Nummer 195 Freitag, den Li. August 1914 7. Jahrgang D» „Keue e-vr,,etto»g" erscheint zeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „5it «nur au» «essen". „?ie Spin-Kob«". lö.kugoprci»: «ci de» Postanstalten tcl di» Agenten monatlich 50 Pfg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. An,eigen: Grund,eUe 2V Psg„ lokale 15 Pjg, Anzeigen vo» auswärts werde» durch Pchtnachnahm.- erhoben Erfüllnngsott Frtedberg. Schriftleitang und Verlag Friedberg lHesten), Hanauerittaße 12. Fernsprecher iS. Postscheck-Conto Re. 4859. Amt Franlsurt a. Al. Brussel von den Deutschen besetzt! Ein neuer deutscher Sieg. — Ein englisches Unterseeboot gesunken. — Japans Absichten. — Stimmen aus England. Ac Min in Briijstl finiKiop! Amtlich. Die deutschen Truppen sind gestern in Brüssel eingerückt. Wieder ein deutscher Sieg iu Belgien. Unsere Truppen eroberten bei Tirlemont eine Fcldbattcri«, eine schwere Batterie i»nd eine Fahne nnd machten 500 Gefangene. Unsere Kavallerie nahm dem Feinde bei P e r w e z zwei Geschütze und zwei Maschinengclvchre. Vorstötze der deutschen Flotte. Berlin, 20. Aug. (Amtlich.) Die bcidrn klcinen Krru- zrr „Liraßburg" »ud „Stralsund" l,abc» in de» letzten Ta. gcn einen Vorstoß nach der südliche» Iiordsee auSgeführk. Hiebei sichtete die "ltrasiburg" untre der cnglischrn Küste zwei frindliche Ilntrrseebootc, von drnen sic incc aus größere Entfernung mit wringen Schüsicn zum Sinken brachte. „Stralsund" kam in ein Feurrgefccht mit mehre, rcn TvrpcdobvotSzerstörrrii auf größere Entfernungen. 2 Zerstörer erlitten Beschädigungen. Bei dieser Gelegenheit kannte ebenso wie bei einer Erkundigungösahrt eines Lust- schisse» bis znm Skagerak erneut srstgestellt werden, das, die d c u t s ch e K ii st e n » d i h r e G e w ä s s e r frei von Feinde» sind und die neutrale Schissahrt unbehindert pussicrcn kann. Mit dieser abermalige» kühnen Tat unserer Flotte steht im Einklang, nxiv Graf Reventlow in der „Deutschen TagrS- jeitiuui" schreibt: Die Zurückhaltung bedeutet, daß England Bedenken tiägt, seine Flotte gegen die unsere einzusetzen, solange such das irgendwie vermeiden laßt. Wir machen auf diese Tatsache besonders auch die neutralen Machte aufmerksam und unter ihnen nicht zum wenigsten die Türkei nnd Italien. Tie angeblich meerbcherrschcnde Flotte der grössten macht der Welt, welche nach der vielbesprochenen Rede iincs früheren hohen Bcaintcn der britischen Admiralität eher an den deutschen Küsten sein wollte als die Nachricht vom Beginne der Feindseligkeiten in den deutschen Zeitungen - diese Flotte liegt >ctzt seil länger als vierzehn Tagen nach dem erklärten Beginne der Feindseligkeiten so fern oon unseren Küsten, Last weder Kreuzer noch deutsche Luftfahrzeuge sic uusznsinden vermögen nnd dast heute im Wiederholungsfälle amtlich fcstgcstellt wird: „Tic deutsche Küste und ihre Gewässer sind frei vo» Fciudeii." Das ist eine militärische Tatsache »ud daneben eine weltpolitische, die unserer Ansicht nach die größte Beachtung verdient. In Italien, wo »Hein- bar noch immer die historische aberglandische Furcht jo~ • er — wie Rndini einmal sagte — „ilcbergcwalt" Großbritanniens herrscht, sollte man sich diese Lage in der Nordsee deck) einmal recht gründlich überlegen und die entsprich-:>d.'n Schinne daraus ziehenI" (fntlii)loll'fiif Stimmung in fuautlitioii. Berlin, 20. Aua. (Amtlich.) Telegramm ans lieut. schon: In Bestätigung der Mitteilung des japanischen Ulli matiunZ cinstchc für Pflichterfüllung bis aus.- Aentzrrskr. Gouverneur. von brr öffrrrriffiiliijru lilurkf. Kic«, 20. Aug. Bon ouslandi'chea Blättern ;:braä !e Nachrichten von dem Untergang d. Lchtachilckmics „Zriinp." und drei kleineren Schiffen sind vollkommen ans der Li st gegriffen. Es kann sich höchstens um einen kleine» Kreuzer handeln, der von überlegenen Streitkräften angegriffen »od abgedrängt wurde und von dem man seither eine weitere Nachricht nicht hat. Eine rillßllhe Sdiluppf. Tilsit, 20. Aug. Tie „Tilsiter Zeitung" vom lk>. t>°-. Mts. meidet, mit amtlicher Genehmigung: Heute nacht war eine starke russische Kavallrriepatrouillc in preußisches Gebiet nördlich von Augsgirrcn, Kreis Ranit, cingcdruugen. Unsere Truppen trieben den Feind in die Flucht. Aus russi- scher Seite wurden 8 Mann erschossen, der Rest geriet in einen Sumpf jenseits der Grenze. Vas cnglilch-japnnilllie Urbrrrinkonimrn. Rotterdam. 20. Aug. Der „Nicuwe Rottcrdaiufche Courant" veröffentlicht als amtliche englische Mitteilung folgendes: Die englische und japanische Regierung sind - über die notwendigen Maßregeln zum Schutz ihrer Interessen . ün fernen Osten sowie auch betreffs der Integrität des chinesischen Reiches übereingelommcn. Japans Tätigkeit soll sich nicht über das Chinesische Meer hinaus erstrecken, außer wenn der Schutz der japanischen Schiffahrt dies erfordert: auch nicht aus die asiatischen Gewässer westlich des Chinesischen Meeres und zu Lande auf kein anderes als das von Deutschland besetzte Gebiet in O st a s i e n. Stimmen tu dem iatianiidjnt Vorgehen. Die Meldung oon dem Ultimatum Japans an Deutschland wird in Oesterreich in Ruhe ausgenommen. Die gesamte Presie drückt die Anschauung aus, daß Japans Auftreten im fernen Osten im allgemeinen an der Kriegslage weiter nichts ändere. Was jetzt mit den deutschen Kolonien und Schutzgebieten geschehe, habe nur den Charakter von Episoden und sei für den Ausgang des großen Krieges ohne Bedeutung. Die Entscheidung über die gesamte Weltlage und die Zukunft falle aus den Schlachtfelder» des europäischen Festlandes. Die „Deutsche Tageszeitung" warnt mit Recht vor allzugroßen Hoffnungen aus Amerika. Das Blatt sagt: Unserer Ueberzeugung nach wäre es unweisc und deshalb unangebracht, wollte man in Deutschland irgendwelche Hostnungen hegen, daß die amerikanischen Staaten den jaanischen Raubzug zu verhindern versuchen oder zum Anlaß eines Konfliktes mit Japan nähmen. Die Bereinigten Staaten, also die Herren Wilson und Bryan, werden das tun, was sie als den Jntcresicn der Bereinigten Staaten entsprechend ansehen. Davon abgesehen für Deutschland etwas zu tun, wird den Bereinigten Staaten nicht einsallen. Wie die Bereinigten Staaten nun die Jnteresiensragc ansehen, läßt sich nicht sagen und wir halten Mutmaßungen darüber anzustellen für müßig, oon einem gcwisien Grade an auch nicht für würdig. Immerhin wäre aber unwahrscheinlich, wenn Großbritannien und Japan, bevor sie ihre Vereinbarung für die Wahrung ihrer Eonder- inicrcsscn schlosicn, sich nicht zum mindesten aus dem Wege der Scndicrung mit den Vereinigten Staaten in Verbindung gesetzt hätten. Wir wissen nicht, ob das geschehen ist, wisicn nicht, wie die Vercinigken Staaten sich zu der Sache stellen, halten aber alles in allem vcrläusig für selbstverständlich, daß wir Deutsche uns wie schon so oft mit dem Standpunkt absinden, lediglich auf uns selbst angewiesen zu sein. Das können und wollen wir. Die schwedische Zeitung „Dagcns