Kummer UM» Samstag, den 15 . Aug u st 1'.N4. 7. Jahrgang Neue Tageszeitttng Samstag, den 1». August 1?N4. Die „Ueue s?ag»»,ei»nng" r, ä cini >etei, d- e wi ... Regelmäßige Beilagen „?n « bei Cen Agenten monallich 5N P' Erfüllungsort 5 eiIaßfn ..?er ^aner aus Hessen". ..vie Kpinnstube". L-»ugc-pr-»»: Bei den Postanstalte» vrenel-aumä, Mt 1 *15 ; fbUl,t 1?« Tr°g«I°h^ Ameisen . Grand,eile 20 Psg„ lokale 15 Psg, An,e>gen von auswäri, werden dar!, Po tna ,'ar-n ergaben „r.edberg. c chy.ct e..,,np UN» Verlag Fnedberg (Hessen,. hanauerstraße 12. Femiprecher «S. Posticheck-Laul- illr. 185- ?Imt ^roilfu-t « •>! ’ Der Krieg. Geduld. — Ciue deutsche Warnung an Frankreich und Belgien. — Währtnd dtr iHobilmaifjung in Pnris! Ter französische Patriotismus. — Kopflosigkeit aus dem Gcucralkonsulat. — A bas In gnrrre! — Mangel an schwerer Feldartillerie und französischer Tuldatcugcist. — Mobil- machnng. — Nicht so viel Franzoseu totschlagen! — Frau- zösisch belgische Ehikancn. — Glücklich im Vaterland. Eine Bewohnerin Fricdbcrgs stellt uns in liebenswürdiger Weise einen Brief zur Verfügung, den sie von ihrem Bruder erhalten hat. Der Bricfschreibcr betrieb 5 Jahre lang in Paris ein Geschäft, er wurde mit seiner Braut, die ihn besuchte, von der Mobilmachung in der französischen Hauptstadt überrascht. Ter Brief lautet: Lünrburg, drn 11. Aug. 1911. Liebe W . . . .1 Zu nicincm großen Bedauern habe ich in dieser ernsten Zeit genügend Muße, Tir einen ausführlichen Brief zu senden. Alle meine Versuche, den Brüdern im Kainps zu helfen, sind gcsck>citcrt. Landwnrm, nicht gedient! Doch ich will nicht vorgrciscn und unsere Erlebnisse der letzten 11 Tage möglichst genau wiedcrgcbcn. Einen literarischen Wert sollen und können meine Ausführungen nicht haben, denn die Tatsachen sind durch die Zeitungen bereits bekannt geworden. Unsere Truppen haben wahrlich keine Ermutigungen nötig. Sieh, Schwester, Lüttich ist fd)on gefallen. Dasselbe Lüttich, von dem das französiscki« Volk erwartete, daß cs den deutschen Ansturm brechen werde. Ihnen sollen die Augen noch ausgchcn l Das fr. Volk, oder doch wenigstens die große Mehrheit desselben, will von einem Krieg nichts wissen. Wie Tu die Franzosen kennen gelernt hast, so sind sic auch bis zum letzten Augenblick geblieben. An rinr» Kriegsausbruch hat wahrlich kcincr recht geglaubt. Ter französische Patriotismus ist eine Mischung von Eigenliebe und Ruhmsucht. Tu kennst ja diese berühmte Pariser Blüte: „moi, je suis". Trotz aller Versuche der Blatter, insbesondere des „Matin", Deutschland als kriegS- lllstcrn hinzustellcn, konnte inan dentlich bei Diskussionen die innere Ucberzcngung des Gegenteiles beim Volke hcr- aushören. Wie ost konnte man aus den Gruppen vorm „Matin" entnehmen, daß sie sich nur zu verteidigen hätten, wenn sie angegrisfcn würden. Und man wird ja dem französischen Volke von leitender Stelle aus alles mögliche vorliigen. Doch was soll ich Tir all das erzählen, ich will nun etwas die Tatsachen spreck)en lassen. Am letzten Dienstag und Donnerstag des Juli bin ich beim Konsulat gewesen, uiil mir Verhaltungsmaßregeln zu holen. Dort riet man mir zur Ruhe, da nichts vorgrsallru wäre. Man muß auf dein Gencralkonsnlat wirklich schlecht unterrichtet pc- wcjc» sein, deiin wenn die Beamten etwas ernstes besürch- tctcie ",inten sic mir doch am Donnerstag morgen nicht raten, nbig aus Deutschland Geld per Anweisung kommen 8r lassen. Also beruhigte ich inich ein weiiig, traf aber doch Vorsichtsinaßrcgcl, denn das Geschäft war seit Montag wie abgesch,litten. Ich packte meine Sachen so weit es irgciid möglich war. Am Donnerstag und Freitag abend fandeii Knndgebungcn der Sozialdemokraten ans den großen Boulevards statt. Tie Polizei hatte die Terrassen vor den Cafees einziehen lassen. Eine dichte Menschenmenge wogte von der Opern bis zui» Place de la rcpubliaue. Von den Vorstädten herab kamen Sozialdeiiiokraten, einige Haufen wurden sogar von Abgeordneten geführt, die laut gegen den Krieg demonstrierten. Sie schrieen assasinl asjnsinl (Mörder!) und sangen a bas la gnerrc (Rieder mit dem Krieg?) nach deni Lied der l-uvpions. Von der Nationalhymne habe ich nichts gehört. Stellenweise kam es zu Schlägereien »nd die sehr starke» Schntziiiannsaufgebote hatten alle Hände voll zu tu». Zahlreiche Verhaftungen sind vorgcnomnicn worden. Aiii Sonnabend brachte der „Matin" einen Leitartikel, in welcheiii inan das französische Volk zur Zuversicht und Ruhe mahnte. Unter andcrenl wurde gesagt, daß die vom Scnatcur Humbert gemachten Enthüllungen über den Stiefclniangcl nicht ganz zutreffmd seien und wenn jeder Reservist 2 Paar gute, lricgsbraiich. bare Stiesel initbrächtc. wäre die französische Armee sehr gut beschuht (!) Tie Reservisten bekämen die Stiesel kenn Eintreffen im Regiment reichlich bezahl,- (Ans peijön- lichcn Mitteilungen von gedienten Franzosen habe ich ent- nommen, daß für reglenientäre Stiefel in Jriedensz-.'i? :n 17 Fr. vergütet wurden.) Ferner gab der Artikel den Mangel a» schwerer Feldartillerie zu und meinte, die Liiali- tät der französisckien Truuven würde diesen Mangel n:ehr wie aufwicgcn. Nun, liebe W ..... ich kenne ja die französischen Soldaten und auch die deutschen und wenn die französische Hccreslcitung weiter nichts will, kann ihr ja gründlich geholfen werden. Wir werden ihr wohl unseren deutschen Löwen, in Freiheit dressiert, zur Vergleichung der Qualität in Longchamp verführen. Nachdem ich die Lektüre dieses einzigartigen Artikels beendet hatte, ging ich zur Post, um ein Telegranim an El . . äs Onkel aufzugeben. Unterwegs begegnete mir der Prediger in feldinarschmäßigem Anzüge. Jetzt wußte ich, was die Glocke geschlagen hatte. Verweinte Augen juiiger Frauen ließen mir keinen Zweifel. Bei einem Bc- kantcn, las ich einen Einberufungsbefehl, immediat.'ment, sans dclai. (Sofort, ohne Verzug!) Es war teilweise Mo- bilniachung! Sofort fuhr ich zuni Konsulat. Es war von aufgeregten Teutscheii förmlich gestürmt. Der Beamte war totenblaß und wußte nicht, wem zuerst antworten. Er schrie: „Alles um 1 Uhr am Nordbahnhof, Billet nach Vcr- vicrs. Vor allen Dingen die Frauen und Kinder." Das war leichter gesagt als getan. Und unsere Geschäfte? Und unsere Sachen? Es war bereits 11 Uhr. Aber nur ruhig BlutI Noch ist keine Mobilmachung bckanntgcgeben. Ter Koffer war schnell fertig, ebenfalls das Handgepäck. Das Geschäft ist verloren. Bekannte kamen, die eingczogen waren und als sie unseren Aufbruch sahen, meinten sie. ich wäre ein ganz guter Kerl und möchte den Kameraden sagen, daß sic nicht so viel Franzosen totschlagen sollten. Das war kein Scherz mehr. Uns war allen nicht wohl uins Herz. Ehe ich es dachte, es war ungefähr 3 Uhr französische Zeit, also 4 Uhr nach der deutschen, ging cs auf einmal los. La gucrrc, la gucrre! Rufe schallten, eine Fanfare blies und lautes Weinen erscholl. Zu meinen, Fenster riefen sie es mir heraus und brachten niich mit ihrem Jammergeschrei derartig aus der Fassung, daß ich mich erschüttert aufs Bett warf. Einzelne kriegerische Rufe ließen mich allerdings rasch zur Besinnung kommen. Schnell war ein Auto hcrbeigeholt. In dem Augenblick, wo wir durch die Porte Champerrct »ach Paris fuhren, wurden auch die Tore für den Wagcnverkehr geschlossen. Um 4 Uhr löste ich ein Billet nach Dcrviers. Es war eine ungeheure Menschen- menge auf dem Bahnhof. Von 4—8 Uhr stand ich niit meinem Koffer ani Gepäckschalter. In der ganzen Zeit wurde c i n einziger Koffer abgcsertigt. Es war ca. Uhr als Schutzleute kamen uns uns von unseren Kostern forttricben. Sic waren bcschlagnahint. Ich sür mein Teil habe noch das Gliick gehabt, in, allgemeinen Wirrwarr meinen Koffer beim Handgepäck aufzugcben. Hoffentlich schießen die deutschen Kanonen mein Geschäft und auch den Koffer entzwei. Um 11.30 Uhr fuhr ein Zug nach Bel- gien. Ta El . . . und ich für Lebensmittel zu sorgen keine Zeit gehabt batte», so waren wir sehr abgespannt. Ich er- kündigte mich bei 2 SchntzmannSpostcn, ob ich auch hinein- käme, wenn ich jetzt herausginge, was mir an beiden TUrc,^ versichert wurde. Ich eilte also in ein Restaurant, um Brot, Wein und etwas Fleisch zu kaufen, da auf dem Pari- ser Bahnhof wie Du weißt, nichts eßbares verausgabt wird. Kann, ä Schritte von, Eingang entfernt, wurde die Tür zugeschlossen. Alles Bitten half nichts? ich mußte draußen bleiben. Das ging aber doch nicht! An einer Seile des Bahnhofes, Du weißt, wo die Einfahrt zur Ge- päclstatio» ist und wo wir durchgangen, als Tn abfuhrst, war nur sür Reservisten Durchgang und ca. 6 Schutzmanns- Posten. Ich paßte einen Trupp von 5 Reservisten ab und bi» lebhaft gesticulicrcnd nni durchniarschicrt. „A Berlin" sagte ich mir. Das Gedränge aus dem Bahnhof ließ etwas nach. Doch als unser Zug ankam, gab es einen widerlichen )>-.:;>» „nd die Plätze. Es waren viele Belgier dabei, die Na, gehässig genug benahmen und durch brutales Benehmen besenders Frauen ggcenübcr recht abstoßend wirkten. Lei Jeumont an der belgischen Grenze hatten wir ca. 3 Km. z>, Fuß zu laufen. Ich habe die Fahrt bis dahin stehend gemacht und durch den wirklich schlecht vcscdcrtc» ?.' ;cn !. Klasse (die deutschen Viehwagen sind besser gefedert) inein ganzes Knechrngcrüst im Verrenknngszuslrndc. Für daS Fab,:n meines Gepäckes bis direkt zum Grcuzvcsten, also 2 Kiu. weit, mußt- ick, l0 Fr. bezahlen. DaS Gepäck wog vielleicht lö lg. aber ich fürchtete, daß ich nicht mehr leben- big l :S zur belgischen Grenze kam, denn es wurde uns von einer Französin vorher i» Jeumont gesagt, daß v:e Leute dcS vorigen Zuges von den Grenzbewohnern "ngcfallen seien und ein Tont'cher durch eine französische Patrouille in Schutz genommen sei, aber er sei schon üalbtot gewesen. Russische Zustände. (Soeben. Ten Eindruck aus die Frauen kannst Tn Dir vorstelle» „nd ich wollte die Hände frei haben. Tatsächlich wurden auch die Leute aus dem uns vorhergehenden Zuge angcfallcn, die cs mit in Hcrbesthal selbst erzählt haben. In Eharleroi wollten sic uns wohl besonders ärger». 2 mal heraus und 2 mal cinstcigcn in denselben Zug und schließlich umst.-igcn. Alle diese Strapazen ohne Nahrungl Einige Frauen mm- den ohnmächtig. Nach der deutschen Grenze z» wurde» die Belgier höflicher. Umgesticgcn in Belgien 7mal und 2nn,l in Eharleroi macht Smal. Die ganzen Strapazen dauerten ca. 20 Stunden und wir begrüßten unsere schmucken deutschen Grenzschutztruppcn mit einem ehrlichen Aufatmen. Ich bin erstaunt, nachdem ich nach bjähriger Abwesenheit wieder dcntschc Truppen sah, über die Ausrüstung und den Geist der Soldaten. Ich Hobe mich 3mal gestellt als Frei- williger, aber — Wenn es nicht anders ist, ineldc ich mich als freiwilliger Krankenträger. Dazu werde» sie inich wohl anstcllen können. Klärchen ist mit mir hierher gefahren und heute morgen nach Hannover abgcdampft. Möge es Dir gut gehen. Inzwischen antworte einmal »nd laß Dich umarmen von Deinem Bruder Heinrich. NB. Walter hat mir etwas von der Ausbildung der deutschen Soldaten erzählt und meiner Meinung nach muß man bei guter Führung mit ihnen die Welt erobern können! Ta können sic allerdings so Krüppel ivic mich nicht ge brauchen. Abmarten! Daß wir schon zwei Tage ohne Nachrichten sind, deuten ängstliche Gemüter als ein schlimmes Zeichen. Ohne allen Grund! Unsere militärischen Operationen aus den Schlachiscl- dern gehen mit ruhiger, von Icinerlei Stimmung bccinsluhie» Sicherheit vor sich, so daß in dieser Ruhe geradezu das Vertrauen aus den siegreichen Ausgang ausgesprochen ist. Unsere Hccrcsbehörden haben versprochen, alles ungeschminlt zu berichten, leine Siege zu erfinden und keine Niederlage zu verschweige»? sie hat das bisher redlich gehalten und wird es auch weiter tun. Eine sehr trefi'endc Mahnung zur richtigen Zeit richtet der Abg. Erzbergcr in der „Germania" an das deutsche Volk. Geduld! mahnt er und sagt: „Wir Deutsche sind doch recht verwöhnt." Er fährt dann fort: Soeben hat sich die größte Völkerwanderung der Weltgeschichte, unsere deutsche Mobilmachung, ohne Unordnung und Störung abgespielt, wie der Ecneralsiab sie IN zäher Fricdcnsarbcit ausgedacht hat, und schon ist man in manchen Kreisen nicht recht zusrieden damit, daß - nicht in jeder Morgenzcitung ein deutscher Sieg steht. Zum Gluck ist unser Gcncralstab nicht so nervös wie viele zeitungslesendc Deutsche. Wer in dem großen rote» Hause am Känigsplatz heute verkehrt, der glaubt, er betrete die Oase des Friedens und der Nutze. Fe mehr es in der Rcichshauptstadt tost »nd brandet, desto ruhiger ist mau hier und konstalierk höchstens mit Unbehagen, daß dieser und jener Ersolg noch UNI einige Tage „zu srüh" eingctre» tcn ist. 2» dieser Zcnlralstellc sür Erhaltung des Deutschen Reiches kcnnt man keine Nervosität, da triumphiert die Geduld, die kühl berechnende Geduld, die den sicheren Sieg verbürgt? Ungeduld findet keinen Platz an der Stätte des großen Schweigers. Geduld aber auch dem deutschen Volk zu cmpseh- lcn, ist eine der Hauptaufgaben der Prcsic. Die bisherigen Leistungen von Heer und Flotte sind so groß und so bedeutsam, daß andere Nationen aus Wochen und Monate davon zehren könnten. Es ist gewiß ein schönes Zeichen, daß unser Volk mehr verlangt, aber di- oberste Kriegslcilung schlägt ihre Echlachtcn auch mit Menschen, die nur eine begrenzte Kilometerzahl täglich zurücklegen können und nicht mit Geistern, die an Zeit, Raum und Entsernung nicht gebunden sind. Also Geduld, Karten gesehen und rechnen! Vor allem stelle die Frage: 2» welcher Zeit würdest dn kriegsmäßig von Likttich bis Paris marschieren? Dann lammt Geduld von selbst! Dann heißt es in dem Artikel weiter: Geduld vor allem auch sür die Marine! Sie hat in diesen anderthalb Wochen Kriegszustand gcnug getan. Was haben denn die Marinen anderer Länder getan? Bisher ist lein einziges deutsches Kriegsschisi vernichtet worden, wohl aber englische. Aber noch inchr: Die amtliche Presse meldete bekanntlich gestern, daß zwar „keineswegs in der Nordsee deutsche Kontaktminen gelegt sind, wohl aber in unmittelbarer Nähe der -»gliche» Küsten." 