Freilag, den 7. August ir»l4 7. Jahrgang Lin rum er 183 „slrue . August. Bei Schwiddern östlich vo» John». »iebnrg »nd bei Grodkcn zwischen Lnntcnburg und Saida» versuchten rnsjischc Kavallerie-Divisionen de» deutschen Grenzschutz zu durchbreche». Sic wurde» abgewirsen und gingen aus russisch'» Gebiet zurück. Tic bei Si'itnu unter Verlust einer Brigade zurückgewvrscnc russisch: Kavallcric- Tivisivn erlitt beim Znrückgchcn nach Rußland bei Neiden- bürg wcitcrc Verluste. Accf deutscher Leite ist der Verlust 3 Tote und 18 Verwundete. — Diese Grenzschutzgcsechte sind in Petersburg durch folgendes den Tatsache» widersprechendes Telegramm bcrösfentlicht worden: Die Avantgarde unserer Truppen überschritt vom Gouvernement Stiwalki ans die Grenze, ohne Widerstand zu finden. Deutsche Truppen in Frankreich. Das Ministerium des Innern hat Sonntag vormittag folgende Nachricht veröffentlicht: „Die Deutschen sind n» zwei verschiedenen Orten in Frankreich eingedrungen: zunächst in Longlnvillc 1500 Meter von Longwtz und zweit.ms in Circy snr Dcsouze. Die Deutschen haben heute morgen auf den niilitarisicrten Zollposten bei Petit Groir das Feuer eröffnet." (Gircy liegt an der lothringischen Grenze bei Saarburg.) Die deutsche,, Truppe» besetzen Brich. Vrirl:, nordwestlich von Metz, aus srnnzösischem Gebiet gelegen, ist vo» deutsche» Truppen besetzt worden. 80000 Kriegsfreiwillige in Berlin. In Berlin hotte» sich bis gestern 80,000 iiricgüfrri- willige gemeldet. I» München waren cs 30,000. Aus Frankfurt wird gcincldci das, sich dort 4500 Freiwillige unter die Fahnen gestellt Hatzen. In viele» Orte» ist dc> Andrang derartig stark, das, viele zurückgcwicscn werden mußten. Strengstes Stillschweigen über unsere Luftflotte geboten. Amtliches Telegramm. Berlin, 6. August. Gs ist bekannt, daß feindliche Flie gcr in Luftfahrzengen innerhalb der deutschen Grenze» gesehen werde» sein. Tic Bevölkerung kann darüber kru- higt sein, das, unsere eigenen Lustsahrzeugc in derselben energischen Art ihre Pflicht tun werden. Gs ist aber dringend gebeten, in gleicher Weise, wie über alle Truvpcnbc- wcgungcn änch über unsere Luftflotte strengstes Stillschwci- gcn zii beobachten. Ans diesem Grunde verlautet auch in der Lcssci-.ttichkcit nichts über die Tätigkeit unserer Zevpr- linc ni d Flugzeuge. Gin russischer Großfürst verhaftet. Königsberg i. P., 4. A»g. In Gumbinnen wurde, »ffe nach d:n,'„Bcrl. Tagcbl." das hiesige Gouvernement mit- teilt, gestern ein russischer Großfürst verhaftet. Einstellung der Jagd ans Gcldantomvbile. B:.liu. 6. August. Die Jagd ans angcblick^ seindliche stellen; sie gesährdet die Tnrchsühr. „ng des notwendigen Keaslwagcnverkchrs für unsere Hco reslcitnng. .Hollands Neutralität. Horg, 0. August. Gin Gxirablatt des StaatsaiizcigerS ösicntllcht d e Grslärnng der striktesten Neutralität im Kriege zwischen t : gland und Deutschland und Belgien «nd Deutschland. . . .c,;.r wird ersten Mal amtlich von einem Kriege zwischen B.-lg-c:: ,::-.d De-! " innd aeivrocken. Seite i ..r. 181 Mette 4.age*iei»ng. JfteUOR, »e» 7. Di|t|t 1914 ßotldiflft dkg tymmtn Drr ftaurößllhtll tfeX KkpllbliK. Paris, 4. August. Der Präsident der Republik hat an hie Kammern eine Botschaft gerichtet, worin er erklärte, Frankreich sei das Opser eines Angriffes. Seit mehr als 40 Jahren hätten die Franzosen in echter Friedensliebe auf den Wunsch berechtigter Wiederherstellungen verzichtet und das Beispiel einer großen Nation gegeben, die ihre neuerstarkte Macht nur im Jnteresic des Fortschritts und der Humanität ausnätztc. Man könne Frankreich seit Beginn der Krise keinen Alt, keine Teste, kein Wort vorwersen, das nicht entgegenkommend und friedlich gewesen wäre. In der Stunde ernster Kän pfe dürfe Frankreich feierlich darüber Rechenschaft ablegen, I daß es bis zum letzten Augenblick die äußersten Anstrengungen gemacht habe, den Krieg zu vermeiden. Die mutige Armee erhob sich, m die Ehre der Fahne und den Boden des Vaterlandes zu verteidigen ..... Die Nation werde heroisch von allen Söhnen verteidigt werden, die geeint seien im Abscheu gegen den Angreifer und im gemeinsamen patriotischen Vertrauen. Treu sekundiert von dem verbündeten Rußland und unterstützt von der loyalen Freundschaft Englands sehe Frankreich von allen Orten der zi- vilisicrten Welt Sympathiestimmen ihm zukommen, denn es repräsentiere heute mehr denn je vor dem Weltall dic-Freiheit, die Ecrcchtigkeit und die Vernunft. Man kann diese Botschaft getrost ein Meisterwerk politischer Verlogenheit und Unrechtlichkeit nennen. Mit keinem Wort wird aus den Anlaß des Krieges, auf dis serbischen Umtriebe, die mit der Ermordung des österreichischen Thronfolgers gekrönt wurden, hingewiesen. Mit einer Unverschämtheit, die ihres gleichen sucht, stellt sich der Friedensbrecher als die verfolgte Unschuld hin: ein Vorgang, der nur zu deutlich an die Fabel von dem Lamm und dem Wolf erinnert. Die Botschaft versichert am Schluffe, daß Frankreich im Namen der Freiheit, Ecrechtigkeit und Vernunft für die Zivilisation kämpfe — «denn man sein« Bundcsgenosien sieht, das frcihertinordende Rußland und das heuchlerische England, dann kann man über dieser Versicherung der Botschaft nur ein Hohngelächter anfchlagcn! (fnnlanti der Irene llftiiiinMf Gemens. In der serbischen Skuptschina gab der Kronprinz eine Erklärung ab, worin dieser Ehef aller