——--— 1 5 mit allen Kräften erstxebte, zwischen Care Jzeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volkszeitung erscheint jeden Werktag Abend in Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 60 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1. 80 Mk. Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraßse 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008. Juserate kosten die h mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben. Nr. 158 Gießen, Freitag, den 9. Juli 1915 10. Jahrgang Vom Meltkrieg. Vom 23. Juni bis 4. Juli! Von Richard Gädke. Wir dürfen uns nicht in der Hoffnung wiegen, den Höhepunkt bieses Krieges bereits überschritten zu haben; unzweifelhaft aber hat uns die vergangene Woche ein gut Stück vorwärts gebracht und reiht sich ohne Rückschlag den siegreichen Wochen an, die mit Beginn des Mai für uns eingesetzt haben. Im Osten sind die russischen Heere auf unserem rechten Flügel weiter nach Osten bis an den Bug und an die Zlota-Lipa unter lebhaften Nachhutgefechten zurückgeworfen worden. Die verbün— deten Truppen stehen an dem nächsten Punkte 40 Kilometer östlich Lemberg. Die Armee des Generals v. Linsingen kämpft nunmehr in voller Stärke auf dem nördlichen Dujestr-Ufer und hat sich aus diesem Grunde weit nach Norden hinauf gezogen; links an sie an⸗ schließend geht die österreichische Armee des Generals v. Böhm⸗ Ermolli gegen den Bug in der Linie von Krasne bis nördlich Kamionka⸗Strumilowa vor. Die Russen aber machen ihnen den Rest von Ostgalizien mit größter Hartnäckigkeit Schritt vor Schritt streitig. Der äußerste rechte Flügel der Verbündeten, die öster⸗ reichische Armee Pflanzer⸗Baltin, hält seit vierzehn Tagen fast im rechten Winkel zur Armee Linsingen, die Dujestr-Front von der Mündung der Jlota⸗Lipa bis zur bessarabischen Grenze. Der von ihr zu sichernde Raum verengt sich durch die Fortschritte Linsingens derart, daß wir wohl der Wiederaufnahme auch ihrer angriffs⸗ weisen Tätigkeit entgegensehen dürften. Das bei weitem größte Interesse aber sammelt sich zurzeit auf die Bewegungen der verbündeten Heere, die unter dem Befehl des Feldmarschalls v. Mackensen vereinigt sind. Das siegreiche und ungestüme Vorwärtsdrängen des verbündeten Heeres vom Dunajee über den San und über Lemberg auf den Bug hatte beträchtliche russische Streitkräfte westlich und östlich der Weichsel in ihrer linken Flanke gelassen. Nur die Unfähigkeit dieser russischen Trup⸗ pen zum Angriff hatte den sehr kühnen Vormarsch der deutschen in östlicher Richtung ohne Gefahr gestattet. Da das aber möglich war, so lockerte sich allmählich der Zusammenhang der in Polen hart⸗ näckig stehenbleibenden russischen Heere mit den auf die Wolhynische Grenze östlich zurückweichenden russischen Truppenteilen. Es wurde Zeit, diesen günstigen Umstand zu benutzen und damit zugleich jede Flankenbedrohung für die Zukunft unmöglich zu machen. Die österreichische Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand, die wäh⸗ rend der San⸗Kämpfe dem Befehl Mackensens unterstellt wurde, war für sich allein nicht stark genug zu dieser Aufgabe. Schon während des Vorgehens auf Lemberg scheint daher die allmähliche Herumschwenkung der deutschen II. Armee aus der östlichen in die nördliche Richtung eingeleitet zu sein— eine marsch⸗technisch keineswegs leichte Aufgabe, besonders wenn man denkt, daß der zahllose Heerestroß in richtigem Verhältnis zu den einzelnen Armeekorps gleichfalls in die neue Marschrichtung geleitet werden mußte. Zuerst unterstützte der linke Flügel über Ciesanow die Oesterreicher in ihren Kämpfen um den Tanew⸗Abschnitt, dann rückte die Mitte über Rawaruska gegen Zamose und Komarow zu beiden Seiten des oberen Wieprz nach, während der rechte Flügel zunächst noch in nordöstlicher Richtung verblieb und am 28. Juni die Russen bei Mostywjelki schlug. Er warf sie dann weiter auf Krystynopol und Sokal und schließlich über Krylow am Bug(65 Kilometer nordwestlich Kamjonka⸗Strumilowa, 92 Kilometer nörd⸗ Iich Lemberg) zurück, um so jede Gefahr für die eigene rechte Flanke auszuschließen. Augenblicklich befinden sich die verbündeten Trup⸗ ben des Feldmarschalls Mackensen in einer 170 Kilometer breiten Front zwischen Weichsel und Bug auf der Linie Josephow⸗Stary⸗ Zamosz(10 Kilometer nördlich Zamosz)⸗Krylow im siegreichen Vormarsch in fast nördlicher Richtung. Der rechte Flügel scheint noch ein wenig abzuhängen. Man sollte meinen, daß ein weiterer erfolgreicher Vormarsch dieser Heeresgruppe, der sich westlich der Weichsel die deutsch⸗österreichische Armee des Generalobersten v. Woyrsch anschließt, zu glücklichen Ergebnissen führen müßte. Von Lubim, und damit von der südlichen Zufuhrlinie der west⸗ polnischen Armee Rußlands, befanden sich die verbündeten Truppen am Morgen des 5. Juni nur noch 40 Kilometer entfernt; bis Sjedlee aber, an der Bahn Warschau-— Brestlitowski haben sie keinen längeren Marsch als die westlich Warschau an der Bzura und Rawka noch haltenden russischen Truppen. Allerdings liegt da⸗ zwischen noch die breite Flußniederung des Wjeprz mit ihrer öst⸗ lichen Verlängerung, der Tysmsenieg. Der Wjeprz mündet bei der Festung Iwangorod in die Weichsel. Nach Norden sind die Rückzugsstraßen der Russen durch den befestigten Bug⸗Narew⸗Abschnitt gegen die Truppen Hindenburgs vorläufig noch gesichert. Inzwischen steigern ihre großen Verluste sich von Tag zu Tag: in den ersten vier Julitagen haben sie schon wieder fast 26000 Gefangene in unseren und der Oesterreicher Händen gelassen. Auf ihre ganz auffällig geringen Verluste an Offizieren muß man immer wieder hinweisen. Wenn der deutsche Generalstab sich in diesen Tagen entschlossen hat, eine zusammenhängende Darstellung der Kämpfe um Arras, der sogenannten Loretto⸗Schlacht herauszugeben, so scheint er damit andeuten zu wollen, daß er diese Kriegsepisode nunmehr für abge⸗ schlossen hält, so weit wenigstens die Durchbruchsversuche der Fran⸗ zosen in Betracht kommen. Aber schon aus dem ersten Teil der Schilderungen, der den großen Angriff des 9. Mai behandelt, geht hervor, daß wir diesmal mit dem bei weitem ernstesten und schwer⸗ sten Angriff der Franzosen zu tun hatten. So tapfer auch die Stilrme in der Champagne und an den Maashöhen angesetzt waren, sie konnten sich an Größe der eingesetzten Streitkräfte, an Plan- mäßigkeit der Vorbereitung und Durchführung, an hingebender Opferwilligkeit der Truppen, an Entschlossenheit der Führung mit dieser gewaltigen Schlacht nicht vergleichen. Einschließlich der Eng⸗ länder scheinen auf eine Frontlänge von 45 Kilometern über 20 Infanteriebivisionen oder mehr als 250 000 Mann Fußvolk einge⸗ setzt worden zu sein, auf jeden Meter etwa sechs Mann. Auf dem Raume aber, auf dem die französische Heerfüneang Udie Entschefdung bis Neuville, hat man am ersten Tage fünf Divisionen, oder etwa 70 000 Mann Infanterie, in den Glutofen des Kampfes geworfen, das macht auf den Meter Frontlinie etwa 12 Mann. Und ähnlich gestaltete sich die Wucht des Angriffs an der Loretto-Höhe. Dazu kam die Versammlung einer ungewöhnlich gewaltigen Artillerie, deren Trommelfeuer nach Pri⸗ vatbriefen einen überwältigenden Eindruck gemacht und eine furchtbare Wirkung ausgelöst haben muß, deren nur eine Truppe von eisernen Nerven noch standhalten konnte. Die Franzosen hatten hierfür ihre besten Männer herangeholt: die Krieger der Bretagne, die eisernen Korps von Epinal und Nancy, die Zuaven, die Marokkaner, die Fremdenlegion wetteiferten miteinander um die Palme des Sieges. Aber die ungestüme Tapferkeit des an Zahl überlegenen Gegners brach sich schließlich dennoch an der eisernen Entschlossenheit einer an Tüchtigkeit überlegenen Minderzahl! Uebrigens scheinen