angebot unsererseits zurückweisen, oder wenn sie sich Organ für die Interessen des werktätigen Volles der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberhessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraßßse 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Inserate kosten die b mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 160 Gießen, Montag, den 12. Juli 1915 10. Jahrgang. Der Weg zum Frieden. Von Eduard David.“ „Es gibt wohl keinen, der nicht im Innern mit tiefer und 1 5 Sehnsucht an die Stunde denkt, in der einst die Waffen sich enken und die Friedensfahnen im Winde wehen werden.“ So schrieb kürzlich die Kreuzzeitung. Das ist nichts anderes, als was von sozialdemokratischer Seite immer und immer wieder gesagt worden ist über die Grundstimmung in unserem, wie in allen am Kriege beteiligten Völkern. Wo aber der Wunsch nach dem Ende des furchtbaren Gemetzels lebt, da erhebt sich auch die Frage: Was können wir tun, um unser Wünschen in Wirklichkeit zu verwandeln? Die Sozialdemokratie hat in ihrer Erklärung am 4. August vorigen Jahres die Forderung erhoben, daß dem Kriege ein Ende gemacht werde,„sobald das Ziel der Sicherung erreicht und die Gegner zum Frieden geneigt sind.“ Es liegt auf der Hand, daß die beiden Voraussetzungen, die hier für den Tag der Friedensforder⸗ ung ausgesprochen werden, innerlich untrennbar z u⸗ sammengehören. Es ist unmöglich, einseitig von uns aus zu sagen, das Ziel der Sicherung ist nun erreicht. Mag die militärische Lage noch so günstig sein. mag man noch so fest davon überzeugt sein, daß unsere Heere eine unüberwindbare Schutzwehr bilden gegen alle Einbruchsversuche der Gegner in unser eigenes Land, so wäre es doch durchaus verkehrt, daraus den Schluß zu ziehen, daß nunmehr die Gefahr für unsere nationale Sicherheit beseitigt sei. Solange nicht auch die feindlichen Mächte zu dieser Ueber⸗ zeugung von der Unüberwindlichkeit unserer Wehrmacht und der Unerreichbarkeit ihrer Zerschmetterungs⸗ und Eroberungspläne ge⸗ kommen sind, ist das Ziel der Sicherung nicht erreicht. Solange die Gegner auf ihren Sieg hoffen, werden die Gegner ein Friedens- wirklich auf Verhandlungen einließen, doch keinesfalls zu Friebdensbedingungen geneigt sein, die wir mit Ehren und gutem Gewissen unserem Lande gegenüber annehmen könnten. Es ist nun einmal so, daß micht der Sieger, sondern der Besiegte um Frieden zu bitten pflegt. Mit dem Ersuchen um Frieden bekundet die Partei, von der es aus geht, daß sie sich als die unterlegene fühlt. So wird es von der Gegenseite aufgefaßt und ausgenutzt. Kann darum der Sieger nicht, ohne seine eigene Position zu schädigen, um Friedensverhandlungen nachsuchen, so kann er doch etwas anderes tun. Gerade weil er sich als der Stäkere fühlt, braucht er aus seiner Bereitschaft keinen Hehl zu machen, in Friedensverhandlungen einzutreten, sofern die Gegen partei solche wünscht. In diesem und keinem anderen Sinne ist auch die Kundgebung des Parteivorstandes gemeint ge⸗ wesen, die so mißverständliche Auffassungen und erregte Erwider— ungen in gegnerischen Blättern ausgelöst hat. Es ist ganz selbst⸗ verständlich, daß die sozialdemokratische Partei Deutschland nicht die Rolle des besiegten, um Frieden bittenden Landes zumutet. Wenn im Ausland, namentlich in den führenden französischen Blättern unserer Friedensbereitschaft eine solche Deutung gegeben wird, so ist das eine arge Verkennung unserer Auffassungen und Absichten. Leider war das Echo, das alle früheren aus unseren Reihen kommenden Friedensanregungen auslösten, auf den gleichen Ton ge⸗ stimmt. Nicht nur, daß die leitenden Staatsmänner der feindlichen Mächte und ihre Preßorgane darin nur Zeichen der inneren Schwäche Deutschlands erblickten und sie demgemäß ausschlachteten. Auch die führenden Vertreter und Blätter der sozialdemokratischen Parteien haben, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in das näm⸗ liche Horn gestoßen. Statt auf ihre Regierungen, in denen ihre eigenen Parteigenossen sitzen, in verständigem Sinne einzuwirken, haben die Sozialisten der Westmächte immer wieder ihre Ent- schlossenheit bekundet, Seite an Seite mit ihren Regierungen den Krieg fortzufsühren bis zur Niederwerfung Deutschlands und der Verwirklichung gewisser gegen das Reich und seine Verbündeten gerichteten Eroberungspläne. Erst in den letzten Tagen mußten wir wieder eine Reihe solcher Aeußerungen verzeichnen. Die gewichtigste war die Antwort, die der belgische sozialistische Minister Vandervelde einem Ver- treter der deutschen Minderheit gab, der in dem holländischen Parteiblatt Het Volk den Appell an ihn gerichtet hatte, sich doch zu einer gemeinsamen Aussprache mit deutschen Sozialisten über die Frage des Friedens bereitzufinden. Vandervelde erklärte in der Humanité vom 22. Juni: „Solange noch ein deutscher Soldat auf dem Boden des ver⸗ gewaltigten Belgiens und des überfallenen Frankreichs verbleibt, werden wir die Ohren verstopfen, wenn man uns von gemein⸗ samer Friedensaktion reden will.“ Also erst müssen die deutschen Heere aus Belgien und Frank— reich herausgeworfen sein, oder sie müssen das eroberte Gebiet frei⸗ willig und im Vertrauen auf die Großmut der feindlichen Mächte geräumt haben, bevor der Vorsitzende der sozialistischen Inter- nationale sich herbeilassen will, mit den deutschen Parteigenossen über die Frage der Friedensförderung zu beratschlagen. Und dem stimmt das führende französische Parteiblatt zu, indem es erkläxt, Vandervelde befände sich mit dieser brüsken Abweisung„in voller Uebereinstimmung mit den französischen Sozialisten und der Humanitée“. Von einer Geneigtheit zum Frieden ist also da noch keine Spur zu finden Auch das erneute Bekenntnis Vanderveldes zu den Eroberungsplänen der Koalition bezeugt das. Er sagt in jenem selben Artikel: „Italien hat interveniert. Die Balkanvölker werden viel⸗ leicht morgen intervenjeren. Durch die Tat unserer Angreifer erhebt sich nun die Frage der Nationalität von den Vogesen bis zu den Dardanellen. Unter diesen Verhältnissen ist die Rückkehr zum status quo ante bellum(Zustände vor dem Kriege) un⸗ möglich. Die Frage, was aus Polen, aus Elsaß⸗Lothringen und Der Abbruck des Artikels wurde durch die Zensurverhältnisse verzögert, obwaltenden m Weltkrieg. auch aus den rumänischen, serbischen, italienischen, bulgarischen und griechischen Völkern werden wird, ist nicht mehr zu um— gehen.“ Dieses„großzügige“ Eroberungsprogramm vergißt seltsamer— weise, die Befreiung der zahlreichen unter dem moskowitischen Joch seufzenden Nationen zu erwähnen. Dagegen hat es die uns Deutschen am nächsten berührende„Befreiung“ des zu vier Fünftel nationaldeutschen Elsaß⸗Lothringen nicht vergessen. Auch der so⸗ zialistische Abgeordnete Renaudel vergißt sie nicht, in seiner Antwort auf Haases„Gebot der Stunde“, über dessen„mutige Sprache“ er sich natürlich freut. Nachdem er uns Deutschen die be- ruhigende Versicherung gegeben hat, daß unter den französischen Soztalisten bisher noch niemand von der Möglichkeit einer Annek⸗ tion deutscher Gebiete gesprochen habe, fügt er freundlich hinzu: „Die Rückkehr der mit Gewalt weggenommenen Provinzen zu for⸗ dern, heißt nicht von Annektion sprechen.“ Darnach steht fest, daß der Krieg nach den Absichten der feind— lichen Mächte immer noch den Charakter eines gegen uns gerichteten Eroberungskrieges hat. Die Hoffnung, das Deutsche Reich und seine Verbündeten niederwerfen zu können, lebt ungebrochen fort in den Köpfen der Staatsmänner des feindlichen Auslandes, einschließlich der einflußreichsten sozialistischen Politiker. Gibt es angesichts dieser bedauerlichen Tatsache keinen Weg für die deutsche Sozialdemokratie, den Frieden dennoch zu fördern? Jawohl, es gibt einen solchen Weg! Wir müssen eben dahin wirken, daß auch jene zweite Voraussetzung der Friedensmöglichkeit geschaffen wird, d. h. wir müssen dafür sorgen, daß die Ge gner zum Frieden geneigt werden. Mit bloßen Erklärungen der Friedensbereitschaft deutscherseits ist das nicht möglich. Die Erfahrung hat es genugsam gelehrt. Was bleiben also für andere Mittel, jenem Ziel näher zu kommen? Ich sehr nur zwei: Einmal müissen wir alles daran setzen, die militäri s che Lage noch mehr zu unseren Gunsten zu gestalten. Jeder Sieg der deutschen Waffen im Osten oder im Westen, zu Wasser oder zu Lande, fördert die Friedensneigung unserer Gegner. Denn er schwächt ihre Kraft und damit ihre Sieges- und Erober⸗ ungshoffnungen. Unsere braven Parteigenossen, die draußen in treuer Kameradschaft mit unserer gesamten Wehrmacht Ueber⸗ menschliches an Ausdauer und Tapferkeit leisten, fördern damit den Frieden. Sie in ihrem Kampfesmut, in ihrer Kraft des Aus⸗ harrens stärken, heißt den Tag des ersehnten Friedens beschleunigen. Zum zweiten gilt es, die Widerstandskraft der Be— völkerung in der Heimat aufrecht zu erhalten, alles zu tun, was den