Nummer 20V Donnerstag, den 3. September 1914. 7. Jahrgang Tie „lituc v nnröuitmig“ erscheint jeden AKrttag. Regelmäßige Beilagen „Der Käser aus Helsen", „Die SpinnAnde". Seniyopreio: Bei den Postanstalten vierieljährlich Mk. 1,05 lei den Agenten monatlich 50 Psg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Anreizen : Erundzeile 20 Pfg., lokale 15 Psg„ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben Erfüllungsort Friedberg. Kchrrfttrilung und Derlag Friedberg (Hegen), Hanauerstraße 1L Fernsprecher 18. Postsyeck-Eonto Re. <8>S. 'Amt Franlsurt a. Bl. Deutsche und österreichische Siege! Zehn französische Armeekorps geworfen. — Der Kaiser bei feinen Truppen. — Voller Lieg des österreichifchen Centrums. — Rufsifches Cingeftändnis. Ocnffrfjlanli, (Orücrrridi, testllmjchlnngkn! Tic dcutschen und die österreichischen Heere haben dem gesl-igcn Sedanstag eine besondere Weihe gegeben. Zwischen NcimS und Verdun, also auf einem etwa 100 Kilometer ausgedehnten Schlachtfeld, haben die Deutschen zehn französische Arineeorps geschlagen und in die Flucht gejagt. Gestern dauerte die Verfolgung der geschlagenen Feinde fort. Ter Sieg wurde unter den Augen des Kaisers erfochten, der sich bei der Armee des Kronprinzen befand. Diese Mitteilung läßt darauf schließen, daß sich noch eine Arniee. wohl die des Herzogs von Württemberg im Feuer befunden hat. Es werden also wohl nicht viel an einer Million Streiter gefehlt haben, die dort ihre Kräfte gemessen haben und auch in dieser Schlacht sind die deutschen Heere Sieger geblieben. Damit ist der erste Festungsgürtel, der Paris vor dem Einfall der Dcutschen sichern sollte, bereits durchbrochen, außerdem aber der von St. Quentin aus vor- dringcudcn deutschen Nordarmce die Gefahr benommen, in die Flanke gefaßt zu werden. Auch die Lage der französischen Vogescnarmec, die bereits geschlagen unter dem Schutze ihrer Festungen weilt, wird durch den Sieg bei Verdun- Reims immer gefährdeter, da ihr die Gefahr droht zwischen zwei Feuer genommen zu werden. So bereitet sich in Frankreich alles zu dem siegreichen Enderfolge vor. Ter Lorbeer des Sieges in der 8tägigen Riesenschlacht auf den Feldern Galiziens ist unseren Verbündeten, den Oesterreichern, zugefallen. Nachdem bereits der linke Flügel der Oesterreicher vorgestern den Feind geschlagen, ihnen Tausende von Gefangenen und eine reiche Kriegsbeute ab- gcnoniinen und ihn gegen das Sumpfgebiet von Lublin- Eholin gedrängt hat, erfreute uns heute die Siegesbotschaft des österreichischen Ccntrums. Die Armee Auffcnberg hat aiis dem Raum Zamosc-Tyszowe die Russen vollständig geschlagen ihnen Scharen von Gefangenen und bis jetzt 160 Geschütze abgenommen. Wie sich der Rückzug der Russen auf dein schwierigen Gelände jenseits des Bugflusses gestalten wird, läßt sich noch gar nicht sagen. Weitere ungeheure Verluste schinen dem Feinde bcvorzustchen. Nur auf dem rechten Flügel, wo die Russen mit weit überlegenen Kräften vorgeswßeu sind, gestaltet sich die Lage schwierig. Aber auch dort bieten unsere Bundesgenossen den Russen erfolgreich'» Widerstund. Doch ist es klar, daß auch die aus diesem Teil der Schlachtfelder stehenden Russen nach den entscheidenden Siege der Oesterrcicher im Centrum und auf dem linken Flügel sich nicht halten können, wenn sie nicht Gefahr lauten wollen, auch von der Seite gepackt und zermalmt zu werden. So haben die Tage des ersten und zweiten September uns die lichtigo Freude zum Sedanstage gebracht: Ja, bis der Höllendamm geborsten, Reißen wir all' in vereinter Macht! Fest wie die Eichen in Teutoburgs Forsten, Tri» die gedoppelten Adler horsten. Drängt euch zusammen! Sturm erwacht! Steig' aus der Nacht, o Hermannsschlacht! Zwischen Neims u. Verdun. Amtliches Telegramm. (WTB.) Gro'ges Hauptquartier, 2. Scpt. Die mittlere Heeresgruppe der Franzosen (etwa 10 Armeekorps) wurden gestern zwischen Reims und Verdun von unseren Truppen zuruckgeworfen. Die Verfolgung wird heute fortgesetzt. Ein französischer Vorstoh aus Verdun wurde abgewiesen. Seine Majestät der Kaiser befand sich während des Gefechts bei der Armee des Kronprinzen und verblieb die Rächt inmitten der Truppen. Der tücnrralqillirlimiiklittt v. Stfin. Die Schlacht in Polen und Galizien. Amtliches Telegramm. WTB. Groszcs Hauptquartier, 2. Sept. Tie cinwüchiqe erbitterte Täilacht im Raun» Zamose-Tyszowcke führte gestern zum voll- | ständigen Sieg der Armee Anffcnberg. Scharen von Gefangenen «nd bisher 100 Geschütze wurden crbentct. Tic Russen befinden fich im Rückzug über den Bug. Auch bei der Armee Tankt, die nun Lublin bedroht, sind ununterbrochen Erfolge zu verzeichnen. In Ostgalizien ist Lemberg noch in unserem Besitz. Gleichwohl ist dort die Lage gegenüber dem starken und überlegenen russischen Borstotz sehr schwierig. etfüiifrtrftfr des Khkss bk§ AnnchM. H ö f e r, Generalmajor. Die Festung Givet gefallen. Großes Hauptquartier, 2. Sept. (W. T. B.) Die Feste Givet ist am 31. August gefalle«. Givet ist eine französische Festung, die in dem noch Belgien hineinragenden Zipfel Frankreichs die französisch.'» Grenze gegen Belgien schützen sollte. Givet ist eine modern verteidigte Festung, ihr Fall hat aber nur insofern Beden- tung, als er beweist, daß selbst starke Festungen dem deutschen Angriff keinen Widerstand leisten können. Der Gejun-hkilsjuKaild im dentlcheu sreere. Amtliche Meldung. Das Urteil des Chefs des Feldsanitätswesens über den Gesundheitszustand aller Teile unseres im Felde stehenden Heeres ist gut. Seuchen sind bisher nicht ausgetreten. Freilich stehen unsere Truppen zum Teil in Feindesland, das fich bis dahin keiner so guten hygienischen Aussicht erfreute wie unsere Heimat und besten Bevölkerung manche Träger und Keime ansteckender Krankheiten in sich birgt, doch waltet auch gegen diese Ucbelstände weitgehende Vorsicht im deutschen Heere. Die Pockenschutzimpfung ist streng durchgesührt und wird im Notfall auch bei der feindlichen Bevölkerung durchgesetzt. Typhus-, Cholera- und Ruhruntersuchungsgeräte nebst den nötigen Schutz- impsungsstoffen werden mitgeführt. Sachverständige Hygieniker befinden fich in de« Reihen unserer Militärärzte: leider wurde auch von ihnen schon einer bei vorsorgeader Brunncn- untersuchung hinterrücks von Landeseinwohnern erschosten. Im Inlands sind nennenswerte Häufungen übertragbarer Krankheiten ebenfalls nicht zu verzeichnen. In dieser Hinsicht werden besonders scharf die Kriegsgefangenen überwacht. Von regelrechten Hecresgeschosten verursachte Wunden zeigen durchweg gutes Heilungsbestreben. Das deutsche Verbandsverfah- rcn, insbesondere die Anwendung der deutschen Vcrbandspäck- chen, bewährte sich: in den vordersten Linien angelegte Verbände saßen »och zur Zeit des weiteren Rücktransports der Verwundeten gut. Ei» großer Teil der zurückbeförderlen Verwundeten ist bereits i» Genesung und drängt wieder nach der Front zurück. Es sind bereits zahlreiche Beweise dafür gesammelt, daß die feindlichen Landcsbcwohncr und die Truppen des englische» sogenannten Kulturvolles Dum-Dum-Ecschosse, d. h. Geschosse