2» diesem knappen Satz steckt eine Helden arbert unserer Marine. Alan lese ihn doch einmal langsan und gründlich, namentlich in den letzten Worten! Wer sie dann noch nicht versteht, der nehme eine Kriegskarte her und besehe sich einmal die „unmittelbare Nähe der englischen Küsten ; »tr. lau Seite t vielleicht dämmert ihm dann auf, welch- Riesenarbeit unsere Blaujacken aussührten, so lang- er unzufrieden siug: Wo steckt unsere Marine? Es muß doch jedermann im deutschen Volke cinsehen, daß man nicht einem jede» sagen kann, wo da» Mi- ncnschifs „Pelikan", das Torpedoboot V 30 und das Unterseeboot V 24 sich befindet, damit in der Heimat gemiilliche Kalkulationen angestellt werden können, in England aber man weih, was unsere Flotte beabsichtigt! Wie die Dinge heute liegen, könnte man England keinen größeren Eesallen erweisen, als wenn unsere Marine ihre Kraft in unnützen und unzeitgemäßen Drausgängertum verbrauchen würde. Moderne Seekriege sind ungemein schnell entschieden, wenn einmal die groben Kaliber sprechen, aber st- sind allseitig gut vorzubcrci- ten und cinzuleiten. Wir werden siegen und wir müssen siege»; das deutsch- Volk ist in seinem heutigen Geiste einfach unbesiegbar! Warnungen au franhrnd) nn- öflaini. Berlin, 14. August. Die „Norddeutsche Allgem. Ztg." teilt folgendes mit: Als deutsche Warnungen ist an Frankreich und Belgien durch Vermittlung einer neutralen Macht folgendes mitgeteilt worden: 1. der französischen Regierung: Meldungen der deutschen Truppen lasten erkennen, dag dem Völkerrecht zuwider in Frankreich ein Volkskrieg organisiert wird. In zahlreichen Fällen schosten Landescinwohner unter dem Schutze bürgerlicher Kleidung heimtückisch ans deutsche Soldaten. Deutschland erhebt Einspruch gegen eine derartige Kriegssührung, die dem Völkerrecht widerspricht. Die deutschen Truppen haben die Anweisung erhalten, jede feindselige Haltung der Landes- rinwohner mit den schärfsten Maßregeln zu unterdrücken. Jeder Richtsoldat, der Massen führt, jeder, der die deutschen rückwärtige» Verbindungen stört, Tclegraphendrähte »urchschneidet, Sprengungen vornimmt, kurz: in irgend -incr Weise unberechtigt an der Kricgshandlung teilnimmt, wird josort standrechtlich erschossen. Wenn die Kriegssüh- rung hierdurch einen besonders schrosjcn Charakter annimmt, trifft Deutschland dafür nicht die Verantwortung, Frankreich trisft allein die Verantwortung für di« Ströme von Blut, die sie kosten wird! 2. der belgischen Regierung: Die belgische Regierung hat Deutschlands aufrichtig gemeinte Anerbietungen zurückgewiesen, ihrem Lande die Schrecken des Krieges zu ersparen. Sie setzte dem deutschen, durch die Maßnahmen der Gegner Deutschlands gebotenen, Einmarsch bewaffnete n Widerstand entgegen: sie hat den Krieg gewollt. Trotz der Rote vom 8. August, in welcher die belgische Regierung mitteilt, daß sie gemäß dem Kriegsgebrauch den Krieg nur mit den unisormier- ten Mannschaften führen werde, haben an den Kämpfen um Lüttich zahlreiche Trupp:» unter dem Schutze bürgerlicher Kleidung teilgenomme». Sie schosten nicht nur aus die deutschen Truppen, sie erschlugen in grausamer Weise Verwundete und schossen Aerzte nieder, die ihren Berus erfüllten. Gleichzeitig verwüstete in Antwerpen der Pöbel deutsches Eigentum barbarisch: Frauen und Kinder wurden in bestiali- fckl-r Weise niedergemetzelt. Deutschland fordert vor der ganzen gesitteten Welt Rechenschast für das Blut dieser Unschuldigen und für die jeder Zivilisation hohnsprcchende Kriegführung Belgiens. Wenn der Krieg von nun ab einen grausamen Charakter annimmt, trägt Belgien daran die Schuld! Um die deutschen Truppen vor der enlsestelten Volksleidrnschast zu schützen, wird von nun an jeder R i ch t u n i s o r m i e r t e, der nicht durch deutlich erkennbare Abzeichen als zur Teilnahme am Kampse berechtigt bezeichnet ist, als außerhalb des Völker- rcchls stehend behandelt werden, wenn er sich am Kampfe beteiligt, die deutschen rückwärtigen Berbindungcn stört, Tele- graphcndrähte durchschneidet. Sprengungen vern-immt, kurz: in irgend einer Weise itnbcrechtigt an der Kriegshandlung teil- nimmt: er wird als Franciireur behandelt und laort standrechtlich erschossen werdn. (>m iiflgiichrr WjWiem nmmijliidjf. Berlin, 14. August. D.r belgische Flie-crleutnant Tapproge ist am 0. August nach einem Fluge von Ramur aus bei der Landung so scharf aus drn Grund gestoßen, daß das Flugzeug zersplitterte und der Flieger mit gebrochene::, Rückgrat lcbensgeüihrlich verletzt aufgehoben wurde. Kriegsbeute irr Strahvnrg. dct mit Genehmigung der Z-njurt.-Hörde, daß die 4000 gesan- stehen sei« gestern die ersten vier de» Franz:,.., in d:r Schlacht bei Mülhausen abgenon,menen Feldgeschütze, die von den Mannschaften unter dem Jubel der Bevölkerung cingebracht wurden. Ebenso stehen vor dem Geneiaircaimauds in Allen- stei» vrcr eroberte russische Geschütze. Zur Kriegsttklärnin lk«s!a»ss (in (Dffkrrrid, 1 . Die Biälrer erklären i::: naicnd, d: Kriegserklärung Frankreichs und Englands habe nicht überrascht und tresse Oesterreich Ungarn nicht unrorüereilet. Cs je, nicht verwunderlich, daß Frankreich, das i br,gcns schon nährend der Bal- kantrise die Wege Orslerre ,h Ungarns za durchkreuzen versucht habe, nicht hinter seinem jür Mörder und Mordhclscr sich interessierenden russischen B .;,o;cc, .:, z..i..bleibe» zu können glaubte. Und wenn Eng!: d ,..., aus d. , Einmarsch deutscher Truppen in Beigiei, beruse, :a : , hier.,,, wie das „Frem- dendlat! ausführl, nur ein Bor» j zu erblicken, um zu einer Zeit Leo allgemein gewordenen Teu.jchenha.ies eingegangene, aber abgeleugnete Verbind!.chkeitea zu eriillen. Blnti^c militür.jche Notwehr. Wien, 13. A„gast. D,s „Südflaa-isthe Korrespondenz" meide! aus Sarajewo: Aus Beseht des Akiiitärkomman- bvs werden in den aus den bosnischen Linie» verkehrenden Militärzüge» Geiseln mikgefiihrt, die mit eigener Person für die Sicherheit des Zuges zu garantiere,, hol , I» der Näh« von Rnd.anka wurde aal einen rainerenden Zug gesckwsten. Dc- X»< !M9*«i*uuiig. SamMag. mm 12. August isi« jttsch au» Kivakar sofort standrechtlich hrngerichtet. Der serbische Pope Petrowitsch, der als Geisel gestellt war, unternahm einen Fluchtversuch und wurde von einer Patrouille erschosten. Auf dem Hauptplatze von Bijeltna wurde vor kurzem der aus Serbien nach Crejelowo zurückgekehrte Pero Sinnlich wegen Spionage für Serbien öffentlich gehenkt. Die Zahl der serbischen und montenegrinischen Aeberlauser, die fich mit ihren Waffen den Militärbehörden stellen, hat in den letzten Tagen sehr zugenommcn. Zehn serbische Soldaten sind gleichzeitig desertiert. Die Desertcure gebe» als Grund der Fahnenslucht Hunger an. RuWche Zustände. Berlin, 13. August. Ueber die Korruption und Mangelhastigkeit der russischen Militärverwaltung werden jetzt manche Einzelheiten bekannt. Die „Krcuzzeitung" faßt sie zusammen, indem ste schreibt: „Wir hören jetzt, daß das, was wir gemeinhin unter russischen Zuständen verstehen, auch bei der jetzigen Mobilmachung zur Geltung gekommen ist. Scharenweise sind russische Deserteure in deutsche Erenzorte gekommen, beseelt nur von dem einen Drange, ihren Hunger zu stillen, ändere verkaufen die Uniformstücke, die Stiesel, mit denen ste eben eingekleidet find, sei es ebenfalls, um Mittel gegen den Hunger in die Hand zu bekommen, sei es um des geliebten Branntweins willen. Die ganze Unzulänglichkeit und Unzuverlässigkeit der russischen Militärverwaltung, wie sie schon im türkischen und dann wieder im russisch-japanischen Kriege hervorgetreten ist, zeigt sich auch jetzt und die Gerüchte, daß so manches Munitions- odcr Proviantlager in Flammen ausgeht, damit die Unter- jchieise der Beamten verdeckt werden, haben alle Glaubwürdigkeit für sich. Aber auch die Ausrüstung der französischen Truppen läßt, wie aus dem Zustande der Gefangenen erkenntlich wird, recht bedenkliche Schlüsse aus die Exaktheit der dortigen Militärverwaltung zu. Hören wir doch, daß die Soldaten ohne Patronentaschen sind und ihre Patrouenkästen mit Bindsaden haben befestigen müssen!" filtert in i)fr ruWkn Arme. Ein in Ostpreußen stehender Redakteur der „Voss. Ztg." schreibt an seine Eltern: Kriegerische Taten haben wir bislang noch nicht berichtet, doch soll cs, wie uns gesagt wird, bald an den Feind gehen. Wir brennen schon alle fürchterlich darauf, denn dieses augenblickliche Verharren im Nichtstun ist uns schon längst lästig. Daß unsere Truppen sehr schöne Erfolge hier an der Ostgrenze zu verzeichnen hatten, werdet Ihr wohl schon wissen. Die russischen Soldaten laufen uns nahe;» alle freiwillig zu — „vor Hunger!" Einem Erschossenen haben unsere Aerzte den Magen nachgeschen: der arme Kerl hatte nur rohe Weizen- und Gerstenkörner im Magen I So ist cs um die Ernährungsweise der russischen Truppen bestellt; im Gegensatz hierzu ist unsere Kost ausgezeichnet, so daß wir des Lobes voll sind. Die heiligen Tra-ilionen Rußlands. Lübeck, 14. August. Wegen riesiger Unterschlekfe verübte der Intendant der russischen Festung W y b o r g (Fin- land) Selbstmord. In den staatlichen Magazinen fehlen 700000 Kilogramm Getreide. „ Wie die Rnsien schienen. Ueber die Wirkung russischer Geschosse im Gefecht bei Eol- dau berichtet ein Augenzeuge in der .Allcnsteiner Zeitung" folgendes: „An den Kämpfen bei Soldau beteiligte sich auch russische Artillerie. Da ich Artillerist bin, fuhr ich nach Soldau, um die Wirkung der russischen Geschosse kennen zu lernen. Hierbei machte ich in Soldau eine wunderbare Entdeckung. Alle Schußtöcher zeigte» glatten Durchschlag. Von Explosion keine Spur! Auf Soldau sollen über 30 Era- natcnschüsie abgegeben worben sein. Ich besichtigte u. a. das Grundstück des Maurermeisters Schmoglowski. Dieses war von einer Granate getroffen, die in die Werkstätte einschlug, jedoch ohne Explosion. Ferner waren im Hause des Restaurateurs Schulz zwei Granaten eingeschlagen. Auch diese hatten keine Explosivwirkung. Dieses erste Gefecht bei Soldau endete übrigens damit, daß unsere Artillerie die russischen Batterien zum Schweigen brachte. — Am Dienstag, morgens 8 Uhr, begann bei Soldau abermals das Eeschützfeuer unserer Batterien! Es wurde den ganzen Dienstag und Mittwoch furchtbar geschaffen. Die russischen Truppen mußten sich auf der ganzen Linie zurückziehen und erlitten in ihren ungeschützten Stellungen vor der Stadt enorme Verluste. Aus der Strecke Jllowo- Soldau wurde eine deutsche Lokomotive getroffen. Das Loch der russischen Granate im Wasierkessel war faustgroß, die Wir- i kuvg der Explosion lediglich eine kleine Verbeulung des Kessels". Der Kausmann Otto Pisky in Friedrichshof, unmittelbar an der Grenze, stellt der „Allcnsteiner Zeitung" folgende Schilderung zur Verfügung: „Aus einem Aufklärungsritt von Fried- richshof aus mußte ein Leutnant mit seiner Patrouille jenseits der Grenze hinter Myscenmiccz infolge einer abgebrcchrnen Brücke einen kleinen Fluß postieren. Rach Durchschreitung lrachlc eine Salve von mindestens 25 feindlichen Dragonern auf eine Entfernung von 50 Schritte. Das wertvolle Pferd des Osii- zicrs stürzte gctrossen unter ihm zusammen, er selbst riß sich aus dem Sattel und lies der zurückreitcnden Patrouille zu Fuß nach. Im freien Gelände, in dem er zirka 500 Meter laufen mußte, wurde aus ihn ein starkes Feuer unterhalten — aber nicht ein Schuß traf! Der brave, mutige Offizier wurde nun von seinen Leuten in Empfang genommen und, zwischen zwei Pferde lich haltend, bis zu seiner Truppe herangebracht. Die Russen schosten nunmehr aus unsere stehenden Truppen, die kall- dlutia lächelnd die vergebliche Srbictzerei beobockteten". Die gefangenen Belgier. Berlin, 14. August. Der „Münstcrische Anzeiger" meldet mit Genehmigung der Zensurbehörde, daß die 4000 geasn gen genommenen Belgier nach dem Senneloger gebracht worden sind und daß die Gefangenen zum Bau ven Straßen benutzt werden. „Goeben" und „Breslau". Ueber die heldenmütige Ausfahrt des Schlachtkreuzers „Eoeden" und des kleinen Kreuzers „Breslau" aus dem Hasen von Messina und was der tühnen Tat vvrausging, erfährt der Berliner „Tag" interestantc Einzelheiten, aus denen wir das Folgende wiedergeben: „Eoeben" und „Breslau" lagen am l. August friedlich, doch klar znm Gefecht, im Hasen von Biindisi, als der Fvnlenspruch cintras, der ihnen, nach der Erklärung des Kriegszustandes in der Heimat, Erlösung aus langer Spannung bringen sollte. Bereit zur Tat, gilt es zunächst Kohlen zu fasten. Die dreihundert Meilen bis Mcsstna sind am 2 . August glücklich zuriickgelegt. Der neutrale Hasen gibt Kohlen, soviel die Schisse halten können. Bei Nacht und Nebel geht's wieder hinaus, zu eilender Fahrt nach Westen. Im FrUhlicht des 4. Auguä wird die afri- rikanischc Küste erspäht, mit ehernen Grüßen bedacht. In Phi- lippeville und Böne liegen, nichts ahnend, e-e Dampfer am Kai, die französische Truppen von Algier nach der Heimat dringen sollen. Die Granaten sausen in den Hasen und dlmitznell, wie sie kamen, sind unsere Kreuzer wieder verschwunden. Der 5. August trifft ste abermals in Messinas gastlichem Hafen. Der genau befristete Aufenthalt, den der Neutral- ge- währen darf, wird wiederum an Kohlenfasten gewcudet. Man weiß cjtzt: der Feind hat unsere Tapferen endlich gesichtet: englische Schlachtkreuzer und französische Geschwader sind gemeldet, so lauten die Nachrichten. Admiral und Offiziere gehen nochmals an Land, um Testamente, Briefe in die Heimat, Wertsachen im Konsulat näederzulegen. Dann kommen die letzten Vorbereitungen. Tausendköpfig drängt sich die Menge am Hasen. Da erklingt vom Flaggschiff „Eoeben" hell die Musik: „Heil dir im Siegerkranz" . . .