Hummer 808 tzamslng. oen beptemöcr 1014 7. Jahrgang Die „Unit uncroirituiig" erschein, Itdtn SOnltag. SRtgelmäfeige Seilagcn „ver Cmitr au» Hellen««, „?ir Splnnllub»^ciugajirti»: «e, äcn -Postan-taltcn oierieliahrttch 'JJit. 1,05 tci Ceu Xlgtnten monallich 50 Pfg. Hinzu tritt Postgebühr ober Trägerlohn. Anzeige»: Giund.elle M Pfg., lokale 13 Psg» Slnitigca von auswärts werden ouri, «Po lnr.hnahme erhoben Ersüllungsort Friedberg. Kchrif,>,j,„ug und Uerlag Friedberg (HesienI, Hanauer trag« 12. Fernsprecher 48. P»sts.tzrck.!5»nt» Sir. 4839. '21 »it Franlsurt a. ’.’JI. nie Auf dem Weg nach Paris! Reims ohne Kampf besetzt. — Reiche Kriegsbeute. — 30 Kilometer von Paris. — Die bevorstehende Entscheidung im Sndostcn. Mit matlirmatifdirr yiiiiktlidjhrit vollzieht sich der siegreiche Dormorsch unserer Heere. Am 22. August wurde gemeldet: Vor Namur donnern deutichc Kanonen. An, 25. August war Nainur in unserem Besitz. Am 3. September wurde gemeldet, daß der Angriss gegen Reims cingclcitct sei und am 4 . September sind unsere Truppen in die alte Krönnngsstadt cingczogen. Wenn die dcutsch-scindliche „Tiuies" zu melden weiß, daß die Te»t- sck>en bereits vor Senlis, also knapp 30 Kilometer vor Paris ständen und das; dort bereits der deutsche Kanonendonner gehört würde, so hat man keinen Anlaß, an dieser Botschist zu zwciseln. So geht das Schicksal mit ehernen Schritten seinen tßang. Mit Recht kann man diesen Krieg eine „marichic- rendc Schlacht, den dauernd vordringcnden Sieg" nennen. Bezeichnend ist es, daß sich unsere Armceleitung veranlaßt sicht, ausdrücklich zu erklären, daß ihre Berichte auf voller Wahrheit beruhen, weil die fortwährenden Sicgesbcrichte, ohne daß bisher auch nur der klein st e Mißerfolg zu verzeichnen gewesen wäre, beinahe den Eindruck der Unglaubhaftigkeit machen könnte. Tie verbrecherischen Mitglieder der französischen Regierung sind bereits in Bordeaux eingezogcn und in Paris herrscht dumpfe Verzweiflung. So wird unseren Feinden tagtäglich mehr die Wahrheit des Spruches vor Augen ge- sührt: Wer Wind sät, wird Sturm ernten! Weitem Kriegsbericht WTB. (Amtlich). Grohes H a u p t quartier, 4. Lcptbr. Reims ist ohne j'amps besetzt worden. Tie Siegcsbcute der Armeen wird nur langsam bekannt. Tic Truppen können sich bei ihrem schnellen Bormarsch nur wenig darum kümmern. Roch stehen Geschütze «nd Fahrzeuge im srcic» Felde verlassen da. Tie Etappentrnppcn müssen sie nach «nd nach sammeln. Bis jetzt hat nnr die Armee des Generalobersten v. B ü l o w genauere 'Angaben gemeldet. Bis Gndc August hat sic sechs Fahnen, 233 schwere Geschütze, 116 Feldgeschütze, 70 Maschinengewehre «nd 166 Fahrzeuge erbeutet und 12934 Gefangene gemacht. I», Osten meldet (Generaloberst von H i n d e n b « r g den Abtransport von mehr als 90 000 unverwundeten Gefangene«. Tas bedeutet die Vernichtung einer ganzen feindlichen Armee. Dtr (üfnrrülptntifriüfiftfr u. Klein. Aus Rotterdam wird berichtet: Der Berichterstatter der Times" meldet über die letzte» Operationen in Siordsrant- eich: Das Tal der Somme wurde auigegeden und Amiens« jl in deutschen Händen, nachdem «in blutiger Kamps ,-Iiejert, die Engländer aus Laser- zurückgezogen morden und liefe Forts von den Deutschen genommen waren. Der drei- ägige Kamps bei Amiens erreichte seinen Höhepunkt in einem ilutigen Tressen bei Moreuil, wo der Ersolg wieder aus deutscher Seite war. Die Bcrbündctcu zogen sich in Ordnung zurück. »Daily Ehrouiclc" meldet, daß Üruli«- . .ippe» sich schon bei Ereil bcjindcn und sogar bei Sen»— u baß der Kanonendonner bereits in Paris zu vernehmen sein dürste. Kein Mißerfolg. Berlin. 4. Sept. Die „Vofsifche Zeitung" erfährt aus dem Trogen Hauptquartier: Die ununterbrochen einander folgenden Siegesmeldungen ohne dag man von Mißerfolgen hört, können beinahe putzig machen und haben im Auslande schon Mißtrauen erweckt. Demgegenüber wird vom Ceneralstab die ausdrückliche Erklärung abgegeben, daß kein Mißerfolg der Deutschen an irgendeiner Stelle einaetreten ist. der etwa verschwiegen worden märe. Boulognc-snr Mer geräumt. Berlin, 4. Sept. Ein Londoner Blatt vom 29. August bringt, der „B. Z. am Mittag" zufolge, eine Central Ncwa- Depesche, die vom ossizicUcn Zenjurbureau zugelassen wurde, des Inhalts, daß Boulogne-jur-Mer von den verbündeten Truppen geräumt wurde. Boulognc surMcr lst der wichtigste Hafenplatz im nördli chen Frankreich und kam seither besonders als Landungsplatz für das englische Hilsshecr in Betracht. Die bevorstehende (Entscheidung in der Riescnschlacht. Vom Kriegspressequartier wird gemeldet: Da nun die österreichisch ungarischen Operationen gegen die Russen baldigst ganz enthüllt sein werden, werden Angaben mit größter Bollständigleit >n Berichten folgen, deren Verösfcntlichling nuiimehr der Sache Oesterreichs nicht mehr schaden kann, auch wenn doc Feind davon Kenntnis erhält. Die Schleier heben sich vor dem letzten Akt. Die Lage ist sür Oesterreich-Ungar» weiter gut, die Entscheidung jedoch wird noch einige Zeit aus sich warten lassen. Eine kriegsamtliche Darstellung. A IN t l i ch e s T e l c g r a m m. Wien, 4. Sept. Die Schlacht, die sich aus dem russischen Kriegsschauplatz aus «unserer Osscnsive entwickelte, hat eine Entscheidung des Feldzuges »och nicht gebracht. Aus dem westlicheu Flügel gegen den Feind vordringend, in Ostgalizien den vaterländischen Boden gegen einen überlegenen Feind Schritt sür Schritt verteidigend, haben unsere Truppen allenthalben den alten Ruhm ihrer Tapserkeit gerechtsertigt und sehen den noch bevorstehenden ernsten Kämpfen mit Zuversicht entgegen. Eine Schilderung der mehrsachen Schlachten der vergangenen Woche muss der Geschichte Vorbehalten bleiben. Gegenwärtig lässt sich der Verlaus der Ereignisse nur in großen Zügen angcbe». Es folgt danii eine aussiihrlichc Schilderung der Siege des österreichischen Zentrums uud der der Westarmee. Eingehend wird die Lage im Oste» bei Lemberg besprochen. Die betresf. Stelle lautet: Die Schlacht um Lemberg. Gleichzeitig mit diesen zitierten Ereignissen wurde auch in Galizien schwer gekämpsi. Am 27. August stießen die zur Abwehr der dortigen weitaus überlegene» feindlichen Einbrüche bestimmten Kruste aus der Linie Dunajow-Busk aus den Gegner. Trotz des Erfolges des von Dunajow her die Höhen westlich von Pomorzana gewinnenden Kolonnen konnten die beiderseits der Zloczower Ehausiee vorgehenden Armee- tcile gegen den namentlich a» Artillerie weit überlegenen Feind nicht durchdringen. Am 28. August setzten die Russen den Angriss auf die östlich von Lemberg kämpfenden Armeeteile fort und a^n Nachmittag war ein Zurücknehmen hinter Euila und Lipa und dem engeren Raum östlich und nördlich von Lcmbcrg nicht zu umgehe», zumal auch unsere südliche Flanke aus der Richtung Brezcsany bedroht wurde. Die rückgängige Bewegung vollzog sich in voller Ordnung, ahne daß der ossenbar gleichfalls sehr mitgenommene Feind wesentlich nachdrängte. Am 29. August grijjen die Russen auf der ganze» Front auss neue an, und schoben ihre Kräfte auf den Raum nordöstlich Lemberg gegen Südcn. Tags daraus zeigten sich die Angrisse i» größter Heftigkeit. Insbesondere von Prc- zemyslany u»d Firlejow her vcrmochle der Feind immer neue Kräfte einzusetzen, denen gegenüber unsere Truppen nach vergeblichen Versuchen, sie durch die Osscnsive neuer im Raum- westlich Rochstyn versammelter Armeeteile zu entlasten, gegen Lemberg und Milolaow weichen mußten. In allen diesen Kämpfen erlitten unsere braven Truppen hauptsächlich durch die an Zahl weit, überlegene und auch aus modernen feindlichen Geschützen seuernde feindliche Artillerie große Verluste. Indessen kann gesagt werde», daß wir bis jetzt gegen etwa 4ü russische Insanlcrie- und 1l Kaoallericlruppendivinonen kämns- Icn und zum mindesten die Hälfte dieser feindliche» Kräfte unter großen Verlusten zuriickgcworsen haben. Bom Balkan Kriegsschauplatz. Lus dem Ballan-Kriegsschauplaßc herrscht im allgemeinen Ruhe und von den Höhe» nordöstlich Bilcl wurden die Montenegriner abermals gcworfcn. Am t. September erschien das Gxos der ftanzöstschen Mittelmecrslotte, bestehend aus lü groben Einheiten vor der Einfahrt der Vocckia die Eat- taro »nd beschoß a»» schwerstem Kaliber Punto d'Osiro. Die W'ikung war lköglich. Drei Festungsartillcristen wurden icichl r.rwnudet. Ein Hans in der Rühe des Forts wuide zerstört Ruch der Kanonade dampften die seindlichen Schisse wieder ab Drr Stellvertreter des Gcncralstabschess. von H ö s e r, Generalmajor. Siegesbente der Oefterreicher. 