3 1 1 1 Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Ohe hessen und der Nachbargebiete. 5 U Die Oberbessische Bolksgettune erscheint eden Werktag Abend in Gießen Der Ahonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 0 Wi cmschl. Bringerlohn Durch die Vost besogen vierteljäbrl. 180 ME Redaktion und Ervedition Gießen, Babnbofstraße 23, Ecke Löwengasse, Televbon 2008. Inserate sosten die 6 mal gespalt. Rolonelaeie oder deren Raum 15 Wie- Bei größeren Aufträgen Rab att Anzeigen wolle man bis abends 7 Hör für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben Nt. 25 Gießen, Samstag, den 30. Januar 1915 10. Jahrgang Italien und Was sagt Italien? Ein italienischer Genosse schreibt der Parteipresse: 1 5 Deutschland und Oesterreich sieht man in jüngster Zeit mit einer offenen oder doch kaum verhehlten Besorgnis nach Italien hin und befürchtet allerhand Uebles, das sich dort vorbereiten soll. Und wenn man nur die Stimmen aus dem Corriere della Sera, dem Secolo, der Gazetta di Venezia und vielen anderen ähnlich gearteten Blättern zu trauen hätte, wenn diese wirklich die wahre Stimmung unseres Landes wiedergeben würden, dann— so schreibt man der Münchener Post aus Italien — hätte man allerdings Grund, uns nicht über den Weg zu trauen. Aber weder Poeten, wie d'Annunzio, der hofft, durch die Sonne des Chauvinismus seinen welken Lorbeer neu erblühen zu sehen, noch eitle, durch französische Schmeicheleien gewonnene Pro⸗ fessoren, noch das radikale Freimaurertum, das jedes sozialen Gedankens unfähig ist und unter der Führung Exnesto Nathans einen Tiefstand wie nie zuvor erreicht hat, noch endlich die von Herrn Barrsre ausgehaltenen Journale sind Italien. Auf diese verschiedenen Gruppen von Schreiern, Hetzern und Lärmern trifft das gute Wort Tittonis zu, das er am 28. Juni 1909 in der Deputiertenkammer sprach, als wir uns in einem an⸗ scheinend belangvollen Konflikt mit Oesterreich besanden. Tittoni, damals Minister des Aeußern, ließ sich also aus: In allen Ländern ist die Presse und die öffentliche Mei⸗ nung oft kriegerischer gestimmt als die betreffenden Regierungen. Wenn öffentliche Meinung und Presse sich in Aus⸗ brüchen plötzlicher Erregung gefallen, so ist es die Aufgabe der Staatsmänner ihre Ruhe zu bewahren und sich der Suggestion, die die plötzliche Unruhe auf sie ausüben kann, zu entziehen. Paßt dies Wort schon auf eine wirkliche Aufregung im Volke, so noch viel mehr dann, wenn nur ein gewisser kleiner Kreis, der leider viele große Blätter zur Verfügung hat, eine künstliche Erregung mimt, um die Nation für seine eigenen Zwecke mobil zu machen. Tittoni, der heute unser Land in Frankreich vertritt, wird zweffellos daher der Sentenz zufolge handeln, die er vor sechs Jahren als richtig verkündete, und die Machthaber der Re⸗ publik warnen, Barreres Berichten zu trauen und sich auf eine Hllfe Italiens in ihren Nöten zu verlassen. Ebenso werden Sonnino und Salandra kaum geneigt sein, sich die Rezepte ihrer Politik auf der französischen Botschaft schreiben zu lassen. Jeden⸗ falls ist der bedeutendste Politiker Italtens, Giolitti, hierzu nicht geneigt, und wenn die einflußreiche Stampa in den letzten Wochen eine bemerkenswerte Schwenkung machte, so dürfte dies auf seinen Einfluß sich zurückführen lassen. Man muß ferner bedenken, daß fast die ganze süditalienische Presse, nicht etwa nur die von Parla⸗ menghi Erispi und seinen Freunden inspirierte, durchaus für die Einhaltung der Neutralität eintritt und das wüste Geschrei der nord⸗ und mittelitalienischen oft in sehr scharfer Weise geißelt. Leider hat das Geschrei auf die deutsche Kolonie in Rom gewirkt, unter dieser eine Art Panik erzeugt, und aufgeregte Be⸗ richterstatter und Künstler fabeln in ihren Privathriesen, die sie nach ihrer Heimat senden, von einer großen Erregung des italieni⸗ schen Volkes, wie deutsche Nachrichten melden. Denn das eigentliche Italien will wirklich nichts von einem Kriege wissen, zu einer Zeit, wo kaum die wirt⸗ schaftlichen Wunden des Tripolis⸗Krieges zu vernarben beginnen, und es meint, durch Bewahrung einer strikten Neutralität werde es am Friedensschluß leichter und sicherer auf seine Kosten kommen, als wenn es sich in das Abenteuer eines neuen Kampfes stürzt, dessen Ausgang recht zweifelhaft erscheint 5 Dieses wahre Italien ist in erster Linie in den Werk⸗ stätten der Industrie zu suchen Wenn sich französische und englische Blätter den Anschein geben, als hätte die Partei der Reformsozialisten einen bestimmenden Einfluß auf die italienische Arbeiterschaft, so täuschen sie bewußt ihr Publikum Mag die Presse der Reformsozialisten noch so chauvinistisch sich gebärden, mag der Asino, dessen Name immer mehr zu einer Selbstironie wird, noch so frech die Zunge gegen Deutschland hoxausstrecken, ein derartiges Treiben bleibt ohne sede Wirkung auf die über⸗ wältigende Mehrheit der italienischen Arbeiterschaft Diese wil! und fordert die Einhaltung strikter Neutralität; sie hat dies öffentlich in nicht mißzuverstehender Weise bekundet und sie besitzt die Macht, ihren Willen im gegebenen Falle sehr wirkungs⸗ voll zum Ausdruck zu bringen Die italienische Soi al⸗ demokrat ke, also die italienische Arbesterschaft, rückt mit Ver⸗ achtung von den frevelhaften Schreiern und Wühlern, fort. Aber auch die Katholiken Italiens beginnen die gleiche Haltung einzunehmen. Man braucht nichts weniger als gläubig zu sein und kann doch Benedikt 15. zugestehen, daß er in der großen Krise, in der wir uns befinden, eine würdige, einem Priester wohl⸗ anstehende Haltung einnimmt. ö 1 145 Der Papst wünscht, daß die Katholiken Italiens in keiner Weise sich den Kriegshetzern anschließen, sondern sich für die Aus⸗ rechterhaltung der Neutralität einsetzen. Und der Wille des Napstes ist eine Potenz, deren Kraft zu unterschätzen, hieße, nur die eigene Unkenntnis beweisen. 7 4 Was König Viktor Emmanuel anbetrifft, so weiß man genau, und sch trete für meine Worte ein, daß er einen Krieg gegen seine bisherigen Verbündeten verabscheut. Und wenn der Klopffechter Barréres ihm deshalb sehr deutlich mit der Absetzung der Dynastie Savoyen droht, so darf er diese Drohung wirklich verachten. die Errichtung einer Republik, in der Ernesto Nathan, in der Ge⸗ schäftsspekulanten, Chauvinisten und ähnliche Gesellen am Ruder sind, wird kein italsenischer Arbeiter auch nur einen Finger rühren, und die italienischen Katholiken würden sie, trotz des Gegensatzes zwischen Vatikan und Quirinal, auf das hestiaste bekämpfen. Wie der König, so denkt auch der größte Teil des Offizterkorps, der es vom Ehrenpunkt aus verurteilt, einen Krieg gegen Deutschland und Oesterreich zu führen, so denken die meisten wirklich gebildeten Politiker. Denn diese wissen, daß Italien durch den augenblicklichen Anschluß an den Dreiverband in Zukunft schweren Schaden zu gewärtigen hätte. Es würde sich selbst b ü n dnisun fä hig machen, denn keine Macht könnte mehr das Risiko auf sich nehmen, mit einem so unzuverlässigen Partner sich zu verbünden. Dann aber erkennen sie, wie gefährlich die Lage unseres Landes sein müßte, wenn England, Frankreich und Rußland die Herren des Mittelmeers und der Levante sind. Je mehr unverbrauchte Kraft Italien besitzt, wenn die Friedens⸗ verhandlungen unter den Kriegführenden beginnen, desto stärker kann es seine berechtigten Wünsche fördern und durchsetzen. Daher bedarf es des Friedens und nicht des Krieges. Man soll also jenseits der Alpen das wüste Lärmen der ge⸗ wissen Preßmeute richtig einschätzen, dann wird man sich durch es nicht erschrecken lassen, sondern mit dem großen Deutschen, der zu⸗ gleich der beste Freund Italiens war, mit Goethe lächelnd sagen: Wanderer, gegen solche Not Wolltest du dich sträuben? Wirbelwind und trocknen Kot, Laß sie drehn und treiben. 895 Doch ist es notwendig, daß man auch in Deutschland und Oesterreich endlich beginnt Italien gerechter zu beurteilen. Man hat dies nicht immer seit dem Beginn des Krieges getan, trat es auch nicht in der Presse aus leicht erklärlichen Gründen zutage, so wußten wir doch, wie hart die öffentliche Meinung in beiden Ländern über uns urteilte. Das war aber ungerecht. Zunächst muß man nicht vergessen, daß die östexreichische Politik sowohl während des Tripoliskriegs auch auch während der albanischen Frage durchaus nicht uns wohlgesinnt war. Seit der Zusammenkunft San Giulianos und Berchtolds, die im ver⸗ gangenen Frühling in Abbazia stattfand, waren zwar alle Differenzen glücklich behoben, aber noch nicht ganz das Mißtrauen in der italienischen Volksseele. Und das erklärte die Haltung mancher sonst sehr friedlich gesinnter Männer, als der Krieg aus⸗ brach. Sie wollten keinen Kampf gegen die Zentralmächte, sie wollten aber auch kein Eintreten für sie, und sie betonten vielleicht das tetztere stärkex als das erstere. Dann aber war es uns wohl bekannt, wie man in Deutsch⸗ land und Oesterreich in weiten Kreisen das Neutralbleiben des Bundesgenossen auf das schärfste glossterte und verurteilte. Das war nicht nur unpolitisch gehandelt, sondern es zeigte auch eine völlige Unkenntnis der Entstehungsgeschichte des Drei⸗ bundes. Ebenso wie man inesterreich es vergessen hat, daß schon 1877 Disraeli und Bismarck Italien die Annexion von Albanien, und zwar von ganz Albanien angetragen hatten, daß also Italiens Wunsch nach Albanien schon vor 37 Jahren als berechtigt anerkannt wurde— nur die Franzosenfre ichkeit des damaligen Minister⸗ präsidenten Cairoli ließ den scheitern ebenso erinnert man sich in Deutschland und daß die Interpretation zu ihm gegeben ward, nur in dem Falle könne Italien aktiv seinen Genossen im Kriege helfen, wenn Euglan 8 nicht auf der Gegenselte stände. Auch 1887, als Crispi und Robilant den Bund erneuerten, betonten sie diesen ihren Standpunkt, der von Bismarck wie von seinem österreichischen Kollegen als durchaus richtig anerkannt wurde. Italien trat in den Bund, weil die aggressive fran⸗ 1 Oesterreich nicht mehr daran, sowohl 1883, als Crispi den ersten Dreibundvertrag abschloß zösische Politik hierzu zwang. Es mußte mit seinen langen, ungeschützten Küsten Freunde haben, die auf dem Lande * 5 die Macht schlagen kannte. die damals die zweitstärkste Flotte der Welt besaß und daher für Italten ein sehr zu fürchtender Gegner war. England stand zu jener Zeit dem Dreibund so nahe, daß die größten englischen Blätter schrieben, ein binbender Vertrag mit den Staaten des Dreibundes sei nicht nötig, man gehöre ihm auch ohne diesen an, und daß noch lange Jahre hindurch das Stichwort in London galt: Ihr zu Land, wir zu Wasser! Heute, wo England auf der Gegenseite Deutschlands der Fall eingetreten, an den Erispi und seine Nachfolger e haben. Daher kann Italiens Losung, getreu der authentischen Interpretation des Dreibundvertrags nur lauten:„Kein C mischen in den Krieg, sondern Aufrechterhaltr strikter Reutralität.“ *** i 5 3281 Ru che Berichte. Der Korrespondent der Birshewija Wj domosti telegra⸗ phiert, das Hauptaugenmerk konzentriere sich derzeit auf den Raum um die Mlawa, wo erbitterte K ämpfe im Gange seien. Obgleich die Lage für die Russen günstig soi, sei es ihnen noch nicht gelungen, die ostpreußische Grenze zu überschreiten. Die Kriegsberichterstatter berichten von furch tbaren Sturmangriffen der Verbündeten östlich der Bzura und Rawka, die die Russen„nicht überall hätten ab? schlagen können“, zumal da die Deut schen neuerdings ganz bedeutende Verst ärkungen erhalten hätten. An der Rawka, Nida und bei Pinczow seien die O ffensiv⸗ stößse der Verbündeten überhaupt seit einigen Tagen vehement. Ein Beweis dafür sei, daß die Deutschen auf einer Front von kaum 3 Kilometer nicht weniger als 15 000 bis 18 000 Mann massierten. Der Petersburger Korrespondent der Daily News be⸗ hauptet dagegen, daß die Deu tschen beträchtliche Streitkräfte von ihrer Front in Polen zwischen den Bzura und der Rawka weggenommen hätten. Die Deutschen zerschießen das Eis in beiden Flüssen, um don Russen den Uebergang unmöglich zu machen. Die au Polen verschwundenen Truppen würden wahr- ünienn. schließen, scheinlich nach dem Süden geschickt, helfen. 0 Sehr charakteristisch ist die Nachricht, daß eine Depu⸗ dation russischer Berichterstatter beim russischen Kriegsminister Suchomlinow erschien und ihn ersuchte, do man von zwar langsamen, jedoch sicher fort⸗ schreitenden Erfolgen der Russen rede, die Meldungen des Großfürsten Nikolaus aber mit Hinweis auf die aus⸗ gebreitete deutsche Spionage so karg seien, ihnen doch einige Aufklärungen zu geben, denn allzu langes Stillschweigen der offiziellen Kreise wirke beunruhigend auf die Bevölkerung. Der russische Kriegsminister lehnte die Erfüllung dieser Bitte ab und erklärte, im jetzigen Zeitpunkte, da alles vortrefflich stehe(2), sei größte Geheimhaltung doppelt ge⸗ um Oesterreich zu tehe boten. Ein französisches Torpedoboot gesunken. er Lokalanzeiger meldet aus dem Haag vom 27. Jauuar: Aus einer Erklärung, die der sranzösische Maxineminister dem Korrespondenten der Times in Paris über die Verluste der fran⸗ zösischen Marine seit dem Anfang des Krieges machte, geht als bis jetzt unbekannte Tatsache hervor, daß in der vorigen Woche bei Nieuport ein französisches Torpedoboot unterging. Von den 40 Mann der Besatzung ertranken 5.— Im adriatischen Meer wurde ein großer französischer Kreuzer torpediert. Er hat keinen Verkust an Menschenleben erlitten. Der Schaden war in 6 Wochen repariert. 2 e Holland und die Schließung des Snezkanals. Amslerdam, 28. Jan.(tr. Frkft.) Pie Schließung des Suezkanals komunt in Holland vollständig über raschend und erweckt naturgemäß große Beunruhigung, da Holland hierdurch von seinen Kolonien abgeschnitten ist. Der Telegraafs, der den Direktor der großen Schiffahrts⸗Gesellschaft„Nederland“ befragt hat, erhielt zur Antwort, daß man dort noch keine Kennt⸗ nis von dem Ereignis habe. Wenn es aber soweit gekommen sei, daß der Suezkanal geschlossen werde, dann müsse man unent⸗ behrliche Produkte, die sonst aus Indien eingeführt wer⸗ den, solange die Schließung dauere, aus anderen Ländern, z. B aus. Australien oder Amerika(San Francisco) kommen lassen, deun der alte Weg um das Kap der guten Hoffnung herum bringe zu viele Schwierigkeiten für die Kohlenversorgung. Die Angelegen⸗ heit käme so überraschend, daß man sich noch nicht vorbereitet habe. Außer ö jahre in normalen Zeiten jede W i Ned und sechs Schiffe des t„Nederland“ durch den Suezkanal, im ganzen Jahre St „Rotterdamschen Lloyd“ etwa 300 Schiffe. Jetzt sei diefer Verkehr sehr herabgegangen in Anbetracht der Lage. Das Handelsblad sch Der Beschluß ist Folge der Angriffe der Türken auf den Suezkanal bei Kantara und anderen in der Nähe des Suegkanals gelegenen och nur vorübergehend Kanal vorläufig ge⸗ natürlich ei ne 0 f da die Kanalgesellschatf kein antwortlich gemacht werden könn Aber da der Kanal einen me Gründungsakte der Kang die engli en Charakter denn hierdurch al fahrenden S len Charakter habe, ft ausgesprochen ist, sei es un⸗ 1 zu übergehen könne, dem theben und den Kanal zu ine Benachteiligung der durch hervorrufen. An anderer Stelle sagt kische Heer, das sich dein Kanal nähere 1 öune, da die Türken schon allzu große Aufgaben sich genommen hätten. scheine daher nich! die Gefahr am Suezkanal sehr groß iglischen Truppen möglich, daß neutral 8 1 f Es se daß u est Am wahrscheinlichsten sei es, daß die ö zu militärischen Zwecken nötig haben. e Truppen an der Ostseite des Kanals. Die Haupt⸗ scheine nach den wenigen Berichten die hier⸗ urden. an der Westseite zu liegen. Für eine eng⸗ i daher der Kanal notwendig. Viellescht war o 1 lätit t zu schla oder Schiffsbrücken zu legen, durch 455 die die Schiffahrt behindert wird. Möglicher weise, sagt das Hau⸗ delsblad, irren wir uns, aber wir glauben dennoch, daß kein Grund für eine große Beunruhigung vorliegt und daß wir befürch⸗ ten müssen, daß der Schiffahrtsverkohr mit unseren Kolonien lange Zeit gesperrt werde. Die Engländer haben ein großes, Heer ni Aegypten. Natürlich weiß man nicht, welche Absichten die Türken in der syrischen Wüste haben.. 