“ Unbedeckten Hauptes stehen Offiziere und Mannschaften an Deck, brausend schallen drei Hurras auf den Kriegsherrn zum Ufer herüber, wo in schweigender Ergriffenheit die Volksmenge harrt. Rur der Mond leuchtet bald der nächtlichen Fahrt. Tiefe Stille, man hat wohl fernen Kanonendonner gehört, die Trümmer eines englischen Schisses gefunden, aber noch schweigt jede weitere Kunde. Eines nur wissen wir: Sie sind durch! Kchiffsiiilgliidr im adnatijchkn Wrer. Triest, 14. August. Der Passagierdampser „Baron Gautsch", der gestern Mittag Lusstn Grande aus dem Wege nach Triest verlassen hat. ist auf der Fahrt gesunken. Bis gegen Abend waren 130 Personen gerettet und 20 Leichen geborgen. Die Haltung Rumäniens. Berlin, 13. August. In verschiedenen Blättern wird in Korrespondenzen und in Artikeln und unter Berufung aus rumänische Blätter mit mehr oder weniger Bestimmtheit behauptet, daß Rumänien entschlossen sei, seinen Platz ander Seite des Dretbundes zu nehmen und womöglich aktiv in den Kampf einzugreisen. Wir wissen nicht, ob diese Ansichten über die Stellung Rumäniens wirklich fest begründet sind. Es wird aber vorläufig genügen, wenn Rumänien sich neutral verhält, und da» darf man erwarten. Das weitere Verhalten aller neutralen Staaten hängt, wie wir mehrfach be, merkt haben, in der Hauptsache von einem einzigen Faktor ab, nämlich davon, daß wir in den bevorstehenden ersten großen Kämpfen mit den Franzosen Sieger bleiben. Dann ergibt sich alles weitere, was jetzt schwierig scheint, viel leichter. Von den gefangenen JranioJfH. Für Donnerstag Abend ist ein weiterer Trnpp gefangener Franzosen für Frankfurt angekominen. Man niinint an, daß noch weitere Truppentransporte von Franzosen ab- gewartet werden und daß dann die Franzosen mit einem Extrazug noch mehr in das Innere des Landes geschasst werden. Wie Augenzeugen berichten, befand sich das Schuhwerk der heute Angekommenen in einem geradezu jämmer- licheu Zustand. Die Leute waren von den Strapazen sehr mitgenommen. Merkwürdig benahni sich ein französischer Gefangener, den inan vorgestern in Müllheini einlicfcrte. Wie von Allgenzeugen erzählt wurde, schrie und tobte der Gefangene, daß alles ans den Häusern lief. Auf die Frage, warum er sich so ausführe, gab er z» erkennen, daß er sich vor dem Erschießen so sehr fürchte. Nachdem man ihm diese Furcht ansgeredet hatte und ihm versicherte, kein Härchen würde ihm gekrümmt, wenn er keine weitere Veran- lassung dazu gebe, wurde er ruhig und ließ sich Speise und Trank recht schmecken. Er erzählte, daß er mit seinen Kameraden, die in elsässischen Grenzorten stehen, seit vier Tagen nichts mehr zu essen bekommen habe. Sein Appefit war auch dementsprechend und er äußerte vergnügt, daß er nur froh sei, unter so gute Menschen gefallen zu sein. Mitleid erweckte die Schuhbeklcidnng des Gefangenen. Es waren zerrissene Lockstiefel, so zierlicher Art, wie man sic ans dem Tanzboden trägt. Kein Wunder, daß ihnen die halben Schuhsohlen fchlle». So scheint cs sich z» bestätigen, Ivo.s Eingeweihte stets behauptet, daß cs dem französischen Heere an dem nötigen Schnhzeug fehlte. Schtvarzbrot statt Weißbrot- München, 14. Ang. Das Staatsministeriuni des Innern fordert in cinein Ausruf zur Verminderung des Weiß- brotvcrbranck>es und Ersatz des Weißbrots durch Schwarzbrot auf. t Wnldgras als Viehs,fiter. In den Wäldern wächst bekanntlich Jahr für ^ahr e'lNH Uiimcnae von Gras, dos aber bisher aar nicht oder Äek. Rr. 1*0 9U»* da ix »Mg, Mn 19. »»»«ft 1114. Seite 3 nur zu einem sehr kleinen Teile abgemäht wird. Diese» Gras kann aber jetzt eine sehr nützliche Verwendung finden, auf die wir einer Anregung zufolge Hinweisen möchten. Die Forstbehörde und auch die privaten Walbbesitzer sollten das Sammeln resp. Mähen des Gkases in ihren Wäldern erlauben. Dadurch würde eine große Menge Heu gewonnen, das unsere Futtermittel weiter vermehren würde. Lcbensmillclmnchcr und Wühlen« In dankenswerter Weise haben die Behörden einge- grisfen, um einer willkürlichen Verteuerung der notwendigen Lebensmittel vorzubeugen. Don allen Seiten werden Schließungen von Geschäften gemeldet, die ungerechtfertigte Preise für ihre Waren verlangten, es werden Höchstpreise für Kartoffeln angejeht und dergl. Es wäre aber auch angebracht, wenn die Behörden ihre zu begrüßende Fürsorge auch auf manche Mühlen ausdehnen wollten. So toird uns mitgeteilt, daß eine in der letzten Zeit vielgenannte Mühle in der Wetterau den Preis von 200 Kilo zweier verschiedener Sorten Mehl (sog. Pärchen) von 56 aus 77 Mk. selbst für regelmäßige Abnehmer erhöht hat: das bedeutet eine Preiserhöhung von über 37 Prozent. Der Preis von Weijenschalen wurde selbst bei bestehenden Verträgen, unter dem Vorwand daß Krieg Verträge breche, von 5 auf 7 Mk., also »m 40 Pro.cnt erhöht. Zu einer derartigen enormen Preiserhöhung liegt kein Anlaß vor. Zwar ist der Roggen von 18 Mark aus 21 Mark gestiegen, das sind aber nur 16,5 Prozent, und der Weizen von 21 auf 24 Mark, das wäre 11,5% Steigerung. Die Preissteigerung de? Mehlas und der Kleie steht also in keinem Verhältnis zu dem Aufschlag der Frucht. Für die nächste Woehe werden übrigens nur noch 23 Mark für den Weizen geboten, au'ch dazu ist keine Veranlassung, denn das Druschrrgrbnis des Weizens ist in unserer Gegend sehr gering. Auf alle Fälle wollen die Landwirte sich diese Machenschaften nicht ruhig gefallen lassen, sondern bestrebt sein, mit Firmen in Verkehr zu treten. die den angemessenen Preis bezahlen. So wird uns z. B. mitgeteilt, daß das Kornhaus Hanau diese Woche für Roggen 23.50 frei Hanau bezhalt habe. Es dürfte sich auch empfehlen, mit den Militärbehörden in direkte Verbindung zu treten. Schlechte Einquartierung? Mit Bezug «us unsere gestrige Notiz über schlechte Einquartierung in Frletberg sei bemerkt, daß in den letzten Tagen von den verschiedensten Seiten und übereinstimmend, ein hiesiger Beamter genannt wird, bei dem es die Einquartierung besonders schlecht gehabt hätte. Demgemäß bezog sich auch die gestrige Bemerkung aus diesen Herrn bezw. aus dessen Gattin. U. a. wurde uns auf das Bestimmteste mitgeteilt,, daß es dort zum Abendessen Kartosfeln und Handläs gegeben habe und wir ourden ausdrücklich ersucht, diese Art von Berpslegung bekannt 1» geben. Heute teilt UNS der Betressende mit, daß das ganze Gerede den Tatsachen schnurstracks zuwiderlause und gibt un» zum Beweis dessen salzendes Verzeichnis der während der sechs Tage an die Einquartierung verabslogten Speisen, dar wir nachstehend folgen lasten: W Erster Tag. (Es handelt sich um 1b Mann Einquartierung). Abends: Pro Mann '/, Pfd. Schweinefleisch (leider sehr fett, sodaß drei Leute es nicht aßen), dicke Suppe und Brot. Zweiter Tag. Morgens: Kaffee, Milch, Brot, Honig nach Belieben. — Mittags: Suppe, pro Mann 1 Bratwurst, Kartosfelgemüse, Brot. — Abends: V, Pfd. Wurst pro Mann, Kartoffeln, Gurke, Aettig, Handkäs, Thee mit Milch, Zucker, Brot. Dritter Tag. ® Morgens: Kaffee, Milch, Brot, Honig nach Belieben. — Mittags: 7 Pfd. Ochsenfleisch, Bohnengemüse (war etwas knapp), Kartoffeln, Brot. — Abends: H Pfd. Wurst pro Mann Karwsfelsalat, Thee usw. Brot, je 1 Zigarre. Vierter Tag. ^ Morgens: Kaffee, Milch, Brot, Honig nach Belieben. — Mittags: 22 Würstchen und Linsensuppe, Brot. — Abends H Pfd. Wurst, geröstete Kartoffeln, grüner Salat (mit Rahm angemacht), Brot, 0,4 L. Bier pro Mann. Fünfter Tag. ^ _ ,^-i Morgens: Kaffee, Milch, Brot, Honig nach Belieben. — Mittags: Suppe, y, Pfd. Schweinebraten (reines Fleisch) pro Mann, Wirsinggemllse, Kartoffeln. — Abend»: H Pfd. Fletsch und Wurst, grüner Salat, Quellkartoffeln, 1 Zigarre. — Nachmittags Kaffee u. 45 mürbe Wecke (gegessen von 9 Mann). Sechster Tag. > Morgens: Kaffee, Milch, Brot, Honig nach Belieben. —■ Mittags: Reissuppe, V, Pfd. glattes Solberfleisch pro Mann, Sauerkraut, Kartoffeln. — Abends: Geröstete Kartoffeln mit Salat, H Pfd. Fleisch und Wurst pro Mann, Gurke, v,4 Bier. Abschiedsmorgen. Kaffee soviel sie fassen konnten, belegte Brote, daß noch übrig blieben. Das Lager war in den ersten 2—3 Tagen allerdings etwas eng. da nach Weisung der Quattiermacher die 2 zur Verfügung gestellten Zimmer genügen sollten. Als Beschwerde ersolgte, wurde noch ein drittes Zimmer zur Verfügung gestellt. Von diesem Tage an konnten allerdings auch erst wollene Decken und Kisten geliefert werden, was vorher wegen der überstürzten Anmeldung nicht möglich war und bis dahin die Soldaten nur aus Stroh mit Tüchern bedeckt schliefen. - Man muß doch auch sich einmal vergegenwärttgen, daß eine Ausnahme von 15 Manu Anforderungen an eine Hausfrau pellt, an die man sich erst gewöhnen muß. Man ist nicht so rasch mit einem Lagerplatz eingerichtet, wenn die Soldaten 2 Stunden nach der Anfrage schon einritcken, wie diesmal, und die Portionen, die 15 kräftige Leute esten, muß man auch erst ausprobieren und man soll doch nicht gleich bösen Willen anneh- men. wenn nicht alles vom ersten Auaenblick an stimmt. Jedenfalls dürsten keine Uebertreibungen und Unwahrheiten Vorkommen, wie im vorliegenden Fall. Es ist bekannt gewor- den, daß in einer großen Zahl von Häusern es nicht gelungen ist, die Einquartierung zufrieden zu stellen. Vielleicht können bei nächster Gelegenheit die Soldaten etwas praktischer verteilt werden, nicht so viele in e i n Haus, sondern wenige in mehrere Häuser. — Man kan» dann bester für sie sorgen. Im hier besprochenen Fall sind die meisten der Einquartterten noch mit Beteuerungen von Dank und Zufriednheit geschieden. Bemerkt sei weiter, daß der Bezirks-Kommandeur, dem das Verzeichnis vorgelegt wurde, ausdrücklich hervorhob, daß es über da» hinaurginge, zu was der Ouartiergeber verpflichtet ist. Wir haben keinen Grund, an der Richtigkeit dieser Angabe» zu zweifeln und wir hoffen, daß sie das Gerede verstummen machen und der betr. Beamte, besten Namen in aller Munde gestanden hat, gerechtfertigt dasteht. Nochmals sei hervorgehoben, daß der Bürger die Pflicht und Schuldigkeit hat, seine Einquartterung gut zu bewirten, nach dem vorstehenden zu urteilen, scheint es aber auch Leute zu geben, die kein Maß zu halten verstehen und das unmögliche verlangen. Ans der Heimat. * Friedberg, 14. August. Der Eroßh. Handelskammer in Friedberg gehen fottgesetzt aus den Kreisen des Kleinhandels besonders derjenigen des. Kolonialwarenhandels Klagen über die wirtschaftlichen Folgen des Krieges zu. Der Grossist sowie der Fabrikant drängten auf schleunigste Erfüllung der von den Detaillisten eingegangenen Verbindlichkeiten, während der Handverkauf fast ganz stocke u. kein Mensch an Zahlung seiner Rechnungen denke. Demgegenüber halten wir es für eine selbstverständliche Pflicht aller Schuldner, soweit es mit der Erhaltung ihrer Existenz nur irgendwie verträglich ist, sofort rückständige Schulden zu zahlen. Namentlich gilt das von denjenigen Erwerbsgruppen, deren Gehalt ununterbrochen und ungekürzt weiterläuft. Aber auch zu unserer landwirtschaftlichen Bevölkerung, die durch den Verkauf von Pferden an die Militärverwaltung, sowie durch die demnächstige Verwertung eines Teils der Ernte im Besitz von Barmitteln ist, haben wir das unbedingte Vertrauen, daß sie ihrer Zahlungspslicht gegenüber ihren Lieferanten voll und ganz sowie pünktlich genügt. Nur dann kann unsere Volkswirtschaft vor schweren Schädigungen bewahrt bleiben, wenn das llmlaufsmiltel der Volkswirtschaft — das Bargeld — dem Verkehr erhalten bleibt und ihr neu zugeführt wird. am Donnerstag ihre Tätigkeit wieder aufnehmen dürefn. « Frirdberg, 14. Aug. Der Verein der Detaillisten Non Friedberg bittet um Aufnahme folgender Aufforderung: Wir richten an das verehr!, kaufende Publikum das dringende Ersuchen, den Geschäftsleuten die Rechnungen z» begleichen. Es ist ein großer, weit verbreiteter Irrtum, daß in Kriegszeiten nichts bezahlt zu werden braucht. Die Zahlungsverpflichtung wird durch den Kriegszustand nicht hin- ausgeschoben, sie besteht nach wie vor. Deshalb sollten alle die Leute, welche in der Lage sind, ihre Schulden bezahlen zu können, z. B. Beanite, deren Gehalt weiter geht, Landwirte, welche durch den Ertrag ihrer Ernte Einnahmen bekommen, es als Ehrensache betrachten, den Kaufmann, welcher jetzt in der schwierigsten Lage ist, nicht noch in größere Bedrärrgnis zu bringen, zumal er Ware nur gegen vorherige Bezahlung erhält. * Frankfurt o. »t, 14. August. Die Strafkammer verurteilte den 52jährigen Kutscher Ludwig Schröder, der sich seit Jahren in schamloser Weise an jungen kaum 14jährigen Mädchen vergangen hatte, zu SH Jahren Zuchthaus. Der Staatsanwalt hatte gegen den Wüstling 5 Jahr Zuchthaus beantragt. * Frankfurt a. M., 14. August. Der Krieg hat auch die Schwindler erfinderisch