. — — N Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1 80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Juserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 169 10. Jahrgang. Daß Shluufenland der Agrnrier. Aus Budapest wird uns geschrieben: Der blutige Krieg, der sich seit Beginn so schwer auf alle Stände legte und besonders der ärmlichen Bevölkerung so viele Ent- behrungen auferlegt. hat Ungarn zum Eldorado der jederzeit bevor— zugten Agrarier gemacht. Schon beim Ausbruche des Krieges im Vorjahre stiegen die ohnedies schon hohen Fruchtpreise zu einer Höhe, wie sie sich selbst der kühnste Agrarier nicht zu träumen wagte und das Ackerbau treibende Ungarn erlebte die Genugtuung, daß die Brotfrüchte dort die teuersten in Europa waren. Da der Anbau, sowie auch sämt— liche Erntearbeiten in vollem Frieden geschahen— bei Ausbruch des Krieges war bereits die Ernte eingeheimst— wurde der Welt- krieg natürlich als Ursache der hohen Getreidepreise hingestellt. Die Ernte des Jahres 1914, die an Korn und Weizen insge—⸗ samt kaum 40 Millionen Meterzentner ergab, brachte den Agrariern durch den Krieg einen reichen Gewinn. Vom Beginn des Krieges, wo doch die gesamte Ernte noch in den Händen der Agrarier war, bis zu Neujahr 1915 stieg der Meterzentner um 15 Kronen, sodaß diese Preissteigerung allein den Agrariern nahezu 600 Millionen Kronen als Kriegsprofit neben dem üblichen Gewinn einbrachte. Mittlerweile erschien auch die Verordnung der ungarischen Re— gierung, derzufolge reines Weizenmehl nicht mehr verbacken werden durfte und eine 50prozentige Mischung mit Mais oder Gerste diktiert wurde, und diese Verordnung trieb auch die Preise von Mais und Gerste zu einer nie geahnten Höhe. Der Meterzentner Mais, der gewöhnlich in Ungarn zu 10—14 Kronen gehandelt wurde, stieg auf 24—26 Kronen, und als später eine neue Verord⸗ nung der Regierung die Requirierung des vorhandenen Mais— vorrates aussprach, bestimmte die ungarische Regierung den Maximalspreis von Mais auf 30 Kronen. Der Mais, der in Ungarn niemals als Brotfrucht gebraucht wurde, brachte den Agrariern einen noch größeren Gewinn, da es sich nicht bloß um die Ernte des Jahres 1914 handelte, sondern um gewaltige Vorräte der früheren Jahre, da die meisten Großgrundbesitzer den Mais stets trocken, also erst nach 1—2 Jahren auf den Markt bringen. In Börsenkreisen schätzt man den Gewinn der Agraxier bei Mais allein auf wenigstens eine Viertelmilliarde Kronen. Der öffent⸗ lichen Meinung gegenüber wurde die Verordnung der Mehlmischung, wie auch der Requirieruna des Maisvorrates damit begründet, daß ein Mangel an Weizen und Korn dies notwendig macht und die Bevölkerung vor einer etwaigen Hungersnot gesichert werden müsse. Kaum war jedoch der in dem Besitze der Agrarier stehende Maisvorrat von der Regierung aufgekauft, da begann in der ge⸗ samten Presse des Landes die Agitation gegen die Maismischung und bald hob die Regierung diese Verordnung auf, mit der neuer— lichen Begründung, daß, da die neue Ernte bevorstehe und auch günstig ausfalle, das Land genügende Vorräte an Weizen und Korn besitze. Die Agrarier hatten bis dahin die Maisvorräte natürlich schon zu den Maximalpreisen losgeschlagen. Während die Agrarier im Gewinn nahezu erstickten, setzte die Bevölkerung des Landes ihre Hoffnung auf die neue Ernte, die den Prophezeiungen zufolge äußerst gut auszufallen versprach. In dieser Hoffnung wurde die Bevölkerung jedoch noch vor der Ernte getäuscht. Die ungarische Regierung erließ wieder eine Verordnung, in welcher sie die Sperre der Weizen⸗, Korn⸗ und Halbfruchtfechsung des Jahres 1915 an⸗ ordnete und im Interesse des allgemeinen Bedarfs den Verkauf dieser Brotfrüchte nur unter den in der Verordnung genannten Be— dingungen gestattet. Gestützt auf diese Verordnung gründete die Regierung eine „Kriegsprodukten⸗Aktiengesellschaft“, die das Getreide von den Produzenten aufkaufte. Zu welchem Preise das geschehen sollte, darüber schwieg die Verordnung. Kaum war diese Verordnung erlassen, als auch schon der Landesverein der Landwirte Ungarns“ die Regierung aufforderte, den Preis des Getreides festzustellen, jedoch forderten diese Land⸗ wirte gleichzeitig, auch den bisherigen Maximalspreis zu erhöhen. Die Regierung kam auch pünktlich dem Verlangen der Land⸗ wirte nach und wenn sie auch nicht die Preise erhöhte, da sie doch nur zu gut wußte, daß die Produktionskosten durch Beistellung von russischen Gefangenen und durch massenhafte Beurlaubungen zu den Erntearbeiten, sich nicht vergrößert hatten, so setzte sie dennoch den Preis des Weizens der neuen Ernte in derselben Höhe fe, wie er derzeit besteht, mit 41 Kronen pro Meterzentner. Also ist der Weizen der neuen Ernte mit dem Höchstpreis der alten Ernte festgesetzt, jedoch sinkt dieser Preis in je zehn Tagen, dem August angefangen, um eine Krone bis auf 37 Kronen, sodaß nach vollkommen beendigter Ernte am 15. September der Maximal⸗ preis 37 Kronen beträgt. Welch horrender Gewinn nun wieder den Agrariern zuströmt, läßt sich aus der amtlichen Schätzung der geuen Ernte schon jetzt erraten. Der dankbare ungarische Boden gibt dem Volke für das an seiner Karpathengrenze vergossene Blut goldenen Weizen in Hülle und Fülle, zeigt sich erkenntlicher als im Vorjahre. Die amtliche Schätzung, die nach Aussage der Landwirte noch weit übertroffen wird stellt sich für das Jahr 1915 wie folgt: Weizen 45 973 886 Meterzentner, Korn 12902 330 Meterzentner, Gerste 13 546 783 Meterzentner. Um nahezu 50 Prozent ist demnach die Ernte 1915 größer als Nie vorjährige. Der Höchstpreis des Vorjahres wurde aber von der Regierung auch für diese Ernte festgesetzt. Wahrlich, die Agrarier Ungarns können mit dieser Regierung zufrieden sein. Ungarn i das Schlaraffenland der Agrarier geworden und Ungarns Volk— es mag betteln gehen, wenn es hungrig ist. 0 Die enlischen Verluste an den Dardanellen. T. U. London, 20. Juli. Nach einer amtlichen Bekannt⸗ machung betragen die englischen Gesamtperluste an den Dardanellen in Berichtigung friiherer Hiftorn bis Ende Juni Gießen, Donnerstag, den 22. Juli 1915 an Toten 540 Offiziere, 7543 Mann, an Verwundeten 1257 Offiziere, 25 552 Mann, und an Vermißten 136 Offiziere, 7401 Mann. Das ergibt einen Gesamtverlust von 1933 Offi⸗ zieren und 40 496 Mann. Die französischen Verluste werden kaum geringer sein. Der englische Bergarbeiterstreik. Deutschlands innere Sicherung. Die Spannung, mit der die kriegerischen Ereignisse verfolgt werden, hat im Augenblick eine scharfe Konkurrenz bekommen, näm⸗ lich die Aufmerksamkeit, die der englische Kohlenarbeiter⸗ streik erregt. In der Tat handelt es sich hier um eine Er⸗ scheinung, die in vielfacher Beziehung bedeutsam ist, nicht nur für England selbst, sondern ebenso sehr und ebenso ernst für jedes andere Land. Davor aber möchten wir zunächst warnen, diesen Streik in England, wenn er auch über 200 000 Mann erfaßt und einigen industriellen Werken schon Schwierigkeiten bereitet hat, als mögliche Rückwirkung auf Englands kriegerischen Widerstand zu überschätzen. Nichts wäre verkehrter als das, nichts im deutschen Interesse gefährlicher. Die Engländer haben durch ihren ganz un⸗ vergleichlichen Kohlenreichtum und durch ihre Beherrschung der Meere genug Möglichkeiten, selbst weit ernsthaftere Störungen ihres Wirtschaftslebens auszugleichen. Der Streik könnte nur, wenn es der Regierung nicht gelingt, die Unternehmer bald zur Raison zu bringen, auf die Stimmung des Landes sehr bös zurückwirken. In dieser Hinsicht kann man gespannt sein, ob die englische Regierung ihre Macht und die Gesetze auch gegen die Unternehmer ebenso anwenden wird wie gegen die Arbeiter. Es wäre sicherlich keine unpopuläre Maßnahme, wenn die englische Regierung die Unternehmer des Kohlendistrikts von Cardiff jetzt auch in militäri⸗ sche Bataillone einreihen würde, wie sie das bekanntlich mit den Liverpooler Hafenarbeitern gemacht hat. Das würde sicherlich die berühmte englische Demokratie mit neuem Ruhm bestrahlen. Für Deutschland aber hat der englische Bergarbeiterstreik eine ganz andere beachtenswerte Seite. Wir sind in Deutschland bisher während des Krieges von ernsthaften Streiks, selbst von größeren Lohndifferenzen verschont geblieben, sicherlich nicht dank besonderem Entgegenkommen der Unternehmer, sondern dank der starken Macht, die die deutschen Gewerkschaften schon vor dem Kriege bildeten und dank der Umsicht, mit der sie sich den neuen Verhält⸗ nissen angepaßt haben. Ganz offen