—— 4 scheidung einer Frage deren immer wieder daran anknüpfen kann. probe, die hier vorgenommen wird. Organ für die Interessen des werk der Provinz Oberhessen und der Na 0 5 tigen Volkes chbargebiete. Dee Operbesnnsche Volkssettung erschein 0 teden Werktag Abend in Siehen Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monatlich 10 Wie euschl Bringerlohn Durch die Post bezogen vierteljährl. 1.50 Me Medaktton and Expedition Giehen, Bahnbofftraße 23, Ecke Löwengaßse⸗ Telephon 2008. Juserate losten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pig Bei größeren Aufträgen Rap att. Anzeigen wolle man bis abends 7 Abr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben Ni. 23 Gießen, Donnerstag, den 28. Jaunar 1915 Der Kampf an Reichs⸗Getreidemonopol. 10 1755 die eerrdische Partei und die freien Gewerk⸗ swaf en gleich zu Anfang des Krieges gefordert hatten, ist nun zur Tatsache geworden. Durch die Bekanntmachung vom 25. Januar wird die Beschlagnahme der vorhandenen Brotgetreide- und Mehl⸗ vorräte verffigt, jeder private Handel zwischen Landwirt und Bäcker beseitigt und die Verteilung des Mehls an die Bäcker den Kommunalverbänden und Gemeinden übertragen. Diese können dann weitergreifend auch die Verteilung des Brotes selbst an das Publikum nach Maßgabe des vorhandenen Vorrats und des Einzelbedarfs in Hand nehmen. Damit ist ein tiefer Eingriff in das bestehende Sy ste m der Privat wirtschaft vorgenommen worden, es ist aber auch damit die Sicherheit geschaffen worden daß der vorhandene Brotvorrat nach wirklich rationellen Gesichtspunkten zur Verteilung kommen wird. Der entscheidende Schritt zur Sicherung Deutschlands gegen die englischen Aushungerungspläne ist getan. Die Frage drängt sich auf, warum man ein kostbares halbes Jahr verstreichen ließ, bevor man sich zu dieser entscheidenden Maß nahme entschloß. So nützlich sie auch jetzt noch ist, sie hätte noch ganz anders gewirkt, wenn man sie vorgenommen hätte, als von der neuen Ernte noch nichts verbraucht war. Man hätte dadurch der sinnlosen Preistreiberei vorgebeugt, Hunderte von Millionen der Allgemeinheit gerettet und gewaltige Mengen von Brotgetreide vor der irrationellen Verfütterung bewahrt. Deutschland wäre in seinem Brotbedarf gesichert gewesen, seine Brotpreise hätten viel niedriger gestanden als die des Weltmarkts, und das Eingreifen der Gemeinden hätte bewirkt, daß auch bei billigen Brotpreisen eine Verschwendung vermieden worden wäre. Jedoch der Schaden, der durch die Verzögerung entstanden ist, läßt sich nicht wieder gut machen, und man muß froh sein, daß wenigstens jetzt endlich die Einsicht in eine gebieterische Notwendigkeit über prioate Interessen und doktrinäre Bedenken gesiegt hat. 4 Der öffentlichen Verwaltung erwächst aus der Uebernahme der Brotvorräte eine geradezu gigantische Aufgabe. Man muß darauf gefaßt sein, daß sich diese Aufgabe nicht gleich im ersten An⸗ lauf ohne Schwierigkeiten lösen läßt. Man muß aber auch wün⸗ schen, daß diese Schwierigkeiten so rasch und glatt wie möglich über⸗ wunden werden, nicht bloß weil Deutschlands kriegerisches Inter⸗ esse es verlangt, sondern auch weil es sich hier um ein wirtschaft⸗ liches Experiment handelt, von dessen Gelingen ganz Ungeheures für die Zukunft unseres Wirtschaftslebens abhängt, Zeigt sich die Verwaltung der gewaltigen Aufgabe, die ihr ge⸗ stellt ist, gewachsen, so bedeutet das die grundsätzliche Ent⸗ unermeßliche Tragweite nicht verkannt werden kann. Gewiß wird es nach Abschluß des Krieges an Kräften nicht fehlen, die sich beeilen werden, all das wieder einzureißen, was die Kriegsnot an wirtschafts⸗ organisatorischen Neuerungen geschaffen hat. Der Kampf zwischen dem freien Spiel der freien Kräfte und den ordnenden Eingriffen der öffentlichen Gewalt, klirzer ausgedrückt, der Kampf zwischen dem Kapitalismus und dem Sozialismus wird dann mit noch größerer Schärfe als je zuvor entbrennen, und niemand kann jetzt schon voraussagen daß der Sozialismus die während des Krieges ge⸗ wonnenen Positionen ohne weiteres behaupten wird. Aber für die Zukunft dieses Kampfes ist es von ganz außerordentlicher Bedeut⸗ Ung, wie sich die jetzt geschafsenen Notein richtungen be⸗ währen werden. Der Weltkrieg schafft auf diese Weise eine ganz merkwürdige, vorher kaum geahnte Uebere in st immun g zwischen nationalen und sozialistischem Interesse. Um sich im Daseinskampf des Weltkrieges behaupten zu können, braucht die Nation nicht bloß die Hilse der sozialdemokratischen Parteianhänger, sondern auch die der sozialistischen Ideen. Aus diesem doppelten Grund, der für uns eigentlich nur einer ist, um des deutschen Volkes und seiner sozialistischen Zukunft willen wünschen wir, daß das Experiment sogut wie nur möglich gelingt, daß alles tadellos klappt. Was die Arbeiterorgani⸗ sationen, was die sozialdemokratischen Ver⸗ treter in den Kommunen dazu tun können, wird in aus⸗ giebigster Weise geschehen. So mag ein Werk zustande kommen, das vielleicht nicht unmittelbar über den Krieg hinaus Bestand haben, aber doch dauernden Wert behalten wird, weil die Erinnerung Es ist eine Art General- Die eigentliche Aufführung dle soll aber später folgen.. 5 Dabei wird man selbstverständlich nicht vergessen dürsen, unter welchen erschwerenden Umständen diese Probe stattfindet. Die Vorräte sind, wenn auch glücklicherweise nicht erschöpft, so doch knapp, die Zufuhren sogut wie gänzlich abgeschnitten. Wo nichts ist, kann natürlich auch nichts verteilt werden: wo nichts ist, hat nicht nur der Kaiser, sondern auch der Sozialismus sein Recht ver⸗ soren. Etwas ganz anderes ist es, wenn man in behaglicher Ruhe des Friedens aus dem Vollen wirtschaften kann; erst dann kann die Anwendung des sozialistischen Prinzips zu einer Quelle der Volkswohlfahrt werden, während sie im gegebenen Fall doch nur ein Mittel ist, die allerschwerste Not zu verhindern. Den Krieg lieben wir nicht und loben wir nicht, Aber wenn er neben all dem Unheil, das er schafft, auch Niltzliches, für die Zu⸗ kunft Wertvolles bringt, sollen wir uns nicht bemühen, dies wenigstens zu ergreifen und mit beiden Händen festzuhalten? Mit die Mächtigen auf einen Weg, der zur Erfüllung der alten sozja⸗ Brot für alle! 4 gebseterischer Hanb stößt er auch schließlich einmal auch im Frieden listischen Forderung führen muß: 5** * Ein russischer Bericht. 1 5 Wien, 26. Jan.(T U.) Nach amtlichen russischen Mitteilungen nern die Kämpfe im Raume der unteren Bzura und dem Sucha⸗ Abschnitt fort. Bei Gombie, Vorzimow und Sucha seien die deut⸗ schen Angrisse von besonders heftiger Art. Der Kriegsbericht⸗ erstatter der Nowoje Wremja bezeschnet Gombie als einen Punkt von außerordentlich hohem strategischen Wert. gingen hier so wütend vor, wie kaum jemals zuvor in diesem Kriege. Der Korrespondent des Rußkoje Slowo schildert die er— bitterten Kämpfe zwischen Russen und Oesterreichern um Loslak. Die Russen hätten nach diesen Kämpfen ihre Positionen in vollster Die Deutschen Ordnung gewechselt. Der Kriegsberichterstatter verweist darauf, daß über Przemysl seit Tagen keine Berichte vorliegen. Man müsse daher annehmen, daß der angekündigte Generalsturm wegen unglinstiger Witterung und der Schwierigkeiten, schwere Geschütze an die Festung heranzubringen, vorläufig unterblieben. Ueber Ostpreußen heißt es in dem russischen Bericht, daß die Lage unver⸗ indert sei, doch schreite die russische Ofsensive immerhin vorwärts, obwohl die Deutschen starke Kavalleriemassen ins Gefecht zu führen beginnen. Deutsche Vorbereitungen. Die Vossische Zeitung meldet aus Amsterdam: Allgemeen Handelsblad berichtet aus Slui st setzen Marine⸗ * soldaten die Seeküste in Verteidigungszustand. Es wird eine ununterbrochene Kanonenlinse von Seebrügge nach der holländischen Grenze gebildet. Die Landung englischer Soldaten auf dieser ganzen Küste scheint jetzt fast unmöglich. Wie sie schwindeln können. Basel, 26. Jan.(W. B. Nichtanntlich.)