Oberhessische Volkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1. 80 Mt. Redaktion und Expedition Giessen, Bahnhofstrasse 2, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Juserate losten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr. für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 165 Gießen, Samstag, den 17. Juli 1915 10. Jahrgang. Die Offensiue im Osten geht weiter! Die Woche vom 5. bis 13. Juli Von Richard Gädke. Während die vorletzte Berichtswoche eine lebhafte kriegerische Bewegung auf allen Fronten zeigte, sodaß man auf einzelnen Schauplätzen selbst an das Hexannahen einer großen Entscheidung glauben konnte, ist in der letztvergangenen Woche die Handlung einem gewissen Stillstande verfallen. Die Tage vom 5. bis 13. Juli waren zwar auch reich an blutigen Gefechten, aber arm an Ereignissen, die einen Schritt weiter auf der Bahn zum voll ständigen Siege auf der einen, zur endgültigen Niederlage auf der andern Seite bedeutet hätten. Wir, die wir von einem bescheidenen Eckchen des Stehparterrs aus allen Wendungen des gewaltigen Dramas, das uns so nahe berührt, mit atemraubender Spannung folgen, können freilich keinen Blick hinter die Kulissen tun und die eigentlichen Beweggründe dieser Ruhepause, den inneren Zusammen— hang der Verwicklungen nicht verfolgen. Erst die späteren Exeignutsse werfen dann ein aufklärendes Licht auch auf das, was gegenwärtig geschieht und zunächst nur zu mehr oder minder glücklichen Ver— mutungen Raum bietet. Ueber den Nordosten, wo schon seit vielen Wochen nichts Aufregendes sich zugetragen hat, können wir mit wenigen Worten hinweggleiten. Die Operationen großen Stils ruhen dort gänzlich: bei den Gefechten, von denen wir erfahren, handelt es sich meist um die Verbesserung der ausgedehnten Verteidigungsstellung im ein— zelnen, die wir rings um die Grenzen Ost- und Westpreußens in einer Entfernung von einem bis zu drei Tagemärschen schittzend ge— ogen haben; hier und da auch um gelegentliche Vorstöße der Russen, ie in dem Feuer unserer Truppen zusammenbrechen. Im Südosten ist die stürmische Offenstve der verbündeten Heere, die am 2. Mai begonnen hat, mit dem 5. Juli zu einem mindestens vorläufigen Abschlusse gekommen. Die hartnäckige russi sche Verteidigung hat sich hiernach im Osten an dem Bug, der Zlota Lipa und dem Nordufer des Dnestr behauptet. Der Stoß der J. österreichischen und der deutschen 2. Armee in nördlicher Richtung ist über die Linie Josesow a. Weichsel— nördlich Krasnik— Krasnostaw a. Wjeprz⸗Krylow a. Bug dauernd nicht hinausge— ommen. Ihre Stellung im sidlichen Polen östlich der Weichsel liegt in einer Eutfernung von 7 bis 70 Kilometer jeuseits der galizischen Grenze. Der Raum, den wir dort auf russischem Gebiete neu ge— wonnen haben, wird etwa dem gleichkommen, den die Heere des Zaren im österreichischen Galizien noch besetzt halten. Ueber die Absichten, die die österreichische Heeresleitung mit diesem Vorgehen in nördlicher Richtung verfolgt hat, gibt ein in den deutschen Zeitungen veröffentlichter halbamtlicher Bericht aus dem Krlegspressequaxtier dahin Aufklärung, daß es sich nicht um einen entscheidenden Angriff in Richtung Lublin gegen die östlich und westlich der Weichsel, im Raume um Warschau und Iwangorod ver— harrenden russischen Heere gehandelt habe, sondern nur um eine Flankensicherung großen Stils. Hierbei seien einzelne österreschische Vortruppen im Eifer der Verfolgung zu weit vorgeglitten und dann unter der Gegenwirkung der Russen wieder zurückgenommen wor— den. Die russische Heeresleitung ihrerseits erzählt von einem sieg— reichen Vordringen ihrer sidlich Lublin versammelten Streitkräfte und von beträchtlichen Einbußen der Oesterreicher an Gefangenen. Jedenfalls aber scheint der russische Gegenstoß am 13. Zuli nördlich Krasnik seine Kraft erschöpft zu haben und wieder in die Ver— teidigung zursckgefallen zu sein. Bemerkenswert an den Kämpfen der letzten Woche ist nicht nur die außerordentliche Zähigkeit des russischen Widerstandes, sondern vor allen Dingen der unge- brochene Mut der obersten Leitung, wo es irgend möglich scheint, ihre Scharen von neuem zu wiltenden Augrissen vorzutresben. Auch die materiellen Kräfte zu diesem Verfahren scheinen immer wieder herangeschafft zu werden, obwohl zu dem Verluste von 520 000 Gefangenen in den verflossenen beiden Monaten bereits eln neuer von rund 34000 Mann in den ersten 5 Julitagen getreten war. Man wird in der Beurteilung der inneren Verfassung eines solchen Heeres sich immerhin eine starke Zurlickhaltung' allen un— günstigen Nachrichten zum Trotz auferlegen zullssen, die uns darüber berichtet werden. Die russischen Gesamtverluste nur an Gefangenen betragen freilich schon rund 1370 000 Köpfe. Eines gewissen Interesses mag die Nachricht nicht entbehren, daß die Militär-Attachees der neutralen Mächte im deutschen Lager um den 9. Jult wieder von dem östlichen zum west lichen Krlegs— schauplatze zurückbefördert wurden. Ein Anzeichen dafihr, daß auf diesem Kriegsschauplatze größere Ereiguisse unmittelbar bevorstehen, dürfen wir freilich darin noch nicht erblicken. Der Militärschrist steller Stegemann vom Berner Bund ist allerdings in einer von den deutschen Zeitungen übernommenen Beurtellung der Krsegslage in Frankreich und Flandern zu dem Schlusse gelangt, daß selch hier neue Wolken ansammeln. Er meint andererseits, daß alle Durchbruchsversuche Joffres in dem Augenblicke unmög⸗ lich werben, wo die Deutschen mit annähernd gleichen Kräften auf treten. Und er glaubt sich berechtigt hinzuzufügen:„Daß in diesem Sinne Verschlebungen deutscherseits stattfinden, ist kein Geheimnis.“ Da ich nicht im Geheimnis bin, verzeichne ich einfach diese Be— hauptung des schweizerischen Militärs. Was in der vergangenen Woche im Westen geschehen ist, beweist nur, daß Generallissimus Joffre sich einstweilen mit dem Raum gewinn nördlich Arras begnügt, den er in sechswöchentlichen verlust— reichen Kämpfen erzlelt hat, und die ursprüngliche Absicht eines Durchbruchs an jener Stelle, also eines entscheidenden Sieges über die Deutschen, infolge deren glücklicher Abwehr zunächst aufgegeben hat. Dafilr aber sind in der vergangenen Woche Überaus lebhafte Versuche der französischen Heerführer bemerlbar geworden, die deutsche Front an den verschledensten Punkten ihrer Ausdehnung durch einzelne Angriffe gegen günstig gelegene Punkte zu bedrohen und durch kleine Erfolge moralische Gewinne für Heer und Volk zu erreichen. So fanden lebhafte Kämpfe besonders bet Combres und les Eparges, im Walde von Ailly und Apremont statt, wo die Verteldigungslinse als scharser Keil an die französische beutsche Front vorspringt, so in den Vogesen bei Ban de Sapt, so bei pern und schließlich nördlich von Arras selbst. Ob diese Angriffe an den verschiedensten Punkten auch die Absicht verfolgen, uns überall in Atem zu