— / I ä——— Drgan für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete. Die Oberbessische Volkssettung erscheim jeden Werktag Abend in SWietzen Der Abonnementspreis beträ ö 1 at wöchentlich 15 Pfg., monatli 0 0 Gia einschl. Bringerlobhn Durch die Post begogen deer e en Redaktlon und Expebition Gießen. Babnbofftraße 23. Ecke Löwengasse⸗ Telephon 2008. Inserate kosten die 6 mal gespalt Kolonelzeile oder deren Raum 15 ig. Bei größeren Aufträgen Ra att Anzeigen wolle man bis abends 7 Abr für die folgende Nummer m der Expedition aufgeben * Nr. 14 Gieß 8 J 5 2 Gießen, Montag, den 18. Jaunar 1915 10. Jahrgang 5 leltkri 5 eltkrieg. Kriegsgrenel. Während des ersten Balkankriegs entstand das Gerü 1 nd des e a 98 i s Gerücht, da er in Prizrend festgehaltene österreichische Konsul Prochaska 995 Noch: bischen Soldaten überfallen und i f is überfa in grauenhafter Weise ver⸗ g fümmelt worden sei. Welcher Art die Verletzungen des Konsuls f 5085 sollten, erzählte man sich nur flüsternd von Mann zu Mann. iste. die Zeitungen begnügten sich mit Andeutungen und Umschreib— ungen, sie durften eben glücklicherweise bald das scheußliche Theme Erlassen, da sich herausstellte, daß die ganze bene Ke chmutzige Geschichte von Anfang bis zu Ende erfunden war. Andere Zeiten, andere Sitten! Man ist heutzutage nicht mehr 12 zimperlich, und wessen man die Serben vor drei Jahren an⸗ ö eutungsweise beschuldigte, das werfen die Deutschen und Franzo— n einander ganz offen vor. Die Worte„abgeschnittene Geschlechts⸗ bile“ sind jetzt auch in offiziösen Kundgebungen zu lesen, in denen 1 00 99 ed a den ausgestochenen Augen, f hnittenen Ohren und auf dem Bod f spieß Ver⸗ tundeten die Rebe ist.. R . Wieviel oder wie wenig aktenmäßig Feststellbares der neuesten Liskussion zwischen der deutschen und der französischen Regierung n grunde liegen mag, jedenfalls stehen wir vor der Tatsache, daß *„ 9 f. 1 8 2 der 0 Armeeleitungen der beiden Zivilisierten Völker Europas ein⸗ 17 an Duldung der unsäglichsten Greuel so gut phie alles zutrauen. Es gibt sicher große Massen in Frank⸗ wich, die dem französischen Bericht über die Schandtaten, die von kutschen Soldaten auf belgischem und französischem Boden angeb⸗ Ich verübt worden sein sollen, ohne weiteres Glauben schenken nerden. Auf der anderen Seite sind wir in Deutschland natürlich nicht in der Lage, im einzelnen nachprüfen zu können, was bei den auns Echrecken erregenden deutschen Gegenbehauptungen 1 6¹ 0 Irrtümern mitunterlaufen sein mag. Daß zwischen den beiden grmeen Dinge vorgekommen sind, die zu solchen Erörterungen Au⸗ — Ii gaben, ja das solche Erörterungen überhaupt möglich ge⸗ 5 norden ist, zeigt uns, wie wenig Grund sie haben, auf die Kultur Curopas zu A fang des zwanzigsten Jahrhunderts stolz zu sein. Gegenüber den Greuelbeschuldigungen, die in jedem Krieg un⸗ bermeidlich sind, gilt der Grundsatz, alles und nichts zu glauben. Nan kann alles glauben in der Annahme, daß im Laufe eines srieges keine Greueltat als Einzelfall undenkbar ist, man I mn aber nicht genug vorsichtig sein in der Beurteilung von Be⸗ guochen Kuptungen, Berichten, selbst von Aussagen vermeintlicher na, Zinl, gugenzen gen, da das Beobachtungsvermögen in vielen en krankhaft verändert ist. In jedem Krieg werden Greuel rübt, während jedes Krieges w tal mehr Greuel erzählt, als sich wirklich ereignet haben. Wenn die deutschen Soldaten im allgemeinen als Mörder, dordbrenner, Räuber schlimmster Art dargestellt werden, so wird c nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland, selbst im findlichen, keinen ruhig denkenden Menschen geben, der chen Wahnwitz nicht die Achseln zuckte. Wenn jedoch nur die Jöglichkeit erwogen wird, daß auch in der deutschen Armee ein⸗ ne verbrecherisch oder krankhaft veranlagte erden aber hundert⸗ und tausend⸗ erger sführung hinausgetrieben wür⸗ che Möglichkeit in Abrede 7 regelten Krieg hn— wer von uns könnte eine sol killen? In der f glenmäßig geringeren de Grenzer aterials weniger sorgfältig ist, dur Prozentsatz der Psychopathen, der Dekadenten und Perversen helleicht größer sein. Zum Nachteil der Franzosen spricht auch hr Umstand, daß in ihren Reihen nicht nur Europäer, sondern auch ingehörige kulturell tiefer stehende Volksstämme mit⸗ senpfen. Namentlich Greuel à la Prochaska könnten nach mensch⸗ chem Ermessen nur entweder von Wahnsinnigen, oder aber un Wilden verübt worden sein, die mit bestimmten aber⸗ gläubischen Vorstellungen behaftet sind. Wenn sich einer oder der anderen Einzelfälle, die iizibsen Meldung von der deutschen Heeresleitung jetzt nach der untersucht . burden, als wahr herausstellen sollte, wenn wirklich einzelne In⸗ Il shbeiduen tscher Nationalität Taten verübt haben sollten. wie sie Hucde n französischen Regierungsbericht behauptet— in ihrer Mehrzahl — stder leichtfertiger Weise hehauptet werden— dann könnte über die ul flihle, mit denen die Masse des deutschen Volkes und ganz beson⸗ fleinee ers auch der deutschen Armee solche Tatsachen aufnehmen würde, ano en Zweifel sein. Ebenso dürfte die Masse des franzüsischen irtibel, blkes und der französischen Armee alles, was den Franzosen 1 heueltaten nachgewiesen wird, als tiefe Schande empfinden. nß heute ausgesprochen werden— auch drüben nicht! B. glauben, daß die deutschen und die französischen Soldaten, die niden Schleßparsen freundschaftlich miteinander verkehrten, Briefe, ente heitungen, Tabak und Schokolade miteinander austauschten, bis 1 10 5 en dieser Verkehr von den beiderseitigen Heeresleitungen unter⸗ 1 t wurde— wer wollte glauben, daß diese Leute geneigt seien, N abel! einander über die Kriegsnotwendigkeit hinaus unsagbare Greuel * u verliben? Die Erzählungen von diesen Schützengrabenfreund⸗ 1 ltaften sind aber noch unendlich zahlreicher, als die Greuelgeschich⸗ II en, die zu einem Teil auf scheußlicher Wahrheit, zum großen Teil 10 ben ber auf Klatsch und Gerede beruhen mögen. 1 * Hört man die Beschuldigungen, die heute die beiden größten . külturvölter Europas gegeneinander erheben, so möchte man schier 90 eder Menschheit verzweifeln. Wir, die wir den Glauben an die 1 lenschen nicht verlieren wollen, wenden uns gern von diesen Nacht⸗ eßenstern der Urzeit jenen lichteren Bildern zu, die uns im Krieg i vielfach entgegengetreten sind. Sie weisen den Weg zu einer sesseren Zukunft. 10 u terseeboote gegen Handelsschiffe? nac gu Eine Bewegung ist im Gauge, um dem Gedanken, die feindlichen 1 dundelsflotten mit Untersecboten zu bekämpfen, zur Verwirklichen . helsen. In der Köln. Z1g., der Deutschen Tagesgztg., der Tägl. kumöschau und vielen andern Blättern kinden sic ihre Spuren. Eine über mdividuen k existieren könnten, die von ihrer Wesensart über hen Armee, in der die Auslese wegen des dürfte kechtschaffen und menschlich denkenden Elementen fehlt es— das Wer wollte besonders eingehende Untersuchung der Frage versucht Hans Weh⸗ berg in der Zeitschrift„Das neue Deutschland“, er kommt dabei zu dem Resultat, daß durch das Auftreten der Unterseebote„geradezu neues Recht“ geschaffen wird, eint, auf Grund dieses „neuen Rechts“ sei Deut nge, über die ganze englische Küste die Blockade zu verhängen und Schisfe, die diese Blockade brechen, mitsamt der Mannschaft in Grund zu schießen. Diese Art der U suchung geht freilich am Kernpunkt der ganzen Frage voll⸗ ständig vorbei, denn nicht darum handelt es sich, welches neue Rocht geschaffen werden soll, sondern darum, welches Recht hinsichtlich der Soekriogsführung auf Grumd abgeschlossener Verträge besteht. Und da kann nun freflich kein Zweisel darüber sein, daß das, was Herr Wehberg befürchtet, mit don bestehenden Verträgen und Rechts⸗ grundsätzen nicht vereinbar ist. Sind diese Grundsätze für Deutschland ein Nachteil, so kann man vielleicht der Regierung einen Vorwurf daraus machen, daß sie sich zu ihrer Anerkennung ver⸗ standen hat, und das heikle Problem besteht nun darin, ob sich Deutschland über diese von ihm selbst anerkannten Grundfätze hin⸗ wegsetzen soll oder nicht. 