darf auch gerühmt werden, wie im besonderen die militärischen Behörden durch Errichtung und Begünstigung der Arbeitsgemeinschaften zwischen Arbeitern und Unternehmern die gütliche Austragung von Streitigkeiten gefördert haben. Das ist eine innere Sicherung für Deutschland geworden, die besonders dann, wenn das Kriegsglück nicht so unleugbar auf unserer Seite gewesen wäre, von ganz unvergleich— lichem Wert hätte sein müssen. Diese innere Sicherung Deutsch⸗ lands ist natürlich von der größten Bedeutung für unsere kriege⸗ rische Stärke. Dabei muß immer wieder betont werden, daß die körperliche und geistige Entwicklung der Arbeiterschaft in Deutschland überhaupt ein ganz unvergleichliches Fundament unserer Rüstung bedeutet. Es ist vielfach, auch von Heerführern wie Hindenburg, wiederholt anerkannt worden, daß es im wesentlichen die überlegene Intelligenz und morali⸗ sche Kraft der deutschen Truppen ist, die ihnen so oft den Sieg auf den Schlachtfeldern gegeben hat. Ein gewaltiger Teil unserer Truppen aber besteht aus Arbeitern, die ihre innere Bildung wesentlich in den Gewerkschaften und in der Partei bekommen haben und deren Körper durch den Arbeiter- schutz, den Partei und Gewerkschaften ihnen nach dem Worte Bis— marcks erst erkämpft haben, gestählt wurde. Jetzt wird hoffentlich auch die bürgerliche Welt einsehen, daß der Arbeiterschutz nicht nur eine Stärkung der deutschen Arbeiterklasse bedeutet, sondern eine innere Sicherung der Nation. Es bleibt zu hoffen, daß diese Einsicht auch über die Zeit des Krieges erhalten bleibt und uns nach dem Frieden eine neue Aera der Sozialpolitik schaffen hilft. Dabei ist es selbstverständlich, daß die sozialpolitischen Er- rungenschaften, die der Krieg uns— der Not gehorchend gebracht hat, nicht wieder aufgegeben werden dürfen, sondern kraft⸗ voll ausgebaut werden müssen; denn— wie die Welt auch immer nach diesem Krieg aussehen mag, das eine ist für alle gewiß: daß die Zukunft eines Volkes niemals mehr auf die äußere militärische Rüstung allein gebaut werden wird, sondern mindestens ebenso sehr auf die innere wirtschaftliche und moralische Sicherung des Volkes. * Besichtigung der russischen Gefangenenlager. Das dänische Rote Kreuz erhielt vor einiger Zeit vom Roten Kreuz in Petersburg die Aufforderung, Unterhandlungen mit der deutschen Regierung darüber einzuleiten, daß ein Abgesandter des dänischen Roten Kreuzes, wenn möglich, in Begleitung einer ruf⸗ sischen barmherzigen Schwester, die Kriegsgefangenenlager Deutsch⸗ lands, in denen sich Gefangene russischer Nationalität befinden, be⸗ suchen dürfe. Der Leiter der beim dänischen Roten Kveug bestehen⸗ den Abteilung für Kriegsgefangene, Konferenzrat Dithmer setzte sich mit den deutschen Behörden in Verbindung und erhielt die Antwort, daß das preußische Kriegsministerium der Anvegung zustimane unter der Bedingung, daß gleichzeitig ebensolche Abgesandte die deutschen Gefangenenlager in Rußland besuchten, und zwar sollten wegen der Ausdehnung Rußlands dorthin drei Abgesandte geschickt werden. Dies wurde den russischen Behörden vorgelegt und vom russischen Kriegsministerium angenommen unter der Bedingung, daß auch nach Deutschland drei Abgesandte geschickt würden. Da das preußische Kriegsministerium damit einverstanden ist, wird der Plan nummehr durchgeführt. Nach Rußland entsendet das Rote Kreuz, wie Ritzaus Bureau meldet, den Kapitän zur See C. Drechsel, Oberst S. Meyer und Oberst G. Muus, nach Deutschland Konsul Erik Henius, Kor⸗ vettenkapitän a. D. C. von Späth und Korvettenkapitän L. Tvermoes. Weltkrieg. Deutschland und Amerika. In Amerika entrüstet man sich über den Angriff eines deutschen Unterseebootes auf den Dampfer„Orduna“ der Cunard⸗Linie, der 227 Passagiere, darunter zahlreiche Amerikaner, an Bord hatte, nicht nur wegen der Tatsache, daß, wie bei der„Lusitania“, keine vorherige Ankündigung erfolgt sei, sondern auch deshalb, weil das Schiff nach Amerika zurückfuhr, sodaß infolgedessen nicht wie bei der „Lusitania“ Entschuldigungen vorgebracht werden könnten. Die Blätter erklären, Deutschland habe von neuem seinen Entschluß gezeigt, in gleicher Weise die durch die internatio⸗ nalen Abmachungen, wie durch menschliche Erwägungen ge⸗ botenen Beschränkungen zu mißachten. Man werde Wilson zwingen, Deutschland nicht mit Nachsicht und Schwäche zu behandeln. Die Arbeiterbewegung in den amerikanischen Waffenfabriken. Reuter meldet aus Bridgeport: Die Unterhandkungen über den drohenden Streik in den Waffenfabriken von Remington blieben ohne Erfolg. Die Führer der Arbeiter erklären, daß die Metallarbeiter und Maschinisten morgen Nachmittag die Arbeit niederlegen werden, und innerhalb einer Woche die Fabriken von Remington und die Fabriken der Gesellschaften, die ähnliche Be⸗ stellungen haben, arbeitslos sein werden. Die Vertagung der griechischen Kammer. T. U. Bukarest, 20. Juli. Die Athener Zeitung Embros meldet, daß die Kammer auf unbestimmte Zeit vertagt wor⸗ den sei und daß die Entscheidung der Regierung, ob sie später wieder zufsammentreten oder aufgelöst werden soll, innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist bekanntgegeben wird. Das Blatt fügt hinzu, daß die außerordentlich ernste Lage auch außerordentliche Mittel rechtfertige, um die Integrität und die Unabhängigkeit Griechenlands gegenüber jeder Mächtegruppe durchzusetzen. Der Kriegsrat der Entente. Ueber den jüngsten Kriegsrat der Verbündeten in Calais, der fast eine Woche dauerte, sickern jetzt allerlei Einzelheiten durch. Danach hätten, wie die Morgenblätter zu melden wissen, fünf englische, drei französische und zwei belgische Generale daran teilgenommen, General Porro sei erst in dem Augenblick angekommen, als die Beratung beendet war. Er habe nur noch Gelegenheit gehabt, sich kurz mit den anderen Herren zu besprechen. Als Hauptergebnis des Kriegsrats wurde angegeben: Die Rückkehr der alten Abnutzungstheorie gegenüber dem Feinde, also systematische Defensive, damit die Deutschen durch die ihnen aufgezwungene Offensive so viel Menschen als möglich verlieren, alsdann verschiedene Truppen⸗ verschiebungen und Vorbereitung des mit Sicherheit erwar⸗ teten Winterfeldzuges. Die Zustände in Warschau. T. U. Krakau, 21. Juli. Nowa Reforma erfährt aus Warschau: In letzter Zeit ereigneten sich zahlreiche Ueberfälle auf Deutsche und Personen deutscher Abstammung. Massenverhaftungen sind an der Tagesordnung. Telephon und Telegraph sind allgemein für den Privatverkehr gesperrt. Der Eisenbahnverkehr ist unterbrochen. Gegenwärtig weilt in Warschau nicht ein einziger fremder Unter⸗ tan; selbst die englischen und französischen Berichterstatter haben die Stadt verlassen müssen. Die Späherei ist ungeheuer. Die Stimmung ist überall gedrückt. Man bereitet sich auf eine bevor⸗ stehende Belagerung der Stadt vor. Die Fabriken sind nach dem Innern Rußlands übergesiedelt. 30 000 Familien sind abgereist. Die Räumung Rigas. T. U. Petersburg, 21. Juli. Sämtliche behördlichen Archive Rigas, die Geldbestände der dortigen Staatsbank⸗ Filiale und die Akten der Gerichte sind gestern nach Peters⸗ burg abgegangen. Mit der Räumung der dortigen Inten⸗ danturläger ist begonnen worden. Staatliche Beamte haben die Weisung erhalten, zur Abreise bereit zu sein. Im Laufe der jüngsten Wochen haben 15 000 Personen der Zivilbevölke— rung die Stadt fluchtartig verlassen. Nordwest⸗Bahnen haben die Anordnung erhalten, für 19 Flüchtlingszüge täglich Vorsorge zu treffen. Mitau sieht wie ausgestorben aus. Einigung in Wales. T. U. Rotterdam, 21. Juli. Wie aus London berichtet wird, ist zwischen den Regierungsvertretern und den Berg- arbeitern eine Einigung erzielt worden. Es wird angenom- men, daß damit der gesamte Bergarbeiterstreik in Wales bei⸗ gelegt wird. Russische Maßnahmen in Bessarabien. T. U. Bukarest, 21. Juli. Aus Bessarabien liegen Nachrichten vor, daß die dortigen Gutsbesitzer von den Behörden die Weisung erhielten, für die sichere Einbringung der Ernte zu sorgen und das Getreide dann in das Innere Rußlands schaffen zu lassen. Die die Genossen Berten und Pfeiffer in Düsseldorf ein neues Unruhen in Tripolis Lugano, 21. Juli. Schlechte Nachrichten sind aus dem westlichen Teil Libyens eingetroffen. Die italienische Besatzung von Nalut in Tripolis hat die tunesische Grenze überschritten und sich nach Dehibat begeben, weil die Streitkräfte der Rebellen so stark waren, daß kein anderer Rückzug übrig blieb. l Diese Meldung beweist, daß das ganze Innere Libyens für