20 i e » , 4. Sept. Aus dem Bereich der Armeen D a » I l und Ausse »berg wurden bisher 11 UDO Kriegsgesa»« g c n c e.bgeschoben, etwa 7000 sind vorerst noch angekündigt. In der Schlacht an der Huczwa wurden, soweit bisher belannt, 200 Geschütze, sehr viel Kriegsmaterial, zahlreiche Train, 4 «Automobile und die Feidkanzleien des g. und 10. russischen «Armeekorps mit wichtige» Eeheimalten erbeutet. Der Feind ist in vollem Rückzüge. Unsere Armee versolgt ihn mit ganzer Krast. Aus dem Kriegsschauplatz am «Balka» drang die von Generalmajor Pongracz besehligte 3. Gebirgsbrigade, die schon ciumal einen sühnen Vorstoß m das rauhe, kriegerische Montenegro crsolgreich durchgcsührt hat, vor einigen Tagen von neuem gegen die auf den Erenzhöhen bei Bilel stehenden Montenegriner vor und warf die an Zahl überlegenen seindlichen Kräfte in mehrtägigem Angriss zurück, nahm ihnen dabei auch schwere Geschütze ab und degagierle durch die kühne Tat die von den Montenegrinern bedrängte Grenzdcsestigung. Der Stellvertreter des Ehcss des Gcneralstabs: von Hofer, Generalmajor. Ablcgiiny engliiliikr (Orkii 11. Auszeichnungen. Bereits am Morgen nach der englischen Kriegscrllärnng erllärte der Kaiser, wie die „Köln. Ztg." meldet, dem ehe inaligen englischen Boischaster, er möge König Georg Mitteilen, daß er (der Kaiser) stolz auf die Titel eines britischen Feldmarschalls und britischen Admirals gewesen sei, aber »ach dem, was vorgclommcn sei, wolle er letzt auch diese Titel ab- lcgen. Im Namen vieler deutscher Eelchrteu vcrüssentlicht Ernst Haeckel eine Erklärung, wonach die Unterzeichner öss-nilich »uf alle ihnen von englische» Universitäten, «Akademien und gelehrten Ecsellschaslen erwiesenen Ehrungen und die damit vcibu». denen Rechte verzichten. Und was macht der Lxsordcr Ehrcndollor des Fürsten Lich« »vwsky? Die Japanesen. London, 4. Sept. „Daily Telegraph" zufolge, bereiten sich die Japaner aus eine längere Kriegsdaucr in Kiaut« sthou vor. Sie wollen langsam und methodisch Vorgehen und Menschenmaterial möglichst sparen. Das Parlament werde die Kredite bewilligen, um die Heere bis zum nächsten Jahre in Schantung zu halten. Japanische Blätter bringen Alarmnachrichten aus China. Im Jangtsetal steht die Revolution bevor, die mit den Bestrebungen auf Wiedereinsetzung der Mandschu-Dynasiie Zusammenhänge. Ans Frankreich. Bordeaux, 4. Sept. Der Extrazug mit P o i » c a t e und den Ministern ist gestern Mittag hier cingetrosscn. Die «Menge schrie begeistert: „Vive Poincarc. Vive la France!" Poincare hat die Präseltur bezogen. Der Dienst der Ministerien des Kriegs und des Innern ist bereits eingerichtet. Bordeaux, 4. Sept. Die Minister sind unter dem Vorsitz V i v i a n i s ii» Rathaus zu einer Sitzung zusammengetreten, in welcher der Kriegsministcr zunächst über die militärische Lage berichtete. Berschicdcne Fragen wurden beraten, besonders die Frage der Verproviantierung. Paris, 4. Sept. Nach einer amtlichen Mitteilung richtete General K a l i c n i solgenden Aufruf an das Heer und die «Bevölkerung von Paris: „Die Mitglieder der Negierung der Republik haben Pa> ris verlassen, um der nationalen Verteidigung einrn neuen Antrieb zu geben. Ich habe den Auftrag erhalte», Paris gegen den Eindringling zu verteidigen. Diesen «Aus- irag werde ich bis zum Ende ersüllen." London, 4. Sept. Rach einem Telegramm aus Paris gründete sich der Beschluß, die Regierung nach Bordeaux zu verlege», ausschließlich aus militärische Erwägungen, daß Paris der Mittelpunkt drr Operationen wird. Man glaubt, daß Paris nicht noiwendigerweise unmittelbares Angrisfsziel sein wird. «Paris soll mit äußerster Hartnäckigkeit verteidigt werden da ein 'Angriss natürlich mö-iiicki ist. Die lebten Ereig- Kt. zu* ___________ njje lasse, »Hes in naher Zukunft unwahrscheinlich erscheinen. Iber die Verlegung der Regierung wurde für nötig erachtet, un die notwendige Bewegungsfreiheit im Lande zu bewahren. Die Stimmung in Frankreich. Zürich, 4. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Ein Pariser Brief bet „Züricher Neuen Zeitung" spricht von zahlreichen Truppcniiachschübcn, und besonders viel Artillerie nach Norden. Die Bevölkerung aus der Gegend von Valcn- ciennes und Maubcuge sei kopflos und habe selbst ankoin- nrcnde Engländer für Preußen gehalten. Auch die Zeit- rngsbcrichte vermochten sic nicht zu beruhigen. Tie Marsch- leschwindigkcit der Deutschen jage Schrecken ein. Der Feld- oostverkehr sei säumig und die Zensur streng. Soldaten rzählten, im Ober-Elsaß seien Territorialtruppen zurück- lckassen, welche Befehl hätten, beim Vorgehen der Tent- chen das Gebiet zu räumen. Je weiter die Reisenden sich wn Paris entfernten, um so fühlbarer wurde die Entspannung der Nerven, aber auch um so ohnmächtiger die Resignation, mit der sie ihrem künftigen Geschick entgcgcnsehen. Die ihnen begegnenden Verwundctcntransporte stimmten ic traurig. Die Soldaten seien vor llebermüdung ausge- aiergelt. Eine heitere Note fehle vollständig. Die Soldaten sprechen mit größtem Respekt'von den Deutschen, die hrcn -Offizieren bewunderungswürdig folgten. Die Maschinengewehre der Deutschen wirkten verheerend. Das feldgrau sei vorzüglich. Der Gegner sei wie im Jahre 1870 überlegen. Die französische Artillerie sei erfolgreich. Der Erfinder der Melinitpatrone, Ingenieur Turpin, eil dem Kriegsministcr ein neues Erplosiv übergeben ha- >cn, dessen furchtbare Wirkung alles bisher Dagewesene -bertreffe. Jcn Volksnuinde spiele diese Bombe TurpinS ine große Rolle und werde als künftiger „deics er luachina" mgeschen. — Der deutsche Ansstcllungspavillon in Lyon sicht unberührt unter sranzösischer Flagge da. Ei„ Tagesbefehl Jossres. Paris, 4. Sept. General Josfre erließ einen Tages- befehl über die Fehler der bisherigen Kampfesweise der Franzosen. Der Grund der starken französischen Verluste 'ei ihr Vorgehen in zn dichter -Ordnung ohne genügende Artillerie-Vorbereitung. Sofort nach Eroberung eines Stützpunktes mnß dieser befestigt und mit Artillerie besetzt uerben, auch müßte die Reiterei beim Vorgehen durch Jn- anterie gestützt werden, wie dies bei den Deutschen geschieht, velche die Infanterie auf Automobilen der Reiterei vor- uisführcu. Amilichc franiöfilrfjf firifgebfridjtf. Die Mitteilungen des französischen Kriegsministeriums ,»d immer recht interessant. Nach schweizerischen Blättern autet eine sülche vom 1. September datierte Mitteilung: In der Gegend der Vogesen und in Lothringen, wo seit 2 lagen ein wirklicher Belagern ngslricg ausgefochien wird, Ulken wir langsam vor. Die Leistungen der Batterien der Armee des Kronprinzen in der Gegend von Spittcourt (bei Icontmcdy) und von Longupon waren unvergleichlich. In der legend von Ncujchatcau und Paliseul zwangen uns vereinzelte sichlappen, uns gegen die Maas zuruckzuziehen. In der Gegend wischen Maas und Rethcl wird j>-tzt eine zusammengesetzte -lttion ins Werk gesetzt. In der Gegend von Le Lateau und !0N Cambrai zogen sich die französisch-englischen Truppen, nach- >em sie von einem sehr überlegenen Feind angcgrisse» worden waren, nach Süden zurück. Die Hauptschlacht entwickelte sich wrgestern im Gebiet von St Quentin und zugleich in der Gegend von Han, Peronne. Unser rechter Flügel wars die reugischen Truppen aus die üise zurück, aber wegen des Vor- silkens des rechten deutsche» Flügels zogen wir uns von neuem urück. Unseren Armeen wurden nirgends wirklich durchbro- ycn. Der Geist der Truppen ist ausgezeichnet. Die crlitte- ,en Verluste wurden durch Nachschübe aus den Depots ersetzt. Eine Mitteilung des französischen Kriegsministeriums vom l. August ü Uhr 45 Min. besagt. Die allgemeine Lage hat sich nur aus den Flügeln verändert. Aus ihrem rechte» Flügel haben die Deutschen ein wenig Gode» gewonnen. Im Zentrum sind keine merklichen Vcrände- ungen erfolgt. In Lothringen haben wir neue Erfolge cr- > ungen. (frliiintiigiingsfli!!; bri Srtnii. Die nachstehende Schilderung eines Erkuudiguugssluges weier Fliegerojfiziere, der leider »nt dem Tooe des einen Of- ,ziers endete, wird von einem Leser dem „Lübecker General- nzeiger" zur Versügung gestellt. Der tapfere Ossizier schreibt i. a.: Lieber Batet! Ich liege hier in einem schönen belgischen Schlosse, das von inem Besitzer verlassen >st, und wo die Fasanen zu Hunderten .-rumlansen. Als ich Dir den letzten Bries schrieb, ahnte ich och nicht, datz ich i» den letzten Tagen so viel erleben sollte nd nur durch ein Wunder n,il dem Leben davongekonimen bin. ch slog an, 22 . morgens bei nebligem Wetter mit Leutnant I., ncm vortrefflichen Flieger, nach Sedan, und stellte de» Bor- >arsch feindlicher Truppen nach Norden jest. In der Gegend .ertrix tamcn wir in schwere Regenwolken und mutzte» aus '00 Nieter heruntcrgehcn. In diesem Augenblick hörten wir uch schon das Ausschlagen feindlicher Artillericgcschossc gegen ie Maschine und schien unter uns eine ganze französische Di- ision in Bereitstellung. I. erhielt eine Kugel in den Leib, 'er Motor blieb stehen, und di- Maschine sank steil herunter, litte» auf die seiudlichen Truppen zu, die ein rasendes Feuer uf uns abg.ibc». In bvv Meter bäumte sich die Maschine auf, h drehte mich ilin und sah I. mit einem Schutz mitten durch ,e Stirn tot daliegcn. Run ergriff ich über die Lehne des Atze» das Steuer, und es gelang nur, so den braven Doppel ck« wieder in Glcitslug zu bringe». Der Wald jenseits der ranzojcn war mein Ziel. Die Minute», in denen ich in 20 » steter Höhe über dem Feind dahiilglitt, wurden zu Ewigtci .