festen Zusammenhalt des deutschen Volkes in diesem furchtbaren Ringen um seine nationale Existenz und Ent⸗ wicklungsfreiheit fördert. Unsere Gegner sind begierig auf jedes Zeichen der Schwäche und Uneinigkeit innerhalb der deutschen Volksgemeinschaft Sie frohlocken über alles, was ste in diesem Sinne auslegen können. Das ist nur zu natürlich. Stärkt es doch ihre Lieblingshoffnung, daß, je blänger der Krieg dauere, umso weniger das deutsche Volk imstande sein werde, der ungeheuren Ueberzahl seiner Feinde zu widerstehen. Aus diesem Grunde sind auch die Quertreibereien der Opposition in den Reihen der deutschen Sozialdemokratie vom feindlichen Auslande begrüßt worden. Auch das Manifest der Gen. Haase, Bernstein und Kautsk* wurde nur unter diesem Gesichtspunkt gewertet. Sie tragen des⸗ halb nicht zur Förderung des Friedens bei, sie bewirken das Gegen— teil: sie verlängern den Krieg! Wollen wir darum, daß der ersehnte Tag des Friedens bald herannahe, so müssen wir alles daran setzen, daß auch unsere Gegner sich von der Unüberwinbbarkeit unserer Wehrmacht und der Unerschütterlichkeit unserer inneren Einheit überzeugen. Je schneller wir ihnen die Einsicht beibringen, daß es mit all ihren Zerschmetterungs- und Eroberungsplänen nichts ist, je deutlicher wir ihnen zeigen, daß alle ihre Hoffnungen auf innere Uneinigkeit und Schwächung eitel sind. umso eher werden wir sie zum Frieden geneigt machen. Das ist der einzige Weg zu baldigen, guten und sicheren Frieden! 8 0 Schierstädt und Strachwitz. Vergeltungsmaßregel gegen Frankreich. Berlin, 9. Julis.(W B. Nichtamtlich.) Zeitung schreibt in ihrer Morgenausgabe vom Samstag:„Vergel⸗ suchte drei Wochen lang, ihre Truppe wieder zu erreichen. Während dieser Zeit requirierte sie für ihren Lebensunterhalt die unumgäng⸗ lich notwendigen Gegenstände, und zwar, soweit angängig, gegen Barzahlung. Als sie am Ende ihrer Kraft war, beschloß sie, sich zu ergehen. Da Leutnant v. Schierstädt am Bein verwundet war, nahm die Patrouille bei einem Bauern Pferd und Wagen und stellte sich bei der nächsten französischen Truppe. Auf Grund dieses Vorfalles wurden die Mitglieder der Patrouille wegen Plünderung in be⸗ waffneter Bande verurteilt und Leutnant von Schierstädt zu fünf Jahren Zwangsarbeit, die übrigen zu fünf Jahren Zuchthaus und außerdem alle zu Degradation verurteilt. Als die erste Nachricht von dem ungeheuer li chen Rich⸗ tkersyruch hier eintraf, verlangte die deut che Regierung sofort Aufklärung des Vorfalles durch die französische Regierung und behielt sich für den Fall einer unbefriedigenden Antwort weitere Maßnahmen vor. Aus dem ihr darauf zugegangenen Urteil des französischen Kriegsgerichts war indes ebensowenig wie aus den von der französischen Regierung dazu gemachten Bemerkungen irgendwie ersichtlich, welchen Tatbestand das Gericht seinem Urteil einem feindlichen Unterseeboote im Adriatischen Meere aus. zu Grunde legte, noch wie sich die dadurch gegen die Verurteilun deutscherseits erhobenen Einwendungen widerlegen lassen. Di. deutsche Regierung vermochte daher in dem Urteil irgend eine recht⸗ liche Grundlage für die darin ausgesprochenen Strafen nicht zu er⸗ kennen, sondern mußte in den völlig ungenügenden französischen Mit⸗ teilungen nur die Bestätigung ihrer eigenen, auf Aeußerungen der beiden Offiziere beruhenden Auffassung über die Sach⸗ und Rechts⸗ lage erblicken: nämlich daß das Verhalten der Patrouille in jeder Beziehung den Kriegsgebräuchen entsprach. Die unausgesetzten Bemühungen der deutschen Regierung, das ungerechte Urteil außer Kraft zu setzen, haben leider nicht zum Ziele geführt. Der einzige Erfolg aller Verhandlungen war, daß Leutnant v. Schierstädt aus La Rochelle, wo er mit anderen zum Abtransport nach Guyana bestimmten Sträflingen unter⸗ gebracht war, zu den übrigen Mitgliedern der Patrouille in das Zuchthaus in Riom kam, und daß schließlich beide Offiziere und die vier Leute gemeinsam aus dem Zuchthaus in das Mi li⸗ tärgefängnis in Avignon übergeführt wurden. Nach großen Schwierigkeiten durfte ein Mitglied der Vertretung einer neutralen Macht die Gefangenen in Arignon besuchen. Dieses stellte fest, daß die Offiziere und Mannschaften zwar für sich getrennt von den französischen Sträflingen in der Anstalt untergebracht waren, daß sie sich aber mit diesen auf demselben Hofe bewegen müssen und in gleicher Weise wie sie behandelt und verpflegt werden. Leutnant v. Schierstädt ist infolge der unverdienten schmachvollen Behandlung einer schweren geistigen Erkrankung verfallen und neuerdings in eine Heilanstalt übergeführt worden, in welcher er schon früher vorübergehend untergebracht war. Gleichwohl blieben alle Bemühungen, ihn wegen Dienstuntauglichkeit frei zu be⸗ kommen, bisher erfolglos. Die deutsche Regierung glaubt es nicht länger hinnehmen zu können, daß tapfere deutsche Offiziere und Soldaten, die ihre mili⸗ tärischen Pflichten treu erfüllten, deswegen nicht nach dem Völker⸗ recht wie ehrliche Kriegsgefangene, sondern gegen das Völkerrecht wie Verbrecher behandelt werden. Ste ließ daher an die französische Regierung die Forderung stellen, daß die Mitglieder der Patrouille unverzüglich in ein Krie gsgefangenenlager übergeführt, und daß sie dort wie unbestrafte Kriegsgefangene ihres Ranges mit solchen gemeinsam untergebracht und behandelt werden. Da diese Forderung nicht erfüllt worden ist, wurden nunmehr auf Anorduung der deutschen Heeresverwaltung sechs kriegsgefangene französische Offiziere in das Militärgefängnis nach Spandau über⸗ geführt, wo sie genau in derselben Weise wie die Mitglieder der Patrouille Schierstädt untergebracht und behandelt werden. Etwaige Verschärfungen in der Lage der deutschen Gefangenen würden auch den sechs französischen Offizieren gegenüber zur Anwendung kommen. * Italien mißbraucht die griechische Flagge Athen, 10. Juli. Der Mißbrauch der griechischen Flagge seitens der italienischen Kriegsflotte, die die griechischen Ge⸗ wässer ausspionieren, bringt die Stimmung hier noch mehr gegen Italien. Ebenso gruß ist die Erregung über die italienische Presse, die täglich Griechenland rät, Griechisch⸗ Mazedonien an Bulgarien abzutreten, damit der Balkanblock zustande käme. Diese Haltung der italienischen Presse trägt nicht dazu bei, das Vorgehen Italiens sympathisch zu machen. Als Antwort erinnert die griechische Presse an den Dodekanes, welches Italien immer noch widerrechtlich in Besitz hält. 5000 Lire für die Entdeckung der Unterseebootbasis in der Adria. FT. U. Bellinzona. 10. Juli. Die Lega navale Nazionale setzt eine Prämie von 5000 Lire für die Entdeckung der Flottenbasis der Der englische Dampfer„Dido“ torpediert und versenkt. T. U. Rotterdam, 10. Juli. Der 4769 Tonnen große, der englischen Wilson-Linie gehö ige Dampfer„Dido“ ist, wie das Reutersche Bureau aus Hull meldet, in der Nähe von Nordschottland torpediert worden und gesunken. Die Besatzung wurde gerettet. Dem Dampfer war es in der ver⸗ gangenen Woche gelungen, einem deutschen Unterseeboot zu entrinnen, obwohl er durch Kanonenschüsse beschädigt wor⸗ den war. Wegen Feigheit vor dem Feinde erschossen. D. Kopenhagen, 10. Juli.(Privattelegramm.) Eine Privak⸗ ureldung aus Riga besagt, daß dort am 16. Juni(russischen Datums) 8 Offiziere, darunter ein Major und drei Unteroffiziere, in kriegs⸗ gerichtlicher Sitzung, die noch nicht 2 Stunden dauerte, zum Tode durch Erschießen verurteilt wurden. Das Urteil ist sofort vollstreckt worden. Die Offiziere und Unteroffiziere waren der Feigheit vor. dem Feinde beschuldigt und anscheinend ihres Vergehens überführt worden. 4 „Albatros“ ist wieder flott zu machen. f T. U. Stockholm, 10. Juli.(Privattelegramm.) Nach den letzten Meldungen über die Bergungsarbeiten des „Albatros“ scheint es möglich, das Minenschiff wieder flott zu machen. Bevorstender Ausbruch des Vesuv. T. U. London, 10. Juli.(Privattelegramm.) Daily News melden in einem Telegramm aus Rom, daß man ständig den Aus⸗ bruch des Vesuvs fürchte Der Krater werfe starke Lavamassen aus, 2 deglektei oon unterirdischem Douner. Der Bevölkerung der benach⸗ barten Orte bemächtigte sich eine Panik. Kriegsnotizen. Bei dem am letzten Montag vormittag in den Räumen der Allgemeinen Elektrizitäts⸗Gesellschaft in der Koloniestraße in Berlin vorgekommenen Unfall ist, wie jetzt bekannt wird, niemand umgekommen. 14 Personen, drei männliche und elf weibliche, die schwer verletzt waren, wurden nach Kranken⸗ häusern übergeführt. 30 Personen, die leicht verletzt wurden, konnten sich nach ihren Wohnungen begeben. In dem Betrieb sind keine Störungen eingetreten. 