Meuchelmörder es wagte, von einer gerechten Sache Serbiens zu sprechen und England neben Frankreich und Rußland als den treuen Verbündeten feierte. England kann stolz auf diesen Ruhmestitel fein! Kliegsiimiistkr Kitlhentr. London (über Kopenhagen), 6. Aug. Feldmarschill Lord Kitchener ist zum Kriegsminister ernannt worden. Asquith trat von diesem Posten zurück, behält jedoch das Amt des Premierministers. flrrpinitifn |iir rngliiihtii Krikggttkliiriiiig. In der „Deutschen - Tageszeitung" wird gesagt: Die Deutschen können wieder einmal sagen: Feinde ringsum. Nur in einer solchen Lage hat sich, lvie die ganze Geschichte zeigt, die deutsche Kraft voll entfalten können. So wird es auch diesmal sein. Die deutsche Flotte aber brennt vor Begierde, dein deutschen Volke, das sie init so vieler Liebe und so großen Opfern geschaffen, zu zeigen, daß sie dieser Liebe und dieser Opser würdig ist. Mit Recht sagt die „Krenzzeitung", „die Verletz- ung dieser Neutralität durch Frankreich, die nachweislich seit Jahren geplant war, England veranlaßt, an die Seite Deutschlands zu treten?" Die freisinnige „Voss. Zeitung": Auf sovieke aber, die niemals an einen Krieg zwischen England und Deutschland glauben konnten wirkt die Kriegserklärung wie das schreckliche Erwachen aus einen! schönen Traum und sie werden mutlos werden. Dazu ist kein Anlaß gegeben. Auch der Kampf mit England ist von eherner Notwendigkeit. Und es ist besser, daß wir ihn jetzt zu bestehen haben, als daß er uns, wie sicher zu erwarten geivesen wäre, nach Monaten aiifgezwungen worden wäre, wenn wir, vielleicht erschöpft von den bisherigen, nur schwer den Aufschwung zu einem neuen Krieg hätten nehmen können. Die aus der äußersten bürgerlichen Linken stehende „Morgenpost" bezeichnet es als etwas Ungeheuerliches, Naturwidriges, daß England, das Mutterland des Parlamentarismus, die Eeburtsstättc der bürgerlichen Freiheit, an der Seite Rußlands stehe, diesem Lande mittelalterlicher Barbarei, dieser Brutstätte der Unfreiheit und drr Unkultur. „Hat die Geschichte der Menschheit je eine solche Schmach, eine solche widernatürliche Paarung gesehen? Und dann fährt das Blatt fort: Sei es denn! Vielleicht ist es an> besten so. Der Tag der große» Abrechnung ist über Europa hcreingcbrochcn. Ta mag cs uns, da mag cs vielen Generationen ein Segen sein, wenn überall um uns Klarheit gcschasjen wird. Nicht länger die Zweideutigkeit, die nur aus die Gelegenheit lauere, uns an die Gurgel z» springen. Es ist besser, wir habe» wie der Große Friedrich gegen eine Welt von Feinden zu kämpfen, als daß wir in jedem Augenblick im Leben unseres Reiches eines tückischen Uebcrsallcs gewärtig sein müßte». Friedrich der Große ist mir ihnen fertig geworden. Auch wir werden es! Ruhig, ohne Ucberhebnng, im Gesühl unserer Kraft werden -vir unseren Feinden entgcgentrete», und cs mag der Tag kommen, da die Engländer es tief bereuen wcrden, daß sie sich Schulter Sn Schulter mit den moe-kowittschen Barbaren entgcgenstelltcn! Zum Schluß sei noch die Ansicht der „Volksstimme" mieder- gegeben: p Aber düster und gewittcrschwer ballen sich rings die Wolken. Gestern abend hat auch England an Deutschland den Krieg erklärt! Das ist hart; doppelt hart, da nun veu.sche .Sozialisten gegau ein Land und ein Volk kämpfen müssen, das ihnen neben Frankreich als Hort bürgerlicher Freiheit und , Auf dem Balkan stritten seit Jahrzehnten österreichische und russische Jnteresien. Solange der russisch- «nglische Gegensatz bestand, der England zur Ausrechterhaltung einer leidlich selbständigen Türkei nötigte, lag di« Bestie r.n der Kette. Dt« Furcht vor dem imponierenden AuWeg der deutschen Volkswirtschaft ließ England sich Frankreich und Rußland nähern. Rußlands Raubgier und Englands Ausbeutungsver- lange» fanden sich zur Aufteilung Persiens. Und seitdem hing die Drohung in der Luft, es werde ein großer Krieg England an der Seite Frankreichs und Rußlands finden. Die redlichen Bemühungen auch bürgerlicher Friedensfreunde in Deutschland, Frankreich und England vermochten die Lage nicht dauernd zu besiern. Aufruf drr deiitlcheu Zludtnlkn. Deutsche Brüder! Das Vaterland ist in Eesahr! Der Feind bedroht unser deutsches Land! Der Krieg ward unserm Fricdenskaiser von den russischen Machthabern ausgezwungen. Wir wollten Frieden, aber unsere Gegner wollten Krieg, und Schmach ward unserm Kaiser, unserm Lande angetan! Deutsche Männer! Dos Heiligste der deutschen Nation — die Ehre ward beschmutzt. Der Väter Erbe — Deutschlands Freiheit, Deutschlands Einigkeit bedroht von unsren haßerfüllten Feinden! Brüder! Einhundert Jahre sind vergangen, daß deutsche Männer, nach Zeiten fürchterlicher Not, durch Drang und fremde Herrschaft sich wieder auf das eigne deutsche Ich besannen, des deutschen Landes Urkraft aus den Fesseln sprengten, mit Gott und fürchterlicher Wut das Ucbermenschliche bekämpften - und es gelang! — Die deutsche Kraft und deutsche Einigkeit befreite deutsches Land — die Enkel aber jener großen Zeit, die gaben uns ein einig deutsches Baterland. Das waren unjere Bätcr! Wollen wir nun dulden, daß fremde Völker kommen in das Land, zu schänden, was die Bäter mit dem vergoff'nen Blut geheiligt? Wir konnten uns nicht solcher Feinde wehren, daß wir uns müßten unsres deutschen Namens schämen? Nimmermehr! Wir wollend halten wie deutsche Männer von Urväter Zeiten an — wenn