die Engländer auch bei diesem Versuche wieder bei aller Tapferkeit im einzelnen, ihre Kräfte möglichst geschont zu haben; die Hauptlast des Kampfes ließen sie die Franzosen tragen, ihr Angriffswille erlahmte jedenfalls früher als der ihrer Ver⸗ bündeten. Daß die Franzosen hier ungeheure Verluste erlitten haben müssen, geht aus der Darstellung des Generalstabes un⸗ mittelbar hervor. Ihren Zweck, die Russen mittelbar zu unter⸗ stützen und zu entlasten, haben sie aber ebenso wenig erreicht, wie die Hauptaufgabe, die Deutschen zu schlagen. Und so will denn der Generalstab mit seiner Veröffentlichung gerade jetzt dem deutschen Volle wohl die Zuversicht einflößen, daß unsere Stellung im Westen unerschütterlich ist, während wir im Osten von Erfolg zu Erfolg fortschreiten. Im Südwesten Oesterreich-Ungarns stehen die Sachen noch immer auf dem gleichen Fleck, wie in der vergangenen Woche: und auch das wird man als Erfolg unserer Verbündeten buchen müssen. Umsomehr, als in der verflossenen Woche die Italiener endlich mit größeren Kräften angegriffen haben. In der Nacht zum 30. Juni sind sie mit mehreren Divisionen zum Angriff am östlichen Ufer des unteren Isonzo vorgebrochen. Die Angriffe, die sich besonders gegen das Plateau von Doberdo richteten, bald aber auch in nörd⸗ licher Richtung verlängert wurden, sind seitdem mehrfach und auch mit einiger Entschiedenheit wiederholt worden— Erfolg haben sie so wenig gehabt, daß der Generalstabschef Cadorna es vorzieht, nur von mißglückten Gegenangriffen der Oesterreicher zu sprechen, aber seinerseits keinen Raumgewinn verzeichnet. Man weist auf die ungewöhnlich großen Schwierigkeiten hin, die die italienische Offensive in den geographischen Verhältnissen jener Grenzlandschaften findet. Diese Schwierigkeiten des aus der Ebene schroff ansteigenden Felsgebirges mit seinen von langer Hand vorbereiteten starken Sperrbefestigungen sind bekannt und in Rechnung gestellt. Aber das erklärt nicht, warum die Italiener jener Schwierigkeiten mit unzulänglichen Kräften, verkehrten Mitteln und— erstaunlicherweise— ungenügender Vorbereitung Herr zu werden versuchen. Immerhin wieder steigt die Vermutung auf, daß die italienische Heeresleitung einen beträchtlichen Teil ihrer Streitkräfte noch immer für andere Aufgaben zurückbehält. An den Dardanellen haben sich die Verbündeten wie⸗ derum schwere Schlappen und beträchtliche Verluste geholt. Die viel⸗ umstrittene Höhe von Krithia, östlich Ari-Burnu, ist noch immer nicht in ihrem Besitz: im Gegenteil scheinen sie gegen die Küste hin Raum verloren zu haben. Das alles läßt ihren Wunsch und ihre andauernden Bemühungen sehr erklärlich erscheinen, noch andere Staaten in dieses übereilt begonnene und mangelhaft durchgeführte Abenteuer hineinzuziehen. Denn unzweifelhaft wäre die Er—⸗ oberung der Dardanellen ein sehr großer moralischer, militärischer und politischer Erfolg. * Tageshericht des Großen Hauptguurti Tagesbericht des Großen Hauptguarkiers. Allerlei Teilerfolge in West und Ost. W. B. Großes Hauptquartier, 8. Juli, vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Westlich von Souchez gelang es den Franzosen, in ciner Breite von etwa 800 Meter in unseren vordersten Graben einzudringen. Durch einen Gegenangriff wurden sie wieder vertrieben. Ein zweiter Angriff des Feindes brach im Feuer zusammen. Um ein kleines Grabenstück, in dem die Franzosen noch sitzen, wird mit Handgranaten gekämpft. Gegen die von uns gewonnenen Stellungen westlich Apremont dauerten die feindlichen Angriffe Tag und Nacht hindurch ohne jeden Erfolg an. Die Zahl der Ge— fangenen hat sich auf 3 Offiziere und über 400 Mann erhöht. Auf der ganzen Westfront fanden lebhafte Artillerie⸗ kämpfe statt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Ein feindlicher Angriff aus Richtung Kowno wurde unter großen Verlusten für den Gegner abgewiesen. Beim Dorfe Stegma nordöstlich von Prasznuysz wurden einige russische Gräben genommen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage der zwischen Dujestr und oberer Weich⸗ sel stehenden deutschen Truppen ist unverändert. Westlich der oberen Weichsel wurde eine Reihe seindlicher Stellungen gestürmt. Oberste Heeresleitung. Ein italienisches Luftschiff über Triest. T. U. Amsterdam, 8. Juli. Reuter meldet vom 5. Juli amtlich aus Rom: Ein italienisches Luftschiff bombardierte gestern abend Triest und richtete schweren Schaden im Arse⸗ nal an. Es ist unbeschädigt zurückgekehrt. Die Verluste der englischen Handels marine im Junt T. U. London, 8. Juli. Der Standard gibt bekannt, daß die Verluste der englischen Handelsmarine im Juni 98 Schiffe betrugen, darunter 5 Segelschiffe und 63 Dampfer. Infolge der Zerstörung dieser Schiffe durch den Feind wurden drei Matrosen getötet. l Ein südafrikanisches Freiwilligenkorps. T. U. London, 8. Juli. Die engliche Regierung hat das Anerbieten der südafrikanischen Regierung, ein Freiwilligen⸗ korps für den europäischen Kriegsschauplatz zu entsenden, angenommen. Es werden sich unter dem Freiwilligenkorps einige Artillerie-Batterien und schwere Geschütze befinden. Nach Sibirien verbannt. Auf Befehl des Höchstkommandierenden von Petersburg ist der Direktor der russischen Staatsbahnen Petersburg⸗Wilna⸗Warschau und Petersburg-Riga, Excellenz Knipper, nach Sibirien verbannt worden. Dem Vernehmen nach hat Knipper dem Eisenbahnminister ein Gesuch unterbreitet, das Angaben über riesige vorgekommene Unterschleife, auf diesen Bahnen unter Beihilfe hoher Personen ent⸗ hielt. Knippers Ersuchen, vor eine Gerichtskommission gestellt zu werden, wurde abgelehnt. Deutsche und östereichische Kriegsgefangene in Bergwerken. Kopenhagen, 8. Juli. Nach einer Petersburger Mel⸗ dung der Times arbeiten gegenwärtig etwa 30 000 deutsche und österreich-ungarische Kriegsgefangene, zum Teil Zivil⸗ personen, in den Bergwerken am Don. Sie erhalten angeb⸗ lich die Hälfte des üblichen Tagelohnes. Der Rest der Ge⸗ fangenen wird zu Erntearbeiten hauptsächlich im oberen Wolgadistrikt herangezogen. In ganz Rußland macht sich der Mangel an Erntearbeitern empfindlich bemerkbar. Krankheitsurlaub des deutschen Botschafters in der Türkei. Freiherr von Wangenheim, der Botschafter Deutschlands in Konstantinopel, ist erkrankt. Die Aerzte erhoffen eine völlige Wiederherstellung von einer sechswöchentlichen Kur in Bad Na Herr von Wangenheim wird dann wieder auf seinen Posten zurück⸗ kehren. Für die Dauer seiner Abwesenheit vertritt ihn der einstige Vizepräsident des Reichstags, Fürst Hohenlohe⸗Langenburg, ein Schwager des Königs von Rumänien. Eine Explosion russischen Kriegsgutes. Die Kölnische Zeitung berichtet nach der Newyorker Tribune über eine Explosion für Rußland bestimmter Explosivstoffe im Hafen von Seattle im Staate Washington: Im Hafen lag ein Leichterschiff mit 15 Tonnen Dynamit, das der Beförderung nach Rußland harrte. Um 3 Uhr nachmittags explodierte die Ladung, zerriß den Leichter in Atome und richtete in der Stadt großen Schaden an. Die Lage in Mexiko. Newyork, 8. Juli. Die Lage in Mexiko wird immer verworrener. Gestern fanden heftige Gefechte zwischen beiden Parteien statt, bei denen auf beiden Seiten die Verluste über 2000 Mann betrugen. Dem Vernehmen nach soll ein neuer Aufstand ausgebrochen sein. Die Pest in China. T. U. London, 8. Juli. Man meldet aus Hongkong, daß die Pest in Ching aufgetreten ist und täglich Hunderte von Opfern fordert, dis am meisten betroffene Provinz sei Canton. Kriegsnotizen. Der Kriegsschaden, welcher den evangelischen Kirchenge⸗ meinden Ostpreußens bei den Rufseneinfälken durch Brand, Raub und Zerstörung zugefügt worden ist, wird auf vier Millionen Mark geschätzt. Bisher wurden zwei Millionen Mark angemeldet. 