ohne Bollmantcl mit Einschnitten benutzen, deren Fetzen im Körper grausame Verletzungen reißen. Es sind Schritte getan, um dieses allen völkerrechtlichen Abmachungen hohnsprechcnde Vorgehen zur Kenntnis der gesitteten Welt zu bringen. Der Ecnrralquarliermeister: o. Stein. Cin deutscher Fürst. Gotha, 1. Sept. Herzog Karl Eduard hat an den Staatsminister v. Basjewitz folgendes Telegramm gerichtet: Ich ermächtige Sie, öffentlich bekannt zu geben, daß ich die Stelle des Chefs des Regiments Secforth Highland aufgegeben habe, da ich cs nicht als deutscher Bundesfürst in Einklang bringen kann, Chef eines Regiments zu sein, dessen Land uns in schändlicher Weise überfallen hat. Karl Eduard. Landesverräter. Colmar, 1. Ecpt. Bekanntmachung. Der Maler Jean Jacqcs Waltz, genannt H a »j i, der Rechtsanwalt Albert Helmer und der Zahnarzt Karl Huck, alle drei »US Colmar, welche sich bei den sranzöstschcn Truppen bcsinden, werden siir Landesverräter erllärt. Wer ihnen Aufenthalt gewährt oder ihren Aufenthalt verheimlicht, wird nach Kriegs- gcbrauch erschollen. Durch Iricgsgerichtlichc» Urteil vom 28. August 1914 ist der Slciuhaucr Alexander Kcusliug aus Logclbach wegen Landesverrats zum Tode verurteilt worden. Das Urteil ist am 2g August durch Erschieße» vollstrcckt worden. Der Verurteilte hatte einem sranzösischen Posten die Pfadfinder als Personen verraten, welche der Landesverteidigung Dienste leistete». Er hatte dadurch de» Posten zum Schießen auf einen Knaben veranlaßt, den dieser siir einen Psadsinder hielt. Der Knabe wurde durch zwei Schütze schwer verwundet. Der Ortskommandant, v. Mellenthin, Oberleutnant z. D. Straßburg, 2. Sept. Wie die „Straßburger Post' aus Basel berichtet, hat das Baseler Strafgericht am 2ii. August den Agenten Adolf Reißer aus Scunheim im Obcrelsaß, der als Mitglied »ine» französische» Spionagcburcaus fcsigetzielli wurde und cinräumle, oaß er seit Zähren zugunsten Franl- reichs Lpionagcgefchäsle betrieben und dasllr reichliche Geld Unterstützungen aus Beljort erhalten habe, auf Grund des schweizerischen Sprengstvssgcsctzes zu drei Jahre» Zuchthaus und lebenslänglicher Ausweisung aus der Schweiz vcruitcilt. Reißer bewahrte in feinem Keller seit vier Jahren eine mit Benzinsäurc gesüllte Bombe, welche zur Sprengung der Eisen bahnbrücke bei Waldshut während der Fahrt eines deutschen Militärzuges bestimmt war. Straßburg, 2. Scpt. Der „Elsüsicr" verüssentticht in Fettdruck solgciidc bischösliche Erklärung: „Der frühere Reda! te»r E. Wetterte, der immer erklärt hat, daß er aus dem Bo de» der deutschen Bersasiung stehe, als deutscher Bürger seine Pslichten loyal erfülle und der den Eid als Reichstags- und Landtagsabgcordncter geleistet hat, soll, nach einem Berichie der „Köln. Bolkszeitung" in der Nummer des „Echo de Paris" einen von ihm Unterzeichneten Artikel verüsfcntlicht haben, der mit seinen früheren Erklärüngen und Eiden in ofscnbarem Widerspruch steht. Sobald wir die Tatsache authentisch scstge- stellt haben, werden wir uns veranlaßt sehen, gegen Wetter!« mit kanonischen Strafe» vorzugchcn. Straßburg, den l. Sept. 1914. Adolf, Bischof von Straßburg." Das 12 Zeutinieter-Geschiitz. Ueber die Wirkung unserer 42 Ztm.-Mörser bei Lüitich schreibt , ein Unterosfizier in einem von der Breslauer Morgcn- zeitung veröfsentlichlen Feldpostbrief: Montag früh 7 Uhr siel der erste Schuß. Die Wirkung an den umliegende» Häusern war riesig. Sämtliche Fenster platzten, und an manchen Häusern siel die Zimmerdecke ein: ein derartiger Luftdruck entsteht durch das Abfeuern. Den Flug des Geschosses konnten wir von Anfang bis zu Ende verfolgen, da die Dinger die Luft mit einem ohrenbetäubenden Geräusch durchschnciden. Im ganzen gab unserc Artillerie fünf Schuß ab, die drei ersten oienten zum Einschießen, die beiden anderen waren Treffer, für jedes Fort einer. Diese aber genügten: schon hißten die Belgier die weiße Fahne. Nachmittags gingen wir in cin ve» andere» Geschützen beschosicnes Fort Lau- ci», um cs zu besichtigen. Hier hatte ein Geschoß eine vic« Meter starke Betondecke durchschlagen, war in die Pulverkam» mer gefallen und dort explodiert. Das ganze Fort flog in die Luft, und die B Atzung, 880 Mann, wurde bis aus sechs Verwundete gclöt.l. ras Fort bot einen entsetzlichen Anblick. Kein Stein staub aus dem anderen, und überall lagen bis zur Ilnlcnntlichlcit verbrannte belgische Soldaten herum. Schwere, viele hundert Zentner wiegende Gcschütztllrmc waren gleich durchschlagen oder umgcworscn." Die Lrlaluiiia des .Wirr Wilhelms des (Groftrn“ mellet. Berlin, 2. Sept. (25?. B. Amtlich.) Nach einer telegraphischen Meldung des Kommandanten des nach dem Gc- sccht bei Rio bei Cro versenkten Hilfskreuzers „Kaiser Wilhelm der Große" ist wahrscheinlich die gesamte Besatzung gerettet worden. Damals wie heute! Der „Franks. Ztg." wird geschrieben: Die Seekriege der Engländer hatten immer einen starken Beigeschmack von Pi- ratentum, »nd neben dem Ziel, die Feinde zur See zu vernichten, ging immer das unverlcnnbarc Bestreben, recht viele und reiche Beute zu machen. Obwohl die Briten stets behaupteten, die Vesten !m Seetricge zu sein, cs vielleicht auch waren, so versäumten sie doch selten, sich eine Ueberlegenheit zu sichern, indem sie sehr oft seefahrende Nationen mitten im Frieden und ohne Kriegserklärung überfiele». Ein solcher Ueberfall traf die französische Handels- und Kriegsflotte im Jahre 1755, in deni 300 Handclssckisfe und zwei Krieasiahrceuae mitten TU. !06 Reue Tageszetiung. Donnerstag o«n S. September 191» Seite 2 im Frieden weggenommcn wurden. Die Marquise v. Pompadour. die damals die sranzösische Politik beeinslutzte, schrieb schon 1753 norahnend an den französischen Gesandten in London: „Ich beklage Sie ausrichtig, im Lande des Roaftbeess und der Unverschämtheit leben zu muffen, und bezweifle nicht, daß Sie noch weit mehr den schlechten Spitzfindigkeiten und dem faulen Geschwätz dieser stolzen Inselbewohner ausgesetzt sind. Diese wollen, so scheint es, den Krieg und sind nur um einen anständigen Vorwand verlegen Das einzige und grötzte Verbrechen, deffen sich Frankreich in ihren Augen schuldig gemocht hat, ist eben das, seine Kriegsmarine ausgebaut zu haben." 