die Italiener verloren ist. Nriegsnolizen. Gestern Abend brach in der Lederfabrik von Westphal in Stellingen⸗Langenfelde Großfeuer aus, das in kurzer Zeit sich über die ganze Fabrik ausdehnte, und sie völlig ver⸗ nichtete. Die Wohnhäuser wurden gerettet. Die Höhe des Schadens und die Ursache des Brandes ist unbekannt. Es wird Brandstiftung vermutet. Nach einer Meldung aus Petersburg wird der russische Ministerrat in seiner nächsten Sitzung infolge der veränderten Lage der Einberufung der Duma nunmehr seine Zustimmung geben. Das Einberufungs-Dekret soll in den nächsten Tagen amt⸗ lich publiziert werden. Laut Nowoje Wremja werden alle deutschen Kolonial- schulen in Rußland geschlossen und durch Schulen mit rus⸗ sischer Unterrichtsspvache ersetzt. Die Lehrer, die nicht perfekt rusßsch sprechen können, werden verabschiedet. Nach der Unita Cattolica ist in San Marino ein Kapu ⸗ zinerkloster geplündert worden, weil man die Mönche im Verdacht hatte, österreich⸗freundlich zu sein. Das Reutersche Bureau meldet aus Pretoria, daß der Pro⸗ zeß wegen Hochverrats gegen den Burenführer Kemp be⸗ gonnen hat. Partei⸗Nachrichten. Zum Verfahren gegen die Genossin Luxemburg. Bekanntlich ist die Genossin Dr. Rosa Luxemburg in dem sonst nur für gemeine Verbrecher bestimmten„grünen Wagen“ in das Frauengefängnis in der Barnimstraße zur Verbüßung ihrer poli⸗ tischen Strafe transportiert worden. Auf die von dem Rechtsbei⸗ stand unserer Genossin, dem Genossen Dr. Siegfried Weinberg, ein⸗ gelegte weitere Beschwerde hat nunmehr auch der Minister des Innern dieses Verfahren gebilligt. 0 Wie wir hören, ist übrigens gegen die Genossin Luxemburg sowie gegen die Genossin Zetkin den Genossen Mehring und Verfahren anhängig gemacht, das sich auf die in der Monatsschrift „Die Internationale“ veröffentlichten Aufsätze stützt. Die Gemeindewahlen in Holland. In diesen Wochen wurden in Holland in allen Gemeinden die Kommunalwahlen vollzogen zur Erneuerung eines Drittels der Gemeindevertretungen. Ihr hauptsächliches Kennzeichen war dies⸗ mal ein in vielen Gemeinden zwischen den bürgerlichen Parteien ab⸗ geschlossenes Kompromiß, die freikommenden Mandate ohne Kampf wieder erneuern zu lassen. Als Motiv dafür wird der„Burgfrieden“ vorgeschützt, der aus der Weltkriegslage hervorgeht, aber auf kom⸗ munalem Gebiet nie Geltung hatte. Nur ganz vereinzelt hat auch unsere Partej am allgemeinen Kompromiß teilgenommen und dann noch unter sehr besonderen Verhältnissen: so in Zaandam, wo wir die Mehrheit in der Gemeindevertretung besitzen und durch den Kompromiß behalten und in Utrecht, wo die Liberalen den Frieden möglich machten, indem sie den Minderheitsparteien, darunter den Sozialdemokraten, einige neue Mandate in der Gemeindevertretung üüberließen. In zahlreichen anderen Gemeinden aber sah sich unsere Partei jetzt eben durch den sogenannten Burgfrieden merkwürdiger⸗ weise einem bürgerlichen Block gegenübergestellt. Daß unter diesen Umständen der Mandatsgewinn für uns groß sein könnte. war von vornherein ausgeschlossen. So gelang es uns weder in Rotterdam noch in Amsterdam, unsere Mandatszahl zu erhöhen. In Amster⸗ dam ging sogar im 9. Kreis ein Mandat an die Klerikalen verloren, wogegen wir aber im 2. Kreis ein Mandat von den Klerikalen er⸗ oberten, sodaß wir wiederum mit 15 von den 45 Sitzen in die Ge⸗ meindevertretung zurückkehren. Dagegen haben wir in einer ganzen Reihe anderer Gemeinden einen beträchtlichen Mandatszuwachs auf⸗ zuweisen. Jusbesondere sind fast im ganzen Norden des Landes die Resultate sehr zufriedenstellend. Auch in Mittelstädten als Dord⸗ recht, Zutphen, Schiedam haben wir schöne Siege errungen, während in anderen Gemeinden, wie Haag und Haarlem noch neuer Gewinn bevorsteht. Im allgemeinen ist bei schwacher Wahlbeteiligung unde Stimmenzahl meistens noch prozentual und sogar oft absolut ge- stiegen. Die Mitteilungen aus den Organisationen sind hierin fast einstimmig, daß von einer Verstimmung unter den Wählern als Folge des von der bürgerlichen Presse ausposaunten„Fiaskos“ der Sozialdemokratie im Weltkrieg nichts zu verspüren ist. Eine Erklärung des Internationalen Sozialistischen Bureaus. Der Parteivorstand schreibt uns: Het Volk, das holländische Parteiorgan, bringt in seiner Num⸗ mer vom 12. Juli 1915 eine Erklärung des Sekretariats des In⸗ ternationalen Sozialistischen Bureaus, das gegenwärtig seinen Sitz im Haag hat, in der auf den Aufruf des deutschen Parteivorstandes über„Sozialdemokratie und Frieden“ vom 23. Juni d. J. Bezug ge⸗ nommen wird. In dieser Erklärung heißt es, man könne aus un⸗ serem Manifest den Schluß ziehen,„als ob auch die belgische Partei sich geweigert habe, an einer außerordentlichen Sitzung des rr rere 2 Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 29 Schwer ist oft die Verzweiflung, die einen Menschen heimsucht, der einsan: den Weg des Verbrechens wandelt; einen Genossen haben, ist höhere Pein. Man kann den eigenen Mund hüten, daß er nicht rede, die eigenen Mienen daß sie nicht zucken, und es kann Tage geben, wo man alles vergißt und sich ausredet, was geschehen ist; in einem Ge— nossen aber spricht bei jeder Begegnung die Tat sich aus, ohne Wort, ohne Wink; und weilt er fern, wer behütet den Mund, wer wahrt die Mienen, daß sie nicht den Ahnungslosen ins Verderben reißen? Das erkannte Diethelm, da er wieder allein war und es ihm vorkam, als knisterte es schon in den Wänden. Als der Hahn krähte, erwachte Diethelm und ballte die Fäuste; der Gedanke schnellte ihn empor, daß nichts übrig bleibe, als den verräterischen Genossen aus dem Wege zu schaffen, der ihn gewiß schon seit Jahren betrogen und mit zu seinem Elend verholfen, aber er bezwang sich und— so seltsam ge— artet ist das Menschenherz!— daß Diethelm aus dieser Selbstbeherrschung einen friedlichen Trost schöpfte: die Tat, die er begehen wollte, erschien unschuldvoll, fast ein Kinder— spiel, da er das schwere Verbrechen, den Mord, von sich wies. Mit ruhigem Gewissen schlief Diethelm abermals ein. XIV Es läßt sich kaum sagen, was in dem beiderseitigen Blicke lag, als sich Diethelm und Medard am Morgen zum erstenmal im Tageslicht begegneten, nur mit Blitzesschnelle streiften sich ihre Blicke, dann schaute jeder vor sich nieder. Medard aber war wieder schnell gefaßt, griff in die Tasche und sagte, die Messingschrauben zeigend, mit triumphieren⸗ der Miene:„Da, die hab' ich heut schon geholt.“ Exekutivkomitees des J. S. B. teilzunehmen, in der untersucht wer⸗ den sollte, ob eine Gesamtsitzung mit der Tagesordnung„Einleitung einer Friedensaktion“ möglich wäre. Das Gegenteil sei wahr“. In unserm Aufruf ist über die Haltung des belgischen Partei⸗ vorstandes zur Einberufung einer Sitzung des J. S. B. tatsächlich garnichts gesagt. Es war uns schon im März mitgeteilt worden, daß Mitglieder des belgischen Parteivorstandes mit dem Exekutiv⸗ komitee des J. S. B. verhandelt hatten. Bei diesen Verhandlungen erklärten die belgischen Parteivorstandsmitglieder v. a., wie uns da⸗ mals mitgeteilt wurde, daß vom Frieden erst geredet werden könne, wenn der deutsche Militarismus vernichtet sei. Zu den Parteidifferenzen. In Dresden wurde am letzten Sonntag eine erweiterte Be⸗ zirksversammlung abgehalten, an der Landesvorstand Be⸗ zirksvorstand, die Vorstände der 9 sächsischen Reichstagswahlkreise, die dem Bezirk angehörenden Reichs⸗ und Landtagsabgeordneten und die politischen Redakteure der Parteipresse des Bezirks, insgesamt 175 Personen, beteiligt waren.