5 1 72 9 9 10 9 England und die belgische Neutralität. Eine neue Erklärung der deutschen Regierung. Berlin, 28. Jan.(W. B. Amtlich.) Das Londoner Preßburcau veröffentlicht eine lange Erklärung, die sich gegen die vom Reichskanzler dem hiesigen Vertreter der Associated Preß gewährte Unterredung wendet. Das amtliche Londoner Bureau bestreitet, daß England im Jahre 191¹ entschlossen war, ohne Zustimmung Belgiens Druppen nach Belgien zu werfen. Diese Auffassung berußze wahrscheinlich auf micht offiziellen Besprechungen * 5 2 2 8 8 zwischen britischen und belgischen Offizieren aus den Jahren der 1906 bis 19141, die Vorkehrungen gegen eine etwaige Ve letzung der Ne ät durch Deutschland trefses wollten, ö sprechungen stattfauden, wurde vont * 2 22— 8 7 britischer Seite ausdrücklich sestgelegt, daß die Erörterung militärischer Möglichkeiten darauf zu beschränken wäre, wie der britische Beistand Belgien zur Verteidigung seiner Neu⸗ tralität am wirksamsten gewährt werden könnte. Von belgi⸗ scher Seite wurde erklärt, daß ein britischer Einmarsch in Belgien nur nach der Verletzung der Neutralität durch Deutschland stattfinden solle. Die veröffentlichten belgischen Dokument! widerlegen diese Versicherungen des englischen Pressebureaus auf das bündigste. Es steht fest, daß Eng⸗ land im Jahre 1911 im Falle eines Kriegsausbruches zwischen Deutschland und Frankreich entschlossen war, unmittelbar mit oder ohne Zustimmung Belgiens und auch ohne daß die belgische Regierung Hilfe verlangt hätte, in Belgien Truppen zu landen. Dafür liegen die Erklärungen des Oberstleutnants Bridges gegenüber dem belgischen Generalstabschef vor und dafür spricht auch die von Lord Roberts abgegebene Erklärung(British Review, Heft vom August 1913), daß im August 1911 die Heimatflotte und ein Expeditionskorps für einen Einfall in Flandern in Bereitschaft waren, um das Gleichgewicht der Mächte aufrechtzuerhalten. Bemerkenswert ist aber ferner, daß die englische Regierung jetzt die Fiktion fallen läßt, als ob es sich 1906 und 1911 nur um eine akademische militärische Diskussion gehandelt hätte für den Fall, daß die Nationalität Belgiens„von einem seiner Nachbarn“ verletzt würde. Die„akademischen“ Besprechungen sind jetzt zu „nichtoffiziellen“ Besprechungen geworden, für die aber vorher ausdrücklich Grundsätze— also doch wohl offizielle?— festgelegt worden sind. Zugege ben wird jetzt auch, daß die Besprechungen allein gegen Deutschland, also nur den einen der Nachbarn Belgiens gerichtet waren. Darin gerade liegt die Preisgabe der belgischen Neutralität. Die englische Re⸗ gierung vermag durch keine Sophistik die Tatsache aus der Welt zu schaffen, daß sie das durch den Neutralitätsvertrag gegenüber allen Mächten gleichmäßig gebundene Belgien zu Verhandlungen und Abmachungen gegenüber einem dieser Garanten, nämlich Deutschland, ver⸗ lockt, auf die Seite der Triple⸗Entente gezogen und schließlich in den Krieg hineingestoßen hat. Die weiteren Ausführungen der Erklärung laufen darauf hinaus, die Schuld an dem Scheitern der Friedensbemühungen der deutschen Regierung zuzuschreiben und England von der Mitschuld an dem Ausbruch des Krieges zu entlasten. Dem⸗ gegenüber bleibt der dokumentarische Tatbestand bestehen, dessen Ergebnis Helfferich mit den Worten bezeichnet hat: „Rußland ist als Brandstifter, Frankreich und England sind als Mitschuldige erwiesen.“ Hinrichtung eines Burenführers. In einem Leitartikel schreibt der Telegraaf in Amsterdam: „FJast ein Monat ist vergangen, seit ein lakonisches Reuter⸗Tele⸗ gramm das Todesurteil gegen den südafrikanischen Kommandanten Fourke meldete. Da telegraphische Be⸗ richte über Ssidafrika fast ausschließlich über England kommen und sehr parteiisch sind, warteten wir die Ankunft der afrikanischen Zeitungen ab. Diese ist fetzt erfolgt. Aus den Blättern geht her⸗ vor, daß das Todesurteil gegen Fourie bei dem holländischen Ele⸗ ment Südafrikas den Gnadenstoß für das Regime Bothas bedeutete. Alle Milde gegen Dewet und andere Auf⸗ ständische kann das nicht wieder gutmachen. Der Heldentod Fouries hat einem Lande und dem holländischen Element mehr geholfen als der hartnäckigste Widerstand gegen die Botha⸗Politik.“ Die Vollstreckung des Todesurteils war auf Sonntag morgen 5 Uhr festgesetzt. Der Beamte, der dem Kommandanten die Mit⸗ teilung füberbrachte, traf ihn schlafend an. Er weckte ihn und sagte:„Joseph Fourie, Sie sollen morgen bei Tagesanbruch er⸗ schossen werden.“ In der Nacht äußerte Fourie zu einem Be⸗ awten:„Nun werde ich sterben, weil ich dem Lande treu blieb, in dem ich geboren bin, und für das ich immer kämpfte. Keine Gnade wird mir erwiesen, obwohl ich eufällig der Junge war, der mit der weißen Fahne losging, um Jameson (dem ehemaligen Premierminister der Kapkolonie und Urheber des Handstreichs gegen Transvaal) die Uebergabe anzubieten. Jetzt ist er Sir, und ich werde totgeschossen.“ Als die Zeit zur Hinrichtung gekommen war, machte sich Fourie ruhig auf den Weg. Eine ihm angebotene Medizin lehnte er ah Er bat on eins on st äGudjoe Reerd fauna nicht in mein Gesicht 5 erherz, da ist Platz genug.“ Dann setzte er sich auf einen Baumstumpf, verband sich mit 3 e ö 7 ener, lauter und kräftiger Stimme:„Als wWy de doodsvallet betreen, laat ons elk aardse Friend alleen.“(„Wenn wir das Todestal betreten, läßt uns jeder irische Freund allein.“) Bei dem letzten Wort fielen die Schüsse, der Held war tot. 0 Die Teuerung in England. In englischen Arbeiterkreisen nimmt die Entrüstung wegen der Nahrungsmittelteuerung außerordentlich zu. Da nun auch eine Teuerung der Milchpreise angekündigt wird, wendet das Arbeiterblatt Daily Citizen das von Windston Churchill für die Deutschen erfundene Wort„Kindermörder“ in ihrem Artikel an die englischen Landwirte, Schiffseigen⸗ tümer usw. an. Der Streik in Norkitzire und die Kohlennot. London, 28. Jan.(Ctr. Frkft.) Die Abstimmung über den Streik der Kohlenbergarbeiter in Norkshire hat 26 676 Stimmen flir den Streik und 7214 gegen den Streik ergeben. e ist die Arbeiterschaft entschlossen, in den Streik einzutreten. Die Arbeiter verübeln es den Bergwerksbesitzern fehr, daß sie, trotzdem es sich nur um eine Lohndifferenz von 4 Pence pro Tag handelt, ihren Patriotismus vollständig vergessen und es auf den Streik ankommen lassen, der die Kohlenkalamität noch stark erhöhen wird. Die reaktionäre Strömung findet gegen⸗ über der Arbeiterbewegung neue Kräftigung und die Morning Post geht sogar soweit, daß sie der Regierung vorschlägt den Acht⸗ stundentag für die Kohlenarbeiter abzu schaffen. Es liegt ein derartiges Ersuchen der Handelskammer von Glasgow vor. Die Morning Post schreibt:„Es kann kein Zweifel darüber sein, daß dieses Ersuchen infolge der Umstände sehr berechtigt ist, denn die Kohlenausfuhr ist um 20 bis 30 Prozent herunterge⸗ gangen. Der Kohlenbedarf ist sehr dringend, vor allen Dingen in den Distrikten, wie Clyde, Tyne und in den mittleren Grafschaften, die Krieosmunition und andere für die Marine und das Heer nötigen Dinge in enormen Quantitäten mit größer Schnelligkeit herstellen müssen. Man kann dem Mangel in zweierlei Weise ab⸗ helfen; entweder, indem man die Arbeiter, die zum Heere ge⸗ gangen sind, wieder zurückruft, oder indem man die Koh⸗ lenausfuhr verbietet.“ In echt egoistischer Weise sagt jedoch die Morning Post: Wenn man die zweite Maßregel, also das Kohlenausfuhrverbot, anwenden wolle, so würde man den be⸗ rechtigten Handel in vollständig ungerechtfertigter Weise treffen. Großbritannien liefere keine Kohle für die feindlichen Länder, und es wäre eine bedeutende Beschränkung eines wichtigen Industrie⸗ zweiges und infolgedessen auch ein außerordentlicher Verlust für das nationale Einkommen zu einer Zeit, wo doch so außerordentlich große Ansprüche an die Mittel des Landes gestellt werden, die noch beständig größer werden. Gescheiterte Austauschverhandlun en. Die durch eine neutrale Macht geführten Austausch⸗ verhandlungen in bezug auf die bei Kriegsausbruch in Rußland und Deutschland internierten Zivilpersonen sind gescheitert. Deutschland wollte in erster Stelle seine in Rußland tätigen Konsuln befreit wissen. Die russische Re⸗ gierung lehnte aber die Freilassung derjenigen Konsuln ab, die ihren Konsulatsbezirk im Bereich von Festungen hatten. Die russischen Kriegsläuse. Bekanntlich werden unsere Feldgrauen von der Ungeziefer⸗ plage in Rußland arg gequält. Immerhin mag dies noch erträg⸗ lich sein, im Vergleich zu den Qualen, die die napoleonischen Armee im Jahre 1812 durch die russischen Läuse auszustehen hatte. Ein württembergischer Leutnant v. Suckow unter anderen beschreibt die Not in ausführlicher Weise: das Elend, das hierdurch verursacht wurde, war einfach unerträglich. Der Schlaf am Wachtfeuer wurde zur Schimäre. Ein Offizier entdeckte, daß sein ganzer Körper von Läusen angefressen war. Ein französischer Oberst riß sich beim Kratzen ein Stück Fleisch aus dem Nacken, da der durch die Wunde verursachte Schmerz ihm ein Gefühl der Erleichterung zu sein schien! Unter den Umständen, welche den russischen Feld⸗ zug charakterisierten, namentlich die Unmöglichkeit der körperlichen Reinigung, entwickelte sich das Ungeziefer in einer Weise, die jeder Beschreibung spottete. Niemand entging der Plage; nach Constant, dem Diener Napoleons, hatte selbst der Kaiser sein Teil. 5 Auffallend ist, daß, wie die Deutsche Medizinische Presse schreibt, die Läuseplage in den medizinischen Kriegsgeschichten kaum je erwähnt wird, obwohl jeder, der im Felde gewesen, damit vertraut wird. Wenland empfiehlt ein Mittel, das er in dem Feldzug 1870/71 bewährt gefunden. Sobald die Verwundeten auf⸗ genommen waren, war das erste, sie vollständig in einem eigens dazu bestimmten Raume zu entkleiden, gehörig zu reinigen oder ihnen je nach den Umständen ein warmes Bad verabreichen zu la it neuem Leibgerät in die für ste h und meinte zu den Soldaten:„Ihr müßt d 52 Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 171 ö„Nein!“ sprach sie, indem sie aufstand,„mein Elend wird immer bei mir sein.“ „Wie leid tut es mir, daß ich es vermehren muß,“ fiel er ein,„wie bedauerlich wäre es, wenn dein zärtlich geliebter Freund morgen mit dem Zauberer, seinem Spießgesellen, in Flammen zum Himmel führe.“ Itlda hob ihre Arme flehend auf, aber hinter ihr an der Türe sagte eine andere Stimme:„Das wird er nicht; leicht aber könnte es sein, daß der Teufel dir selbst näher ist, wie du denkst.“ „Allerliebst!“ rief Paul.„Dachte ich es doch, daß die Komödie noch einen Akt hätte. Nur näher, Hanna Fandrem, du darfst nirgends fehlen, wo ich Spott und Schande zu tragen habe.“ „Ich hoffe dabei zu sein, wo dir all' dein Heucheln nichts mehr hilft,“ sagte Hanna, indem sie neben Ilda trat.„Zu ihrem Schutze bin ich hier und will in meiner Weise ein Wort mit dir reden, da ich besser verstehe, dein Herz zu rühren. Des grausame, betörte Volk will sein Opfer haben. a Schlachtet den alten Mann, wenn Ihr es wagt, die Rache wird nicht auf sich warten lassen. Viele Lappen werden nach Schweden hinüberziehen oder an das Eismeer, um sich von Eurer Grausamkeit zu befreien; der Handel wird sich ver— ringern, die Märkte werden abnehmen, aber auch die Re— gierung wird Euch das Henkerhandwerk legen. Tue darin, was du für klug hältst, doch unklug bist du, wenn du in deinem Hasse nicht sehen willst, was geschieht, wenn du Marstrand zu opfern denkst.— Zu eines Edelmannes Tod wird die Re— gierung nimmer schweigen. Du wirst Rechenschaft geben müssen, das Schwert wird über deinem eigenen Haupte hängen.“ f a„Da wollen wir es hängen lassen,“ sagte er,„bis du ein⸗ mal eine Stecknadel brauchst und es abschneidest.“ heute noch wollte ich meine Hand gegen dich aufheben, aber es wird kommen ohne mich. Wahre dich, du falscher Mann, ich denke, deine Tage sind gezählt. Zeugen werden gegen dich aufstehen, die dir beweisen, daß du all dies Unheil verschuldet hast. Krümme dich, wie du willst, du sollst es büßen. Du, der an nichts glaubt, du, der Gott jeden Tag verspottet, du willst einen armen Greis verdammen, weil er kein Christ ist und Zauberkünste treibt? Verständest du dergleichen, dann wehe allen guten Menschen auf Erden! Aber Klaus Horne— mann wird kommen und gegen dich aufstehen, und wenn es niemand tut, so will ich es tun. Mache Johann Marstrand frei, oder morgen sollst du mich hören. In den Gerichtskreis will ich treten und laut ausrufen: Dieser da hat Björnarne gemordet, dieser da hat meinen Bräutigam verlockt und ver— führt, seine Leidenschaft zu Gula, dem Lappenmädchen, bis zur Tollheit angeblasen, damit er verflucht, enterbt und ver— stoßen würde. Daß du es weißt, du gieriger Mann, dreißig⸗ tausend Taler sollst du mir dann zahlen, die Helgestad als Reuegeld gelobt hat, wenn Björnarne mich verschmähte, und verschmäht hat er mich mit Hilfe deiner List und Ränke. Gib den Herrn Marstrand los und gib ihm den Balsfjord zurück, den du ihm stehlen willst, so kann es sein, daß du davon kommst, bis Gott dich findet. Mühe dich um den Schuldlosen, diene ihm, vielleicht schweigt er um Ildas willen und was zu ihr gehört, um den Graus, der aufgeweckt würde. und überläßt die Rache dem allmächtigen Herrn.— Und jetzt ist's genug mit dir, jetzt laß uns gehen, Ilda. Laß ihn zeigen, ob er Klugheit genug besitzt, sich aus seinen eigenen Schlingen zu retten.