uminner 237 Montag. den 28. September 191^. 7. Iahrgnnc» Neue Tugeszeitun iü bm'wctnten^anatuih w yi <|eln, f ■ 1,1>,n ,5^ t iJ a S’ *'ß eImä 6'a« ««ilagcii „Crr Jjnucr au» firnVn“. „yie SpinnUuü*". Senigopreis: Sei den Poftanstailen ot«rrel,ähriich Akk. I EeZäii,.» >>m i>ojtgebuhr oder Trägerlohn. Anzeige»: Grund,eile 20 Psg.. lokale 15 Psg. Anzeigen von auswärts werden Dur.1) Potnachnqhm: er'.ö _u^un 9 »or ,,riedberg. SchrcMeitung und Verl», Friedbcrg lHesien). &uuuuer!iuj,e 12. Femivrecher iS. Vosticheck-C-nt» Rr. 4859. Ami Franlsurt «. M. Das Ringen im Westen» («in vereitelter Vorftof; auf dem rechten Flügel. — Die Lperrforts haben das Feuer eingestellt. Die amtliche Darstellung der Heldentat des U 9. Zur Kriegslage. Kratze, Hauptquartier, 28. Sept., abends. (Amtlich). Der Feind hat unter Ausnutzung jcincr Eisenbahnen einen weit ausholenden Vorstotz gegen die iutzerste rechte Flanke des deutschen Heeres eingeleitet. Eine hierbei aus Ba- panme vargehende siansiisisch« Division ist von schwächeren deutschen Kcästen zurückgeworse» worden. Auch sonst ist der Vorst otz zum Stehen gebracht. In der Mitte der Schlachtsront ging n»,er Angriss an einzelnen Stellen vorwärts. Die angegrissenen Sperrsorts südlich Verdun haben ihr Feuer eingestellt. Unsere Artillerie steht nunmehr im Kamps« mit Krusten, die der Feind aus dem westlichen Maasuser in Stellung brachte. Aus den übrigen Kriegsschauplätzen ist die Lage un 0 c - - i n d r r t. kratze» Hauptquartier, 27. Sept. abends. (Amtlich). Die Lage aus den vetjchiedenen Kriegsschauplätzen blieb heute unverändert. Der lin, 27. Sept. Der Rückblick auf die Lage im Westen kann, wie die „Kreuzzcitung" schreibt, für die vergangene Woche wesentliche Fortschritte verzeichnen. Zeder Tag hat unsere Stellung mehr und mehr verbessert, selbst von gegnerischer Seite, namentlich von England, ist dies anerkannt worden, und zwar hat man dabei sowohl auf die Stärke unserer Ver - sch an zungen wie auch aus das überlegene Feuer der deutschen Artillerie hingewiesen. Es wird der Welt nunmehr llar geworden sein, datz bei der vielbesprochenen und von ängstlichen Gemütern beklagten Zurücknahme unseres rechten Flügels es sich um wohlbegründete und ersolgreiche strategische Bemühungen gehandelt habe, die lediglich das Ziel im Auge halten, eine starke Stellung gegenüber Durchbruchsversuchen und Umsassnngsmanovern auszuwählen. Zu der letzten Meldung vom Kriegsschauplatz aus dem Hauptquartier heitzt es in dem „Lol.-Anz": Die hartnäckigen, fast verzweiselten Versuche der Franzosen, unseren rechten Zlügel noch in letzter Stunde zu weise», scheiterten trotz der weiteren Umgehung in der Richtung Bapaume an dem Widerstand schwächerer Truppen. Daraus könnte man den Schlutz ziehen, Latz es der sranzösischen Führung ernster mit diesem Vorstotz war, als den sranzösischen Truppen, die vielleicht die Nutzlosigkeit ihrer ständigen Angriffe einsehen. Zm Zentrum sind unsererseits Fortschritte zu verzeichnen. Die wich ligste Meldung ist jedoch die, lptz die südlich der genommenen Sperrsorts angegriffenen Forts ihr Feuer einstellten, damit ist die für uns so wünschenswerte weitere Lücke in dem Sperrsortgürtel gegeben und wir befinden uns bereits in einem Artilleriekampfe mit den aus der westlichen Maas uns entgegengestelltell Truppen. Die Tatsache, datz dort gekämpft wird, genügt vollständig, um uns und wahrscheinlich auch die Franzosen davon zu überzeugen, datz ihre Stellung aus dem rechten Flügel mit jedem Augenblick unhaltbar wird. Wir können in oer Tat die Hoffnung haben, oatz die Stunde des Abzuges der groben französischen Armee nicht mehr lerne ist. Der Abzug wird ein blutiger werde». Für den zweiten Akt des Krieges im Osten ist, wie Gcnc- ,ak Lieber! im „Tag" ausführt, den Deutschen die Initiative zugejallen. 156 660 Rüsten, so heitzt es i» der „Krcu,Zeitung", sind in den beiden siegreichen Schlachten gesalle» und ebensoviele unverwundete Kriegsgesangene befinden sich in unseren Händen. Ein solcher Verlust ist selbst für die ungeheuren Heeresmasten im Osten kaum zu überwinden. Der Lor beer, den die 8. Armee um ihre Fahnen gewunden hat, gibt »ns, wie das Blatt meint, das Recht, auf baldige neue 2 i e - g e s t a »e n zu hojfen. Die Kämpfe in Galizien. Budapest, 27. Sept. iW. B. Nichtanillich.) Tat Ungarische Eoer.-Bureaii meldet: Einzelne kleinere russische Abteilungen scks-inen bei den Karpathenpassen Tiv.-csioiicn ,n versuchen- Gestern fand eine kleine Plänkelei bei dem Unschcr Pah, Somit.,t Ung. zwischen »niere:, zur V.rteidcg- ung des Passes detachierten kleineren Truppen und i.n Russen statt. Heute kam es bei Tormza, Komik,it i.y- more.S, zu einem Zusammenstoß, ohne dah es den Russen gelungen ist. über die Grenze ans irgend einem Punkte einztkbringen. Tie von dem Schauplatz der großen Ere-g- nifse weit entfernt erfolgten Ereignisse haben 'natürlich keine Bedeutung. Ihr einziger Zweck ist, die Ausmerks::n- keit von dem Haiiptkriegsschauplatz abzulenken und die Bevölkerung zu beunruhigen. Tadurch, daß diese Absicht offenkundig wird, wild sie auch vollständig vereitelt. Unwahre Berichte. Wir», 26, Sept. (W. B. Nichtamtlich,) Amtlich w'id mitgeteilt: Tie nach der Schlacht von Leinberg eingeleiteie Versammlung unserer Streitkräste in einem Rnnme coest- lich der Sane hat nicht nur der Ententepresse Deranlasfung zu de» böswilligsten und läcl>erlichsie,i Kommentaren gegeben, sondern auch anderwärts falsche Vorstellungen iib.'r die Lage unseres Heeres hervorgerufen. Demgegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß die erwähnte Vcr- fainnilung durchaus freiwillig erfolgte, wofür als Beweis nur angeführt sei, daß sie der Gegner nirgends zu stören vermochte oder versuchte, Feindlicherseits aufgestellte Be- Häuptlingen über Erfolge an der Sane sind unwahr. Es handelt sich lediglich