7. Jahrgang tlmiium; 194 _ xonnerstag. den ÄV. August 1914. Tic nitrat «' ace»>r>«aa, n c^tmt irten Uttltog. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer nu» fitircn", „Yie ^pinu^ulic". Ke,»,oprci»: Sei den Po stau stallen oierielin.irluti , >,ü bet den Agenten tnonaihd) :>>N,U ln!t Postgebühr ober Irägerloljn. A»,eigen : Trans eile rv Piz. lokale lü P,g„ An,eigen von auswärts werden durch Po lnrI>nn,,n.- er ioSen Erfüllungsort „riedberg. Schriftlriinng und Verlag Friedberg lHeüen), Hanauer nage 11 Fern Viecher 44 Po Ischeck-E»-Il» Sir. 4Si9, Am! Frantsart o. tt. Neue Erfolge in Belgien und im Elsaß. ©utc Zuversicht. — Lieg der deutschen Waffen. — Krieg mit den ©elven. — Revolution im Kaukasus. Zuversicht! I» zwei siegreichen Treffen in Belgien und im El'ah Ist cs gestern den Franzosen wieder einmal gezeigt worden, was es heißt Deutschland anzugreisenl mit blutigen Käufen u. den schwersten Derlustcn sind sie geworfen worden. Sind cS auch noch keine Schlachten, die eine endgiltigc Entscheidung gebracht babcn, so geben sie doch eine zuversichtliche Stimmung auf den konilnenden vollendeten Sieg. Denn bisher sind in allen Gefechten, wo unsere Truppen mit dem Feinde ziisammengekonnnen sind, sei es im Westen od r im Osten, unsere Waffen siegreich geblieben. Zuversicht atmet auch die Stimmung, die von amtlicher Seite ansgeht. Tort gelten unsere bisherigen Erfolge nur als das Vorspiel zu der Entscheidung, die sich vorbereitet. Der Ansinarsch unserer Streitkräste geht unbeirrt seine» wohlbedachten Gang. Man darf sich nicht beunruhigen lassen, wenn Überall Verschwiegenheit waltet und so wenig Nachrichten an die Ocsfentlichkcit dringen. Ter Tag wird bald konnncn, an dein man erkennen wird, wie nützlich dieses Schweigen ist und daß sie dem Datcrlandc von Nutzen ist. Nur so viel sei gesagt, das, wir der nächsten Z'.iku ist mit großer Zuversicht ins Auge schauen können. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß nun auch die gelben Assen an Dciitichland den Krieg erklären wollet. „Hier werden noch fortwährend Kriegserklärungen anpe- nommen!" stand an einem Kriegs-Eisenbahnwagen geichrie- ben. Es zeigt das, mit welch' gutem Humor unsere Truppen den Hatz unserer Feinde ausnehmen. Wie ein Straß'»- räubcr sucht Japan Deutschland zu überfallen und sich eben- falls einen Anteil an der Diebesbeute z» sichern. Es märe eigentlich schade, wenn das gelbe Gesindel bei unseren Feinden fehlen würde. Als bei Beginn des Krieges die falsche Meldung aufge- taucht ist, datz Japan gegen Nußland gehen werde, erfüllte es uns mit Mihbehagcn, daß diese eklen, gelben Gesellen, von denen wir Mnstcreremplare, scheu und gedrückt gleich geprügelten Hunden, durch unsere Stratzcn schleichen sahen, Bosheit und Tücke in den geschlitzten Augen, unsere Bundesgenossen sein sollten. Wir wollen diesen Ruhm England neidlos überlassen, das schon in Afrika den Schwarzen das Tck>anspiel bietet, wie sich di« Wcitzen untereinander mord.'n. Ter Pfeil, den der perfide englische Schütze eben auf den Begen legt, wird, dcsien sind wir gewiß, dereinst mit Sicherheit auf seinen Absender zurückschnellen. Tie ich rief, die Geister, wcrd ich nun nicht los, das wird das heimtückische Albion zu seinem Schaden erfahren müssen. Das gelbe Gesindel in Japan hat seit feinem kurzen Anstreten in der Weltgeschichte scbon mehrfach bewiesen, datz es an Treulosigkeit und Hinterlist mit Erfolg selbst gegen England jederzeit konkurrieren kann. Altcngland wird dies auch 511 spüren bekomme» und dereinst den Tag verfluchen, wo es die gelbe Rasic seinem Krämerprosit zuliebe gegen die europäische Kultur zu Hilfe gerufen hat. Wir haben den gelben Räuber nicht zu fürchten und geht auch Kiantschou verloren, cs ist ja einerlei, ob cs vorerst an den englischen oder den japanischen Aasgeier zur Beute fällt, über sein endgilti-ics Gcschiit wird auf den Schlachtseldcrn Europas abgerechnet werden. Möglich wäre es, daß nun auch die Vereinigten Starten wo man vor der gelben Gefahr auf der Hut ist, in den Gang der Ereignisse cingreifcn werden, denn cs ist kaum anzunchmcn, datz sie die Japsen im stillen Ozean schilten und walten lassen nach Belieben. Auch nach dieser Seite hin, winken England Gefahren, denn Kanada hängt nur sehr lose an England. Auf alle Fälle war cs ein verzwei' l- tcr Streich, den England gewagt hat. Wenn England schon zuvor gcbrandmarkt im Kreise der Staaten dagestand?» hat, mit dem Ausrollen der gelben Gefahr hat cs sich als der Kultnrjcliündcr Europas bewiesen. Sir Edward Grcy, der sich als Vertreter der liberalen Ideen in England anfgcspielt hat, steht heute noe der ganzen Welt als der Urheber des meuscheumordende» K.rie- ges da. Denn ein Preis auf den Kopf eines Raubmörders ausgcsctzt wird, so sollte man mit Fug und Recht ans den Kops dieses Massenmörders Millionen setzen. Napoleon I. ist unser Feind gewesen, aber selbst dem Feind müssen wir anerkennen, datz er ein grober Mann gewesen ist. Sein vorschanendcr Geist hat schon vor mehr als hundert Jahren cingeschen, datz England der Todsemd Europa's ist. datz Enrovo nicht eher Frieden und Ruhe erwirken kann, als bis der englische Heuchler, der aus seiner sicheren Insel die Völker in die Kriege hetzt, vernichtet jei. Ter grötzte Triunws der Menschheit würde erzielt, oean dieser Krieg die Folge hätte, das, die Welt von der Herrsch.jt Englands befreit werde. Sirarridjr ©ftrdjtc in Schien uiiii im Elsaß. Tic französische 5. Kavallerie Division wurde gestern unter schweren Verlusten bci Pervez nördlich Namur voll unserer Kavallerie zurückgcworfe«. Bayerische und badische Truppe» schlugen die bis Weiler 15 Kilometer nordwestlich von Schlcttstadt vorgeörungenc 55. französische Infanterie-Brigade, brachten ihr grosse Berlristc bei und warfen sie über die Vogesen zurück. Bom serbischen Kriegsschauplatz. Wien, 19. A»g. Wie die „Rcichspost" meldet, haben die österreichisch-nngariselien Truppen auch bei Progo.r, 23 Kilometer westlich von Semlin, die Save überschritten und die serbische Stadt Lbrcnowatsch genommen. Revolution in Rnff.-Kankasieu. Konstantinopel, 19. Aug. Wie „Jkdnm" erfährt, gewinnt der Aufstand im Kaukasus gegen Rußland an Ans- dehnnng. Die Aufständischen hnben die Brücke über den Araxessluß an der einzigen Eisenbahnlinie gesprengt, die Rußland mit Persien verbindet. Die russischen Truppen fliehen mit ihren Waffen und Gepäck an die türkische Grenze. Vorgestern hat eine große Zahl Soldaten die Grenze überschritten, um aus türkisches Gebiet zu flüchten. Tie Preise für Lebcnsmittel sind im Kaukasus auf das Vierfache ge- stiegen. Es wird immer schwieriger, den Aufstand z>» unterdrücken. Das sapamschc Ultimatum. Berlin, 19. August. Ter hiesig« japanische Geschäfts- träger hat im Austrage seiner Regierung dem Auswärtigen Amt eine Rote überreicht, worin unter Berufung nus das englisch-japanische Bündnis die sosortige Zurückziehung der deutschen Kriegsschisse aus den japanischen und chinesischen Gewässern ed:r die Abrüstung dieser Schiffe, ferner bis znm 15. September die bedingungslose llebergnbe des gesamten PackstgebieteS von Kiautschou an die japanischen Behörden und die ««bedingte Annahme dieser Forderungen bis zum Ti. Aiignst verlangt