halten und den neuen Hauptangriffspunkt zu verschleiern, müssen wir abwarten. Aber wir dürfen zugleich die Tatsache ver zeichnen, daß der französtschen Angriffstätigkeit eine mindestens ebenso entschlossene und unternehmungslustige auf deutscher Seite gegenüber gestanden hat. Große Aenderungen der Lage können da durch natürlich nicht erzielt werden, aber die ungebrochene Angriffs lust des deutschen Fußvolkes und eine bei gleichen Kräften tber legene Kampfeskraft wird durch die Erfolge dieser örtlichen An griffe bewiesen. von übelwollender neutraler Seite in die Welt gesetzte Behauptung, daß die Initiative der Handlung seit Monaten auf französischer Sekte liegt, wird damit am besten widerlegt. Aufsehen erregt die Reise des Unterchefss des italienischen Generalstabs, General Porro, nach Frankreich. Während einige mutmaßen, daß es sich um die Unterstltzung der neu geplanten Joffre-Offensive durch ein starkes nach Frankreich zu entsendendes italtenisches Heer handle, glauben andere eher auf eine Beteiligung an dem Dardanellen-Abenteuer schließen zu wollen. Daß dem Vier verband militärisch eine Unterstüitzung in beiden Richtungen sehr erwünscht sein muß, ist klar: wo er aber die raschere und die größere Entscheidung sucht, ist schwer zu erraten. Daß die Unternehmung gegen die Dardanellen völlig ins Stocken geraten ist, kann nicht mehr bezweifelt werden; ob die Anwesenheit von angeblich zwölf deutschen Unterseebooten in der Aegäls eine nahe Katastrophe in Aussicht stellt, läßt sich von hier nicht übersehen. Die Engländer würden wahrscheinlich ein Auftreten italtenischer Heere an den Dardanellen vorziehen, das Herz der Franzosen könnte eher die entgegengesetzten Wünsche hegen. Einstweilen aber scheinen die Jtaltener selbst noch keine große Neigung zu haben, beträchtliche Truppenmassen aus der Hand zu geben und für Zwecke zu verwenden, die ihnen nicht un— mittelbar zugute kommen. Unzweifelhaft haben sie in dem Kampf gegen Oesterreich auch gegerwärtig ihr Gesamtheer noch nicht ein— gesetzt. Nachdem aber die große Offensive ihrer 3. Armee über den Isonzo hinüber nach sechstägigen Kämpfen am 5. Juli mit einem großen und blutigen Mißerfolge auf der ganzen Front geendet hat, könnten sie in der Abgabe eines ihrer Heere, also etwa des vierten Teils ihrer Streitmacht, immerhin eine Gefahr für ihre eigene Stellung an der Nordostgrenze erblicken, an der sie auch sonst bisher leine Erfolge zu erringen wußten. Es ist freilich verfehlt, von einer entscheidenden Niederlage der Italiener zu sprechen, wie es in der Presse geschehen ist. Eine Niederlage erleidet ein Angreifer erst dann, wenn der Verteidiger zum stegreichen Gegen— stoßse vorgeht und den ursprünglichen Angreifer aus seinen Stellungen zurückwirft. Das ist hier nicht geschehen; die Italiener stehen nach wie vor am Isongo und östlich des Flusses den Oester reichern hart gegenüber und haben vereinzelt bereits auch neue An— grisse angesetzt. Aber zu einem zweiten allgemeinen Sturme auf die starken und gutverteidigten österreichischen Stellungen sind sie augenscheinlich vor Heranziehung größerer Verstärkungen nicht im— stande, Es wäre daher möglich, daß die Entsendung General Porros nur der Besprechung eines gemeinsamen Operatlonsplanes, d. h. einer gleichzeitig und in innerem Zusammenhang miteinander ein— setzenden Offensive aller vier Verbündeten gilt. Eine Sache, die denn freilich auf dem Papier leichter festzusetzen, als auf dem Felde auszuführen ist. In dieser Beziehung besitzt der Zweibund noch immer einen großen, vielleicht den entscheidenden Vorteil. 0 0 Die * Politisches und Militärisches. Unser französischer Korrespondent schreibt uns vom 9. Juli: Die Unzufriedenheit mit dem fvanzösischen Kriegs— minister, über die wir bereits berichtet haben, ist in der Hdammersitzung vom 8. Juli zum Ausbruch gekommen und zwar in einer regelrechten Interpellation. Es ist eine all— gemeine Erscheinung, daß man die leitende Persönlichkeit verantwortlich macht, wenn die kriegerischen Ereignisse nicht den erwarteten Verlauf nehmen. In Frankreich kompliziert sich die Unzufriedenheit mit den militärischen Resultaten mit einer allerdings uneingestandenen politischen Unzu— friedenheit. Die Radikalen finden, daß man sie bei der Aus- wahl der Minister gar zu sehr beiseite läßt. Bei der ersten Rekonstituierung des Ministeriums Viviani im August wur— den drei Radikale ausgeschifft und durch je einen Linksrepu— blikaner, Sozialisten und unabhängigen Sozialisten ersetzt, Außerdem wurde ein Sozialist als Minister ohne Portefeuille ins Ministerium berufen. Als man ein Unterstaatssekre tariat im Kriegsministerium bildete, nahm man wieder einen Sozialisten. Bei den zwei jüngsten Unterstaatssekre— tären nahm man schließlich einen Radikalen, aber gleichzeitig auch einen Linksrepublikaner. Drei Sozialisten, vier unab— hängige Sozialisten, drei Linksrepublikaner, drei unab— hängige Radikale und nur drei Mitglieder der radikalen Partei. Die Radikalen finden also, daß es nicht verwunder— lich sei, wenn nicht alles so klappt, wie es klappen soll. Na- türlich endete die Interpellation mit einem nahezu einstim— migen Vertrauensvotum. Einmal weil Herr Viviani die Vertrauensfrage stellte und man nicht ohne Not eine Mi— nisterkrise hervorrufen will. Zweitens weil Herr Vivian allein für die Regierung sprach und Herr Millevrand, der Sündenbock, sich in den Kulissen hielt. Aber sonderlich über raschen würde es uns nicht, wenn wir eines Tages erfahren sollten, daß die Aerzte Herrn Millerand absolute Ruhe empfeh⸗ len. Herr Viviani hat Herrn Millerand bereits drei Unter⸗ staatssekretäre aufgenötigt, wenn es nicht anders geht, wird er ihm auch einen Kriegsminister aufnötigen. Russische Versicherungs⸗Gesellschasten verweigern die Zahlung. T. U. Petersburg, 15. Jult. In einer Gesamtbexatung der Dixektoren haben sämtliche russische Versicherungsgesellschaften be⸗ schlossen, für den durch die füngsten Moskauer Pogrome verursachten Schaden nlcht aufzukommen. Sie berufen sich auf den Wortlaut der russischen Normalpolice, wonach die Verantwortung bei Aufständen und Revolten erlischt. Von Russen allein wurde bisher ein Schaden durch Raub und Brand in Höhe von 53 Millionen Rubel ange⸗ meldet, von Neutralen weiter 19 Millionen. Der Schaden, den meist Wenigbemittelte und Unversicherte erlitten haben, wird auf ungefähr 200 Millionen geschätzt. Die Baumwollfrage. Der Nieuße Rotterdamsche Courant gibt folgende Mel dung der Morningpost aus Washington wieder: Deutschland wünscht Baumwolle einzuführen, obwohl es genug Vorräte, für den gegenwärtigen Bedarf hat. Seit einiger Zeit werden zwischen der deutschen Regierung und der amerikanischen Regierung Verhandlungen wegen der Einfuhr von Farb- stoffen, die Amerika dringend braucht, geführt. Die deutsche! Regierung verweigert die Ausfuhr, wenn nicht eine ent⸗ sprechende Menge