in» einzelne mit großem Aufwand an Truppen und schwerem Geschütz und Munition inszenierte Beschießungen gegen seldinäßig gesicherte u, schivach besetzte Uebergangsstellen, die nach Erfüllung ihres Zwecks und Sprengung der Brücken freiwillig oeränmt wurden. — Tie aus London staniniende Nachricht von dem Fall zweier Forts von Przemysl ist natürlich gänzlich ans der Luft gegriffen. Ans deni Balkankriegsschanplatz ist die Lage, wie auch aus dem letzten deutlich genug gefaßten Communigne hervorgeht, unverändert gut Ter Stellvertreter des Chefs des Generalstabs von Höfer, Generalmajo, Unsere Kolonien. Berlin, 2V. Sept, (SB. B, Amtlich.) Ans Deutsch- Ostafrika sind zum ersten Mal feit Kriegsausbruch Privatnachrichten hier eingetroffen. Ans den Permerken aus den Briefen und'Karten geht hervor, daß die Postsachen die eng- tische Zensur passiert haben. Die Engländer halten also offenbar die deutsch-ostafrikanische Küste blockiert. Daressalam wurde als offene Stadt nicht verteidigt. Die englischen Kreuzer haben auf die Funkenstation Schüsse abgegeben, darauf wurde die Weiße Flagge über der Stadt gehißt, »nd es sind bis zum Abgang der Post, etwa am 20, August, keine weiteren Angriffe auf Daressalam erfolgt. Ter Turm der Funkenstation ist nach den hier vorliegenden Berichten von den Deutschen selbst zerstört word-en. Die weißen Frauen und Kinder befanden sich bis Abgang dieser Post offenbar noch in Daressalam. Ob infolge der ansgebrochenen Kämpfe im Innern die Engländer tatsächlich, wie die englische Admiralität meldet, später Daressalam zerstören ließen, darüber liegen Nachrichten von deutscher Seite nicht vor. Dagegen wurde bestätigt, daß Taveta von den Deutschen besetzt worden ist. In Sansibar ist es nach einem hier vorliegenden Privattelegranim vozn 27, August den Leitern der deutschen Firmen gestattet worden, daselbst zu bleiben, doch stehen die Deutschen unter behördlicher Auf- sicht. Eine gewisse geschäftliche Betätigung ist ihnen er- laubt. Sie dürfen Gelder einkassieren und die vorhandenen Warenlager veräußern, Tie deutschen Angestellten sind scheu am 7. August nach Tanga gebracht worden. In Mom- lasla sind alle Deutschen sofort nach Ausbruch des Krieges feslgeilonnnen und später nach Nairobi überführt worden. Irgend welche amtliche Nachrichten sind beim RcichS- kolonialamt nech nicht eingetroffen. Ans etwaige Anfragen konnte daher auch nur »ntgeteilt werden, was in dieser Meldung enthalten ist. London. 20, Sept, (Nichtanitlich.) Wie die Admiralität mittcilt- hat sie von deni Vizeadmiral Pategy ein Telegramm des Inhalts erhalten, daß Friedrich-Wilhelinshasen der Sitz der Regierung von Teutsch-Neu-Gninea, von australischen Truppen besetzt worden' ist, ohne bewaffneten Widerstand zu finden. Ter Feind ist ojsenbar bei tzer- bertshöhe versammelr gewesen, wo Kämpfe stattgefiind'i leben. In Friedrich, Wilhelmshafen wurde tie (.itis.k e Flagge gehißt und eine Garnijcn eingerichtet, d e fjflDrnfn- t>?ö (J 9 . Ar,gliche deuijche SacftcBuu». C c r I i :i, 27. Scpk. Zur Vernichtung der drei Kreuzer dcr „Crcffi>"-Klaste durch dos dcuksch: Unterseeboot „17 2' relScu die heutigen Abendblätter: Am Morgen des 22. September in dcr Frühe Ü.luiid sich 9" 20 Seemeilen nordwestlich von Hock van Holland mit annähernd südwestlichem Kurs dämpfend. Die Tee war ruhig, das Weiler klar, zum Teil neblig. Gegen g Uhr sichtete man von dem „U 9“ aus drei große feindliche Kreuzer, die, bei weite» Schisssabsiänden in Dwarslinie neben einander fahrend, sich in entgegengesetzter Richtung näherten, „r !>' beschloß. zuerst den in der Milte fahrenden der drei Kreuzer an zugrcisc». Das Boot führte seine Absicht aus und brachte de» Kreuzer — es war die „Aboulir" — eine» tödliche:-. Larpebv- trcfser bei. Der Kreuzer sank in wenige» Minuten. Als nun die beiden anderen Kreuzer nach der Stelle dampften, wo di« „Aboulir" gesunken war, machte „17 9" einen erfolgreichen Tor pcdoangriff aus „Hogue", Diese verschwand nach kurzer Zeit m den Fluten Run wandte sich „(I 9" gegen „Eressy". Beinahe unmittelbar nach dem Torpcdoschutz kcnterte „Eressq", schwamm eine Weile kieloben und sank dann. Das ganze Ge fecht dauerte, vom ersten Torpcdoschutz bis zum letzten, nnge- sähr eine Stunde. Von den englischen Kreuzern wurde kein einziger Schutz abgegeben. Di« Angaben der britischen- Prcsie in dcr Nähe de» Eesechtsortes hätten sich „Begleitschissc" deut scher Unterseeboote besundcn, noch dazu unter holländischei Flagge, sind ebenso unwahr, wie die Erzählungen überlebende» Engländer, die Kreuzer seien von mehreren deutschen Unterseebooten angegriffen worden und hätte» durch Ecschützseuer mehrere von ihnen vernichtet. Tatsächlich war nur „17 9" dort Rach dem Sinken dcr „Eressq" fanden sich mehrere britisch Kreuzer, Torpcdosahrzeuge usw. an der Stelle ein und einzeln, Torpedobootzerstörer versolgten dns Unterseeboot. Roch an Abend des 22. September nicht weit von Tcrschcllingbani wurde „(7 9" von Zerstörern gejagt. Mit Einbruch dcr Dunkelheit gelang cs „17 9" nutzer Sicht der Torcpdofahrzcuge zu lausen. Am solgenden Tage langte das Boot mit dcr triumphgekrönten Besatzung cm heimischen Hasen an. II 9 und JHbrlfr 42. Wien, 27. Sept. In einem „IT 9 und Mörser 42“ betitele ten Artikel schreibt die „Wiener Allgemeine Zeitung": Diese paar Buchstaben sind ein Symbol deutscher Tüchtigkeit, deutschen Mutes und deutscher Wisienschaft. Ein großes Ereignis, dessen Sinn und Gehalt heute der Klang dieser Buchstaben umschließt, hat gelehrt, daß in den langen Jahrzehnten tiefen tfric dens die militärische Energie Deutschlands, die so oft verspottete und mißverstandene, niemals in die Schlaffheit des Ueber- Niutes und dcr Sorglosigkeit sank, daß sie wach, sprungbereit nnd entwicklungsreich blieb in seder Minute, und es hat zweitens bewiesen, daß des umstürzenden kriegerischen Erfolges Basis heute neben Courage, Strategie und Ausdauer wisienschaft- liche Genialität «st. Fleiß und Intuition des Maschinenbauers. Deutschlands industrielle Emsigkeit triumphiert heute. Deutsch lands Arbeitskraft und Erfindertrotz heben Reich und Volk auf ihren Schultern hoch, einer glorreichen Zukunft entgegen. Vom Zeppelin Amsterdam, 26, Sept. Der „Telegraas" meldet »IIS Antwerpen vom 25, Sepl.i^Das Zeppelinlustlchifs, das über Ostende erschien, hat anscheinend die ganze Praoinz Wftslan- dcrn überflogen. Es wurde über Kortrqk, Sotteghem, Rollst«, Riove und Gecraadcbergen gesehen. Die deutsche Stellung. London. 