wird. Acr ßailtr au das rrftf Carl» tttgiii! tut. In der Ansprache, mit welcher sich der Kaiser vor seiner Abreise ans Polsdäm vom Leibrcgiment der Hohcnzollwn, dem Ersten Gardereginient z» Fuß, verabschiedete, wie? er auf die früheren glorreichen Känipfc dieses Regiments hin und führte dann ans: Unser alter Ruhm ist ein Appell an das deutsche Volk und sein Schwert. Und das ganze deutsche Volk bis auf den letzten Mann hat das Schwert ergriffen. Und so ziehe ich denn das Schwert, das ich mit Gottes Hilfe Jahrzehnte in der Scheide gelassen habe. (Bei diesen Worten zog der Kaiser das Schwert aus der Scheide und hielt cs hoch über seinem Haupte.) Das Schwert ist gezogen, das ich, ahne siegreich zu sein, ohne Ehre uicht wieder einstccken kan». Und Ihr alle sollt und werdet mir dafür sorgen, daß es erst in Ehren wieder eingesteckt werden wird. Tasür bürgt Ihr mir, datz ich den Frieden meinen Feinden diktieren sann. Auf in den Kamps mit den Gegnern und nieder mit den Feinden Brandenburgs! Drei Hurras auf unser Heer! Ter Regimcntskonimandcur sprach in seiner Erwiderung da? Gelöbnis ans, daß das Garderegiment cs den tzrena- dirren des groben Königs glcichtun werde. „Unser nnbc- zwingbarcr Wille zum Siege soll gleich sein dem, der die Stürmer von Ehlum und St. Privat beseelt hat. Und s.der von uns, der in den beiden Regimentern in Reih und Glied steht, weiß datz cs nur eins gibt für uns: zu siegen ober zu sterben." neuer Balkaubnud? Wien. 19. August, lieber die Mission der tiirtischen Staatsmänner Talaat und Halil in Sofia und Bukarest Ichicibt die „Ncichspost": Ein neuer Balkanbund ist wirklich im Entstehen begriffen, aber nicht als Werkzeug Rußlands. sondern zur Verteidigung gegen Rußland, zur Wahrung der Freiheit der östlichen Balkanstaaten und zur Sicherung Koastantinapels und der Meerenge. Die Aktion ist weiter gediehen, als die heute vorliegenden Nachrichten erwarten lasten. Zur ©iiluahme von Lchabah. Wien, 19. August. Ungarische Blätter erfahren Einzrl. hcitcn über die Einnahme von Schabatz, aus denen hervor» geht, daß Frauen und Kinder aus alten Karabinern schossen nnd Bomben warfen., ohne jedoch viel Unheil anzurichten. Serbisch« Soldaten schossen auf Abteilungen des Roten .^reun« und auf Aerzte. Scharenweise schwammen serbische Soldaten in vollständiger Ausrüstung durch die Save, die Donau und die Drina zu den Oesterreichern herüber, sodaß in kurzer Zeit 500 serbische Deserteure eingefangen wurden. Die Soldaten hoben hervor, wie glänzend sich die österreichischen Geschütze bewahren. welche eiserne Disziplin bei den Oesterreichcrn herrsche und wie sparsam sie mit der Munition umgingen. Innm Sdjniifrigkfitfii in Sfririrn. In Risch hat sich infolge Typhus-Epidemie, Berpfieg- ungs- und Wohnungsmangel, schwerer Ausfchreitunge» russischer Ossiziere und neuer Konflikte zwischen Heeresleitung und Regierung die Lage äußerst kritisch zugespitzt. Der Bahuverkehr auch an der rumänisch-serbischen Grenze ist eingestellt. Aus meiner Rückkehr nach Salonik fand ich das Bahugeleise in der Nähe von Köprulu zerstört: Ursache schwere Kampfe zwischen Mazedoniern und Serben, welch letztere eine Niederlage erlitten, da sie die Südgrcnze gegen Griechenland zwischen Jstip und Monastir aufgegeben und sich zurückgezogen haben. Die Zufuhr aus Griechenland ist ausgebliebe». Oie (Tiirfcfn brtrn für uns. Wien, 19. August. Der „Politischen Korrespondenz" wird aus Konstantinopel gemeldet, daß In allen dortigen Moscheen Gebete für den Sieg der österreichischen nnd deutschen Armee veranstaltet werden. Das sei, bemerkt die „Pol. Korresp.", höchst bedeutsam, denn ZUIN ersten Male in der Geschichte des Ottomanenreiches geschehe es, daß die Muselmanen in ihren Gotteshäusern für den Sieg christlicher Völker beten. Stimmungsumschwung in Griechenland. Stimmungsberichte aus Saloniki verzeichnen einen Stim- mungsumschwung gegen Serbien, wohl die Folge dis Kriegsausbruchs zwischen Deutschland und Rußland. Die Syinpa- thien der Griechen stehen aus Seiten der Deutschen. Das englische .Kriegsgeschäst. London, 19. August. Aus London wird gemeldet: Die Regierung macht große Anstrengungen unter Ausnützung des Krieges Deutschland von den Auslandsmärkten zu verdrängen. Beim Handelsministerium ist eine besondere Abteilung unter dem Titel „Handelsinsormationen" neu eingerichtet, di« sich mit dieser Ausgabe befassen soll. Die Regierung sammelt durch ihre Organe in den Kolonien wie im neutralen Ausland Muster deutscher Waren. Diese sollen in London ausgestellt werden. Der Handelsminister fordert durch ein Rundschreiben die englische Erwerbswelt aus, die jetzige Konjunktur anczu- nützen. Belgische Gefangene. Hamburg, 19. August. 700 belgische Gefangene darunter Offiziere, trafen auf dem Schießplatz Münster in der Lüneburger Heide ein. Sie waren durchweg in schlechter Verfassung. Ans dk!il Ailterhlilt krlchgfstn? Aachen, 19. August. Bei dem belgischen Ort Bisee sollen abermals 2 Offiziere, 2 Unterossiziere und 6 Mann durch Zivilisten aus dem Hinterhalt erschossen worden sein, Keine liebtSßilbkN für Kritgsgkfaligevk. Die Eisenbahndieektioncn haben verfügt, daß den unver- wundeten französischen, russischen, b.lgischen usw. Kriegsgefangenen unter keinen Umständen Liebesgaben verabfolgt werden dürfen, solange der Eisenbahntransport dauert. Auf Bahnhöfen, wo Aufenthalt vorgesehen ilt, werden die betreffen- den Wagen sofort abgesperrt, so daß tei.ie Verbindung zwischen dem Publikum und den Gefangene» besieht. Die Eesangenen, 51». 194 ©eile 2. ein«!« ob Offiziere, Unteroffiziere oder Mannschaften, echal- ten ihre Verpflegung ohnehin. Mehr soll ihnen, solange st« unterwegs sind, nicht gegeben werden. Mie es steht? Unter diesem Titel äußert sich d« Eeneralseldmarschall «on der Goltz im »Tag" auf Grund der ersten Gefechte »«- traensvoll für die Zukunft. Er sagt u. a.: „Zunächst geht aus den ersten Zusammenstößen auf beiden Kriegstheatern die taktische Ueberlegenheit unserer Truppen über alle drei Gegner hervor, mit denen wir die Klinge gekreuzt haben, dies ist das Ergebnis der gründlichen systematischen Friedensausbildung unserer Mannschaften, die in ihrem Werte so oft verlannt worden ist. Im Osten sieht es aus, als ob die russische Kavallerie durch die ersten üblen Erfahrungen, die sie gemacht hat, von den befürchteten Einbrüchen in ost- und westpreußisches Gebiet vorläufig abgeschreckt ist. Man sprach früher viel davon, daß die sechs russische» Kavallerie-Divisionen, die jederzeit abmarschsähig a» der Grenze standen, mit Kriegsausbruch sofort ausbrechen, die Provinz bis zum Frischen Haff durchreiten, die Eisenbahnen zerstören und unseren Aufmarsch in Verwirrung bringen würden. Die Grenzbrigaden könnten sie dabei wirksam unterstützen. Davon ist nichts eingetreten und die erste gefäl)rliche Periode vorüber. In ein so sicheres Feuer, wie es unsere Infanterie mit ihrer Waffe abzugeben vermag, hineinzureiten, ist der russischen Kavallerie augenscheinlich die Lust vergangen. Vielfach sollte ich erklären, wie es gekommen sein könne, daß Infanterie ihr sogar Geschütze abnehmen konnte, was bei V i a I l a geschehen ist. Der Hergang ist einfach: sie sind unter dem Fernseu« liegen geblieben, wie die englischen