gemacht. Ein junger Mensch z. B. hat sich eine Liste von eingezogenen Landwehrleuten verschafft und llberbringt deren zurückgebliebenen Frauen „Erllße aus dem Felde", wofür er sich jedesmal eine Mark geben läßt. Der Schwindler, der mit reichem Erfolg arbeiten soll, konnte noch nicht gefaßt werden. — Ein anderer Schwindler benutzt die Knappheit des Münzgeldes. Wenn er in der Hauptpost eine Person trifft, die Papiergeld wechseln will, ist er flugs mit einer „Rolle" Silbermllnzen zum Umtausch bereit. Dankbar nimmt das Angebot an. Oeffnet man aber die Rolle, dann kommt eine Menge hübsch gefeilten Eisens zum Vorschein. Der Schwindler aber ist dann längst verschwunden. * Frankfurt o. M„ 14. Aug. Wegen Wuchers wurden heute früh die Geschäftsräume der Grünen Radler in der Moselstraße und der Schwarzen Radler auf der Zeil durch das Generalkommando geschlossen. Der Inhaber dieser Unternehmen, Paul Gerichter, hatte für einen Auftrag, für den nur 1,50 Mk. Kosten eingezogen werden durften, 7,50 Mk. gefordert. — Die Großfirma Bodenheimer u. Eo., die vor einer Woche wegen Wuchers geschlossen wurde, hat • Frankfurt a. M-, 14. August. Der Not gehorchend haben die hiesigen großen Gasthäuser ihre bisher fremdländischen Namen mit guten deutschen Bezeichnungen vertauscht. Am Bahnhofsplatz, wo es sonst von „Erand-tzotels de . . . wimmelte und man vergeblich nach einem Easthof« mit kerndeutschem Namen sucht«, ist heute alles deutsch. Aus dem Carltonhotel ward ein Fürftenhof, aus dem Englischen Hof ein Hessischer Hof, aus dem Hotel Roqal ein Hotel Hansa, aus dem Hotel de Russie ein Hotel Kaiser Wilhelm 17. Der altbekannte „König von England" ist verschwunden: er ist noch auf der Suche nach einem neue» Namen. Auch die großen Geschäfte haben sich ausnahmslos dem Dolkswillen, der wie ein reinigendes Gewitter durch die Straßen zog, gefügt und sind heule in Wort und Schrist deutsch. Der deutsche Sprachverein, der hier ein Menschenalter nur aus steinigem Boden arbeitete, kann an dem nun ganz deutschen Frankfurt seine helle Freude haben. ' Hessen-Nassau. * Friedrichsdors i. T„ 14. Aug. Vor einigen Tag m wurde der zum Bahnwächtdienst eingezogene Spenglermeister Sergk erschossen anfgesunden. Anfänglich nabm man Selbstmord an, doch weisen verschiedene Begleitumstände woraufhin, daß dies kaum der Fall sein kann. Ob ein ttrfii! ober gar eine Fahrlässigkeit von anderer Seite vorli -g». konnte noch nicht aufgeklärt werden. Der Verstorbene wurde mit allen militärischen Ehren bestattet. x. Oberursel, 14. August. Die sämtlichen hiesigen Vereine — und cs sind deren nicht wenige — bcschlosicu. den Famiv-r ihrer Mitglieder, die zur Fahne einbcrufcn sind, Unterstützm- gen als Kriegsbeihilfe zu überweisen. — Hier werden MN Weber, Greise und Kinder au» Metz cinquartiert. « x. Ufingen, 14. August. Die Kgl. Regierung hat den Pfar rer Kochem zu Pfaffenwiesbach vom 1. d. M. ab zum Kr.-i- schulinspektor des Schulaufsichtsbezirts II, umfasiend die Ort schäften Cransbcrg-Fricdrichsthal, Haintchen, Hasielbach, R e derrcifenberg. Oberrcifenberg, Pfaffenwiesbach, Schmitten Scelenberg und Wernborn ernannt. « Ncuenhain i. T., 14. Aubg. Die hiesige Gemeinde überwies dem Roten Kreuz für die Truppen 20 Ztr. Obst. Limburg, 15. August. Die Stadtverordnetenversanimlung stellte zur Unterstützung von Faintlien einberusener Monn- schäften 25 000 Mark zur Verfügung. Dem Roten Kr.uz gewährte man einen Zuschuß von 5000 Mark Starkenburg. Tarmstadt, 14. Aug. Ein schwerer Autounfall ereignete sich heute Nachmittag an der Landgraf-Phiiipp Anlag, nächst dem alten Bahnhof. Der Führer eines von außer halb kommenden Autos hatte anscheinend, da er fremd nnt verwirrt war die Steuerung über das Auto verloren, und kam auf den Bahnsteig, wo gerade die Frau eine: im Feld befindlichen Vaterlandsverteidigers mit ihre» beide:, lindern spazieren ging. Das Auto überfuhr das hii-ter dcr Mutter herlaufende etwa 5 Jahre alte Bübchen und verlegte es schwer. Der Besitzer hielt sofort und brachte d- bewi.'it- lose Kind nach dem städtischen Krankenhanse. Hute ung ist eingeleitet. « Darmstadt, 14. Aug. Auf den, Dessunger ' e dahier fand am Donnerstag Nachmittag die fel-rliche 'Vr, setzung der beiden ans dem Truppenübnngs- und Flr q Griesheim abgestürzten und dabei verunglückten Leutnant Spieß und Fliegerpilot Trautwein unter sehr lebhafter Beteiligung von Freunden, Bekannten, Offiziere:: . tr. statt. Nach der sehr weihevolle» Grabrede wurden --ln- reiche Kränze an dem Grabe niedergelegt. Während de: Trauerseier kreiste in den Lüsten ein von einem Freu de und Kameraden der Verunglückten geführte Flngapv u >:. der mit einer Trauerslagge versehen war. « Aus dem Ried, 12. Aug. Die Äurkenernte in Rbein- Hessen und Starkenburg, die soeben in vollem Gange ilt. liefert wider Erwarten einen sehr guten Ertrag. Doch ist infolge der Kriegslage die Verwendung behindert. A Folge der schlechten Transportmöglichleite» fallen die meisten Gurkenmärkte in den Landorten ans. Tie Waren werden zum größten Teil per Achse nach Mainz, Warme Darmstadt und Frankfurt gebracht, wo sie immerhin noch gute Abnehmer finden. Der Preis ist zieuilich niedrig und werden durchschnittlich für Einmachgurken 541 Pfg. bis I Mark für das Hundert bezahlt. Frankfurter Wetterbericht. Borausiage: Wolkig, zeitweise Niederschläge, mäßig worin, zunächst nordwestliche, später östliche Winde. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r s ch c I, Friedberg: für den Anzeigenteil: SS. Schmidt, Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", A. G., Friedberg i. H. Aufruf. An die Bewohner des Hreiles Friedderg. In der nächsten Woche werden Einwohner (vorwiegend Frauen und Kinder) der Festung Metz hier eintrefsen, die aus militärischen Gründen ihre Heimat verlassen müffc-n. Wir sind zur Unterbringung und Verpflegung, deren Kosten die Stadt Metz trägt, auf Grund des Kriegsleislungsgesetzes verpflichtet. Sie alle haben die Trennung von Angehörigen, die bei« Kriegsruf gefolgt sind, erfahren. Umsomehr sind wir bei Ueberzeugnng und Zuversicht, daß Sie bestrebt fein werd.'n, den Landsleuten aus dem Reichsland, die der Krieg vom Ernährer und Heimat losgerifsen hat, nach Kräften z» helfen und ihnen zu zeigen, daß die Fremde solche Opfer zu würdigen weiß. Wir fordern Sie daher auf, die mit der Unterbringung beauftragten Behörde» in ihrem schwierigen Werk durch frei- willige Meldung und Bereitstellung von Liebesgaben für die von der Reise niitgenommenen Landsleute nach Möglichkeit z» unterstützen. Sie alle wissen und haben da? durch die bisherigen Wnffenerfolge bestätigt gefunden, daß »ns.-re Krieger in der "Front ihre ganze Kraft in treuer Pflicksier- füllung einsetzen. Bleiben Sie dahinter nicht zurück und zeigen Sie nuferen Brüdern ans dem heiß erkämpften Reichsland, daß der Heimat gemeinsames Band »ns olle umschlingt. Frirdberg, den 11. August 1914. CM. Kreismt Kriedberg. F r h r. S ch e n ck. Str. lau Gerte L vielleicht dämmert ihm dann aus, welche Riesenarbeit unsere Blaujacken aussührten, so lange er unzufrieden fing: Wo steckt unsere Marine? Es muh doch jedermann im deutschen Volke einsehen, daß man nicht einem jeden sagen kann, wo das Minenschiss „Pelikan", das Torpedoboot V so und das Unterseeboot V 24 sich befindet, damit in der Heimat gemütliche Kalkulationen angestellt werden können, in England aber man weih, was unsere Flotte beabsichtigt! Wie die Dinge heute liegen, könnte man England keinen größeren Gefallen erweisen, als wenn unsere Marine ihre Krast in unnutzen und unzeitgemäßen Drausgöngertum verbrauchen würde. Moderne Seekriege sind ungemein schnell entschieden, wenn einmal die grotzen Kaliber sprechen, aber sie sind allseitig gut vorzubcrei- ten und einzuleilen. Wir werden siegen und wir müssen siege»; das deutsche Volk ist i» seinem heutigen Geiste einfack unbesiegbar! lüanningm an franlsrnd) M Schien. Berlin, 14. August. Die „Norddeutsche Allgem. Ztg." teilt solgcndes mit: Als deutsche Warnungen ist an Frankreich und Belgien durch Vermittlung einer neutralen Macht folgendes milgcteilt worden: 1. der französischen Regierung' Meldungen der deutschen Truppen lasien erkennen, dag dem Völkerrecht zuwider in Frankreich ein Volkskrieg organisiert wird. In zahlreichen Fällen schosien Landescinwohner unter dem Schutze bürgerlicher Kleidung heimtückisch aus deutsche Soldaten. Deutschland erhebt Einspruch gegen eine derartige Kriegssührung, die dem Völkerrecht widerspricht. Die deutschen Truppen haben die Anweisung erhalten, jede feindselige Haltung der Landes- rinwohner mit den schärssten M abregeln zu unterdrücken. Feder Richtsoldat, der Massen sührt, jeder, der die leutschen rückwärtigen Verbindungen siört, Telegraphendrähte »urchschneidet, Sprengungen vorniuimt, kurz' in irgend -incr Weise unberechtigt an der Kricgshandlung teilnimmt, wird sofort standrechtlich erschossen. Wenn die Kriegssüh- rung hierdurch einen besonders jchrojjcn Charakter annimmt, trifft Deutschland dafür nicht die Verantwortung, Frankreich trifft allein die Verantwortung für di« Ströme von Blut, die sie kosten wird! 2. der belgischen Regierung: Die belgische Regierung hat Deutschlands ausrichtig gemeinte Anerbietungen zurllckge- wiesen, ihrem Lande die Schrecken des Krieges zu ersparen! Sie setzte dem deutschen, durch die Maßnahmen der Eegner Deutschlands gebotenen, Einmarsch bewaffnete n Wider st and entgegen: sie hat den Krieg gewollt. Trotz der Rote vom 8. August, in welcher die belgische Regierung mitteilt, dab sie ge- mätz dem Kriegsgebrauch den Krieg nur mit den uniformierten Mannschaften führen werde, haben an den Kämpfen um Lüttich zahlreiche Trupp:» unter dem Schutze bürgerlicher Kleidung tcilgenomme». Sie schossen nicht nur aus die deutschen Truppe», sie erschlugen in grausamer Weise Verwundete und schossen Aerzte nieder, die ihren Berus erfüllten. Gleichzeitig verwüstete in Antwerpen der Pöbel deutsches Eigentum barbarisch: Frauen und Kinder wurden in bestialischer Weise niedergemetzelt. Deutschland fordert vor der ganzen gesitteten Welt Rechenschaft für das Blut dieser Unschuldigen und für die jeder Zivilisation hohnsprechende Kriegführung Belgiens Wenn der Krieg von nun ab einen grausamen Charakter annimmt. trägt Belgien daran die Schuld! Um die deutschen Truppen vor der cntfrsielten Voiksleidenschaft zu schützen, wird von nun an jeder N > ch t u n i s o r m i e r t e, der nicht durch deutlich erkennbare Abzeichen als zur Teilnahme am Kampfe berechtigt bezeichnet ist, als außerhalb des Völker- rcchis stehend behandelt werden, wenn er sich am Kampfe beteiligt, die deutschen rückwärtigen Verbindungen stört, Tele- graphcndrähte durchschneidet. Sprengungen ve::>mmt, kurz: in irgend einer Weise unberechtigt an der Kriegshrndlung teil- nimmt: er wird als Franctireur behandelt und loort standrechtlich erschossen werdn. ( s in bchiichtt KMöiMtt nminaliidit. Berlin, 14. August. Der belgische Fli.'gerleutnant Tapproge ist am l!. August nach einem Fluge ran Ramur aus bei der Landung so scharf aus d'.n Grund gestoßen, daß das Flugzeug zersplitterte und der Flieger mit gebrochenem Rückgrat lcbensgesckhrlich verletzt aufgehoben wurde. Kriegsbeute m Strahburg. dct mit Genehmigung der Zensur! .Hörde, dag die 4UOO gesan- ftehen seit gestern die ersten vier den nr Mörder und Älordheljer sich interessierenden russischen B n.oer: c , :i z.....bleib.» zu können glaubte, lind wenn Eng! . d : ch aus t. - Einr.'arsch deutscher Truppen in Belgien berufe, ,o > hier.», wie das „Frem- denblat!' aussührl, nur ein Born e: o zu erblicken, run zu einer Zeit des allgemein gewordenen Teu.jchenha.ses ciugcgangene, aber abgeleugnete Verbind! .chke.n.i zu erst llen. Blutige MtlitLnijchc Notwehr. Wien, 1:1. Aiiguft. D-e „Südslawische Korrespondenz" meldet aus Sarajewo: Auf Beseht des Militärkommandos werden IN den auf de» bosnischen Linien verkehrende» Militärzügen Geiseln mltgeführt, die mit eigener Person für die Sicherheit des Zuges zu garantieren ha! n Fn der Röhe von Rub.anka wurde aal cincn ralli.rcnden Zug geschossen. Da- «e,e Lageszettung. Samstag. 