je das Land und ihre Freiheit in Eesahr, wenn fremde Bölker wollten deutsche Männer sich zu Knechten machen, dann einigte der Drang das weit« deutsche Land, die Wut brach los, die ungeheure, zur Waffe griff ein jeder Mann, ein einig urgewaltig Volk so scharten sic sich um den Führer — die Losung war: f, frei oder tot, doch Knechte nimmerdar! Und frei war Deutschland und war groß zu aller Zeit, wenn deutsche Männer sich als einig Volk verbunden. So mahnet uns die große deutsche Dolksgeschichte. Darum, deutsche Brüder! wollen auch wir in ernster Stunde der Gefahr solch deutschen Vätern, unsren deutschen Müttern würdig uns erweisen. Wir wollen uns um unfern Kaiser scharen bis auf den letzten Mann, ein einig Volk von Brüdern, denn jetzt gibts keinen Ilnterfchied im deutschen Land — du, Bruder, und ein Druck der Hand, so einigt diese Stunde für das deutsche Vaterland. Wir wollen unsere Herzen hinauf zu unserm Gott erheben, für deutsche Ehr' und deutsche Freiheit fteudig unser Blut hingeben frei ober tot, doch Knechte nimmerdar! So walte unser Herr« Gott. Am 2. August 1014. Die deutschen Studenten!! Wirkungslose Mobilmachung. Sofia, 6. Aug. (W. B.) Den Blättern zufolge hat das serbische Konsulat in Salonik alle serbischen Untertanen in Mazedonien mittels Ausruf unter die Fahnen berufen. Dem Aufruf soll jedoch kein einziger griechischer oder bulgarischer Mazedonier Folge geleistet haben. Serbien und Bulgarien. > Belgrad, 6. Aug. (W. B.s Der Zeitung „Canibona zufolge beschworen der als Panslawist bekannte General Tscherep Spiridowitsch sowie panslawistische Vereine Rußlands, den König von Bulgaren in Telegrmnmen, das brüderliche, slawische Serbien nicht im Stiche zu lassen. Bulgarien könnte Serbien und den Balkan retten. DaS Blatt bemerkt dazu, e? scheine, daß Bulgarien sich diesen Luxus nicht erlauben werde. Zar Molaris und die Zerben. Roch che König Peter seinen Einzug in Belgrad, kurz nach der Erwerbung seines Borgängers, auf den fragwürdigen serbischen Königsthron, gehalten, schrieb der „Petersburger Rc- giernngsbote" offiziell: „Die Kaiserliche Negierung erwartet, daß König Peter vor allem Maßnahmen zur Untersuchung der verabscheuungswüidigen Ucbeltat ergreift und die treubrüchigen Verbrecher, die sich mit der Schmach des Königsmordes bedeckt haben, strenger Strafe unterwirft." — Man weiß, wie König Peicr. der »ach historischen Quellen genau von der beabsichtigten Ermordung des Königspaarcs unterrichtet gewesen ii>. jener cncrgischen Aujjorderung nachkam! — Und heute, da sich'-- wieder UNI einen Fürstenmord handelt, NM den gewißlich bc- stiinmte Mitglieder der serbische» Regierung und des serbische» Heeres gewiißt, wie sieht'? da aus?! — Kaiser Nikolaus kannte die im Belgrader Königs-Konak begangene Bliitjat lange nicht vergessen, war er doch Pa!e des crniordcteil Königs Alexander, und das bedeutet in den slawische» Ländern das gleiche wir Blnlrverwrndtschast. Er empsing nicht den Ueberbrina r drs die Thronbesteigung anzeigenden Haiidschreibens, und tlc russischen Diplonnn ■» konnte» ihn nur schwer davon abbringcn. sich rssii, gegen jene Thronbesteigung zu erkläre»! — Sieben Jahre mußte Peter warten, bis er. 1010, in Gnaden in St. Petersburg ausgenommen wurde: ein Jahr später kam er dann von neuem zur Newa, anläßlich der Vermählung seiner Tochter Elena mit dem Priitzen Iwan Konstantinowitsch. Damals wurde auch sein brennender Wunsch erfüllt, daß ihm ein rusi. Regiment verliehen wurde, das 14. Linien Jnsanteric Regiment. das seine Garnison dicht an der preußischen Grenze hat I Auch Zar Nikolaus nahm dis Oberstinhaberschaft eines serbi scheu Regiments, des 10. Infanterie-Regiments, an -- es ist ei» Eerjatzregimeiit, das also bloß im Kriege, wie jetzt, in Erscheinung tritt, sonst aber nur aus dem Papier steht. Uebrigens ist König Peter resp. seine Tochter auch zu Lein preußischen Königshaus« in Verwandtschaft getreten. De: obige Prinz Konstantinowitsch ist der Sohn des auch als Dichter iekannten Großfürsten Konstantin Konstantinowitsch, dessen Gemahlin die Schwester des regierenden Herzogs Ernst II. von Sachsen-Altenburg ist. Und mit letzterem Hcrzogshause ist die preußische Königssamilie eng versippt. Man mag in Altenburg, wie in Berlin nicht sehr erbaut über diese verwandtschaftlichen Fäden mit Serbien sein! Rußlands Heer. Es mutz darauf hingewiesen werden, daß der Wert der russischen Armee, der wir im Felde gegcnüberstehcn, vielfach überschätzt wird. Die ungeheure Präsenzziffer der Armee steht großenteils nur auf dem Papier und eine Menge der für Kriegszwecke bewilligtenFItillianei, verschwindet in den Taschen der großen H—allunken. Haben wir auch infolge der Allianz Rußlands und Frankreichs Grund, auf der Hut zu sein, so dürfen wir den Wert des „gerüsteten" Rußland, wie wir im folgenden sehen werden, doch nicht allzu tragisch nehmen Frankreich war vor Ausbruch des Krieges 1870 nach den Eröffnungen des damaligen Kriegsministers ebenfalls „erzbereit" und hat dann doch während des ganzen Feldzuges die Rolle des Besiegten übernehmen müssen. Rußlands „Bereitschaft" wird nun in ein sehr bedenkliches Licht gesetzt durch eine im „Deutschen Militär-Wochenblatt" veröffentlichte Artikelreihe, in der Oberstleutnant a. D. Frhr. v. Tettau Interessantes und Unbekanntes über den völligen Zusammenbruch des Russischen Heeres nach dem Russisch-Japanischen