26. Sept. Der „Manchester Guardian" sagt: Die deutsche Stellung an der Aisne ist so stark, daß. wenn keine strategischen Uebcrraschungen eintreten, jeder Angriff zu elncm Rückschlag führen muß. dcr nur Erfolg haben kann, wenn der Gegner zur Erschöpfung gebracht ist. Die Deutschen haben die Kunst dcr Feldbefestigung auf eine Höhe gebracht, die bisher nicht erreicht wurde. Sie machen eine Stellung von gewöhn^ lichcr natürlicher Stärke zu einer Festungslinie, die stärker un'l widerstandsfähiger ist, als eine erbaute Linie von Stahl. sininöglilli im Sturm tu nrijmrn. London, 26. Sept. Eine interessante Beschreibung vo:> dcr festen Sicklung dcr Deutschen in den Steinbrüchen bei Com- picgne gibt dcr Kriegskorrcspondent Maiwell im „Dailq Telegraph": Diese Brüche geben die weißen harten Sieinc, welche zu wichtigen Bauten verwendet werden, und gehören .ncist deutschen Ilntcrnchmungen. Die ausgcbrochenen Gänge und Höhlen dienen ä!s Forts und verstärken gewaltig die ocntichc tinic. Sic tonne» mit einer von »erschau,len Lagern slanlicrlcn Festung verglichen werden, ahne die Einschränlun ,cn und Engen solcher Anlagen zu besitzen. Die Brüche bilden c,n unaiigrcisbares Bollwerk. Sic dehnen sich viele Kilometer weit aus. Die preßen harten Stcinblöcle sind so ausgehoben datz an der Oberfläche lange starlc Wälle entstanden sind. Di' Iraiijösischen uno englischen Ingenieure hätten keine furchtbarer Stellungen ,ür die schweren Batterien und Maschinengewehr, bauen können als die, welche dcr Feind hier cinnimmt. Sie im Sturm ZU nehmen ill unmöglich. Sie ZU belcbicl!' Nr. 227 wäre ein reiner Zeitverluste selbst die stärksten Explosivgranaten -er schwersten Geschütze bleibe» hier ohne Wirkung. Die andere Gefahr. Paris, 26. Sept. Der „SOiatin“ schreibt unter der Ueber- schrist: „Die andere Gefahr": Jeder Deutsche trägt in seinem Tornister ein paar wollene Socken, warme Fausthandschuhe, nicht zu sprechen von Zeltbahn, Mäntel und Wolldecke. Den Grund hiersür glauben wir in der Absicht zu sehen, die Franzosen schnell zu besiegen, um nach Rußland zu gehen. Bereits vorher sind zu dem Zwecke der Vermeidung von Zeitverlust die Soldaten für den russischen Winter ausgerüstet worden. Jedensalls sind, wenn der Winter kommt, die Deutschen gewappnet. Und wir? Ohne Zweifel beschäftigt sich unsere Leitung mit dieser Frage. Die Eeneralverwaltung gibt dringende Arbeit aus für Beschäftigung Suchende, nämlich das Nähen von Westen und Unterzeug. Arbeiter gibt es genug, aber Material an Zeug, Wolle und Earn? Schon bei Ausbruch des Krieges war es sehr schwierig, genug Leinen für Soldatenhemden und die Berwundetenpslege zu beschaffen. Nicht einmal in den großen Pariser Magazinen war solches zu haben. Nur der Freigebigkeit einiger Geschäftshäuser ist es zu danken, daß für das Dringendste gesorgt wurde. Die Taten des Krevrers ,Finden". Kopenhagen, 26. Sept. „National Tidende" meldet aus London: Die Tate» des Kreuzers „Emde n" wecken hier allgemeines Interesse. Man bewundert den schnellen Vorstoß des Schisses, das die Eigenschaften des Fliegende» Holländers mit denen „Alabbmas" vereinigt, des Schiffes, das während des amerikanischen Bürgerkrieges über 14 Monate lang der Schrecken der Handelsschiffe war. Gewiß habe die „Emden" Madras nur geringen Schaden stigejllgt, aber die Energie, mit der der Kreuzer auf dem Kriegsschauplatz auftritt, mache das Schiff populärer im Volk als die ganze deutsche Flotte, die hinter den Geschützen des Kieler Kanals gedeckt liegt. Paris und Wien. Eindrücke eines Unparteiisch-» Wien. 27. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Meldung des Wiener k. k. Korr.-Bur.) Unter der Ueberschrift „Paris und Wien, Eindrücke eines Unparteiischen" veröffentlicht Tr. Peter Stanew aus Sofia in der „Reichspost" einen Ar- tifcl, den er einem Auszug aus einem Briefe voranstellt, ■ 'cn er an befreundete Politiker nach Genf gerichtet hat, nachdem er auf der Rückreise von Paris in Wien Aufenthalt genommen, hat. In dem Schreiben heißt eS: "Laifet Euch nicht mehr durch die liigenhaften Nachrichten über Lesterreich und Wien narren! Hier herrscht weder Elend und Verzweiflung noch Hungersnot. Im Gegenteil: je weiter ich mich von der Grenze Frankreichs entfernt habe, desto weniger war der Krieg zu fühlen, und wahrhaftig': in Wie» konnte ich mich vor Erstaunen nicht sasfen. Man lebt hier wie im tiefsten Frieden. Wenn num nicht auf der Straße das Rote Kreuz oder verwiindrte Soldaten sehen vürde, wahrlich: ich als Fremder würde nicht erkennen, baß dies die Hauptstadt eines Reiches ist, das einen so schwere» Kanipf zu bestehen hat." Der Verfasser des Artikels schildert sodann die Zustände in Frankreich seit Ausbruch des Krieges und stellt fest, daß die französische Presse mit noch größerer Geschicklichkeit als der französische Generclstab bestrebt war, die Niederlagen der Franzose» zu vertuschen. Er erklärt, vernünftige Offiziere und Politiker feien überzeugt, daß Frankreich die 'Deutschen nie besiegen werde und daß es sich nur so lange hallen könne, bis ihm Rußland zu Hilfe komme. Man beschuldige Rußland aber bereits, die eingegangenen Verpflichtnagen nickst gehalten zu haben: und selbst den