„Voici communiquę officiel allemand“, überschreibt der Temps die Uebersetzung des deuischen Berichts von den Kämpfen bei Sosssons. Der Basler Anzeiger bemerkt dazu: Der Bericht ist soweit ganz richtig übersetzt. Nur bei dem Satze„Unsere Beute aus den dveitägigen Kämpfen beläuft sich guf 5200 Gefangene“ usw. ist dem Uebersetzer offenbar sein Deutsch ausgegangen, denn dieser Satz fehlt, ebenso wie der Passus über die„vor der Front liegenden 4000 bis 5000 Franzosen“. Auch die Vergleiche mit der Schlacht von St. Privat sind unterdrückt worden. Es kann natürlich ziemand von den französischen Zeitungen verlangen, bemerkt das Basler Blatt, daß sie ihren Lesern, deutsche Berichte über fran⸗ zösische Vorluste bringen, wie es umgekehrt regelm äßig in der deutschen Presse mit den französischen Bulletins geschieht. Aber eine Mitteilung als„offiziell“ zu veröffentlichen und dann die Hauptsache wegzulassen, ist doch etwas ganz anderes. Für ein derartiges Verfahren kennt der Sprachschat aller Nationen einen ganz bestimmten Ausdruck. Dieseum Verfahren gegenüber wirkt das amtliche französischee Dementi, das von dem„lügnerischen Charakter“ des deutschen Generalstabsberichts und einem„vollständig erlogenen Gefechte“ spricht, mehr als merkwürdig. 5 Blatt erinnert bei dieser Gelegenheit daran, daß die Central 5 dews die Einnahme von La Bassée als ein ewig denkwürdiges Ereignis in der Geschichte des englischen Heeres feierten, wo zwölf Stunden später die Times halbamtlich melden mußte, daß gar kein Kampfstattgefunden habe.„Welch klägliches Eingeständnis! sagte hierzu der Nieuwe Rotterdamsche Courant, der auch ein n trales Blatt ist; da wir aber noch neutraler sind, sa wir gar nichts.“ Von der Sreschlacht in der Nordsee. Mailand, 26. Jan.(T. U.) aus London berichtet, hat die Soeschlacht in ununterbrochenem Feuer 4 Stunden gedauert. 5 Geschwader stand niemals still, obwohl es weniger mächtig als das englische war und die deutsche Flotte geringere Ge— schwindigkeit und weniger Geschütze hatte. Der Kreuzer „Blücher“ löste sich zuerst aus der Gefechts linie. kämpfte sehr mutig, aber englische Torpedojäger schnitten ihm die Verbindung mit den anderen Einheiten ab. Das Ergebnis war der Untergang des„Blücher“. 2 0 Wie Corriere della der Nordsee 1 9 D Der englische„Seesien“ in Paris. Paris, 26. Jan.(T. U.) Die Berichte von der Seeschlacht in der Nordsee liefen in den Redaktionen der Pariser Zeitungen und in den Telegraphen⸗Buxeaus bereits in den Abendstunden des 24. Januar ein, wurde dem großen Publikum jedoch erst durch die! en Kü trage, d Morgenblätter des 25. bekannt. Die Pariser Presse spricht in der⸗ artig pathetischen Worten von dem Treffen in der Nordsee, durch welche für die Pariser Zeitungen nunmehr wenigstens die„er⸗ drlickende Ueberlegenheit der englischen Flotte über die Flotte für alle Zeiten festgastellt ist“, 5 der Meinung ist, die Engländer hätten einen großen der der deutschen Flotte alle Angriffslust für alle leiden wird. Zeiten ver⸗ Deutsche Secofsiziere. Die Morning Post berichtet aus Washington aus der Washing⸗ ton Times, die sagt daß die in Newyork internierten deutschen Schiffe nun tatsächlich von allen ihren Offizieren entblößt seien, und daß nur diejenigen noch dort wären, die für den aktiven Heeresdienst zu alt seien. Jeder deutsche Offizier eines Kauf⸗ fahrteischiffes sei zu gleicher Zeit Reserveoffizier der den Vesehl erhalten, nach Deutsch⸗ land zurückzukehren. Die Offiziere gebrauchten daher die mannigfaltigsten Mittel, um fortkommen zu können. Sie blieben tagelang in ihrem Zimmer und ließen sich Bärte wachsen und ver- schwänden dann plötzlich unerkannt. Man höre erst wieder von ihnen, wenn sie in Kiel angekommen seien und Grüße an ihre Kameraden schicken. Manche von ihnen gingen als Matro⸗ sen, als Steward und selbst als Heizer. Einige Offiziere, die fließend englisch sprachen, spielten Amerika ner, und sicherlich seien sie, wie der Washingtoner Korrespondent des Morning Post vermutet, mit falschen Pässen versehen, Flotte, jeder von ihnen habe deutsche daß das Publikum tatsächlich Sieg errungen, 10. Jahrgang 5 Feindliche Unterseeboote in der Ostsee. Berlin, 26. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, ist am 25. Januar der kleine Kreuzer„Gazelle“ in der Nähe von Rügen von einem fein d⸗ lichen Unterseeboot augegriffen und durch einen Torpedoschuß verletzt worden. Die erlittenen Beschädi⸗ gungen sind gering. Der Kreuzer ist in einem deutschen Ost⸗ Menschenverluste sind nicht einge⸗ treten. Stockholm, 26. Jan r. Bin.) Aus Trelleborg wir gemeldet; Der deutsche Fährdampfer fuhr um 1 Uhr 30 Mir, von Trelleborg nach Saßnitz ab, ke aber um 3 Uhr 40 Min. in den schwedischen Hafen zurück, weil er unterwegs die Kunde erhalten hatte, vor Arkona auf Rügen seien Unter⸗ seeboote gesichtet worden. Aus gleicher Ursache er⸗ hielt der in Saßnitz zur Abfahrt bereit liegende schwedische Fährdampfer die Weisung, den deutschen Hafen nicht zu ver⸗ lassen. 0 Aus Mahmö schreibt der Korrespondent der Frankf. 31g: Am Nachmittag verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, englische Unterseeboote seien durch den Sund ge⸗ kommen. Diese Nachricht ist bekanntlich schon oft verbreitet worden, ohne daß man Anhaltspunkte für ihre Richtigkeit hätte beibringen können. 5 Im weiteren Verlauf des Nachanittags traf in Malmö von Trelleborg die Meldung ein, der deutsche Fährdampfer„Preußen“, der um 1½ Uhr nachmittags eine nicht fahrplanmäßige Sonder⸗ fahrt mit Frachtgut nach Saßnitz angetreten hatte, sei nach einer Stunde wieder in Trelleborg eingelaufen. Während er auf See war, hätte er einen Funkspruch aus Safmitz mit dem Befehl er⸗ halten, augenblicklich zu wenden und in Trelleborg vor Anker zu gehen. Auf den schwedischen Bahnstationen wurde bekannt gegeben, daß die Abendfahrten zwischen Saßnitz und Trelleborg ausfallen würden. In Saßnitz liegen zwei schwedische Fähren, die vorläufig dort bleiben. Die hiesigen Reedereien antworten mir auf eine An⸗ aß die Schiffsverbindungen mit Deutschland unsicher seten. Kein Fahrzeug, das nach deutschem Hafen bestimmt wäre, verläßt Malmö a Diese a daß sich bei wird von gutunterri mittag tauchten vor 9 auf und beschossen Kriegsfa 5 N rte Y rie racwöhnlicher maßnahmen deuten darauf hin, in niss 9 1 abgespielt haben. Hier zit eldet: Um 2 Uhr gestern fremde Unterseeboote ort stationjerten deutschen 1 euzer, dessen Name noch nicht, bon einem Torpedoschuß getroffen und aber nicht so schwer, daß sich das 0 r Schaden ff ht mit Kraft nach Arkona hätte begeben 0 Man hat Gru ir Annahme, daß es sich nicht um englische, sondern um russische Unterseeboote handelt, die unter dem Kommando englischer Seeoffiziere stehen. Ob den „weiß man nicht. rbrochenen Verbin⸗ en bereits im Ver⸗ verden. Auf dem über das Ses⸗ Unterseebooten Schaden zus Hier hält man es für f a chen und sch * r Bukawins. Die Morningpost meldet je in der Bukowina am derstand trafen. Die Russen ato zurück, nachdem die durch hen Verteidigungswerke, die cht hatten, vernichtet waren. Die Neimpfe in de 26. Jan.(Crr. s Bukarest daß die russisch itag vor Jakobeni f rif r Richtung von P errichteten ele beigebr russischen Truppen ir Bulowing seien mit drei Regimentern ö ie und zwei? mentern Kavallerie aus Turkestan ver⸗ sie würden versuchen, sich mit dem in Galizien operieren⸗ den Heere zu vereinigen, um in Transsilvanien einzufallen. Der Krieg im Orient. Eine törkische Richtigstellung. ö Konstantinopel, 26. Jan.(W. B.) Alntlicher Bericht. Die russische Presse veröffentlicht in den letzten Tagen über⸗ triebene, mit der Wirklichkeit im Gegensatz stehende Nach⸗ richten über angebliche Erfole der russischen Armee int Kaukasus, nach welchen letztere ein ganzes türkisches Armeekorps ge fangen genommen haben soll. Wir stellen sest, daß der Tatbestand folgender ist: Die türkische Armee hatte noch einer langen Pause in den Operationen die Offensive ergriffen. Nach erfolgreichen Kämpfen wurden die Russen auf der ganzen Front zurückgetrieben und gezwungen, Kanonen, Maschinen⸗ gewehre und eine große Menge von Beute zurückzulassen. Durch diesen Vorstoß waren die tlüürkischen Hauptstreitkräfte bis nach Sarykamisch, 20 Kilometer östlich der Grenze, an⸗ gekommen. Die Russen zogen bedeutende Verstärkungen heran, konnten aber nur mit großer Mühe die türkische Offen⸗ sive aufhalten. Nach heftigen Kämpfen, die beinahe einen Monat dauerten und in welchen die Russen schwerte Ver⸗ olche lülsste erlitten, ging die türkische Armee wegen des schlechten 1 a 8. N 5 N Ne Wetters an der Grenze zur Defsensive über. Alle Ver Fre ore 1 1„ Stellungen zu dehnen 8 ges sic dere Rüssen, unsere Szellungen zu Lehe 0 N 0 1 1 1 H 0 16 0 dcheitert, was übrigens auch die amtlichen russischen Mitteilungen der letzten Tage beweisen. In den letzten Tagen zogen sich die Russen vor einem Teil unserer Front zurück. Sie mußten ihre Stellungen befestigen und konnten sie halten. Während sich diese Kämpfe im Kaukasus ab⸗ spielten, errangen unsere in der Provinz Aserbeidschan operierenden Truppen überall Erfolge, ausgenommen bei Khoi, in dessen unmittelbarer Umgebung die Kämpfe an⸗ dauern. Die Russen wurden aus allen bedeutenden Orten vyn Aserbeidschan, Täbris einbegriffen, vertrieben. Das Balkanproblem. Mailand, 26. Jan.