Nummer £10 Dienstag, den 8. September 1914. 7. Jahrgang ßeue Tageszeitung ' axesiritung" erlcheint >eden Wcrltag. Regelmäßige Beilagen „Der Lauer an» Krise»", „Äie SpliinNudr'. Leiuacgeci» : Bei den Pojta»stalt-Il oicricliährlich Mk. 1,95 • ti tc:i Agenten monallich 50 Psg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Anzeigen : tSrundzcile 20 Big„ totale 15 Pig, Anzeigen non auswärts werden duri, Po lnachnahine erhoben Erfüllungsott Frtedberg^hchräsr>m^ag^>nr>^erlag^Fttedbe7g^H eüen>^^anaurpttaße^I2. Fern-prechrr 4,9. Postzchkl-Tonto Re. 4851. Amt Frantsurt a. AI. Der Reichskanzler über den Krieg. 5000 Lerbcii gefangen. — Löwen kein Trümmerhaufen. — Englische Schiffsverlnfte. Ser llfidjöhamlrr ntt die Animkailkr. Dcrliu, 7. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Die „Nord- denlichc Allgemeine Zeitung" bringt solgendc Mitteilung dc§ Reichskanzlers an die Vertreter der „United Preß" und der „Associated Preß": Großes Hauptquartier, 2. Scpt. Ich weih nicht, was man in Amerika über diesen Krieg denkt. Ich nehme an, daß dort inzwischen der Tclcgranmtwcchsel des Kaisers mit dem Kaiser von Rußland und dem König von England bekannt geworden ist, der unwiderleglich die Vorgeschichte und das Zeugnis dafür ablcgt, wie der Kaiser bis zum letzten Augenblick bemüht gewesen ist, den Frieden zu erhalten. Diese Bemühungen muhten aber vergeblich bleiben, da Rußland unter allen Umständen zum Kriege entschlossen war und England, das durch Jahrzehnte hindurch den deutschfeindlichen Nationalismus in Rußland und Frankreich ermutigt hatte, die glänzende Gelegenheit, die sich ihm bot, die so ost betonte Friedensliebe zu bewähren, ungenützt vorübergehcn ließ-, sonst hätte wenigstens der Krieg Deutschlands mit Frankreich und England vermieden werden können. Wenn sich einmal die Archive öffnen, so wird die Welt erfahren, wie oft Deutschland England die srcund- schastliche Hand cntgcgcnstreckte, aber England wollte die Freundschaft niit Deutschland nicht. Eifersüchtig ans die Entwickelung Deutschlands und ini Gefühl, daß es durch deutfche Tüchtigkeit und deutschen Fleiß auf manchen Ge- bieten überflügelt werde, wünschte cs Deutschland mit roher Gewalt niedcrziiwcrfcn, wie cs seinerzeit Spanien, Holland und Frankreich niederwarf. Diesen Moment hielt cs jetzt für gekommen, und so bot ihm der Einmarsch deutscher Truppen in Belgien den willkommenen Vorwand, am Kriege teilzunchmen. Zu diesem Einmarsch aber war Deutschland gezwungen, weil cs dem beabsichiigtcn französischen Vormarsch zuvorkommen ninßte und Belgien nur auf diesen wartete, um sich Frankreich an- znschließen. Daß er für England nur ein Vorwand war, beweist die Tatsache, daß Grcy bereits am 2. August nach- mittags, also bevor die Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland erfolgte, dem französischen Botschafter die Hilfe Englands bedingungslos für den Fall zusichcrte, daß die deutsche Flotte die französische Küste angrcife. Mo- ralische Skrupel aber kennt die englische Politik nicht. And so hat dos englische Volk, das sich stets als Vorkäinpfer für Freiheit und Recht gebärdete, sich mit Rußland, dem Ver- treter des furchtbarsten Despotismus, verbündet, mit onem Lande, das keine geistige, keine religiöse Freiheit kennt, das die Freiheit der Völker wie Individuen mit Füßen tritk. Schon beginnt England einzusehen, daß es sich verr 'ch- net bat, und daß Deutschland seiner Feinde Herr werdm wird, daher versucht es denn mit den kleinlichsten Mittel», Deutschland wenigstens nach Möglichkeit in seinem Handel und seinen Kolonien zu schädigen, indem es, unbekümmert um die Folgen für die Knlturgemeinfchaft der Weißen Rasse, Japan zu einem Raubzug gegen Kiautschon ankbekt und die Neger in Afrika zum Kampfe gegen die Deutschen in den Kolonien führt. Und nachdem cs den Nachrichtendienst Deutschlands in der ganzen Welt unterbunden, den Feldzug mit einer Lüge gegen uns eröffnet, so wird e? Ihren Landsleuten erzählen, daß die deutschen Truppen belgische Tor- lcr und Städte niedergcbrannt haben, ihnen aber verschwiegen. daß belgische Mädchen wehrlosen Verwundeten ans de-n Schlachtfclde die Angen aus-gestochen haben. Beamte belgisch r Städte haben unsere Offiziere zmn Essen eingeladen und über den Tisch hinüber erschossen. Gegen alles Völkerrecht wurde die ganze Zivilbevölkerung Belgiens auiae- boten, die in dein Rücken unserer Truppen nach anfänglich krcnndlichrin Enipfang mit versteckten Waffen eine grausame Kanwfekweise erbob. Belgische Frauen durchschnitten den Soldaten, die üe in, Quartier ausgenommen und die sie, ur Rübe gelegt hatten, die Hälse. England wird auch nichts von den Tuw-Tum-Geich.-s- len erzählen, die von den Engländern und Franzosen troti aller Abkonimcn und heuchlerisch verkündeten Humanität verwende! werden und die Sic hier in Originalpackung <'■>;- sehen können, so wie sic bei englischen und französischen Ge- fangencn gefunden wurden. Ter Kaiser hat mich ermächtigt, alles die? zu sagen und zu erklären, daß er volles Vertrauen in das O'erechtial äls- gefühl de? amerikanischen Volkes hat, das sich durch den Lllgcnkrieg, den unsere Gegner gegen uns führen, n-cktt täuschen lassen wird. Wer seit dem Ausbruch des Krie-p:- i» Deutschland gelebt hat, hat die große moralische Volls- crhcbung der Deutschen, die, von allen Zeiten bedrängt, zur Verteidigung ihres Rechts auf ihre Erijtcnz fpeniüg in:- Feld ziehen, selbst beobachte» können und weiß, daß dieses Volk keiner unnötigen Grausamkeit und keiner Roheit fähig ist. Wir werden siegen dank der moralischen Wucht, die die gerechte Sackic unseren Truppen gibt, und schließlich werden auch die größten Lügen unsere Siege so wenig wie unser Recht verdunkeln können. 3 Forts von Maiibengc zerstört. Berlin, 7. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Der Korrespondent des „Berliner Tageblattes" in Rotterdam berichtet. daß drei Forts von Maubcuge vollsiiuidig zerstört seien und daß die Beschießung der übrigen mit außerordentlicher Heftigkeit fortgesetzt wird. — Ein holländischer Kricgskorre- spondent, der den Fall von Dcndermonde miterlcbte, berichtet: Unter den belgischen Verteidigungstruppen waren ein Teil der Besatzung von Namur. Sic waren aus Nord- frankrcich geflohen, in Havre an Bord eines englischen Transportdampfcrs gegangen und an der belgischen Küste wieder gelandet. Sie sahen elend aus, mit zerrissenen Schuhen, phantastischer Kopfbedeckung oder barhaupt. Ar- tilleric und Besatzungstruppcn dreier Antwcrpener Forts griffen bei der Verteidigung Dendcrmondes ein, doch vergebens. In wenigen Stunden war es von den Deutschen genommen. girr Äkg bri sstmond. Amsterdam, 6. Sept. Einem Korrespondenten des „Nieuwe Rotterdamsche Courant" gelang es, als Fischer verkleidet während der Schlacht von Termondc (Tender- mondc an der Schelde, etwa 27 Kilometer südwestlich von Antwerpen. D. R-) nach St. Nicolas nördlich von Ter- Monde zu kommen. Ihm kamen — so lautet sein Bericht — gewaltige Scharen in voller Unordnung flüchtender belgischer Soldaten entgegen. Termonde selbst sah er van Ferne in Brand stehen. Tie Deutschen hatten freien Durch- zug durch Termonde verlangt. Ter Bürgermeister und die Gemeindevertretung waren dafür, der Militärkommanoant aber dagegen. Am letzten Freitag bei Tagesanbruch erschienen die Deutschen vor Termonde, das durch die Ant- werpener Außenforts Willebrock, Londerzeel und Lebb.'ke geschützt ist. (Die beiden letzteren liegen außerhalb des eigentlichen äußeren Fortgürtels von Antwerpen. T. Red.) Tic Belgier, etwa sünfzehntausend Mann, verteidigten ihre Stellungen gut, doch mußten sie unter schweren Verlusten zurückwcichen. Termondc wurde dann auch von den Deutschen genommen und die Belgier mußten so rasch zurück, daß sic keine Zeit mehr hatten, die Brücke über die Schelde bei Han,me zu sprengen — das war der große „Sieg", von dem eine Antwerpencr ofsizielle Mitteilung sprach. (*inc bclgstchc Meldung. London, 7. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Ans Ostende wird gemeldet: Ein Teil des Landes, besonders Mech-'ln, ist von den belgischen Genietruppen unter Wasser geletzt worden. Termondc wurde gcräunit. Reservisten aus Lille erzählten, das Land iei mit einer Kricgskontribution von 200 Millionen Francs belegt worden. Gestern wurde aus einer „Taube" eine Bombe geworfen, die aber keinen Schaden anrichtcte. Heute früh flog eine „Taube" in großer Höhe über die Stadt Gent, aus der zwei Bomben geworfen wurden. Tic erste fiel ans das Dach einer Schlosser,verk- statt in der Ruc Bicnsaisance, die zweite ans den Boulevard des Hospices. Es wurde nur Materialschaden angerichtet. Die Kämpfe im Südosten. Wien, 6. Scpt. (W. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird gemeldet: Am 3. September haben die Russen die in weitem Umkreise um die Stadt Lemberg errichteten Erdwerke, beschossen. Unsere Truppen waren jedoch bereits abgezogen, :::;i die offene Stadt vor einer Beschießung zu bewahren und weil auch operative Rücksichten dasür sprachen, Lemberg den, Feinde ohne Kampf zu überlassen. Das Bombe-denrevt richtete sich somit nur gegen unverteidigte Deckungen. Die Armee Tankl ist neuerdings in heftigem Kamp'e. An der sonstigen Front herrscht nach den großen Schlachten der vergangenen Wochen verhältnismäßig Ruhe. Wie», 7. Scpt. (W. B. Nichtamtlich.) Es wird ge- meldet: Aus den schon gemeldeten abermaligen Kämpfen der Armee Tankl gegen welche der Feind mit der Balm namhafte Verstärkungen hcransührte, wurde bekannt, daß speziell die Gruppe unter dem Befehl des Generalleutnants Keftranek cin.n starken Angriff der Russen blutig al-wieS und hiebei weitere 600 Gefangene einvrachte. Sonst herrscht auf den Kriegsichanplützen, soweit bekannt ist, auch heute relative Ruhe. Ter Stellvertreter des Chefs des Generalstab-? v. H ö f e r, Generalmajor. 5009 Tcrbett gefangen. Die Antwort „Deutsch" erwidert- der Kaiser in heiterem Ton: ,R», das Chinesisch ist aber auch zu schwer, cs hat ja 20 000 verschiedene Zeichen." Ein Landwehrmann, der sonst die Kölner als Mitglied von Peter Prang» Kölner Bühne erheitert, erzählte: „Wir sind Landwehr zweiten Aufgebots und liegen schon seit dem driiten Mobilmachnngstag in Biirgcrqnartieren. Als die Siegcsnnch- «bt au» Lo'brinoen kam. befahl nnier Kaiser alle Landwehr- -ieu« Tage,z«»ung. Dienstag Mit 8. «eptemver 191« leute auf den Uebnngsplatz, um ihnen die frohe Nachricht persönlich zu überbringen. Wir zogen nun los, durchweg alles verwegene Gesellen und in aller möglichen und unmöglichen Ausrüstung. Die einen in Drillichzeug mit Tornister — andere wieder in Feldmützen ujw. Aber dasür war der Parademarsch an Majestät vorbei einfach großartig. Der Kaiser unterhielt sich mit den Landwchrleuten in leutseliger Weise. Er war sehr gut aufgelegt. Er srug nach Herkunst und wie allen der Krieg gefiel. Einstimmig wollte alles nach Belgien und Frankreich: cs sei zu langweilig hier. Jetzt srug der Kaiser einen Kölner: Wo sind Sic dann her, Uhs Kölle. Majestät. So — so! — Da war ich ja auch vor nicht langer Zeit. Köln ist noch eine Sladt, die laß ich mir gefallen. Da gibt» ja noch so viele Kinder! Datt stemp, Majestät! sagte der Kölner. So ist cs recht, sagte der Kaiser — macht nur fleißig so weiter, und klapste ihm nus die Schulter. Worauf der Kölner sagte: Ja, Majestät — ich bcnn ävvcr Junggesell, worauf der Kaiser in herzliches Lachen ausbrach. Beim Abrücken der Truppen fiel dem Kaiser die stramme Haltung mehrerer älterer Landwehrleute auf. Aus Befragen antworteten die Wehrleutc, daß sie deutsche Turner wären. Der Kaiser belobte die Turncrsoldatcn und äußerte zu seinem Stabe: Da sind die schönen Folgen unserer deutschen Friedensarbeit! Don den Wehcleutsn verabschiedete sich Seine Majestät mit dem Ruse: „Lebt wohl, deutsche Turner!" Doller Freude stimmte die Abteilung dus Lied an: „Turner aus zum Streite." Der Kaiser winkte den Soldaten noch cinigcmale freundlich zu. Lei den riilkichrn Cefaußentu. Am vorigen Sonntag sind von Ostpreußen 10 000 gefangene Ruficn in Breslau angckommcn, die in einem Barackenlager in Brockau untergcbracht worden sind. Die Breslauer „M. Z." bringt hierüber folgende Schilderungen: Die russischen Soldaten sind in eine zementgraue Uniform gekleidet, die bei näherer Betrachtung nicht im entferntesten einen Vergleich mit der Fcldbellcidung unserer Soldaten aus- hallcn kann. Der Äoff ist ein Lodenstoff und fühlt sich recht dünn an. Alle tragen Mützen in gleicher Zementfarbe mit grünem Schirm. Einzelne sind mit Ordensbändern geschmückt. Die wenigen mit einem Mantel versehenen Soldaten machen einen besonders ungünstigen Eindruck. Die Mäntel sind aus rotbraunem