22 Kirchen und 25 Pfarrhäuser sind derartig zerstört worden, daß Neubauten notwendig werden. In Stockholm kamen Mittwochmorgen 288 deutsche Zivilgefangene aus der russischen Gefangenschaft an. Sie waren meistenteils in Wologda interniert und klagten vielfach über Nahrungsmangel, der sehr fühlbar war. Die meisten setzten abends die Reise nach Berlin fort. Der Petersburger Rietsch zufolge erhielten sämtliche Hörer der technischen Hochschulen Rußlands den Mobilmachungsbe⸗ fehl. Sie werden ohne Rücksicht auf körperliche Gebrechen oder den Stand ihrer Ausbildung den WMunitions fabriken und den Bergwerken im Uralgebirge zugeteilt, um die Arbeiten der Munitionsfabrik zu beaufsichtigen. Sämtliche Laboratorien des Landes sind für Heereszwecke beschlagnahmt worden. Den Blättern wird aus London gemeldet: Etwa 20 in verschie⸗ benen Konzentrationslagern internierten Deut⸗ schen ist es gelungen, zu entweichen. Einer von ihnen wurde in den Docks von London in dem Augenblick verhaftet, als er 15 anschickte, einen nach Genua fahrenden französischen Dampfer zu besteigen. Auf eine Anfrage im englischen Unterhause erklärte Unterstaatssekretär Brace, daß zwischen dem 13. Mai und dem 5. Juni 7144 feindliche Ausländer interniert wurden, wodurch sich die Gesamtzahl auf 28 790 erhöht hat. In derselben Zeit wurden 4800 Personen einschließlich der Kinder nach Deutsch⸗ land gesandt—. e 8 3 Und das wäre doch die Hauptsache gewesen. Die Brot und Hessen und Nachbargebiete. Kartoffeln und Fleisch verbrauchende Bevölkerung hat aber Gießen und umgebung. Der Warenmarkt im Juni. das erste Recht darauf, zu erfahren, was wird. Die neuen Höchstpreise für Petroleum. Am 15. Juli treten die vom Bundesrat festgesetzten Höchstpreise für Petroleum in Kraft. Im Großhandel dürfen für 100 Kilo Das Bild der allgemeinen Marktlage hat sich im Juni weiter Petroleum höchstens 30 Mk. gefordert werden; im Klein⸗ verschlechtert. Wenn auch der Plan unserer Feinde, Deutsch⸗ land auszuhungern, als endgültig gescheitert betrachtet werden darf, handel darf der Preis für das Liter Petroleum 32 Pfg. nicht so haben sich durch das Eingreifen Italiens in den Weltkrieg die Be- übersteigen. Bei Lieferung ins Haus darf ein Zuschlag von zugs möglichkeiten, für uns vermindert, was sich in einer weitern] 2 Pfg. pro Liter erhoben werden. Um zu verhüten, daß Steigerung der Preise für verschiedene Waren zeigt. Es kommen ähnlich wie beim Getreidebandel, wo für Säcke enorme Preise hierbei in erster Linie in Frage italienische Süd früchte und Ge⸗ müse, aber auch getrocknete Früchte und Gewürze. berechnet worden sind, der gleiche Unfug auch im Petroleum: Das Oelgeschäft leidet ebenfalls gewaltig durch die weitere] geschäft Platz greift, wird ausdrücklich bestimmt, daß für die Ausdehnung des Krieges. Bei Ausbruch der Feindseligkeiten be- Ueberlassung und das Füllen in Behältnisse eine Vergütung fanden sich erhebliche Mengen Oelsaaten für deutsche Rechnung in nicht berechnet werden darf. In der Begründung dieser italienischen Häfen, welche Vorräte jetzt ausbleiben? Unter den Ge⸗ schädigten befindet sich auch die Großeinkaufsgesellschaft deutscher Verordnung wird hervorgehoben, daß das Dazwischentreten Konsumvereine. Nach den neuesten Berichten soll das Ausland zahlreicher Händler, die sich nie mit dem Petroleumhandel sämtliche Vorräte an Rosinen⸗ Korinthen und Gewürzen befaßt haben, zu der ungeheuerlichen Preissteigerung geführt in den Produktionsländern aufgekauft haben. Selbst wenn sich diese habe.— Wir vermissen auch eine Bestimmung, die verbietet, Nachricht nicht bewahrheiten sollte, so werden doch weitere 2 2 Preissteigerungen nicht ausbleiben, da an eine ordnungs⸗ daß die Händle r ihren Kunden Petroleum nur dann ver⸗ mäßige Verladung der genannten Artikel nicht zu denken ist. Die] kaufen, wenn diese zugleich andere Waren in bedeutenden 8 neue Ernte in Rosinen, orinthen und andern Südfrüchten wird für] Mengen einkaufen. uns fiberhaupt nicht in Frage kommen, da in den meisten Produk⸗— Die Gemälde⸗Sammlung, welche 11 5 Fabrikant tionsländern eine Erledigung der Erntearbeiten nicht möglich sein wird. Steigende Preise hatten Rohkaffee, Zucker(bezüglich Bo ck in Berlin zum Gedächtnis seines auf dem Schlachtfelde dieses Artikels verweisen wir auf unsern Artikel„Zuckermangel“ in] gefallenen Sohnes der Stadt Gießen gestiftet hat, ist vor⸗ Nr, 134), Margarine, Pflanzen butter, Kunstspeise⸗ läufig im Turmhause am Brand untergebracht. Der Saal fett. Auch die Butte r preise haben leider im Juni nach vorüber⸗ gehender Ermäßigung eine bedeutende Erhöhung erfahren, da infolge soll durch eine Querwand mit Türe abgeteilt und die ganze langanhaltender Dürre die Produktion sehr zurückging. Das gleiche[ Sammlung dann zusammengehängt werden. Gestern wurde ist vom Weichkäse zu sagen. Die Einfuhr von Em mentaler sie von den Stadtverordneten besichtigt, leider hatten sich 1 3 in Tilsiter besteht große Knappheit. In] aber nur wenige Mitglieder dazu eingefunden. Unter den Fleisch⸗ und Würstwaren sind ebenfalls— wie unsere Leser(Femälden befinden sich sehr wertvolle Stücke, und die ganze und Leserinnen nur zu sehr am eigenen Geldbeutel und Leibe er⸗ jahren mußten— während des Juni infolge der beständig steigenden Sammlung stellt einen sehr erheblichen Wert dar. Unter Viehpreise weitere Preisaufschläge eingetreten und bis jetzt sind die[ anderem befinden sich folgende Werke darunter: Eisenblätter: Preise noch andauernd hohe. Durch die strikte Durchführung des österreichisch⸗ungarischen Eier ausfuhrverbots sind die Notierungen für hier ununterbrochen Fichtenwald bei Sturm(Pastell); Moll: Pommersches See⸗ bad(Aquarell); W. Leibl: Bildnis seines Mitschülers Weiß höher gegangen. Wie neuerdings verlautet, soll die Zufuhr größerer(Oel); Melchior Lechter: 2 Landschaften(Oel), Damen⸗ Mengen hier aus der Nachbarmonarchie freigegeben sein, d. h. für] bildnis(Oel), Kareisee(Oel), Triptychon(Temperafarben), Rechnung der Zentraleinkaufsgesellschaft. Die Abwicklung des] Landschaft:„Es lacht die Aue“(Oel); Franz v. Lenbach: Marmeladen und Frucht ta f geschaft mar saharshalen. Bildnis Richard Wagners(Oel); Franz v. Stud Ane durch den Mangel an Zucker. Die Konservenfabriken halten mit ihren Offerten in Gemüsekonserven neuer Ernte völlig triumphator(Oel), Dämmernacht(Oel); Kockock: Landschaft 4 Die. re. 1 e(Oel); C. F. Deicker: 2 Hundestudien(Rauchbilder; Willi und warme Witterung die Gemüsekulturen ungünstig beeinflußten] Hammacher: Riviera(Del) Kuro w: Alte Dame bei Lam⸗ b dahin. Jedenfalls wird schon der Mangel an Blechdosen eine penlicht(Oel); Graeßel: 2 Enten(Oel); Ludw. Dettmann: reiserhöhung bezw. Knappheit an Konserven bedingen. Wir wer⸗ den uns also darauf gefaßt machen müssen, Konserven alter Ernte Schreinerwerkstatt, Weihnachten im Wartesaal(beides Tusch⸗ 7 970 5 5 1 2 55 34. 