Krieg gibt. Eeneu acht Jahre sind seitdem verfloffen, und bei russischen Berhältniffen fällt es wirklich schwer, an eine völlige Heilung in so kurzer Zeft zu glauben. In welcher Verfassung das russische Heer aber damals war, welche unglaublichen und unerhörten Zustände herrschten, wie bei den Untergebenen jede Spur von Disziplin verloren gegangen und bei den Vorgesetzten, bis zu den höchsten hinauf, Energie, Charakterfestigkeit und Verantwortungsfreudigkeit völlig abhanden gekommen waren, das ist erstaunlich. Gibt man auch zu, daß der Krieg von Anfang an im Volke und im Heere im höchsten Grade unvolkstümlich war, so wäre es bei einer disziplinierten Truppen doch unmöglich gewesen, daß sie derart allen moralischen Halt und sittliche Kraft verlor. Lediglich aus diesem Grunde sah sich Rußland zum Friedensschlüsse gezwungen: denn davon konnte keine Rede sein, daß die Hilfsmittel Rußlands erschöpft gewesen wären. Rein, die bisher erlittene Einbuße an Menschen und Material war mehr als reichlich aus der Heimat ersetzt worden, so daß sogar die Zahl der Streit- mittel der feindlichen weit überlegen war. Aber die ganze Armee war durch die in Rußland herrschende Revolution stark angesteckt, und die Führer besaßen nicht die Fähigkeit, durch zielbewußtes Handelnden gesunkenen Geist zu heben. Solange die Truppen vor dem Feinde standen, war das Gesühl der Zusammengehörigkeit offenbar noch zu groß und hielt die im Innern schon völlig zerfetzte Masse noch notdürftig zusammen. Als aber nach dem Friedensschlüsse der Abtransport der Truppen in die Heimat begann, brach der offene Ausruhr aus, da besonders von den Reservisten jeder als der erste in die Heimat besördett werden wollte- Energische Vorgesetzte hätten unzweifelhaft in diesem Stadium noch Ordnung schaffen können, da ihnen noch genügend tteue Truppen zur Verfügung standen, wenn auch die zuverlässigsten Elemente in der Zahl von 720 Offizieren und säst 10000 Mann als Rekruten ansbildungspersonal zu allererst fortgeschickt worden waren. Ader dem General Liniewitsch als Oberkomman- dierenden lagen irgend welche durchgreifende Maßnahmen vollständig fern, und in seiner kläglichen Hilstosig- keit hatte er das einzige Bestreben, alle unzuverlässigen Elemente möglichst schnell abzuschieben. Was war da wohl natürlicher, als daß jeder sich bemühte, sich so mißliebig als möglich zu machen, weil er auf diese Weise am ehesten hoffen konnte, nach Hause zu kommen. Als dann noch ein Ausftavd sämtlicher Angestellter der Sibirischen und Transbaikalbahn ausbrach und der Verkehr völlig ruhte, riffen alle Bande der Disziplin. Offiziere und Mannschaften nahmen ganz offen an revolutionären Umzügen und Versammlungen teil, und die Reservisten bestiegen aus eigener Machtvollkommenheit die Züge und zwangen das Maschinenpersonal, auf gut Glück nach dem Westen abzudampfen, soweit man eben kam. Und die Vorgesetzten taten nichts: in bleicher Furcht vor den Revolutionären trafen sie nicht nur keine Eegenmaßregeln, sondern hielten es vielmehr für angebracht, „zum Zwecke der schnellen Beruhigung dei Geister" von der Anwendung von Waffengewalt zur Wiederherstellung der Ordnung Abstand zu nehmen und genehmigten sogar noch die Abhaltung politischer Versammlungen. Ja, als nach einer kurzen Unterbrechung der Ausstand von neuem ausbrach, waren die pslicht- und ehrvergessenen Befehlshaber glücklich, daß das Streik- komi'.e den Vorständen der einzelnen Dienstzweige gnä- di sst gestattete, unter AuMcktt des Komltes die kür die «*. IM Seite 3. Stbbtförtxrung der Truppen notwendigen Anordnungen zu treffen. So hatte sich denn das Oberkommando aus Feigheit die Verfügung über die Eisenbahn ohne jeden Widerspruch aus der Hand winden taffen, und das hatte natürlich zur Folge, daß sich alle bisher noch Unentschiedenen aus die Seite des Startern, d. h. des Strcik- kommitees stellten und Offiziere und Mannschaften der Betätigung ihrer revolutionären Gesinnung allgemein überhaupt keinen Zwang mehr antaten. Auf die Einzelheiten einzugehen, würde zu weit führen, es fei nur noch besonders an Wladiwostok erinnert, wo 400 aus japanischer Gefangenschaft zurttckgekehrte Marineartille- rislen über einen notwendigen Au>enlhalt nach ihrer Ausschiffung derart empört waren, dag sie zwei Offiziere erschlugen und mehrere Offizierswohnungen zerstörten. Aber ein noch viel häßlicherer Fleck auf der Ehre des luffifchen Heeres war ein neuer, Anfang 1900 in Wladiwostok ausgebrochener Aufstand, der nicht etwa von ausständigen Arbeitern, unbotmäßigen Reservisten und aufrührerischen Volksmaffen, sondern von der Garnison, also aktiven Truppen, unternommen wurde. Tie schwere Verwundung des Kommandanten und der Meuchelmord an einem Oberstleutnant als Kommandanten der Hauptwache werden auf den Ehrenschild der russischen Armee noch lange einen tiefen Schalten weisen. In Petersburg wußte man lange Zeit von allen diesen Vorgängen nichts, weil durch den Ausstand der Post- und Telegraphenbeamten jede Verbindung mit dem europäischen Rußland unterbrochen war. Als man endlich von de» anarchistischen Zuständen erfuhr, sckkckt" der Kaiser drei Generäle, die Ruhe und Ordnu»>, schaffen sollten — ein peinliches Armutszeugnis für die an Ort und Stelle kommandierenden Offiziere. Dieser anscheinend aussichtslosen Ausgabe unterzogen sich all« drei, der eine auf der sibirischen, der