Oberhe e Volkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volksseitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl.1. 80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraßse 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 168 Gießen, Mittwoch, den 21. Juli 1915 10. Jahrgang. Vom Weltkrieg. Amerika und der Frieden. Der amerikanische Protest gegen die Munitionsausfuhr. Nunmehr liegen ausführliche Berichte vor über die Friedens⸗ kundgebung des Staatssekretärs Bryan in Newyork am 24. Juni. 70 000, nach anderer Schätzung 100 000 Personen aller Nationali⸗ täten waren auf dem Madison Square Garden versammelt. Die Versammlung war, in Verbindung mit vielen anderen Organi- sationen, u. a. einberufen worden von der Vereinigung der deutschen Verbände von Groß⸗Newyork, der American Independence Union, der American Truth⸗Society. Aus der langen Entschließung, die angenommen wurde, geben wir folgende Stellen wieder: „Das amerikanische Volk fordert Frieden mit aller Welt. Es verlangt von Regierung und Volk die Einhaltung der strengsten Neutralität gegenüber den kriegführenden Mächten, nicht nur im Wort, sondern in der Tat, es sordert die Einhaltung einer Neutralität, die nicht auf buchstabenmäßiger Auslegung der Gesetze beruht, sondern die Tatsachen der Wirk— lichkeit wie die praktischen Folgen berücksichtigt. Aus vollem Herzen und mit ganzer Seele, wie es nur einem in seinem Innern frevelhaft verletzten Volke möglich ist, ver- dammen wir die nichts als heilig achtende Kriegspropaganda, die unter der Maske des Patriotismus und im schändlich miß⸗ brauchten Namen der Menschlichkeit von Leuten, die am Kriege verdienen, in diesem Lande betrieben worden ist und noch be— trieben wird. Ganz besonders verurteilt die Versammlung die elenden Machenschaften eines großen Teils der Zeitungen, die in den letzten sechs Monaten ihr denkbar Aeußerstes getan haben, um unser Volk an den Rand des Krieges zu zerren. In ihren Verhandlungen mit den Regierungen von England und Deutschland sollten die Vereinigten Staaten unentwegt darauf bestehen, daß die Rechte der neutralen Schiffahrt gewahrt werden, daß die dem friedlichen Handel dienenden Schiffe ihre Ladung ungehindert am Bestimmungsorte löschen können, falls nicht die völkerrechtlichen Bestimmungen der Londoner Deklaration vom Jahre 1909 dem entgegenstehen. Das Leben amerikanischer Bürger, die unter dem Schutze der Gesetze zu erlaubten Zwecken die Meere befahren, muß unter allen Umständen respektiert und gesichert werden. Mit der Pflicht der Regierung, die im Auslande befindlichen Bürger zu schützen, geht Hand in Hand die Pflicht der Bürger, sich nicht auf unbe⸗ sonnene Abenteuer einzulassen, welche der Regierung bei ihren Bemühungen Schwierigkeiten bereiten könnten. Kein amerikani⸗ scher Bürger hat das Recht, irgendeiner kriegführenden Macht da— durch Deckung zu geben, daß er auf einem mit Munition beladenen Dampfer als Passagier fährt. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat die Pflicht, die Bürger hiervor zu warnen. Die Interessen des amerikanischen Volkes und der Mensch— lichkeit verlangen, daß die Ausfuhr von Waffen und Munition an die Kriegführenden verboten wird. Wir verwerfen als einer großen Nation unwürdig das blendende Schlagwort, daß ein souveräner Staat seine Ausfuhrgesetze nicht ändern dürfe, weil gerade ein Krieg zwischen andern Völkern im Gange ist. Nicht die kleinste Stelle im Völkerrecht, kein Präzedenzfall, kein analoger Fall kann als Stütze für diese haltlose, widersinnige Behauptung beigebracht werden, durch welche das Publikum von Geldinter-⸗ essenten in dieser Frage betrogen werden soll. Die Behauptung, es würde unneutral sein, nach einjähriger Ausfuhr, die in Wirk- lichkeit nur zugunsten Englands und seiner Verbündeten gearbeitet hat, alle Kriegführenden zu zwingen, sich auf ihre eigenen Hilfs⸗ quellen zu verlassen, ist das Eingeständnis einer Parteilichkeit, die alle unsere Neutralitätserklärungen in Mißkredit bringt. Wir verlangen daher, daß die Regierung der Vereinigten Staaten die Ausfuhr von Waffen und Munition verbietet und damit der Welt einen Beweis von praktischer Weisheit, Humanität, Charakter und möglichst vollkommener Einhaltung strengster Neu⸗ tralität liefere.“ 8 Friedensversammlungen amerikanischer Arbeiter. Seit Mitte Juni werden von den Gewerkschaften und Sozialisten der Vereinigten Staaten von Amerika in den meisten größeren Städten Friedensversammlungen abgehalten, die sehr zahlreich besucht sind. Der Rücktritt Bryans von der Regierung und sein Eintreten in die Friedenspropaganda haben ohne Zweifel manches zu der sehr um sich greifenden Bewegung beigetragen. Am 19. Juni hat der Zentralverband der Newyorker Ge⸗ werkschaften eine imposante Kundgebung gegen jeden Krieg und für den Frieden abgehalten. Bryan war der Haupt⸗ redner, dessen Ausführungen in der Bemerkung gipfelten:„Solange es Leute gibt, die aus dem Kriege Nutzen ziehen können, werden wir Mars mit uns haben.“ Außer Bryan sprachen Kongreßmann (Parlamentsmitglied] John Buchanar und der Vergarbeiterführer Genosse Josef Cannon. Am selben Tage empfing Präsident Wilson in Washington eine Abordnung der Frauengewerkschaften, die ihm eine Resolution überreichte, in der Einspruch erhoben wird gegen den Krieg, gegen die Waffenausfuhr und gegen die geheime Diplomatie. Am 21. Juni waren die Newyorker Sozialisten zu einer machtvollen Kundgebung versammelt, bei der die Genossen A. Lee, Cannon, M. London und M. Hillquit sprachen. Letzterer wies u. a. darauf hin, daß man jetzt, wo die Regierung sich so stark für die auf der„Lusitania“ umgekommenen 100 ameri⸗ kanischen Bürger interesstere, auch daran denken müsse, daß jede Woche mehr als 100 amerikanische Bürger in den Gruben und Eisen⸗ bahnen umkommen. Dieselbe Regierung, die sich jetzt gegen Deutsch⸗ land entrüste, habe es ruhig zugesehen, wie Rockefeller so viele Frauen und Kinder in Colorado umbringen ließ. Die Versamm⸗ lung nahm eine Resolution an, die die Rüstungen und den Krieg aufs schärsste verurteilt. Tagesbericht des Großen Hauptgvartierz. Vergebliche Teilangriffe in Nordfrankreich. Die Russen weichen weiter. Die Linie Radom⸗Iwangorod erreicht. W. B. Großes Hauptquartier, 20. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz, Im Anschluß an eine Minensprengung bei Schloß Hooghe östlich von Ppern setzten die Engländer beider— seits der Straße Hoog he- Ypern zum Angriff an. Der Angriff brach vor unseren Stellungen zusammen. Teilweise kam es in unserem Artilleriefeuer nicht zur Durchführung. Den Sprengtrichter haben die Engländer besetzt. Bei Souchez wurden Handgranatenangriffe abge— schlagen. Nach lebhafter Feuertätigkeit ihrer Artillerie in der Gegend von Albert versuchten die Franzosen abends einen Vorstoß gegen unsere Stellungen bei Fricourt. Sie wurden zurückgeschlagen. Oestlicher Kriegsschauplatz. In Kurland wurden die Russen bei Groß Schmanden, östlich Tukkon, bei Gründorf und Usingen zurückgedrängt. Auch östlich Kurschany weicht der Gegner vor unserem Angriff. Nördlich Nowgorod am Narew bemächtigten sich die deutschen Truppen feindlicher Stellungen nördlich des Zusammenflusses der Bäche Froda und Pissa. Neu ein⸗ getroffene Landsturmtruppen, die hier zum ersten Male ins Feuer traten, zeichneten sich besonders aus. Nördlich der Skwa mündung erreichten wir den Narew. Die auf dem nordwestlichen Flußufer gelegenen ständigen Befestigungen von Ostrolenka wurden besetzt. Südlich der Weichsel sind unsere Truppen bis zur Blonie—Grojek-⸗Stellung vorgedrungen. Bei Nach⸗ hutkämpfen verloren die Russen hier 560 Gefangene und 2 Maschinengewehre. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die deutschen Landwehr- und Reservetruppen des Gene— ralobersten v. Woyrsch haben den überlegenen Feind aus der Ilzankastellung völlig geworfen. Alle Gegenstöße eilig herangeführter russischer Reserven wurden abgewiesen. Ueber 5000 Gefangene fielen in deutsche Hand. Unsere Truppen sind dem geschlagenen Feinde auf den Fersen. Kavallerie erreichte bereits die Bahn Rado m—Iwan⸗ gorod. Zwischen Oberer Weichsel und Bug folgen wir dem weichenden Feinde. Oberste Heeresleitung. ** Die Arbeiterkrisis in den amerikanischen Waffenfabriken. Aus London wird der Frankf. Ztg. geschrieben: Reuter meldet aus Newyork. Der Präsident der amerikanischen Arbeiterföderation Gompers beschuldigt deutsche Agenten, die Arbeiter in den amerikanischen Waffen⸗ fabriken zum Streik zu reizen, um die Munitionsaus⸗ fuhr für die Verbündeten zu hindern. Gompers behauptet, daß die Arbeiterführer durch Interessenten bearbeitet würden. Fortan soll auf diese Agenten ein wachsames Auge gehalten werden, und es soll ihnen entgegengearbeitet werden. Nach dieser hübschen Einleitung kommt Reuter zu der Tatsache. Sie lautet: Morgen beginnt der Streik in den Re⸗ mington-Waffenfabriken und in den anderen Waffenfabriken von Bridgeport. Im ganzen werden etwa 12 000 Personen von diesem Streik betroffen. Nachdem die Agitatoren in Bridgeport Schwierigkeiten hervorgerufen hatten, gingen sie nach Newhaven, um dort die gleichen Konflikte bei den Winchester-Fabriken zu schaffen. Es seien zweifelsohne dieselben Personen, die an allen Stellen, wo sich Munitionsfabriken befinden, für Konflikte sorgen. Während nun die Arbeitgeber behaupten, daß Ge— heimagenten für diesen Zustand verantwortlich seien, sagen die Arbeiterführer, daß die Arbeiter lediglich die jetzigen günstigen Umstände benützen wollen, um den Acht stun⸗ dentag und Lohnerhöhungen zu erlangen. Brände in England. Ein beunruhigender Brand vernichtete nach der Morning Post vom 15. Juli die Baulichkeiten der Kelvindale Chemical Company, im Maryhill⸗Bezirk von Glasgw. Das Feuer griff infolge des leicht brennbaren Inhalts der Werke schnell um sich. Ein weiteres Feuer brach am 14. in einem Flachslagerhause in Arbroath aus, welches der Firma Francis Webster und Sons gehört. Es lagerten dort große Vorräte an Flachs und Hanf. Der Schaden wird auf 8000 bis 10 000 Pfund Sterling geschätzt. Verschwörung gegen Venizelos. T. U. Amsterdam, 19. Juli. Reuter meldet aus Athen, man sei einem Komplott auf die Spur gekommen, um Venizelos zu ermorden. Die Polizei habe besondere Maßnahmen zum Schutze des Expremiers getroffen und lasse alle ankommenden Fremden streng überwachen. Einschränkung des italienischen Bahnbetriebs. Luxemburg, 19. Juli. Aus Rom berichten französische Blätter, der Kohlenmangel habe die italienische Eisenbahnverwaltung gezwungen, den Betrieb auf allen Bahnen um ein Viertel einzuschränken. Verschärfung der Grenzkontrolle. Die Ueberwachungsstellen an den deutschen Grenzen sind, wo⸗ rauf amtlich hingewiesen wird, verpflichtet, die von den Reisenden mitgeführten Schrift⸗ und Drucksachen einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, was unter Umständen viel Zeit in Anspruch nimmt und die Abfertigung der Reisenden verzögert, oft sogar deren Weiterreise mit der nächsten Fahrgelegenheit unmöglich machen kann. Im eigenen Interesse der Reisenden empfiehlt es sich daher, wenn diese möglichst wenig Schriftstücke Briefe und Drucksachen ber sich führen, auch keine Zeitungen, da diese in der Regel der Beschlag⸗ nahme unterliegen. Dagegen wird empfohlen, dergleichen Schrift⸗ stücke usw. durch die Post nach dem Ziel der Reise zu senden, da als⸗ dann die Prüfung durch die zuständige Postprüfungsstelle erfolgt und der Reisende nicht Gefahr läuft, an der Grenze aufgehalten zu Zwangsvereinigung im Kohlenbergbau. Der Reichsanzeiger enthält eine Bekanntmachung des Ministers für Handel, nach der den Besitzern der Steinkohlen⸗ bergwerke, die innerhalb des nachstehend bezeichneten Be⸗ zirkes gelegen sind, für die Bildung einer Vereinigung zu den im Art. 1 der Verordnung über die Errichtung von Ver⸗ triebsgesellschaften für den Steinkohlen⸗ und Braunkohlen⸗ bergbau bezeichneten Zwecken eine Frist bis zum 15. Sep⸗ tember einschließlich gesetzt wird. Als Bezirk der Vereinigung wird bestimmt: 1. Bezirk des Oberbergamts Dortmund mit Anschluß des Steinkohlenbergwerks bei Tbbenbüren und der Zeche Preußisch Klus bei Minden; 2. Bergrevier Krefeld und Oberbergamtsbezirk Bonn. Arbeitsnachweis für Ostpreußen. Die Einrichtung einer Zentralstelle für Arbeitsnachweis in ganz Ostpreußen wurde in Königsberg beschlossen. Sie soll am 1. August ihre Tätigkeit aufnehmen. Sie ist zugleich Auskunftsstelle für die Arbeiter wie für die Unternehmer und für die am Wiederaufbau der Provinz beteiligten Gewerbe. Aus dem württembergischem Landtag. Die Ausschußberatungen im württembergischen Landtage er⸗ streckten sich u. a. auf die Zuckerteuerung. Dazu fand ein Antrag unserer Genossen einstimmige Annahme, der von der Regierung die Ergreifung aller geeigneten Maßnahmen verlangt, um der Bevölkerung den Zucker zu Preisen zugänglich zu machen, die die Preise der Friedenszeiten nicht übersteigen. Gleich⸗ falls einstimmige Annahme fand der an den Kriegsminister gerich⸗ tete Antrag, dahin zu wirken, daß alle im Felde stehenden Soldaten, soweit noch nicht geschehen, nach und nach unter Gewährung von Freifahrt einen längeren Heimaturlaub bekommen. Von Bedeutung ist weiter der Beschluß, der dahin geht, daß die Regierung geeignete Schritte unternehmen soll, um bei Beamten, die zum Heeresdienst eingezogen sind, eine Häufung der Bezüge zu ver⸗ hindern. Die wankende Russenfront. T. U. Köln, 20. Juli. Aus dem Kriegspressequartier meldet die Köln. Ztg.: Nachdem es unseren Truppen in der verflossenen Nacht gelungen war, die russische Front zu durch⸗ brechen und östlich von Krasnik die russische Stellung um ein kräftiges Stück zurückzudrängen, wankt die ganze russische Weichselfront; sie ist in entscheidendem Zurückgehen. Der Entwicklung der militärischen Lage kann man ruhig ent⸗ gegenblicken. Amerikanische Munition und Geschütze in Rußland angekommen. T. U. Kopenhagen, 20. Juni. Ein großer Teil der in den Ver⸗ einigten Staaten bestellten Geschütze und Munition für Rußland ist, nach einer Meldung aus Tokio, bereits in Wladiwostok einge⸗ troffen. Die Schwierigkeiten, diese Kriegslieserungen durch Sibirien bis an die russische Front in Polen zu transportieren, sind jedoch ungewöhnlich groß, weil die Schienenstränge nicht genügend aus- gebaut sind und die vorhandenen Frachtwagen nicht annähernd genügen, um das in Wladiwostok lagernde Material in kurzer Frist zu befördern. Infolgedessen dürfte noch eine geraume Zeit ver gehen, bis die russische Armee Munition in ausreichendem Maße erhalten wird, während der Ersatz der in Galizien verlorenen leichten und schweren Geschütze in absehbarer Zeit überhaupt nicht möglich ist. * Die große türkische Offensive. T. U. Kopenhagen, 20. Juli. Aus Petersburg wird be⸗ richtet, daß eine große türkische Offeusive an der Kaukasus⸗ front begonnen habe. Die Türken greifen gegenwärtig an allen Teilen der Front an. Der Streik der amerikanischen Munitions⸗ Arbeiter. In den amerikanischen Geschoßfabriken greift nach einer Meldung des Berliner Tageblatts die Streikbewegung immer mehr um sich. Ihr Hauptherd sei die einflußreiche Struc⸗ tural Iron Workers Union in Kentucky. In Pennsylvania sind Pulverfabriken in die Luft geflogen. Der englische Bergarbeiterstreik iin Pariser Licht. Paris, 19. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Presse erklärt, der Streik der Kohlenarbeiter in England unter den augenblicklichen Verhältnissen sei mehr als ein Verbrechen, nicht nur an England, sondern auch an den Verbündeten. Der Streik sei Verrat. Die Verbündeten seien auf die Kohlenproduktion Englands angewiesen. Die englische Regierung müsse unverzüglich die schärfsten Mittel ergreifen, den schmachvollen Streik zu beendigen. Wenn die bis⸗ herigen Gesetze und das Munitionsgesetz nicht genügten, sollte die englische Regierung neue gesetzliche Mittel vom Parlament fordern, um nötigenfalls mit Zwang gegen die Streikenden vorzugehen. Die italienische Kriegsanleihe. T. U. Rom, 20. Juli. Die Blätter versichern überein⸗ stimmend, daß das Gesamtresultat der Kriegsanleihe ein höchst befriedigendes sei. Trotzdem unterlassen es die Zei— tungen wohlweislich, genauere Einzelangaben zu machen. Die japanischen Rausreißer. Paris, 19. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Der Eclair erfährt aus Petersburg, daß die Mission der japanischen Artillerieoffiziere seit Mitte April die Ausbildung der russi⸗ schen Artilleristen übernommen hat. Die japanischen Offi⸗ ziere werden keinesfalls an die Front gehen, sondern höchstens die Aufmontierung und Handhabung der japanischen Ge⸗ schütze leiten. Die Aufgabe der Mission bestehe lediglich darin, die Reorganisation der russischen Artillerie in die Wege zu leiten. Der Generalstreik in der spanischen Handelsflotte. T. U. Madrid, 20. Juli. Das Personal der spanischen Handels⸗ flotte beschloß, die Streikerklärung auf den 28. d. M. zu verschieben. Die Regierung bemüht sich weiter um die Beilegung des Konfliktes unter Hinweis auf den schweren Schaden, der unter den gegen⸗ wärtigen Umständen verursacht würde.— Eine von Lerraux, dem Führer der Ententefreunde, einberufene Volksversammlung, auf der die Haltung Spaniens zum Kriege erörtert werden sollte, wurde aufgelöst. Mehrere Polizisten wurden von Widersetzlichen verletzt. Kriegsnotizen. Der Corriere della Sera meldet aus Bra, daß gestern beim Depotkommando des 74. Infanterie⸗Regiments das Verschwin⸗ den der Regiments⸗Reserve⸗Kasse im Betrage von 138 000 Lire entdeckt worden sei. Der Kassenschrank zeigte keine Ein⸗ bruchsspuren, sodaß man annehmen muß, daß der Diebstahl mittels Nachschlüssels ausgeführt sei. Die Tat machte ein ungeheures Auf⸗ sehen, um so mehr, als man wußte, daß vor der Tür des Kassen⸗ raumes dauernd ein strenger Wachtdienst wax. Die Gazette de Lausanne berichtet aus Rom: Die italienische Regierung gedenke. Kriegsgefangene österreichisch⸗ tschechischer und ruthenischer Nationalität nicht zu inter⸗ 15 8 sondern ihnen sogar die Rückkehr in die Schweiß zu ge⸗ ten. Nach der Bataille Syndicaliste hat der Vorstaud der Fédération générale du travail erklärt, daß die Föderation die Regierung im Kampfe gegen den Alkohol unterstützen werde. Der Vorstand forderte, die Regierung solle den Alkoholgenuß gänzlich untersagen und den Alkoholverbrauch nur für gewerbliche Zwecke gestatten. Der Labour Leader enthält Berichte aus allen Teilen Englands von Versammlungen, die gegen das nationale Re⸗ gistergesetz protestieren, da es gegen die Freiheit des Volkes gerichtet sei. Wie der Temps aus Dedeagatsch erfährt, sind in Thrazien türkische Banden aufgetreten, die die öffentlichen Fonds plündern und die Beamten ermorden. Die bulgarische Regierung hat zur Unterdrückung dieser Bewegung, die auch in Kon⸗ 0 stantinopel ihre Verzweigungen hat, strenge Maßnahmen ergriffen. Hessen und Nachbargebiete. Gießen und umgebung. Eine erschreckende Tatsache. Wenn den Agrariern und den Händlern nicht bald ge⸗— sagt wird, welch gefährliches Spiel sie mit ihrem Lebens⸗ mittelwucher treiben, wenn die Behörden nicht endlich eine gerechte Verteilung der Nahrungsmittel in die Wege leiten, dann darf man sich nicht wundern, daß bei den breiten Schich⸗ ten des Volkes der Glaube an ein Vaterland schwindet. Der Feind besorgt die Aushungerung des Volkes nicht so gut wie unsere von der Staatsgewalt geduldeten Patrioten. Wie der Nahrungsmittelaufwand der Bevölkerung seit Kriegsausbruch verteuert worden ist, das zeigt die folgende Tabelle, die Richard Calwer aufgestellt hat, indem er die wöchentlichen Lebensmittel⸗Ausgaben einer vierköpfigen Fa⸗ milie nach der dreifachen Ration eines deutschen Marine⸗ soldaten im Durchschnitt von etwa 200 Orten berechnet: Juli Aug. Sept. Okt. Nov Dez Jan. Febr. März April Mai 25.12 26.44 26.14 27.00 27 86 28.74 29.65 31.49 32.90 24.41 36 49 +1 32—0.30 0.95 +0.77 +0.88 +0.91 0.84 71.41 + 1.51 +2.08 Das besagt, daß eine Familie, die im letzten Monat vor Kriegsausbruch 25,12 Mark wöchentlich für Lebensmittel ausgab, im Mai bereits 36,49 Mark für dieselben Lebens⸗ mittel ausgeben mußte: das ist eine Steigerung um 45,3 Prozent, also um fast die Hälfte, vorausgesetzt, daß das Geld da war, um sie zu bezahlen!„Wir meinen,“ sagt dazu die Frankfurter Zeitung,„diese Ziffern sollten auch den Herren des Bundesrats einigen Eindruck machen. Es geht eben nicht an, daß die Regierung sich jetzt einfach mit dem stolzen Gefühle begnügt, daß wir gereicht haben, daß wir dem Aus⸗ hungerungskrieg nicht unterlegen sind. Sie muß sich mit dem schweren Gefühl der Verantwortung durchdringen, daß der zweite Teil der durch den Krieg gestellten Aufgabe, näm⸗ lich die Sorge dafür, daß die vorhandenen Nahrungsmittel allen Bevölkerungsteilen zu erschwinglichen, gerechten Preisen zugeführt werden, bisher absolut nicht gelöst worden ist, und daß deshalb wenigstens jetzt alle Kräfte auf diese Aufgabe gerichtet werden müssen. Es ist nicht erhebend, daß man die Zivilbehörden auf das Vorgehen der militärischen Stellen in Bayern, in Stuttgart hinweisen muß, die jetzt mit schärfsten Strafandrohungen gegen den Lebensmittelwucher vorzugehen suchen. Diese militärischen Stellen haben ganz richtig er⸗ kannt, daß hier Gefahr im Verzuge ist. Wir warnen mit allem Nachdruck, auf daß der Bundesrat es nicht verkenne.“ — Gegen die Preistreibereien im Kleinhandel. Ueberall klagt man jetzt über die ungerechtfertigten Preissteigerungen, die sich im Kleinhandel mit den Bedürfnissen des täglichen Lebens bemerkbar machen. In der Tat werden in der letzten Zeit Preise gefordert, die oft mehr als das Doppelte, bei manchen Artikeln sogar das Dreifache dessen betragen, was vor dem Kriege gezahlt wurde. Man findet dabei immer wieder die alte Erfahrung bestätigt, daß ein Preisaufschlag desto größer ist— verhältnismäßig natürlich— je geringer die eingekaufte Menge ist. Wenn zum Beispiel eine Ware im Großhandel um 5 Mk. der Zentner aufschlägt, kann man sicher sein, daß man im Kleinhandel für das Pfund nicht nur 5 Pfg., wie es angemessen wäre, sondern 10, vielleicht sogar 12 Pfg. mehr bezahlen muß. Gegen diese ungerechtfertigten Aufschläge etwas zu tun, hat zweifellos erhebliche Schwierig⸗ keiten, aber immerhin ist es zu begrüßen, daß Maßnahmen ergriffen werden. Aus Berlin wird nämlich berichtet: Um auf eine bessere Anpassung der Kleinverkaufspreise an die Marktlage hinzuwirken, und gleichzeitig die Kaufen, den vor übertriebenen Preis forderungen zu schützen, erläßt das Oberkommando in den Marken mit Wir⸗ Städte und Landgemeinden die Anordnung, daß die Verkäufer von Fleisch, Fleischwaren, Fettwaren, Butter, Schmalz, Speisefetten, Eiern, frischem Gemüse, frischen Hülsenfrüch⸗ ten, frischem Obst und Kartoffeln im Kleinhandel einen Preisanschlag an ihrer Verkaufsstelle anzubringen haben. Wird beim Verkauf in kleineren Mengen ein höherer Preis berechnet, als er für ein Pfund, einen Zentner, einen Liter oder eine gewisse Stückzahl angesetzt ist, so muß auch dieser höhere Preis für kleiner Einheiten im Aushang ver⸗ zeichnet werden. Als Verkaufsstellen gelten auch Verkaufs⸗ stände auf Wochenmärkten, in Markthallen und im Straßen handel. In Warenhäusern und in großen Verkaufsläden ist der Aushang möglichst sichtbar gleichfalls anzubringen. Ob der Preisanschlag etwas nützt, wird man ja sehen, großen Erwartungen braucht man sich nicht hinzugeben. Es ist aber zu begrüßen, daß eingeschritten wird und es wäre auch für unseren Bezirk eine derartige Maßregel wün⸗ schenswert. 5 Der Gouverneur von Köln hat eine Verfügung er⸗ lassen, in der es heißt:„Die Preissteigerung ist zum Teil künstlich herbeigeführt worden. Gewinnsüchtige Absicht hat zu unlauteren Machenschaften im geschäftlichen Verkehr so⸗ gar mit den für die Volksernährung und Unterhaltung un⸗ entbehrlichen Gegenständen geführt. Sowohl Produzenten als auch Händler haben die Waren aus dem Verkehr zurück gehalten, um die Nachfrage zu erhöhen und dadurch höhere Preisangebote zu erzielen.