5 Wenn ein unbewaffnetes Handelsschiff des Blockadebruchs über⸗ führt ist und die Unmöglichkeit vorliegt, es in einen deutschen Hafen einzubringen, dann darf es zerstört werden, aber nur unter einer Bedingung: die an Bord befindlichen Personen müssen zuerst in Sicherheit gebracht werden! Ein Untersecbot kann wegen seines engen Raumes die Besatzung des Blokade brechenden Schiffes nicht aufnehmen, es kann also die Bedingung nicht erfüllen, unter der die Zerstörung des Schiffes gestattet ist. Herr Wehberg aber schließt umgekehrt; weil das Unterscebot so wenig Raum hat, darf es die friedliche Besatzung eines unbewaffneten Hanbelsschiffes samt Frauen und Kindern ertränken. England hat dankt seiner günstigen strategischen Lage, die deutsche Schiffahrt unterbipden können, ohne zu solchen Maßregeln seine Zuflucht nehmen zu müssen. Die Notwehrstellung waltige moralische Nachteil, in den sich Deutschland ver⸗ setzen würde, wenn es die Ratschläge der Wehberg und Genossen be⸗ folgte. Dieser Nachteil wird noch verschärft, wenn man die geplanten äußersten Notwehrmaßregeln, wie Wehberg es tut, durch eine ge⸗ quälte Rabulistik als irgendwie„rechtlich begründet“ hingustellen versucht. Man gebe lieber zu, daß der Weltkrieg alles das, was man in früheren Zeiten als Recht und Moral bezeichnete, in Stücke geschlagen hat, daß nur noch der nackte Kampf ums Vereinbarung kennt, und daß alles erlaubt ist, was hilft. Auf diesem Wege käme man vielleicht dazu, ruhig zu überlegen, ob es wirklich möglich ist, mit Unterseeboten den englischen Handel zu unterbinden und wenn man zu dem Resultat gelangte, daß dies nicht möglich ist, würde auch der entschiedenste Verfechter jenes Ge⸗ dankens zur Einsicht kommen, daß er nur geholfen hat, die Leiden⸗ schaften aufzureizen und das neutrale Ausland aufzubringen, ohne sonst etwas Praktisches zu bewirken. Deutiche vor dem Krieasgericht in Casablauca. Genf, 15. Jan.(Ctr. Frkft.) Vor dem Kriegsgericht in Casa⸗ blanca begaum unter dem Vorsitz des Obersten Augistron, wie von dort dem Temps gemeldet wird, ein Prozeß gegen die Deutschen Karl Ficke, Nehrkorn und Grundler, die geheimer Vebbindungen mit dem Feinde, der Spionage sowie der Teilnahme an Aufstands⸗ bewegungen beschuldigt werden, mit denen sie angeblich die Pazi⸗ sierung Marokkos zu hindern suchten. Ficke ist außerdem wegen Beihilfe zur Desertion aus der Fremdenlegion angeklagt. Kohlennot in Frankreich. In Frankreich herrscht großer Kohlenmangel. In normalen Zeiten werden im Lande selbst rund 40 Millionen Tonnen innerhalb eines Jahres gewonnen. Der Bedarf aber beziffert sich auf über 60 Millionen Tonnen. Da die Eigenproduktion zudem zu drei Vier⸗ teln aus den jetzt von den Deutschen besetzten Gebieten des Nordens flammt, werden in diesem Jahre rund 50 Millionen Tonnen eier⸗ geführt werden müssen, soweit der Bedarf nicht infolge des Krieges zurückgeht Dies hat eine ungeheuve Spekulation zur Folge gehabt. Der Preis für englische Anthrazitkohle, die stark eingeführt ist, stieg in Paris von September bis Dezember von 41.65 auf 64,15 Fr. pro Tonne, also um über 50 Prozent! Im Kleinhandel wurden schon Preise verlangt, die 127,50 Fr. pro Tonne ausmachen. Dabei wird es immer schwieriger, überhaupt die erforderlichen Kohlenmengen borbeizuschaffen. Früher kann die Hälfte der fehlenden Kohlen aus England, die andere Hälfte aus Belgien und Deutschland. Diese Hälfte fehlt ebenfalls ganz, während die englischen Kohlenlieferanten auch aus jenen Ländern mit Bestellungen überhäuft werden, die früher ihren Bedarf mehr oder weniger aus Deutschland deckten. Inzwischen steigen die Kohlenpreise in gang Frankreich immer mehr. Die Arbeiterorganisationen und ihre Presse fordern daher energische Maßnahmen der Regierung zur Behebung dieser Kala⸗ mität, unter der die ärmere Bevölkerung schon sehr stark leidet. Eine russische Unwahrheit. Die russische Regierung veröffentlicht eine lange Dar⸗ stellung von angeblichen Mißhandlungen, denen rusiische Diplomaten und angesehene Privatpersonen nach Ausbruch des Krieges in Deutschland ausgesetzt gewesen seien während die Deutschen in Rußland ihren Verhältnissen ent⸗ prechend korrekt behandelt worden seien. Ein Kampf in Südafrika. Pretoria, 15. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Nach einer amtlichen Meldung besetzte der Kommandant van Vanzyl im 12. Januar Romansdrift, den Hauptübergang über den Oranjefluß nach dem deutschen Gebiet, rückte nach dem Nordufer vor, wo ein Kampf mit einer deutschen Patrouille stattfand. Die Deutschen zogen sich in nörd⸗ Deutschlands ist unverkennbar, ebenso unverkennbar aber ist der ge⸗ Dasein gilt, der keine Regeln der Menschlichkeit, der völkerrechtlichen licher Richtung zurück, wurden aber am Nachmittag zwei Meilen von Drift überrascht. Ein Deutscher wurde ge- tötet, ein zweiter verwundet und gefangen genommen. Der Rest zog sich gegen Sandfontein zurück. Die kranken Kanadier. London, 15. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Der Dailß Telegraph meldet aus Montreal: Die hartnäckigen Meldungen, daß in dem kanadischen Kontingent Englands die Meningitis und andere Krankheiten ausgebrochen seien, haben in Kanada große Beunruhigung hervorge⸗ rufen. Man ist vielfach der Ansicht, daß es besser wäre, das Kontingent nach der Front zu schicken, als es während der Ausbildung unter schlechten Bedingungen in England ruhm⸗ loser Krankheit und dem Tode auszusetzen. Amerikas Krieg lieserungen an die Feinde Deutschlands. In der Voss. Ztg. wird folgende Liste von Aufträgen, welche die Regierungen der Verbündeten bisher in Amerika erteilt haben, veröffentlicht: 5 1. Bei der Remington Arms Co. 200 000 Gewehre, Kaliber 309. und 100 000 Gewehre Kal. 7 Millimeter, nebst 13 000 000 Patronen. Bef der Bethlehem Steel Sorp. 40—50 Geschütze, Kal. 9,2 Zoll, nebst Protzkasten.(Ein Teil dieses Auftrages, 35 Bahn wagen füllend, im Werte von 2 Millionen Dollar, wurde bereits im Dezember über Vancouver auf dem Dampfer„Nomgoro 35 Wladiwostock verschifst). 900 Geschütze, Kal. 6 Zoll(Haubitzen) nebst dazugehörigen Protzkästen. Ablieferung muß innerhalb 18 Monate erfolgen. 5 g Bei der Colt Patent Firearms Mfg. Co., Hartford(Conn.) 50 000 Revolver und 1500 Maschinengewehve. Wegen weiterer größerer Aufträge stand die Firma Mitte Dezember noch in Unterhandlungen. 5 Bei der Du Pont Powder Co. Schießpulver für 12 Millionen Dollar, teils für Englands, teils für Frankreichs Rechnung. Bei der Union Metallic Cartridge Co. in Bridgeport(Conn.) drei Millionen Patronen wöchentlich für die französische Re⸗ gierung, sowie zwanzig Millionen Patronen, für England, da⸗ runter angeblich solche mit Weichkugeln, also eine neue Sorte Dum⸗Dum⸗Geschosse. 6. Bei der Autocar Co. 200 Panzerautomobile mit Maschinen⸗ gewehren ausgerüstet. 5 15 Bei der Wright Co. in Detroit(Mich.) eine größere Anzahl Flugzeuge.(Von dieser Bestellung sind bereits über Vancouver mit dem Dampfer„Nowgorod“ zehn Wagenladungen nach Ruß⸗ land abgeliefert worden. 0 Bei der Crucible Steel Co. Artillerie-Munition im Werte von zwölf Millionen Dollar, sowie 4000 stählerne Pfeile zum Ab⸗ werfen von Flugzeugen.. Bei diesen Bestellungen handelt es sich, wie die Voss. Ztg. schreibt, nur um solche, deren Eingang und Annahme zweifels⸗ frei festgestellt werden konnte. In Wirklichkeit sind die ein⸗ gegangenen und teilweise bereits ausgeführten Bestellungen auf Kriegsmaterial viel größer, was sich schon aus der ameri⸗ kanischen Ausfuhrstatistik ersehen läßt. Zweifellos haben die für England, Frankreich und Rußland bestimmten Kriegs- lieferungen erheblich dazu beigetragen, daß die November ausfuhr über Newyork auf 86 Millionen anschwoll, gegen 194 Millionen im Oktober, 150 im September und 110 Mil⸗ lionen Dollar im August, besonders da die Baumwollausfuhr noch nicht 2 Millionen Ballen in dieser Saison erreicht hat gegen rund 5 Millionen Ballen im selben Zeitraum des vorigen Jahres. Personenwechdel im Reichsschatzamt. Helfferich für Kühn. a Berlin, 15. Jan.