Filzstofs, der auch recht schlecht zu sein scheint. Der einzige wirklich gute Ausrüstungsgegenstand sind die Stiesel. Schwarz von Farbe sehen sie überaus wettcrsest aus und bilden so zu den übrigen Bekleidungsgcgcnständen einen seltsamen Kontrast. Alle diese Menschen bewegt offenbar nur eins: Esten! Langsam geht's zur Ansgabestcllc in die Kantine. Ein große Schiistel mit Linsensuppe und einem großen Stück Fleisch oder Wurst, dazu ein Laib Brot, das ist das erste warme Mittagcsten in der Gefangenschaft. Daß es den Gefangenen schmeckt, er- lennt man an dem wohligen Behagen in ihrem Antlitz. Die stupiden, völlig abgestumpft scheinenden Ecsichtszüge erhellen sich, da sie nach langem Darben eine ausreichende Mahlzeit erhalten. Einer nach dem anderen steht auf, um sich die Wasier- slejche zu süllen. Einige lausen sogar Limonade, Einen reißenden Absatz finden Zigaretten, deren Bcrkäuser von den Gefangenen geradezu bestürmt wird. Unter den gefangenen Offizieren ficht man viele, die eine gut gespickte Börse ihr eigen nennen. Ein Soldat — ein russischer Jude aus dem polnischen Distrikt — erzählt mir, daß cs bei Allcnstcin den Rüsten sehr schlecht gegangen sei. Rur wenige Soldaten tragen, wie mir auffällt, Achselklappen. Aus Befragen erzählt mir einer, daß sie die Achselllappen heruntergcrijsen haben. Doch sieht man aus den Achselklappen der anderen, daß die Gefangenen hauptsächlich den Jnfanteric- regimentern 140, 141, 142, 143 und 144 angehören. Ein jüdischer Soldat, der sich ziemlich gut deutsch zu verständigen vermag, erzählt mir, daß die Regimenter dem Moskauer Militärbezirk angehürcn. Er erzählt weiter, daß bereits im März d. I., also vor säst einem halben Jahre, die Reservisten zu Manövcrübungcn einberuscn wurden. Nach kurzer Zeit schon, so erzählt er weiter, wurden wir nach den westlichen Grcnzdistriltcn gebracht und seit dieser Zeit beständig unter Waffen gehalten. Wir exerzierten viel und hatten anstrengende Fclddicnstitb ungen, aber geschostcn haben wir nie. D. h. mit scharfen Patronen wurde nicht geschosten. Die ganze Zeit über Hutten wir nur Exerzicrpatroucn. Erst als es über die Grenze ging, also unmitielbar vor dem Feind, wurde» uns scharfe Patronen ausgchändigt. Uno da soll man sieben? Er spuckte in weitem Bogen aus, kraute sich am Kopf und fuhr fort: „Wer weiß, wieviel hunderttauscnde Rubel für unser seldmäßigcs Schießen bewilligt waren und in den Taschen der Großen verschwanden!" Dann ging er müde weiter. Die wenigen Worte, die er gesprochen hatte, find ein weiterer Beweis dafür, daß Rußland fchon vor Monaten mobilisierte, was nuferer Kriegsvcrwaliung freilich kein Geheimnis war, von russischer Seite aber durch Berpsändnng mehrerer Ehrenworte stets abgcleugnct wurde Nachdem die russischen Mannschaften gespeist rrarrp, wurde'! die Offiziere — etwa 100 an der Zahl — zur Sp: 7mg geführt. Auffallend ist, daß cs zumeist ältere Männer sind. Ar!» sie tragen Feldunisorm und sind größten, teils mit Mänieln. viele auch mit Gummimänteln, versehen. Sie machen einen gedrückten Eindruck. Die Säbel sind ihnen abgcnommen worden. Aus den Epaulelis ersieht man. daß sie höhere Dienstgrads cingcnominen hoben: Leutnants sind in der Minderzahl. Die meisten gehören der Jnfanicrictruppe an, doch sieht man auch Kavallerie- und Pionierofsi-iere und einige Acrzte Einer der Offiziere gib! mir auf Befragen in cu lijcher Sprach: Tniwort. Er sagt. „Unjere Leute haben sich sehr tapfer ! geschlagen, aber gegen eure Maschinengewehre und gegen eure Artillerie konnten wir nicht aufkomme». Fast jedes eurer Schrapnells platz!: in unseren Reihen und richiete furchtbar: Verheerungen an. Und eure Maschinengewehre mähten ganze , Kompagnien nieder. Es war fürchterlich." ] Die Offiziere, die, wie erwähnt, über ziemlich viel Geid verfügen, machten Einläufe in Zigarren und namentlich in Zi- garoltc» und ließen sich aucb die Erfrisch»»««» munden. Ihnen __ ' «off» 2 wurde Suppe. Braten und Kompott gor eicht, und alle, die ich sprach, äußerten sich in enthusiastischer Weise über die huma - Behandlung, die ihnen zuteil geworden ist, Akbtr rillßsche SchtiiklichlMi, gegen deutsche Landsleute erfährt der „Berli. Lokal-Anz." vor einem der Betroffenen folgendes: „Ich führte in Dombrowa seit 1911 ein- Wirtschaft. An 11. Juli d. I. begannen in Dombrowa größere Tcuppcnzusam- menziehungen. Die Bevölkerung wurde in den Glauben gesetzt, es handle sich nur um Manöver, Da ich aber aus dem Benehmen der bei mir verkehrenden Truppen, die ausschlicß. lich Kosaken waren, schließen mußte, daß diese Truppenbewegungen kriegerischen Zwecken dienten, so begab ich mich sofort zur Bank, aus der ich ein Guthaben von etwa 14 000 Mark hatte, und wollte mein Gew abhebcn. Dort wurde ich mit den Worten abgewiesen, daß „an deutsche Schweinehunde nichts mehr ausbezahlt würde." Am 18. oder 20. Juli kam dann der Ausweisungsbefehl. Durch Vermittlung des deutschen Konsulats in Warschau wurde ich mit meiner Frau und meinem Kinde durch Finnland nach Deutschland geschafft. Wir waren ungefähr 4000 Mann von Lodz aus: wir wurden mit der Bahn nach Moskau transportiert und von dort mit einem Dampfer nach Deutschland. Noch während meines Aufenthaltes in Dombrowa waren meine Schwägerin und die beiden Brüder meiner Frau von Kosaken erschlagen worden. Meine Frau wurde von vier Kosaken mißbraucht: zwei andere Kosaken zwangen mich, indem sie mir einen Säbel auf die Brust und einen in den Rücken setzten, diesem zuzusehen. Natürlich wollt« ich mich dem Anblick dadurch entziehen, daß ich mich herumdrehte, wurde jedoch durch Säbelstiche wieder zum Hinsehen gezwungen," Aus Frankreich. Die Stimmung in Paris. Der Pariser Dertreter des Genfer „Courier" berichtet: „Die Ankündigung der Regierung, sie werde nach außerhalb übcrsiedeln, erfolgte erst, nachdem die gesamte Regierung Pari» schon seit sechs Stunden verlosten hatte. Andererseits wäre cs ihr nicht mehr möglich gewesen, zu entkommen. Denn sofort nach Bekanntwerden des Manifestes strömten Hunderttausende von empörten Menschen nach dem Elisce und nach dem Place de la Eoncorde und eröffneten ein Stcinbombardement gegen di« Regierungsgebäude, ohne daß die ausgebotene Polizei nennenswerte Anstrengungen machte, die Menschenmengen abzudrängcn. Die beiden Bortore des Elisees sind zertrüm. wert, nur wenige