“ 3 Zum Schluß wird angeordnet:„Wer durch künstliche Preistreibereien oder durch unangemessene Verdienste im ge⸗ schäftlichen Verkehr mit Lebensmitteln oder Gebrauchsgegen⸗ ständen die Interessen der Allgemeinheit verletzt, wird öfffentlich namhaft gemacht werden. — Brotmarken⸗Ausgabe. Nächsten Samstag werden die Brotmarkenhefte für die Zeit vom 26. Juli bis 8. August in den bekannten Ausgabestellen und gewohnten Stunden— 8—12 Uhr vormittags und 2—6 Uhr nachmittags— ausge⸗ geben. Wir verweisen auf die Bekanntmachung des Ober⸗ bürgermeisters. — Eine Störung des Verkehrs gab es gestern nachmit⸗ tag in der Schloßgasse. An einem mit Backsteinen schwer beladenen Wagen brach ein Rad und der Wagen drohte umzustürzen. Man war genötigt, das Rad erst reparieren zu lassen, was eine geraume Zeit in Anspruch nahm. f Gegen die hohen Fleischpreise. Um auf die hohen Fleischpreise einen Druck auszuüben und die Metzger zu zwingen, mit den Fleischpreisen herabzugehen, hat der Stadt⸗ magistrat von Füssen im Allgäu beschlossen, Schlachtungen in Regie vorzunehmen und das Fleisch an die Bevölkerung direkt abzugeben.— Höchstpreise für Fleisch. Die derzeit bestehenden Fleischpreise findet der Magistrat Deggen⸗ dorf in Bayern nach der Marktlage für ungerechtfertigt hoch. Er hat daher in seiner letzten Sitzung für den Stadt⸗ bezirk die Ladenverkaufspreise für das Pfund Ochsenfleischf auf 1,20 Mk., Rindfleisch 1 Mk., Schweinefleisch 1,30 Mk. und Kalbfleisch 1,10 Mk. festgesetzt. In Mannheim wird scharf zugegriffen, um der Lebens⸗ mittelteuerung beizukommen. Nicht nur durch großzügige Ausgestaltung des städtischen Verkaufs, sondern auch mit marktpolizeilichen Maßnahmen. Auf Antrag des Stadtrates hat die Polizeidirektion eine polizeiliche Vorschrift erlassen, nach welcher der gewerbsmäßige Einkauf von Gegenständen des Wochenmarktsverkehrs auf sämtlichen Märkten der Stadt Mannheim und auf allen zu den Märkten führenden Zu⸗ fahrtsstraßen der Gemarkung vor 9 Uhr morgens verboten ist und der gewerbsmäßige Einkauf nach 9 Uhr morgens! nur zum Zwecke des Wiederverkaufs in der Gemarkung Mannheim geschehen darf. Das mag für manche kleine Wiederverkäufer, die bisher gewohnt waren, sich auf dem kung vom 26. Juli ab für Berlin und die umliegenden! Wochenmarkte einzudecken, sehr unangenehm sein. Aber es —— 20*— Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 28 Spät in der Nacht, als alles schlief, ging Diethelm ohne Licht hinab in die Scheune, öffnete den Kutschensitz, nahm die Kerzen sorgfältig heraus, tat das Kienholz in einen Sack, den er sich über den Rücken band, und stieg auf der Scheunen— leiter hinauf in den Speicher. In der Mitte der gradauf— stehenden Leiter, die er doch tausendmal auf und ab gestiegen war, überkam ihn plötzlich ein Schwindel, daß er nicht vor und nicht rückwärts konnte; er hing wieder wie über einem Abgrund zwischen Leben und Tod, und fast schrie er laut auf um Hilfe, aber noch hatte er Besinnung genug, zu überlegen, daß er sich damit ins Elend stürze, und mit letzter Kraft in sich hineinfluchend, stemmte er sich an und kletterte behend von Sprosse zu Sprosse und stand endlich keuchend auf dem oberen Boden. Er legte jetzt alles nieder, wo er stand, ja selbst die Pulversäckchen tat er aus der Tasche. Er öffnete einen Laden, um das Mondlicht hineindringen zu lassen, und saß lange ausruhend auf einem Wollballen. Endlich verteilte er das Kienholz in einzelne Schichten, die er zwischen die Balken legte; dabei sprach er fast laut vor sich hin:„Dorthin die eine, dort die andere Kerze und die dritte zwischen die aufgehobenen Bretter, daß kein Licht nach außen scheint. Ich muß sie kürzen, sie dürfen nur zwölf Stunden brennen.“— Jetzt hatte er Kienholz zwischen zwei Balken geworfen, aber es fiel so dumpf, er griff hinab, und ein Schrei des Ent— setzens ertönte, Diethelm hatte einen haarigen Kopf erfaßt; er zitterte, daß die Bretter unter ihm dröhnten, eine krallige Hand faßte nach seinem Munde.„Der Teufel, der Teufel!“ schrie Diethelm und sank lautlos zu Boden. „Meister, Meister, ich bin's,“ rief jetzt eine Stimme, und Diethelm setzte sich auf. War das nicht die Stimme des Schäfers Medard? Wunderbar schnell war Diethelm gefaßt. „Was tust du da? Du hast stehlen wollen, du Zucht⸗ häusler?“ rief Diethelm. „Und wenn auch, was danach?“ erwiderte Medard spöt— tisch,„die Brandkasse bezahlt's doch.“ Rasch schnellte Diethelm empor, und mit den Worten: „Ich erwürge dich, du krummer Halunk,“ warf er sich auf Medard, schleuderte ihn nieder und kniete ihm auf der Brust. „Ich will ja nichts sagen, lasset nur los,“ rief Medard mit halberstickter Stimme, und Diethelm gewahrte plötzlich, daß er zum Mörder habe werden wollen, und ließ ab. Wie anders war es plötzlich geworden, er hatte einen Mitwisser seiner Tat und war allezeit in der Hand eines Fremden. „Guck,“ sagte er, und ihn selber schauderte vor dem, was er sagte,„ich bin einmal so weit, zurück kann ich nicht mehr, aber ich kann weiter gehen, ich muß es, wenn du mir nicht eine Sicherheit gibst, daß du nie— nie was redest.“ „Es gibt nur eine Sicherheit, nur eine einzige,“ er⸗ widerte Medard,„und die ist fester als tausend Eide.“ „Heraus, heraus! Was ist's?“ sagte Diethelm, die Hände des am Boden liegenden festhaltend, und dieser er— widerte:„Der Munde heiratet Eure Fränz, und wenn mein Bruder all das Sach kriegt, da ist die beste Sicherheit, daß ich nie was red'.“ Diethelm preßte vor Zorn die Hände des Medard zu⸗ sammen, daß dieser laut aufschrie, aber allmählich ließ er doch locker und sagte endlich:„Meinetwegen, ja, ja, es soll so sein, aber du mußt mittun und du mußt anzünden, wenn ich nicht da bin.“ „Das nicht,“ erwiderte Medard,„aber mit tu' ich, und wir schaffen noch ein gut Teil fort, ehe es losgeht.“ „Hast denn gestohlen?“ „Was fragt Ihr jetzt danach? Das ist jetzt alles lauter Schwefelhölzle, und ich weiß noch was, was Ihr vergessen habt; ich komm' morgen ins Spritzenhäusle, ich will helfen, die Spritzen vom Rädergestell auf den Schlitten bringen, und da will ich nur zwei Schrauben von der Spritze los— machen, dann mag man löschen.“ „Du bist nicht dumm, du bist gescheit,“ sagte Diethelm, und mit diesen Worten war der Friede zwischen den beiden geschlossen. Diethelm führte den Knecht, den in der Tat sein kranker Fuß vor dem Fall sehr schmerzte, sorglich die Treppe hinab und gab ihm Branntwein zum Einreiben. Medard sprach viel davon, wie albern es wäre, wenn man nicht noch so viel als möglich beiseite schaffe, aber Diet⸗ — 2 helm wehrte streng ab, er hatte das Wort auf der Zunge, aber er schämte sich, es zu bekennen, daß er nicht auch noch zum gemeinen Diebe werden wolle; er fühlte voraus den höhnischen Spott seines Genossen und wies nur auf die Ge⸗ fahr hin, die solches Beiseiteschleppen, ohne daß man's ahne, mit sich führt. Medard hatte wohl zu verteidigende Ein⸗ wände, und Diethelm fühlte sich geneigt, streng zu befehlen, daß alles nach seiner wohlbedachten Anordnung ausgeführt werde; aber indem er den Befehl aussprach, verwandelte er ihn in eine Bitte, und es klang fast wehmütig, wie er den Medard bat, um seiner Beruhigung willen nichts hinterrücks zu tun und alle seine Anordnungen auszuführen. Medard hatte sich währenddessen gemächlich Knie und Wade eingerieben, und als jetzt Diethelm schloß:„Wir sind doch eigentlich ganz gleich, ich tu' alles wegen meinen Ver⸗ wandten und du tust alles wegen deinem Bruder,“ da schaute Medard grinsend auf und sagte:„Aber mein Bruder ist jetzt Euer einziger und nächster Verwandter; Eure Letzweiler Krattenmacher haben schon genug gekriegt, und für den Munde tun wir alles, und ihm muß alles bleiben.