U,immer 188 ^onnersrag. den lii. August li)14 7. Jahrgang Die bei ..4lrne kagr-zettnng" ericheint i-den Werltag. Regelmäßige Beilagen Kauer au» Hessen" den Agenten monatlich 50 Psg. Hinzu tritt Postgebühr oder Träger,ohn. An.eigen: Gnmdzeile '.0 Vjg Erfüllungsort Friedberg. Sistriftleitung und Kerlag Friedberg lHe sie»), Hanaueriraße IT „Hie Spiuiickube". dk-in io->re.»: „ lokale 1ü Pig„ An.eiiea oo, Ferniprecher 43. Postscheck-Er U, II: Bet de:, > o.ianstalten vlcc.eliayrtich Ltli. 1,05 LUS war!» w.-rlen durch Po'tn Ichna ,!».> er lobe» ;r (fliiiiirr! M iillh - i IN (Baden), 12. August. Am Montag Huben Flieger des französischen Generalissimus Pakete ron in Belfert gedruckten Ausruscn herabxcwcrsen, die selgende» Wortlaut hatten: „Ansrns des sranzösischc» Gcncralissim.us e.n dir Elsässer - — Kinder des Elsaß! Re.ch 44 Jahren schn-.erzlrchcu Wirren: betreten französische Soldaten wiederum d.n Boden eures edlen Landes. Sie sind die ersten Arbeiter des großen Werkes der R e v a n ch c ; cs erfüllt sie mit Rührung und Stolz. Um das Werk zu vollbringen, geben sie ihr Leben dah-ii. Die srcnzösilche Ration steht einmütig hinter ihnen, und in den Falten ihrer Fahne sind die Zauberworte cingegraben: Recht und Freiheit! Es lebe das Elsaß, cs lebe Frankreich!" Die Unterlevrift lautet' Der iranun'che Generalissimus: Iossre. Gebracht durch die sronzösischen Esyuadrillc» Mülhausen |üii ‘5 die Irtmwlfii frjiüilfn. Aue. dem Leserkreis wird der „Franks. Ztg." eine Reihe von Aeußerungen mitgeicilt. die die in Franlsurt für lurz, Zeit vnlergcbrachtc» sranzösischcn Gejangenen getan haben: „Wir haben die Deutschen nur gcschc», wenn sie im Laus schritt aus uns zukamcn. Unsere Toten hatten säst nur Kopf und Brnstwunden. Bei Mülhausen waren die Deutschen uns einmal auf 50 Meter nahcgckommen und schaffen alles über de» Hausen. Unser Leulnant sagte. Wo stecken sic nur? Auch er sah trotz des Feldstechers nicht» — alles war grau. Die Erde und die scldgrauen Unisormen sahen sich ähnlich. wie ei» Ei dem anderen. Wir haben unsere alten Excr zicrunijcrmc» behalten und mit diccsn sind » ir aus Bclsort anegerück», weil nichts anderes da war!" Englisches. Rom, II. August. England will, wie verlautet, ein zweite? Heer aujstcllc»: Lord Kitchencr habe gestern Aussor- derunacn an alle Erasschasisräte des Königreichs gesandt, ihm dabei behilflich zu sein. Das englische Publilum boykottiert deutsche Geschäfte, Getränte und Waren. Das „Daily Chro, nicle" verlangt, daß das den Deutschen auferlcgte Verbot, Waf- scn »nd Automobile zu besitzen und das Telephon zu benutzen, auch auf die Oe st erreich er und Ungarn auogedchni werde. In London soll ein Telegramm cingcirosscn sein, daß Japan England ireubleiben werde. Die englische Flotte. Rom, 12. August. Ein cnglischccs Geschwader wurde zwischen Korfu und Patras gesichtet, ein anderes, bestehend aus inchreren Panzern und zehn Torpedobooten, aus der Höhe von Ancona (Italien). Eine englische Fecmdculcgioir- Rom. 10. August. In London hat sich eine Fremden- 1,-gion gebildet, di» neben dem englischen Heer lämpsen soll. Die Engländer bssürchtcn einen Flottenllderfall. Rom, 12. August. Die Furcht der Engländer vor einem deutschen Arberfall aus die englische Küste ist wieder erwacht. Der inilitärische Mitarbeiter der „Times" schreibt, England müsse sich auf einen Handstreich der deutschen Flotte vcrberciten. Die geeignete Zeit dazu seien die nächsten beiden Wochen Es sei nicht anzunchmen, daß eine junge Flotte wie die deutsche, die sich ihren Lorbeer erst verdienen müsse, in den Hasen sich verbergen werde. Auch der Historiker Holland Roshüll diesen Handstreich für möglich. Die Tschechen gegen Nnszland. Prag, 12. August. „Sias Raroda" sagt in seiner Besprechung der Reden des russi scheu Kaisers und des Mi. nisterpräsidentcn Snsonow: Der russisch- Kaiser will gla». bcn machen, daß Rußland auch für seine slawischen Brüder tonpse, lind glaubt z» sehen, daß die Bereinigung der Slawen mit Rußland stark und unzertrennlich vor sich gehe, während Urtcllrsäbigc gerade das Gegenteil sehen. Bon den slawische« Ratio»:» Oesterreich-Ungarns sehnt sich keine einzig, nach der Bereinigung mit Rußland. Man hat in per tschechischer Ratio» niemals den Ruj nach Vereinigung mit Rußland vernommen, das die slawische Solidarität nur zu egoi> stischci: Zwecken mißbraucht hat. Rußland kämpst einen gro> ßen Kamps, aber nicht für die Slawen, sondern für die Geltend, mechung seiner eigenen egoistischen Ziele, sür die Verbreitung sein:r Macht über alle slawischen Stämme und sür die Untcr- diüniinn der Individualität der slawischen Völker. Die slaws. scheu Völler werden mit allen Kräften danach trachten, daß der furchtbare Kamps nicht aus Rechnung des Slawentums gesührst, werde. (Fiti jrtyaiillßcj OSflflüua^rr in Sff. Rom, 12. Aug. Ein japanisches Geschwader ist nachj einer Meldung d:r „Agrnzia Stcsoni" unter Admiral Tcwo in See gcgai.gcn. Ein nitMicr Spa iu Stockholm ufrljaM Kopenhagen, 12. Ang. Nach Meldungen ans Stockholm wurde dort der berüchtigte russische Spionageagcnt Ha'-'Per verhaftet. Dieser wohnte seit einigen Tagen unter dem Name» Mety iu einem Stockholmer Hotel, wo ihn ein Gast erkannte, der den kaumiandicrenden Admiral in Kenntnis setzte. Ter Admiral entsandte eine Patrouille, die Hanip'r verhaftete und mit ihm eine in seiner Begleitung besindl:che englische Tanie, bei der Tinmonten >>n Werte von vielen 91 *. 188 Tausenden Mark gefunden wurden. Hamper war früher weiter eines rusfischen Spionagebüros in Kopenhagen, das eine Verbindungen über ganz Skandinapien, besondes über Schweden ausgedehnt hatte. ycr Zar ruft die Wkn ;ur freiro. Hilfe aas! Daß Nikolaus II. die Juden an die Wohltaten erinnert, üc sic vom Hause Romanow genossen hätten, hat in den be- roffenen Kreisen nur Hohngelächter erregt. Es ist mehr ine Heuchelei. Eine unverschämtere Lüge hat freilich auch neser Zar noch nicht gelogen und man kann sich der Ansicht ncht verschließen, daß die russischen Machthaber aus dem chten Loche pfeifen, wenn sie zu solchen Mitteln ihre Zn- lucht nehmen. Die Jesuiten. Bcrliu, 12. Aug. Getreu dem Worte des Kaisers, daß r keine Partei und keinen Konfesjionsunterschied inchr 'enne, hat der Reichskanzler, der Erzbergerschcn Korrespondenz zufolge, angeordnet, daß die bekannte Bnndesratsoer- irdnung außer Kraft tritt und daß die Jesuiten zur HilfS- eelsorge zugelassen sind. Die ganze deutsche Ordcnsprovinz tat sich schon vor acht Tagen dein Heer und der Flotte zur üersiigung gestellt und zwar unter Angabe der Sprachenbc- ierrschung der einzelnen Mitglieder, da heute Männer, die ie polnische und die russische Sprache verstehe», sehr gut zu ebrauchcn sind. Ein ufurr Erzbischof uo« Polrn. Berlin, 12. Aug. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeit- mg" berichtet: Die Königliche Staatsregiernng beschloß, oie 'eit dem Tode des Erzbischofs Stablewski bestehende Sedis- -akanz im Erzbistum Poscn-Gncsen zu beenden. Die Ver- andlungen mit dem Päpstlichen Stuhle führten zu einem Einverständnis darüber, daß der bisherige Weihbischof von Posen, Dr. Likowski, zum Erzbischof von Posen-Gnesen er- nannt werden soll. Die Ernennung ist noch nicht erfolgt, steht aber bevor. Dieser Entschluß der preußischen Staatsregierung, die langjährige Sedisvakanz im Erzbistum Po- 'en-Gncsen zu beenden hängt selbstverständlich unmittelbar mit der erfreulichen Tatsache zusammen, daß die polnische Bevölkerung der östlichen Provinzen sowohl durch ihre Vertreter im Reichstage wie dnrch ihr eigenes Verhalten sich in diesen schweren Zeiten als treu zum Vaterland stehende Staatsbürger bewährt haben. Es ist eine der ersten logischen Konsequenzen, die aus dieser-einen von den vielen erfreulichen Erscheinungen dieser großen Zeit jetzt durch die Ernennung eines Erzbischofs für Posen-Gnesen gezogen wird. Orr Stricht eines MMm-fers nm Mich. Dein Brief eines Mittampfers um Lüttich entnimmt die Kölner Zeitung" folgendes: Dienstag, 4. August. Morgens früh durch den Aache- ler Wald, er ist herrlich! Gegen Uy, Uhr überschreiten wir ,ie belgische Grenze, die Bevölkerung winkt mit deutschen Fah- :c» und stellt Master vor die Türen. Weiter geht'?, wir sind otnii.de, aber der Feind soll in der Nähe sein. Stunden um Stunde» verstreichen. Tausende von Soldaten sind im Marsch >ach Belgien hinein. Man steht an der Straße verendete Pferde liegen, Automobile mit Verwundeten sausen vorbei, >ie eisten Anzeichen des Krieges. Es gilt, noch rechtzeitig die Raaebrücke zu erreichen. Vergebens! Kurz che wir Visa er- ceiche», stiegt die Brücke ans. Jetzt beginnt der eigentliche tampf. Schlimmer als die Soldaten sind die Zivilisten, die nnteriücks aus den Häusern schießen. Unsere Reiter, vor de- en die Bevölkerung eine Heidenangst hat, weil die Kerle wie ■ t Tcusel draus losgehen, haben auf die Art sechs Leute ver- crcn. Das andere Ufer der Maas ist vom Feind besetzt und in hestlges Eewehrfeuer wütet bis zum Abend. Am Abend oird ei» feindlicher Flieger von unserer Artillerie herunter- :holt. Uilser Esten ist vorzüglich, da wir aus den verlastencn äuicrn alles herausholen. Nachdem ich mit zwei Kameraden ie noch vorhandenen Kühe gemolken hatte, ging es ins Biwak. Mittwoch, 5. August. Um 2'A Uhr heraus, da unsere lrlillcrie ein Dorf aus dem ändern User beschießen will. Es sehr kalt, überhaupt haben wir viel unter dem Regen und r Kälte zu leiden. Am Nachmittag ziehen wir nach T. Fort- esetzt wird an Behilsssähren gearbeitet, »m die Maas zu Lber- hrcitcn. Mit einem Damensahrrad sause ich umher, es ist nkelnagelneu. Als wir Lbergesstzt sind, fällt plötzlich aus i.-em Hause ein Schuß. Mir erwidern das Feuer. Da stürzt oeinend eine Frau aus dem Hause »ud zeigt durch ihre Senden. daß sie von nichts weiß. Ein Ojsiizer dringt mit mir nd ein paar Leuten in das Haus, ohne etwas zu finden. Erst ls kurz darauf wieder, und zwar aus dem Nebenhaus, gelösten wird, werden fünf Zivilisten im Kamps erschossen. Mir -eben keinen Verwundeten. Am Abend mußten wieder eine "cnge non Zivilisten standrechtlich erschvsten werden, aber ich an» zur Ehre des deutschen Heeres behaupten, daß keine Frau, ein Mädchen und kein einziges Kind berührt worden sind bis ur Stunde, wo ich dies schreibe, ebensowenig das Eigentum nes Belgiers, der sich uns gegenüber nicht isindlich gezeigt itee. Gegen die anderen müssen wir rücksichtslos Vorgehen, ::> cs gibt nichts Unheimlicheres als hinterrücks überfallen > werde». Am Abend lonntc ich mich an der Maas zum er- .e» Mal« wieder wasch"::, welche Wohltat. Hier am User rissen zu:.« ersten Male Schrapnellkugeln- über uns weg, ohne esvch Schade» auzurichlen. Mein Hanptmonn fragt mich, ob h ihn aui einer qcsährlichen Tour begleiten will. Natürlich imi, ich freudig z». Nach Anbruch der Dunkelheit setzen wir .»er is 2>- Stunden dauert der Marsch, wie ich jetzt weiß, »m Lüt ich zu überrumpeln. Ganz in die Nah« der Stadt sind wir ge- owmen, e» ist 12J4 Uhr. Di« Nacht von Mittwoch aus Donnerstag den i. August beginnt, ich werde sie wohl in meinem Leben ,1 cht seroeüen Mäbrend wir »och im Dorf stehen, schlaaeu plötzlich »«ene iiagerzeriung. Donnerstag, is. r»ugu,r 1914 feindliech Kchrapnells ein. Dt« meisten gehen zu weit, nur einig- tun ihre furchtbare Arbeit, und der Tod hält seine Ernte. Ich will euch nicht schildern, was ich alles sah, einen verwundete» Infanteristen, der ei» Bein verloren hatte, schleppte ich beiseite. Er schrie: Nehmt mein Bein mit, nehmt mein Bein mit! Ich dachte mir im Feuer: Du kannst hier getrofsen werden und da, und so bin ich immer bei meinem Hauptmann gewesen. Ats es hieß, „Leute vor!" um Hindcrniste zu zerstören, und der Hauptmann mich neben sich sah, rief er: „Gut! Bleiben Sie nur immer vorn!" Plötzlich bekamen wir von einem Busch von rechts ein lebhaftes Feuer. Hinwerfen und das Feuer erwidern, war das Werl eines Augenblicks. Dann ging es mit aufgepslanztcm Seitengewehr und Hurra zum Sturm die Anhöhe hinan. Mein Vorder- oder richtiger Nebenmann fiel und riß mich mit, ich wieder auf und vorwärts, aber meine Leute hatte ich verloren. Wir waren nun zwischen zwei Fort», Lüttich lag zu unseren Füßen. Von den Forts konnten wir nun nicht beschossen werden. Lüttich liegt in einem Tal, und die ganze östliche Seite von der Anhöhe hatten wir besetzt. Da ich immer mit den Ossizieren vorne war, als wir langsam die Anhöhe hinabstiegen, wobei wir natürlich mehrfach Feuer erhielte», fragte mich ein Ossizicr nach meinem Regiment, Als ich ihn kurz darauf bat, mich seiner Truppe anschließen zu dürfen, sagte er, es wäre eine Ehre für ihn, wenn ich mit ihm ginge. Als ich das später meinem Hauptmann erzählte, sagte er, das werde er mir nicht vergehen. So zogen wir singend in die Stadt hinein. Kein Mensch zeigte sich. Die Fenster standen ossen zum großen Teil, und Kisten lagen aus den Fensterbänken usw., und aus den Straßen waren Holzstapel in Brand gesteckt. Das alles siel mir aus, denn die Kisten waren die schönsten Gewehrauflagen. Als wir nun halb in