(Etr. Frlft.) Der römische Korrespondent des Matin will von Genadlew folgende Erklärungen erhalten haben: Die Verhandlungen mit Rumänien wegen Wiederabtretung eines Teiles des nach dem zweiten Balkankrieg erwoubenen Gebietes sind fast beendet. Die rumänische Regierung bereitet die Oeffentlichkei: auf diese Abtretung vor. Serbien schlug Griechenland vor, den Bulgaren in Mazedonien Genugtuung zu geben, was Griechenland zubilligte in der Hoffnung, in der Gegend von Monastir von Serbien neue Konzessionen zu bekommen. Thrazien sei ohne Kon⸗ stantinopel für Bulgarien wertlos und Konstantinopel fei das Ziel der russischen Politik.(Frankf. Ztg.) Die bulgarischen Sozialdemokraten für Deutschland. Prag, 26. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Die sozialdemo⸗ kratische Prava veröffentlicht einen telegraphischen Bericht aus Sofia vom 24. Januar, nach dem dort unter dem Vor⸗ sitz Kirkows eine große Volksversamlung stattge⸗ funden habe, an der über 5000 Personen teilnahmen. Be⸗ geistert begrüßt, sprach der deutsche sozialdemo⸗ kratische Publizist Parvus gegen den Zarismus. Die Versammlung war vollkommen mit dem Stand⸗ punkt der deutschen Sozialdemokratie ein⸗ verstanden. Die von den Rednern zum Ausdruck ge⸗ brachte Anschauung, womit sich die Versammlung einver⸗ standen erklärte, ging dahin, daß Deutschland für die europäische und sozialdemokratische Sache kämpfe und daß ein deutscher Sieg die einzige Garantie für die Selbständigkeit und nationale Entwicklung der Balkanstaaten sei. Die Versammlung sprach sich weiter für den Anschluß der Balkanstaaten an die Zentralmächte sowie für die Selbständigkeit und Freiheit der Ukrainer, Polen und Bewohner des Kaukasus aus. Englische Kohlennot. Amsterdam, 28. Jan.(T. U.) Die Transportschwierig⸗ keiten in England haben zu einer Kohlennot in den großen Städten und Industriezentren geführt. Die Vorräte der Großhändler nehmen schnell ab. Gas⸗ und Elektrizitätsgesell⸗ schaften und öffentliche Anstalten sehen mit Besorgnis der nächsten Zeit entgegen. Im Durchschnitt sind die Preise für die Tonne im Vergleich zu den bereits hohen Sommerpreisen um 6 Shilling gestiegen. Dazu kommt die Ungewißheit über die Abstimmung der Bergarbeiter von Porkshire. Amerikanische Sorgen. Die Amerikaner sind in Sorge wegen des Schicksals des amerikanischen Dampfschiffes„Wilhelmina“, das von Newyork nach Hamburg mit einer Ladung Nahrungs⸗ mittel im Werte von 4000 Pfund abgefahren ist. Das Schiff ist gechartert von W. T. Green u. Co. in St. Louis und die Ladung ist an die Filiale der Firma in Hamburg adressiert. Die Gesellschaft hat sich durch ihren Rechtsvertreter in Berlin eine Garantie kommen lassen, daß die Fracht nur für Nichtkämpfer bestimmt ist. Nichtdestoweniger besteht die Befürchtung, daß Großbritannien Konterbande in der Fracht vermuten könnte und das Schiff mit Beschlag belegt. In diesem Falle würden die deutschen Propagandisten in Amerika einen großen Sturm verursachen, weil Großbritannien die Aushunge⸗ tung von Nichtkämpfern beabsichtigt. Die Schiffs⸗ ankaufsvorlage ist in der letzten Zeit zu einem Partei programm von den Demokraten des Senats gemacht zu einem Jahre strafbar. zu leisten. worden, trotzdem das Gesetz einige Aenderungen erfahren hat. Diese Handlung geschah trotz der Opposition und der Nervofität der konservativen Politiker und der Geschäfts⸗ leute. Einer der größten Eisenbahnmagnaten und eine Autorität bezüglich der Gebräuche des internationalen Handels, Senator Lodge, führendes republikanisches Mit⸗ glied der Senatskommission für auswärtige Angelegenheiten, hat bereits vor dem Ankauf deutscher Schiffe ge⸗ warnt und die Verwicklungen dargelegt, die ein solcher An⸗ kauf hervorbringen könne. Merkwürdige amerikanische Neutralität. Die Vereinigten Staaten, die der Entente dauernd Waffen und Munition liefern, lassen nach Bostoner Meldungen französischer Blätter alle für Deutschland be⸗ stimmten Baumwollballen mit Röntgenstrahlen durchleuchten, um zu verhindern, daß Kriegskonterbande ausgeführt werde. Dieser Untersuchung wohne der englische Konsul mit ameri⸗ kanischen Zollbeamten bei. Mit dieser Gewissenhaftigkeit steht in lebhaftem Gegen⸗ satz die Tatsache, daß Amerika nach den Feststellungen der Newyorker Handelszeitung bereits am 20. November 1914 an unsere Gegner Kriegsmaterial im Werte von 900 Mil⸗ lionen Mark geliefert hatte. Der Briefverkehr mit in Rußland internierten dentschen Zivilgefangenen ist nach einer Erklärung der russischen Regierung nunmehr durch Vermittlung des Kriegsgefangenenbureaus beim eussischen Roten Kreuz in Petersburg gestattet. Es empfiehlt sich, Briefe für interniette Deutsche in Rußland unter fol⸗ gender Adtesse zur Poft zu geben„à la Société de la Croix russe(Bureau central de renseignements sur les prisonniers de guerre) à Petrograd für den deutschen Zivilgefangenen... in(möglichst genaue Adresse)“. Diese Bestimmungen beziehen sich nicht auf die Korrespondenz mit den deutschen Kriegsgefangenen in Rußland, für die die bekannten besonderen Bestimmungen bestehen. Scharfe Maßnahmen gegen die aus landischen Arbeiter. Der stellvertretende kommandierende General des 17. Armee⸗ korps erläßt eine Bekanntmachung, in der es heißt: In letzter Zeit haben sich die Fälle von Unbotmäßigkeit der russischen Schnitter, Fluchtversuchen derselben und Unge⸗ horsam gegen die Befehle, den Ortsbezirk nicht zu verlassen, ver⸗ mehrt Sämtliche Behörden haben mit der größten Energie gegen jede Verfehlung dieser zwangsweise im Lande zurückgehaltenen Nussen einzuschreiten. Daher bestimmt der stellvertretende kom⸗ mandierende General im Interesse der öffentlichen Sicherheit: 1. a) Russische Arbeiter, die sich einer Unbotmäßigkeit oder einer Widersetzlichkeit gegen die Arbeitgeber oder deren Vertreter schuldig machen, b) all Personen, welche sich der Aufwiegelnug oder Aufhetzung russischer Arbeiter zum Zuwiderhandeln gegen ein obrigkeitliches Gebot oder gegen eine Anordnung der Arbeitgeber schuldig machen, desgleichen wer in aufrührerischer oder aufhetzerischer Weise Miß⸗ vergnügen und Unzufriedenheit in bezug auf die gegenwärtige oder zukünftige Regelung. des Arbeitsdienstes oder über die aus Anlaß des gegenwärtigen Krieges getroffenen obrigkeitlichen Anord⸗ nungen zu erregen sucht, werden festigenommen und gemäß 8 9 des Gesetzes betr. den Belagerungszuftand vom 4. Juni 1851 mit Ge⸗ fängnis bis zu einem Jahre bestraft. 2. Der Verkauf von Alkohol in Gestalt von Branntwein, Likören, Rum, Arrak, Kognak, sowie Südwein an russische Arbeiter ist verboten. Zuwiderhandlungen hiergegen werden gemäß 8b des Gesetzes betr. den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 mit Gefäng⸗ nis bis zu einem Jahre bestraft. Der stellvertretende kommandierende General des 1. Armee⸗ korps hat angeordnet, daß die russischen Saisonarbeiter bis zum 14 März weder in Kraukenkassen zu versichern, noch Invalidenver⸗ sicherungsbeiträge für sie zu zahlen sind. In Krankheitsfällen hat der Arbeitgeber Arzt und Apotheker unentgeltlich zu stellen. Der den russischen Arbeitern zuzahlende Tagelohn wird bis 14. März auf 0,50 Mk. für Männer und 0,40 Mk. für Frauen, Mädchen und Burschen nebst freier Wohnung, Heizung und dem üblichen Kar⸗ toffel⸗, Milch⸗ und Brotdeputat festgesetzt. Die vorbeseichneten Arbeiter und Arbeiterinnnen haben die Arbeit gegen diese Ent⸗ schädigung aufzunehmen und die Arbeitgeber diese Entschädigung Zuwiderhandlungen hiergegen sind mit Gefängnis bis N Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 169 „Wollte Gott! ich könnte es“, antwortete der Schreiber, „allein ich kann nichts, als die strafen, die an dem Unheil schuld sind. Ich hätte Euch gern in Eurer Ruhe gelassen, doch kann es nötig sein, daß Ihr selbst vor dem Gericht Aussage macht. Stärkt Euch daher dazu bis morgen und nehmt Eure Gedanken zusammen.“ „Will's tun!“ murmelte Helgestad,„wäre aber doch besser, Björnarne wäre hier.“ „Spricht er immer so?“ fragte Paul, der sich zu Hanna wandte, mit welcher er überhaupt zumeist redete. „Zuweilen scheint sein Gedächtnis zu leiden“, sagte diese, „aber oft ist alles klar und fest, und er fieht weiter, als es früher der Fall war.“ Paul dachte nach und blickte sie forschend an.„Du wirst nach dem, was hier geschehen, wohl sobald wie möglich nach Bergen zurückkehren wollen?