Vatterien am Tugeln, die auf 1600 bis 1800 Meter Entfernung zusammengeschossen wurden. Die Kavallerie ließ sie dann, der eigenen Rettung denkend, im Stich. Bisher hat man von solchen Feuerwirkungen keine rechte Vorstellung gehabt. Auch die Japaner haben nicht so gut geschossen wie unser Fußvolk. Sehr erfreulich ist, daß auch unsere Landwehrtruppen sich voiteilhast geschlagen und der russischen Linie überlegen gezeigt haben. Die gute soldatische Erziehung wirkt in ihnen nach. Ehe nicht eine Wendung im großen eintritt, sind Ost- und Westpreußen jenseits der Weichsel geborgen. Dasselbe Bild wie an der Ostgrenze, nur in erhöhtem Maße teigen auch die Vorgänge an der fianzösischen Grenze. Die Ee- sechte von Mülhausen und Lagarde, die nicht unbedeutenden Verluste an Geschützen, Maschinengewehren und Eesangenen sprechen für die geringere Qualität des Gegners in Eigenschaften militärischer Durchbildung und Erziehung. Dies ist ein dauernd wirkender Umstand, den wir auch weiterhin auf unserer Seite haben werden, und das ist sehr viel. Das wichtigste Ereignis war der Fall von Lüttich. Von seinen möglichen strategische» Folgen sehen wir ab. Anderes verleiht ihm schon Bedeutung genug. Lüttich ist kein Platz allererster Ordnung, wie etwa Toul oder Belsort, ab« doch eine recht starke Festung — 1888 bis 1891 von Brialmont erbaut — mit einem Fvrtgiirtel »on M Km. Ausdehnung. Die Gürtelwerke hatten schweres Kampfgeschütz unter Panzerschutz und moderne leichte Schnellseueriairour» — ebenfalls in Panzer- lafette — zur Abwehr des Aahangriffs. Daß ein solcher Platz ohne regelrechte Belagerung durch gewalrsame Angriffe genommen werden konnte, hielt man bisher für ausgeschlossen. Der Sturm, der sich am 7. August vei-zog, gab eine neue Wendung in dieser Hinsicht. Was den Erfolg am meisten gefördert hat, wird erst zu beurteilen fein, roeun genaue Berichte vorlie- zen. Jegt schon ist aber sicher, daß die artilleristische Ausrüstung unserer Feldarmee hitireicht, um solche llnternehtnungen ausführbar zu machen. Jin Hinblie! auf die bevorstehenden Kämpfe um die befestigte französische Grenzlinie gewährt uns »ies gute Aussichten. D« Gegner hat unzweifelhaft nicht an »eu schallen Fall des Platzes geglaubt. Es muß ihn überrascht and sein Vertrauen erschüttert hsb:n: das wird sich ohne Frage » nächster Zeit sühlbar machen. Wenn man das ganze Ergebnis zusammenfaßi unb behängen wollte, daß schon die bisherigen Vorgänge auf das Schick- il des Krieges einen erheblichen Einfluß ansüben würden, jo wäre das zu viel gesagt. Verficht in der Einschätzung der eigenen Ersolge ist geboten. Wohl darf man aber cussprechen, daß bisher alles gut geht, ja besser, als man es erwarten tonnte. Wir haben alle Ursache, der Zukunft mit vollem Vertrauen entgegenzujeheu." Wenn eine unserer ersten inilitärischen Autoritäten einen derartig zuversichtlichen Eioudpui.lt einui.nm.t. so ist dies für das ganze deutsche Volk ein wesentlicher Grund mehr zu u»«- schütterlichem Vertrauen aus weitere Erfolge und den endlichen Sieg Uiiseres tapferen unter tem Schutze des Höchste.l stehenden Heeres. Die Schlucht yd MU Ein Augenzeuge schildert >n der „Franij. Zig." in lebendiger Weise die Vorgänge bei Mülhausen. Wir haben große und furchlbrre Dinge erlebt. Es hieß hier, dns Oberelsaß solle pre-sgegeben werdiu. andere meinten aber auch, daß es sich nur u.! eine Falle für die Franzosen handeln solle. Am D«nn«siag rückte.> l.: "c Soldaten nach der Grenze ab. Aiu Freitag und Sauiotag gab es Gefechte bei Altlirch brs vor die Tore Mülhausen:. Oe.i ganzen Tag über erdröhnte Kanonendonuer. gegen Abend hörte man Klein- ^uer und Kanirsslärm. Unsere pe r Regie, n!« leisteten erbitterten Widerstau», mußten aber - er der rleüerniacht zurück »iid am Samstag abend ro 17 u die Franzosen mit Hingen dem Spiel in die Stadt eil'. Scheu am Fieilog abend hatte» die ganze Post, die Eifeubrh» mit alle,, Lokomotiven, die Reichsbank die Stadl vertgsseo. Tie Gleise wäre» gesprengt und die Stadt still wie ein Grob. Der Sonntag kam heraus in strahlender O ' »heit und te leuchtete die französische» Biwaks gerade vor -.n» am Tanueu- wal» und die Artillerie, die eine viertel Si de von uns am Kamm nach der Ebene aufgezagen war. S 1 ganzes französi- scher Armeekorps hatte die Stadt passiert Eine Abteilung Husaren kam auch durch den Kronenweg. ..Hier llnd wir. bi« 5i«»« Klage», etrung. ivannerotag. von 20. August 1 * 1 « bleiben wir," erklärten sie: „jetzt geht es nach Berlin. D« Kaiser wird seine Koffer packen müssen." Es waren ftifche Jungen, steckten aber in miserablen Uniformen und hatten zerlumptes Sattelzeug, ersetzt teilweise durch Stricke. Und der Tag ging weiter in unerhörter Schönheit, so still, unheimlich schön, man ahnte die Katastrophe. Zwischen 4 und 5 Uhr sahen wir Truppei^, von den Bogesen herbeiziehen und schon kamen die ersten Kanonenschüsse im Norden Mülhausens bei Pfastadt (Vorort). Das war deutsche Artillerie. Wir sahen, wie die ersten Schrapnells in die Stadt einschlugen, wir sahen die französische Artillerie feuern, die leuchtenden Kugeln flogen, pfiffen und platzten. Und aus einmal lam uns die Erkenntnis, es geht auch um uns hier oben auf dem Rebberg. Wir flohen in den Keller, hatten gerade noch Zeit, den Kinderwagen, Soxhlet, Zwieback und ein paar Stühle runter zu schaffen. Da kam'? Schlag auf Schlag, immer stärker pfiffen die Bomben, immer sicherer platzten sie in unserer Nähe. Und dann kam ein Moment, dessen Schrecknis nicht zu sagen ist. Unser Haus war getroffen und wir faßen da im schwarzen Pulverdampf und wußten nicht: brennt es, oder stürzt alles zusammen? Und noch eine halbe Minute, und es schlug wieder ein, und zum dritten Mal. Wir alle rangen die Hände in schweigendem Entsetzen und warteten auf das nächste Schrapnell, das uns zerreißen mußte. Unser kleiner Klaus war ganz still, nur seine Augen sahen groß und starr und er versuchte zu sagen: „Gelt, es war schon ein bischen weiter weg." Und es platzten noch viele Schüsse über uns. Wir dachten, wir müßten ersticken, bis wir endlich die Kellertllr ausmachen konnten. Als die Detonation nicht mehr so ganz über uns war, hörten wir auf einmal unseren Gärtner und seine Frau rufen, „Kommen Sie raus, Ihr Haus fällt ein!" Und ohne uns umzusehen, sind wir in wilder Flucht durch all den Granatenregen zu Nachbarsleuten in den Keller gerannt. Später, als die Schüsse nicht mehr Schlag auf Schlag kamen, bin ich mit Ernst noch mal rüber, »m Klaus Matratze und Dek- ken zu hole». Jetzt fah ich die Zerstörung. Im Nachbarhaus ist der halbe Stock zertrümmert, ein großes Loch, auch durchs Dach, zwei Zimmer und die Speichertreppe total zerstört. Bei uns keine Fensterscheibe mehr, die Zimmer voll Elasfplittcr, und sogar im Keller, wo wir saßen, Schrapnellstücke. Unser Haus hat viele Schüsse, die nicht ganz durchgingen. Die Bäume Blumen, Palmen, nlles hin, tiefe Löcher im Gras, entsetzlich! Und es kam die Nacht, und ringsum entbrannte der fürchterliche Nahkamps. Wir saßen im Keller, 12 Menschen in einem kleinen Mittelraum, der uns am sichersten schien. Es war eine furchtbare Schlacht und sie wollte nicht enden. Da, gegen Mitternacht, hörten wir aus einmal die französische Artillerie