3000 freiwillige Flieger. Berlin, 2. Sept. Aus den Ausruf d. Rcichsmarineam- tes, die Gründung eines Freiwilligcn-Mrrinc-Flieger-Korps betreffend, haben sich in wenigen Tagen über 3000 Kriegsfreiwillige gemeldet. Von diesen konnte zunächst nur eine beschränkte Zahl eingestellt werden. Die Gesuche, die ei» sehr beredtes Zeugnis von dem Jntercffe und dem Drang nach Betätigung im Dienste des Vaterlandes ablegen, alle einzeln zu beantworten, ist dem Kommando des Marine-Flieger-Korps nicht möglich gewesen. Bei weiterem Bedarf wird aus die vorliegenden Anmeldungen zurüägegrisfen werde». Dum dnm-Geschosic. Berlin, 2. Sept. (Amtlich). Unsere Armeen haben, wie ßhon gemeldet, den gefangenen Franzosen und Engländern Tausende Jnfantcriepatroncn mit lies ausgehöhlten Eeschotz- spitzen abgcnomme». Die Patronen besandcn sich zum Teil noch in der mit dem Fabrikstcmpel versehenen Packung. Die maschincnmätzige Anfertigung der Geschosse ist durch Zahl und Art unzweifelhaft sestgestellt. Im Fort Longwy wurde eine derartige Maschine oorgesunden. Die Patronen wurden also von der Heeresverwaltung den Truppe» in dieser Form geliefert. Gefangene englische Ossizicre versichern aus Ehrenwort, dasi ihnen Munition für die Pistolen ebenfalls mit derartigen Geschaffen geliefert worden sei. Die Verwundungen unserer Krieger zeigen die verheerende Wirkuckg dieser Dum-Dum-Ge- schoffe. Während Frankreich und England unter grober Verletzung der Genfer Konvention Geschoffe zulasfen, deren Verwendung ein Merkmal barbarischer Kriegssührung ist, beobachtet Deutschland die völkerrechtlichen Bestimmungen genau. Im gesamten deutschen Heere wird kein Dum Dum-Geschvtz ver- vendet. Darlehknsl-nsstnichrine ;» 2 nnb 1 Mark. Berlin, 2. Sept. Durch einen unter dem 31. August nachträglich betanntgemachtc» Veschlutz des Bundssrats ist die Reichsschuldenvcrwaltung nunmehr ermächtigt worden, nutzer den Darlehnskaffcnscheincn zu 5 Mark und zu 20 Mark auch solche auf Beträge zu 2 und 1 Mark auszustellen. Dazu wird bemerkt: Nachdem die Silberausprägung wesentlich vermehrt und erhebliche Beträge kleiner Geldmunzn in den Verkehr geleitet sind, soll die Ausgabe von Darlchnskaffcnscheinen in Beträgen von 2 und 1 Mark ein weiteres Mittel darstellen, um dem Mangel an kleinen Geldzeichen, der sich in der ersten Zeit nach dem Kriegsausbruch zeigte, zu beseitigen. Ledairfcicr in Berlin. Berlin, 2. Sept. Schon seit den Morgenstunden stehen aus her via triumphalis, die sich von der Gardeartilleriekaserne bis zum Königlichen Schlotz erstreckt, Kopf an Kopf die Einwohner Berlins, um das Einbringen der erbeuteten Geschütze zu schauen. Oeffentlichc und private Gebäude sind beflaggt. Die Stadt bietet einen festlichen Anblick, Jlrt 11 Uhr setzte sich der Zug bei der Gardcartillerielaferne in Bewegung. Die erbeuteten russischen, französischen und belgischen Geschütze werden von erbeuteten Kosakenpserd.-n gezogen. Ans Frankreich. verzweifelt« Stimmung in Frankreich. Zürich, 2. Sept. Die „Neue Züricher ZcUung" meldet: Seit dem Einireffcn der Nachricht von Eharleroi herrscht in Paris unverkennbar Entmutigung. Man sah nur noch maffenhast mit den Zügen antommcndr Flüchtlinge aus Belgien und Noidfiaukreich, die sich in eine!» elenden Zustande icsandcn, in lange» traurigen Zügen die Boulevards belebte» and Hilfe und Aufnahme begehrten. Die Preise sicht ein, datz grötzere Zurückhaltung nötig ist. Der Bericht des Senators Gervais im „Matin" über eine Meuter jf 15. Armeekorps bei üunennte hat einen Enlriistunassiurm hervor- gerufen. Die armen Teufel mutzte» als erste ins Feuer und wurden furchtbar dezimiert. Den sranzösische» Berichterstattern verbot die Armeeleitung, den Operationen zu folgen. Zu Gunsten der Engländer wurde eine Ausnahme gemacht, was das zeitweilige Verbot der „Times" für Frankreich zur Folge hatte. Der „M a t i n" verösjcntlicht den Brief eines französischen Soldaten, wahrscheinlich eines Angehörigen des befestigten Lagers von Paris, welcher inlereffante Schlaglichter auf die Geistesverfassung des französisch.n Volker wirst. Der Schreiber sagt: Den Soldaten wird Zuversicht für die Zukunft cin- geslötzt, aber es gibt zwei Umstände, welche uns mißfallen. Ais unser Bataillon ans Eilmärsche» unter Strapazen dnrch Or>. schäften kam, zeigten die Leute immer er.-he Gesichter und traurige Blicke, finstere eotirneu und iührtcn die Taschentücher au die Augen. Es geht doch lein Lcichenzng vorbei, sagten dazu die Soldaten. Wir hätten mit Stolz u>:d Freude in den Krieg ziehen können, mit Lächeln selbst in den Tod. Ader die ses Lächeln wollen wir auch bei andere» sehen. Wer weint, w drinnen bleiben Die Truppen brauchen eine freudige und >u»ersichtliche Begrützung beim Durchzug. Zweitens bedrückt »ie Soldaten der Anblick der schmächtigen und blaffen Kinder, welche wie hungrige Hunde »ach den Resten der Mahlzeiten halckien. Tn den Quartieren sallen Reiben vcn »nglücklieben Frauen auf, welche die Ucberreste der Suppen und der weg- geworsenen Brotrationen zusammensuchen in einer Weise, welche das Herz zerreitzt. Der Briesschrciber fragt: Gibt es denn keine öfsentliche Armenunterstützung mehr in Frankreich, keine Liebesgaben, kein Geld? Wir marschieren frohgemut, verlangen aber, datz es nicht mehr vor uns Frauen gebe, welche weinen, hinter uns Kinder, welche hungern. Die Verbindung Paris — London unterbrochen. Nach einer Londoner Meldung des Amsterdamer „Tcle- graas" haben die Deutschen anscheinend die Verbindung Paris—London zerstört. Bis 7 Uhr abends langten gestern keine Telegramme mehr in London an. Tic deutschen Flieger über Paris. Am Montag Abcnd 6 Uhr erschien abermals ein l-eut- scher Acroplan über die Stadt. Er flog hauptsächlich über dem Börseuvicrtcl. Die erste Bombe explodierte mit furchtbarem Knall, aber ohne größeren Schaden onzurichten, ans einem alten Häuschen bei der Nationalbibliothek. Von der benachbarten Kaserne wurden Schüsse auf den Acroplan abgegeben, ohne zu trcssen. Der Acroplan flog dann gegen die Oper und ließ ans die Rnc Hannovre eine Bombe fallen. Andere Bomben fielen in der Nähe des Bahnhofes Saint Lazare, drei auf die elektrische Zentrale, die letzte wurde auf den Nordbahnhof geworfen. Im ganzen sollen die Bomben- würfe fünf Opfer gefordert haben. Ans den Flugplätzen Bnc und Dille Coubley bereiten sich gepanzerte und bcwasf- ncto Flugzeuge Por, den deutschen Apparate» cntgegenzu- treten. Wieder ein dentscher Flieger über Pakts. Berlin, 2. Sept. Der „Berliner Lokalanzeiger" meldet aus Rotterdam vom l. September: Gestern warf von neuem ein deutscher Flieger Bomben auf Parti, die keinen Schade» verursacht haben solle». Heute erschien wiederum ein deutsches Flugzeug über Paris. Einem neuen Sedan cntgsgcn. Der nationalistische Major und Abgeordnete Driant, ein Schwiegersohn Boulangers, hat vor einiger Zeit ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: „Einem neuen Sedan e » t g e g e n". Diesem Buche entnimmt die „Köln. Ztg." folgende bemerkenswerten Stellen: Hätten scharfsichtige Franzosen vor 1870 allerorten dem Lande zugcrusen: „Man stützt euch in einen Abgrund, indem man euch gegen Deutschland hetzt: die Armee ist nicht kriegsbereit, die Festungen sind leer, die Deutschen sind zehnfach stärker und zahlreicher als ihr", mit welcher Dankbarkeit hätte man ihre patriotischen Warnrufe anerkannt! (?) Die Lage ist heute wieder dieselbe geworden. Was sage ich, sie ist noch schlimmer geworden! Dewitz, wir haben Befestigungen, Proviant, ein EeschUtzmaterial, wie wir es 1870 nicht hatten: wir sind selbst in gewiffen Punkten bester ausgestattet als unsere Nachbarn, aber das moralische Element fehlt. Die srühere Organisation, Führung und Disziplin haben wir nicht mehr. Unter solchen Umständen in den Kampf zu treten, wäre ein Verbrechen, das an Wahnsinn grenzt. Aber in Frankreich gibt es Leute, führende Persönlichkeiten, die das Land um englischer Intcrcffcn