(W. B. Amtlich.) Wie die Norddeutsche Allgemeine Zeitung von unterrichteter Seite erfährt, steht binnen kurzem eine Aenderung in der Besetzung des Reichs schatzamtes bevor. Der Staatssekretär Kühn leidet schon seit längerer Zeit an einer fortschreitenden gichtischen Erkrankung, die ihn mehr und mehr, auch in der Ausübung seiner amtlichen Tätigkeit hinderlich wird und den Gedanken an seinen Rücktritt nahelegt. Ee hat, wie selbstverständlich, nach Ausbruch des Krieges alle persönlichen Rücksichten zurücktreten lassen und weiter im Amte verharrt. Im weiteren Verlaufe der Dinge hat er sich jedoch davon überzeugt, daß er, wenn er die demnächst not. wendig werdende Neuordnung der Finanzen des Reiches nicht bloß vorbereiten, sondern auch abschließend durchführen wollte, noch eine Reihe von Jahren im Dienste verbleiben müßte, was sein Gesundheitszustand ausgeschlossen erscheinen läßt. Es müßte aber unter allen Umständen ver⸗ mieden werden, daß der Wechsel im Finanzressort im Laufe der zu erwartenden neuen Arbeit eintritt. Der Reichsschatz⸗ sekretär hat während der Anwesenheit des Reichs- kanzlers in Berlin im Dezember 1914 Gelegenheit ge— 1. nommen, diesem seine Erwägungen vorzutragen. Der Kanzler hat sich, so sehr er das Ausscheiden dieses ausgezeich⸗ neten und hochverdienten Mitarbeiters bedauert, dem Ge— wicht seiner Gründe nicht entziehen können und die Befür⸗ wortung des Abschiedsgesuches zusagen müssen. Als der Deutschen Bank Wirkl. Nachfolger ist der Direktor Legationsrat Prof. Dr. Helffer ich in Aussicht genommen. Wahrscheinlich wird seine Ernennung zum Staatssekretär so zeitig erfolgen, daß er bereits den Reichshaushaltsetat für 1915, der, wie bekannt, einen wesentlich formellen Charakter tragen wird, im Bundesrat und Reichstag ein⸗ bringen kann. Keine Illusionen. Im Hamb. Echo lesen wir: 2 Es ist von der auf sehr schwachen Füßen stehenden Opposition innerhalb unserer Partei mit Vorliebe behauptet worden, daß alle, die die Haltung unserer Reichstagsfraktion und die des größten Teils unserer Parteipresse billigten, sich in schwerer Selbsttäuschung befänden. Es würden Illusionen genährt, die nach dem Kriege große Enttäuschungen hervorrufen müßten. Da ist uns nun ein mit sieben Unterschriften(lauter Parteigenossen aus Hamburg und Um⸗ gegend) versehener Feldpostbrief zugegangen, dem wir das folgende entnehmen, weil es zeigt, wie wenig von solchen Illusionen. zum wenigsten bei unsern am Kriege aktiv beteiligten Genossen, die Rede sein kann. Der Verfasser, ein langjähriger Organisator un⸗ serer Partei, schreibt: Als der Krieg ausbrach, handelte es sich um das Sein oder Nichtsein unserer Nation, mit der auch wir standen oder fielen. Durch den Aufmarsch des rufsischen Heeres an unferer Ostgrenze kam uns die Gefahr einer russischen In⸗ vasion mit erschreckender Deutlichkeit zum Bewußtsein. In dieser Stunde mußte die Kriegserklärung kommen, mu ße die deutsche Nation einmütig das Schwert ziehen, mußten wir wahr machen, was wir so oft im Parteistreit mit unsern Gegnern betont hatten, nämlich, in der Stunde der Gefahr werden wir die Flinte auf den Buckelnehmen und unser Vaterland zu ver⸗ teidigen wissen. Wenn wir auch keine großen Kapitalfen unser eigen nennen und um diese fürchten müssen, so haben wir doch unser Heim, unsere Familie, die deutsche Kultur und nicht zu vergessen unsere politischen, gewerkschaftlichen und nofsenschaftlichen Organisationen, die wir in jahr⸗ zehntelangem mühevollem Ringen aufgebaut haben, zu schützen, zu verteidigen und zu erhalten. Im Hinblick auf diese proletarischen Errungenschaften sagen wir, wir sind stolz darauf und wollen sie uns erhalten, weil wir uns der Aufgaben bewußt sind, die wir für die Befreiung der Arbeiterschaft aus privatkapitalistischer Fessel zu erfüllen haben. In Konsequenz dieser Auffassung mußten wir die geforderten Kriegskredite bowilligen. An unserer gru ud⸗ sätzlichen Gegnerschaft gegen den Krieg wird dadurch nicht ein Jota geändert. Wir wissen uns auch frei von der Auf⸗ fasfung, da ßnach dem Kriege der proletarische Emanzipationskampf leichter wird. Der Krieg wird unzweifelhaft eine ganze Angahl kleiner bourgediser Eristenzen vernichten, ins Heer der Nichtsbesitzer hinabschleudern und die Konzentration des Kapitals beschleunigen. Dem dadurch konzentrischeven Willen des Kapitals gegenüber hat die aufstrebende Arbeiterschaft unstreitig einen schweren Stand. Trotz alledem herrscht hier nur eine Meinung darüber, daß die Partei und die Fraktion und unsere Presse nur so handeln konnte, wie sie gehandelt hat. Wenn jetzt einige Genossen uns„historisch⸗ökono⸗ misch“ begreiflich machen wollen, die Partei habe traditionell andere Wege zu wandeln, so haben wir für deren Auffassung nur ein ver⸗ ständnisloses Kopfschütteln. Die heilsamste Lehre für die superklugen Leute wäre, sie müßten die Gefahren das Feldes mit uns teilen, dann würden ihnen die aus mächster Näße gesehenen Verhältniste schon eine andere Meinung einbläven. Dann würde ihnen wohl auch zum Vewußtsein kommen, daß hier allgemeine und von der Nation— natürlich außer ihnen— wohl verstandene völ⸗ kische Interessen die Bewegungstendenz angeben, deren Er⸗ kennen aber wohl außerhalb ihrer Begriffssphäre liegt. Wir, die „verratene Masse“, verstehen, warum unfere Vertreter im Neichs⸗ tage so handeln mußten: wir sind selbst angesichts der Gefahr des 8 22 eventuellen Todes bereit, ibnen auf dem betretenen Weg e weiter zu folgen. Wir kennen ja auch nytdürftig unsern Marr und unser Programm und werden uns das feste Ver⸗ trauen zu unserer Sache nicht nehmen lassen. Trotzdem so mancher von uns durch den uns aufgedrungenen Krieg seine Existenz vollständig vernichtet weiß und beim Kriegsschluß vor dem Nichts steht, ist hier auch nicht ein einziger Genosse vorhanden, der unserer Fraktion aus ibrer Stellung einen Vorwurf macht. Im Gegenteil, wir sind alle der Ueberzeugung, daß gerade darin un sere bisherige Haltung sowie der Preßkommission für ihre nahme unsere volle Anerkennung aus. t lichung unserer Stellungnahme, damit die Genossen schen, daß wir der Entwicklung der Verhältnisse in der H i gegenüberstehen. und Weizen, allgemein verboten. Teilen Deutschlands eine starke Verfütterung von Hafer an Rindvieh und Schweine eingesetzt. Dies erscheint im Inter⸗ esse der Erhaltung genügender Hafervorräte für die Bedürf⸗ nisse des Heeres, zur Aussaat und zur Ve Lande befindlichen Pferde nicht unbedenk wendung anderer Futtermittel und, soweit fügbar sind, durch Einschränkung der ohnehin im Verhältnis zu den Futterbeständen reicht werden, bestimmungen erhalten bleibt. ein allgemeines Verbot andere Tiere als an Pferde in Erwägung gesogen. wird uns von dort geschrieben: waren bisher die drei Hansestädke Hamburg, Lübeck, Bremen und das Fürstentum Lübeck von der Verhängung des verschärften Kriegs⸗ zustandes befreit geblieben. stellvertreten Verfassung für alle behör fammlungen be können auch polizeili aufgelöst werden. schriften nicht aus Mißtrauen gogen erkassen seien, sondern deshalb, weil sonst die Bevölkerung der an⸗ deren Teile des Kriog der Landesverteldigung gleichmäßige Behandlung unserer Partei Wahlkreis dazu erforderlichen Versammlungen ist bereits erteilt. botenen können wieder stattfinden unter den Bodingungen, verschärften Kriogszustand gegeben sind. haben einen Erlaß hinausgegeben, wiesen wird, daß überall da, wo ein Ersatz des Petroleums durch andere Beleuchtungsmittel möglich ist, der Verbrauch von Petroleum schließlich ganz eingestellt werden muß. Als Ersatzmittel kommen neben Kerze und Spiritus in Frage: elektrische Beleuchtung, Steinkohlengasbeleuchtung, Luftgas⸗ beleuchtung, schließlich betont, daß Mangel an Installationsmaterial nicht mehr vorhanden ist, nachdem ein Ersatz für Kupferleitungen gefunden wurde. noch nicht. Stärke liegt, und daß wir erst dadurch das im Felde so not⸗ wendige absolute Vertrauen zueinander gefunden haben. * teile dieses Zustandes wird die Parteibewegung später ern⸗ läßt sich im Augenblick nicht 5 f j 1 en Ansehen unserer Parteiorgane, hier unserm gut redigierten„Echo“. verbundene Vorstoß der deutschen Truppen die Energie d Wir befinden uns im vollen Einverständnis mit un⸗ ten: fetzt äußern sie sich schon in dem steigend serer Parteileitung und sprechen unserm Echo für seine 5 8 i* Afraja. Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. Aber auch unter den Jünglingen, die in ihren neuen braunen Jagdhemden umherstreiften, breite Gürtel mit Silberschnallen und Beschlägen um den Leib trugen, ihre Mützen mit Adler⸗ und Skarvenfedern besteckt hatten und ihre schwarzen Locken fliegen ließen, gab es mehrere, welche stattlich und wohlgefällig aussahen. Etwas Wildes und Sonderbares hatten sie zwar alle, und ihre blitzenden Augen flogen scheu umher, doch manche Gestalt war schlank und fest, und der wackelige Gang, wie die abgemagerteg gebogenen Beine, die den Lappen meist eigen sind, waren ihnen nicht anzusehen. Manche dieser jungen Herren brachten Gegenstände zum Verkauf, doch waren es nur Kunstsachen Sie boten kleinere und größere Taschen feil, allerliebste Körbchen, Kragen und Ueberwürfe, verfertigt von den feinsten Federn verschiedenartiger Vögel, und oft von so glänzender Farbenpracht und in so vielen harmonischen Schattierungen, daß sie ein Künstler nicht schöner wählen und zusammenstellen konnte. Mitten in der Beschäftigung, unter allen diesen vor— handenen Herrlichkeiten zu wählen, traf Petersen mit Ilda und ihren Freundinnen zusammen. Er hatte sich durch das dichteste Gewühl der Lappen gedrängt, auch mitten durch den lauernden Haufen der Büchsenschützen, die zu dem verhaßten Sorenskriwer aufstarrten, der weit über ihre Köpfe fort sab und sie rechts und links zur Seite stieß. Keine Hand rührte sich, kein murrender Ton ließ sich hören. Paul Petersen sah hohnvoll darauf hin, als wüßte er ihre Gedanken, aber er kannte auch ihre Feigheit. Wo sein Blick traf, ging er bis in ihre Herzen und brachte Furcht und Zittern hervor. Er war heut in seiner Amtstracht, dem blauen Rock mit goldgesticktem Kragen. Sein Haar war mit einem Bande ge— 161 verschiedene Die Vo r⸗ Stellung⸗ Wir bitten um Veröfsent⸗ cht gleichgültig Mit Parteigruß!