der Stadt waren, brach auch richtig ei» furchtbares Feuer aus allen Fenstern los, und wir mi ßten schnell zurück. Auch ich bekam einige kleine Geschoß- splittcr in das Knie, Das beiliegende Stückchen habe ich mir gestern aus dem Knie geholt. Bis wir die Anhöhe wieder er- rcichien, waren wir unter Feuer. Hier traf ich meinen Hauptmann, der mir erfreut die Hand reichte, als er mich wiedersah, Ru» lagen wir kleiner Haufen auf dem Berg, abgeschnitten von jeder Verbindung nach rückwärts, so daß, als auch die feindliche Artillerie das Feuer auf uns begann, unser Führer sich ergeben mußte. Wir paar Mann wurden ohne Gewehr und Tornister durch die Stadt in das Gefängnis gebracht. Die Nacht haben wir trotz des Eeschlltzfeuers vor Uebermüdung geschlafen, Freitag, den 7, August öffnete sich plötzlich unsere Zellentür, und ein preußischer Eeneralstabsoffizier befreite uns. Er verkündete uns, daß die Stadt in deutschem Besitz wäre, vor allem die Zitadelle. Wir sitzen seit gestern darin, und wenn die Belgier sie wieder haben wollen, bekommen sie ihre eigene Munition zu kosten, denn wir haben genug davon erobert. Ich werde sehr oft als Dolmetscher verwandt. Die Vernichtung des Amphion. In einer belgischen Zeitung vom 8. August ist in einem Telegramm aus London zu lesen, daß am 7. August der Mari- neminister Churchill den Derlust des Kreuzers „Amphion" durch eine deutsche Mine bestätigt und hinzugefügt hat, weiter habe bis dahin kein Kampf stattgefunden. Das ist zugleich ein Beweis, daß die Berichte belgischer und französischer Blätter über Seeschlachten in der Nordsee erfunden sind. Dasselbe belgische Blatt sagt nach einem Telegramm aus Harwtch, nach der großen Zahl der Minen zu schließen, die der deutsche Bäder- danipser „Königin Luise" gelegt habe, sollte man annehmen, daß er damit schon ein oder zwei Tage vor der Kriegserklärung begonnen habe. Das ist natürlich heller Ilnstnn, bestätigt aber, wie vortrefflich unsere Blaujacken auf der „Königin Luise" gearbeitet haben. -»■ » • * Kriegsverluste. Sehr oft hört man heute die Ansicht, daß mit der technischen Bervollkammnung der Feuerwaffen auch die Zahl der Opfer wachsen müsse. Man vergißt dabei, daß sich die ganze Art des Angriffs und der Verteidigung den modernen Mordmaschinen angepaßt hat, ganz abgesehen vom Sanitätswesen, das heute auf einer hohen Stufe steht. Der Breslauer Chirurg« Hermann Küttner, der eine Reihe von Kriegen mitgemacht hat, teilt darüber in der „Deutschen Revue" folgendes mit: In den friederizianischen Feldzügen betrugen die Verluste an Verwundeten und Taten durchschnittlich 26 v. H., in den »a- poleanischen Kriegen durchschnittlich 22 v. H. der kämpsenden Truppe. Weit geringer waren die Einbußen in den Feldzügen von 1866 und 1876. So verlor in der blutigsten Schlacht des österreichischen Krieges bei Königgrätz die geschlagene österreichische Armee nur 16 v. H. ihrer Kopfstärke, und 1876 betrugen die Verluste der Deutschen nur bei Spichern und Vionoille, die der Franzosen nur im Verzweislungskampse um Sedan mehr als 15, o. H. Im Burenkriege haben die Engländer im Durch- Ichnitl 12 v. H., die Buren weit weniger verloren. Sogar in den so tlnti-.on Russisch-Japanischen Kriege überstiegen die j durchschnittlichen Verluste, selbst bei Liausang, nicht 16 bis 12 v H. nur i:> der 12tägigen Schlacht am Schahs und bei Mul : den heben sie bei den geschlagenen Russen zirka 26 v. H. betra. gen. Iu den Entscheidungslänipsen bei Magenta und So!se- rina im Französisch Oesterreichischen Kriege betrugen die Verluste rund 16 v. H. Tie Tatsache, daß die Vcrlustzissern trotz der VervclU .nmn.nig der Massen im allgemeinen geringer werden, erg.b! sich merkwürdigerweise auch, wcnu man d:e absolute:, Za'' :i der Verwundete» und Toten rechnet: sie ward am ausjall.udstn, wenn mau diese Zahlen im Verhältnis zu der S - ■ t,61 der kriegjührenden Länder b.'irachtrt. Man bed r!e, l eg Preußen zur Zeit Friedrichs des Großen nur 5 Z- Mill.oneii, Deutschland zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges eg Millione» Einwohner hatte. Trotzdem verloren d e Brcußen z. B bei Prag am 6. Mai 1767 12 666 Manu, die DenZcheu iu der blutige» Schlacht bei Vionoille 18666 Mann, bei S:duu sr;ar nur 8606 Mann, linier Berücksichtigung der Einwohner des Landes nerlieren auch die grasten Verluste des , __ Seite f Russisch Japanischen Krieges an Schrecken, denn noch Iopo» besitzt eine große Einwohnerzahl, welche die Deutschlands noch Lbrrtrisft. Unter den verschiedenen Arten der Wunden sind von giößter praktischer Bedrutnn, die Berwundungcn durch Insanteriegeschosse, weit di« Infanterie stets die H.niptmast- dec fechtenden Truppen bildet. So war er in den Kriegen 1868 und 1876. Die außerordentliche Entwicklung der Artillerie hat hieran nun merkwürdigerweise nichts geändert, oder eigentlich nicht merkwürdigerweise, denn man hat gelernt, sich den gewaltigen Vernichtungsmitteln, wie sie die modernen Geschütze sind, zu entziehen, Profeffor Küttner hat das aus eigener Anschauung im Februar 1866 bei der U-bergabe der Erc-njeschen Armee am Paardrberg gesehen. Die England.' warfen aus Hunderte» von Geschützen, darunter zahlreiche, schweren Schiffskanonen, Tag und Nacht ganze Tonnen von Eisen auf die Buren: es war im Lager Eronjcs kaum ein Quadratmeter zu finden, auf dem nicht mehrere krepierte Artilleriegeschosse lagen. Ilnd dar Resultat? Etwa ein Bern undctei oder Toter auf jedes englische Geschütz, trotzdem während der zehntägigen Beschießung immer ei» Geschütz auf 34 Buren gekommen war. In Kürze halten sich diese unterm furchtbaren Eindruck der gewaltigen Beschießung derart in die Erde cin.ze- graben, förmliche unterirdische Städte angelegt, daß ihn n weder Schrapnells noch Granaten, noch Lydi,bomben etwa- anzuhaben vermochten. Es gilt eben auch heute noch der S.-tz, daß auf jeden Toten und Verwundeten erheblich mehr Metall kommt, als er selbst wiegt. Wesentlich anders sind die Bereält niste bei Bürgerkriegen. Bürgerkriege sind die blutigsten und mörderischsten Kriege, die er überhaupt gibt, und das einzige Beispiel eines großen Bürgerkrieges aus nioderner Zeit zeigt fürchterliche Berlustzahlen. 