“ Diethelm biß sich die Lippe blutig über diese freche Rede, die ihm ins innerste Herz griff, aber er schwieg; er sah, wie der kecke Bursche ihn jetzt schon zu meistern begann, und schaute mit Grauen in die Zukunft. Er faßte einen tödlichen Haß gegen den Gesellen und stampfte auf den Boden vor Zorn und Reue, daß er ihn nicht erdrosselt hatte. Jetzt war das nicht mehr möglich, von der Stube aus hätten die Dienstleute im Nebenbau den Hilferuf gehört. Welch' ein ausgespitzter Bösewicht war es, an den er zeitlebens gefesselt war! Auch nicht einen Augenblick hatte er sich besonnen, die Tat zu voll⸗ führen, während er selbst doch so gräßlich mit sich gerungen hatte. Diethelm knirschte in sich hinein, da er die Unter⸗ tänigkeit gewahr wurde, in die sein immer noch weichmütiges Naturell gegenüber diesem versteiften, hartgesottenen Böse wicht geriet; äußerlich aber war er freundlich und zutunlich und nickte zu dem Vorschlag Medards, man müsse vom oberen und zweiten Boden Bretter ausheben, daß die Flamme vasch einen Durchzug fände, bevor sie hinausschlage. (Fortsetzung folgt.) ist andererseits eine Maßregel, die notwendig war, um der unreellen Spekulation auf den Leib zu kommen. Die kleinen Händler müssen sich eben in Zukunft anderweitig Waren verschaffen, wozu die Gelegenheit nicht fehlen wird. Die Bekanntgabe der neuen Anordnung hat auf den Mannheimer Märkten furchtbare Aufregung verursacht. Den Markt meiden wollten die Händler, ihn boykottieren und dem Stadt— rat ihre Kinder auf die Bude schicken, damit sie von diesem ihr Brot erhalten. Doch nützen tat das nichts! Mehrere städtische Beamte und Angestellte waren beordert, die alle zugefahrenen Waren, Obst und Gemüse, aufkauften, soweit sie preiswert zu haben waren. An fünf Marktständen wurden diese Waren zum Verkauf aufgestellt, und zwar zu Preisen, die wesentlich unter den bisher üblichen Marktpreisen standen. Damit hatte die Stadtverwaltung fürs erste das Mittel er— griffen, um entscheidend auf die Preisbildung einwirken zu können. Natürlich wird diese Maßregel ihre Nachwehen haben. Die Händler werden die Zufuhr abzuschneiden versuchen. Andernteils aber wird es sicherlich auch noch Leute geben, die den Bauern draußen nicht jeden Preis bieten und die mit einem gerechten Aufschlag zufrieden sind. Und soweit das nicht der Fall ist, muß die Gemeinde versuchen, in fernab dem großen Verkehr gelegenen Gegenden Marktwaren einzu— kaufen und auf den Markt zu bringen. Seide ist damit ja nicht zu spinnen. Das ist auch nicht nötig in dieser schweren Zeit. Die Viehpreise sinken wieder. Der Auftrieb zum Frank furter Hauptmarkt am Montag bestand aus 2036 Rindern (205 Ochsen, 105 Bullen und 1726 Färsen und Kühen), 370 Kälbern, 38 Schafen und 1300 Schweinen. Beste Ochsen be— haupteten die am letzten Montag erreichte Notierung, dagegen ging die zweite Qualität um 2 bis 3 Mark per Zentner Schlachtgewicht herunter. Bei Bullen und besten Färsen und Kühen trat keine nennenswerte Preisveränderung ein: die mittleren Qualitäten der letzteren wurden um 5 bis 6 und 2 Mark billiger. Kälber gingen neuerdings im Preise herunter, gegenüber Donnerstag um 2 bis 4 Mark. Schafe stiegen, da der Auftrieb gering war, um 13 Mark und wur⸗ den mit 125 Mark bezahlt. Von den vier Gewichtsgruppen Schweinen trat bei den drei ersten gegenüber Donnerstag eine Verbilligung um 2 bis 5 Mark ein. Von 1300 Schwei⸗ nen waren bis zum Zeitpunkt der Notierung 219 zu Lebend— und 617 zu Schlachtgewicht verkauft. Der höchste Preis für Lebendgewicht war 125 Mark(11 Stück), der niedrigste 113,50 Mark(5 Stück), bei Schlachtgewicht der höchste Preis 150 Mark(52 Stück), der niedrigste 130 Mark(10 Stück). Ueber den Marktverlauf sagte der amtliche Bericht, daß das Rindergeschäft lebhaft verlief, gute Ware gesucht war und geringer Ueberstand verblieb. Am Kleinviehmarkt herrschte reger Handel; bei Schweinen war Ueberstand, was auf die Zufuhr von 220 gefrorenen holländischen Schweinen zurück⸗ geführt wird.— Wir möchten den Offenbacher Metzgern dringend empfehlen, endlich auch dem Beispiele der Frank— furter, Marburger, Gießener usw. und dem einiger ganz weniger ihrer hiesigen Kollegen zu folgen und die Klein— Fleischpreise herabzusetzen. Wir geben je gern zu, daß die Metzger, vor allem die kleineren, in den Tagen dieser gewal⸗ tigen Viehteuerung es auch nicht leicht haben, aber sie müßten sich daran erinnern, daß es auch eine vaterländische Pflicht ist, auf die sonst so gute Gewinne abwerfende hohe Preisspan— nung von früher einmal eine zeitlang zu verzichten, um dem Volke die Lebenshaltung zu erleichtern. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Ersatzreservist Karl Ludwig Henkelmann aus Heuchel— heim, Inf.⸗Regt. 221.— Ersatzreservist Jakob Rinker aus Leun, Inf.⸗Regt. 111. — Wahlverein Gießen. Die am Montag abgehaltene Mit⸗ gliederversammlung hatte gleich der vorhergegangenen einen recht guten Besuch aufzuweisen. Die Aussprache wurde fortgesetzt und sie gestaltete sich recht interessant. Zur Sache sprachen noch die Gen. Beckmann, Krumm, Arnold, Schecker und Neumann. Letzterer sprach sich dahin aus, daß die Fraktion und der Parteivorstand alles getan habe, was im Interesse der Herbeiführung des Friedens getan werden könne. Von Arnold und Schecker wurde befürchtet, daß es unter Umständen zur Spaltung in der Partej kommen könne, was jedenfalls verhüttet werden müsse. Beckmann vertritt den Stand⸗ punkt der„OOpposition“, während Krumm das Verhalten der Frak⸗ tion billigt und sich sogar mit Annexionen einverstanden erklärt.— Genosse Neumann schreibt uns zu dem Bericht über die vorßer⸗ gehende Versammlung: Der Bericht über die Parteiversammlung läßt mich zur Annexionsfrage unter anderem folgendes sagen:„Jedoch könnte man sich eine wirtschaftliche Angliederung denken, z. B. Gewährung freien Handels und Verkehrs in den fraglichen Ländern, Einführung sozialer Gesetze und ähnliches, womit man unter Umständen einver⸗ standen sein könnte. Unter den in Frage kommenden Gebietsteflen befänden sich vielleicht auch solche, deren Bewohner die Annevion durch Deutschland wünschten.“ Zu diesen beiden Sätzen muß ich be⸗ merken: Ich habe gesagt:„Der Begriff Annexion bedarf in un⸗ seren Reihen noch einer Klärung. Einig sind wir darüber, daß jede gewaltsame Annexion abgelehnt werden muß, da sie nach unserer Auffassung nur zu neuen Kriegen führt. Wie aber stellen win uns — sagte ich dann— wenn dle Frage einer wirtschaftlichen Annexion auftauchen sollte? Vielleicht in dem Sinne einer Militärkonvention, Zollunion, Ausdehnung der sozialistischen Gefetze, Einführung des Schulzwanges usw.? Um dadurch den uns jetzt feindlich gegen⸗ über stehenden Staat wirtschaftlich an uns zu fesseln und ihn dem Blindnis der übrigen Staaten entreißen? Diese Frage ist noch nicht geklärt und darüber müssen wir uns noch verständigen.“ Ferner sagte ich:„Wie stellen wir uns der polnischen Frage gegenüber? Die Polen haben vielleicht das Verlangen von Rußland los zu kom⸗ men. Ein selbständiges Polen halte ich für ausgeschlossen. Wie, wenn in diesem Falle die Angliederung an einem anderen Staate erfolgen soll? Wir sehen, die ganze Sache ist nicht mit einfachen Schlagwörtern abgetan, sondern bedarf einer eingehenden sachlichen Behandlung.