Pmumer Jil8 flcttc w r onurrstag, den >7. Septemdcr Isst 1. Ta 7 . Jahrgang ln ,.lpinn!tule". Keruga^reia: Lei den Poitanstaltcn oierteliahrlich Mk. 1,^. *»r7: Agenten monatlich 50 Pfg. vinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Ameisen: Grun)-ci1e 20 Pig., lokale 15 Pfg^ Anzeigen von auswärts werden durch Po tnr.chnah-u.' erhoben Erfüllungsort Friedberg. Schriftteitnng und Verlag Friedberg lHe'ien ', Hanauer trage 12. Fern prechcr 4S. Postscheck» Tsnto 9lr. 4859, Amt Franlsnrt a. ?N. Es wird weiter gekämpft! Erschlaffung des fran;ösifchcn Heeres. — Niederlage der Serben. — Ein ftol;es deutsches Wort. — Amerika regt sich. Illnncr nod) liriiic Eiitllsiridilllg! Noch immer ringe« die deutschen Truppen auf einem ungeheure» Sckilachtjelde gegen die verbündeten Franzosen und Engländer und immer noch nicht ist die Entscheidung gefallen. Abermals find Angriffe der Franzosen auf -unsere Schlachtsront blutig zuriickgewiefen worden, während einzelne Gegenangriffe der Deutschen erfolgreich geblieben sind. Das sind die knappen Nachrichten, die uns vom Kriegsschauplatz zugingen. Sie beweisen lediglich, datz unser Heer unerschüttert steht und daß wir die beste Hoff- nung haben, bcn schweren endlichen Sieg zu erringen. Wenn man mehr erfahren will, so mutz man die Berichte iiiiserer Feinde lesen. Da geben englische Blätter zu, datz es im Centrum der Schlachtfront für die Deutschen ent steht. Ta gemeiniglich im Centruin die Schlachten entschieden werden, so ist diese Nachricht hochbedeutsam: nicht minder die, datz es den Deutschen gelungen sei, jetzt schon daS französische Nordheer von den Armeen im Osten z» trennen. Wenn das die Engländer zugeben, die doch sonst zu Gunsten Frankreichs das blaue vom Himmel herunterlügen, so haben wir keinen Grund, daran zu zweifeln. Ein weiterer Gradmesser bildet die Stimmung der Franzose». Als die deutschen Armeen ihre vorgeschobenen Truppen in der vorigen Woche vor feindlicher liebermacht in aller Ordnung, die selbst die Franzosen zugeben und bewundern. zzirückgcnominen hatten, da war man in Pa.-is himnielhoch jauchzend. Davon merkt man heute nichts mehr und die Stimmimg ist recht wenig zuversichtlich geworden. Denselben Geist atme» die amtlick^n französischen Mitt-sil- ringen über den Stand der Schlacht, lind was die Pariser Blätter dazu bemerken, lautet wenig hoffnungsvoll. Auch die Berichte, die nach der Schweiz kommen, bestätigen, datz die Lage der deutschen Armee günstig sei. Wir werdend erleben. Die Hauptsache ist, daß wir uns mit Geduld wappnen und auch weiterhin mit Vertrauen ans den endlichen Sieg, der je schwerer er errungen ist, um so glänzender sich gestalten wird, der Zukunft ent- gegeublicken. Der Stand der Schlacht. Amtliches Telegramm. Trotzes Hauptquartier, 18. Sept. abends. Die Lage aus dem westlichen Kriegsschauplatz ist seit gestern » n - »er ändert. An einzelnen Stellen der Schlachtsront sind Angrisse sranzäsischer Truppen in der Nacht vom 18. zum 18. und im Lause des 18. zurückgewiesen worden. Einzelne Ecgcn- angrisse der Deutschen waren erfolgreich. Bus Ergebnis der Schlachten um tembrrg. Wien, 18. Sept. Aus dem Kriegspresiequartier wird amtlich gemeldet. Der Sieg an der Huezwa hatte eine Kriegslage pefchajsen, die es ermöglichte, zu einem Angrisse gegen die in Lstgalizien eingebrochenen, sehr starlen russischen Kräfte vorzu- g.hen. In Erkenntnis der Notwendigkeit, unsere nach den Gejochten östlich Lemberg zurückgegangene Armee zu unterstützen, eihielt die in der Schlacht bei Komarow siegreich gewesene Armee de» Befehl, gegen den geschlagenen Feind nach kurzer Verfolg»-,ig nur untergeordnete Kräfte zurückzulassen, ihr Eros aber in dem Raume Rarol Uhnow zur Vorrückung in der ihrer bisherigen Angrisfsrichlung säst entgegengesetzten Direktion Lemberg zu gruppieren, was schon am t. September durch- ge iihrt war. Die Russen schienen nach dem Einzuge n die ihnen kampflos überlassene Hauptstadt Galiziens einen Flan- kenstotz in der Richtung Lublin vorzuhabe», wobei sie unsere t,m..r die Erodecker Teichlinie zurückgesuhrte Armee wohl vernäh lässigen zu können glaubten. Indessen stand diese Armee bereit, in die zu erwartende Schlacht »nserer nun von Norden gegen Lemberg anrückenden Armee» einzugreifen. Am 8. September war letztere Heeresgruppe bereits über die Bahnstrecke Rwraruska-Horyiiiee hinausgelangt. Sich weiterhin mit dem lv*;.K Flügel im Raum von Nawaruska behauptend, schwenkte sie mit dem rechten Flüge! am 8. September bis Kunriki, 'rat a» 7. September in einen ernsten Kampf gegen starke, nord- wärvi vorgeschobene feindliche Kräfte. Mit Tagesanbruch des 8. September begann auf der 78 Kilometer breiten Front Ko- inaroio-Rawaruska unser allgemeiner Angriff, der bis zum 1t. Svtc.nber durchaus ersolgreich, namentlich am südliche» Flll- gn! nahe an Lemberg, herangetragen worden ist. Trotz dieser Erfolge ist es notwendig geworden, eine neue Gruppierung unseres Heeres anzuordnen, weil sein Rordsiügel bei Rawarusla bedroht war und frische, weit überlegene russische Kräfte sowohl gegen die vorwärts Krasnil kämpfende Armee, als auch ,n dem Raume zwischen dieser und dem Schlachtfelde von Lemberg vorgingen. In den schweren Kämpfen östlich Erodeck am '8. September waren die Erzherzöge, Armeelommandant Fr-cd- rich und Karl Franz Joses bei der dort angreisenden Division. Wie in allen bisherigen Schlachten unk teuften haben uo sere braven, NU» schon seit drei Wochen ununterbrochen kämpfende» Truppe» auch vor Lemberg ihr Bestes geleiste! und ihre Bravour und Tüchtigkeit abermals erwiesen. In der sünstägi- gen Schlacht hatten beide Teile schwere Verluste: namentlich bei Rawarusla wurden mehrere Nachtangrisse der Ruffen blutig abgeschlagen. Gefangene Russen, darunter viele Ofsiziere, wurden wieder in Massen eingebracht. Aus Ausweisen unserer leitenden Etappenbehörden geht hervor, das bisher 11088 Russen und 8888 Serben in das Innere der Monarchie abgeschoben worden sind: bisher wurden über 388 Feldgeschütze im Kamps erobert. — Resümierend kan» hervorgehoben werden, datz unsere Armee bisher altioster Weise in heldenmütigstem Kampfe dem numerisch überlegenen, tapferen und hartnäckig kämpfenden Feinde erfolgreich entgegentreten konnte. Der Stellvertreter des Ehefs des Generalstabs: v. Höfer, Generalmajor. Die Niederlage der Serben. Budapest, 16. Sept. Nach amtlicher Mitteilung sind die über die Save cingedruiigeiien Serben seit gestern Abend aus Syrnnen und Banat vollständig ve-rtricbcir. Der Der- tvcsbmrg vorangegangen ist, gleichsalls nach einer amtlichen Mitteilung, ein erbitterter Kampf bei Altpazua, wo etwa 12,000 Serben verschanzt waren. Etwa 3000 von ihnen wurden getötet und verwundet etwa tausend gefangen. Zahlreiche Geschütze und Munition der Serben wurden erbeutet. 8000 Mann flüchteten im Dunkel der Nacht über die Save nach Serbien zurück. Der Einfall der Serben nach Syrmien hat diese in der letzten Woche insgesamt 8000 Tote und 7000 Verwundete gekostet. Ciiiilliatt Stunt) der fsrifpanlriljf. Berlin. 16. Scpt. (W. B.) An der Börse wurde mit- geteilt, das, die Beteiligung an der Zeichnung der Kriegsanleihen eine äußerst rege ist und sich «us »sie Schichten der Bevölkerung erstreckt. Man dürfe mit Sicherheit auf ein glänzendes Ergebnis rechnen. Frieden mit in Ehren: Berlin, 16. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Die „Nord- deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: In den, Lügeuf.'ld- zug, der den Krieg des Dreiverbandes gegen Deutschland begleitet, treten seit einiger Zeit auch Meldungen über ein deutsches Friedeusbedierfnis, die sich mehr und mehr zu- spiben, auf. Bald wird von einer angeblichen Aeuhernug des Reichskanzlers über Deutschlands Geneigtheit zum Fricdcnsschlutz gesprocben, woraieshin Grey durch die Ver- miitluiig Amerikas eine stolze Antwort erteilt habe. Bald Iseitzt es, der deutsche Botschafter in Washington bemühe sich, den Frieden für Deutschland zu erlangen. Die Neu- tralen sollen durch solche Ausstreuungen den Eindruck empfangen, das Deu!sck>e Reich sei karnpsesmüde und müsse sich wohl oder übel den Friedensbedingungen des Dreiverbandes 'sllgen. — Wir setzen diesem Gaukelspiel die Cr- klürnng entgegen, datz unser deutsches Volk in dein ihm ruchlos ousgezwnngcnen Kamps die Waffe» nicht eher nic- dcrlegcn wird, bis die für seine Zukunst in der Welt crsor- derlicken Sicherheiten erstritten sind. DentscheGcfanqenein Südafrika London, 15. Sept. (W. B. Nichtamtlich) „Daili, Telegraph" meldet aus Johannesburg: Das Gefangenen- läge, in Nobertsbeights wächst täglich. Deutsche und Oestcrrcicher in, Alter von Ist bis 15 Jahren werden ans allen Teilen Siidafrikas dort zusammengebrackit. Jbre Zahl soll jetzt >560 betragen. Wie England die ilnitralität achtel. Kristiania, 16. Sept. Das größte Aussehen erregt folgende Meldung des Pariser Korrespondenten der hiesigen Zeitung „Astcpposten": Das „Echo de Pgris" gibt ziisam- men mit anderen Blättern offen der Ansicht Ausdruck, datz der Grotzc Belt unbedingt tür die englische Flotte geössnet ivcrdeu müsse, selbst wenn Däuemark dabei seine Neutra- lität aufgeb«» mutzte. Kopriihngrii, >6. Sept. Verbündeten müsse nun in die Ostsee eindringen, Dnnen>ar! könne nicht fernerhin neutral bleiben, schreibt das Regierungsblatt „Politiken": Dänemark kann darauf nur aml- worteii, datz die Kriegsbegebcnhciteu auf dem Kontinent, mie sie sich auch entwickeln mögen, nicht nuf dem Entschlich des dänischen Volkes einwirken können, während des Weltkrieges die strengste Neutralität anfrechtzi,erhalten. Amerikas flottr im Stillen (Oim Stockholm, 16. Sept. Die Flotte der Vereinigten Sta» ten im Stillen Ozean ist verstärkt worden und ein starkes Geschwader ist nach de» Philippinen abgcgange,,. Diese amerikanische Matznahmc, so schreibt die „Voss. Zeitung" dazu, gewinnt eine grotze Bedeutung, da sie zweiselloe die Antwort aus Englands Hilserus an Japan zur Unter- drückniig der indischen Ausstandsbewcguiig darstcllt. Französische Giftmordverfnche. Berlin, 16. Sept. Generalmajor Frhr. v. L., Kommandant einer Kavalleriebrigade, überreichte am 5. September vormittags der chemischen Untcrsuchungsstctte beim Sanitäts- amtc seines Armeekorps einen Rest von Kaffee, nach des' scn Genus; er sofort unter Bergtstungserscheinuiigey ertränkte. v. L. erhielt diesen Kaffee in einem französischen Dorfe in der Nähe von Luneville. Die Untersuchung ergab zweifelsfrei, datz der Kaffee arsenikartige Säure, davon einen Teil in Pulverform am Boden der Flasche enthielt und zwar iii einer Menge, die genügte, um den Tod eines Menschen her- beizuführen. Der Generalmajor ist inzwischen wieder herge» stellt worden. Die Zustände in Aegypten. Die „Reue Züricher Zeitung" bringt folgende als amtlich bezeichncte Meldung aus Berlin vom 12. September: Del deutsche Konsul in Aegypten meldet amtlich: „Bis morgen müssen die deutschen und österreichischen Konsuln Aegypten verlassen. Die übrigen Deutschen stehen unter schärfster polizeilicher Aussicht. Sie glauben, demnächst auch ausgewicscn zp werden. Bei de» Engländern macht sich eine starke Nervosität bemerkbar. Die in Aegypten seit dem 2ö. August erwarteten 18,888 bis 88,888 Mann indischer Truppen sind noch nicht ein- getroffen, lieber ihr Verbleiben lause» verschiedene Gerüchte um. Einige behaupten, die Cholera, andere, ein Ausstand sei in Indien ausgebrochen." Berlin, 16. Sept. Aus Wien meldet die „B. Z.", in den Mitteilungen eines Wieners aus Kairo wird die dortige Lage als sehr ernst geschildert. Fortwährend lamme es zu Revolten aus offener Strotze, die Regierung werde wahrscheinlich das Standrecht verhängen. Der wer! inbildjee Gruppen fiir den Krieg. Z» der aus London stammenden Mitteilung, es seien 70,000 Mann indischer Truppen nach dem europäischen Kriegsjehauplatz abgegangen, schreibt ein mit de» Verhältnissen Indiens wohlvertranter Herr, der auch früher schon aus Indien Berichte in der „Frankfurter Zeitung" verösentlicht hat: „Ich bin über zehn Jahre in Indien gewesen, habe est das ganze Land von Norden bis Süden bereist und mir auch das Militär dabei etwas angesehen. Da halte ich denn die Anssühriing der Idee für ausgeschlossen. Nach Aegypten konnten wohl noch indische Truppen geschickt werden. Auch da wird man bedacht gewesen sein, keine Mohammedaner zu nehmen. Aber einmal kommt dort die Verwendung nur gegen die einheimisehe Bevölkerung in Frage und, was mindestens ebenso in die Wagschalc fällt, die klimatischen Bedingungen sind wenigstens für die aus Nord- iudieil genommenen Leute nicht sonderlich verschieden von denen ihrer Heimat. Gegen unsere Truppen sind die indischen Regimenter von untergeordnetem Gefcchtswert. Ich glaube, unserem Artillcricfeucr wurden auch die besten indischen Truppen nicht einen Augenblick standhalten. Weit schlimmer würde aber das Klima auf diese Truppen wirken. Jetzt wo der Herbst einsetzt, würden diese Soldaten, die auch im Norden Indiens kaum je für längere Zeit wirk- lichcr Kälte, vor allein nasser Kälte, ansgesctzt sind, einfach die Lazarette füllen. Im allgemeinen tragen sie kein schwe- I res Gepäck. Wollte man ihnen noch besondere Schutzmittel Nr. 218 Neue Tageszeitung. Donnerstag, den 17. September 1314 ee tc 2 gegen Kälte und Regen in Gestalt von Mänteln, Zelten usw. aufblirden, so würden sie versagen, und die Mittel würden nichts Helsen. Nein, ich glaube nicht, daß Lord Kitchcner als Höchstkommandiercnder in Indien so wenig gelernt haben soll, lind er wird auch Indien nicht von Truppen entblößen wollen, deren Entsendung unter icn heutigen Verhältnissen dort eine unerwünschte Aufmerksamkeit und ein Aufheben der gewaltsam etwas cinge- dämmten Agitation unter den Eingeborenen zur Folge haben würde." (Wenn er sie nun aber gerade deswegen von Indien fortgenommcn hätte, damit sic nicht einen ars- brechenden Aufstand sich anschließen und ihm als militärische Stütze dienen? D. Red.) Kräftigung der Türkei. Wien, 16. Scpt. (Nichtamtlich.) Die „Politische Eor- tespondcnz" erhält von ihrein Gewährsmann aus Konstantinopel folgende Mitteilung: Tie Tätigkeit, welche die deutsche Militärmission in Konstantinopel entwickelt, hat nach dem Urteil von Angehörigen der Armee sowie ausländischer fachmännischer Beobachter zu sehr ersprießlichen Erfolgen geführt. Dit Mitglieder der Mission arbeiten mit unermüdlichem Eifer daran, das Ottomanische Heerwesen mit dem Geist«? strengster Manneszucht zu erfüllen, alle Nach- lässigkciten und Korruption auszurotten und auch den Geboten der Hygiene Achtung zu verschaffe». Die Früchte dieser Erziehung zeigen sich auch bei der Durchführung der Mobilisierung. Es ist nicht zu bezweifeln, daß zu der festen Haltung, welche die Pforte in der jctzigen^rraL^ijchen Krise gegenüber Rußland