andere auf der Transbailalbahn, der dritte in Wladiwostok, mit einer so rücksichtslosen Strenge, einer Energie und einem furchtlosen Auftreten, daß die revolutionäre Bewegung bald unterdrückt, di« Ordnung aus den Eisenbahnen wiedcrhcrgestellt wurde und der Abtransport der Truppen nach 8'/°monatiger Dauer endlich zu Ende geführt werden konnte. Was diesen drei tatkräftigen Männern gelang, hätte den anderen Befehlshabern felbverständ- lich ebensogut gelingen können, wenn sie von vornherein auch nur einen Funken von Energie und Verantwort- ungssreudigkeit beseffen hätten. Nachdem sie aber zunächst einmal hatten alles gehen lassen, wie es ging, war ihre Autorität von Grund aus untergraben, und es bedurfte eben neuer, frischer Kräfte, um hier aufzu- räumen. Man sollte meinen, daß der Ausgang und die Folgeerscheinungen dieses Krieges nicht dazu angetan fein können, den Rügen besondere Zuversicht in den glücklichen Ausgang eines neuen Krieges einzuMen. Der Oberkommandierendc des Heeres General Kuro pattin, schiebt die Schuld für die Niederlagen und den Zusammenbruch des Heeres dem Umstande zu, „daß weder die Schule, noch das Heer dazu beigetragen haben, in dem großen Rußland während der letzten 40 bis 50 Zahre selbständige Charaktere zu entwickeln. Sollte es in dieser Beziehung in der kurzen Spanne Zeit von noch nicht 10 Fahren bester geworden sein? Es fällt, wie gesagt, schwer, daran zu glauben. Wenn das Weltgericht die Weltgeschichte ist, dann erhalten die Russen in dem bevorstehenden Kriege von den Deutschen und von den Oesterreichern eine Lektion, an vie ste lange denken werden. Die Stimmung in Frankreich spiegelt sich i» einem Privatbries wieder, der uns von der Empfängerin in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt wurde. L. . ., den 4. August 1914. L. . W---- , Immer und immer wollten wir cs noch nicht glaubt», daß es Krieg geben sollte: am Sonnabend uni 3 Uhr wurde in den Straßen voii Levaüois-Perret (Vorort ton Paris) geblasen, ein Sold.it IaS den Mobilniachungsbefchl vor alle Leute standen um ihn herun,. Ich habe schnell «in Auto geholt, die Koffer waren schon zwei Tage vcrher gepackt. In der lebten Minute holte ein franz. Spediteur olles ob. um os nuszuspeichcrn. Einen Koffer wollten wir an der Bah» aufgeben, er wurde schon nicht mehr angc- nommen ilnd wir ließen thii aus der Ausbewahrungslt.lle am Gare du Nord. Nu» ging c-s schnell fort, unsere Hand- tasä>c mit Goldlacken halten wir in der Wohnung liegen gelassen und wollten wir sie holen, aber kein Auto fom rietr durck die FestungS-Psorte bei rue de lormeille, sie wurde geschlossen, »»r Fußgänger konnten noch durchzeh-.n, Uh halte das Glück, meine Tasche holen z» können. Die Frovzosen ivollcn keinen Krieg, laut iveinte» die Französinnen: alle Bekannten wünschen uns „bau cl/ince", ,bo» voyage". (Viel Glück — gute Reise.) H'z Freund hatte vom Direktor an, Mittag noch Gehalt And Zeugnis bekonimcn, der Ehef (Deutscher) ist vor 8 Tagen im Elsaß als Reservc-Lentnant eingezogen. Viele Elsässer sind noch in Paris, aber die echten Dentsche» haben sich hinauso.cdrängk. Am Bahnhof warm viele Eltern mit ihren Kindern. A, wiit unserem Handgepäck haben uns wie alle anderen tSckittz, abgcquält. Bei Jcumont waren die Schienen auf- Derisscn und wir niußten 3 Kilometer z» Fuß laust n. ^»imcr ließen uns die Bahnbeaniten ein- »nd anssteigen, Meimol sogar in denselben ZiM- Ausgehungert kamen wir an der deutschen Grenze an »nd sckpckte» gleich ein Tele- aranmi nach L. Das erste Glas Bier in Dentschlanb. ivie ««», sazesz eituig. rftttt««. ton 7. Au,,st 191« foot das geschnreckt I Wie wurden die Züge an den Bahnhöfen in Deuffchland begrüßt I Abschied des (tzrotzhcrzogs von den Truppen in Friedberg. Gestern Mittag kurz nach 1 Uhr trafen der Großherzog und die Großherzogin im Auto auf dem Exrerzierplab hinter der jkaserne ein, »m sich von den Truppen — unserem 3. Bataillon 168cr und dem hier in Bildung begriffenen Reservebastrillon 116er — zu verabschieden. Das Groß- berzogspaar wurde überall mit Begeisterung begrüßt. Als die Großherzogin der Truppen ansichtig wurde, konnte sie sich der Tränen nicht enthalten. Das Großherzogspaar schritt nun die Front der unter präsentiertciii Gewehr stehenden Truppen ab. Hieraus richtete der Kroßherzog folgende Ansprache an die Truppen: „Kameraden! Denn Ihr an den Feind kommt, Hann drauf und dran, unser Vaterland, unser geliebtes Hessen- land zu batten. Vergeht keine Sekunde, daß Ihr Deutsch: seid! Ihr habt dem obersten Kriegsherrn die Treue geschworen, ihr Reserven habt mir Treue geschworen, und diese Treue werdet Ihr halte»: dies hoffe ich. Nun mit Gott!' Sein Hoch galt dem Kaiser. Hierauf stimmte mau die Nationalhymne an, in die Alles begeistert einstimmt«. Herr Major Gudewill dankte für die Gnade, daß das Großherzogspaar hierher gekommen sei, und versprach, daß sich das Bataillon dieser Gnade würdig zeigen werde. Sein Hoch galt dem hessischen Herrschcrpaarc. Das Lied „Deutschland Deutschland über alles" folgte. Hieraus verabschiedete sich das Großherzogspaar von jedem einzelnen Offizier mit einer Ansprache und Händedrilck. Sodann sprach Herr Pfarrer Klcbcrgcr« als evangelischer Garnisonspsarrer und Herr Pfarrer Dr. Prarmarer als katholischer Garnisonspsarrer. Psarrer Klcberger sührte den 60. Psalni an. Er erinnerte an die hundertjährige Wiederkehr der