33—46 v. H. betrugen die Verluste der Conföderirrten im amerikanischen Bürgerkriege, die Gesamtverluste des Krieges betrugen eine halbe Million Tote und zwei Millionen Verwundete, und allein in dem blutigen Kampfe bei Eettysburg am 2. und 3. Juli 1863 verloren die Unsere Geidverfahnng. Zn einzelnen Kreisen der Beoöllerung scheint man nock immer der Ansicht zu fein, es sei in der jetzigen Zeit raisam, sich einen möglichst großen Betrag von E o l d - oder Silber münzen zn sichern. Demgegenüber wird daraus ausmerk- sam gemacht, daß er gerade jetzt von der größten Bedeutung ist, den Vorrat der Reichsbank an Metallgeld zu stärken. E- ist daher Pflicht jedes Deutschen, die Bemühungen der Reichsbank, das Gold aus dem Verkehr an sich zu ziehen, zu unterstützen. Wenn auch tn den letzten Tagen bereits eine merkliche Beruhigung eingetreten ist, so halten doch anscheinend noch manche Private ihr Gold- und Silbergeld zurück in der Besorgnis, die vermehrt im Umlauf gekommenen Reichsbanl- noten und Reichskastenscheine könnten an Zahlkraft verli>en Diese Befürchtung ist durchaus unbegründet, da sowohl die Banknoten als auch die Kastenscheine nach gesetzlicher Bor- schrist auch im Privatverkehr zum vollen Nennwert ohne jeden Abzug abgenommen werden müssen. Selbstverständlich sind auch alle öffentlichen Kasten zur Annahme tn Zahlung »er pflichtet. Der englische Schatzkauzler hat nach einer Meldung der „Frankfurter Zeitung" im Unterhaus« daraus hingewiesen, daß jeder, der zur Zeit Geld ansammle, seinen Bolksgenostcn großen Schaden zufüge, und daß jeder, der aus eigensüchtigen Beweggründen oder übertriebener Vorsicht versuche, sich Gold zu seinem eigenen Gebrauch anzueignen, den Feinden des Vaterlandes wahrscheinlich wirksamer helfe, als wenn er es mit den Waffen täte. Wir sind überzeugt, daß kein Deutscher sich einem solchen Vorwurf aussetzen will, und daß es jeder vermeidet, einen größeren Betrag an Gold- und Silbermunzen in seiner Koste zu verwahren, als für den nächsten Bedarf unbedingt erforderlich ist. Noch richtiger wäre er, dem Beispiele derjenigen zu sol gen, die in de» letzten Tagen ihren Vorrat an Gold ie: einer öffentlichen Kaste in Kastenscheine oder Banknoten um gewechselt haben An die deutschen Frauen. Ihr deutschen Mädchen, deutschen Frauen Macht uns das Herz doch nicht so schwer Gebt nur voll Mut und Eottvertraueu Dem Vaterland dar Liebste her! Das Balerland verlangt jetzt Kriege« Die seelcnstark und löwenkühn Voll heil'ges Zorn's sich wissend Sieger Dem großen Kampf entgegenglüh'n! Das Vaterland verlangt jetzt Herzen Erfüllt von hehrem Opfermut Mit Freuden gebend hin ihr Blut! Stolz trotzend bitter« Todesschmerzen Mit Freuden geben hin ihr Blut. O opfert uns auf dem Altäre Des freien, deutschen Vaterlands,' Und Seelcngrüße, wunderklare Strahlt hell aus Eurer Augen Glanz! Ihr deutschen Mädchen, deutschen Frauen Macht uns das Herz doch nicht so schwer — Erbt nur voll Mut und Eottvertranen Dem Bateriand das Liebste her! Armin Krast, Landwcbrmann, 16. Komp. Res-Reg 11b z.lk Ausladen der deullcheil fan^njirtldjaft. Berlin. 10. Aug. lieber die Ausgaben der Landwirt schuft in der gegenwärtigen Zeit nracht die „Deutsche Tageszeitung" eine Reihe bcachtenswerter Ausführungen. E,r schreibt ». a.t Namentlich muß mit allen Mittel» dafür gesorgt wer- den, daß noch in diesem Herbste Ersatz für den Ausfall an anslnndiscken FuEermifteln geschasst wird, damit die No'.wendigkeit cintritt. unsere Viebbeständ« »«gen Jutter- »»«. 188 Sette 2 Mangel» j» vermindern. Die» kann geschehe» durch sorg- faltige Ausnutzung der vom Hackfrnchtbau gelieferter«, gut- icrmengen, durch Einschränkung der Spiritus- und Rübcn- zuckerfnbrikation und durch Bcrfütterung eines leiles der Juckcrrübencrntc in frischem oder später in getrockneten« Zustande, durch unifangrciche Trocknung des Rüben- und Kartoffelkrautes und eines möglichst groben Teiles der zu erwartenden großen Kartoffelernte dieses Jahres. Durch die Kartoffeltrocknung können die bedeutenden Verluste, die bei der gewöhnlichen Aufbewahrung der frischen Kartoffeln durch Veratmung und Fäulnis entstehen, eingeschränkt und die Erntcinengen, die sich in Deutschland jährlich au« etwa 40 Millionen Doppelzentner belaufen, für die menschliche und tierische Nahrung nachhaltig ousgcnuht «vcrdcn. Die Zucker- rübc komnit in ihrein Nährwerte Krastsulterniitteln gleich-, Ferner lieben sich durch sofortige Aussaat von Wasjecriiben hinter früh gccrntctcin Getreide, durch Verwendung von Serradella und anderen Gründüngungsbcständen als Vieh- suttcr noch in diesem Herbste erhebliche Futtermassen ge- winucu und für 1915 durch Ansaat von Rotklee unter Win- teirübscn in den für Hüljensrucht bcstiinmten Schlägen — sotveit die Hülsenfrucht nicht ganz sicher ist — und durch Ansaat von Inkarnatklee als Zwischenfrucht oder von Johau- nisroe, u niit vicia villofa selbst auf leichteren Bode.« sehr früh nutzbare Fnttcrnicngen schaffen. Hinter d esen .'önnte dann sofort d»rch Anbau von Runkel- oder Kohlrüben eine zweite Futtererntc für 1915 vorbereitet werden. Dringende Pflicht der Landwirtschaft ist cs, eine Verschleuderung deS Viehbestandes zu vermeiden. Namentlich dürfen Milchkühe und Zuchtsäue. Schweine oder gesunde Kälber nicht vorzeitig zu Schlachtzwecken abgegeben werden. Diese Tiere liefern bei normaler Wintcrsüttcrung bis zuin richtigen Zeitpunkte ihrer Abschlachtung eine unverhältniSmätzig größere Fleilch- inenac als bei vorzeitiger Schlachtung. Auch der Garten ist für die Zucht von Obst und Gemüse sorgsältig an?zu- > utzen. Alle nicht dem sofortigen Verbrauche dienenden Oiartcusrüchte sollten, soweit irgend möglich, durch Trocknen oder Einkochcn konserviert werden. Der Mangel an Zugtieren wird die diesjährige Feldbestellung auberordentlich erschweren. Um diesem die Ernte 1915 direkt gefährdenden llebelllaudc vorznbeugcn, mutz jeder Krastpftug nutzbar gewicht werden. Kein vorhandener Pflugniotor, Dampfpslug oder elektrischer Pflug darf auch nur einen Tag ungenutzt stehen I Kein Besitzer eines Kraftpfluges darf bei dessen Derinietung die jetzige Notlage durch übertriebene Forderungen ausbeuten: eine solche Ausbeutring würde die Mög- lickchcit die Dolkscrnährnng durch Erzeugung der Nahruugs- niitlel im Jnlandc zu sichern, schwer beeinträchtigen und zu ähnliche» Maßnahme» Anlaß geben, wie sic zur Bekämpfung des Wucher? mit Gegenständen deS täglichen Bedarfs bereits erlassen sind. In den Fällen, in denen von einem Zwischen- sruchtbau für Futtererzeugungs- oder andere Zwecke obgesehen wird, empfiehlt es- sich, statt des sonst nützlichen Schälen? der Stoppel mit dem Krastpftug gleichzeitig die Saatfrucht für die Winterung oder die Wintersturzftucht für die 1915 zu bauende Frübjahrssrucht in der für diese erforderlichen Tiefe anzulegeu, denn zu einer Wiederholung der Pflugfurche werden meistens die notwendigen Zugkräfte fehlen Aus dem heN. tandlag. Dcr hessische Laudtag dürste, wie wie erfahren in der fetzigen Zusamniensehung voraussichtlich zu einer Nottagung kinberuscn werden, in welcher verschiedene wichtige Matz- nahmen mit Rücksicht auf die Kriegslage beraten werden sollen. Die Landtagslvahlen werden voraussichtlich vcr- sch ben werden. Aufruf. 