willen in das ungeheuerlichste aller Abenteuer stürzen. Wenn man uns heute zu einem Kriege gegen Deutschland hetzt, so wird es ein Unglückskrieg sein. Wir werden geschlagen werden wie 1870. Noch vollkommener sogar wird die Niederlage sein: denn wir werden heute Beispiele von Panik und Feigheit erleben, wie sic unsere Väter nicht kannten. Sie waren schlecht geführt, aber sie verstanden zu sterben, und in den grotzen Schlachten haben sie ihre Ehre gerettet. Heute aber sind bei uns Taufende von Franzosen davon überzeugt, daß das Vaterland dieses Opser nicht mehr wert ist, das so viele Generationen vor ihnen gebracht haben. Ich weiß sehr wohl, es klingt banal, zu sagen, eine Armee ohne Disziplin sei eine verlorene Arnice. Und doch mutz ich diese Banalität wiederholen, weil die Disziplin in der sranzösischen Armee ausstirbt, ohne datz die höheren Sielten sich darüber beunruhigen, weil die Armee zugrunde geht, ohne datz die Nation sich darüber aufregt. Und das ist leider die Wahrheit und das Uebel: die französische Armee hat keinen Führer mehr. Ans Dciflien. Ein Zeppelin über Auiwerpcn. tleder Kopenhagen wird aus Antwerpen vom 2. September gemeldet: Ein Zeppeliiilvsischiss erschien heute früh über der Stadt und erössncte ein hcstigcs Bombardement, das großen Schade u anrichtete. Es gab viele Tote. Einzelheiten fehlen noch. Dies: Meldung wird aus Rotterdam folgendermaßen bestätigt: Heute früh 3 Uhr erschien wiederum ein Zeppclinlustschijs Lire Antwerpen. Das Lnstjchisj wurde mit Gewehr- und Ka- »»Nk»se::ctz beschossen. V Not in Brüstet. In Brüssel greift das Elend um sich. 38 000 arme Familien sind ohne Nahrung. Der Gemcindcrat versammelt sich, um hetsend einzugreisen. Der Grotzhcrzog von Mecklenburg wohnt im Rathaus. Das Militärkommando befindet sich im Ministerium. Das Schloß wird als Lazarett benutzt. T.e völlig unsinnige Hatz gegen die Holländer ist in Brüssel in den letzten Tagcer wieder zum Ausbruch gekommen, da sich die Brüsseler micht ausrcden lasten, Holland habe den Durchmarsch deutscher Truppen erlaubt. Ein englischer Flieger wurde In der Nähe von Ostende von Dcntschen heruntcrg cschosscn. In M e ch e l n wurde beim Bombardement Rubens berühmte Bild „Der wunderbare Fischsang" in der Liebsrauen- lirche v e r u > ch t e t Aus England. Eine englische Anerkennung über die deutsche Kriegs- führung. London. 2. Sept. (SB. B. Nichtamtlich.) Ter Spezial- korrcspo,ident der „Times" sandte aus Amiens einen aus- führlichen Bericht über die Kämpfe der letzten Wochen, in dem cs heißt: Das Vorrückcn der Deutschen vollzieht sich in:t beinahe unglaublicher Schnelligkeit. Nachdem Ehmeral Joffre das Zurückgehen auf der ganzen Linie anbefohlen hatte, ließen die Deutschen, ihren besten Kriegsrcgeln folgend, dem zuriickzicheuden Heere keinen Augenblick Ruhe u. setzten die Verfolgung unaufhörlich fort. Flugzeuge, Jeppe- linluftschisfe und gepanzerte Automobile wurden gegen den Feind wie Bogcnpfcile abgcsandt. lieber die Tapferkeit der Deutschen zu sprechen erübrigt sich. Sic marschieren in tiefen Abteilungen beinahe geschlossen vor. Fallen Reihen unter dein Artillcriefcncr, so stürzt neue Mannschaft vor. Tie Uebermacht der Deutschen ist so groß, daß man sie ebensowenig wie die Wogen des Meeres aufhaltcn könnte. Die Uebcrlegenhcit der Deutschen in der Zahl der Geschütze, be- sonders in Maschinengewehren, die sie mit außerordentlicher Wirkung gebrauchen, der ausgezeichnet organisierte Erkun dungsdienst mit Flugzeugen und Zeppelinlnstschifsen sowie ihre außerordentliche Beweglichkeit sind die Gründe für des Glück der Deutschen. Kitchencrs zweite Armee. Amsterdam, 2. Sept. Nach einer Meldung des „Nicu- wen Rotterdamschen Courant" aus London herrscht dort große Zufriedenheit über den starken Zukauf zu KitchenerS zweiter Armee, die bekanntlich 100,000 Mann stark werden soll. Aus London allein seien sechstausend Mann gekommen — für eine Acht-Millionen-Stadt in Wahrheit gerade keine große Zahl. Es mangelt zudem an Acrzten. Die holländischen Blätter weisen darauf hin, daß die neuen englischen Mannschaften keinen großen Wert hätten, da sic erst ausgebildet werden müßten und bei dem Herüberschrsfen auf den Kontinent in kleineren Abteilungen lediglich Kanonenfutter darstellen könnten. Aus Rußland. Die Russen fange» an die Niederlagen einzugrstelj-n. Petersburg, 11. Sept. (W. T. B,) Ein Communique aus dem Stabe des Generalissimus besagt: Im südlichen Ostpreußen führten die Deutschen erhebliche Verstärkungen pon der ganzen Front herbei und griffen mit erheblich überlegenen Kräften unsere beiden Armeekorps an. Dies? erlitten schwere Verluste durch schwere Artillerie, welche die Deutschen aus den benachbarten, an der Weichsel gelegenen Festungen herangebracht hatten. In diesem Kampfe fiel der General Samsonow. Wir sind weiter in Fühlung mit dem Feinde und haben neue Verstärungen herangesührt. Auf der österreichischen Front werden die hartnäckigen Kämpfe fortgesetzt. Ei» ruffischer Militärzug verunglückt, Wien, 2. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Nach eine? Meldung aus Kielce ist ein voll besetzter russischer Militärzug beim Passieren der letzten vor der Festung Jwangorcd über die Weichsel führenden Brücke infolge Einsturzes der Brücke in die Weichsel gestürzt. Tausend Mann und mehrere Offiziere sind ertrunken, mehrere Maschinengewehre sind verloren gegangen. Der die Brücke bewachende Soldat wurde verhaftet, da man an eine böswillige Beschädigung der Brücke glaubt. Lodz von den Verbündeten beseht. Mailand, 2. Sept. Nach osfiziellen Mitteilungen aus Petersburg gibt die russische Regierung zu, daß in Süd- polen außer Petrikau, Konsk, Radom und Opotow die wichtige Fabrikstadt Lodz von den deutsch-österreichischen Truppen besetzt ist. Dom DoUran. Kriegerische Stimmung in der Türkei. Rom, 2. Sept. Aus Aegypten wird gemeldet, daß England eine kleine Flotte von Kreuzern und Torpedojagern an der syrisch-palästinischen Grenze kreuzen läßt, weil Gerüchte umlaufen, die Türkei sammle in Syrien ein Heer, um in Aegypten einzusallcn. Mailand, 2. Sept. Nach römischen Informationen des „Corricre della Sera" droht die Gefahr eines griechisch- türkischen Krieges nach dem Scheitern der Bukarcster Verhandlungen unmittelbar. Nach den deutschen Erfolgen sei der Kriegsminister Enver Bey absolut entschlosten, den Feldzug zu beginnen. ". > j Die Haltung Bulgariens. Sofia, 2. Sept. Me die Blätter melden, wurde die große Wardarbrllcke bei Eucmcndschs von den mazedonischen Revolutionären vollständig zerstört. Jnsolge der unaushör. lichen Verfolgungen der Mazedonier durch die serbischen Behörden beginne die Gärung unter der Bevölkerung gefährliche Formen anzunehmen, so datz weitere Anschläge zu erwarten seien. „Kambana" wendet sich gegen di« unaufhörlichen Aus- sorderungcn der russischen Panslawisten, Bulgarien möge Rußland zu Hilsc kommen, und sagt, alle diese Hilseruse könnte» höchstens die rustischen und serbischen Werkzeuge in Bulgarien rühren. Das bulgarische Volk werde dagegen ein kaltes, verschlossenes Herz bewahren. Die