Ryhetcr" schreibt zu dem Verlangen Japans: Dieses Ultimaium ist das schamloseste, das die Weltgeschichte gesehen hat Sein unvcrhülltcr Zynismus ist etwas Unerhörtes. Es erinnert an den Schakal nud den Aasgeier. Wir gAtattcn uns die Frage, so meint das Blatt, ob Großbritannien aus einen solchen Bundesbruder stolz sein kann. Engländer gegen den Krieg. Berlin, IS. August. Daß auch jetzt nach dem Kriegsaus- bruch die Politik der Regierung noch in England scharfe Eeg- n.rschast findet, beweist die Bildung eines Nrutralitätskomi- tccs, besten Zweck, wie der „Lotalanzeiger" meldet, cs ist, für die Bertürzung der Teilnahme Englands an dem Kriege zu w:rken. Zu den leitenden Persönlichkeiten dieses Komitees gc- h.reu der Lordmayor von Manchester, die Bischcse von Lincoln u d Hercfocd und viele Politiker und Gelehrte hohen Rufes. Dufts Komitee hat einen Ausruf veröffentlicht, worin darauf hingewicsen wird, daß ein Sieg der Koalition übe: Deutschland uno Oesterreich Rußland zum Herrn sowohl in Europa, als auch in Asien machen würde. Rußland sei nur ein halbzivilisiertes Land, das von einer militärischen Autotraiie regiert werde, und den Ideen des Abendlandes von polilischcr und religiöser Freiheit feindlich gegenübcrslche. Druischland dagegen sei ein hoch lultiviertcs Land, das in hohem Grads zur Entwicklung Europas beigetragsn habe. Keine britischen Jntcrcsten zwän- 1 gcn England, gegen Deutschland cinzuqreifcn. ssin Ultimi?. Urteil iibrr dit niglilchc Amrr. In einer etwa vier Wochen alten Nummer des in San Francisco erscheinenden „Ezaminer" finden wir einen "iriikel von S. McManus, einem bekannten amerikanischen Schrist steller, der mit der englischen Armee scharf ins Gericht geh«. Der englische Soldat, sagt Herr McMauus, einst der beste Kämpfer Europas, ist heute der schlechteste. Der Burcnkricg hat gezeigt, daß er physisch und moralisch die Eigenschaften, du ihn bei Waterloo auszeichnetcn, verloren hat. Dieses Urteil bezieht sich auf den Gemeinen, nicht aus den Ossizier, der im. mer noch so kühn, furchtlos und — stupide sei wie früher. Der amerikanische Beobachter meint, daß in der britischen Armee seit etwa drei Jahrzehnten die rapide Verschlechterung ganz sichtbar geworden sei. Im eigentlichen Englnnd sei an die Stelle des gesunden, stämmigen Bauernjungen, der einst ins Glied kam, der Abhub des städtischen Fabrikarbeiters getreten. Männer, die diese Leute während des Burcnkricgcs sahen, schil. dein, wie sich große Truppcnkörpcr beim geringsten Anlaß llei. neu Abteilungen bärtiger Buren ergaben, wie Offiziere wein- irische Element der Armee ist seit zwanzig Jahren mehr und mehr aus den Reihen geschwunden, weil die politische Agitation in Irland die jungen Leute gegen England beeinflußt hat So ist der Schotte jetzt als kräftigster Bestandteil der „engl,, scheu Armee übrig geblieben: und alles, was in dieser etwa taugt ist schottisch. Rnsgands Schwäche. Budapest, 20. Aug. Der ehemalige Ministerpräsident Khucn-Hedervary machte gegenüber einem Berichterstatter des „Est" bemerkenswerte Aeußerungen über den Krieg. Schon der bisherige Berlauf, tagte Khuen, habe ein- auffallende Schwäche Rußlands verraten, die mit den Ansprüchen, eine Weltmonar- chie zu begründen, in ausfallendem Widerspruch steht. Schlagworte wie „Panslawismus" werden von Petersburg geschickt ausgenützt, um sich dar Protektorat über alle slawischen Bol- kcrschaftcn anzumaßen. Uebcrall treten Einmischungsgelüste hervor in Form von Interventionen. Der Panslawismus ist ein bequemer Vorwand für die unersättliche Machtgier, er ist jedoch keine Basis für eine Realpolitik. — Mit demselben Recht könnte der deutsche Kaiser, als Protektor aller germanischen Stämme, die Schutzherrschast über Holland, Schweden, sogar Uber England beanspruchen, da diese Nationen ebenso gcrma- nilcher Abstammung sind wie die Serben und Bulgaren slawischer. — Khuen machte weiter aus die innere Gärung nus- merksam. die schon bei der Mobilisierung hervorgetretcn sei Die Bewegung der Polen und Ukrainer sei um so bedenklicher, als cs sich um auch numerisch sehr bedeutende Rationaliiätcn handle, deren Losreißungsgelüste durch eine bedeutende materielle Kraft unterstützt werden. — Ueber die voraussichtliche Dauer des Krieges sagte Khuen, daß man vor unübersehbaren Komplikationen stehe, da im Falle von einigen Mißerfolgen auf dem Schlachtfeld« verschiedene alte Ansprüche gegen Rußland auslebcn würden, man brauche nur a» Bcsiarabien zu denken. Vom Rentralstaat zur Bestie. Berlin, 18. August. Der Stellvcrlrctcr des Reichskanzlers, Staatssekretär Dr. Delbrück, erläßt folgende» Ausruf: Durch die deutsche Presse gehen zahlreiche Nachrichten über Ecwaltiatigleitcn, denen unsere Landsleute an Leben, Leib und Gut, in den ersten Tagen des August dieses Jahres in Belgien ausgcsetzt gewesen sind. Das öffentliche Interests erfordert, daß amtlich festgestellt werde, inwieweit diese Nachrichten aus Wahrheit beruhen. Es ergeht daher hiermit an alle diejenigen, welche aus eigener Wahrnehmung Mißhandlungen oder Grausamkeiten der belgischen Bevölkerung und Behörden gegen deutsche Rcichsangchürige oder Angriffe auf ihr Eigentum bezeugen können, die Aufforderung, ihre Wahrnehmungen bet der Polizeibehörde ihres Aufenthaltsortes zu Protokoll zu geben. Dis Landesregierungen sind ersucht worden, die Ortsbehörden mit der Entgegennahme der Bekundungen zu beauftragen, und die Protokolle an das Reichsamt des Innern gelangen zu lassen. Bo» der patriotischen Gesinnung und Wahrheitsliebe des deutschen Volkes wird erwartet, daß alle diejenigen, aber auch nur diejenigen, die wesentliche Mitteilungen aus eigener Wahr- nchmung z» machen haben oder zuverlästigc briefliche Rachrich- tcn erhallen haben, dieser Aussordcrung bereitwilligst Folge leisten. (Hur Parnnng an bir fnifmburgm Trier, 20. Aug. Ter Bischof von Luxemburg sowie d-r «iaatSininister Ecschcn richten Aufrufe an die Luxemburger Geistlichkeit und Bchürden, in denen die Luxemburger vor Meuchelmcrden a» dcutichrn Soldaten ocwarnt werde». Ht. 1*5 Wut Ta,e,,«i«nng. Mn ZL. tluguft 1M|» ®rtlf 8. Zwölf Kriegserklärungen. Die Kriegsettlärung Aegyptens an Deutschland war die toSIfte Kriegserklärung des gegenwärtigen europäischen Krie- I«S, Die chronologische Reihenfolge lautet: 28. Juli: Kriegserklärung Oesterreich-Ungar» an Serbien. I. August: Kriegserklärung Deutschlands an Rust- lau d. 3. August: Kriegserklärung Deutschlands an Frank- e ich. 4. August: Kriegserklärung Deutschlands an Bellen. 4. August: Kriegserklärung Englands an Deutsch - and. 6. August: Kriegserklärung Oesterreich-Ungarns !N Rußland. 5. August: Kriegserklärung Montenegros an Oester- eich-llngarn. 8. August: Kriegserklärung Serbiens an Deutsch - a n d. II. August: Kriegserklärung Montenegros an Deutschland. 13. August: Kriegserklärung Frankreichs an Ocstcr- reich-llngarn. 