-i». Ein Hage, vou Geschosse» jaulte mir dauernd »m di» Reue Tageszeitung, vamsrag, »en s. »epremver (Sil. Ohren. Plötzlich fühlte ich einen heftigen Schlag gegen die Stirn, das Blut lies über beide Augen. Aber der Will« siegte. Ich blieb bei Bewußtsein und dachte nur daran, die Maschine über den Feind fort und glatt herimterzubringen. Da warf ein Windstoß die Maschine herum, und da mein toter Kamerad auf dem Seitensteuer lag, konnte ich nicht anders, als mitten im Feinde zu landen. Daber überjchlug sich die Maschine, die an einen Zaun anrannte. Ich slog in hohem Bogen hinaus. Bon allen Seiten liefen die Rothose» auf mich zu, immer noch schießend. Ich zog die Pistole und streckte »och drei zu Boden, dann fühlte ich ein Bajonett auf der Brust. Dann kam ein höherer Ossizicr und rief: Laßt ihn leben, er ist ein tapferer Soldat! Ich wurde zum Kommandierenden General des 17. französischen Korps gebracht, der mich ausfragte. Natürlich ohne Erfolg. Dann sagte er mir, ich würde als Eesangener nach Paris gesandt werden, wo schon vier Fliegeroffiziere wären. Da ich jedoch durch den starken Blutverlust sehr schwach war, blieb ich zunächst an Ort und Stelle. Zwei Aerzte zogen das Geschoß, dessen Wucht durch den Sturzhelm gebrochen war, aus meiner Stirn, die nicht durchschlagen war. Ich wurde verbundcu und erhielt Notwein. Uebcrhaupt benahmen sich die Offizier: sehr nett und achtungsvoll zu mir. In meinem Kopfe lebte aber nur ein Gedanke, der, aus der Gefangenschaft zu entfliehen. Der Donner der deutschen Geschütze kam immer näher, Eewehrscuer klang dazwischen, und nach zwei Stunden platzten die ersten deutschen Granaten in unserer Nähe. Da eilten die Franzosen an ihre Pferde. Ich benutzte den unbewachten Augenblick und kroch unter einen Busch. Dort blieb ich liegen, bis der französische Rückzug hinter mir mar. Dann schleppte ich mich nach Bertrix, wo ich im Hospital sreundliche Ausnahme für die Nacht fand. Am nächsten Morgen brachte mich ein deutsches Auto zu meiner Abteilung zurück. Ans Belgien. iilif&fi'brrllfiiiing jrrftörtrr (filmbnlinlinint Hilf bfüi bdflild'rn Kritgsichliuplatr. Magdeburg, 1. Sept. Am Dienstag nachmittag ist eine von der Eisenbahndircktion Magdeburg zusammengestellte und aus Eisenbahnbcan.ten und Arbeitern bestehende Eisenbahn- bau- und Betriebs-Kolonne nach Brüsiel abgereist. Die Kolonne ist 420 Mann stark und steht unter der Leitung des Regierungsbaumeisters Goldschnüdt-Magdcburg. Eie begibt sich IN beschleunigter Fahrt aus Anordnung des Chess des Feld- ciscnbahnwesens nach dem belgischen Kriegsschauplätze, um die zerstörten Eisenbahnlinien im Rücken unseres Heeres wicder- herzustellcn und in Betrieb zu nehmen. Die Wahrheit über Löwen. Die Verleumdungen und Lüg:n unserer Feinde und die scharfe Kritik, die an der Zerstörung Löwens vereinzelt auch in den Blättern neutraler Staaten geübt worden ist, macht cs notwendig, nochmals unverdächtigen,Zeugen der Ereignisie in Löwen das Wort zu geben. Belgische Dominikaner, die in Köln angekommcn sind, schildern die Vorgänge, die zu der Zerstörung Löwens geführt haben, wie die „Köln. Bolkszeitung" berichtet, folgendermaßen: Die belgische Negierung erließ (nach dem Einzug der deutschen Truppen) eine Bekanntmachung, die zur Ruhe aufsorderte und besonders vor dem Schießen warnte, da sonst schwere Stra- scn verhängt würden. Die Geistlichen wurden angewiesen, diese Kundmachung am Sonnlag, den 23., zu verkündigen und dem Volke cinzuschärscn. Von dem deutschen Militär waren Geiseln fcstgrnommen worden, die, da alles ruhig blieb, am 21. abends wieder sreigelassen wurden. Am Dienstag, den 2v., morgens wurde noch einmal in allen Kirchen zur Ruhe und Besonnenheit ermahnt. Am Nachmittag dieses Tages kamen um ö Uhr neue deutsche Truppen an, die, wie auch die vorhergehenden, die mittlerweile Löwen wieder verlaßen hatten, in der Stadt einquartiert wurden. Bald daraus verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, Engländer und Franzosen seien von zwei Seiten im Anzug. Man hörte um diese Zeit Kanonendonner und Gewchrseuer. Alsbald wurden schon aus den Häuser» vereinzelte Schüsse aus die Soldaten abgegeben, was zur Folge hatte, daß um 7.30 Minuten abends die Soldaten unter die Waffen gerusen wurden. Da begannen die Bürger in größerer Zahl aus den Häusern auf die Deutschen zu schießen. Die Truppen antworteten mit Gewehr und Maschinengewehrseuer. Der Kampf dauerte die ganze Nacht hindurch. Schon gingen Häuser in Flammen aus, besonders in der Bahnhofstraßc. Die große Petcrskirche, in der man Massen gefunden hatte, wurde zusammengeschossen. Jeder, der sich am Fenster zeigte, wurde beschossen. Die Geiseln wurden von neuem cingezogen und aufs Rathaus verbracht. Darunter bejanden sich der Dizerektor der Universität Coenraets, der Subprior der Dominikaner und noch zwei Priester. Vom Rathaus wurden diese Geiseln unter militärischer Begleitung durch die Straßen gcsührt, damit sie an den Straßenecken die Bewohnerschaft in Französisch und Flämisch zur Ruhe mahnten. Das dauerte bis 4 Uhr nachts. Gleichwohl wurde während dieser Zeit aus den Häusern geschossen. Die Soldalen erwiderten das Fencr und die Brände mehrten sich. Am Mittwoch mittag wurden die Geiseln von neuem durch die Straßen gcsührt, und sic verkündeten in beiden Sprachen, datz sie selbst erschossen würden, wenn der Widerstand nicht eingestellt werde. Es nützte nichts: selbst während dieses Rund- ganges wurde das Feuern nicht eingestellt: man schoß sogar aus die Soldaten, die die Geiseln bcgleiteien, cbenso aus den Arzt. Die ganz: Nacht aus Donnerstag letzten sich diese Schäudlichkeitc» fett. Besonders aus dem Boulevard gingen nun immer mehr Häuser in Flammen aus. Am Donnerstag, 27. August, um halb g Uhr vormittags louunt ein deutscher Ossizicr in Begleitung einiger Soldaten > in das Kloster und fordert einige Patres aus, überall zu vcr- j künden, datz die Stadt nun bombardiert werden würde. - Es wurde den Bewohnern geraten, alles stehen und lieoen au Seite 2 laßen und sich nach dem Bahnhos zu begeben. Kurz daraus begann das Bombardement der Stadt. Um g Uhr waren die Patres am Bahnhos. Man hatte die Verwundeten, belgische und deutsche, die sie im Kloster, wo sich eine Station vom Roten Kreuz befand, verpflegt hatten, dorthin gebracht und in den Wartesaal gebettet. Die Patres bekamen die Erlaubnis, um 2 Uhr abzufahrcn, und zwar einen Zug mit Gefangenen zu benutzen. Bei ihrer Abfahrt brannten die „Hallen", die Gebäude der katholischen Universität und die Bibliothek. Ans England. Ein englischer Schlachtcnbrricht. Der „Tag" läßt sich die Kriegsberichte der neuesten eng lischen Blätter telegraphieren, aus denen hervorgeht, daß man zwar in London die schmählichen Niederlagen der Expeditions- armee noch mit Phrasen zu bemänteln und zu beschönigen sucht, aber daß die Wahrheit doch allmählich durchsickert. Die militärisch gebildeten Kritiker in London erklären z. T., angesicht? der Landkarte und der Truppenbewegungen nicht an die ossi- ziell behaupteten Teilerfolge der englischen Massen glauben zu können. Am cindrllcklichsten aber macht den Londoner» ein Artikel des „Daily Telegraph" den Standpunkt klar. Ei» in der Schlacht Verwundeter soll danach folgendes gesagt haben: „Glauben Sie mir, es war die Hölle. Ich habe den Boxerscld- zug und auch den Burcnfcldzug von Anfang bis zu Ende inctgc- macht, aber ich habe niemals etwas so Schreckliches gesehen wie das, was dort passierte. Es geschah alles so unerwartet. Wir glaubten die Deutschen einige fünfzehn Meilen entsernt, und mit einem Male cröffnetcn sie ein Feuer mit ihren großen Geschützen. Laßen Sie mich Ihnen sagen, was dem T. . . Regiment passierte. Als nach der Schlacht die Leute ausgerufen wurden, antworteten von meiner Kompagnie nur drei Mann, ich und zwei andere! Das Unerwartete und so Schreckliche wai die Attacke des Feindes, und so überwältigend war ihre Zahl daß es keinen Widerstand gab. Ehe das Feuer eröffnet wurde flog ein deutsches Flugzeug über die englischen Truppen, uni die Verwundeten zogen aus seinem Erscheinen die Schlutzsolge- rung, daß es als eine Art von Index für die genaue Feststellung der Stellung, die wir innehatten, dienen sollte, und seiner, datz die Deutschen — so genau war ihr Feuer — dieses Schlachtfeld vorher genau studiert hatten, und eine genaue Kenntnis des Landes auswciscn. Schützengräben, die unsere Leute gegraben hatten, bildeten gar keinen Schutz." Derselbe Verwundete sagte dem Aussrager: „Kein Mensch hätte einer solchen mörderischen Attacke widerstehen können. Es war ein Regen von Blei, eine Ucberschwemmung von Blei, und ich kann es immer noch nicht glauben, was geschehen ist. Es wa ren geradezu Teufe I." Der englische Versucher. Kopenhagen, 4. Sept. Der englische Gesandte in Kopenhagen, Sir Lowthcr, veröffentlicht in der hiesigen Presse täglich Telegramme Grcys, um das dänische Publi kum zu Gunsten Englands zu beeinflussen. Der Gesandte erklärte einem Mitarbeiter der „Politiken", daß kein Zwe fel an dem endlichen Sieg Englands herrschen könne, wei England das Geld habe und auf den Meeren Herr sei. Eng laud beherrsche den Handet, verfüge über ausreichende Nahrungsmittel, unerschöpfliche Rohwaren zur Industrie und ungeheure Truppenmassen, die auf den Kontinent hinüber- geworfen werden könnten. Aus allen Kolonien könnten Truppen geholt werden, namentlich hunderttausend au: Indien, die von Kampfeslust erfüllt seien. Der Gesandte will das englische Weißbuch in dänischer Sprache veröffentlichen, um zu beweisen, daß England für die Gerechtigkei'. und für die Sache der kleinen Nationen kämpfe. Wie inan in England Rekruten wirbt. London, 4. Sept. Die Rekrutenwerbnng in England nimmt eine für unser Empfinden zirkusmüßige Form an. Nicht genug damit, daß Premierminister Asquith und Bo nar Law Propagandameetings veranstalten, durchreiten phantastisch gekleidete Damen im Herrensattel den Hyde- park mit Plakaten: „Zögert nicht, zu den Waffen für König und Land zu gehen." Wie ein englisches Bataillon verhaftet wurde. In dem vorletzten Bericht des Generalquartiermeister? von der französischen Front ist mitgeteitt, daß die Armee des Generalobersten v. Bülow eine überlegene sranzösiichr Armcc vollständig geschlagen habe, nachdem im Vorm.rrscv bereits ein englisches Bataillon gefangen genommen sei. Die Art, wie diese Gefangennahme vor sich ging, wird dem „Wiesbadener Tageblatt" aus guter Quelle wie folgt geschildert: Das betreffende englische Bataillon wurde in einem Militärzug an die Front geschafft. AP es an der vorgesehenen Ausladestelle ankam, war diese schon von de»tscl)en Truppen, deren Vormarsch inzwischen fortgeschritten war besetzt. Der Zug wurde umstellt. Mit den Worten: „Bitte meine Herren, steigen Sie aus", wurden die Engländer empfangen. Das ganze Bataillon war also sozusagen „der- Ans Nnhlnnd. Der Ortelsburger Sieg in russischer Beleuchtung. Petersburg, 1. Sept. Ein Communique aus