“ fragte er. „Vor der Hand werde ich bleiben, bis mein Vater darüber entscheidet“, war ihre Antwort. „Meine füße Ilda kann keine schönere Brautjungfer be⸗ kommen.“ „Wie?“ sagte sie,„mitten in der Trauer denkst du daran, Hochzeit zu halten?“ „Ich muß es tun. Ilda bedarf einer Stütze, der alte Mann dort verlangt Ersatz für seinen Sohn. Frage Ilda selbst, sie ist zu verständig, um nicht einzusehen, daß ich in diesem Unglück als ihr Gatte neben ihr stehen muß.“ „Lustig! Lustig!“ rief der Vogt.„Was hilft es, über Dinge zu seufzen, die nicht zu ändern sind. Trinke dein Clas aus, Helgestad, ich gebe dir einen anderen guten Sohn und bekomme dafür ein feines Töchterchen. Sieh nach dem Tische, Die französischen Fliegerpfeile deutsches Fabrika Ein Besucher der Präparandenanstalt Reichenbach O. ist im Besitz eines Fliegerpfeiles, wie sie die franzö Flieger als Waffe gegen unsere Truppen verwenden. Pfeil trägt die merkwürdige Inschrift:„Inven Francais“(französische Erfindung) und cation Allemagne“(deutsches Fabrikat). scheinen die französischen Fliegerpfeile, die jetzt gegen uns als Waffe verwandt werden, in Deutschland hergestellt zu sein Dotumente der Mensch ichleit. „Feindliche“ Verwundete in Deutschland. Die im Verdener Reservelazarett liegenden verwun Belgier und Franzosen haben an den leitenden Arzt und Schwestern ein Neujahrsschreiben gerichtet, dessen Inhalt auch u Leser interessieren wird. Das Schreiben ehrt nicht nur die A und das Pflegepersonal, sondern auch die Gefangenen. Es ha genden Wortlaut: 225 „Sehr geehrter Herr Doktor! Sehr geehrte Schwestern!* Wir belgischen und französischen Soldaten, die im Hof Verden verpflegt werden, wollen den Anfang des neuen 2 nicht vorübergehen lassen, ohne Ihnen unsere Wünsche darzu⸗ bringen. Eine wahre Erleichterung für uns war es, bei unfrer An. hier in Verden die Korrektheit und Liebenswürdigkeit der Mit⸗ glieder des Roten Kreuzes zu n. Im Hospital wurden angenehm berührt durch die vollkommene Hygiene und Sauberkei der zu unfrer Aufnahme bestimmten Räume. Wir danken Ihnen, Herr Doktor, und Ihnen, verehrte Schwestern, für die liebevolle Pflege, die Sie uns bis jetzt gewidmet haben, und die auch nicht einen Tag sich gemindert hat. Wir erwarten nicht weniger von der großen deutschen Nation, die stets einen hervorrragenden Platz in den Fragen der Hugiene und der Medizin eingenomm en hat. Wir bedauern nur, daß der zwischen unsern Ländern herr⸗ schende Krleg uns in unserm Danke zu einer zwingt, die Ihnen verständlich sein wird.* Beim Jahreswechsel bitten wir Sie, geehrter Herr Di und auch Sie, verehrte Schwestern, unfre aufrichtigsten Wün für Ihre Wohlergehen anzune In unsre Wünsche schliehen wir die Mitglieder Ihrer Familien und alle diefenigen ein, die Ihnen lieb und teuer sind. Wir hoffen, daß beim Eintritt Friedens Sie alle die Ihrigen wiederfinden werden und daß 6 im Laufe diefes furchtbaren Kampfes vor schmerzlichen Berlusten bewahrt worden find. 8 1 Wir bitten Sie, Herr Doktor, dem Herrn Kommandanten unsre ehrsurchtsvollen Wünsche übermitteln zu wollen. 9 diefes Andenken, das wir Ihnen, geehrte Schweftern, heute dar⸗ bringen, Ihnen der Beweis unfrer Dankbarkeit sein: möge es Sle daran erinnern, daß überall und in allen Lagen Soldaten Ver⸗ dienst und Aufopferung dankbar anerkennen. Wir zweifeln nicht. daß Ihre Aufgabe nicht fehr dankbar ist: zweifellos würden Sie lieber Ihren Landsleuten Ihre liebende Sorgfalt gewidmet hahen. Denken Sie aber daran, daß es auch belgische und französsche Frauen gibt, welche glücklich find, Ihren Landsleuten, die in ähn⸗ licher Lage sind, wie wir, nüglich zu sein, und das Gute, was Se hier an uns tun, Ihnen anderswo vergolten wird einst. 1 Möge das beginnende Jahr bald das Ende dieses furcht⸗ baren Kampfes sehen, der die zivilisierten Völker Eur fleischt. Möge diefer gewaltige Streit der Waffen die Völker srei⸗ machen von der Reizbarkeit und Empfindlichkeit, die sie zu Feinden wacht. Möge ein ehrenvoller und allen genehmer Friede dem Kriege bald ein Ende machen, damit die Völker, sich nun 3 kennend, sich einander mehr achten und in Zukunft 5 Eintracht an dem Glück und dem Gedeihen der großen Famile arbeiten, der wir alle angehören: der Menschheit. Verwirklst sich dieser letzte Wunsch, so sind die Opfer, die von allen gebt worden sind, nicht umsonst gewesen.“ g Wir können uns dem Wunsche der Gefangenen nur aus voll Herzen anschließen. 5 Ein englisches Lob der deutschen Lazarette. Ein, wenn auch widerwillig erteiltes Lob findet sich jetzt in der Londoner Daily Mail. Dieses berüchtigte englische Hetzblatt hat einen„neutralen Sonderberichterstatter“ nach Deutschland gesandt und schildert nun feine Eindrücke von„Deutschland von innen“ in einer Reihe von Aufsätzen, auf die bereits hingewiesen wurde. Der neunte Bericht ist ein einziges Loblied auf die deutschen Lazarette. Der Verfasser hebt die große Anzahl von Krankenhäusern hervor, die zur Pflege der Verwundeten eingerichtet wurden, und fährt dann 9 fort:„Neben der Allgegenwart dieser Kriegslazarette muß man die nicht zu übertreffende Vorzüglichkeit der meisten von ihnen bewundern. In Ostpreußen besuchte ich ein Krankenhaus, das bls zum Dach mit verwundeten deutschen und russischen Soldaten gestllt war und das als vorbildliches Muster für jede Stadt der Welt gelten kann. Noch im Sommer war es ein Schulgebäude. Nach Ausbruch des Krieges war es in ein Lazarett umgewandelt worden, das 9 fort,„wir werden im Glücke unserer Kinder leben und das Leid vergessen. Wenn der Gerichtstag vorbei ist, fahren wir alle an den Lyngenfjord und feiern ganz in der Stille Pauls und Ildas Verbindung.“ „Ist richtig“, sagte Helgestad,„erst muß der Gerichtstag vorbei sein. Habt den Afraja doch fest, daß er nicht los kann?“ „Sei ohne Sorge, der sitzt hier unten im festen Keller. Er ist zwar ein Hexenmeister, aber heraus kommt er doch nicht eher, bis die Knechte ihn holen.“ „Und wo ist Johann Marstrand?“ fragte Hanna— „Fein säuberlich unter dem Dach,“ antwortete der Vogt. „Ein Junker muß immer oben sein. Wir haben dort auch ein paar feste Kämmerchen für Standesperfonen.“ „Oben und unten Graus und wir in der Mitte in Braus,“ lachte Hanna.„Was wird man mit den beiden Sündern machen?“ „Der Lappe wird einen guten Teil Holzkohlen kosten,“ lachte der Vogt.„Lovmann Exrichsen hat schon daran gedacht und den Teer besorgt. Hat der Junker Unglück, kann er leicht mit hinaufsteigen.“ Bei diesen fürchterlichen Worten richtete sich Ilda starr von ihrem Stuhle auf. Sie war noch bleicher geworden. aber Paul öffnete eben die Stubentür und sagte freundlich: „Komm, me nie Herzens⸗Ilda. Sitze zum ersten Male an deinem Ties in deinem Hause und laß uns froh sein, so viel wir es ver gen.“ Wie sonte»ver Frohsinn an diesem Mahle teilnehmen? Helgestad war munterer geworden, der Genuß starker Ge⸗ tränke b. achte sein Blut in Bewegung und riß ihn aus seiner Sckwetgsamteit. Es war natürlich, daß der bevorstehende Tag den neisten Stoff zu den Gesprächen bot, und manche besondere Unestände kamen zur Sprache. Es war Nachricht an den Lyngenfjord gekommen, daß Paul, bist Herr hier im Hause. Kopf in die Höhe, Niels, bist! K us Fornemann am Alten krank darnieder läge, und der Nogt mei. 4e spottend, daß dies von Gottes Hand so gefügt dein Leben lang ein stolzer Mann gewesen, sei es auch jetzt.“ Er schlug Helgestad auf die Schulter, daß dieser auf⸗ schreckte.—„Wird alles noch gut werden, Freund,“ fuhr er „ wel orst ber Priester nicht ermangelt haben würde, sich ein zumis her „Ich beklage es dennoch,“ antwortete Paul,„und wünsche, er wäre zugegen, damit er selbst sich überzeugen könnte, dag alles, was geschieht, nach Gesetz und Recht verläuft. Er haf auch einen Brief an mich geschrieben, wo er Aufschub u Bericht an den Gouverneur vorschlägt. Leider bin ich nich imstande, darauf einzugehen, wie gern ich es auch möchte.“ „Und warum bist du es nicht im stande?“ fragte Ildg „Frage meinen Oheim,“ sagte er.„Das ganze Lan fordert Gerechtigkeit, jeder weiß, um was es sich hande Die Finnmarken haben ihren Gerichtshof, eine Appellati an den Gouverneur würde überall verdammt und vernei werden. Die Aufregung ist so groß, daß man uns als Ver räter an des Landes Rechten und Sache betrachten würde. „Aber wie kann ein gerechtes Urteil da gefällt werden,“ rief Hanna,„wo, wie du sagst, die Aufregung so groß und die Erbitterung so allgemein ist?“ Paul zuckte die Achseln.