“ Petersen hatte mit Verachtung zugehört. Die Arme ge⸗ kreuzt und Spott auf seinen Lippen saß er da und ließ sie sprechen und gehen. Erst nach einiger Zeit stand er auf, kehrte in sein Zimmer zurück und strich dort behaglich durch sein langfallendes Haar. „Ihr seid nicht die, von denen ich zu fürchten habe,“ Infolgedessen. ergerichteten er dies losgemacht hatte, trat er hinein. Betten in den Krankensaal gebracht wurden. Die sän Kleider wurden der Luft ausgesetzt. Um seinen Plan N führen, ließ er 5 Fuß hohe und ebenso breite hölzerne Kisten fertigen, mit einem Deckel verschließen und innen mit f blauem Papier, das mit Stärkekleister angeklebt war, luftdicht machen. Dann schüttelte er etwas Benzin Boden der Kiste und ließ danach die Kiste mit Kleidu belegen, nachdem jede Schicht mit einer mäßigen Quantität B übergossen war. War dann eine Kiste mit den Effekten bi angefüllt, so wurde der Deckel fest zugeschlagen und der dadurch ziemlich hermetisch abgeschlossen. Nach zwei⸗ bis dreimal 24 Stunden wurde der Deckel sernt, die Kleider wurden herausgenommen, und da sah man Erstaunen und Grauen die Bälge der toten Läuse herabfallen, in einer Menge, von welcher man vorher keine Ahnung hatte 2 Benzin verflüchtete sich nämlich während dieser Zeit, durchd die Effekten und tötete alle diese Parasiten, weil das Leben aller ähnlichen Tierbildungen in einer mit Benzin geschwänge Atmosphäre erlöschen muß. 0 2 Bulgarien und die Neutralilät. Nach einem Telegramm der Köln. Ztg. aus Sofia klärt die halbamtliche Narodny Prawa, es sei unbekannt, manche neutralen Staaten geneigt seien, sich in den einzulassen. Das bulgarische Volk wünsche keinen ne Krieg, doch werde niemand in Bulgarien die gegen sein Vaterland verübte Ungerechtigkeit vergessen. i 9 Eine offenbar inspirierte Notiz des regierungsfreu lichen Blattes Dnewnik besagt:„Wir sind zu der Erkläru ermächtigt, daß Bulgarien an der bekundeten streng loya Neutralität festhält. Die Regierung ist bestrebt, Bulgar 5 auf friedlichem Wege jene Gebietserrungenschaften, die ihm zustehen, zu sichern.“ N Rumäniens Neutralität. a Konstantinopel, 28. Jan.(T. U.) Der hiesige rumänisck Militärattachee hat dem deutschen Botschafter anläßlich des Kaisers Geburtstages gestern einen Besuch abgestattet bei dieser Gelegenheit die aufrichtige Sympathie der rumän schen Armee für den Kaiser und das deutsche Heer ausg eprochen. Der Vorgang hat in hiesigen politischen Kref lebhaften Eindruck gemacht. 5 Carp über die Lage Rumäniens. Budapest, 28. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Der ungan Journalist Nikolaus Vacsei berichtet im Pester Lloyd über Unterredung, die ihm der rumänische Staatsmann Carp gew hat. Carp sagte: Es ist derzeit sehr schwer, über Fragen internationalen Politik sich zu äußern. Besonders schwierig ist die Lage Rumäniens, das bekanntlich sich für die Neutralität entschieden hat. Wie lange diese Neutraliät sich wird behaupten lassen, hängt von mancherlei Umständen ab. Hier in Bukaref wird die Lage durch zwei Strömungen gekennzeichnet: Auf d einen Seite die verhetzte Straße, die von Siebenbürg träumt, auf der anderen ein Lager von ernsten Männern, der, Wille auf Bessarabien gerichtet ist, auf ein Land, das un⸗ serem Körper vor hundert Jahren entrissen wurde und von 1½ Millionen Rumänen bevölkert ist. Ich selbst gehöre der zweite N Gruppe an, denn nach meiner Ansicht ist die serbung Bessarabiens das erste Interesse Rumäniens. Selbsty 0 haben einzig die beiden Zentralmächte Aussicht auf Erfolg. 2 insbesondere die Deutschen betrifft, so stehen sie auf beid Seiten sehr gut, sie entfalten eine imponierende Kraft, und ist mein fester Glaube, daß der entscheidende Erfolg unbedin ihnen zufällt. Ueber die Straßen kundgebungen Bukarest befragt, meinte Carp: Die Haltung der Straße ke nicht entscheidend sein. Die verantwortlichen Staatsmänner ha einzig das Interesse des Landes vor Auden. Auswärtige flüsse können die Entschlüsse der maßgebenden Faktoren in k Weise bestimmen. Zur Sicherung der deutschen Volksernährung. Kopenhagen, 28. Jan.(Ctr. Frkft.) Politiken schreibt in einem Leitartikel, die Frage, ob Deutschland die Folgen des englischen Handels⸗ und Hungerkrieges aushalten könne, werde durch die jetzt erfolgte Beschlagnahme der Korn⸗ und Mehlvorräte aktuell. Die Eng ⸗ länder sähen in dieser Maßnahme ein Zeichen für den Anfang eines Notstandes und meinten, bald werde der Hunger Deutschland in die Kniee zwingen. Solche weitgehende Schlußfolgerungen seien aber unberecht igt. Man dürfe vorläufig nur sagen, daß die deutsche Regierung vorsichtig gehandelt und alle Möglichkeiten in Betracht gezogen habe. Es gelte eben bei Zeiten wirtschaftlich mit den Lebens⸗ . eee sprach er.„Tretet auf, wenn ihr wollt, tausend Stimmen werden euch zum Schweigen bringen. Aber geschehen muß, was geschehen soll, und wer weiß, ob ich die heißen Wünsche dieser verliebten Närrin nicht erfülle, weil ich will.“ 1 Er nahm ein Licht, nahm Schlüssel aus einem Wand⸗ spind und trat auf den Flur hinaus. In einer Seitenkammer saß ein Gerichtsdiener, die Arme auf den Tisch gestützt, Kopf in die Hände. Als der strenge Landrichter eintra sprang er auf. 1 „Oeffne die Tür,“ sagte Petersen, und der Mann sche die schweren Riegel zurück und ließ seinen Vorgesetzten einen Gang treten, zu welchem ein halbes Dutzend Stuft hinabführten. Das Amtshaus war ein Balkengebäude alle hier; aber es ruhte auf mächtigen Felsenbruchstücken, die ein festes Gewölbe bildeten. Der Sorenskriver ging den Ga hinab, links und rechts waren Verschläge von dicken Bohlen Einer derselben war mit einem großen Schlosse verwahrt; Da saß ein gespenstisches Wesen in dem engen, niedri Raume, in welchem Paul sich nicht aufrichten konnte. hielt das Licht hoch und ließ dessen Schein auf den unför lichen Klumpen in der Ecke fallen, der sich nicht regte großer Stein lag dort, eine Kette war in der Wand be und hing an einem Eisenring, der den Hals des unglück Gefangenen umschloß, dessen Kopf und Gesicht unter langen abgemagerten Händen und wilden strehnigen Haaren be borgen war. Der Sorenfkriver setzte sich auf einen anderen Stein an der Türe, stellte die Leuchte vor sich an den Boden und sa dann in mildem Tone:„Das ist ein schlechter Aufenthalt, Afraja, für einen Mann, der in der frischen Luft der Gamt alt geworden ist. Morgen ist Gerichtstag, und Gott erbarme sich deiner! Du hast bis jetzt jede Antwort verweigert, hall hartnäckig alle Ermahnungen verachtet, ich komme letzten Male zu dir, um zu fragen, ob du bereust und demi bist?“ b 91 (Fortsetzung folgt.) J 1 5 Folgen ieges gnahme die Eng Anfang Hunget itgehende zan dür sichtig t gezogen! u Win — Stimme ehen muß 1 Vin 0 mitteln umzugehen; dadurch werde die Aushungerung ver. hindert werden können. Mit der Beschlagnahme der Lebens mittel flammte nun aber in Deutschland auch der Haß gegen die englische Kriegführung lebhaft auf. Die englische Aushungerungstaktik berechtige nach deutscher Auffassung zu jeglicher Gegenmaßnahme. Somit bestehe alle Aussicht auf einen schonungslosen Kampf der Deutschen gegen die Engländer. Das Ende der Getreidesütternna. Wie notwendig energische Maßnahmen gegen die Verwendung des Getreides zur Viehfütterung sind, geht auch aus folgenden Aus⸗ führungen des Direktors des Statistischen Amtes der Stadt Berlin⸗ . hervor: 1 „Vor dem Kriege wurden% unserer Roggenernte, unserer Gerstenernte und K der eingeführten Gerste und des 1 Mafses an die Schweine verfüttert. So wurden jährlich etwa Millionen Tonnen Roggen, annähernd 3 Milliomen Tonnen Gerste und fast eine Million Tonnen Mais von den Schweinen verzehrt. Mit dem Ausbruch des Krieges mußten wir auf die Einfuhr von etreide verzichten. Das bedeutet einen jährlichen Ausfall von 3 6 killionen Tonnen Gerste und einer Million Tonnen Mais. Wir hatten bei Ausbruch des Krieges rund 25 Milliones Schweine und haben heute noch etwa ebensoviel. Wenn vor dem Kriege monatlich 50 00⁰ Tonnen Roggen und 250 000 Tonmen eingefführte Gerste und ais an Schweine verfüttert wurden, so dürften im August, Sep⸗ tember und Oktober v. J. monatlich mindestens je 300 000 Tonnen Roggen verfüttert worden sein. Was das bedeutet, kann man sich daran klarmachen, daß die gesamte Bevölkerung des Deutschen Reiches monatlich etwa 600 000 Tonnen Roggen verzehrt. Während die Menschen monatlich etwa 9 Kilogramm Roggen pro Kopf kon⸗ sumierten, fraßen die Schweine monatlich mindestens 12 Kilogramm pro Kopf unserer Bevölkerung. In Friedenszeiten bedeutet ein erhöhter Verbrauch von Schweinefleisch lediglich eine Verminderung unseres Schweinebestandes. Heute bedeutet er zugleich die Erfüllung einer vaterländischen Pflicht: die Vermehrung des zum menschlichen Verbrauch verfügbaren Getreidevorrats! * *. Die englischen Verluste in der Seeschlacht. Amsterdam, 29. Jan.(T. U.) Wie gemeldet wird, finden die Angaben der deutschen Admiralität über Verluste der bei der Seeschlacht westlich von Helgoland beteiligten eng⸗ lischen Kriegsschiffe ihre Bestätigung durch Berichte don Reisenden aus London. Danach waren die englischen Verluste ursprünglich an dem Depeschenaushang der Mor⸗ ning Post selbst bekannt gegeben. Die Veröffentlichung in den Zeitungen wurde aber vom Zensor nicht zugelassen, nach⸗ dem die Zeitungen allgemein angewiesen worden waren, nur den amtlichen Reuterbericht zu veröffentlichen. 6 Ueber die Art der Beschädigungen des englischen Schlacht- schiffes„Lion“ bei der Schlacht in der Nordsee sagt der Daily Chronicle, daß keinerlei höheren Mittei⸗ lungen gemacht würden. Man glaubt, die nötig ge⸗ wordenen Reparaturen in etwa 252 Monaten fertigstellen zu können. Das Schlachtschiff set unter der Wasserlinie ernstlich getroffen worden, da ein Torpedo in die hintere Hälfte der Maschinenräume einschlug. und diese nahezu völlig unter Wasser setzte. Es habe dadurch seine Manövrierfähig⸗ keit völlig verloren. Immerhin könne das Schiff der Marine erhalten bleiben, ge Sperre des Suezkanals. An igungen des Auswärtigen Amts in Amster⸗ dam beruht die Kuffassung, daß eine Nüllige Sperrung des Suezkanals beabsichtigt sei, auf einer irrtümlichen Uebersetzung einer telegraphisch übermittelten abge⸗ , kürzten französischen Mitteilung der Suez⸗Kanalgesellschaft. Die falsche Nachricht von rief in der Amsterdamer raschung hervor. Dem Frieden entgegen. Paris, 29. Jan.(WB. Nichtamtlich.) Auf dem Bahnhof zu Grenoble beschlagnahmte die Polizei ein Paket Flugschriften, betitelt„Vers la Paix“. Man vermutet das Bestehen einer Organi⸗ sation, die mit dem Feinde in Verbindung steht.(2) Keine rumänische Anleihe in London. n Berlin, 29. Jan.(T. U.) Eine rumänische Anleihe sollte einer Reutermeldung zufolge in Höhe von 5 Millionen Pfund in London zum Abschluß gelangt sein. An hiesigen Stellen, die darüber unterrichtet sein müssen, wurde dem Lokalanzeiger auf eine Anfrage erklärt, daß man diese Nach⸗ richt lediglich für eine tendenziöse Erfindung des auf diesem Gebiete genügend erprobten Reuterbureaus hält. Denn alle Votaussetzungen fehlten, um eine solche wegen ihres politi⸗ schen Hintergrundes bedeutsame Meldung als zutreffend er⸗ scheinen zu lassen. 1 Der Lügenfeldzug. Berlin, 29. Jan.(WB. Amtlich.) Nach Mitteilungen der ausländischen Presse verbreitete die Petersburger Telegraphen⸗ Agentur die Nachricht, daß der russische Minister des Aeußern eine Note an den spanischen Botschafter in Petersburg gerichtet habe, in der auf Grund von Aussagen russischer Soldaten Greuel⸗ taten der deutschen Truppen festgestellt seien. Ver⸗ wundete seien getötet und verstümmelt, besonders Kosaken seien vielfach als Gefangene erschossen oder gehängt, die Bevölkerung au mehreren Orten terrorisiert, katholische Priester mißhandelt, das Zeichen des Kreuzes und die weiße Fahne mißbraucht worden. Daß es ausgeschlossen ist, auf Grund der in der Veröffent⸗ lichung enthaltenen Angaben die Behauptungen über Vorgänge zu widerlegen, die monatelang zurückliegen, ist der russischen Regie⸗ rung natürlich genau bekannt. Sie kann also mit ihrer Veröffent⸗ lichung nur denselben Zweck verfolgen, den die französische Reaie⸗ rung mit ihrer gleichzeitigen Darstellung angeblicher deutscher Greueltaten anstrebt. Die Gleichzeitigkeit des Vorgehens in den beiden Staaten bestätiat immer mehr, daß es sich hier um den plan⸗ mäßigen Versuch einer Veraiftung der öffentlichen Meinung der Welt zu ungunsten Deutschlands handelt. Die deutsche Heeres⸗ leitung verzichtet auf sede Antwort darauf. * 6 8 . 7 8 7 Tagesbericht hes Großen Hauptguartiers. Ein neuer Luftangriff auf Dünkirchen. Neue Kämpfe östlich Lowicz. W. B. Großes Hauptquartier, 29. Jan., vorm. Westlicher Kriegsschauplatzz Bei einem nächtlichen Geschwaderfluge wurden die eng. lischen Etappenaulagen der Festung Dünk irchen ausgiebig mit Bomben belegt. der völligen Schließung des Kanals Handelswelt die peinlichste Ueber⸗ (Amtlich.] 5 4 5 f* **. Ein feindlicher Angriff in den Dünen nordwestlich Nieuport wurde abgewiesen. Der Feind, der an einer Stelle in unsere Stellungen eingedrungen war, wurde durch inen nächtlichen Bajonettaugriff zurückgeworfen. 1 Südlich des La Basséee⸗Kanals versuchten die Engländer die ihnen entrissene Stellung zurückzunehmen. Ihr Angriff wurde leicht zurückgewiesen. 19. der übrigen Front ereignete sich nichts Wesent⸗ iches. 0 Oestlicher Kriegsschauplatz: Ein russischer Angriff in Gegend Kussen nordöstlich 8 1 scheiterte unter schweren Verlusten für den Feind. n Im nördlichen Polen keine Veränderung. Nord⸗ östlich Bolimow östlich Lowicz warfen unsere Truppen den Feind aus seinen Vorstellungen und drangen in die Hauptstellungen ein. Die eroberten Gräben wurden trotz heftiger russischer Gegenangriffe bis auf ein kleines Stück gehalten und eingerichtet. Oberste Heeresleitung. Die Beschießung Noyons. Man schreibt der Frankf. Ztg. aus dem Felde: Wenn zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe. Das ist eine alte Erfahrung; aber es führt doch manchmal zu argen Wider⸗ sprüchen. Wenn wir die Festung Reims beschießen, dann sind wir Kulturbarbaren, weil zufällig eine Kathedrale in der Festung steht. Wenn unsere Luftschifse Bomben auf die Stellen werfen, von denen aus sie beschossen wurden, dann verletzen sie natsürlich das Völker⸗ recht. So lassen sich viele Beispiele anführen, wo uns etwas zur Sünde angerechnet wird, was unsere Feinde ungestraft tun zu können glauben. Wie wenig unsere Gegner Anlaß haben, in dieser Hinsicht gegen uns Vorwürfe zu erheben, dafür möchten wir ein Beispiel anführen, das bisher wohl noch kaum erwähnt ist. Die Stadt Noyon enthält eine Kathedrale von bemerkenswerter Schön⸗ heit; sie liegt reichlich 10 Kilometer von der französischen Linie entfernt, also in einer Entfernung, woselbst für die beste Artillerke ein sicheres Treffen ausgeschlossen ist. Zudem enthält die Stadt vielleicht die doppelte Anzahl von Einwohnern wie einquartierte Truppen. Trotzdem ist bis vor kurzem die Stadt fast täglich mit schwerer Artillerie beschossen worden, unbekümmert darum, wie viele der eigenen Landsleute hierdurch getötet oder zu Krüppeln geschossen wurden, wievielen ihr bißchen Eigentum völlig ver⸗ nichtet wurde. Wenn wir das täten, ja, dann wäre es etwas ganz anderes. Französische und russische Friedens⸗ strömungen. Der offiziöse Temps hält es wieder einmal für nötig, gegen die Unge duld zu predigen, mit der das französische Volk den Friedensschluß herbeiwünscht. Er schließt seine Bemerkungen mit den Worten:„Jedes Wort der Klage über die Länge des Krieges muß streng verurteilt werden. denn es enthüllt eine Erregung, die unserer Sache nur schaden könnte. Die Ungeduld stellt den Sieg öfter in Frage als sie ihn herbeiführt.