13. August: Kriegserklärung Englands an Ocster- : ei ch - lln g ar n. 14. August: Kriegserklärung Aegyptens an Deutschland. Als dreizehnte wird die Kriegserklärung Japans an Deutschland kommen. (Fortsetzung folgt,. Venerallentunnt v. Mazenapp f. Berlin, 17. August. Der frühere Kommandeur der Schutztruppen Eeneralleurnant z. D. Georg v. Glase- n a p p ist am Samstag in Potsdam im Alter von 57 Jahren an Blinddarmentzündung gestorben. Mit ihm ist ein Offizier dahingegangen, der sich in vermiedenen hervorragenden Stellungen in Krieg und Frieden ortrefflich bewährt hat. Auch in der jetzigen schweren Zeit var er dem Ruse seiner Majestät des Kaisers und Königs wirrer gefolgt und an die Spitze einer Landwehrbrigade gestellt worden. Mit den Kämpfen in China und Südwestafrika ist eine Name unauslöschlich verknüpft. Wir haben die Laufbahn und die reichen Berdienste des Dahingeschiedcnen gewürdigt, rls er vor einiger Zeit von seinem Posten an der Spitze der ilchutztrnppen zurücktrat. Wir können deshalb heute nur noch rem schmerzlichen Bedauern Ausdruck geben, dast ein so erprobter und vornehm gesinnter Ossizier UNS völlig entrissen norden ist, che er Gelegenheit fand, in diesem großen Kriege >em Vaterland noch weitere Dienste zu leisten. fjiniiditiiu« non Hetzt!» in ßssimn. Die „Südslawische Korresopndenz" meldet aus Serajewo: Auf Befehl des Militärkommandos werden in den auf den bosnischen Linien verkehrenden Militärzügen Geiseln mitgeführt, die mit eigener Person für die Sicherheit des Zuges z» garantieren haben. In der Nähe von Rudanka wurde nun auf einen passierenden Zug geschaffen. Daraufhin wurde die im Zuge befindliche Geisel Todor Rijic aus Kivakar bei Bosnisch Brod sofort standrechtlich hingerichtet. — Der serbische Pope Petrovir aus Oseeani, Bezirk Eraca- nica, der als Geisel gestellt worden war, unternahm einen Fluchtversuch. Er wurde von der Patrouille erschossen. Wie bekannt, haben die Deutschen in dem vorigen Kriege legen Frankreich auch wiederholt die Stellung von Geiseln an- :eordnet, um namentlich deutsche Militärzüge und sonstige Transporte zu sichern, oder auch zu verhindern, daß die Be- lölkerung verdächtiger Ortschaften den Bandcnkrieg gegen un- ere Soldaten eröffnete oder fortsetztc. Es ist wohl selbstver- ändlich, daß wir diesmal in weitestem Ilmfange zu dem glei- len Mittel greifen, da wir nach den bisherigen Vorgängen nelleicht noch mehr als 1878 mit heimtückischen und meuchleri- hen Angriffen auf unser Heer zu rechnen haben. Der feige nd sil,mähliche Krieg aus dem Hinterhalte gegen unsere ritter- .chen Truppe» muß und wird mit unerbittlicher Energie nie- ergetreien werden. Rumänen und Rngc.ru. Budapest, 20. Aug. Ter riin-siiüschr Bischof von (Saran- 'bcö, Miron Cristcc, hat ansäsilich des (tzedurtstageö des köirrgs ein Galaüiner gcgceeu, das sich zu einer politisch stchentnngsvollen Tenwnsrraliou gestaltet.'. Ter Bi'chvi '.gtc, das das Nummientum in den heniigen schweren Tagen n treuer Brüderlichkeit neben den, Ung.irntiuu sich:, waS sicht um: den rumänischen iisitfichleu. fanden', auch deren Interessen am besten entspricht. Eine Sttederlage der Mo- .rrchie wurde die Ternichtnug dc-o gesandten AnrnnneniuniK, sicht nur Ungarns, bedeuten, li: bitte jenie Seelsorger, e möchten mit garrzem Strebe» de.»och trwcht.-n, die Bater- andAiebe der rnmanisch sprechende» Bevölkerung zu pe» iindc» und sie zu pflegen, sowie in rmeniwegier Treue gegen "n Staat brüderlich znsa>»»ne»z!'.i»iten. Tie Rede des Bischofs wvrde Non d-'.i au'.eesende» si.-ch. 'den. zivilen und inilichrischen iTrirdeninigern mit sliir- urschenr Beifast anfgenownwn. t!, :t £ -n Amvefend-on umr- -nt die nngorische Rationalhymne und das minmnifche Ra- -ooallied gezüngen. D» Bfiirr iigtlttichi'chtt Spot!. Mährifch - OftIau , 20. Ang. Die „Oosterr-ichijch- Mor- lenzet.uug" nreidet aus P r z m , s i: An der Grenze spielen >ch iägk'ch kleinere »nd größere Zwischenfälle ab. die beweise», »atz »ie Bepecsierung und Schneidigkoi» nuserer Truppe» gera -ezu unglaublich ist. Da, Abjauge u ruisischer Ss = »all»,i st en »chreibt unsere Grenzwache beinahe schon olo öWMtz 8» da ei» .-e>i»r» »rne an« »eil Reite,» Ifiwb. »i* österreichisch« Ulanen Patrouille einen Zusammenstoß mit pkä^- ltch austauchenden russischen Dragonern. Der Ulanonossizi« kommantiert« zur Attacke, woraus die Ruffen ihr« Lanzen and Kappen im Stiche liehe» und Reißaus nahmen. Bei der Verfolgung begegnete unseren Ulanen ein« ganz« Eskadron russischer Dragoner, doch ergrist auch dies« die Flucht, so daß eine ganze russische Eskadron von unseren zwölf Ulanen zurückgv- schlagcn wurde. Die Ruffen verloren sechs Mann, die unstigen erbeuteten fünf Pferde und ein« große Anzahl Lanzen. (fine Afu rrnna des Admirals n. ßusrr. Berlin, 18. August. Admiral z. D .v. Knarr, der an Jahren uu» Dienstatter älteste Seeoffizier unserer Marine, der schon im Kriege 1870-71 unsere Flotte durch den Sieg bei Havanna zu Ehren brachte, schreibt der „Täglichen Rundsch.": Es gilt in diese» Tagen, vor den entscheidendeu Zusammenstößen unserer Heere mit dem Feinde an der Westgrenze die drückende Ungeduld in eigener Brust mit würdiger Ruhe und festem Vertrauen aus den endlichen Sieg unserer gerechten Sache zu dämpfen: wie für die Unternehmungen ju Lande, so auch für die auf den Meeren! Die englische Flotte wird, wenn die englische sogenannt« Erpeditronsarmee unter ihrein Schutze auf französischem Boden gelandet worden ist, wohl nicht lange zögern, an der deutschen Nordscelüste zu erscheinen. Damit ist erst der Beginn für die llnternehmungcu auf dem Wasser gegeben. Das deutsch« Volt mag sich aber d-ffen versichert halten, daß deutsche Tatkraft und Opscrwilligkeit Herz und Seele unserer Schisfsbesatzung erfülle», daß sie, auch erdrückender Ueber- macht gegenüber, immer und überall ihre Schuldigkeit tun und zu sterben wissen wird. Darum: Ausgcschaut und Gott vertraut! Deutsch Mitich. Amsterdam, 18. Ang. Die Amsterdamer Zeitung „Han- dolsblad" meldet aus Lüttich, daß dort das deutsche Militär mit großer Energie die Verwaltung in di« Hände nimmt. Die Halländer werden mit besonderer Freundlichkett behandelt, zum Beispiel von Einqaurticrungen befreit. Dar Eisenwerk Smulüers und andere Fabriken beginnen wieder zu arbeiten: die Eockerill-Werle find in deutschen Händen und zwar unter der Leitung von Oberst Keppel, dem deutschen Kommiffar der Lütticher Weltausstellung 1805. Eine Proklamation, die an den Fabriken angeschlagen ist, besagt, daß die Arbeiter während des Ktteges 50 Prozent Lohnerhöhung erhalten sollen. In Brüssel und Antwerpen herrscht eine sehr gedrückte Stimmung wegen der großen Schlacht, die man erwartet. In Brüssel sind die Straßen wie ausgestorben: alle Gastwirtschaften werden um 10 Ahr abends geschloffen. KclMe Mor)bubcn im Kloster. Die tierisch» Mordlust des belgischen Pöbels hat selbst vor den Toren des Klosters nicht Halt gemacht, was schließlich nicht zu verwundern ist, wenn man weiß, daß die belgische Regierung selber mit der unerbittlichen Ausweisung