zeigt, auch das Bewußtsein beiträgt, über ein wohlausgebildetes Heer zu verfügen. Das vollständige Gegenstück zum Wirken der deutschen Heeresinstruk- toren bildet das der englischen Marinenlission. Man hat allgemein den Eindruck, daß die englischen Marincossiziere die Aufgabe um derctwillen sie nach Konstantinopel berufen wurden, nie ernst genommen haben. In der kleinen otto- manischen Flotte war seit Ankunft der Mission nicht nur kein erhöhter Eifer, sondern überhaupt keine Tätigkeit zu entdecken. Die britischen Offiziere widmeten ihre Zeit vornehmlich der Pflege von Tennis und Bridge. Es mußte sich, zumal nach der Beschlagnahme zweier türkischer Groß- kampfschisse durch die englische Regierung die Ueberzeugung aufdrängen, daß man von englisckier Seite die türkische Marine in einem Schwächezustand zu erhalten sucht. Ans Frankreich. Di« Erschöpfung der srauzösisch«» Trupp««. Der Pariser Korrespondent d«r „Iribuna" gibt ein trübes Bild non den sranzöstschen Truppen. Die aus dem Marsche befindlichen Leute seien völlig erschöpft von den Strapaze» aller Art u»d non der Hitze. „Mit struppigen Bärten und sonnverbrannten Gesichtern, unter der Last des Gewehrs und des Tornisters säst erliegend und vornübergebeugt, schleppen sich die Soldaten aus der Landstraße dahin. Alle sind so am Ende ihrer Kräfte, daß sie glücklich sind, wenn sie sich mit der Hand an einem nebenan fahrenden Karren scsrhalte» können. Alle diese Leute tragen die Spuren schlafloser Nächte und endloser Mühen. Regimenter folgen aus Regimenter und überall zeigt sich dasselbe Bild nnbcschreiblicher Erschöpfung. Kein Soldatenlied erschallt in den Reihen, leine forsche Militärmusik. Die neben der Truppe einherrcitcndcn Offiziere sind ebenso erschöpft. Wenn ein Regiment Halt macht, sollen die Leute einfach hin und schlasen. Keiner denkt an Essen." — „Wie lange sind Ihre Leute schon aus dem Marsche?" fragte der Korrespondent einen Offizier. Die Antwort lautetet „Seit drei lagen." Und der Ossizier sägte hinzu: „Was hat das alles sür einen Wert, wir werden ja doch wieder geschlagen, nicht weil wir schlechte Soldaten wären, sondern wegen dieser verwünschten roten Hosen." Die meiste» nüchtern denkenden Pariser, schließt der Korrespondent, sind jedes Optimismus bar. Sie halten den Rückzug des General Klack nur für eine strategische Finesse. Wie die Franzosen im eigene» Lande hausen. Berlin, 16. Sept. Unseren Truppen siel folgender Besch! des Kommandanten der ersten sranzösischen Armee in die Hände, der in wörtlicher deutscher Ucbersetznng wie solgt lautet: „Es ist dem Oberbcschlshaber der ersten Armee durch die Stadtbchördc von Rambervillcrs zur Kenntnis gebracht worden, daß sich Soldaten in dieser Stadt zu Akten der Gewalt- tätigteit und Plünderung haben Hinreißen lassen. Diese Handlungen sind umso bedauerlicher und verwerslichcr, als sie auf s r a n z o s i s ch e m Boden begangen wurden. Der kommandierende General des 21. Korps wird svsort eine Untersuchung in dieser Angelegenheit einleiten, damit die Urheber der Verbrechen den Kriegsgerichten übergeben weiden können, (gez.) Dubail." — Mit diesem Dokument wird die besonders bei unserer kronprinzlichen Armee gemcld-te Wahrnehmung, daß die französischen Truppen sogar im eigenen, Lande plündern und rauben, von amtlicher französischer Seite bestätigt. Wieder ein sranzöjisches Lob der deutschen Truppen. Berlin, 15. Sept. Einen bemerkenswerten Brief veröffentlicht der „Temps" vom 6. September über das korrekte Verhalten der deutschen Trupp,,, i» Nordsrankreich. Staatsrat Gouver (Rouen), der die betreffenden Gebiete in amtlicher Eigenschaft bereist hat, bcllagt den überstürzten Abzug der Zivilbevölkerung von Rouen. Er erklärt, daß sich Taten der Deutschen, wie sie aus Belgien gemeldet wurden, im Norden von Frankreich nicht ereignet hätten. (Aum. d. Ler.: In Frankreich war natürlich die Mär verbreitet, daß die deutschen Soldaten in Belgien alles verwüstet und die Bevölkerung schlecht behandelt hätten). Es wurden keine Gebäude angesteckt und alle Requisitionen von Fleisch, Brot usw. wurden bar bezahlt. Als der Berkäuser eines Fahrradgeschäfts nicht anwesend war, nahmen die Deutschen die nötigen 3 Fahrräder erst, nachdem sie den Bürgermeister ausgesucht und diesem eine Quittung darüber übergeben hatten. Scharf gingen die Deutschen nur in Häusern vor, deren Besitzer sich cntscrnt hatten, denn sie suchten überall Proviant und werden nur zornig, wann man ihnen solch- verheimlicht oder verweigert. Herr Gouver bezeugt zusammcnsassend, er müsse anerkennen, daß er in der ganze» großen Gegend, die er bereist habe, keine Klagen der Bevölkerung über die Deutschen gehört habe. Aus Belgien. Ungebetene Gäste. Am Schluß eines belgischen Reiseberichtes, den Herbert Eulenbcrg in der „Köln. Ztg." abstattete, schreibt er: „So anständig ich unsere Soldaten und vor allem unsere Ossiziere sich gegen die Eincklohncr betragen sah, so töricht und minderwertig sand ich gelegentlich das Benehmen deutscher Zivilisten, die nur aus Neugierde oder Sensationslust jetzt das Land durchreisen. „Wir werden schon Zug in diese schlappe Bande bekommen!" hörte ich einen Deutschen in einem Hotel in Namur einen alte», vornehmen Kellner auschnauze», der, verbasclt, wie er durch den Krieg geworden. vergessen hatte, mit dem Biate» den Salat zu servieren. Derlei Erobererallüren wirken namentlich einen, schwächeren Gegner gegenüber höchst häßlich. Man sollte überhaupt seitens unserer Behörden nur solchen Zivilisten, die ein berechtigtes öffentliches Interesse vertreten und geltend machen können, eine Reise durch Belgien gestatten. Privatleuten, die nur bloß! Anregung oder Stoff sür Stammtisch- Unterhaltung suchen, möge man strengstens fernhalten. Es ist scheußlich, wenn man Touristengcspräche vernimmt, wie: „Waren Sie noch nicht in Löwen? Unbedingt zu machen! Wir sind gestern im Mondschein von Brüffel dorthin gefahren. Schauerlich großartiger Eindruck! Wie Pompeji!" Allen solchen Reisenden, die Schlachtselder und Ruinen dort mit stumpfer Teilnahme wie irgend eine Cooksche Reisegesellschaft abgrasen, sollte der Eintritt in Belgien nach Möglichkeit versperrt werden." Man kann diesen Ausführungen nur zustimmcn und hoffen, daß die Regierung ihnen Gehör schenke. Bisher hat unsere Armeeleitung in dankenswerter Weife alles getan, um ungebetene Elemente fernzuhalten. Sorge man auch dafür, daß derartige Schlachtenbummler anderswo ihre R-rven kitzeln können, als auf dem Schlachtfeld. Die deutschen Barbaren. Der Kriegsberichterstatter Karl Ludwig schreibt in einem Bericht u. a.: Auf dem Brüsseler Wcstbahnhof irrt eine blasse, verhärmte Proletarierfrau umher, einen zehnjährigen Knaben an der rechten Hand, ein etwa gleichaltriges Mädchen an der linken. Sie fragt sich durch von Mann zu Mann, von Offizier zu Offizier. Endlich hat man sie begriffen und weist sie zu einem Zuge auf dem letzten Geleise! Sie hat in der Stadt erfahren, daß Gefangene vom 11. belgischen Linienregiment in Brüssel angelangt sind, um weiter besördert zu werden, und nun kommt sie aus gut Glück, um zu sehen, ob ihr Mann darunter. Mit den beiden Kindern geht sie an der Reihe der Wagen entlang, in jeden mit angstvoller Stimme hincinrusend: Michel! Michel! Neugierige Gesichter strecken sich vor, aber ihr Michel ist nicht darunter. Hoffnungsloser klingt es: Michel! Michel! Keine