— Gen. Fleißner gab den Bericht aus der letzten Sitzung des Parteiausschusses, dem eine lebhafte Debatte folgte. Die siebenstündige Erörterung hatte folgendes Ergebnis: Absatz 1 der bekannten Resolution des Partei⸗ ausschusses wurde gegen eine starke Minderheit(die Stimmen wur⸗ den bei der ersten Abstimmung nicht gezählt) angenommen, Abf. 2 mit 67 gegen 51 Stimmen abgelehnt, Abs. 3 mit 73 gegen 57 Stinn⸗ men abgelehnt. Hierauf wurde solgender Antrag Fleißner mit 77 gegen 56 Stimmen angenommen: „Die Bezirksversammlung verurteilt alle Maßnahmen der Parteiinstanzen, die eine Unterbindung der freien Meinunags⸗ äußerung innerhalb der Partei bezwecken. Sie verurteilt daher entschieden das gegen den Parteivorsitzenden Genossen Haase inszenierte Verfahren, spricht ihm das Vertrauen für seine mannhafte Haltung aus und erklärt ihr Einverständnis mit dem Artikel„Das Gebot der Stunde“. Aus den Organisationen. Der 5. württembergische Wahlkreis hielt in Eß⸗ lingen seine Kreisgeneralversammlung, auf der die starke Hälfte der Ortsvereine vertreten war, ab. Die meisten kleineren Orts⸗ vereine mußten ihre Tätigkeit einstellen, weil die Mitglieder sämt⸗ lich zum Heere einberufen sind. Unter den erschienenen 36 Dele⸗ gierten herrschte Einmütigkeit in der Beurteilung der Haltung der Partei in der Kriegszeit. Gegen zwei Stimmen wurde eine Reso⸗ lution angenommen, die die Politik der Reichstags ⸗ fraktion und des Parteivorstandes billigt und sich die Beschlüsse des Parteiausschusses zu eigen macht. Von den württembergischen Parteidifferenzen wurden nur die Orts- vereine Eßlingen und Kirchheim berührt. In Eßlingen hat sich die alte Leitung mit ihrem Anhang in einem außerhalb der Partei stehenden Verein abgesondert. Der alte Ortsverein funktioniert jedoch unter einer neuen Leitung in geordneter Weise weiter. Von den Kirchheimer Mitgliedern ist der größere Teil eingerückt, die zurückgebliebenen teilen sich in zwei Hälften, von denen die eine ihre Pflichten gegen die Kreis- und Landesorganisation erfüllt, die andere nicht. Alle übrigen Ortsvereine— der Wahlkreis zählte bei Kriegsausbruch deren 45— sind von den Spaltungsversuchen unberührt geblieben. In Ulm tagte die Kreisversammlung des 14. württembergischen Wahlkreises, die durch 20 Dele⸗ gierte beschickt war. Hier wurde berichtet, daß ca. 70 Prozent der Parteimitglieder eingerückt sind. Von den Parteidifferenzen wurde der Wahlkreis nicht weiter berührt, als daß in Ulm einige Mit⸗ glieder durch Nichtbezahlen der Beiträge ausschieden. Einstim⸗ mig nahm die Versammlung eine Resolution an, die das Ein⸗ verständnis mit der Kreditbewilligung ausspricht, dem Landesvorstand für seine Maßnahmen zur Ueberwindung der Parteiwirren dankt, die Tätigkeit der Hintermänner der Berner Tagwacht aufs schärfste verurteilt und die Handlungsweise des Genossen Haase mißbilligt. Von der Regierung werden schleunigst wirksame Maßnahmen gegen den Lebensmittelwucher verlangt. Der Wahlkreisorganifsation für Anhalt II hat das Kriegsjahr 1914/15 einen Mitgliederverlust von rund 400 zu⸗ gefügt. Von den 3391 männlichen Mitgliedern, die zu Beginn des verflossenen Geschäftsfahrs vorhanden waren, standen am 1. April dieses Jahres 1524 unter den Fahnen. 500 weibliche Mitglieder, deren Männer im Kriegsdienst stehen, mußten vom Beitrag befreit werden, sodaß am 1. April d. J. nur noch 1496 vollzahlende männ⸗ liche und 852 weibliche, insgesamt 2348(i. V. 4790) Mitglieder vor⸗ handen waren. Die Kassenverhältnisse haben sich verhältnismäßig günstig entwickelt, indem die Bestände in den Filialkassen und der Kreiskasse von 7705 Mk. auf 10 795 Mk. gesteigert werden konnten. An den Parteivorstand wurden 2746 und an den Bezirksvorstand 1098 Mk. abgeliefert. Der Abonnentenstand des Volksblattes ist im Kreise von 5798 auf 4547 gesunken. In einer Konferenz der Ortsvereinsvertreter des Kreises, in der obiger Bericht erstattet wurde, gelangte nach einem Referat des Abg. Bender, bei einer Stimmenthaltung, einstimmig eine Reso⸗ lution zur Annahme, die sich mit der Haltung des Genossen Bender und mit der Politik der Reichstagsfraktion einverstanden erklärt. Die Konferenz bedauert jene Be⸗ strebungen, die eine Umkehr auf dem am 4. August v. J. be⸗ schrittenen Wege fordern. Die Konferenz spricht jenen Genossen, deren Kampfesmittel eine schwere Erschütterung der Geschlossen⸗ Hessen und Nächbargebiete. Gießen und Umgebung ⸗ Vor der Entscheidung! Keine Erhöhung der Brotgetreide⸗Höchstpreise!! In der bürgerlichen Presse wird soeben mitgeteilt, daß das. 98 Verwaltungsabteilung der neuen Reichs- getreidestelle am gestrigen Montag zum ersten Male zu einer Beratung zusammengetreten ist. Der Bundesrat wird nach denselben Angaben in der zweiten Hälfte dieser Woche über die Festsetzung der neuen Höchstpreise für Getreide und über die Einrichtung der Reichs⸗Futtermittelstelle beschließen. Hierzu erfährt eine Berliner Korrespondenz, die zu gewissen Bundesratskreisen Beziehungen unterhält, daß man die offiziös angekündigte Absicht der Reichsregierung, die Ge⸗ treidehöchstpreise und damit natürlich auch der Mehl⸗ und Brotpreise heraufzusetzen, nun doch noch fallen lassen wolle. Die erwähnte Korrespondenz gibt zu, daß der preußische Landwirtschaftsminister„in Anbetracht der gesteigerten Er⸗ zeugungskosten und anderer für die Landwirtschaft, nament- lich im Osten der Monarchie ungünstiger Umstände“, eine Er⸗ höhung für wünschenswert gehalten habe. Aber, so wird dann weiter hinzugefügt, das preußische Landwirtschafts⸗ ministerium habe seine Wünsche hinter die allgemeinen Staats- und Reichsinteressen zurückgestellt. Erfreulicherweise erfährt' man aus der Korrespondenz weiter, daß auch die Militärverwaltung zu den Protestieren⸗ den gehört hat. In einer Ministerialsitzung soll sich die Militärverwaltung gegen eine allgemeine Erhöhung der Höchstsätze ausgesprochen haben, mit Rücksicht auf ihren großen Bedarf an Brotgetreide. Die Befriedigung über diesen Widerstand der Militärverwaltung gegen die hoch⸗ agrarischen Sonderinteressen würde in der Oeffentlichkeit noch größer werden, wenn diese erführe, daß für die Militär⸗ behörden auch die schon öfter bei ihnen bemerkbar gewesene Erkenntnis von der Notwendigkeit der Bekämpfung der Lebensmittelteuerung bestimmend gewesen ist— die Er⸗ kenntnis, daß es von höchster vaterländischer und militärischer Bedeutung ist, wenn durch den Kampf gegen den Preis- wucher der Willen zum Durchhalten in der Heimat wie in den Schützengräben gestärkt wird. Daß es im Reichstage im Falle einer Brotgetreide⸗ Preiserhöhung zu den heftigsten, den Burgfrieden aufs schwerste gefährdenden Auseinandersetzungen hätte kommen müssen, diese Erwägung mag auch nicht ohne Einfluß ge⸗ blieben sein. Jedenfalls glaubt also die Korrespondenz zu wissen, daß der Bundesrat, da außer dem preußischen Land- wirtschaftsministerium keine der einzelstaatlichen Regierungen einen Wunsch auf Erhöhung der Höchstpreise geäußert hat, einstimmig es bei den bisherigen Preisfestsetz⸗ ungen lassen werde. Indessen schon die Tatsache, daß ge⸗ rade von preußischer Seite ganz ernsthaft daran gedacht wurde, den agrarischen Verteuerungswünschen nachzugeben, das allein beweist schon, daß die Gefahr durchaus noch nicht vorüber ist. Und dazu kommt noch, daß nach der erwähnten Korrespondenz mit einer Herabsetzung der Preise, wie sie mit guten Gründen von einer ganzen Reihe ange⸗ sehener Körperschaften und Organe gefordert worden ist. nicht gerechnet werden kann und daß es auch unter gewisser Vereinfachung bei der Staffelung mit höheren Sätzen für den Süden und Westen bleiben soll. Deshalb scheint es uns trotz der Ankündigung jener Korrespondenz immer noch notwendig und höchste Zeit zu sein, daß die Gemeindeverwaltungen, denen das Wohl der ihnen anvertrauten Bürger, vor allem der Kinder und Frauen unserer Krieger am Herzen liegt, mit der größten Beschleunigung Schritte tun, um dem Bundesrat klar zu machen, daß die bestehenden Höchstpreise für Getreide bei der neuen Festsetzung unter allen Umständen erniedrigt werden müssen. Die Verwaltungen müssen sosort noch besser telegraphisch ihre Petitionen an den Bundesrat heit der Partei unweigerlich zur Folge haben müssen, ihre. 8 8. cherte Mig pi kigung 1 zu Händen des Herrn Reichskanzlers richten und ebenso —— müssen diesen Weg alle anderen Organisationen ....—— F ee n r n 2.————————— „Vergrab' sie,“ sagte Diethelm und winkte dem Medard nach dem Stalle und fuhr hier fort:„Du sagst doch deinem Vater nichts?“ „Nein, das ist nichts für einen Sympathiedoktor. Der Ofen muß aber heut geheizt werden, denn brennt's an einem anderen Ort, da merken sie, daß die Schrauben und Kloben fehlen. Das Flugfeuer kann nicht zünden, die Dächer sind mit Schnee bedeckt. Aber Meister,“ fuhr Medard fort, das Wort ging ihm schwer heraus,„wie ist's denn? Wollen wir die Schaf' nicht an einen Ort tun? Ihr wisset ja wohl, die sind blitzdumm und können das Fünkeln nicht leiden und laufen grad drein'nein!“ „Das geht nicht, das könnt' den Leuten verdächtig vor⸗ kommen, es muß alles bleiben, wie es ist.“ So schloß Diethelm und ging nach dem Hause. Hinter ihm' drein aber streckte Medard die Zunge heraus und fluchte vor sich hin:„Du verdammter Scheinheiliger, wart', du Waisenpflegerle, popple du nur die ganze Welt an und tu', wie wenn du kein Tierle beleidigen könntest, dich hab' ich; dich halt' ich am Strick um den Hals, du sollst mir's teuer bezahlen, daß du die unschuldigen Schafe verbrennst, du sollst mir nimmer Mäh machen und nicht mucksen, wenn ich dich anguck'.