Fensterscheiben des Palais sind ganz geblieben, Bis nach Mitternacht dauerten die Kundgebungen des Bolkes gegen die Regierung, als plötzlich der „Wirtin“ durch Anschläge an seinen Tafeln bekannt gab, daß die Regierung bereits Paris verkästen habe. Es war wie eine Entsetzensbot- fchaft, die in das Bolk drang, und di« Revolution wäre vielleicht schon diese Nacht gekommen, wenn nicht die Poliezi zu einem Radikalmittel gegriffen hätte: sie ließ sämtliche elektrische Lampen der inneren Stadt auf ein« Stunde ver öschen; Paris lag in Nacht. Aber die Wut des Volkes, das sich schmählich seinem Schicksal überlasten sieht, war unaussprechlich. An dem Place de Rivoli fraternisierte die dortige Wache von etwa 25 Soldaten offen mit den Demonstranten." Die Regierung von Bordeaux. Bom Einzuge der sranzösischen Regierung in Bordeaux erfährt das „Eiornale d'Italia" folgendes: Die Ankunft des Präsidenten der Republik mit den Mitgliedern der Regierung und des diplomatischen Korps (es fehlte nur der Botschafter der Bereinigten Staaten, destcn Schutz die Fremden in Paris anvcriraut wurden) erfolgte in aller Stille. Auf dem Bahnhofe war eine Kompagnic ohne Fahne und Musik aufgestellt, Trommler schlugen den Ee- neralncarsch. Die Soldaten präsentierten, sonst unterblieb jedc Feierlichkeit. Die Einfahrt in die Stade ging ebenso still von- statten, kaum daß ein Hochruf aus Frankreich ertönte. Poincare sah bleich und gedrückt aus. Er erwiderte den stummen Gruß der Menge mit müder Handbcwegung. Der Präsident und die Minister fuhren in die Präfektur, hielten sofort eine Sitzung ab. In später Abendstunde sind auch die Redaktionen des „Temps", des „Radical", des „Journal", der „Agence Havas" und der „Illustration" eingetroffen. Sie wer den sich aus Mangel an Papier aus die Herausgabe kurzer Bulletins bsfchränlen. Auch die Banken find aus Paris verlegt worden. Es herrscht also gerade keine Bordeaux-Stimmung in Bor deaux! Die Kriegssteuer für Lille. Rotterdam, 7. Sept. Aus London wird gemeldet: Die Deutschen legen der von der sranzösischen Besatzung geräumten Stadt Lille und Umgegend eine Kriegs st euer von 20t Millionen Francs auf. Frankreich braucht Soldaten. Paris, 7. Sept. Gestern ist ein amtliches Dekret veröf fentlicht worden, das bestimmt, daß die Jahr cs k lasse 191 1 auogcbildet, nach Verlaus von einigen Monaten mobilisiert und sofort durch die Jahresllasse 1915 ersetzt wird, die ihrerseits in der Weise ausgcbildet wird, daß sie, sobald dies irgend möglich ist, ohne Verzug ins Feld rücken kann. Ans England. W.itere Schiffsverlustr. Amsterdam, 7. Sept. Der „Nieuwe Rotterdamsche Torr* meldet, der englische Kreuzer „Pathfinder", gebaut 1904, i*t auf dem Weg von Tyne nach Newcastle auf eine Mine gc- fU-jen und gesu nk c n. Diele Menschen sind dabei umgekom- Die „Tuner" vom 2. September enthält eine Nachtrags-- Verlustliste der Admiralität, in der Namen der Besatzungen der geschützten Kreuzer ..Arclhusa", „Dearkeh". sowie der Torpedo,, boolszeistörcr..Druid". ..L J orrfr<;“ nnh ..Phönir" »nffintteti stod. Wfc »19 London, 7. S*pt Di« Admiralität gibt bekannt, dast d« PasfLgieMampser .R»n," von der Wilionlinie am 5, Sept nachmittags in der Nähe der englischen Ostküst, auf eine Mine Hansen und gesunken sei. Die Bemannung und die Pas- sagrer« seien gerettet worden, außer etwa zwanzig Russen, die aus Paris geflüchtet waren. Eia engljscher Torpedojäger i. Roten. Mailand. 8. S-pt. Der englische Torpedojäger „Fus< sar ist in Brindisi auf der Flucht vor öiterreichisch-unga- rischen Torpedojägern eingelausen. Enttäuschung in England. Berlin. 7. Sept. Das „Bert. Tagebl." meldet aus Rom: ver Londoner Korrespondent des „Eiornale dZtalia" stellt die bittere Enttäuschung des englischen Publikums fest, das vergebens auf eine graste Seeschlacht mit der Bernichtnug der deutschen Flotte wartet. Dieses Warten ist um so peinlicher, als das deutsche Landheer täglich in Frankreich vordringe. Auster dem müssen die Engländer von den fortwährenden Borstötzen der deutschen Torepdoboote hören. Einige deutsche Torpedogeschwader hätten sogar die englische Blockade durchbrochen und seien an der englischen O st k L st e erschienen. Eine längere Dauer dieses Hangens und Bangens und der Untätigkeit der englischen Flotte werde aus die-englische Volkspsqche höchst niederschmetternd wirken. Ans Uutzland. Resignation in Petrograd. Laut Petrograder Mitteilungen werden dort die Rachriq len über die Niederlage bei den masurischen Seen mit ruhiger Resignation ausgenommen. Der russische Schlachtbcricht gibt zu, dast die Deutschen mit ruhigem und brillantem Manieren ihre Konzentration und den Angrijs auf die linke Flanke des russischen Heeres aussührten. Aus Flügeln der Phantasie. Nach Gerüchten, die über Stockholm gekommen sind, sollen 250 000 Russen in Archangelsk eingcschifft worden sein, um nach Cherbourg und dann nach Frankreich zu fahren. Aus Wien wird gemeldet, dast der Pariser russische Botschafter Zswolski, bekanntlich ein Hauptanstistcr des Krieges, in Bordeaux vergeblich erwartet werde, wahrscheinlich wage er nicht, sich sehen zu lasten, da er sich vor der Volkswut fürchte. Diese beiden Meldungen gehören offenbar zusammen: die Russen schicken 258 000 Mann nach Frankreich, um Zswolski sicher nach Rußland zu eskortieren. Uom Äalkan. Sofia, ti. Sept. ^lichtamtlich.) Ter „Utro" gibt eitlen Artikel des russischen Nationolistcnsührers Sawenko im »Kiewljanin" wieder, der eine Erklärung des verstorbenen Gesandten v. Hartwig über die russische Balkanpvtitik enthält. Danach sagte v. Hartwig: Di- Bulgarophilie der rus- sische-n Gesellschaft sei ein schädlicher Scntimentalismus. Ein starkes Bulgarien wäre Rußlands unversöhnlicher Feind und würde sicherlich mit Oesterreich-Ungarn eüt Bündnis entgehen. Dagegen liefen die russischen und die serbischen Interessen nirgends auseinander. Serbien sei sonach der natürliche Bundesgenosse Rußlands, weil ein starkes Serbien Oeskerreich-llngarns imversöhnlicher Feind wäre. So wie der Weg Rußlands zur Meerenge mir über Trümmer ginge, so siche Lcstcrrcich-Ilngarn der Idee Großscrbicns als Hindernis im Wege. Sawenko schließt: Dieses Vcrniächtnis Hartwigs werde weiterleben, weil cS dein Lebensbedürfnis Rußlands entspreche. Die „Utro" sagt: Man müsse sich über die Aufrichtigkeit bezüglich der jetzigen Politik Rußlands freuen. Wollte Bulgarien sich dieser Erkenntnis verschließen, dann würde es der russischen Politik zum Opfer fallen. Wien, 7. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Die „Südslawische Korrespondenz" meldet: Ihr Konstantinopcler Vertreter hat gemäß des Auftrages des Großwcsirs eine Er- klärung erhalten, nach der in den letzten Tagen die mit einer gewissen Absichtlichkeit verbreiteten Nachrichten über eine bedenkliche Wendung im Berhältnis der Türkei zu Griechenland grundlos sind. Die Verhandlungen mit Griechenland die in günstiger Weise eingelcitet worden sind, werden von Halft Bey bei dem griechischen Delegierten erfolgverheiß.md fortgesetzt. Es ist falsch, wenn behauptet wird, daß die Türkei gegen Griechenland rüstet. Mft Griechenland wünscht die Türkei sich n, Frieden über die Jnfelsragc zu einigen und glaubt an die gleichen Intentionen in Athen. Mailand. G. Sept. Das Blatt „Sccolo" läßt sich ans Bukarest melden, Rnnränien habe den Vorschlag Talaat Beys, mit Bulgarien und der Türkei ei» Bündnis zu schlie- ßen, abgelehnt. Tie gefangenen Muselmanen. Der vonr „Tanin" mitaetrftte Entschluß des deutschen Kaiser?, die zahlreich unter den französischen Gefangenen tc- sinblichcn algerisch,! und ftmcfischn Muselmanen in Frei- beit setzen und nach dem Sitz des Kalifates geleiten zu lassen macht hier ungeheuren Eindruck. |lou dt« Zapltli. StockhoIin, 5. Sept. Der hiesige japanisch- Gesandte erklärte die Behauptung für fasich. dast Japan Truppen nach Europa senden wolle. Japan habe nicht die Absicht, sein Heer einer anderen Regierung zur «crftlgung zu stellen, weder in Europa noch anderswo. . , Diese Meldung dürfte wahr sein: denn ein Aasgeier har ich noch nie sür fremde Interessen geopscrt. ' | 600 kriegsgesanzene Japanese«. r Die an der holländischen Grenze obgcsang-n-n Japanesen, welche sich kurz vor dem japanischen Ultimatum an Deutschland i, aller Stille ans de«. Staube gemacht hatten, werden in den Tageszerrun^. Dt«m ag, de» S. ««piemoer 1914. bratschen Truppen lagerplätzei» als Kriegsgefangene bis zum Ende des Krieges mit Japan iitternlett. Es ist gelungen, an 600 Japanesen seftzunehmen. das sind fast alles an norddeutschen Hochschulen immatrikulierte japanesisch« Studenten und die übrigen bei Kriegsausbruch in den norddeutschen Großstädten aufhältlich gewesenen Iapancser. Als di- deutschen Grenzbehörden zur Festnahme der Iapancser schritten, waren diese völlig überrascht, da sie glaubten, mit ihren vorsorglich vorbereiteten Angaben über das Reiseziel di- deutschen Behörden irregeführt zu haben und diese an der Lauer an der schweizerischen Grenze glaubten. Ein Teil der Japanesen, welche kurz vor dem Verschwinden aus ihren Quartieren noch größere Schulden bei ihren Lieferanten ausgenommen hatten, wurden wegen Verdacht des beabsichtigten Betrugs der Etaatsanwaltschast übergeben. Sämtliche im Besitz der Feslgenommencn Vorgefundenen Gelder wurden ausnahmslos beschlagnahmt, da die Japanesen ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist ihre Logisgeber verlasien hatten und jetzt die vollen Mietbeträgc nachzahlen müssen. Das Schlos; des Battcnberners. Wie wir aus zuverlässigster Seite wissen, ist das Angebot der Frau Gräfin von Erbach-Schönbcrg, das Schloß Hciligenberg den Zwecken des Roten Kreuzes dienstbar zu machen, einzig nnd allein der Absicht entsprungen, dadurch einer drob enden Segne st ration des Schlosses vcr- zubeugcn. Als die Gräfin keine Gegenliebe gefunden hat, reiste sic schmollend von Schönberg ab Wenige Tage daraus beniühte sich der Justizrat Kleinschmidt von Darmstidt in langatmigen Ausführungen z» beweisen, daß das Schloß Heiligenberg zu Jugenheim nicht dem englischen Admiral und Landesverräter gehöre, sondern als Familiencigentui» der Baitenbcrgcr, zu denen auch die Gräfin Erbach-Schäu- berg, gehört, zu betrachten sei. Auch da? ist nicht zutresfcud: zu der Zeit, als Justizrat Kleinschmidt seine Erklärung veröffentlichte, ist cs wohl der Fall gewesen. Man hat nämlich, um einer drohenden Beschlagnahme vorzubcugen, das Schloß schleunigst auf den Namen der Familienangehörigen eingetragen. Bei Ausbruch des Krieges gehörte das Schloß dem Prinzen Ludwig von Battenberg allein. Aus dem Grundbuch dürfte sich diese Tatsache leicht scststcllen lassen. Inzwischen hat der Landtagsabg. Dorsch bei dem Gr. Stoatsministerium zu Darmstadt beantragt, das Schloß Hciligenberg bei Jugenheim durch den hessischen Staat beschlagnahmen zu lassen. Unterm 2. September kam die Antwort des Staatsministcrs, daß das Staatsministcriuin nicht in der Lage sei, dem Gesuche eine weitere Folge zu geben, da selbständige Anträge eines Mitgliedes der Stände schriftlich bei der Kammer, der das Mitglied angehört, ein- zureichen feien. Landtagsabg. Dorsch wird daher, wie wir erfahren, einen diesbezüglichen Antrag in der Zweiten Kanimcr einreichen. Ans der Heimat. * Friedberg, 8. Sept. Das Bezirkskommando macht daraus ausmerkjam, dast nur gediente Leute des Landsturms und zwar der Infanterie, Jäger, Earde-Znsanterie nnd Krankenträger sich morgen Mittwoch, den 9. September d. Is„ vormittags 10 Uhr in Friedberg aus dem Burgplatz zu stellen haben. * Friedberg, 8. Eept. Trotzdem die Reihen des Turnvereins durch die Einberufung zu den Fahnen stark gelichtet sind, wird der Tnrnbettteb mit Beginn dieser Woche wieder in allen Abteilungen ausgenommen. Da das deutsche Turnen bekanntlich die beste Vorschule zum Heeresdienst ist, werden Eltern und Lchrherren erneut gebeten, die schulentlasienc Jugend dem Turnplatz zuzusühren. Hier ist der Ort, wo aus das körperliche Gedeihen unserer Jünglinge und Jungsraucn ein entscheidender Einfluß ausgcübt werden kann und feste Gesundheit, geistige Frisch-, männlicher Mut und starle Ausdauer zu erwerben sind. Groß ist noch die Zahl derer, die verständnislos an den Turn- uercinsbestredungen vorüber gehen. Es sollte daher In dieser ernsten Zeit doppelte Pflicht eines jeden Vaterlandssreundes sein, die Jugend auf den Segen deutschen Turnens hinzuweisen. - Friedberg, 8. Sept. Wie uns das Kaiserliche Postamt mitteilt, werden von Dienstag ab und zwar vormittags um 10 Uhr und abends um 8 Uhr etwa eingehende Kriegstelegramme seitens der Post ausgehöngt werden. Die gleiche Einrichtung ist bei sämtlichen Telegraphenanstalten