. nach Die feindlichen Truppen links en und vom gi „viel an unsere Schützengräben herangewagt g große Verluste und verloren viele Soldaten und ir sche Zeitung und Rigaische vorbereiteten Bajonett ß der Feind am süberfall auf das feindliche Lage von Seddeũl⸗Bahr eine große Explosion und einen zweistündigen Bra ud des feindlichen Munitionsmagazins. Am 21. Juli beschossen wir das Lager und die Artilleriestellungen Der Feind erwiderte wir- bei Mortolimon wirksam. kungslos. An der Front von 2 seine Niederlage gezweigte An den übrigen Fronten nie Die italienische Ministerrat. Stannpa macht nach der Frankf. strigen Ministerratssitzung r des Aeußeren über diplomat Tagesfragen Sonniuo kam zul den In⸗ das jetzt rrat ließ dem Minister orm und Zeit geeignet öster reichi⸗ lister hatten r die Stellung⸗ ggressive Haltung der Tür⸗ en worden fei. Der Zwischenfall von rfischen Behörden verursacht worden fei, die l on dello“ htigten, hatte Mißbrauchs der italieni⸗ en im Marmarameer beschäf⸗ rrat über den Stand der en Schritt in ener⸗ serung durch eine Mit⸗ kabi Bey in Nom zu unter⸗ lä rungen. ferner, aber nur in der Form es, mit dem Gerücht eines Ein⸗ Serbien. Man halte jedoch ieses sehr ernste Gerücht für sensationelle Ereignis sei ugenblick Bulgarien erwarte. Außerdem i Katastrophe tionen Bul⸗ U gaxiens se Bulgaren voraus⸗ ichtlich b lt machten. Gegen⸗ mon also eibe die Balka! isch⸗bulgarischen Krieg. 0 ihrer Gesamtheit außer⸗ amerikanische Antwortnote. 1 äsidenten Wilson ist gestern im den amerikanischen Bot⸗ Inhalt sich schon jetzt Note nicht auf den vom Rei Bureau gemel⸗ ibgestimmt ist ie bewegt sich vielmehr in einem aus konzilianten Tone, wenn der Sprache ein ge⸗ Ernst anhaftet, der durch die hlage geboten erscheint. ont das recht umfangreiche Schriftstück von neuem den rikanischen Stan kt und erörtert die Ge⸗ sichtspunkte, die weitere Verhandlungen zwischen Berlin und Washington in keiner ßen. Wenn somit die Antwort des Präsidenten Wilson weitere Erörterungen wün⸗ schenswert erscheinen läßt, und der deutsch⸗amerikanische Notenwechsel noch eine Fortsetzung f rd, so muß doch der erste Eindruck, den man aus dem Schriftstück empfängt, als wesentlich güunstiger angesprochen werden als der, den Reuter wieder einmal vorausgesagt hat. ter brachte bei leberreichung zur Kennt⸗ ärungen des denten Wilson am Sams⸗ Washington zur Veröffentlichung gelangen werden. auch in Berlin im Laufe ages die Note bekannt geben wird. Ueber den Juhalt hören wir, daß die von Reuter gebrachten Einzel⸗ heiten nur Phantasiegebilde sein können, da man in der Bundeshauptstadt der Union strengstes Stillschweigen be⸗ wahrte und mit aller Schärfe darüber wachte, daß nichts in die Oeffentlichkeit dringe. Wilsons Antwort auf die österreichische Note. Dem Daily Telegraph wird, wie Havas berichtet, aus Neppyork gemeldet, die Antwort auf die österreichische Protest⸗ note erkläre, daß die Vereinigten Staaten bereit seien, Munition, gleichviel welchem der Kriegführenden, zu liefern, daß sie aber nicht für die Zufälligkeiten des Krieges verant⸗ wortlich seien, die verhinderten, daß ein Teil der Krieg⸗ führenden diese Munition erhalte. Wenn die Vereinigten Staaten dem österreichischen Protest Rechnung tragen würden, so würden sie etwas tun, was mit der Neutralität unverein⸗ bar wäre, und was sowohl den Verbündeten als auch den neutralen Mächte mißfallen werde. Womit die Eigentüm⸗ lichkeit der amerikanischen Neutralität zwar rein formal zu rechtfertigen versucht wird, was aber nichts daran ändert, daß diese Art von„Neutralität“ praktisch zur einseitigen Partei⸗ nahme wird. Neue englische Steuern in Sicht. T. U. London, 23. Juli. Premierminister Asquith hat Depu⸗ tierte der Londoner Geschä belt, darunter einzelne Bankiers, empfangen, die in einer Versammlung dafür eingetreten waren, daß in der Staatsverwaltung größere Sparsamkeit vorwalten sollte. Asquith erwiderte, er stimme dem durchaus zu. Gleich⸗ zeitig muß aber der Staat unter den jetzigen Verhältnissen eine weitere Einnahmequelle schließen. Ich beabsichtige schon seit längerer Zeit das kleinere Einkommen zu