“ In der Seele dieses Menschen, bereit zum Ver— brechen, empörte sich noch das Mitgefühl für die Tiere, die er jahraus jahrein hütete, und dieses Mitgefühl verwandelte sich in neuen giftigen Haß gegen Diethelm, und dieser war ihm so erlabend, daß er sich auf die Vollführung der Tat wie auf eine Lustbarkeit freute. Diethelm aber, der nach dem Hause ging, lächelte vor sich hin; die Messingschrauben wurden zu sicheren Handhaben gegen Medard. Die Zerstörung der Feuerspritze, das war eine Tat, mit der er Medard gefangen halten konnte, er selber konnte jede Beteiligung leugnen, er konnte mindestens damit drohen, und wenn die Sache herauskan so wälzte dieser Vorgang allen Verdacht auf Medard. Es galt nun behutsam in dem Mitwissen des Waldhornwirtes und viel leicht bei einem anderen festzustellen, daß und wie Medard beim Ueberheben der Spitze auf den Schlitten geholfen habe, und dann mußte Diethelm unter der Hand merken lassen, daß er mit Medard unzufrieden sei und ihn aus dem Hause tun wolle. Aber alles nur fein behutsam.„Du meinst, du hast mich, und ich hab' dich im Sack,“ sprach Diethelm in sich hinein und freute sich seiner klugen Benutzung der Umstände. So hegten diese beiden Menschen, die so einig schienen, im Innersten den tiefsten Haß gegeneinander, und während sie noch gemeinsam die Tat zu vollbringen hatten, und noch nicht der Beute habhaft waren, dachte ein jeder schon daran, wie er dem anderen den Genuß verkümmere fangen halte. Unter der Tür traf Diethelm einen hof mit der Nachricht von Martha, daß geschickt werden solle, da sie die Kranke nicht verlassen könne. Der Bote sah verwundert auf Dier⸗ helm, dem die Krankheit seiner Tochter gar nicht zu Herzen au gehen schien, ja in seinem Gesicht drückte sich sogar eine Freude aus, und der Bote, ein armer Häusler, dachte darüber nach, wie hart der Reichtum die Menschen mache, denn die Freude in dem Gesichte Diethelms konnte gewiß nur von der Aussicht auf die Erbschaft herrühren. Diethelm aber dachte an nichts weniger als an die Erbschaft, er war froh, daß seine Frau noch länger wegblieb; in der nächsten Nacht mußte die unterbrochene Vorbereitung vollführt und alles rasch zu Ende gebracht werden. Er ließ daher seiner Frau sagen 9 möge ruhig bei ihrer Tochter bleiben, da er ohnedies W verreise. (Fortsetzung folgt.) Boten vom Kohlen⸗ ihr noch mancherlei noch mehrere Tage — und ihn ge⸗ schriftlich oder . 5 2 — ä——w—— ——2»Aꝑä2k9⸗iñ——xͤͤ—ß— und Verwaltungsstellen beschreiten, die eine ernsthafte Für⸗ sorge für das Volkswohl als ihre Aufgabe erachten. ö Es sind Kräfte am Werke, die das letzte versuchen, um den Bundesrat doch noch in hochagrarischem Sinne zu beein— flussen. Daß diese Kräfte ein frevelhaftes Spiel mit Volk und Vaterland treiben, und daß ein Heraufgehen der Ge— treidepreise in den weitesten Schichten unseres Volkes die Erregung zur Siedehitze bringen müßte, das wissen jene, die hinter diesen Kräften stehen, so gut wie alle Welt. Die gegenwärtige Teuerung ist so unbestritten, daß das Nürn⸗ berger Stellvertrtende Generalkommando bekanntlich den Ausdruck„Lebensmittelwucher“ in seinem amtlichen Ent— scheid gutgeheißen hat; dieselbe Behörde hat auch die Ueber— schreitung bestimmter Höchstpreise im Kleinhandel und an— deren Lebensmittelwucher mit Gefängnisstrafe bis zu einem Jahre bedroht und die militärischen Behörden in einigen anderen Städten sind diesem Beispiel gefolgt. Jetzt bietet sich für die Reichsleitung die Gelegenheit, die gegenwärtige Teuerung auf dem wichtigsten Gebiet der menschlichen Er— nährung, auf dem der Brotversorgung, von vornherein und durchgreifend für das ganze deutsche Reich und für das ganze kommende Wirtschaftsjahr zu unterbinden. Der Bun⸗ desrat braucht weiter nichts zu tun, als die Höchstpreise für das Getreide niedriger anzusetzen, um das Mehl und damit das Brot zu verbilligen. Gegen die Lebensmittel⸗Preistreibereien hat das Stellv. Generalkommando des XVIII. Armeekorps nunmehr folgende Verordnung erlassen: Auf Grund des§ pb des Gesetzes über den Belage— rungszustand vom 4. Juni 1851 bestimme ich, daß mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft wird: 1. wer bei dem gewerbsmäßigen Einkauf von Gegenständen des täglichen Bedarfes Preise bietet, die unangemessen hoch sind, wenn nach den Umständen des Falles die Absicht anzunehmen ist, eine Preissteige⸗ rung oder Heraufsetzung bestehender Höchstpreise herbei— zuführen; 2. wer, um eine Preissteigerung oder Heraufsetzung der bestehenden Höchstpreise herbeizuführen, Gegenstände des täglichen Bedarfes, die an sich zum Verkauf bestimmt sind, aus dem Verkehr zurückhält oder bisher zum Verkauf gestellte Gegenstände des täglichen Bedarfs einer anderweiten Verwendung zuführt, z. B. Milch, die bisher als solche verkauft wurde, zu Käse oder Butter verarbeitet oder verfüttert; 3. wer beim gewerbsmäßigen Klein verkauf für Gegenstände des täglichen Bedarfs Preise fordert oder annimmt, die nach der Marktlage ungerechtfertigt hoch sind; 4. wer aus Eigennutz als Verkäufer von Gegen— ständen des täglichen Bedarfs, solange seine Vorräte reichen, Käufern die Abgabe seiner Verkaufsgegen⸗ stände gegen entsprechende Bezahlung verweigert. Verurteilungen wegen Zuwiderhandlungen gegen die vorstehende Verordnung werden vom General- kommando öffentlich bekannt gemacht. — Die städtische Jugend als Erutehilfe. Von den ver— schiedensten Seiten wird jetzt wieder dafür agitiert, daß die städtische Jugend zur Ernte hinaus aufs Land gehen soll, um den Bauern zu helfen. Von unserer Seite wurden bereits im vorigen Jahre dagegen verschiedene Bedenken erhoben und tatsächlich waren die Erfahrungen auch keineswegs er⸗ mutigend. Jetzt macht ein Fachmann, der Domänenpächter Schneider in Hof Kleeberg bei Hachenberg, auf die Schatten— seiten dieser Erntehilfe aufmerksam; er stellt fest, daß sich auf dem Lande keine Lust bemerkbar mache, sie in Anspruch zu neömen. Warum nicht? Schneider führt dazu u. a. aus: Man scheint in der Stadt nicht zu begreifen, daß auch zu den einfachsten landwirtschaftlichen Arbeiten eine gewisse Fertigkeit, Uebung, Ausdauer und viel Ent⸗ sagung notwendig ist. Das Handwerk des Bauern will von Jugend auf gelernt sein. Auch die so einfach aussehenden Arbeiten des Bauern sind eine Kunst, denn„Kunst“ kommt von„Können“. Die prosaischen Arbeiten, wie Miststreuen Mähen, Garben binden, Getreidehaufen stellen, Heu machen, Heu und Frucht gabeln usw. usw., sind eine Kunst. Ein in der Stadt aufgewachsener Gymnasiast, der von Jugend auf kein landwirtschaftliches Gerät in der Hand gehabt hat, braucht mindestens 2 Jahre ausschließlicher körperlicher Be— tätigung in einem landwirtschaftlichen Betrieb, ehe er einiger— maßen als Hilfe angesehen werden kann. Die Bauern fürch— ten mit Recht, daß die städtische Jugend bei der Ernte mehr hinderlich als förderlich sein könnte, denn Rücksicht kann zm Drang der Ernte nicht genommen werden. Wer auf einen Posten gestellt wird, muß ihn ausfüllen, oder er kommt unter die Räder. Bis ein Gymnasiast die einfachsten Arbeiten, wie Garben binden, das Hantieren mit Gabel und Rechen und dergleichen, erfaßt hat, muß die Ernte längst geborgen sein. Ich habe im vorigen Jahre Herren aus dem Gelehrtenstand zugesehen, welche sich in patriotischer Begeisterung zum Auf— gabeln beim Getreideinfahren zur Verfügung gestellt hatten; wie die Gabel anzufassen und beim Aufreichen und Abgeben der Garben auf den Wagen zu hantieren ist, war ihnen eine zu schwierige Kunst. Ich dachte dabei an den häufig zitierten Ausspruch eines meiner Lehrer:„Mancher lernt's nie, mancher noch viel später.“ Von Blasen in den Händen, von Rückenschmerzen und Seitenstechen, Beinzittern, Distelspitzen in den Fingern usw., sei ganz abgesehen. Die Hauptsache ist, daß die für alle Landarbeit erforderliche Handfertigkeit fehlt. — Es dürfte nur wenig Ausnahmen geben, auf welche das rer Gesagte nicht zutrifft. Vom kommunalen Kampf gegen den Preiswucher. Der Stadtrat zu Freiburg i. B. beschloß, dem Lebensmittel-Amt kin städtisches Einkaufs bureau anzugliedern. Ein in solchen Dingen erfahrener Geschäftsmann soll an der Spitze stehen und mit einem Beirat die Stadt auf günstige Lebens— mitteleinkäufe hinweisen. Angebote heimischer Großkaufleute sollen zuerst berücksichtigt werden. lassen.