bulgarische Selbstverleugnung gehe nicht so weit, datz Bulgarien sich selbst das Grab grabe wie die endlosen russischen Ausrufe verlangen. Russische Ansragc in Sofia. - Wien, 31. August. Die Südslawische Korrespondenz nieldet ans Soria: Ssasanow richtet« an das bulcwrisM ZOK Seil« 3. Kabinett die telegraphische Anfrage, ob Bulgarien im Falle eine; ruffisch-türkischen Krieges wohlwollend neutral blei- den würde. Tie Depesche hat das größte Aufsehen erreg!. Tie öffentliche Meinung ist jedoch gegen Rußland gerichtet. Rumäniens sicherer Hort. Der rumänische Finanzminister Costinescu sagte zu ungarischen Journalisten: „Wir sind mit Leib und Stele aus bet Seite des Dreibundes gegen die slawische Expansion. Der Dreibund ist unser sicherer Hort. Es ist ganz aus- gejchlosien, daß Rumänien gegen Oesterreich geht. Rumäniens Interessen gebieten eine Annäherung an den Dreibund. Zürn Papstwahl. R o m, L Sept. Um 11.36 Uhr vormittags stieg aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle des Vatitans der erste Rauch auf, ein Zeichen dafür, daß die erste Abstimmung sür die Papstwahl z» keinem Ergebnis gefühtt hatte. Viele tausend Personen waren aus dem St. Petersplatze versammelt und zerstteuten sich, als der Rauch verschwand, lim 11.15 Uhr stieg zum zweitenmale Rauch aus dem Schornsteine aus. Dieser läßt vermuten, daß am Vormittage zwei Abstimmungen statt- sanden. die ergebnislos blieben. — Heute vormittag begaben sich die Gesandten Preußens, Bayerns und Rußlands sowie der argentinische Geschäftsträger und andere Diplomaten beim Heiligen Stuhle in den Vatikan. Vit Lramtkn »nd Crhrn für das llotf £trti{* Die Vertreter von 21 ntcn- und Lehrervereinen in Hessen erlassen folgenden Ausruf: Als wir in, vergangenen Jahre die Hundertjahrfeier von 1813 begingen, da ahnten wir nicht, daß wir so schnell Gelegenheit finden sollten, die Probe dasür abzulegen, ob wir auch selbst jenen Heldenmut von 1813, jenen Geist einer hingehenden Vaterlandsliebe in den Herzen tragen. Jetzt ist die Stunde des tatkräftigen Beweises gekommen, jetzt können und wollen wir vor aller Welt bezeugen, daß wir von deni Blute und von dem Geiste der Helden von 1813 und 1870 sind, daß wir, jeder in seiner Art und auf seinem Platze, freudig Opfer zu bringen gewillt sind. Vor allem sollen sich hieran auch die beteiligen, welche nicht Leib und Leben aus dem Schlachtfclde für das Vaterland «inzusctzen haben. Viel Not gibt eS zu lindern, viele Wunden siud zu heilen, viele Werke barmherziger Liebe sind zu verrichten. DaS „Rote Kreuz" steht an der Spitze dieser helfenden Licbestätigkeit und seiner wollen auch wir Beamten und Lehrer gedenken. Je sicherer, regelmäßiger und andauernder die Spenden ihm zuflicßen, desto besser und erfolgreicher ist dies. Deshalb sprechen wir den herzlichen Wunsch aus, daß sich möglichst Viele vo» »ns alsbald dazu verpslichte» möchten, sür dir Krirgsdaucr oder einen sonst zu bestimmenden Zeit- raum einen Abzug vo» dem Dienstgehalt zu Gunst:» des »Roten Kreuzes" zu gewährleisten, jeder nach seinem Vermögen und seiner Kraft. Das Bewußtsein, daß wir in einem uns aufgezwungene» Kampfe stehen, daß unsere Sache eine reine, hehre und heilige ist, läßt wohl alle Opscr leichter tragen. Die Liebe zu Volk und Vaterland erhält durch Hingabe und Entsagung ihre schönste Weihe I Unterzeichnet haben: Hessischer Richterverein, Verband akademisch gebildeter Lokalbeamtcn fiir den Hessischen Obcr- lehrerverein, der Verein akadeniischer Finanzbcamten tci den Finanzämtern, der Verein der akademischen Staatsbau- beamten, der Medizinalbcamtenverein. der Verein Hessischer Oberförster, der Verein der akademisch gebildeten Landwirt- schastslchrer, Hessischer Städtcbeamten-Vcrband, Verband mittlerer Reichspost- und Telegraphenbeamten, Verein niitt- lercr Justizbeamten, Verein mittlerer Verwaltungsbeamten, Verband Heffischer Finanzbecunten, Reallchrerverein, Bcr- band der mittleren Banbeamten, Verband der unteren Post- nnd Telegraphenbeamten Ortsgruppe Darmstadt, Verband Hessischer Stcuerausseher, Verband der Finanzamtsbürobe- amtcn. Verband Hessischer staatlicher Unterbeamten, Verein Hessischer Tomanialsorstwarte, Hessischer Landeslehrerve rein, Katholischer Lchrervercin, Verband Hessischer Gerichlsasse- ssoren, Verband Hessischer Forstassessoren. Ta die Vereine mehr wie 10,000 Mitglieder haben, ist ein schöner Ertrag sür das Rote Kreuz sicher. Die Zustimung mehrerer Vereine, von denen bei der Durze der Zeit die Antwort aussteht, ist noch z» erwarten. Der Jannschauer. Von Oldenburg der Januschauer Edelmann und deutscher Bauer, War grad auf seinem Arbeitsfeld Da blitzt die Nachricht durch die Welt: »Mobilmachung besohlen". Sofort ruft er den Leuten zu: »Hier ausgepaßt und Hahn in Ruh Für uns heißts jetzt mit Herz und Hand Für König und für Vaterland Der Teufel soll sie holen." „Drum schnell nach Haus, ich komme nach Will erst noch drüben an den Hag Es allen ander» sagen. Kein Zittern gibt'» und Zagen Vorwätts ist die Parole." Und dann aus den Nachhausewegen Benutzt er schon den Stock als Degen, Als kaum er leinen Hoi betreten fl**« Tageszeitung. Ztouttrtta«, Ma 3. e«ptembct 1911. 1 .schallt sei» Kommando: .Angetteteas" ' Und: »Vordermann gefaßt?' . 0 -. 7 . Er ordnet selbst, wo einer Irrt sich Von siebzehn bis zn fllnfundvierzig. Dann rast er laut jetzt: „Rechts um kehrt!" „Zur Sammelstelle abmarschlert Und feste draus geschlagen." Dann greift er selbst In Hellem Zorn Zn seinen Stieseln mit den Spor'n Nimmt seinen Säbel — fort den Stock! — Und preßt sich in den Waffenrock: Der ist ihm eng geworden. „Ade Ihr Lieben all zugleich. Es gilt für Kaiser und für Reich Für König und sür Vaterland!" Noch jedem eine Abjchiedshand, Verläßt des Hauser Stufen Mit seinem Pferd vom Zirkus Busch Sprengt er voran dem Feind: husch husch! Haut Russen, Briten, Franzen, Daß rund die Funken tanzen: Ihr sollt die Cchwernot kriegen! Das ist ein rechter Bauersmann Der aus dem Felde umgehn kann Mit Ehren sammeln, Achten lesen, So ist's von jeher schon gewesen Im deutschen Bauernstand. Gießen. Louis Troß. Ans der Heimat. * Friedberg, S. Sept. Anläßüch des gestern Abend und heute Nacht bekannt gewordenen Siege der Deutschen und der Oesterreicher stimmten die Glocken der Stadttirche in feierliches Geläute ein. So feierlich der Glockenton durch die Stille der Nacht dahinbrauste und so sehr wir es begrüßen, wenn unsere Siege durch Glockengeläut gefeiert werden, so möchten wir doch bezweifeln, ob gerade die zweite Nachtstunde die richtige Zeit dafür ist. * Friedberg, 3. Sept. Gestern Abend nach 8 Uhr liefen wieder ein Transport von etwa 100 Verwundeten hier ein, dem in den Nachtstunden ein zweiter mit 34 folgten. Sie wurden nach den verschiedenen Lazaretten gebracht u. in Pflege genomnien. Unter den Verwundeten befinden sich auch mehrere Friedbergcr Krieger, darunter Unteroffizier Theiß, die Reservisten Wollrab, Gondolf >l. diele Andere. * Friedberg, 2. Sept. (Zur Nachahmung empfohlen.) Wie uns mitgetailt wird, wird auch in Friedberg von der des unter Oberaufsicht