(Folgen Unterschriften.) Bevorstehendes Haferverfütterungsverbot. Seit November v. J. ist die Verfütterung von Roggen Seitdem hat in vielen Heimat ni rsorgung der im lich. Durch Ver— diese nicht ver⸗ übergroßen Viehhaltung muß er⸗ daß der Hafer seinen wichtigeren Zweck⸗ Demgemäß ist, wie wir hören, der Verfütterung von Hafer an oézustand in Hamburg. Zum verschärften Krie Im Bereiche des 9. Armcekorps Jetzt sind laut Bekanntmachung des den Gereralkommandos zu Altona auch hier die betr. hte aufgeheben, nan eine einheitliche Rechtsgrundlage ichen Maßnahmen im Korpsbezirk zu schaffen. Ver⸗ dürsen von nun an der behördlichen Genehmigung, ich überwacht und ohne Angabe von Gründen Erläuternd wird dazu bemerkt, daß diese Vor⸗ die Bevölkerung oder die Presse seziuls, wo diese Vorschriften im Interesse zon früher erlassen waren, sich über un⸗ boschweren könnten. Die Vovbeveitungen Reichstagsersatzwahl im 3. Hamburger Die Genehmigung der die für se dadurch nicht gestört. werden Auch die kürzlich von der Hamburger Polizei irrtümlich vel⸗ Bezirksversammlungen der sozialdemokvatischen Partei die durch den Erfjatz für Petroleum. Die preußischen Minister des Handels und des Innern in dem darauf hinge— Azetylenbeleuchtung. In dem Erlaß wird 5* Der Sieg von Soissons. Preßstimmen. Der gestrige Bericht der Obersten Heeresleitung gibt den Blättern Veranlassung, die Bedeutung des Sieges von Soissons zu besprechen. die Zahl der Gefangenen un zum ersten Male seit Wochen schritt der Kämpfe im großen Stile errungen worden ist.— In Rundschau heißt es: Wichtiger als d Gefallenen ist die Tatsache, daß hier im Westen ein weithin sichtbaxer Fort⸗ In der Täal. der Post wird hervorgehoben, daß die Franzosen es sicher nicht an verzweifelten Austrengungen fehlen lassen werden, einen deutschen Durchbruch der Front zu verhindern. Die Niederlagen vom 12. bis 14. Januar aber hätten ihre Aussichten wesentlich verschlechter.— Der Berliner Lokalanzeiger meint, die französtsche Stel⸗ und der Einfluß des den Argonnen fühl⸗ bar machen. Durchbrochen aber seien die französischen Stellungen ob von den Franzosen noch viele Stöße ausgehalten würden.— Der Vor⸗ lung werde dieser Sieg schwer erschüttern Sieges werde sich bis Reims und selbst bis zu Eine andere Frage aber freilich sei es, wärts sagt: Welche strategische Bedeutung dem Siege zukommt, '0 0 übersehen. Jedenfalls aber beweist der erfolgreiche und mit seinen großen Verlusten für die Franzosen Heere Blöß ee AT r nde i deutschen 3 i er deutschen rung des offenen Landes, die in skeitung und ihre Fähigkeit in der Ausnutzung der feindlichen reich ist, ist noch ganz unbekannt. gebe 1 Munitionsmangel bei den Feinden Bern, 16. Jan.(T. U) Nach einer aus bestunterric Quelle kommenden Mitteilungen leidet Frankr vdereits unter ernstlichem Mangel an Mu ni 15 für schwere Artillerie, weil es mit falschen Vora setzungen für die Anwendung dieser Waffe in den Krie gangen ist. Der Verlust an Munition stellte sich nach d Mittel der ersten beiden Kriegsmonate wesentlich höher, ursprünglich vorgesehen war. Zur Abhilfe des Mang mußte Frankreich sich an Am erika wenden, von wo wenigen Wochen 42 große Drehbänke zur Herstellung schwe Munition eingetroffen sind. 5 5 Wien, 16. Jan. Ein in Uszok eingetroffener russ scher Offizier teilt mit, das 30. Kiewer Korps, das bei Us tand, sei mit Artilleriematerial und Munition aus Japan versorgt worden, da die eigene Munition ausgegangen ei. Die Putilowwerke können den Anforderungen an Artilleris material nicht mehr nachkommen, was zum Teil daran liegt daß viele Fabrikabteilungen von deutschen Ingenieuren jetzt interniert sind, geleitet wurden. a ö Die po itische Siluation in Frankreich. Brüssel, 15. Jan.(W. T. B. Nichtamtlich.) Ein franzö⸗ sischer Mitarbeiter der Baseler Nachrichten schreibt über parlamentarische und politische Lage Frankreichs, daß d politischen Gegensätze nicht etwa geschwunden seien, wen auch bis jetzt verhindert werden konnte, daß sie vor die breite Oeffentlichkeit gelangten. Es sei nicht zu bezweifeln, daß sich das Parlament alle Mühe geben würde, auch während der ordentlichen Tagung nach Außen hin das Bild einer ge schlossenen einigen Versammlung zu bieten; aber wenn diese Absicht lange durchgeführt werden solle, sei dafür unendlich sowie der feste Wille 3 insbesonde kreichs ihre Die Meldungen waren zu Anfang so zahlreich eingela daß eine vollständige Brigade geschaffen werden kon dung einer zweiten Brigade, die beabsichtigt war, k zustande, da nicht genügend Meldungen einliefen. Die Belagerung von Przemysl. ö Wien, 16. Jan.(T. U.) Wie die Neue Freie Presse be ⸗ richtet, treffen täglich aus Przemysl drahtlose Melgungen ein. Danach haben die Russen bei ihren Angriffen gänzliche N Mißerfolge gehabt. Die Beschießung wird im allgemeinen träge ausgeführt. Die Artillerie hält sich an der Grenze dez Feuerbereichs. Die Versuche, die Einschließung zu verengern, scheiterten an dem heftigen Widerstand der Besatzung, die den Gegner ohne Unterlaß beunruhigt und täglich Gefangene macht. Ein Versuch, schwere Batterien im Vorfelde auf stellen, wurde durch einen wohlgelungenen, vom Artille feuer der Forts unterstützten Ausfall vereitelk. Nach gaben russischer Offiziere betragen die russischen Verluste f der zweiten Einschließung ungefähr 25000 Mann an Toter Verwundeten und Kranke. d war. eingesetzt. Die Samm des Beben dauert foctl. Die seismographischen Instrumen Rom verzeichneten in 22 Stunden bis gestern 49 Schwankung übereinstimmend mit den Instrumenten im Albanergebirge, in Monte Cafsino, Benevent und Ischig. Das Schicksal der Bevd 1 ie in der betroffenen Gegend recht zah Hilfe wird dort bis jeßt v ersehnt und erwartet. ö saß als die Seite trug er, Stoßdegen. Für beit an, und nun erst wird etwas draus. besseres als das?— Ist kein reicheres, größeres Geschenk auf dem Markt?— Der Kragen gefällt mir nicht. Ist keine ge⸗ schicktere Hand in euren Gammen, die eine prächtigere Arbeit liefern kann?“ Es hatte sich ein dichter Kreis um die Gruppe gebildet, der dem Handel zuschaute. Im Augenblick rief aus der hintersten Reihe eine laute Stimme den Namen:„Mor- tuno!“ Der Ruf kam so plötzlich und ward hinter Petersens Rücken so grell hervorgestoßen, daß dieser sich bestürzt umsah, und jetzt ließ er den Kragen fallen und blickte nach der nahen Kirche hin, denn von dort her kam ein Geschrei und ein selt⸗ samer Zug; ein Haufen Menschen— Lappen, die etwas trugen, das auf einer Bahre lag. Paul sah weniger darauf wie auf die Männer, welche an der Spitze gingen, und ein boshafter Triumph, ein Schrecken zugleich, füllte seine Augen; wilde Freude blitzte darin auf, denn der eine der⸗ selben war Afraja, der andere Marstrand. Er stieß zurück. wer ihm entgegen stand, und eilte zu dem Gerichtsplatz in der Mitte des Marktes. Da stand das bedeckte Amtszelt des Vogts mit seinen Schranken und der Urteilsstätte, und hier bunden und mit Puder bestreut; auf feiner wulgigen Locken sammelter sich rasch die Freunde und Vertrauten des Soren⸗ skriver. Die Ankunft des gefährlichen Lappen ging von Mund zu Mund; Petersen war bereit, ihn zu empfangen. Mit seinem Oheim, dem Vogt, hatte er kaum Abrede geno men, als der sonderbare Zug erschien. Schweigen hatte eingestellt, die Käufer stoben auseinander, die nordische Kaufleute und ihre Gehilfen verließen ihre Warenlager, Lappen standen mit offenen Mäulern und starrten ihrer Propheten an. Alle folgten und drängten sich um die Halle, und alle Blicke richteten sich auf den alten hinfälligen Mann. der von dem Gaardherrn vom Balsfjord unterstützt wurde. Ein Normann, einer von der herrschenden Kaste, der einen Lappen die Hand gibt und an seiner Seite geht, war über. haupt ein Anblick, der bei dem einen Teil Stirnrunzeln, bei. dem anderen Erstaunen und Freude hervorbrachte.