Baumwolle nach Deutschland kommt. Die Vereinigten Staaten weigerten sich, die deutschen Beding⸗ ungen für die Ausfuhr anzunehmen. Amerikanische Fabri⸗ kanten erwägen gegenwärtig die Möglichkeit, Farbstoffe selbst anzufertigen, ohne von Deutschland dafür abhängig zu sein. Sie wollen diese Industrie nicht vorübergehend, sondern dauernd ins Leben rufen. Im englischen Unterhaus hat Lord Robert Cecil auf die, Schwierigkeiten hingewiesen, die sich im Verkehr mit den Neutralen ergeben müßten, wenn Baumwolle als Bannfpare erklärt würde. Es gebe jedoch Grenzen, welche die Gerechtig⸗ keit und das Völkerrecht anwiesen. Daily Chronicle rechnet nun vor, daß Holland die dort im Juni eingeführte Baum- wolle unmöglich selbst verarbeiten könne und knüpft daran folgende Bemerkungen: „Die bedeutendste Schätzung, die uns zu Augen kam, geht dahin, daß Deutschland für seine Geschosse 1000 Tonnen täglich bedarf. Wenn die 30000 Tonnen insgesamt nach Deutschland gesandt worden sind, so ist der Verbrauch für einen Monat gedeckt. Wir wollen in dieser Sache den ge— wöhnlichen Fehler vermeiden, allzuoft zu fordern, daß Baum- wolle als Bannware erklärt wird. In der Theorie ist die Forderung gerechtfertigt, in, der Wirklichkeit aber ungereimt, denn unter Bannware sind lediglich Güter zu verstehen, die sich auf der Fahrt nach einem feindlichen Hafen befinden, und die Frage bietet Schwierigkeiten, sobald es sich darum han— delt, den Verkehr mit neutralen Häfen abzuschneiden.“ Die Drohung der amerikanischen Industrie, ihre Farb- stoffe selbst herzustellen, braucht nicht besonders tragisch ge— nommen zu werden, denn dazu gehört, von allem anderen ab- gesehen, vermutlich längere Zeit, als dieser Krieg voraus sichtlich noch dauern dürfte. Die Weigerung Amerikas, an Deutschland auch nur im Wege des Austausches Baumwolle zu liefern, während man England und Frankreich forkgesetzt mit Waffen und Munition versorgt, ist freilich recht be— zeichnend. Russische Mordpolitik. Aus dem Tatsachenmaterial des Sofioter Attentatsproge fees geht, wie der Vossischen Zeitung berichtet wird, hervor, daß gegen König Ferdinand ein Bombenattentat geplant war, als desson Urheber die serbische Narodna Odbrana erscheint, die einen Prei von 50 000 Fraue, teilwelse aus russischer Quelle, für den Mor auschlag ausgeschrieben hatte. Serafin Marow, der die Bombe auf den Wagen des Königs schleudern sollte, gestand den Attentatsplan vollinhaltlich und sagte aus, daß das Geld von Rußland und Serbien dem Attentäter ausbezahlt werden sollte. Lebhafte Be wegung rief eine Erklärung des Verteidigers von Dr. Genablew hervor, der erklärte, daß Ministerprästdent Radoslawow eln anonymes Schreiben erhalten habe, demzufolge noch nicht alle Attentäter sestgenommen worden und eine Fortsetzung der Ver— brechen zu erwarten set. Kanada stellt Bedingungen. Londoner Geschäftsfreunde teilten, so wird aus deu Haag berichtet, in dortigen Bankkreisen mit, daß die kanadische Regierung an die weitere Stellung von Truppenverstärkungen gewisse Bedingungen kulüpfe, die man in London recht pein- lich empfinden wird. Im Falle, daß Kanada, wie England verlangt, noch weitere 150000 Mann stellt, wird gefordert, daß Kanada eine Unabhängigkeitserklärung vom Mutter- lande erhält. Die künftige Selbständigkeit soll lich auf alle N. * * . 8 — * r 0 politische, und wirtschaftlichen Fragen erstrecken und Kanada eine ganz andere tatkräftigere Stellung schaffen. Schweres Gefecht zwischen Engländer und Deutschen London, 15. Juli. Wie der Times aus Rodesia nachträglich gemeldet wird, haben dort sehr heftige Gefechte zwischen Engländern und Deutschen an der nördlichen Grenze von Rodesia stattgefunden. Am 29. Juni erfolgte ein besonders heftiger Angriff der Deutschen auf die britische Stellung bei Aberkorn. Die deutschen Streitkräfte bestanden aus 70 Weißen und 500 Schwarzen mit drei Maschinen⸗ gewehren. Die Engländer erlitten schwere Verluste. Mitteleuropäische Wirtschaftsvereinigung. Am 23. und 24. ds. Mts. findet in Berlin eine Ver⸗ sammlung von Vertretern der Mitteleuropäischen Wirtschafts⸗ vereine in Deutschland, Oesterreich und Ungarn über die Frage der zollpolitischen Annäherung der beiden Länder statt. Die österreichische Delegation steht unter Führung des früheren Finanzministers Baron Plener, die ungarische unter Führung des früheren Ministerpräsidenten Wekerle. Achtung auf Spione! In einer Amtsblattverfüügung der preußischen Staatsbahnver⸗ waltung heißt es:„Es besteht der begründete Verdacht, daß neuer⸗ dings wieder eine lebhafte Spionage zum Zwecke der Zerstörung von Eisenbahnanlagen, Speichern und Fabriken betrieben wird.“ Unter Hinweis auf die früheren Verfügungen zur Verhinderung der Spionage werden die Beamten und Arbeiter der Staatsbahnen zu ganz besonderer Vorsicht erneut ermahnt. 2 8 Deutsche Offensive im Osten. Der Uebergang über den Dujestr. Ueber eine neue Offensive in der Bukowina am Dyjestr wird dem Lokalanzeiger aus Czernowitz gemeldet: Die am Dienstag eingesetzte Offensivbewegung unserer Truppen im Dujesterraume dauert erfolgreich fort. Die Zurückdrängung der Russen aus dieser Stellung ist deshalb von großer Wich⸗ tigkeit, weil der Dujestrlauf hier im Zickzack geht, das Ge⸗ lände vielfach dem Feinde in den Klüften Deckung bot und schwer zu nehmen war. Seit gestern macht sich eine Rück⸗ zugsbewegung der Russen aus dem Nordosten der Bukowina nach dem Norden Bessarabiens bemerkbar. Uebergang über den Narew. T. U. Kopenhagen, 16. Juli. Rußki Invalid meldet, daß deutsche Truppen den Narew überschritten haben und die Russen auch im Abschnitt Orezy⸗Lydinig zurückgehen mußten. Sperrung der Seefahrt zwischen Schweden und Finnland. T. U. Stockholm, 16. Juli. Die schwedische Seefahrt nach Finnland ist von neuem ernstlich bedroht. Dagens Nyheter berichtet, daß dieser Tage die finnische Küste minierk wurde, und daß im Zusammenhang damit Raumo der einzige größere Hafen, der Schweden mit Finnland verbindet, ge⸗ sperrt wurde. Alle schwedischen Schiffe mußten nach ihrem Hafen zurückkehren, nachdem kein russischer Lotse ihnen ent⸗ gegengekommen war. Schweden auf der Wacht. 