aus der Ziemersheimer Landstraße nach dem Zoologischen zu in wilder Flucht abziehen. Ein Teil ging auch durch unsere Zur- heinstraße. V/, Stunden hörten wir sie rasen. Es war uns wie eine Engelsbotschafi, ab« wir dursten noch nicht ausatmen. Immer noch kamen Schrapnells von Pfastadt, und auf der anderen Seite grollte schrecklich der Jsteincr Klotz, llnd vor und neben uns der Nahkamps, Gewehrfeuer, bas Prasseln und Knattern des Maschinengewehrs, und auf einmal deutsche Kommandos, Signale: „Kartoifelsupp, Kartosfelsupp" zum Angriff mit dem Bajonett, llnd die Kugeln flogen ums Haus nud prasselten in die Bäume. Und drunten aus d« Stadt raste der Stra- ßentamps herauf, bis es dann gegen 4 Uhr still wurde. Wir gingen hinaus in die kalte Sternennacht und achteten gar nicht mehr daraus, daß immer noch einzelne Kugeln flogen. Die ersten Hähne schrieen, der Mond stand kalt u. klar am Himmel. Und wieder schwoll und raste eine wilde Schlacht im Tannenwald, und dann wieder Totenstille. Wir sahen das weite Schlachtfeld, wir sahen dunkle Körper, und als um X5 Uhr das erste .Morgenrot über den Blauen (Schwarzwald) stieg, rafften wir alles zusammen und flohen in rasender Eile in die Stadt zu Bekannten. Und kaum waren wir dort, ging noch einmal eine schwere Kanonade über die Stadt, wir faßen wieder im Keller. Aber dann war der herrliche Sieg entschieden. Und zwei Stunden spater rasten die Autos, um die Verwundeten zu holen. Es lagen die Leichen in Haufen übereinander wie Kartoffelfäcke. Alle Spitäler sind voll und die Notlazarette und die Häuser, die ausnehmen wollten. Ich sah bejammernswerte Menschen, ich will es nicht beschreiben. Und mittags zog das ganze siegreiche Armeekorps ein. Auch ein Better von mir, frisch und fioh. Er kam heraus, als ich gerade nach unserem Haus sah, und nahm Säst, Wein und Kirsch- und Sulz- matter-Wasser mit. Bon ihm hörten wir dann, daß sie die Kanonen aus unser weitleuchtendes weißes Haus aus dem Berg eingestellt hatten, weil sie glaubten, die Höhe sei von Franzosen besetzt. So hat er selbst uns so jämmerlich beschossen. Es zogen nun unerhörte Mengen Soldaten in die Stadt ein. Ich sah die Feldpost, das Rote Kreuz, Der Stab ist da. Es war ein brausendes Jubeln bis abends 9 Uhr. Da ging der Verrat an. Franzosen waren noch da, versteckt in den Häusern, und sie schossen und wieder war's ein Straßenkamps u. tolles Maschinengewehrknattern. Wir waren gerade wieder zu Hans anzekommen, weil in der Stadt überall starte Einquartierung war. Und wieder saßen wir mit den Kindern beim Nachbar im Keller und legten uns um Mitternacht aus Matratze». So sind un-ählige Verhaftungen vorgenommen wor- d::>. Ei» Kloster in Riedisheim soll ausgehoben sein, weil t: rr eine ganze Kompagnie Franzosen versteckt war. Andere Leute sind sosort erschossen worden, als man die Franzosen bei ihnen fand. Gestern den ganze» Tag gab's Hansftichungen mit ausgepflanztem Bajonett. Mir hielt ein Leutnont di/ Pistole unter die Nase als ich gestern nichtsahnend an solch einem Haus vorbeikam. Aber man ist nun schon abgehärtet, daß man vor so war mcht mehr «schrickt. Wir fürchten nur noch die Schrap nellr. lind nun ist Ruhe, hecher Sommer, aber es zieht ein Prondgeruch, und uachis riecht es nach Leiche», die noch da liege» aus dem Weg nach Ziemersheim: hoch auseinandergefchich- tet, mit Mänteln zugedeckt, warten sie aus das Massengrab. Tiefe Nacht sind wir zum ersten Mal wieder aus den Kleidern getomme» und haben gut gejchlajen. Wir haben Einquartierung und bewirten die Leute mit den beste» Sachen. Es ist ein Wunder, daß wir noch leben unb unversehrt sind. In der Stadt sind viele Zivilisten «icblaoen. Eine Erklärung des Meder Gemkindkm!!'. Metz, 18. August. Der Gemeinderat der Stadt Metz faßte eine Entschließung, in der er in scharfer Weise Stellung nimm! zu aus Militärpersonen verübten Attentaten und in der es :• a. heißt: Einmütig und aufs schärfste verurteilt der Gemci»b;r.-.t .er Stadt Metz solch ruchlose Attentate, die jedem Bürger d Schamröte in das Gesicht treiben und ihn mit Absthen «lulle:' Wer die Hand gegen die Beschützer unseres Landes und t • eigenen Landestind« erhebt, der ist kein echter Lothringer, Tein echter Deutscher! Nur Meuchelmoedcr. die unbelümmert um das Schicksal ihres heimatlichen Bodens absichtlich ,:»d böswillig verkennen, was unser lothringisches Land de » Deutschen Reiche verdankt und schuldig ist, können zu solche» Schandtaten fähig sein. Solche Scheusale habchr jede Gemeinschaft mit dem Laude und ihren Blutsgenossen verloren. Der Ee- meinderat der Stadt sieht es einmütig als seine höchste und heiligste Pflicht an, seine Zusammengehörigkeit mit der tapferen deutschen Armee, mit welcher unsere eigenen Söhne für Kaiser und Reich und für die Zutunst unseres lieben deutschen Vaterlandes kämpfen, bluten und siegen, offen nud laut zu bekennen, Ihre Gefühle für das mächtige Deutschland, desse" Geschick mit dem unjrigen untrennbar verbunden ist und bleiben soll und dem ste mit Stolz und in unwandelbarer Treue angehören, fassen unsere Stadtverwaltung und der Gemeinderat zusammen in die Worte: Seiner Majestät unserem geliebten Kaiser Wilhelm geloben wir aufs neue unverbrüchliche Treue und Gehorsam und wünschen von ganzen Herzen, daß Gott unsere tapferen Truppen von Sieg zu Sieg führen werde! Die Entschließung fft von dem Bürgermeister Dr. Foret, der selbst aus lothringischer Familie stammt, und dem Ee- meinderat, in dem sich ebenfalls zahlreiche Einheimisch: befin den, unterzeichnet Die Landessarben unserer Feinde. Ein eigenartiger Zufall will es, daß alle uns... . .mö» dieselbe Landessarbe haben, nämlich blau, weiß und rot, und zwar Rußland: Weiß-blau-rot, Frankreich: Blau-weiß-rot, Eng land: Rot weiß-bla» und Serbien:Blau-rot-weiß. RnM'ches aus Finnland. Eine Seeschlacht hat nicht, wie vielfach gemeldet wurde, bei den Alands-Inseln stattgefunden. Keine der Inseln scheint von den Deutschen besetzt worden zu sein. Es gibt auf den Alands-Inseln aber auch keine Russen, weder Militär- noch Zivilpersonen: ste haben sich alle nach dem Festlande begeben. Bei den Alandsinseln sollen keine Minen ausgelegt worden sein. Dagegen sind die Gewässer um Abo voller Minen. Auf dem großen Leuchtseuerturm von Bogslaer haben die Russen die großen geschliffenen Glasscheiben zertrümmert, obwohl die Scheiben sich leicht in wenigen Stunden hätten herausnehmen lassen. Durch diese Vernichtnngshandlung, die von der panikartigen Nervosität der Russen zeugt, ist ein Schaden von nahezu 100 000 Mark verursacht worden. Das sinnländische Lotsenwe- sen ist vollständig eingezogen: Seemarlen und Leuchtseuer sind weggenommen. Alle russische Lotsen sind nach Sveaborg lom. mandiert worden. In Hangö hat der Hasenlommandant die kostbare Mole, die etwa 20 Millionen Marl wert gewesen sein soll, mit Dynamit in die Lust gesprengt. Das dadurch verursachte Dröhnen gab zu dem Gerücht Anlaß, daß bei den Alands- Inseln eine große Seeschlacht ausgekämpst worden sei. Der Kommandant von Hangö hatte jedoch nur den Beseht bekommen, Minengänge unter die Mole bohren zu lassen, damit, wenn die Eesahr drohend werde, die Sprengung vorgenommen werden könnte. Als d« unglückliche Kommandant merkte, daß