— Hinter den beiden Männern gingen ein Dutzend andere don Afrajas Stamm und Geschlecht. Vier trugen die umhüllten! Stangen einer Bahre, die übrigen folgten mit gesenkten! Köpfen, und den Beschluß machte eine Anzahl Hunde, die mün eingekniffenen Schwänzen hinterher schlichen. 5 Als Afraja auf den Stufen stand, nahm er seine ab und faltete seine knochigen Hände. i 1 0 Er beugte sich tie nieder und hob seinen grauen Kopf zu dem Sitze auf, m. der Vogt saß. Seine roten trüben Augen erhielten 21 einen plötzlichen Glanz, als er den Schreiber erblickte, u indem er seinen mageren Arm ausstreckte, rief er plötzl. „Wo hast du sie, wo hast du mein Kind? Gib sie herauß wohin hast du sie gebracht? Ist sie hier, so laß sie mich sehen! Sei barmherzig, sei barmherzig mit mir!“ 15 „Was soll das sein?“ fragte der Vogt, der sein b Gesicht grimmig faltete.—„Klagst du? Gut, wir haben auch zu klagen. Kommst du zum Gericht? Das Gericht ev. wartet dich.“ i „Ich klage, Herr, ja ich klage,“ sagte der alte Ne demütig, doch ohne eingeschüchtert zu sein.„Mein g mir geraubt, Räuber haben meine Gamme geplünder sortgeschleppt, was sie fanden, und nicht genug Mortuno—“(Fortsetzung — 2 — ——B. cn. 1 N 0 1 atan ig jeuteß, reich. zin fm t üben „ dg ien, de r die bie n, daß. herd h. f ganze die Ir 16. dichtet, gion geln! ane ö eingelez g te. Dit m aber 0 l. ie Preseh Melzur sen gag allgeme N Grenz u vereng ung, die Gefart selde an m Arttilg Nach! Verlust in an d sen sich t Rom k de. Die ate auf) 25 0h K chen erz ing jeh h sernde 2 zeichtes 1 Jnstrunm 1 Hessen und Nachbargebiete. Gießen und umgebung. Hessische Vermißten⸗Ermi i istten⸗Ermittelung.(Ein Aufruf an Gramgebeugte.) Die Braunschweiger Landeszeitung f vom 2 Write daß dort auf Anregung eines Real— 0 ie Angehörigen der im Herzogtum als vermißt gemeldeten Krieger sich zusammengeschlossen haben, um e. meinsame Schritte zur Auffindung der Vermißten zu 1 nehmen. Da nun, wie im ganzen Vaterlande, auch bei uns in Hessen die bange Sorge um das Schicksal zahlreicher ver⸗ mißten Vaterlandsverteidiger schwer auf vielen Familien lastet, soll hier der gute Gedanke ebenfalls verwirklicht und der Weg des Zusammenschlusses eingeschlagen werden. Dies ist umsomehr geboten, als die seitherigen Bemühungen der zuständigen Stellen sehr oft erfolglos waren. Gerade in letzter Zeit ist nun so mancher Brief eines bisher Vermißten eingetroffen, über den vorher in Berlin, Basel, Genf Bordeaux usw. nicht das geringste in Erfahrung zu bringen war, trotzdem die Absender sich seit Monaten in Gefangen⸗ schaft befinden. Um zunächst einen Ueberblick über die zu leistende Arbeit zu gewinnen, werden alle betroffenen Familien im Großherzogtum hiermit gebeten, uns ihre Adresse und die Feldpostadresse des Vermißten, sowie Zeit und Ort des Vermißtseins(Gefecht bei„„„?) schriftlich auf Postkarte miteilen zu wollen.— Der vorbereitende Ausschuß: J. A. Schupp, Rechnungsrat a. D., Darmstadt. Der Deutsche Städtetag zur Petroleumnot. Der Vor- stand des Deutschen Städtetages hat an das Reichsamt des Innern eine Eingabe gerichtet, worin er wiederholt um die Einführung des Deklarationszwanges für das in Deutsch⸗ land vorhandene Petroleum bittet. Nur durch genaue Fest⸗ stellung aller vorhandenen Bestände könne eine sachgemäße Verteilung des im Inlande vorhandenen Petroleums sicher⸗ gestellt werden.— Von sachkundiger Seite wird behauptet, daß ganz enorme Petroleumvorräte vorhanden sind, die mit Absicht vom Markte ferngehalten werden. 1 Faule Kartoffeln. Aus der Wetterau wird berichtet, daß dort die Kartoffelfäule in erheblichem Maße auftritt, weil die warme und feuchte Witterung die Verbreitung des Fäulnispilzes begünstige. Man sei damit beschäftigt, die Kartoffeln auszulesen und Vorkehrungen gegen das weiters Umsichgreifen der Fäulnis zu treffen.— Wenn Nahrungs: mittei zu grunde gehen, so ist das das stets zu bedauern, noch mehr in der jetzigen Zeit. Denkt man aber an den Herbst zurück, wo viele Bauern nicht zu bewegen waren, die Kar⸗ toffeln auf den Markt zu bringen, um dadurch die Preise auf eine unerhörte Höhe zu treiben, so löst es beinahe Genug— tuung aus, wenn sie jetzt für ihre Habgier bestraft werden. Hätten die Kartoffelzüchter sich damals mit einem Preise be⸗ gnügt, der recht und billig war, so wären sie besser damit gefahren, als wenn ihnen jetzt die Hälfte verfaulen und sie noch viel Arbeit damit haben.— Das beste wäre ja gewesen. wenn alle Vorräte beschlagnahmt worden wären, dadurch wären sie vielleicht der Gesamtheit erhalten geblieben. Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Wehrmann Karl Bernhardt aus Waldgirmes, Res.⸗Inf.⸗ Regt. Nr. 83.— Wehrmann Wilhelm Steinbach aus Burgsolms, 1. Garde⸗Feld⸗Art.⸗Reg.— Freiw. Wilhelm Neeb aus Dorlar, Inf.⸗Regt. Nr. 135.— Gefr. Otto Klaus, Jägerbataillon Nr. 11; Res. Otto Dickert, Inf. Regt. Nr. 116, beide aus Unterschmitten.— Musk. Ferdinand Michel aus Mittel⸗Seemen, Inf.⸗Regt. Nr. 168.— Wehr⸗ mann Wilhelm Hildebrandt aus Wölfersheim, Res.⸗ Inf.⸗Regt. Nr. 116. — Turkos und Deutsche im Schützengraben. Der stimme schreibt ein Genosse:„Friede auf Erden!“ Wort, nach dessen Erfüllung die Sehnsucht hier groß Borg. Arbeiter⸗ Das ist das ist! Wir haben es gestern(am ersten Weihnachtstage) nachmitt doch so weit ge⸗ bracht, daß wir bier mit dem feind ichen Graben einen Waffen⸗ Gestern morgen haben uns die stillstand machen konnten. länder noch mit Minen und Granaten beworfen. nachmittags h Die Sger, die rechts von ums liegen en wollten, konnten sich, als die Gegner en und Zeichen soweit mit den Schützer dig Feuer eingestellt wurde. Es sprach sich schnell durch unsere Kompagnie, und bald wurde auch hier micht mehr geschossen. kam so weit, daß wir uns den Gegnern näherten und ihnen die Hände reichten. Unser Unteroffizier, ich und einer von Velbert b en uns oben 9 die Deckung, winkten mit der Mütze und kamen so bis an die heran beerd durch W rotzdem diese mit ungs noch Angst zu Wir teilten ihnen von Wurst an f haben, kamen uns aber unseren Zigarven, unserem sie uns mit einem guten Kog Leu gutgenähr eas mit ihren schönen braunen Gesichtern, a1 schrecklich vor Kälte, trotzdem sie dicke Mäntel trugen. Dagegen liefen die Unsrigen ohne Kopfbedeckung und in Unterjacken. Als wir auch diesen Leuten mit freundlichen Mienen entgegengingen und ihnen Liebesgaben ze gten, nahmen sie diese mit großer Freude an und drückten uns die Hä de wie Brüder. Die armen Teufel batten meist nur ungesalzenen Kakes als Nahrung. Vor unseren Geschossen schbenen sie Augst zu haben. Sie gaben zu verstehen, wir sollten in die Luft sch ehen, sie würden dasselbe tum. Wir kamen später nicht mehr zum Schießen. Die rkos schossen. och in die Lust. Vei den Turkos waren nur e rige englische Offiziere, die den Besehl zum Schiessen gaben. Syäter sind wir mit den Turkos noch zwischen den Gräben auf und abgegangen und haben mit der Ziehharmonika Weihnachtsmusik gemacht. Das Gold im Strumpfe. Tragt das Gold 5 1 Reichsbank! Die Minderbemittelten solgten diesem Rufe de Vaterlandes und brachten das Gol ein, das sich in ibwe Ka 0 verirrt hatte, zur Sammoelstelle des Ne iches. Die Belüörden wiss ö aber wohl, daß noch mancher große Geldsack gefüllt ist, sie haben aber keine Mittel, d'esen Goldl'ebhabern zwangsweise ein wenig, 11 7 0 bürgerliches Pflichtgefüßl beizubringen. Und manchmal wersteckt 1 Habfucht und Geldgier hinter dem Mantel den Fame ane Armut! Am 4. Januar starb in München der Kurat 5 1975 ae ner. Er auntierte als katholischer Geistlicher an der 8 Na und galt allgemein als ein Mann, der in ärmlichen e lebte. Nach seinem Tode fand mau in seiner Woßungg ein 3 15 mögen von 110 000 Mark, darunter 50 000 Mark in Gold! 5 5 90 15 „glaubensstarke“ Presse brachte die Aufforderung, 5 ee 1 zur Reichsbank! Kurat Hfitiner war offenbar Leser 8 1 aber er scheint ihrem Inhalte nicht geglaubt zu halben, 100 l hätte er doch ihrer Mahnung Folge geleistet.— Die Reichs bau ba 58 ihr Gold. Jetzt wird sich wohl auch noch der Staat rühren und die Steuerverhältnisse des Verstorbenen nachsehen lassen. 1 5 — Musterpatrioten. Im Frankfurter Parteiblatt lesen 5 Sehr oft wöbvend dieses Krieges konnte man die Beobach ung worauf Die Leute, alles dicke, zitterten wak erfreuten. 