eingerichtet. - Friedberg, 8. Sept. Frau Photograph Bock hat der hiesigen Sanitätskolonn« einen auf Eummiräder lausenden verstellbaren federnden Krankenstuhl zur Benutzung Lberlasicn, der namentlich beim Ueberftagen von Verwundeten von einem Bahnsteig zum anderen ober zum Einzeltransport nach den La- zaretten vorzügliche Dienste leistet. Für die Ueberlaffung sei hiermit herzlich gedankt. ' ' * Hesseii-Nassa». F. G. * Hoshrrm i. X- 6. Sept. Dem Fliegcrleulnant Hartmaiin von hier wurde das Eiserne Kreuz verliehe». * St. Goarshausc», 6. Sept. Der 71jährige Bahnar- bciter Pakutz in Kestert, ein Veteran von 1866 und 1870—71 der sich wiederholt freiwillig zu den Fahnen gemeldet hat, ist nunmehr angenomnien und eingestellt worden. Der 41- jährige Sohn des Pakutz steht ebenfalls unter den Fahnen. Geschäftliches. Kriegssähnchen. Ein ausgezeichnete, hilssmittel, die jeweilige Stellung der gegnerischen Slreitkräfte, sei es zu Wasier oder zu Land«, auf jeder Karte bezeichnen zu können, bilden« die von I. F. Lehmanir's Verlag in München auf den ' Markt gebrachten Aussteckjähnchen. Diese Fähnchen sind mit dem Bild« der Kriegislaggen der rin,einen Staate» vrrsehen und werden zu je 60 Stück gemischt tm Verhältnis der Stärke der einzelnen Herr« und Flotte» abgegeben. Jede Reih« von 60 Stück kostet in Umhüllung 1 Mark. Die Fähnchen erweisen sich für irden, der den See, und -Landkriea aenau versolaen will. __ Seite 3. geradezu unentbehrlich. Darum seien sie auch an dieser Siege wurm empfohlen. Im gleichen Berlage ist soeben eine übersichtliche See- und La»d-Kriegskarte erschienen, die von Oberstleutnant a. D. Rot. hamel zusammengestellt ist und den gesamten Kriegsschauplnrz von der Loire-Mündung bis Petersburg umfaht. England und Skandinavien, der russische und französische Kriegsschauplatz siu- den sich übersichtlich zur Darstellung gebracht. MaMb 1 : 2700000. Format 78 : 108 Ztm. Preis 1 Mark. Bitte! Tic große Zeit, die uns mitzuleben vergönnt ist. rauscht wie ein brausender Fluß dahin: die Fülle der Ereignisse überfallt und erdrückt fast den, der staunenden Geistes die deutschen Helden Wunder der Tapferkeit verrichten siebt. Wir, die wir daheim »nr bangen, haften, jubeln und dan- ken können, sehe» einzig an den tlebiuigen der Rekruten uud Landwehrinäiiner die Vorbereitungen zum Kriege »»d allein an unseren armen Verwundeten die Schrecke» des Krieges, Da liegt die Besürchtmig nahe, daß vieles von alledem, was in unserer Stadt und in den Ortschaften der Wetterau geschehen ist und noch geschieht, in der Erinnerung verblaßt und schließlich ganz verloren geht: das aber wellen lvir uns und unseren Nachkommen lebendig erhalten. Suchen wir zu erfahren, wie es in Friedberg im Jahre 1870 beim Ausbruch des Krieges auSgcscheii hat, ach wie wenig ist das! Dem möchten wir Vorbeugen. Sicknwlich find seit der Zeit der Mobilmachung dieses Jahres viele photo- graphifäic Aufnahmen hcrgestellt worden, von den sahnen- geschmückten Straßen sowohl wie von ans- nnd einziehenden Truppen, von Soldaten im Waffcnschmuck und von Landwehrmünnern. Wir richten deshalb an alle Diejenigen, die in der Wetterau derartige Ausnahmen gemacht hoben, an Berufs- und Liebhaberphotographe», die dringende Bitte, dem Städtischen Museum in Friedberg einen Abzug zu schenken, je früher desto besser. Erwünscht ist cs. wenn aus der Rückseite mit Bleistift der Name des Gebers, der Ort und der Tag der Aufnahme und der Gegenstand des Bildes angegeben ist. Solche Sendungen bitten wir an das Stadt. Museum in Friedberg zu richten oder bei den, Musmms- leiter Herr» Professor Helmke, Kaiserstraße lil, ..bzii- geben. Wir haften, auf diese Weise eine umfassende Bilder- sanimliing aus der Zeit des großen Krieges zusammenzu bringen, den Lebenden zur Erinnerung, den Nachkommen zur Erhebung. Vielleicht geben diese Zeilen auch Perm lassung, daß die Besitzer von photographischen Apparaten noch mehr wie bisher Aufnahmen niachen »ud > nseri Sammlung vervollständigen helfen: wir wünschen »ich einen Abdruck, selbst wenn die Aufnabme» weniger gut ge lungen sind, erklären »ns auch gern bereit, von nns überlassenen oder geliehenen Negativen einen Abzug herzu- stellen. - Scho» setzk möchten wir auch die weitere Bitte anschlie ßen, uns Funde von den Schlachtfeldern zu überlassen: Patronen, Waffen und anderes, wie es von »»seren Kriegern gern niitgebracht wird; auch bei diesen ist die Angabe von Fundort und Fundzeit sehr erwünscht: eine Lis: der Geber wird veröffentlicht werden. Der Leiter des Museums _ Professor Helmke. ökkaiintmachiinlider (Filrnbaljitbirrbtion Frankfurt a. M. brtr. Arbrittrfahrkartrn. * Frankfurt o. SW., &. Sept. Der jetzige Geschäftsgang in zahlreichen industriellen uud gewerblichen Unternehmungen hat Betriebscinschränkungen und Einlegung von Feierschichten zui Folge gehabt, die es den Arbeitern vielfach unmöglich mache», die Arbeiterkarten in der bisherigen Weise zu benutzen. Um dieser Sachlage Rechnung zu tragen, habe» wir folgende Erleichterungen angeordnet: 1. Anstelle von Arbeiterwochenkarten, die nur an 6 auseinan der folgenden Arbeitstagen zwischen Wohnort und Arbeitsstelle gelten, können aus Wunsch sür die Dauer von Be triebseinschränkungen usw. Arbeiterrückfahrkarten verabsolgt werden. Für die Ausgabe dieser Karten ist die Bescheinigung des Arbeitgebers erforderlich, dast die Arbeit an bestimmt zu bezeichnenden Tagen der Woche ruht. 2. Für die Arbeiterrückfahrkarten, die bestimmungsgemäst nur: 1) am Tage nach einem Sonn- oder Festtage zur Fahrt vom Wohnort nach der Arbeitsstelle oder 2) am Tage vor einem Sonn- oder Festtage zur Fahrt von der Arbeitsstelle nach dem Wohnort gelöst werden dürfen, lann die Lösung und Benutzung auch an anderen als den vorgenannten Tagen gestattet werden. Auch hier ist die Bescheinigung des Arbeitgebers nötig, an welchen Tagen der Woche die Arbeit ruht. Anträge auf Zulasiung der Lösung und Benutzung von Arbeitcrkarten sind an das zuständige Verkehrsamt fFranksurt, Eiesten, Limburg. Fulda) zu richten. Kirchliche Anzeigen. Gottesdienst in der Stadtkirch«. Mittwoch, den 9. Sept., abends 8!t Uhr: Kriegsbittandacht: Herr Direktor Schoell. Gottesdienst im Stadtteil Fauerbaa, Mittwoch, den s. Sept., abends M9 Uhr: Kriegshittan- dacht: Herr Pfarrer Zatzmann. Franksurter Wetterbericht. Wolkig, trocken, mäßig warm, wechselnde Winde. Verantwortlich sür den politischen und lokalen Teil: Otto Hirschel. Friedberg: für den Anzeigenteil: K. Sch m i d >. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", A. G.. Friedberg i. H. Nr. 210 ®nfe v Reue Tageszeitung. Dienstag, Sen «. September lui« Erna und Ilse. Ikoinan von D. Feußner. 40 (Fortsetzung). Im Zimmer war es jetzt totenstill und da man die Fensterläden des Wetters wegen geschlossen statte, herrschte ein fast unheimliches Halbdunkel, das nur für Momente fast gespenstig erhellt wurde. Desto fürchterlicher grollte, prasselte, stürmte es draußen, als sollte die Erde aus ihren Gleisen gehoben und weggeschleudert werden in die unermessenen Weiten des Universums, oder zertrümmert, zerrissen als winzige Moleküle ihreni Schöpfer vor die Füße zu fliegen. Wann würde sich die wild entfegelte Gewalt der Elemente erschöpfen. Der Rittergutsbesitzer warf während eines Blitzstrahles einen Blick auf seine Tochter. Totenbleich lehnte diese in ihrem Stuhle, furchrsain und keiner Bewegung fähig, gleich den, Marmorbildc Pygmalions, das sein rosiges Inkarnat verlor, uin zurückzusinken in die Totenstarre, aus der cs der Künstler zum Leben erfleht hatte. Plötzlich flammte es in der Stube auf, als befände man sich in einem glühenden Fcuerwürfel und unmittelbar darauf folgle ei» Donnerschlag, welcher alle vorhergegangenen an Starke weit überlraf. -Mit leisem Stöhnen glitt Ilse vom Stuhle und blieb mit ausgebreiteten Armen auf dem Teppich zu dei^^llße^hr^^ater^icgen^ „Der Blitz hat eingeschlagen," ries dieser mit gellender Stimme, „Mein Kind! Mein Kind! Hinaus! Hinaus! Sonst ersticken wir alle!" Er bückte sich, nahm die Leblose in seine Arme und eilte hinaus, hinarrs in das Unwetter. Ihm auf dein Fuße folgten die anderen, sie halten ihre Geistesgegenwart behalten. Der Forstineister (dies war der Titel des Besitzers der Villa Rosalie>, ivendete sich irm, um einen Blick auf das schmucke Gestände zu werfen. „Gott sei Dan'," murmelte er selbst rotenblcich, „nirgends sehr ick, Rau.b, es war nur ein kalter Schlag," dann ctlle er dem unglücklichen Bnler den Schuppen zu öffnen, vor welchem dieser schon mit seiner teueren Last stand. Die andren folgten und gemeinschaftlich bettete man Ilse auf ein primitives Strohlager. Als sie so dalag, bleich w'e Wachs und doch schön wie ein Engel, singen beide Mädchen an zu weinen uni auch über die Wangen des ^betrübten Vateis rannen Tränen und fielen auf das fast überirdisch schöne Eefichtchcn seines einzigen Kindes. „O Ille, mein Kind, inein einziges Kind, was ist mit dir geschehen? O Gott, wie wehe ist mir!" Und ruckhaltslos. gab er sich feinem Schmerze hin, während die Frau des Forstmeisters der regungslos Daliegendcn Erleichterungen zn verschaffen suchte und ihr Gatte in gedämpfteni Tone den Befehl erteilte, den Arzt des nahen Kurhauses herbeiz uhole n. Im Herbst-Pferdemarkt m Gießen. Am Mittwoch, den 16. September 1911, vorm, von 7 Uhr ab findet auf den städtischen Marktanlagen an der Rodheimerstraßc Pferdemarkt statt. Der Äuf- tricb von Pferden aus Sperrbezirken ist unzulässig. Bezüglich der in der Nähe des Marktplatzes vorhandenen Stallungen erteilt Herr Lohnkutscher Huhn Auskunft. Mit dem Pferdemarkt ist eine Prämie v u «t g des besten Pferdematerials verbunden, wofür .reichliche Mittel zur Verfügung stehen, darunter 250 M. aus Mitteln des Hessischen Landes-Pferdezuchtoereins. Der Prümierungsplan ist von Herrn Weinhändler August Schwan in Gießen erhältlich. Die Preisverteilung erfolgt nach Beendigung der Prämierung. Die für den Herbst-Pferdemarkt vorgesehene Verlosung ist mit Genehmigung Eroßh. Ministeriums des Innern mit Rücksicht auf die eingetretene Mobilmachung bis auf Weiteres zurückgestellt worden. Gießen, den 4. September 1914. 3 ic städtische Pferdemarkt-Deprltation Eriinewald, Beigeordneter. Aufruf! Sämtliche laiidsturmpflichtigen Leute der Jufaii- terie, Jäger, Garde-Infanterie und Krankeuträger haben sich am MMmoch. den 9 . Sept. ds. Js., vormittags 10 |Ujr m Friedbrrg i. H auf dem Burgplatz zu stellen. Es wird darauf aufmerksam gemacht, das; sich nur gediente Leute zu stellen haben. Nichtgestellung wird streng bestraft. Die Leute werden in das hier zu bildende Ersatz- Landsturm-Bataillon eingestellt. Sämtliche oben erwähnten Leute haben zu erscheinen, einerlei ob diese Gestellungsbefehle haben oder I nicht. Friedberg i. H.< den 7. September 1914. Großh. Bezirkskommando. von Branconi. Major u. Bezirkskominandeur. Billige und gute | Lebensmittel.' ft-cSn*. Maftee in eigener Rösterei ohne jeden Zusatz gebrannt per Pid.Mk. 1.40,1.50, !.60u !.80. gern. Zucker pr. Pid. *s Pi. Würfelzucker per Pid. 2« Pi. Mehl 3 pfj «1 Pi. «Io. O ßd. s» PI. jlSrurhreis per Pfd. IO Pf. TafclreisCM per Pid. es u . »« Pf. feerste, grob per Pid. fcO Pi. do. mittelf. pr. Pid. S4 Pf. do. extrafein pr. Pfd. Pf. Griesmehl ff d ; S« PI. Erbsen, Linsen, Boiinen noch sehr billig. la, Speiseöl L p & r 80 Pf, Salatöl 90 Pf„ 1,-M, Tafelöl Mk. 1.20 Margarine: Rheinperle, Cleverstolz pr. Pid. *8 Pi. echter Allgäuer, Limburger H4ä*se per Pid. -ft’S Pi. ISamal orkäse in Staniol per Pfd. SS Pf. Edamer Käse l.- EmmenlhalerffiM. 1.20 Xwichci ffl iS Pf. Kartoffeln fij. Pf. Petroleum £ 2'Sj Pf, i«l®l!S$ llir Lehensmiifel Friedbarg. Hanauerstr, 3, Filiale in Hungen. Mittwoch, den U. ds. Mts., nachmittags 4 Uhr, werden: 5 Bäume Aepfel 199 „ Zwetschen öffentlich versteigert. Zujauunenkunst Mainzcrtor- anlage (an der Gewerbeschule.) Fnedberg. den 5. Sept. 1914 Der Bürgermeister. Stahl, Laternen sturmsicher, felbstverfertigt, große Auswahl. Reparaturen billigst. Hch. Schmidt, Spuiglermeiller, Friedberg. Vorstadt z. Garten 13. Ber dem Kanalbau in Ockstadt tüfiitilse taiimr&citcr sofort gesucht. Meldungen aus der Baustelle in Ockstadt. Hangelchäftirenß Friedberg i. H. Zum Kkischmlieil der Kiicher und ichristl. Arbeiten empfiehlt sich älterer erfahren. Kauimann. Anfragen unter dir. 2337 bej. die Exped. der Reuen Tageszeitung. fchwarz-weiß-rot und rot-weiß 149 rm. breit, mtr. 1.49 M. Nctfcher Sc Hauck Friedberq i. H. Mehrere gebrauchte GllslllWeil mit Rohr billigst zu verkaufen. Neue Tasteszeitnug Druckerei u. Verlag A. D. Friedberg i. H. (ilettrij(i) anflelricbcncc JresGlj. Da cs in der jetzigen Kriegszeii fchioierig ist, Kohlen sllr mit Tainps