besteuern. Ich bin der Ansicht, daß unter den augenblicklichen Umständen auch die Be⸗ steuerung der eingeführten Waren Aufmerksamkeit verdient. Jeden⸗ falls werde die Regierung diese Frage im Auge behalten und nach eingehender P g eventuell mit entsprechenden Vorschlägen an das Parlament herantreten. Usun Ne 1 Aae rarte weile Haut und . versuchten unsere Batterien bei Kumkaleh durch einen Feuer⸗ ck 50 Pfg. Uberall zu haben. Vereinskalender. Montag, 26. Ju L. Gießen. Schneiderverband. Abends 129 Uhr Ver⸗ sammlung. Von den Apotheken in Giessen ist am Sonntag, den 25. Juli von 3 Uhr nachmittags an und die Nacht hindurch geöffnet die Hirsch-Apotheke. Städtischer Wohnungsnachweis Gießen. Es sind zu vermieten: 1 Haus zum Alleinbewohnen, 10 Zimmer, Badezimmer und Zubehör. 1 herrschaftliche Wohnung von 7 Zimmern mit Zentral⸗ heizung, 1 herrschaftliche Wohnung von 6 Zimmern,? Wohnungen von 5 Zimmern, 6 Wohnungen von 4 Zimmern, 1 Wohnung von 3 Zimmern mit oder ohne Laden, 2 Wohnungen von 3 Zimmern, 4 Wohnungen von 2 Zimmern, 5 Wohnungen von 1 Zimmer, 2 Ladenräume mit je 1 Zimmer, 1 Lager- oder Fabrikraum, 3 Lagerräume mit 1 Arbeitsraum, 6 möblierte Zimmer, davon zwei nebeneinanderliegende, 1 leeres Zimmer.. Zu mieten gesucht: 20 Wohnungen von 1—7 Zimmern. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen. Es kzunen eingestellt werden: a) bei hiesigen Arbeitgebern: g 2 Fuhrleute, 1 Gärtner, 1 Heizungsmonteur, 3 Bauschlosser, 3 Elektromonteure, 1 Kraftfahrer, 1 Polsterer, 1 Schreiner, 1 Haus⸗ bursche, 10 kräftige Arbeiter. b) bei auswärtigen Arbeitgebern: 2 landwirtschaftliche Arbeiter und Knechte, 5 Dreher, 2 Schrei⸗ ner, 6 Schmiede, 15 Maschinenschlosser, 1 Elektromonteur, 5 Satt⸗ ler, 5 Spengler, 1 Schuhmacher, 10 Arbeiter für Fabrik, 1 land⸗ wirtschaftliches Dienstmädchen. Es suchen Arbeit: 1 Fuhrknecht, 2 landwirtschaftliche Arbeiter, 1 Geschäftsführer, 1 Schuhmacher, 10 Putz- und Lauffrauen, 2 Arbeiter, 1 Haus⸗ bursche, 2 Büglerinnen, 1 jüngeres Dienstmädchen. Bekanntmachung. Die Heberolle über die Beiträge zur land- und forstwirtschaft⸗ lichen Berufsgenossenschaft für das Jahr 1914 liegt von heute an während 2 Wochen im Stadthaus, Gartenstraße Nr. 2, Seitenbau, zur Einsicht offen. Innerhalb einer weiteren Frist von zwei Wochen, nach Ablauf der Offenlegungsfrist, kann der in der Heberolle als beitragspflichtig in Anspruch Genommene gegen die Beitrags- berechnung bei dem Vorstande der land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft Einspruch erheben(s.§S 11 der Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern vom 30. Mai 1913). Auf die mit den Anforderungszetteln demnächst zur Verteilung gelangenden Merkblätter über Unfallverhütung wird besonders auf⸗ merksam gemacht. Die Nichtbeachtung der Unfallverhütungsvor⸗ schriften, die jederzeit hier— beim Versscherungsamt— eingesehen werden können, ist unter Strafe gestellt. Gießen, den 15. Juli 1915. Der Oberbürger meister. r Bekanntmachung 10 8 Ausgabe der Brotmarkenhefte für die Zeit vom 26. Jult is 8. August d. J. findet g. Sang en t 1915, vormittags 8—12 Uhr und nach⸗ mittags 2—6 Uhr statt. 8. Soweit den Anträgen auf Zuweisung einer erhöhten Brot⸗ m. ist, werden auf Verlangen diesbezligliche Brot⸗ markenhefte ausgegeben. 2„ Es 15 1 0 die Brotmarkenhefte sofort auf die Vollständig⸗ keit des Inhalts an Abschnitten nachzuprüfen. Reklamationen, die später vorgebracht werden, können nicht berücksichtigt werden. Gießen, den 20. Juli 1915.. 5 Der Oberbürgermeister: Keller. Bekanntmachung. Die öffentlichen Zmpftermine für die Erstimpflinge in der Stadt Gießen, welche lies, nachmittags von 5—6 Uhr, in der Turnhalle der Stadtmädchenschule(Schillerstraße) stattfinden, wer⸗ den nur noch im Monat Juli abgehalten.„. Wer die Termine nicht benutzen will, muß sein impfpflichtiges Kind auf eigene Kosten impfen lassen. Gießen, den 15. Juli 1915. 10 Der Ober bürgermeister: Keller. Kellenrnrn!n! Verstorbene. Wilhelm Nagner, in Werdorf, 35 Jahre alt. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. O. Offenbach a. M. 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