harmloser deutscher Ordensschwestern, die sich zu jedem Liebesdienst bereit erklärt hatten, »orangegangen war. Der Pöbel ist jetzt einen Schritt weiter gegangen und hat auch die eigenen Orden sleute nicht verschont. In einem Trappistenstoster bei Lüttich drang, wie der „Kölner Zeitung" von Augenzeugen berichtet wird, eine Bande ein und tötete zwanzig Klosterbrüder und einen Pater. Schließlich legten die Lebte Feuer an da» Kloster an Als die 500 Jnsirffen, die das Gelübde unbedingten Schweigens abgelegt haben, sich nicht mehr zu retten wußten, telephonierten sie in die Stadt, woraus sofort deutsche Truppen in acht Automobilen herbeieilten. Unter ihrem Schutz konnten 350 der Klosterbrüder mit ihren wertvollen Schätzen über die deutsche Grenze flüchten. Hier brachen die Leute vollständig zusammen. Eie wurden während der Nacht von deutschen Soldaten bewacht und konnte» dann ihren Marsch sortsetzen. (fin ßrirf ßiörn Drolons. Kristiania, 18. August. Bjön Björnson, der Sohn des Dichters Björnstjerne Björnso», veröffentlicht im „Morgenbla- det" einen Brief, der mit starkem Ecvcchtigkeitssinn sllr die deutsche Sache eintcitt. Björnson sagt: „Wenn man von dem russischen Doppelspiel liest, dann begreift man Deutschlands unermeßlichen Zorn über die gebrochenen ruffffchen Ehrenworte und die Friedcnstclegramme des Zaren. Der Zorn über Rußlands heimtückisches Vorgehen war unbeschreiblich. Die Deutschen fühlten, daß der Kampf gegen Rußland ein heiliger Krieg ist." Björnson schildort ferner mit Bewunderung das Funktio- nieren des deutschen Militärapparatcs. Dieses Nubrikwesen, das so kalt und unpersönlich gewirkt hätte, sei in diesen Tagen genial geworden. Die einmütige Stimme dc^ Volkes gibt Björnson mit folgenden Worten wieder: „Alle, die in den Krieg müffen, strahlen vor Begeisterung. Ich habe unter Touseudcn hier keine einzige Ausnahme gesehen. Alle marschieren in iakis^ter Disziplin, glücklich im festen Glaube» auf Deutschlands gute Sache, zu den Grenzen. Ich sprach mit den verschiedensten Menschen, sie sind alle zusammen gleich, Arbeiter nnd Mittelstand. Es besteht kein Unterschied mehr, »nd bei jedem neuen Feind, der sich tagtäglich meldet. werüeii sie nur noch sicherer »nd fester in der Kampfeslust. Bei den Zurücibleibenden besteht derselbe Eindruck. Es herrscht keine Verzweiflung, sondern imponierende Ruhe. Das ist das große Bolk, so gehen sie in diesen Krieg, einen der größten der Weltgeschichte, den je ein Volk aus einmal dnrchzukämpscn hatte." &\n nuiüor-j ZoldatkiiMchkii Droirr örilirrf Jungen. Aus Gollub an der mestpreußisch russischen Grenze wird gemeldet: Den dreien, einem Gesrette» und zwei Kameraden eine, Kavallerieregimenis, war da, Worten auf den Feind etwas langivcili» geworden und deshalb waaien H» strh ein« Abends bei einem Patrouillentttt weite« in das jeiadlich.. Ge diel hinein, als ihre Jnstruktton cs ihnen vorjchiieb. Dabei kamen sie an ein erst vor wenigen Tagen von den Ruffen nie- dergebrannte, Srhöit und elfideckten in einer nnverfehek *:■ ökiebenen Scheune Licht. Sie schlichen nähe: und sfitzen gr ihrer größten Verwunderung, wie ein ruffrichrr Mais: s» 15 Mann seines Truppenteils Wuttki irauk ». Zigaretten rauch,« Unser Gefreiter gab seinen Kameraden einen Wink, schlug arr! dem Gewehrkolben die Scheunentür ein und stand mitten uate: den Feinden, die vor Entsetzen veigaßen, zu den Wasseu z» greifen. Als der Eefrette .Lände hoch!" rief, warf der Pajor seine Arm« schleunigst als erster in die Lust, und diesem edlen Beispiele folgte die gesamte tapsore Kriegerschar. Di- Waffen wurden ihnen abgenommen, und im Triumph führten die drei Preußen die 18 Ruffen als Gefangene ab. Russische Mordbrenner. Die „Hamburger Nachrichten" veröffentlichen einen Brief aus der Umgegend von Bialla, wo bekanntlich Kosaken kurze Zeit di« deutsche Grenze überfchrttten hatte». Es heißt darin' Der prachtvolle Montagmorgcn (3. August) ließ sich fehl friedlich an. Plötzlich steigen über dem Dorfe Schwidderu starke Rauchsäulen auf, die sich bald zu einer großen Maffe ballen. Lange bleibt man nicht im Ungewissen. Im eigenen Dorf« zucken Feuerflammen in den Strohdächern hier und da auf. Die Flammen breiten sich über die Dachfläche aus, und bald steht das Gehöft in Flammen. Jammernde Hausbrwoh- ner stürzen aus den Häusern heraus, zwischendurch reiten dunkelbraune Teufel in Kosakengestalt umher: und nach welchem Dach fie ihr» verruchte Hand strecken, das ist den Flammen verfallen. Die Grcuclfzenen, die sich entspannen, spotten jeder Beschreibung. Am schlimmsten ging's im Ercnzort Schmiddcrn zu, wo die Barrikaden gebaut waren. Schon der bloße Gedanke, daß den Stcppenwolfen Widerstand geleistet werden sollte, stachelte sie zur Rache an. Einzelne steckten von der Rückseite die Gehöfte an und einzelne die Häuser von der Straße aus. Zur Erhöhung der Panik wurde kommandiert: Lewa prawo! Lewa, prawo! Links, rechts! links, rechts! und Gewehrsaloen sausten zwischen die fliehenden und jammernden Bewohner. Das Retten der Sachen wurde gehindert. Di« angesehene Bcsitzersstau Wiktor lief mit gerungenen Händen über die Straße und wurde niedergeschoffcn. Da ihre Leiche fast 2 Tage auf der Straße liegen blieb, wurde fie von Schweinen angefreffen. Die Leiche eines Mädchens wurde am dritten Tag erst in einer Sandgrube, von Krähen und Schweinen angegriffen, gefunden. Der 81jährige Altsitzer Sokolowsst wurde auf der Hausschwclle erschossen nud die Leiche ins brennende Haus geworfen, wo ste verkohlt aufgefunden wurde. Im ganzen wurden in Schwidderu sechs Tote und mehrere Verwundete ge> zählt. In Kofnchen wurde ein Mann angefchoffen nnd ein Schulmädchen erschossen. Hier und in anderen Orten wurde wenigstens den Leuten die Rettung ihrer Sachen gestattet. I» Bialla wurde die Postschaffnerfrau Buhni, Mutter von sieben Kindern am Fenster erschossen. Der Kausmannsgchilfe Günther wurde vor die Türe gelockt und nicdergehaucn. In Bialla waren sieben Tete und ungefähr zehn Verwundete. Fast alle Schaufenster wurden zertrümmert und einzelne Läden geplündert. Viele Häuser weisen Kugelspuren auf. Die Dörfer Sulimmen, Belzonzen und Skodden sind säst völlig eingeäschert. Hier wurden auch die massiven Häuser niedcrgebrannt. In vielen Häusern wurden di« Möbel zertrümmert. Einem Imker wurde der Honig — über zwei Zentner — auf den Hof gegossen. zertreten und verunreinigt. Die verängstigten Bcwohne- fiüchteten mit den Resten ihrer beweglichen Habe in die Brüche und Wälder, wo sie tagelang umherirrten. Manche flohen bis Arys, Lotzen und Rastenburg. Das sind bis acht Meilen weit. Einzelne sind noch nicht am Samstag heimgekehrt. Vielen war auch das Vieh verbrannt. Dem Wirt Kordasz in Schwidderu verbrannten sieben Pferde 17 Stück Vieh und 40 Schweine. Die besten Pferde raubte» die Kosaken. Die Bewohner mancher Dörfer mußten ihnen das Esten liesern. Sie betrachteten sich als die Herren des Landes. Am Montag nachmittag zeigt« sich in