“ Die Humanité kommt auf die von der französischen Regierung als Repressivmaßregel beschlossene schlechtere Behandlung der deutschen Kriegsgefange⸗ nen zurück und bezeichnet sie als einen Fehler. Man müsse sich fragen, ob die Regierung nicht den Aufforderungen gewisser Zeitungen gewichen sei, die es sich zur Aufgabe machen, den Haß zu säen und jede Aeußerung der Humanität als Dummheit und Schwäche zu behandeln. Im neutralen Ausland werde die Maßregel der französischen Regierung gewiß keinen guten Eindruck hervorbringen. Der russische Abgeordnete Sawen EO schreibt im Kielwljanin über den Engländerha ß wörtlich:„Die Agitation zugunsten einer Kapitulatio n vor Deutschland ergreift Kreise, die sich bisher mit ihrem Patriotismus brüsteten und ihn als ihr Monopol betrachteten. Ich habe ihre zur Unterzeichnung aufgelegten Listen gesehen, die in Petrogra d auch tatsächlich starken Erfolg erzielten.“ Lufttorpedo. Amsterdam, 29. Jan.(T. U.) Der Korrespondent des All⸗ gemeenen Handelsblad schreibt in seinem Bericht vom 24. Januar aus Veurne: Ich habe etwas neues gesehen: man nennt es Luft⸗ torpedo. Ich darf diese neue Erfindung nicht beschreiben, kann aber feststellen, daß diese Dinger eine verwüstende und verwir⸗ rende Wirkung auf den Feind ausüben. Man sagt mir, daß der Erfolg sicher sei und daß es sich um einen bedeutenden Fortschritt der Technik handle. 5 f Russisches. Der Militär⸗ Gouverneur von Warschau hat nach Meldungen russischer Blätter angeordnet, daß alle alten Leute und Kinder aus der Stadt ent fernt und nach Südrußland gebracht werden. Nach russischen Zeitungen wurden in Warschau alle 5 deutschen Vereine volizeilichaufgelöst. Die Regierung verbot für ganz Rußland sämtliche periodisch in deutscher Sprache erscheinen⸗ den Schriften und Zeitungen. Da im kurländischen Gouvernement eine große Anzahl für Militärzwecke aus⸗ gewählter Pferde nicht abgeliefert bezw. verborgen gehalten werden, hat der Vorsitzende der Remontekommission des Gouvernements, Baron Rautenfeld, den Abschied erhalten. Die deutschen Kolonisten in Wyschegrad erhielten Befehl, nach Zentral-Rußland abzureisen. Für die Regelung ihrer An⸗ gelegenheiten erhielten sie 6 Tage Frist. Ein deutsches Marine⸗Luftschiff vermisit. W. B. Berlin, 29. Jan. Wie wir erfahren, ist am 25. Janugr ein deutsches Parseval⸗Marineluftschiff von einem deutschen Cstseehafen zu einer Unternehmung gegen den russischen Kriegs⸗ hafen Libau aufgestiegen und bisher nicht zurückgekehrt. Nach einer Meldung des russischen Marine⸗Generalstabs vom 25. Januar hat ein deutsches Zeppelin⸗Luftschiff Libau überflogen und Bomben abgeworfen; es sei beschossen und getroffen worden, sei in die See gestürzt und von russischen Fahrzeugen vernichtet, die Pesatzung aber gefangen genommen worden. Die russische Angabe, daß das Luftschiff ein Zeppelin gewesen sei, ist also nicht richtig. Der„Tiger“ gesunken? Kiel, 29. Jan.(T. U.) Die Kieler Neuesten Nachrichten erhalten aus Amsterdam folgende Drahtmeldung: Nach An⸗ gabe des Kapitäns eines Handelsdampfers wurde in der Seeschlacht in der Nordsee am Sonntag der englische Schlacht. kreuzer„Tiger“ von einem deutschen Torpepoboot durch einen Torpedoschuß zum Sinken gebracht. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Wien, 29. Jan.(W. VB. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver⸗ lautbart: 29. Januar 1915, mittags. Starker Schneefall ist eingetreten. In Westgalizien und Polen nur Rekognos⸗ zierungen, Patcouillengefechte, und wo es die momentanen Sicht⸗ verhältnisse zulassen, Artilleriekämpse. In den Karpathen wurden westlich des Uzsoker Passes russische Angriffe unter schweren Verlusten für den Gegner zurückgeschlagen. Vei Vezerszallas und Voloves sind die Kämpfe beendet der Feind auf die Paßhöhen zur ück⸗ geworfen, neuerdings 400 Gefangene eingebracht. In der Bukowina herrscht Ruhe. Der Stellvertreter des Chess des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Die Erfolge in den Karpathen. Vudapest, 29. Jan.(Ctr. Frkst.) Ueber die Kämpfe in den Karpathen liegen heute bereits Einzelheiten vor. Die auf der Linie Voloc—Vezerszallas im Unger⸗Komitat operierenden russi⸗ schen Truppen wurden zum Nlickgug gezwungen, wobei mehrere russischen Batterien durch unser Granatfeuer vernichtet wurden. Auch im Ung⸗ und Lynatal haben wir, bedeutende Fortschritte zu verzeichnen, besonders bei Malomnet, Fenysvesvölgy. Am Sonn⸗ tag wurden die Russen aus ihrer Deckung beim Gyilokberg herausgeschossen und diese wichtige Posttion von unseren Truppen besetzt. Die Russen mußten auch die Linie Fenysvesvölgy— Tila aufgeben und sich auf der Serpentinen⸗Straße zum Uzsoker Paß auf der galizischen Seite zurückziehen. Auch von der Klivahöhe wurden die Russen nach erbitterten Artilleriekampf und Sturm⸗ angriff unserer Infanterie geworfen, wodurch unsere Truppen in eine dominierende Stellung gelangten. In den viertägigen Kämpfen verloren die Russen zahlreiche Gefangene, Geschütze und/ Munition und hatten viele Tote.. Der Krieg im Orient. Die türkische Offensive im Kaukasus. Konstantinopel, 29. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Das Große Hauptquartier teilt mit: Auf der kaukasischen Fro hat sich nichts Nennenswertes ereignet. Unsere Truppen die in der Richtung auf Olty die Offensive ergriffen, machten 300 Russen zu Gefangenen und erbeuteten eine Menge Ge⸗ wehre und Kriegsmaterial. Die seit einer Woche in Aser⸗ beidschan im Gange befindliche Schlacht in der Umgegend von Choi gegen die feindlichen Hauptkräfte wird zu unseren Gunsten fortgesetzt. Choi ist der letzte Zufluchtsort der Russen in Aserbeidschan. Am 27. Januar nahmen unsere Truppen im Süden von Choi die erste Linie der befestigten feindlichen Stellung, die aus mehreren Linien besteht. Russi che Diebe. Kopenhagen, 29 Jan.(W. B. Nichtamtlich)) Nach Mel⸗ dungen rufsischer Blätter kamen in Wilna landwirtschaftliche Ge⸗ räte und Maschinen an, die in Ostpreußen pen gestohlen worden sind, im Werte von siber 100 000 Rubeln. Da die meisten Maschinen reparaturbedürftig sind, ist in Wilng eine Maschinenwerkstätte eröffnet worden. erw weitere Transporte gestohlener ostpreußischer Maschinen. 7 Feindliche Unterseeboote in der Ostsee. Zu der Meldung, daß englische Unterseeboote in die Ostsee gelangt seien, vielleicht durch den Sund, vielleicht auch durch den Belt, schreibt die Deutsche Tageszeitung: Ihre Stützpunkte haben sie naturgemäß in russischen Häfen. Vor einigen Monaten wurde Helsingfors am Finnischen Meerbufen genannt, jedoch ist wohl anzunehmen, daß sie auch süd lichere russische Häsen nunmehr benutzen. Be⸗ günstigt wurde die Kriegführurn dieser Unterseeboote bisher in unerwartetem Maße durch die Milde des Winters. Russische Häfen, die bei gewöhnlichem Verlaufe des Winters seit einer Reihe von Monaten durch Eis geschlossen sein müßten. sind in diesem abnormen Winter offen und die Gewässer für die Unterseebootsschiffahrt möglich geblieben. So muß man da⸗ mit rechnen, daß die britischen Unterseeboote alles tun werden, um in der deutschen Ostsee und an den deutschen Ostsee⸗ küsten usw. sich geltend zu machen. Der deutschen Ma⸗ rine ist das Vorhandensein dieser Fahrzeuge natürlich nichts Neues, und daß sie auch in der Ostsee auf dem Posten sein werde, ist selbstverständlich. Peinlich ist die Angelegenheit ohne Zweifel für Dänemark und Schweden, denn deren neu⸗ trale und durch Minen gesperrte Gewässer haben die englischen Unterseebogte passiert, mithin die Neutralität diefer beiden Mächte verletzt. Unter diesem Gesichtspunkte und im Hinblick auf eine Reihe von Konsequenzen. die unter Umständen daraus erwachsen könmen, gewinnt die Anwesenheit der englischen Untersechoote in der Ostsee an Bedeutung, auch abgesehen von ihrer Eigenschaft als rein militärischer Faktor. Die„Karlsruhe“ versenkt weiter! Petersburg, 29. Jan.(Ctr. Bln.) Nach einer Meldung aus Tokio hat der deutsche Kreuzer„Karlsruhe“ in den amerikani⸗ schen Gewässern wieder zwei englische und ein ir enen sches Dampfschiff versenkt. Die Haltung Rumäniens. g Wien, 29. Jan.(Ctr. Frkft.) Der österreichisch-ungari⸗ sche Gesandte in Bukarest, Graf Ottokar Czernin, der vor⸗ gestern hier eingetroffen ist, wurde heute vom Kaiser in Audienz empfangen. Er hatte gestern eine längere Be⸗ sprechung mit dem Minister des Aeußern, Baron Burian. Wie verlautet, hat sich in den allerletzten Tagen in Rumänien eine ganz bestimmte Wendung zu⸗ gunsten der Zentralmächte bemerkbar gemacht. Rumänisches Getreide für Deutschland. Bukarest, 29. Jan.(W. B.) Halbamtlich wird gemeldet: Der größte Teil der in den letzten Monaten für Deutschland ge⸗ kauften Getreidemengen konnte wegen Wagenmangels nicht, ausgeführt werden. Die rumänische Eisenbahnverwaltung hat nun den Vorschlag der deutschen Ragferung angenommen, daß sie den dazu notwendigen Wagenpark selbst nach Rumä⸗ nien senden werde. 8 * Neichstagsnachwahl in Hamburg III. Hamburg, 29. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Bei der heutigen Reichstagsersatzwahl im 3. Hamburger Wahlkreis wurden für den sozialdemokratischen Parteisekretär Heinrich Stubbe 40 705 Stimmen abgegeben; 70 Stimmen waren zersplittert, 349 ungültig. Es fehlt noch das Resultat eines Bezirkes. Stubbe ist gewählt. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. 6 Aena Verschwendet kein Brot! 1 Jeder spare, so gut er kaun. von den russischen Trup⸗ gute 8 kewaltige Vonäte und grosse Abschlüsse ermöglichen es uns noch, trotz der bedeutenden Steigerung der Lederpreise zu verkaufen. Während des Inventur-Verkauis gewähren wir auf unsere ausgezeichneten uhherkannt billigen Preise Fosent Nabatt u me 8 prozent Rabatt auf alle belerartitef Einzelpaare und zurückgesetzte Artikel sehr billig! chune zu billigen preisen 725 annkonlen-Dernas-beselschab biessen. Ordentl. Hauptuerlammlung Samstag, den 13. Februar 1915, abends 3½ Uhr im Gasthaus zum Pfälzer Hof. Tagesordnung: 1. Berichterstattung. 2. Rechnungsablage. 3, Exsatzwahl des Vorstandes. 4. Wahl des Rechnungs⸗Prüfungs⸗Ausschusses. 5. Etwaige Anträge] 6. Verschiedenes. Der Vorstaub. emäß 5 24 Abs. 3 der Satzung. Um guhlreiche Erscheinen wird gebeten. Gießen, den 30. Januar 19165. Die Rechnung liegt bei dem Vorsitzenden, Herrn A. Dielcoré, Schanzenstraße 8, vom 3. Februar 8 Tage gur gefälligen Einsicht der Mitglieder offen. Für Wirte! Für Wirte! Wir empfehlen r 1 i 7 2 Spielkarten 2 Spielkarten in allen Preislagen aus der Spielkartenfabrik Frommann& Bünte, Darmstadt. Oberhessische Volkszeitung, Gießen Taber-Alte in jeder Ausführung und Preislage. f. Iücvenh 10. KCC... Hautkranke Flechten, Ausschlag, Jucken, Krätze, off. u. geschwoll. Beine, Hämor rhoiden, Magenbeschwerden teile ich schriftlich oder mündlich mit, wie sich jeder davon befreit Frau John, Herford 115 Steinstraße 1. Bahnhosstraße 23. Telephon 2003. Wc dd d n W bb he in allen Größen. 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Wir brauchen Hunde, die geeignet sind, und vor allem Geld, um die hohe Mission zu erfüllen, tausende Verwundete zu retten, die nach jeder Schlacht noch leben und in Gräben, Hecken und Gebüschen verbluten müßten, weil die Sanitäts⸗ mannschaften trotz aller Umsicht und allen Eifers sie nicht finden konnten. Saget nicht, Ihr hättet schon geholfen! Die draußen sagen auch nicht, wir haben schon gekämpft! Sie kämpfen weiter und gehen immer wieder für Euch in die Schlacht! Viele hunderte Sanitäts⸗ hunde arbeiten bereits für Euch und alle, die Euch teuer sind im Felde, Wir brauchen sofort Mittel, die nicht reichlich genug fließen können. Gießen, den 29. Januar 1915. Pfarrer Ausfeld, Direltor des Realgymnasiums, Dr. Baur, Dekan, Bayer, Pfarrer Bechtolsheimer, Geh. Kirchenrat Professor Dr. Eck, Beigeordneter, Kommerzienrat Enimelinb, Geh. Kommerzienrat Dr. Gail, Frau Geh Justizrat Gebhardt, Vorsitzende des Alice-Frauen⸗ Vereins, Chefredakteur Goetz, Beigeordneter, Justizrat Grünewald, Landtagsabgeordneter, Land⸗ gerichtspräsident Dr. Güngerich, Geh Kommerzienrat Heichelheim, Vorsitzender der Handels⸗ kammer, Geh. Schulrat Dr. Hensell, Direktor des Landgraf Ludwig⸗chymnasiums, Rabbiner Dr. Hirschseld, Oberstaatsanwalt Hofmann, Oberbürgermeister Keller, Vertrauensmann des Deutschen Vereins für Sanitätshunde, Generalleutnant Klingethösser, Kommandeur des Ab⸗ schuitts III der Festung Mainz, Forstmeister Köyler, Geh. Justizrat, Prof Dr. Letst, Mitglied der Ersten Kammer der Stände, Reichsbankdirektor Müller, Finanzrat Dr. Offenvächer, General⸗ major von Petersvorff. Rabbiner Dr. Sander, Postdirektor Schäfer, Geh. Kirchenrat Dr. Schlosser, Direktor der Oberrealschule Dr. Schnell, Pfarrer Schwabe, Weinhändler A. Schwanz, Vorsitzender des Vereins Hundesport für Gießen und Umgegend, Oberstabsarzt Dr. Siegert, Reservelazare t-Direktor, Geheimer Medizinalrat Prof. Dr. Sommer, Reltor der Landesuniversität, Finanzrat Steinnäuser, Major Stephan, Geh. Schulrat Dr. Stoeriko, Direktor der höheren Mädchenschule, For meister Trautwein, Professor Urstadt, Lanbtagsabgeordneter und Stadiver⸗ ordneter, Provinzialdirektor Geheimrat Pr. Usinger, Redakteur Vetters, Medizinalrat Dr. Walger, Großh. Kreisarzt, Telegrapheuditeltor Wiebusch, Landgerichtsrat Wiener, Vorsitzender des Zweig⸗ vereins vom Rotien Kreuz, Eisenbahndirektor Zimmermann. 5 Spenden werden entgegengenommen: im Stadthaus, Gartenstraße 2, Zimmer Nr. 15, bei der Mitteldeutschen Kreditbank, Johannesstraße 17, bei der Bank für Handel und Industrie, Johannesstraße 1, in den Geschäfts⸗ stellen des Gießener Anzeigers, Schulstraße 7, und der Oberhess. Volks⸗ zeitung, Bahnhofstraße 23. Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Gießen, Samstag den 30. Januar 1915. n e Hessen und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung. Die kommunalen Pflichten bein Reihs⸗Getttide⸗Monopol. Die Verordnungen des Bundesrats über das Monopol der Getreide- und Mehlversorgung sind die einschneidendsten, die bisher erlassen sind. Sie sind aber auch die vaterländisch⸗ sten, da durch sie allein unser wirtschaftliches Auskommen gesichert ist. Wir sind darum auch stets für eine derartige Regelung eingetreten, die ja in der Richtung unseres Zieles liegt. Es kommt jetzt darauf an, daß diese so wichtigen Ver⸗ ordnungen in der Praxis auch den nötigen sozialen Geist atmen. Es genügt nicht, daß wir mit unseren Vor⸗ räten bis zur neuen Ernte auskommen; die Vorräte müssen auch so verteilt werden, daß jedem einzelnen das Seine zukommt. Und dafür zu sorgen daß die be— deutungsvolle Aufgabe, die jetzt unseren Kommunen un d Kommunalverbänden zufällt. Der Reichs verteilungsstelle liegt es ob, die Vorräte auf die einzelnen Kommunalverbände so zu verteilen, daß wir auskommen. die Kommunen haben dann ihre Portionen durch die Bäcker usw. an die Bevölkerung zu verteilen. Darum fällt ihnen die Aufgabe zu, eine gerechte, soziale Ver⸗ teilung zu bewerkstelligen. Nach dem Buchstaben des Gesetzes würde es genügen, wenn die Kommunen die Vorräte den Bäckern, Kleinhänd⸗ zern usw. zum Verkauf übertragen, ohne daß sie sich weiter den Kopf darüber zerbrechen, ob diese Regelung nun auch der ganzen Bevölkerung zukommt. Sie können aber nach§ 36 Abf. d die Entnahme von Brot und Mehl auf be⸗ stimmte Mengen, Abgabestellen und Zeiten sowie in anderer Weise beschränken und darin liegt die Möglichkeit einer sozialen Regelung begründet. Zunächst muß der Verkauf auf bestimmte Mengen beschränkt werden. Wenn jeder soviel kaufen kann, wie er will, wird der Vorrat in den einzelnen Städten bald zu Ende sein, denn die Sucht weiter Teile des Publikums, sich mit Vorräten zu versehen, ist bereits zur Genüge zutage ge⸗ treten, und so würde der städtische Vorrat zu Ende gehen, indem der eine, der sich größere Mengen leisten kann, sein Haus überreichlich mit Mehl versehen hat und darum gar zur Mehlverschwendung geneigt ist, während der andere, der nur kleine Quanten kaufen kann, nachher nicht mehr die Möglichkeit hat, sich mit seinen bescheidenen Mengen neu zu versehen. Darum ist eine soziale Verteilung ganz undenk⸗ bar ohne eine Beschrönkung des Verkaufs auf bestimmte Mengen. Doch diese Beschränkung genügt nicht. Der besitzende Mann kann auch, wenn z. B. der Einzelverkauf auf 1 Pfund beschränkt ist, sich im Laufe der Tage durch verschiedene Einzelpfundkäufe mit genügenden Mengen versehen. Darum muß noch„in anderer Weise“, wie es im 8 35 heißt, eine Be⸗ schränkung eintreten. Die Konsumgenossenschaften sind uns in der Beziehung jetzt verschiedentlich vorbildlich, insofern sie der Petroleumnot! n Petroleumkarten ausgeben, die den Inhaber wöchentlich zu einem gewissen Quantum be⸗ rechtigen, und die jedesmalige Entnahme auf den Karten markieren lassen. Nur müßte die Verteilung des Mehls nicht, wie es beim Petroleum natürlich möglich ist, imme: gleich sein, vielmehr muß das kinderlose Ehepaar wen erhalten, als die Familie mit zwei Kindern usw. Es würde unseren Verwaltungen bezw. den hierfür eingesetzten Kom missionen zusammen mit den Bäckern, Mehlhändlern usw. gar keine besondere, übrigens auch nur eine einmalige Mühe sein, an Hand der städtischen Portionen das Mehlquantum für den einzelnen zu berechnen und dann jedem einzelnen eine Karte auszustellen, die auf soundsoviel Mehl wöchent⸗ lich oder monatlich lautet und die dann bei der jedesmaligen Entnahme entsprechend markiert wird. Gewiß ist die einfache Uebertragung auf die Geschäfte bequemer, aber sozialer ist jene kommunale Rege lung in dem eben angedeuteten Sinne, während die bis herigen Mehlhändler dabei durchaus nicht ausgeschaltet werden. Ohne eine Regelung in dieser oder ähnlicher ist eine soziale Verteilung ganz undenkbar. Und da es uns nicht nur darauf ankommt, daß unsere Vorräte reichen, son⸗ dern auch darauf, daß dieses Aushalten in sozialer Weise ge⸗ schieht, so ist eine Regelung in der angedeuteten Weise, wie * Weise We sie nach der Beschränkung„in anderer Weise“ des§ 36 möglich ist, eine bedeutungs vo lle kommunale Pflicht. — Unbekannte Helden. Es ist Heldenzeit. waltig über sich selbst, ihr Schicksal und ihr gewöhnliches Maß hi aus und werden zu Helden. An dem, was bisher ging, zerbrachen Tausende: nun gewinnen sie Viele erlangen einen leichten Helden ruhm Stlelle; die Taten von Tausenden werden nach an weithin die anderen hinaus oder auch nur das Glück oder die die Gunst der Stunde. i einen Edelstein, der durch sein Blinken das Auge anzieht. Wer aber kennt sene unbekannten Helden 0 umser Elberfelder Bruderblatt— sene Namenlosen, die ihre tat in der Stille begingen, ohne Zeugen? Jene Zahllosen, mit der gewaltigen Geste des Kampfes Heldentum der Ausdauer, der lautlosen Pflichterfüllung, wissenhaftigkeit bis zur Selbstvernichtung! und Unberühmten, jenen Helden hinter der Front, licht hat. Zu ihnen gehören vor allem die Frauen. Was wir bald nur noch aus der Sage Lannten, was zum Außerordentlichen geworden war, das ist heute wieder Wirklichkeit und geschieht jeden Tag: Menschen wachsen ge⸗ „über die Kraft“ daran ihr Heldentum. sichtbarer ihnen genannt und ihnen zugewogen. Andere hob der Mut, die Kraft, der Geist über Gelegenheit, Sie tragen fortan ihren Helden ruhm wie so frägt Helden⸗ die nicht starben, sondern an irgend einem fernen verlorenen Posten still und stumm wurden in 1 8 5 der Ge⸗ Ehre sei jenen Stillen 5 deren stilles Heldentum oft allein das laute und stürmende der anderen ermög⸗ 5... ͤ dc Was die Frauenwelt eines lämpfenden Landes mobil macht an seelischen und moralischen Kräften, das zählt kein Bericht auf. keine Zahlen können es künden. Tausende beweisen ihr stilles Heldentum, indem ihr Opferwille siegt über die sehnsüchtige Weich⸗ heit des Herzens, das genießen und lieben, hegen und pflogen möchte. Andere, indem sie Last um Last auf das tapfere Herz häufen und doch nicht erliegen, nicht der Arbeit und nicht den Sorgen und nicht der Sehnsucht und nicht der Groll und nicht dem Zweifel, und als fressende Weh lassen. Und wer kennt jenes unbekannte Heldentum der Jugend, dessen innere Art darum nicht weniger wertvoll ist, daß es seine Taten in der Phantasie, in der Sehnsucht, im süßen 7 8 Hoffen⸗ begeht? Oder aber auch schon in einem Sieg über Wirklichkeit, die ihre zarte Jugend nicht verschont hat. Es Kinder, die ihre verzweifelte Mutter trösten und das Heldentum Vaters in der Seele weiter leben und dadurch stärrker werde als ihr Schicksal. Durch alle Blätter ging das Heldentum jenes be gischen Buben, der seine Geschwister, einen zarten Säugling, von der erliegenden Mutter weg von Land zu Land trug auf seinen eigenen schwachen Armen. Wie manches Kind überspringt so seine Jahre und reift plötzlich heldenhaft zur Kraft und zum Leid des Er⸗ wachsenen heran. Die Verwertung der städtischen Küchenabfälle. Seit Jahren wird von allen Einsichtigen empfohlen, die wertvollen Küchenabfälle getrennt zu sammeln, um sie der Verwendung in der Viehzucht zuzuführen. Aber es geschiehr nur an wenigen Orten, zum Beispiel in Charlottenburg und Potsdam. Der Kriegszustand, der eine Ausnützung aller Nahrungsmöglichkeiten zur zwingende Notwendigkeit macht, rückt die Verwertung der städtischen Küchenabfälle zu Futter⸗ zwecken in der Landwirtschaft in größere Bedeutung. Eine Vorschrift, die die möglichst rationelle Sammlung und Verwertung der Küchenabfälle verlangt, ist besonders nötig im Hinblick auf die Schweinezucht, die eine bedeutungs⸗ volle Rolle in der Volksernährung spielt. in einer Zeit, wo die einschlägigen Behörden es al wendigkeit ansehen, mit Rücksicht auf! Futtermang Schweinebestand um ein Drittel zu ve ese eiserne Notwendigkeit könnte umgangen werden, zun sich' die Städte der Situation und ihrer Pflichten mehr bewußt wir den. Denn bei rationeller Verwertung der Hüchenabfälle und Speisereste könnte hier Futter geschaffen werden, das ausreichte, die fehlende Kleie und das Schrot zu ersetzen. In fast jedem lt werden Kartoffelabfälle, Speisereste und dergleichen täglich in den Osen oder in den Mülleimer geworfen. Warum muß dieses wertvolle Futter verkommen, während an ihm ein bitterer Mangel ist? Es ist statistisch nachgewiesen, daß die Abfälle von zehn Familien zur Fütte⸗ rung eines Schweines ausreichen. Nie war die Zeit günstiger für die Einführung des Zwanges zur Trennung der Abfälle; das Polk kann und wird sich der besseren Einsicht nicht verschließen, und es w diese neue Aufgabe erfüllen, wie es sich an so manches Neue gewöhnen mußte. Allerdings muß; die Gemeinde die Sache in die Hand nehmen. Sie ist es, der die Pflicht obliegt, die Angelegenheit in Fluß zu bringen. Einige Hausbesitzer und Einwohꝛ i jaben bereits praktische Versuche gemacht. zur Aufnahme der Abfälle den Hausl und es hat si ergeben, daß das Resultat hes war. Leute, die vordem Körnerfutter für die Hühner und Schrot und Kleie für die Kaninchen einkaufen mußten, bel fen sich jetzt in der Krie die Weise, daß sie die Küchenabgänge verfüttern. sind recht zufrieden mit dem Erfolg ihrer Versuche. Was hier kleinen geht, sollte das nicht im großen auch möglich sein denn wenn Zeit Geld ist, dann hier gang besonders; jeder Tag der Ver nis schädigt das Wohl des Ganzen. In einer Reihe von Städten, unter anderem in Bochum, Hörde i. W., Nordhausen, Stuttgart, li Frankfurt und Darmf f t 1 wichtigen Angelegenheit berei. garter Stadtschultheißenamt erläßt in den Zeitung Aufruf, in dem es heißt: „In dem Hauskehricht der deutschen Städte sind mittelstoffe im Werte von etwa 25 000 000 Mk., dem Zins eine halbe Milliarde Mark in Jahr, enthalten, welche unserer heimischen Wirtschaft v 5 Be stadt auszugebenden Arbeitslöhne im Inland und es können Futt mittel gewonnen werden, die wir heute selbst gegen höchste Be⸗ zahlung nicht erhalten können. 0 0 will die Stadt Stuttgart die Verwertung die Angriff nehmen. Um die Gewinnung ohne große Kosten durchführen zu können, ist es reits in den Haushaltungen alle verfütterbaren Abfälle, wie Ge Kartoffelreste, (Blechdosen, Eimer, Schssseln) gesammelt werden. holung soll durch das städtische Reinigungsamt. und zwar z mal wöchentlich in den Wohnungen erfolgen. Die Kehrichtei tverlust und ohr Die 1 e. mit den übrigen nicht verwertbaren Abfallstoffen sind wie bisher auf die Straße zu stellen. Wir bitten die Hausfrauen und ihre Dienstboten, kleinen Mühe der getrennten Sammlung aller verfütterbaren Abfälle zu unterziehen. Die dadurch zu gewinnenden Futter- mittel werden einer Steigerung der Fleischpreise entgegen— wirken.“ Vermehrung der Anbauflächen für den Feldbau. Zu den Mitteln, die geeignet find, Heer und Volk bei längerer Dauer des Krieges stellen, gehört die Urbarmachung und Bepflanzung von seit— her unbenutzten Bodenflächen. Namentlich Gemarkungen finden sich vielfach Geländestücke, die oder später mit Bauten versehen werden sollen und des wegen zuin Pflangenbau nicht mehr benutzt sicher sich die meisten derartigen Bauplätze hierzu nach Bodenbo— Natürlich heißt es schnell handeln, seither rloren gingen und welcher Be⸗ ins Ausland wanderte. Wohl ist die Gewinnung dieser te mit erheblichen Kosten verknüpft, jedoch bleiben die daf Wie verschiedene deutsche Städte, ser Abfallstoffe in notwendig, daß be⸗ in besonderen Behältern Ab⸗ Sachen anziehen! sich der die Ernährung von 3 in städtischen früher merden, obwoh! eee schaffenheit und Lage recht gut eignen. Aber auch in länd- lichen Gemarkungen sind manche Geländestücke vorhanden, die sich durch zweckentsprechenden Anbau besser ausnützer⸗“ ließen. Flächen sollten wenigstens während der, Kriegszeit zur Steigerung des Vorrats an Nahrungs⸗ und Futtermitteln ausgenutzt werden. Zu ihrer Urbarmachung ist die jetzige Jahreszeit geeignet. Das Großh. Kreisamt Darmstadt hat bereits ter dem 16. Dezember v. J. die ure Solch Großh. Bürgermeistereien 3 Kreises beauftragt, festzu⸗ stellen, ob in den einzelnen Gemarkungen Ländereien vor⸗ handen sind, die seither nicht bepflanzt wurden, aber urbar gemacht und z Pfl bau benutzt werden können, os Ui 51 Flächen des Gemeindewaldes zum Andau verwendet werden können, Gleichzeitig 0 reien weiter empfohlen, die Bestel⸗ für das kommende Jahr zu veranlassen. Jahren war in verschiedenen Gemein⸗ abgeholzte Kartoffeln den lung dieset in den letzten bort Hurde Schon den des genannten Kreises in den Gemeindewaldungen and abgeholzten und gerodeten Flächen sogen. Waldfeldbau ein „ so z. B. in Griesheim und Pfungstadt. Die letzt genannte Geimei hat auf soschen Flächen im vergangenen Jahre 900 Zentner Kartoffeln geerntet, die zu Zwecken den Kriegsfürsorge in diesem Winter verwendet und an bedürf⸗ ti inwohner wöchentlich nach Bedürfnis ausgegeben Auch in der Stadt Darmstadt ist nan— wie wir schon meldeten— bereits tätig, um brachliegende Plätze und werden. Grundstücke zum Anbau von Feldfrüchten für das kommende Frühjahr zu gewinnen und die Besitzer von Bauplätzen zur Herstellung dieser Plätze als Acker⸗ und Gartenland zun veranlassen. Im Winterkleid. Weißflockig hängt es über Dächern und Bäumen, über wo die Menschen es nicht da deckt es auch noch die weiße Hülle ebenso, Sträuchern und Gartenzäunen, und schon zertreten oder fortgeschaufelt haben, gute Mutter Erde. Sie kann diese wärmende gut brauchen, wie unsere Soldaten im Felde die vielbegehrten, Wollsachen. Denn im neuen Jahre soll sie reichlicher noch als sonst Früchte tragen für die Kinder des von Feinden umringten Vaterlandes. Und nichts schützt die Wintersaaten besser als die weiche weiße Schneedecke, die zugleich den Boden nachhaltig mit Fruchtbarkeit durchdringt. Aber die Nützlichkeitserwägungen drängen sich doch nur so nebenbei auf, wenn wir heute hinaus⸗ schauen in die blendende Pracht der Winterlandschaft. Welch ein herrliches Bild gewähren jetzt unsere städtischen Anlagen! Die Baumriesen tragen schwer unter der Laft, die auf ihren Aesten ruht, und neigen sich tief zur Erde herab. Wenn ein Vogel durchs Gezweige huscht, stiebt eine weiße schimmernde Federwolke hinter ihm her. Wundervoller Frieden waltet über den Begräbnisplätzen. Hoch liegt der Schnee zwischen den Gräbern, die fast verschwinden unter der alles ausfüllenden Flockenhülle, die hier unversehrt lie⸗ gen bleibt— bis Tauwetter eintritt. Bis dahin läßt unsere Straßenjugend das herrliche Winter⸗ gewand der Erde nicht unbenutzt liegen. Wo sie es zu fassen kriegt, verwandelt es sich in kernige Schneebälle, die lustig den Vorüber⸗ gehenden um die Köpfe fliegen. Und wo mehrere Jungen zusam⸗ menkommen, da steht bald ein Schneemann mitten unter ihnen. Mit dem Schlittenfahren ist es ja eine ziemlich problematische Sache im Innern der Stadt. Einmal fehlt der Abhang zum Rodeln, das andere Mal der Schnee. Doch draußen vor der Stadt gibt es auch dazu noch Gelegenheit. Darum zieht jetzt alles, was einen Schlit⸗ ten hat, hinaus nach jenen Pläsen, und manch heimlicher Stoß⸗ seüfzer steiat zum Himmel hinauf, daß er es doch noch recht viel schneien lassen wöge, währ d andererseits auch der Wunsch in weiten Kreisen rege sein wird, daß der Frost in diesen Tagen der Kohlenteurung und des S zengrabenkrieges gnädig mit uns armen Menschenkindern machen möge. * 222 2*— Guter Nat für unsere Krieger. Im Lazarett liege ich nun schon seit drei Wochen. Da fällt mir plötzlich ein, daß ich den ins Feld abrückenden Kameraden schuldig „ einige Ratschläge zu geben, die vor manchem schweren Schaden ewahren können. Bet einem Besichtigung Wasser prall gefüllte Schwe dann mit je cine Patrone ange 2 1 eßen, dem ich beiwohnte, wurden mit insblasen an Pfähle aufgehängt und ssen. Die Wirkung muß man ge⸗ sehen haben, sonst klann man es sich gar nicht vocht vorstellen: Die Hol, hle waren, soweit das spritzende Wasser reichte, zersplittert zerhauen, kurz, schauderhaft zuge richtet. Bei Selbstmördern, die Wasser mit beim Erschießen verwenden, haut ja auch das Wasser die harten Schädelkno al nder. Diese Wirkung beruht Auf dem allseitigen Druck des Wassers, wie er bei hydraulischen Pressen uns Pumpen praktisch angewer det wird. Der Urin in der gefüllten Harnblase, troffen wi hat natürlich die gleiche furchtbare der von einer Kugel ge⸗ Wirkung und zer⸗ veißt und zerfetzt den ganzen Unterleib. Darum vor jede m Ge⸗ echt, Patrouillengang usw. die Harnblase ent⸗ leeren! eiche gilt für den Darm. Lieber mehrmals am Tage. inmal zu wenig entleeren. Dann sind die gefährlichen Bauch⸗ e bedeutend harmloser. 