5 T. U. Kopenhagen, 16. Juli. Am Mittwoch durchfuhr ein schwedisches Geschwader, das aus drei Panzerkreuzern und vier großen Torpedobooten bestand, den Oeresund in nördlicher Fahrt. Das Erscheinen bedeutender Seestreitkräfte an der Westküste Schwedens wird mit der fast täglichen Ver⸗ letzung der Neutralität Schwedens durch englische Kriegs— schiffe in Verbindung gebracht. Verstärkung derr norwegischen Militär⸗ Leistungs fähigkeit. Kopenhagen, 16. Juli. Norwegen wird wahrscheinlich in aller⸗ nächster Zeit eine wesentliche Verstärkung seiner militärischen Leistungsfähigkeit erhalten. Dem Storthing liegt ein Vorschlag des Militärausschusses vor, die Landwehrpflicht auf 12 statt auf 8 Jahresklassen auszudehnen und die Rekruten von 21 statt von 22 Jahren einzustellen. Ernste Lage in Süd⸗Wales. T. U. London, 16. Juli. Die Kohlenarbeiter in Süd⸗ Wales weigern sich, dem Regierungsbefehl nachzukommen und die Arbeit wieder aufzunehmen. Der Streik unter den Bergarbeitern in Süd⸗Wales ist beinahe allgemein. Verurteilung eines französischen Kriegsgefangenen T. U. München, 16. Juli. Das Kriegsgericht in Bayreuth hat den französischen Kriegsgefangenen Lucien Henriot aus Paris, der bei Ladearbeiten auf einer Haltestelle in die Schmierbüchsen eines nach dem Kriegsschauplatz abgehenden Eisenbahnwagens Sand gestreut hatte, zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Kriegs notizen. Die Tarifänderungen, welche die Große Berliner e u-Gesellschaft plant, gehen dahin, den Zehnpfennigsatz für Strecken bis zu 5 Kilom eter bestehen zu lossen, für Strecken bis zu 7,5 Kilometer 15 Pfennige und für wei⸗ tere Strecken 20 Pfennige zu erheben. Dafür soll der Umsteige⸗ verkehr eingeführt werden. 5 5 Die vom Hamburger Senat beantragten weiteren 10 Mil⸗ lionen Mark für außerordentliche Kriegsausgaben sind be⸗ willigt worden. I Börsengebäude in Leipzig tagte am Mittwoch und Donnerstag eine Konferenz zur Beratung des Winterf ahr⸗ plans 1915/16. Zu der Konferenz hatten die Eisenbahnverwal⸗ tungen Deutschlands, Oesterreich⸗Ungarns, Dänemarks, Luxem⸗ burgs, der Niederlande und der Schweiz, sowie verschiedene Schiff⸗ fahrtsgesellschaften Vertreter entsandt. 5 Im bayerischen Milchland, dem Allgäu, wurde mit der Festsetzung von Höchstpreisen für Milch begonnen. So sind im Amtsbezirk von Markt Oberdorf Milchmarken einge⸗ führt worden. Für Milch, welche gegen diese Marken bei den Produ⸗ zenten und Milchhändlern abgeholt wird, darf nicht über 20 Pfg. pro Liter gefordert werden. Der sächsische Landtag wurde am Donnerstag nach fast vlerwöchentlicher Dauer mit einer Thronrede geschlofsen. In der Schlußsitzung wurde das Gesetz über die Verlängerung der Landtagsmandate um zwei Jahre(bis 1917) einstimmig ange⸗ nommen. Mit dem Schiff„Cordova“ sind in Genua wiederum 1200 Wehrpflichtige aus Amerika eingetroffen. 5 Das Appellationsgericht in Mailand bestätigte das Urteil erster Instanz gegen 14 Justizoffizie re, die wegen Betrugs gegen die Verwaltung angeklagt waren. Sie erhalten durchschnitt⸗ lich ein Jahr Gefängnis und hohe Geldstrafen. Vor dem Kriegsgericht des 13. französischen Armee⸗ korps, das in Clermont-Ferrand zusammentrat, gelangte ein großer Unterschlagungsprozeß zum Abschluß. Die angeklagten Mitglieder und Beamten der Verpflegungskommission des Ortes Puy Guillaume, darunter der Präsident, wurden zu 5 bis 9 Jahren Zuchthaus verurteilt. 5 Nach einer Meldung der Indépendence Belge aus Paris wurde auf das Ehepaar Caillaux am Montag früh bei einer Spazierfahrt in Passy ein Attentat verübt. Mehrere Per⸗ sonen drängten sich an das Automobil heran und hieben so brutal auf das Ehepaar ein, daß die Opfer blutüberströmt zusam⸗ menbrachen. Caillaux und seine Frau wurden in schwerver⸗ letztem Zustande in eine Klinik gebracht. Das englische Kriegsministerium hat den Rekrutierungs⸗ behörden in Birmingham mitgeteilt, die Leute, die wegen unge⸗ nügender Sehkraft, schlechter Zähne, oder sonstiger Körpermängel zurückgewiesen worden seien, zur Nachmusterung aufzufordern. Partei⸗Nachrichten. Die Hamburger Genossen zum Parteizwist. Die Hamburger Parteigenossen beschäftigten sich in den letzten Wochen in vier Delegiertenversammlungen der„Landes- organisation der sozialdemokratischen Partei Hamburgs“ mit den Geschehnissen der Kriegszeit, der Haltung der Reichstagsfraktion zum Krieg und den Maßnahmen der Vorstände der Hamburger Organisation. Parteisekretär Genosse Heinrich Stubbe erstattete den Geschäftsbericht, stellte sich dabei auf den Boden des von der Reichstagsfraktion und dem Parteivorstand eingenommenen Standpunktes und vertrat die Maßnahmen und Beschlüsse der Hamburger Vorstände. Seine Ausführungen wurden in ihrer Gesamtheit und in verschiedenen Einzelfragen unterstützt durch die Genossen Stolten, Große, Weinheber, Becker, Winnig, Krause. Dagegen sprachen die Genossen Heber⸗ lein, Lindau und zweimal in mehr als einstündigen Dar⸗ legungen Dr. Laufenberg. Nach einem Schlußwort Stubbes wurde von der sehr stark besuchten Delegiertenversammlung mit einer Dreiviertelmajorität folgende vom Genossen Winnig vorgeschlagene Resolution angenommen: „Die Landesversammlung der sozialdemokratischen Partei Hamburgs spricht den Vorständen für die umsichtige Vertretung der Parteiinteressen ihre Anerkennung aus. Sie erwartet, daß diese auch weiter bemüht sein werden, die Interessen der arbeitenden Klasse entschieden zu vertreten, vor allem bei der Bekämpfung des Lebensmittelwuchers und auf dem Gebiet der sozialen Kriegsfürsorge. Dagegen sieht sich die Landesversammlung genötigt, jener Gruppe von Genossen, die seit Kriegsausbruch die Haltung und die Maßnahmen der Partei herabsetzt und planmäßig und mit nicht immer einwandfreien Mitteln zu durchkreuzen sucht, den ernsthaftesten Tadel auszusprechen. Die Zeiten sind ernst und die Aufgaben der Arbeiterklasse in Gegenwart und Zu⸗ kunft zu groß, als daß die Partei dieser Zerstörung ihrer Geschlossenheit noch länger zusehen könnte. Die Landesversammlung erwartet daher von allen Ge⸗ nossen, daß sie diesen unheilvollen Treibereien rück⸗ sichtslos entgegentreten.“ Die Tagung der Delegiertenversammlung hat damit noch nicht Dunne ihr Ende erreicht. In einer oder vielleicht gar mehreren Fort⸗ setzungen wird si nun noch mit der— in den bisherigen Ver⸗ ammfungen ot auch schon ausgiebig besprochenen— Haltung des Hamdurger Echo und der sozialdemokratischen Fraktion der. Hamburger Bürgerschaft zu befassen haben. a Eine Parte funktion 5 8 2. weimarischen ine arteifunktionäre des 2. w 0 Waßlkrerses seisenach⸗Dermbach beschäftigte sich am Sonntag unter anderem auch mit den inneren Parteistreitigkeiten. Na 19 1 5 Vortrag des Genossen Leber wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der erklärt wird, daß die Haltung der Mehrheit der Fraktion nicht mit den Ansichten der Genossen des Kreises über⸗ einstimmt. Das Vorgehen der Minderheit wurde als ein Fest⸗ halten an den alten Parteigrundsätzen bezeichnet. Als ein pflichtgemäße Mahnung an diese Grundsätze wurde der Aufruf „Das Gebot der Stunde“ betrachtet. Die Konferenz erkannte ferner dem Genossen Haase auch als Vorsitzenden das Recht zu, seine Meinung frei und öffentlich zu äußern und erwartet, daß Haase auf seinem Posten beharren möge. en v Das französische Echo der deutschen on. f Unser 11 Korrespondent schreibt u. D. v. 11. Jult: Mit wachsendem Interesse wird in der sozialistischen Partet Frankreichs die Diskussion in der deutschen Sozialdemokratie ver⸗ folgt. Das ist um so begreiflicher, als sich die soziglistische Partei Frankreichs gegenwärtig selber in einer Krise oder richtiger in einer Diskussion über