1 8 7 e zeichnungen), Landschaft in Holstein(Aquarell); Walter zeuer Ernte entsprechen. Mit Sauerkraut befürchtet man ahn⸗ Leistikow: Waldecke(Oel), Gotth. Rühl: Der Netzfischer(Oel); liche Erscheinungen. Die Nachfrage nach Tee, Kakao und Scho⸗ F. Puy: Junges Mädchen(Oel); Max Liebermann: koladen ist weit geringer wie bei Beginn des Krieges und kann leicht befriedigt werden; die Preise steigen. Hülsenfrüchte wer⸗ Wellen(Aquarell); Hans Peller: Mephisto(Oel), Variete den wenig verlangt: die Preise haben sich behauptet. Reis steht](Oel), Der Perlenkönig(Oel), Der Pascha(Del): Angelica unter der Kontrolle der Zentraleintaufsgesellschaft ebenso Reis] Kaufmann: Damenbildnis(Oel) Dietrichs: 2 Studien⸗ mehl. Beide Artikel waren der Spekulation so gut wie entzogen, köpfe(Oel); Schütz(Goethefreund): 2 Mainlandschaften so daß weitere Preissteigerungen nicht eintraten. Sonstige Nähr⸗ mittel, wie Gersten⸗ und Haferflocken, Hafermehl,(Oel); Steinkopf: 2 Landschaften mit Tieren(Oel); Carlo Erbswürste sowie Suppen⸗ und Saucenwürfel haben] Dolce(Schule): Betender Engel(Oel); Rob. Hch. Tischbein: sich im Preis nicht vermindert. Z wi eeb eln neuer Ernte(auslän⸗J Madonna(Oel); De icker Vater: 2 Köpfe alter Leute bische, äguptfsche) sind nur kleine Mengen vorhanden, für die phan⸗(Oel); Künstler unbekannt: Antiker Ofenschirm mit 9 Por⸗ tastische Preife verlangt werden. träts kursächsischer Fürstlichkeiten(Silberstift mit Aquarell), Die Verbrauchsregelung der Ernte 1915. Am 5. d. Mts. Polnischer Ritter(Oel), Nyymphen von Satyrn überrascht fand in Darmstadt unter dem Vorsitz des Ministers des(Oel); Arland, Alt-Genfer Meister: Damenbild(Elfenbein ⸗ Innern von Hombergk eine Besprechung über die Regelung] miniatur); Stademann: Mondscheinlandschaft(Oel); Tuck: des Verbrauchs der Ernte 1915 statt. Als Regierungsver⸗ Kücken und Spinne(Oel) und noch mehrere Zeichnungen usto. treter nahmen die Ministerialräte Hölzinger und Schliephake.— Kinder an der Lahn. Fast täglich kann man beobach⸗ Geheimer Landesökonomierat Müller und Finanzrat Emmer⸗] ten, daß Kinder an der Lahn herumspielen, die oft erst ein ling teil. Außerdem waren erschienen die Provinzialdirek-] paar Jahre alt sind. Wie leicht ist da ein Unglück passiert. toren und Kreisräte, die Oberbürgermeister der fünf großen] Fällt eins ins Wasser und ist nicht sofort Hilfe zur Hand, so Städte, Oekonomierat Walter als Vertreter der Landwirt- ist es in der Regel verloren; seine Spielkameraden werden schaftskammer, Geheimer Kommerzienrat Dr. Bamberger sses in den seltensten Fällen retten können. Fast täglich be⸗ als Vertreter der Handelskammer Mainz, Bauunternehmer] richten auswärtiger Blätter von ertrunkenen Kindern. Eltern Sames für die Handwerkskammer und Regierungsrat ist daher dringend anzuraten, ihre Kinder nicht an die höchst Knöpfel, sowie Direktor Berg für die Verteilungsstelle für] gefährlichen Spielplätze gehen zu lassen. Futtermittel. Vertreter der wichtigsten Gruppe, der Ver—— Künstlich erwärmter Erdboden. Aus Dresden braucher nämlich, waren nicht geladen. Diese werden sich] wird von einem interessanten Versuche berichtet. Auf Län⸗ also aus eigenem rühren und bemerkbar machen müssen. Die] dereien der Technischen Hochschule hat man versucht, den Verhandlungen nahmen den Vor- und Nachmittag in An⸗[ Ackerbau künstlich durch ein Röhrensystem zu er⸗ spruch und führten zu einer Einigung in allen wesentlichen wärmen, das an das Elektrizitäts⸗ und Heizwerk ange⸗ Punkten. In welchen, das sagt der offiziöse Bericht nicht.! schlossen ist. Die Erwärmung geschieht mit sogenannter Ab⸗ wärme, die in den meisten lechnischen Betrieben ungenützt entweicht. Auf jenen künstlich geheizten Ländereien hat man jetzt Gartenfrüchte gezogen, die 20 bis 40 Prozent schwerer sind als solche, die auf ungeheiztem, sonst aber völlig gleichem Boden wuchsen. Die Versuche sollen fortgesetzt und nach ausreichenden Erfahrungen von fachmännischer Seite öffentlich dargelegt werden.— Vielleicht kann man dann. schon an Weihnachten Bohnen, Erbsen und Gurken ernten! — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Karl Müller aus Deckenbach, Inf.⸗Regt. 224.— Leutnant Gerhard Kolb aus Wetzlar, Inf-⸗Regt. 69.— Ersatzreservist Georg Schmidt aus Waldgirmes, Inf. Regt. 224.— Musketier Friedrich Waldmann aus Ehringshausen, Kr. Wetzlar, Inf.⸗Regt. 88. ueber die bevorstehende Ernte in Rheinhessen wird aus Alzey geschrieben:„Hundertfältiges Korn. Ein Gang durch die reifenden Aehrenfelder, die golden in der Sonne schimmern und schwer zur Erde niederhängen, erfreut das Auge jedes Naturfreundes und macht das Herz höher schlagen bei dem Gedanken, daß wir ange⸗ sichts dieser Ernteaussichten nicht untergehen werden, daß ein höherer Bundesgenosse mit uns ist und uns helfen will. Aehre an Kehre, darin Korn an Korn, schönes, großes volles Korn und in jeder Aehre 80—100 Körner und darüber⸗ Gleich gut geraten mit wenigen Ausnahmen sind nach den Rheinhessischen Volksblättern in ihrer gleichmäßigen Entwicklung auch die anderen Fruchtarten. Heilig sei uns in diesem Sommer die Frucht des Feldes, ein jeder helfe darum nach Kräften, daß jedes Körnlein unversehrt seinen allen erfüllen kann.“— Heilig sei die Frucht des Feldes, deshalb und Spekulantenfinger behütet werden. Handverlaufsartikeln 12 Proz. des jährlichen Umsatzes. Aft der Umsatz geringer als 35 000 oder höher als 45 000 Mark, so kann beiderseits gekündigt werden. Die Jahrespacht ergab nun in den letzten drei Rechnungsfahren ein durchschnittliches Erträgnis von 8300 Mark, sodaß die Stadt Mainz für das kommende Jahr vor⸗ sichtigerweise 7500 Mark als Einnahme in den Voranschlag 5— stellen konnte. Da Miete und Spesen für das Haus nur etwas über 3000 Mk. betragen, so hat sich dieses Unternehmen recht gut gelohnt vorgesehen sind. Die Stadtapotheke Mombach brachte in de jüngften drei Jahren 2600 Mark durchschnittlich, die Stadtapothek Kostheim 2500 Mark. Soweit die Häuser Eigentum der Stadt sind⸗ ist eine entsprechende Tilgung vorgesehen. Kreis Friedberg⸗Büdingen. Gefallen ist in Galizien der Großh. Bergrat Schulz, Vorstand der Großh. Bergwerksdirektion zu Friedberg, im 41. Lebens; Mit ihm verliert der Staat einen treuen, arbeitsfrohen Beamten. der hessische Bergbau einen stets hilfsbereiten Förderer in Rat und Tat. Im März 1905 wurde ihm zunächst auftragsweise die Leitung der staatlichen Braunkohlengrube Ludwigshoffnung bei Wölfersheim übertragen. Am 1. Oktober 1906 wurde er als„Großh. Berg⸗ werksdirektor“ Vorstand der Großh. Bergwerksdirektion Friedberg. In dieser Eigenschaft hat er den Ausbau jenes Werkes und die An⸗ gliederung des großen staatlichen Kraftwerks mit bestem Erfolg gefördert und erreicht, und so aus einer kleinen, wenig. Grube ein großes, modernes Unternehmen entwickeln helfen. A war er schon seit Jahren Vertrauensmann der Knappschafts⸗Be⸗ rufsgenossenschaft und auch sonst in Unfallverhütungs⸗ und Arbeite fürsorgefragen lebhaft tätig. Der Kriegsausbruch rief ihn soglei zu den Fahnen. Zunächst war er Adjutant des Offenbacher Ersatz⸗ bataillons, dann führte er in den Kämpfen in Flandern erst eine Kompagnie, dann ein Bataillon, das er später als Hauptmann in den Karpathen und jetzt in Galizien führte. Er war mit dem Eisernen Kreuz 2. und 1. Klasse und der Hesstschen Tapferkeits⸗ medaille ausgezeichnet worden. Alle, die ihn kannten, werden ihn als prächtigen, tüchtigen Menschen in ehrender Erinnerung behalten. ö Kreis Wetzlar. n Ertrunken. In Löhnberg nahm der 20jährige Sohn des Maschinenbauers Zipp am Dienstag abend ein Bad in der Lahn, nachdem er auf dem am Flusse gelegenen Grundstück gearbeitet hatte. Wahrscheinlich war der junge Mann zu erhitzt in das Wasser gegangen, denn obwohl er ein guter Schwimmer war, v ersank er plötzlich in die Tiefe und er trank. Westerwald und Unterlahn. „ Opfer der Bergarbeit. Auf der Krupp'schen Eisensteingrube bei Fachingen a. d. Lahn ereignete fich am Dienstag ein Unfall. „Pr Diethelm mußte bei Tische tun, als ob er noch nirgends ge⸗ Diethelm von Buch enberg. speist habe; er würgte jeden Bissen mit Mühe hinab, und sein Erzählung von Bertold Auerbach. 