Antwort! Endlich, im letzten Wagen, schnellt ein Mann, da er die bekannte Stimme vernimmt, von der Holzbank aus — er ist'?! Und gibt ein trauriges Wiedersehen »ach sünf bangen Wochen! Sie küssen sich, er zieht die Kinder an seine Brust, über seine gebräunten Wangen rinnt cs heiß und naß, ein lrampshastes Schluchzen schüttelt ihre schmalen Schultern und Bub und Mädel weinen fassungslos — dann fährt der Zug! Deutsche Soldaten stehe» umher, still und ergriffen, und in jedem Gesicht ist zu lesen: Welch ein scheußlich Ding ist der Krieg! Als aber die Frau erzählt, daß sie kein Brot mehr im Schrank habe und noch eine alte Mutter ernähren müsse und ein drittes Kind sei verkrüppelt, da greift einer der Feldgrauen in die lasche und drückt der Verzweifelten fast scheu einen Franken in die Hand. Und ein zweiter macht cs ebenso und ein dritter und ein vierter . . . Und ein Proviantamtsbcamter kommt herzu, fragt, vernimmt, packt Bub und Mädel an der Hand und als sie zurllckkehren, trügt jedes der beiden im Arm ei»e große, große deutsche Wurst und lächelt unter de» Tränen- spuren..... „Die Barbaren sind in Brüssel!" Sie frtunolfn über die Schier. Ter Franzose Romain Rolland hat einen phrasettgc- s sclwollcnen Brief an Gerhard Hanptmann gerichtet, in dein er sich besonders Über den Nentralitätsbrnch gegenüber Belgien aufrcgt. Zur rechten Zeit erinnert der Schrift stille- Norbert Jacques den Briefschreiber daran, wie verächtlich sonst die Franzosen über Belgien gedacht hatten: Rolland spricht voni „edlen Belgien", von der „hochherzigen Nation!" Aus cininal! So wie cs vor 1S70 nichts Lächerlicheres sür einen Franzosen gab als einen Elsässer (so oft in einem Ronian eine komische Persönlichkeit vorkam, war cs entweder ein Neger oder ein Elsässer), so bestand bis zum August 1914 nichts Geringeres und Verächtlicheres für einen Franzosen als der Belgier. In ihm sah der Franzose den schauderhaften Versuch, den edlen Ein- ischtuugen des Franzosentums kläglich »achzustrcben. Er war eine Mißgeburt, die ihm Ucbclkcit erregte. Er wandte sich mit heftigem Abscheu, mit giftigstem Spott gegen die belgische Nation, mit verächtlichster Ungerechtigkeit sogar. Ein Dokument sür die Stellung des Franzosen zun« Belgier ist das Buch, in dem Octave Mirbeau eine Auto-Reile durch Belgien schildert. Es ist vor nicht langer Zeit crschie- neu. Er läßt darin keinen belgischen Meitenstein, an den, das Auto vorbeirast, unangespuckt. Ich fragte jüngst auf einem Dampfer eine Pariserin die einen belgischen Namen hatte, ob sie denn eine Belgierin sei. Ta sprach sic aus der ganzen Reise kein Wort mehr mit mir. Und ruf einmal ist Belgien eine Rassenation, der deutschen Brutalität anheimgesallen. Franzosen, ihr hattet doch Armeen, i-ics edle Volk vor der Invasion „Attilas II." zu retten. Ans Rußland. Die Russen über die Schlacht bei Lemberg. Wien, 18. Sept. Die Petersburger Telegraphenagentul hat in den letzten Tagen die gewohnte» phantastischen Siegesmeldungen anläßlich des Abbruches der Schlacht bei Lemberg gebracht. Als Beleg für diese wird von 38 000 Kriegsgefangenen, die die Russen gemacht hätten und vom Verluste von 98 Kanonen gesprochen. Es ist interessant, festzustcllen, daß in dem offiziellen Eommuniquc des russischen Generalstabes vom II September über die Ereignisse um Lemberg nurmehr von 30 Kanonen und 8000 Gefangenen die Rede ist. Von der Armee des Generals Brussilow wird zugegeben, daß sie sich in kritischer Lage befand, und daß es ihr nur »ach schweren Kümpfen gelungen ist, uns den Sieg zu entreißen. Es war zu erwarten, daß die russischen Eommuniques die aus strategischen Rücksichten trotz des Sieges unserer Heereskörper um Lemberg erfolgte Zurücknahme unserer Armee zum Anlaß nehmen würden, Siegesnachrichten in die Welt zu posaunen. Daß dies in so zahmer Weise geschieht, dürste die Oesfentlichkeit davon überzeugen, daß man unseren offiziellen Nachrichten, die nichts be. lchönigen und nichts verhehlen, vollstes Vertrauen entgegen- bringen kann. Die verkannte Klopfpeitsche. Berlin, 14. Scpt. Die „Nowoje Wrcmja" vom 3. Scpt. d. I. veröffentlicht folgende Notiz: „Die Ausrüstung der deutschen Kriegsschiffe. Bei der Untersuchung des deutschen Kreuzers „Magdeburg" stellte sich ein interessanter Umstand heraus, der auf die Behandlung in der deutschen Marine schließen läßt: In jeder Offizierskammcr fand sich eine lederne Peitsche, Handgriff 25 Ztm. und neun Riemen von 3 Zentimeter Länge. Auf dem Griff ist K. M. (Kaiserliche Marine) und der Name des betreffenden Offiziers cingestempclt. Diese Peitschen zeigen das Merkmal eines sehr häufigen Gebrauchs. Besonders abgenutzt ist diejenige des ersten Offiziers, der je nach dem Charakter seiner dienstlichen Tätigkeit am meisten mit den unteren Chargen der Besatzung in Berührung kommt." — Soweit die „Nowoje Wremja". Daß die Russen, die Verteidiger de» Knutenregimcnts, eine Ahnung haben, daß außerhalb Rußlands Klopfpeitschen nicht zur Regierung, sondern zum Klopfen der Kleider zwecks Reinigung benutzt werden, kann nicht weiter in Erstaunen setzen. Der Zar empfängt Verräter. Wien, 14. Sept. Gegenüber der Meldung der Petersbur» ger Telegraphen-Agentur, daß der Kaiser von Rußland den „Präsidenten des galizischen Landtages" Dudykiewicz in Audienz empfangen habe, stellt das Wiener k. k. Telegr.-Korresp.- Bureau fest, daß Dudykiewicz ein bekannter russophiler ruthe- nischer Abgeordneter, aber niemals Präsident des galizischen Landtages gewesen ist. Bekanntlich bekleidet die Stelle des Präsidenten des galizischen Landtages seit jeher ein Pole und nicht ein Ruthene. Zudem war Dudykiewicz wegen russophiler Umtriebe bereits in Untersuchungshaft. Im Lembergcr Hochverratsprozeß war er der Verteidiger eines der Hauptangeklagten. — Die „Reichspost" bemerkt zu der Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur: „Mag der Zar einen oder anderen der Verräter huldvoll empfangen und mit der schmutzigen Gesinnung auch hier gemeinsame Sache machen, die österreichischen Slawen wollen mit den Verrätern nichts zu tun haben. Sie kämpfen desto erbitterter gegen jene, die in den slawischen Völkern solche Individuen emporheben. Uebrigens dämmert langsam auch in Petersburg die Erkenntnis, wie falsch eine der hauptsächlichsten Voraussetzungen der russischen Berechnung, nämlich die Zuversicht aus den Zeisall des Reiches infolge der Betörung der Slawen durch die verlogene allslawische Hetze, sich nun erweist. So spricht der Petersburger „Russkoie Slovo" seine Verwunderung darüber aus, daß unter den gegen Rußland so tapfer kämpsenden Truppen neben Deutschen und Magyaren auch Serben, Polen, Tschechen und Kroaten stehen, die gegen die slawischen Brüder in erster Linie kämpfen." Vom Valko». Verzweifelte Lage in Serbien. Wien, 15. Scpt. Die „Rcichspost" meldet aus Sofia: Berichten aus Risch zufolge ist die innere Lage in Serbien verzweifelt. Die Serben geben ihre bisherigen Verluste auf 25 000 Mann an. Schrecklich ist der Hunger, welcher im Lande herrscht. Die serbische Regierung hat sich mit in Bulgarien ansässigen griechische» Lebensmittelhändlern wegen Lieferungen in Verbindung gesetzt. Trotz des Eingreifens der ruf fischen Regierung hat Bulgarien die Ausfuhr der Ladungen nicht zugclasscn, da sie das auf der Neutralität beruhende Ausfuhrverbot berührten. Alle größeren Orte sind mit Verwundeten übersüllt. Krankheiten richten Verheerungen in der Armee und der Bevölkerung an. Das Elend in Montenegro. Wien, 14. Scpt. Die „Südslawische Korrespondenz" mcl dct aus Scrajewo: Montenegriner, die in Gcsangcnschast gc ratcn sind, schildern die innere Lage Montenegros als sehr traurig. Das durch den vorige» Krieg gänzlich erschöpfte Land war sür diesen neuen Krieg, der die größten Menschen opfer kostet, in keiner Weise vorbereitet. Es fehlt an Aerzten und Arzneimitteln, und die zahlreich cingebrachten Verwund«, tcn bleiben tagelang ohne ärztliche Hilfe. Diele Verwundete sind aus diese Weise zugrunde gegangen. > k fu. Z19 Die Griechen in wohlwollender Reutralität fit den Drei, verband. 