der Luft eine Rnmpiertaube. Alles atmete auf und die Hoffnung griff Platz: Unser Heer verläßt uns nicht. Das Flugzeug uberslog die ganz« verwüstete Gegend. In den nächsten Tagen wiederholten sich die Ereuclszener in kleinerem Maße. Einem jungen Manne in Lodigowo wurde der halbe Arm abgehackt, damit er nicht zum Militär gehe» könne. I» Czyborrcn wurde am Donnerstag der Kötner Mt- chalzik vor seinem Hause, obwohl er um sein Leben bat, nieder- geschoffen. Weinend ging die Witwe mit ihren sieben Kindern, von denen die zwei jüngsten getragen wurden, von ihrem verbrannten Gehöft nach Bialla. Endlich rückte auch Militär ir unsere Gegend ein, und hoffentlich sind wir die Hunnen Io». Aus dem Briefe eines deutschen Offiziers an der russischen Grenze teilt das „Berl. Tagebl." folgende Stelle mit: „Gestern habe ich meine Feuertaufe erhalten. Um 4 Uhr morgens rückten wir gegen anmorfchierende Russen aus. Wir haben alles kurz und klein geschossen. Die Russen schießen schlecht. Die ersten erbeuteten Kanonen haben wir nach Berlin gesandt. Die Kosaken haben hier vor einer Woche wüst gehaust. Alle, habe» sie niedcrgebrannt und gemordet. Täglich kommen Flüchtlinge hier an aus langen Leiterwagen. Die armen Weiber mit ihren Kindern, sie sind alle angeschossen — bluten — schreien — fallen von den Wagen herunter und sterben in der Gosse oder einem schmutzigen Graben. Ein fürchterliches Elend. In allen Ecken liegt dieses russische Eeslndei herum. Die Kosaken kommen zu Tausenden herüber. Wir schieeßn fie ab wie die Hasen. Wir machen Treibjagd auf Kosaken." Falsche Gerüchte. lsirsier» war viclervrt«, io auch in Ariedberg >u»fc in W» Landgemeinde», die Nachricht verbreitet, daß bi« Kejtnng B c l s o r t von beit De,fische« ge» »arme» sei. Wir bruierke» da;», daß keinerlei »»tlich» Nucheichst, die alle,» ltziaubei, verdient, über BfiMat »ab e tbfi l i > >, btztzh stattv/sial»t» (iämvke Vvrlieat Ml. IM ©rtt* 8. ®it Nachricht, daß die Generäle d. E«mich «nd ». d, Marwitz gefallen seien. ist «»wahr. Endlich grhk» über de» Verlust deutfchre Geschütze bei Schirmcck die abenteuerlichste» Sagen umher. Da wird behauptet, rin Festungöbataillon habe 24 oder gar 32 Geschütze, mithin seien 48 bczw. 64 schwere Geschütze verloren gegangen. Es sei fcstgestellt, daß e i sich nur um einige Infanterieba. taillone handelte, die einige Feldgeschütze verloren haben. ?ie ticiicifcn NchrichKii! Wir sind bereit, aus telefonische Ansrage die neuesten Telegramme vom Kriegsschauplatz den Landgemeinden mitzuteilen. Da ersahrungögemäst meistens morgens die neurucn Nachrichten einzutresscn pflegen, so bitten wir »ns regcl- mäßig zwischen 8 u. 9 Uhr Vormittags anruscn zu wollen. Wir versenden aus Wunsch gratis Blanko Vordrucke, ans die man dann die erhaltene Nachricht, — am besten mit Blaustift — schreiben und aushängen wolle. Aus diese Art ist man auch auf den Dörfern in der Lage, stets aus der» Lausenden über die neuesten Ereignisse zu sein. Papst Pins X f. Giuseppe Sarto, der spätere Papst Pius X., war armer Landleute Kind. Er wurde am 2. Juni 1835 in Riese (Prov. Treviso) geboren, wo sein Vater ein kleines Anwesen besah und daneben das Amt eines Eemeindedieners versah. Schon früh nruhte Giuseppe und ferne Geschwister den Eltern bei den Feldarbeiten Helsen, war aber dennoch ein sleihiger Schüler. Er errang daher auch das besondere Wohlwollen des Ortsgeistlichen, der die Aufnahme des Knaben in das Pricsterseminar Padua durchsetzte. Auch hier erwarb sich Giuseppe Sarto durch anhaltenden Fleih und gute Leistungen die Gewogenheit seiner Lehrer. Im Jahre 1858 wurde er im Beisein seiner von Stolz erfüllten Verwandten zum Priester geweiht und war seitdem Piarrer, als der er sich sein Einkommen durch Stundengeben z» erhöhen wühle. Bei seinen Vorgesetzten war der junge Geist- liche so beliebt, dah ihn der Erzbischof von Treviso im Jahre 1875 zu seinem Eeheimselretär ernannt«. Später wurde Sarto geistlicher Leiter und Examinator des Seminars in Padua und erhielt auherdcm das Amt eines Bikars des Kapitels der Kathedrale in Treviso übertragen. Bon 1881 bis 1893 war Sarto Bischof von Mantua. Der päpstliche Stuhl hatte nunmehr häufiger Gelegenheit, den Eiser Sa,tos zu loben, und n,achte den Bischof im Fahre 1893 zum Kardinal und Patriarchen von Venedig. In dieser Stellung bekundete Sarto dem Pressewesen häufig eine besondere Aufmerksamkeit und durch seine schrankenlose Mildtätigkeit eine grohe Beliebtheit. Am 31. Juli trat nach dem Tode Leos XIII. das Konklave zusammen, um zur Neuwahl zu schreite». 62 Kardinal- waren hierzu erschienen. Die ersten Abstimmungen drehten sich um Rampolla, Bannutclli und Eotti. Als die Wahrscheinlichkeit einer Wahl Rampollas immer gröhcr wurde, führte Kardinal Eruscha einen von Wien erteilten Austrag aus und machte im Namen der österreichisch-ungarischen Monarchie von dem Rechte der Exklusion gegen Rampolla Gebrauch. Am 4. August wurde daraufhin Kardinal Sarto zum Papste gewählt. Die jetzigen Welthändel und Kriegswirren haben Pius X. schwer bedrückt und ihnen galten noch seine letzten Gedanken. Als ihm nach der letzten Oelung Sauerstofs -ingegeben wurde, erlangte er das Bewußtsein wieder und sprach folgende Worte: „Jetzt sang« ich an, mich übel zu suhlen. Der Allmächtige hat nicht gewollt, dah ich die Greuel erlebe, die jetzt in E u. r o p a geschehen." Ulber die Nachsolge aus dem päpstlichen Stuhl werden natürlich bald all« möglichen Vermutungen austreten, jedoch ist augenblicklich kaum ein sicherer Kandidat zu nennen. Ziemliche Schwierigkeiten wird bei der augenblicklichen politischen Lage die Zusammenberusung des Konklave machen, das be- stimmungsgcmäh innerhalb acht Tagen zusammentreten und so lange in geheimer Beratung unter völligem Abschluß von der Oessentlichkeit beisammen bleiben muh, bis eine Wahl zu Stand« gekommen ist. Die Bestimmungen für das Konklave bcruhen auf den Verordnungen des Papstes Gregor X. aus bei» Jahre 1274, jedoch gab gerade die Wahl Pius X. diesem Veranlassung zu einer Reform, durch di- vor allem die Einlegung des Vetos von außenstehender Seite«, wie sie noch im ^ Jahre 1903 geübt wurde, beseitigt worden ist. Ans der Aeimat. » Frledberg^21. August. Der Pjerde-Versicherungsverein für Kriedberg und Umgegend bewilligte, wie UN» von dem Rechner »es Vereins P. Dietz mirgrteilt wurde, aus Anregung seines Vorsitzenden Lclonomicrat Falk 5000 Mark aus seinem Re servcsond, dem Roten Kreuz zum Besten der verwundeten und kranken Soldaten. * Friedbrrg, 18. Aug. Der Vorsitzende '-r Allg. Orts- krankcnkasse bittet uns um Ausnahme folgead-r Aussuhr- uugen: Eine große Zahl unserer Kassenärzte ist in Folge der Mobilmachung zur Dienstleistung zum Militär einberufen worden, ohne baß es uns möglich war bestimmte Vertreter zu ernennen. Kassenmita' ' • in ärztlicher Behrnb- lung waren und noch lr '' ndlung bedürfen, können sich deshalb ohne h*>' -r die Behandlung irgend eines Arztes begeben, der