„Ich würde es aufrichtig dauern,“ sagte er,„wenn ich glauben könnte, daß ein ung rechtes Urteil zum Vorschein käme. Afrajas Verbrechen fin jedoch so überwiesen klar, daß kein Gericht in der Welt bezweifeln könnte.“ 4 „Verrat, Aufruhr, Mordanfälle und dabei Hexerei und heidnische Greuel!“ rief der Vogt. 4 Helgestad riß seine Augen auf und grinste, wie in frühe⸗ ren Zeiten.„Nuh!“ sagte er,„kommt besonders darauf an. daß der Höllenkerl bekennt, wo seine Schätze sind. Kom darauf an, aus ihm herauszupressen, was wir wissen wollen. Denke, du weißt, Paul, was wir ausmachten. Kalkuliere, wird mein Trost sein für alles Weh, das die Schelme mir angetan.“ 8 Dem Schreiber war diese Eröffnung unlieb. Er winkte Helgestad zu schweigen und sagte zugleich:„Wenn er wirkli Schätze besitzt, so wird er bekennen müssen, damit sein Eige tum Ersatz für den Schaden leistet. Von seinem Genosse ist ohnehin nichts zu bekommen.“ 5 a (JFortsetzung folgt.) 220 AA 92 TTT 2 gebrochen ist, findet seinen auf die geringste Einzelheit vollkommen ist. Das ganze Obergesch e cen Verwundeten eingeräumt und unter der Auflicht 0 gefangenen rufsischen Arztes. Ich unterhielt mich mit ihm min deut⸗ scher Sprache. Er⸗ erklärte mir, daß er und seine kranken Unter⸗ 8 entztickt seien von der Menschlichkeit und Giite der Vehand⸗ lung, von den Erleichterungen, die ihnen von den Siegern gewährt wurden. Die Deutschen leisteten Großartiges in der erstklassigen Jürforge für die verwundeten Gefangenen. Mir wurde das von allen Seften versichert, und in zahlreichen Fällen konnte ich mit meinen eignen Augen und Ohren mich davon Überzeugen, daß ver⸗ legte frangösische englische und belgische Soldaten die⸗ selbe aufopfernde und wirksame Pflege erhielten wie jeder deutsche m Rhei nland kam ich einmal zufällig durch einen großen Saal in einem Milttärlazarett. Ich hörte im Vorbeigehen einen französt⸗ schen Soldaten bitterlich klagen und weinen, weil er glaubte, daß er sterben müsse. Da sah ich, wie ein deutscher Arzt an sein Bett kam den Pioupiou zärtlich um die Schultern faßte und liebevoll zu ihm sagte, wie wenn er zu feinem Bruder spräche:„Seti guten Muts, mein Junge! Ich gebe Dir mein Ehren wort, d b 95 110 5 8 0 daß Du wieder Arzt beseelte ist allgemein in den deutschen Krankenhäusern unter . dem ganzen Pflegepersonal, und besonders rührend sind die Kran⸗ kenschwestern. Jede dieser Schwestern ist ein Engel an Barm⸗ er Geist der Gitte und Menschenliebe, der diesen berzigkeit: jede ist die personsfizierte Unermüdlichkeit und Güte, un jede versteht ihren Beruf von Grund auf. Der Grundsatz der G5 wissenhaftigkeit und Gründlichkeit, der in jeder Einzelheit der deut⸗ schen Kriegsmaschine zum Ausdruck kommt, hat von den Militär⸗ lazaretten fene Scharen weiblicher Freiwilliger ferngehalten, deren einzige Empfehlung in ihrem guten Willen besteht. Es gemigt nicht, wenn eine Krankenschwester„sich betätigen“ will; sie muß die Pflege sehr genau gelernt haben und all die schweren traurigen Pflichten im Kriegskrankenhaus gut erfüllen können.“ * Von der Schlacht in der Nordsee. 5 Englische Schlachtkreuzer in Reparatur. Haag, 27. Jan.(T. U.) Wie das Handelsblad in einer Privatmeldung mitteilt, haben sich die englischen Panzer⸗ kreuzer„Princeß Royal“ und„New⸗Sealand“ ins Dock be⸗ geben zur Ausbesserung der in der Nordsee erlittenen Be⸗ schädigungen. Die falsche Behauptung, daß die englischen Seestreitkräfte keinen Schiffsverlust in der Schlacht gehabt hätten, wird dagegen noch kräftig aufrechterhalten. Die russische Geldnot behoben! Rom, 27. Jan.(T. U.) Der Pariser Korrespondent des Corriere d'Italia meldet, England habe Rußlands zurzeit unexportierbare Getreidevorräte im Werte von über 3 Milliarden Mark angekauft und eine sehr bedeutende Summe angezählt. Damit sei Rußlands Geldmangel momentan gehoben und ihm die Fortsetzung des Krieges er⸗ möglicht. Englands Kriegskosten. Basel, 27. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Die Baseler Nachrichten melden: In der am 17. Januar abschließenden Woche betrugen nach einer englischen Quelle laut Zwischen⸗ bilanz des Schatzkanzlers die Kriegsausgaben 15,3 Millionen Pfund(306 Millionen Mark). Die bisherigen Gesamtkriegs⸗ kosten betragen 207 Millionen Pfund(über 4 Milliarden Mark). 5 Italienische Kriegskosten. Rom, 27. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Die Militär⸗ zeitung Esercito Italiano führt aus, daß Italien, falls es sich am Kriege beteilige, außer der Milliarde, die schon jetzt erforderlich sei, in einem Vierteljahr noch ca. 3 Milliarden Lire für den Heeresbedarf werde aufbringen müssen.— Avanti meldet aus zahlreichen Ortschaften Kundgebungen gegen den Krieg; stellenweise liefen diese Proteste nicht ohne Zusammenstöße mit der Polizei ab, wobei es auch Ver⸗ wundete gab. Revolution in Portugal? Zürich, 27. Jan.(Tu.) Die Neue Züricher Zeitung hat ein chiffriertes Telegramm aus Lissabon erhalten, das besagt, in Portugal sei die Nevolutfon ausgebrochen. Die Regierung sei ge⸗ flürzt worden. Der Lyon Republicain teilt mit: Das gesamte portugiesischa Kabinett hat demissioniert. Der General Pemento Castro hat vor⸗ läufig den Vorsitz im Ministerium und die provisorische Weiter⸗ führung sämtlicher Portefeuilles übernommen. Die Opfer des italienischen Erdbebens. Rom, 27. Jan.(T. U.) Das furchtbare Unglück, das durch das Erdbeben über 5 italienische Provinzen herein⸗ Ausdruck in den vorliegenden statistischen Feststellungen. Der Mattino berichtet, die Zahl der Unglücklichen, die durch das Erdbeben ihren Tod fanden sei auf 44 000 zu schätzen. Ein Erdbeben auf dem Balkan? W. B. Hohenheim, 27. Jau. Die hiesige Erdbebenwarte meldet: Heute nacht 2.13 Uhr begannen die Instrumente ein starkes Erbeben zu verzeichnen, dessen Höhepunkt um 2.15 Uhr eintrat. Die Entfernung beträgt 1750—1800 Kilometer; der Ort des Bebens befindet sich wahrscheinlich auf der Balkan⸗ halbinsel. a Zerstörung einer englitch⸗ ersi chen Bank. Kopenhagen, 27. Jan.(T.⸗U.) Tifliser Zeitungen berichten aus Täbris. daß dort die englisch⸗persische Bank vom Volke vollständig demoliert und ausgeraubt wurde. Untergang eines enalischen Dampfers. Mailand, 27. Jan.(T.⸗U) Die Gazette del Popolo bringt aus Parmouth die Drahtnachricht vom Untergang des englischen Dampfers„Rufia“, der mit Kohlen beladen nach Cherbourg unter⸗ wegs war und mit dem britischen Dampfer„Abbes zusammensticß. llegertod in Johannisthal. Berlin, 27. Jan.(T.⸗U.) In Johannisthal hat sich gestern ein schwe rer Unfall 0 der den Tod dreier Flieger im Gefolge hatte. Gegen 2 Uhr mittags war der Flieger Müller, der erst von einigen Tagen das Pilotenexamen gemacht hatte, aufgestiegen und verließ das Flugfeld in der Richtung auf den Teltowkanal. Kurz vorher war der Feldwebel Conrad mit Leutnant Böhmer eu einem Rund⸗ fluge aufgestiegen. In einer Höhe von etwa 50 Meter stießen beide Flugzeuge zusammen. Der Zusammenprall war 0 stark, daß beide Apparate in der Luft zerschellten und zu Boden stürzten. Alle drer Flieger kan en unter die Trümmer zu liegen und waren sofort tot —— Partei⸗Nachrichten. . Die sozialistische Reichstags fraktion tritt am Dienstag, den 2. Februar im Reichstag zusammen. die Beratungen sind zwei Tage vorgesehen. Für Hessen und Nachbargebicte. Gießen und Umgebung. Die Zeitung. l Noch niemals wohl, so lange es Zeitungen gibt, sind sie ein so wichtiger Faktor im öffentlichen Leben gewesen, als in der ereignisreichen, weltbewegenden Gegenwart. Denn auch der stumpfsinnigste Mensch wird zum Denken und Urteilen aufgerüttelt, keiner kann sich den Einflüssen der aufregenden Zeit entziehen. Die Tageszeitung ist in diesen Verhältnissen das wich⸗ tigste und einfachste Mittel, sich zurechtzufinden. Für den kritischen Betrachter der Dinge, besonders für den Arbeiter, ist es jedoch nicht gleichgültig, welche Zeitung er liest. Ge⸗ wiß, die Generalstabsberichte, die jeder Tag bringt, sind in allen Zeitungen gleichlautend und auch die amtlichen und halbamtlichen militärischen Depeschen. Denn an ihnen dar! la laut behördlicher Anweisung nichts geändert werden. Wie überhaupt die Möglichkeit kritischer Prüfung der Vorgänge des öffentlichen Lebens sehr beschränkt ist. Vieles, was jetzt gesagt werden möchte, muß auf später verschoben werden. Trotz alledem soll und muß die sozialdemokratische Presse auch in dieser schwierigen Lage die Zeitereignisse von einem besonderen, dem sozialen und Arbeiterinteresse entsprechen⸗ den Standpunkte aus betrachten! Daß uns dabei so eng Grenzen gezogen sind, bedauert ntemand mehr als wir selbst. Wir durften aber darauf vertrauen, daß unsere Leser Ver⸗ ständnis für diese Lage haben werden. Darin sind wir auch nicht getäuscht worden; die Leser der Oberhessischen Volks⸗ zeitung haben gut zu ihrem Blatte gehalten.