Opt'- misten in Frankreich werde nach dem Zusammenbruch der russischen Offensive in Lstpreußen und angesichts der Unmöglichkeit eines russischen Vordringens in Galizien, obwohl die Hauptmacht dorthin geworfen worden fei, jetzt bange: In Frankreich habe das ganze wirtsck>astliche und geistige Leben aufgehört. Ter ansängliche tzirbel sei längst einer Panik und hierauf einer tiefgehenden Depression gewichen. Kein Volk sei dem Stimmungswechsel mehr unterworfen als das französische. Heute dünkte» sich die Franzosen noch als Sieger und pochten ans die Hilfe Rußlands und aus die Macht Englands, da-., die beiden Gegner aushnngern we(de. Wenn aber in Frankreich im jetzigen Zeitpunkt die Niederlage in ihren Wirkungen und die Ohnmacht Rußlands gleichzeitig erkannt würden, dann sei es schwer, zu ßrgen. ab die Volkstümlichkeit Poimari-s und die Kraft der vereinigten Parteien stark genug sein würden, lim sort- reifende Gegenströiiiiiiigen wie bisher z» verhindern. „Wenn nian", sagt der Versaiser weiter, „von Frankreich koiiimend seineii Weg dnrch Oesterreich nimmt, so erkennt man erst deutlich den traurige» Znstaiid der französischen Republik. Tort herrscht überall Unordnung: eine Wache Bestürzung, eine Woche Begeisterung, kurz: ein Chaos. Hier ist Riilw, mitten im Kriege normale Preise, Arbeit, Ordnung »nd Zuversicht. Wo der Sieg jeiii wird: Man- her Fraiizose weiß es schon I>ente." Wien. 26. Sept. Halt entstanden sei. Zur Ileberrajchung der Regierung habe de: lihedive gegen das Vorgehen der Engländer in Aegypten eine sehr entschiedene Einsprache erhoben und ihnen das Recht bestritten, dort nach ihrem Gutdünken eine Mobilisierung u verfügen »nd andere einschneidende Maßregeln zu treffen, wie es in den letzten Wochen vorgelommen sei. Selbstverständtich sei au eine Rückkehr des i» Konstantinopel wellenden Kh:dive bis auf weiteres nicht zu denke». Wackere türkische Matrosen. K v n st a n ! i » o p e l, 2-1. Sept. „Sabah" schreibt: Die englische Regierung hatte einige Dampfer der Khedivia-Linie noch Indien geschickt, um von dorther Truppen nach Aegypten zu transportiere». Die zur Bemannung der Schiffe gehörigen »80 türkischen Matrosen weigerten sich angesichts dieses Auftrages, länger Dienst zu tun, da ihnen ihre ottomanische Datei- __ Seite 2 landsliebe und ihr Eewisien es verbiete. Die Matrosen leasen an Bord des Schisses „Saidieh" in Konstantinopel ei». „Sa- bah" beglückwünschte die Matrosen zu ihrer Haltung. Rumäniens Politik. Bukarest, 26. Sept. In einem in der Zeitjchriit des Studien-Klubs der lonservativen Partei erschienenen Aussatz sagt Dinu Caruso» (?) über die Ziele der gegenwärtigen tu manischen Politik: Wir müssen unsere Erschlassung abschüttelu u. der für UNS entscheidenden Lage ins Auge sehe». Wir sehen, was immer man drucken und sagen mög«. daß Lebensintete: . t wichtigster Art auftdem Spiele stehen. Wir müssen uns entschließe», anzugreifen mit allem, was wir seelisch und körper lich besitzen, um zum Siege der deutschen Sache beizu- tragen. Machen wir jetzt, wo es notwendig ist. die Polfti! eines bedeutenden Staates, wenn wir ein bedeutender Staa* werden wollen! Die rill). verlprellinngen glaubt man nicht mehr. Sofia. 27. Sept. Die nationalistischen Blätter verössent lichen mit großer Genugtuung die Erklärung des Freiherr» v. Fuchs, wonach Oesterreich-Ungarn dafür eintrete, daß Mazedonien Bulgarien zusallen müsse. „Kambana" vergleicht damit die unbestimmten russischen Versprechungen, wonach Bulgariens Wünsche nach Möglichkeit erfüllt werden würden, falls Bulgarien den Russen und Serben Helsen wollte. „Kambana" fährt fort: Diese unbestimmten Versprechungen sind offenbar au? eine neuerliche Täuschung berechnet. Jahrzehntelang hat Rußland behauptet, Mazedonien sei nicht von Bulgaren bewohnt, sondern von der eigenen slawischen Rasse. Jahrzehntelang haben die russischen Konsuln in Mazedonien die Serben und Griechen gegen die Bulgaren unterstützt. Die vorjährige Katastrophe Bulgariens ist gleichjalls das Werk Rtißlands. Alle russischen Versprechungen sind schon darum werllos, weil die Erfüllung des nationalen Ideals Bulgariens nur aus Kosten Serbiens, also der Triple-Entente, erreichbar ist. Das bulgarische Volk fordert heute eine rein bulgarische Politik, ohne rusiophile Einmischungen. ohne Männer wie Eejchow und Danew, die Bulgariens Katastrophe verschuldeten und die heute wegen Landesverrats in Untersuchung stehen. vom Diirgmntister War von Druffel. Der Bürgermeister Max von Brüssel ist, wie jetzt bekannt wird, von den deutschen Behörden wegen herausfordernden Verhaltens verhaftet, aber nachdem er sich entschuldigt, wieder freigelassen worden. Der Brüsseler Berichterstatter der „Köln. Volksztg." meldet zu der Angelegenheit folgendes: Nachdem der Brüsseler Bürgermeister Max selbst öffentlich den ganzen Hergang seiner Verhaftung erzählte, die nran von inaßgebender deutscher Seite aus Rücksicht für Max nicht veröffentlichen wollte, liegt nun kein Grund mehr vor, aus der Angelegenheit ein Geheimnis zu machen. Nachdem Max Abbitte getan und Besserung versprochen, wurde er diesmal vor einer Verschickung nach Deutschland bewahrt. Max weiß, daß er im eigenen und seiner Mitbürger Interesse die besten Gründe hat, sich einer zweiten Verhaftung nicht wieder auszusetzen. Die (Frhläriing des Generals Deners. Aus dem Briefe, mit welchem General Beyers seine Entlassung als Oberbefehlshaber der südafrikanischen Armee gab, seien noch einige Punkte hervorgehoben. Wir haben bereits wiederholt darauf hingewiesen, daß alle englischen Meldungen über kriegerische Vorgänge an den Grenzen von Südwest- afrika tendenziös und deshalb mit äußerster Vorsicht zu behandeln sind. Unsere Kritik zielte auch aus die englischen Behaup tungen hin, daß die deutschen Truppen in Südwest ohne besondere Nötigung in das britisch« Gebiet