die Haltung der Partei befindet. Durch den be⸗ sonderen Mitarbeiter der Humanits ist man so ziemlich allgemein in der französischen Presse davon überzeugt, daß es in Deutschland zwei Arten Sozialisten gibt: Impersalistische, die für Eroberungen schwärmen, oder mindestens für„wirtschaftliche Angliederungen“, die sich mit dem Militarismus ausgesöhnt haben und an Stelle der internationalen eine nationalistische Politik setzen und internationale Sozialisten, die gegen jede Form von Eroberungen sind, an dem Zufammenarbeiten mit der Inter⸗ nationale festhalten. Je nachdem wie man den französischen Sozialisten glauben machen wird, daß die eine oder die andere Richtung die Oberhand behält, werden sie zu einem internationalen Zufammenarbeiten geneigt sein. Es fällt uns nicht ein, gegen die ebenso oberflächliche als falsche Unterscheidung der deutschen Sozial⸗ demokraten zu polemisieren. Von Kolb, Heine und anderen Ge⸗ nossen sind zweifellos Aeußerungen gefallen, die cen aufgestutzt sind und, als Auslassungen der„maßgebenden Führer“ hingestellt. den Eindruck erwecken müssen, als sei die deutsche Sozialdemokratie in das Lager der Nationalliberalen abgeschwenkt. Es wäre jedoch töricht, sich darllber aufzuregen. Lügen haben kurze Beine. In dieser Zeit des Völkermordes muß jede Polemik mörderisch wirken. Tue jeder seine sozialdemokratische Pflicht, das Resultat wird nicht ausbleiben. a 4 Der Todestag von Jaures. 5 Die sozialistische Fraktion der Deputiertenkammer hat be⸗ schloffen, den ersten Jahrestag des Todes von Jaurès am 31. Juli durch eine Wallfahrt nach dem von Jaures bewohnt gewesenen Hause in Passy, sowie durch Abhaltung einer großen Versammlung zu begehen, in der Auszlige aus den Reden von Jaures verlesen werden sollen. Arbeiterbewegung. Der Lederarbeiter⸗Verband im Jahre 1914. f Der Lederarbeiterverband, der die in der Handschuhindustrie, in der Loh⸗ und Chromgerberei, sowie in der Weißgerberei und Lederfärberei beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen umfaßt, zählte mit Beginn des Berichtsjahres 16 481 Mitglieder, 14 390 männliche und 2085 weibliche. Mit Abschluß der ersten Jahres⸗ hälfte, also unmittelbar vor Kriegsbeginn, waren noch 16 249 Mit⸗ glieder vorhanden. Der Kriegsausbruch wirkte jedoch auch auf die Mitgliederbewegung dieses Verbandes unglünstig ein, obwohl für die Arbeiter in der Lohgerberei eine außerordentlich günstige Konjunk⸗ tur einsetzte. Am Fahresschluß hatte der Verband unter Einrech⸗ nung der im Heere stehenden 4176 Mitglieder nur noch 15377 Mit⸗ glieder, somit einen Verlust von 1104 Mitgliedern, wovon auf die zweite Jahreshälfte allein 872 Mitglieder als Verlust entfallen. Durch Arbeitslosigkeit seiner Mitglieder wurde der Verband in der zweiten Jahreshälfte in ungewöhnlichem Maße in Mitleiden⸗ schaft gezogen. Während sich die Arbeitslosenziffer des ersten Halb⸗ jahrs 1914 nicht erheblich über den Durchschnitt der des Vorjahres bewegte, wurden für das zweite Halbjahr 1914 bereits 56,1 Prozent Arbeitslose gemeldet. Die Zahl der Arbeitslosen⸗ und Unter⸗ stützungstage hat sich im Jahre 1914 gegenüber dem Vorjahre abso⸗ lut vervserfacht. Dieser Umschwung kommt natürlich auch im Kassen⸗ bericht zum Ausdruck. Die Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung sind von 62 865 Mark im Jahre 1913 auf 178 731 Mark im Jahre 1914 gestiegen, obwohl die Unterstützungssätze mit Kriegsausbruch wesentlich reduziert wurden. Lohnbewegungen, die sich nur auf den Zeitraum der ersten 7 Monate erstreckten, fanden insgesamt 31 statt, von denen 3 mit und 28 ohne Arbeitseinstellung beendet wurden. Die Streiks waren Angriffsstreiks. Abwehrstreiks und Aussperrungen fanden im Be⸗ richtsjahre nicht statt. An den Streiks waren 190 Personen, an den Lohnbewegungen ohne Arbeitseinstellung 2534 Personen beteiligt. Von den 31 Lohnbewegungen verliefen 10 für die Arbeiter erfolg⸗ reich und 21 teilweise erfolgreich. Erreicht wurde für 1872 Personen eine Lohnerhöhung um 3297 Mark und eine Arbeitszeitverkürzung für 492 Personen um 670 Stunden wöchentlich. Außerdem wurde für 5 Personen eine Lohnherabsetzung um 190 Mark wöchentlich ab⸗ gewehrt. 0 arr.---ñ—ĩ)ͤLæ,:22 Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 2⁵ Heute kehrte Diethelm freiwillig auf der Kalten Herberge ein. Es war ihm hier nicht mehr wie in einem verzauberten Hause zumut; alles hatte einen freundlichen Anschein, und das behäbige und wohlgemute Wesen des Wirtes sprach es deutlich aus, daß man nach einer solchen Tat wieder frisch aufleben kann. Diethelm suchte sich immer mehr einzureden, daß der böse Leumund die Wahrheit verkünde und dieser Wirt ein Brandstifter sei. So saß Diethelm in sich gekehrt und mit glänzenden Augen umschauend, als ein alter Be— kannter, der Reppenberger, eintrat und seinen Glücksstern pries, der ihm einen Weg erspare, den er eben zu Diethelm machen wollte. Er berichtete, wie er endlich einen willigen Käufer gefunden, der den gesamten Wollvorrat zu einem Preise übernehme, bei dem für Diethelm noch ein mäßiger Gewinn sich ergab. Reppenberger hatte ein so lebendiges Mundstück und wußte es durch Weinzufuhr immer neu zu beleben, daß er gar nicht merkte, wie zerstreut und stotternd Diethelm stets antwortete, wenn er nicht lautlos dahinstarrte, als hätte er gar nichts gehört. Denn Diethelm war es in der Tat, als treibe der Teufel sein Spiel mit ihm. Kaum gibt er ihm die Kerzen in die Hand und erregt in ihm die er— findungsreichen Gedanken: da kommt die Versuchung und will alles zum leeren Possenspiel und zunichte machen. Ist darum alles Bedenken und innere Zagen überwunden, damit alles ein eitles Spiel um nichts sei? Das Herz, das einmal den festen Willen zur bösen Tat gefaßt, sieht leicht diese schon im sich vollbracht an, und wie mit dämonischer Gewalt wird es immer wieder dazu gedrängt, und alle Ablenkungen er⸗ scheinen nicht als das, was sie sind, sondern als Hindernisse, die übersprungen und besiegt werden müssen. Denn das ist das unergründliche Dunkel, daß das innere Sinnen, sei es gut oder böse, alle Vorkommnisse wie eine leibliche Speise verwandelt und sich gleichmacht. Was vor kurzem noch in Kämpfen und Bedenken als freier Entschluß sich darstellte, verkehrt sich in unabänderliche Notwendigkeit, und wie in einen Zauberkreis gebannt, aus dem nichts mehr zu wecken vermag, erfüllt sich das Geschick. Darum mutete diese sonst frohe Kunde Diethelm jetzt mit Betrübnis an, und er knirschte innerlich vor Zorn, wie ihm die Rechtfertigung vor sich genommen war, da sonst kein anderer Ausweg blieb. Wie zum Hohn öffnete ihm jetzt die schlechte Welt einen Ausweg, den er doch nicht mehr einschlagen konnte. Einen großen Schick wollte er machen, und was soll jetzt ein kleiner Gewinn? Der spielte ihm die Möglichkeit einer völligen Rettung aus der Hand und über⸗ ließ ihn fort und fort den tausend kleinen Plackereien, deren Ende gar nicht abzusehen war. Darum muß geschehen, was beschlossen ist... Als erriete er Diethelms Gedanken, sagte der Reppen⸗ berger jetzt:„Guck einmal den Wirt an. Sitzt er nicht da so unschuldig und fromm wie der heilige Feierabend, und doch weiß er, was er getan hat, und hat sein Haus ange⸗ zündet und beim Brandlöschen sich einen nassen Finger ge⸗ macht und alles abgewischt, was angekreidet gewesen ist. Jetzt hat er ein neues Haus und bar Geld statt Schulden.