7. Jahrgang Nummer 180 Dienstag, den 4. Angnst 1014. l ei Den Seenten mnnallirfföO tHH m rf* t ® el ° Btn £ ou * r Sellen". ,.?i» Spin»»«!,»", «ekugopreis: Bei den Postanftallen vierielfährüch MI. I,9ö ^ rc.rrrr ^ vf " " i 1'o,tgebnhr oder Tragerlohn. Anieigen: Grund,eile ^0 Pfg^ lokale 15 Psg^ Anzeigen von auswärts werden durt) Ps tnrchna^mr erhoben j uungsort rznedberg. Kchmfkleilung und Verlag Friedberg (Hessen), 5>anauer,trahe 12. Ferniprcchcr 48. Ps?tjcheck.Lonto Nr. <8.»9. Amt Frankfurt o. Nt. Der Krieg nach zwei Fronten- Nachdem Frankreich bereits am Sonntag zur Neutralitätsverletzung geschritten ist. hat die deutsche Reichsregierung den Kriegszustand mit der Republil hergestellt und den deutschen Botschafter angewiesen, seine Pässe zu fordern und abzureisen. Wir stehen demnach im Krieg mit Rußland und Frankreich. Vom Westen wird gemeldet, datz die Franzosen bereits einige Erenzorte auf deutschem Boden besetzt haben. Dagegen sind die deutschen Truppen an vier Punkten in Russisch-Polen eingedrungen und haben die russischen Grenzstädte Alezan- drowo, Kalisch, Czenstochau und B e n d z i n besetzt, nachdem sie die Rusien zurückgeworfen haben. Tie Erfolge oder Mißerfolge der ersten Tage haben wenig zu bedeuten, da in dieser Zeit sich der Aufmarsch vollzieht. Erst wenn dieser erfolgt ist, sind entscheidende Schläge zu erwarten, die so Gott will, unsere ruchlosen Angreifer derartig treffen möge, datz ihnen hinfort die Lust genommen wird, den Frieden zu stören. Es ist davor zu warnen, unbeglaubigte» Gerüchten, die meist schon den Stempel der Uedertreibung an sich tragen, Glauben zu schenken. So wurde gestern die Nachricht verbreitet, datz 20 MO Serben, zusamt ihrem Kronprinz gefangen genommen worden seien und daß die russische Ostseeslotte unter Verlust eines deutschen Kriegsschiffes zerstört worden sei. Beide Nachrichten sind vollständig aus den Fingern gesogen. Leute kommt der Deutsche Reichstag zusammen und es füll zu hoffen stehen, datz die erforderlichen gesetzgeberischen Magnahmen einstimmig beschlosien würden. Aus dem Ausruf des sozialdemokratischen Parteivorstandes ist das nicht zu ersehe». Im unerfreulichen Gegensatz zu den loyalen Kundgebungen einiger Parteiführer und Zeitungen ergeht er sich lediglich in den bekannten Phrasen und erwähnt mit keiner Silbe die gemeinsamen Pflichten gegen das Vaterland. Das Schicksal des deutsche» Botschafters in Petersburg hat sich geklärt. Gras Pourtales ist mit einer Anzahl Reichsdeutscher über Finnland nach Schweden abgereist, er uird in kurzer Zeit in Berlin eintrefsen. Der deutsche Botschafter in Italien hat dem dortigen Minister des Aeutzern amtlich mitgeteilt, datz sich Deutschland mit Rußland im Kriegszustand befinde. Italien nahm davon Kenntnis und erklärte, datz Italien gemätz dem Bündnisvertrag eine wohlwollende Neutralität bewahren v.".de. Damit ist zu erwarten, datz es selbstverständlich ist, dah Italien seiner Bündnispflicht nachkvmmt, wenn, was fegt der Fall ist, sich Deutschland auch mit Frankreich im Kriegszustand befindet. Wahr ist es, datz wir von einem Netz von Spionen, meist russischen, umgeben sind, und datz dieser Gesellschaft, gemätz ihres tückischen Charakters kein Mittel zu schlecht ist, datz sie es nicht anwenden würden. Es bedarf aller Aufmerksamleit, um diesem Gesindel zu begegnen. Die Nachricht, datz ein französischer Arzt versucht habe, die Brunnen zu vergiften, dagegen ist es Tatlache, dah ein Rüste, dazu noch ein Assistent an der Universität, den Versuch gemacht hat, die Wasterleitung in Giehen mittelst Cholera-Bazillen zu vergiften, so daß im „Gietzener Anzeiger" amtlich vor dem Genuß ungekochten Masters gewarnt wird. Man sieht, datz unseren Feinden kein Mittel zu verrucht und zu teuflisch i[t; sie wenden es an! Wir dagegen setzen den Rtut, den die Zuversicht verleiht, diesem verbrecherischen Treiben entgegen. Man mutz es gesehen haben, wie unsere wackeren Streiter sür's Vaterland dem Kriegsschauplatz entgegeneilen, in: reisig-grün geschmückten Wagen, brennender Begierde, sich mit den Wortbrechern und Friedensbrechern zu mesten und ihnen zu zeigen, daß man Deutschland nicht unaestrast angreijt. Auf fliege, hohes Siegespanier Bora» den kühnen Reihen! Wir siegen ober sterben hier Den süßen Tod der Freien! Glaitkr |)rrlöuf kr Mobilißmiilg. Berlin, 3. Aug. (Amtl. Telegr ). Nach den bei den mi- - .