ruhmeichen Zeit unserer Vorfahren. Er betonte, daß wir nicht um Eroberungen känipsten, sondern daß wir nur der Not gehorchend ins Feld ziehen mußten. Er schloß mit dem Rufe: Lhr wißt, für was ihr kämpft: für Euer teures Daterlind, für eure Heimat u. Herd, für eure teuren Lieben. An Entbehrungen wird cs nicht fehlen, aber ihr müßt, ihr werdet siegen. Dies helfe Gott! Pfarrer Dr. Prarmarer sprach: Hess. Kameradenk Eine ernste Zeit ist an uns hcrangctrcten. Wenn es je eine Zeit gab, wo wir eine gerechte Sache verfochten, so gilt cs für diesen Krieg welcher uns von heimtückischen Feinden oufgezwungcn wurde, ebenso wie unserm Verbündeten Oesterreich. Es fällt kein Sperling vom Dach ohne daß es der himmlische Vater weiß. Die Demut vor Gott gibt Euch die Kraft. Gedenkt der ruhmreichen Taten Eurer Väter, gedenkt Eurer Pfticht mit Gott. Wenn Ihr dieser Pflicht eingedenk seid, dann werdet ihr nicht allein kämpfen, dann werdet ihr, dann müßt ihr siegen! Unter dem Jubel der begeisterten Menge fuhr sodann daS Großherzogspaar noch der Stadt zurück, wo es int Hotel Trapp das Mittagessen cinnahm. Gegen halb 3 Uhr erfolgte die Abreise von hier. Wie wir weiter aus Darinstidt hören, wird sich der Landesfürst im Gefolge des Divisionsstabes bciinden. , Ans der Heimat.' * Friedbrrg, 3, Aug. Lom 3. August ab findet auf den Postknrjen nach Ranstadt »nd Ockstadt eine Pcrjoncnbesür- derung nicht mehr statt. * Echzell, 6. August. Zwei hiesigen Damen ist es noch gelungen, Paris zu verlassen und nach der Heimat znrllckzukehren. An 3000 Deutsche sollen über die belgische Grenze Frankreich verlaßen haben. Ei ehen, 0. August. Nachdem gestern die amtlichen Nachrichten, daß auch der Vetter Engländer an Deutschland den Krieg erNärt hat und daß wir uns mit Belgien ebenfalls im Kiiegszustanb befinden, bekannt gemacht würben, aln» jetzt der Deutsche, wenn er im Atlas einmal seine Feinde betrachten will, mit den einzelnen Staatcnkarten gar nicht mehr auskom- men, sondern er muß sich gleich die Weltkarte zur Hand neh- nicn. Feinde ringsum und in aller Welt, können wir setzt sagen und alle diese Feinde, wohl mit Ausnahme Belgiens, haben nur das eine Ziel, Deutschland klein zu machen. Dar deutsch« Heer, die deutsche Industrie und der deutsche Handel, sie sind ihnen der Dorn im Aug« und der Hatz und Neid gegen dieselben kennt keine Grenzen. Wer aber eben unser« braven Truppen zum Schutze des bedrohten Vaterlandes ausrucken sicht, und die Begeisterung beobachtet, welche das Aufgebot des Kaisers in allen deutschen Gauen entfacht hat, der gewinnt auch die selsenseste Uebcrzeugung, daß diese Truppen nicht geschlagen werden, daß sie unbesiegbar sind und daß das deutsche Heer aus diesem schweren Kamps« mit dem Lorbeer- u. E-chen- kranz geschmückt zurückkommt. Wäre dies nicht der Fall, würden Deutschland und Oesterreich nicht di- volle Oberhand gewinnen, ja dann liefen wir Gefahr, daß die europäischen Völker sich in diesem Kampf aller gegen alle gegenseitig zerslei- schen und dann die fremden Völker, Asiaten und Amerikaner, die Führung in der Welt übernehmen. Dieses gilt es, zu verhindern. deshalb mutz das deutsch« Volk geschloffen wie ein Mann hinter seinem obersten Kriegsherrn stehen und Gut und B>ut in die Wagschale werfen. Erst wird cs nötig sein, daß der sranzöllsche Präsident und sein Kriegsmintster von deutschen Soldaten ihre Zylinverhüte aufgebügelt bekommen, dann wirb cs sich zeigen, ob der rusfiichc K-is-rtron dem Ansturm Deutschlands und Oesterreichs Stand hält und zum Schluffe inusi die Abrechnuv.g mit dem hinterlistigen Albion kommen und zwar muß bier der Saldo bei 5,eller und Plennia aezoaen und bar auc bezahlt werden. Wehe euch Frevler». Jahrelang habt ihr die Ränke geschmiedet, doch nun sollt ihr sehen, daß dcukscher Geist und deutsche Tatkraft, di« im Laufe der letzten zweitausend Zahre schon wiederholt dem Rad der Zeit in die Speichen gegriffen und dem Laus der Dinge dieser Welt eine andere Wendung gegeben haben, noch nicht erschlafft und noch nicht er lahmt sind. * t- Ufingen, 4. August. Der im Jahre 1888 hier gegründete und formell noch heute bestehende Zweigverci» vom Ro tcn Kreuz sKretsvercin zur Pflege im Feld verwundeter oder erkrankter Krieger) soll wieder neu ins Leben gerufen werden. I» der Stadt und in den Landgemeinden wird eine große Tätigkeit entfaltet. * f. Rcichenbach, 4. Aug. Der stellvertretende Direktor bei landwirtschaftlichen Winterschule zu Idstein, Herr O, Eistngcr, hielt hier im Auftrag der Landwirtschaftskammer zu Wiesbaden einen Vortrag über Landwirtschaft. * k Ob-rursel, 4. Aug. Der Ernst der politischen Lage ge. bietet es, das in allen Teile» wohl vorbereitete Schützenfest bis auf weitere» zu verschieben. * Dieburg, 5. August, Auch von hier entsenbet ein Bäcker. Meister sieben wackere Jungen in den Feldzug, Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst in der Stodtkirch«. Freitag 7. Aug. abends 8>4 Uhr: Kricgsaud bl Herr Direktor Schoell. Franksurtcr Wetterbericht Voraussage: Wechselnd bewölkt, strichweise Regensälle, mäßig warm, Westwinde. * Hessischer Landesverband gegen den Mißbrauch geistiger Geiränke. Zn dem bevorstehenden Kriege werden sofort mit den ersten Tagen an die Leistungssähigleit, Schlagse.Uigleil und Widerstandsfähigkeit der Truppen ungeheure Anfordrru». ge» gestellt. Hierzu ist Nüchternheit absolut crsorberlich. Dies