dem Stab? des Generalissimus besagt: 3 m südlichen Ostpreußen führten die Deurscheu erhebliche Verstärkungen von der ganzen Front herber und griffen mit erheblich überlegenen Kräften unsere beiden Armeekorps an. Diese erlitten schwere Verluste durch schwere Artillerie, welche die Deutschen aus den benach barten, au der Weichsel gelegenen Festungen herangebracht hat tcn. In diesem Kampfe fiel der General Samsonow. Wir sind weiter in Fühlung mit dem Feinde und haben neue Der stärkungen herangesührt. Der Kaiser hat dem General Ren nenkamps für Tapferkeit den St. Wladimir-Orden mit Schwertern verlieben. Vit. 20S Rennenkamps ist der „Verantwortliche Redakteur" der zerschmetternden Niederlage von Ortelsburg, Wie grast must der Verlust sein, damit ein General den höchsten russische» Orden bekommt? Der Zar ist überglücklich. Der Zar beglückwünschte die britischen Royal Scouir, deren Ehrenoberft er ist, durch folgendes Telegramm: Ich bin überglücklich in dem Gedanlen. dast mein stolzes Regiment der Royal Scouts jetzt mit den Russen gegen den falschen Feind kämpft. Ich bin davon überzeugt, dast das Regiment seine altbewährten Traditionen aufrechtcrhalten wird, und sende ihm meinen herzlichsten Gruss und wünsche dem Regiment den Sieg." ^ Die Freude des Nikolaus wird nicht lange andauern, das stolze Regiment wurde bei St. Quentin stark ramponiert. Pom Pallran. Massenausweisungen von Rumänen aus Besiaraiben. Wien, 4. Sept. Die „Südslawische Korrespondenz" meldet aus Bukarest: Die Masicnausweisungcn von Rumänen aus Besiarabien, die von den russischen Behörden mit der gröst- te» Rücksichtslosigkeit durchgesührt werden, nehmen immer gröberen Umfang an. Bisher wurden über 20 000 Rumänen aus Bessarabicn ausgewiesen und mutzten Haus und Hof binnen 2t Stunden verlosten. Die unter dem Verdachte der Spionage Derhastetcn wurden kurzerhand erschosten. Die Ansammlung russischer Truppe» in Besiarabien dauert an. Bon der Feldpost. Metz, 31. August. Noch immer gehen in Metz täglich Tausende von Bricfscndunge» für Angehörige der mobilen Truppen ein, durchweg mit der Bestimmungsbezeichnung „Metz", „bei Metz" und dergleichen. Diese Sendungen müssen zunächst ans den vielen für die Kriegsbesetzung der Festung Metz bestimmten ausgcsondert und dann aus die Feldpostsammelstelle in Strastburg zurückgelcitei werde», um von da nach nochmaliger Bearbeitung endlich aus den, rechten Weg zum Feldheere zu gelangen Durch die vorschriftswidrige Adressierung entsteht nicht blost eine mehrtägige Unterbrechung in der Beförderung zum Feldheere, sondein es werden auch die Abslustkanäle, die für andere Sendungen sa» Private und an Truppen in festen Standquartiere») sretgehalten werden müssen, unnötigerweise vcrstopst und der Post die Erfüllung ihrer schweren Ausgabe, der sie seit Wochen mit vermindertem Personal in ununterbrochener Arbeit bei Tag und Nacht gerecht zu werden sucht, säst unmöglich gemacht. Den Schaden aber hat das Publikum selbst und unsere brave Armee. Es ergeht deshalb immer wieder di« dringende Bitte an alle Beteiligten, auf Feldposibriescn an Angehörige des Feldheeres keinen Bestimmungsort, sondern nur den Truppenteil anzugeben. Nur Sendungen an Truppen in festen Standquartieren (Festungsbesatzungen und dergleichen), an Kranke und Verwundete in Lazaretten sollen eine Bestimmungsangabe enthalten. Im weiteren wird daran erinnert, dast verschlossene Privatbriese nach Elsast-Lothringe» nicht zulässig sind. Empfang in Magdeburg. In Magdeburg traf dieser Tage ein Transport gegangener belgischer Ossiziere ein, denen einige Engländer zugc- sellt worden waren. Trotz der späten Stunde — es war Mitternacht vorbei — hielt, angelockt durch die umfassenden Vorbereitungen der Polizei, eine grobe Menschenmenge die Wilhelm- straste unter der Eisenbahnübersührung dicht besetzt. Die Art und Weise, in der dieses Publikum eines siegreichen Volkes die Gefangenen seiner gchasttcsten Feinde empfing, verdient hier geschildert zu werden. Wir solgcn dem Bericht der .Magde- burgischen Zeitung": Schutzleute zu Fust und zu Pferde hielten eine schmale Gaste frei, an deren einem Ende ein hell erleuchteter Wage» der Elektrischen stand. Da donnerte der Zug in die Halle und ein paar Minuten später blitzten auch schon di« Bajonette unscrcr braven Soldaten aus, die den Transport begleiteten. Und dann die Herren Gefangenen. Die goldbetrest- ten Käppis der Belgier — die kannte man schon. Eisiges Schweigen empfing sie. Da plötzlich einige fremdartige Pickcl- haupen: Engländer! Ein Murmeln ging durch die Menge. Das sind sie also — das sind sie, die wir verprügelt! Für einen Augc»bi4 hatte man das Gefühl: jetzt wird etwas geschehen. Etwas vielleicht, was unscr nicht recht würdig gewesen wäre, oder irgend etwas Grosses, Befreiendes, etwas jeden- salls. was die Spannung löst. Sekunden vergehen: da, wie ein F»!le, der sich blitzschnell in die Lust wirst, erhebt sich über dem Murmeln der Menge eine jubelnde Männerstimme: „Deutschland, Deutschland über olles" schmettert sie in die Nacht hinaus. Und nun braust das Lied der Deutschen im Chor wie ei» Trinmphgcsang über den Platz. Es erklingt oben aus den Bahnsteigen und bricht sich an den Wänden der gewaltigen Halle» und der Steinmauern der Uebcrjührungen. Alles singt. Die Schutzleute z» Fust und zu Pferd. Die Soldaten mit den blitzende» Bajonetten und der Führer des Motorwagens. Immer jubelnder wird der (besang. Da setzte sich der Wagen in Bewegung und wie aus Fantaren schmettert es ihm nach: „Don de: Maas bis an die Memel, von der Etsch dis a» den Belt." Billige nahrhafte Kost. Man schreibt uns: Alle Arten Gemüse als Wirsing, Weist- tk»i,:. gelbe Rübe», Kohlrabi, Lauch, Sellerie, Bohnen, Erbsen, Blumenkohl auch Kariosscln werden in beliebige Stücke zerschnitten und sauber gewa>chcn. Di- Menge richtet sich nach der Anzahl der Personen, sür welche das Gericht bestimmt ist, doch nehme man alles reichlich, weil das Gemüse sehr zusammcn- fällt. In einen gut verschließbaren Topf tut man reichlich Fett (Bratcnsett, ausgebratencr Speck u. dcrgl. kan» gut dazu verwendet werde») gibt das gewaschene Gemüse und 1 Tasse Euppengerste hinzu, übergiestt das Ganze mit einigen Löffeln Fleischbrühe oder Wasser, jügt das nötige Salz bei und schliestt den Tops sest. Ochs-nfleisch oder fettes Schweinefleisch in kleinen Stücken dazwischen aemilckit verbene^" (Oniae und ae- stteuc ^ageszenung. ven S. September 19!» sunde Gericht. Aus kleinem Feuer 2—3 Stunden langsam gedämpft ist es taselsertig. Eignet sich auch besonders zur Herstellung in Kochkisten, Ockonom usw. Grüne Bohnen werden geschnitten, gewaschen und nebst etwas sein geschnittener Zwiebel zur Hülste in einen gut verschliestbarcn Tops in heistes Fett gebracht, schön kotelettarlig geschnittene Stücke Hammelsleisch gesalzen darausgelept und mit dem Rest der Bohnen gut bedeckt. Mit einigen Lösseln Fleischbrühe oder Wasser übergosten, dem nötigen Salz gewürzt, wird das Gericht in dem fest verschlossenen Tops in 2—3 Stunden weich gedämpft. Zlliistmck Jilriciiürfiroiiif. Bon heute ab wcibcii wir allwöchentlich unserer Zeitung eine Illujtrierte Kriegschronik beilegen, die nutzer über den Gang der Ereignisse, mit Bildern versehene Schilderungen aus dem grotzcn Kriege bringen wird. Wir hassen, datz diese Steuerung unseren Lesern willkommen sein und Anlatz geben wird, datz recht viele Neubestellungen auf unsere Zeitung gemacht werden. Neue Tageszeitung. Ans der Heimat. * Friedberg, 4. Sept. Ab Freitag, den 4. Sept. werden die Schnellzüge 71 Frankfurt—Altona Friedberg ab 8,38 Uhr vorm, und 72 Altona—Frankfurt Friedberg ab 7.00 Uhr vorm, wieder bis Altona und zurück durchgejahren. Ferner verkehren folgende Schnellzüge wieder: Ab 4. Sept. D-Z. 32 Berlin- Frankfurt, Friedberg ab 3.32 Uhr nachm.: ab 7>. Sept. D-Z. 33 Frantjurt—Berlin, Friedberg ab 0.07 Uhr vorm. Auch wird ab 4. Sept. auf der Strecke Niederwalgern—Marburg—Kassel der Lokalzugsoerkehr wieder ausgenommen. * Nieder-Florstadt, 5. Sept. Von hier wird uns geschrieben: Allerorte» hören wir, dast für die Zwecke des Roten Kreuzes gesammelt wird: cs ist ein hoher, hehrer Zweck, der dadurch er» strebt und erreicht wird und es gereicht unserem Volke zur Ehre, dast die Gaben so reichlich fliesten. Aber man sollte auch derer gedenken, die zu Hause in Not und Elend zurückgelasten werden, wenn der Familienvater draußen, fürs Vaterland kämpfend, im Felde steht und daheim Frau und Kinder schon 3 Wochen lang des regelmässige» Lohnes entbehren müssen. Wie oft ist kein Brot im Haus und doch streitet der Ernährer siir's grosse Vaterland. Es wäre zu erstreben, dass auch in dieser Hinsicht die Fürsorge cintreten würde, denn hier handelt es sich auch um ein Werk der Vaterlandsliebe. Hoffentlich genüge» diese Zeilen, dast die Sache ins Werk kommt, damit die Not gelindert werde, denn es heisst im Sprichwort: Hast Du genug im Ueberflust, denk auch an den, der darben muss. * Echzell. 