18 ganzes Heimwesen erschien ihm auf einmal so düster: wie war's draußen in der Welt so hell und freundlich und alles Diethelm stand erstarrt und biß sich auf die Lippen.] so zuvorkommend, und hier mußte er immer tun, als ob er Was meinte die Frau mit diesen Worten? Wie konnte sie] das Gnadenbrot esse. Die freie Stimmung, die er aus der ahnen, daß heute schon zum zweiten Male ein solcher Ge-] Ferne mitgebracht, war plötzlich gefängnisdumpf, und als danke ihm wie ein brennender Funke in die Seele fiel? Die] er wieder hinabkam und seine Halbkutsche sah, meinte er, er Frau aber schien diese Worte nur unbedacht als scharfe Wider-] müsse gleich wieder anspannen und fort, immer weiter: auf rede gesprochen zu haben; denn, ohne weiter darauf einzu- der Kalten Herberge, im Stern, in der Post, überall war's gehen, schalt sie die Fränz:„Was laufst so rum wie ein! viel besser, sonniger und luftiger. Schlittengaul? Wirst doch nicht so daheim rumlaufen Wagen an Wagen kamen angefahren, Herden hielten wollen? Zieh' deine Sonntagskleider aus. ist ja Sünd'] unten am Wege und blökten so kläglich, und Diethelm war's und schad'. Bei rechtschaffenen Bauersleuten ist's immer] wieder, als ob ihn all das neue Besitztum erdrücke; er hatte so gewesen; wenn man heimkommt, zieht man seine Werk- außer Medard noch zwei Schäfer in Dienst genommen, und tagskleider an und legt die guten ordentlich in den Schrank.] noch hatte jeder mehr als die gewohnte Zahl vierhundert zu Aus dem Weg! Darfst mir nichts anrühren. Fahr' in der] hüten. Aber er tat freundlich und wohlgemut, er half selber Welt herum oder zum Teufel, wohin du magst.“ die Ballen oben in der Luke einziehen, und einmal schrie alles Der Zorn gegen den Vater ging, wie schon so oft, auch] laut auf, denn Diethelm hatte sich zu weit hinausgewagt, er diesmal an dem Kinde aus; denn einerseits hatte Martha] hing frei in der Luft am Seile, es war ihm, als schwebte er nicht den vollen Mut gegen ihren Mann, andererseits wußte] über dem Abgrund: er wußte nicht, sollte er festhalten oder sie, daß eine Kränkung der Fränz ihm doppelt weh tue. freiwillig hinabstürzen, daß er zerschmettere und alles auf Fränz wollte laut aufweinen, aber Diethelm beschwichtigte sief einmal aus sei; aber unwillkürlich hielt er fest, und beson⸗ und sagte:„Die Mutter hat recht, ganz recht hat sie, aber] ders der Geistesgegenwart und dem entschiedenen Kommando heut' ist eine Ausnahme, heut' kommen noch viele Leut', und] des Schäfersoldaten Munde war es zu danken, daß vor lauter da darf man nicht so verhudelt rumlaufen.“ Staunen über den möglichen Unfall derselbe nicht eintraf. „Und ich? Ich kann das Aschenputtel sein?“ fragte die] Die Männer unten ließen leise die Last wieder herabgleiten, Mutter. und Diethelm stand schwankend auf dem Boden und fühlte, „Du mußt dich auch besser antun. Wie gefällt dir das] wie er aus Not und Tod plötzlich wieder ins Leben gestellt Manteltuch? Frau, du wirst dein' Freud' haben an dem] war. Marktgang,“ sagte Diethelm mit zutraulicher Stimme, wäh⸗ Die Gefahr, in der Diethelm geschwebt, hatte plötzlich rend er klein Holz häckelte, eine Aufmerksamkeit, die er seit] wieder all die Liebe Marthas zu ihm geweckt, sie umhalste den ersten Jahren der Ehe nicht mehr gehabt hatte. ihn laut weinend und dankte Gott für seine Rettung. Vor Der Hausfriede war nun notdürftig hergestellt, und einer Stunde noch voll Jähzorn und aiftiger Verwünschungen, verfiel sie jetzt in die ganz entgegengesetzte Stimmung, daß sie ihren Diethelm„verkindelte“, so daß dieser einst von solcher altmütterlichen Behandlungsart gesagt hatte: es fehlt nichts weiter, als daß ihm seine Frau noch Kindchensbrei koche. Martha duldete es nicht mehr, daß Diethelm irgend Hand anlege; sie besorgte selber die Empfangnahme alles Eingekauften. Diethelm mußte in der Stube sitzen, und wie er draußen lärmen und rufen hörte, kam er sich vor, als wäre er im Fieber gefangen und alles stürmte auf, ihn ein, und er konnte sich nicht wehren und mußte still alles mit sich geschehen lassen. Endlich waren die leeren Wagen abgefahren, die Herden in den weitläufigen, an das Haus angebauten Ställen unter⸗ gebracht. Es war Abend, und Diethelm fühlte sich so wohl daheim, daß ihm die vergangenen Tage und das Hinaus⸗ sehnen wie ein Traum erschienen. Hier allein war Friede und Glückseligkeit. Er ließ den Munde in die Stube rufen, dankte ihm für seine entschiedene Hilfe und schenkte ihm einen Kronentaler, Munde nahm zaghaft das dargebotene Geld, aber er nahm es doch, und fast stolperte er über Fränz, die am Spinnrocken saß, und verließ ohne ein Wort die Stube. Diethelm war so hingegeben, daß er fast geneigt war, seiner Frau die ganze Lage seiner Verhältnisse zu offenbaren, aber er hielt noch zeitig genug an sich und erklärte ihr nur, daß er entschlossen sei, nur noch diesmal die Handelschaft zu treiben, dann wolle er wieder hier oder anderswo Aecker kaufen und ruhig bauern wie ehedem. Diese tröstliche Aus- sicht, die das Antlitz der Frau fast verjüngte, erfüllte Diet⸗ helm selbst mit einer heiteren Gemütsruhe und in ihm sprach's: es muß alles wieder gut werden, Gott darf eine so schöne Zukunft nicht zuschanden werden lassen.. Eine andächtige Stille herrschte in der Stube, und Diethelm zog die Uhr auf; das war das Zeichen, daß es Zeit zum Schlafen⸗ gehen sei.(Fortsetzung folgt.) muß sie aber vor jeglicher Besudelung durch schmutzige Wucherer⸗ N — . —— 9 * 2 E —— Während der Arbeit stieß der aus dem Felde beurlaubte Reservist Hugo Leineweber aus Wasenbach auf einen steckengebliebenen Schuß, der sofort explodierte. Leineweber wurde verschllttet und kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus nach Diez. Dort ist er in der Nacht gestorben. Er war 24 Jahre alt. Ein Mitarbeiter namens Schäfer aus Schönborn erlitt Verletzungen an den Armen, die jedoch ungefährlich sind. Vermischtes. Noch ein Opfer des Karlsruher Fliegerattentats. Her bei dem Fliegerüberfall auf Karlsruhe durch Bomben⸗ wplitter schwer verletzte Wagenfabrikant Hermann Brand ist jetzt seinen Verwundungen erlegen. Damit ist die Gesamtzahl der Opfer des Ueberfalls auf unsere Stadt auf 28 gestiegen. Die übrigen Verletzten, die sich noch im Städt. Krankenhaus befinden, sollen außer Gefahr sein. 8 f Morphiumvergiftung eines Kindes. Das 2 jährige Söhnchen eines Schieferdeckers in Karlsruhe trank in einem unbewachten Augenblick Morphiumtropfen und starb. Schreckliches Brandunglück. Die Schlesische Volkszeitung meldet: Am Dienstag abend brach im Hause des Bäckermeisters Heller in Sorau bei Waldenburg ein Dachstubenbrand aus. Da die Bewohner bereits schliefen, konnte sich das Feuer unbemerkt über den ganzen oberen Teil des Hauses ausbreiten. Sieben Personen, darunter fünf aus derselben Fa⸗ milie, kamen in den Flammen vm, zwei andere wurden verletzt. Die 11 ist unbekannt. rsache ist Raubmord auf der Landstraße. Aus Berlin, 7. Juli, wird berichtet: Auf der Chaussee, die von Oranienburg nach dem 5 Kilometer entfernten Dorfe Schmach⸗ tenhagen führt, ist gestern mittag ein schweres Verbrechen verübt worden. Hier wurde die 35jährige Bäckersfrau Anna Witt aus Schmachtenhagen von einem bisher unbekannten Täter überfallen, beraubt und durch Beilhiebe über den Kopf so schwer verletzt, daß ste noch abends im Oranienburger Krankenhause verstarb. Telegramme. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Heftige Kämpfe in Polen. Wien, 8. Juli.(W. T. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlaut⸗ dart: 8. Juli 1915. Russischer Kriegsschauplatz. In Russisch⸗Polen östlich der Weichsel dauern die Kämpfe fort. Zahlreiche heftige russische Angriffe wurden blutig abgeschlagen. Vor überlegenen feindlichen Kräften, die, zur Deckung von Lublin herangeführt, zum Gegenangriff vorgingen, wurden unsere Trup⸗ ven beiderseits der Chaussee auf die Höhen nördlich Krasnik zu⸗ rückgenommen. 1 Westlich der Weichsel wurden einige russische Vorstellungen er⸗ ürmt. Abgewiesene Vorstöße der Italiener. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Görzischen unternahmen die Italiener gestern wieder ein⸗ zelne Vorstöße. Gegen den Görzer Brückenkopf sandten sie auch Mobilmiliz ins Treffen. Unsere Truppen schlugen sämtliche feind⸗ lichen Angriffe wie immer ab. Am mittleren Isonzo und im Krn⸗ gebiet herrscht Ruhe. Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet fanden nur Geschütz⸗ kämpfe statt. Eine neue Niederlage der Montenegriner. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Auf den Grenzhöhen östlich Trebinje hat nachts zum 7. Juli der Kampf gegen die Montenegriner erneut begonnen. Da der Gegenangriff am 6. ds. Mts. mißlungen war, versuchte der Feind nachts noch einen Vorstoß, der jedoch in unserem Infanterie⸗ und Artilleriefeuer völlig zusammenbrach. Nunmehr herrscht dort Ruhe. An der übrigen Grenze hat sich nichts wesentliches ereignet. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. Italienischer Panzerkreuzer versenkt! Wien, 3. Juli.(W. B. Nichtamtl.) Eines unserer Unterseeboote torpedierte und ver⸗ senkte am 7. Juli morgens einen italienischen . Typ„Amalsi“, in der Nord⸗ adria. Der Chef des italienischen Generalstabs teilt unterm S. Juli morgens 4 Uhr mit: Eine Geschwaderaufklärung wurde vergangene Nacht auf der oberen Adria ausgeführt. Der Kreuzer„Amalfi“, der hieran teilnahm, wurde bei Tagesanbruch durch ein öster— reichisches Tauchboot torpilliert. Das Schiff, hatte sofort Schlagseite nach links. Der Kommandant rief, bevor er die Mannschaft sich ins Meer werfen ließ:„Es lebe der König! Es lebe Italien!“, in welchen Ruf die auf Hinterdeck aufge— stellte Mannschaft mit bewunderungswürdiger Disziplin einstimmte. Der Kommandant verließ als Letzter das Schiff, indem er sich auf ein aus dem Wasser emportauchendes Schiffsboot heruntergleiten ließ. Das Schiff sank bald dar⸗ auf. Durch unsere Hilfe wurden fast die ganze Bemannung und die Offiziere gerettet. Thaon di Revel. * Die römische Presse tröstet sich über den Untergang der„Amalfi“ damit, daß bei den ausgezeichneten österreichischen Basen, der Schnelligkeit der Unterseeboote und der Vollendung der technischen Hilfsmittel derartige Zwischenfälle unvermeidbar und vorauszu⸗ sehen seien. Die Torpedierung fand gestern morgen dreißig Kilo⸗ meter von der Küste statt, als die„Amalfi“ von einer Aufklärungs⸗ fahrt im Golfe von Venedig zurückkehrte. Von Venedig gingen so— fort zwei Hospitalschiffe ab. Die Besatzung betrug rund 900 Mann, davon sollen 500 ge⸗ rettet sein. Die„Amalfi“ ist 1908 in Sestri vom Stapel gelaufen, hatte 10 400 Tonnen, Schnelligkeit 23 Knoten, Bewaffnung vier Kanonen von 254, acht von 190, 18 von 76, zwei von 47 Millimeter, zwei Maschinengewehre, drei Torpedorohre. Der Hafen von Riga gesperrt. T. U. Wien, 8. Juli. Das 8 Uhr Abendblatt erfährt liber Kopenhagen aus Petersburg: Der Hafen von Riga ist für den neutralen Handel als gefährdet erklärt und vollständig gesperrt worden. Alle im Rigaer Hafen liegenden russischen Handelsschiffe wurden in die Petersburger Bucht gebracht, Räumung Venedigs von Kunstschätzen. T. U. Lugano, 8. Juli. Infolge der Ereignisse am Isonzo sind aus Venedig mehrere Eisenbahnzüge mit wertvollen Kunstschätzen in das Innere Italiens abgegangen. Sie wurden von Truppen der Mailänder Garnisonen begleitet. Die Flucht der Wohlhabenden aus Venedig ist allgemein. Der türkische Tagesbericht. Konstantinopel, 8. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Das Große Hauptquartier meldet: An der kaukasischen Front ver⸗ suchte die von unserem rechten Flügel zurückgeschlagene feind liche Kavallerie, sich in ihrer Stellung zu halten und Gegen⸗ angriffe zu unternehmen. Die Versuche schlugen fehl. An der Dardanellenfront beschoß unsere Artillerie bei Ari-Burnu am 6. Juli wirksam die feindlichen Stel⸗ lungen und verursachte schweren Schaden. Die gegen unseren linken Flügel kämpfende feindliche Artillerie beschoß infolge schlecht gezielten Feuers die eigenen Schützengräben und fügte dadurch ihren eigenen Soldaten beträchtliche Ver— luste zu. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr schlugen wir die von Erkun⸗ dungsabteilungen des Feindes versuchten Angriffe ab und fügten ihnen schwere Verluste zu. Während der Feind bei Tekke Burnu mit Aus⸗ und Einbooten beschäftigt war, woran sich Hilfskriegsschiffe und kleinere Boote beteiligten, eröffneten unsere anatolischen Küstenbatterien plötzlich das Feuer auf die genannte Stellung. Eine Granate fiel mitten in ein Bataillon des Feindes und verursachte Verwirrung und Verluste. Dieselben Batterien sprengten ein feind⸗ liches Munitionsdepot in der Nähe in die Luft. Von den anderen Fronten ist nichts Wichtiges zu melden. Demoralisierung des Feindes. Aus Konstantinopel, 8. Juli, wird der Frankf. Ztg. ge⸗ schrieben: Die Operationen an den Dardanellen nehmen seit eini⸗ gen Tagen einen sehr befriedigenden Fortgang. Während trotz der heftigsten Kämpfe die beiderseitigen Positionen seit Wochen unverändert blieben, ist es jetzt durch einen kühnen Angriff der Türken gelungen, mehrere wich⸗ tige Schützengräben des rechten Flügels den Engländern zu entreißen. Bei der Gelegenheit sind zwei bemerkenswerte Erscheinungen beobachtet worden. Die Franzosen, von denen auch einige gefangen genommen wurden, setzen sich aus jungen, kaum siebzehn Jahre alten Mannschaften zusammen. Sie machen einen geradezu bedauernswerten Eindruck. Unter den Engländern zeigen sich ernste Anzeichen von Dis⸗ ziplinlosigkeiten und Ermüdung. Die englischen Führer müssen zu den stärksten Mitteln Zuflucht nehmen, um ihre Truppen in der Hand zu halten. So feuern die hinter der Hauptfront befindlichen zweiten englischen Schützengräben unbarmherzig auf ihre eigenen Leute, wenn beim Angriff Schützen zurückbleiben oder sich mit Fluchtabsichten tragen. Das Riesendesizit im englischen Staatshaushalt. Im englischen Oberhaus zeitigte das lawinenartige Anschwellen der Staatsausgaben infolge des Krieges eine lebhafte Debatte. Lord Midleton brachte eine Resolution ein, daß die Regierung Schritte tun müsse, um die nichtmilitärischen Staatsausgaben zu verringern. Er sagte dabei, daß die letzten Tage eine beträchtlich veränderte Hal⸗ tung der Regierung betreffs des Krieges zeigten. Reden wie die Curzons ließen erkennen, daß die Regierung entschlossen sei, das Volk nicht länger im Zweifel zu lassen, daß die Maske abgenommen und der Ernst der Lage völlig dargelegt werden solle. Die Kriegs⸗ schuld würde März 1916, wenn der Krieg dann beeendet wäre 1293 Millionen Pfund(25 860 Millionen Mark) betragen, die Zinsen würden 58 194000, die Kriegspensionen etwa 19 Millionen Pfund Sterling ausmachen. Demgegenüber ständen, vorausgesetzt, daß die Verbündeten und die Dominions alle aus den Anleihen entstandenen Verpflichtungen erfüllten, nur 62 750 000 Pfund zur Verfügung, sodaß ein jährliches Defizit von 14 250 000 Pfund(285 Millionen Mark) vorhanden sein würde. Dabei fehlten Maßnahmen zur Ab⸗ tragung der neuen Schuld. Midleton kritisierte die einzelnen Resforts und griff die Finanzpolitik der liberalen Regierung, namentlich die Ausgaben für Sozialpolitik und Schulpolitik an und sagte:„Wir scheinen ebensowenig finanzielle wie militärische Vor⸗ bereitungen für den Krieg getroffen zu haben. Lord Lansdowne stimmte im allgemeinen den Ausführungen Midletons zu. Lord Staldwyn tadelte, daß der Schatzkanzler nicht sofort bei Kriegsbeginn die Besteuerung erhöht habe. Lord Haldane stimmte der Ansicht zu, daß die Ministerien sehr verschwenderisch wirtschafteten, aber die Debatte mache den Eindruck, als ob es nach dem Kriege genügen würde, neue Steuern zu erheben und im übrigen fortzufahren wie vorher. England werde indessen nach dem Kriege ein ganz anderes, weil viel ärmeres Land sein. Es werde die Vorteile des Prestiges der Vergangenheit und der Tradition verloren haben, die England eine einzigartige Stellung im Handel und in der Industrie gegeben hätten und die es bis jetzt genossen hätte, weil es sie in Besitz hatte, ohne daß Rivalen hineinkommen konnten. Jetzt aber würden die Rivalen ins Feld einbrechen, England werde nicht so viel Ueberfluß an Kapital haben wie andere Länder. Die Kaufleute und Industriel⸗ len würden auf ihre eigenen Hilfsquellen, auf ihr eigenes Geschick, ihre Findigkeit und ihren Unternehmungsgeist angewiesen sein. Es sei daher notwendig, sich jetzt darauf vorzubereiten; eine bessere Er⸗ ziehung sei nötig. Die Kaufleute und Industriellen müßten eine bessere Vorbildung erhalten, wenn sie sich gegen die neue Konkurrenz behaupten sollten. Sparsamkeit müsse aufs entschiedenste geübt wer⸗ den, aber im Schulwesen ebensowenig wie bei den Armeen an der Front. Die ägyptischen Ulemas und Notabeln gegen den Krieg. Konstantinopel, 8. Juli.