des Großh. Obcrversichcrungsamtcs gebildeten Hess. Kriegsversichcrung für unsere ins Feld gezogenen Krieger stark Gebrauch gemacht. Besondere Anerkennung muß cs finden, daß eine Reihe Firmen für bei ihnen beschäftigt gewesenen Personen Anteilscheine zu Gunsten der Angehörigen derselben gelöst haben. So kaufte die „Elettrische Ucberlandanlage" acht Anteilscheine, die Firina Fr. Megerle acht, die „Neue Tageszeitung" sieben, die Firma Th. Mörschel 26, der Verband der Straßenwärtcr des Kreises Friedberg elf usw. Möchten diese Beispiele eifrige Nachahmung finden. Ausgabestellen sind die Ortsstellen der Allgemeinen Ortskrankcnkasse. * Friedberg, 2. Sept. (Steuerveranlagung für 1015.) Infolge Anordnung des Großh. Ministeriums der Finanzen, Abteilung für Steucrwesen, wird die Steuerveranlagung für 1915 vorerst nicht vorgenommen und haben die Aufforderungen zur Abgabe der Steuererklärungen für 1915 zu unterbleiben. Die für den Finanzamtsbezirk Friedberg bereits ergangene Aufforderung ist damit gegenstandslos ge- worden. * Büdesheim (Oberhessen), 3. Sept. Durch die Bemühungen aller mitwirkcnden Kräfte ist unser Lazarett nunmehr ser- tiggestellt, sodaß die ersten Verwundeten Aufnahme finden können. Der Gedanke, in Budesheim ein Lazarett einzurichten, ging von Frau Gräfin v. Oriola aus, die durch ihre tätige Mithilfe und eine große Geldspende das Unternehmen sehr gefördert hat. Di« Arbeiter-Turngemeinde hat in anerkennenswerter Weise ihre Turnhalle zur Beifügung gestellt. Vorläufig sind 22 Betten aufgestellt worden. Ihre Königliche Hoheit die Eroßherzogin besichtigte am 25. August das Lazarett auf's eingehendste und sprach wiederholt ihre Befriedigung über die zweckmäßig eingerichteten, schönen Räume aus. Aerzt- licher Leiter ist Dr. Dalquen aus Heldenbergen. Büdesheim hat sich durch die Errichtung des Lazarettes, was Opfermut und Einmütigkeit anlangt, für alle Zeiten ein ehrendes Denkmal gesetzt. Fast die ganze Einrichtung ist von den Ortseinwohnern unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden. Die Gemeinde Büdesheim bewilligte 2000 Mark, eine Hauskollekte brachte zirka 1000 Mark ein, ferner haben sämtliche Vereine beigesteuert. Von auswärtigen Gemeinden sagten uns Heldenbergen 1000 Mark, Burggräfenrode 200 Mark zu. Andere Gemeinden stellten uns eine Unterstützung in Aussicht. Allen Gebern, auch von dieser Stelle herzlichen Dank. Sonntag, den 30. August fand in der Turnhalle eine kleine Feier statt, bei der Pfarrer Bcrnbeck aus die Bedeutung des Unternehmens in ernsten Worten hinwies und die Fürsorge sür unsere verwundeten Brüder als selbstverständliche vaterländische Pflicht betonte. Möge das Band der Einmüttgkeit, das die Gründung um alle Ottseinwohner geschlungen hat, ein dauerndes sein. * Echzell, 2. Sept. Die zum Besten des Roten Kruize?- angeregtc Sainmlung von Naturalien fiir unsere Verwundeten nahm einen glatten Verlauf. Die Tätigkeit des Landwirts Heinrich Scheuermann II. sowie der jungen Tur- ner verdient bei dieser arbeitsreichen Zeit valle Anerkenn. ung. Di« Sendung ein voller Waggon ist an die Lazarette in Friedberg gegangen und mit Dank angenomnicn worden. * Frankfurt a. SB., 2. Sept. Die Nachricht von dem Siege der kronprinzllchen Armee wurde hier mit großem Jubel ausgenommen. In den Hauptverkehrssttaßen drängten sich we< gen des Sedanfestes dichte Menschenmassen, die bei Bekanntwerden der freudigen Botschaft in stürmische Hochrufe auf den Kaiser und unser tapferes Heer ausbrachen. Besonders groß wurde der Jubel, als zufällig gerade ein eben eingetroffener Verwundetenttanspott in Autos und Straßenbahnwagen di- Haupfftraßen passiette. Im Schauspielhause, wo der Inten dank Hoftat Bchrcnds die Siegesnachricht bekanntgab, kam es zu einer erhebenden Kundgebung. Hessen-Nassar * x Usingen, 3. Sept. Der Sohn des hiesigen Seminarlehrers Weidcr ist bei Neuchatcau in Belgien gefallen. Starkenburg. ' Darmstadt, 2. Sept. Ein Brief des Groß- Herzogs von Hessen vom Kriegsschauplatz an di: Großhcrzogin, der veröffentlicht wird, lautet im Ansrng: „Die Hauptsache ist, daß wir den Sieg haben. Bei uns sing die Schlacht im dichten Waldgestrüpp an. ES war ein furchtbarer Kanipf. Ich erinnere mich, daß mein Vater sagte: das schlimmste sei ein Waldgefccht, wobei keiner den Anderen sieht. Die folgende Nacht schliefen Ivii alle in einem HauS auf Stroh, hoffend auf den nächsten Tag. Dieser brachte uns eine siegreiche Verfolgung. Gestern stand der Feind uns mit neuen Kräften gegen über. Unsere Leute mußten nach der am vorherigen Tage geschlagenen Schlacht Tag und Nacht laufen, um zur Stelle zu kommen. Unsere Regimenter haben sich jo groß- artig geschlagen, daß ?llles davon sprach. Friedrich (Prinz Friedrich Carl von Hessen) ist seinen Leuten begeisternd imnier voran. Man erlebt zuviel. Ter Tod wird Nebensache. Man sitzt zwischen Toten, Verwundeten, Pferden usw. Es ist, als ob cs so sein müßte. Aber dann üver- komnit einem doch da? Gefühl, wie das alles jo unnatürlich ist." Man sicht auS dem Obigen, wie unser Großherzog tas Los der Truppen im Felde teilt, wie warmherzig er den Geschehnissen folgt und mit wie innigem Stolz er die Ruhmestaten unserer tapferen Hessen empfindet. * Darmstadt, 2. Sept. In 22 Wagen eines Sondcrznges kamen am Samstag Mittag vier in der Lothringer Schlacht erbeutete französische Geschütze, zwei Maschinengewehre, ein« Partie Munitionswagen, Gewehre und zahlreiche Geschosse aller Art hier an und wurde» im Güterbahnhos ausgeladcn. Die Stadtgärtnerei hatte eine Partie Blumen geschickt, mit welcher die Beute, wie auch die Pferde der hiesigen Artillerie welche sie abholten, geschmückt wurden. Schon der Güterbahn- Hof war dicht Umlage« und unter dem Jubel, der die ganzen Straßen besetzt haltenden Bevölkerung ging es durch die Stadt am Denkmal des Eroßherzogs Ludwig IV. vorbei, wo die Eroßherzogin mit den beiden Prinzen Ausstellung genommen hatte. Auch hier folgten begeisterte Hochrufe. Zwei Maschinengewehre, sowie ein Festungsgeschütz wurden am Paradeplatz aufgestellt, während die anderen Wagen mit Munition usw. nach dem Artilleriedepot gebracht wurden. Die Beute wurde durch das Infanterie-Regiment Nr. 115 nach heftigem Kampfe erobert. * Darmstadt, 2. Sept. Die Fürstin zu Erbach-Schönberg gibt durch ihren Nechtsbeistand bekannt, daß das Schloß Heili- genberg bei Jugenheim, welches sie dem Roten Kreuz zur Ver fügung stellen wollte, den Geschwistern Battenberg gemein ja m gehört und daß es aus juristischen Gründen aus den Namen des ältesten Bruders Prinz Ludwig von Battenberg eingetragen sei. * Darmstadt, 2. Sept. Schwer verletzt wurde gestern Abend ein Landsturmmann des Art.-Regts. 