3us Athen wird gemeldet: Der Minister des Auswärtigen Streit ist von seinem Posten zurückgetrcten. Sein Rück- tritt wird als ein wenig günstiges Symptom betrachtet. In der vergangenen Woche fand in Athen ein Ministerrat statt, an dem nicht nur die aktiven, sondern auch die ehemaligen Minister tcilnahmen. Nach den Meldungen der Athener Blätter wurden die Richtlinien aber dahin festgelegt. Last Griechenland seine Neutralität streng durchführen werde, das, es aber, wenn cs genötigt fein werde, cinzugreifen, an der Seite des Dreiverbandes zu finden fein werde. Dentschc Hrielrsliriefe. Von unserem Kriegsberichterstatter. *) VII. Grobes Hauptquartier, 9 Scpt. Zum Tage von Maubeuge. In den Tage», da alle Welt sich um das Schicksal der Buren sorgte und der greise Präsident Ohm Krüger seine Biltsahrten durch Europa unternahm, lam ich zum ersten Male in meinem Leben nach Maubeuge, der starken französischen Festung an der vclgischcn Grenze, die nun auch in unsere Hände gefallen ist. Damals hatte Krüger die Absicht geäugelt, unfcrm Kaiser in Berlin einen Besuch abzustatten und sein Sonderzug sollte über Köln Magdeburg geleitet werden. Aber niemand kannte den Fahrplan dieses Zuges und so fuhr ich aus gut Glück ins Belgische hinein, in jeder gröberen Station nach etwas Auffälligem Umschau haltend. Und siehe da, nur zwei Stationen hinter der belgisch-französischen Grenze, in Maubeuge, stand der Chef der Station in weiße» Handschuhen da, auf dem Bahnsteig war eine Kompagnie oer Festungsartillerie aufmarschiert und auf einem Nebengclcisc dampfte eine Schncllzugsmaschinc mit einem Speisewagen daran. Schnell entschlosien sprang ich heraus, drückte dem in der Wagentür stehenden Koch ein Zvhn- sraukenstück in die Hand und lotste ihn ins Innere, wo ich von ihm erfuhr, -daß Ohm Klüger bis Maubeuge an den Nordex preß abgekoppelt sei und von hier aus diesem in einem Extrazug vorausfahren werde, da man in Belgien große Kundgebungen auf den Bahnhöfen gegen England befürchtete und die Neutralität wahren wollte. Kegen ein weiteres Zehnfranken- stück behielt mich der Koch bis zur Abfahrt des Sonderzuges in feinem engen Küchenoerfchlage und zwischen Zeumont und Er- guelincs trat ich — allerdings mit einer gewichtigen Empfehlung an den Krüger begleitenden Gesandten der Burenstaatcn Exzellenz Dr. Leydts in der Tasche, aber doch in etwas bänglicher Stimmung ob meiner Kühnheit den Weg nach dem vordersten Wagen a», wo mir Dr. Leydts mit entgeistertem Gesicht entgegentrat. Denn er hatte, wie er mir mitteilte, in Mau- bcuge trotz der Bitten der deutschen, französischen und holländischen Journalisten auch deren Wagen mit abhängen lassen, um dem noch den Pariser Verhandlungen ermüdeten Präsidenten etwa? Ruhe vor den Aussragern zu gönnen, und mutzt- nun sehen, datz doch noch einer durchgeschlüpft war, dem es freilich genügte, den großen alten Mann während der nächsten Stun- »en mit einer langen braunen holzpfeise im Munde ganz apathisch und halb blind in einem Eoupe einsam dasitzen zu sehen, während draußen aus der Strecke und in den trotz aller militärischen Absperrungen überfüllten Bahnhöfen unvergeßliche großartige Kundgebungen veranstaltet wurden, die auch aus deutschem Boden in später Nachtstunde noch fortdauertcn. Niemand hatte es bemerkt, daß in der deutschen Grenzstation Hcr- besthal der damals politisch noch ganz unbekannte Herr von Tschirschky-Bögendors zu uns eingeftiege» war und Herrn Dr. Leydts die Meldung erstattet hatte, daß der Kaiser Ohm Krüger nicht zu empfangen wünsche und daß er daher in Köln seine Reise beenden müsse. Die Kölner haben dann, was ihnen un- vcrgesien ist, den schwer Enttäuschte» eine ganze Woche lang in der großartigsten Weise gefeiert und dann fuhr er als Gast der Königin Wilhelmina nach dem Haag ab. Er hat feine südafrikanische Heimat aus Englands Betreiben niemals wie- dergesehen, sondern, was sterblich war an ihm, ruht im Dome von Hilversum. Ich aber mutzte jener Tage besonders lebhaft gedenken, als uns hier der Fall von Maubeuge bekannt gegeben wurde. Denn gerade für ihre englischen Hilfstruppen hatte die Republik Maubeuge als Stützpunkt auserfehen und umtzte nun das Trauerspiel erleben, daß die ränkevollen Verbündeten sie nicht nur in der offenen Feldschlacht, sondern auch bei der Verteidigung dieser wichtigen Feste im Stiche ließen. Um Englands willen mußte der greise Burenpräsident an der deutschen Reichsgrenze bleiben, da ihm unser Kaiser nicht Helsen konnte. Wer kann es uns daher verdenken, wenn wir an diesen schon fast vergessenen Vorgang den Zusammenbruch der gemeinsamen französisch englischen Aktion um und in Mau- beugc mit unverhohlener Genugtuung begrüßen! Unsere deutschen Soldaten, die gestern dem stundenlangen Anszuge der 40 WO aus Maubeuge zusahen, haben wohl ähnliche Empfindungen gehabt, als sic die wenigen Engländer mit u. r mühsam verhaltener Wut betrachteten und das ihnen von r » Atlins gebotene Shakchand damit beantworteten, daß fihm auf die Pfote schlugen. Uebcr die strategische Bedeu- li g Maubeuge» werde ich mich noch in einem besonderen Ar- t td verbreite». Für heut« führe ich nur kurz an, daß die ,jorts in den Jahren 18»2-83 geschaffen wurden und daß man «twa I» Jahre späte-- di- sog. „ouoragcs" (Zwijchenwerke) ein- iau e. von denen sich die Franzosen außerordentlich viel vcr- > .'chcn zu haben scheinen, denn wir habe» auch in Verdun, jaul und Nancy zu tun und allem Anscheine nach mit dem glei- gute» Erfolge wie in Maubeuge. Wir haben hier neben nuferen famosen l.' Ztm Geschützen auch die österreichischen Mo- terbatterie» spielen lasic» und m>* diesen Waffen ein großes M-.njchenmliteriol gespart, da es erft im letzten Augenblicke nötig war, größere Znfanteriemafsen anzusetzen. Es hat sich gezeigt, daß die Besatzung stellenweise nicht gut schoß. Wohl *1 Genehmigung zur Veröffentlichung erteilt am 10. S«pt. MH I. A. des Chefs des Geneealstads des Feldheeres (gez.) v. tioi ri-beidt, Maior im Großen Generalftab. fitut Eazeszeilnng. Donnerstag. den 17. S«pr«morr 191* wurde auf unsere Infanterie fast 2M Tage hindurch ununterbrochen geschossen, aber es hat den Unseren fast keinen Abbruch getan, während unsere Geschütze wieder die schrecklichsten Verwüstungen in den Forts angerichtet haben. Diese sind nicht durch einige gute Treffer in förmliche Schutthaufen verwandelt worden, sondern auch die moralische und physische Wirkung der Beschießung ist groß gewesen. So erzählen die Bedienungsmannschaften, daß es schon nach den ersten Schützen unserer großen Mörser wie in der Hölle selbst gewesen sei, so daß sie einfach davonlauscn mußten, um nicht zu ersticken. Daneben hat sich noch ein anderes Phänomen gezeigt, von