(W. B. Nichtamtlich.) Wie die Blätter an zuständiger Stelle erfahren, haben sich die Ulemas und Notabeln in Aegypten in Ausübung der ihrem religiösen Amte zustehenden Machtbefugnis versammelt und nach längerer Aussprache beschlossen, bei der britischen Re— gierung vorstellig zu werden und zu verlangen, daß dem Krieg gegen den Khalifen in Anbetracht der Tatsache, daß dieser Krieg die religiösen Gefühle verletzte, ein Ende gesetzt werde. Ein englischer Dampfer von einem Unterseeboot vernichtet. T. U. Athen, 8. Juli. Der Kapitän des griechischen Dampfers „Andromache“ meldet aus England, daß er am 22. vorigen Mo⸗ nats bei Lundy Island, am Eingange des Bristolkanals, zwei Booten begegnete, in denen 20 Mann der Besatzung des englischen Dampfers„Hopemont“ sich befanden, der mit einer Kohlenladung nach Alexandrien unterwegs von einem deutschen Unterseeboot ver— nichtet worden ist. Griechische Entrüstung über England. Wie der Bukarester Seara aus Salonik gemeldet wird, greift die gesamte griechische Presse, auch die russphile, Eng⸗ land wegen der Verfügung der englischen Admiralität betr. die Blockierung der griechischen Küsten an. Eine Deputation des Verbandes der Schiffsgesellschaften sprach beim Ministerpräsidenten Gunaxis vor und er · suchte um sofortige Intervention behufs Sicherung des unge⸗ störten griechischen Seehandels. Die Gesellschaften drohe mit Einstellung des Verkehrs und Entlassung des Personals Ganz besondere Entrüstung erregt die Verfügung der eng lischen Regierung, die die Ausfuhr von Lebens und anderen Konsumartikeln aus Aegypten nach Griechen land verbietet. f Kein Eintritt Portugals in den Krieg. T. Uu. Genf, 8. Juli. Der Madrider Imparcial meldet: Insolge des bevorstehenden Eintritts Portugals in den Weltkrieg, haben in Lissabon revolutionäre Kundgebungen stattgefunden. Diario schreibt, daß bisher keine Kriegsbeteiligung Portugals be schlossen sei und auch keine in Aussicht stehe. In Oporto hat 50 Arbeiterschaft vor dem englischen Konsulat demonstriert. Nussisches. Der französische Militärattachee gelyucht! Von den anläßlich der Moskauer Pogroms von dort flüchtig gewordenen Personen ist eine größere Gruppe nach Rumänien gekommen. Ein unter ihr befindlicher Arzt deutscher Abstammung aus Saratow, der sich nach Brasso und Kronstadt begab, erzählte, wie Az Est meldet, in dortigen Blättern interessante Einzelheiten über seine Erlebnisse: Er war Augenzeuge der Moskauer Ruhestörungen, die mit Un⸗ terstützung der russischen Regierung von der Ochrana ver⸗ anstaltet wurden. Während der ärgsten Ausschreitungen erschien der in Moskau weilende französische Militärattachee auf der Straße. Die tobende Menge, die ihn für eine Deutschen hielt, stürzte sich auf ihn und lyychte ihn. Bis e der Polizei gelang, durch die Masse zu dringen, war der Attachee, der fürchterliche Wunden erlitten hatte, bereits tot. Verhaftung russischer Würdenträger. Die Bürgermeister von Windau, Goldingen und Hasenpot in den russischen Ostseeprovinzen wurden auf Befehl von Petersburg verhaftet und unter militärischer Bewachung in das Mitauer Ge⸗ fängnis eingeliefert. Staatsrat Spahn, der seit langer Zeit Direktor einer Gesell⸗ schaft war, die sich mit der Herstellung von chemischen und 92 stoffen für den Staat beschäftigte, wurde verhaftet und in die vinz Nenissei geschickt. Ein russischer Aufruf an deutsche Soldaten. In einem siegreich genommenen russischen Schützengraben fand sich der folgende Aufruf an die deutschen Soldaten. Der Ort, wo er gefunden wurde und die Zeit, in der er ver ⸗ breitet werden sollte, rücken ihn in ein eigenartiges Licht: „Deutsche Soldaten! Wir bringen Euch die Wahrheit. Zum zweiten Mal schon schleppt man Euch vor die Warschaus und zum zweiten Mal wird Euer Blut zwecklos ver⸗ gossen. Drüben in der Heimat weinen Eure Frauen und Kinder. Ihr selbst erduldet unsägliche Not und geht sicherem Verderben entgegen. Rußlands Armeen sind groß, wie das Meer. Unmög⸗ 5 ist es, sie zu durchbrechen, unmöglich, unser Riefenheer zu be⸗ siegen. Deutsche Soldaten! Ihr werdet belogen. Eure Armee ist von den Engländern und Franzosen völlig geschlagen worden und flieht. Zwei Millionen deutscher Soldaten sind bereits tot oder verwundet. In einigen Tagen(!) werden die französisch⸗eng⸗ lischen Truppen den Rhein überschreiten. Der Krieg mit sei unsäglichen Jammer wird nach Deutschland hineingetragen, Hab und Gut wird vernichtet werden. Deutsche Soldaten! Eure Führer wissen wohl, daß sie den unermeßlichen Reserven Rußlands gegenüber ohnmächtig sind/ aber sie wollen lieber Euer Blut als ihre eigene Eitelkeit o 9 Was kümmert sie menschliches Elend? Was gehen sie die Tränen Eurer Frauen und Kinder an? Während Ihr hier vor den Schanzen Warschaus einem bluti gen Zusammenbruch entgegengeht, heult schon drüben in Euren. Vaterlande der Hunger. Eure Familien haben kein Brot. Not, bittere Not pocht an ihre Tütre. Was säumt Ihr noch? Soll Euer Blut zum Dünger für—— seren Boden werden? Jeder Tag dieses aussichtslosen Kampfes bringt Euch dem Tode und dem Unglück näher. Streckt die Waffen! Kommt zu uns herüber! Ihr habt bereits genug Be⸗ weise Eurer Vaterlandsliebe gegeben, jetzt ist es die höchste Zeit, Eure Vernunft zu beweisen. Wahnwitz wäre es, für eine ver⸗ lorene Sache zu bluten. 5 Wir haben aus dem unzählbaren Menschenmaterial des rus⸗ sischen Kafserreichs neue Millionen an die Front gebracht und Ihr geht völliger Vernichtung entgegen. Je länger Ihr ausharrt, desto schlimmer wird das Ende, deste⸗ größer die Opfer, desto trauriger das Los Eurer Familien sein. Die Stunde schlägt. Rettet Euch vor dem Verderben! Die russische Armee.“ „In einigen Tagen werden französisch-englische Truppet, den Rhein überschreiten!“ Und dabei mühen sich die fran⸗ zösisch-englischen Truppen noch heute wie vor Monaten ver · geblich ab, den Deutschen in Frankreich und Belgien irgend ⸗ welchen beträchtlichen Bodengewinn abzuringen! Immer wieder ist die prahlend angekündigte große Offensive Joffres machtlos in sich zusammengebrochen.—„Unmöglich ist es, unser Riesenheer zu besiegen“— und dabei stehen in der Ge⸗ schichte dieses Krieges die Namen Tannenberg, Masuren⸗ schlacht, Gorlice—Tarnow für alle Zeiten eingezeichnet. Von den Karpathenhöhen bis nach Lemberg hat der neueste fieg reiche Vorstoß geführt. Neue Hunderttausende russischer Sol⸗ daten bezeugen die„Unwiderstehlichkeit“ russischer Heere in deutscher oder österreichisch-ungarischer Gefangenschaft.— „Rußlands Armeen sind groß wie das„Meer“. Aber Ruß⸗ land hat bereits seine mandschurischen Garnisonen auf den europäischen Kriegsschauplatz geführt und die jüngsten Jahr⸗ gänge zu den Fahnen aufgeboten.