25 mit seinem Rade vo» einem Militärauto in der Rheinstraße dahier. Kücherliich. „Der Weltkrieg" betitelt sich die in den nächsten Tagen er scheinende allgemeine Deutsche Kriegszeitung. die von der Ferd. Oechelhaeuserschen Verlagsanstalt in Kempten, Allgäu, herausgegeben wird. Diese Kriegszeitung erscheint wöchentlich einmal und bringt die neuesten Ereignisse des Weltkriegsschau- platzes in Wort und Bild. Zahlreiche Karten und Pläne Skizzen usw. unterrichten die Leser über die Vorgänge ans den verschiedenen Kriegsschauplätzen. Der Preis ist so billig bemessen, nur 10 Psg. die Nummer, daß sich jedermann diese vortrefflich redigierte Kriegszeitung verschaffen kann. Wiederver- läufer an allen Plätzen gesucht. Buchhandlungen, Schreibwarengeschäfte, Kolporteure wollen Lieferungsbedingungen vom Verlag einholen. . Frankfurter Wetterbericht. Zunahme der Bevölkerung, noch trocken, etwas kühler, westliche Winde. Kirchliche Anzeigen. Gottesdienst in der Stadttirch Freitag, den 1. Sept., abends 8'/, Uhr: Kriegsbittandacht. Herr Pfarrer Diehl. ..Rptnerbmnnen " Hervorragendes Tafelwasser. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: £ tto Hirsche l, Friedberg: für den Anzeigenteil: K. S:i) :.i i d t Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tag::: uln.'.g" A. G., Friedberg i. H. Nr. zoa Erna und Ille. Roman von D. Feußner. 38 (Sortierung). » Strahlenden Auges sah sie träumerisch in die Ferne, als eröffne sich ihr eine beglückende Perspektive — zählte doch ein Feldpostbrief aus Ostasien für sie stets zu den wichtigsten Ereignissen. Klopfenden Herzens und mit zitternder Haud erbrach sie das Kuvert, durchflog den Brief bis zu Ende, um dann sofort und gründlicher wieder mit der Lektüre zu beginnen. Vor dem Schlafengehen las sie Roderichs Zeilen dann noch zu wiederholten Malen und verwahrte sie schließlich in einer zierlichen Kassette. „Vater, weißt du Näheres über die gegenwärtigen Verhältnisse in China?" unterbrach sie das kurze Schweigen. „Man erfährt ja nicht allzuviel darüber," sagte dieser, „nur soviel scheint sicher, daß das Expeditionskorps aufgelöst werden wird und nur noch eine Besatzungsbrigade bestehen bleibt. Der größte Teil der Truppen soll schon in der ersten Hälfte des August von Taku oder Shanghai abgehen." „O Eott, wäre doch Roderich unter den Heimkehrenden! Denn noch ein Jahr fern von ihm — ich würde — ich glaube — ich —“ Sie stockte, als sie den ängstlich forschenden Blick des Vaters gewahrte. ^^^Wa^laubst^du^ind?^^raqt^diese^esor^b^^ Donnerstag, scn s. weptemoee iai« „Ach laß, Vater," lenkte Ilse ab, „ich mcinle nur. Es würde mir recht schwer werden die Trennung von Roderich noch länger zu ertragen." „Das Unabänderliche muß man erdulden, Ilse, nicht aber sich durch Ungeduld und Auflehnung gegen ein unvernrcidliches Schicksal die Tage verbittern Du warst doch sonst stets gefaßt und über Kleinliches erhaben," fügte er hinzu. „Gewiß, Vater, ich selbst suhle, daß eine Veränderung mit mir vorgegangen ist. Eine mir selbst unbegreifliche Sehnsucht nach etwas Unbekanntem, Namenlosem erfaßt mich bisweilen mit einer Kraft und Stärke, wie ich es nie vorher empfand." — Ruth war in tiefes Nachdenken versunken. Schon mehrfach war Ilse ihm in letzter Zeit rätselhaft erschienen, im Grunde ihres Wesens verändert, und auch körperlich war sie sich nicht gleich geblieben: Das schmale Eesichtchen war noch bleicher geworden und die tiefer liegenden Augen von dunklen Schatten umgeben. Bisher hatte er sich mit der Annahme getröstet, daß allein die Trennung von dem geliebten Manne dies bewirkt haben könne, und daß mit der Ursache auch die Wirkung wieder verschwinden werde. Ihre soeben geäußerten Worte aber, im Verein mit dem müden, apathischen Ausdruck ihres Eeiichtcs ließen sein Herz in banger Sorge um das ° geliebte Kind erbeben. _____ Seite«, „Gewiß, Vater, ich bin ganz gesund! Nur manch» mal überfällt mich ein Gefühl der Vereinsamung, der Betlcmmung. das ich auf die Sorge um Roderich zu- rückführcn möchte. O käme er doch bald," setzte sie nach einer Pause hinzu. „Auch ich hoffe, daß er bei de» Heimkehrenden sein wird," tröstete der Vater.. „Und welchen Grund lönme es haven, wenn er noch länger sein bleibt? Steht cs ihm nicht frei zu kommen oder zu bleiben?" „2n diesem Punkte befindet sich der Offizier und der im Offiziersrang stehende Beamte dem Unteroffizier und den Mannsihaflen gegenüber im Nachteil, denn jener hat dem Kommando zu gehorchen und darf keinen Einspruch erheben, während die letzteren, falls sie nur ein Jahr kapituliert haben, auf ihi gutes Recht pochen können." Ilse schwieg. — Ein leiser Windstoß rüttelte an den Kronen der alten Bäumet es war gleichsam eine Mahnung an die Ausflügler, das schützende Dach aufzusuchcn, denn am westlichen Himmel zog langsam eine gelbliche Wolkenschicht herauf. Die Vögel piepten ängstlich und das alte Reh zog es vor, mit seinen Jungen das Waldcsdickichi aufzusuchen. In dumpsent Rollen erklang die mahnende Stimme des Donners. „Fü hlst du dich wohl, ntein Kind?" fra gte er liebe voll. (Sortierung folgt). tfieue Tageszeitung. Bekanntmachung. Tir Impfung im Stadtteil Fauerbach findet Sauiftag, den 5. d. Mts., vormittags 9t/, Uhr im Stadtthaus in Fauerbach statt. Die Nachschau wird eine Woche später 'ivrgc- nommen. Es köntien zur unentgeltlichen Impfung gebracht werden: t. Alle im Jahre 1913 geborenen Kinder. 2. Die in den 6 ersten Monaten dieses Jahres geborc- neu Kinder; 3. besonders auch alle von auswärts zugezogenen noch nicht geimpften Kinder und die aus früheren Jahren Rück- ständigen. Aus Familien mit ansteckenden Krankheiten dürfen Kinder nicht gebracht werden. Friedberg i. H., den 2. Sept. 1914. Der Bürgermeister. , . , Stahl. Bekanntmachung. Infolge Aufstellung von Neuformationen ist noch eine sehr grotze Anzahl von ehemaligen aktiven Offizieren und solchen des Bcurlaubtenstandes für Aufstellung von Rcu- formationcn erforderlich. Ehemalige aktive Offiziere und Offiziere des Beurlaubtenstandes, welche sich zu einer solchen Verwendung bereit erklären, wollen sich bis spätestens 12. September 1914 unter Angabe der Dienstverhältnisse beim Bezirkskommando mündlich oder schriftlich melden. Bei dem großen Bedarf an Ausbildungspersonal ist ihre Inanspruchnahme selbst bei beschränkter Dienstsähigkeit unbedingt nötig. Wünschen betreffs Derwendungsart- und Ort wird, wenn irgend tunlich- cntsprochen werden. Ferner werden diejenigen Beamten, die für unabkömmlich erklärt wurden, aber überzeugt sind, daß die Gründe für ihre Unabkömmlichcit nicht mehr so zwingend sind, ous- gefordcrt, sich bis 12. September 1914 beim Bezirkskommando zur Verwendung im Heere zu melden, lieber ihre Ab- könnnlichkcit wird das Generalkommando entscheiden. Großh. Bezirkskommlindo. von Branconi, Major und Bezirkskommandeur. Bekanntmachung. Die nachstehende Zuschrift bringe ich hierdurch zur ösf- utllichen Kenntnis. Friedberg, den 2. September 1914. Ter Bürgermeister Stuhl. Ter Großh. Bürgermeisterei Friedberg teile ich ergc- ocnst mit, daß das Bataillon morgen Vormittag 8 Uhr per Ertrazug nach Straßburg i. Elf. fahren wird. Das Bataillon wird vorerst zur teilweise» Besatzung von Straßburg verwendet. Hierbei unterlasse ich nicht, der Großh. Bürgermeisterei für die hülfrciche Unterstützung bei Unterbringung des Ba- taillonS sowie der verehelichen Bürgerschaft Friedberqs fiir die anerkennen?werte Quarfferverpflcgung der Mannschaften meinen verbindlichsten Dank im