91» die Bcwohlicr des Kreises Fricdberg In der nächsten Woche werden Einwohner (vorwiegend Fronen und Kinder) dcr Festung Metz hier eintreften, die cm? militärischen Gründen ihre Heimat verlassen niüssen. Wir sind zur Unterbringung und Verpflegung, deren Kosten r e Stadt Metz trägt, aus Grund des Kriegsleistnngsgesctzes «suchtet. Sie alle habe» die Trennung von Angehörigen, die dem gsnif gefolgt sind, erfuhren. Umsomehr sind wir der .engung und Zuversicht, daß Sie bestrebt sein werden, Landsleuten aus dem Rcichsland, die der Krieg vo«n Er- : rer und Heimat losgcrissen hat, nach Kräfte«« zu helfen d ihnen zu zeige», daß die Fremde solche Opfer zu wür- :n« weiß. Sir fordern Sie daher auf, die mit der Unterbringung tragten Behörde» in ihrem schwierigen Werk durch frei- a«u ge Meldung und Bereitstellung von Liebesgaben für die ■■ ,i der Reise mitgenommenen Landsleute na chMöglihkeit •..« unterstützen. Sie alle wissen und haben das durch die herigen Waft-nor folge bestätigt gesunden, daß Unsere : leger in dcr Front ihre ganze Kraft in treuer Pflichter- ».,lg einsetzen. Bleiben Sie dahinter nid»« zurück »nd ge« Sic unleren Briädern ans dem heiß erkämpften eichslond, daß der Heimat gemeinsames Band uns olle umschlingt. Fricdbrrg. den lt. August 1914. Großh. "lreisamt Frirdbrrg. Frhr. Schrnck Aus der fieimat. • Dfemfelta, 12. August. Don einem Mühkensahrwerl rvurke bas ziveijährtge Kind des hiesigen Einwohners Buchenau überfahren »nd auf dee Stelle aeiötet. Neue sageszeilnng. Donnerstag, den ir. August iliis * Reichelsheim i. k. SB. 12. August. Auf Anregung de« Ortrpsarrer» Loge! beschloß man hier die Errichtung eines Lazaretts zu 80 Betten. Die Pflege der Verwundeten übernehmen die hiesige» Frauen und Jungfrauen. Diese» Beispiel praktischer werktätiger Liebe einer kleinen Landgemeinde verdien! Nachahmung. ' Gießen, 12. A»g. Wer seither noch im Zivcifel über die Haltung Rußlands zu diesem Kriege war, der kann auS den Worten des Zaren an die Duma ersehen, worum cs sich für Rußland handelt.,. Wir verteidigen nicht nur die Wurde und Ehre unsere; Landes, sondern wir kämpfen auch für unsere slawisiben Brüder, unsere Glaubensgenossen und Blutsverwandte", heißt es in der Ansprache des Zaren, also um die Serben und sonstige Balkanvölkcr unter russische Oberhoheit zu bekommen, wurde gegen Deuftchland und Oesterreich mobil gemacht und mit Lug »nd Trug der Welt- krieg begonnen. Sind es auch der Feinde gar viele, die gegen uns stehen, sie werden cs alle bereuen, wenn e? zu spät ist, denn daß Deutschland sich wie ein Mann erhebt und eine unüberwindliche Macht zu seiner Verteidigung kcreit sieht, hatten sic alle nicht erwartet. In unserem Gießen, sah es seither aus wie an einem Wassenplatz ersten Ranges. In den Kasernen, auf den Höfen dcr Schulen und Nntcrrichts- anstalte««, überall dasselbe Bild, Anrückcn der einberufinen Mannslhasten zu den Fahnen, immer neue Tausende brachten die Züge, welche, von einigen Reservisten an« Bahnbos abgcholt «inlcr den Klängen „Dcr Wacht am Rhein" und „Hoch Deutschland hoch in Ehren" durch die Stadt zu ihren Sainiuelplätzcn zogen. Auch der Andrang von Freiwilligen ist, wie in einer Universitätsstadt nicht anders zu erwarten, ein cnoWier. In Gruppen stehe«« die jungen Studenten an den Toren dcr Aushebungslokale und sobald einer dcr ihren herauskommt und zu irgendeinem Truppenteil angenommen ist, bekommt er von allen Seiten aufs freundlichste gratuliert »nd die Hände geschüttelt. Unerschütterliche Siegeszuversicht beseelt alle, die zum schwere» Kampfe ziehen. Als kürzlich morgens die Meldung von der englischen Kriegserklärung hier bekannt wurde äirdcrtc ein junger Vaterlandsvcrteidigcr die Inschrift „Eilgut nach Paris" auf verschiedenen Eisenbahnwagen in : „Eilgut nach London via Paris." — Ans einen Feind niehr, kominls gar nicht an," sagten seine Kameraden. Auch sonst wird hier von allen Seiten, durch die Stadt, Private und Vereine in großen« Maßstabc vorgcbengt, für die Wunden tvelche der Krieg schlägt und gegen Elend, da? er bringt. Man sicht, daß an der Spitze der städtischen Verwaltung ein Offizier steht, dcr cs ernst mit seinen Pflichten nimmt «md alles tut was in seien Kräften steht. An den städtischen Gießsäfter ist über der Gosse, welche zur Strußeu- besprcngung dient, ein Rohr mit vier Krahnen angebracht, an denen ebensoviel Trinkbecher befestigt sind. Stehen nun jetzt größere Abteilungen Reservisten und Landwehrmänner in glühendem Sonnenbrand auf ihren Sammelplätzcir, dann fahren diese Fässer zwischen die Mannschaften und jeder kann seinen Drirst mit frische,» Trünke löschen. Daß nnse e Eisenbahnen eins dcr wichtigsten Mobilmachungsmittel sind, hat sich diesmal so rcck»t gezeigt, und die Anwohner derselben fragen sich erstaunt, woher konn««en alle die Millionen, welche sie befördern. Ihr aber, Ihr Landwirte, die ihr abseits unserer Bahnlinien wohnt und jetzt mit der Einbringung der Ernte beschäftigt, noch die Landwehr und den Landsturm zu den Waffen schickt, seid uichesorgt um Heim und Herd und die Zukunft unseres Vaterlandes, wir haben gesehen, daß das deutsche Reich eine Macht an unsere Grenzen schickt, die, wenn Gott ihr seinen Beistand leiht, unüberwindlich ist, und wenn es sein «nnß, die halbe Welt in Trümmer schlägt. * Frankfurt a. M, 12. Aug. Mit dem Zeichen des Roten Kreuzes am Anne, niit einer großen Gcldk,;e, ciii.’t mächtigen Aktenmappe und in dcr Mütze sammelte ein gewisser Willi Berntheiin ans dcr Rat Bcilstraße Beiträge für das Rote Kreuz und erhielt sic reichlich. Er gebrauchte das Geld für sich und sälschic auch die Samniellisten. Dcr Srhtiündler wurde ain Dienstag durch Zufall entlarvt nnd verhaftet. — Die 35jährige Ehefrau des Oberlehrers Dr. Freudenbcrger hat ihrem Leben gewaltsam ein Ende gemacht. Ein langwieriges Leiden hat sie in den Tod getrieben. — Für hervorragende Waffentaten des 18. Armeekorvs stellten die Herren I. C. Junior und Direktor I. Wolfs dem Koinmandierenden General je 1999 Mark zur Verfügung. * Frankl'irt o. SU., 12. August. Die hier wohnenden und zur Zeit hier weilenden Amerikaner hielten im „Frankfurter