eingefallen seien. Unsere Vermutung wird durch den Brief des Generals Beyers bestä tigt, in welchem es heißt, die Behauptung von dem Einfall der Deutschen sei unbegründet, die deutschen Truppen hatten (wenigstens bis dahin) nur in einem Falle versehentlich di» Grenze überschritten und darüber eine entschuldigende Erklärung abgegeben. Auch General Botha hat sich offenbar in diesem Punkte einer bewußten Unwahrheit schuldig gemacht. Ferner heißt es in dem Brief des Generals Beyers, wenn man sage, der Krieg richte sich gegen den „deutschen Barbarismus", so müsse man an die Barbareien erinnern, die die englischen Truppen tatsächlich in den Burenstaaten verübten, diese Bar- boreien habe er vergeben, aber nicht vergesien. Schließlich sei noch folgende Stelle des Briefes erwähnt: „In diesem kritischen Augenblick wird im Parlament bekanntgegeben, daß die englische Regierung eine Anleihe von sieben Millionen Pfund Sterling gewahrte. Das ist sehr bezeichnend. Jeder kann seine eigene Auffasiung darüber haben." Weitere fiommanbomfbfrlfgiing. Rotterdam, 24. Sept. Auch General Kemp legt sein .Kommando bei der südafriaknischen Wehrmacht nieder. Er war Vorsitzender einer Versammlung IN Lichtenburg (Transvaal). Auf einer Versammlung verlas Beyers das Schreiben, worin er seine Entlassung erbeten hatte. Als aber ein Bürger die Flagge des Lranjesreistaates entrollte, erhob er dagegen Einspruch. da Beyers ein Anhänger der Union von Südaftila ist. Gngland und Japan. London, 26. Sept. In dem Arbeiterorgan „Daily Bi tizen" bekämpft ei» Australier Namens Pitt das englisch-japa Nische Bündnis, und sagt: „Während die Jugend Australiens und Neuseelands mit dem ausgesprochenen Zweck, sich für den kommenden Krieg mit Japan vorzubereiten, militärisch ausge bildet wird, heißt es jetzt, daß England den Japanern Deutsch- Camoa und Neuguinea versprochen hat. Dadurch werde Japans Einfluß im fernen Osten wesentlich zune^inen. Es wäre lächerlich, wenn es nicht so traurig wäre, daß sich Japan al» c rr» Kricden.bewahrer im DTtciTffebäibet, und icint Heuchelei. nKn * Japan China gegen Deutschland schützen wollte. Die Kriegserklärung Japans an Deutschland wegen Bedrohung des Friedens im seinen Osten sei ein Schritt, der sür Australien und Amerika die schlimmsten Folgen haben könnte. Auch Japan hat nie ein Hehl daraus gemacht, datz es einen Platz an der «an»« suchte; cs hat jetzt Gelegenheit dazu gesunden Ans Frankreich. Zurückziehe» der ajrilanijche» Truppen au» Frankreich. Eens, 21. Scpt. Der „Petit Parisienne" teilt mit, das sranzösijche Heereskommando sehe sich vor die Notwendigkeit »«eeijt, den Rücktransport der ajrikanischen Truppen ins Auge zu sagen, da es sich jetzt schon hcrausgestcllt habe, datz sie »inein Winterseldzug nicht gewachsen seien. Äutzrrdem sei die Verstärkung der Truppen in Tunis, vor allem ober i» Ma- t»Bo, eine durch die Berhältnisie bedingte dringende Notwendigkeit. Berlin, 27. Sept. (W. B.) Ter Mangel an Ofsizietcn beginnt in England zu beunruhigen. Nach der „Tinies" sind in einem Monat von über 3000 Ofsizicreii N00 ge- fallen. Französische Acrzte. (frsurl, 26. Scpt. (W. B.) In dein hiesigen Gefangenenlager auf dem Johannisplatz sind sieben französische Acrzte unter der Aussicht deutscher Aerzte tätig. Diese Sanitätsoffiziere sind keine Kriegsgefangenen und dürfen sich frei in der Stadt bewegen. Die Dum-Dum-Geschosse. Bordeaux, 26. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Eine amtliche Note erklärt, daß die in Longwy gesiindenen, vom „Lokakanzeigcr" abgcbildeten Patronen ausschließlich sür Scheibenschietzübungen der Vereinigung für militärische Vorbereitung bestimmt gelvesen seien, wie schon aus der Aufschrift „Cartouches de Stand" hervorgehe. Da diese Bereinigungen zumeist nur notdürftig gusgebaute Schieß, stände besäße», so hätten ihnen an der Spitze auSgehvhlte Patronen zur Verfügung gestellt werden müssen, damit die AnsongSgcschwindigkeit gemindert, und verhindert werde, daß das Geschoß am Ziel die allzudünne Sicherung durchschlage. Solche Patronen würden in der Armee nicht einmal zu Schießübungen verwandt. Man habe niemals daran gedacht, sie im Kriege zu verwenden, da sie die Aus- nütznng der ballistischen Eigenschaften des ftanzöfischen Ge- wehr? unmöglich machten. Notiz'des Wolfftchen Bureau?: Es kann dahingestellt bleiben, ob diese Angaben richtig sind, denn selbst wenn sie zutrcsfen sollten, können sie die schweren Vorwürfe, die mit Recht gegen die französische Armee erhoben werden, in keiner Weise entkräften. Die Frage, ob die Dum-Dum- Patronen unserer Feinde etwa ursprünglich für einen harmlosen Zweck bestimmt waren, kommt gar nicht in Betracht gegenüber der erwiesene» Tatsache, daß sic zu vielen Tausenden auf den Schlachtfeldern gefunden, und im Kanipf gegen uns verwandt wurden. An diese Tatsache allein haben wir uns zu halten. Von ihr muß jedermann ausgchen, der sich in unbefangener Weise ein Urteil bilden will, ob die Kriegführung unserer Gegner den Geboten der Menschlichkeit entspricht. Ans Rußland. Wien. 26. Sept. (W. B. Nickitamtlich.) Meldung des Wiener Korr.-Bnr.) Unter der von den rusiischen Truppen ans dem Schlachtfeld von Krasnik zurückgelassenen Ge- wchrmunition befanden sich auch Geschosse, deren harter M intel an der Spitze de» Bkrikern freiläßt, Dum-Dum-Ge- i. -jse. Das österreichische Ministerium des Acußern gab t iese Verletzung der Haager Deklaration von 1899 den Re- . i rmtflcn der verbündeten und neutralen Mächte mit dem Beifügen bekannt, daß das österreichische Armeeoberkonr- inaudo derzeit nicht daran denke, mit Represialien vorzu- ijehe». Berlin, 27. Sept. (W. B.) In einein Kriegsbericht vo» Herriugs ini „Lokalanzciger" wird gesagt, daß die Kosaken die österreichische Kavallerie wie die Teufel sürch- !en und sich fast nie auf einen .Kamps mit ihr einlassm. ternl Nennklikuliilisg „yliiitttilder Wli»g". Die „Daily Mail" vom 17. September schreibt unter d. Ilrberschrist: „Hervorragende russische Strategie" u. a. .Tie britische und ftanzösische Nation bcglückwüiiicht ..