“ „Wer weiß, wie es ihm zumut ist,“ sagte Diethelm, sich mit der Hand hin und her durch das Halstuch streifend, als wollten die Worte nicht heraus. Der Reppenberger lachte laut und sagte:„Hab' schon gehört, daß du fromm geworden seist, aber glaub' mir, wenn alle Leute, die was Ungrades getan haben, krumm gingen, da könnte sich ein Aufrechter ums Geld fehen lassen.“ „Ich will nichts mehr davon hören,“ sagte Diethelm, streng verweisend und sprach nun von dem Verkauf, zu dem er sich willfährig zeigte. Er wußte nicht recht, warum er das tat, aber so viel war ihm klar, er mußte scheinbar darauf eingehen, um nicht Verdacht auf sich zu lenken. Auf diese Rücksicht wollte er fortan alle Klugheit verwenden, und er war im Innern stolz darauf, wie weit er es bereits in der Verstellungskunst gebracht hatte. Diethelm nahm den Reppenberger mit nach Buchenberg, und da der abgehauste Mann keinen Mantel hatte, gab er ihm eine Pferdedecke, in die sich derselbe behaglich wickelte. Diethelm aber fröstelte es bei dem Gedanken, daß auch er einst wie dieser einer ge. liehenen Pferdedecke sich freuen könne, und wie er Peitsche und Leitseil in die Hand nahm, sprach es in ihm:„Darum muß geholfen werden, solange ich das noch festhalte.“ 1 Der Repepnberger entschlief bald, aber Diethelm wurde von mühsamen Gedanken wachgehalten. Zum Scheine ver⸗ kaufen und vor den Leuten sich höchlich darob freuen, aber vor der Ablieferung noch alles in die Luft sprengen und mit der hohen Versicherungssumme sich wieder frisch flott machen — das war die Bestimmung, die endlich so fest stand, als wäre sie gar nicht die Geburt seines eigenen Entschlusses; und so ruhig war er dabei, daß er die Peitsche neben sich steckte und die des Weges gewohnten Pferde laufen ließ und in Schlaf versank wie ein Kind nach dem Nachtgebet. In Untertailfingen vor dem Wirtshaus hielten die Pferde an. und Diethelm erwachte; taumelnd schaute er auf und mußte sich besinnen, wo er war, und im ersten Augenblick erschien die weißverhüllte Gestalt neben ihm wie ein Gespenst. Im Dorfe schlief alles, und niemand bemerkte das Anhalten eines Juhrwerkes, nur Reppenberger erwachte, als Diethelm mit einem plötzlichen Ruck in gestrecktem Trabe davonfuhr. Gortsetzung folgt.* f — arisverträge wurden 21 für 64 Betriebe mit 2243 Beteiligten ate Am Jahresschluß bestanden mit den in den Vorfahren abgeschlossenen und noch geltenden Tarifverträgen 126 Verträge für 300 Betriebe mit 9548 Personen, wovon 1048 Personen dem Leder⸗ arbeiterverband angehören. Es stehen somit 51.7 Prozent aller Ver⸗ bandsmitglieder mit Jahresschluß 1914 unter Vertragsverhältuls. Die Ausgaben überstiegen die Einnahmen, um 50 016 Mark. Die Reineinnahmen betrugen 413 890 Mark, die Reingusgaben dagegen 463006 Mark. Die Einnahmen, verminderten sich infolge des Krieges um 71087 Mark: die Ausgaben vermehrten sich hingegen um 68 752 Mark gegenüber dem Vorjahre. Diese Mehrausgabe ent⸗ fällt vollständig auf die Arbeltslosenunterstützung. 2 An Erwerbslosenunterstützung wurde in 15 229 Fällen für 255 053 erwerbslose Tage die Summe von 256 612 Mark ausgezahlt. Die Unterstützungsausgaben des Verbandes betrugen insgesamt für alle Unterstützungen 315 544 Mark: auf den Kopf des Mitgliedes be⸗ rechnet wurden hierfür 22,56 Mark gegen 15,12 Mark des Vorjahres verausgabt. a Der Vermögensbestand des Verbandes ist von 233 071 Mark am Jahresbeginn auf 183 055 Mark am Jahresschluß 1914 zurück⸗ gegangen. 5 Von den bis Jahresschluß zum Heere berufenen 4170 Mit⸗ gliedern sind bis Ostern 1915 bereits 180 als im Felde gefallen ge⸗ meldet. Telegramme. Uagköberict des Großen Haupttuurtirrz. Vergebliche Gegenangriffe in den Argonnen. Siegreiche Kämpfe in Nordpolen. W. B. Großes Hauptquartier, 16. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Am 14. Juli ist bei einem der Angriffe in der Gegend bon Souch ez ein Grabenstück südlich des Kirchhofs verloren gegangen. Wiederholte Versuche der Franzosen, uns die in den Argonnen erstürmten Stellungen zu entreißen, schlugen sehl. Die Stellungen sind fest in unserer Hand. Die gestern und vorgestern hart westlich der Argonnen geführten starken französischen Angriffe scheiterten gegenüber der tapferen Verteidigung durch norddeutsche Landwehr, die dem Feinde in erbitterten Nahkämpfen große blutige Verluste zufügten und 462 Gefangene abnahmen. Seit dem 20. Juni haben unsere Truppen in den Ar⸗ gonnen und westlich davon mit kurzen Unterbrechungen gekämpft. Neben dem Geländegewinn und der Materialbeute ist bisher die Gesamtzahl von 116 Offizieren, 7009 Mann an französischen Gefangenen erreicht worden. 5 Auf unserer an die Argonnen östlich anschließen⸗ Front fanden lebhafte Feuerkämpfe statt. Feindliche An⸗ griffe wurden mühelos abgewehrt. In der Gegend von Laintrey(östlich von Lune⸗ ville) spielten sich Vorpostengefechte ab. Auf feindliche Truppen in Geradmer warfen unsere Flieger Bomben. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nördlich von Popeljany haben unsere Truppen die Windau in östlicher Richtung überschritten. Südwestlich von Koln und südlich von Praszuysz machten wir unter siegreichen Kämpfen weitere Fortschritte. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage bei den deutschen Truppen ist unverändert. Oberste Heeresleitung. Französische Verluste bei Arras. Berlin, 16. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Im allgemeinen ist es nur schwer möglich, die Verluste des Gegners in einer größeren Schlacht einigermaßen richtig anzugeben. Da die fran gösüsche Regierung es ängstlich vermeidet, ihre Verluste der Republik selbst bekannt zu geben, ist es von be⸗ sonderem Interesse, diese wenigstens schätzungsweise festzustellen. Nach der Schlacht bei Arras ist von deutscher Seite ein Versuch dieser Art gemacht worden. Dabei wurden unter anderen auch Aussagen von französischen Gefangenen verwertet, deren Truppenwerbände an den Kämpfen beteiligt waren. Wie wir der Gazette des Ardennes entnehmen, ist der Gesamtverlust der Franzosen an Toten, Verwundeten und Gefangenen in der Schlacht bei Arxas nach dieser auf allen erreichbaren Unterlagen beruhenden, gewissen⸗ haften Feststellung folgendermaßen zu schätzen: 3 Armeekorps 15 000 Mann, 9. Armeekorps 5000 Mann, 10. Armeekorps 10 000 Mann, 17. Armeekorps 4300 Mann, 20. Armeekorps 10 300 Mann, 21. Ar⸗ meekorps 8000 Mann, 33. Armeekorps 11000 Mann, 48. Division 6000 Mann, 53. Diviston 4000 Mann, 55. Diviston 3500 Mann, zu⸗ sammen 78300 Mann. Vergleicht man diese Zahlen, die zweifel⸗ los ziemlich genau der Wirklichkeit entsprechen, mit dem Ergebnis. welches die Kämpfe bei Arras für unsere Gegner hatten, so kann man es durchaus begreiflich finden, daß die französische Regierung 1 5 Volke die Größe der von ihm gebrachten Opfer zu verbergen sucht. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Die Kämpfe am Dujestr. Wien, 16. Juli.(W. T. B.) Amtlich wird 16. Juli 1915 1 0 ö g Russischer Kriegsschauplaß. Die Kämpfe am Dufestr dauern an. Die Versuche der Russen, unsere auf das Nordufer des Flusses vorgedrungenen Truppen durch heftige Gegenangrisse zu werfen, blieben ohne jeden Erfolg. Wir machten zwölf Offiziere und 1300 Mann zu Gefangenen und erbeuteten drei Maschinengewehre. Bei der Erzwingung des Dujestr⸗Ueberganges und in den darauf folgenden Gesechten fand das Kärntner Jufanterie⸗Regiment Nr. 7 wieder Gelegenheit, besondere Proben seines Heldenmutes abzulegen. In der Gegend von Sokal kam es gleichfalls auf beiden Seiten zu regerer Gesechtstätigkeit. unsere Truppen nahmen stür mender Hand mehrere Stützpunkte, so das Bernhardiner-Kloster unmittel⸗ bar bei Sokal. An den anderen Fronten blieb die Lage unverändert. Abweisung italienischer Angriffe. Italienischer Kriegsschauplatz. Gestern war sowohl an der klüstenländischen, als auch an der Kärntner Grenze eine rege Tätigkeit der feindlichen Artillerie wahr⸗ zunehmen. n der Dolomitenfront wurden mehrere italienische Bataillone, die unsere Stellungen bei Nufreddo und im Gemärl an der Straße Schluderbach—Peutelstein angriffen, unter bedeuten den Verlusten abgewiesen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. ven böfer, Jelbmarschallentnant. verlautbart: Italienische Schlappen. Aus dem K. K. Kriegspressequartier wird gemeldet: Im Isonzogebiet holten sich die Italiener auch in den letzten 24 Stunden nur Schlappen. Sie hatten starke Verluste, ohne auch nur an einem einzigen Punkte Raum zu gewinnen. Die Kriegslage in Galizien. Aus Wien wird der Frankf. Ztg. gemeldet: Teile der Armee Pflanzer-Baltin hatten durch einen vorgestern nacht mit heftigem Artilleriefeuer auf die das nördliche Ufer des unteren Dujestr besetzt haltenden Russen eingeleiteten Angriff in den Mittagsstunden des folgenden Tages sich an dieser Stelle den Uebergang über den Fluß erzwungen, dem Gegner große Verluste beigebracht und ihn zum Rsickzuge genötigt. Nun dauern die Kämpfe dort auch weiter an. Unsere auf das Nordufer des Dujestr vorgedrungenen Truppen hielten mehreren heftigen Gegenangriffen des Feindes, der sie gestern um jeden Preis wieder auf das Stüdufer zurücktreiben wollte, tapfer stand. Alle Anstrengungen der Russen blieben nicht nur erfolglos, sondern unseren Truppen gelang es noch, hier 12 Offiziere und 1300 Mann gefangen zu nehmen sowie drei Maschinen⸗ gewehre zu erbeuten. Bei der Erzwingung des Dufestrüberganges und in den darauffolgenden Gefechten zeichnete sich wieder das Kärntner Infanterie-Regiment Nr. 7 aus. In der Gegend von Sokal, das etwa 10 Kilometer nördlich von Krystynopol liegt, kam es gestern auf beiden Seiten zu lebhafter Tätigkeit. Mehrere Stützpunkte wurden hier von unseren Truppen erstür mt. Auch das stark befestigte Benediktinerkloster in der Nähe von Sokal wurde exobert. Sonst ist die Lage unverändert, und an den anderen Fronten dauert die Kampfpause noch an. Zur Lage im Westen. Französische und norwegische Stimmen. Oberstleutnant Rousset schreibt im Petit Parisien über die militärische Lage. Die deutschen Angriffe auf der West⸗ front seien besonders an zwei Stellen heftig, nämlich an der Höhe von Notre dam de Lorette und in der Umgebung von Verdun. Diese Tatsache sei beachtenswert, bei Notre dam versuche der Feind mit allen Mitteln die Stellungen wieder zu nehmen, die ihm die französische Offensive entrissen habe. Es sei ihm auch gelungen, denn er habe den Friedhof von Souchez und einige benachbarte Schützengräben eingenommen. Dieser Erfolg sei zwar bedauerlich, aber erschüttere die fran; zösische Hauptstellung keineswegs. Immerhin enthalte er eine Warnung, die man nicht unbeachtet lassen dürfe. Die verschiedenen Angriffe um Verdun entsprechen sicherlich einer bestimmten Absicht und einem bestimmten Plane, und wür⸗ den sich sicherlich wiederholen. Es scheine, als wollten die Deutschen den Ring um Verdun so eng schließen, daß sie die Stadt unter ein wohlgenährtes Artilleriefeuer nehmen können. Rousset erklärt, eine solche Genugtuung werde den Deutschen zweifellos nicht beschieden sein. Die Festung sei gut bewacht und beschützt und es lägen keine Anzeichen vor, daß die Deutschen jetzt stark genug geworden seien, das Hin⸗ dernis zu überrennen, das ihnen seit so langer Zeit Wider⸗ stand leistet. Das Morgenbladet in Kristiania bezeichnet in seiner Uebersicht über die Kriegslage den Vorstoß der Armee des Kronprinzen als einen wichtigen Sieg, durch den das Ziel, die Umschließung Verduns, nähergerückt sei. Noch seien dazu einige Kilometer auf der Linie Vienne— Varennes, also auf der nur acht Kilometer langen Straße, gewonnen, die nach St. Menehould und Clermont führe, wo— durch Verdun bald vollkommen isoliert sein werde, da die Bahnlinie Verdun—Toul bekanntlich bei Saint Mihiel seit langem von den Deutschen abgeschnitten sei und dem Vor— marsch auf Paris nichts mehr im Wege stehe. Deshalb sei es nicht so verwunderlich, daß der Kronprinz einen Dank— gottesdienst für die gewonnenen Kilometer abhalten ließ, die einen beträchtlichen Bruchteil der Entfernung bilden, die ihn noch vom Ziel trenne. Die Times über den russischen Feldzug. Der militärische Mitarbeiter der Times schreibt über den rus⸗ sischen Feldzug: Der neuerliche Aufenthalt in dem Vorrücken des Feindes wird allen denjenigen verständlich sein, die mit dem Geschäft der Vorwärtsbewegung und der Versorgung moderner Armeen bekannt sind. Mit Ausnahme der Armee Böhm⸗Ermolli, die östlich von der Region von Krakau kam, hatten alle deutsch⸗öster⸗ reichischen Heere, die jetzt in Galizien stehen, die Karpathen und den Dujestr zu überschreiten. und wir müssen annehmen, daß sie bei ihrem Vorrlicken alle Eisenbahnen und Brücken zerstört und die Wege mit Hindernissen belegt fanden. Die Wiederherstellung des Schadens muß Zeit in Anspruch genommen haben, und da die Feinde schwere Verluste während der fortdauernden Gefechte hatten und eine außerordentliche Verausgabung von Munition stattfand, so können wir wohl glauben, daß der Feind sich entschloß, sein weiteres Vorrücken aufzuschieben, bis alle Armeen richtig aufgestellt, ihre Mängel wieder gutgemacht und ihre rückwärtigen Verbindungen ge⸗ sichert sind. Ohne Zweifel sind die Anforderungen, die an die Truppen gestellt worden waren, sehr groß gewesen und deshalb mußte das Verlangen nach einem Aufenthalt vorhanden sein. Im