5. Sept. Heute am 3. September feiert Herr P h i l i p p M o g k II. seinen 90. Geburtstag. Als 48jähriger Mann erlebte er die grossen Tage von 1870 und jetzt ist ihm wieder vergönnt, Deutschlands Ruhmestaten zu erfahren. Der greise Jubilar hat drei Enkel im Felde stehen, er selbst ist körperlich und geistig recht frisch. Wir wünschen ihm alles Glück! * Gettenau (Wetterau), 4. Sept. Gettenau voran! war die Parole. Pünktlich 1 Uhr, wie durch Plakate bekannt gegeben war, fand die angejagte Sammlung.von Naturalien zum Besten unserer Verwundeten unter Leitung des K. Haub-Echzell statt. Der Turnverein war in voller Stärke mit Fuhrwerken zur Stelle. So konnte es möglich gemacht werden, datz bereits mit dem Ellterzug um 3 Uhr ein Eisenbahnwagen mit 80 Ztr. Karlosseln und 3 Ztr. Speck und Wurst, einer Menge Gemüse sowie Obst und eine große Kiste Eier, Zigarren und dergl. nach Giessen an das Rote Kreuz sür die Lazarette daselbst bestimmt abrollen konnte. Den Eeltenauer Bürgern selbst für ihre Opsersreudigkeit ein Bravo! * Giessen, 4. Sept. Bittere, aber berechtigte Klage» hört man hier über die Feldpost. Die Soldaten, welche jetzt schon wochenlang unterwegs sind und bei grosser Hitze täglich anstrengende Märsche haben und nachts aus dem Felde lagern, bitten in Briefen dringend um frische Wäsche und wenn die Eltern dann an die Post mit einem Päckchen kommen, heisst cs: „Pallete werden nicht angenommen!" Selbst ein Päckchen mit nur einem Hemd ist zu schwer und wird nicht besärdert. Was hat nun der Soldat am nötigsten, Tabak, Zigaretten und Zuckerbonbons, welche man als Brief versenden kann, oder Hemden und Strümpfe? Hier wäre es nötig, auf allerkürzestem Wege Remedur zu schassen, denn sonst leistet ja die Feldpost noch nicht einmal das, was sie vor 44 Jahren geleistet hat. Hessen Nassau. * je. Oberursel, 3. Sept. Die von dem hiesigen wirtschaftlichen Ausschuss als Hiljsmassregel für die jetzige Kriegszeit angeftellte Ausdehnung des Kleingartenbaues hier, kann bereits einen schönen Erfolg ausweisen. Die ersten 20 Pachtgälten, sür die der Ausschuss Land beschafft hatte, sind bereits sänztlich vergeben und an dem Stück am Holzweg ist schon die Vermessung und Absteckung vorgenommen. Der Ausschuss bemüht sich, noch weiteres Land zu erlangen. Sodann hat derselbe auch die Förderung der Kaninchenzucht als eines geeigneten Mittels, so mancher Familie in der gegenwärtigen Zeit wirtschaftlich sortzuhelsen, ins Auge gefasst. Starkenburg. * Darmjtaot, 4. Sept. Am Dienstag Abend kamen von dem französischen Kriegsschauplatz mit der Bahn 18 Feldgeschütze, 3 Maschinengewehre, sowie 0 Protzen, letztere fast all- »och stark mit Geschossen aller Art gefüllt, hier an, die von unseren wackeren todesmutigen Streitern des Infanterie-Regiments nach hartem Ringen dem Feinde abgenommen worden sind. Sie wurden durch Mannschaften des Art.-Regts. 01 vorläusig nach der Wagenhalle des Artillerie-Depots gebracht, um später hoffentlich mit anderen ausgestellt zu werden. — Eine geheimnisvolle Persönlichkeit, di- jedenfalls Ursache hat, ihren Namen aeheim ZU halten, da wahrscheinlich Spionage vorliegt, wurde Seite 3. vor einiger Zeit bei Gross-Gerau sestgenommen. Er hatte an geblich keinerlei Mittel und behauptet, dast er von Fcldsrü o. len seine Lebsucht bestreite. Die in seinem Besitz besindlichen Papiere weisen daraus hin, dass er Russe oder Galizier ist. Genaues ließ sich daraus nicht entnehmen und verweigert der Fest genommene jede nähere Angabe über seine Herkunft und son stigc Tätigkeit. Bis jetzt hatte er cs ausgezeichnet verstanden die Herstellung einer Photographie zu verhindern, indem er, teils Bewegungen macht-, teils das Gesicht verzerrte. B.'I der Einlieferung in das Untersuchungsgesangnis nannte er sich Bernhard Cohn, doch ist die Namensangabc sicher falsch Er ist etwa 30 Jahre alt, macht keinen unsympathischen Eindruck und tritt gewandt und sicher auf. Durch die jetzige Kriegslage war cs bisher schwer, Nachforschungen über seine Persönlichkeit, ar, den in Frage kommende» Orten cinzuziche». Der Vordach, tige war wegen falscher Namensangabc, intcNcktucNcr Urkun. densäljchung und Landstrcicherci angcklagt, konnte ober zunächst nur wegen Landstreicherei verurteilt werden. Er wird dajür mit 4 Wochen Hast bestraft. Wegen des Restes der Anklage wird der Beschuldigte der Militärbehörde überwiesen, damit von dieser Seite über die dunkle» Punkte» Nachforschungen an- gestellt werden können. Mitbürger. In Ausführung des von der Stadtverordneten Bersamm. lung gefassten Beschlusses, eine Zentralfamnrlung für Kricgsfür» sorge einzurichtcn, wird in den nächsten Tagen eine Sammlung von Haus zu Haus veranstaltet werden. Mit glühender Begeisterung sind unsere Männer, Väter, Brüder und Söhne hinausgezogen ins Feld, um die Feinde, die unserem Vaterlande eine» Krieg um seine Existenz ausgezwitn. gen haben, nicdcrzuwerscn. In glänzendem Ciegcszug haben unsere todesmutigen, non Heldengeist beseelten Truppen die von Osten uiib Westen an- dringcnden Feinde zurückgeschlagcn und den vaterländischen Boden von den Schrecken des Krieges befreit. Wir aber, die wir in der Heimat zurückgeblieben und, haben die heilige Pflicht, für die Verwutidcte» und Kral- - > unserer unvergleichlichen Armee Fürsorge zu tressen Ut-d dn hilssbedürstigen Angehörigen unserer tapfere» Krieg.» gegen Mangel und Not zu schützen! Hierzu bedarf cs gewaltiger Mittel, aber wir sind alle einmütig von dem Wunsche und Willen crsüllt, mit Freude» zu geben, was in unseren Kräften steht und so wird unsere hcr-- liche Bitte, uns durch reichliche Spenden zu unterstützen überall opferbereite Herzen finden. Jeder gebe nach seinen Kräften: auch die kleinste Gabe ist willkommen. Es bleibt den Gebern überlassen, ob sie ihre Geldspende» sofort oder bis Ende Oktober leisten wolle». Die Sammlungen erfolgen durch Bürger unserer Stadt, die sich in dankenswerter Weife in den Dienst des v.i- : . d. jchen Werks gestellt haben. Zentrale für Kriegsfürsorge: Beigeordneter W i n d e ck e r , Vorsitzender. Vorläufiger Fahrplan Frankfurt-Friedberg-Eieszen. ob Frankfurt a. M.: 2 a 6i i 8»S. 8»S. 8" 1>* 2« 8. 3" Gi» Gii (ab Bockenheim) 8ü ab Friedberg : 4ü 8»» 8<*S. 9»'S. 10" 8 ° 3» S. 5* 8-J in Gießen: 4 ü 6 " 9« 9* S. 9« S. 11«» 4" 3» 612 9l Eiejjen-Friedberg-Frankfurt. ab Gießen : lM 4m 0« 8 09 S. 8« 11** 1" 5" 8. 622 S. 62. ab Friedberg : 3m 4m 6 > 8*° S. 8- 10«» 1» 3«» 5" 8. 7m S. 8ü in Frankfurt : 52 6« 8'" 9" S. 10« 12« 2" 5« 6n S. 7 m S. 102 Friedberg-Nidda. sb Friedberg: 9« 3* 6 ä (ab Beienheim 5 m frühin Nidda. 10" 4« T 7 m Nidda-Friedberg. ab Nidda: 42 6«» 1«* 4" in Friedberg : 52» 7« 2 » 6 m Friedberg-Hungen. •b Friedberg : 5 m 9»* 3« 6*» in Hungen: Om 9” 4* 7» Hungen-Friedberg. ab Hungen: 4« fi* 7-- 4« in Friedberg: 5s 7« 2» 3» Weitere Fahrplane satgen Montag. Franksurlcr Wetterbericht. Voraussage: Ziemlich heiter, trocken, tags warm, nachts lühl, noidästliche Winde. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otte Hirschel, Friedberg; für den Anzeigenteil: Sl. Schmid t, Friedberg. Druck »nd Verlag der „Neuen Tageszeitung", A. G., Friedberg i. H. Wir machen unsere vcrehrlichen Leser darauf aufmerksam, das: wir mehrfachem Wunsche gemäh, Schilder mit der Aufschrift: Unbefugten ist das Betreten der Slallnngc» strengstens »ntersagl! angefertigt haben. Da? einzelne Schild ist zum Preise von 23 Pscnnig in unserer Expedition erhältlich, Tagesreit»»«" A. (tz. Nr. 2U8 Neue Tageszeitung. Samstag, den 5. September l»l« Seife 4. Da,»Klagt» »lg. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem ! I Hinfchclden unserer geliebten Schwester, Schwägerin und | Tante i Irick |ri|iifr ! sagen wir hiermit Allen, insbesondere auch Herrn Pfarrer! Vogel für die warmen, trosrrcichen Worte am Grabe [ | der lieben Entschlafenen unfern innigsten Dank. Reichelsheim i. d W u. Bad-Rauheim, Len 3. September 1814. Tie tranernöen ^tnter&lirbrnen: Smniliett Veith u. Bommersheim. Nur noch kurze Zeit! Kr!eg8hai'ten M l) on«« »fMMLÄWW. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Moselstrage 6a. Telefon-Dummer Amt l. Bürostunden.' 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Ach sprach ,,u ben Ruhmredigen, rufemtt i :,I | J, Uno zu bei) Gatt lasen, pochet Nicht aus i*»;n>otl. lebet r ..;t halsstarrig, e» Hab« teure Slot, weder v»» Aufgang »och ' :>.dc>-z'ng, «och vom Gebirge in der Wirst«. Tenn Gott ist luchter, ber diese» »iebriget unb jenen erhöbet Lieb« Gemeind« Welch «irre Wendung burch Götter Fügung. so karr» u»ser Batk mit seinem alter, Kaiser Wilhelm arrch in biese» lagen Mieder sprechen' Die vergangene Woche hat fortgesetzt. war bre »orige bcgonrie» hatte, weit irber unser hasse» hinaus, jo weit, bah wir. so viel Menjchenaugcn sehen, sage» tonnen: ber Krieg ist wohl »och nicht zu Gr,de. aber wie er z» Ende gehen wirb, bar ist säst schon entschrebcn. Unb wieber. wie heute vor r logen, sage» wir voller Dank: Lob, Ehr unb Preis sei Gott, non Ewigkeit zu Ewigkeit. Ja. da» ijt's, war seht besonber» bei UNS gesagt werbe» must: Gott gebührt unser Dank! Da» )>f( un, bavar bewahr hast wir meinen, wir selber hätten »IS alle» getan. An zweierlei Hinsicht meinen wir dar: ein riol denken wir babei an un». bie baheimgeblieben finb Wir »rege» uns wohl sreuen unb auch stolz sein aus unsere Salda- ' aber zugleich wollen wir un» hoch ruhig klar machen: Wir stier, mir daheim habe» zu all dem da brausten doch so gut r ' grr nicht» getan! Unb wenn auch jeder von UN» manch« !l:ecit mehr hat leiste» müsse» alr sonst, wenn wir auch man- <>" lei besondere Mühe» und Einschränkungen aus un» ge- n > men hoben, da» ist doch alle» miteinander nicht der Mühe > rt nennen, wenn man dagegen von unseren Verwundeten i ststeo hört, wie sie sich brausten habe» .abmühen und quälen nie» ur» oe» Sieg zu erringen! E; ist not. dast wir UN» bis selber jagen, damit nicht über den Siegesnachrichte» bei uns jener Hochmut aujkomnrt. der sei» vom Schust in sicherem .irmii 't graste Worte redet, und so Gotte» Zorn herau»sorbert! il»» den Daheirngebliebenen steht u» der» ganze» Sieg kein --"er Teil zu. al» Lob und Dank, unsere» Soldaten brauste», aber ganz besonber» unserem Herrgott im Himmel! Unb bas st da» andere Teil: Ahr habt e» an dem, wa» wir bisher ge- r.igl haben, r ohl gehört, oast wir ganz gewist unseren Soldaten de wohlverdiente