2 Die Kälte, besonders im Osten, ist ein awer Feind unsrer Krieger. Ich wäre, als ich verwundet dalag, trotz zwei Paar fen, zwei Hemden und Strickjacke, zwei Unterhosen bestimmt venn mich nicht Kameraden fortgetragen hätten. ft nun am besten gegen die Kälte? Noch mehr wollene 8 en auch ganz überraschende Beobach⸗ am sich und andere. söst wer früher kein Freund von har, ist es durch Märsche uind die Kälte geworden. Läden in den Ortschaften wurden meist gestürmt und der Zucker ausverkauft. Die nachfolgenden Kameraden ließen sich durch s:„Nix Zucker!“ des Händlers, meist eines Juden, nicht ver⸗ blüffen, und es wurde Uachgeforscht. Meist wurde dann noch ein Zentner und mehr Zucker unter den Betten vorgeholt und auch radibal ausverkauft. Dann machten die Kamen tungen Zucker . Dieses Bedürfnis nach Zucker, der sich leicht im Körper in Muskelkraft und in Wärme während des Marsches und in der Ruhe umsetzt, ist natürlich. Das bißchen Instinkt, das dem Menschen ge⸗ Zuständen gebieterisch wie wir an denen blieben ist, verlangt unter den geschilderten mit viel Zucker, nach Zucker oder heißem Tee 0 sehen, die früher Abneigung gegen St gkeiten hatten. i Vorteilhaft für eine recht große imeentwicklung ist weiter⸗ hin Fett jeder Art, Nach Butter entspann sich in jedem Rastorte eine wilde Jagd. Leider war die Antwort des polnischen Bauern: „Nimma maßlo!“ die Regel. So mußten wir uns meist Spechselt auslassen. Aber so dick mit Fett und Grieben bestrichenes Brot Hatte ich bisher noch nie gesehen. Soviel Fett wäre uns vil! Ueberdruß geworden. Auch habe ich im Felde mi können, daß jemand settes Fleisch weggeworfen hätte, wie. . Kälte. ich die Verwendung des Strohs kennen lernte. Ein Bündel parallel auf, ist elastisch, isoliert ausgezeichnet gegen die Kälte von unten dat mit Freuden bemerken, wie ihm diese Leibestätigkeit zustatten arbeitung die Regel l ist. Aber im Felde erregte der hohe Bedarf des Körpers an leicht in Wärme oder Kraft umsetzbaren Stoffen Appetit nach fettigen Bemmen. Leider erfreut sich der angebliche Kraft⸗ und Wärmespender Al⸗ kohol noch viel zu sehr einer gewissen Achtung bei unsern Kame⸗ raden. Meine Erlebnisse bei Ausübung des Skilaufs habe ich mit recht guten Erfolgen auch aufs Feld übertragen. Damals tranken wir stets heißes Zitronenwasser oder heißen Tee oder Kaffee, aber nie bedurften wir des Alkohols, der die Wärmeregulierung der Haut derart ungünstig beeinflußt, daß man von einer Wärmever⸗ schwendung reden muß. Das Kältezentrum des Gehirns wird mehr oder weniger gelähmt, sodaß es dem Geiste nicht mehr meldet, daß der Körper friert. Tatsächlich wird die Haut nach Alkoholgenuß kälter, ohne daß es der Mensch merkt. Interessant ist, was hierzu Prof. G. v. Bunge in der Alkoholfrage(10 Pfg.) schreibt. Bei uns bekam ein Brauer von seinen Lieben ein Brieschen mit Rum, wovon er sofort einen steifen Grog braute, und weil er ein gutmütiger Kamerad war, auch andern gab. Das war am 21. November in Polen Von 10—12 Uhr nachts hatte er Wache bei der Kompagnie⸗Bagage. Um 12 Uhr stolpert die Ablösung über ein Paar Beine. Liegt der Kamerad Brauer schlafend auf einer Holgplanke, mit dem Oberkörper an ein Wagenrad gelehnt, und hat sich die Zehen erfroren. Ein so leichtsinniges Wachvergehen wird oft mit dem Tode, bestimmt aber mit mehrjähriger Zuchthausstrafe gesühnt; denn unabsehbarer Schaden an Menschenleben und Material kann da⸗ durch verursacht werden. Schade nur, daß der eigentliche Verbrecher, der Alkohol, nicht eingesperrt wird, sondern von zu Hause her vielfach auf unsere Krieger auch noch losgelassen wird. Im Schützengraben haben immer die am meisten über ganz entsetzliches Reißen geklagt, die sich vom Piwo(Bier) und Liebes⸗ gaben⸗Schnaps nicht trennen konnten. Bei unsern Gewaltmärschen, wo oft die letzte Kraftreserve ausgegeben wurde, machten die zuerst schlapp, die Wutki oder Piwo oder auch auf eigene Faust requirierten Wein(vperlassene oder un⸗ bewachte Weinkeller hat es im Anfang öfters gegeben) vecht tapfer „gehoben“ hatten. Die Kameraden und die Vorgesetzten waren gemütliche Erz⸗ gebirger, so daß nur zwei Fälle von Widersetzlichkeit in der Trunkenheit vorkamen, die nur mit Anbinden an einen Baum be⸗ straft wurden. Wohl aber habe ich mich in Opozno über die Russen gewundert. Sofort beim Einrücken hat ein höherer russischer Offizier sämtlichen Wutki in der Stadt auslaufen, aber sämtliche Teepakete aufkaufen lassen, damit seinen Abteilungen auch in der kalten Zeit nie der heiße Tee ausgehen sollte.— Wir sind ausgezeichnet ohne Alkohol ausgekommen. Die Füße, besonders Schweißfüße, leiden am ehesten unter der Mir haben drei Paar Strümpfe nichts genützt, und öfters bin ich nachts freiwillig auf Patrouille gezogen, weil ich infolge eiskalter Füße erwachte. Durch Marschieren wurden sie wieder warm. Später wäre ich infolge der Gewaltanstrengungen nicht mehr in der Nacht munter geworden. Da war es ein Glück, daß Kxichteter Strohhalme wird zerschnitten, und zwar genau so groß, wie die Fußsohle lang ist. Dieses Bündelchen Stroh, in den Stiefel gesteckt und auf der Fußsohle ausgebreitet, saugt den Schweiß und hindert gar nicht beim Marschieren. Von da an hatte ich bei stärkster Kälte warme Füße bei täglich zweimaligem N . runs. (Vielleicht schickt mancher Leser die Nummer unseres Blattes mit diesen gutgemeinten und erprobten Ratschlägen einem Bekann⸗ ten im Felde zu.) —— Wie lange danert die Dienstzeit nach dem Kriege? Ueber die Anrechnung der Dienstzeit während des Krieges sind allerlei unrichtige Anschauungen vorhanden. Besonders betreffen sie die„doppelte Anrechnung“ der Kriegszeit und die Dienstzeit der Freiwilligen. Es wird darum eine amtliche Aufklärung inter⸗ essteren, die wir der Hessischen Beamtenzeitung entnehmen: Bei den„Freiwilligen“ ist zu unterscheiden zwischen Militärpflichtigen, die sich freiwillig aus Anlaß des Krieges gestellt haben und zwi⸗ schen Freiwilligen, die nicht mehr militärpflichtig sind. Dazu kom⸗ men noch die Einjährig⸗ Freiwilligen. Die Freiwilligen, die bereits jetzt militärpflichtig sind, werden nach Beendigung des Krieges bis zur Ableistung ihrer gesetzlichen Dienstzeit zurückgehalten, also Einjährig⸗Freiwillige für insgesamt ein Jahr, die übrigen, je nach der Waffengattung, zwei bis drei Jahre. Die zum Einjährig⸗Frei⸗ willigendienst Berechtigten, die mit ihrer Jahresklasse zum Dienst erangezogen werden, also nicht freiwillig eingetreten sind, treten 15 sofern sie es wünschen— bei Auflösung der Ersatztruppenteile wieder in den Genuß der ihnen bewilligten vorläufigen Zurück— stellung. Die als Kriegsfreiwillige eingetretenen Mannschaften ohne Berechtigungsschein können ihre aktive Dienstzeit von zwei poder drei Jahren an die Demobilmachung anschließend beenden: desgleichen auch die mit Berechtigungsschein zum Einjährig-Frei⸗ willigendienst versehenen Kriegs freiwilligen ihre aktive Dienstzeit von einem Jahre. Die bereits abgeleistete Dienstzeit gelangt bei allen vor Ableistung der gesetzlichen Dienstpflicht Entlassenen bei etwaiger späterer Wiedereinstelluna zur Anrechnung. Im allgemeinen wer⸗ den die Kriegsfreiwilligen nur auf die Kriegsdauer angenommen und bei der Demobilmachung oder bei der Auflösung der betreffen⸗ den Truppenteile usw. zur Verfügung der Ersatzbehörden entlassen. Bei der„doppelten Anrechnung“ der Kriegszeft handelt es sich nicht um eine Anrechnung während der Dienstzeit selbst, das heißt, die Dienstzeit wird durch den Krieg nicht verkürzt. Die doppelte Be⸗ rechnung tritt nur in Kraft bei Festsetzung des Dienstalters, bei Anstellung, bei Berechnung des Gehaltes usw. Der Wert des Turnens. Zu keiner Zeit trat der Wert des Turnens für den einzelnen wie für die Gesamtheit des Volkes so kräftig in die Erscheinung als jetzt. Schon in Friedenszeiten wird jeder junge Mann, der beim Turnen die verschiedensten Körperübungen getrieben hat, als Sol⸗ kommt, ihm den Dienst erleichtert. Jetzt aber, wo die eingezogenen jungen und alten Männer in wenigen Wochen ausgebildet werden, wo die länast entlassenen Reservemannschaften wieder das Gewehr schultern, der Landsturm eine ihm ungewohnte Tätigkeit entfalten muß und vor schwere Aufgaben gestellt wird, da werden viele die verminderte Geschmeidigkeit ihres Körpers und die mangelnde Festigkeit ihrer Muskeln empfinden. Sie werden es bereuen, daß ste nie oder zu wenig geturnt, sie werden das Leben in der Garni son und im Felde schwerer ertragen als andere und werden dar— unter leiden, weil sie ihre Kräfte übermäßig anstrengen müssen. Darum soll viel mehr geturnt, viel mehr Körperübung getrieben, jetzt im Winter sollte mehr gewandert werden, trotz Schnee und Regen, Sturm und Wind. Das Turnen und Wandern sollte mit⸗ helfen zum Ablenken von den Schrecken des Krieges, die bei den arbeitenden und notleidenden Massen des Volkes besonders nieder⸗ drückend wirken: es sollte dem durch den Geist besonders in An⸗ spruch genommenen Körper neue Kraft bringen, ihn stählen und festigen, um ihn für die etwa an ihn herantretenden Anstrengungen in jeder Gestalt tüchtig zu machen. Die Arbeiterschaft hat das größte Interesse an der Kräftigung und Stählung der lebenden und der kommenden Geschlechter. Die zunehmende einseitige Arbeitsweise in allen Gewerben bedingt geradezu die Ausbildung der verkümmernden Organe. Das hat die sporttreibende Arbeiterschaft längst erkannt. Sie darf von sich behaupten, daß sie ein aut Teil Anspruch darauf hat, im Volke die Liebe zum vernünftig betriebenen Sport und zu geordneten Leibes⸗ übungen gepflanzt, damit im besten Sinne Volksgesundheitspflege und zugleich durch die Einwirkung auf den Geist die Erziehung zu im Lazarett bei stets gleichbleibender Wärme und mangelnder Aus⸗ charakterfesten Menschen betrieben zu haben. Darum mögen alle, die in der jetzigen ernsten Zeit die Vernachlässigung ihres Körpers empfinden, in den sich kraftvoll entwickelnden Arbeiter⸗Turn⸗ und ⸗Sportvereinen die Heilung der bestehenden Schäden suchen. Die Kartoffel. Scheinbar unwichtige Wirtschaftsvorgänge erhalten jetzt in Kriegszeiten eine besondere Bedeutung. So die Untersuchung, in welchem Umfange es uns möglich ist, durch die Kartoffel zur Er⸗ nährung des deutschen Volkes beizutragen. Technik und Wissen⸗ schaft suchen nach Methoden, um aus unserer Kartoffelernte den hächsten Nährwert herauszuholen. g Zur Aufklärung über die gesetzgeberische Maßnahme der Regie⸗ rung, daß die Kartoffel jetzt zur Brotbereitung mit herangezogen werden muß, hat das Gesundheitsamt in einem Gutachten die Ver⸗ fahren zur Herstellung der verschiedenen Kartoffelerzeugnisse kurz beschrieben. Verschiedene Wissenschaftler haben in ihren Laboratorien eben⸗ falls den Nährwert der Kartoffel chemisch untersucht, zu einem be⸗ sonders interessanten Resultat ist Professor Dr. Th. Pfeiffer in Breslau gekommen. Von diesem Agrikulturchemiker wurde darauf hingewiesen,„daß das übliche Schälen der Speisekartoffel große Mengen von Abfällen liefere, die neben der wertlosen Schale Teile der nutzbaren Kartoffelmasse enthalten, während beim Kochen in der Schale und Abziehen der sogenannten Pellkartoffel diese Ver⸗ luste fast ganz fortfallen. Obwohl jede Hausfrau über diese Ver⸗ hältnisse unterrichtet ist, macht man sich im allgemeinen keine rechte Vorstellung über die Größe diefer Verluste; die Herstellung der Pellkartoffel wäre sonst schon sicher allgemeiner verbreitet.“ Prof. Pfeiffer hat im Agrikulturchemischen Institut zu Bres⸗ lau bemerkenswerte Versuche durchgeführt. Es wurden vorher genau bestimmte Quantitäten von Kartoffeln in der üblichen Weise geschält und nachher wurde die Gewichtsmenge der Schalenabfälle ermittelt. Das Gewicht der Schalen betrug im Durchschnitt bei den geschälten rohen Kartoffeln 17,1 Prozent, bei den Pellkartoffeln da⸗ gegen nur 6,5 Prozent der ursprünglichen Masse. Aus der weite⸗ ren Untersuchung ergab sich, daß 1 Zentner Kartoffeln beim Schälen der rohen Knollen durchschnittlich 17 Pfund, beim Abziehen der Pellkartoffeln 19,4 Pfund Trockensubstanz für die menschliche Ernährung verfügbar macht und daß somit das zweite Verfahren einen Gewinn von nicht weniger als 12,2 Prozent in Aussicht stellt. Wenn in ganz Deutschland nur noch Pellkartoffeln verwendet würden, so könnte die gleiche Kartoffelmenge theoretisch zur Ver⸗ sorgung von mehr als 8 Millionen Menschen genügen, im Gegen⸗ satz zur Verwendung geschälter Kartoffeln. Durch mühsame wissenschaftliche Untersuchungen ist das fest⸗ gestellt, was z. B. die Sorgenmutter einer Heimarbeiterfamilie traditionell ausgeführt: die Kartoffel wird in der Schale gekocht, damit sie mehr sättigt und einen größeren Nährwert ergibt. —„Lichtseiten der Teuerung“. Was in dieser Zeit für Ansichten und gute Ratschläge zutage gefördert werden, ist kaum noch zu übersehen. Jeden Tag tritt irgend einer auf und weiß einen neuen Vorschlag zur Sicherstellung der Volks⸗ ernährung, zum sparsamen kochen und anderes. Was letzte⸗ res betrifft, braucht man übrigens einer tüchtigen Hausfrau nicht zu raten, die weiß am besten, wie sie ihren Haushalt einzurichten hat. Besonders die Arbeiterfrauen haben so sparen lernen müssen, daß ihnen kein Gelehrter mehr etwas erzählen kann. Kochen ist gewiß auch eine Kunst und will gelernt sein; aber man kann eben kein gutes Mahl be⸗ reiten ohne das Material dazu und das kostet eben Geld. Heute sogar sehr viel Geld, sodaß man sich in den Fami⸗ lien der arbeitenden Bevölkerung mit dem Geringsten be⸗ gnügen muß und hat noch nicht einmal genügend davon. Schwer lastet die Teuerung auf dem Volke. Und doch steigt einer auf, der von„Lichtseiten der Teuerung“ redet, diese also gewissermaßen für ein Glück ansieht. Der gelehrte Herr heißt Eltzbacher und giebt in einer Kriegskost genannten Korrespondenz folgendes zum Besten: „Es klingt seltsam, daß hohe Lebensmittelpreise auch für den Verbraucher vorteilhaft sein können, dennoch aber ist es richtig. Natürlich sind sie für den Armen drückend und für jedermann unangenehm und erschweren die Wirtschaft, aber auch das Harte und Unangenehme kann gut für uns sein. Wie hat man in den letzten Jahren darüber geklagt, daß durch die Getreidezölle das Brot verteuert wurde und daß auch das Fleisch durch Zölle und Einfuhrerschwerungen im Preise stieg. Man hat den Vertretern der Landwirtschaft die für solche Maßregeln eintraten, rücksichtslosen Eigennutz zum Vorwurf gemacht und so harte Worte wie Brot- und Fleischwucherer gebraucht. Aber die hohen Getreidepreise haben es unserer Landwirtschaft möglich gemacht, immer größere Beträge in den Boden hineinzustecken und immer größere Erträge herauszuwirtschaften. Die hohen Fleisch⸗ preise haben unserer Viehzucht einen gewaltigen Antrieb ge⸗ geben, zugleich aber einer weiteren Steigerung des übertriebenen Fleischgenusses entgegen⸗ gewirkt und uns so vom Ausland unabhängiger gemacht. Diese Lehren sollten sich alle diejenigen zu Herzen nehmen, die jetzt geneigt sind, über hohe Preise zu klagen oder sich vor einem Steigen der Preise fürchten. In zahlreichen Fällen ist das Steigen der Preise heilsam, so schwer auch der Druck hoher Lebensmittelpreise auf den minder Bemittel— ten lasten mag. Wenn der Verbraucher für Brot und Kar toffeln hohe Preise bezahlen muß, so bringt ihm dies den Ernst unserer Lage zum Bewußtsein. Er empfindet, daß wir in einem Kriege stehen, in welchem uns fast unsere ganze Einfuhr abgeschnitten ist und unsere Gegner uns auszu⸗ hungern hoffen. Es ist nicht wünschenswert, daß der Verbraucher durch Höchstpreise und andere künstliche Mittel über die Lage getäuscht wird, denn das verleitet ihn nur zu Sorglosigkeit und Verschwendung. Hohe Preise steuern der Vergeudung besser als Aufrufe und Merkblätter.