“ Dies der Sinn meiner Ausführungen. Jedenfalls 0 905 etwas wesentlich anderes, als wie der Bericht mich sagen Vom Grauen des Kriegsschauplatzes. Aus dem Tagebuche eines französischen Soldaten aus Ryssel, der auf dem Schlachtfelde defunden wurde, veröffentlichte ein flämisches Blatt, die Vlaamsche Stem, das Folgende:„... Hier, an dieser Stelle traf Freund Planke die tödliche Kugel. Zehn Tage später liegt er noch an der⸗ selben Stelle.... Ich bin ja selbst verwundet und krieche auf Hän⸗ den und Füßen. Eben befühle ich den armen Freund und nehme ihm sein Taschenbuch ab, das ich später seinen Eltern übermitteln werde, wenn sch am Leben bleibe. Davon bin ich nicht überzeugt. Deshalb schreibe ich in das Büchelchen: Louis van den Berghe, Re⸗ servist beim 127. Infanterieregiment in Valencyn, wohnhaft Mi ra⸗ beaustraat 7, Rijsfel. Ich bam durch den Hals geschossen, habe drei Kugeln im linken Beit, das mich jetzt sehr schmerzt: Fuß ist durch einen Granatsplitter getroffen; ich fühle ihn kaum mehr und er ist sehr dick geschwollen. Das Kriechen auf dem harten Boden fällt mir sehr schwer, denn ich bim schwach und ernähre mich seit vierzehn Tagen von Feldfrüchten und Zwieback aus den Tornistern gefallener Kameraden. In diesen vierzehn Tagen habe ich selbst auf großen Abstand keinen Krankenträger gesehen: wenn sie nicht bald kommen, finden sie mich tot neben meinem Freund Planke. Die Krankenträger müßten ihre Augen weiter auf⸗ machen... Wenn ich sterbe, dann lebe das Vaterland, weg mit den Deutschen! „Ich denke an meine Mutter und meine Frau und suche in den Taschen meines Freundes Planke nach einem Messer, um meinen Stiefel vom Fuß zu schneiden, der mich schrecklich schmerzt. Der arme Kerl hatte auch kein Messer. Täglich ziehe ich seine Uhr auf und mache einen Strich, wenn ein Tag vorbei ist. Meine rechte Hand erlahmt und ich kann kaum noch kriechen, um in den Tornistern nach Brot und in den Feldflaschen nach Flüssigkeiten zu suchen. .. Wenn Gott den Krieg in zwei bis drei Tagen zu Ende gehen läßt, dann werde ich ganz bestimmt noch gerettet... Ich kann nicht mehr kriechen. Hände und Füße gehorchen nicht mehr; sie schmerzen entsetzlich. Wo bleiben die Kramkenträger? Ich lege mich neben Freund Planke hin... Bis morgen...“ Neben seinen Freund wurde der Vermißte später gefunden. — Ein Fräulein Bürgermeister. Der King macht Dinge mög⸗ lich, die man zu anderer Zeit ins Fabelreicuberwiesen hätte. So wurde durch ihn ein zweiundzwanzegjähriges Fräulein stellvertretender Bürgermeister in einem Städtchen im Süden Frank⸗ reichs. Die junge Lehrerin arbeitete zugleich als Sekretärin in der Bürgermeisterei. Da sie auch ein Pflegerinnenattest hat, meldete sie sich bei Ausbruch des Krieges beim Roten Kreuz und wartete nun auf ihre Anstellung. Inzwischen wurden der Bürgermeister ihres Ortes und der Gehilfe zu den Fahnen berufen, die Ver⸗ waltungsgeschäfte stockten, und auf ihre Anfrage bei der Präfektur bedeutete man dem jungen Mädchen, daß sie auf ihren Posten zurück gehen und dort die Berufung als Pflegerin abwarten solle. Sie folgte diesem Rate und rief noch am gleichen Tage die Stadträte zusammen, damit eine Entscheidung über den weiteren Gang der Dinge gefällt werden sollte. Sie hoffte, daß einer von ihnen den Posten des Bürgermeisters übernehmen würde;: aber alle weigerten sich, die Verantwortlichkeit zu tragen. Schließlich bot man ihr den Posten an mit der Begründung:„Nicht einer von uns ist fähig, diese Arbeit fortzuführen, und außerdem haben wir nicht die Zeit dazu.“ Fräulein X. wäre lieber zu den Verwundeten gegangen: aber die Stadtväter erklärten ihr, daß sie sie reklamieren würden, und auf der Präfektur, der sie die Situation klarlegte, meinte der Unterpräfekt:„Mademoiselle. Sie sollten ohne Zweifel bleiben. Bei dem Roten Kreuz werden Sie leicht ersetzt werden, aber in der Kommune sind Sie unersetzlich. Sie können hier so gut Ihren Patriotismus beweisen wie dort. Ich werde Ihre Entlassung bei der Gesellschaft erlangen, und ich bin sicher, daß Sie Ihre Aufgabe außerordentlich gut erfüllen werden. Außerdem, man erweist Ihnen eine große Ehre, indem man Sie mit dieser Aufgabe betraut.“ So wurde die junge Lehrerin und Sekretärin zum stellvertreten⸗ den Bürgermeister, und es wurde ihr keinerlei Arbeit oder Verantwortung abgenommen. Sie sprach bei den Gemeindever— sammlungen und im Wohlfahrtsbureau, sie stellte die Tagesord— nungen zusammen, sie gab den städtischen Arbeitern Aufträge, be— stellte Arbeitsmaterial— nichts wurde von den Stadträten erledigt. Die Gemeinde ist außerordentlich zufrieden mit ihrem stellver— tretenden Bürgermeister, und sowohl die Stadtverordneten wie die Bevölkerung haben sich vollkommen daran gewöhnt, eine Frau an der Spitze des Gemeinwesens zu sehen. Fräulein X. hat durch ihre Arbeit der französischen Frauenbewegung einen großen Dienst er— wiesen. Sie hat den Beweis erbracht, daß Frauen sehr wohl in der Lage sind, verantwortliche Stellen im öffentlichen Leben auszufüllen. — Gerechte Strafe für einen Kartoffelwucherer. Der Guts⸗ besitzer Lehmann in Dittelsdorf bei Zittau i. S. hatte sich vor dem Bautzener Landgericht am Freitag wegen Erpressung zu ver⸗ antworten. Eine unbemittelte Kriegersfrau in Zittau hatte in der Zeit der Kartoffelnot bei ihm mehrere Zentner Kartoffeln bestellt und einen Zentnerpreis von 3,50 Mark vereinbart. Lehmann wartete jedoch mit der Lieferung so lange, bis der Höchstpreis um 1,75 Mark erhöht wurde. Er teilte der Frau dann mit, sie könne die Kartoffeln haben, wenn sie 5,25 Mark pro Zentner bezahle. Die Frau war bereit, die Kartoffeln für den Preis zu nehmen, da sie nirgends billiger zu haben waren. Lehmann ließ aber wieder einige Wochen vergehen, in denen der Preis weiter stieg. Auf Mahnung schrieb er der Frau auf einer zweiten Karte, daß sie die Kartoffeln nur für sieben Mark pro Zentner erhalten könnte, also für das Doppelte des vereinbarten Preises. Unser Zittauer Parteiorgan nahm den menschenfreundlichen Mann unter die Lupe, was die Staatsanwaltschaft veranlaßte, einzuschreiten. Eine Uebertretung der Höchstpreise kam nicht in Frage, da für Mengen unter 20 Zentner kein Höchstpreis bestand. Das Landgericht erblickte aber in der Handlungsweise eine versuchte Erpressung und verurteilte L. zu zwei Wochen Gefängnis. Manchem skrupellosen Profit⸗ jäger müßte ähnlich auf die Finger geklopft werden. An den Pranger mit den Lebensmittel⸗-Verteurern! Eine äußerst scharfe Verfügung gegen den Lebensmittelwucher hat der mein rechter Gouverneur der Festung Köln erlassen. In ihr heißt es:„Die notwendigen Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände haben eine Preisstejigerung erfahren, die von den minderbemittelten Volks⸗ kreisen äußerst schwer empfunden wird. Die Preissteigerung ist zum Teil künstlich herbeigeführt worden. Gewinnslichtige Absicht hat zu unlauteren Machenschaften im geschäftlichen Verkehr sogar mit den für die Volksernährung und Unterhaltung unentbehrlichen Gegen⸗ ständen geführt. Sowohl Produzenten als auch Händler haben die Waren aus dem Verkehr zurückgehalten, um die Nachfrage zu er⸗ höhen und dadurch höhere Preisangebote zu erzielen.... Ich er⸗ warte, daß alle Volkskreise der Gefahr, die dem Vaterlande durch solch unpatriotisches Verhalten droht, entgegenwirken und diejenigen Fälle zur Kenntnis des Gouvernements bringen, in denen notwen⸗ dige, zum Verkauf bestimmte Nahrungsmittel und Gebrauchs⸗Gegen⸗ stände von Produzenten oder Händlern zurückgehalten oder Pre gefordert oder geboten werden, die als unverhältnismäßig hoch be⸗ zeichnet werden mlissen. Dex Anzeigende hat seinen Namen mit Wohnung genau anzugeben. Ergibt sich, daß die bestehenden Straf⸗ gesetze zur Beseitigung der Schäden nicht ausreichen, so werde ich unverzüglich weitere Verordnungen erlassen. Wer durch künstliche Preistreibereien oder durch unangemessene Verdienste im geschäftlichen Verkehr mit Lebensmitteln oder Gehrauchsgegenstän⸗ den die Interessen der Allgemeinheit verletzt, wird öffentlich namhaft gemacht werden.“— Auch in Offenbach ist es durchaus angebracht, die Namen der Preisverteuerer öffentlich bekannt zu geben. Der Konsumenten-Ausschuß wird das in allen ihm zur Kenntnis kommenden Fällen tun. Für heute erwähnen wir nur, daß nach Festsetzung des Milchhöchstpreises auf 26 Pfennig ein Milch⸗ mädchen des Oekonomierats Fritsch, wie uns berichtet wird, 28 Pfg. gefordert und dabei gesagt hat:„Wer nicht 28 Pfennige zahlen will, der soll Wasser trinken.