Ehre nicht nehnren wolle»! Aber darüber. da, müssen wir wisse», gebührt Gott die Ehr«. Wir dirrsen nicht vergesse», dast auch unsere Soldaten und heersüh- > r bei aller lupserkert, doch Gotte» Werkzeuge waren, dast ' >-. it e» war. der un» den Sieg gegeben hat! Da» wissen ge- r >de unsere Saldate» selber am beste»! Lest doch die Briese, dre sie schreiben: Ammer wiederholen sie: betet und vertraut aus Gott! Und wenn man die Verwundeten erzähle» hört, dann spürt man'» deutlich au» ihre» Worten heraus: Wenn wir daheim eure neue Siegesnachricht lesen, dann klingt da» so sicher und setbstverstänblich. aber sie, die brausten im Schützen- grade» lagen, »nb die Gewehrkugeln über sich hinsurren hör- len. wie Bienenschwärme, sie wissen, dast da» nicht so sicher und etbstveistänblich ging, sonoer», dast Schritt sür Schritt und Mi orrte für Minute ihnen war. wie ein reine» Gnadengeschenk von Is.'it! Ein verwundeter Ossizier sagte »»»: E» ist mir heute noch wie ei» Wunder, dast ich noch am Leben bi», und dann mrrrdc er so ernst und sprach: ja man wird fromm da draußen! Ar unsere Soldaten spure» c»: der Sieg kommt von Gott, und »aram drirsen und müsien auch wir c» spüren und un» demll- ügrn unter Gotte» allurächtige harrd. Und dahin gehört n»» roch ganz besonder» da», wovon unser Bibelwort redet, wenn :» den Menschen »erweist, so zu tu», al» habe e» keine Not von, Ausgang und vorn Niedergang und vorn Gebirge in der Wüste! Wir sagten ja vorhin selbst, de» Kriege» Ausgang ist säst entschieden, ober wir setzten mit Bedacht hinzu: so weit Menschenaugen sehen! Bor drei Blochen haben wie noch in unserer Angst und Not gesungen und gebetet: mit unserer Macht ist nicht» getan: aber da» wollen wir auch jetzt nicht vergesse», Ivo wir au, der ärgsten Rot herau» sind: da» jagen wir nicht deshalb, weil wir kein Zutrauen hätten zu unseren Soldaten und Feldherren, sondern weil gerab« dies« selber un» sagen: hast e» kein« Rot hat. da» liegt allein bei Gott! Za de» Kriege» Ausgang liegt bei Gott, den» dieser ganze Krieg ist ja nicht Menschenwerk, sonder» ein Gotlesgericht über Völker und Menschen! Und auch. — da» wolle» wir ja nicht vergessen — über unser deutsche» Volk! Wir haben'» ja in biesen lagen gespürt in unserem Darf, unb ringsum im gauzen Vogelsberg«, als die Nachrichten kamen von unseren llbern, ihrem Kamps und ihren Verlusten: da spürten wir. daß Gott auch über un» ein Gericht gehen läßt! Da« wollen wir erkennen in ernsten Gedanken: Gott richtet auch über UN» in diesen Tagen, aber wir wollen dabei nicht vergessen: Gott richtet nicht zu ver derben und zu verdammen, sonder» um UN« auf den rechte» Weg zu leiten, und nur wer sich von ihm nicht will leiten lassen. dem wird sein Gericht zum Verderbe». Da» Volk Israel hat vor seiner Wegsührung in die Verbannung auch gemeint, ihm könne nicht« geschehen, weil e» Gotle» Volk sei. und da» englische Volk meint heule noch, e« sei Gotte» Voll und Gott schütze e» ganz besonder»: Wir aber wollen in diesen ernsten Zeilen erkennen, dast nur da» Volk Gotte» Volk ist und unter Gotte» Schutz steht, da» aus Gotte» Stimm« hört und Gotte» Willen tut! L. 8 ! Wir wissen e» alle, in diesem surchtbaren Kriegsjahr 1914 entscheidet sich unser und unsere» Volkes, unserer Kinder und Kindeskinder fernere» Geschick. Menschlicher Unverstand meint, der Krieg entscheidet» Da» ist nicht wahr! Wenn wir den Sieg gewinne» und tm Siegestaumel die Stimme Gotte« überhören, dann wird unser Volk gerade so verderbe», wie da« englische Volk verdorben ist! Der Krieg ist Gotte» Gericht, und darin entscheidet sich unser Geschick, ob wir in diesen Tagen lernen, aus Gotte» Stimme zu hören und seine» Willen zu tun! Denn die Welt vergeht mit ihrer Lust, wer aber den Willen Gotte» tut. der bleibet in Ewigkeit. Amen. Kriegsandacht. Text: 2. Mos. Kap. 3 V. 5: „Gott sprach: Tritt nicht herzu, ziehe dein« Schuhe au» von deine» Füsten. den» der Ort, da du stehest, ist heilige« Land." An de» Berg Horeb führt un« unser Textwort. Mose» steht in der Wüste bei seiner Herd«. Da siebt er plötzlich in der gerne eine Flamme au» einem Busch cmporzüngeln. Er will näher heran, un, nachzujeherr, warum der Busch nicht verbrenn«. Da rief ihm Gott da« Wort zu: „Tritt nicht herzu, ziehe dein« Schuhe aus von deinen Füße», denn der Ort. da du stehest, ist heilige» Land." — Was will ihm Gott an» Herz legen? — Last alle» weltlichen Sinn dahinten, hier stehst du vor dem Allmächtige» und heiligen. Beuge dich vor ihm in den Staub. Last dein Herz reinigen von aller Sündenschuld. Sei still« und erkenne, dast ich Gott bin. Fühle den Ernst dieser Stund«! „Ziehe deine Schuhe au» von deine» Füsten, denn der Ort, da dur stehest, ist heilige« Land." Ich lasse e« mir gesagl sein, so oft ich die Kanzel betrete, um euch da» Evangelium zu verkündigen Viele Jahre habe ich es getan. Es war immer Friedenszeit. An jedem Sploesterabend und Reujahrsmorge» gedachte ich stets de» Frieden» und dankte Gott, dast er uns wiederum ein Jahr des Frieden» geschenkt hatte und wir haben ihn angerusen: Herr, wenn e« dein Will« ist, last auch im neuen Jahr nicht Kriegslärm unser Land erfüllen! — Nun ist da, Jahr 1914 zum Kriegsjahr geworden. Wer hätte die» am An< jang diese, Jahre» geahnt! „Ziehe dein« Schuh« au, von deinen Füsten, denn der Ort. da du stehest, ist heilige» Land." Ich wtkl e» zu Herzen nehmen, besonder» in dieser ernsten Zeit, da bi« Gemeinde, di« sich im Gott«»hau» »«rsammelt, der Stärkung und Ausrichtung vor allem bedars. Kein« Z«itu»g»au»schnitt« will ich bringen, kein« politischen Betrachtungen hier anstelle», »ur da» Evan getrum verkündigen, di« froh« Botschaft, welche die Müden stärkt, di« lraurigen tröste, dt, hossenden fröhlich macht, dem Sünder Gnade verheißt. Der Raum, in dem lhr euch jetzt besindet, di« Stätte, an der ich hier stehe, ist heilige» Land. Wt« viel« habe» schon hier aus den Bänken gesessen, wie viel« aus dieser Kanzel ««■ standen im Laus der Jahrhundert«. Wie viele Generationen hat diese» Gotteshau» überdauert. Ueber Lüg Jahre steht e« schon, und die Zeugen de« Evangelium», di« hier ihre» Mund ausgetan, haben viel erzählen können von de» Leben« Kreuz und Leid. Welche Stürme sind in diesen 2K Jahrhunderten über unser Vaterland daht»gebraust! Wen» dies« Ajand« re- den könnten, würden ste auch viel erzählen von der Liebe und Gnade unsere« Gotte», der di« nicht »erlässt. die sich zu ihm flüchten. „Ziehe drin« Schuh« au» von beine» Füße», denn der Ort, da du stehest, ist heilige» Land." Dort in der Groststadt Berlin, wo tausend« und abertausende nicht» mehr fragte» »ach Kirche und Gotte» Wort, wo di« Kirchenaustrittsbewegung mit Macht einsetzt«, waren am 2. August 36 000 aus der Straße zu einem Gottesdienst versammelt und haben nach der Ansprache de» Geistlichen in großer Ergriffenheit zusammen da, Vater Unser laut gebetet. „Ziehe deine Schuh« au» von deine» Füße», den» der Ort, da du stehest, ist heilige» Land". Der Platz, wo sonst die Meng« der Fußgänger sich drängt, dt« elektrischen Wagen und die Kraftwagen lärmend dahineilen, ist aus einrnat stilles, heilige» Land. 30 000 Andächtige sollen die Hände und rusen zum Vater im Himmel. „Ziehe deine Schuhe au» von deinen Füsten, denn der Ort. da du stehest, ist heilige« Land". Wir betreten im Geiste ein Schlachtfeld in dem AugenbNck, wo der Kanonendonner verstummt ist, und die heretnbrechend« Rocht dem erbitterte» Kamps« ein End« macht«. Sonst bringt die Nacht i» Feld und Wald Stille, hier nicht. Da liegen in Scharen die Verwunde ten. Wie die Wunden brennen und schmerzen! Wie sehnt man die Krankenträger herbei! Minute» werden zu Stunden. De« Verwundeten Gedanken eilen zur Heimat. zu den Eitern und Geschwistern, zu Frau und Kinder». Beim Lampenschei» sitzen sie daheim um de» Tisch herum und spreche» von den letzten Schlachten und sprechen von ihm, der jetzt verwundet aus dem Schlachtfeld liegt und — sie wissen e» nicht. Und wie viele Toten! Wie sie so sanft ruhen! Junge», frische» Leben ist hin gewelkt. Nu» ziehe» die Sterne am Himmel heraus, und der Mond geht so still und feierlich durch die Abendwolke» und wirst sein fahle» Licht auf der Toten bleiche, Angesicht. Stille wird'» und immer stiller. „Ziehe deine Schuhe au» von bei ne» Füsten, denn der Ort, da du stehest, ist heilige» Land." Wir haben gelesen von dem kurze» Kamps vor Helgoland, in dem unsere braven Seeleute al» echte Deutsche kämpsterr gegen ein« vielfache Uebermacht. Sie sind treu bi» in den Tod. Sie wissen, e» geht in den Tod. Sie weiche» nicht. Da» Schiss ist schwer getroffen: bald wird e» sinke». Sie stimmen da» Lied an. da» sie schon als Knabe» so freudig langer: Erna und Ilje. Roman von T. Fenßner. Z!