ärmste den General Rcnncnkampf. der das russische bei de» Operationen gegen Ostpreußen bcsehligte, für - - rverrpoenden Dienst, der er der Sach« der Derblln- . geleistet hat. Um die britischen und französischen - >n einer kritischen Sturrdc zu unterstützen, nnter- : er einen gefährlichen „raid" in Dcrktjchland hinein, : v er mit gefahrvoll ungleichen Kräften, wie wir jetzt .-geben können. Die russisch« Mobilmachung tv-ir iange nicht beendet, als er seiqen abenteuerhafien N^iich begann. Ucbrigeus waren die enorme» Meuschm- r . Rußland ausftellc» konnte, gegen Oesterreich ,-..-.nll-.r---- Ans dicke Weise hat General Renncnkamps einen direkte.! Anteil an dem großen Siege, den die Verbündeten in Frankreich gewonnen haben. Das Neueste ist nun, daß Neuneukamps jetzt sich in den Sct'utz der polnischen Festungen begibt, und zwar mit seiner vollständig intakten Ar- n:ee. nach einem Rückzug angesichts überlegener Kräfte. Dieser Rückzug läßt sich an Glanz nur vergleichen urit dc:c- ieaigcn. den Sir John French und das britische Erpedilions- •f f<* in der ersten Phase des tranzöiiichen Feldzuges var- R»«e Tageszeitüng. Montag, d«n 28. September 181« genonimcn hat. Der deutsche Generalstab richtete den Kern seiner Kräfte gegen den ausweichenden General Rennenkamps, und siehe da, er tat nur einen Schlag in? Wasicr." Diese köstliche Leistung Münchhausens wird auch in den kundigen Kreisen Rußlands und Englands Helles Lachen wecken. Wir aber wünschen dem General Rennen- kampf noch viele solcher glänzenden Heldentaten und dein deutschen Generalstabe noch viele derartige Schläge ins Wasser. ( f in 51jijhrim firifgefrfinJiUigrr! (Ein Beispiel deutscher Begeisterung.) Helr Rentner Middendorf von hier, stellt uns folgende PoslkPtc seines im Osten kämpfenden Bruders zur Vcr- iüaung,: Margenpol (Rußland), 17. Sept. 1911. Lieber Withclm! Seit 17 Tagen haben wir heute den ersten Ruhetag, nachdem wir auch das letzte russische Armeekorps geschlagen haben. Die Leistungen des 1. Armeekorps wirst du gewiß in den Zeitungen gelesen staben, wir bekommen fast gar nichts zu lesen, habe schon oft um Zeitungen gebeten aber keiner schickt welche. Tu ftagst wie alt ich sei? Am 1t. Juli wurde ich 61 aber Gott sei Tank immer noch wie lei den 8. Husaren, bin selbstverständlich mit Einwilligung meiner Fra» freiwillig in den Krieg gezogen. Du kannst dir doch wohl denken, daß ich als alter Husar unter keinen Uniständen bei der Landwehr oder gar Landsturm gegangen wäre. Es sind ja furchtbare Strapazen, denen man aufgesetzt ist aber was tut inan nicht sür sein liebes Vaterland. Wen» du sichst wie die Rüsten »»scr Ost- und Westpreusien vernichtet habe», tauscudc von Güter und Gehöfte i» Brand gesteckt, tausende von Familien mit kleincn Kinder» ziehen auf Wagen im Lande umher »>,d dieses alles aus purem russischen Uebermut. Jetzt hat er ja von uns die Nase voll, denn gestern haben wir das letzte riissische Armeekorps geschlagen, auch liier ist schon viel in Flainincn aufgegangen Am meisten sind die Russen selbst von uns mitgenommm worden. Ani 29. August erbeuteten wir 1 Million Riibel, welche heute an die Teilnehmer der Schlacht bei Neiden- burg verteilt werden, jeder bekomint den siebenfachen Betrag seiner täglichen Löhnung. Ich bekomme täglich 2,10 mal 7 macht 11,70 Mk. Die Feldpost befördert infolge der Schlachten sehr langsam. Hoffentlich ist die Sache bald zu Ende, denn unsere Grenzen sind vollständig vom Feinde gesäubert. Auf Wiedersehen so Gott will. Mit hcrzl. Gruß Tein Bruder Louis. Parteirmchrichteii. Reichstagsabgeardncter Semler f Hamburg, 23. Sept. Reichstagsabg. Dr. Seniler ist heute im Alter von 68 Jahren hier gestorben. Dr. Johannes Semler war am 6. Oktober 1858 in Hamburg geboren, wo er sich nach Vollendung feiner juristischen Studien als Rechtsanwalt niederließ. Der nationalliberalen Fraktion des Reichstages hat er als Vertreter des zweiten hannoverschen Wahlkreises Aurich-Wiltmund seit mehreren Legislaturperioden angehört. Auch als führendes Mitglied der Hamburger Bürgerschaft hat er sich eifrig betätigt; eine Reihe von Jahren hindurch war er dort. Vorsitzender der Fraktion des sogen, linken Zentrums. Als Anwalt wie auch als Politiker hat Dr. Semler sein Interesse besonders koloniale» Angelegenheiten zugewandt. Bei der letzten Wahl siegte er mit 12 855 Stimmen über 1516 reichsparteiliche. 2686 sozialdcmolratischc und 1816 freisinnige. Ans der Heimat. * Frftdbekg, 28. Sept. Die für den 25. und 26. September 11114 angesctztc Geldlotterie zum Besten des Thüringer Museums in Eisenach mutzte der Kriegslage wegen verschoben werden. Der neue Zichuiigstcrmin wird rechtzeitig bclannt gegeben werden. Die bisher verkauften Lose behalten selbstverständlich auch zu der neuen Ziehung ihre Ellltigleit. * Fricdbcrg-Aaurrbach, 28. Sept. Gestern feierten die Eheleute August Ccheiiermann u. Frau Lina, geb. Thomas das Fest der silbernen Hochzeit. Wir gratulieren dem Jubelpaare aufs herzlichste und wünschen ihni ein „Glück Auf" zur „Goldenen!" * Hungen, 25. Sept. Heute Montag findet dah-er, wie alljährlich der Pränüicrungsmnrkt statt, aber nicht in seinem vollen Unifang. Durch die Kriegslage fällt Prämiierung und Verlosung -oeg. Trotzdem hat der Kreis- ziegenzuchtvcrcin Gießeii sein vollständiges Erscheinen an- geordnct und ist etwa mit 60—70 Stück Vieh aufgefahren, hierunter llic Hälfte Böcke, der andere Teil Ziegen und Lämmer. Der Bullen- und Schwcineinarkt findet wie iinmcr statt. — Tic ttzabcfreudigkcit sür das Rote Kreuz hat sich selbst bis in die Zuchtvcreinc hineingetragen. So bewilligte der Kreisziegenznchtverein