— Dieser Weg wäre durchaus diskutabel. kommt es dabei aber auch auf den guten Willen der Kauf leute an, bei der Unterdrückung des Wuchers mitzuarbeiten. Nochmals die Ausfuhr von Obst. Die Meldung, daß im Rheingau und in Rheinhessen Obst in großen Mengen auf— gekauft und zu Schiffe nach Holland zu offensichtlicher Weiter⸗ ausfuhr nach England gebracht worden ist, wird jetzt von ver⸗ schiedenen Seiten dementiert. Es wird darauf hingewiesen, daß der Bundesrat bereits im September vorigen Jahres ein Obstausfuhrverbot erlassen hat; bei der strengen Grenz⸗ kontrolle könne nicht angenommen werden, daß etwa wider— rechtlich Obst und Beeren in erheblichem Umfange über die Grenze gehen. An dem ehrlichen Wollen der Staatsbehörden, die Ausfuhr zu verhindern, soll nicht gezweifelt werden. Tatsache aber ist, daß sehr viel Obst rheinabwärts gegangen ist, ohne daß man von nennenswerten Obstzufuhren in den Orten des deutschen Niederrheins etwas gemerkt hätte. Und Tatsache ist ferner nach einer Bekanntmachung des Gouver⸗ neurs der Festung Köln, daß trotz dem Ausfuhrverbot große Mengen Obst aus dem Rheinlande, insbesondere auch aus dem Festungsbereiche, aufgekauft und unter falscher Dekla⸗ ration über die holländische Grenze gebracht worden sind. Es bestehe die Vermutung, daß das Obst nach England weiter⸗ geleitet wird.— Auch aus Worms wird uns berichtet, daß in der dortigen Gegend die Kirschen unter sehr auffälligen Umständen aufgekauft worden sind und daß jetzt auch die Pfirsiche, Aprikosen und Birnen unter Umständen aufgekauft werden, die gar keinen anderen Schluß zulassen, als daß sie nach Holland gehen sollen. — Vom Petroleum. Bekanntlich sind vom 15. Juli ab Höch st⸗ preise für Petrol festgesetzt worden, wonach im Einzelverkauf das Liter für 32 Pfg. abgegeben werden muß. Bisher kostete es 65 bis 80 Pfg. per Liter. Für manchen Kaufmann, der etwa Petrol in größerer Menge teuer eingekauft hatte, gibt das nun allerdings ein schlechtes Geschäft, es ist daran aber nichts zu ändern. Ohne Zweifel wurde die Maßnahme im Interesse der Konsumenten ge— troffen, fraglich ist aber, ob die lobenswerte Absicht erreicht wird. Die Hauptfrage bleibt, ob genügende Mengen Petrol vorhanden sind. Zu dieser Frage wird uns von sachkundiger Seite geschrieben, daß für Deutschland drei Petroleum-Importgesellschaften in Be⸗ tracht kommen: Die Deutsche Petroleum⸗Verkaufs⸗Gesellschaft, die Deutsch⸗Amerikaniche Petroleum⸗Gesellschaft und die„Olex“⸗ Petroleum-Gesellschaft. Diese drei Gesellschaften sind, wie wir wissen, in ständigem Einvernehmen mit der Regierung bemüht, möglichst große Mengen Petroleum für den Winterbedarf nach Deutschland zu schaffen. Aber das ist mit einer Reihe Schwierig⸗ keiten verknüpft. Denn das Land, das Deutschland in Friedens⸗ zeiten hauptsächlich mit Peroleum versorgt hat, nämlich Amerika, kommt während des Krieges für den Bezug überhaupt nicht in Be⸗ tracht, weil England keine Handelsschisfe mit Frachtladungen nach Deutschland fahren läßt. An zweiter Stelle stand bis jetzt Oester⸗ reich-Ungarn bezw. Galizien, an dritter Stelle Rußland, das natur⸗ gemäß jetzt auch nicht mehr als Importland in Betracht kommt, und an vierter und letzter Stelle stand Rumänien. Von dem deut⸗ schen Bedarf von rund 800 000 Tons deckte Amerika erheblich mehr als die Hälfte. Man kann sich also denken, daß, wenn diese Menge ausbleibt, ein Petroleummangel eintreten muß. Was Galizien be— trifft, so steht es noch nicht fest, was dieses Land nach seiner Er- oberung uns wird liefern können. Denn wenn auch die in Galizien vorgefundenen Rohölvorräte zirka 500 000 Tons betragen, so darf nicht übersehen werden, daß diese 500 000 t Rohöl nur etwa 200 000 Tons raffiniertes Lichtpetroleum ergeben. Der Bedarf Oesterreich⸗ Ungarns beträgt ungefähr das doppelte, also etwa 400 000 Tons. Ob und wie weit es gelingen wird, die Rohölproduktion in Galizien wieder auf die Höhe zu bringen, steht noch nicht fest. Jedenfalls sind zunächst eine Reihe von Schwierigkeiten zu überwinden, die es erklärlich erscheinen lassen, wenn der Import nach Deutschland nicht so funktioniert, wie es im Interesse der Verbraucher wünschens⸗ wert erscheint. Was Rumänien betrifft, so liegen die Verhältnisse hier fortgesetzt unklar. Aus all diesen Gründen sind die Verhält⸗ nisse auch im kommenden Winter für den Petroleummarkt keine günstigen. Sie werden solange nicht günstiger, solange nicht die Möglichkeit des Seewegs gegeben ist. Der Petroleummangel ist also durch ganz bestimmte, aus der Kriegslage sich ergebende Er— scheinungen bedingt. Dieser Mangel wird auch nicht behoben durch die Festsetzung von Höchstpreisen. Sie sind notwendig, um der wilden Spekulation einen Riegel vorzuschieben, da sonst dem Petroleumwucher Tür und Tor geöffnet würde. Bedauerlich ist nur, daß diese Höchstpreise nicht schon vor Monaten festgesetzt wur⸗ den. Dadurch wäre viel Geld den deutschen und ausländischen Wuchererhänden entzogen werden.— Für den kommenden Herbst und Winter tut man jedenfalls gut daran, sich nicht auf Petroleum zu verlassen, sondern, wer es irgend kann, soll sich mit Gas oder elek— trischem Licht versehen.— Wie uns mitgeteilt wird, geben ver⸗ schiedene Gießener Petrol für den festgesetzten Preis nicht her; sie erklären einfach, sie hätten kein gewöhnliches, sondern nur„Salon⸗ petroleum“ und das koste 80 Pfg.! Man muß sich nur zu helfen wissen!— Im Konsumverein sind wieder Karten eingeführt worden, dem Mitgliede werden nicht mehr als 1 Liter wöchentlich verabfolgt. Der Verein erleidet einen erheblichen Schaden. — Postsendungen für Kriegsgefangene in Rußland. Es wird bekannt gegeben: Die„Auskunftsstelle für Auswanderer“, Ber⸗ lin W. 35(am Karlsbad 10, Afrikahaus, 3 Treppen) vermittelt mit Hilfe des Auswärtigen Amts in zuverlässiger Weise Briefe und Geldsendungen an deutsche Kriegsgefangene in Rußland. Bei Geld⸗ sendungen wird dafür gesorgt, daß dem Absender die eigenhändige Quittung des Empfängers zugestellt wird. Ist der Empfänger nicht zu erreichen, so wird der Betrag zurückgezahlt. Ueber die militärischen Angaben in Todesanzeigen herrscht viel⸗ fach Unklarheit. Manche der hinterbliebenen Familienangehörigen möchten gar zu gern in der ausführlichsten Weise in der Todes⸗ anzeige bekannt geben, welchem Regiment und größern Truppen⸗ verbänden der Gefallene angehört hat und auf welchem Kriegsschau⸗ platz und bei welchem Gefecht er den Heldentod erlitt. Diese aus⸗ führlichen Angaben sind aber in militärischem Interesse nicht statt⸗ haft. Die Zeitungsexpedition, die die Auftraggeber von Todes⸗ anzeigen darauf hinweisen muß, was unzulässig ist, handelt durch⸗ aus nicht eigenmächtig, sondern auf Anweisung des stellvertretenden Generalkommandos. Es ist auch leicht einzusehen, weshalb den militärischen Angaben in Todesanzeigen und sonstigen militärischen Personalnachrichten bestimmte Grenzen gezogen sind. Aus den aus⸗ führlichen Angaben können die feindlichen Heeresleitungen— sei es, daß Zeitungen ins Ausland gelangen, oder die Angaben durch Spione vermittelt werden— sehr leicht Schlüsse auf die Truppen— stellungen und Truppenbewegungen ziehen. Ueber diese militärischen Maßnahmen sollen aber die feindlichen Heeresleitungen möglichst im ungewissen bleiben. Es möge daher beachtet werden, daß bei Aufgabe von Todesanzeigen Gefallener und andern militärischen Personalnachrichten streng darauf zu achten ist, daß entweder nur der Truppenteil oder der Kriegsschauplatz angegeben wird, daß aber niemals die Zugehörigkeit zu größeren Truppenverbänden von der Brigade aufwärts gemacht werden darf. In Butzbach wurde 1 — Fallobst gibt es ziemlich reichlich. dieser Tage der Doppelzentwer für 6 Mark verkauft Vor allen Tahesbericht des Großen Hauptguartierk. Man will versuchen, die;„ 1 Waren dann zu festgesetzten Preisen mit geringem Zwischen⸗ E in den Argonnen und Vogesen. Die Russen müssen immer weiter zurück. W. B. Großes Hauptquartier, 21. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz, Im Ostteile der Argonnen stürmten unsere Truppen zur Verbesserung unserer neuen Stellung noch mehr franzö⸗ sische Gräben, nahmen 5 Offiziere, 365 Mann gefangen und erbeuteten 1 Maschinengewehr. In den Vogesen fanden in der Gegend von Mũ n ster hartnäckige Kämpfe statt. Die Franzosen griffen mehrfach unsere Stellung zwischen Lin gekopf(nördlich von Mü n= ster) und Mühlbach an. Die Angriffe wurden abge⸗ schlagen. An einzelnen Stellen drang der Feind in unsere Stellungen ein und mußte in erbittertem Nahkampfe hinaus⸗ geworfen werden. Südwestlich vom Reichs acker kopf hält er noch ein Stück eines unserer Gräben besetzt. Tag und Nacht lagen die angegriffenen Fronten und unsere anschließen⸗ den Stellungen bis Dixdolshausen und bis zum Hil⸗ senfirst unter heftigem feindlichem Feuer. Wir nahmen 4 Offiziere und etwa 120 Mann, zum großen Teil Alpenjäger, gefangen. Ein deutscher Kampfflieger zwang ein französisches Flug⸗ zeug bei Bapaure zur Landung. Das Flugzeug ist unver⸗ sehrt in unserem Besitz. Kolmar wurde von feindlichen Fliegern mit Bomben beworfen, von denen 10 auf Häuser und Straßen der Stadt fielen; 1 Zivilist getötet, 1 Frau verletzt.