> lFoitsetzungl. „Es gibt ei» tüchtiges (öeiuitter,“ sagte der Rittergut ..besitzer ,u seiner Tächter, „und es dürste ratsam sein, schleunigst den Rückweg anzuireten, denn nur ungern möchte ich mich oan dem Unwetter im Walde iiberraschen lassen." Schneller als sie gekommen, schritten Vater und Tochter durch den verdüsterten Wald dern Städtchen zu, um noch zur rechten Zeit das schützende Obdach zu erreichen. Wilder und wilder brauste der Sturm und in unheimlicher Weise verfinsterte sich das Firmament. das eben noch im tieislen Blau erstrahlte. Das Rollen des Donners, das in immer kürzeren Intervallen hörbar wurde, hallte dumps von Bergen und Felsen wieder. Als die beiden Wanderer den Wald ver- lieszen. ran der Stelle, wo die prächtige Billa Rosalie in herrlichem Karten am Waldessaurne liegt» ging ein mit Schloszen vermischter Regenschauer nieder. „Wir kommen nicht weiter," sagte Herr Ruth, „unter solchen Berhältnissen wäre ein Weitergehen nahezu mit Lebensgeahr veräunden und ich denke, roir suchen in Billa Rosalie eine Znflncht, bis das Unwetter vorüber ist." Schweigend nulte Ilse. Sie bebte am ganzen Körper, denn sie gehörte zu denjenigen Personen, die stets in bange Furcht geraten, wenn ein schweres Gewitter im Anzüge ist. Dazu kam noch, daß sie als echte Guisbesitzerstochler an die noch nicht eingeernteten Feldjrüchte dachte, denen die innner stärker nieder prasselnde Schloßen enornien Schaden zusügen mußten. Kaum hatten sie das schütz«nde Obdach betreten, da brach das llnwetler mit elenientarer Gewalt los. .Wie «littenelte Höllenaeistec tobt« der orkanortrae I Sturm über Feld und Wald, alles mit sortreißend was | nicht genügenden Widerstand bot. Grellsarbige Blitz« . fuhren im Zickzack aus nachtschwarzen Wolken und der ! ihnen unmittelbar folgende, gleich einer Gewehrsalve knatternde Donner ließ die Herzen erbeben und ver setzte die Gemüter in ängstlichste Spannung. Rur wenige vermögen sich dem Eindruck zu entziehen, den dieses gewaltige Naturereignis aus uns Menschen ausübt, und selbst den Atheisten, der längst den frommen Glaube» der Kindheit im Getriebe der Welt verloren, durchschauert, wie das letzte Bibrieren längst verklungener Saiten, di« Ahnung höherer göttlicher Gewalten. Nachdem sich die Haustür hinter ihnen geschlossen hatte, trat ein Mädchen von etwa achtzehn Jahren im Hausflur den Ankominenden entgegen. Trotzdem sich Ilse ihrer eigenen hohen Schönheit voll bewußt war, mußte sie sich bei ihrem Anblicke gestehen, daß sie noch nie eine so seltene Bereinigung von Liebreiz, Anniut und Würde erblickt hatte! Ein Meisterstück schien die Natur in dieser holden Mädchenblüte er schnffen zu haben: Augen, unergründlich wie die Meerestiese verliehen dem süßen Gesicht einen ganz besonderen Zauber. „Wir bitten wegen unser» formlosen Eindringens um Verzeihung," redete Ruth si« an, „aber das geradezu lebensgefährlich« Wetter dllttte uns zur Entschuldigung dienen." „O bitte," sagte das schöne Mädchen mit ihrer weichen wohlklingenden Stimme, „wir freuen uns aus' richtig Ihnen unser gastliches Heim anbieten 'zu dürfen,., und mit einladender Handbewegung öffnete sie die Tür zum Wohnzimmer. „Onlel!" Tante! Ich bring« Gäste!" rief sie- „der Herr und die Dame suchen in unserem Hause Schutz gegen das Unwetter," mit diesen Wotten motivierte sie den Anwesenden gegenüber das unverhoffte Erscheinen der Fremden. Im Zimmer besanden sich ein schon älterer Herr in Iägerkleidung, der, als Ruth und Ilse das Zimmer betraten, in augenscheinlich behaglicher Stimmung an einem runden Tisch« saß,' zu seinen Füßen lag ein schön gesteckter Hühnerhund, ihm gegenüber saß seine Frau, eine ehrwürdige Dame mit wohlwollendem Ge sichtsausdruck. Außer diesen beiden besand sich noch ein junges Mädchen im Zimmer, das sich von dem zuerst erwähnten, welches ttej brünett war, im wesenr lichen durch seine goldblonde Haarfarbe unterschied. „Freut mich! Freut mich! sagte der Herr in Jägerkleidung, den Ankommenden zur Begrüßung die Hand reichend, »mein Haus hat noch Raum sür viele." „Hoffentlich hält das Wetter nicht allzu lange an," sagte Herr Ruth, sich aus dem angebolenen Stuhle niederlassend: Ilse folgte seinem Beispiel. „Doch! Doch!" meinte der andere, „es koinmt noch besser, sie können mir glauben, es kommt noch besser, jedes Wetter, das von Rord-Nord-West kommt, kann wegen der hohen Fischkuppe nicht weiter, und verweilt darum Uber unserem Talkessel länger als nötig und oft auch zuträglich ist. Ein alter Erunrock wie ich versteht sich schon etwas aus» Wetter," setzte er mit einer» gewiffen Selbstbewußtsein hinzu. Letzteres war auch nicht ungerechtsettigt, denn gleich wie der Seemann, der oft wochenlang nichts sieht als Himmel und Master und dadurch Gelegenheit erhält beide auf das Sorgfältigste zu studieren, um dann aus Grund der gemachten Beobachtungen mit Sicherheit seine Dispositionen zu treffen, ebenso weilt auch der Forstmann ost genug im Freien, um aus dem Raunen der düsteren Tannen, dem Knarren der alten Kiefern und dem ängstlichen Zittern der Espe, überhaupt aus der geheimnisvollen Flüstersprache des Waldes di« Natur verstehen zu lernen. ^Fortsetzung folgt.) »Ir. 208 Alexe Tageszeitung. Samstag den s. Sepiemvcr i»lt Wette? „Deutschland. Deutschland über alles, über alles in der Welt",-l bringen ein dreifaches Hurra auf den obersten Kriegsherrn aus^, und dann gchlls in die Tiefe. Noch ein kurzer Kampf, der ■ letzte Kampf, der — Todcskampf und stille wird's über den^ 1 Wassern. Tritt nicht herzu, ziehe deine Schuhe aus von deinen-, Fähen, denn der Ort, da du stehest, ist heiliges Land." Und nun noch einen Blick in die Lazarette, Da liegen die Verwundeten in luftigen Solen und sauberen Betten, von zarten Händen sorgsältig gepflegt, Menschliche Neugierde bleibe brausten. Hier hat nur die tätige Liebe Zutritt. Wie herzlich dankbar sind sie für jedes Wort, für jede Tat und Gabe der Liebe. Sie erzählen von dem surchtbarerr Ernst der Schlachten,, von der blutigen Arbeit, von letzten Krusten Gefallener. Aus den Augen leuchtet die Hoffnung, bald wieder gesund zu sein. Daun gchlls wieder hinaus znm lieben Regiment. „Ziehe deine Schuhe aus von deinen Füste», denn der Ort, da du stehest, ist heiliges Laud." Wir gehcu wieder heim. Es ist Abend geworden, und die Nacht senkt sich hernieder. Wir sitzen im Kreis unserer Lieben. Bibel und Gebetbuch liegen aus dem Tisch. Die Andacht beginnt. Wir danken Gott für die Siege, die er uns schon geschenkt und bitten ihn um ferneren Beistand, Er wolle all die trösten, die Schweres tragen muffen. — Es ist still im Zimmer. Gatt, ist in der Mitte! Alles in uns schweige und sich iningst vor ihm beuge. „Ziehe deine Schuhe aus von deinen Füsten, > nn der Ort, da du stehst, ist heiliges Land." Deutscher Mut und deutsche Treue, deutsche Frömmigkeit und Elaubenszuversicht — heiliges Land! Ziehe die Schuhe bei Verzagtheit und des Kleinglaubeus, des Weltsinns und der Weltfcligkcit aus, dann komm' und stelle dich auf diesen heiligen Boden. Wir saffcn die Hände, blicken nach oben und beten zusammen: Ach bleib mit deiner Treue bei UNS, mein Herr und Gott, Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not! Amen! L a tz m a n n , Fricdberg-Faucrbach. Lceräuber und Steppenmorat. Kennt auch Not kein Gebot, kann im Kriege nicht immer das in friedlichen Zeiten geborene Recht seine Geltung behaupten. must cs hinter der eisernen Notwendigkeit zuweilen zurück- stehen, so wird doch ein kriegführendes Volk, wenn ihm mcnsch- heitliche Kultur nicht bloßer Firnis ist, die Moral nicht verletzen. Um so stärker die Notlage, je größer die Zahl der,Gegner ist, um so mehr wird sich solch ein Volk auch mühen, die im Frieden in besonderer Berücksichtigung des Krieges herausge- arbeiietcn Sittengesetze, die ihren Niederschlag in der Genfer Konvention fanden, anzuwendcn. In den Kriegen der Neuzeit sieht man ein allgemeines Sinken der Moral, die allgemein gültigen Sittlichkeitsgcsetzc werden mit Füßen getreten, wenn dadurch die Möglichkeit winkt, den Gegner zu vernichten. Mehr wie je tritt das in diesem Kriege in Erscheinung, der ja ein Vernichtungskrieg gegen die Deutschen sein soll. Alles was deutsch ist. soll ausgetilgt werden, so will es England. Seine ganz aus den kapitalistischen Handel gestellte Politik meint keinen Nebenbuhler ertragen zu können. Die gefährlichen Folgen der britischen Handelspolitik schildert schon im Jahre 1890 der Anstifter des schamlosen Ucbcrsalles auf die Buren, Herr Jos. Ehamberlain: „Nie zuvor hatte unser Vaterland einen so ungeheuren Reichtum aufzuweiscn; nie zuvor zeigte sich dieser so ofsen auf allen Straßen; nie zuvor wurde auch der Druck der Armut so bitter empfunden und nie grinste noch die Armut den Maffcn so entgegen, wie jetzt, so hoffnungslos, der Menschenwürde entkleidet, dem Elende überlasten. Im Lause der letzten 20 Jahre ist zuverlässigen Berechnungen nach das Nationalvermögen um 000 Millionen Pfund gestiegen. Und doch seufzt eine Million unserer Mitbürger im Armenhause, und einige Millionen mehr würden gerne dort ihre Zuflucht nehmen. Die Ursache deffen ist einfach die. daß die geschaffenen ungeheuren Rcichtümer in einige große Taschen geflossen sind, daß Individuen und Klaffen Rcichtümer erlangt haben, die die kühnsten Träume der Habsucht übertrcffen und zu einer sinnlosen Verschwendung ,oon „Mitteln , reizen, fur.die.mon sonst keine Verwendung weist. Die große Ma^c .derjenigen, die da „arbeiten und spinnen" hat aber keinen'Anteil an diesen Reichtümcrn erlangt,'.und eine Menge von Menschen, die größer ist als die Einwohnerzahl unserer Hauptstadt, ist dem nackten Elende und der Not überliefert. Darf cs da wundernehmen, wenn von Zeit zu Zeit das Eemurre der Unzufriedenheit oder der Aufschrei der verzweifelten Wut an unser Ohr schlägt?" Jetzt, da England die Welt verbaut sah, zettelte es den Krieg an. Wenn irgendwo, so ist bei ihm die „Dreieinigkeit Krieg, Handel und Piraterie nicht zu trennen". Von alters- her wahllos in den Mitteln, schreckt es auch jetzt vor keiner Vergewaltigung der Moral zurück. Wahrlich, Lord Btzro» hat recht mit seinem Ausspruch, daß England die eine Hälfte der Welt schlachtet, die andere prellt. Auf Raub und Mord, wie sie sonst nur Steppenvölker kennen, ist di- englische Politik gestellt. Im Durcnkricge pfiff England aus die Genfer Konvention, und was die völkerrechtswidrigen Dumdum-Eeschoffe nicht vermochten, das vollendete das Hungerfystcm in den Konzentrationslagern. Dieser Ueberliefcrunz ist England treu geblieben. Ja, cs rühmt sich noch seiner Piratenmoral in einem amtlichen Bericht