Hos" eine starkbesuchle Versammlung ab, in der die Bildung eines Vereins beschlossen wurde, der sich mit allen Kräfte» der hier notleidenden deutschen Kriegersrauen und -Kinder widmen will. Eine Sammlung für die deutschen Familien, deren Ernährer im Felde stehen, ergab eine bedeutende Summe. * Fe-nksurt a. M., 12. August. In zahlreichen Fällen haben hiesige Hausbesitzer Frauen und Kinder pan im Felde stehenden Mietern aus der Wohnung gewaltsam gewiesen, weil diese mit der Miete im Rückstand geblieben sind. Dar Garnisouslommando wendet sich aus diesem Anlaß an die Stadt und ersucht diese, um Beseitigung dieser schreiende» Hartherzigkeit seitens d-r Hausbesitzer. Es droht, sall» die Repressalien gegen die armen Leute trotzdem nicht unterbleiben, die Siame» dieser Hauspaschas rücksichtslos an den Pranger der Leffentlichkcit zu stellen. Diele dieser gewissenlosen Besitzer werden sich auch durch diese Drohung nicht rühren lassen. Frankfurt n. *?., 12. Aug. Tie Verpflegung unserer im Felde stehenden Armeen dürste sich insolge der a-'sreichead en Automobilverbindungen nnd der ausgiebigen Verwendung von Konserven in vielfachen Formen rasch nnd leicht voll-ie- hen. Ganz anders war dies 1879. Am 13. August tauch,? zum erstenmal in Berliner Blättern die Nachricht von einer Ersindung des Kochs Grünebcrg auf. Dieser bot der Heeresverwaltung eine aus gehackten Fleisch- , b Erö'en- mebl hergeslclltc Wurst zur Verwendung in der Armee <-;«. Die Vertuche aetonocn olonzend. lie wurden soiort >>» --- a ßeni angewcndct. Die Wurst bewährte sich als eins der praktischsten Ernährungsniittel für die Soldaten nach jeder Richtung »,«d erlangte eine Volkstüinlichkeit, die den Krieg überdauerte. Dem Erfinder der Erbswurst wurde ein hoher Staatsprcis für die dem hungcriiden Kriegcrmagen erwiesene Wohltat auSgezahlt. Hrssen-Nasia». * Feiedrichsdork i. T.. 12. August. Auf Posten hat sich der zuni Bohnnberwachungsdienst herangezogene 30jährige Speng lern-eister Sorg mit seinem Dienstgewehr durch zwei Schüsse getötet. Die Tat wurde in einem Anfall von Schwermut verübt. * f Anspach, 12. August. Der hiesige Turnverein 'cschloß, von seinem Vermögen, welches über 2000 Mark beträgt, vor lärig 2000 Mark zur Gründung eines Hilfsausschusses für Kriegehilse zur Beringung zu stellen. * ! Usingen, 12. August. Hier wurde die Errichtung eines Kinderhortes für die Kinder der zu den Fahnen Einberufenen vom evangelischen Frauenverein beschlossen. * f. Seelenberg, 12. August. Hier verschieb im Alter vor 7ä Jahren der älteste Gemcinderechner des Kreises Usingen Herr B. Er» st. Sein Amt verwaliete er 48 Jahre lang zur größten Zufriedenheit seiner Vorgesetzte» und in bestem Einvernehmen mit den Ortsbürgern, auch «var er in« Besitz des all- gemeinen Ehrenzeichens. * f- Oberursel, 12. August. Sei dem Ausschuß sür Kricgs- h'ffe sind an freiwillige Gaben bis jetzt an Geldbeträgen gezeichnet 183t Marks an Liebesgaben sind eingegangen: Mehl, Kaitefseln, Pflaumen: zur Versügung gestellt wurden: verschiedene Zinuner mit mehreren Veiten, ein ganzes Hans, so- wie eine ganze Villa: weitere Zuwendungen folgen. * Idstein, 12. August. Die Stadtverordneten»^!.', mlung bewilligte in einer außerordentlichen Sitzung sür die .!n!er> stützung notleidender Kriegersamilieu 10 000 Mark. In de, Stadt werden während des Krieges 238 Frauen und Kinder aus Metz Unterkunft finden. Skarktnbnrg. * Darmstadt, 12. Ang. Bei den« Erfatz-Balailloa de Infanterie-Regiments Nr. 115 werden von« 13. Mobil:, ich- »ngstage ab (14. August) wieder Freiwillige cingeit ellt. Zahlreiche Ersatz- und Reserveleute sind inzwischen bei den verschiedenen Regimentern als übrczählig vorerst Wiede.' zur Entlassung gckoininen, müssen sich aber für eine späte,' .-!I-- rufnng event. in einigen Wochen bereit halten. * Roßdorf b. Darmstadt, 12. August. An den Pranger ge hört der hiesige gutsituierte Landwirt Philipp Erünewald Während kaum eine deutsche Familie davon verschont bleibt ihr Scherflcin mit Freuden zu de» Opfern dieses großen nnd heiligen Krieges beizuttagen, scheint dieser kaltblütige Egoist jedes Gefühl» für die hohe Ausgabe jedes Vaterlandssreundc bar zu sei». G. ist bisher allerdings von den Beschwerden des Krieges, die Jedermann trejsen, außerordenllich begünstigt ge wesen. Seine beiden Söhne, die beide das inilitärpftichüge Alter haben, sind militärfrei, seine beiden Pjerde wurden bei der Pserdemusterung Nicht benötigt, jo baß er sie behalten konnte und in der Lage war, mit Hülse dieser Kräfte rascher, wie jeder andere seiner Mitbürger seine Ernte nach Hause zu bringen. Anstatt nun einem stillen aber selbstverständliche» Uebereinkvmmen gemäß, den Nachbarn usw. beim Heimschafsei' der Ernte zu Helsen, verweigert Erünewald dies ausdrücklich und begann ruhig mit dem Umpftiigen der abgeerntete» Felder. Schon hierdurch wurde vielfacher Mißmut im Orte wach Seinem Eebahren setzte nun G. dadurch die Krone aus, daß er aus die Aussage von Einquartierung mit Pferden erilärte, er habe keinen Platz, um Pferde stellen zu können. Als nun daraus hingewiesen wurde, daß er die Pferde in die Scheune stellen könne, und die Einquartierung wirklich eintras, ging G. soweit, daß er kurzer Hand die Scheune mit Frucht belegte unt zu dreschen begann. Es ist nun allerdings Anzeige an zuständiger Stelle erfolgt und wird diesem ruclpchlslase» Menschen wohl die Strafbarkeit seines Verhaltens llar gemacht werden, doch empsiehlt es sich zur Warnung sür Andere, dieses Verhol, ten weiteren Kreisen bekannt zu geben. Kirchliche Anzeigen Gottesdienst in der Stadtkirche. Freitag, den 14. August, abends 8 y, Uhr, Kriegsbittan dacht, Herr Pfarrer Ritter. — Anschließend Feier des hl Abendmahls. Franksnrter Wetlerbericht. Voraussage: Ziemlich heiter, trocken, war«», nordöstliche Winde. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hi r s chel, Friedbcrg: für den Anzeigenteil: K, Sch in i d t, Fricdberg. Druck »nd Verlag der „Neuen Tageszeitung". A. G„ Friedberg i. H. Liebesgaben. Als geeignete Liebesgaben für unsere tapferen Krieger im Felde, unsere Verwundete, Kranke und Genesende in der Heimat find besonders zu empsehlen: Zigarren, Zigaretten, Kautabak, Tabak, Pseisen, Ehokolade Kernseife (keine seinen parfümierten Seifen), Hemden, Unterhosen, Striimpse, sür die kältere Zeit Stauchen, Leibbinden aus Flanell, (Pulswärmer), Unterjacken, für die Lazarette: Nachthemde» nnd Unterhosen, alles weiß, nicht farbig, ferner: Taschentücher und Pantoffel. Wir bitten alle geeigneten Liebergaben an der E e - | d) ii f i 6 ft e 11 e des Roten Kreuze», Haagstraße 18, abzugeben, van wo ste je nach Wunsch des Gebers, auf dem Krtegs- scharplahe oder in der Heimat Verwendung finden. „Römerbrunnen" Hervorragendes Tafelwasser. © vir. 188 Sie»« Tageszeitung. Donnersrag, den IS. Avgaft 1811. Seile 4. Erna nnd Ilse. Nomon von T. Feußner. 