betriebene Dreschsätze zu erhalten und außerdem das elektrische Dreschen wesentlich billiger, bequemer und voricilhaftcr ist (3 u /„ höherer Ausdrusch), hat sich die Bau- und Betriebsleitung der elektrischen Ueberland-Anlage der Provinz Oberhessen in zuvorkommender Weise zur Ciromabgabe für besagten lweck bereit erklärt. Landwirte, die eventuell gesonnen sind, sich des schönen und guien Angebots bedienen zu wollen wird seitens des Landwirtschaftskammer-Ausfchusies angeraten sich gefl. an die elektrische Ueberland-Anlage der Provinz Oberhessen in Friedberg zu wenden, von welcher die Strom lieferungsbedingungcn etc. erhältlich sind Brunnenbau u. Bohrirngeii, BnmnenaniQficn billigst. J Stefan Kuhu, Znheidcn-chnitgcn. Der Kampf, den das deutsche Volk gegen halb Europa zu führen gezwungen ist, sicht im Zeichen einer unerschütterlichen Siegeszuversicht. Kein Zweifel wird daran laut, daß unsere gerechte Sache über unsere Feinde triumphieren wird. Aber diese feste Ueber- Zeugung oarj uns nicht vergessen lassen, daß auch der Sieg Opfer fordert. Mag der Feldzug gegen die Massen 'unserer Feinde noch fo glücklich verlaufen, an seinem Ende werde» dack> viele Win»«»' und Waisen cur der Bahre ihrer Ernährer stehen, viele Invaliden. die für die Allgemeinheit freudig ihre Gesundheit ge- dp,er« haben, nick>t wissen, wie sic das Dafcin weiter fristen solle,,. Roch leben unter uns Taufende in saldier Laxe ,,ls lebendige Erinnerungen an die große» Tage vor 44 Jahren. Der Unterstützung und wirtschaftlichen Forderung dieser Invaliden und ihrer Hinterbliebenen dient seit mehr als 40 Jahre» das Wirren des Vereins „Jnvalidendank". Taufenden hat der „Jnvalidcndank" eine neue Bürgerliche i Erlstenz verschallt und damit nicht nur diele Taufende vor Rat Hause waren untere.es Türen und Fenster geöffnet worden, denn es machte sich ein stark fchwefkiger Geruch in allen Räumen bemerkbar. Es schien, als hätte dies eine Opfer dem wilden Element genügt, denn wie intt einem Schlage änderte sich das -Zetter, es hstrte ,zu regnen, und nur dadumpfe Resten des st-e-nners war ab und zu veinehnr- bar. Bald kebrtc auch zu ail«: L^ruhignng der Wagen, welche: :m schne:'ücn Tempo nach den: Arzt gefahren war, mit diesem >»rück. Go>.' Sir Herr Ruth! und Ihr hold» Töchterchen das Opse: eines Blrtz-chlags " rief dieser aufs t efste erschrocken, „Ja leider, Herr Doktor," sagte der Rittergntsve- sttzcr mit tonloser Sli»:n:e, „aber Gott wird geben, oaß das Ärgste, wie ich anfangs bejücckuete, nicht ein- gctreien ist." „Wollen s hoffen! Wollen'- hoffen!" Lange, lange blieben die Belebungsversuche erfolglos, doch endlich siegte die Kunst des Arztes, die Lebensgeister kehrten wieder und Ilse holte tief Atem. „Vater, — Vater — Vat—“ ihre Lippen bewegten sich noch ein wenig, aber kein weiterer Ton schien sich der beengten Brust entwinden zu können. „Mein Gott, sie lebt! Sie lebt!" jubelte der glückliche Vater, „ich darf sie noch behalten! O Gott, ich danke dir!" (Fortsetzung folgt? und Sorge bewahrt, sondern auch die Gemeinden vor allzu wachsender Belastung ihrer Vcrsorgungsanftalten. Der „Jnvalidcndank", der unter dem Protektorate des Deutsche» Kronprinzen steht, hat diese Tätigkeit ausüben können. ohne je die Oesfentlichkcit für seine Kaffen in Anspruch nehmen zu muffen. Aus kaufmännischen Geschäften, die er betreibt, sind die Summen als Gewinne gefloffen, die er ohne Abzug an Invaliden und Angehörige verstorbener Krigrr verteilt hat. In diesen Tagen aber glaubt auch der „Jnvalidendank" sich berechtigt, ja sogar verpflichtet, auf dem Plan zu erscheinen. Seine geschäftlichen Betriebe leiden naturgemäß auch unter der Rot der Zeit und er mutz befürchten, seine Unterstiitzungsauf- gabe gegenüber den Hinterbliebenen einer großen Zeit nicht mehr erfüllen zu können, die uns doppelt wert fein sollten, weil sie die Waffen für den gegenwärtigen Kamps geschmiedet haben. Der „Jnvalidendank" mutz aber ferner heute schon an die gewaltige Erweiterung denken, die seiner Tätigkeit am Ende dieses Krieges bevorstehen wird. Dafür fo früh wie möglich und so gut wie möglich zu rüsten, ist keine minder wichtige Aufgabe, als die Sorge für die Wcitergewährung der bisherigen Unlerstützungen. Der „Jnvalidcndank" wendet sich daher an die weiteste Oeffcntlichkeit mit der Bitte, fein gemeinnütziges Wirken durch Beitritt zum Verein „Jnvalidendank" zu unterstützen. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt IN Mark, durch eine einmalige Zahlung von INN Mark kann die lebenslängliche Mitgliedschaft erworben werden. Als eine einmalige Spende wird selbstverständlich jebet kleinere oder größere Beitrag gern entgegengenommen. Wer sich über die bisherige Arbeit des „Jnvalidendank" unterrichten will, erhält auf Wunsch gern ein Merkblatt gesandt. Gebt alle, gebt rasch, gebt reichlich! Die Wiederausrichtung der bürgerlichen Existenz ist für Tausende tapferer Krieger willlommener als jede Gabe. Alle Sendungen sind zu richten an den Vorstand des „Insalidendank" Berlin W. S, Potsdamer Straße 20 Victor Herzog von Ratibor, Vors. d. PerwaltnngsratS Aufruf. Ein gewaltiger Krieg ist Uber Deutschland heieingebro« che». Millionen deutscher Männer bieten ihre Brust dem Feinde dar. Viele von ihnen werden nicht zurücklehren. Unsere Pflicht ist es, für die Hinterbliebenen der Tapferen zu sorgen. Des Staates Ausgabe ist, hier zu helfen, aber er kann es nicht allein, diese Hilfe mutz ergänzt werden. Deutsche Männer, Deutsche Frauen gebt! — Gebt schnell! Auch die kleinste Gabe ist willkommen. Das Büro befindet sich Berlin NW. 40, Alscnstratzc 11. Das Präsidium: von Locbcll, Staatsminister und Minister, des Innern, voi« Keffel. Generaloberst, Oberbefehlshaber der Marken. Freiherr von Spitzenberg, Kabinettsrat Ihrer Maj. der Kaiserin. Sclbcrg, Kommerzienrat. Schneider, Geh. Oberregierungsrat, Vortragender Rat im Ministerium des Innern als Staatskom- miffar. Hcrrmann, Kommerzienrat, Direktor der Deutschen Bank, Schatzmeister. Impfung. Die Impsnachschau des geimpften Pflege- »nd Sanitäts- perjouals fiubet Dienstag, den 8. September, abcuds 8 Uhr im Hospiial statt. Es ist zu diesem Termin auch alle« Personen, die sich einer Impfung unterziehen wollen, Gelegenheit zur Impfung gegeben, zu deren Benutzung dringend geraten werden kann. Eroßh. Kreisgejundheitsamtt Dr. Nebel.