— Das ist auch notwendig! Nach dem Kriege werden wir ein kampfbereites Organ für die Interessen der Arbeiterschaft notwendig brauchen. Sorge darum jeder nach besten Kräften für seine Verbreitung, wozu auch in jetziger Zeit sich noch reiche Ge⸗ legenheit bietet. Werbt in euren Bekannten⸗ und Kollegen⸗ kreisen für den beginneden Monat neue Leser für die Oberhessische Volkszeitung! Eine Negelung des Konsums. Von allen Seiten kommen jetzt Anregungen und Voc⸗ schläge, wie wir haushälterisch mit unseren uns zur Ver⸗ fügung stehenden Nahrungsmitteln umgehen können und der Konsum geregelt und geordnet werden kann. Wir haben schon einmal darauf hingewiesen, daß alle die Vorschläge und Verordnungen, die darauf hinausgehen, durch gute Ratschläge und verständige Vorstellungen an das Publikum zu appel⸗ lieren, zu einem guten Teil wirkungslos bleiben. Außer⸗ gewöhnliche Verhältnisse, wie der Krieg sie auf dem Wirt⸗ schaftsgebiet hervorgerufen hat, erfordern außerordentliche Maßnahmen. Wenn solche Anordnungen im Interesse der Allgemeinheit notwendig sind, wirken Zwangsmaßregeln aus⸗ gleichend gegen alle Bevölkerungsschichten. Es entscheidet nicht mehr der materielle Besitz, sondern alle müssen die Un⸗ bequemlichkeiten über sich ergehen lassen. Gerade dieser Um⸗ stand versöhnt gewissermaßen gegen die Einschränkung, die der einzelne unangenehm empfinden kann, von der er sich aber sagt, daß alle sie gleichmäßig zu ertragen haben. Sehr wichtig ist die Maßnahme, die darauf hinausgeht, die vorhandenen Getreidemengen nicht der Viehfütterung zu überlassen. Aber es hat sich sehr bald gezeigt, daß diese An⸗ ordnung sehr wenig Erfolg hatte. Denn der Mangel an Futtermitteln hat trotzdem zur Verwendung großer Mengen von Getreide zu Viehfutter Anlaß gegeben, so daß gegen⸗ wärtig damit gerechnet wird, durch Zwang unfere Vieh⸗ bestände zu vermindern, indem größere Abschlachtungen vor⸗ genommen werden. Wir haben auch den Maßnahmen sympathisch gegenüber⸗ gestanden, die darauf hinausgingen, die vorhandenen Ge⸗ treidevorräte möglichst so einzuteilen, daß sie bis zur nächsten Ernte unseren Bedarf sicher stellen. Der Zusatz von Kar⸗ toffeln und Kartoffelpräparaten erschien notwendig und konnte wirksam sein, wenn diese Anforderung allgemein durchgeführt wird. Weniger zweckmäßig erscheint es schon, wenn jetzt vielfach aufgefordert wird, Kriegsbrot vom Bäcker zu fordern, weil dieser Appell doch nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung befolgt wird. In letzter Zeit sind die Anregungen gekommen, ob nicht durch erhebliche Erhöhung der Weizen⸗ und Kartoffelpreise diesem Uebelstande abzuhelfen sei. Wir müssen uns mit aller Entschiedenheit gegen diese Vorschläge aussprechen. Die Höchstpreise für Weizen und Roggen sind so hoch, daß eine weitere Hinaufschraubung eine sehr starke Unzufriedenheit in den ärmeren und mittleren Volksschichten hervorrufen muß. Ganz abgesehen davon, daß eine Erhöhung der Kartoffelpreise eine ganz unerhörte schwere Belastung gerade der ärmeren Volksschichten bedeuten würde. Eine Woche lang lein Mehlverkans! Die soeben vom Bundesrat beschlosfene Verordnung über die Regelung des Verkehrs mit Brotgetreide und Mehl enthält eine Bestim⸗ mung, die schon am gestrigen Dienstag in Kraft trat und besondere Beachtung verdient. Es ist nämlich in der Zeit von Beginn des 26. Januar bis zum Ablauf des 31. Januac 1915 die Abgabe von Weizen-, Roggen⸗, Hafer⸗ und Gersten⸗ mehl im geschäftlichen Verkehr verboten. Zuwiderhand⸗ lungen gegen dieses Verbot find unter hohe Strafe gestellt. Nicht verboten find nur Lieferungen an Behörden, öffent— liche und gemeinnützige Anstalten, Händler, Bäcker und Konditoren. Wieviel Getreide erzeugt Hessen? Vor Ausbruch des Krieges hatte man in Deutschland für die Mengen der Ge— treidesorten, die in unserem Vaterlande erzeugt werden, nur in begrenzten Kreisen Interesse. Mehlhändler, Bäcker, Poli- tiker und Statistiker, damit war der Interessenkreis für diese Frage erschöpft. Man aß seine Semmel und Kuchen ohne viel zu fragen, woher sie kamen. Seitdem wir aber in diesem furchtbaren Weltkampfe stehen und wir das Fehlen einzelner Getreidearten am eigenen Leibe zu spüren bekommen, hat sich dies gewaltig geändert. Jedermann aus dem Volke, zu⸗ mal alle Zeitungsleser verfolgen mit dem größten Interesse jede Notiz über unsere Vrotversorgung. Da ist denn gerade zur rechten Zeit ein kleines Büchlein erschienen, das uns über die Getreideerzeugung in unserem engeren Kreise einige Aus⸗ kunft gibt. In dem Wirtschaftlich⸗Statistischen Jahrbuche für das Großherzogtum Hessen, daß die hessischen Handelskam⸗ mern in Verbindung mit der Landwirtschaftskammer und der Handwerkskammer, alljährlich herausgegeben, ist in der eben erschienenen Ausgabe der Getreidebau in den hessischen Pro⸗ vinzen von 1861 bis 1914 behandelt. Man ersieht daraus, daß der Anbau von Weizen, Spelz und Hafer ganz gewaltig in den genannten Jahren zurückgegangen ist, der Anbau von Roggen sich in Starkenburg und Rheinhessen ungefähr gleich blieb, in Oberhessen aber sich beträchtlich erhöht hat, d. h. nur in den Mitteljahren 1833—87, während er in den Jahren 1913/4 wieder etwas zurückging. Gerste fiel in Starkenburg bedeutend während des in Untersuchung genommenen Zeit⸗ raums, ebenso in Oberhessen, während der Anbau in Rhein⸗ hessen erheblich stieg. Hafer stieg in allen drei Provinzen. Geben wir einige Zahlen in rund tausend Hektar, so finden vir einen Anbau in Starkenburg: Weizen, Spelz: 1. Periode: 1861-65) 13, 2. Periode:(188387) 13, 3. Periode 1913 673 1914) nur 7½. Oberhessen: 1. Periode: 20, 2. Periode: 24, 3. Periode 21. Rheinhessen: 17, 6, 4. Roggen: Rhein⸗ hessen: 18, 20, 22. Gerste: Nheinhessen: 15, 22, 21. Hafer: Starkenburg: 11, 13, 16. Oberhessen: 16, 23, 29. Rhein⸗ hessen: 5, 6, 8. In den nördlichen Staaten unseres Vater⸗ landes ist der Getreideanbau verhältnismäßig größer, weil bier der Weinbau, die Spargelzucht und andere Garten⸗ uflanzen weniger in Frage kommen. In Bayern und Elsaß beeinträchtigt der Hopfenbau die Vermehrung des Getkreide⸗ landes. In Rheinhessen will man jetzt dazu übergehen, alle schlecht sich verzinsenden Weinberge in Getreidefelder um⸗ zuwandeln. 5 — Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Gefr. Oswald Riedel aus Gießen, Neserve⸗Infanterie⸗Regiment 116.— Unteroffizier Heinrich Klein aus Großenlinden, Infanterie⸗Regiment 168.— Reservist Heinrich Jüngling aus Michelau, Reserve⸗Infanterie⸗Regiment 168. = Schlachlungen in Gießen. Im städtischen Schlachthofe wurden im 4. Vierteljahre des vergangenen Jahres ge- schlachtet: 315 Ochsen(273 im gleichen Zeitraum 1913), 100 Bullen(63), 235 Kühe(192), 351 Rinder(316), 941 Kälber (1277), 454 Schafe(307), 37 Ziegen(10), 3769 Schweine (3246). Die Mehrschlachtungen bei Schweinen beträgt im letzten Vierteljahr rund 500 Stück, denen eine Wenigerschlach⸗ tung von rund 330 Kälber gegenübersteht. Der Mehrbedarf an Schlachtvieh ist bedingt gewesen durch den Konsum der Gefangenen, der Verwundeten und unserer außergewöhnlich starken Garnison. Die Großvieh⸗Schlachtungen sind im Monat Januar stetig zurückgegangen, auch die Schweine⸗ schlachtungen dürften etwas niedriger ausfallen.. — An den Streichhölzern sparen! Im Verlauf weniger, Jahre ist der Preis der Zündhölzer infolge der Steuern und zuletzt des Krieges fast auf das vierfache gestiegen. Vorläufig ist das Zündholz im Haushalt noch unentbehrlich; der Ersatz durch Benzinfeuerzeuge hat sich bisher noch nicht überall be⸗ währt; außerdem war lange Zeit Benzin im Kleinverkauk nicht zu haben. Es ist also nötig, daß man„an den Streich⸗ hölzern anfängt zu sparen“, wie das Scherzwort lautet. Teil⸗ weise wird auch noch recht schlechtes Zeug als Streichhölzer verkauft. — Die Kohlen sind auch immer teurer geworden. Es heißt, daß eine erhebliche Einschränkung der Kohlenförderung erfolgt sei, weil viele Bergarbeiter zum Militär einberufen worden find. Deshalb brauchten aber die Preise nicht zu rteigen, die ohnehin vorher schon hoch genug waren, aber die Kohlenbarone wollen die gute Konjunktur auch ausnützen. Es wird deshalb von verschiedenen Seiten angeraten, mehr mit Koks zu heizen, von dem bei den Gasanstalten große Mengen vorhanden sind. Ein Gemisch von Kohle und Koks oder Brikets ist als Heizmaterial zweckmäßig und zu emp⸗ fehlen. Der gemahlene Koks(Grieskoks) ist auch verhältnis⸗ mäßig billig. 