“ — Die Freilichtbühne gab gestern eine Vorstellung für die Schwerverwundeten, die in der chirurgischen Klinik untergebracht sind. Als„Bühne“ hatte man den Garten der Klinik auserwählt und hergerichtet, wohin die Zuschauer zum Teil in ihren Betten gebracht worden waren. So kam ein ziemlich zahlreiches und nebenbei auch sehr dankbares Publikum zusammen, das die Auf— führungen mit sichtlichem Interesse verfolgte. Es fehlte auch nicht an lebhaftem Beifall und man konnte feststellen, daß die Leute für das ihnen Gebotene sehr dankbar waren. Gespielt wurden die drei Einakter„Rosen des Herrn v. Malesherbes“,„Vetter von Bremen“ und„Die Gouvernante“. Mitwirkende waren dieselben als bei den früheren Aufführungen auf der Freilichtbühne und alle gaben sich redlich Mühe und erfüllten ihre Aufgabe vortrefflich. Die Vor⸗ stellung wurde mit einem von Frl. Neumann gesprochenen Prolog eingeleitet. Telegramme. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Radom besetzt.— Die Beute der Kämpfe. Wien, 20. Juli.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart, Juli 1915, mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Zwischen der Weichsel und dem Bug sind gestern die ver⸗ bündeten Armeen in der Verfolgung des weichenden Gegners über das Schlachtfeld der letzten Tage hinausgerückt. Bei den am Erfolg hervorragend beteiligten Truppen des Feldmarschalleutnants Arz wuchs die Zahl der eingebrachten Gefangenen auf 50 Offiziere und 3500 Mann. Auch bei Sokal brachten unsere Truppen über 3000 Gefangene ein. Westlich der Weichsel haben unsere Verbündeten in helden⸗ mütigem Ringen den russischen Widerstand an der Ilzanka ge⸗ brochen. Südlich und westlich von Radom bestanden österreichisch⸗ ungarische Regimenter heftige Kämpfe. Siebenbürgische Infanterie stürmte den Ort Kostrzyn. Radom wurde heute vormittag von unseren Truppen besetzt. In Ostgalizien ist die Lage zwischen der Bukowina und Bessarabien Plastuni⸗Brigade überfallen und zersprengt. Italienische Angriffe auf der ganzen Front abgeschlagen. JItalienischer Kriegsschauplatz. Die Schlacht im Görzischen dauert fort. Die italienischen Angriffe, die sich nun mit großer Heftigkeit auch gegen den Görzer Brückenkopf richteten, hatten am gestrigen Tage und in der Nacht auf den heutigen wieder kein Ergebnis. Nach starker bis Mittag währender Beschießung des Brückenkopses durch die feindliche Artillerie ging die italienische 11. Infanterie⸗Division mit be⸗ trunkenen Truppen zum Angriff gegen den Abschnitt von Podgora vor. Der Feind drang stellenweise in unsere Deckungen ein, wurde aber wieder hinausgeworfen. Nach neuerlicher Artillerievorbe⸗ reitung erfolgte um 4 Uhr nachmittags ein zweiter Angriff, der um 8 Uhr abends gleichfalls abgeschlagen war. Um den Rand des Plateaus von Doberdo wird erbittert weiter⸗ gekämpft. Gestern nachmittag schlug tapfere ungarische Landwehr einen starken Angriff gegen ihre Stellungen bei Sdraussina zurück. Auch drei weitere Massenangriffe der Italiener brachen hier zu⸗ sammen. Ebenso scheiterten gegen den südwestlichen Plateaurand von Polazzo, Redipuglia, Vermegliano herangeführte Vorstöße, so⸗ wie ein Angriff auf den Monte Cosich(nördlich Monsaleone). Der in seine Deckungen zurückflutende Feind erlitt überall schwere Ver luste. a Die Artilleriekämpfe am mittleren Jsonzo, im Krn⸗ gebiet und der Kärntner Grenze hielten an. Im Raume südlich des Krn wurden zwei heftige Angriffe der Alpini abgeschlagen. In den bereits erwähnten heftigen Gefechten in der Kreuzberggegend verloren die Italiener über 200 Mann an Toten und etwa das Doppelte an Verwundeten. Demgegenüber beträgt dort unser Ge⸗ samtverlust 42 Mann. Die Stellung südlich Schluder bach wurde von unseren Truppen wieder zurückgewonnen. Ein neuerlicher Angriff schwächerer italienischer Kräfte auf den Col di Lang mißlang wie alle früheren. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Felsmarschallentnan. „Ein wahrhaft mongolisches System.“ Unter dieser Spitzmarke schreibt der Krakauer Naprzöd Wie wir aus dem Gouvernement Radom erfahren, haben dort die Russen bei ihrem Rückzuge 200 Dörfer aus militärischen Rücksichten völlig niedergebrannt. Ebenso sind auch zahl⸗ reiche Dörfer im Gouvernement Lublin vollständig zerstört worden. Alle Jünglinge und Männer von 15—50 Jahren, aber auch viele Mädchen haben die Russen vor sich hergetriehen und in die Ge⸗ fangenschaft abgeführt, zurückgelassen haben die Russen nur alte Männer, Frauen, Kinder und Trümmerstätten, alles dies nur, damit die vorrückenden deutschen und österreichischen Truppen nichts mehr vorfinden. Die Kämpfe am Dujestr und an der bessarabischen Grenze. Czernowitz, 20. Juli. Die Russen holten zum unteren Dujestr große Verstärkungen herbei und versuchen, unseren Truppen die am linken Dujestrufer gewonnenen Positionen zu entreißen. Alle Bemühungen blieben erfolglos. Die Unsrigen halten die Positionen fest, trotzdem die Russen auch schwere Artillerie herbeigeschafft haben. Heftige Artillerie⸗ kämpfe haben sich entwickelt. An der bessarabischen Grenz⸗ front haben die Russen in den letzten vier Nächten große An⸗ stürme unternommen, die regelmäßig von den Unsrigen ab⸗ gewiesen wurden. An einer Stelle waren die Russen, nach⸗ dem sie die Drahtverhaue durchschnitten hatte, in größeren Abteilungen eingedrungen. Sie wurden gefangen genom⸗ men. Der vorgestrige Nachtangriff dauerte sechs Stunden; unaufhörlich unternahmen die Russen Sturmangriffe. Manche Stellungen versuchten sie achtmal zu stürmen. Alle Be⸗ mühungen waren aber vergebens.(Frankf. Ztg.) Eisenbahnattentate um Warschau. T. U. Krakau, 20. Juli. Aus Petrikau wird gemeldet: Fort⸗ gesetzt wiederholen sich die Anschläge auf Eisenbahnen um Warschau. Nach 8 Uhr abends darf sich in Warschau ohne besondere Erlaubnis niemand mehr auf den Straßen zeigen. Einer besonderen Be⸗ willigung bedürfen auch Reisende, die Warschau nur passieren. Die Räumung Warschaus. T. U. Wien, 20. Juli. Das 8 Uhr-Blatt meldet aus Kopenhagen: Petersburger Zeitungen ist zu entnehmen, daß die für Rechnung des Staates arbeitenden Warschauer Fabrik- betriebe nach Sjedleo und Litowsk verlegt werden. Die russische Goͤuvernementsbehörde in Warschau siedelt teilweise nach Bjela über. Die Finanzverwaltung des Gouvernements befindet sich bereits in Bjela. Das jüngste Gericht über Rußland. Das Kopenhagener Extrabladet schreibt: Durch! das Vorstürmen der gewaltigen deutschen und österreichischen Heeresmassen auf der ganzen Front von der Ostsee bis zur Grenze Rumäniens unter der Leitung der größten deutschen Militärgenies werde allem Anschein nach der Ostfeldzug entschieden. Ein jüngstes Gericht sei über die Ostfront gekommen. Hindenburgs Offensive arbeite schnell und energisch vorwärts gegen Riga. Das set die wichtigste Zwischenstation auf dem Weg nach Petrograd. 20. An der Grenze eine russische unverändert. wurde Zum Austausch deutsch⸗russischer Kriegsinvaliden. T. U. Christiania, 20. Juli. Die Verhandlungen zwischen Deutschland und Rußland wegen der Auswechselung der Kriegs⸗ inwaliden sind nummehr glücklich beendigt. Der Drausport zur See 5 5 Deutschland; es sei notwendig, die ganze Nation einschließlich der 12 aufgegeben und die Bahnstrecke über Karungi gewählt worden. 18 Aus wecdshungsstatten für die Invaliden aus Rußland ist Hopa⸗ „für diejenigen aus Deutschland Trelleborg bestimmt worden Rußland der Befreier der Völker Englische Hilfe für die politischen Gefangenen. 0 Der Labour Leader teilt mit, daß in London sich ein Aus⸗ chuß gebildet habe, um den Zehntausenden von Waffen zu helfen, die die Russen selbst ins Ge⸗ fängnis geworfen haben, und deren einziges Verbrechen darin besteht, daß sie sich der Arbeiterbewegung an⸗ geschlossen haben. Die an und für sich kleinen Nah⸗ rungsrationen, die knapp zur Ernährung der Gefangenen 1 genügte, seien noch weiter eingeschränkt worden, und die meisten der nach Sibirien Verbannten erhielten weder Geld noch Nahrung von der russischen Regierung, sodaß viele von ihnen buchstäblich Hungers sterben. An der Spitze des Aus⸗ schusses steht das englische Parlamentsmitglied Snowden. Der deutsch⸗englische Verwundetenaustausch. g Berlin, 20. Juli.