0 machen, daß gerade in soschen Orten, wo der Patriotismus im Friedenszeiten Purzelbäume schlug, jetzt vielsach das Gegenteil da⸗ von zu beobachten ist. Ein treffendes Veispiel hierfür bietet eine Notiz aus Melbach im Oberh. Angeiger(das Amtsblatt des Kreises Friedberg), sie lautet: Melbach.„Vaterlanbsliebe“. Ein hiesiges Miaglied vom Flottenverein, nebenbei bemerkt ein reicher Mann, weigert sich, seinen Jahresbeitvag von sage und schreibe ganzen 2 Mark zu bezahlen, da sein Sohn im Felde steht. Man muß wissen, daß Melbach nie eine sozialdemokratische Ver⸗ sammlung gesehen hat, weil dort kein Lokal zu haben ist, und den⸗ noch, vielleicht auch deshalb, ein solches Vorkommnis. Handelt es sich etwa um denselben veichen Bauer, von dem erzählt wird, daß er seiner Frau, als diese an den Sammler des„Roten Kreuzes“ 50 Pfennig geben wollte, gesagt habe:„Geab näit so väll, zwanzig Fennig seih aach genunk, wann woas iwrig bleibt, versäuft dersch!“ Sollte ez sich aber um einen anderen handeln, dann ist der Fall um so bezeichnender. — Für einen besseren und edleren Kampf als das ge enseitige Abschlachten im Kriege tritt das Zentwalorgan umserer italienischen Parteigenossen, der Avanti(Vorwärts), ein. Es schreibt, wie der Frbft. Itg. telegraphiert würd, zu der furchtbaren Erdbeben⸗Kata⸗ strophe in Mittel⸗ Italien:„Dieses schveckliche Unheil, das— während noch die Provinzen Eaglabrien und Sizilien von den ihnen vor sechs Jahren geschlagenen Wunden nicht genesen sind— auf den, armseligen Teil Italiens hereingebrochen ist und nach Hunderten und Tausenden seine Opfer unerbittlich und plötzlich niedermäht, ruft die Menschen in Italten zur Wirklichbeit zurück, rüttelt sie aus ihrem bösen Traum, löscht ihre verhängnisvollen Leidenschaften und ihre mörderischen Gelüste aus. Jetzt ist ein anderer Krieg zu kämpfen. Es sind feindliche Kräfte der Natur vorhanden, die umsere Existenz gefährden und unsere Zukunft bedrohon. Gegen diese Kräfte ist der Kampf schön und heldenhaft. Gedanken und Taten der ziwili⸗ sierten Menschhot müssen sich diefem Kampfe zuwenden. Flüsse sind zu kanalisteren. Berge aufzuforsten, endlos brachliegendes Gelände fruchtbar zu machen, aume Dörfer, die eine übermenschläche, unbe⸗ kannte Kraft dann und wann erschüttert und zu Boden wirft, sind mit den Vorkehrungen zu versehen, die die Wissenschaft anrüt: das ist die odolste und höchste Aktion, die Italien zu vollziehen hat. Hier sind die köchsten Opfer notwendig, hier kann das heiligste Helden⸗ tum gezeitigt werden. In der houtigen Katastvophe ist eine große Lehre enthalten. l Zurückhaltung in den Gesuchen gegen Kriegsmaßregeln. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schretbt:„Es ist unvermeidlich, daß Maßregeln, die im Interesse unserer Kriegsführung getroffen werden, für den einzelnen in vielen Fällen Unbequemlichkeiten, ja Härten mit sich bringen. Infolge davon werden die zivilen und le flitärischen Zentralbehörden in dieser Zeit mit einer Flut von Gesuchen um Durchbrechung jener Maßregeln überschwemmt. So⸗ weit sie von Ausländern ausgehen, die ohne ihre Schuld und ohne sich am Kriege beteiligen zu können, in Deutschland festgesetzt wer⸗ den mußten oder sich einer scharsen Polizeiaufsicht unterworfen haben, sind die Gesuche noch am ehesten zu verstehen; von den Aus⸗ ländern kann eine freiwillige freudige Uebernahme von Opfern für unser Vaterland nicht erwartet werden und soweit ihre Eingaben sich mit den eigenen Interessen der Deutschen verbinden, werden sie guch nach Möglichkeft berücksichtigt. Indessen ist auch in solchen Fälken Vorsicht und Zurückhaltung geboten. Denn seit dem Be⸗ kanntwerden einzelner Bewilligungen bemühen sich fast alle Gesuche in manchmal recht weit hergeholter Weise darzutun, welche be⸗ deutenden deutschen Interessen preisgegeben würden, wenn zum Beispiel in England eine Serie angekündigter Konzerte nicht sbatt⸗ finden könne. Solange die Eingaben von Ausländern kommen, die nebenbei bemerkt, früher meist Deutsche waren und aus rein ge⸗ schäftlichen Interessen ihre Staatsangehörigkeit preisgaben, ist es leicht, sie einheitlich einer zweckentsprechenden Entscheidung zuzu⸗ führen. Manchmal werden sie auch Gutmütigkeit, Gefälligkeit oder aus geschäftlichen Gründen aber auch von Deutschen unterstützt und die Entscheidung fällt dann um so schwerer, als es fast nie möglich ist. die Wahrheit der gemachten Angaben nachzuprüfen. Zweifellos wird dabei sehr viel übertrieben dargestellt, aber oft mag auch die berechtigte Sorge um die spätere Existenz bei dem Gesuchsteller die Feder führen. Am schwersten verständlich in unserer ernsten Zeit ind diejenigen Gesuche, die aus bloßer Unüberlegtheit oder in dem Gefühl eingereicht werden, daß am Ende jetzt nicht alles so streng nachgeprüft werden könne und daß man mit seinen Wünschen viel⸗ leicht doch durchdringen könne. Beispielsweise bitten manche Frauen um die Exlaubnis zum Besuche ihrer Männer in dem Operations- oder Etappengebiet, wobei gewöhnlich die Besprechung wichtiger Familienangelegenheiten als Beweggrund angeführt wird. Die Sehnsucht nach ihren Lieben im Felde teilen die Gesuchstelle⸗ rinnen mit allen deutschen Frauen. Die meisten machen sich aber nicht klar, daß Besuche au der Form in großem Stil ein Ding der Unmöglichkit ist, daß sie den Lauf der Heeresmaschine zu hemmen imstande sind, und daß die deutsche Frau nicht auf den Kriegsschau⸗ platz gehört, es sei denn als Pflegerin. Viel zu stolz müssen unsere deutschen Frauen sein, um in dieser Zeit des allgemeinen Opfer⸗ bringens für sich Bevorzugungen und Vergünstigungen zu erstreben, an die ärmere Schicksalsgefährtinnen überhaupt nicht denken können. Also Zurückhaltung in allen an Behörden gerichteten Gesuchen, die nur unnötige Mehrarbeit verursachen und dem ganzen dadurch schaden! Kopf hoch, Stolz in die Brust und das Bewußtsein ins Herz, daß es heißt,„Opfer bringen“ zum Wohle des Ganzen, nicht aber die eigenen Wünsche erfüllen! Je höher man steht, desto mehr Kraft muß man haben zu entsagen und unserem Volke hierin ebenso Führer zu fein, wie unsere tapferen Offiziere im Felde ihren Mannschaften gegenüber es sind.“ Die Anmeldung zur Stammrolle hat nach der Wehrordnung jeder militärpflichtige Deutsche zu erfüllen. Ausreden, daß man dienstuntauglich aus irgend welchen Gründen sei, können erst vor⸗ gebracht werden, wenn wirklich eine Einberufung erfolgt. So hatte sich ein Dienstknecht vor der Darmstädter Strafkammer zu verant⸗ worten, der vom Schöffengericht zu einer Geldstrafe von vier Mark verurteilt worden war, weil er der wiederholten Aufforderung, sich trotz seiner 38 Jahren zur Stammrolle seines Ortes zu melden; nicht nachgekommen war. Er war s. Zt. vorläufig zurückgestellt worden, und mußte sich jetzt melden. Obwohl er sich auch jetzt auf seine angebliche Erkrankung seines rechten Armes berief, mußte die Berufung kostenfällig verworfen werden, da die Anmeldung mit der eigentlichen Einberufung nichts zu tun hat. Nun hat er auch noch die Kosten der zweiten Instanz zu tragen, Die nächste Pfundbrief⸗Woche. Feldpostbriese nach dem Feld⸗ heer im Gewicht über 250 Gramm bis 500 Gramm werden für die Zeit vom 1. bis einschließlich 7. Februar unter den bekannten Be⸗ dingungen von neuem zugelassen. Die Gebühr beträgt 20 Pfg. Abhilfe gegen die Nickelknappheit, über die zur Zeit im Geld⸗ verkehr geklagt wird, ist leicht geschaffen. Während das Gold zur Deckung der Reichsanleihen in der Reichsbank zusammengehalten wird, dient das Nickelgeld keinen Deckungszwecken, wird daher auch von keiner amtlichen Stelle zurückgehalten. Dagegen liegen Mil- lionen von Zehnpfennigstücken in den Automaten, in den Sammel- büchsen des Roten Kreuzes usw. begraben. Die Befolgung der Aufforderung, die Gas⸗ und anderen Automaten, sowie die er⸗ wähnten Sparbüchsen häufiger, als es bisher geschieht, zu leeren, und die Unmengen von Nickelmünzen dem Verkehr wieder zuzu⸗ führen, wird der Kalamität im Handumdrehen ein Ende machen. — Die Auszahlung der Familienunterstützungen. für 16. bis Ende Januar an die Angehörigen der zum Heeresdienst Einberufe⸗ nen findet noch Dienstag, den 19. Janwar umd Mittwoch. den 20. Fanuar, vormittags von 8—1 Uhr im Stadthaus Zimmer Nr. 16 statt. — Die„Fünfziger“. Bekanntlich pflegen in Gießen die Alters⸗ genossen, die im laufenden Jahre 50 Jahre alt werden, dieses Er⸗ eignis gemeinsaum zu seiern. Dieser schönen Sitte will man auch in diesem Jahre treu bleiben, wenm auch die Veranstaltungen, den Zeit⸗ verhältnisson entsprechend, sich in bescheideneren Rahmen bewegen sollen als in früheren Jahrem. Um das Erforderliche vorzubereiten, kamen am 9. Januar die Altersgenossen im Cafe Amend zufommen, wobei der vorbereitende Ausschuß gewählt wurde. Als Vorsitzender wurde Herr Kaufmann Fr. Jondan bestimmt. Ferner wurde schlossen, am 23. Jammar im gleichen Lokale eine weitere Versamm⸗ lung abzuhalten, in der weiteres beschlossen werden soll. — Was ein Wetter! Ununterbrochen gehen die Neqenschauer nieder. Jeden Tag dasselbe! Die Wieseck ist infolge des Nogens bereits wieder erheblich gestzegen. An verschiedenen Sträuchern hne man die Knospen bereits hervorbrechen. — Der frühere Direktor des Gießener Gas⸗ und Wasserwerks, Otto Bergen, ist am Freitag im Alter von 75 Jahren ge st ov⸗ ben. Er befand sich seit einer Reihe von Jahren im Ruhestande. Stadttheater Gießen. Spielplan. Dienstag, den 19. Jamuar, abends 8 Uhr, 9. Dienstag⸗Abonnements⸗Vorstellung:„Johammis⸗ feuer“, Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann. Ende nach 10% Uhr. Gewöhnliche Preise(er t).