- Oestlicher Kriegsschauplatz. Oestlich von Popeljany und Kurschany zieht der Gegner vor unseren vordringenden Truppen ab. 5 Westlich von Schaulen wurde die letzte feindliche Ver⸗ schanzung im Sturme genommen und besetzt und die Verfol⸗ gung in östlicher Richtung fortgeführt. 5 2 An der Dubissa, östlich von Rossieny, durchbrach ein deutscher Angriff die russischen Linien. Auch hier wich der Gegner. Südlich der Straße Mariampol⸗Kowno führte ein Vorstoß zur Fortnahme der Dörfer Kiekeryszki und Janowka. Drei hintereinander liegende russische Stellun⸗ gen wurden erobert. Ebenso waren Angriffe von Landwehr gegen noch gehaltene feindliche Stellungen nördlich von No⸗ wograd von vollem Erfolge begleitet. Die Russen gingen unter Zurücklassung von 2000 Gefangenen und 2 Maschinen⸗ gewehren zurück. 1 Weiter südlich am Narew wurde ein starkes Werk der Vorstellung von Rozan erstürmt; 560 Gefangene gemacht und 3 Maschinengewehre erbeutet. Der Gegner versucht an diesem Flusse hartnäckig Widerstand zu leisten. Die verzwei⸗ felten Gegenstöße mit zusammengerafften Truppen auf den Brückenkopfstellungen von Rozan, Pultusk und Nowo⸗ Georgiewisk mißlangen. Die Russen erlitten schwere Verluste. 1000 Gefangene blieben in unserer Hand. Die Blonia⸗Grojekstellung gewährte dem Feinde einen kurzen Aufenthalt. Unter dem Zwange unseres sich von allen Seiten verstärkenden Druckes begannen die Russen westlich von Grojek ihre Befestigungen aufzugeben und in östlicher Rich⸗ tung zurückzugehen. Unsere Truppen folgen dicht auf. Südöstlicher Kriegsschauplatz. In der Verfolgung erreichten die deutschen Truppen des Generalobersten v. Woyrsch gestern die vorgeschobene Brücken⸗ kopfstellung südlich von Jwangorod. Ein sofortiger An⸗ griff brachte sie in den Besitz der feindlichen Linien bei Wla⸗ dislawow. Um die anschließenden Stellungen wird noch gekämpft. 5 Zwischen oberer Weichsel und Bug hat sich der Gegner erneut den Armeen des Generalfeldmarschalls v. Mackensen gestellt. Trotz hartnäckigem Widerstande brachen österreichisch⸗ ungarische Truppen bei Skrzyniece⸗-Niedrzwica⸗ Mala(südwestlich von Lublin), deutsche Abteilungen süd⸗ östlich von Piaski und nordöstlich von Kras nostaw in die feindlichen Stellungen ein. Der Angriff ist im Fort⸗ schreiten. Oberste Heeresleitung. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Vorwärts überall in Polen. Wien, 21. Juli.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart, 21. Juli 1915 mittags: RNussischer Kriegsschauplatz. Der Feind hat sich südlich der von Cholm über Lublin nach Jwangorod führenden Bahn neuerlich gestellt. Trotz Esslöffel oder 25 Gromm oder 1 Kaffeelot mit 1 Luer kochendem Wosser aberbrahen oder kolt ons etaen und kochen lossen]. So zuberestel schmeckt der-Kriegs-Kornfrenck- om besten. Kerlegs- Kornsronck“ ist eine Nschung von verschiedenen gemohlenen Rohstoffen. deren orgssltige Zusommensiellung dem Getränk eln besonders gutes Aromo verbchefst. es hartnädigen Widerstandes gelang es den verbündeten Streit⸗ ften, ihn an mehreren Stellen zu durchbrechen. Bei ozana bahnte sich das Korps Arz im Verein mit deutschen Bataillonen den Weg in die feindliche Linie. Südwestlich Biskupice wurden die Russen in der Nacht durch die Deutschen zum Rückzug gezwungen. Zwischen der Byst rica und der Weichsel stieß die 2 des Erzherzogs Josef Ferdinand auf starken Wider⸗ stand. Beiderseits von Bozechow entrissen unsere Truppen in erbittertem Handgemenge sibirischen Regimentern ihre zäh ver⸗ teidigten Stellungen. Bei dieser Armee wurden gestern 30 Offiziere und 6000 Mann als Gefangene eingebracht und neun Maschinengewehre erbeutet. Zwischen der Weichsel und der Pilica ee die Verfolgung fortgesetzt. Deutsche Landwehr durchbrach nordöstlich Zwolen die Vorstellung des Brückenkopfes von Iwan⸗ gorod. Um die anschließenden Stellungen wird noch gekämpft. In Ostgalizien entbrannten bei Sokal neuerdings heftige ade 0 An der Zlota⸗Lipa und am Dnjestr ist die Lage un⸗ ändert. Schwere Verluste der Italiener. Italienischer Kriegsschauplatz. 0 Im Görzischen setzten die Italiener auch gestern ihren allgemeinen Angriff fort. Am Rande des Plateaus von Doberdo und im Görzer Brückenkopf tobte die Schlacht den ganzen Tag. Abends gelang es dem Feinde, den Monte San Michele östlich Sdraussina zu nehmen. Heute früh eroberte Generalmajor Boog mit bisher zurückgehaltenen Kräften diese Höhe zurück. Süd⸗ östlich behaupten sich unsere Truppen mit größter Zähigkeit. Ein Flankenangriff von der Ruinenhöhe östlich Zagrado warf schließ⸗ Iich die Italiener auch hier zurück. Sie fluteten unter großen Ver⸗ lusten in die deckenden Räume. Da unsere Truppen auch den ganzen Südwestrand des Plateaus fest in Händen behielten und im Görzer Brückenkopf alle feindlichen Angriffe blutig zurückschlugen, hatte die mit ungeheuren Opfer bezahlte Anstrengung wieder kein Ergebnis. An der übrigen küstenländischen Front herrscht ver⸗ hältnismäßige Ruhe. An der Kärntner Grenze hat sich nichts Wesentliches ereignet. Oestlich Schluderbach griffen drei seind⸗ liche Bataillone den Monte Piano an, sie wurden abgewiesen, fluteten zurück, verloren etwa zwei Drittel ihrer Bestände. 105 Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschallentnant. Die russischen Festungen bedroht! Aus Wien wird der Frankf. Ztg. telegraphiert: Mit der Einnahme von Radom ist nun die Weichsel⸗ festung Jwangorod wieder in den Vordergrund gerückt. Von der von unseren Truppen besetzten Stadt bis zu dieser Festung sind nur noch zwei Tagemärsche, Kavallerie hat so— gar schon die Bahn zwischen Radom und JIJwangorod in Händen. Die gegen Warschau vorrückenden Ver⸗ 5 deten sind mit dem Erreichen der Linie Blonie—Grojee ohe an den Fortgürtel dieser Festung gelangt. Blonie ist nur noch 18 Kilometer davon entfernt. Die ganze russische Linie ist schon sehr nahe an die beiden wichtigen Festungen der Weichsel⸗Front zurückgedrängt. Die auf der Südfront zwischen Weichsel und Bug dem geschlagenen Gegner auf den Fersen folgenden verbün⸗ det en Armeen nähern sich mit Riesenschritten der Linie Lub⸗ lin—Cholm, die sicher zu einer Verteidigungslinie von großer Stärke ausgebaut ist. Werden die so oft geschlagenen feindlichen Truppen, deren Widerstandskraft erst vor wenigen agen neuerdings gebrochen wurde, dort den ungestümen An. griffen der Verbündeten noch lange Stand halten können? Russische Abwehrmaßnahmen. det Petersburg, 21. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Der Rjetsch mel⸗ det: Der Ministerrat beschloß, noch im Laufe des Jahres 1915 die im Jahre 1896 geborenen Wehrpflichtigen, die nach ö den geltenden Bestimmungen erst im Jahre 1917 zu dienen haben, g einzuziehen. 1 ch Das Blatt tritt in einem Leitartikel dafür ein, daß die Volks⸗ 1 onen, um den Krieg zu einem wirklichen Volkskriege zu die Sachlage zwecks Weiterverbreitung erhalten, da unter den Anal⸗ eten, die 80 vom Hundert der russischen Bevölkerung ausmachen, die wildesten Gerüchte über die Kriegslage verbreitet seien. Der Rußkoje Slowo meldet aus Warschau: Polen wurde der ungediente Landsturm, die sogenannten iki erster Klasse eingezogen.— Die Semstwos stellten den An⸗ unition militärisch organisiert werde. derartiger Arbeitermangel, daß man Kulis kommen ließ, die jetzt erwartet werden. Große Bestürzung bei den Franzosen. ehmen, sowohl in Rußland wie in Frankreich die größte estürzung hervor. chen dem Feinde ihren Willen aufzwingen; der Feind werde gner zum Hauptstoß ausholen würden. a Mit großer Gespanntheit und Beängstigung verfolge 5 militärischen Berichte der französischen Blätter die Vor⸗ änge auf dem östlichen Kriegschauplatze. selben nicht, daß die deutsche Offensive dort allge mein und vollständig ist, daß die im Gange befind— lichkeit Vertrauen auf die Beständigkeit ussischen Truppen sowie auf einen glücklichen Ausgang des Kampfes zu. Die Stimmung im italienischen Lande. 