dem auch die Lütticher Bedienungsmannschaften der feindlichen Geschütze ZU berichten wußten. Sic verspürten nämlich nach jedem Schuß der großen Brummer einen fürchterlichen, sich schließlich bis zur tlnträglichkeit steigernden — Zahnschmerz, der ihnen fast die Besinnung raubte. Auf alle Fälle haben sich die großen Brummer als „Blutsparer" bewiesen und wir werden auch künftig noch viel Freude a» ihnen erleben. I» der £ . uptsache waren die Forts von Maubeuge aus Ziegelsteinen erbaut und nicht ciugedeckt. Nur die „ouvrages" waren ganz modern, aber ihr Wert scheint von de» Franzosen arg überschätzt worden zu sein im Verhältnis zu unserer schweren Artillerie. Das mag ei» Grund mit für die Engländer gewesen sein, sich nicht allzusehr für Maubeuge scst- zulegen, sondern den Franzosen die ganze Arbeit zu überlasten. Denn tatsächlich befanden sich unter den gestern ausmarschicr- ten 19 999 Mann nur etwa 129 Engländer, die durchweg gut in Form waren, jedoch im Alter erst zwischen 17 und 29 Jahren standen. Die gefangen genommene französische Infanterie machte im allgemeinen keine» guten Eindruck. Bester sah die schwere Artillerie und das Geniekorps aus. Hier sah man teilweise recht stattliche Leute von durchaus germanischem Typus. Die Ausstattung der Truppen war absolut vernachlässigt. Vor allem fehlte cs an jedem Train. Es mußten die schlechtesten Karren zusammcngerasst worden sein, um Munition und Pro viant zu fasten. Die deutschen Truppen, die vor Maubeuge gelegen hatten, bildeten bei dem Auszug der Besatzung Spa lier und zwar von jedem Regiment eine größere Abteilung. Die Uebergabe war angesichts der großen Anzahl der Gesänge nen und der Siegesbeute ungeheuer eindrucksvoll. Aus der Heimat. * Friedberg, 16. Scpt. (Krankenträger). Alle Krankenträger werden ersucht, aus dem Geschäftszimmer des Roten Kreuzes (Haagftraße) innerhalb der Eeschästsftunden 19—12 und 3—5 Uhr, die neuen Armbinden und Ausweiskarten in Empfang zu nehmen und die seitherigen Armbinden mit rotem Kreuz dort abzuliefern. Die Armbinden mit rotem Kreuz verlieren vom 29. d. M. ab für die Krankenträger ihre Giltigkeit und berechtigen nitch mehr zum Durchschreiten der Bahnsperre. Für die Mitglieder der uniformierten Sanitätskolonne gilt dies nicht, diese behalten vielmehr ihre Armbinden mit rotem Kreuz und die Aufschrift Sanitäislolonue vom Roten Kreuz und sind auch nur noch diese und die Vorsitzenden der Zweig- vcreine berechtigt, Armbinden mit rotem Kreuz zu tragen. * Ftiedberg, 16. Scpt. Der Oberleutnant Fündler am hiesigen Bataillon des 168. Jnf.-Regts. ist auf dem Feld mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und zum Hauptmann befördert worden. * Friedberg, 17. Scpt. (Schöffengericht). Ein Dienstknecht von Nieder Wöllstadt hatte bei seinem Dienstherrn Ruhestörung verübt; auf gütliches Zureden entfernte er sich nicht, bedrohte vielmehr die Herrschaft mit Totschlägen und schlug ein Fenster ein. Er erhielt deshalb wegen Sachbeschädigung, Bedrohung und Hausfriedensbruchs Geldstrafen von je 19 Mark, wegen Ruhestörung eine solche von 6 Mark. — Ein Schlostcr- lehrling von Burg-Eräsenrode wurde wegen Körperverletzung zur Strafe des gerichtlichen Verweises verurteilt. — Ein Dienstknecht von Dorheim hatte auf dem dortige» Bergwerk Hausfriedensbruch verübt und Obstbäume beschädigt. Er erhielt wegen Sachbeschädigung 23 Mark, wegen Hausfriedensbruch 13 Mark Geldstrafe. — Wegen Körperverletzung — weil sie eine Frau an den Haaren riß — erhielt eine Arbeiterin von Lich 29 Mark Geldstrafe. — Eine Sache gegen einen hiesigen Fabrikanten wegen llebcrtrctung der Gewerbeordnung wurde aus unbestimmte Zeit ausgesetzt: cs soll zunächst die Entscheidung des Provinzialausjchustes über die Konzejstonspflicht des Fabrikbctriebes des Angeklagten in einer anderen Sache abge- wartct werde». * Nieder-Rosbach, 17. Scpt. Als einen Beweis echt kameradschaftlichen Geistes möge folgende Begebenheit der Oeffeut- lichkeit übergeben werden. Gestern fand für die hier einquartierte Landsturm-Kompagnie, welche vergangene Woche einbe- rufen wurde, der erste Löhnungsappell statt. Daß vnanche von diesen eiuberusenen bis zu 13 Jahre alten Landsturmmännern auch im Zivilleben mit des Lebens Not und Sorge zu kämpfen hatten, konnte mau aus manchem gramdurchfurchten Antlitz hcrauslefen. Einer der bestersituierten Landsturmmänner verzichtete den» auch auf feine Löhnung zu Gunsten der ärmeren Kameraden, und gleich folgten weitere Landstürmer diesem schönen Beispiel, so daß sofort in dieser einen Kompagnie 69 Mark aus freiwilligen Gaben zur Anjchasiung von Wäsche usw. für die bedürftigen Kameraden zur Verfügung standen. Ein Bravo dieser wackeren Kompagnie! Möge dieser edle Opfersinn den Bestersituierten im Zivilleben als nachahmenswertes Vorbild dienen! Hrsseu-Nastan. * x. Anspach, 17. Scpt. Für Unterstützungsbedürftige sind bis jetzt gezeichnet: Gemeinde Anspach 3990 Mark, Turnverein 1909 Mark, Gesangverein „Eintracht" 200 Mark, Gesangverein „Liederzweig" 190 Mark, Gesangverein „Frohsinn" 299 Mark, die beiden Eeflügelzuchtvereine je 30 Mark, Radfahreroerein „Vorwärts" 299 Mark, Kriegerverein 131 Mark, Kirchengemeinde 130 Mark. Der hiesige Konsumverein will während der Kriegsdauer monatlich für 100 Mark und ein hiesiger Kaufmann monatlich für 30 Mark Naturalien liefern. * x. Ufingen, 17. Sept. Die Jmlerabteilung Ufingen hat be- Ichlosten, 90 Mark ihre» Kastenbestandes wie folgt zur Verfüg- Seife 3. ung zu stellen: Dem Roten Kreuz 10 Mark, für Ankauf von Tabak und Zigarren für die Soldaten im Felde 20 Mark, der Natronalspcnde 30 Mark, dem hilfsausschuß für Ostpreußen 39 Mark. * x Eschbach, 17 . Scpt. An barem Eclde und für di« Kriegssürjorgc und die Bewohner in Ostpreußen wurden hier gespendet: 160 Mark an Geld, über 199 Zentner Brotgetreide, etwa 390 Zentner Kartüjseln, 1300 Stück Gemüse, eine große Menge Obst, Zigarren, Zigaretten, Tabak, Speck, Gelee, Honig, Hemden, Unterzeug, Bettwäsche usw. * Wiesbaden, 17. Sept. Der Schloster Ewald Meyer in Hattersheim hatte im Frühjahr d. I. einem Gärtner in Hattersheim mehrere äußerst wertvolle Rosenstöcke im Werte von 39—GO Mark gestohlen und diese in seinem Garten verpflanzt. Als diese sehr seltenen Stöcke — es handelt sich um Latoska und Oriola — jetzt zur Blüte gelangten, kam der bestohlene Gärtner dahinter, wer ihm diese ausgejührt hatte. Auf die erstattete Anzeige verteidigte sich Meyer vor der Strafkammer da mit, die Pflanzen vor den Farbwerken von einem Unbckann ten erstanden zu habe». Dieser Verteidigung wurde dadurch die Spitze abgebrochen, daß genau soviel Rosenstöcke fehlten, als bei Meyer neu gepflanzt waren und diese Rosenart im ganzen Kreise Höchst nirgends mehr gezüchtet wird. Das Urteil lautete auf ein Jahr Gefängnis, in die 9 Monate für einen Bicnendiebstahl einbegriffen sind. * Ziegenhain, 15. Sept. Der 17jährige Sohn des Landwirts Rabe im nahen Niedcrgrenzebach erhängte sich an der Stubcntür während feine Ellern abwesend waren Der Grund zue Tat ist gänzlich unbekannt. Slarkenburn- * Weg mit den ausländischen Gesandlschasten an den Höfen der Bundesjürsten! Die „Hetz. Landeszeitung" fordert im Anschluß an einen Artikel über den letzten englischen und russi- jchcn Geschäftsträger in Darmstadt, die die Augen »nd Ohren überall um zu spionieren offen gehabt hätten, künstighin Ge sandtschaften nur am Sitze