— Freitag, den 22. Januar, abends 8 Uhr, 8. Freitag⸗Abonnements⸗Vorstellung: „Weh dem, der lügt“, Luftspiol in 5 Aufzügen von Franz Grill⸗ parzer. Ende gegen 11 Uhr. Gewöhnliche Preise(ermäß et).— Samstag, den 23. Januar, m gs 3 /, Schüler⸗Vorstellung: „Wallensteins Tod“, ein dramitisches gedicht in 5 Aufzügen von Friedrich von Schiller. Ende nach 6 Uhr. Volkspreise.— Sonntag, den 24. Januar nachmittags 3% Uhr:„Als ich noch im Flügolkleide“, ein fröhliches Spiel in 4 Aufzügen von Albert Kehm und Martin Frehse. Ende nach 6 Uhr. Kleime Preise. Abends 7% Uhr: „Johanmisseuer“ Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann. Ende mach 10 Uhr. Kleine Preise. Kreis Wehlar. . Die erste Sitzung der Wetzlarer Stadtverordneten in diesem Jahre eröffnete Bürgermeister Dr. Kühn mit einer Ansprache, in der er auf verschiedene Ereignisse des ver⸗ flossenen Jahres hinwies. Er gedachte der Bürgermeister⸗ wahl und versprach aufs neue, seine besten Kräfte für die Entwicklung der Stadt einsetzen zu wollen. Dem früheren Bürgermeister v. Zengen wünschte er baldige Genesung und einen heiteren Lebensabend. Er begrüßte sodann die neu⸗ gewählten Stadtverordneten, deren Verpflichtung im An⸗ schluß daran erfolgte. Dem 1. Beigeordneten Hie pe, der ein Jahr lang die Geschäfte der Bürgermeisterei führte, dankte der Bürgermeister und überreichte ihm als Geschenk ein großes Bild, daß die Begrüßung der Unteroffizierschule in Wetzlar darstellt.— Im Laufe der weiteren Verhand⸗ lungen wurden zwei Anträge der Bürgermeisterei erörtert; der eine auf Errichtung einer Kr iegsdarlehnskasse, der andere forderte einen Kredit für Aufkauf von Dauer⸗Fleischwaren. Beide Anträge wurden vom Bürgermeister begründet und hierauf dem Finanzausschuß überwiesen.— Es folgte eine Debatte über die Einguar⸗ tierung, wobei der Bürgermeister auf eine Anfrage des Stadtv. Jansen über die Schritte berichtet, die er in dieser Angelegenheit getan hat. Die Bürgerschaft führt nämlich lebhaft Klage über die Lasten der Einquartierung. Im Laufe der Debatte machte Kreisarzt Stadtv. Dr. Braun auf die Typhusgefahr im Wetzlarer Ge⸗ fangenenlager aufmerksam. Der Typhus trete sehr bösartig auf, 7 Fälle seien bereits festgestellt, ein Erkrankter sei(am Freitag) ge storben. Trotz der ergriffenen Vor⸗ sichtsmaßregeln müßten die Wachmannschaften vom Verkehr mit der Bürgerschaft möglichst abgeschlossen werden. n. Plötzlicher Tod. Am Donnerstag Abend erlitt zm A tz bach der Maurer Friedrich Zecher, als er auf dem Nachhausewege von seiner Arbeitsstelle begriffen war, den Tod. Der so schnell Verstor⸗ bene erfreute sich allgemeinen Anfehens. Westerwald und Unterlahn. Opfer der Arbeit. Auf Grube„Füssebeng“ bei Daaden im Kreise Altenkirchen verungl ückten zwei Bergarbeiter beim Ausbohren eines Schüssen schwer, daß der eine, Wollenweber aus Daaden, sofort tot war. Der Bergmann Schöb aus dem benach⸗ barten Derschen wurde im Gesicht so verbraumt, daß sein Augenlicht verloren gegangen ist. Die Zunahme der Unfälle im Bergbau dieses Revievs wird geradezu unheimlich.— Die Arbeiter Josef Böhmer aus Birken und Heinrich Alzer aus Katzenbach bei Kirchen waren am Schlackensandbora der Alfvedshütte in Wissen beschäf⸗ tigt, und zwar laut Sieg⸗Blätter in einem Stollen. Während der Arbeit stürzten einige 100 Kubilmeter Sandmassen ab und begruben die beiden Genammtem, die dadurch den Erf ickungstod erlitten. Seit wann ist es denn zulässig, in die als sehr gefährlich Schlarkenhalden Stollen zu treiben? Von Nah und Fern. „ Saubere Kriegslieferanten. In Sachsen wurde kürzlich vin höchster amtlicher Stelle in einer Mitteilung an die Pvesse scharf gerügt, daß die Fab vikanten und Verkäufer von Waren, die als Liebesgaben oder sonst für militärische Zwecke bestimmt sind, der Profitfucht häufig in der unverantwortlichsten Weise frönten. Ein krosser Fall solcher Apt wurde jetzt vor einem sächsischon Landgericht verhandelt. Ein Miihlenbesitzer und ein Mehl indler batten sich wegen Nahrung mittelfälschung und Verkau schter Nahrumgs⸗ lich große bekannten 2 mittel zu vevantworten. Ein Brotfabrikant Hatte te qa kengen Brot für die gefangenen Russen im Königsb zu liefern, alb mit dem 9 händler in Ges Sverbindung. ch, vocht billiges Mehl zu besorgen, das der mitange⸗ Wie letzterer vor Gericht behauptete, habe gesogt,„das Mohl kann fressen allos“. Durch die Müllergesellen, die die Mehl⸗ enden e, der ohne jeden Nährwert s allen Fällen das Produkt verschlechtere und auch gesumdhei sei 0 Isch schlecht.— Nach d rawie nahame wurden der Müller zu 9 Mark Geldstrafe verurteilt. Ueber zu große Härte des Urteils brauchen sich die Verurteilten micht zu beklagen.. beiden in der Mühle Beschäftigten micht so gewissenhaft gewesen, dann wäre wahrscheinlich aus dem„Mehle“ Brot für die gefangenen Russen gebacken worden. Narteinachrichten. Das Jubiläum seines 25jährigen Bestehens 15 konnte am 16. Januar unser reußisches Parteiblatt, die Reußische Tribüne, begehen. Zuerst Kopfblatt des Erfurter Parteiorgans. erschien die Reußische Tribüne zweimal, vom 1. Mai 1890 bis 31. August 1892 dreimal wöchentlich, von da ab täglich. Vom 1. September 1892 bis 30. September 1906 wurde die Reußische Tribüne in einer Privatdruckerei hergestellt seit 1. Oktober 1906 in der in Gera errichteten Filiale der Leipziger Volkszeitung. g Im ersten Jahrzehnt des Bestehens hatte das Blatt eine Reihe schwerer Prozesse zu bestehen. Insgesamt sind bis jetzt gegen die 15 8 westlich Arras wurden nicht ein Viertel dieser Zahl. stehenden französischen Truppen, verantwortlich zeichnenden Redakteure 5% Jahre Gefängnis und Geldstrafen in Höhe von insgesamt 2500 Mk. verhängt worden. In einem Falle wurde der Verantwortliche zur Ermittlung des Ein⸗ senders eines strafbaren Artikels 3 Wochen in Zeugniszwangs⸗ 5 genommen. Seit 9. Januar 1915 steht die Tribüne unter Aven fegen ur Laeolerigte des Großen Halptlunttre Im Westen kleinere Gefechte. Im Osten unverändert. Ungeheure Verluste der Franzosen. W. B. Großes Hauptquartier, 16. Jan., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz: In der Gegend Nieuport fanden nur Artillerie⸗ kämpfe statt. Feindliche Angriffe auf unsere Stellungen nord⸗ abgewiesen. Im Gegenangriff eroberten unsere Truppen 2 Schützengräben und nahmen die Besatzung gefangen. Das in letzter Zeit oft erwähnte Gehöft von La Boisselle(nordöstlich Albert) wurde gänzlich zerstört und von den Franzosen gesäubert. Nordöstlich Ssissons herrschte Ruhe. Die Zahl der in den Kämpfen vom 12. bis 14. Januar dortselbst eroberten französischen Geschütze hat sich auf 35 erhöht. Kleinere für uns erfolgreiche Gefechte fanden in den Argonnen und dem Walde von Consenvie(östlich Verdun) statt. Ein Angriff bei Vailly südöstlich St. Mihiel brach unter unserem Feuer in der Entwicklung zusammen. In den Vogesen nichts von Bedeutung. Oestlicher Kriegsschauplatz: Lage unverändert. Die regnerische und trübe Witterung schloß jede Gefechtstätigkeit aus. Oberste Heeresleitung. 5* W. B. Großes Hauptquartier, 17. Jan.