“ Demnach müßte also der Konsument, der sich mit seiner Familie heute nicht satt essen kann, nach höheren Lebens⸗ mittelpreisen rufen, obwohl diese meistens das Doppelte seit Kriegsausbruch gestiegen sind! Dem angenehmen Herrn Eltzbacher— der jedenfalls ein Agrarier ist— wäre zu wün⸗ schen, daß er mal nur ein Vierteljahr lang mit 24 Mark Wochenlohn leben und eine Familie ernähren müßte. Viel⸗ leicht käme er zu anderen Ansichten. — Verwertung von Küchenabfällen. In nächster Zeit will man auch in Gießen einen Versuch damit machen, die Küchenabfälle einsammeln zu lassen und sie für Viehfutter verwerten. Die Sache wird natürlich von der Stadtverwal⸗ tung organisiert; ein Ausschuß beschäftigt sich schon seit län⸗ gerer Zeit damit. Andere Städte widmen der Frage eben— falls große Aufmerksamkeit und verschiedentlich verwertet 48 man die Abfallstoffe bereits. In Darmstadt wurde am tag das Einsammeln zum ersten Male in einem Bezirk genommen, wobei in 4 Stunden über 11 Zentner Abfälle sammelt und dem Schlachthof überwiesen wurden. Montag ab soll das Einsammeln dort auf die ganze S ausgedehnt werden. Um Ueberlassung der Abfälle si 5 reits Anfragen und Gesuche eingegangen, woraus ma 15 merklichen Futtermangel schließt.— Es kann keinem 3 unterliegen, daß bei zweckmäßiger Organisation der Sache ein Vorteil dabei herausschaut, aber man darf sich Illusionen hingeben. Denn es handelt sich doch um ziem minderwertiges Futter und man darf sich schon vorsehen, der Aufwand nicht größer wird, als die Abfälle wert sind — Die Eierpreise sind bei uns noch unverhältnism hoch. Während auf dem Gießener Wochenmarkte noch 12, 1 sogar 14 Pfg. für das Stück verlangt werden, werden sie Frankfurter Geschäften bereits für 10 und 9 Pfg. und billiger angeboten. In gegenwärtiger Zeit sucht jeder Leb mittelproduzent und Händler die Preise so hoch als mö zu schrauben, auch wenn dazu gar kein stichhaltiger G vorliegt. Die Verbraucher können, weil sie nicht zusa geschlossen sind, dem nicht in wirksamer Weise entgegentr — Von verschiedenen Seiten ist den Stadtgemeinden f öfters geraten worden, Hühnerfarmen anzulegen; Stadt Bielefeld hat diesen Gedanken wenigstens teilweise in die Tat umgesetzt und hat beschlossen, auf den städtisch Rieselfeldern eine Hühnerfarm zu errichten. In dieser 3 erkennt man den Wert einer solchen, denn unsere inländi Produktion deckt nur einen kleinen Teil des Bedarfs. — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Hein⸗ rich Herzberger aus Burg⸗Gemüden, Infanterie⸗R ment 115.— Kriegsfreiwilliger Georg Hedrich aus W lar, Reserve⸗Infanterie⸗Regiment 222. 10 Die Genossenschaften im Kriege. Bei der großen 2 deutung, die die Genossenschaften in unserem Wirtschaftsl. haben, ist eine Uebersicht über die Haltung der Genossens ten während der Kriegsmonate interessant, die die Blätter für Genossenschaftswesen veröffentlichen. Darnach haben zu nächst die Kreditgenossenschaften für sich und ih Sparkassengläubiger rund 80 Millionen Mark Kriegsanl, übernommen. Den im Felderstehenden Schuldnern hatte durchweg Nachsicht walten lassen. Der Zinsfuß für Kred wurde nur in wenigen Fällen erhöht. Größere Verluste wer den wahrscheinlich nur wenig eintreten, doch ist eine Beschrän kung der Dividende zur Bildung von Kriegsreserven vielfach in Aussicht genommen.— Die Handwerkergenosse schaften haben oft Schwierigkeiten in der Beschaffung Rohmaterialien gehabt. Im übrigen sind sie vom Kriege verschieden betroffen, je nachdem es sich um Handwerker solche, die mehr in Luxusbranchen tätig sind.— Die Ko sumvereine haben ausnahmsweise das Bestreben gehabt, ihre Mitglieder möglichst billig mit Lebensmitteln zu ver⸗ sorgen. Vielfach sind sie sehr entschieden dem Verlangen ihrer Mitglieder nach Verproviantierung entgegengetreten. 5 Als ein besonders erfreuliches Zeichen darf es betrachtet wer⸗ den, daß nur in ganz wenigen Fällen Warenkredit eingeführt ist. Die Geschäfts⸗ und Betriebseinrichtungen der großen Konsumvereine wurden vielfach den Militärbehörden zur Ver⸗ fügung gestellt.— Für die Baugenossenschaften war die größte Sorge der Eingang der Mieten; hier sind denn nossenschaften haben Mietsstundungen bewilligt. Natürlich ist es auch vielfach zur Einschränkung der Bautätigkeit gekom⸗ men. Die Zahl der Wohnungen, die infolge des Krieges leer geworden sind, ist nicht groß. Alles in allem haben die Ge⸗ nossenschaften die Kriegsmonate also verhältnismäßig gut überstanden.. Hessische Vermißten⸗Ermittelung. In einer in Darm⸗ stadt abgehaltenen Versammlung von Angehörigen der bis jetzt vermißten hessischen Krieger berichtete Rechnungsrat a. D. Schupp über die bisher geschehenen Schritte. Bis jetzt hatten sich schon über 1200 Angehörige bei ihm gemeldet, die trotz vieler Versuche über das Schicksal vermißter Kämpfer keine Nachricht erhalten konnten. Herr Wagester zus Frankfurt a. M. teilte mit, daß man jetzt in Frank⸗ furt a. M. in gleicher Weise vorgehen wolle. Er empfahl u. a., auch eine Abordnung nach Berlin zu schicken. Nach weiterer Aussprache wurden folgende Entschließungen an genommen, die an die maßgebenden Stellen versendet wer⸗ den sollen:„Die heute in Darmstadt aus dem Großher, tum Hessen von mehr als 500 Personen besuchte Versa lung von schwer besorgten, bekümmerten und in stä quälender und aufreibender Ungewißheit lebenden A hörigen solcher hessischer Krieger, die schon seit langer vermißt sind und über deren Schicksal bisher keinerlei N richt in die Heimat gedrungen ist, hat einstimmig beschlossen sich der an das Auswärtige Amt und an das Kgl. Pr. Kriegs⸗ ministerium in gleicher Angelegenheit zahlreicher braunschweigischer und hannoverscher Landslei mit allem Nachdruck und mit der Bitte anzuschließen, dem in jener Eingabe ausgesprochenen Wunsche, dahin zu wirken, daß von den feindlichen Mächten den im Feindeslande be⸗ findlichen deutschen Kriegsgefangenen der Schriftwechsel mit ihren Angehörigen nicht nur gestattet, sondern tunlichst er⸗ leichtert werde, rasch und wirksam Rechnung zu tragen. Sollten die feindlichen Regierungen auf diesen Wunsch G 0 eingehen, so bitten wir, daß alsbald auch den in Deutschland befindlichen kranken und gefangenen feindlichen Soldaten die Erlaubnis, mit ihren Angehörigen zu korrespondieren, ent- zogen werden möge.“— Weiter wurde der einstimmige und dringende Wunsch ausgesprochen:„Es möge die deutsche Reichsregierung bei den Regierungen der feindlichen Mächte durch die Vermittelung neutraler Botschafter veranlassen und durchsetzen, 1. daß unverzüglich genaue Listen aller in feindlichen Lazaretten und Gefangenenlagern befindlichen Angehörigen des deutschen Heeres aufgestellt werden, und daß auch in Zukunft die Aufstellung solcher Listen in kurzen Zwischenräumen erfolgt; 2. daß bei der im Feindesland delte, die für die Kriegsindustrie in Betracht kommen oder Eindeckung des Bedarfs hat vielfach Schwierigkeiten bee, auch anscheinend größere Verluste zu erwarten. Viele Ge⸗ 0 gerichteten Eingabe 1 genden Beerdigung von gefallenen Angehörigen der deur⸗ 155 Armee den Gefallenen die Erkennungsmarken abge— nommen werden, und 3. daß die Listen und Erkennungs⸗ marken jeweils unverzüglich über eine geeignete neutrale Stelle der deutschen Regierung übermittelt werden.“— Nach der einstimmigen Annahme dieser Entschließung wurde der seitherige zwölfgliedrige Ausschuß als Vorstand gewählt. Die Ernennung der Vertrauensmänner für die Kreise soll 8 demnächst nach geeigneten Vorschlägen erfolgen. Die Namen 1 1 der vermißten Krieger mögen deren Angehörigen mit mög⸗ ein lichst genauen Angaben an die Adresse des Rechnungsrats t sad a. D. Schu pp, Darmstadt, Dieburgerstr. einsenden. la 1 Die Frankfurter Parteidifferenzen. Zu den gestern von uns N ach mitgeteilten Beschlüssen der Generalversammlung des Sozialdemo⸗ 00 95 kratischen Vereins Frankfurt hahen nunmehr die Vorstände der dden se Kreiswahlvereine Friedberg⸗Büdingen, Hanau⸗Gelnhausen⸗Orb, 0 1. Höchst⸗Homburg⸗usingen, Biebrich⸗Wiesbaden, die Reichstagsabge⸗ 0 ordneten und Kandidaten der Wahlkreise folgende Entschließung er L gefaßt:„Die jetzigen Satzungen der Preßkommission sind gemäß ls nüt den Bestimmungen unseres Parteistatuts auf der sechsten Kon⸗ ger G ferenz des Agitationsbezirks Frankfurt a. M. im Jahre 1908 zu jf N Wiesbaden angenommen und rechtskräftig geworden. Sie be⸗ ausann stehen daher auch jetzt noch zu Recht, und können gemäß unserem 8 Parteistatut nur auf einer Konferenz unseres Agitationsbezirks g n werden. Daran ändert die Resolution der General-Ver⸗ ammlung des Sozialdemokratischen Vereins Frankfurt a. M. nichts. Nach den Satzungen der Preßkommission hat die Kom⸗ mission den ganzen technischen und kaufmännischen Betrieb der Volksstimme und der Union-Druckerei, sowie die rekationelle Leitung des Blattes zu überwachen und dafür zu sorgen, daß sämt⸗ ö liche Geschäfte und der redaktionelle Teil im Sinne und Interesse 6 der Partei besorgt werden. Dieses Recht werden wir mit allen Mitteln wahren, die uns unser Parteistatut an die Hand gibt.“— Berichtigend wollen wir zu unserer gestrigen Notiz bemerken, daß nicht sämtliche sieben Frankfurter Preßkommissionsmitglieder für die Einstellung eines neuen Redakteurs gestimmt haben, sondern nur zwei, die allerdings mit ihren Stimmen den Ausschlag ge⸗ geben haben. — Uebertreibungen in Feldpostbriefen. Vieles, was die im Felde stehenden Krieger von dort an ihre Angehörigen und Be⸗ kannten richten, sind gewiß oft von hohem Intevesse und geben viel⸗ fach ergreifende Schilderungen über das Furchtbare, was sie erleb⸗ ten und beobachteten. Manchmal wird aber auch Jägerlatein ver⸗ zapft, gewaltig renommiert und übertrieben. So gibt die Wiener Arb.⸗Ztg. den Brief eines Artilleriehauptmanns an seine Frau wieder, in dem es heißt:„Heute bekommst Du einen ganzen Brief. Eigentlich die Antwort auf Deine Karte, welche von den Läusen handelt. Das ist hier eine Sache! Wie in Wien Hochquellen⸗ leitung ist, so gibt es hier Läufe. Jeder hat sie. Also warum be⸗ schönigen? Eine Sorte ist ausgenommen, die Kopfläuse, die kom⸗ men seltener vor. Aber in der Wäsche, in den Decken, Kleidern, das wurlt nur so. Ich schreibe so leicht darüber; aber es ist keine Kleinigkeit, kaunst mir's glauben. Bei dieser Gelegenheit eine en viesn Bitte: Wenn Du den Zeitungsschreiber entdeckst, der diese schönen nosser Feldpostbriefe abdrucken ließ“ wie 7 B.:„Ha, war das ein herr⸗ osse ng; licher Kampfestag, als wir nach 36stündigem Marsche an den Feind affung x kamen!“, oder vielleicht diesen Kerl, der schrieb: Hei, war das eine Kriege Lust, als die Schrapnells geflogen kamen und über uns platzten!“, berker h 5 diese schicke mir her, diese beiden Esel spanne ich mir ein. Du g 9 brauchst nicht glauben, daß wir verzagt sind, aber eine solche unver⸗ A* 4 schämte Frechheit, zu schreiben, wie der Infanterist nach 36 Stunden Die Ran. Marsch in diesem Dreck schreit:„Ha, war das ein herrlicher ben gh Kampfestag!“ oder der andere, der nicht genug Schrapnells bekom⸗ u men kann, immer schreit:„Hei, war das eine Lust“, das ist doch zu r arg. Du glaubst vielleicht, daß wir heute Rum gefaßt haben und ingen it insolgedessen mein Stil derartig erzessiv geworden ist. Mit nichten. eten. 9 ber in uns allen hat sich schon eine ganze Zeit hindurch eine ge⸗ V berel a 555 55 an W 70 0 0 ber Banden eutschen beisammen und wir alle haben uns sarüber skandali⸗ oaltet 1 f iert, wie voll die Wiener Vergnsigungsanzeiger sind. Da gröhlen eingeflün diese bei Sekt Austern über die frechen Witze, die ihnen ein der gn Krüppel vormacht, und draußen liegen auf der gefrorenen Erde die n zur Ker„toten armen Soldaten und können nicht begraben werden, weil der en bur Geschoßhagel fort und fort pfeift. Und diese Soldaten. die dort ihr * Leben gelassen haben, haben es ja doch auch für jene Leute auf⸗ ind denn 9 geopfert.“ Die Ausführungen sind zwar für Oesterreich bestimmt, iele Ge ö 5 13 7 5 aber in N a che 98 für e Uns sind 955 Natürlich schon Zeitungen zu Gesicht gekommen, die ähnliche gewagte Be⸗ * hauptungen in Feldpostbriefen der Oeffentlichkeit übergaben. Be⸗ it 35 kanntlich wird e Burt 9 1 5 ae e 25 155 Scherz⸗ ieges wort sagt: es geht aber wirklich oft über das erlaubte Maß! die— Wie Getreide verloren geht. Wie der Inhaber einer Papler⸗ ßig 0 fabrik erzählt, entnimmt dieser aus dem von ihm aufgekauften 7 Stroh— es handelt sich meist um Preßstroh— noch Körner jährlich in Am 5 im Werte 4 8 8 1 M 45* 116 er 1 4 5 15 in Nu kauft. Das treide soll sehr ungleichmäßig gedroschen sein, da n det ls handgedroschene meist gut und ebenso das unter Verwendung großer ista 12 Lokomobilen gedroschene Getreide, während bei Verwendung klei⸗ 915 i ner Lokomobilen die schlechtesten Ergebnisse zu verzeichnen seien. 1 N Es sei vorgekommen, daß Strohmengen bis zu 2 Prozent ihres Ge⸗ gemebe, wichts Körner geliefert haben. Wenn in diesem Falle das im pernien Stroh verbliebene Getreide auch noch zu Mehl verwendet wird, so Vagel. ergibt sich doch aus diesem Veispiel, welche bedeutenden Mengen r 870 Getreide verloren gehen bei anderweiter Verwendung des Strohes. in 55 Vielleicht ließe sich durch Be 4. 9 Ir empf. vorrichtungen ein besseves Aus! reschen in Zukunft erreichen. Au 5 Neal 1 lassen sich. treffen, um 95 9 89550 9 75 a z. B. bei den von Militärperwaltungen aufgekauften Strohvorräten ungen 4 die im Stroh noch vorhandenen Körnerreste diesem zu entziehen. endet ke f Die Versorgung unserer Verwundeten mit Lesestoff. So gut zroßherd 5 für unsere Verwundeten auch lörperlich gesorgt ist, sobald sie ein⸗ Verfa mal aus der Feuerlinie heraus 9. 