der Reichsregierung zu dulden. Diese Forderung wurde schon vor Decennien gestellt, als unumstößlich nachgewicscn war, daß 1870 der Geschäftsträger de, von französischen Sympathien erfüllten englischen Hofes am Großh. Hest. Hofe in Darmstadt, Sir Robert Morier, der zu den Vertrautesten des Kronprinzlichc» Hofes (Kaiser Friedrich) gehörte, von Darmstadt aus 1870 über London und Paris die erste Nachricht von dem Vormarsch der Deutschen über die Mosel, die er nur durch seine intimen Verbindungen mit dem kron- prinzlichen Hofe vertraulich erfahren haben konnte, an den französischen Verteidiger von Metz, den Marschall Bazaine gelangen ließ. * Darmstadt, 17. Scpt. Die Großhcrzogi» verabschiedete sich am 15. September in herzlicher^Weise von einer in das Feld abrückenden Kavallerieersatzabteilung. — Die Eroßherzogin Hai den Wunsch geäußert, zu ihrem bevorstehenden Geburtstag keine Blumenjpenden zu erhalten. Die hohe Frau würde es aber freudig und dankbar begrüßen, wenn die dafür in Aussicht genommenen Beträge dem Roten Kreuz überwiesen wür den. * Büttelborn, 17. Sept. Hier hat der Eemeinderat besitzlos sen, au Stelle der vorgeschlagenen Kriegsvcrsicherung, die ei ablehnte, den Angehörigen eines im Felde gefallenen Kriegers den Betrag von 230 Mark aus der Gemeindekafie anzuweisen. Außerdem wurde jedem der im Felde stehende» Kriegsteilnehmer aus Bütteiborn als Liebesgabe ein Paar Strümpfe, ein Taschentuch, Zigarren usw. übermittelt. Eingesandt. Tic Kriegsbegcifterimg unter der Friedberger und Fauerbacher Jugend ist zwar recht anznerkennen. Aber dieses Kriegsspicl artet förmlich in Ungezogenheiten aus Als Wurfgeschosse nimmt man Steine und Schollen Erdc und bombardiert sich hiermit gegenseitig. Wie leicht ist ein Unglück geschehen. Die Heren Lehrer »nd besonders die Eltern sollten es den Kindern verbieten mit Steinen ju werfen. Viele Zuschauer. Hü ch ertilch. In diesen Tagen, wo Deutschland seine ganze nationale Existenz einsetzt, fühlt jeder den Wunsch, sich von dem großen einzigartigen Welivorgang, in dessen Schoße vielleicht ein» völlig neue, ungeahnte Zukunft ruht, nichts verloren gehen zu lasten. Diesem Verlangen kommt die Zeitschrift „Der Völle r k r i c g" entgegen. Verlag von Julius Hossmann, Stuttgart. Die einzelnen Hefte, die im Abstand von 8—11 Tagen auseinander folgen, bilden eine sorgfältig gegliederte, lllcke» lose Chronik der Ereigniste seit der Ermordung des österrci chifchen Thronfolgers, an den Höhepunkten durch Stimmungsbilder und packende Schilderungen von Augenzeugen lebendig veranschaulicht. Sie bringen die wichtigsten Dokumente im Wortlaut, ferner Aufsätze und Briefe aus der Feder bedeutender Persönlichkeiten, die im Feld stehen oder von der Heimat aus den Gang der Dinge verfolgen. Die Zeitschrift, die später ein abgeschlossenes Ganzes bilden soll, wird für jeden, der die Geschichte dieses Krieges studieren will, ein u n - entbehr li chcs Ouellenwerk sein. Zunächst werden 26 Heste zum Preise von je 30 Psg. crschemen. Kirchliche Anzeigen. Gottesdienst in der Stadtkirch». Freitag, den 18. Sept., abends 8J1 Uhr: rrriegsbitlan- dacht: Herr Pfarrer Kleberger. Fronksurler Wetterbericht. Voraussage: Wolkig, zeitweise Regenjälle, kühl, südwestliche Winde. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otko H i r s ch e I. Friedberg: für den Anzeigenteil: K. S ch m i d t. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", «l G., Friedberg i. H. Nr. 218 Von vielen Seiten wurde bei Eintritt der Mobilmachung angeregt, den ins Feld ziehenden Soldaten zu empfehlen, die Mitgliedschaft bei ihrer seitherigen Krankenkasse zu erhalten, und gleichzeitig wurden die Arbeitgeber aufgefordert, die Beiträge für die Erhaltung der Mitgliedschaft bei den Krankenkassen für die Dauer des Krieges für ihre Kriegsdienstzeit leistenden Arbeiter zu zahlen. Eine solche Maßnahme hat jedoch nur Wert bei den orrschivindend wenigen Kaffen, die seither Lamilirnnnterstniiung gewährten «nd diese anch während des Krieges beibehaitc». Aus dieser Erwägung heraus haben die beiden Krankenkassenverbände im Grotzherzogtum Hessen im Einvernehmen mit dem Direktor des Großh. ObcrversichernngsamteS beschlossen, eine Hessische Kricgsvcrficherung aus Gegenseitig- keit für den Krieg 1914 ins Leben treten zu lasten und erlassen den nachstchrndc» Ausruf. Einigkeit macht stark! Auch die Kranlculasscn wollen in dieser großen Zeit mithclsen. Die auf Fricdenszcitcn berechneten Vorschriften der Reichsversichernng bilden aber keine geeignete Grundlage, um den zum Dienst cinberusenen Mitgliedern und ihren Angehörigen entsprechende Fürsorge zu verbärgen. Außerordentliche Zeiten verlangen außerordentliche Maßnahmen. Es haben daher die beiden Krankenkassenvcr- Vvnde unter dem Vorsitz des Direktors des Großh. Ober- versichernngsamts nach dein Vorbild der für den Regierungsbezirk Wiesbaden bereits im Kriege 1870 — 71 mit größtem Erfolg tätig gewesenen und daher auch jetzt wieder ins Leben getretenen Nassouischcn Kriegsversicherung zur Unterstützung der Hinterbliebenen hessischer Soldaten eine Unterstütz- ungskassc ans Gegenseitigkeit errichtet unter berBezeich- nung: Hessische Kriegsversicherung aus Gegenseitigkeit für den Krieg 1914. Wir hoffen hierbei auch auf die Opferwilligkeit der Arbeitgeber. Um jedoch den Angehörigen einer möglichst großen Anzahl der zu den Fahnen Einberufenen die Möglichkeit der Versicherung zu bieten, soll die Versicherung aus die Mitglieder der Krankenkassen nicht beschränkt, sondern auf alle anläßlich der diesmaligen Mobilmachung zum Dienst S'.TiSetrfier.ir ausgedehnt werden. (§ 1 des Gesetzes, letr. die Unterstützung von Familien in den Dienst eingetretencr Mannschaften von, 28. II. 1888). Der Anteilschein kostet 10 Mk. Es können jedoch für jeden Einberufenen bis zu 20 Anteilscheine gelöst werden. Jede Krankenkasse und jede örtliche Verwaltungsstelle einer solchen nimmt Anmeldungen entgegen. Falls die Verluste nicht größer sein werden >oie im Kriege 1870 — 71 werden aus jeden Anteilschein mindestens 250 Mark verteilt werden. Sind die Verluste geringer, kann erhöht sich dieser Betrag, sind sie größer, dann erniedrigt sich der Betrag. Arbeitgeber, versichert Eure Angestellten und Arbeiter, Eltern, versichert Eure Söhne, Frauen, versichert Eure Männer! Die gesamte Verwaltung erfolgt ehrenamtlich, so daß hicrsür — abgesehen von den geringfügigen baren Auslage» — Kosten nicht entstehen. Großh. Ministerium des Innern hat zugcsagt, die Be- strebungcn der Hessischen Kricgsvcrsichcrung 1914 zu miter- stiihcn. pf- Eile tut Not! Bedingungen: § 1. Die Teilnahme steht allen im Erohherzogtum Hessen wohnhastcn oder vor ihrer Einberusung zuletzt wohnhaft gewesenen Personen, die zur Kriegsdicnstlcistung beim Heere cin- gctretcn sind <8 1 des Gesetzes, betresicnd die Unterstützung von Familien in den Dienst getretener Mannschastcn vom 28. Fcbr. 1888) ossen und erfolgt durch Lösung vo» mindestens l Anteilschein über 10 Marl. Die Lösung der Anteilscheine, deren Ausgabe überall durch die Krankenkastcn und deren örtliche Verwaltungsstellen oder durch sonst kenntlich gemachte Annah mestcllen crsoigt, kann für die bereits in den Heeresdienst Ein getretenen auch durch deren Arbeitgeber, Angehörige nsw. bc wirkt werden und hat in bar zu geschehen. Z 2. Für jeden in den Heeresdienst Eingetreicncn könne» mehrere, höchstens jedoch 2Ü Anteilscheine gelöst werden. 