ist auch der entschiedene, au» mancherlei Kundgebungen und Maßnahme» bekannte Standpunkt der Heeresleitung, alle» voran des obersten Kriegsherrn selbst, der dieser Ueberzeugung wiederholt kräftigsten Ausdruck verliehen hat. Mit dieser Forderung muß gleich von vornherein Ernst gemacht werden! Wir bitten deshalb dringend, den zum Ausmarsch bestimmten Soldaten nicht, wie da» bei früheren Feldzügen zu beoüachien war, geistige Getränke als besondere Liebcswcise anzubleten oder gar auszudrängen, sondern an geeigneten Orten, besonders aber auf den Bahnhöfen, von denen aus Truppentransporte er folgen oder aus denen Halt gemacht wird, alloholsreic Getränke verschiedener Art und in erforderlicher Menge bereit zu halten. Auch mit dieser Maßnahme wird der Schlagkraft unseres Her res ein wesentlicher Dienst erwiesen. Bekanntmachung. Für den Handel mit Massen pp. jeder Art wirt hiermit folgendes verordnet: Der An- und Verkauf von Waffen im Trödel- oder Alt Handel wlrd hiermit untersagt. Die Waffen- und Eisenhändler und dergl dürfen bis aus weiteres Waffen und Munition nur noch an solche Personen verkaufen, welche sich als aktive Militärpersonen oder zum Heere einberusene Wehrpslichtige — letztere durch Vorweisung eines Einberufungsbefehles — oder als össcntlich« Beamt« ge. nügenb ausweisen. Der Verkauf von Feucrwcrkskörpern, welche zum Signal- geben pp. irgendwie geeignet sind, darf nur an Militär-Behörden erfolgen. von Schenck. ßdutmttmndjnmu Das Kriegsersatzgeschäft für die in der Stadt Fried berg wohnenden Militärpflichtigen findet Mittwoch, de» 12. August, vorn,. 8 Uhr in» Saale des Hotel Trapp (Eingang von der Wolsengasse aus) statt. Es haben auch ohne nochmalige besondere Aus sordening und zwar MU" püttktlich un» 7'/, Uhr vormittags zu erscheinen: 1. Die Zurückgestellten. , 2. Die Militärpflichtigen, über die noch keine Enl- scheidung getroffen ist. I. Die zur Disposition der Ersatzbehörden entlaffenen Mannschaften. 4. Die zur Zeit des Kriegsersatzgeschäfts noch vorläustg beurlaubten Rekruten. 5. Die von den Truppenteilen abgewiesenen Einjährig- Freiwilligen. Friedberg, den 7. August 1914. Der Bürgermeister. _ S^ahl. _ Bekanntmachung. Der Tag der Auszahlung der Tarsummen für infolge der Mobilmachung angekauften Pferde wird demnächst bekannt gegeben. Friedberg, den 7. August 1914. Der Bürgern,rifter. Stahl. Verantwortlich für den politischen Teil: Otto Hirschcl, Fiicdbera: für den lokalen und unterhaltenden Tr,.: Bernhard Lenz. Friedberg: für den Anzeigenteil: Kar! S cb:» i d I, Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tages- »eiftina". A.-G.. Friedberg i. H, 'fit. 183 Neue Lafteszcining. Freitag, den 7. Aug»,t lull. Seite 4 Erna und Ilse. Roman von D. Feußncr. (Fortsetzung). AIS er wußte, daß er mit deni nächsten Truppe,itrans- ! ert wcgkommcn würde, sandtcr er ein kurzes Telegramm seinen Vater, indem er zugleich initteilte, daß er auf einige Tage heimkommen würde. Vom Urlaub zurück, war >eiil erster Gang zn dem Rittergutsbesitzer. Dieser befand sich Verhältnis,nätzig wohl und in guter Stimmung. Ilse saß bei ihm an seinem Bette. Als Roderich cintrat, ries Herr Ruth aus: „Wir glaubten schon, Sie wären nach China gegangen, denn drei Tage vermissen wir Sic schon!" „Ich war verreist und bin erst heute zurllckgekehrt," entgegnctc dieser. »Davon Wichte ich nichts!" ».Nein, ich wollte cs auch vorläufig noch verschweigen." „Sol So!" Der Rittergutsbesitzer besaß viel zn viel Herzenst.rkt, uni nach irgend einem Grunde zu fragen. Ilse bot dem Gast einen Stuhl an und zog sich dann in den Hintergrund ihres Stübchens zurück, uni ihren Gedanken ungestört nachhängen zu dürfen. „Haben Sie die neueste Zeitung schon gelesen?" fragte der Kranke. „Ja gewiß! Man wartet doch mit der größten Spannung auf die neuesten Berichte über die Vorgänge in China." „Ich muß mich wundern, daß sich soviele Freiwillige genicldct haben. In der Zeitung steht, man könnte wohl drei Armeekorps daraus bilden. — Was halten Sie davon.?" „Es ist jedenfalls ein gutes Zeichen von Mut und Patriotismus, drum alle Hochachtung." Aufruf. Infolge des uns von England erklärten Krieges wird uns unsere Nahrungsmittelzusuhr stark gefährdet, wenn nicht gar vollständig abgeschnitten. Im Einverständnis mit der Landwirtschaftskammer für das Eroß- herzogium Hessen und der übrigen hessischen Handels- kanimern bitten wir dringend, die irgend wie entbehrlichen Arbeitskräfte i» Industrie und Handel der Land- wirlschast zuzusühren, damit.sie dort die so überaus wichtige Ernte bergen Helten. Nähere Auskunft erteilt das zuständige Kreisarbeitsamt (städt. Arbeitsamt.) Wir erwarten, daß alle Firmen unseres Bezirks bei dem großen Ernst der Lage sich ihrer vaterländischen Pflichten bewußt sind und unserem Ersuchen so weit wie möglich entsprechen. Friedbcrg, den 6. August 1914. Grobherzogliche Handelskammer für die Kreise Friedberg, Büdingen, Schotten. H. L. Langsdorf Rechtsanwalt u. Notar A. Stahl Vorsitzender. Syndikus. _ Bekanntmachung. Die große Zeit stellt auch an uns ältere Aerzte, die wir allein Zurückbleiben mußten, große Anforderungen, die wir gern auf uns nehmen in einer Zeit, wo es gilt, daß jeder seine volle Kraft einsetzt. Wir können indeß die ärztliche Versorgung der Stadt und der zugehörigen Ortschaften nur gewährleisten, wenn wir von der Bevölkerung in Maß und Form unserer