5 Das Gouvernement Mainz teilt mit, daß die beiden aus Essenheim am 8. Juli geflüchteten ru ssischen Gefangenen bereits wieder aufgegriffen worden sind. Der Bundesrat in Bern hob die Militärgerichtsbar⸗ keit mit Ausnahme der spezifischen Militärdelikte für Ange⸗ stellte aller Verkehrsanstalten auf, welche dem mili⸗ tärischen Betriebe unterstellt sind. Die luxemburgische Regierung erhielt die Zusage der Lieferung von 500 000 Ltr. rumänischen Petroleums, dessen Einfuhr indes infolge Mangels an Transportmitteln er⸗ schwert ist. Frankreich hat die Ausfuhr von 500 Wagen Oe[kuchen nach der Schweiz bewilligt. Das ist, da die Schweiz jährlich 4000 Wagen braucht und Oelkuchen in Marseille seit Monaten zu⸗ rückgehalten werden, außerordentlich wenig. In einer Pulverfabrik in Hounslow bei London er⸗ eigneten sich nach 9 Uhr früh zwei heftige Explosionen, denen einige weniger heftige folgten. Eine riesige Rauchwolke war viele Kilometer weit sichtbar. Der Umfang des entstandenen Schadens ist noch unbekannt. Havas meldet: Die marokkanischen Blätter veröffentlichen Nachrichten aus Larrasch, wonach auf den General Sylve st ere ein Attentat verübt wurde, als er die Stellungen beim Haref⸗ flusse besichtigte. Fünf Banditen, die sich verborgen hielten, schossen auf den General und sein Gefolge. Einer der Banditen wurde durch einen Offizier getötet. Partei⸗Nachrichten. Bernstein und Kautsky über ihren Aufruf. Die Genossen Bernstein und Kautsky, die im Unterschiede von Haase im Parteiausschuß nicht Sitz und Stimme haben, übersandten dieser Körperschaft, die in der vergangenen Woche tagte, die nach⸗ folgende Erläuterung zu dem in der Leipziger Volkszeitung mit ihren und Haases Unterschriften veröffentlichten Artikel: „Wir erklären, daß dieser Artikel das Ergebnis eines Mei⸗ nungsaustausches ist, der lediglich zwischen den beiden Unter⸗ zeichneten und dem Genossen Haase stattgefunden hat. Um es be⸗ stimmter zu sagen, daß kein weiterer Personenkreis irgendwelcher Art dahinter steht, auf ihn Einfluß oder auch nur von ihm vor der Abfassung Kenntnis gehabt hat. Im Angesicht der Kundgebungen, die in dem Artikel selbst zusammen⸗ gestellt sind und anderer, uns bekannt gewordener Tatsachen, hielten wir es für unsere Pflicht, in aller Oeffentlichkeit den Genossen die Anschauungen vorzulegen, über die wir bei unserm Meinungsaus⸗ tausch volle Uebereinstimmung untereinander sestgestellt hatten. Den von einigen Seiten erhobenen Vorwurf, daß wir damit eine Sonderaktion vollzogen hätten, die eine Störung der Einheit der Partei bedeute, müssen wir als grundirrig zurückweisen. Unser Artikel wandte sich gegen keine von der Partei be⸗ reits beschlossene Aktion. Was er im Auge hat, ist eine Frage, vor die unsere Partei sich in nächster Zukunft gestellt sehen wird. Eine freie Aussprache über bevor stehende Entscheidun⸗ gen kann aber unmöglich als Gefährdung der Parteieinheit betrach⸗ tet werden. Sie ist im Gegenteil als im demokratischen Charakter unserer Partei liegend stets für notwendig erachtet worden. Sie wollte gerade die Genossen, die bisher auseinandergingen, wieder zusammenführen. Zur Sache selbst bemerken wir in Kürze folgendes. Die ent⸗ schiedene Zurückweisung aller Annexionsbestrebungen in unserer Presse, in Kundgebungen des Parteivorstandes und der Fraktion, so wichtig sie ist, genügt für sich allein nach unserer Ueberzeugung nicht. Es wird vielmehr für die Zukunft der Partei sehr viel davon abhängen, wie sich die Fraktion weiterhin gegenüber den Anschau⸗ ungen der gegnerischen Parteien und der Regierung verhalten wird. Darüber eine sachliche Erörterung und Klärung herbeizuführen und damit die Einheit der Partei zu fördern, ist der Zweck unserer Publikation. Wir müßten es aufs tiefste bedauern, wenn durch die formale Seite eine fruchtbringende Erörterung des Inhalts unserer Publikation zurückgedrängt und auf diese Weise die sachliche Eini⸗ gung erschwert würde.“ Einmütig gegen Parteizerrüttung. Die Ausschußvertreter der Bezirksvereine des 16. sächsischen Reichstagswahlkreises(Chemnitz) haben zu den gegenwärtigen Parteistreitigkeiten nach lebhafter Diskussion gegen 2 Stimmen eine Entschließung angenommen, in der es heißt:„Der Parteiausschuß. bestehend aus den Vertretern der 32 Bezirksvereine, ist mit der Hal⸗ tung der Parteileitung und der Reichstagsfraktion bezüglich der Kreditbewilligung und der Friedensfrage völlig ein verstan⸗ den. Ein dauernder Friede soll sobald als nur irgend möglich an⸗ —.— k———————— gestrebt werden. Aber es soll dabei derart vorgegangen werden, daß die Sicherheit und die jetzt so nötige innere Ein mü⸗ tigkeit des von allen Seiten bekämpften deutschen Volkes nicht gefährdet wird. 0 Das parteischädigende Treiben der hinter der Berner Tagwacht steckenden Genossen mißbilligen die Vertreter auf das entschiedenste. Sie mißbilligen vor allen Dingen aber auch das Vorgehen derjenigen Genossen, die kürzlich die Aufrufe gegen die Haltung der Partei⸗ leitung und der Fraktionsmehrheit unterzeichneten. Die Vertreter des 16. Kreises ersuchen alle Genossen und Genossinnen, an der Einigkeit der Partei festzuhalten, um nach dem Kriege mit noch größerem Nachdruck erfolgreich für unsere sozialistischen Ziele kämpfen zu können. Die französischen und belgischen Sozialisten über die Wiederher⸗ stellung der Internationale. So überschreibt Genosse L. Mart ow, der Führer des menschewistischen Teiles der russischen sozialdemokratischen Partei, einen Artikel im Newyorker Nowy Mir. Martow, der wieder⸗ holt und ausdrücklich gegen den Standpunkt der Mehrheit der deut⸗ schen Reichstagsfraktion Stellung nahm, erzählt über den Besuch des italienischen Genossen Morgari in Paris, der bezweckte, eine Sitzung des Internationalen Sozialistischen Bureaus herbeizu⸗ führen. Bekanntlich ist sein Versuch mißglüickt. Martow traf den italienischen Genossen, als dieser unter dem Eindruck seines Mißerfolges war, und fragte ihn, aus welchen Grün⸗ den mögen wohl die Belgier und die Franzosen sich weigern, die Hand zur Verwirklichung der Aufgabe, die sich Morgari stellte, zu bieten? Darauf antwortete Morgari wörtlich:„Sie, die Belgier und die Franzosen, sagen dies nicht gerade heraus, ihre Gedanken sind aber zu erraten, und ich habe ihnen in der Sitzung des Permanenten Ver⸗ waltungsausschusses gesagt, wie ich ihre kategorische Weigerung auf⸗ fasse. Sie begreifen, daß jede internationale Zusammenkunft, möge sie bestehen aus den allergemäßigsten Führern des Sozialismus, die den Revolutionarismus verwerfen, oder aus Sozialisten aus⸗ schließlich neutraler Staaten, die die patriotischen Gefühle keiner der Parteien verletzen wollen,— ganz einerlei, daß eine derartige Zusammenkunft damit beginnen wird, daß sie ihrem Wunsche Aus⸗ druck gibt, die Sozialisten aller Länder mögen für den Frieden Pro⸗ paganda machen. Und nun, wenn der internationale Sozialismus offiziell verkünden wird, daß es notwendig ist, für den Frieden ohne gewaltsame Annektionen zu kämpfen, so wird dies von dem jetzt noch nicht zahlreichen Teil des Proletariats aufgegriffen werden, der ab⸗ seits vom nationalen Fanatismus geblieben ist. Es ist einleuchtend, daß die französischen und belgischen Sozialisten, die jetzt zu den Re⸗ gierungsparteien gehören, nicht wünschen, daß in ihren Ländern eine Bewegung erstarkt, die nach Ansicht der Regierung die patriotische Einheit des Voltes schwächen wird. Daraus folgt nur, daß das In⸗ ternationale Bureau zur Geisel wurde in den Händen der Entente, d. h. in den Händen von zwei bourgeoisen Regierungen und des Zarismus. Mit Hilfe der Internationalen behalten die Regierungen die Führung über die Massen. Das habe ich gegenüber Vandervelde und den Belgiern geäußert und sie konnten meine Behauptungen nicht widerlegen. Das Ergebnis unserer Unterhaltung saßte ich im Gespräch mit ihnen so zusammen: das Wort gehört jetzt den Kanonen und Gewehren, den bürgerlichen Regierungen und dem Zarismus, der Sozialismus und das Proletariat haben zu schweigen, nicht wahr?“ Auf die Frage Martows, was haben die Belgier und Franzosen auf diese Formulierung geantwortet, führte Morgari weiter aus: „Vandervelde sagte:„ja, jetzt können wir nichts machen, viel⸗ leicht aber in zwei Monaten.... Darauf erwiderte ich:„Lehnt das Internationale Bureau seine Pflicht ab, dann werden wir selbst eine internationale Konferenz einberufen und alle Sozialisten— aus den kriegführenden sowohl wie auch aus den neutralen Staaten— einladen, die dem Internationalismus treu geblieben sind“.„Das werden wir zu verhindern wissen“ erwiderte trocken Vandervelde“. 