über den durch das Auslaufen auf eine Mine uutcrgcgangenen Kreuzer „Amphion". Mit satanischer Freude wird bekanntgegeben, daß die von dem Bäderdampfer „Königin Luise" aufgcfischtcn deutschen Seeleute im untere» Vorderteil des „Amphion" untcrgcbracht und fo „buchstäblich von ihrer eigenen Mine zerrissen" wurden. Der Seeräubermoral der britischen Ecntlemcn entspricht die Steppenmoral seiner Verbündeten. Von den rohe» Gewalttätigkeiten der Franzosen gegen die Deutschen in Marseille und Nizza bis zu dem behördlich organisierten Franktireurkrieg in Frankreich, Belgien und Serbien ist es die gleiche Kette einer entsittlichten Kriegführung. Aller Gesittung bar ist die Anordnung des französischen Oberbefehlshabers Joffrc, nach der die Soldaten im Falle der Gefahr die Uniform mit einem im Tornister befindlichen Zivilanzug vertauschen sollen, um dann den deutschen Soldaten in den Rücken zu fallen. Vermutlich auch aus Veranlaffung der obersten Heeresleitung verüben die Franzosen Frauen- und Kinderraub. Wie brüchig muß es doch mit dem Gewissen unserer Gegner bestellt sein, daß sie zu solchen Mitteln ihre Zuflucht nehmen. Macchiavelli könnte seine Freude haben an solcher Ueberfctzung seiner Theorie in die Praxis. Ein sittlich gefestigtes Volk must derartige Rückfälle in die äußerste Barbarei verurteile». Forscht mau nun nach den Gründen dieser Vcrwttderung, so sicht man an dem Schulbeispiel England, daß sic in der kapitalistischen Lebensausfaffung wurzeln. Der Materialismus ertötet jede Moral, er entsittlicht die Völker und wirst sie in die Barbarei zurück. Das sollte zum Denken Anlaß geben, daß wir nicht die Grundlagen aller sittlichen Werte preisgeben dürfen. Sie aber ruhen im Mutterfchostc der eigenen Heimat. Erst die innige Berührung mit der Natur und das reine, ehrliche Verhältnis zu ihr bringen sie hervor und zeugen Treue, Eottvcrtraue», Gerechtigkeit und Stärke. Diese Grundlagen muffen wir auch im Erwerbsleben in Ehren halte», dürfen sie nicht außer acht lasten, damit die Stärke unseres Volkes erhalten bleibt und sich die Friedensmoral auch inr Kriege bewährt. Warum ist Krieg? Hader begann auf Erden, sobald mehr Menschen als zwei lebten, und es ward Neid und Hast und Zwietracht und ist nicht gestillt worden bis heute. Doch hat Gott die Liebe des Friedens und die Sehnsucht nach Frieden in unsre Brust gepflanzt, und das Ehristentum ermahnt uns, daß wir sollen barmherzig und freundlich sein gegen alle Menschen. Wie darf denn Krieg sein in der Welt? - Du Törichter, gehe hin und frage Gott und seine Geschichte und Offenbarung, und sie werden dir sagen: frage das Leben und die Erfahrung, und sie werden dirs deuten. Du sollst den Frieden begehren, aber di« Welt begehret den Krieg- du sollst de» Friede» lieben, aber die Welt hastet die ' Ruhe. Darum ist Krieg! | Tiird) Unglück und Not lernen wir zum Himmel auf- schauen, durch Unglück und Rot werden unsre Kräfte geübt, denn unsre Unvollkommenheit könnte den ewigen Frieden nicht ertragen, Weil wir so böfe sind, darum, ist Krieg, und weil wir so nichtig sind, darum ist das Uebcl. Wehe aber dem Manne, der unschuldigem Blute durstet, der unschuldige Völker zu unterdrücken ttachtct! Seine Bosheit fällt auf seinen Kopf zurück, und Gott im Himmel wird den Wüterich strafen. Wer Tyrannen bekämpft, ist cm heiliger Mann und wer Uebermut steuert, tut Gottes Dienst. Darum ziehet getroit in solchen Krieg und streitet fröhlich unter dem Panier der Gerechtigkeit. Wer aber die Freiheit zu unterdrücken auszicht, und damit unschuldige Völker als Knechte dienen, der erhebt das Schwcri gegen Gott den Herrn, und treffen wird ihn, der die Blitze vom Himmel wirft. Denn früher oder später findet Gott den Uebermut und misset jeglichem seinen gebührenden Lohn Michertilch. Die seit langem in allen Teilen der Bevölkerung bciicble, humoristische Familicnzcitschrist, „Der Guckkasten", hat den gegenwärtigen Kricgsercignissen durch die Herausgabe einer jede Woche erscheinenden illustrierten Kriegs-Chronik Rechnung getragen, worin der Ernst der Zeit und was die deutsche Nation bewegt in Wort und Bild geschildert und die heiteren Momente glossiert werden. Bei der starken Nachfrage nach allen graphischen Erzeugniffen, die sich mit dem Krieg befassen und bei den künstlerischen und literarischen Qualitäten der Mitarbeiter des Guckkasten, werden die im Einzelverkauf aujtau- chcndcn Nummern der Zeitschrift rasch vergriffen sein. Es empfiehlt sich deshalb am meiste» ein festes Abonnement auf den Guckkasten, das für MI. 3.— vierteljährlich lohne Portos bei jeder Buchhandlung und bei jedem Postamt, auch für einzelne Monate, jederzeit bestellt werden kann. Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. 13. Sonntag nach Trin., b. September. Gottesdienst in der Stadtkirchc. Dorm. 9% Uhr: Herr Pfarrer Ritter. Anschließend Feier des hl. Abendmahls. Nachm. 2 Uhr: Katechismuslehre für die Mädchen (S-- ttt> kirche): Herr Pfarrer Ritter. Abends 8'A Uhr: Herr Pfarrer Klebriger. Gottesdienst in der Burgkirchc. Vorm. 8’A Uhr: Herr Kandidat Martin. Vorm. 11 Uhr: Kindergottcsdicnst: Herr Pfarrer Dich' Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach. Vorm. 10 Uhr: Herr Pfarrer Zatzmann. Katholische Gemeinde 11. Sonntag nach Pfingsten. Schlltzengelfcst. Gelegenheit zu beichten Samstag nachm, von .-. ä s früh von Uhr an. 'AI Uhr: Frühmeff, 8 Militärgottesdicnst lStNgmcffe mit Predigt). MIO Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. 2% Uhr: Monatsandacht der Rofcntranzb.ainr schuft. Die während des Krieges üblichen Abendandachten werden in dieser Woche an drei Abenden gehalten, außer den am Mittwoch und Freitag üblichen ist zur gleichen Zeit f8Uhrs auch am Dienstag eine Andacht wegen des auf diesen Tag fallenden Festes „Mariä Geburt". Feierabend Fricdbcrg. Sonntag, den 6. September 1911: „Besprechung wegen Abgabe von Büchern und Zeitschriften an die hiesigen Kricgs- lazarctte; dann 8'A Uhr: Besuch des Abendgottcsdieustcs. (Gesangbuch mitbringen)." Nußkohlen 1, II, »I und IV Äier§ Henning,tZadHoml»»irAv.d.H. Fabrikation aller Sorten Haushaltung?- ßrrn= H.Sd)inirrlritfn,Sritriij)ii(tirr sowie alle sonstigen Arten Maschinen-Kohlen liefert waggonweise an sämtliche Wetterauer Stationen oder in Fuhren ab Lager Friedberg Spezialität: direkter Versand getrockneter und trocken gewogener b e st e r Kernseifen. Sal,niak1erpelitn»-frcrnleife, ToilrttenSeife. Extra prima Stearinlichte. David Kraemer Diolslenlsandlnng Friedberg. Hamntersir. L __Telefon 21». - Iihaber: - L, Kochendörfer, FRIEDBERGi.H. direkt am neuen BahnlioC - Haoauerstr. 22 — Steinliausscr Bier, gute Weine, rorzügl. Mittagstisch vcn 70 Pfg. an Spezialität: Warme Rippchen u. Haspel zu JederTageszeit. HausmacherVYurst. 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Er ist der eigentliche Drahtzieher in dem Zur mobllrnachung der deutsche» Beere» i i«e' M nbfpteienben fimtttann neiiktama «i Dei Hudmarfd) be« «arde-Kürassier.Regiment» in Berlin Beim AuSmarsch dieses beliebten und mll'h',»"zu tm”" ro"an»e?ea'i"?'”aTcn. l Xie». hervorragenden Regiments wurden ihm begeisterte AbschiedSgrütze von der VollSmenge zugerufen. na. mdch.e er sich allerdi,,,» »errechne, haben. Zum Abmarsch der erste» leldmarschmaSlae» Krankenpfleger der freiwilligen Sanltaiskolonne. Dieser Tage fand der erste luSmarsch der sreiwilligen Kranlenpfleger noch dem KriegSschauplah statt. ES sind alles mit wenigen Ausnahmen geprüfte Krankenpfleger, welche sich freiwillig dem Sanitätsdienst zur Bersügung gestellt haben. Sie sind mit allem Notwendigen ausgerüstet und werden so ihre Pflicht erfüllen tonnen. Die Kranlenpfleger wurden vorher in, evangelischen BereinShauS zu Berlin eingesegnet Der (Weltkrieg. 1 So ist es denn da. das Furchtbare, an das jeder gute Mensch mit Schauder und Grausen als an etwas Unmög- lichcs gedacht, da» eine dreiundvierzigjährige Friedenspolitik Deutschlands immer wieder verhindert hat — er ist zur Wirklichkeit geworden — der Weltkrieg. All die letzten 10 Jahre hindurch hat der sogenannte Dreiverband Frankreich- Rußland —England eine Politik betrieben, die es auf die Einkreisung Deutschlands absah. um eS dann bei passender Gelegenheit erdrücken zu können. Frankreich trieben Rachegelüste. England Krämernetd auf unfern stark emporstrcbenden Welthandel, und Rußland war ergrimmt, daß das Kulturvolk der Deutschen seinen panslawischen Ideen überall im Wege stand. Aber alle Bemühungen des sauberen Dreiblatt». Deutschland die Kriegsfackel ins Land zu tragen, scheiterte» an dessen unerschütterlichen Friedensliebe. Man erinnere sich an dt« Marokko-, man denke an di« bosnische Krise. Schließlich aber packten sie Deutschland an seiner empfindlichsten Stelle, an seiner Ehre, seiner Treue. Rußland hetzte serbische Mordbuben in das unS stammverwandte Habsburger Land, und als diesen feigen Schurken der künftige Herrscher Österreich- Ungarns, Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin zum Opfer gefallen waren, da war der casus belli gegeben. Österreich mußte Genugtuung von Serbien für jene Schand- tat fordern. Serbien verweigerte sie und Rußland wollte da» auch nicht zugeben, somit hatte die uns verbündete Monarchie zwei Feinde gegen sich, was für da« Deutsche Reich Veranlassung sein mußte, dem Freunde an die Seite zu treten. Das war nun für Frankreich und England Grund genug, den Zertrümmerungsversuchen Rußlands ihre Hilse zu leihen. Diesen drei Großmächten trat schließlich noch Belgien bei. weil Deutschland aus strategischen Rücksichten Truppen durch belgisches Gebiet geschickt hatte. Deutschland wurde von Rußland und Frankreich. Ctutnani fllbcrt lTUycb