14. August 19J.4 jttfch au» Kivakar sofort standrechtlich hrngerichtet. Der serbische Pop« Petrowitsch, der al» Geisel gestellt war, unternahm einen Fluchtversuch und wurde von einer Patrouille erschosien. Auf dem Hauptplatz« von Bijelina wurde vor kurzem der aus Serbien nach Crejelowo zurückgekehrte Pero Simitsch wegen Spionage für Serbien öffentlich gehenkt. Die Zahl der serbischen und montenegrinischen lleberläuser, die sich mit ihren Waffen den Militärbehörden stellen, hat in den letzten Tagen sehr zugenommen. Zehn serbische Soldaten sind gleichzeitig desertiert. Die Deserteure geben als Grund der Fahnenflucht Hunger an. RuWche Zustände. Berlin, 13. August. Ucber die Korruption und Mangelhaftigkeit der rufstfchen Militärverwaltung werden jetzt manche Einzelheiten bekannt. Die „Kreuzzeitung" saßt sie zusammen, indem sie schreibt: „Wir hören jetzt, daß das, was wir gemeinhin unter russischen Zuständen verstehen, auch bei der jetzigen Mobilmachung zur Geltung gekommen ist. Scharenweise sind russische Deserteure in deutsche Grenzorte gekommen, beseelt nur von dem einen Drange, ihren Hunger zu stillen, ändere verkaufen die Uniformstücke, die Stiefel, mit denen sie eben eingekleidet sind, sei es ebenfalls, um Mittel gegen den Hunger- in die Hand zu belommen, fei es um des geliebten Branntweins willen. Die ganze Unzulänglichkeit und Unzuverlässigkeit der russischen Militärverwaltung, wie sie schon im türkischen und dann wieder im russisch-japanischen Kriege hervorgeireten ist, zeigt sich auch jetzt und die Gerüchte, datz so manches Munitionsoder Proviantlager in Flammen ausgeht, damit die Untcr- jchlcife der Beamten verdeckt werden, haben alle Glaubwürdigkeit für sich. Aber auch die Ausrüstung der französischen Truppen lätzt, wie aus den. Zustande der Eesangenen erkenntlich wird, recht bedenkliche Schlüsse aus die Exaktheit der dortigen Militärverwaltung zu. Hören wir doch, datz die Soldaten ohne Patronentaschen sind und ihre Patronenkästen mit Bindfaden haben befestigen müssen!" ijnngkr in dn rnißjchcn Armee. Ein in Ostpreußen stehender Nedaktellr der „Voss. Ztg." schreibt an seine Eltern: Kriegerische Taten haben wir bislang noch nicht berichtet, dcch soll cs, wie uns gesagt wird, bald an den Feind gehen. Wir brennen schon alle fürchterlich darauf, denn dieses augenblickliche Verharren iin Nichtstun ist »ns schon längst lästig. Daß unsere Truppen sehr schöne Erfolge hier an der Ostgrenze zu verzeichne» hatten, werdet Ihr wohl schon wissen. Die russischen Soldaten laufen uns nahe;» alle freiwillig zu — „vor Hunger!" Einem Erschossenen haben unsere Aerzte den Magen nachgeschen: der arme Kerl hatte nur rohe Weizen- und Gerstenkörner im Magen I So ist cs um die Ernährungsweise der russischen Truppen bestellt: im Gegensatz hierzu ist unsere Kost ausgezeichnet, so daß wir des Lobes voll sind. Die heiligen Traditionen RHands. Lübeck, 14. August. Wegen riesiger llnterschkesfe verübte der Intendant der russischen Festung W y b o r g (Fin- land) Selbstmord. In den staatlichen Magazinen fehlen 788888 Kilogramm Getreide. „ Wie vre Ruhen schießen. Ueber die Wirkung russischer Eeschosie im Gefecht bei Sol- dau berichtet ein Augenzeuge in der „Allensteiner Zeitung" folgendes: „An den Kämpfen bei Soldau beteiligte sich auch russische Artillerie. Da ich Artillerist bin, suhr ich nach Soldau, um die Wirkung der russischen Geschosse kennen zu lernen. Hierbei machte ich in Soldau eine wunderbare Entdeckung. Alle Echutzlücher zeigte» glatten Durchschlag. Von Explosion keine Spur! Aus Soldau sollen über 38 Era- natcnschüss« abgegeben worben sein. Ich besichtigte u. a. das Grundstück des Maurermeisters Schmoglowski. Dieses war von einer Granate getrosfen, die in die Werkstätte einschlug, jedoch ohne Explosion. Ferner waren im Hause des Restaurateurs Schulz zwei Granaten eingeschlagen. Auch diese hatten keine Explosivwirkung. Dieses erste Gefecht bei Soldau endete übrigens damit, datz unsere Artillerie die russischen Batterien zum Schweigen brachte. — Am Dienstag, morgens 8 Uhr, begann bei Soldau abermals das Ecschützseuce unserer Batterien! Es wurde den ganzen Dienstag und Mittwoch furchtbar geschosien. Die russischen Truppen mutzten sich aus der ganzen Linie zurückzichen und erlitten in ihren ungeschützten Stellungen vor der Stadt enorme Verluste. Auf der Strecke Jllowo- Soldan wurde eine deutsche Lokomotive getrosfen. Das Loch der russische» Granate im Wafferkesiel war sanstgrotz, die Wirkung der Explosion lediglich eine kleine Bcrbeulung des Kessels". Der Kausmann Otto Pisky in Friedrichshof, unmittelbar an der Grenze, stellt der „Allensteiner Zeitung" solgende Schilderung zur Verfügung'. „Auf einem Austlärungsritt von Fried- richshof aus mutzte ein Leutnant mit seiner Patrouille jenseits der Grenze hinter Myscsnmiecz infolge einer abgebrochenen Brücke einen kleinen Fluß postieren. Rach Durchlchreitung tradjle eine Salve von mindestens 23 jeindlichen Dragonern aus eine Entfernung von 38 Schritte. Das wertvolle Pferd des Offi- zicrs stürzte getrosten unter ihm zusammen, er selbst ritz sich aus dem Sattel und lies der zurückreitenden Patrouille zu Futz nach. Fm freien Gelände, in dem er zirka 380 Meter lausen mutzte, wurde aus ihn ein starkes Feuer unterhalten — aber nicht c>» Schutz traf! Der brave, mutige Offizier wurde nun von seinen Leuten in Empfang genommen und, zwischen zwei Vierde sich haltend, bis zu seiner Truppe herangebracht. Die Russen schosien nunmehr aus unsere stehende» Truppe», die kali- blutia lächelnd die vergebliche Schieberei beobachteten". Die gefangenen Belgier. Berlin, 14. August. Der „Münstcrische Anzeiger" meldet mit Genehmigung der Zensurbehöide, datz di- 4888 geasn gen genommenen Belgier nach dem Sennelogcr gebracht worden sind und datz di« Gefangenen zum Vau von Straßen benutzt werden. „Goeben" und „Breslau". Ueber die heldenmütige Ausfahrt des Schlachtkreuzzrs „Eoeden" und des kleinen Kreuzers „Breslau" aus fc{*n Hafen von Messina und was der tühnen Tat vvrausgtng, erfährt der Berliner „Tag" interessante Einzelheiten, aus denen wir das Folgende wiedergeben: „Eoeben" und „Breslau" lagen am l. August friedlich, doch klar zum Gefecht, im Hafen von Brindisi, als der Fpnkenfpruch eintraf, der ihnen, nach der Erklärung des Kriegszustandes in d-r Heimat, Erlösung aus langer Spannung bringen sollte. Bereit zur Tat, gilt es zunächst Kohlen zu sasien. Die dreihundert Meilen bis Messina sind am 2. August glücklich zurückgelegt. Der neutrale Hasen gibt Kohlen, soviel die Schiste halten können. Bei Nacht und Nebel geht 's wieder hinaus, zu eilender Fahrt nach Westen. Im Frllhlicht des 4. August wird die afri- rikanische Küste erspäht, mit ehernen Grützen bedacht. Fn Phi- lippeville und Böne liegen, nichts ahnend, d e Dampfer am Kai, die französische Truppen von Algier nach der Heimat dringen sollen. Die Granaten sausen in den Hasen und blitzschnell, wie sie kamen, sind unsere Kreuzer wieder verschwunden. Der 5. August trisst sie abermals in Messinas gastlichem Hasen. Der genau befristete Aufenthalt, den der Neutrale ge- währen darf, wird wiederum an Kohlenfaffen gewendet. Man weitz cjtzt: der Feind hat unsere Tapferen endlich gesichtet: eng. lische Schlachtkreuzer und französische Geschwader sind gemeldct, so lauten die Nachrichten. Admiral und Offiziere gehen nochmals an Land, um Testament«. Briese in die Heimat, Wertsachen im Konsulat niederzulegen. Dann kommen die letzten Vorbereitungen. Tausendköpfig drängt sich Sie Menge am Hafen. Da erklingt vom Flaggschiff „Eoeben" hell die Musik: „Heil dir im Eiegerkranz" . . Unbedeckten Hauptes sichen Of- fijieie und Mannschaften an Deck, brausend schallen drei Hurras auf den Kriegsherrn zum Ufer herüber, wo in schweigender Ergriffenheit die Volksmenge harrt. Nur der Mond leuchtet bald der nächtlichen Fahrt. Tiefe Stille, man hat wohl fernen Kanonendonner gehört, di« Trümmer eines englischen Schisses gefunden, aber noch schweigt jede weitere Kunde. Eines nur wissen wir: Sie sind durch! Schjffoiiilgliick im adriatijlhen Weer. Triest, 14. August. Der Pasiagierdampfer „Baron Gautsch", der gestern Mittag Lussin Grande auf dem Wege nach Triest verlassen hat, ist auf der Fahrt gesunken. Vis gegen Abend waren 138 Personen gerettet und 28 Leichen geborgen. Die Haltung Rumäniens. Berlin, 13. August. In verschiedenen Blättern wird in Korrespondenzen und in Artikeln und unter Berufung aus rumänische Blätter mit mehr oder weniger Bestimmtheit behauptet, daß Rumänien entschlossen sei, seinen Platz ander Seite des Dreibundes zu nehmen und womöglich aktiv in den Kampf einzugreisen. Wir wiffen nicht, ob diese Ansichten über die Stellung Rumäniens wirklich fest begründet sind. Es wird aber vorläufig genügen, wenn Rumänien sich neutral verhält, und das darf man erwarten. Das weitere Verhalten aller neutralen Staaten hängt, wie wir mehrfach bemerkt haben, in der Hauptsache von einem einzigen Faktor ab, nämlich davon, datz wir in den bevorstehenden ersten großen Kämpfen mit den Franzosen Sieger bleiben. Dann ergibt sich alles weitere, was jetzt schwierig scheint, viel leichter. Don den gefangenen DWlen. Für Donnerstag Abend ist ein weiterer Trupp gefangener Franzosen für Frankfurt angekoinmcn. Man nimmt an, daß noch weitere Truppentransporte von Franzosen ab- gewariet werden und daß dann die Franzosen mit einem Extrazug noch mehr in das Innere des Landes geschasst werden. Wie Augenzeugen berichten, befand sich das Schuh- wcrk der heute Angekommcnen in einem geradezu jämmer- lichen Zustand. Die Leute waren von den Strapazen sehr mitgenommen. Merkwürdig benäh,» sich ein französischer Gefangener, den man vorgestern in Müllheim einliescrte. Wie von Augenzeugen erzählt wurde, schrie und tobte der Gefangene, daß alles aus den Häusern lief. Auf die Frage, warum er sich so ausführe, gab er zu erkennen, daß er sich vor dem Erschießen so sehr fürchte. Nachdem man ihm diese Furcht ausgeredet hatte und ihm versicherte, kein Har- chen würde ihm gekrümmt, wenn er keine weitere Veranlassung dazu gebe, wurde er ruhig und ließ sich Speise und Trank recht schmecken. Er erzählte, daß er mit seinen Kameraden, die in elsässischen Grenzorten stehen, seit vier Tagen nichts mehr z» essen bekommen habe. Sein Appetit war auch dementsprechend und er äußerte vergnügt, daß er nur froh sei, unter so gute Menschen gefallen zu sein. Mitleid erweckte die Schuhbeklcidung des Gefangenen. Es waren zerrissene Lackstiefel, so zierlicher Art, wie man sic auf dem Tanzboden trägt. Kein Wunder, daß ihnen die halben Schuhsohlen fehlte». So scheint cs sich z» .bestätigen, was Eingeweihte stets behaiiptct, daß cs dcui französischen Heere an dem »öligen Schnhzeug fehlte. Schwarzbrot statt Weißbrot. München, 1t. A»g. Das Staatsminislerium des Inn- er» fordert in einem Ausruf zur Vermiuderniig des Weiß- brotverbrauches und Ersatz dcS Weißbrots durch Schwarzbrot auf. t Waldgras als Viehfirtter. , In den Wälder» wächst bekanntlich Jahr für Aahr e'mj Unnicnae von Gras, das aber bisher oar nicht ob« aker. Beilage zur „Neuen Tageszeitung". fit, 190 Samstag, den 15. August 1911. 7. Jahrgang Für Zeit und Ewigkeit. Predigt geholte» am Kriegsbetlag in einer obcrhcsiischen Dorflirche. Ps. 50 35. 15. Ruse mich an in der Rot, so will ich Dich retten, so sollst Du mich preisen. Liebe Gemeinde! Der Kaiser ries und alle, alle kamen! Man hat dies Wort gesprochen von den deutschen Soldaten, die aus des Kaisers Rus alle zu den Fahnen geeilt sind, aber, Gott sei Dank, wir i können es auch noch aus ein anderes Kaiserwort anwenden, aus das Wort: geht hin in die Kirchen, kniet nieder und betet. Die letzte Woche hat es gezeigt, datz unser Volk auch diesem Rus einmütig Folg« leisten will. In Berlin hat man Gottesdienst aus der ossenen Stratze abgehalten, weil die Kirchen zu klein waren — Gottesdienste, an denen bis zu 20 000 Menschen teil- nahnien! Fa unser deutsches Volk eisährt in diesen Tagen die Wahrheit des Wortes: Rot lehrt beten! Wir alle, vom ersten bis zum letzten, spüren es, datz Dinge über uns hereingcbrochen sind, die über alles Menschenmatz und alle Menschenkrast hin- vusgrhen, datz wir Hilfe holen müssen, bei einem der grötzer ist, als die Menschen und ihre Kräste. Und noch mehr: Wir ,pürc»s eben, datz das, was da über uns gekommen ist, überhaupt leine Menschensache ist, nicht daran hängt, ob Menschen sagen: wir wollen« oder wollens nicht, wir spüren, datz es ein Schicksal ist, da» über uns kam, das unsere band nicht schassen, aber auch nicht abwenden konnte! Und daneben doch wieder: datz dieses Schicksal herbeigezogen ist durch den Fluch menschlicher Schuld und Sünde! Und wenn wir von Schuld und Sünde reden, denken wir nicht nur an di« Verlogenheit und das Unrecht unserer Feinde: Wir denken an UNS selber! Denken ruran, wie im Laus der letzten Zeit die gute alte Vätersitte iminer mehr und mehr zersallen ist und so ost Roheit und Un- »aiuc an ihre Stelle trat, denken daran, wie Putzsucht und Ver- aninrungssucht und die Sucht reich zu werden unser Volk so be- ycrrscht Hoden, vag pur nichts anderes mehr Raum wi», oeiiken daran, wie wir schon seit Jahren die Stimmen ernster Männer uuo Frauen hören mutzten, die uns zuriesen: es kann nicht so weiicrgehen, sonst kommt ein Ende mit Schrecken! Und Uber dieser Erkenntnis ist es unserem Volk nun aus einmal sest klar gcwoidc», datz es über all diesem menschlichen Irren und Sündigen eine hehre Macht der Gerechtigkeit gibt, deren Mühlen viilleichl manchmal langsam mahlen, aber ganz sicher! Unser deutsches Voll war in den letzten Jahren — gerade wie die Völker ringsum — draus und dran, diesen gerechten Gott seiner Väter zu vergesicn, NU» hat sich Gott mit Flammcnschrist unserem Volk wieder csfenbart, und Gott sei Dank: in der Seele unseres Volles ist noch Ehrsurcht genug gewesen, um in dieser Flammenschrist Gottes Namen zu erkennen, und anbelcnd vor ihm in die Knie« zu sinken! Wir getrauen es auszujprechen: datz unser Volk in diesen Tagen seinen Gott erkannt hat, das war sein erster und vielleicht sein wichtigster Sieg in dieser ganzen schweren Zeit, und wir sind ganz sicher: an diesem Sieg hängt der Ausgang des ganzen Krieges! Eewjtz gibt cs ja auch jetzt Kleinmütige und Kleingläubige, di« sagen: habt ihr euch die ganze Zeit nicht um Gott gekümmert, so wird euer Angstgkschrei jetzt auch nichts mehr Helsen: Aber ich glaube, die so reden, die kennen unseren Herrgott gar schlecht! Rein, so kleinlich und gehässig rechnet der nicht, datz er sagt: wie du mir, jo ich dir, er rechnet wie ein Vater mit seinen Kinder» und auch dem verlorenen Sohn, der reuig heimkehrt, geht er mit Huld und Gnade entgegen und lätzt ihn erfahren: Ruse mich an in der Rot, so will ich Dich erretten. Darum wollen wir uns von diesen Kleingläubigen nicht irre machen lasten, sondern