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz: In Flandern beiderseits nur Artilleriekampf. Bei Blangy östlich Arras sprengten wir ein großes Fabrikgebäude und machten dabei einige Gefangene. Von der übrigen Front ist außer Artilleriekämpfen von wechselnder Heftigkeit und der Fortsetzung der Sappen⸗ und Minenkämpfe nichts von Bedeutung zu melden. In den Argonnen kleine Fortschritte. Sturm und Regen behinderten fast auf der ganzen Front die Gefechts⸗ tätigkeit. Oestlicher Kriegsschauplatz: Die Lage ist im allgemeinen unverändert. . f 5 Vor etwa vier Wochen wurde hier der allgemeine An griffsbefehl veröffentlicht, den der franzö⸗ sische Oberbefehlshaber kurz vor dem Zusammen⸗ tritt der französischen gesetzgebenden Körperschaften im De⸗ gember erlassen hatte. Die Angriffsversuche der Gegner auf dem West⸗Kriegsschauplatze, die daraufhin einsetzten, haben die deutsche Heeresleitung in keiner Weise behindert, alle von ihr für zweckmäßig erachteten Maßnahmen durchzuführen. Sie haben dem Feinde an keiner Stelle irgend nennens⸗ werten Gewinn gebracht, während unsere Truppen nördlich La Bassce, an der Aisne und in den Argonnen recht be⸗ friedigende Fortschritte zu verzeihen hatten. Die feindlichen Verluste während dieser Zeit be— ragen au von uns gezählten Toten etwa 26000 Mann und an un verwundeten Gefangenen 17860 Mann. Im ganzen werden sie sich, wenn man für die Be⸗ rechnung der Verwundeten das Erfahrungsverhältnis von 200 1:4 einsetzt, abgesehen von Kranken, nicht beobachteten Toten und Vermißten, auf mindestens 150000 Mann be⸗ laufen. Uusere Gesamtverluste im gleichen Zeitraum erreichen Oberste Heeresleitung. Französische Stimmen über Soissons. 6 Der Generalstab: Der französische Generalstab verbreitet folgende Note: Die Affäre von Soissons stellt sich als ein Zurück— weichen um weniger als 1800 Meter auf einer Front von 5 Kilometern dar. Dieses Zurückweichen war veranlaßt worden durch das Hochwasser.(1) Die dort im Kampfe welche nicht einmal eine Stärke von drei Brigaden erreichten, zogen sich auf das linke Ufer der Aisne zurück, weil das Hochwasser die Brücken weg⸗ gerissen hatte und sie daher keine Verstärkungen mehr er— halten konnten. Die Franzosen zogen sich zurück, ohne ver— folgt zu werden, und indem sie fortfuhren, Soissons zu decken. Die Presse: Die französische Presse erklärt im allgemeinen, der Rück— zug der französischen Truppen hinter die Aisne bei Soissons habe keine besondere Bedeutung, zumal die Deutschen den Fluß nicht hätten überschreiten können. Nur wenige Blätter gestehen ein, daß es sich um eine be— deutende Aktion handelte. So schreibt Oberstleutnant Rousset in der Liberté: Infolge der energischen deutschen Angriffe mußten die Franzosen das Plateau von Vregny räumen, wodurch ein allgemeiner Rückzug herbei— geführt wurde. Dieser Rückzug führte die Franzosen bis auf das linke Aisne⸗Ufer, weil, so sagt man uns, das Hochwasser einen Teil der Brücken weggeschwemmt und die Verbindung gefährdet hatte. Dies ist clerdings ein Grund. Die Heeres leitung muß aber Maß ahmen treffen, damit die schwere Schlappe, die wir erlit.en haben, möglichst wenig Folgen hat.— Petit Jour naa; rer t: Der Rückzug, der infolge des Hochwassers geboten erschten, ist immerhin ein Zusammen— bruch unserer Offen sive an dieser Stelle. Der Lyoner Proges schreiß!: De; Feind kann den taktischen Erfolg, so klar er auch ist, richt ausrunen, aber unsere Offen ⸗ sive ist durch die Anregungen der Ames Kluck zu⸗ sammengebrochen. Oesterreichisch⸗ ungarische Tagesberichte.]; Wien, 16. Jan.(W. B.) Amtlich wird verlautbart: 16. Januar mittags: In Polen, Galizien und in den Kar⸗ pathen ist die Lage unverändert. Am Dunajec erzielte un⸗ sere Artillerie im Kampfe mit e Feld⸗ und schwerer Ar⸗ tillerie abermals einen schönen Erfolg. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. 8 Wien, 17. Jan.(W. B.) Amtlich wird verlautbart: 17. Januar mittags: Die Situation ist unverändert. In Polen, am Dunajec und im Raume südlich Tarnow Geschütz⸗ kampf, der mit wechselnder Intensität den ganzen Tag anhielt. In den Karpathen herrscht Ruhe. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Fels marschalleutnant., Die Schlacht bei Tanga. Ein glänzender Sieg der Deutschen über die Engländer, Berlin, 16. Jan.(W. B. Amtlich.) Ueber die Schlacht bei Tanga, diese größte bisher auf dem Boden unserer Kolonien erfolgte Waffentat, liegen jetzt amtliche Nach⸗ richten des Gouverneurs von Deutsch⸗Ostafrika vor. Danach war der Erfolg weit bedeutender, als die englischen Berichte zugeben. Die Kämpfe fanden am 3., 4. und 5. November statt. Am 2. November erschienen die Engländer mit zwei Kriegsschiffen und 12 Transportschiffen vor Tanga und forderten die bedingungslose Uebergabe, die aber von dem Gouverneur Dr. Schnee abgelehnt wurde. Darauf dampften die Schiffe ab, erschienen aber am dritten Tage wieder vor Tanga und landeten vor Ras Kasone ein europäisches und vier indische Regimenter, darunter auch Kavallerie, mit etwa acht Maschinengewehren und neun Geschützen. Auch Marinetruppen wurden ausge⸗ schifft. Die schweren Schifssgeschütze des Kreuzers„Fox“ unterstützten den feindlichen Angriff von der See aus. Das feindliche Landungskorps wurde in erbitterten dreitägigen Kämpfen mit schweren Verlusten auf feindlicher Seite zurückgeschlagen. Am 4. November währte der Kampf ununterbrochen 15½ Stunden. Am Abend fand das entscheidende Gefecht gegen 515 gesamte feindliche Streitmacht trotz heftigster Beschießung der Stadt durch feindliche Schiffs⸗ geschütze statt. Das Feuer unserer Geschütze setzte einen eng⸗ lischen Transportdampfer in Brand. Auch der Kreuzer „Fox“ erhielt schwere Treffer. Am 6. November zogen die feindlichen Schiffe nach Norden ab. Das Landungskorps hatte eine Stärke von etwa 8000 Mann, während die Unsrigen 2000 zählten. Die Verluste der Engländer be⸗ trugen über 3000 Mann an Toten, Ver⸗ wundeten und Gefangenen. Uusere Verluste waren gering, zahlenmäßige Angaben stehen noch aus. Nach einer flüchtigen Zählung wurden erbeutet: acht Ma⸗ schinengewehre, 300 000 Patronen, dreißig Feldtelephon⸗ apparate, über tausend wollene Decken, viele Gewehre und Ausrüstungsstücke und eine große Menge von Proviant. Die Stimmung unserer siegreichen Truppen(Schutz⸗ und Polizeitruppen und Kriegsfreiwillige aus dem Schutzgebiet) war ausgezeichnet. Auch die Askari bewiesen eine auf⸗ opfernde Hingabe und Heldenmut. Die volle Tragweite der englischen Niederlage ist von hier aus noch nicht annähernd zu übersehen. Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Vereinskalender. i Dienstag, 19. Januar. Gießen. Freie Turnerschaft. Jeden Dienstag von 8 bis 10 Uhr Turnstunde in der 0(Nordanlage). Mittwoch, 20. Ja nua Wetzlar. Gewerkschaftskartell. Sitzung bei Schreier. Wochen marktpreise in Gießen am 16. Januar 1915 Abends 8³² Butter ver Pfö. 1.05 1.20 Mk.] Schweineflessch per Pfd 8096 Pfg. Milch Liter 22 Pfg.] Hammelfleisch per Pfd. 70 90 Pfg. Hühnereier Stück 12—13 Pfg. Kartoffeln p. Malter 7 00 Mi Gänseeier Stück— Pfg.] Kartoffeln Pfd. 4 Pfg. Käse Stück 6—8 Pig Zwiebeln per Pfund 12—15 Pfg. Käsematte 2 Stück 5—6 Pfg.] Blumenkohl per Stck. 15—30 Pfg Tauben per Paar 0.80— 1.20 Me Kohlrabi Stck 5 10 Pfg. Hühner per Stück 1.20—1.80 Mk.] Weißkraut p. Haupt 812 Pfg Hähne ver Stück 1.50— 2.90 Mt.] Rotkraut p Haupt 15—25 Pfg. Gänse ver Pfund 0.00—0 00 Pfg.] Wirsing p. Haupt 10— 20 Pfg. Ochsenfleisch per Pfd. 0.86—0.94 k. Aepfel per Pfund 12— 20. Pfg. Kalbfleisch per Pfd. 70—80 Pfg.] Birnen Piund 10—15 Pfg. Kuh⸗ u. Rindfl. per Pfd. 80—84 Pfg.] Nüsse 100 Stück 40-50 Pfg 5 2 8 5 Städtischer Arbeitsna weis Gießen. Es können eingeftellt werden: 0 bei hiesigen Arbeitgebern: Dreher, Former, Schlosser, 1 Heizungs⸗ und Elektomonteur, 1 Automobilschlosser, 2 Spengler und Installateure, 1 Buchbinder, Uhr Schneider, 2 Schuhmacher 3 Sattler, 1 Friseur, 1 j Kellner, 3 Dachdecker, 1 Chauffeur, Taglöhner und Dienstmädchen. b) bej auswärtigen Arbeitgebern: Automatendreher, Elektromonteure Eisendreher, Feuerschmniede, ö Schlossor, Klempner und Installcleure, Sattler, 2 Bäcker, Hochosen⸗, Drainage⸗ und Erdarbeiter, 1 Fuhrmann für eine Mühle, Kranken⸗ wärter, Ofenarbeiter, Gasstocher, Erdarbeiter, Bau⸗, Rohr⸗ und Neparaturschlosser sowie ungelernte Fabrikarbeiter und Bleilöter 1 für eine Fabrik bei dehe Lohn und freier Hinreise. 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Dienstag⸗Abonn.⸗ Verte Umgegend Rriegsbrot Ein Austragen der Brötchen in die Wohnung findet nicht— statt. Johannisfrner. Der Vorstand. Schauspiel in 4 Atten von Herman Sudermann. Ende nach 10˙% Ur. . 2 —ç Schwe — . — — 2 . 2 . ssentln führten 1 Ich Das he Nobam heit in Münchs überall ö 0 mittelb Aae ing in 1 auf die