4 Vermischtes. Aus Bayern wird folgender fast unglaublicher Vorfall be⸗ richtet: Der Rektor der Realschule in Gunzenhausen in Bayern, Jahraus, der zurzeit als Oberleutnant und Kompagnieführer im Felde steht, hatte als Andenken und„um seinen Schülern eine be⸗ sondere Freude zu bereiten“, zwölf Granatzünder der Realschule übermittelt und jedenfalls geglaubt, daß sie entladen und unge⸗ fährlich seien. Diese Zünder wurden nun auf dem Turnplatz der Realschule durch den stellvertretenden Rektor, Professor Denk, an die besten Turner der Realschule verteilt. Der Realschüler Ernst Brunner, 16 Jahre alter Sohn der Lehrerswitwe Brunner aus Brodswinden, erhielt als ersten Preis das interessanteste und schönste Stück, einen englischen Zeitzünder. Er versuchte nun gleich die Schraube an dem Zünder zu drehen, was ihm auch gelang, wo⸗ bei jedoch die Kapsel auf Explosion gestellt wurde. Sofort erfolgte eine gewaltige Explosion, die großes Unheil anrichtete. Brunner verschied nach einer Stunde, ihm folgte im Tode nach kurzer Zeit der 16jährige Hauptlehrerssohn Chlodwig Funk von Unterwurm⸗ bach. Die Schiller Arthur Baur von Wassertrüdingen, Karl Meißner und Willi Steingruber von Gunzenhausen, sowie ein jüngerer Bruder des tödlich verletzten Funk erlitten schwere, fünf andere leichtere Verletzungen. Diethelm von Buchenberg. Erzählung von Bertold Auerbach. 20 So verließ auch Fränz jetzt wieder die Stube, und ohne sich deutlich zu machen, was sie wollte, ging sie vor das Haus, um vielleicht nach Munde zu sehen der fast über sie gestolpert war, als er den Kronentaler empfing. Die Liebe des schönen, jungen Burschen, der sie mit den Augen verschlingen wollte, tat ihr wohl; sie zeigte doch, was sie noch vermöge, und wie sie, wenn sie nur wollte, an jedem Finger einen nach sich ziehen könnte. Am Stalle hörte sie drin sprechen, das war die Stimme Mundes, der in Verwünschungen seinem Bruder klagte, daß er nicht den Mut gehabt habe, dem Meister das Geldstück vor die Füße zu werfen; er betrachte ihn immer noch als Meister und wolle es auch wegen der Fränz nicht mit ihm verderben. Medard tröstete, so gut er konnte, und schalt über die Meistersleute, die zugrunde gehen müßten, und eben zog er über Fränz los und sagte, daß in ihr keine getreue Ader sei; da trat Fränz unter die Stalltür, und als hätte sie nichts gehört, rief sie dem Munde zu, sie wolle ihm noch„B'hüts Gott“ sagen, weil er morgen früh abreise. Rasch trat Munde heraus und hielt zitternd die Hand der Fränz in seinen beiden Händen; er wollte eben sprechen, als man vom Hause her Schritte vernahm, und halb widerwillig zog er die Fränz mit sich fort in den Grasgarten hinter dem Schafstall. Richtig kam Diethelm nochmals und schärfte dem Medard ein, ja niemals bei Licht Heu vom Boden herabzu— holen, es läge jetzt ein ganzes Vermögen auf dem ersten Speicher. Medard mußte ihm noch die Laternen zeigen, damit er wisse, daß keine beschädigt sei, und er befahl ihm, sie morgenden Tages mit Drahtgitter überziehen zu lassen; dann kehrte Diethelm wieder ins Haus zurück. Unterdessen war Munde in seliger Liebe bei Fränz. Sie neckte ihn damit, daß sie wahrscheinlich Engelwirtin in G. werde, aber Munde schalt sie über diese Neckerei und glaubte nicht daran. Als = sie ihm sagte, daß sie ganz gewiß nach der Hauptstadt käme, um dort das Kochen und Nähen zu lernen, war Munde voll Jubels und gab Fränz genau an, wo sie ihm Nachricht geben könne, und Fränz neckte nicht mehr mit der Engelwirtin. Als sie ihm endlich den letzten Kuß gab und verschwand, rief ihr noch Munde nach:„Aber nur für heut.“ Fränz kehrte wohlgemut ins Haus zurück. Wenn alle Stränge reißen, bleibt ihr noch der Munde, dessen war sie gewiß. Als Munde neben seinem Bruder in der Stallkammer lag, sagte dieser:„Und ich wette meinen Kopf, der Diethelm will das Haus anstecken, um wieder reich zu werden, drum ist er so ein Laternenvisitator; aber mich betrügt er nicht.“ „Sei still, das darfst nicht reden, oder ich muß dir aufs Maul schlagen,“ rief Munde in größer Heftigkeit. „Du mir? Büble, wer bist du denn?“ rief Medard und paff! hatte der Bruder einen Schlag weg, aber er steckte ihn ruhig ein, und ohne ein Wort zu sagen, stand er auf und machte sich mitten in der Nacht auf den Weg nach der Garnison. 2 Eine feste Friedsamkeit lag in dem Wesen Diethelms, als er am anderen Morgen in seinen berühmten grünen Saffianpantoffeln im sonnigen Hofraum umherspazierte. Die Nacht, vor der es ihm so seltsam bange war, ist glücklich vorüber, und so wird auch alles Sorgen und Zagen ein heiteres Ende nehmen, es gilt nur ruhig stillhalten und die günstige Gelegenheit erfassen. Ein bedeutungsvolles An⸗ zeichen kündigte sich eben jetzt an. Der Metzger, mit dem Diethelm vorgestern nicht handelseins werden konnte, kam gerade den Hügel heran, hatte allerlei Ausreden, wie er zu⸗ fällig daher komme, und begann nochmals einen geringen Kaufpreis anzubieten, aber Diethelm war klug genug, die Kauflust des Metzgers zu ersehen, und sagte stolz und fest: wenn nichts mehr geredet werde, halte er sein Wort und bleibe es bei dem auf dem Markte Besprochenen, wo nicht, Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung ⸗ — Wahlverein Gießen. Wir werden ersucht, die Mit⸗ glieder des Wahlvereins nochmals auf die heute abend 9 Uhr, im Gewerkschaftshause stattfindende Versammlung aufmerk⸗ sam zu machen. Wie bereits bekannt, wird Parteisekretär Neumann⸗Offenbach einen Vortrag über die politische Lage halten, wobei er jedenfalls auch die Meinungsverschieden⸗ heiten in der Partei mit berühren wird. Es darf wohl er⸗ wartet werden, daß sich die Parteigenossen zahlreich und pünktlich einfinden. — Frauen an der Setzmaschine. Die Einberufung so vieler. Buchdrucker, namentlich Maschinensetzer, gab dem Tarifamt der deutschen Buchdrucker(eine gemeinsame Einrichtung zwischen Unternehmer- und Arbeiterorganisatio⸗ nen) Veranlassung, die Anlernung von Handsetzern zu Ma⸗ schinensetzern zu empfehlen. Dem ist in den bürgerlichen Zeitungsdruckereien wenig entsprochen worden. Im Gegen- teil; es werden zu der aufreibenden Arbeit an der Setz⸗ maschine Frauen und Mädchen angelernt und beschäftigt. Die erste, und zwar recht geschäftskundige„Weltfirma“ war Reismann⸗Grone in Essen(Herausgeber der Rhein.⸗Westf. Ztg. und ihres lokalen Ablegers Rhein.⸗Westf. Anz.), die den Tarifbruch beging. Der Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer beschäftigt sich mit der Ange ⸗ legenheit und veröffentlicht einen einstimmig gefällten Schiedsspruch des Tarifamtes, woraus hervorgeht, daß sich die Firma einen Vertragsbruch hat zu Schulden kommen lassen. Das Tarifamt hat festgestellt und der Firma eröffnet, daß ihre wiederholte Behauptung, es sei ihr vom Kriegs⸗ ministerium sowohl als vom Generalkommando die Beschäf⸗ tigung weiblicher Personen an den Setzmaschinen zur Pflicht gemacht worden, den Tatsachen nicht entspricht. f liche Bemerkung der Firma über die Parteilichkeit des Tarif⸗ amts, vor allem seines Geschäftsführers, des„Verbands- agitators“, weist das Tarifamt als unbegründet und unge⸗ hörig zurück. Aus der längeren Begründung geht hervor, daß die Firma seit März vier weibliche Personen an Setz⸗ maschinen beschäftigt und diese bis zum 15. Juni zu entlassen hatte. Ob das geschehen ist, wissen wir nicht. Vielleicht wird es die Firma auf den Ausschluß aus der Tarifgemeinschaft ankommen lassen. — Pfändbarkeit von Lohn⸗ und Gehaltsansprüchen. Nach einer Bekanntmachung des Bundesrats vom 17. Mai 1915 tritt an die Stelle des nach§ 850 Zivilprozeßordnung und§ 4 Nr. 4 des Lohnbeschlagnahmegesetzes der Pfändung nicht unterworfenen Betrages von 1500 Mk. ein Betrag von 2000 Mk. Demnach ist zukünftig bei der Pfändung des Diensteinkommens der Effiziere, Militärärzte, Beamten Geistlichen usw. und der Pension dieser Personen, sowie der Pension invalider Arbeiter oder der Witwen⸗ und Waisen⸗ pension nur der dritte Teil des 2000 Mk. übersteigenden Betrages der Pfändung unterworfen. Handelt es sich um die Pfändung von Arbeits⸗ oder Dienstlohn, so ist für die Folge nur der 2000 Mk. überschreitende Betrag pfändbar. Ist ein Anspruch der vorbezeichneten Art bereits gepfändet. so verliert die Pfändung hinsichtlich später fällig werdender Bezüge ihre Wirksamkeit, soweit sie bei Anwendung dieser Vorschrift unzulässig fein würde. Danach wird der zwischen 1500 Mk. und 2000 Mk. liegende gepfändete Betrag frei und fällt dem Schuldner zu. Dies gilt hauptsächlich bei der Zah⸗ lung von Alimenten und sonstigen wiederkehrenden Geld⸗ leistungen. In gleicher Weise ist zu verfahren, wenn eine Aufrechnung, Abtretung oder Verpfändung erfolgt ist. — Der Getreideschnitt hat in unserer Gegend bereits begonnen. Von allen Seiten hört man, daß die Ernte im allgemeinen recht gut und reichlich ausgefallen ist, trotz der langen Trockenheit. Eigentlich ist es noch ein wenig früh, in unserer Gegend beginnt gewöhnlich der Getreideschnitt nicht vor Ende Juli. Doch scheint die Sonne nichts ver⸗ dorben zu haben. wenn er nicht, bevor die Herde den Berg hinab ist, in die Hand einschlage, verlange er für jeden Hammel einen Gulden mehr. Der Metzger schlug ein und Diethelm hatte schon and frühen Morgen dreihundert Hämmel verkauft und dabei eine namhafte Summe gewonnen. Diethelm ging mit dem Meßzger ins Feld und übergab ihm die gesondert gehaltene Herde, die sogleich nach der Hauptstadt getrieben wurde, und eben als er noch im Wirts⸗ haus saß und dort die bare Bezahlung empfing, kam ein Wagen angefahren, und in die Stube trat bald darauf der Kaufmann Gäbler mit noch zwei Männern, die Diethelm als Oberfeuerschau vorgestellt wurden. Diethelm war sichtlich betroffen, aber schnell sagte er mit Entschiedenheit, daß er es mit dem Versichern nicht so ernst gemeint habe, sein Haus läge so einödig, und er könne schon selber jede Feuersgefahr abwenden und sei überhaupt entschlossen, die erworbenen Vorräte bald wieder loszuschlagen. Der Kaufmann Gäbler widersprach heftig, und die Feuerschaumänner, der Metzger und selbst der Waldhornwirt redeten Diethelm zu, er möge doch versichern, da sei man für alle Gefahren geborgen und der Zins sei so gering. Gäbler faßte schnell den Waldhorn⸗ wirt beim Worte und hatte ihn bald gewonnen. Während nun die Fahrnis im Wirtshaus aufgenommen wurde, eilte Diethelm heim, um seine Frau gütlich vorzubereiten. Er übergab ihr zuerst das eingenommene Geld für die Hämmel und zeigte ihr zum ersten Male in seiner roten Schreibtafel den Einkaufspreis und ließ sie den Gewinnst selber ausrech⸗ nen. Die Frau nickte zufrieden und verschloß eben das Geld in ihren Schrank, als Diethelm von der bald kommenden Feuerschau und der Fahrnisversicherung sprach.