(W. B. Amtlich.) Nachdem kürzlich der zweite deutsch⸗-englische Schwerverwundetenaustausch durch Holland hindurch unter entgegenkommendster Mit⸗ wirkung der niederländischen Regierung und des niederländischen Roten Kreuzes in durchaus befriedigen⸗ der Weise stattgefunden hat, ist diesen beiden Stellen von dem Kaiserlichen Gesandten im Haag der wärmste Dank der deutschen Regierung übermittelt worden. Neue englische Kriegskredite. London, 20. Juli.(Ctr. Frkft.) Reuter meldet: Die e Regierung legte im Unterhause heute eine neue riegkreditforderung von 150 Millionen Lstr. vor. Munition und Frauenstimmrecht. London, 20. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Ein großer Zug Frauen aller Klassen, die bereit sind, für die Munitions⸗ Herstellung zu arbeiten, bewegte sich am Samstag durch die Londons. Eine Abordnung, an der Spitze die Frauenrecht⸗ lerin Pankhurst, wurde von Lloyd e Minister begrüßte die arbeitswilligen Frauen und führte aus: Bis⸗ Her arbeiteten 50 000 Mann in den Mimnitionswerken gegen 500 000 rauen zu organisieren. Die plane, Regierung alle Werkzeug⸗ teigen dunkle Wolken auf, aber ich betrachte sie mit voller Zuversicht. s unbezwingliche Rußland wird den Sturm überwinden, wie es abriken zu übernehmen. Lloyd George hielt darauf eine Aysprache gan die draußen versammelte Menge, in der er sagte: Im Osten manchen Orkan zuvor überwand. Die Gegner werden zerstreut wer- den. Rußland wird sich erneut und furchtbarer erheben und den großen demokratischen Völkern des Westens den großen Sieg für tropas Freiheit erringen helfen. Eine Frau unterbrach den inister mit dem Rufe: Wie stehtes mit dem Wahlrecht? fine dec George fuhr fort: Wir sind um zwölf Monate zurück. Wir ind bemüht, einen Feind zu fangen, der jahrelang seine Vorbereitun⸗ gen traf, aber wir werden es tun. Ich habe keine Zweifel, daß die Nation, die so manchen Despoten in Europa niederwarf, es wieder tun wird. Die Baumwollfrage wird in Amerika immer brennender. und der Ertrag muß abgesetzt werden; einmal, weil die Er⸗ zzeuger der Ware Geld für sie haben müssen, und das andere Mal, besten Abnehmer für amerikanische Baumwolle war bis zum Krieg Deutschland. England weigert sich aber, Baumwolle mach Deutschland transportieren zu lassen. Gewisse Politiker Englands glauben, Deutschland könne vielleicht nicht aus⸗ gehungert werden, müsse aber in diesem Kriege klein bei⸗ geben, wenn es nicht genügend Baumwolle zur Herstellung]“ der Winterkleidung habe. Hier treten nun zwei große In⸗ teressengegensätze zwischen Amerika und England auf. eueste Note, die Amerika an England richtet, berührt auch diese Frage. Infolgedessen sucht man jetzt in England nach einem Ausweg, um nicht mit Amerika in einen Konflikt zu kommen. Die Londoner Daily Expreß verlangt den Ankauf der gesamten Ueberschüsse der amerikanischen Baumwollernte, um dadurch Schritte der amerikanischen Südstaaten gegen die Konterbande⸗Erklärung der Baumwolle durch England zu berhindern. Einen solchen Ankauf werden sich die eng— lischen Kapitalisten jedoch erst zweimal überlegen. Die Baum⸗ ollfrage wird also noch weiter offen bleiben. ne Warnung Amerikas an England. London, 20. Juli.(Priv.⸗Tel., Indir., Ctr. Frlft.) Die Times meldet aus Newyork: An die englische Regierung wurde won den Vereinigten Staaten eine Note abgeschickt, in der gesagt wird, daß, um Mißverständnisse zu vermeiden, die amerikanische Re⸗ gierung, soweit die Interessen ihrer Bürger auf dem Spiele stehen. auf der Aufrechterhaltung der Rechte und Prinzipien des Völkerrechts für den Handel der Neutralen in einem Kriege bestehe, ohne sich auf Beschränkungen durch die englische Gesetz⸗ gebung oder königliche Verfügungen einzulassen. Die amerikanische Regierung werde auch die Urteilssprüche des Prisengerichts nicht anerkennen, die von den völkerrechtlich begründeten Rechten der amerikanischen Bürger abweichen und die sich lediglich nach der britischen Gesetzgebung richten. Die Note wird durch einen hochstehenden Beamten als eine Warnung gekennzeich⸗ net. Die amerikanische Regierung versolge genau die Geringschätzung Englands gegenüber den Rechten der Amerikaner in der Behandlung der Ausfuhr von Baumwolle, Fleisch, Tabak und anderen Artikeln und die Weigerung der englischen Regierung, die Amerikanern ge⸗ hörigen Güter im Werte von verschiedenen Millionen Pfund Ster⸗ Ling, die in Deutschland hergestellt worden sind, über den neutralen Hafen Rotterdam nach den Vereinigten Staaten gehen zu lassen. ö Staatssekretär Lansing hat den Vertretern der Presse eine Erläuterung der Note gegeben und gesagt, sie dürfe nicht mit der all⸗ gemeinen Note identifiziert werden, die binnen kurzem abgeschickt und worin gegen die englische Blockade derskandinavischen Küste protestiert werde. Diese Note werde darauf hinweisen, daß der amerikanische Handel mit Norwegen, Schweden, Dänemark und den Niederlanden durch die Blockade abge⸗ schnitten werde, während die Ostseeküste für den deutschen Handel mit Norwegen und Schweden offen stehe. Da England keine Kriegsschiffe nach der Ostsee schicke, um den Verkehr zu verhindern, geht die Be⸗ schwerde der amerikanischen Regierung dahin, daß ein umfangreicher Handel zwischen Deutschland und Schweden und Norwegen entstanden sei, von dem die Vereinigten Staaten in unrechtmäßiger Weise aus⸗ geschlossen seien. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. aas: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. O., Offenbach a. M. Der Die Ernte ist da weil die Ware verwertet werden muß. Einer der] Die 5 Geher Berdur Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise am 19. Juli 1915. L. Rosenbaum& Jacob am Oswaldsgarten. Frantfurk e,, Slencprele n Gießen Ochsen 50 kg Schlachtgewich 1— 135 Mk.“ ½ kg 120124 Pfg. Kälber 777525 2 110 Pf%„ 100104„ Schweine ½„ 5 138118 ½„ 150—160„ Getreidepreise in Mannheim. Brotpreise in Gießen Weizen 100 kg 29.70 Mk. Höchstpreis Weißbrot 2 kg Pfg. Roggen„ Höchstpreis] Schwarzbrot 2„ 71„ Bekanntmachung Die Ausgabe der Brotmarkenhefte für die Zeit vom 28. Juli bis 8. August d. J. findet Samstag, den 24. Juli 1915, vormittags 8—12 Uhr und nach⸗ mittags 2—6 Uhr statt. Soweit den Anträgen auf Zuweisung einer erhöhten Brok⸗ menge stattgegeben ist, werden auf Verlangen diesbezügliche Brot⸗ markenhefte ausgegeben. Es wird ersucht, die Brotmarkenhefte sofort auf die Vollständig⸗ keit des Inhalts an Abschnitten nachzuprüfen. Reklamationen, die später vorgebracht wßt. en, können nicht berücksichtigt werden. Gießen, den 20. 140 1915. * Oberbürgermeister: 22 Keller. Bekanntmachung. Aus der Stiftung der Daniel Moog Witwe zu Gießen sind am 2. Oktober 1915 die diesjährigen Zinsen im Betrage von 175,.— Mk. in Gaben nicht unter 20,.— Mk. an hiesige bedürftige, unbescholtene im Witwenstande lebende Bürger und Witwen von solchen zu ver⸗ geben. Anmeldungen werden auf dem Städtischen Armenamt, Aster⸗ weg 9, bis 31. Juli l. J. entgegen genommen. Gießen, den 17. Juli 1915. Der Oberbürgermeister: (Armenverwaltung.) gez. Schenck zu Schweinsberg. . Verstorbene. Frau Margaretha Wenzel, geb. Hamel, in Leusel bei Alsfeld, 61 Jahre alt.— Ludwig UI mer, Lehrer a. D in 8 Schell⸗ Fische kleine zun Backen 7 5 Pfund 85 Pfa. 56 große e 5 Pfund 60 Pfa. Kabliau mit Kopf Pfund 38 Pfa. ohne Kopf Pfund 60 Pfg. Frische fal llc Pfund 65 Pfa. Geräucherte Schellische 3 Stück 58 Pfa. Uasechan Bahnhofstrasse 34 Telephon 2077 80 Grösstes, elegantestes und modernstes Lichtspiel-Theater am Platze. 80 Veden Mittwoch u. Samstag N Programmwechsel. — r Tinoxa ist das sicherste und Mittel gegen Mottenzeren Brut. Adl.⸗Drog. Seltersweg 39 Otte Schaaf. 2 ö Asterweg 6 sind am 1. bezw. 15. August zwei Wohunngen zu vermieten. Näh. im Geschäftslokal des 1 vereins, Schanzenstraße 1 Schön möbliertes Jinutt zu vermieten trockene Pfund 55 Pfa.. gewässerte Pfund 45 Pfg. empfehlen Bahnhofstraße 27. und Schafwolle nehmen zu höchsten Preisen an L. 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