z... — oindsnua von Kail:>>int- Hot» gittu«. m n. ln»« m# klUedern bereit ist. Mit »üikficht darauf, daß die kassenärzt- liche Tätigkeit nur von einer beschränkten Zahl von Aerzten geleistet werden muß, möchten wir alle unsere Kasfemnrtglie- der dringend bitten, die ärztliche Hilfe mir dann in Anspruch Nehmen zu wollen, wenn diese wirklich unbedingt erforderlich ist. Die Aerzte, die zurückgeblieben sind, müssen sich später zum größten Teil noch zur freiwilligen Tätigkeit in den Krankenhäusern und Lazaretten zur Verfügung stellen, und die wirklich kranken Kassenmitglieder können deshalb nur dann ausreichend versorgt werden, wenn die Aerzte mit der Behandlung von Kleinigkeiten verschont bleiben. Genau so liegt die Sache bei den Zahnärzten. Ferner ist zu beachten, daß während der Kriegszeitcn in die Krankenhäuser nur solche Patienten cingcwiesen werden können, bei denen Krankenhaiispflcge unter allen Umständen notwendig ist. In allen anderen Fällen muß von der Einweisung ins Krankenhaus Abstand genommen weroen, weil alle verfügbaren Betten für kranke Soldaten benötigt werden. Schließlich bitten wir unsere Mitglieder noch, die Aerzte nicht mit Wünschen aller Art zu bestürmen, deren Erfüllung wohl nicht im Einzelfalle, doch aber in der Masse, die Finanzen der Kasse außerordentlich ungünstig beeinflussen würden. Es muß in diesen Zeiten daraus Rücksicht genommen werden, daß die besten Bcitragszahler der Kasse, also die Leute, die allein die Kasse lcistungssähig halten, im Felde sichen und keine Beiträge zahlen können, und daß die Kasse sehen muß. wie sie mit wesentlich geringeren Einnahineil den Betrieb aufrecht erhalten {amt. Hier können die Mitglieder selbst mit dazu beitragen, daß die Kasse leist.inzs- fähig bleibt. Insbesondere dadurch, daß sie keinen Wert legen auf unnötige Verordnungen, indem sic selbst den Arzt bitten, nur das zu verschreiben, was unbedingt notwendig erscheint. Den Arzt zur Stellung von Anträgen ans Kuren, Landaufentbnlt »sw. zu veranlassen, ist zuuächst zwecklos, da die Kasse solchen Wünschen vorläufig nicht Rechnung tragen kann. Wir hoffen, daß unsere Mitglieder diese Maßnahmen als wirklich notwendig anerkennen und daß sie unsere Bestrebungen durch Weitergabe dieser Bekanntmachung und gegebenen Falles auch durch persönliche Aufklärung tatkräftig unterstützen werden. Friedberg, 21. Aug. Eisenbahnverkehr. Vom 17. August ab gehen folgende Züge vom Franksurter Hauptbahnhof ab. Nach Marburg: 1,14 nachts, 2.54, 6.14, 8.34, 1.14, 6.14- Es verkehren ab Friedberg bis aus weiteres folgende Zuge: nach Frankfurt 3 40 6 20- 8 40- Ivo- 3 40 - 8 40- nach Gießen 3,02; 4,42; 8,02; 10,22; 3,02; 8,02; nach Hanau 4 , 46 ; 7 , 46 ; 8 , 40 ; nach Homburg 3,44; 12,14; 6,44; 9,14; nach Hungen u. Nidda 2,£0; 2,50; Von Frankfurt nach Friedberg 1 14- 2 54- 614- 8 04- 1.14- 6.14- Von Frankfurt-Süd nach Hanau 5.00; 11,30; 5,30; 7,30; 11,30. * Fricdberg, 21. Aug. Englische und französische Seifen! Seife ist ein Artikel, der immer gebraucht wird und auch in Kriegszeitcn unverminderte Verwendung findet. Die Fabriken sollten daher über Mangel an Arbeit nicht z» klagen haben. Notwendig ist aber ein Ruf an das ganze deutsche Volk, nunmehr auch auf dem Gebiete des Seifenverbrauches mit der unwürdigen Fremdherr, schaft aufzuräumcn. Diel zu viel sind bei uns in Deutschland die ausländischen Fabrikate verbraucht worden. Alle französischen Toilcttcseifcn müssen verschwinden, wir kö inen dasselbe und event. mehr leisten. Auch die mit riesiger Reklame angepriesenen englischen Seifen, wie „S u n I i ch t- Seife" und „Pear-Soap" und wie sie alle heißen dürfen nicht mehr gekauft werden, schon deshalb nicht, Mil dieselben durchweg nochmal so teuer sind, als unsere guten deutschen Kernseifen. Ter Deutsche ist lange genug g.:!- mütig und duldsam gegen die Fremden gewesen und hat sich von denselben auszichen lassen, sie müssen aber jetzt erfahren, daß diese Zeiten endgültig vorüber sind! A l s o f o r i in - t jeder fremden Seife! * Die Deutsche Petroleum-Verkaufs Gesellschaft in Ber- litt zahlt, wie wir erfahren, allen ihren zum Heerdienst cin- gezogcncn Angestellten, sowohl den kaufmännischen als auch den gewerblichen Verheirateten sowie Unverheirateten das volle Gehalt oder den Lohn weiter. Das Augustgehalt ist allen Verheirateten beim Eintritt der Mobilmachung voll ». den Unverheirateten zur Hälfte als Vorschuß überwiesen. • Apollinaris — ein rnglischcs Tafelwasser! Das „Dresdner Journal" schreibi: „Die Apollinaris Co. Limited in London, die in Neuenahr o. Rb. den Verjond des durch seine große Reklame allbekannten Apollinaris- und Joh.iuni-s- brunnens (früh, auch Heppinger u. Landskroner Bruuu.'iiS) und große Glashüttenwerke in Rheinau (2 Mill. Mark Be- tricbskapital) betreibt, ist eine rein englische Gesellschaft, Ihre hohen Dividenden, von 1892 an bis 83 Prozent) Reingewinn von etwa Mk. 500,090 jährlich durchschnittlich), wandern in die Hände englischer Kapitalisten. Es wäre Wohl an der Zeit, den Verbrauch dieser Wässer in Tenftch- land einzustellcn. Kein guter Deutscher trinke diesen Brunnen, kein deutsch-gesinnter Wirt stelle ihn noch aus seine Getränkekarte, wenn er nickt die Kriegsmittel unsrer Feinde ltärken Willi" * Bad-Nauheim, 21 . August. Trotz der Kriegswirren geht der Badebetrieb ununterbrochen weiter. Die Zahl der hier Heilung suchenden Kurgäste beläuft sich immerhin noch auf über 2000 und werden täglich noch zirka 1000 Bäder abgegeben. Das Kurorchester spielt seit einigen Tagen wieder morgens und nachmittags in den Parkanlagen. Die Musikprogramme sind natürlich der jetzigen ernsten Zeit angcpaht. Für alle, die Erholung und Heilung suchen, dürste sich unser Bad bei dem jetzigen prächtigen Wetter und der hier herrschenden wohltuenden Ruhe besonders eignen. K. Melbach, 21. August. Eine zweimalige Sammlung sül das Rote Kreuz erbrachte den Ertrag von 1050 Marl. Diese Summc ist von dem Schatzmeister unseres engere» Ortslomitecs Herrn Bahnvorstchcr Bender, an die Darmstädter Volksbanl abgesandt worden, * Rcndel, 21. August. (Berichtigung). Bei der Sammlung für das Rote Kreuz gingen in hiesiger G,inxjnpc ein nicht ü> Mark, sondern 540 Marl. ' Franlsuet a. M., 20. August. Beim Baden im Main ertrank bei Niederrad der 9jahrige Schüler Johs. Tiejel. Di, Leiche wurde nach kurzer Zeit geborgen. — Die 70jiil»i|ic Witw, Schnceberger wurde in ihrer Wohnung tot aus dem Susa ausgesunden. Starkenburg, * Darmstadt, 21. Aug. In der heutigen Nummer des „Tägl. Anz." dahier pcrösscntlicht der Hauptschristleite: des Blattes eine Erklärung, nach welcher er sich überzeugt hat, daß die „Darmst. Zeitung" nur einen gekürzten Auszug des Weißbuchs dnrch das „Wolffsche Depeschenbüro - rhne den Depcschenwechscl zwischen dem Zaren und dem Kaiser erhalten und diesen ungekürzt znm Abdruck gebrach! l at Seine Behauptung, daß die Regierung die Redaktion zur Unterschlagung wichtiger Teise des Weißbuches wr-nil'.i‘|f