* Wie gewaltsam gepackt kehrte sich Martha um und sah ihrem Manne, der am Fenster stand, starr ins Gesicht, dann sette sie sich rasch auf einen Stuhl legte die Hände gefoltet in den Schoß und jammerte vor sich nieder:„Ist's so weit?“ „Was meinst? Was hast?“ fragte Diethelm. f (FJortsetzung folgt.) Die schrift⸗ — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Vizefeldwebel Heinrich Kraft aus Staufenberg, Inf. Regt. Nr. 222.— Musketier Friedrich Lenz aus Lützellinden, Inf.⸗Regt. 253.— Musketier Karl Mohr aus Reiskirchen, Kr. Wetzlar, Inf.⸗Regt. 221.— Musketier Heinrich Becker aus Tiefenbach, Inf. Regt. 253. — Die Entlassung versorgungsberechtigter Hecresangehöriger. Einer Bekanntmachung des Kriegsministeriums zufolge werden noch immer Fälle bekannt, in denen versorgungsberechtigte Heeresange⸗ hörige aus den Lazaretten entlassen werden, bevor sie in den Genuß ihrer Versorgungsgebührnisse gelangt sind. Während der Zeit bis ur Anerkennung, die manchmal Wochen und Monate dauert, eilen sie dann nicht selten von einer Wohlfahrtsstelle zur andern, um die nötigen Mittel zum Lebensunterhalt und zur Beschaffung von bür⸗ gerlicher Kleidung zu erlangen. Derartige Vorkommnisse, so heißt es in der Bekanntmachung weiter. sind geeignet, das Interesse der Kriegsbeschädigten und das Ansehen der Heeresverwaltung erheblich zu schädigen und in der Oeffentlichkeit die Meinung aufkommen zu lassen, daß es an der erforderlichen Fürsorge für die versorgungs⸗ berechtigten Kriegsteilnehmer fehle. Es ist durchaus unstatr⸗ haft, einen Heeresangehörigen als dienstunbrauchbar aus dem Lazarett zu entlassen, bevor nicht über seinen Versorgungsanspruch endgültig entschieden ist. Findet vor dieser Reglung aus besonderen Gründen eine Beurlaubung in die Heimat statt, so ist dafür zu sorgen, daß die Leute die ihnen, zustehende Löhnung und Verpfle⸗ gungsbedürfnisse pünktlich erhalten. Auch die Ersatztruppen sollen sich die Durchführung der Vorschriften angelegen sein lassen, damit Vorkommnisse der obigen Art sich nicht mehr wiederholen. Ein Not⸗ stand in der Kleidung der zu entlassenden Mannschaften, die keine bürgerliche Kleidung besitzen oder sie nicht rechtzeitig herbeischaffen können, kann im allgemeinen nicht eintreten, da die für die Heimreise nötigen Stücke leihweise verabfolgt, in besonderen Fällen auch be⸗ lassen werden dürfen. Mannschaften, die etwa aus Erwerbs- oder andern Rücksichten die Versorgung mit einem Anzuge durch das Rote Kreuz anstreben, sind hierzu von den entlassenden Dienststellen mit Ausweisen darüber zu versehen, daß sie als wirklich bedürftig an⸗ zusehen sind. 5 — ueber die Verwüstungen im Kriege erzählt ein in der Leipz. Volksztg. abgedruckter Feldpostbrief unter anderem: Und Du glaubst nicht, was so alles im Kriege verwüstet wird. Wenn von uns aus auch nicht absichtlich. Du mußt nur so ein Dorf, etwa ein Kilometer hinter der Front sehen, Fenster gibts nicht mehr, die sind im Schützengraben in den Unterständen verwendet. Ebenso Türen, Bretter, Schränke(die Bretter davon), Stsihle, Tische, Bänke, Töpfe, Pfannen, von don Oefen sind die Platten mit Ringen in den Unter⸗ stand gewandert. Scheunen gibts nicht mehr, die Bretter und Bal⸗ ken sind im Schützengraben. Ställe— ist nicht. Alles im Schützen⸗ graben. Das Haus ist vollständig leer, die vier kahlen Wände stehen noch. Selbst die Bilder von den Wänden sind verschwunden, die, Scheibe ist als Fenster verwendet, und der Rahmen ist den Weg allen Brennholzes gegangen, ebenso wie die Bettstellen, Kommoden usw. Wohl gemerkt: So schlimm sieht es nur kurz hinter der Front aus. lind niemand kann uns dies alles verdenken; wenn wir wochenlang im Schützengraben liegen müssen, wollen wir auch einige, wenn auch kleine Bequemlichkeiten haben. Kommt man ein Stück weiter zurück, ein ähnliches Bild. Die Häuser sind mit Soldaten knüppeldick belegt, deren Truppenteil⸗ augenblicklich in Reserve liegen. Den Bewohnern ist der kleinste und schlechteste Raum übrig gelassen, Lebensmittel haben sie nicht mehr, ihr Vieh ist längst in den Feldksichen verschwunden, die Kartoffeln essen die Soldaten auf, das Getreide hat die Heeresverwaltung be⸗ schlagnahmt, ebenso den Hafer und das Heu. Das Stroh ist nach vorn gefahren und wird in den Unterständen verwendet. Jede Zu⸗ fuhr stockt, die Leute können sich nichts kaufen, kurz, sie sind ganz auf uns angewiesen. Wenn wir ihnen nichts geben, müssen sie verhun⸗ gern. Und nun denke Dich einmal in die Lage dieser Leute. Allzu⸗ große Geisteslichter findet man sowieso nicht unter ihnen. Sie sehen nur, daß wir ihre Kartoffeln essen, daß wir ihr Vieh, den Hafer, Stroh und sonst noch alles wegnehmen. Sie können nicht einsehen, daß eben dies alles durch den Krieg bedingt wird, daß all das Elend nur durch den Krieg verschuldet wird. Und wie es jetzt in Polen geht, ging es damals in Belgien. Ich schildere nur, was ich selbst gesehen habe. Bitte gib vor allem nichts auf die Zeitungen, es gibt auch unter uns manches schwarze Schaf. Bei unserem Durchmarsch wurde zwar das Land nicht dermaßen ausgesogen, wie es jetzt wäh rend des Stellungskampfes geschieht, es wurde aber vieles ver⸗ wüstet. Ich muß immer daran denken, wie wir ein Dorf zur Ver⸗ teidigung einrichten mußten und wie alles, was eben vom militäri⸗ schen Gesichtspunkte aus betrachtet hinderlich war, beseitigt wurde: wie in Wände, Fenster Türen und Dächer Schießscharten geschlagen wurden und die Häuser dadurch unbewohnbar wurden. Der Bauer sieht eben nur, daß wir dies alles verwüsten und sieht nicht, daß dies alles schließlich nur militärische Notwendigkeit ist.“ Die Pflichten der Krankenkassen und Berufsgenossenschaften gegen Kriegsbeschädigte. Ein Gutachten, das der Gesamtverband deutscher Metallindustrieller eben bekannt gibt, dürfte manche Be⸗ denken der Arbeitgeber bei Einstellung von Kriegsbeschädigten aus der Welt schaffen. Es wird dort ausgeführt: Bezüglich der Krankenversicherung ist eine Aenderung der jetzigen gesetzlichen Lage nötig. Der Kriegsbeschädigte, der wieder in Arbeit tritt, gehört kraft des Gesetzes einer Krankenkasse an: die Kasse hat kein Recht, ihn etwa wegen schlechten Gesundheitszustandes zurückzuweisen oder für ihn höhere Beträge zu erheben, und sie entschädigt jede Krankheit während der Versicherungsdauer ohne Rücksicht auf die Ursache. Wenn also die spätere Krankheit auf Kriegsschäden zu⸗ rlickzuführen ist, so erhält er doch volle Krankenpflege und Kranken- geld. Wenn der Kriegsbeschädigte vor oder nach dem Kriege einen Betriebsunfall erleidet, so entsteht eine ähnliche Lage, wie wenn ein Unfallversicherter in zwei verschiedenen Betrieben je einen Unfall nacheinander erleidet: derartige Fälle kamen schon in der bisherigen Rechtsprechung vor. Erleidet der Kriegsbeschädigte nach dem Kriege einen Betriebsunfall, so wird die neue Unfallrente berechnet auf Grund des Jahresarbeitsverdienstes bis zum Unfalltage; die Militärrente wird dabei also nicht mitgerechnet und läuft neben der neuen Unfallrente einfach selbständig weiter. Hat der Kriegs⸗ beschädigte noch nicht ein volles Jahr wieder im Betriebe gearbeitet, so daß der ortsübliche Tagelohn bei der Rentenberechnung heran⸗ gezogen werden muß, so wird nur ein der verbliebenen Erwerbs⸗ fähigkeit entsprechender Teil dieses ortsüblichen Tagelohnes ein⸗ gesetzt. Dies bezieht sich nur auf gewerbliche Arbeiter. Wenn die frühere Kriegsbeschädigung bei dem Entstehen des neuen Betriebs⸗ unfalles mitgesprochen hat, so bleibt die Berufsgenossenschaft trotz⸗ dem für den neuen Unfall haftbar. Gesetzesänderungen sind also auch hier nicht nötig. Die Berufsgenossenschaften können nur inso⸗ fern zur Wiederbeschäftigung