er den Befehl mißverstanden und große Werte eigenmächtig vernichtet hatte, erhängte er sich aus Furcht vor Strafe. In ganz Finnland kaufen die Russen jetzt alle Pferde auf. Die edelsten Pferde, die 2—4000 Mark wert sein tonnen, werden mit „Anweisungen der Krone", die aus etwa 800 Mark lauten mögen, gelaust! Auch alle Automobile in Finland haben die Russen aus ähnliche Weise gelaust. Die Lebensmittelpreise sind in Finland in beunruhigender Weise gestiegen. Roggenmehl, das vor drei Wochen noch 20 Penni per Kilogramm kostete, muß man jetzt beispielsweise mit 80 Penni bezahlen. Die Holzindustrie liegt säst ganz brach. Die meisten übrigen industriellen Etablissements haben die wöchentliche Arbeitszeit aus vier Tage herabgesetzt. Flucht des Zaren? Verschiedene Blätter behaupten, daß die Abreise des Zarcit nach Moskau direkt einer Flucht glcichkäme. Dein Bundesgenossen der serbischen Fürsten- und Meuchelmörder schwebe beständig das Schicksal seiner Ahnen, die sämtlich .mter Mörderhändcn verblutet sind, vor Augen und er finde leine Ruhe mehr. Jetzt ist aber, wie die „Germania" schreibt, noch ein neues Moment dazu gekommen, das ihn Petersburg noch ängstlicher werden läßt. Es kann nicht mehr dem geringsten Zweifel unterliegen, daß die überwältigende Mchihcii des russischen Volkes, ebenso wie die des französischen, von dem Kriege, in welchen panslawistischc Hetzer und die Groß- fürsicnpartei das Land gestürzt haben, absolut nichts wissen will, Tic schweren Wunden, welche der Japanifch-Rass 'che Krieg dcni Reiche geschlagen hat, sind noch lange nicht ver- narbt: Tausende und Abcrwusendc von Familien sind noch in Trauer um gefallene oder verstümmelte Angehörige, und her vernichtende wirtschaftliche Rückschlag wird sich noch o»i Jahre hinaus fühlbar machen. Dazu droht, infolge der Mißernte, in weiten Gebieten des großen Reiches Hnn iers- not mit all ihren schrecklichen Folgen, lind in dieser Lage soll nun das arme, geknechtete Volk in einen neuen, in dee leichtfertigsten und gewiffenlosesten Weise beraiifbesch'.>o--c- nen Krieg gestürzt werden, von dem es von vornherein h>£ sichere Gefühl hat. daß er neues schwere, Unheil Über dos Land bringen. Zehniausende seiner Söhne c^rinäl, aus die Schlachtbank liefern und seine Leide« mtUKndlHe ver- niedren werde! - 9t*. l«i 91*«* Taf**i«Um«0. «es Bk «»»»ft l»i(L 3 Der Nejchstiailrln über -n KritH. Kristian > a, 18 August. Hiesige Blatter berichten Über eine Unterredung, die om 15. August der Reichskanzler den, Publizisten Björn Björnsan gewahrt hat. Dieser berichtet: Der Reichskanzler, der sehr gut ausfieht, obwohl eine riesige Arbeitslast ihn seit Wochen an den Schreibtisch srstelt, sprach mit Wärme von dem mustergültigen Verhalten der neutralen Staaten und mit vornehmer Zurückhaltung von den Machenschasten der Gegner Deutschlands. Nur einmal zeigte er so etwas wie Erregung, als er oon England sprach. Der Reichskanzler sagte . a. folgendes : Daß die nordischen Länder und Holland sich so entschieden neutral verhalten, wird in Deutschland sehr dankbar empfunden. Wir find entschlosien, dies« Reutraliät mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln zu stütze». Dies gilt insbesondere von unseren unmittelbaren Nachbarn Holland und Dänemark. Ich tat füns Jahre lang alles, um den Weltkrieg zu verhüten: sogar nach der jetzigen, allgemeinen Mobilmachung versuchten wir alles, was möglich war: aber vergeblich. Ruß land scheute nicht vor der schweren Verantwortung zurück, den Wcltbrand zu cntsesseln. Ich erhielt soeben von unserem Botschafter in Konstantinopcl ein Telegramm, in dem ihm mitgeteilt wird, das, an dem dortigen englischen Botschaftsgebäude ein Plakat angeschlagen sei, dag die deutsche Flotte in der Nordsee eine surchtbarc Niederlage erlitten und zwanzig ihrer besten Schisse verloren habe. Kein wahres Wort ist an dieser Geschichte. Sie sollte natürlich dazu dienen, bei den Türken Stimmung zu machen. Die frivole Politik Rußlands trägt die direkte Schuld an dem Kriege. Wir kämpfen heute nicht nur für uns. Besonders die skandinavischen Länder müssen ja verstehen, daß es auch um ihre Existenz geht, wenn Rußland siegen sollte, daß also mit unserem Schicksal auch dasjenige anderer germanischer Länder von höchster Geisteskultur verknüpft ist. Das läßt uns, di« wir reinen Eewisiens in den Krieg ziehen, mit doppelter Entschlossenheit kämpfen. Man hat «st den Einwand gegen mich erhoben, daß ich zuviel ethisch« Momente in di« Politik trüg«. Betrachten Sie die Haltung unseres Volkes, bedenken Sie, was es heißt, daß auch unsere Sozialdemokraten, die mir so oft in der inneren Politik Schwierigkeiten bereitet haben, jetzt Mann sür Mann mit uns gehe». Es sind tiefe sittliche Kräfte, die alles vorwärts treiben. Noch eins: unsere Mobilmachung ist noch nicht ganz beendet, und schon erzielte unsere Armee beträchtliche Ersolg« bei Lüttich, Mülhausen und Lagarde. Das Land ist vom Feinde gesäubert. Das Volk aber, das sich im Vollbesitz seiner moralischen Krast wie ein Mann erhoben hat, und so ,Bcwunderungswertes zu leisten vermag, das kann nichtunter »t« Räder kommen und kommt nicht unter die Räder." g. Der liirlt non Monaco verlchmn-eil. Das inmitten des südlichen Frankreichs an der Küste der Riviera gelegene Fürstentum Monaco ist der Schauplatz wüster Szenen gewesen. Die französisch gesinnte Bevölkerung hat einig« Deutjch« mißhandelt und ermordet. Der Fürst soll »erjagt worden sein. Ueder seinen derzeitigen Ansenthalt ist nicht bekannts. Die Deutschen zahlen ehrlich. ’• Fast in jeder Nummer der ftanzöpscheu Blätter, die UNS in die Hände fällt, lesen wir von Raub und Plünderung, die angeblich von den deutschen Ulanen in Belgien verübt werden sollen. Es lohnt sich schon gar nicht mehr, diese Lügen, die gleichwertig neben den erdichteten Siegen und den künsllich zu Harmlosen Operationen umgcdichtetcn französischen Niederlagen stehen, zu widerlegen. Das Zeugnis eines französischen Blattes dafür, daß die Deutschen ehrlich zahlen, was sie brauchen, sei denn noch wiedergegeben. Der „Lyon Republik»!»" ließ sich am 13. August aus Brüssel folgendes berichten: „Die Deutschen haben bisher in Lüttich sehr geringen Schaden ungerichtet. Sie scheinen zu zögern, als wären sie unruhig. Alles, was sie bei den Bewohnern und Händlern entnehmen, beprhlen sie mit Gold. Einzig und allein diejenigen Lütticher werden belästigt, die man im Besitze von Waffen findet." Rom, lg. August. Schon vor 1K Jahren gelang es nur mit Mühe, die Katasttophe abzuwenden: diesmal war das Ende nicht abzuwenden. Die Bronchitis war stark und sehr ausgebreilet, das Fieber hoch. Rom, lg. August. Um 2>» Uhr nachmittags läuteten die Glocken der Kirchen Roms, während dem Papst die Sterbesakra- Aiente gereicht wurden. Das Gerücht, daß der Tod bereits ein- Oetreten sei, bestätigt sich bis jetzt 3 Uhr nachmittags nicht, doch Wird das Ableben jede» Augenblick erwartet. Rom, 19. August. Die Agonie beim Papst trat um 1 Uhr »achmittags ein. An, Sterbebette weile» die behandelnden Arrzte Amici und Marchiasava, diee Schwestern des Papstes «nd Staatssekretär Mcrrg del Dal. Kardinal Serasinö Danu- telli als Großponitentiar sowie die Pönitentiare des Petersdoms wurden sofort