1310 0 Der römische Korrespondent von Politiken Dr. Rasmussen liist von Italien abgereist, weil der dortige Aufenthalt ihm U erträglich war. Er berichtet nach der Frankf. Ztg., die 150 Italiener hätten eine„Schreckensherrschaft“ 5 Spionage, Zensur, Aufschnappen von Briefen und Telegram⸗ 1 n eingerichtet. Offiziell mißbilligte Aeußerungen über den Krieg und die Finanzen würden mit Gefängnis geahndet. Es sei das die Folge der täglichen Aufhetzungsarbeit der ationalistenpresse. Von Dänen abgesandte Briefe und Tele— gramme erreichen nicht den Bestimmungsort. Mehrere Skandinavier seien neuerdings festgenommen worden, da— runter der Dichter Johannes Jörgensen. Die Italiener seien 1 0 über die Tätigkeit ihres Heeres allgemein sehr enttäuscht. Die 10 Finanzwelt sei beleidigt, weil man von England zu wenig 5 Geld bekomme. Die hochgespannte chauvinistische Stimmung u hentlich in literarischen Kreisen Werde gedämpft. Verhaftung von italienischen Sozialisten. Nom, 21. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Der Avanti erfährt aus via, vorgestern früh im den Räumen des dortigen jung ⸗ [lehrer auf dem Lande und andere des Lesens kundigen Per⸗. machen, von der Regierung besondere volkstümliche Berichte über 1 In ganz 5 ug, daß die gesamte Industrie zur Erzeugung von In Rußland berricht über Charbin 300 000 Laut Meldungen der Abendblätter von Genf ruft die 5 dee die die Ereignisse auf dem östlichen Kriegsschauplatz Es sei unbestreitbar, daß die Deut⸗ überall auf die Defensive beschränkt und wisse nicht, wo die So verkennen die⸗- lichen Kämpfe von Kurland bis zum Dnjestr hart und blutig sind und daß die Schlacht aller Wahrscheinlichkeit nach von“ ndgültiger Entscheidung sein wird. Man spricht der Oeffent⸗ 8 und den Mut der 1 mit]! sozialistischen Vereins eine Untersuchung vorgenom⸗ men wurde, infolge deren fünf Vereinsmitglieder verhaftet wurden. Man glaubt, daß eine weitere Verhaftung in Val di Trempia erfolgte. Die Brescianer Zeitungen Il Cittadino und La Sentinella Bresciana bringen die Nachricht von der Verhaftung der Mit⸗ glieder der sozialistischen Verwaltung von Cardone. Unter den Verhafteten befinden sich der Bürgermeister, der Vize⸗ sekretär und fünf Gemeindeassessoren. Sie wurden im Militärauto⸗ mobil unter Begleitung zahlreicher Carabinieri nach Brescia über⸗ geführt. Die Zeitungen schreiben, daß die Verhafteten der antimili⸗ taristischen Propaganda angeklagt sind. Die türkischen Tagesberichte. Konstantinopel, 21. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Bei Ari Burnu ließen wir am 19. Juli eine Mine vor unseren Schützengräben springen, wodurch feindliche Gegenminen vernichtet wurden. Zwei starke Abteilungen, welche der Feind in die Vorpostenkämpfe auf dem linken Flügel hineinwarf, wiesen wir mit schweren Verlusten zurück. Unsere Artillerie zerstreute eine lange In⸗ fanteriekolonne, welche der Feind seinem linken Flügel zur Verstärkung schickte. Unter den Franzosen, die wir am 18. Juli in unseren Schützengräben gefangennahmen, befinden sich schwerverwundete Offiziere. In der Nacht zum 20. Juli und am folgenden Tage beschossen unsere Batterien auf dem asiatischen Ufer das Lager und die Landungsbrücken des Fein⸗ des bei Tekke Burnu und seine Truppen bei Mortaliman. Im Irak griffen unsere Vortruppen in der Nacht zum 18. Juli den feindlichen rechten Flügel östlich Kalatelnedschin an und zwangen ihn nach vierstündigem Kampf zum Zurückgehen. Unsere Artillerie versenkte ein mit Lebensmitteln beladenes feindliches Boot. Eine Anzahl gewaltsam in die Armee ein⸗ gestellter Moslems ist am 17. Juli desertiert und zu uns ge⸗ flüchtet. Die Verluste des Feindes in der Schlacht bei Kaba⸗ Tulmain am 14. Juli wurden auf 2000 Mann geschätzt. Eine unserer aus Freiwilligen bestehenden fliegenden Kolonnen überfiel in der Nacht zum 18. Juli ein feindliches Lager und kehrte mit reicher Beute zurück. Von den anderen Fronten nichts Wesentliches. Die Lage in Aegypten. Aus Kairo wird der Frankf. Ztg. zuverlässig gemeldet: Ueber die Untersuchung wegen des jüngsten Attentats auf den von den Engländern eingesetzten Khediven wird strengste Geheimhaltung bewahrt. Der Khedive wollte nach dem Attentat abdanken. Er unternahm deshalb mehrfach Schritte. Die Engländer zwingen ihn jedoch, auf seinem Posten zu verharren. Die Engländer beabsichtigen, ägyptische Soldaten in englischer Uniform nach den Dardanellen zu entsenden. Die Soldaten revoltierten jedoch, sodaß auf ihre Verwendung verzichtet werden mußte. Ganz gewaltig ist der Zustrom Verwundeter nach Aegyp⸗ ten. Die großen weltberühmten Hotels Menahouse, Helio— polis, Palace Semiramis, Savoy und Gezireh Palace sind in Hospitäler umgewandelt. Das gleiche gilt für Alexandrien und Suez. Der von australischen Soldaten eingeschleppte Typhus verursacht wahrhafte Verheerungen, dabei macht sich das Fehlen von sanitärem Material sehr bemerkbar. Im Lande gewinnt zunehmender Mißmut die Oberhand. Die Blockade und ist entschlossen, Heuschreckenplage, die in so furchtbarer Form wie jetzt noch nie aufgetreten ist, richtet unermeßliche Verwüstungen an. Englische Sozialisten zum Kriege. In England hat sich ein sozialistisches nationales Verteidigungskomitee gebildet, um der unab⸗ hängigen Arbeiterpartei entgegenzutreten und vor allem die Friedenspropaganda Keir Hardies, Ramsay Macdonalds usw. zu bekämpfen. In dem veröffentlichten Manifest werden die sriedensfreundlichen Sozialisten als Träumer, deutsche Agenten und Pseudo⸗Sozialisten gebrandmarkt. Der neuen Vereini⸗ gung gehören unter anderem an: Ben Tillett, Con ⸗ ningham Graham, Emile Royer Gelgier) und Hyndman. Das Ende des englischen Kohlenarbeiterstreiks Reuter meldet aus Cardiff: Obwohl Offizielles noch nicht bekannt gemacht worden ist, verlautet, daß eine U eberein- stimmung im Arbeiterkonflikt von Südwales erreicht worden ist. Die Uebereinkunft lautet auf einen, Zeitraum bis 6 Monate nach dem Kriege. 5 8 Ein weiteres Telegramm Reuters aus Cardiff meldet: Der Streik wurde beigelegt, die Forderungen d er Bergarbeiter wurden bewilligt. 5 Die englische Regierung und ihr Unterhändler, Llyod George, sowie die Grubenbesitzer haben sich also gefügt und die Arbeiter haben einen vollständigen Sieg davongetragen. Das wird ermunternd auf weitere Arbeiterkategorien ein wirken. Protest Bulgariens gegen die englische Blockade. Bulgarien protestierte energisch in London gegen die eng lische Blockademaßregeln gegen die bulgarischen Häfen des Aegäischen Meeres als im Widerspruch stehend mit den Rech⸗ ten der Neutralen. Bulgarien fordert die Aufhebung der andernfalls Repressalien zu greifen. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. — ̃ pp. p p p—p—j—f— Vereinskalender. Montag, 26. Juli. Schneiderverband. Abends 29 Uhr Bekanntmachung. Die öffentlichen Impftermine für die Erstimpflinge in der Stadt Gießen, welche jeden Mittwoch, nachmittags von 5—6 Uhr, in der Turnhalle der Stadtmädchenschule(Schillerstraße) stattfinden, wer⸗ den nur noch im Monat Juli abgehalten. Wer die Termine nicht benutzen will, muß sein impfpflichtiges Kind auf eigene Kosten impfen lassen. Gießen, den 15. Juli 1915. Der Oberbürgermeister: ꝗKeller. Verstorbene. Marie Schmidt, in Maar bei Lauterbach.— Johannes Lein in Ehringshausen bei Alsfeld, 70 Jahre alt.— Frau Elisabetha Jung Witwe, geb. Gorr, in Heuchelheim, 66 Jahre Gießen. sammlung. Ver⸗ 7 F. 2 Alg. Dedtscher Frapenperein Ortsgruppe Gießen. Auskunftstelle für Frauenberufe. Frauen und Mädchen erhalten unentgeltlich Rat und Aus⸗ kunft für alle Berufe im alten Rathaus, Marktplatz 14. Diens⸗ tags nachm. von 6/7 ½ Uhr. Rechtsschutzstelle. Frauen und Mädchen erhalten unentaeltlich n. kleine zum Backen 5 f 3 Pfund 85 Pfa. große 1—4 pfündig 5 Wfund 60 Pfa. obne Kopf Pfund 60 Pfg. 0 f Mat und Auskunft Frische Jin Rechtsangelegenheiten im alten Rathaus Marktplatz 14 Mittwoch nachmittags von 6/ bis 8 Uhr. fd. e Pfund 65 Pfg. Geräucherte Schön möbliertes Zimmer 5 zu vermieten 105. Cafe Besitzer: Ludwig Müller Bahnhofstrassg 52d, feben Hotel eh hält sich der geehrten Einwohnerschaft von Giessen und Umgegend zu gelegentlichem Besuch bestens empfohlen. Stets la Backwaren Marlin Krug, Gießen Schulstraße 5 0 — Zigarren⸗Spezial⸗Geschäft empfiehlt seine aus rein überseeischen Tabaken hergestellten Fabrikate bestens Schellfisch 3 Stück 58 Pfa. ppiss e trockene Pfund 55 Pfa. empfehlen Gebrüder Berdur Bahnhofstraße 27. 8 r 8 U 5 Tinoxa ist das sicherste 9 d ii Nen——5 M ottenderen 1 Brut. Adl.⸗Drog. Seltersweg 89 Otto Schaaf. N Asterweg 6 sind am 1. bezw. 15. August zwei Wohnnngen zu vermieten. 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