Kriegsbeschädigter beitragen, als sie bei Erlaß neuer und bei Durchführung bestehender Unfallverhüt⸗ ungsvorschriften auf Kriegsbeschädigte Rücksicht nehmen, indem sie die Beschäftigung Kriegsbeschädigter nicht verbieten, oder ein⸗ schränken, obgleich dadurch die Unfallhäufigkeit wachsen wird, und von Regreßausprüchen gegen Betriebsunternehmer, die aus solchen Fällen erwachsen könnten, absehen. Ob bei den Berufsgenossen⸗ schaften das richtige Verständnis dafür vorhanden ist, wird die Zu⸗ kunft lehren müssen. Die Verteilungsstelle für Futtermittel in Darmstadt macht darauf aufmerksam, daß zuckerhaltige Futtermittel (flüssige Rohmelasse, Melasse vermischt mit Häcksel oder Torf, Roh⸗ zucker vermischt mit Häcksel), sowie sonst ige Kraftfutter⸗ mittel, namentlich Oelkuchen, Oelkuchenmehle aller Art, etwas Biertreber und getrocknete Getreideschlempe, Reiskleie und Fleisch⸗ futtermehl,(etztere beiden Futtermittel hauptsächlich für Schweine) noch erhältlich sind. Die Landwirte müssen die Bestellungen bei den örtlichen Ausführungsstellen, das ist entweder die Großh. Bürgermeisterei oder eine Genossenschaft(landw. Konsum— geren oder Spar⸗ und Darlehenskasse) einreichen. Diese örtlichen Ausführungsstellen geben den Bedarf der Gemeinde der Zentral⸗ genossenschaft der hesfischen landwirtschaftlichen Konsumvereine in Darmstadt auf, nicht aber dem Kommunalverband oder dem Kreis⸗ amt oder gar der Bezugsvereinigung, wie dies vielsach noch irrtlüm⸗ licherweise geschleht. Grundsätzlich ist am schriftlichen Verkehr fest⸗ zuhalten. Telefonische Mitteilungen sollten nur auf besonderg dringende Fälle beschränkt bleiben. Kleie ist bekanntlich nach be⸗ stimmten Grundsätzen auf die Gemeinden verteilt. Eine Nachbe— stellung hat keinen Zweck, da nur soviel Kleie verteilt werden kann, als durch Ausmahlen des Brotgetreides gewonnen wird. Zur geplanten Ausdehnung der Freifahrt für Urlauber. Die Dresdener Handelslammer hat an das Ministerium eine Eingabe gerichtet, in der ausgeführt wird:„Nach einem Erlaß des preußi⸗ schen Kriegsministers vom 27, April v. J. fallen die Kosten für Eifenbahnfahrten der Mannschaften vom Feldwebel abwärts, die zur Frühjahrs feldbestellung in die Heimat beurlaubt werden, dem Kriegsjahresetat zur Last. Für Mannschaften, die zur Erledigung dringlicher gewerblicher Arbeiten beurlaubt werden, besteht unseres Wissens diese Vergünstigung nicht. Da unseres Erachtens kein Anlaß vorliegt, die landwirtschaftlichen Erwerbskreise in die⸗ ser Beziehung günstiger zu behandeln, als die gewerblichen, ersuchen wir das Königliche Ministerium, an zuständiger Stelle dafür einzu⸗ treten, daß auch den Mannschaften, die zu dringlichen gewerblichen, industriellen und kaufmännischen Arbeiten beurlaubt werden, freie Eisenbahnfahrt gewährt wird.— Der vom Reichstag einstimmig ge⸗ faßte Beschluß, den Kriegsteilnehmern überhaupt freie Reise zu ge⸗ währen, ist vom Bundesrat noch immer nicht erledigt. Wie ver⸗ lautet, liegt der Widerstand beim Reichsschatzamt. Städtische Apothelen. Die Stadt Mainz hat interessante Er⸗ fahrungen auf dem Gebiete der Errichtung städtischer Apotheken ge⸗ macht. Wie der Fr. Ztg. geschrieben wird, trat die erste Konzession, die der Stadt Mainz verliehen wurde, mit Beginn des Jahres 1908 in Gültigkeit. Die Stadt mietete daraufhin auf dem Frauenlob⸗ platze ein Haus und verpachtete es an einen Apotheker vom 1. April 1908 ab. Der Pächter hat für Konzession und Wohnung eine jähr⸗ liche Summe zu zahlen, deren Höhe aus dem Warenumsatz zu be⸗ rechnen ist, u. z. vom Rezepturumsatz 30 Proz. und vom Umsatz aus Handverkaufsartikeln 12 Proz. des jährlichen Umsatzes. Ist der Umsatz geringer als 35 000 oder höher als 45 000 Mark, so kann beiderseits gekündigt werden. Die Jahrespacht ergab nun in den letzten drei Rechnungsjahren ein durchschnittliches Erträgnis von 8300 Mark, sodaß die Stadt Mainz für das kommende Jahr vor⸗ sichtigerweise 7500 Mark als Einnahme in den Voranschlag ein⸗ stellen konnte. Da Miete und Spesen für das Haus nur etwas über 3000 Mk. betragen, so hat sich dieses Unternehmen recht gut gelohnt und auch die Verbraucher haben eine Gewähr für preiswürdige und gediegene Behandlung. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse bei der Stadtapotheke Bopystraße, für die gleichfalls 7500 Mark Einnahmen vorgesehen sind. Die Stadtapotheke Mombach brachte in den jüngsten dret Jahren 2600 Mark durchschnittlich, die Stadtapotheke Kostheim 2500 Mark. Soweit die Häuser Eigentum der Stadt sind, ist eine entsprechende Tilgung vorgesehen. Die Kohlenproduktion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Großherzogtums Hessen weist nach der Darm⸗ städter Zeitung für den Monat Juni 1915 folgende Zahlen nach: An Rohbraunkohlen wurden gefördert 28 638 Tonnen, verkauft wurden davon 3241 Tonnen. Der größte Teil der Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelereiprodukten erzeugt 1516 Tonnen Braunkohlenbriketts und 2040 Tonnen Naß⸗ preßsteine; außerdem wurden in Hessen 9687 Tonnen Preßkohlen aus Steinkohlen erzeugt. Unter Bersicksichtigung der aus Vor⸗ monaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Selbst⸗ verbrauchs verblieben am Monatsschluß absatzfähig 5589 Tonnen Rohbraunkohlen, 528 Tonnen Braunkohlenbriketts und 2806 Tonnen Naßpreßsteine, zusammen 8917 Tonnen Braunkohlen und Braun⸗ kohlenprodukte im Gesamtwert von 69 000 Mark. — Gießener Freilichtbühne. Die gestern von den rührigen Mitgliedern des„Natur⸗Theaters“ veranstaltete Vorstellung war zwar ganz gut, aber doch nicht so stark besucht, als die vorher⸗ gegangenen. Vielleicht hielt manchen das trübe, drohende Wetter ab, das sich aber noch ganz leidlich hielt und das Programm nicht zum vorzeitigen Abschluß brachte. Zunächst sangen Gretel Leist und Hellmut Eckhardt Lieder zur Laute, bekannte Volkslieder, die immer gern gehört werden, besonders so anheimelnd vorgetragen! — Durchschlagenden Erfolg erzielten wiederum die Rezitationen von W. W. Göttig, der eine Anzahl humoristischer Sachen aus⸗ gewählt hatte, die er wirkungsvoll mit der ihm eigenen, unüber⸗ trefflichen Komik zum Vortrag brachte. Sehr gut gefiel u. a.„Der Regenschirm“,„Die Abreise“ und eine Manöver⸗Episode von dem Rapsseld.— Den Schluß bildete das Hauptstück des Tages, ein Ein⸗ akter von Aug. v. Kotzebue„Die Rosen des Herrn von Malesherbes“. Für Leser, die nicht wissen sollten, wer Malesherbes(sprich: Mal'serb) war, sei bemerkt, daß dieser Mann französischer Minister in den ersten Regierungsjahren des Königs Ludwig XVI. war. Zu⸗ sammen mit dem Advokaten Désege führte er die Verteidigung des des Landesverrats angeklagten Königs vor dem National-Konvent, ohne jedoch den König vor dem Schuldig und der Todesstrafe be⸗ wahren zu können. Im Jahre 1794 fiel M. als 72jähriger Greis selbst der Guillotine zum Opfer. In dem Stück wird uns erzählt,. daß Malesherbes sich auf seinem Landsitze eine Rosenhecke angelegt hatte, die ihm viel Freude machte, denn die Rosen gediehen und blütten herrlich, ohne daß er sie besonders pflegte. Das taten desto⸗ mehr die jungen Mädchen des Dorfes, um den alten. freundlichen Herrn Freude zu machen, dessen Rosen die ganze Gemeinde mit Treue hütet. Er beobachtet die rührende Sorgfalt, als sich das Milchmädchen Susette mit ihrem Peter an der Rosenhecke trifft, wo sie ihr ferneres Glück ausmalen, dabei aber sich eifersüchtige Szenen machen. Durch das Dazwischentreten des Alten kommt alles zum glücklichen Ende.— Dem Greise verlieh der jugendliche Hellmut Eckhardt Würde und Güte und brachte die welterfahrene Abge⸗ klärtheit des Ruhe suchenden Mannes in trefflicher, natürlicher Weise zur Darstellung. Schon am vorigen Sonntag gab Herx Eckhardt im „Vetter von Bremen“ eine prächtige Probe seines Könnens und zeigte, welchen Fleiß er seiner Aufgabe widmet. Das gilt im gleichen Maße von Gretel Leist, die gestern dem Milchmädchen Frische und Herzlichkeit gab, das aber nebenbei auch gut verstand, dem Peter die Hölle heiß zu machen. Dieser, Kurt Frey stand auch durchaus nicht hinter der Partnerin zurück, stellte vielmehr den treuen, aber eiferfüchtigen Bauernburschen durchaus lebenswahr auf die Bühne. Mit einem Wort, das ganze gelang unter der Regie von Walther Kolb ausgezeichnet, was um so mehr anerkannt wer⸗ den muß, als Störung durch das Wetter drohte, wodurch etwas Unruhe entstand. — Diebstahl auf dem Markte. Auf dem Wochenmarkte am Samstag Morgen kam einer Marktfrau ihre Butter abhanden, die sie zum Verkauf zu bringen gedachte. Es handelte sich um eine Menge von 20 Pfund, welche die Eigentümerin durch einen Dienst⸗ mann von der Bahn auf den Markt bringen ließ. Dort soll der Transporteur die Ware auch hingebracht haben, bald sei sie aber von dort verschwunden gewesen. Von dem Verbleib hatte man am Samstag Abend noch keine Spur. — Burkhardsfelden. Durch das Spiel mit Schuß wa ffen ist hier ein Menschenleben zugrunde gegangen. Der 16jährige Sohn des Werkmeisters Schauber hantierte am Freitag mit einem Re⸗ volver, ein Schuß ging los und dem jungen Menschen durch die Brust. Er wurde nach Gießen in die Klinik gebracht, doch erlag er der schweren Verletzung bereits am andern Tage. Von Nah und Fern. Frankfurt a. M., 10. Jul. Bootsun glück. Am Freitag nachmittag hatten zwei junge Männer und eine Frau, deren Mann im Felde steht, eine Kahnfahrt auf dem Main unternommen. Das Boot stieß gegen den Bogen der Notbriicke und schlug um. Dabei gingen zwei Insassen, der 22jährige Kaufmann Linker und die Frau Schenk geb. Meyer unter und ertranken. Der andere junge Mann konnte sich durch Schwimmen so lange über Wasser halten, bis er von einem vorüberfahrenden Dampfer aufgenommen Telegramme. Tegesberichte des Großen Hauptauurtiets Die Kämpfe zwischen Maas und Mo sel. Vom Osten nichts Neues. W. B. Großes Hauptquartier, 10. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Tagsüber war die Gefechtstätigkeit auf der ganzen Front gering. Drei französische Angriffe bei Launois(am Südhang der Höhe 631 bei Bran de Sapt) scheiterten bereits in un⸗ serem Artilleriefeuer. Nachts wurde in der Champagne nordwestlich von Beauxjour⸗Ferme ein vorspringender französischer Graben erstürmt. Oestlich anschließend unternahmen wir einige erfolgreiche Sprengungen. Zwischen Ailly und Apremont fanden vereinzelte Nahkämpfe statt. Im Priesterwal de verbesserten wir durch einen Vor⸗ stoß unsere neue Stellung. Seit dem 4. Juli sind in den Kämpfen zwischen Maas und Mosel 1798 Gefangene(darunter 21 Offiziere) ge⸗ macht, 2 Geschütze, 12 Maschinengewehre, 18 Minenwerfer er⸗ beutet. Bei Leintre y, östlich von Luneville, wurden nächt liche Vorstöße des Feindes gegen unsere Vorposten abgewiesen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei Ossowetz wurde ein feindlicher Angriff abge⸗ wiesen.- Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage der Truppen ist unverändert. W. B. Großes Hauptquartier, 11. Juli, vorm.(Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich von Ppern wiederholten die Eng länder gestern ihren Versuch vom 6. Juli, sich in den Besitz unserer Stellung am Kaual zu setzen. Der Angriff scheiterte unter erheblichen Verlusten für den Feind. Hart nördlich der Straße Souchez— Ablain versuchten die Franzosen abends einen Angriff, der auf einen Vor⸗ stoß von deutscher Seite traf. Der Kampf ist noch nicht abgeschlossen. Dem französischen Feuer fielen in den letzten Tagen 40 Einwohner von Liéevin zum Opfer, von denen zehn getötet wurden. Ein vereinzelter französischer Vorstoß auf Fricourt östlich von Albert wurde leicht abgewiesen. f Der gestern nacht nordwestlich von Beaussjour⸗Ferme dem Feinde entrissene Graben ging am frühen Morgen wieder verloren, wurde heute nacht jedoch ernent ge⸗ stürmt und gegen fünf Angriffe behauptet. Zwischen Ailly und Apremont erfolglose frau⸗ zösische Handgranaten ⸗Angriffe. Im Priesterwalde brach unter starken Verlusten für den Feind ein durch heftiges Ar⸗ tilleriefeuer vorbereiteter Angriff dicht vor unseren neuen Stellungen zusammen. Ein Angriff auf die deutsche Stellung östlich und sũdö ft. lich von Sondernach, südwestlich von Münster, wurde zurückgeschlagen. Unsere Flieger griffen die Bahnanlagen von Gerard · mer an. a. Gute Erfolge gegen die Russen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. In den letzten Tagen fanden in der Gegend von Kras nostaw örtliche Gefechte statt. Sie verliefen für uns überall günstig. Sonst hat sich bei den deutschen Truppen nichts ereignet. 5 Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Oberste Heeresleitung. 8 Der oö sterreichisch/ ung arische Tagesbericht Wien, 11. Juli.(W. B.) Amtlich wird verlautbart: 11. Juli 1915. mittags. Die Lage ist auf allen Kriegsschauplätzen un ver ⸗ ändert. ö Italienischer Kriegsschauplatz. Die Ruhe an der küstenländischen Front hielt im allgemeinen au. Ein feindlicher Angriffsversuch bei Saraussina wurde ab⸗ gewiesen. Im Kärntner Grenzgebiet hat sich nichts ereignet. An der Tiroler Front wurde ein italienischer Angriff auf unsere Stellungen nordöstlich des Kreuzbergsattels zum Stehen gebracht. Gegen den Col di Lana gingen vorgestern Nachmittag mehrere feindliche Bataillone vor. Das Feuer eines unserer Forts zwang sie zur Umlehr. Gestern Vormittag versuchte ein Bataillon einen neuen Angriff. Erst auf die kleinsten Entfernungen beschossen, hatte es große Verluste und mußte gleichfalls zurück. Die braven Standschützen betätigen im schwierigsten Hochgebirge ihre Unter⸗ nehmungslust in erfolgreichen Kämpfen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 2 2 Großer Kriegsrat in Calais. Verschiedene Blätter melden aus London, der große Kriegsrat, der gegenwärtig in Calais zwischen den englischen und fran⸗ zösischen Befehls habern stattsinde, werde lebhaft besprochen. Die Beschlüsse würden geheim gehalten; nur so viel sei bekannt, daß der Kriegsrat durch die Meldung veranlaßt worden sei, daß Deutschland am Monatsende 900 000 Mann frische Truppen an die West⸗ front werfen werde, um Calais und Verdun zu nehmen. Kitchener habe daher das Ein⸗ treffen von 100 000 Mann neuer englischer Auguft augełünd wurde. Trupven für Anfang Chiasso, 11. Juli.(Ctr. Frkft.) Tribuna schreibt, Por ros Jesuch in Paris stehe unmittelbar mit der Konferenz eng⸗ lischer und französischer Staatsmänner und Heerführer in Ca lais in Zusammenhang. Der Kriegsmoment sei so delikat wie noch nie. Der Besuch Porros sei eine Gewähr für den engen Kon⸗ takt zwischen den Verbündeten. Warschau von der Zivilbevölkerung geräumt? Petersburg, 10. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Der Njetsch stellt fest, daß Warschau nunmehr von der Zivil⸗ bevölkerung und den Regierungsorganen ge⸗ rä u mt sei. Eine russische Wüste erwartet die deutschen Heere. Die Morning Post bringt einen Bericht aus Petersburg, der erkennen läßt, daß die Russen nunmehr eine Kampfmethode an⸗ wenden wollen, die bereits in der Zeit der napoleonischen Kriege geübt worden ist. In dem Bericht wird ausgeführt: „Es ist ersichtlich, daß die Deutschen ihren alten Plan wieder aufgenommen haben: sie wollen vom jenseitigen Weichselufer vom Norden(Kurland) und Süden her gegen Warschau vorgehen. Auf dem Papier scheint der Plan gut, die Ausführung aber bildet eine dex schwersten Aufgaben, die man sich denken kann. Der Vormarsch der Verbündeten wird nicht weiter so rasch vor sich gehen wie bis⸗ her. Was der Feind bei seinem Vormarsch in Rußland finden wird, ist ein in wahrhaft heroischem Maßstab ver wüstetes Land. Keine solchen Genüsse wie in Belgien und Frankreich er⸗ warten die Barbaren des modernen Deutschlands. Sie wollten den Krieg— jetzt sollen sie ihn haben bis zum Tode und keine Pein soll ihnen erspart bleiben!“ Die Nachricht findet ihre Bestätigung in einem Artikel der Nowoje Wremja, in dem u. a. ausgeführt wird: „Die Truppen Kaiser Wilhelms bereiten sich in den frucht⸗ barsten Gegenden Rußlands zu einer großen Offensive vor, und ihre erste Sorge wird offenbar dahin gehen, die reichen Nahrungsmittel, Fahrzeuge und sonstiges nützliches Material in Besitz zu nehmen. Diesen Plan des Feindes können wir jedoch dadurch vereiteln, daß wir von den gefährdeten Gebieten alles in das Innere Rußlands abführen, oder wenn dies nicht an⸗ ginge, alles Wertvolle vernichten, damit es nicht in die Hände Unseres Gegners falle. Wir erwarten, daß jeder ehrlich seine Pflicht dem Vaterlande gegenüber erfüllen und das große Opfer bringen wird, selbst Jahre hindurch gesparte und er⸗ worbene Güter zu vernichten, falls diese nicht mehr fort⸗ geschafft werden könnten. Nichts dürfen wir hinterlassen, was dem Feinde nützlich sein könnte, oder was er, auf welche Art immer, verwerten könnte. Sollte aber die Bevölkerung diese Aufgabe nicht mehr erfüllen können, so werden unsere den Rückzug unserer Haupt⸗ macht deckenden Nachhuttruppen alles, was von Wert ist, ver⸗ nichten. Unser Feind wird nur kahle Erde und Ver⸗ lassenheit antrefsen.“ Der türkische Kriegsbericht. Konstantinopel, 11. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Be⸗ »ichts des Hauptquartiers: Am 10. Juli fand an der Dardanellenfront bei Ari Burnu und Sedd⸗ül⸗Bahr keinerlei Veränderung statt, außer zeitweiligem Artillerjefeuer. Am Nachmittag erschien ein seindliches Panzerschiff vom Typ des„Nelson“ vor Kaba Tepe unter dem Schutz von vier Torpedobvoten und schleu— derte ohne Erfolg mehr als 200 Granaten gegen unsere Stel— lungen. Wir hatten nur einen Toten und zwei Verwundete. Mehrere Schüsse unserer Artillerie erreichten das Schiff und zwangen es, sich zurückzuziehen. Infolge des wirksamen Feuers unserer anatolischen Batterien verlor die Tätigkeit des Feindes bei Ari Burnu ihre bisherige Lebhaftigkeit. Ihre Batterien feuerten gestern besonders gegen eine Haubitz⸗ Batterie westlich von Hissarlik wirksame Schüsse ab, wobei eine Haubitze einen Volltreffer erhielt. Feindliche Flieger überflogen die anatolische Seite der Meerenge, wurden aber durch das Feuer unserer Abwehr-Batterien vertrieben. Auf den übrigen Fronten keinerlei Veränderung. Sperrung des Suezkanals. Befehlshaberschiff schwer beschädigt von zwei Booten weggeschleppt. Wir erlitten keine Verluste. 