habe, sei völlig unbegründet. Er bedauert den Artikel i, der Fassung gebracht zu haben, zudem er sich überzeugt bat, daß in der gleichen Nummer der „Darmst. Zeitung" nhivtc Auslassungen gegen den Zaren enthalten waren. * Stockstadt o. Rh., 21. August. Glücklich aus Rußland hier angelangt, ist die Familie des Zimmcrmcisicrs Friedr. König von hier. Derselbe arbeitete als Zimmermcistcr schon 3 Jahr« in Petersburg bei einer großen Bausirma. Da der Nüc we- über Riga, Eydluhncn wegen des Kriegsausbruches zwischcr Deutschland und Rußland abgcschnitten war, so stahlen sie sich durch Finnland und Lappland nach Schweden, Auch zwei andere Etockstädter Zimmerleute entkamen aus ähnliche Meise der russischen Eesangenschast. Bon Schweden aus wurden sie iu zuvorkommender Weis« behandelt und nach Deutschland ge bracht. Ein Bild des Deutschenhasies gibt die Schilderung de- Friedrich König. Bon Petersburg aus entkam er über Finnland nach der Endstation llleaborg. Dorlselbst waren russische Soldaten ausgestellt, welche die Züge nach Flüchtlingen durchsuchten. Der Liebenswürdigkeit eines finnischen Balmbeamien verdankte er sein Leben. Derselbe verriet ihm, daß alle deutsche Männer, die wehrfähig waren, als Gefangene zurückbehalten würden. Acht deutsche Männer zum Teil Familienväter wur den von russischen Soldaten mit aufgcpslanzten Bajonettei verhaftet und in der dortigen Schule gefangen gesetzt. König entkam, weil er kurz vor der Station kurz entschlossen durch alle Wagen eilte und sich unter der Bremserbauk versteckte. Seine Frau machte sich an den Haaren ihrer Kinder zu schassen. Als die Gefangenen abgeführt waren, verließ er sein unbequemes Versteck. Bon dort kam er per Dampfer nach Tornca und Da- baranda und dann durch Schweden, über Rügen nach der deutschen Ostseeküste, Penestc und Praiftnachrrchten. Straßburg, 21. August, Es mehren sich die Anzeichen, di» darauf hindcutcn, daß die Attentate aus Ossiziere und Mannschaften nicht pon Elsässern und Lothringern verübt werden, sondern durch sranzösijche 'Marodeure, die die Truppen begleiten. Zur Behinderung der deutschen Kavallerie habe» bi« Franzosen Wiesen mit Wolssgruben durchzogen. Sofia, 21. August, Serben übersicleu bulgarische Kir- chen und raubten sämtliche Kirchcngeräte. Aus vielen Ortrn wird gemrldrt, baß die Serben surchtbare Erenellaten verüben. München, 21, August. I» einer hierher gelangten Feldpostkarte heißt er: „Bei der französischen Artillerie versagen bis zu 59 Prozent aller Geschosse infolge des schlechten Pulvers. Die sranzösische Jnsanterie schießt durchweg zu hoch. Die Kugeln fliegen über unsere Köpfe hinweg, Wien, 21, August. Die Mobilisation im russischen Gouvernement Grodno ist so gut wie gescheitert. Fast 89 Proz. der Einberusenen weigern sich, der Einberufung Folge zu leiste» Küchertijch. Kriegsausgabe von Weyers Taschenbuch ber Kriegsflotten Wie wir erfahren, erscheint in acht Tagen im Verlage von I. F. Lehmann in München eine Kriegsausgabe des bekannten und altbewährten Taschenbuchs. Der neue Jahrgang, der bis aus den heutigen Tag ergänzt ist, enthält die Abbildungen sämtlicher Kricgsschisse der ganzen Welt, ihre Artillerie und Panzerung wie ihre Schattenbilder. Diese bildlichen Angaben werden ergänzt durch zahlreiche Tabellen, die alles enthalten, was über die einzelne» Schisse, ihre Bemannung, ihre Geschütz«, über das gesamte Marinewesen überhaupt wisicnswert erscheint. Als Nachschlagewerk in dem kommenden großen Seekrieg mit England ist das Buch schlechthin unentbehrlich. Bei seinem billigen Preis von Mk. 5,— können wir unseren Lesern die Anschassung dringend cmpsehlcn. Feanksnrier Wetlerberichk Voraussage: Ziemlich heiter, trocke», wärmer, schwache Litstbewczung, Gewitterneigung. Verantwortlich für den politischen und lokalen Tell: Otto Hirschel. Fricdberg: für den Anzeigenteil: K. Schmidt, Fricdberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", A. G. Friedbera i. ö Nr. 195 Erna n»»d 31 |c. Roman von D. Feuffner. 23 (Sortierung). „Ja, es war zu spät. Sie erinnerte sich der Worie, die sie ihm einst geschrieben: „Vielleicht tritt doch einmal eine Wendung in nieinem Leben ein, ein Ereignis, weiches Klarheit schafft und mich befähigt mich aufzuschwingen zu einein glücklichen und beglückenden Wesen." — Zu spat kommt ost die Reue, Ein Herz vor Erani zergeht, Das kleine Wort „verzeihe" Kommt leider oft zu spät! Ernas Vater ahnie was in der Brust seines Kindes vorging: schon längst halte die eigcnniiae Veranlagung Ernas ihm schweren Kummer verursacht, und so griff es ihm ans Herz, als er sie jetzt so bitter weinen sah. Würde nicht ihr^ ganzes Wesen fortan noch verschlossener werden? „Selten nur und schwer öffne ich mein Herz, weist man mich dann zurück, dann bleibt es geschloffen siir inimer." — Dieser Worte Ernas, die sie einmal gesprochen, musste er gedenken. — Traurig verließen alle vier den Bahnhof, um nach ihrer ziemlich entfernt gelegenen Wohnung zurückzukehren Der Zug, der Roderich in die Ferne trug, kam am anderen Vormittag in Bremen an, um zwei Stunden später die Fahrt nach Bremerhafen fortzusetzen. Hier lagen die drei stattlichen Transportdampser, welche bestimmt waren mit einem Teil des ostasialischcn Expeditionskorps zwischen drei und vier Uhr nachts in See zu gehen, zur Abfahrt bereit. Um vier Uhr wurde das Schiff, auf dem sich Node- rich befand, los gemacht und von einem kleinen Schleppdampfer durch die Schleuse gezogen. Noch eine Neu« Tageszeitung. Freitag, ven 21 . August 1914. viertel Rechtswendung — die Maschinen singen an zu stampsen, die Schnelligkeit wuchs init der Entscrnung und stolz schaff das majestätische Fahrzeug, mit den jungen Kriegern an Bord, durch die vom Winde leicht gekräuselte Flut. Roderich stand auf dem Hinterdeck und grüffie mit der Mütze noch lange einen zurückbleibenden älteren Mann. Es war lein Vater, welcher hierher gekommen war, um von seinem Sohne Abschied zu nehmen. Am dreizehnten September ging das Schiff im Hafen von Port-Said vor Anker. Hier gab es die erste Post, denn sie hatte auf dem kiirzesten Wege über Genua das Schiff überholt. Unter den vielen Briefen, welche Roderich empfing, war auch ein solcher von Ernas Hand. Mit zitternden Fingern erbrach er denselben und las: Sehr geehrter Herr Tiehc! Wie es gekomnien, daff wir uns bei Ihrer Durchreise, trotz größter Aufmerksamkeit unsrerseits nicht trafen, ist mir ein Rätsel, dessen Lösung ich vergebens angestrebt habe. Und so lege ich denn alles, was ich Ihnen in letzter Stunde sagen wollte, in diesem Briese nieder. Ich war gekomnien, Ihre Verzeihung zu erbitten, damit mir, salls uns ein Scheiden für iinmer befchiedcn sein sollte, die beruhigende Gewißheit geblieben wäre, daff Sie das Ihnen einst zugefügte Unrecht verziehen haben. Warum gingen Sie fort über das Meer? Und doch glaube ich, daff andrerseits mein Herz ohne diese Trennung noch weiter geschwiegen hätte: erst als der Zug, der Sie in die Ferne