„Jeder Tag dieses aus⸗ sichtslosen Kampfes bringt Euch dem Unglück näher“— aber das Unglück hieß Przemysl und hieß Lemberg! Zeitungsvertrieb in Russisch⸗Polen. Die Norddeutsche Allg. Ztg. teilt mit, daß bei sämtlichen deut⸗ schen Postanstalten in Russisch⸗Polen der Zeitungsvertrieb einge⸗ führt worden ist. Bezogen werden können die in deutscher Sprache innerhalb Deutschlands erscheinenden, sowie eine beschränkte Zahl, polnischer Jeitungen und Zeitschriften. Die Bezieher in Russisch⸗ Polen haben die deutschen Bezugspreise zu entrichten. Gleichzeitig find auch die Ueberweisung von Zeitungen für gewonnene Bezieher, sowie der Versand von Zeitungsbahnhofsbriefen nach Russisch⸗ Polen zugelassen. Verantwortlicher Redakteur; F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. a Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Verstorbene. Heinrich Specht in Heimertshausen, Kr. Als⸗ feld, 81 Jahre alt.— Frau Dorothea Ziegler, geb. Möser in Wieseck, 65 Jahre alt. „ Arbeiterbewegung. Der Verband der Lithographen und Steindrucker im Jahre 1914. Schon seit einer Reihe von Jahren hat der Verband eine Zeit der schwersten Prüfungen zu bestehen. Nicht allein, daß das litho⸗ graphische Gewerbe schon lange unter einer besonders schrweren. wirt⸗ schaftlichen Depresston zu leiden hatte, mußte der Verband auch zwei große Streik⸗ und Aussperrungskämpse 1906 und 194 durch⸗ machen, bei denen mehr als ein Viertel aller Mitglieder in Mit⸗ leidenschaft gezogen wurden. Ende 1913 trat eine Besserung auf dem Arbeitsmarkt ein, sodaß auf das Jahr 1914 die besten Hoffnungen gesetzt werden konnten. Durch deu ausgebrochenen Weltkrieg wurde dies jäh unterbrochen und alle Hoffnungen zu nichts gemacht. Die Arbeitslosigkeit stieg ins Ungeheuerliche. Am 16. August wur⸗ den 7713 arbeitslose Mitglieder gezählt und 3080 waren zum Kriegs⸗ dienst eingezogen. Rund 10 800 waren also aus dem Berufe ge⸗ rissen. Von den übriggebliebenen Mitgliedern konnten nur 3228 voll arbeiten und 1900 halbe Tage und weniger. Das kam beinahe einem völligen Zusammenbruch gleich, denn durch die Lohnkämpfe und durch die lange Wirtschaftskrise war die Verbandskasse sehr ge⸗ schwächt. Der Verband sah sich daher gezwungen, seine statutari⸗ schen Unterstützungen außer Kraft zu setzen, er konnte nur eine Not⸗ standsunterstützung zahlen, die allen Arbeitslosen und einem Teil Invaliden und Witwen gewährt wurde. Doch auch dieses war nur durch die Hilfe der der Generalkommission angeschlossenen Verbände möglich. Allmählich ging die Arbeitslosigkeit zurück; viele Mit⸗ glieder fanden in Gewerben sür Kriegslieserungen Beschäftigung: am Schluß des Jahres waren aber immer noch 1596 arbeitslose Mit⸗ glieder vorhanden, während im 1. und 2. Quartal durchschnittlich nur 336 gezählt wurden. Wie groß der Verlust an Mitgliederbei⸗ trägen war, geht daraus hervor, daß im Laufe des Jahres wegen Arbeitslosigkeit usw. 124457 beitragsfreie Wochennarken in die Mitgliedsbücher geklebt werden mußten. Der Verlust ist natürlich durch die Einberufung der vielen Mitglieder zum Kriegsdienst noch weit bedeutender.— Die Einnahmen betrugen im Berichtsjahre 753 145 Mark, die Ausgaben 913 350 Mark. Darunter wurden aus⸗ gezahlt für: Arbeitslosenunterstützung 296 856 Mark, Krankenunter⸗ stiitzung für Gehilfen 140 029 Mark, für Lehrlingsmitglieder 3880 Mark, Maßregelungsunterstützung 3744 Mark, Lohnbewegungen 6068 Mark, Rechtsschutz 1581 Mark, Umzugskosten 10 981 Mark, Reiseunterstützung 11894 Mark, Unterstützung bei militärischen Uebungen 1542 Mark, Invalidenunterstützung 69 568 Mark, Witwen⸗ unterstützung 37680 Mark, Sterbegeld für Mitglieder 9 800 Mark, ——— 5 2 Der Wahre Jacob kommt soeben zur Husgabe. Alle 14 Tage erscheint eine Nummer. Preis 10 Pfennig. Bestellungen durch die Kolporkeure, sowie durch die Buchhandlung N der Oberhesstschen Volliszeitung. für Mitgliederfrauen 2100 Mark und für verstorbene Lehrlingsmit⸗ Se 7 N Keller. EEE EEE EEE glieder 275 Mark. Die Zahl der Gehilfenmitglieder betrug am Aw⸗ fang des Jahres 16 533, die der Lehrlingsmitglieder(dem Verband ist seit 1908 eine Lehrlingsabteilung angegliedert) 2243. Am Schlusse des Jahres zählte der Verband nur noch 11 028 Gehilfsen⸗ mitglieder und 1925 Lehrlingsmitglieder; 59 Lehrlingsmitglieder sind Kriegsteilnehmer. Von den Gehilfenmitgliedern wurden bis 31. Dezember 4949 als zum Hoeresdienst einberufen gezählt und diese Zahl steigt noch ständig durch die weiteren täglichen Einziehungen. Von den zum Kriegsdienst Eingezogenen waren bis 31. Dezember 103 als gefallen und 89 als verwundet gemeldet. Außerdem sind im Laufe des Jahres 133 Mitglieder an den verschiedensten Krankheiten gestorben, darunter die Mehrzahl an Lungenleiden.— Die Lohn⸗ bewegungen erstrecken sich naturgemäß nur auf das erste Halbjahr. Insgesamt fanden in dieser Zeit 30 Lohnbewegungen mit 838 Be⸗ teiligten statt. In 5 Fällen kam es zu kleineren Streiks, bei denen insgesamt nur 69 Personen beteiligt waren. 5 Tarifverträge wur⸗ den für 528 Gehilfen abgeschlossen. Erreicht wurden für 341 Ge⸗ hilfen Lohnerhöhungen im Gesamtbetrage von 471 Mark wöchentlich, Arbeitszeitverkürzungen erzielten 39 Gehilfen je eine halbe Stunde, 78 eine Stunde und 2 je 6 Stunden wöchentlich; außerdem wurden noch 15 Reihe sonstiger Verbesserungen der Arbeitsverhältnisse erzielt. FD Fischnahrung. Um die Kenntnis von der Zubereitung des Klipp- und K-Fisches in möglichst weite Kreise zu tragen, werden unsere Haushaltungs- Lehrerinnen Anleitung zur Bereitung verschiedener Fischspeisen geben Montag, den 12. ds. Ms, ö bär, in der Mige-Schuls, Steinstrasss 10 (gegen Zahlung von 50 Pfg.) Dienelag, den 8. ds. Anmeldungen dazu sind am Samstag morgen an diese Stellen zu richten. Ein Lager von ungewässerten und gewässerten Fischen wird von der Firma Schwaab unterhalten. er Oberbürgermeisler. Its, in dar Städiseten Sehulküehe, Neustadt öl (unentgeltlich). EEE Jer Jörslhende des Maecselll- lern: Fromme. EEEEE EEE Apraktischer Wegweiser I ener ens gllpfeblenswerter deschäfte z ene e Brauerelen und Brennmaterlallen 9 Dler handlungen 2 8 M. ing, Lich Joh. kischer mlt eigener Mälzerel Anerkannt vorzügliche helle und dunkle Export- Biere Georg Uuht G. m. b. H. Wetzlar. Gerlach& Euler Kohlen, Roks und Briketts. 2 Kolonlalwaren Heinrich Möser,. Welzen- u. Roggenmehle Sämtliche Futterartikel engros Rüböl, Leinöl en detall eee eee Dine, Liköre schrssan Inderthal LIkörfabr. u. Welnhandlung g vormals J. Luy Glesen 1 Wetzlar Neuen-Bäue 27, Diezstr. 14. FauhAnue- Bran F. Als fe 5 bn. e * Koch& Wald . J. Simo MHainzergusse u. Altenburger Weg Butzbach Mebelgeschält Tolster er Eslätte vertr.: Georg Hebstreit Gleßzen. Telephon 163 abk. Maldscmit—— 5 Niesen Melzlar. Lean Faber Marengeschäft saarcnnaus. Bcr vas Ur.-Limdsen Tierschutzverein Gießen. Zu der Mittwoch, den 14. Juli, abends 8 ½ Uhr im Hotel Kaiserhof stattfindenden Ordentlichen Generglversammlung werden alle Mitglieder hiermit freundlichst eingeladen. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Rechnungsablage. 3. Ergänzungswahl des Vorstandes. 4. Vortrag des Herrn Schlachthof-Direktors Dr. Modde. 5. Verschiedenes. Gießen, den 7. Juli 1915. Der Vorstand. Neu! m Bruchleidende n Reu! bedürfen zur Behebung ihres Leidens kein sie schmerzendes Bruchband Arten sie meinen in Größe verschw., nach Maß und ohne Feder hergestellten, Ta 1 5 band Nacht rah. Universal⸗Bruchapparat nagen. Bin selbst am Montag, den 19. Juli, abends von 7½—8½ Uhr und Dienstag, den 20. Juli, von 8—12 Uhr in Gießen, Bahnhof⸗ Hotel Lenz mit Mustern vorerwähnt. Appax., sowie mit ff. Gummi⸗ und Federbänder, auch für Kinder, sowohl mit säntlichen Frauen⸗ arlikeln wie Leib⸗, Hängel⸗, Umstands⸗, Muttervorfallbinden, an⸗ wesend. Garantie für fachgem. streng diskrete Bedienung. Besuche im Hause bei Anmeldung im Hotel. F. 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