ganzen genommen liegt die Wahrscheinlichkeit vor, daß die Offen ⸗ sive gegen den Osten weiter fortgesetzt werden und daß die Tarnopol—Brody⸗Linje, die am besten von den galizischen Eisen⸗ bahnen bedient wird, das nächste Ziel des Feindes sein wird. Vor⸗ läufig liegen jedoch keine Anzeichen dafür vor, daß diese Offensive beschlossen worden ist. Die sozialistische Partei Frank⸗ reichs für den Krieg. Nach einer Havas-Meldung nahm die fran⸗ zösische sozialistische Partei zum Schluß ihres Kongresses einstimmig eine Resolution an, die das unerschütterliche Vertrauen in die Sache der Verbündeten und des republikanischen Frankreichs ausspricht. Ein dauerhafter Friede könne nur auf der Grundlage des Nationalitäten⸗Prinzips geschlossen werden. Wichtiger jedoch sei das Verschwinden des brutalsten Imperialismus. Die sozialistische Partei erklärt neuerdings die Bereitwilligkeit ohne Vorbehalt aim Werke der nationalen Ver⸗ teidigung und den Vefreiung Belgiens und der Wiederherstellun des Rechtes für Elsaß⸗Loth⸗ ringen mitzuwirren, und ist entschlossen, die Regierung bei der Behebung der Unzuläng⸗ lichkeit der produktiven industriellen Rräste zu unterstützen. Der Kongreß billigte sämliche Aktionen der Parteileitungen und gab ihe Vollmacht, im gleichen Geiste weiterzuwirken. In der Resolution wird auch das Auftreten Lieb⸗ knechts und Haases begrüßt als ein„Erwachen der Ge⸗ wissen in Deutschland“. An den Verhandlungen nahmen auch die sozialistischen Minister, ebenso Van derwelde und— Herr Georg Weill, ehemaliger„deutscher“ sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter für Metz, teil. Die Dardanellenopfer. Athen, 16. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Aus Mytilene wird gemeldet: Die Engländer und Franzosen schieben täglich 800 Verwundete von den Darda⸗ nellen nach Marseille und Alexandria ab. Genf, 16. Juli. Die portugiesische Regier ung beabsichtigt, England vorzuschlagen, daß die bei der Dardanellenexpedition Verwundeten in n giesischen Lazaretten verpflegt werden sollen. Die Vorbereitungen zur Aufnahme der Verwundeten sollen be⸗ reits getroffen sein. 7 Pogrome in Petersburg. Stockholm, 16. Juli. Auch in Petersburg haben sich, wie in, Moskau, Unruhen und Pogrome ereignet, die besonders gegen die Fabriken auf der Wiborger Seite gerichtet waren. Die Gummi⸗ fabrik von Schlegel ist völlig zerstört. Die Petersburger Filiale der französischen Gummifabrik Prowadnik wurde ausgeraubt, die Eisen⸗ bahnfabrik von Igel wurde ausgeraubt und in Brand gesteckt, die Tochter des russischen Untertanen Krenschmar wurde verbrannt. Windau in Flammen? T. U. Stockholm, 16. Juli. Von Gotland aus wird hier⸗ her telephonisch gemeldet, daß Donnerstag Nacht an der Ost⸗ küste in Richtung Ostsüdost ein starker Feuerschein gesehen wurde. Zuerst vermutete man einen Schiffsbrand. Später fuhr das schwedische Torpedoboot„Sigurd“ aus und m hörte aus Richtung Ostsüdost eine lebhafte Kanonade, die 12 Stunden dauerte. Der Feuerschein wurde immer heller. „Sigurd“ kehrte zurück und die Besatzung erzählte, daß d über 16 Meilen südwestlich gelegene Windau brenne. Dies Nachricht erfuhr das Torpedoboot durch ein drahtloses gramm. Wer dieses abgesandt hatte, ist unbekannt. Amerikas neue Note. Der Frankfurter Zeitung wird aus Newyork tele graphiert: Präsident Wilson arbeitet die neue Note aus, in der er endgültig den amerikanischen Standpunkt präzifiert. Er legt dar, daß Amerika über den Schutz der Amerikane auf See nicht verhandeln könne, und deutet an, daß die bi herigen Vorfälle ohne Folgen bleiben werden, sofern Deutschlands submarine Praxis nicht weitere amerikanische Opfer fordere. Damit schließt Amerika die Korrespondenz. Die Blätter erklären, Deutschland verstehe nicht aus⸗ reichend Amerikas Standpunkt. Alle Vertreter sind der Auf- fassung, ein Krieg sei unmöglich, es sei denn, Deutsch⸗ 1 land brüskiere Amerika durch Wort oder Tat. Die Baum⸗ wollstaaten verlangen, England solle das bisherige 8 nationale Recht anerkennen. So erklärt das angesehendste südliche Organ, die Atlanta Constitution, Englands Verhin⸗ derung des Baumwollexports müsse vor der„Lusitania“⸗ Frage erledigt werden. Zur Versenkung der„Nebraska“. T. U. Amsterdam, 16. Juli. Reuter berichtet aus Washington: Die deutsche Regierung teilte der amerikanischen Regierung mit. daß der amerikanische Dampfer„Nebraska“ infolge eines Versehens am 25. Mai von einem deutschen Unterseeboot angegriffen 5 sei. Die deutsche Regierung erklärt die Torpedierung für einen unglücklichen Zufall und bietet Schadenersatz an. Der Bergarbeiterstreik in Südwales. Der Daily Chronicle meldet aus Pontypridd: Die Ein⸗ berufung einer neuen Konferenz durch den ausführ Ausschuß des Bergarbeiterverbandes von Südwales ist die einzige gute Nachricht. Sie läßt aber die allgemeine Lage in einem schlechteren Zustande, als sie gestern war. Es ist kein Grund vorhanden, anzunehmen, daß sie heute etwas anderes beschließen werde als am Montag. Die Arbeiter er⸗ hielten die Anweisung, heute nicht zur Arbeit zu gehen. Die Lage ist kläglich. Es besteht kein Zweifel, daß die Arbeiter ⸗ führer hoffnungslos und uneinig sind. Der Ausschuß selbst ist uneinig. T. U. Amsterdam, 16. Juli. Nieuwe Rotterdamsche Con. rant meldet aus London: Die meisten Kohlengruben in Süd. Wales haben ihre Arbeit eingestellt. Die englische Kontrolle der griechischen Schiffahrt. Athen, 16. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Die Bes lästigung des griechischen Handels durch die Engländer dauert fort. Die griechischen Schiffe werden beschlagnahmt, verschleppt und unter⸗ sucht, trotz der von Lord Crewe abgegebenen Versicherung. Die Presse behauptet, die griechische Regierung bereite eine neue energische Protestnote vor. Die Arbeitslosigkeit in Italien. Mailand, 16. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Der Avanti schreibt über die zunehmende Arbeitslosigkeit in Italien: Längs der Küste der Adria und auf manchen Inseln ist jeder Schiffsverkehr und Handel un; terbrochen. Das bedeutet für viele Tausende Arbeits- losigkeit. Aber auch alle polygraphischen Industrien, Schrei⸗ ner, das Baugewerbe, die Bekleidungsindustrie, Fabriken von Luxuswaren und überhaupt alle, die nicht für Kriegs- bedarf arbeiten, die großen und kleinen Kaufleute leiden an Arbeitsmangel. Dadurch wird das Heer der Arbeitslosen um Abertausende größer zu einer Zeit, wo in den Betrieben für Kriegsbedarf die Arbeitskraft und Arbeitsgeit des Men ⸗ —— eee N 7 5 0 1 5 5 1 1. 1.* N hen ler- enden Agenenne Ortgtrankentae bieten“essen Pes Bonntag, den 18. Jun, nachmittags 3 Uhr, bei K. Schreier, l Giessener Kinderwagen 7 eee Die Beiträge zur Kranken, und Ivvaliden. Preilicht-Zünne Kinderstühle M— V Il versicherung für Monat Mai 1915 können noch bis 12 0 v: — II 5 55— N 5 itglieder 110 era lung. zum 29. 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