benachrichtig«, um dem sterbende» Papste bcizu stehen. Rom, 18. August. Der I o d e s k a m p s des Papstes dauert seit 11X Uhr vormittags an. Es wurde« befohlen, das Sankttsstmum in der Eakramenlskapelle von Sankt Peter aus- »ustcllen. In den erste» Rachmittagsstunden sand ich nur we- ntgee Leute dort betend, auch aus dem rlescnhaftcn Platz wenige Waget« und Neugierige oder teilnehmende Gläubige. £7 Während di« Welt ln Waisen starrt, tst de« heilige Vater W» seinen Dorgänaern der»«»» worden und der Stubl Petri steht verwaist. Pius X. war ein echter Priester, ein Man« mtt de» vorziglühste« Gabe» der Herze« und de» Geiste«. Rtt «htttchem Eifer war er bestrebt, seiner Kirche und damkt der Menschhett zu dienen, so daß sei» Andenken allezeit rei» erstrahlen wird r >«------ '' Ans der Heimat. Fricdbcrg, 20. Slug. Ein Schildbürgerstreichs Zu Beginn des Krieges wurden die hier und in der nächsten Umgebung wohnenden Russen, etwa 50 an der Zahl, in die Turnhalle gebracht, dort eingehalten, scharf bewacht und auf Regiments,,„kosten gefüttert. Nachdem dies eftva 14 Tage gedauert hat, wurde gestern die ganze Schar auf An- trag der Bürgermeisterei entlassen, darf sich wieder frei in der Stadt bewegen und ihr Wesen, wie seither treiben. Wir müssen gestehen, daß uns- ein derartiges Vorgehen einfach unverständlich ist. Entweder waren die Leute vor 14 Tage schon gefährlich, dann sind sie cs heute noch. Die 11 Tage Haft werden ihre Vorliebe sür Deutschland kaum gesteigert haben. Man scheint hier der Meinung zu sein, dost es sich um Abgeschobene handelt, die leine Liebe zu Rußland hätten. Auch da ist die allergrößte Vorsicht am Platze. Das richtige wäre, wenn man die ganze Gesellschaft außerhalb Deutschlands an die Grenzen befördern würde. — In dasselbe Kapitel gehört die Tatsache, daß die Bürgermeisterei unter verschiedenen Hörern der hiesigen Polytechnischen Lehranstalt auch zwei Russen die sog. Notprüfung gestattet hat. Da hört sich einfach alles auf. Die Prüfung findet, wie der Name sagt, in, Hinblick auf die Not des de > t- schen Vaterlandes und nicht des russischen. Mit Recht hat das hiesige Kreisamt Beschwerde hiergegen erhoben. Die Entschuldigung, daß es sich um Proben handelte ist gänzlich hinfällig. Es wäre wirklich an der Zeit, daß dem d c n t - scheu W e lt b ii r g e r t ii in auch in Friedberg ein Ende gemacht würde. Die Zeiten sind nicht mehr danach! " Fricdbcrg. 20. Aug. Sonnenfinsternis am Freitag, den 21. August. Ain Freitag findet bekanntlich eine Sonnenfinsternis statt. In unserer Gegend beginnt sie um 12.10 Uhr und endet um 2.31. In der größten Phaie der Verdunkelung wird sic etwa 75% des Somicndnrch- mcssers betragen. Aus Vilbel wird uns geschrieben: Der „Vilbeler Anzeiger" bringt einen Artikel, worin er bittet, das Geld, welches die Abgeber von Pferden an die Armee einnehmen worden, bei der Bezirkssparkasse Mathildcnstist dahier anzulegen. Glaubt denn der Verfasser die Bauern »nd Geschäftsleute hätten die Pferde zum Luxus gehalten, man könnte die Ernte mit dem Karren nach Hanse drücken und die Aeckcr mtt dem Motor bestellen. Wenn auch die Geschäfte durch den Krieg wohl eben etwas langsamer gehen, so müssen die Aecker so gut geackert werden wie sonst, denn andernfalls können wir nächstes Jahr nicht ernten, und was dann entsteht, kann sich jeder selbst ausrechnen. Aber vor allen Dingen sind überhaupt noch keine Pferde ausbezahlt, obschon dieselben schon 14 Tage weggcnouunen sind, imd wie die Pferde am 1. und 2. Aushebungstnz 'axiert wurden, so braucht man schon von 2 Pferden das Geld um jetzt ein Pferd kaufen zu köitnen. Zudem muß heute jedes Pferd beim Kauf baar ausbezahlt werden. Ohne Geld be- komnit Keiner ein Pferd zu kaufen. Wir möchten dazu bemerken, daß die Notiz im ..Bttve- ler Anzeiger" recht gut gemeint war und auch zu beherzigen ist. Es ist darin nur die Rede von Geldern, die liegen bleiben sollen und da wnrde empfohlen, sie speziell beim M a - thildcnstift anzulegen. Zweifellos steht doch fest, daß nicht sämtliche Gelder augenblicklich dazu verwendet werden können, um wieder Pferde anzukaufen. Für das Anlegen dieser Gelder ist, was wir auch nur empfehlen können, das Mathildenstift hervorgchoben worden. Was die Auszahlung des Pferdegeldes an- betrW, so werden diese 2t Tage nach der Aushebung der Pferde bei »er Bezirkskaffe ausbezahlt. Wer vorher Geld braucht, kann die Anweisung bei der Rcichsbankneben- stclle Friedberg biscontieren lassen. Es wird ihm dort der Betrag der Anweisung unter Abzug von 6% Zinsen sür die Tage, die das Geld vor dem 21ten Tag abgeholt wird, ohne Wetteres ausbezahlt werden. Starkrubnrg. * Darmstadt 20. Aug. Ein Protest des Hess. Negierungsorgans. In der vorletzten Nummer der „Darmst. Tägl. Anz." wurde das amtliche Organ in scharfer Weise angegriffen, weil cs in seiner Verösscntlichung über das von der Rcichsregierung her- ausgcgcbcnen Weißbuches über die Vorgeschichte des Kriege» die zwischen dem Zaren und dem Kaiser gewechselten Depeschen, welche in der ganze, Welt als eine unglaubliche Falschheit und Heimtücke des Zaren kennzeichnen, einfach weggelassen — unterschlagen — hat. Es wird weiter behauptet, daß die „Darmst. Zeitung" seit Jahren auf Weisung de» Staatsministeriums, kein- Nachrichten über Rußland und Montenegro veröffeiitli- chen dars, di« etwas Ungünstig«*, über diese Staaten enthalten. Es wurde weiter daraus hingewiesen, daß rinz Franz Josef von Battenberg, der bekanntlich eine Tochter des Königs von Montenegro zur Frau hat, alles andere, wie der „Darmst. Tägl. Anz." sagt, als ein Freund Deutschlands und Preußens ist und daß er als Montenegriner anzusprechen ist. Er bewohnte seit Jahren ftr einer ihm von dem Eroßhcrzog zur Verfügung gestellten Villa im Bessunger Hcrrngarten und wurde auch sonst »om Großherzog mit Rücksicht auf die schwachen Mittel des Prinzen unterstützt. Der Prinz soll sein Automobil. anstatt es der Militärbehörde zue Verfügung zu stellen, etniach dem Großherzog überwiesen haben, damit es der Requisition durch das Militär entgeht. Sonderbar klingt allerdings dl« jeüt oon Seite« der Holbcamten vorgebracbte E»t schuldig»»,, da» Auto sei für die militärischen Zwecke zu chwer gewesen. Endlich wird in dem Artikel, der die Ucberschrist „Uner sreuliches an» Hessen" trägt, auch die eigentümliche Stellung des Bruders des cbencrwähnten. des Prinzen Ludwig neu Dattenberg hingewiesen, den auch wir gebührend gclennzeick: net haben. Hier wird auch darauf aufmcrlsam gemacht. b~ ; dieesr englische Großadmiral bei seinem letzten hiesige» Besuche am Hose auffallende, Interesse für unsere Luftschis,'ahrt zeig!, und von hier aus an einer Zeppelin- und einer Parseiialfuhit teilnahm. Für unseren Landesfürsten, der sür seine Verwandtschaft doch nicht weiter verantwortlich gemacht werden lann, und der durch die Verheiratung seiner Lieblingsschwcster an den Zaren durch die jetzige Situation sich in keiner aiigenehmen Lage ist. wird die Teilnahme an dem Feldzug gewiß ein« Erleichterung und Genugtuung sein. Di- amtlich- „Darmst. Ztg." erllarte gestern an der Spitzi ihres redaktioucNen Teiles, daß die vorgestrige» Behauptungen des „Tägl. Anz.", wonach die vertärzte Veröffentlichung des „Weißbuchs" ohne den Depejchenwcchscl zwischen dein Kaiser und dem Zaren aus Anregung der Regierung erfolgt sei, man habe nur den schon vom Wolssbüro geiürzte» De- pcschenbries ohne weitere Kürzung ausgenommen. Ebenso unwahr sei die Behauptung, daß die Rubriken „Rußland" und „Montenegro", soweit sie Nachteiliges cnlhieltcn, aus Wunsch der Regierung weggelassen worden seien. Wegen der gegen das Staatsministerium gerichlclcn Angriffe seien ge. richtliche Schritte cingclcitet. Wir erfahren hierzu, daß gestern srüh der Oberstaatsanwalt Dr. Schwarz mit mehreren Beamten der Staatsanwaltschaft und des Amtsgerichtes im Verlag und der Redaktion des „Tägl. Anzeigers" erschinen und die sämtlichen vorgestern erschienenen Nummern des Blattes, soweit sie noch vorhanden waren, konfiszieren ließ: auch die weiter vorhandenen Exemplare in of fentlichen Lokalen in der Stadt und auf dem Lande sollen ein- gezogen werde». Die Platten der vorgestrigen Ruinmer wurden ebenfalls beschlagnahmt und i» Anwesenheit eines Kriminalbeamten vernichtet, d. i. eingcfchmolzen. Weiter wurde nach dem Verfasser, resp. Urheber der Notizen geforscht. Wir höre» noch, daß am Nachmittag der Ehesredalteur B. durch di« Staatsanwaltschaft vernommen wurde. Er bchauplct, den Beweis der Wahrheit antreten zu können. In einer angcsügten Erklärung wird scstgestellt, daß die beiden Automobile de- Prinzen Franz Josef v. Battenberg der Aushrbiingslommission vorgeführt, aber von der Kommission als z. Z. nicht geeignet entlassen worden feien. * Darmstadt, 18. Aug. Durch einen Zug der Leibkompagnie des Jnf.-Regts. Nr. 81 begleitet trafen am Samstag früh 5 Ilhr die bisher in Frankfurt befindlichen etwa 220 französischen Gefangenen hier ein und hatten s,b trotz der frühen Morgenstunde wohl 2—300 Neugierige cin- gcsunden, die vor dem Bahnhof Ausstellung nahmen, da die Bahnsteige geräinnt waren. Entgegen den Vorkommnisse» an anderen Plätzen ging der Borbeiniaesch der l.ing'.i Kolonne vollständig ruhig, fast ohne jede Bemerkung Vor sich denn schließlich kömrcil die paar Leute, und wenn noch mehr dazu kommen sollten sicher Nichts sür die jetzt entzündete Weltbrandfackcl. Drei der Gefangenen wurden gefesselt in einem Wagen gefahren, da sie sich widerspenstig gezeigt haben sollen. Sie werden voraussichtlich in Kürze abgeurteilt. Tie Lenti wurden auf dem Grieshcimer Trnpoe»- übungsplatz, tvohin sie marschierten nntergebracht. Tort sind eine Anzahl Baracken abgesperrt worden. Durch Bekanntmachung des Krcisamts, ist von jetzt ab. das Betreten der Hauptstraßen etc. des Trnppcnplatzes für das Publitnm nicht mehr zugängig. Die Gefangenen machten, wie schon btkannt einen nicht weniger, wie kriegsmäßigen Eindruck und schienen die meisten sicher mtt ihrem Scksicksal jetzt ganz zufrieden. Ein weiterer Gefangenentransport soll hierher unterwegs sein. * Darmstadt, 18. Aug. Zu Ehren der im Jahre 1870 und 71 gefallenen Krieger fand heute auf dem Darmstädter Friedhöfe eine Gedächtnisfeier statt, an der zahlreiche alte Veteranen und auch Offiziere teilnahmen. Pfarrer Marx hielt die Gedächtnisrede. Im Namen der Vereinigten 7 hiesigen Kriegervereine sprach Hauptmann d. L. Waldecker und legte dabei einen Kranz nieder. Auch auf den Gräbern der hier beerdigten französischen Krieger wurde ein Kranz gespendet. Der Zug bewegte sich dann auch nach dein Bess- uiiger Friedhöfe, wo Pfarrer Wagner die Gedächtnisrede hielt. Auch hier wurde ein Lorbeerkranz niedergekegt. Alle Teilnehmer waren sichtlich ergriffen. — Zahlreiche Fahnenflüchtige stellen sich auch schon vor Bekanntmachung des Kaiserlichen Gnadenerlasses in der hiesigen Garnison. Fast täglich melden sich die Leute, welche sich teilweise schon ieit 1001 ihre Militärpflicht ineist im Auslande entzogen haben, 'uni sür die Ehre des Vaterlandes mit ihrem Blute V.iiijit- 'treten. — Die Pulsadern geöffnet hat sich heute ftllh ein in der Pftegcanstakt in Eberstadt unlergebrachtcr kränklichet Mann. Er ist nach kurzer Zeit an den Derlctzimqcn, die er sich an den Oberschenkeln beibrachte gestorben. Wie wir erfahren ist eS der Pflegling H. E. Zermin. Kirchliche Anzeigen Gottesdienst in der Stadtkirche. Freitag, den 21. August, abends 8'/g Uhr nt andacht: Herr Pfarrer Rillrr. Frankstirler Wrtterbericht. Voraussage: Ziemlich heiter, trocken, bei Tag warm, nördliche bis östliche Winde, Gewitterneigung. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otlc Hirschcl. Fricdbcrg: für den Anzeigenteil: K. Schmidt. Friedbcrg. Druck »nd Verlag der „Neuen Tageszeitung", A- G., Friedberg i. H. ::r. 194 Neue Tageszeitung, Donnerstag, oen Lv. August laii. Seile f. Bürger Friedbergs! Die gegen den Feind ziehenden Söhne unserer Stadt sollen die beruhigende Gewißheit haben, daß ihre Lieben daheim versorgt sind und nicht zu darben brauchen und auch den Verwundeten und Kranken die nötige Pflege zu Teil wird. Der Einwohnerschaft unserer Stadt wird es daher eine freudige Aufgabe sein, den von den Vätern und Söhnen verlassenen Familien unserer Mitbürger mit allen Kräften beizustehen und auch die Mittel bereit zu stellen, die für die Pflege oer Verwundeten und Kranken erforderlich sind. In gleicher Weise gilt es aber auch für diejenigen, die durch den Krieg um Arbeit und Brot gekommen sind, zu sorgen und sie wenigstens vor Hunger und Not zu schützen. Die Stadtverordneten-Versammlung hat deshalb beschlossen, ähnlich wie in anderen Städten eine Zentralsammlung für Kriegsfürsorge einzurichten. Wir richten deshalb an die Einwohnerschaft die herzliche Bitte, die Durchführung dieser Aufgabe durch reichliche Eeld- und sonstige Spenden zu unterstützen. Spenden werden von den Unterzeichneten Vereinen und im Stadthaus, Zimmer Nr. 4 entgegengenommen Der Bürgermeister: Verein vom Roten Kren;: Stahl. Georg i. Aliee-Franen-Verein: Frjcdberger Hilfsverein: Nebel. Kleberger. kompletten Kastenwagen Doppeljpänner, billig abzugcbcn. Stall, Riedmühlr, Hungen. Dienstag, den 25. Aug. 1914, vormittags ‘/ilO Uhr wird das diesjährige Grummetgras von ca. 72 Morgen Gräflichen Wiesen in Gemarkung Rieder-Wöllstadt in 45 je zwci Ottsmorgen haltenden Abteilungen in der Wirtschaft „zur Linde" in Rieder-Wöllstadt öffentlich meistbietend versteigett. Affenheim, den 20. Aug. 1914. Gräfliche Rentlammer. Toiletteartikel Tür-Pl>rlligcii,FeiislnIe!icr, LchmiiM, Liilckinn iinD Parkettschrilbber, WMskn unD Kehliiiaschiiikil empfiehlt Iheetelti Steile! Hw. Inh.: Jas. Buob Fried b erg, Kaiserstr. 75. Mitteilung an! unsere Kunden Wir teilen hierdurch höflichst mit, dass die j infolge der starken Nachfrage der letzten Tage und des unterbrochenen Bahnverkehrs für kurze Zeit fehlenden Waren wieder eingetroffen sind. Wir sind daher in der Lage, unsere Kunden wieder wie gewohnt zu bedienen. Knapp sind nur noch Hülsenfrüchte, wie Erbsen, Bohnen, Linsen, Reis, von welchen nur kleine Mengen | | abgegeben werden können. Als besonders preiswert empfehlen wir: |Mehl No.!, 21 No. 0,22 No. 00 23 «■ | Limburgerkäse pfund 34«- [ Ex »ÄS xi, x» garantiert naturell geröstet, vortreff- liehe ausgiebige Mischungen . . . j Pfund Mk. 1.95, 1.40, 1.50, 1.00 p i. Pf. SalaUiVl schmeckend'""Liter »O Salz .....pw. IO Bruchreis . . IS Griesnudeln SÄ*.