8 3. Für bereits Cesallene oder Verwundete können An- j teilscheine nicht mehr gelost werden, salts diese Tatsache den! Anmeldenden bekannt war. Diese Bestimmung trifft nicht zu. | wenn eine Gesamtheit von Personen, z. B. die sämtlichen An- ! gestellten und Arbeiter einer Fabrik versichert werden. 8 1. Die Leistungen der Kasse bestehen darin, daß die an gesammelten Gelder aus die eingetreicncn Krtegssterbeiällc an die Hinterbliebenen verteilt werden. Als Kricgsstcrbesnllc gcl :«n alle Todessällc, die Versicherte während des Kriegs oder infolge einer im Kriege erlittenen Verletzung oder erworbenen Krankheit bis spätestens 2 Monate »ach Beendigung des Kriege« erleiden. Die Angehörigen haben etwaige Sterbeiällc der Versicherten alsbald der Geschäftsstelle Oberversicherungsamt, Krtegsvcrstcherung Darmstadt, Neckarstraße 1, mitzuteilen. Di- Abrechnung erfolgt drei Monate nach Beendigung des Krieges und wird anszuaswciie öfscntlich bekannt gegeben. Abschlags- Neue Tageszeitung. Donnrrsrag, oen 17. Septtmver 1314. Ssike 4. Zahlungen dürfen aus Wunsch schon früher geleistet werden. Die Auszahlung erfolgt gegen Rückgabe der Anteilscheine und darf an den Inhaber der Anteilscheine erfolgen. 8 5. Die Geschäfte werden unter dem Vorsitz des Eroßhcr- zoglichen Oberversicherungsamts durch die beiden hessischen Krankenlassenverbände gejührt. 8 tl. Alle etwaigen Strcitsiille werden endgültig unter Ausschluß des Rechtswegs durch die Beschlußlammer des Oberver- sicherungsamtcs entschieden. 8 7. Werden in anderen Bundesstaaten ähnliche Einrichtungen getrojsen, so ist die Verwaltung berechtigt, sich mit diesen zu einer Kriegsversicherung aus derselben Grundlage im Intereste einer Ausgleichung d-s Risikos zusammenzuschließen Darmstadt, den 20. August 1914. Verband der Krankenkassen »nd Gemeinden als Träger der Krankcnvcrsichcrung für das Großhcrzogtum Hessen. Großherzogliches Obcrversichcrungsamt. Krankenkasscnverband für das Großhcrzogtum Hestrn. Eine größere Anzahl Lattler gejucht. Für verschiedene Betriebe der Militäreffekten-I idult- ric werden zur Zeit noch eine größere Anzahl Sattler gesucht. Es genügt schon, wenn die betreffenden Leute nähen können. Sic brauchen also bis jetzt noch nicht auf Miiitär- arbeit beschäftigt gewesen zu sein. Auch scbstöndige Meister, die zum Teil jetzt doch nichts zu tun haben, werden augc- no,innen. Meldungen und Anfragen wolle man an die Geschäftsstelle des Zeiitralvclbaiidcs christlicher Lederarbeiter, Frankfurt a. M., Blcideustraßc 22, Tel. Amt Hansa 8232, richten. Preislagen. Sclmhlager Heinrich Hess FrleilSierjr Telefon 420. Kaiserstr. 40. Zur Herbstsaat empfehle ich von der Landwirtschastskammer anerkannte Saaten: ptikllltt PllWtN 1. u. 2. Absaat Strube's Square head Weizen, 1. u. 2. Abs. Die Preise verstehen sich ab Hof oder frei Station Assenheim oder Friedberg in neuen Säcken, die zum Selbstkostenpreis in Rechnung gestellt werden. %). Alles. Saatbaustelle. Krlmiltmlichilllg. 5—6 tüchtige Braunkohlen Bergleute werden gesucht. Sofort zu melden in Wölfersheim. l§rH. törnfic LudmBchlUllß. Herite tWtrchil: PtiikRoUmöpße per Stück lö Psg. Neue Bisninnkheiinge per Stück 10 Pjg. Neue 5rön-Zlirdilltn per Psd. 40 Psg. M lehe^smitteS j Friedbarg, Hanauerstr, 3. Filiale in Hunden. Vaterlölldisch-lj-tristW Veranstaltung in Fricdberg. Im Saalbau: Sonntag, den 20- Sept. 1914, abends 8 Uhr. 3« Gunsten des Jlotrn ürcurcs. "WU Familie Pfaimtuch oder Heffentreue Hessisches Volksschauspiel aus schwerer Zeit in 3 Akten mit einem Prolog, Gesängen und lebenden Bildern. Dem Andenken braver Hessen, den Opfern und Helden der Befreiungskriege gewidmet von Otto Müller, Landwirt in Grebendorf. onnta« nachmittag 4 Uhr: Montag nachmittag 4 Uhr: Sr Tie Kontrolle über die Einnahme liegt in den Händen der Polizeiverwaltung. Alles Stähere siehe Anschlag und Tageszettel. Johannes Sreihoh, Theaterdirelrtor. Inhaber verschieden er Diplom e für höheres Kunstinteresse. bei Ab- bei Ab- bei Abnahme nähme v. nähme v. ». 100 )Ir. 1—20 Ztr. 21400 Jit. und mehr. MI. Mk. Mk. 25 .- 24.- — 28 .— 27.— 26.- HandimkerMlischlllt, Frcidberg i. H. Die Schüler der Handwerkerzeichenschule werden hiermit aufgefordert sich Sonntag, den 20. September 1914, vormittags 10 Uhr, in der Gewerbeschule Saal Nr. 25 einzufinden. Für den Aufsichtsrat: Die Schulleitung: (gez.) Stahl Dipl. Anz. S ch ne idt Vorsitzender. _Großh. Hauptlehrer. Obst Versteigerung. Die Obsternte an den Kreisstraßenpflanzungen soll, wie nachstehend angegeben, an Ort und Stelle versteigert werden und zwar: 1. Bezirk. 1. ) Montag, den 21. September, vorm. 10 Uhr zwischen Ilbenstadt und Kaichen am Kilometerstein 3,8 beginnend bis Kaichen und um 12 Uhr am Kilometerstein 2,0 nächst dem Bahnhof Erbstadt- Kaichen. 2. ) Dienstag, den 22. September, vorm. SV- Uhr zwischen Rieder- Wöllstadt und Ilbenstadt am Kilometerstein 0,8 bis Jlbenstadt- Astcnheim und Eisenbahnviadukt bei Astenheim. 3. ) Mittwoch, den 23. September, vorm. 0 Uhr Straße Friedberg- Ober-Wöllstadt bei km 35,6 Pfinstwcide anfangend bis Rieder- Wöllstadt. Elsenbahnvladutt, Hofgut Astenheim und Okarben. 4. ) Donnerstag, den 24. September, porm. 8'/, Uhr an der Ackerbauschule dis Jriedberg und nachm. 2 Uhr zwischen Ober-Ros- bach und Landesgrenze am Kilometerstein 6.0. 5. ) Freitag, den 25. September, nachm. 2 Uhr Straße Eörbelh. Mühl« bis Bruchenbrücken von Kilometerstein 1,6 ab. 2 . Bezirk. 1. ) Montag, den 21. September, vorm. 11 Uhr, am Kilometerstein 14,4 bei Stammheim ansangend, von der Straße Stammheim- Ronnenstllmpse, Stammhetm-Robcnbach und Stammhctm-Staden, um 1 Uhr am Kilometerstein 11,0 bei Staden von Straße Staden-Kreisgrenzc nach Rieder-Mockstadt. Staden-Riddabrücke und Staden - Ober-Florstadt - Rieder-Florstadt. 2. ) Dienstag, 22. September, nachm. 2'/> Uhr an der Ufabrücke zwischen Fauerbach und Astenheim von der Straße daselbst und um 4 Uhr am Kilometerstein 10,6 bei Dorheim von der Straße Dorheim-Melbach. 5. Bezirk. Freitag, den 25. September, vorm. 10'/, Uhr auf den Straßen Bildet—Rieder-Erlenbach—Ober-Erlenbach, bei Mastenheim ansangend (Birn). Friedberg, den 15. September 1911. Der Großh. Kreisbauinspeitor. Witzler. Toilctteartikel ] lür=i'orlfip,5cii|ier'ci)cr,: Llhiväinrne, Linoleum nnk> PaiketischrübSer, VMeZen uni) .Hfljttimidjincit empfiehlt Heil) all SlEiilEl Trt. Inh.: Jos. Bnob Friedierg. Kaiserstr. 75. Suche zum jojortige.r Eintritt bei hohem Gehalt einen tüchtigen selbständigen vermalter auf 503 Morgen großes geschloffenes Gut, wo der Herr emlierufen ist. Näheres durch Oelonomierat Brennemann. Ober-Erlenvach. Für eine Liebesgabe im Kriege find unsere Söhne, Kriider u. Freunde dankbar. Ich empfehle deshalb als Feldpostbrief zu 250 Gramm brutto verpackt: Sortiment 1 20 Stck. Zigarren Mt. 1.20 sehr prei-w. 2 „ . 1.40 fffr ja rmpfrlilrii. ’ 3 ” „ 1.60 h.cht. fflmlitätr«. ” 4 ,; „ . ! » tz.cht'i». „ 5 „ „ „ „ 2.40 gauuon Jlriift Verpackung siel, Porto 20 Psg. Portofreie Feidpostpriefe 4—5 Zigarren 20—25 Stück Zigaretten, G. ichts'rcnze 50 x, Brief« lönncn beigelcgt werden. Versandt erfolgt direkt ab meinem Geschäft nach 'Ausgabe vorschriftsmäßiger Adreste. Cißllmnhllus Adolf Wolff grgeiliibcr dem neuen Kahnhol. \ Fricdbcrg i. K. Fernsprecher sir. 221. BruMuban ll. Bchrullgen, ^uinpcuflitlflöcn billigst. Stefan Kuhn. 3 nI(ti&C«-f)UU 0 CI».