entführte, immer weiter und weiter meinen Augen entschwand, da wurde ich mir klar über die Art meiner Gefühle für Sie, da empfand ich, daß etwas unaussprechlich Liebes von mir ging. Daff all das „zu spät" zu meiner Er- _ Seite l kenntnis kam — das eben ist mein Schicksal. Die Schluffworte eines Liedchens kommen wir in den Sinn, die ich Ihnen Vorsingen würde, wenn Sie bei mir wären! Wenn auch die Wellen mich tragen übers Meer Weit in ferne Lande hin — Heimwärts steht doch stets mein Sinn! Wird in der Ferne das Herz mir auch schwer — Eins mich tröstet: Kehr ich wieder Blüht ein Glück mir so hehr. , Run ade, leb’ wohl, behalt’ mich lieb. Gedenke mein rc. Ist es Ihr Empfinden und Sehnen, was in diesem Liedchen zum Ausdruck kommt? Dann würde ich glücklich sein, denn seit gestern hat sich alles, was nebelhaft und unklar in mir lebte zu einem Bilde gestaltet, dem fortan jeder Gedanke meines Herzens gilt. O könnte ich noch einmal aus Ihrem Munde meinen Namen hören, welch seliges, beglückendes Empfinden wäre das jetzt für mich! Heut weih ich mit Bestimmtheit, daff ich Ihnen das sein könnte, was sie seinerzeit in mir zu finden glaubten — als Sie sich täuschten. Ja, Sie täuschten sich, weil ich selbst mich täuschte, über mein Herz, mein Empfinden, mit einem Worte über mein eigenes Ich! Zu spät erkannte ich, was Sie mir hätten werden können, — zu spät! Und darum stehe ich jetzt klagend am Grabe meines Lebensglückes, das ich im Uebermenschentum, wenn auch mir selbst unbewußt, verscherzte! Kaum wage ich zu hoffen, daff auch mir noch einst ein neuer, schönerer Tag anbrcchen könnte — zu dunkel, zu unergründlich liegt die geheimnisvolle Zukunft vor mir. Wird je eine Stunde des Wiedersehens schlagen, in der sich die Herzen beglückt und beglückend wiederfinden? Der fernen Zukunft bleibt es Vorbehalten uns diese Frage zu beantworten, in ihrem dunklen Schöffe liegt es verborgen, ob sich unser Leben zum Paradiese oder zur öden Wüste gestalten wird. (Fortsetzung folgt). Bürger Friedbergs! Die gegen den Feind ziehenden Söhne unserer Stadt sollen die beruhigende Gewißheit haben, daff ihre Lieben daheim versorgt sind und nicht zu darben brauchen und auch den Verwundeten und Kranken die nötige Pflege zu Teil wird. Der Einwohnerschaft unserer Stadt wird es daher eins freudige Ausgabe sein, den von den Vätern und Söhnen verlassenen Familien unserer Mitbürger mit allen Kräften beizustehen und auch die Mittel bereit zu stellen, die für die Pflege der Verwundeten und Kranken erforderlich sind. In gleicher Weise gilt es aber auch für diejenigen, die durch den Krieg um Arbeit und Brot gekommen sind, zu sorgen und sie wenigstens vor Hunger und Not zu schützen. Die Stadtverordneten-Versammlung hat deshalb beschloffen, ähnlich wie in anderen Städten eine Zentralsammlung für Kriegsfürsorge einzurichten. Wir richten deshalb an die Einwohnerschaft die herzliche Bitte, die Durchführung dieser Ausgabe durch reichliche Geld- und sonstige Spenden zu unterstützen. Spenden werden von den Unterzeichneten Vereinen und im Stadthaus, Zimmer Nr. 4 entgegengenommen Ter Bürgermeister: Stahl. AlieeFrancit-Vetein: Nebel. Verein vom Roten Kreuz: G e o r g i. Friedberger Hilfsverein: Kleberger. Sorget für kommende Zeiten, Lagt nichts umkommen. Mehr wie in früheren Jahren gelten jetzt diese Worte. Znm Emmachen von Bohnen, Gurken, Obst empfehle Steinerne Ständer und Töpfe in allen Tröffen bis 40 Pfund Inhalt. Rtr-Wstt nni) Flaschen billigere Nom-Aiis« in allen Tröffen Durch grohen Vorrat bin ich jetzt n och i n der angenehmen La ge zu alten Preisen "W alle Tröffen liefern zu können Nachlieferungen sind jetzt ausge- chloffen, deshalb ist baldige Anschaffung nur zu empfehlen. Verlaus nur gegen bare Zahlung. F. Hilbrechl Ww. Friedberg. I»»ich!t »er >l»s!kitasti»i. Wir sllchen ? n Ä n ÄJ! zum Verteilen von Gratisproben f. Echweihpuder ..Köhler-trocken". Off. an S»!,>ers,>,lk>>»dr>r.S,».zsr»d»iz. Graste Auswahl Irbeits-Pferde steht von heute ob nun Uerkanf. JfenburgerLCo. __Friedberg^__ Sekrannlinachnng. Mit Bezugnahme auf den Aufruf des Landsturms warne ich die unausgebildeten Landsttirinpflichtigen, voreilig ihre Stcllnng oder ihren Berns o.nfzn- gcbcn. Alle Arbeitgeber ersuche ich dringend, diese» Leuten wegen Verbleibens iir ihren Stellungen oder beim Suchen netter Stellungen keine unnötigen Schwierigkeiten ;>« inachen, rveil diese Leute, die sich nach Ziffer 5c des Ausrufes zunächst nur zur Stammrolle zn tnclden hatten. voraussichtlich nicht oder nur zu eitic»» ganz geriugeu Teil zur Aushebung kommen werde»«; Ziffcrl deS Lands«,«rmaufrufcs besagt ja auch bereilo ausdrücklich, das; zunächst nur militärisch „usgrbUdeic Landsturmpflichtigc zur Einstellung kommen luer- ven; auch von diesen wird voraussichtlich zunächst nur ein geringer Teil zur Einstellung gelangen. Frankfurt a. M., den 14. August 1914. Ter konnnandicrcude General gez: Freiherr von Galt. General der Infanterie. Mikn-Ziiilersabrik 8 rotz- 8 trnn empfiehlt ihre TrolkcnWiitzt! iiiiö MlM-Ziilkttschilitzkl in vorzüglichster Qualität billigst. Preisofferten und Muster auf gefl. Anfrage. 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Frauen, die Lohnarbeit verrichten, können ihre Kinder im Alter bis zu 2 Jahren in dem südlichen Nebengebäude des Bürgerhospitals zur Pflege anmelden und abgeben. Friedberg, den 20. Aitgust 1914.- Der Bürgermeister. Stahl. Aufruf. Ein gewaltiger Krieg ist über Deutschland hereingebrochen. Millionen deutscher Männer bieten ihre Brust dem Feind« dar. Viel« von Ihnen werden nicht zurückkehren.. Unsere Pflicht ist «s, für die Hinterbliebenen der Tapferen zu sorgen. Des Staates Aufgabe ist, hier zu helfen, aber er kann es nicht allein, diese Hilfe muff ergänzt werden. Deutsche Männer, Deutsche Frauen gebt! Gebt schnell! Auch die kleinste Gabe ist willkommen! Das Büro beifndet sich Berlin NW. 40, Alsenstraffe 11. Das Präsidium: von Loebell, Staatsminister und Minister des Innern, von Kessel, Eeneraloberst, Oberbefehlshaber der Marken. Feinste stklillatkk-Kiilfl, Ftiiisler LchscunmlsM, Fkiiisitl Lchivkinskops in Burgunder-Gelee, ausgewogen 7. Pfund 30 Pfg., empfiehlt Friedrich Gliche! Friedberg t. H. Zucht des grolfen weiken Cdelschweins. Sil)W8.nezüditV8rein Oherhörgern empfiehlt mehrere erstklassige Wtelicr n. -Lauen von vorzüglicher Abstammung. Kekanntjimihmlg. Diejenigen Einwohner, die Leute aus Metz bei sich ausgenommen haben, fordere ich hierdurch auf, den Letzteren zu eröffnen, daß sie sich außerhalb ihrer Wohnung nur der deutschen Sprache bedienen dürfen. Friedberg, 21. Aug. 1914. Der Bürgermeister: _ Stahl. __ Mchiiiitt 2 nlj ist nicht aufgeschlagen und kostet im Zentner und Einzelverkauf den gleichen Preis wie seither. Leere Salzsäcke die ganz und sauber sind werden zurückgenommen. Salzniederlage Ferdinand Dmi» Frirdbeeg, Knij ergrabe 36. Telefon 452 . tkomplctien Kastenwagen Doppelspänner, bNlig abzugcben. Stall. Riedmühle, Huuaeu.