1 117 10 I bracht sind, so schwer mag es manchen Kranken u noch mehr in sün enden werden, die Langweile der langen Stunden, Tage und den Au, 1 Wochen zu ertragen, in denen er ans Bett oder Zimmer gefesselt age. 1 ist. Ein gutes Buch ist da ee 1 N00 1 gleichzeitig unterhält und belehrt. Neben zahlreichen rivat⸗ e personen, die aus ihrem Bücherschatz etwas gestistet haben, um bes 105 N den armen Verwundeten eine Zerstreuung zu bringen, hat sich Pr. Kite auch der deutsche Buchhandel in hervorragendem Maße, an. dem en Eng! Liebeswerk beteiligt. Der e 9 e ee 1 0 vereins hat in Gemeinschaft mit dem deutschen Verlegerverei au gen gaufeuf an die ae Buchhändler zur Spendung von liche,„. Lesestoff erlassen. Auch Bibliotheken und Vereine haben ihr 1 wick Scherflein beigetragen. Eine planmäßige Zusammenfassung dieser Hude“ U. ebnen enge und 1 05 e 4 teilung von Lesestoff im Feld und in den Lazare en“. Die König⸗ webe liche er 0 Berlin hat der Organisation fünf große Räume r auen e gestellt, in 5 15 17 den des dh 7 aufbewahrt, sortiert und gestempelt werden. e 5 1 nämlich den S er Kriegss U deutschen f Stempel„Aus der Kriegssammlung des uts 2 1 Buchhandels“. benen hatten anfänglich 4 Mädchen mit dem Len. Abstempeln zu tun. Unbeschnittene Bücher werden beschnitten und 7 11 a Buchbinde g gli ger 17 5 Weine denim em ätig. Die Zahl der eingehenden Bücher ist geradezu. An⸗ ir N fänglich langte 2 20 Wagen an und 20 Personen hatten 7 wochenlang zu tun, um alle Sendungen sachgemäß zu Senne die dai Die Bischer werden in zwei große Gruppen geteilt, von e 15 umfangreichere an die Lazarette nach den durch das Preuß 9 5 ö Kriegsministerium 1 Listen der Lazarette, die kleine ve ben ins Feld geht. Es bestehen noch eine Anzahl Provinzlalvertel⸗ 1, ö lungsstellen die die weitere Vermittelung übernehmen. So gehen genen täglich zirka 4000 Biicher hinaus. Die Sendungen sind dabei nach 1 folgendem Verhältnis zusammengestellt: 60 Prozent Unterhaltungs⸗ 4 e lektüre, 10 Prozent Kriegswissenschaft, 10 Prozent Erbauungs⸗ schriften, 10 Prozent Geschtchte und Geograpyte, 5 Prozent Zelt schriften und kleinere Schriften und 5 erschsebene Schris⸗ ele hrif Prozent verschiedene Schrif Das Verfüttern. Unter den Bundesratsbeschlüssen befindet sich die Bekanntmachung über das Verfüttern von Roggen, Weizen, Hafer, Mehl und Brot. Nach den erlassenen Verordnungen dürfen nicht verfüttert werden: 1. Mahlfähiger Roggen und Weizen sowie Hafer, auch geschrotet, gequetscht oder sonst zerkleinert: 2. mahl⸗ fähiger Roggen und Weizen sowie Hafer mit anderer Frucht ge⸗ mischt; 3. Roggen- und Weizenmehl sowie Hafermehl, das allein oder mit anderem Mehl gemischt zur Brotbereitung geeignet ist: 4. Brot mit Ausnahme von verdorbenem Brot und Brotabfällen. Das Verfüttern von Hafer an Pferde und andere Einhufer ist ge⸗ stattet. Die genannten Erzeugnisse dürfen auch zur Bereitung von Futtermitteln, wozu auch das Schroten gehört, nicht verwendet werden. Das Quetschen, Schroten oder sonstige Zerkleinern von Hafer als Futtermittel für Pferde und andere Einhufer ist erlaub:. Die Landeszentralbehörden können das Verfsittern von Roggen und Hafer, der im landwirtschaftlichen Betrieb des Vießhalters er⸗ zeugt ist, für das in diesem Betriebe gehaltene Vieh allgemein für bestimmte Gegenden zulassen. Wer gegen das Verbot verstößt, wird mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark. oder mit Gefängnis bis zu 3 Monaten bestraft. Der Bundesrat, hat ferner eine Verordnung über die Sicherstellung des Haferbedarfs unserer Heeresverwal⸗ tung erlassen. Danach ist der für die Heeresverpfleaung von An⸗ fang Februar bis zur nächsten Ernte erforderliche Bedarf an Hafer sofort sicherzustellen und in drei Teilen an die Heeresverwaltung zu liefern. Die Verteilung der genannten Beträge auf die einzel⸗ nen Bundesstaaten erfolgt nach dem Verhältnis der durch die Erntestatistik nachgewiesenen Erträge im Durchschnitt der Jahre 1912, 1913, 1914. Hinsichtlich des Fütterns von Tieren auf Schlacht⸗ viehmärkten ist bestimmt worden, daß Rinder mit Ausnahme von Kälbern und Schafen auf Schlachtviehmärkten nur mit Nauhfutter gefüttert werden dürfen. Schweine dsirfen dagegen während des Zeitraumes von 12 Uhr mittags dem dem Markttae vorhergehen⸗ den Tages bis zum Marktschluß nicht gefüttert werden. Die Landesbehörden können diesen Zestraum abkürzen. — Metallarbeiterverband. Der Zweigwerein Gießen des Metallarbesterverbandes hält morgen nachmittag 3 Uhr seine Generalversammlung im Gewerkschaftshause ab, worauf die Mitglieder an dieser Stelle noch besonders hingewiefen werden. — Stadttheater. Einen interessanten Theaterabend verspricht die nächste Dienstag⸗Abonnementsvorstellung.„Philotas“ von Lessing ist in Gießen noch niemals zur Aufführung gelangt und sicher darf dies Hohelled der Vaterlandsliebe und Selbstaufopserung in unsern Tagen auf besonderes Verständnis rechnen. Auch Kleists„Zerbrochener Krug“, der seit der Eröffnungsvor⸗ stellung des neuen Stadttheaters nicht mehr in Gießen gegeben worden ist, wird gern wieder gesehen werden, zumal sich eine sehr glückliche Besetzung der Hauptrollen ermöglichen ließ. Stabttheater Gießen. Spielplan. Dienstag, den 2. Februar, abends 8 Uhr:„Philotas“. Ein Trauerspiel in einem Aufzug von Gotthold Ephraim Lessing. Hierauf:„Der zerbrochene Krug“. Lustspiel in einem Aufzug von Heinrich von Kleist. 11. Dienstag⸗ Abonnements⸗Vorstellung. Bei gewöhnlichen Preisen lermäßigt). Ende gegen 1037 Uhr.— Freitag, den 5. Februar, abends 8 Uhr: Neuheit!„Grüne Ostern“. Schauspiel in 5 Aufzügen von Heinrich Lee. 10. Freitag⸗Abonnements⸗Vorstellung. Bei gewöhnlichen Preisen(ermäßigt). Ende gegen 11 Uhr,— Sonntag, den 7. Februar, nachmittags 3½ Uhr:„Colberg“. Historisches Schau⸗ spiel in 5 Akten von Paul Heyse. Bei Volkspreisen. Ende 6 Uhr. Abends 7½ Uhr:„Die Barubaren“. Lustspfiel in 4 Aufzügen von Heinrich Stobitzer. Bei kleinen Preisen. Gutscheine haben Gül⸗ tigkeit. Ende nach 10 Uhr. y. Alten⸗Buseck. In der am Donnerstag stattgefundenen Gemeinderatssitzung teilte der Bürgermeister zunächst ein Schreiben des Kreisamts mit betreffend den Schulhaus⸗ neubau. Der Gemeinderat verharrt auf seinem Standpunkt vom vorigen Jahre, daß in dieser kritischen Zeit an den Neubau nicht herangetreten werden kann, zumal zwei vorschriftsmäßige Schulräume vorhanden sind und ein dritter Lehrer fehlt, mithin der für unbrauchbar erklärte Raum nicht benutzt zu werden braucht.— Ein Gesuch des Polizeidieners um Regulierung seines Gehalts wird dahin entschieden, daß derselbe als Polizeidiener nunmehr 500 Mk. und für seine sonstigen Dienstleistungen in der Gemeinde 300 Mk. erhält, sodaß sich sein Gehalt auf 800 Mk. be⸗ läuft.— Weiter wird angeregt, bei dem Kreisbauamt vorstellig zu werden, damit dasselbe den Kanal in der Schanzenstraße, der bei der Abnahme als schadhaft bezeichnet werden mußte, fetzt her⸗ tellen läßt. Der Gemeinderat hält die jetzige Zeit für sehr günstig und beauftragt den Bürgermeister, die weiteren Schritte zu unternehmen. Kreis Aisfeld⸗Lauterbach. g. Schwerer Baumfrevel wurde dieser Tage am den Kreis⸗ straßen Niedere Ohmen— Merlau, Flensungen—Rupperten rod und Kirschgarten—Wettsaasen verübt. Eine Anzahl junge Bäumchen wurden abgebrochen, an anderen die Stricke durchschnitten, mit denen sie an den Pfählen befestigt waren. sowie die Drahtschutzgitter beschädigt und te sse zerstört. Der Täter ist nicht bekannt, auf seine Ermittelung ist eine Belohnung ausgesetzt. Es gehört wirk⸗ lich ein großes Maß von Roheit dazu, devartige Sachen zu ver⸗ nichten, es wäre zu wünschen, daß der Täter gefunden und ihm eine gehörige Strafe zudiktiert würde. Kreis Metzlar. * Die Kreissparkasse gibt bekannt daß ab 1. Februar bis auf weiteres an den Nachmitiagen kein Geschäftsverkehr mehr statt⸗ findet. Durch die militärische Einberufung von zwei Beamten sel die Kasse zu diesem Schritt genötigt. b. Aerztemangel in Wetzlar. Infolge der militãrischen Ein⸗ berufung mehrerer Wetzlarer Aerzte machte sich für die Kranken der Stadt und vielen Orten des Kreises Wetzlar ein empfindlicher Mangel in der Behandlung bemerkbar. Nun ist auch noch Dr. Stuhl zum Kriegsdienst eingezogen worden, sodaß nur noch Dr. Strauß zur Verfügung steht, in dessen Sprechzeit durch den großen Andrang von Kranken stundenlang gewartet werden muß. Wohl ist der Kreisarzt Dr. Braun wieder zurückgekommen, doch durch die Uebernahme des Gefangenen⸗La⸗aretts und der Behandlung von bösartigem Tuphus, wie B. selbst erklärte, dürfte er für die Behandlung der Zivilbevölkerung nicht mehr in Betracht kommen. Auch Dr. Halberg bietet bei seinem hohen Alter und der großen Krankenzisser nicht genügend Ersatz, so daß die Verwaltungsbe⸗ hörde hier bald Abhilse schafsen sollte. Nach verschiedenen Mit⸗ teilungen soll auch das neue Kriegsbvot in manchen Familien zu Krankheiten, besonders Magenbeschwerden, geführt haben. n. Krofdorf. Das neue Schulgebäude ist dieser Tage fertig geworden und wird nunmehr in Benutzung genommen. Es ist am Ausgange unseres Ortes nach Gleiberg zu gelegen und trägt in seinen Einrichtungen der Neugeit Rechnung. mesterwald und Unterlahn. * Ein schlecht erzogener Fürsorgezösling. In Limburg gab es am Donnerstag einen Kampf auf dem Roßmarkte. Der 18jährige Fürsorgezögling Hartung sollte von mehreren Schutz⸗ leuten verhaftet werden, wobei sich zwischen dem Burschen und den Beamten ein verzweifeltes Rirgen entspann. Hierbei erhielt ein Beamter einen Stich in die Lunge, ein zweiter mehrere Armstiche und ein dritter eine sehr gefährliche Verletzung an den Augen. Der Bursche entkam in dem Trubel und konnte bisher nicht er⸗ wischt werden. Von Nah und Fern. „ Ein liberaler Wahlvereinssekretär als Liebesgabenmarder. Vor dem Kriegsgericht der 38. Diviston in Erfurt mußte sich der Feldwebel und Offisziersstellvertreter Heinrich Paul Monike vom Exsatzbatatlon des 8. Infamerirregimentz in Gera wegen recht widriger Aneignung von Liebesgaben verantworten. Der Ange⸗ klagte ist in seinem Zivilberuf Sekretär des liberalen Wahl⸗ und Bürgervereins in Gera. Nebenher bekleidete er noch eine ganze Anzahl Vertrauensposten, narnentlich in den Kriegervereinen des Bezirks Gena. Der Angeklagte hat sich Unterhosen, Taschentücher, Strümpfe in größerer Anzahl angeeignet und in seiner Wohnung versteckt, wo sie beschlagnahmt wurden. Er will nicht zurechnungs⸗ fähig gewesen sein. Monike hat sich bei seinem verwerflichen Dun so sicher gefühlt, daß er einmal in der Kantine laut renommierend ein Paar gestohlene wollene Strümpfe gezeigt hat mit den Worten: „Seht mal, was ich mir flir ein Paar verpaßt habe.“ Als seine Verhaftung bekannt wurde, kamen Kriegervereinsmitglieder und teilten der Anklagebehörde mit, daß Monike schon vor Jachren „eigentlich“ über ein dem Kriegerbund gehöriges Sparkassenbuch für seine Zwecke verfügt habe, inden er einen Geldbetrag von über 900 Mark abhob. Strafverfolgung kann in diesem Falle wegen Verjährung nicht mehr eingeleitet werden. Es wird vermutet, daß er mit dem Gelbe des Kriegerbundes private spekulative Geschäfte gemacht habe. Ueber einen Goistesdefelt ergab die Verhandlung gar nichts. Der Anklagevertreter führte aus, daß der Mann ehrlos gehandelt habe und seine Handlungen gemeim seien. Ein Zeuge sagte, daß Monike sich besonders für die Kriegervereinssache ge⸗ opfert habe, weil hierbei in früheren Jahren der Grundsatz ge⸗ golten habe, daß man dafür sorgen müsse,„daß die Roten nicht obenauf kämen“. Der Anklagevertretker beantragte ein Fahr vier Monate Gefängnis, Degradation und Versetzung in die 2. Klasse. Das Urteil lautete demgemäß. Der Vorsitzende kenn⸗ zeichnete den Liebesgabendsobstahl als eine recht gemeine Handlung, weil diese Gaben für die ärmsten Soldaten bestimmt seien. 8 Ein Kriegsfreiwilliger zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Erfurter Kriegsgericht verurteilte den Kriegsfreiwilligen, Jobfst Faust wegen tätlichen Angriffs auf einen Posten zu zehn Jahren und wegen Ungehorsams zu einem Tag Gefängnis. Der Angeklagte hatte als Soldat beim Ersatzbataillon des 95. Infanterieregiments in Gotha in der Nacht zum 4. Jamwar den Urlaub überschritten und wollte im angetrunkenen Zustande durch ein Fenster in die Kaserne dringen. Als ihn der Wachtposten daran hindern wollte, faßte ihn der Angeklagte an der Brust und ließ ihn trotz wieder⸗ holter Aufforderung nicht los. Er wurde dann nach der Wachtstube gebracht. Das Gericht nahm einen minderschweren Fall im Sinne des§ 97 dos Militärstrasgesetzbuches an und erkannte auf die Mindeststrafe. Der Verurteilte ist der Sohn eines Ingenieurs aus Bonn und hat das Einjäbrigenexamen bestamden. Ein minder⸗ schwerer Fall, dazu in der Trunkenheit begangen und 10 Jahre Gefängnis! 5 Vereins kalender. Sonntag, den 31. Januar: 3 Gießen. Metallarbeiter. Nachmittags 3 Uhr General- versammlung im Gewerkschaftshause. 5 1 Launsbach. Freie Turnerschaft. Abends ½ Uhr: Versammlung. ö Krofdorf. Arbeiter⸗Gesangverein„Eint racht“. Abends 8 Uhr Mitgliederversammlumig im Verveinslokale. der wichtigen Tagesordnung muß alles erscheinen! Standesamt Gießen. Geborene. 5 Jan 19. Dem Lokomotiwheizer Johann Veith ein Sohn, Georg Fritz.— Dem Buchbindermeister Hugo Sann eine Tochter.— 20. Dem Seifenfabrikanten Moritz Sternberg eine Tochter. Margarete. — 22. Dem Lokomotivheizer Maximilian Neuhausen ein Sohn, An⸗ ton.— 23. Dem Kaufmann Ernst August Pfeffer ein Sohn, Ernst Ludwig Richard. Aufgebote. Jan. 25. Johann Georg Amann, Steinrichter, mit Ekisabethe Bickert, beide in Gundershausen.— 26. Johannes Otto Walter Schwendt, Kaufmann in Gießen, mit Johanna Margarete Auguste Neumann, in Breslau. a a Eheschließungen. Jan. 23. August Peter Weil, Bäcker in Friedberg(Hessen), mit; Johanna Maria Wagner, in Gießen. Sterbefälle. a Jan. 23. Wilhelm Weber, Gastwirt, 54 Jahre alt, Steinftraße 76.— 24. Marie Magdalene Neidhart, geb. Klein, 80 Jahre alt, Südanlage 22.— Susanne Schivan, geb. Koch, 74 Jahre alt, Löwengasse 16.— Marie Weißenbach, geb. Weber, 78 Jahre alt, Mühlstraße 2.— 25. Fritz Mohr, 6 Jahre alt, Landgrafenstraße 5. Im Felde gefallen. Sept. 19. Heinrich Hüttenberger, Geschäftsveisender, Feldwebel der Landwehr, 29 Jahre alt, Landgrafenstraße 7, bei Cernay ge⸗ fallen.— Nov. 18. Otto Joseph Nahrgang, Kellner, Musketier, 19 Aa alt, Kirchenplatz 10, bei Pont de Pierre in Nordfrankreich gefallen.— Landwirtschaftlichen Institut, Musketier, 23 Jahre alt, Sonnen⸗ straße 8, bei La Bontellerie in Nordfrankreich gefallen.— Dez. 3. Heinrich Schnabel, Kaufmann, Kriegsfreiwilliger, 17 Jahre alt, Selterswag 70, bei Mala⸗Duca⸗Mierzonska in Russisch⸗Polen ge⸗ fallen.— Gustav Kutzner, Gymnastast. Kriegs freiwilliger, 17 Jahre, alt, Krofdorferstraße 22, bei Mala⸗Duca⸗Mierzonska, in Russisch⸗ Polen gefallen.— August Gorr, Kaufmann. Kriegsfreiwilliger, 17 Fahre alt, Ebelstraße 37 bei Mala⸗Duca⸗Mierzonska, in Russisch⸗ Polen gefallen.— Adolf Heinrich Kaspar Lindenstruth. Wagner, Musketier, 21 Jahre alt, Lahnstraße 10, bei Mala⸗Duca⸗Mierzonska gefallen.— Heinrich Theodor Christsan Walter, Kaufmann, Kriegs⸗ freiwilliger, 19 Jahre alt, Kaplansgasse 23, bei Mala⸗Duca⸗ Mierzonska, in Russisch⸗Polen gefallen.— Wiltelm Balser, Maschte nenschlosfer, Kriegsfreiwilliger, 24 Jahre alt, Sonmenstraße 11, bei Mala⸗Duca⸗Mierzonska, in Russisch⸗Polen gefallen. gerstorbene. Frau Elise Müller, geb. Rumpf, in Gießen, 61 Jahre alt.— Heinrich Kneipp, Rentner in Langsdorf, 74 Jahre alt.— Löb Salomon in Wetzlar, 85 Jahre alt. 4 N Lieferung von Speisekartoffeln. Die Lieferung von 1000 Zentevn bester Speisekartoffeln ist zu vergeben. Anlieferung kann sofort oder später erfolgen. Angebote sind unter Angabe der Sorten bis spätestens 5. Februar ds. Js. bei dem Oberbürgermeister der Stadt Gießen einzureichen. 6 Gießen, den 28. Januar 1915. Der Oberbürgermeister: Keller. 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