“ r »4 p-> 1 Feine Eiernudeln pfd - 45 p> te£!S! - » 4-45 PL llatcrflocken lose Pid . *50 pl ^ ia«sici-liaferllo€*k€‘ii '|i Paket 15 p,. ‘| 2 Paket 18 pf. Schade &\ Fiillgrabel üi'riciüier^ i. öl. Scliirngassc 4. Bekanntmachung. 2ch bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, dasi oie Sladtveiordncten-Versammlnng n» ihrer Sitzung vom 13. d. Mts. beschlossen hat, über die Dauer des Krieges eine Kinderkrippe einzurichten, in der bis zu 2 Jahre alle Kinder dcrscnigen Mütter ausgenommen werden sollen, die Lohnarbeit verrichten. Die Krippe wird demnächst eröffnet und werden Anmeldungen aus Zimmer Nr. 4 des Stadihauscs entgegengenommen. Zugleich bitte ich die Einwohnerschaft, entbehrliche Kindcrstllhlchen, Kindcrlische, Spielzeug, Kindcrwüsche, Badewannen rc. der Kinderkrippe zuzuwenden. Friedbcrg, den 15. August 1914. Der Bürgermeister. E t« l, l. f Statt Karten! Die glückliche Geburt eines kräftigen Jungen zeigen hocherfreut an Dr. Grosholz und Frau geb. Morschei. Darmstadt, den 18. August 1914. V Zahnarzt Landau, Friedberg Sprechstunden von jetzt ab wieder täglich. Wochentagen: 9—12 und 2—5 Uhr Sonntagen: 9—12 Uhr. Vrllllnelibau u. Sojrnnp, PmupeMliigen billigst. Stefan Kuhn, Inheiden Himgen. Bekanntmachung. Den Bezirkseingeseffenen der Erotzherzoglichen Handelskammer Friedberg, für die Kreise Friedberg, Büdingen, Schotten teilen wir mit, daß in Frankfurt a. M. ein wirtschaftlicher Beirat der Linienkommandantur errichtet wurde, der berufen ist, Wünsche und Anträge bezüglich Beförderung von Lebensmitteln aller Gattungen im Bezirk der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. entgegenzu- nehmen und nach Prüfung und Begutachtung an die Linienkommandantuc weiterzugeben. Etwaige Anträge sind daher bei der imterzeichneten Handelskammer anzu- bringen und werden nach Befürwortung an die zuständige Stelle weitergcleitet. Frieüberg, den 15. August 1914. Grotzft. Handelskammer ^riedberg für die Kreise Fricdbcrg, Büdingen, Scholien. Kekaiintrnachmig. Mit Bezugnahme auf den Aufruf des Landsturms warne ich die unansgebildeten Landsturmpflichtigen, voreilig ihre Stellung oder ilfre» Berus aufzu- gcbcu. Llllc Arbeitgeber ersuche ich dringend, diesen Leuten wegcir Verbleibens in ihren Stellungen oder beim Suchen neuer Stellungen keine «»»nötigen Schmierigkeiten zu machen, weil diese Leute, die sich nach Ziffer 5c des Ausrufe» {«- nächst nur znr Stammrolle ;n melden hatte», voraussichtlich nicht oder nur zu einen» stanz geringen Teil zur Aushebung komme»» werde»; Ziffer I des Landuurniatrsrufes besagt ja arlch bereits aus- Srürklich, dag zunächst nur »nilitärifch ausgcbildete La»»d,.r»rmvsiichtige zur Einstellung kommen werde.»; a»«»t> voi» diese» Ivird voraussichtlich zunächst nur ei» geringer Teil zur Einstellung gelangen. Kr-nirsnrt a. M., den 14. August 1914. Ter kommarrdiereude General gez: Freiherr von Gall, General der Jnsautcrie. Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die tiestraunge Nachricht, das, heule Morgen 8 /, Uhr mein innigstgeliebter Gatte, unser treubesorgter Vater, Großvater, Schwiegervater, Sohn, Bruder, Onkel und Schwager Karl Fleischhauer nach schwerem, in Geduld ertragenen» Leiden im Alter von 54 Jahren dem Herrn entschlafen ist. Reichelsheim, den 19. August 1914. Im Namen der likftriinmckil Hiiiteeblicliciici!: | Familie Fleischhauer. ■ o , 3 5 ie Beerdigung findet Fieitag, den 21. August I I 3 l /i Uhr statt. 1 ^lilül-Miier JJrfrr Mthler friröbrrg >.H.,HailaiicrjIr .8 3 IHinnitn vom Kahnhof. Telefon Nr. 280. KchonknOstk Lkhandillog Lillige Preise. Eine Pariie Ferkel adzugeben Norilz «lelincr Schwalheim bei Lad ilaulirim. &WMn SSXJffi Sohlen u. Fleck. Eefl. Off. an Dv artecha, Ober-Rosbach. Z« kaufen gesucht 1 leichter eiasp. Pftrdewageii Gieorg Seckier IV.. kaurrdach o. d.fl. Ceslhästsstelle öes Noten Kreil,jes, HuGme 16 . Es gingen weitere Spenden ein: 1. E -1 d: Herr Fromme, Reichsbankoarftand, hier 50 M; 1. Sammlung im Lehrerkollegium der Städt. Polytcchn, Lehranstalt, Friedberg 80 M; Ein Schüler: Verzicht auf verdienten Arbeitslohn 1 Ji; Herr Prof. Grein 20 Herr Kreisamtmann Schnittspahn 25 M; Herr Major v. Helmolt 40 .U; Frau Kommerzienrat Fettsch 100 J(; Frau Helene Waas Ww. 12 M; Sammlung am Bahnhof 2,44 J<; Familie Raab-Jost 6 JC, Herr Scminarlehrer Dr. Schäfer 5g .U; Frau Amtsgerichtsdiener Dreher u. Sohn 10 M; Ein East im „Kaiferhof" Friedberg 3,20 Herr Jos. Dörr, Friedberg 3 Herr Pros. Werner und Frau Psarrer Werner 20 Herr Geh. Medizinalrat Weckerling 30 M; Herr F. R. Friedberg 5 Herr Reallehrer Platz 5 Herr Postdirektor Harre» 10 M; Herr Baurat Haag 100 Herr N. N. Friedberg 10 M; Herr Friedr. Streckfutz 10 M] (der im vorigen Perzetchnis vermerkte Betrag von Jl 1 war Mehrerlös für eine Liedersammlung): Frl. Ettccksutz 5 Für verkaufte Naturalien 6,85 M; der Verein der Hundefreunde „Wetterau" Sitz Friedberg, sttftete 500 M. Sammelstelle Mathildenstist. Herr Dr. Vogel 25 ’M; Herr August Faatz 10 ’M. 2. Naturalien: Herr Müller Dictz, Friedberg: 2 Kannen Milch: Herr S. M. Friedberg: Schokolade, Kakao, Zucker, Limonade, Tabak, Seife: Herr Oekonomierat Alles, Niederflorstadt: 1 Kanne Milch: Herr Reis, Dorheim: 3 Kannen Milch: Herr Pfeifer, Friedberg: Zigarren; Herr Benn, Bad-Nauheim: Zigarren; Herr Helmolt, Hosgut Fauerbach: 1 Kanne Milch, Marmelade; Herr E. Hoftnann, Friedberg: 1 Kanne Milch: Herren Ehrmann Söhne, Friedberg: 2 Flaschen Syrup: Herr K. Binder» naget. Friedberg: Kaffee; Herr M. Zehner, Schwalheim: Kartoffeln, Vollmilch: Herr Stadtrat Füller, Friedberg: Keller» einrichtung; Frau Sulzbach, Friedberg: 10 Körbe Kraut «ln- gefchnitten; Frau Helene Waas, Friedberg: Brot, Wurst und Fleifchwarcn; Herr Kriegk, Lokomotivführer, Friedberg: 100 Zigarren, 200 Zigaretten: Sammlung von Herrn L. Burk, Friedberg: 300 Zigarren, 1300 Zigaretten; Herr Balduin Vogt Friedberg: 10 Pfd. Kakao; Herr Damm, Friedberg: 500 Karten: Frau Kümmich, Friedberg: 20 Pfd. Seife; Frau Kiffek, Friedberg: Bohnen; Gemeinde Affenheim: Brot, Tee, Wurst, Fleisch, Eier, Mehl: Gemeinde Wölfersheim: 3 Körbe Gemüse, Eier; Brunncnverwaltung Schwalheim: 10 Ballon und vier Kisten Waffer; Herr Alexander Lewy, Friedberg: Brot, Brötchen, Wurst, Emailleeimer und Taffen, Körbe. 3. Wäsche und Eebrauchsgegenstände. X, Frau Aktuar Feick: gebr. Wäsche und altes Leinen: Frau Schwcinsberg: Gläser, Taffen, getr. Wäsche; Frau Brücken: Stiefel, getr. Hemden; Frau D. Krämer: gett. Hemden un» Unterhosen: N. N.: Gläser, 1 Wafferslafche, 2 Paar neue Sok» kcn; Frl. E. Stock: 1 Paar neue Socken: Frau Pfarrer Trautwein: neue Socken, 1 Korb getr. Wäsche; Frau Ferd. Damm: 15 getr. Herrenhemden; Frau W. Bechstein: 7 gett. Hemden; Frau Rothschild: 2 Paar neue Socken; Frau Stabs-Jng. Schumacher: 0 getr. Hemden; Simmcr u. Moll: weihe Wolle für 5 Paar Socken; Frau Schmehl: getr. Socken, 3 gett. Hemden; Herr Schlaffer Rumpf: 5 getr. Hemden: Herr Balduin Bogt: 24 Taffen; Herr M. Scheuer: 2 Stück Stoff, 8 neu- Hemden; Herr I, Stern: 22 neue Hemden; Frl. Heckner: 2 gett. Hemden; Frau Hauptman» Domizlaff: 1 Matratze, 12 Flaschen Wein; Frau Bauinspekior Witzler: 2 getr, Hemden, 3 Paar getragene Socken. Allen Gebern herzlichen Dank, Zweigverein vom Roten Kreuz, Fercdderg i. H.