Namen von Offizieren und Mannschaften auszufprechcn. Ich darf bitten, dies zur Kenntnis der hiesigen Bürgerschaft bringen zu wollen. Friedberg, den t. September 1914. Hochachtungsvoll Weimer, Oberst z. D. u. Kommandeur des Laudslurni- Jnfanterie-Bataillons Fricdbcrg. Lctr.: Sicherheitsmaßnahmen im Kriege. Bekanntmachung. Wegen dringlicher Besetzung einer Anzahl Sicherheitswachen innerhalb des Stadtgebiets für die nächste Zeit reichen die sich seither zu diesem Zwecke freiwillig zur Dersiigung gestellten Bürger nicht aus. Ich fordere daher sämtliche dahier anwesenden Ortseinwohner von dem vollendeten 26. bis zu dem vollendeten 48. Jahre aus. sich umgehend, und zwar in der Zeit vom 3 . l. Mts., vormittags 7—10 Uhr bei der Potizeiveewaltuiig ;ti Zimmer Nr. 8 des Stadthauses zu melden. Friedberg, den 2. September 1911. Der Bürgermeister: Stahl. Für das Pole Fi reu; Es gingen weitere Spenden ein: 2 . Wäsche und Eebiauchsgegenstände: Frau Hilbrecht: 6 getr. Hemden, 4 firantentaffen; Fiäut. Alwohn: 6 Teller, 4 getr. Hemden, 2 Handtücher; Frau M. Eouder: 3 getr. Hemden, 3 P. Unterhosen, 2 fiopsiiberzüge, 2 Bettücher, 1 lleberzug, 12 Gabeln; Frl. Marie Stroebel. 4 Wassergläser, 1 Wafferslasche, 6 Teller, 6 gebr. Handtücher, 1 Kamm, 1 Tischchen, altes Leinen; Frau Gerber Harr: k Messer und 6 Gabeln; Frl. Anna Stern; 4 getr. Hemden, 4 Gabeln, 1 Messer, Frau Lehrer M.; 4 getr. Hemden, 2 P. Unterhosen, 2 P. neue Socken, 4 P. gebr. Socken; Förster Haun: 3 P. gebr. Strümpfe, 3 P. getr. Hemden; Frau Oberlehrer filoos 2 P. neue Hosen, 8 Messer, b Gabeln; Frau Max Strauß: 6 gebr. Unterjacken, 13 gebr. Taschentücher, 0 Teller, 3 Taste», 3 Weingläser, 3 tl. Gläser, ß Gabeln, 8 f(. Lössel, 1 Stock, 1 Pack altes Leinen; Frl. Blum: 3 P. neue Socken, 1 P. getr. Socken; Frau Schub: 2 P. neue Socken; Frau Zahnarzt Metzler: 8 P. Unterhosen; Frau Jl.: 2 P. neue Hausschuhe; Frau fi: 2 P. Unterhosen, 4 Hemden; Herr Jul. G.: 4 P. getr. Socken, 2 Un- terjäckchen, I Unterhose; Frau SR.: 6 getr. Hemden, 2 P. getr. Strümpfe; Herr Ed. Oppenheimer: 3 getr. Hemden, 2 Leibbinden, 2 Ueberzüge; Frl. Schneider: 8 gebr. Taschentücher, 3 getragene Hemden; Vorbach, Okarben: getr. Hemden, 8 P. Unterhosen, 8 Unterjacken, Strümpfe und Bettücher; Frau Phil. Hottes Ww.: 22 Hemde», 2 fiopstisten, Fußlappen, 4 fiopfbe- züge, Handtücher, getr. Socken, Pulswärmer; Frl. R. Helmke: 2 P. Socken; Frau Schmidtberger: 8 P. getr. Socken, 3 getr. Hemden, 11 Unterhosen, 1 Ueberzug; Frau B.: 8 getr. Hemden, 2 Unterhosen, altes Leinen; Frl. Liefe! Prester: 3 Paar Stauchen; Frau Lehrer Dirlam: 3 Wastergläser, 2 Weingläser, 3 Taschentücher, 1 Wasserflasche, 1 Pack altes Leinen; Frau Goldschmidt: 1 Kolter, 10 getr. Hemden, 3 Hosen, 2 Bettücher, 2 Ueberzüge, 3 P. neue Socken, getr. Socken, 3 neue Pulswärmer; Frau H. Strauß: Bücher; Herr Diehl: 15 neue Hemden, 15 P. neue Socken, 1 Dtzd. Waschlappen, 10 Kämme, 6 Taschentücher, 3 P. Fußsohlen, 2 Haarbürsten, 2 Halstücher, 3 getr. Unterjacken, 5 getr. Hemden; N. N. rust. Student: 1 Fernglas; Frau Helmke: 5 P. neue Socken, 1 Unterhose, 1 getr. Hemd; Frl. Schneider: 5 P. neue Pulswärmer; Frau Eoßner, Leid- Hecken: 3 P. neue Pulswärmer; Frau Pfarrer Rheinsürth, Leidhecken: 4 neue Pulswärmer, 1 P. neue Socken; Frau Lehrer Mohr: 4 neue weiße Hemden, 2 getr. Hemden; Frau Major Gudewill: g P. getr. Unterhosen, 8 Hemden, 7 Unterjacken, 4 P. Bettschuhe, 1 P. Hosenträger, 12 Tasten, 12 Untertasten, 12 Destertteller, 9 große Teller; Frau Eg. Schmidt: 8 Messer, 8 Gabeln 8 Lössel, 24 Teller; Herr Kreisamtmann Schniltsp"hn: Bücher, Herr Friedr. Heste: 12 Lössel, 12 Mester, 12 Gabeln: Herr Ph. Holler, Fauerbach: 3 Tassen, 3 Untertasten, 5 Gabeln, 3 Pulswärmer; Herr August Stern: 12 Handtücher, 2 Ueberzüge, 4 dkl. Ueberzüge; Herr Schl.: 12 Taschentücher, 6 Lössel, Zahnbürste, Kämme, Spiegel; Frau Kilb: 3 P. Hausschuhe, 3 P. Pulswärmer, 12 Taschentücher; Frau Zahnarzt Landau: 5 getr. Hemden; Frau Amtsgerichtsdiener Dreher. 6 gebr. Bettücher, 3 Hemden, Kopfbezüge; Frau Kreisbauinspektor Witzler: 10 P. Hausschuhe, Bücher; Gemeinde Beienheim: 100 getr. Hemden, 3 Ueberzüge, 4 Kopsbeziige, 7 Bettücher, 4 Unterhosen, 28 P. Strümpfe, 1 P. Pulswärmer, 8 Taschentücher, altes Leinen, 1 Dtzd. Obertassen. 3. Naturalien. Frau Oekonomierat Alles, Nieder-Florstadt: Gemüse; Frau Daubertsheim, Nieder-Florstadt: Gemüse; Frau Adolf Engel: 10 Gläser eingemachte Mirabellen; Fran Pfarrer Ritter: 8 Gläser eingeniachte Birnen und 8 Gläser eingemachte Kirschen; Herr Kilb: 1 Kiste; Herr Aug. Stern: 5 Pfd. Kaffee; Herr Otto Petri: 30 Eier; St. 5t. Wölfersheim: Gemüse; Frau Kreisbauinspektor Witzler: 10 Fl. Rotwein; Herr Franz Jor- dio: Mehrere Schränke aufgeschlagen und Gestelle zur Verfügung gestellt; N. 5t.: Seife; Frau Kilb: Chokolade; Herren S. Ehrmann Söhne: 12 Fl. Himbeersyrup, 12 Fl. Cognak; 5t. SR,: Tabak, Zigarren, Ehokolade, 1 Fl. Wein; Frau Geometer Michel: Gemüse, Milch; Herr Oswald Türk: 100 Zigarren, 130 Pakete Zigarette». 4 Fl. Wein, skrau Oberlehrer Schaum: 1 Fl. Himbeersyrup; Frau Ferd. Damm: 2 Fl. Himbeersprup, Marmelade. Allen Geber» herzlichsten Dank. Zweigverein vom Roten Kreuz, Friedberg. Aufruf an die Turner des Gaues Weiteran! Ich fordere hiermit alle Turner des Gaues Wctterau auf, sich wo es erforderlich ist unter Leitung ihrer Turnwarte oder Vereinsvorsteher willig der Gemeindebehörde zu unterstellen, gleichgültig welche Hilfeleistung von ihnen gefordert wird, sei es Sammlung von Geld, Kleidungsstücken, Naturalien fürs Rote Kreuz oder sonst eine Tätigkeit für kranke und verwundete Soldaten. Kein Opfer fürs Vaterland darf dem Turner zu groß sein. Auch werden die Vereine des Gaues Wetterau aufgefordcrt, Geldbeiträge zum Besten des Roten Kreuzes an den Schriftführer des Gancs Wctterau, Herrn Ehr. Schutt, Wölfersheim einzuf.'ndcn. Tue jeder seine Pflicht auf dem Platz, an den ihn das Schicksal gestellt hat, und bedenkt: Es muß alles herangezogen werden, sonst geht Freiheit und Vaterland verloren» ■ ' Wölfersheim, den 30. August 1914, Wilh. Dorsch, ßinwcrfrftfr. M riegs-Äf »lizbiich enthaltend: Kalendarium von Aug. bis Dezember, Notizblätter, Feldpoftkqrten, Briefbogen mit Umschlägen, Bleistift, ® im wetterfestem, wasserdichtem Umschlag Mk. 1.— Folge-Einlage dazu mit Kalendarium Januar bis Juni Mk. 0.38 Praktisches Geschenk für die im Feld stehenden Osfiziere und Soldaten. Postversand gegen Einsendung von Mk. 1.50. ß BuMluiil Fri edr. S treckfuss, MMj ^Brunnenbau u. Ächungell, PunipeualilM billigst. Stefan Kuhn, Inheiden-gungen. _ Tottcttcartitcl Tür-1'orlMii, Fensterleder, SihmliM, L »vleim und PlickussheMr, Wollbesen unD KkhemWilkil empfiehlt liiiiiulil Sitintl Um. Inh.: Jos. Buob Friedberg, Kaiserstr. 75. Aelteres ÄrbcitsMst sofort zu verkaufen. kllstav Lchivlirz & Löhne E. m. b. H. Friedberg (Hessen». Zahn-Atelier Peter Metzler kriedl>er«>j.tz.,Hi,»aiicrßr .8 3 iflinnlfn mm Kahnhes. BW Telefon Rr. 220. T*® ZchonkMe Behandlung Misst preist. Frucht- II. Misstet- ►Säclte«'! empfehlen billigst Netscher & Hauck Friedberg i. H.