wollen oortreten und die Hände heben, und die Herzen ösjne» und wollen rufen nd flehen: Herrgott im Himmel, hilf uns, Hilf Deinem Volk. Er wird uns helfen. Ja er hat uns schon geholfen Es gibt in der Bibel ein Wort, über das schon mancher spöttisch gelächelt hat — heute erfährt unser deutsches Volk am eigenen Leib, datz dieses Vibelwort wehr ist, das Wort: Ehe denn sie rufe», hör« ich! Gerade wir auf dem Lande wisten es! Es sind noch kaum 11 Tage her, da haben wir alle geseuszt unter den unmäßig niedrigen Viehprei sen durch die Uebersüllung in den Ställen: und heute? da jagen wir: Herrgott wir danken dir, datz du gerade jetzt diesen Fleisch reichtum hast eintreten lasten, danken dir, datz du ohne unser Wiste» und Wollen vorgcsorgt hast, datz in dieser schweren Zeit Fleisch und Brot im Lande ist, llr unsere Soldaten und unser Volk! Ehe wir noch etwas getan, von der Rot, die uns dazu bringe» würde, zu dir zu schreien, hattest du unjer Rusen schon gehört und dafür gesorgt! — lind noch möhr! Fleisch und Brot tuts in solcher Zeit noch nicht! Roch mehr hat uns Eoit geholfen, eben schonr-Lb Mt in dieejn Tagen durch unser ganzes deutsches Volk vom Kaiser bis zum letzten Schulbuben eine holllodernde Begeisterung! Wo kommt die her? Keiner von uns glaubt, datz das Menschenhände machen könnten! Nein! Auch das ist Gottesgabe, ist heiliger Gottesgeist! Ist e; uns doch säst, als erlebten wir in diesen Tagen ähnliches, wie es die Jünger damals am ersten Psingsttag erlebt haben, da sie sich auch weinend und jauchzend in die Arme jaulen, im Angesicht ihrer Feinde, da ihre Herzen auch ersüllt waren vom Brausen eines einzigen todesmutigen Geistes, da sie sich jühllen als ein Voll wie Brüdern! Das ist heiliger Geist von Gott, der solches schasst! Wir ocrlennen nicht die große Ge- >ahr, die in dieser unserer Begeisterung liegt, sie kann sehr unheilig werden, wenn wir sie entweihen durch Hatz und Unrecht, oder wenn wir nach einem Sieg in Ueberm»! und Frechheit aus unsere Mach! pochen würden und Gott vergäßen: Gerade darum inüsjen wir es immer wieder ansjprechen »nd uns cinpru gen: es ist heiliger Gottesgeist, der über uns gekommen ist. i>nt in heiligen und reinen Herzen wollen wir ihn bewahre»! Aus scgen wollen wir das Alte und Schlechte: all die Vornehmtuerei der letzte» Zeit, hinter der nicht» steckt als Lug »nd Trug, all das hohle und halbe Wese», vor alleen: auch: oll die Begtiem lichteit und Seldstsicherheit der letzten Jahre, die manchen von UN» einfach zu jaul gemacht hat. in di« Kirche zu gehe», zu faul, Gott zu juche» und seine Rechte und Gebote zu halten Wir wollen es in dieser ernste» Sinnde geloben: Du sollst unser Gott sein und wir wollet, dein Voll fein und wenn du uns »ach errungenem Sieg i» Frieden in unsi e, > Land wohnen löstest, d a » n wollen mit c s nie -> c r ges len, und es Kindern » nd K i ndrs k i ndern er z äh len, was d» an uns getan ha ft! Liebe Gemeind.'! Es stehen schwere Wochen vor uns. und sic werden vielleicht Nachrichten bringen, über denen uns der Herzschlag stockt: Aber das sind wir gewiß: Wenn wir so als Gottes Volk in den Krieg ziehen, dann werde» wir all die. die wir vielleicht hier auf Erde» »ich« Wiedersehen sollten, sicher treffen in seinem herrlichen Land des Friedens — ja dann wird »ns Gott nach aller Saat doch eine» herrlichen Sieg gebe» und es wird eine Zeit komiaen, in der wir jubelnd bekennen türscn: Wir riesen Dich an in der Not, Du hast uns errettet und nun wollen wir Dich preisen. Amen. Eljronilra dcr Krirgstzeschichle. lllll. 2d. Juni. Ermordutig des österreichischen Thronfolger» Erzherzogs Franz Fredinand und seiner Gattin zu Sara jewo durch serbische Meuchelmörder. 23. Juli. Überreichung des österreichische» Uliiinalttins an Serbien. Ablauf öerseiben 25. Juli nachm. 0 Uhr. 25. Juli. Serbien br-an^'^' bno österreichische Ultimatum ungenügend. Um <:,:i0 K' Abreise des österreichisch »nga- rischen Gesandten, grhr. °. «li 11113 Wilhelm bricht seine Nordlandsres^>? b 26. Juli. Teilweise Mobilmachung in Oe, 27. Juli. Die ersten v-renzgefechte an der Ä.. negro erklärt sich für Serbien. — Ankunft Kaisers in Kiel. England ladt Deutschland, und Italien zu einer Vermittlungskanferenz ei». 28. Juli. Kriegserklärung Oesterreichs an Serbien. - De». » üStürm- Monte- ,It. ist •'S Pnllter-IHäbel nur eigener Herstellung Moderne Klub-Sofas u. -Sessel, Divans, Salon-Garnituren, Vollständige Betten. Die Fabrikation untersteht meiner persönlichen Leitung und bietet dadurch Gewähr für bekannt solideste Verarbeitung. fsirÖlStes Hasses' am Besitzt*! 54 fau;en Sie Inh.; Heinrich Metzendort Friedberg, i. H. ssapettn GMeißen, fariicii, huk, Die! nirgends besser, nirgends billiger wie bei Ad ®!! 1 lill.jlliülimt. 3?'r?«»d!JCPg' i M. Zchniilr. «Telefon 45». Feiefon 459. 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Deutsches Ultimatum mit ILstiindiger Frist an Rußland. — Anfrage in Paris. — Der Kaiser erklärt den Kriegszustand. — Ansprache des Kaisers an das Volk. — Abermaliges wortbrüchiges Telegramm des Zaren an den deutschen Kaiser. — Allgemeine Mobilmachung in Oesterreich. 1. August. Deutsche Mobilmachuug. — Französische Mobil- I machung. 2. August. Kriegserklärung an Rußland. — Beschießung von Libau durch den kleinen Kreuzer Libau. — Kavalleriekämpfe an der Ostgrenze. — Französische Flieger überfliegen die belgische Erenze und werden in Deutschland gesichtet. — Deutscher Einmarsch in Luxemburg. — Ultimatum an Belgien. 3. August. Kriegszustand mit Frankreich. — Die russischen Grenzstädte Alexandrowo, Kalisch, Czenstöchau und Bend- zin werden von den Deutschen besetzt. — Schweden macht mobil. 1. August. Einstimmige Bewilligung der Kriegs- forderungcn durch den Reichstag. — Englands Kriegserklärung. — Belgiens Kriegserklärung. — Italiens Neutralitätserklärung. — Deutsche Truppen erstürmen Kibary an der russischen Grenzee. — Bei Krottingen wird ein russischer Vorstoß zurückgewiesen. — Deutsche Kriegsschiffe bombardieren befestigte Plätze in Algier. . 5. August. Das Eiserne Kreuz erneuert. — Eine russische Ka- vallericbrigade bei Soldau vernichtet. — Wielun in Russ.» Polen von den Deutschen besetzt, die Truppen mit Jubel empfangen. — Der deutsche Kreuzer „Goebcn" und der kl. Kreuzer „Berlin" entgingen bei Messina der lleberzahl englischer Kriegsschiffe und gewannen die hohe See. 6. August. Ruf des Kaisers an das deutsche Volk. — Oesterreichs Kriegserklärung an Rußland. —JttjjiiuJJtier Polen gegen Rußland. — Bei Schwiddern^^rpe -in- russische Kavallericdivision über die Ere"^ zurückgeworfen. — Hol- land bleibt neutral. - I. August. Di- FcstunaLlitti-h von den Deutschen o. Emmig mit dem Orden pour le ks’P'V,*» 0 ' ’ >et. — Wohlwollende Neutralität Ru- ^ tzeke"^ .inmarsch der Oesterreicher in Russisch-Polen. — Kavallerie besetzt Olkusch und Walbronn. . ^er deutsche Bäderdampfer „Königin Luise" legt Minen an der Themsemündung, er wird dabei von einer englischen Torpedobootslottille angegriffen und sinkt. Der englische Dampfer „Amphion" gerät aus eine Mine und wird zum Sinken gebracht. 9. August. Die Engländer besetzen Lome, die Hauptstadt der deutschen Kolonie Togo. — Ein abermaliger Kavalleriean- griss der Russen bei Biela zurückgeworfen, die Rllsien verlieren 8 Geschütze. — Deutsche Landwehr zwingt die Russen bei Schmallingken zum Rückzug über die Erenze. — Kriegserklärung Montenegro s an Oesterreich. — Verbrüderung der Deutschen und Tschechen in Prag. 19. August. 3 französische Divisionen werden unweit Mülhausen unter großen Verlusten von den Deutschen nach Süden zurückgcwor- s e n. Die Franzosen verloren an Gefangenen 19 Offiziere und 313 Mann, 4 Geschütze und 10 Fahrzeuge fielen in die Hände der Deutschen. — Bei Eydtluhen warfen 3 deutsche Kompagnien 3 russische Kavallericdivisionen über die Grenze. — Beschießung des montenegrinischen Häsens Än- tivari durch die Oesterreicher. — 800 galizische Jungschutzen überfielen bei Mjcchow die Kosaken, die 4M Tote und Verwundete hatten. 11. August. Die erste französische Fahne erobert in der siegreichen Schlacht bei Lagardc in Lothringen. Eine französische Brigade in den Wald getrieben. Ucber 10M Gefangene, 2 Batterien und 4 Maschinengewehre sielen in deutsche Hände, ein französischer General ist gefallen. — Erfolgreicher Kamps der Oesterreicher mit den Serben an der unteren Donau. — Kriegszustand zwischen Oesterreich und Frankreich. V ' 12. August. Der deutsche Boden ist von Feinden gesäubert. — Deutsche Unterseeboote fuhen die Ostküste Englands und Schottlands entlang. — Bei Brody versuchten die Rusien die Erenze zu überschreiten, wurden aber von den Oesterrcichrrn zurückgeworfen. — Bis zum heutigen Tage waren 1,3MM0 Kriegsfreiwillige angemeldet. Wochenschau. Eine große Zeit ist über uns hercingebrochen. Mag sie auch manche Bitternisse im Gefolge haben, wir werden sie überwinden und uns freuen des Geistes, der wieder über unser Volk hcreingebrochcn ist. So wie unser Erbfeind im Westen im Jahre 1870 die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat, als er daraus taute, daß der alte Hader zwischen dem Norden und Süden in Deutschland keine Einigkeit aufkommen lassen werde, so war dieses Mal die Rechnung trügerisch, daß der Zwiespalt der Parteien Deutschland in zwei Lager teile. Deutschland ist einig: Einmütig haben alle Parteien im Reichstag sich in den Dienst des Vaterlandes gestellt. Als einige Deutsche ziehen wir, wie einst vor 44 Jahren unsere Väter, ins Feld, im Kampfe für unser Vaterland, für Weib und Kind, für Heim und Herd. Das ist das erste erfreuliche Ergebnis der abgelaufenen Woche. Das zweite ist der glatte Verlaus unserer Mobilmachung. „Wie am Schnürchen" verläuft alles, so konnte die Reichsregierung frohbewußt veröffentlichen. Mit der Ruhe und Sicherheit eines Uhrwerkes ging alles seinen Gang. Keine Unruhe und keine Ueberhastung, nicht zu langsam und nicht zu schnell, sondern so wie es sich gehörte und wie es sein mußte, Mttliet alles. Man mutz sie ael»i>en. *tzaoen, unsere wackeren Voterlandsverteidiger, mit welch' herrlicher Begeisterung sie hinauszogen in den heiligen Kampf um's Vaterland. In grüngeschmückten Eiscnbahnzügen, unter frohem Gesang zogen sie dahin durch die deutschen Lande der Erenze zu. Daß zage Furcht nicht auskommt in ihren Herzen, dar zeigte so manche Inschrift, die an den Wagen geschrieben stand: Rusfischer Kaviar, Französischer Sekt, Deutsche Hiebe, Hei! wie das schmeckt! Sie haben es schon bewiesen, unsere rapseren Truppen, daß ihre Begeisterung treu und ehrlich ist. Kaum ist eine Woche nach der Kriegserklärung vergangen und schon häufen sich die Erfolge der deutschen Waffen. Lüttich, eine belgische Festung, modern ausgebaut, mit starken Außensorts und mit den schwersten Geschützen versehen, ist am Freitag von den Deutschen im Sturm erobert worden. Eine Wasfentat, die einzig dasteht und hell dereinst für alle Zeiten erstrahlen wird. Dem mutigen Führer, General v. Emmig, wurde der Orden pour lc mörite verliehen. Ehre dem Ehre gebührt! — Aus Belfort und dem berüchtigten Vogesenloch beruht die Hoffnung der Franzosen. Von dort aus wollten sie das Elsaß mit ihren Scharen überschwemmen. Aber ach, indem sie hassen, hat sic Unheil schon betroffen. Das 7. Armeekorps, das Elite- k o r p s des französischen Heeres und eine Division sind unter grcßen Verlusten von den Deutschen geschlagen und nach Süden zurückgeworsen worden. Am Tage daraus überfielen die Deutfchen, unser» Lunevillc eine gemischte fianzösische Brigade, Erna und Ilje. Nomon von D. Feußner. 29 (Fortsetzung). „Er traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel, ebenso wie meinen Vater." »Und warum dies?" „Eine sonderbare Frage," sagte sie, „in dem Augenblick, wo incin Lebensretter in ein fremdes, weit entlegenes Land, einer ungewissen Zukunft entgegengeht l Aber selbst wenn Sie das nicht wäre», und ich Sie nur kennen gelernt hätte, wie ich Sic eben kenne, so würde mich Ihr Entschluß ebenso niederschmetternd getroffen haben, als es so der Fall gewesen." „Bemitleiden Sic mich?" fragte Roderich, „Beniitleiden?" In undefinierbarem Tone wiederholte sic daS Wort. „Run ja — ich bemitleide Sie." „Und wenn ich nicht wicderkehre — würden Sie mich beweinen?" Sic warf ihm einen prüfenden Blick zu und sagte daun: ,. -v „Ja, doch wie ich glaube — nur kurze Zeit!" „Gewiß, Sie würden mich gar bald vergessen haben." „Tein Toten entschwinden auch die schönsten Erinnerungen!" 