Gießen 100 Mack, der Lokalvercin Utphe 10 Mack. Leider hat erstgenannter Verein eine schwere Einbnße erlitten, denn er verlor bei der Einnahme von Namnr seinen l. Direktor. Herrn Ne- scrvcleutnant Tan»n-Lich. Er starb den Heldentod siic's Vaterland. Ei» treues Andenken wird ihm bewahrt bleib». Hestkii-Rastau. * x. Obrriusiel, 25. Sept. Von Oberuisel starben ben Heldentod fürs Vaterland: Karl Seng, Oberleutnant Müller, Hch. Prcujch, Ludwig Schultheis, Franz Kürtner. — Von verschiedenen Seiten wird geäußert, er wäre >m »Interesse der allge- >,-einen Woqltätigkeit. die Spender der einzelnen Liebesgaben für unsere verwundete» Soldaten nicht ösfentlich mit Namen ausznsühren. Abgesehen davon, datz dies das Zartgesühl der Spender verletzen mutz. würden die Spalte» der Blätter nicht genügen, wollte man alle diejenige» ausjühre», die Verwundete mit Liebesgaben erfreuen. — Noctidem jetzt eine wunde— X Seife 3. voll« Herbstwilterung eingesetzt, geht das Ernten der Kartof sein rasch vor sich. Der Aussall ist sowohl in Qualität wie auch in Quantität recht zufriedenstellend. Von Mäusfratz wird aus den Feldern so viel wie nichts gespürt. Die Edelkastanien, welche immer noch einige Zeit zur Reise brauchen, dürften bei anhaltend guter Witterung einen besseren Ertrag liefern, wie im vorigen Herbst; von den damals aus verschiedenen Taunusorten gemeldeten Schäden, hauptsächlich an der Rinde der Ka- stanicnbäume, ist hierorts auch diesmal nichts zu verspüre». * j. Usingen, 28. Sept. Dem ministeriellen Erlasse entsprechend. bctr. die militärische Vorbereitung der Jugend während des mobilen Zustandes, ist der Ortsausschutz sür Jugcndpslcgc hier am Werk, die männliche Jugend der Stadt Usingen und der benachbarte» Orte zu einer Uebungskoncpagnie zusammen znschlietzen. Auch die Turngemcind- Usingen ruft die »och nicht einbcrusenen Kriegsfreiwilligen und alle über >6 Jahre allen Jünglinge zu Uebungen aus, die eine Vorbildung für die Verteidigung des Vaterlandes bezwecke» und die Jung mannen schon jetzt bcsähigcn, im Rotjall militärische Dienst leistungc» zu übernehme». * Wiesbaden, 25. Sept. Ein bei den Kämpsc» in Nord srankreich verwundeter Krieger aus Wiesbaden, der jetzt da selbst im Lazarett liegt, teilt uns jolgcndes mit: Nachdem ick am 28. August bei den Gefechten zwischen Odroncour und Vary verwundet worden, mutzte ich noch einige Zeit i» der Nähe der- Eescchtsseldes verweilen, damit erst de» weit schwerer verwu» drlcn Kameraden Hilfe wurde. Es siel mir ans, datz bei al den Leicht- und Schwervcrwundctc», die vst aus Händen u»t Jähen sich vom Ecscchtsseldc entfernen mutzten, kein Laut der Jammers zu vernehmen war. Bald daraus »ach Odroncour verbracht, wurden wir vo» deutsche» Stabsärzten verbunden und jeder Verwundete erhielt einen Zettel mit genauer Beschreibung der Verletzung, um eine Weiterbehandlung im Feld- lazarett zu erleichtern. Am 29. August fand unsere Ilcbcrsühr- nng in das Feldlazarett nach Mouzan statt. Eine srcundliche Behandlung ließen uns während unseres dortigen Aufenthalts die französischen Schwestern »»gedeihen. Eine Beobachtung konnte man hier machen, wie leicht der verwundete Franzose zum Stöhnen und Jammern geneigt ist. Nach 5 Tagen wurden wir nach Florcnville überführt, in der dortigen Kirche UN tcrgcbracht und zum ersten Male in Behandlung von deutschen Schwestern genommen und zwar vo» solchen, die früher im städtischen Krankcnhause i» Wiesbaden beschäftigt waren. Am 3. September ging es in drei Automobilen nach Marblca», wo nKr die ersten Liebesgaben cmpsingcn und von da mit Lazarettzug über Arlon, Luxemburg, Wasierbillig via Trier nach Koblenz, wo wir am 1. September um 1 Uhr früh anlangten Bon da ging cs in schnellerem Tempo »ach Wiesbaden. * Wiesbaden, 26. Scpt. Der Vorstand der Landwirt schaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden genehmigte die Wahl des Landes-Oekonomierais Siebert Frankftirt a. M. zum Vorsitzenden des Ausschußes sür Gärtnerei, des Gärtncrei- besitzers E. Becker-Wiesbaden zu dessen Stellvertreter sowie des Garten- und Eemüscbaulehrers Langc-Frankjurt a. M. zum Geschäftsführer des Ausschußes, des weiteren die Kooptation des Gemüftgärtners Fr. Wittmann-Wiesbadcn in diese» Ausschuß. * Wiesbaden, 26. Scpt. Verschiedene Landwirte halten sich für berechtigt, den russischen Arbeitern einen Teil des vereinbarten Lohnes einzubehalten, um sich gegen Nachteile z» sichern, falls die russische» Arbeiter während der Wintermonate nicht in ihre Heimat zurückkehren können. Der Landwirtschafts- Minister verurteilt NI einem Erlaße an die Preußischen Landwirtschaftskammern dieses Verhalten aus- schärsste. Landwirte, die sich eines solchen Vertragsbruchs schuldig machten hätten zu gewärtigen, datz ihnen die Beschäftigung ausländischer Arbeiter in Zukunft nicht mehr gestattet wird. * Aus Nassau, 26. Sept. Die Maul und Klauenseuche jene Geitzel der Landwirte, hat sich im Nassauer Land wiedei ziemlich ausgebreitet. Sie wütet zur Zeit im Landkreis Wiesbaden, in Biebrich, Fraucnstcin, Schierstein, Eddersheim und Wcilbach; im Stadtkreis Wiesbaden in 2 Gehöften: im Kreise Höchst a. M., in Okriftel und Zeilshcim und im Rhsingaukrc'^ in Eltville. * Vom Kreuzbcrg in der Röhn, 25. Sept. Infolge eine- Lnngenlcidcns starb 38 Jahre alt der frühere Quardian des Franziskanerklosters aus dem Kreuzbcrg P. Korbinian Rein hart, eine in der Touristcnwclt bekannte und beliebte Persönlichkeit. * Tarmstadt, 26. Scpt. Das Kriegsgericht verhandelte an- Dienstag in Worms gegen den Landwehrmann Heinrich Strack aus Herrnsheim wegen Achtungsverletzung unseres Militärs, Beschimpsung unserer militärischen Einrichtungen usw. Er war Ende vorigen Monats in Worms als Landwehrmann eingezogen worden, hatte schon seine Unisorm empfangen, scheint aber, da er früher schon einmal im Ausland gearbeitet