6000 Engländer bei der ersten Landung an den Dardan llen gefallen! Paris, 11. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Der nach den Dardanellen entsandte Sonderberichterstatter des Journal schildert seinem Blatte, wie die erste Landung des Expe⸗ ditionskorps am 25. April erfolgte. Um dem Gros der Armee die Landung zu ermöglichen, hatten sich 6000 englische Freiwillige angeboten, als erste an Land zu gehen, um die weitere Landung zu decken. Sie wurden in den frühen Mor⸗ genstunden des 25. April an Bord des Dampfers„River⸗ blyde“ gebracht, der mit Volldampf direkt auf das Ufer zu⸗ lief und am Strand auffuhr. Die Engländer stürzten sofort aus dem Dampfer hervor und wurden von einem höllischen Feuer der Türken, die ausgezeichnet verschanzt waren, empfangen., Die Engländer hielten Stand, bis unter dem Schutze des gestrandeten„Riverblyde“ Verstärkungen heran⸗ kamen. Der Kampf um den Besitz der ersten Stellungen dauerte zwei Tage. Von den 6000 Engländern sei kein ein⸗ ziger am Leben geblieben. Auch jetzt, so erzählt der Bericht⸗ erstatter, falle bei jeder Landung ein großer Teil der Mann⸗ schaften, da die Landungsstellen unter türkischem Feuer liegen. Budapest, 11. Juli.(Ctr. Frkft.) Wie die Bukarester Mol⸗ dova aus Saloniki meldet, waren die Verluste der Engländer und Franzosen bei dem letzten großen Kampf an den Dar⸗ danellen enorm. Bisher wurden zwei mit Verwundeten voll⸗ beladene Schiffe nach Malta gebracht, ein drittes Schiff, das 650 Verwundete führte, ging nach Lemnos. Die Stimmung unter den verbündeten Truppen auf Lemnos ist sehr gedrückt. Die französischen Offiziere machen die Engländer für die bisherigen erfolglosen Kämpfe verantwortlich. Ein Ruf nach Italiens Hilfe. Paris, 11. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Im Figaro äußert Hanotaux die Meinung, es sei an der Zeit, daß Italien im Orient zu Hilfe komme, damit man mit Konstantinopel fertig werde. In Frankreich habe man ein Ereignis dringend notwendig. Der Kampf um Konstantinopel sei von größter Wichtigkeit, jede Minute zum entscheidenden Kampfe zähle. Die wankelmütige Haltung der Balkanstaaten allein verzögere den Untergang der Türkei. Für den Vierverband bestehe die Notwendigkeit, um seine eigenen Opfer zu verringern, so schnell wie möglich zu Ende zu kommen. Italien sei bereit und könne zur Hilfe kommen, warum zögere man denn noch? Auch Bulgarien muß helfen! Paris, 10. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Hervé stellt in der Guerre Sociale mit Bedauern fest, daß die Unterhandlungen mit den Balkanstaaten nicht vorankämen. Es sei für die Diplo⸗ matie des Vierverbandes noch nicht so schwierig, ein Abkommen zu erzielen. Eine Intervention Bulgariens habe für den Vier⸗ verband große Bedeutung, mehr noch als Intervention Rumä⸗ niens und Griechenlands. Mehr als je sei jetzt die Zeit Geld. Die Verbündeten Frankreichs legten sich anscheinend nicht Rechenschaft darüber ab, wie groß die Ungeduld in Frankreich sei, Bulgariens Intervention zu erreichen. Rußland, England und Italien seien nicht vom Feinde besetzt, aber in Frankreich seien große Gebiete seit elf Monaten in Feindes Hand. Frankreich habe ein Recht, eilig zu sein. Frankreich brauche, um das Volk zu er⸗ mutigen, gute Nachrichten, damit es seine Leiden geduldig ertrage. Eine Intervention Bulgariens, durch die die Einnahme Konstanti⸗ nopels in greifbare Nähe gerückt würde, wäre für Frankreich ein solch ermutigendes Mittel. Die Diplomatie des Vierverbandes müsse sich endlich bereit finden, eine klare Sprache auch mit Serbien zu reden, um die Eifersüchteleien der Balkanstaaten zum Schweigen zu bringen und eine Intervention Bulgariens herbeizuführen. Der Krieg zur See. Lloyds meldet aus Peterhead: Das russische Dampfschiff „Anna“, das von Archangelsk nach Hull fuhr, ist durch ein deutsches Unterseeboot angegriffen worden. Die Besatzung wurde in Peterhead gelandet. Die„Anna“ befindet sich in treibendem Zustande und bildet deshalb eine Gefahr für die Schiffahrt. Reuter meldet aus Hull: das Dampfschiff„Guido“, do⸗ der Wilson⸗Linie, das in der vorigen Woche einem deutschen Unterseeboot entkommen ist, nachdem es durch einen Kanonen schuß beschädigt worden war, ist jetzt nördlich von Schottland durch ein Torpedo in den Grund gebohrt worden. Die ge⸗ samte Besatzung wurde gerettet. Der„Guido“ hatte 2093 Tonnen Inhalt und gehörte nach Hull. 5 a Der englische Dampfer„Ellesmerm“, mit einer Ladung Früchte und Mineralien von Buriana nach Manchester unter⸗ wegs, wurde gestern von einem deutschen Unterseeboot an der Küste von Cornvalles in den Grund geschossen. Ein Mann wurde getötet, einer verwundet und der übrige Teil der Besatzung in Milford gelandet. Amerika liefert nur gegen bar! Seatle, 11. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Große Schiffsfrachten mit Kriegsmaterial für Ruß⸗ land sind von den Fabrikanten zurückgehalten wor⸗ den, weil es unmöglich war, Barzahlung zu er⸗ langen. Kapitulation der Schutztruppe in Südwestafrika. An der Tatsache, daß die Schutztruppe in Südwestafrika vor der englischen Uebermacht kapitulieren mußte, ist nicht mehr zu zweifeln. Das Bureau Reuter berichtet aus Prätoria: „General Botha berichtet, daß die Umzingelungsbewegung sehr schwer durchzuführen war. Man mußte unausgesetzt Tag und Nacht marschieren und lange Strecken ohne Wasser mit großer Ge⸗ schwindigkeit durchmessen. Eine berittene und eine unberittene Infanterie⸗Brigade werden vorläufig in Otavi bleiben. Gemäß den Uebergabebedingungen werden die Offiziere der aktiven Truppen ihre Waffen behalten; sie können gegen Ehrenwort ihren Wohnplatz unter gewissen Einschräkungen auswählen. Die übrigen Gefangenen werden in Orten, die die Union ihnen anweist, inter⸗ niert. Die Reservisten aller Ränge werden ihre Waffen abliefern, ein Paroleschriftstück ausfüllen und nachher wieder nach ihren Wohnorten zurückkehren können, um ihren gewohnten Berufen nach⸗ zugehen. Die Offiziere dürfen ihre Pferde behalten. Die Polizei⸗ truppen werden wie aktives Militär behandelt. Die bürgerlichen Behörden können nach ihren Wohnorten zurückkehren, nachdem sie eine Paroleerklärung unterzeichnet haben, aber ohne ihr Amt aus⸗ üben und Gehaltsansprüche an die Union stellen zu können. Alles Kriegsmaterial wird an die Union abgeliefert. In der Parole⸗ erklärung verpflichtet sich der Unterzeichnende, die Feindseligkeiten während des gegenwärtigen Krieges nicht wieder aufzunehmen.“ Die Kapitulation war unter diesen Umständen eine sehr ehrenvolle. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. 2 ˙ AA———TTbTTbTGTPT0TTbTTTTT—TT—T——————————————— Vereinskalender. Montag, 12. Juli 5 Gießen. Wahl verein. Abends punkt 9 Uhr Mitgliederver⸗ sammlung. Vortrag von Parteisekretär Neumann⸗Offenbach. Wochenmarktpreise in Gießen am 11. Juli 1915 Butter ver Pfd. 1.50—1.60 Mk.] Zwiebeln ver Pfund 40—50 Pfg. Milch Liter 24 Pfg.] Blumenkohl ver Stck. 20—00 Pfg. Hühnereier Stück 15—00 Pfg J Weißkraut v. Haupt 00 00 Pfg. Gänsecier Stück— Pfg.] Rotkraut p. Haupt 00—00 Pfg. Käse Stück 6—8 Pfg.] Wirsing v. Haupt 00—00 Pfg. Käsematte 2 Stück 5—6 Pfg.] Kohlrabi ver Stück 6—8 Pfg. Tauben per Paar 0.80— 1.20 Mk.] Gurken per Stück 20—40 Pfg Hühner per Stück 1.20—2.00 Mk.] Bohnen Pfund 30-35 Pfg. Hähne ver Stück 1.50—2.50 Mk.] Kopfsalat per Kopf 8—40 Pfg. Ochsenfleisch per Pfd. 1.20—1.24 Mk.] Spargel per Pfd. 40-50 Pfg. Kalbfleisch per Pfd. 108—112 Pfg.] Erbsenschoten Pfund 40 Pfg. Kuh⸗ u. Rindfl. per Pfd. 100-118 Ufg.] Gelbe Rübchen Päckchen 12 Pfg. Schweinefleisch Pfd. 140—150 Pfg.] Kirschen Pfund 30-00 Pfg. Hammelfleisch p. Pfd. 96 110 Pfg.] Erdbeeren Pfund 60—70 Pfg. Kartoffeln p. Malter 00 00 Mk.] Johannisbeeren Pfd. 25 Pfg. Kartoffeln Pfd. 6—7 Pfg.] Heidelbeeren Liter 40—45 Pfg. Neue Kartoffeln Pfd. 10—11 Pfg.] Himbeeren Schoppen 35—40 Pfg. BVerstorbene. Frau Marie Löber, in Gießen.— August Wiedling, Rechnungsrat, in Wetzlar, 71 Jahre alt.— Frau Henriette Schäfer, in Wetzlar, 53 Jahre alt. Sveben erschienen! Neu! r Bruchleidende 1 Nen! Neueste Kriegskarte!, Für nur 40 Pfg. 5 Von maßgebender mililär. amtl. Stelle geprüft und genehmigt Jedermann daheim und unsere Truppen im Felde wollen wissen: Wie steht der Krieg! Die rascheste und zuverlässigste Auskunft darüber gibt die von mastgebender amtlicher militärischer Stelle geprüfte und genehmigte Kriegsoperationskarte als Feldpostbrief So steht der Krieg — hat Jedermann in farbigen Karten, Texten und Bildern einen Rück- u. 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