1 „Dem Lebenden oft auch." - „Dann muß er ein oberflächliches Gemüt besitzen." \ „Sie aber besitzen ein tiefes Gemüt." „Gewiß — und darum würde ich Sie auch nie vergessen und nur mit meinem Tode würden meine Erinnerungen, niein Hassen und Sehnen erlöschen." „Und meine Rückkehr würde Sie erfreuen?" fragte er. „Vielleicht — das heißt, wenn Sie mich dann noch lebend finden." „Warum ans Sterben denken? Sie sind noch so jung, gesund und haben voraussichtlich noch ein recht laivics Leben vor sich. „Vielleicht," sagte sie mit müder Stimme. „Wieder dies „vielleicht"!" „„Nun ja, mit anderen Worten — wenn cs mein Schicksal will!" „Ihr Schicksal will es," sprach er mit fester Stimme. „Und doch kann schon der morgende Tag verderbenbringend für mich sein." „Wie soll ich das verstehen?" „Mit all dem Weh. das er mir bringen wird und das ich vorahnend jetzt empfinde. Um mich ist es düstere Nacht wie an dem Tage, da meine Mutter starb." So bedeckte ihr Gesicht mit den Händen und weinte. „Weinen Sie nicht," bat Roderich weich, „Sie machen mir den Abschied schwerer, als er ohnehin schon sür mich ist; weinen Sie nicht mehr!" „Lassen Sie mich," sagte sie schmerzlich, „die Tränen gewähren mir eine Erleichterung — erst wenn sie versiegt sinltz hat mein Schmerz den Höhepunkt erreicht." „Und weshalb weinen Sie?" ' '„Ich vermag cs nicht zu sagen." „Gelten Ihre Tränen dem Abschiede von mir?" fragte er mit leiser Stimme. Sie schwieg einen Moment, dann sagte sie bittend: „Erlassen Sie mir die Antwort auf diese Frage." „Nun denn — lieben Sie mich, Fräulein Ilse? Hierauf müssen Sie mir Antwort geben, ich muß cs wissen," sagte er mit seltsam klingender Stimme. Langsam ließ sic die Hände vom Angesicht sinken und ein Blick todestraurig und hoffnungslos traf Roderich. „Lieben Sie mich?" fragte dieser noch einmal. „Mein Gott — wie — wie kommen Sie zu deser Frage?" „Sie selber, Ihre Tränen verrieten mir die Sprache Ihres Herzens, >md darum frage ich Sie noch einmal: Lieben S>e mi-k>?" die in Deutsch-Lothringen eingefallen war, und brachten ihr eine wahrhaft vernichtende Niederlage bei. Die erst- französische Fahne wurde erobert, ein französischer General getötet, 700 Gefangene, 2 Batterien und 4 Maschinengewehre sielen in unser. Hände, der Nest der Brigade wurde in die Wälder ac. trieben. Wie im Westen, wo voraussichtlich die Enffcheidungskämpse gesck, logen werden, so haben wir auch im Osten gegen Rußland nur frohe Botschaften zu melden. Bei Soldau in Ostpreußen wurde eine russische Brigade vernichtet, Kibary, eine russische Ercnzfestc, erstürmt. Bei Biala mußte eine russische Kavalle- riebiigade unter Verlust von 8 Geschützen schleunigst über die Grenze flüchten. Di- russischen Städte Ez-nstochau, Kalisch und Bendzin sind von den Deutschen besetzt. Dabei herrscht in Rr ssisch-Polen die Revolution, das polnische Volk, der Knechtschaft der Moskowiter müde, jubelt den eindringenden Heeren als Beftcicr zu. Ein- ernste Stunde für das Zarenreich beginnt zu schlagen. Daß unsere Marine in diesen Tagen nicht ruhig zusicht, bedarf keiner Versicherung. Schon einen Tag nach der Kriegs-' erklörung bombardierte der Kreuzer „Augsburg" Libau und setzte den Kriegshafcn in Brand. Deutsche Schiffe beschossen algerisch- Kriegshäfen und richteten dort Verwirrungen an. Di- Krone aber setzte allem ein Hcldenstückchen unserer Blaujacken auf, di- an der Themsemündung Minen legten. Wurden sie dabei auch von den Engländern überrascht und ihr Schiss, ein einfacher Bäderdampfer, zum Sinken gebracht, so flog dabei ein englischer Kreuzer, der „Amphion" in die Luft. Glückauf zu dieser Wasfentat, die der Austakt, dessen sind wir gewiß, zu weiteren Taten sein wird. Auch in unserem Bruder- und Bundesstaate Oesterreich ist aller Nationalitätenkamps geschwunden. Wer hätte es für möglich gehalten, daß in Böhmen Deutsche und Tschechen, Arm in Arm durch die Straßen ziehen, abwechselnd deutsch und tschechisch die Nationalhymne fingen und Oesterreich und Deutschland hcchleben lagen. Und doch ist es in der abgelaufenen Woche Tatsache geworden. Auch an der österreichisch-russischen Grenze hat unter siegreichen Gefechten, die den Heldenmut des Heeres bekunden, der Vormarsch in Feindesland begonnen. Heil Oesterreich auf deinen Wegen! Das deutsche Volk steht auf, soweit die deutsche Zunge klingt. VeroeN— •»., ------ u-»<- «'ep | . _ Gin einzige» ' Gefühl „älchzieht alle deutschen Herzen: an uns wird schamlose verbrecherische Gewalttat verübt —, wir sollen vernichtet und ausgelöscht werden aus dem Buch der Völker; Tücke und Rachsucht, Scheelsucht und schmutziger Egoismus wollen uns die Lebenskraft unterbinden. Das deutsche Volk steht aus. Ernst, geschlossen, einmütig, tatfroh, um einer Welt von Feinden zu zeigen, was ein Volk vermag, in dem der Geist lebendig ist, der Geist Gottes, der uns diktiert: Deutsch sein, heißt: edel denken und gerecht handeln. Und in diesem Zeichen werden und müssen wir siegen! Gcmeinnichiges. ^ ... D. Bratlinge von Pusfbohnen. Die schon ziemlich kräftige Bohnen werden in etwas gesalzenem Wasser weich gekocht und zum Abtropsen aus ein Sieb gegeben. Dann treibt man sie nebst einer großen Zwiebel durch die Hackmaschine, gibt 2 Eier, etwas Salz und nach Bedarf seines Weckmehl darunter. Aus dieser Masse formt man flache Klößchen, die in Butter oder Palmin dunkelgelb gebraten werden. Diese Bratlinge sind ein guter und willkommener Fleischersatz und besonders in teuren Zeiten. Bekanntmachung. Auf Befehl des Chefs des Feldeisenbahnwesens babei» Erntearbeiter auf den Eisenbahnen freie lllobr» Friedberg, den 11. August 1914. Großhcrzogliches Kreisamt- Frhr. von Scheuck. Wie ein Hauch, kaum hörbar, kam ein leifes „Ja" von ihren Lippen, dann fuhr sie fort: „Sa, ich liebe Sie init der ganzen Kraft und tiefsten Glut meines Herzens und werde nie aufhören Sie zu lieben, was auch kommen möge. Zwar weiß ich, daß ich meinenr Lebensretter nichts bin als ein schwaches, unbedeutendes Mädchen, dem die siegende Kraft des Weibes fehlt, den Mann, den es liebt, in Fesseln zu schlagen." „Sie wissen es nicht!" „Ich weiß es," sagte sie bestimmt. „Und dennoch vermag diese Gewißheit nicht meine Liebe zu ertöten, sie wird mich begleiten, bis ich an dem vielleicht verhängnisvollen Wendepunkte meines Lebens stehe. „Nicht weiter, Ilse!" Fragend blickte sic ihn an, als wollte sie in seinen Augen lesen, was fein Herz ihr zu sagen hatte. Er rückte näher an sie heran, nahm ihre rechte Hand zwischen die seinen und sagte weich: „Nicht viel habe ich Ihnen zu geben, Ilse, aber nehmen will ich von Ihnen, um vielleicht — zu gesunden, denn ein Herzcnskranker sitzt hier vor Ihnen, dein Ihre Liebe himmlischer Balsam sein soll." Dann fing er an von seinerLicbe zu Erna zu erzählen, von seiner ersten Begegnung mit ihr bis zu seiner Abreise von Berlin und erwähnte schließlich noch seinen letzten Briefwechsel mit Erna. Er schloß mit den Worten: „Ich habe entsagt und will nun versuchen, die Liebe, die ich Erna in so reichem Maße entgegcnbrachte auf Sie zu übertragen. Und wenn es mir nicht sofort gelingen, sollte, so haben Sic Geduld mit mir; aus dem Keim, den die Pflicht gelegt hat. wird, so hoffe ich, eine Liebe erweich- fen, welche stark genug ist. Sie durch das Leben zu tragen." Und wie um seine Worte zu besiegeln, drückte er einen Kuß auf ihre reine Sfirn. „ Fortsetzung.folgt.) ^ 5l*. isu Seile 3 nur zu einem sehr kleinen Teile abgemäht wird. Diese« GraS kann aber jetzt eine sehr nützliche Verwendung sinden. auf die wir einer Anregung zusolge Hinweisen möchten. Die Forstbehörde und auch die privaten Waldbesitzer sollten das Sammeln resp. Mähen des Gkases in ihren Wäldern erlauben. Dadurch würde eine große Menge Heu gewonnen, das unsere Futtermittel weiter vermehren würde. Lebensmiltclwncher und Mühlen In dankenswerter Weise haben die Behörden einge- grissen, um einer willkürlichen Verteuerung der notwendigen Lebensmittel vorzubeugen. Don allen Seiten werden Schließungen von Geschäften gemeldet, die ungerechtfertigte Preise für ihre Ware» verlangten, es werden Höchstpreise für Kartoffeln ongejetzt und dergl. Es wäre aber auch angebracht, wenn die Behörden ihre zu begrüßende Fürsorge auch ans manche Mühlen ausdehnen wollten. So wird uns mitgeteilt, daß eine in der letzten Zeit vielgenannte Mühle in der Wetterau den Preis von 200 Kilo zweier verschiedener Sorten Mehl (sog. Pärclien) von 56 aus 77 Mk. selbst für regelmäßige Abnehmer erhöht hat: das bedeutet eine Preiserhöhung von über 37 Prozent. Der Preis von Weizenschalen wurde selbst bei bestehenden Verträgen, unter dem Vorwand daß Krieg Verträge breche, von 5 auf 7 Mk., also um 40 Prozent erhöht. Zn einer derartigen enormen Preiserhöhung liegt kein Anlaß vor. Zwar ist der Roggen von 18 Mark aus 21 Mark gestiegen, das sind aber nur 10,5 Prozent, und der Weizen von 21 auf 24 Mark, das wäre 14,5% Steigerung. Die Preissteigerung des Mehles und der Kleie steht also in keinem Verhältnis zu dem Aufschlag der Frucht. Für die nächste Woche werden übrig :ns nur noch 23 Mark für den Weizen geboten, auch dazu ist keine Veranlassung, denn das Druschergebnis de? Weizens ist in unserer Gegend sehr gering. Auf alle Fälle wollen die Landwirte sich diese Machenschaften nicht ruhig gefallen lassen, sondern bestrebt sein, mit Firmen in Verkehr zu treten. die den angeniessenen Preis bezahlen. So wird uns z. B. mitgeteilt, daß das Kornhaus Hanau diese Woche für Roggen 23.50 frei Hanau bezhalt habe. Es dürfte sich auch empfehlen, mit den Militärbehörden in direkte Verbindung zu treten. Schlechte Einquartierung? Mit Bezug aus unsere gestrige Notiz über schlechte Einquartierung in Friedberg sei bemerkt, daß in den letzten lagen von den verschiedensten Seiten und übereinstimmend, ein hie- stger Beamter genannt wird, bei dem es die Einquartierung besonders schlecht gehabt hätte. Demgemäß bezog stch auch die gestrige Bemerkung aus diesen Herrn bezw. aus dessen Gattin. U. a. wurde uns auf das Bestimmteste mitgeteilt,, daß er dort zum Abendessen Kartossein und Handkäs gegeben habe und wir ourden ausdrücklich ersucht, diese Art von Verpflegung bekannt >u geben. Heute teilt uns der Betreffende mit, daß das ganze Gerede den Tatsachen schnurstracks zuwiderlause und gibt un» zum Beweis dessen folgendes Verzeichnis der während der sechs Tage an die Einquartierung verabslogten Speisen, das wir nachstehend folgen lassen: Erster Tag. (Es handelt sich um 15 Mann Einquartierung). Abends: Pro Mann % Pfd. Schweinefleisch (leider sehr fett, sodaß drei Leute es nicht aßen), dicke Suppe und Brot. Zweiter Tag. Morgens: Kassee, Milch, Brot, Honig nach Belieben. — Mittags: Suppe, pro Mann 1 Bratwurst, Kartosselgemüse, Brot. — Abends: '/, Psd. Wurst pro Mann, Kartoffeln, Gurke, Neltig, Handkäs, Ihee mit Milch, Zucker, Brot. Dritter Tag. * Morgens: Kassee, Milch, Brot, Honig nach Belieben. — Mittags: 7 Psd. Ochsensleisch, Bohnengemüse (war etwas knapp), Kartoffeln, Brot. — Abends: X Psd. Wurst pro Mann Kartosselsalat, Thee usw. Brot, je 1 Zigarre. Vierter Tag. , ' Morgen»: Kassee, Milch, Brot, Honig nach Belieben. — Mittags: 22 Würstchen und Linsensuppe, Brot. — Abends % Psd. Wurst, geröstete Kartosseln, grüner Salat (mit Rahm angemacht), Brot, 0,4 L. Bier pro Mann. Fünfter Tag. _ _ Morgens: Kaffee, Milch, Brot, Honig nach Belieben. — Mittags: Suppe, y, Pfd. Schweinebraten (reines Fleisch) pro Mann, Wirsinggemüse, Kartoffeln. — Abend»: Ü Psd Fleisch und Wurst, grüner Salat, Quellkartoffeln, 1 Zigarre. — Nachmittags Kassee u. 45 mürbe Wecke (gegesien von 9 Mann). Sechster Tag. > Morgens: Kaffee, Milch, Brot, Honig nach Belieben. — Mittags: Reissuppe, 'A Psd. glattes Solberfleisch pro Mann, Sauerkraut, Kartoffeln. — Abends: Geröstete Kartoffeln mit Salat, H Psd. Fleisch und Wurst pro Mann, Gurke, 0,4 Bier. Abschiedsmorgen. Kaffee soviel sie fassen konnten, belegte Brote, daß noch übrig blieben. Das Lager war in den ersten 2-3 Tagen allerdings etwas eng, da nach Weisung der Quartiermacher die 2 zur Versügung gestellten Zimmer genügen sollten. Als Beschwerde erfolgte, wurde noch ein drittes Zimmer zur Verfügung gestellt. Bon diesem Tage an konnten allerdings auch erst wollene Decken und Kissen geliefert werden, was vorher wegen der überstürzten Anmeldung nicht möglich war und bi» dahin die Soldaten nur aus Stroh mit Tüchern bedeckt schliefen. Man mutz doch auch stch einmal vergegenwärtigen, daß eine Ausnahme von 15 Manu Anforderungen an eine Hausfrau stellt, an die man sich erst gewöhnen mutz. Man ist nicht so rasch mit einem Lagerplatz eingerichtet, wenn die Soldaten 2 Stunden nach der Anfrage schon einritcken, wie diesmal, und die Portionen, die 15 kräftige Leute effen, muß man auch erst aus. probieren und man soll doch nicht gleich bösen Willen anneh- Wen. wenn nicht alle» vom ersten Auaenblick an stimmt. — 51*»« Ia 9 «»j»it»*#. öat»«««, den »»,»st 1*14. Jedenfalls dürften keine Uebertreib»ngen und Unwahrheiten Vorkommen, wie im vorliegende» Fall. Es ist bekannt geworden, daß in einer großen Zahl von Häusern es nicht gelungen ist. die Einquartierung zufrieden zu stellen. Bielleicht können bei nächster Gelegenheit die Soldaten etwas praktischer verteilt werden, nicht so viele In e i n Hau», sondern wenige in mehrere Häuser. — Man kann dann bester für sie sorgen. Im hier besprochenen Fall sind die meisten der Einquartierten noch mit Beteuerungen von Dank und Zusriednheit geschieden. Bemerkt sei weiter, daß der Bezirks-Kommandeur, dem da» Berzeichnis vorgelegt wurde, ausdrücklich hervorhob, daß es über das hinaurginge, zu was der Ouartiergeber verpflichtet ist. Wir haben keinen Grund, an der Richtigkeit dieser Angaben zu zweifeln und wir hassen, daß sie das Gerede verstummen machen und der bete. Beamte, desten Namen In aller Munde gestanden hat, gerechtfertigt dasteht. Nochmals sei hervorgehoben, daß der Bürger die Pflicht und Schuldigkeit hat, seine Einquartierung gut zu bewirten, nach dem vorstehenden zu urteilen, scheint es aber auch Leute zu geben, die kein Maß zu halten verstehen und das unmögliche verlangen. Ans der Heimat. * Friedberg, 14. August. Der Eroßh. Handelskammer in Friedberg gehen fortgesetzt aus den Kreisen des Kleinhandels besonders derjenigen des. Kolonialwarenhandels Klagen über die wirtschaftlichen Folgen des Krieges zu. Der Grossist sowie der Fabrikant drängten auf schleunigste Erfüllung der von den Detaillisten eingegangenen Verbindlichkeiten, während der Handverkauf fast ganz stocke u. kein Mensch an Zahlung seiner Rechnungen denke. Demgegenüber halten wir es für eine selbstverständliche Pflicht aller Schuldner, soweit es mit der Erhaltung ihrer Existenz nur irgendwie verträglich ist, sofort rückständige Schulden zu zahlen. Namentlich gilt das von denjenigen Erwerbsgruppen, deren Gehalt ununterbrochen und ungekürzt weiterläuft. Aber auch zu unserer landwirtschaftlichen Bevölkerung, die durch den Verkauf von Pferden an die Militärverwaltung, sowie durch die demnächstige Verwertung eines Teils der Ernte im Besitz von Barmitteln ist, haben wir das unbedingte Vertrauen, daß sie ihrer Zahlungspslicht gegenüber ihren Lieferanten voll und ganz sowie pünktlich genügt. Nur dann kann unsere Volkswirtschaft vor schweren Schädigungen bewahrt bleiben, wenn das Ilmlaufsmittel der Volkswirtschaft — das Bargeld — dem Verkehr erhalten bleibt und ihr neu zugeführt wird. am Donnerstag ihre Tätigkeit wieder aufnehmen dürefn. * Friedberg, 14. Aug. Der Verein der Detaillisten Non Friedberg bittet um Aufnahme folgender Aufforderung: Wir richten an das verehrst kaufende Publikum das dringende Ersuchen, den Geschäftsleuten die Rechnungen zn begleichen. Es ist ein großer, weit verbreiteter Irrtum, daß in Kriegszeiten nichts bezahlt zu werden braucht. Die Zahlungsverpflichtung wird durch den Kriegszustand nicht hin- ausgeschoben, sie besteht nach wie vor. Deshalb sollten alle die Leute, welche in der Lage sind, ihre Schulden bezahlen zu können, z. B. Beamte, deren Gehalt weiter geht, Landwirte, welche durch den Ertrag ihrer Ernte Einnahmen bekommen, es als Ehrensache betrachten, den Kaufmann, welcher jetzt in der schwierigsten Lage ist, nicht noch in größere Bedrängnis zu bringen, zumal er Ware nur gegen vorherige Bezahlung erhält. * Frankfurt «. 