27 lFortsetzung), *•' Ilse wich nicht von der verblichenen Mutter, sie weinte weinte, weinte Tag und Nacl>t und noch klingt mir jetzt das Wort „Mutter", welches aus der Tiefe ihres Herzens kam und alle Liebe, Sehnsucht und Klage, deren ein Kind fähig ist, in sich verbarg, in den Ohren wieder. Doch die Tränen versiegten, das Gesichtchen wurde immer bleicher, die Augen glanzloser; ein Bild zum Hcrzbrcchcn. Alle ihre Kraft war mit den Tränen versiegt, und als wir die Mutter hinaus ;ur letzten Ruhe trugen, lag Ilse selbst totlrank in ihrem Bett«. Der Schmerz war für das weiche Herz zu gewaltig; sic genoß zwar wieder und ist jetzt eine blühende Jungfrau, doch sagte mir der Arzt damals, wen» ihr ein zweites Mal das Liebste genominen wurde, müßte sie sterben; und ich glaube cs selbst." — Der Rittergutsbesitzer schwieg und sah Roderich forsch- cnd an, als wollte er in dessen Zügen lesen, ob seine Erzählung Eindruck aus ihn gemacht oder nicht, i „Sie haben mir noch nicht alles gesagt," cntgegnete dieser, „denn noch weiß ich nicht . . ." „Sie sollen gleich alles erfahren," unterbrach der Kranke und fuhr fort: „Die Zeit ist da, in der Ilse zum andernmal entrissen werden wird, was ihr teuer war. — Sie liebt einen Mann, ohne jedoch von denselben wiedergc- licbt zu werden." ü Roderich sing an zu verstehen, doch fragte er: „Woher wissen Sie, daß dem so ist, und wer, — d. h. wenn ich fragen darf, — ist denn eigentlich der Mann?" l „Ilse hat mir gestern abend gebeichtet, und mit seltener Schärfe tauchten die Erinnerungen der eben erzählten Zeit vor meiner Seele auf, besonders aber der Ausspruch des Arztes. Der junge Mann, den Ilse liebt, geht in einiger Zeit nach China und Ilse wird nicht überwinden können." Beide sckstviegcn. Roderich wußte jetzt worum es sich handelte und tiefes Mitleid zog in seine Brust. „Verzeihen Sie," brach der Rittergutsbesitzer das peinliche Schweigen, „daß ich Ihnen das alles sage, aber beden- kcn Sic, mein einziges Kind, der Sonnenschein meines Alters, und den Ausspruch des Arztes. — Angst und Sorge um Fis« haben mir das Ihnen Gesagte diktiert. „Au meiner Abreise nach China läßt sich nichts mehr ändern, Herr Ruth," sagte Roderich traurig, „und wüßte ich wirklich nicht, wie ich Ihnen helfen könnte. „Daran ist allerdings nichts inehr zu ändern, aber können Sic Ilse nicht durch einen Hoffnungsschimmer tröstc»? Im kleinsten Funken würde sic ein Licht sehen, und jedes kleine Lebenszeichen von Ihnen sie ne» beleben." Roderich schwieg einen Moment, dann sagte er: „Auch Sie werden mir gestatten. Ihnen einen Teil meiner Lebensgcschichtc zu erzählen, erst dann können wir über diesen Punkt weiter sprechen." „Gewiß! Gewiß!" Und Roderich erzählte von seiner Begegnung mit Erna, wie er sic aus dem See rettete, wie seine Liebe zu ihr begann, die allmählich so heiß und innig wurde, von dem Abschiede von ihr, von dein Briefe, in dem sie ihm alle Hoffnung nimmt, und von den Abschiedszcilcn, welche er ihr gestern abend geschrieben und schloß mit den Worten: „Uin meinen. Schmerze zu entfliehen, gehe ich nach China, denn hoffnungslos ist meine Liebe gewesen, und hat mir bittere Enttäuschungen gebracht." „So seid ihr ja beide krank und wunden Herzens," rief der Rittergutsbesitzer. „Arme Ilse, armes Kind! Ich wollte es für*dich tun, aber es ist mir nicht gelungen, so wird dich zum zweitenmal der Schmerz darniederwerfen ich werde bald allein sein." »Ist Ilsens Liebe zu mir, so tief, daß ihr das Entsagen so schwer fallen wird?" fragte Roderich. „Meine Tochter liebt nur einmal I Entsagen hieß für sie sterben." Roderich war aufgestandcn und ging erregt auf und ab. Sein Geist arbeitete; er sann und sann. Mitleid, Pflicht und entsagende Liebe sind nicht das beste Fundament des zukünftigen ehelichen Glückes. Eine ungeheure Sclbstübcrwindmig und Charakterstärke gehören dazu, aus Mitleid und Pflichtgefühl zu tun, wa? die Kraft der reinen Liebe so leicht macht. Vor seiner Seele stand das schöne, bezaubernde Bild Ernas, nach dessen Besitz er sich mit der ganzen Kraft seines Herzens sehnte, dem er aber gestern abend cntgültig entsagt hatte, denn nicht für ihn war die holde Mciischenbluiiic gewachsen, nicht ihm galt ihr seelenvoller Blick und der Schlag des jungen Herzens, aber er wollte seiner Liebe zu ihr eine höhere Weihe geben, indem er dieselbe aus kein anderes weibliches Wesen übertrug. Dann tauchte plötzlich ein anderes Bild vor ihm auf. Ein ebenso schönes Wesen, aus dessen Augen unsäglich^ Oiwl und unermeßlich Seelenweh sprachen. — Und ein tieftrauriger Mann stand daneben, der ohne helfen zu können, die welkende Blume mitleidig betrachtete. „Und sollte ich auch selbst nicht glücklich werden," dickste er bei sich, „so will ich doch versuchen, andere glücklich zu machen; vielleicht quillt mir aus dem Bewußtsein dies gc- tan zu haben, beglückende Kraft zur weiteren Pflichterfüllung und ein hehrer Hcrzensfricden, als schönste Perle des Daseins." Er blieb jetzt vor dem Bette stehen und blickte den Rittergutsbesitzer eine Weile schweigend an, dann sagte er: „Ich bin bereit, Ihrer Tochter ein Versprechen zu geben nnd hoffentlich Manns genug, dasselbe auch zu halten, vorausgesetzt daß meine Rückkehr im Rate des Allmächtigen beschlossen ist. „Sie sind ein edler Mann, doch verzeihen Sic nochnials, daß ich so Großes von Ihnen verlangt habe, aber das Be- wußtsein, zwei Menschen glücklich gemacht zu haben, wird Sie zufrieden und stolz machen." 'lFortfetzung folgt.) Mpcine Msmikcnkassc für ikn Kreis Friedberg. Bekanntmachung. Nach dem vom Reichstag angenommenen Notgesetz sind die .riträgc vom 3. August ab wie folgt festgesetzt: 1. Klaffe 24 Pfg. 6. Klaff- 96 Pfg. 2. „ 36 1 . „ 108 „ 3. 45 8. „ 129 „ 4. " 63 ;; 9. „ 1" „ ö. „ 7a .. 10. „ 162 „ Das Krankengeld wird vom 4. Krankhettstage ab gewährt i:nd beträgt: 1. Klasse 0,40 Mk. 6. Klasse 1,75 0,65 „ 7. 2,00 3. 0,90 „ 8. 2,40 4. 1.15 9. 2,65 5. „ 1.40 „ 10. Pt 3,00 Das Sterbegeld beträgt: 2. „ 25,00 „ 7. 80,09 3. 