hat, einer derjenigen zu sein, die in charafterloscr Weise die Heimat und das Vaterland gerne vergessen, wenn sie tm Falle der Not immer wieder gern dahin zurückkehren. Dem Angeklagten schien die Einberufung nicht gepatzt zu haben und machte nun in seinem aufgeregten, jedensalls auch durch Alkohol nervös gewordenen Zustand in einer Wirtschaft Luft, indem er über den Krieg und die Fürsten schimpfte und auch über Deutschland seine üblen Reden ergoß. Obwohl noch viele Ka mcrade» bei ihm waren, ging er sogar soweit, zu behaupten sein srüherer Dienstherr in Longwy sei durch die deutschen Co! baten ohne jeden Grund erschossen worden. Natürlich wurbc Sie Ausregung in oem Lokale groß, doch bestreitet der Angc Nagte heute alle jene Aeutzerungen getan zu haben. Er wurde aber durch die Zeugen vollständig übersührt und zu der emv sindlichen Straft von 8 Monaten Eesängnis verurteilt. Franksnrter Wetterbericht. Vorauscog«: Wechselnd bewölkt, Regenschauer wahrschein lich, ctine Temperaturveränderung, zeitweis ousfrischende Nord Osiwi,dc. Verantwortlich sür den politisch«» und lokalen Teil: Otto 1 Hcrschcl, Fricdberg; für den Anzeigenteil: K. Sch in i dt, ' Fricdbcrg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung'. 8t. G., Fried dem i. H Rr. 227 Meile Tageszeitung. Montag, den 28. September 1811 Seite 4. Freunden und Bekannten die traunste Mitteilung, datz cs Eiott dem Allmächtigen gefallen !;cif, gestern abend um 9 Uhr meinen liebe» Mann, unseren guten Vater, Sohn, Schwiegersohn, Bruder und Schwager Kenn (l i« 3 -Zimmer-WlihMllg mit abgeschl. Vorplatz und Zubehör an ruhige Leuie x. 1. Nom zu Dcrmic'.en. Näheres Friedberg- Rcuicrbaii), Klauienstr. 12. Kaufmann im 38. Lebensfahre nach langem, schwerem Leiden zu sich in ein besseres Jenseits abzurusen. Echzell, den 27. September 1914. Ziii tarn Der IrllilMliitn ^iiitcrblicBf kch : Thekla Atzmus. Die V.'erdiguitg findet statt Dienstag, den 29. September, nachmittags 3 Uhr. I 40 Zimurerleilte n. 10 Schreiner bei hohem Lohn losort gesucht Heinrich Giar, Bnd-Nanheim. Mittelste. 17. Einige tüchtige Handlanger ! gesucht. Th. Morsehel 3 immi! platz,Bad-Nauhei III. (Vill ^III,g|> b-r die Bäckerei er- Litt lernen will kann bei mir gegen Vergütung in die Lehre treten. 5^oc = ü m EBoh?h!«;c3!Oji. krot- n. ifinbädierfi, frirtbfrg. Zwei 3'/-jährige lräftige KartoffeMefernna. Die Lieferung von 520 Ztr. prima Wettera.iee Speisekae- toffeln lZnbuftrie) allsgelesene Ware, sür das Bürgerhospitat uns Bersorgungshaus. soll vergeben werden. Die Lieserungsbedingungen liegen im Eeschaslszimmer der Almenverwaltung im Rathause offen. Angebote sind bis längstens zum 8. Oktober l. Is., vormil- lags lt Uhr. daselbst schriftlich einzurcichen. Friedberg, den 22. Sept. 1914. Die städtische Armenlomiuisffo i. __ Stahl. Jur grfl. Keachtnttg! Von Dienstag Abend 6 Uhr bis Mittwoch Abend G'» Uhr bleiben unsere Geschäftsräume hoher Feiertage wegen geschloffen. Warenhaus GefchwHterMayer Friedherg (Hessen). (Eisler Schlag) prima im Zug bei HrrmannOsttzeim 2.,Kk!Ieiialt. Aufruf Der Verdacht ist gerechtfertigt, daß sich noch immer belgische oder französische Brieftauben im Lande befinden. Diese Tauben werden nicht nur auf Taubenschlägen, sondern in allen erdenklichen Schlupfwinkeln, wie Kellern. Schränken, Kommoden, Körben sowie in Waldungen und Gebüschen versteckt gehalten. Hierdurch ist die Möglichkeit eines unerlaubten und für uns nachteiligen Depeschenverkehrs nach dem feindlichen Ausland gegeben. Die Beseitigung aller belgischen und französischen Brieftauben wird deshalb dringende Pflicht. Zur Erreichung dieses Zieles genügt die Kontrolle der Aufsichtsbeamten aber nicht, die Zivilbevölkerung mutz mithelfen und wird hierdurch aufgefordert, sich an der im vaterländischen Interesse liegenden Arbeit der Ueber- wachung unerlaubten Brieftaubenverkehrs zu beteiligen. Mo. föciicrttlföüiiiiiiniiü XVIII. AmttkoiP. B. S. D. E. K. Der Chef des Gencralstakes: De Graff, Generalmajor. Bin mit zirka 25 schönen erstklassigen Seigrer angekommen, worunter mehrere egale Paare, sowie wunderschöne schwere Jrrchtfinten sind. Wöchentlich treffen neue Transporte ein. Pferdeliandlung I^eopoM Mikia. ii> PorjllM n. Credit-Aemu gtieMerg Men) Eigetragene Genossenschaft mit b3 juurvr.il y i J.acob Hcrrmann, ).( Inhaber: Vallst. Schneider, "> j iiUel X imtie!, zu verlguien. | Heinrich 3mm, Schmiedemeister, V _ von,ladt._ ){ Eme junge ^ A| prima fnlirhult tt verkaufen. Jacob Boil er. Nuvverisbura. liurmstcher, selbftverserligt, rrotze Auswahl, Neparalureu billigst. Hch. Schmidt, Spriigsklmälter, Friedbeeg, Borst» lt Z. Garten Ist. Srralroyge» und Snotwelze» ansoertrouft. Slcinrirli 4I!cs. Siicder-Florstadt Eine Wahnnug an die Frank». Im Auftrag von 82 Frauenoereinen wendet sich der Nationale Frauendienst mit folgender beherzigenswerter Mahnung an unsere Frauen: „Die grotze Zeit mahnt uns mit gewaltiger Stimme zu wahrer schlichter Art. Deutsche Frauen! Kehret darum zurück zu seinsllhligem, bescheidenem Wesen! Fort mit Eitelkeit und Putzsucht und dem Auswuchs französischer HalbweldI Zeigt in eurem Benehmen jene Würde, die bei Freund und Feind Achtung gebieten mutz. Latzt uns den Pulsschlag der gewaltigen Zeit fühlen und stolze Deutsche werden! Militiielazarett in der Sbstbanslsiuie. Seit Mittwoch ist auch unsere Lbstvau» ». landw. Schule zu einem Militärlazarett ciugcrichtct worden. Im ganzen sind 40 Bette«» ansgestellt. Ten ehe,naligen Schülern dieser Anstalt ist nun Gelegenheit geboten, sich durch Spenden von Liebesgaben zur Berpslcgnng der in de«» von ihnen ehemals licbgctvonncncn Räumen untergcbrachten Berivnttdete»« ,;«« betätigen. Herr Direktor Spies; u. F-ran habe» die Leitung dieses Lazarettes nberno«n,nen «. dieselben sind gerne bereit, Gabe«» für die vcrlvnttdetc»« Mannschaste«« entgegen z»» «»ehmen.