91., 14. August. Die Strafkammer verurteilte den 52jährigen Kutscher Ludwig Schröder, der sich seit Jahren in schamloser Weise an jungen kaum 14jährigen Mädchen vergangen hatte, zu 2j4 Jahren Zuchthaus. Der Staatsanwalt hatte gegen den Wüstling 5 Jahr Zuchthaus beantragt. * Frankfurt a. 91., 14. August. Der Krieg hat auch die Schwindler erfinderisch gemacht. Ein junger Mensch z. B. hat sich eine Liste von eingezogenen Landwehrleuten verschafft und Lberbringt deren zurückgebliebenen Frauen „Grüße aus dem Felde", wofür er stch jedesmal eine Mark geben läßt. Der Schwindler, der mit reichem Erfolg arbeiten soll, konnte noch nicht gefaßt werden. — Ein anderer Schwindler benutzt die Knappheit des Münzgeldes. Wenn er in der Hauptpost eine Person trifft, die Papiergeld wechseln will, ist er flugs mit einer „Rolle" Silbermünzen zum Umtausch bereit. Dankbar nimmt das Angebot an. Oeffnet man aber die Rolle, dann kommt eine Menge hübsch gefeilten Eisens zum Vorschein. Der Schwindler aber ist dann längst verschwunden. * Frankfurt o- M.> 14. Aug. Wegen Wuchers wur- den heute früh die Geschäftsräume der Grünen Radler in der Moselstraße und der Schwarzen Radler auf der Zeil durch das Generalkommando geschlossen. Der Inhaber die- ser Unternehmen, Paul Gerichter, hatte für einen Auftrag, für den nur 1,50 Mk. Kosten eingezogen werden dursten, 7,50 Mk. gefordert. — Die Großfirma Bodenheimer u. Eo., die vor einer Woche wegen Wuchers geschlossen wurde, hat • Frankfurt a. DI.. 14. August. Der Not gehorchend haben die hiesigen großen Gasthäuser ihre bisher fremdländischen Namen mit guten deutschen Bezeichnungen vertauscht. Am Bahnhofsplatz, wo cs sonst von „Grand-Hotels it ... .“ wimmelte und man vergeblich nach einem Gasthofe mit kerndeutschem Namen sucht«, ist heute alles deutsch. Aus dem Carltonhotel ward ein Fürstenhof, aus dem Englischen Hof ein Hessischer Hof, aus dem Hotel Royal ein Hotel Hansa, aus dem Hotel de Rusfic ein Hotel Kaiser Wilhelm II. Der altbekannte „König von England" ist verschwunden: er ist noch aus der Suche nach einem neuen Namen. Auch die großen Geschäfte haben sich ausnahmslos dem Dolkswillen, der wie ein reinigendes Gewitter durch die Straßen zog, gefügt und sind heute in Wort und Schrift deutsch. Der deutsche Sprachverein, der hier ein Menschenalter nur aus steinigem Boden arbeitete, kann an dem nun ganz deutschen Frankfurt seine helle Freude haben. Hesseu-Rasiau. * Friedrichsdors L 14. Aug. Vor einigen Tci.i'n wurde der zum Bahnwächtdienst eingezogene Spenglermei- ster Sergk erschossen anfgesunben. Anfänglich nahm man Selbstmord an, doch weisen verschiedene Begleitumstände raufhin, daß dies kaum der Fall sein kann. Ob ein ilrfii! ober gar eine Fahrlässigkeit von anderer Seite vorli-g!. konnte noch nicht aufgeklärt werden. Der Verstorben, wurde mit allen militärischen Ehren bestattet. * x Obcrursel, 14. August. Die sämtlichen hiesige» Verein' — und c, sind deren nicht wenige - beschlosicn. den Fannvm ihrer Mitglieder, die zur Fahne einbcrufcn sind, Unterstütz:» gen als Kriegsbeihilfe zu überweisen. — Hier werden 600 W.n der. Greife und Kinder au, Metz cinquartiert. ;. Ufingen, 14. August. Die Kgl. Regierung hat den Psor rer Kochem zu Pfaffenwiesbach vom 1. d. M ab zum Kreis- schulinspcktor de» Schulaussichtsbezirts II, umfassend die Ort schäften Eransbcrg-Friedrichsthal, Haintchen, Hafjelbach, Rio d-rrcifenberg. Oberrcifenberg, Pfaffenwiesbach, Schmitten Scelenberg und Wernborn ernannt. ' Neuenhain i. T.. 14. Aubg. Die hiesige Oemeinde überwies dem Roten Kreuz für die Truppe» 20 Ztr. 5. pst. Limburg. 1,1. August. Die Stadtverordnetenversammlung stellte zur Unterstützung von Familien einberusener Mann, schäften 25 000 9!ark zur Verfügung. Dem Roten Kr. uz ge- währte man einen Zuschuß von 5000 Mark Starkenburg. Darmstadt, 14. Aug. Ein schwerer Autounfall ereignete sich heute Nachmittag an der Landgraf-Philipp Anlaa, nächst dem alten Bahnhof. Der Führer eines von ans^'r halb kommenden Autos hatte anscheinend, da er fremd unt verwirrt war die Steuerung über das Auto verloren, und kam auf den Bahnsteig, wo gerade die Frau eines in, Feid befindlichen Vaterlandsverteidigers mit ihren beide.: lindern spazieren ging. Das Auto übersuhr das hinter der Mutter herlaufende etwa 5 Jahre alte Bübä-en und verlegte es schwer. Der Besitzer hielt sofort und brachte d- be,v:.':l. lose Kind nach dem städtischen Krankenhause. Unie ung ist eingeleitet. ' Taruistadt, 14. Aug. Aus de», Dess„ng-r F - V' .je dahier fand am Donnerstag Nachmittag die feierliche V,: setzung der beiden auf dem TruppenübungS» und Fl>- q Griesheim abgestürzten und dabei verunglückten F ri Leutnant Spieß und Fliegerpilot Trautwein unter sehr lebhafter Beteiligung von Freunde», Bekannten, Offizieren . v. statt. Nach der sehr weihevollen Grabrede wurden - -erreiche Kränze an dem Grabe „iedergelegt. Während dc: Trauerfeier kreiste in den Lüften ein von einen, Freu oe und Kameraden der Verunglückten geführte Flngapvni:. der mit einer Trauerflagge versehen war. ' Aus dem Ried, 12. Aug. Die Gurkenernte in Rbein» Hessen und Starkenburg, die soeben in vollen, Gange ,tt. liefert wider Erwarten einen sehr guten Ertrag. Doch ist infolge der Kriegslage die Verwendung behindert. "I . Folge der schlechten Transportmöglichkeite» falle» die mu- ften Gurkenmärkte in den Landorten aus. Die Waren werden zum größten Teil per Achse nach Mainz. Wann-: Darmstadt und Frankflirt gebracht, wo sie immerhin noch gute Abnehmer finden. Der Preis ist ziemlich niedrig und werden durchschnittlich für Einmachgnrken 50 Pfg. bis I Mark für das Himdert bezahlt. Frankfurter Wetterbericht. Boeausiag«: Wolkig, zeitweiie Ricderschtäqe, mäßig war-n, zunächst nordwestliche, später östliche Winde. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r s ch e l. Friedberg: für den Anzeigenteil: K. Schmidt. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", A. G., Friedberg i. H. Aufru f. An die Kewoljner des ürriles Friedberg. In der nächsten Woche werden Einwohner (vorwiegend Frauen und Kinder) der Festung Metz hier eintressen, die aus militärischen Gründen ihre Heimat verlassen müssen. Wir sind zur Unterbringung und Verpflegung, deren Kosten die Stadt Metz trägt, auf Grund des KriegSleistiingsgesetzes verpflichtet. Sie alle haben die Trennung von Angehörigen, die dem Kriegsruf gefolgt sind, erfahren. Umsomehr sind wir bei Ueberzeugung und Zuversicht, daß Sie bestrebt sein wer):», den Landsleuten aus dem Reichsland, die der Krieg vom Ernährer und Heimat losgerissen hat, nach Kräften z» helfen und ihnen zu zeigen, daß die Fremde solche Opfer z» würdigen weiß. Wir fordern Sie daher auf, die mit der Ilnterbringung beauftragten Behörden in ihrem schwierigen Werk durch freiwillige Meldung und Bereitstellung von Liebesgaben für die von der Reise mitgenommenen Landsleute nach Möglichkeit z» unterstützen. Sie alle wisse» und habe» da? durch die bisherigen Waffenerfolge bestätigt gefimden, daß uns.-re Krieger in der "Front ihre ganze Kraft in treuer Pslichier- füllung einsetze». Bleiben Sie dahinter nicht zurück und zeigen Sie unseren Brüdern aus dem heiß erkämpften Reichsland, daß der Heimat gemeinsames Band »»? olle umschlingt. Friedberg, den ll. August 1914. Mm\\ friedberg. Fr hr. S Herr Zahnarzt Winkle» 150 Herr Seminarlehrer Schnchmam, 5 .11; Herr Hchider Stern 20 .11 ; strau Helene Waas Ww. 100 Herr Bürgermeister Fauerbach, Okarben (Ergebnis einer Sammlung) 150 Frau Pfeifer, hier 10 A, Sri- Nenn aus Bad-Nauheim 5 ,n; Herr N'.ch- bach, hier 150 Freiiags-Kegelgefellfchafi (Kasino) 202,27 Fra» Gastwirt Will, hier 25 A; Frau Aplanalp, hier 5 A; Frl. Lieschen Dechert, hier 8 A; 5>ett Reallehrer Schaum 10 A; Für verkauftes Obst, Gemüse ufw. 6,42 Indem wir den Empfang der verzerchneten Gaben dankend bestätigen, bitten mir um weitere Zuweuduuge». I. A.: Ter Rechner: Dvnges. »tut Tageszeitung. Samstag, Sen 15. August 191« Seile 4. Garbenbinder"'^.."," Vordcrwaqen, Aehrenhcber, Bindegarn, Ernterschen cinpfiehlt W % f Friedberg i. §. ww • JWm Kaif-rstraste 162-64. 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Nach dem vom Reichstag angenommenen Notgefetz find di« Beiträge vom 3. August ab wie folgt festgesetzt: gewährl >. Klaffe 24 Pfg. 6. Klaffe 96 Pfg. 2. 36 „ 1. „ 108 3. „ 48 „ 8. „ 129 „ *■ .. 63 „ 9. „ 144 „ 5. „ 75 „ 10. „ 162 „ us Krankengeld wird vom 1. Klaffe 0,40 Mt. 4. Kranlheiistage ab 6. Klaffe 1,75 MI. ll. .. 0,65 .. 7, „ 2,00 „ 3. „ 0,90 8. 2,40 „ 4- » 1,15 „ 9. . 2,65 „ 5. 1.40 „ 10. 3,00 „ io Sterbegeld beträgt: I. Klaffe 16,00 MI. 6. Stoffe 70,1,0 Mk. 2. „ 25,00 „ 7. 80,00 „ 3. ,. 35,00 „ V. „ 95,00 „ 4, „ 45,00 9. „ 105,00 „ 5. „ 55,00 „ 10. „ 120,00 .. Der Absatz 2 in § 21 der Satzung ist au'ger Kraft gefetzt. Laufende Krankhettställe werden hiervon nicht berührt. Wir sehen UNS veranlaßt, darauf hinzuweifen, daß die Beiträge nach wie vor gezahlt werden müsien. Die Meinung, daß der Kriegszustand die Zahtungspflicht ausfchatte, ist irrtümlich. Gegen iäumige Zahler find wir gezwungen mit Mahnung und Pfändung vorzugehen, auch machen sich iäumige Zahler evtl, strafbar, wenn sie der Zahlnngspflicht nicht Nachkommen. Setbstoerftändlich besteht auch die Zahlungspflicht weiter für freiwilliae und weiter versicherte Personen und werden diese aus 8 10 Al j. 3 der Satzung hingewiese». Nur wenn pünktliche Zahlung erfolgt, Ist es uns möglich unseren Verpflichtungen gegenüber den Kramen nachzukommen und hoffen wir, dag der vorstehende Hinweis genügt, damit wir nicht mit Pfändungen und evtl. Anzeigen vergehen müffen. Friedberg, den 12. August 1914. _ CattS amm. Borsitzender. Flechten. Es wird Sie interessieren, zu erfahren, daß Ihre Dun-Salbt meine Hände von einer Art nässenden Flechte nach 3-wöchigem Ee- branch befreit hat, nachdem ich über '/» Jahr mit allerhand Salben vergebliche Versuche gemacht hatte. 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Ein fo gut durchgeimpftes Bolk, wie das Deutsche, braucht dann vor Blatter» keine Angst zu haben. Am Mittwoch, den 19. August 1914, Nachmittags 3 Uhr findet im Saal über den Pferdeställen ein allgemeiner Impftermin statt, zu dem alle gefunden Kinder bis zum Alter von 2—3 Monaten gebracht werden können. Jriedbcrg, den 14. August 1914. Der Bürgermeister: Stahl. ■■■■■■■■■■ Inttr Bol säsS direkt am neuen Bahnhof — Hanauerstr. 22 — Steinhausser Bier, gute Weine, »orzügl. Mlflagstisch ven 70 Pfg. an Spezialität: Warme Rippchen u. Haspel zu jeder rageszeit. Hausmacher Wurst. freundliches Kolleg mit Klavier geeignet für Zusammenkünfte und kleinere Festlichkeiten. BckliNtNlllhW. Die Wirtschaft von Wilhelm Muzch, Kaifersttahe Nr, 83 ist wegen Uebertretung des Alkohol- ausichankverbots bis auf Weiteres gesd)loffen worden, Friedbeeg tHeffen), den 14. August 1914, Der Bürgermeister: Stahl. Persil für Wollwäsche Örhauntiundjung. Landwirte, die Schüler der Mnsierschule zu Erntearbeiten benötigen, werden gebeten, sich unter Angabe des Namens der Kinder lowie der Beschäftigung schriftlich rn die Schulleitung zu wenden. Henkel s Blejih Soda Jmger Rehpivslher zu laufen gesucht, Off, m. Preis unter M. **«« an die „Neue Tageszeitung".____ Friedbero, den 14. August 1914. r~ ■ _ Der Schulvorstand Stahl, Vorsitzender. Jucht des /WWK^ tzkoßr» mißkn COL ffdrlfchnkins Lchweinezucht Verein Lanq-Eöns (Hessen.) Erjtklasf. Zuchttiere von vor- zügl. Abstammung stets vorrätig. ffkmdiiiftsr Trauringhaus Just. Ztttucs Lötveuftci», Uhrmadrer, Juwelier ». Optiker ke:-Kowtari ». b, 8, Loui,enfrr,4,P/- Telefou 386. Vorieilhaite Bezugsquelle von goÄ'nen ItUUlillfiCIl Lötfuge in jedem Goldgehalt und Fasson, Gravieren nnd Verändern gratis., * — _ d