35,00 8. „ 95,00 4. „ 45,00 „ 9. „ 105,00 5. „ 55,00 „ 19. „ 120 00 Der Absatz 2 in § 21 der Satzung ist außer Kraft gesetzt. Lausende Krankhcitsiälle weiden hiervon nicht berührt. Wir sehen uns veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß die Bei- rräge nach wie vor gezahlt werden müsien. Die Meinung, daß der Kriegszustand die Zahlungspflicht ausschalte, ist irrtümlich. Gegen säumige Zahler sind wir gezwungen mit Mahnung und Pfändung vorzugehen, auch mache» sich säumige Zahler evtl, strafbar, wenn sie der Zahlungspslichi nicht nachlommen. Selbstverständlich besteht auch die Zahlungspflicht weiter sür freiwillige und weiter versicherte Personen und werden diese aus 8 10 Abs. 3 der Satzung hingewiesen. Nur wenn pünktliche Zahlung erfolgt, ist es uns möglich unseren Verpflichtungen gegenüber den Kranken nachzukommen und hoffen wir, daß der vorstehende Hinweis genügt, damit wir nicht init Pfändungen und evtl. Anzeigen vorgehen müsien. Friedberg, den 12. August 1914. Carl Danrm, Borsitzender. Bekanntmachung. Vom II. Mobilmachungstage — 12. August — ad, darf Reisegepäck wieder angenommen und mit allen Militärlokalzügen befördert werden. Ferner werden rom gleichen Tage an bis aus weiteres sämmt- liche Militärlokalzüge zur Beförderung von Lebensmittelrr, wie Ee- trcide, Mehl, Salz. Kartoffeln, Fleisch, Wurstwaren, Brot, Eier, Butter, Käse. Gemüse, Hülsenfruchte, Obst u. s. w. freigegeben. Auch Vieh dars in beschränktem Umfange mit diesen Zügen besolde rt werden. Hierüber geben die Dienststellen nähere Aus- tunst. Die Freigabe der Militärlokalzllge sür Lebensmittel und Vieh erstreckt sich zunächst nur aus Transporte innerhalb des Eisenbahn Drreltions-Bezirks Frankiurt a. M. Ob und inwieweit demnächst auch Lebensmirtel- und Viehsendungen nach Bahnhöfen anderer Bezirke angenommen werden, wird rechtzeitig bekaimt gemacht. Ein Ausspruch aus Beförderung besteht jedoch nicht; sie et- solgt auch nur insoweit, als die Züge nicht durch militärische Transporte bereits voll belastet sind. Franksurt a. M., den 10. August 1914. Der Bevollmächtigte: Der Linienkommandant: gez. M a r I i n gez. Ziemßen Regi.'iungs- und Baurat. Major. Hafer-Versteigerung. Samstag, den 15. August I. 3s. vormittags 9 Uhr kommt trn Ort und Stelle an die Aleiftdiotenden zur Versteigerung: Die Haferernie au, dem Halm von ca 48 Morgen des zwischen dem Donnersgraben und Frauenwald gelegnen Feldes. Nähere Auskunft erteilen die Parkwartc Gries und Stculee, sowie die Unterzeichnete Stelle. Zusammenkunft um 9 Uhr hinter Lern Teichhaus. Bad-Nauheim, 11. Aug. 1914. Der Forftasfistent Gr. Bade- und Kurverwaltung 3. V. Obl SdjliifMni MWk ßrttlirjiijf Kkttiilhn Mayer 3. IM Friedberg (Hessen) Telefon Ho 1. Eine frischmelkende Kuh 2tes Kalb zugfest abzugeben. Balthasar Schäfer III. Beigeordneter Dortelweil. Tüchtiges, solides Dienstmädchen mit guten Zeugnissen sucht für sofort Fra» Regierungsbaumeister Hauck Ludwigstraße 9. Friedberg. Flechten nässende und trockn. Schuppenflechte Bartflechte. Adcrbefhe. Beinschäden offene Füsse Hautausschläge, skroph. Ekzema, böse Finger alte Wunden sind oft sehr hartnäckig. Wer bisher vergeblich auf Heilung hoffte versuche noch die bewährte und äTztl. empfohlene Rino-Salbe Frei von schädlichen Bestandteilen. Dose Mk. 1,15 und 2,25. Man achte auf den Namen R i n o u, Firma R ich. Schubert & Co, Weinböhla-Dresde. Wachs, Oei, ven. Terp. je 25, Teer, Salic, Bors, je I, fcig. 20 Proz. Zu haben In allen Apotheken. Zalm-Atelitt Peter Wehler krirdbergi.H.,Hiiniiukrstr .8 3 Winten »am Lahahat, Telefon Rr. 220. Schontndstt Kklianttlnllg Billigt preist. W1. Vertreter bei hoher Provision und sonst günstigen Bedingungen von bedeutendster Epezialsabrik für Hausbackösen, Räucherapparate etc. gesucht. 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Friedberg, den 11. August 1914. Der Bürgermeister: Stahl. Bniiniellbiill n. Bohrungen, Pum-rennnlogen billigst. Stefan Kahn, Inheiden-Hungen. Helranntmachung. Die große Zeit stellt auch an uns ältere Aerzte, die wir allein Zurückbleiben mußten, große Anforderungen, die wir gem auf uns nehmen in einer Zeit, wo es gilt, daß jeder seine volle Kraft einsetzt. Wir können indeh die ärztliche Versorgung der Stadt und der zugehörigen Ortschaften nur gewährleisten, wenn wir von der Bevölkerung in Maß und Form unserer Beanspruchung unterstützt werden. Kranke, die gehen können und solche, die Auskunft haben wollen, sollen sich in die Sprechstunde begeben. Für die Besuche bei den Kranken ist es wichttg, wann und wie wir bestellt werden. Von Notfällen abgesehen, sind die Bestellungen vor Ablaus der Sprechstunde zu machen, so daß die Zeit, die für Besuche zur Verfügung steht, planmäßig ausgenutzt werden kann. Nur in wirklichen Notfällen verlange man sofortige Besuche- Man sei deshalb zurückhaltend mit dem Ruf: „gleich kommen". Auch das segensreiche Telefon darf nicht zum Mißbrauch verleiten. Nachtbesuche sind möglichst zu beschränken. Bei Verletzungen und besonders dringenden Notfällen sind auch die Aerzte des Krankenhauses und Herr Dr. Nebel, (Weedgasse 3,1) zur Hilfeleistung bereit. Dr. Weckerling, Mainzertoranlage, Sprechstunde vor 9 Uhr vorm., 2—3 Uhr nachmittags. Dr. K. Becker, Bismarcksttaße 5, Sprechstunde 7—9 Uhr vorm., 1—3 Uhr nachmittags. Bekanntmachung. Es herrscht vielfach die Ansicht, daß mit Ausbruch de» Krieges die Verpflichtungen gegen öffentliche Kaffen ruhen. Dies trifft nur für Kriegsteilnehmer bezüglich der Steuern vom 1. August ab zu, sofern deren Einkommen in Wegsall gekommen ist. Alle übrigen Steuerpflichtigen sind auch weiterhin zur Zahlung der städtischen Umlage und der sonstigen Gefälle verpflzchiet. Nektamationen sind jedoch vorerst bei Er. Finanzamt nicht zu erheben, denn es wird bei der nächsten Mahnung der Gemeinde, steuer des 1. und 2. Zieles, die bis zum 14. d. Mts. bezahlt fei, müsien, festgestellt werden, für wen Steuerpflicht vorliegt. Zugleich wird unter Bezugnahme auf den Vermerk auf dem Steuerzeltei daraus hingcwiefen, daß unter Ausschaltung des Bar- geldveikehrs direkte Uederweisung von Einlagen beim Vorschuß- und Kreditverein aus das Konto-Korrent-Konto der Stadllaffe erfolgen kann. , . Es wird erwattet, daß Jedermann in dieser schweren Zell die Erfüllung seiner Zahlungsverbindlichkeiten auch als vaterländische Pflicht betrachtet, da für die Folge groß« Ausgaben von der Stadt zu ersüllen sind. Friedberg, den 7, August 1914. Der Bürgermeister. Stahl. Kekannlmachnny. Der Tag der Auszahlung der Taxsirmmen für infolge der Mobilmachung angekauften Pserde wird demnächst bekannt gegeben. Friedberg, den 7. August 1914. Dcr Bürgermeister. Stahl.