15 — Winter. Nun hat sich nach langem Zögern doch der Winter eingestellt und er scheint einige Zeit bleiben zu wollen. Seit mehreren Togen haben wir Schnee und Kälte zur Freude der Wintersvortler und der Jugend, die sich gern mal mit dem Rodelschlitten vergnügt. Das ist ihr gewiß zu gönnen: doch wird die Mehrheit der übrigen Menschen dafür sein, daß die Häste nicht so lange anhält. Die Kugelschutznanzer. Stellvertr. Generalkommando des 18. Armeekorps gibt bekannt:„Der Privatverkauf von Kugel⸗ schutzvbansern wird hierdurch alloemein verboten. Ausgenommen von dem Verbot sind dieienigen Panzer, die non der Gewehr⸗ prüfungskommission geyrüft und nach den hierfür giltigen Fest⸗ setzungen fir brauchbar befunden wurden, was nachzuweisen ist.“ Das Riefenmeer der FTeldyost. Nach einer am 16. Januar vorgenommenen Zählung sind an diesem Tage aus dem deutschen Reich 7989 940 Feldpostbriefsendungen nach dem Felde abge⸗ gangen, nämlich 4 304 770 portofreie. also meist bis 80 Er. schwere Briefe und Postlarten und 3 685 170 schwerere frankierte Feld⸗ vostbriefe und Feldvostnäckchen Davon rührten her aus Reichs⸗Postgebiet 6.6 Millionen, aus Banern rund 1 Million, aus Württemberg rund 0,4 Millionen Sendungen. — Strafgelder in Zigarrenfabriken. Uns wird geschrieben:“ 1. Außerordentlich hart wird es von den Arbeitern empfunden, wenn wegen ganz geringfügiger Sachen der Lohn durch Straf⸗ gelder gekürzt wird. Wie manchmal in sehr ausgiebigem Maße davon Gebrauch gemacht wird, beweist ein Vorfall bei der Firma Schi., Zig.⸗Fabr. in Gießen. Zwei Arbeiterinnen hatten sich etwas faut unterhalten, deshalb verhängte Meister V. kraft seines Amtes für jede Arbesterin 50 Pfg. Strafe. Im übrigen scheint dieser Meister auch sonst nicht allzuzart mit den Arbeitern umzugehen. denn seit seiner Tätigkeit haben diese schon allerlei liebens⸗ würdige Titulationen kennen gelernt. Wir sind der Ansicht, daß man fetzt nicht auch noch Strafen verhängen solle. Der an un für sich geringe Lohn, welcher trotz der gewaltigen Steigerung der Lebensmittel immer noch der gleiche geblieben ist, sollte nicht durch Geldstrasen noch gekürzt werden, denn dadurch kommt die Existenz⸗ möglichkeit der Arbeiter noch mehr in Gefahr. Im übrigen be⸗ zweifeln wir, ob der Meister überhaupt die Berechtigung hatte, in diesem Falle eine Geldstrafe zu verhängen. Dieses Vorkommnis jst wieder ein Beispiel, wie notwendig es ist, daß gerade jetzt die Tabakarbester einmittia zusammenstehen müsfen. Genau so einig. wie sich die Tabakfabrikanten sind, die über eine gute Organisation Das verfügen, müssen auch die Arbeiter sein und sich bis auf den letzten Arbeiter und Arbeiterin dem Tabakarbeiterverband anschließen. Gerade unsere Verbände haben während der Kriegszeit bewiesen, daß sie es in erster Linie waren, welche die wirtschaftlichen Inter⸗ essen der Arbeiter nach jeder Richtung hin vertreten haben. Wohl ist jetzt in der Tabakindustrie Hochkonjunktur und manche Tabak⸗ arbeiter haben sogar das Vergnügen, durch die Ueberstunden täg⸗ lich größere Portionen Tabakstaub zu sich nehmen zu können, aber man weiß noch nicht, was die Zukunft bringen kann. Große Auf⸗ gaben, insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiet, werden die Or⸗ ganisationen der Arbeiter zu lösen haben, deshalb heißt es, jetzt schon auf dem Posten sein! 5. Stadttheater.„Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“, das war die Stimmung, die gestern in unserem Stadttheater herrschte. Es ging in der Tat etwas stürmisch her. Heinrich Lee's „Grüne Ostern“ führt uns in die bewegte Zeit des Jahres 1813, in die Zeit, wo die Befreiungskriege begannen, man möchte fast sagen, auch an den Ort, wo die Befreiungskriege begannen. Denn der Verfasser läßt uns für einige Stunden glauben, daß der gange Sturm der gewaltigen Bewegung von Breslau aus, wo das Stück spielt, losgebrochen sei. In Breslau wartet man mit Ungeduld darauf, bis es losgeht, bis der König von Preußen dem verhaßten Kaiser Napoleon das noch bestehende Bündnis aufkündigt und das Schwert zieht gegen diesen, der ganz Europa unterjochen wollte. Die Zeit ist ja günstig. Napoleon kommt mit dem kleinen Reste seiner Armee, der sich aus dem Schnee und Eis Rußlands retten konnte, zurück. Breslau bekommt Einquartierung, zum Schrecken der französisch parlierenden Hausfrauen, die für die Sauberkeit ihrer Stuben fürchten. Das Haus des Kommerzienrats Schöller hat den französischen Oberst mit dem deutschen Namen Frank Dorf⸗ müller zu beherbergen. Der Oberst ist dem Hause des Kom⸗ merzienrats nicht fremd. Hat er doch bis vor 10 Jahren den Posten eines Buchhalters in diesem Hause inne gehabt und, was noch mehr bedeutet, das Herz der jungen Tochter Justine. Dann aber ist er plötzlich entlassen, sast aus dem Hause gejagt worden — warum, bleibt etwas dunkel, aber sicher war die Mutter Justines nicht ohne Schuld. Sie hat für ihre Tochter ganz andere Partien im Kopfe. Aber Justine will nicht heiraten. Sie hatte nur ein⸗ mal ein Herz zu vergeben, das war an Frank Dorfmüller, von dem sie sich verlassen und vergessen wähnt. Jetzt sehen sie sich wieder und auch ihre Herzen finden sich— im Schauspiel etwas rasch und unvermittelt— wieder. Aber Frank ist Vaterlandsverräter ge⸗ worden und will auch das Kreuz des französischen Kaisers nicht ab⸗ legen, es sei denn, daß es ihm abgerissen wird. Diesem nicht gerade alltäglichen Verlangen kommt der Versasser bald zu Hilfe. Den Franzosen wird ein Ball gegeben, das etwas fragwürdige Verdienst des Stadtrats Grützmacher, der als„Vergnügungskommissar“ fungiert. Justines wegen kommt es zwischen Oberst Dorfmüller und dem General Kamptz zum Streit und der Oberst schleudert dem General ins Gesicht, daß er ein Halunke sei. Er wird zum Tode verurteilt und würde wohl auch erschossen werden, wenn nicht in⸗ zwischen die Kriegsbegeisterung in Breslau, wohin Deutschlands Jugend in Massen strömt, bis ins Unendliche gewachsen wäre. „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los!“ Frank wird gewalt⸗ sam befreit. Zwar war das Landfriedensbruch. Aber kaum ist es geschehen, so kommt auch schon die Nachricht, daß der König dem Fvangosen den Krieg erklärt hat. Eine Nottrauung verbindet die beiden Liebenden und dann geht's mutig hinaus in den Kampf. Frank ist wieder Deutscher geworden.— Soweit die Handlung. Direktor Steingötter hat sich redlich bemüht, aus dem Stücke zu machen, was zu war. Wenn das Stück trotz des reichen Beifalls nicht überall, besonders nicht im 1. Akte, ansprach, so lag das nicht an der Aufführung. Das Stück hat Schwächen, die nicht anszumerzen sind. Besonders die sehr gekünstelte Art, wie sich im 1. und 2. Akt die Liebenden wiederfinden, konnte nicht erwärmen. Trotzdem dürfte auch der 1. Akt noch gewinnen, wenn man das sehr unnatürliche Geschrei etwas dämpfen wollte. Die Einzelleistungen waren durchgängig recht zufriedenstellend, von einigen Textunsicher⸗ heiten abgesehen Die Familie des Kommerzienrats Schöller war vertreten durch Paul Schubert, Auguste Frengel und Anna Stettner. Die Justine des Frl. Stettner erwärmte durch die Begeisterung, mit der sie eine echte Tochter ihres Volkes sein will. Franz Bochum gab sehr treffend den Stadtrat Grützmacher, der stets das behält, was er hat und das nimmt, was er kriegen kann. Seine sich ihres gesellschaftlichen Ranges wohl bewußte Ehehälfte ver⸗ körperte Else Jüngling mit der ihr eigenen Sicherheit. Den Privatdozenten Jodveus gab Hans Grosser⸗Braun recht gelungen. Eine vorzügliche Leistung bot Walter Dworkowski als Weinhänd⸗ der Prill. Seine urwüchsige Grobheit, der er sich selbst nicht be⸗ wußt ist, seine Vaterlandsliebe und seine Opferbereitschaft ließen vielleicht am besten den Grundgedanken des Stückes hervortreten. Clemens v. Roggenhausen war ein recht schneidiger Oberst, fand aber nicht immer den richtigen Ton für die Seelenkämpfe, die die Sehnsucht nach Heimat und Liebe und der Gedanke, das Kreuz des großen Kaisers zu tragen, in ihm wachrufen. Carl Rotteck, als General Kamptz, war bei glänzender Stimmung. Ebenso stand es um den Bumke des Herrn Goll, ein echter Unteroffizier Fried⸗ richs des Großen, markig und lustig, der nur ein Kommando kennt: Druff. Auch die übrigen kleineren Rollen waren gut besetzt. Frau Prill mit ihren beiden Töchtern(Toni Schönke, Philine Wengert, Liese Hainbach), Ludwig Grosser als