Beanspruchung unterstützt werden. Kranke, die gehen können und solche, die Auskunft haben wollen, sollen sich in die Sprechstunde begeben. Für die Besuche bei den Kranken ist es wichtig, wann und wie wir bestellt werden. Von Notfällen abgesehen, sind die Bestellungen vor Ablauf der Spiechstunde zu machen, so daß die Zeit, die für Besuche zur Verfügung steht, planmäßig ausgenutzt werden kann. Nur in wirklichen Notfällen verlange man sofortige Besuche. Man sei dcshalb zurückhaltend mit dem Ruf: „gleich kommen". Auch das segensreiche Telefon darf nicht zum Mißbrauch verleiten. Nachtbesuche sind möglichst zu beschränken. Bei Verletzungen und besonders dringenden Notfällen sind auch die Aerzte des Krankenhauses und Herr Tr. Nebel, (Weedgasse 3,1) zur Hilfeleistung bereit. Dr. Wcckerling, Mainzertoranlage, Sprechstunde vor 9 Uhr vorm., 2—3 Uhr nachmittags. Dr. K. Becker, Bismarckstraße 5, Sprechstunde 7—9 Uhr vorm., 1— 3 Uhr nachmittags. „Ich bin der Meinung daß sichs die meisten nicht recht überlegt haben, und wenn der große Moment der Abreise kommen wird, gerne zurllcktrcten würden, wenn sie es nur könnten," sagte der Rittergutsbesitzer bedächtig. „Ich glaube, daß der erste Teil ihrer Meinungsäußerung richtig ist, aber der letzte wird wohl nicht ganz stimmen denn wer wiirde Ivchl so feig sein, in, letzten Moment zn bereuen, was er in einem heiligen Augenblicke tat." „Und ich jage, daß es von viele» nichts ist, als • — Feigheit." „Aber Herr Ruth!" ries Roderich vorwurfsvoll, „wie können Sic das sagen." „Was ich gesagt, nehme ich nicht mehr zurück," ent- gegncte der Kranke scharf. „Lassen Sic mich über diesen Punkt aber noch weiter sprechen, vielleicht pflichten Sie nur noch bei." „Diele der Freiwilligen gehen mit über das Wrfser um sich aus kritischen Lebenslagen zu befreien, — gewissen Geschicken zu entfliehen, die sic selbst heraufbeschworen, hätten aber, um Mut und Ehrgefühl zu zeigen, grade denselben die Stirne bieten müssen, um zu versuchen, in diesem Kampfe zu siegen." „Also Sic sind der Meinung, daß eine edle Tat nicht immer einen edlen Ursprung hat, sondern auch den Mann, anstatt zu ehren, als Feigling hinstcllen kann?" fragte der junge Mann. „Sie haben mich recht verstanden. — ES ist bei vielen Pflichteniziehung." „Gegen wen?' „Gegen Eltern, Geschwister und Bräute," sagte Herr Ruth. „Die Pflicht gegen betagte Eltern, deren letzte und einzige Stütze man ist, müßte man wohk über die gegen das Vaterland stellen, in jeden, andern Falle aber muh man Liebe, Gut und Blut dem Vaterlande weihen. So halte ich es. Zuerst das Vaterland, und dann die sclbstbezlück- ende Liebe." Roderich sprach mit Ueberzcugnng und Wärme denn er dachte wirklich so. „Und Sie glauben, daß ei der reine, mächtige Trieb. Herz und Leben dem Vaterlande zu weihen, allein war, welcher die Freiwilligen aus- ihren Gliedern ritz?" „Ich muß cs glauben!" „Verzeihen Sie, Herr Tietze, wenn ich Ihnen sage, Sit kennen die Welt nur von der guten Seite, nicht aber von der schlechten, schattigen, vielleicht geben Sie mir aber doch recht, wenn Sie einmal von ihr getäuscht oder betrogen werden." Ter Rittergutsbesitzer hatte recht, denn Roderich war selbst zu gut und edel, um andere für schlecht zn halten. Er glaubte, weil das, was der erfahrene Mann sagte, nicht auf ihn paßte, dioser hätte Unrecht, denn ihn konnte keiner der Pflichtentziehung zeihen; ec ging aus dem freien Trwbe, dem Vaterlande besser dienen zu können, über daS Meer. War es wirklich dieses allein? Nein und tausendmal nein! Warum wollte er denn eigentlich fort? In der Fremde sein Liebcsweh vergessen und Heilung für sein krankes Herz finden: er wollte die Statte sein?» schönen Traumes fliehen, entfliehen seinem lvilden Schmerze. (Fortsetzung folgt' ilitüv- Unterkleider, Coiter, Schlafdecken, Herren Stank- u. Uegen-Mttntel, Kleider und Wegerinen- Schnrzen Becker & Engel Friedberg i. H. Kaiserstrabe 28 . Ernst Merschel LÄLÄL trikdbkrg i.H., Ttlefoi! 355 Aecken-u.SaUren-Nohren MnfjHUmU «- UHU IßronJtmn. in 6 prachtvollen Nuanzen. In. Mitttr- Hlifer-Flnckel! sür Kälber vnd Ferkel empfiehlt billigst Ferdinand Damm Frledbrrg, Saiferftratze Sv. Teleson 452. harz- und säurefrei sür landwirtschaftliche Zwecke, \ Mmmiwl, MlljchjlM-Frtt, Treib- •ifüifnnißdja, DM Utmenjchmtlt . upfiehlt billigst Drogerie JT. Baumeister ]¥ac*lif. 2nh.: Friede. Karl Ott, Friedberg i. H. Zucht des stoßen weiße» Edelfchwelus. 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Der Verkauf kann nur in kleineren Mengen und gegen sofortige Dar- rahlnng geschehen. Wir bitten unsere verehr!. Kundschaft hiervon Vormerkung zu nehmen und uns durch freund!. Entgegenkommen in dieser kritischen Zeit zu unterstützen. Don einem größerem Aufschlag sehen wir, solange noch Dorrat, von Bergmann & Co., Radebcei StQdc 50 Pf. Zu hoben bsl> Hofapotheke zum Engel sowie Hosapotheke zum Mo hren. Wir siilijcil Ts'TnZZÜ zum Verteilen von Eratisprobcn s. Echwcißpuder..Köhler-trocken". Oss. an ftöl)lttr,l)ltnfobrih.ilro‘3r»nli»rg Gustav Schwarz ä Saline G. m. b. H. Friedberg lHeffeir).__ ZI eile Waafenßeine werden abgegeben zum billigsten Tagespresie. ksiugKftlttiegeltt A. 0. tzölmana, Da»-jlonl>iim, am Chaussechaus. Mien-Mersabrik Grotz-Geran empfiehlt ihre Trolkcnschnitzkl uiiö Mlissc-ZillWnitzkl in vorzüglichster Qualität billigst, r* Preisofferten und Muster auf gefl. Anfrage.