lustiger Schneider⸗ gefelle aus Leipzig, Steinhofer als Dichter und vaterlandslicbender Student, Hansi Martini als die Schleußerin Henne usw. Direktor Steingötter hatte für eine angenehmen Rahmen und sür gutes Zu⸗ sammenspiel gesorgt. Das zahlreich erschienene Publikum spendete Kreis Wetzlar. u. Das Wetzlarer Gewerbegericht hat dieser Tage seinen Ge⸗ schäftsbericht für 1914 herausgegeben. Es wurden im ganzen 33 Sitzungen abgehalten, doch fämtlich ohne Zuziehung von Beisitzern. Anhängig waren 77 Sachen, von denen 62 durch Vergleich oder Zurücknahme erledigt wurden. Bei 15 Sachen wurden Endurteile gefällt, darunter 3 Versäumnis⸗Urteile. Der Wert des Streit⸗ gegenstandes betrug: 1 bis 20 Mk. bei 31 Sachen, 20 bis 50 Mk. bei 31 Sachen, 50 bis 100 Mk. bei 13 Sachen, über 100 Mk. bei 2 Sachen. Von den 77 Rechtsstreitigkeiten betrafen: a) Antritt, Fortsetzung oder Auflösung des Arbeits- oder Lehrverhältnisses, Aushändigung oder Inhalt des Arbeitsbuches, Zeugnisses usw. 2 Sachen, b) Leistungen aus dem Arbeits⸗ oder Lehrverhältnisse 50 Sachen, c) Rückgabe von Zeugnissen, Büchern, Legitimations⸗ papieren, Urkunden, Gerätschaften, Kleidungsstücken, Kautionen und dergl., die aus Anlaß des Arbeits⸗ oder Lehrverhältnisses übergeben wurden, 2 Sachen, 4) Ansprüche auf Schadenersatz oder auf Zahlung einer Vertragsstrase wegen Nichterfüllung oder nicht gehöriger Erfüllung der Verpflichtungen, welche die unter a bis e bezeichneten Gegenstände betreffen sowie wegen gesetzwidriger oder unrichtiger Eintragungen in Arbeitsbücher, Zeugnisse usw. 23 Sachen. 43 Klagen wurden in 1 Woche exledigt; 15 in 2 Wochen, die übrigen dauerten länger.— Auffällig ist jedenfalls, daß bei dem Wetzlarer Gewerbegericht im ganzen Geschäftsjahre keine Bei⸗ sitzer zugezogen wurden. Telegramme. Uaberict des Grofen Haupthuattier. Siegreiche Kämpfe um Craonne. Russische Angriffe erfolglos. N WB. Großes Hauptquartier, 27. Jan., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz: Bei Nieuport und Ypern fanden nur Artillerie⸗ kämpfe statt. Bei Guinchy, südöstlich La Basss e, versuchte der Feind gestern abend die ihm am 25. Jannar entrissene Stel⸗ lung zurückzuerobern. Das Bemühen war vergeblich. Der Angriff brach in unserem Feuer zusammen. Die schon gestern gemeldeten Kämpfe auf den Höhen von Eraame hatten vollen Erfolg. Die Franzosen wurden aus ihrer Höhenstellung westlich La Creute Ferme und öst⸗ lich Hurtebise geworfen und auf den Südkamm des Höhengeländes gedrängt. Mehrere Stützpunkte auf einer Front von 1400 Meter wurden von den Sachsen im Sturm genommen, 865 Gefangene gemacht, 8 Maschinengewehre er⸗ obert, 1 Pionierdepot und viel soustiges Material erbeutet. Südöstlich St. Mihsel nahmen unsere Truppen einen französischen Stützpunkt. Gegenangriffe der Franzosen blie⸗ ben erfolglos. In den Vogesen liegt hoher Schnee, der unsere Be⸗ wegungen verlangsamt. Oestlicher Krieasschauplatz: Ein russischer Angriff nordöstlich Gumbinnen machte keine Fortschritte. Die Verluste des Feindes waren stellen⸗ weise schwer. In Polen keine Veränderung. Oberste Heeresleitung. Die Kämpfe in Miltelpolen. Berlingske Tidende erfährt aus Petersburg, daß von militärischer Seite vor der Annahme gewarnt werde, als ob die Deutschen die Bekämpfung des russischen Widerstandes in Mittelpolen und den Plan der Einnahme Warschaus aufgegeben hätten. Die deutschen Versuche würden sicher mit doppelter Kraft fortgesetzt werden, sobald die jetzigen Trans portschwierig⸗ keiten in Westpolen überwunden sind. Von den Deutschen würden dort große Bahnanlagen geschaffen. Die Truppenkonzentrationen der Deutschen in Mittelpolen seien gewaltig. Auf der 90 Kilometer langen Front von der Pilica zur Bzuramündung seien etwa 600 000 Mann versammelt. Ununterbrochen komme neues Kriegsmaterial an. Der Kampfplatz im Westen. National-Tidende meldet aus Paris: Mit Ausnahme des Wöwregebietes, wo starker Nebel herrscht, tobt der Kampf auf der ganzen Linie, aber trotzdem ist das Aussehen der Front ziemlich unverändert. In Belgien und Nordfrankreich sind die Kampfplätze in fürchterlicher Verfassung. Die Schützengräben sind in Bäche verwandelt. Die Wege bestehen aus Morast und müssen unaufhörlich ausgebessrt werden. 77 Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Wien, 27. Jau.(W. B.) Amtlich wird verlautbart: 27. Januar 1913. Im oberen Ung⸗Tale wurde gestern der Gegner aus seinen Stellungen auf den Grenzhöhen beiderseitz der ÜUzsoker⸗Passes geworfen; einer der wichtigsten Kar⸗ pathenpässe um dessen Besitz im Verlaufe des Feldzutes schon oftmals erbittert gekämpft wurde und der seit 1. Januar ven den Russen besetzt, besonders stark befestigt und durch mehrere hintereinander liegende gute Stellungen zäh verteidigt wurde, ge⸗ langte hierdurch nach dreitägigen Kämpfen wieder in un⸗ seren Besitz. Nordwestlich des lizsoker⸗Passes sowie im Latorcza⸗ und Nagy⸗Ag⸗Tale dauern die Kämpfe noch an. Zu Westgalizien und in Polen infolge schweren Schmer⸗ gestöbers nur mäßiger Artilleriekampf.„ g Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Neue österreichische Offensive. e. Der Corriere della Sera meldet aus Petersburg, daß die Oesterreicher in der Bukowina und in den Karpathen, also auf zwei von der großen Schlachtfront getrennten Sektoren, eine doppelte Offensive entwickeln, die als gemein⸗ sames Ziel Przemysl habe. Zwei Bahnlinien ständen ihnen für ihre Operationen zur Verfügung. Englische Hilfstruppen für Serbien? Athen, 27. Jan.(Ctr. Frkft.) Hestia erfährt aus zu⸗ verlässiger Quelle, daß demnächst zur Verstärkung des ferbi⸗ schen Heeres in Antivari in zwei Transporten je achtzig ⸗ tauseud und fünfzigtausend Inder und Enz⸗ länder, die aus Aegypten kommen, gelandet werden sollen. Wir glauben an diese„zuverlässige“ Nachricht nicht. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. f Verlag von Krumm& Cie., Gießen. 1* Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. : ͤ,] ᷣ:]⅛⁰-·. ¼ 0 Vereinskalender. 1 Samstag, 30. Januar. 0 1 Heuchelheim. Arbeiter⸗ Bildungsverein. Abende 9 Uhr Mitgliederversammlung bei Wirt Ludwig Schäfer. Vortrag. Sonntag, den 31. Januar: 5 15 Launsbach. Freie Turnerschaft. Abends 7 Un: Versammlung. Die Marktpreise für Vieh und Frucht 1 und die Gießener Frleisch⸗ und Brotyreise am 25. Janttar 1948. Senne, sreneprahe n Sieges Ochsen 50kg Schlachtgewicht 80106 ME. ½ kg 9098 Pfg. Kälber/„ 5 70-85 Mk ½„ 76-80„ Schweine/ 70 5 83—87 2 5 90—10⁵ 205 Getreidepreise in Mannheim. Brotpreise in Gießen Weizen 100 1g—.—— 27 90 Mk. Weißbrot kg— Ffe Roggen„„ 23.90„Schwarzbrot 2 Holzversteigerung. Kgl. Oberförsterei Krofdorf. 475 Freitag, den 5. Februar vormittags 10 Uhr, kommen bei Gast⸗ wirt Freund in Krofdorf zum Verkauf: 155 Schutzbez. Krofdorf, Distr. 7 Jungferannenwald, 111 Platte, 12 Fohnbachskopf, 14 b, 15, 16 Kreuzschläge Eichen: 2 Rm. Schicht⸗ nutzh. gespalten, 2 Rm. Scheit, 22 Rm. Knüppel, 527 Rm. Reisig: Eschen: 5 Rm. Schichtnutzh., und 4 Mtr. lang, 1 Rm. Knüppel. Buchen: 259 Nm. Scheit, 93 Rm. Knüppel, 2997 Rm. Reiflg nige Kiefern: 6 Nm. Schichtnutzh. 2 Meter lang, 2 Rm. Knüppel, 135 gefe Rm. Reisig. Schutzbez. Waldhaus, Distr. 41 Schottenholz: Buchen! N 199 Rm. Scheit, 43 Rm. Knüppel, 232 Rm. Reisig. Distr. 48 2 und b Lichtenberg: Eichen: 2 Rm. Schichtnutzh. 2,2 Mtr. lang, 4 Rm. Scheit, 2 Rm. Knüppel, 85 Rm. Reisig; Buchen: 44 Rm. Scheit, 147 Rm. Knüppel, 320 Rm. Reisig; Fichten: 15 Stämme= 5 Festmtr. 10 Stang. 1. Kl., 30 2., 10 3., 30 Rm. Stangenreisig. Holzversteigerung 1976 der Gemeinde Wißmar. 8 ö Dienstag, den 2. Februar d. Js., kommen von 10 Uhr vor⸗ mittags ab bei Wirt Bieran in Wißmar zum Verkauf: Distrikt Reitzensteinenwald: Eichen 20 Rm. Scheit und Knüppel, 71 Rw. Reiser? Buchen: 81 Rm Scheit und Knüppel, 159 Rm. Reiser. Distrikt 11b Kennelsbeck: Eiche: 7 Rm. Scheit und Knüppel, 22 Rm. Reiser; Buchen: 4 Rm. Felgenholz, 280 Rm. Scheit und Knüppel, 5 1015 504 Rin. Reiser. Distrikt 32 Kattenbach: Buchen: 343 Rm. Scheit und Knüppel, 660 Rm. Reiser. f* lebhaft Beifall. nur noch ganz K einer Vorrat, Stück 40 Buchhandlung g., zu haben in der Gießen, Bahnhof der Oberhessischen Voltszeitung * 4 voeben eingetroffen! eee de e t M N N Stiriegskarte: . mit dem Stand der deutschen Heere auf dem westlichen und östlichen 1 5 Kriegsschauplatz anfangs Januar 1915. Unentbehrlich für jeden, der sich genau über die jetzige Stellung unserer Armeen informieren will. Kaun portofrei als Feldpostbrief versandt werden. 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