-len Zentralbehörden amtlichen Nachrichten ist die Mo- ö Mischung unseres Heeres und unserer Flotte bisher ganz vor- -ä-stich'verlaufen. Alles ging wie am Schnürchen. Die Zufam- Nieuzirhulig der Einberufene», ihre Beförderung an die angewiesenen Plätze, kurz alles hat tadellos geklappt. Das Vertrauen der Bevölkerung in unsere militärische Organisation ist glänz-ud gerechtfertigt. Besondere Hervorhebung verdient die Stimmung unter den Einberufenen. Bolle Hingabe und Begeisterung, ober auch von dem Ernste der Stunde durchdrungen, sind alle der Ec- stellungsordre gefolgt. Das deutsche Bolk darf die Zuversicht hegen, datz auch die weiteren militärischen Maßnahmen in der gleichen Ordnung und Planmäßigkeit ausgesührt werden. vcr Kailtt ordnrt fiimi alignttrintn öfitu« für Prnikit a'n. Der Kaiser hat an den preußischen Minister der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten folgenden Erlaß gerichtet: „Ich bin gezwungen, zur Abwehr eines durch nichts gerechtfertigten Angriffs das Schwert zu ziehen und mit oller Deutschland zu Gebote stehenden Macht den Kamps um den Bestand des Reiches und unsere nationale Ehre zu führen. Ich habe mich während meiner Regierung ernstlich bemüht, das deutsche Bolk vor Krieg zu bewahren und ihm den Frieden zu erhalten. Auch jetzt ist es mir Eewistenssache gewesen, wenn möglich den Ausbruch des Krieges zu verhüten: aber meine Bemühungen sind vergeblich gewesen. Reinen Gewissens über den Ursprung des Krieges, bin ich der Gerechtigkeit unserer Sache vor Gott gewiß. Schwere Opfer an Gut und Blut wird die dem deutschen Volke durch feindliche Herausforderung ausgedrungene Verteidigung des Ba- terlandes fordern. Aber ich weiß, Latz mein Bolk auch in diesem Kamps mit der gleichen Treue, Einmütigkeit, Opfer- wiüigkeit und Entschtostenheit zu mir steht, wie es in früsie ren schweren Tagen zu meinem in Gott ruhenden Erotzoater gestanden hat. Wie ich von Jugend aus gelernt habe, aus Gott den Herrn meine Zuversicht zu setzen, so empsinde ich in diesen ernsten Tagen das Bedürsnis, vor ihm mich zu beuge» und seine Barmherzigkeit anzuruse». Ich fordere mein Bolk aus, mit mir in gemeinsamer Andacht sich zu vereinigen und mit mir am b. August einen autzerordentlichen allgemeinen Bettag zu begehen. An allen gottesdienstlichen Stätten im Lande versammle sich an diesem Tage mein Volk in ernster Feier zur Anrufung Gottes, datz er mit uns sei und unsere Massen segne. Nach dem Gottesdienst möge dann, wie die dringende Not der Zeit es erfordert, ein jeder zu feiner Arbeit zurückkehren. Ich erwarte, datz alle zuständigen Stellen das zur Ausführung dieses Erlastes Erforderliche unverzüglich anordnen werden. Berlin im Schloß, den 2. August 1914 (gez.) Wilhelm R. (gez.) v. Trott zu Solz. In Uebereinstimmung mit dem Kaiser hat auch der König von Sachsen 'und aller Voraussicht nach auch alle anderen Bun- dessürsten für den 5. Aug. einen Butz- und Bettag angeordnet. Ein Aufruf dkg Krolrhrrms m Hessen. Darmstadt, 3. Aug. Eine Sonderausgabe der „Darmstädter Zeitung" veröffentlicht folgenden Aufruf des Grotzher- zogs Ernst Ludwig: An mein Hestenvolk! Für unser geliebtes Vaterland hat eine ernste Stunde geschlagen. Do» Osten und Westen droht der Feind in einem frevelhaft uns aufgedrungenen Kriege in die Grenzen des Reiches einzudringen. Der Kaiser hat zu den Massen gerufen. Es gilt, die höchsten und heiligsten Güter zu wahren. Ich vertraue aus die alte Hestentreue, die sich in schwerer Zeit stets bewährt hat. Ich hoffe, datz mein Bolk die großen Opfer an Gut und Blut freudig bringen wird, die jetzt von ihm gefordert werden. Meine innigsten Wünsche begleiten meine Hessen, die berufen sind, mit den Waffen in der Hand für Kaiser und Reich zu streiten. Wem es aber nicht beschie- den ist, ins Feld zu ziehen, der erfülle zu seinem Teil die gro- tze» Aufgaben, die den in der Heimat Bleibenden obliegen. Gottes Segen begleite unsere tapferen Streiter und bewahre unser teures Laterland. Ein Manifest des Königs von Württemberg. Stuttgart, 3. Aug. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht in einer Sonderausgabe folgendes Manifest des Königs: An mein Volk! An mein Volk wende ich mich mit wärmster landesväterlicher Teilnahme, innig an jeden treuen Sohn des Landes. Insbesondere erflehe ich Gottes Segen für unser teures deutsches Vaterland und unser heißgeliebtes Württemberg. Für die deutsche Nation gilt-es, gegen die haßerfüllten Feinde des Vaterlandes aufzustehen und in den ihr ausgezwungenen Kampf um die höchsten Güter einzutreten. Begeistert folgen auch wir Wllrttemberger dem Rufe des Kaisers. Mehr als je leitet uns der heimatliche, so oft bewährte Wahrspruch: Furchtlos und treu! Große Opfer müsten in der bevorstehenden schweren Zeit gebracht werden. Mächtige Feinde greifen unsere friedliche Arbeit, unsere Unabhängigkeit, unsere Ehre an. Aber ich vertraue zuversichtlich auf den guten Geist meines Volles, das in Entschlostenheit und Hingebung hinter seinen Vruderstämmen nicht zurückbleibe» wird. Schreiten wir mit Mut und Kraft der Zukunft entgegen. Der allmächtige Gott wird unsere gerechte Sache schützen. Abbruch der diplomatischen Be zichnngen zu Frankreich. Berlin, 3. Aug. (Amtliche Meldung). Bisher haben deutsche Truppen dem erteilten Befehle aemätz, die französische Grenze nicht überschritten. Dagegen greifen seit gestern französische Truppen ohne Kriegserllärung unsere Grenzposten an. Sie haben, obwohl uns die französische Regierung noch vor wenigen Tagen die Innehaltung einer unbesetzten Zone von 10 Kilometern zugesagt hat, an verschiedenen Stelleir die deutsche Grenze überschritte». Französisische Kompagnien halte» seit gestern Rächt deutsche Ortschajten besetzt. Bonibenwerfende Flieger kommen seit gestern nach Baden, Bayern und unter Verletzung der belgische» Neutralität über belgisches Gebiet nach der Rheinprovinz, und versuchen, unsere Bahnen zu zerstören. Frankreich hat damit den Angriff gegen uns eröffnet und den Kriegszustand hergestellt. Die Reichssicherheit zwingt uns zu Eegenmatznahmen. Seine Majestät der Kaiser hat die erjorderlichen Befehle erteilt. Der deutsche Botschaster in Paris ist angewiesen worden, seine Pässe zu fordern. ilrnfmlitätabnuf) krdj Frankreich. Berlin, 3. Aug. Während sich »och kein deutscher Sol dat aus französischem Boden besindet, haben »ach anrttiehe» Mekdnnge» die Franzosen vor der Kriegserklärung kompagnie weife die deutsche Grenze überschritten und die Ortschnstei, Gottesthal, Metzeral, Markirch und Schluchtpatz besetzt. Ferner ist ein Reutralitätsbruch dadurch begangen worden, daß Iran zösijche Flieger in großer Anzahl über Belgien und Holland nach Deutschland geflogen sind. Feindliche Flieger. Der militärische Mitarbeiter der „Franks. Ztg." schreibt: Die Versuche französische Flieger, durch Abwerjen von Sprenggeschosien Bahnlinien und Brückenkörper zu zerstören, haben bis jetzt mit einem Fiasko geendet, und es ist auch nicht anzunehmen, datz — Zufälle natürlich ausgenommen — auf diesem Wege viel Schaden angerichtet werde» kan». Die Gründe hierfür sind folgende: Zunächst mutz der Flieger, um einen solchen Borstotz zu unternehmen, für diese längere Fahrt eine ganze Menge Betriebsstoff mitnehmen, ist also in der Mitfiihrung von Sprenggeschosien ziemlich beschränkt. Will er NU» seinen Anschlag bei Tage aussühren, so kann er nicht zu tief herabgehen, da er ja sonst bei der militärischen Besetzung aller Brücken abgeschosien werden kann. Je höher er aber in dem Augenblick der Auslösung des Sprenggeschosies ist, desto geringer wird auch die Treffwahrscheinlichkeit, da ja die gewöhnliche Fallstreuung noch durch die Verschiebung des Aus- lösnngspunkles infolge der Eigengeschwindigkeit des Flugzeuges vergröbert wird. Versucht er in dunkler Nacht seine Aufgabe durchzusühren. so vermindert die Dunkelheit, auch wenn er mit Scheinwerfer arbeitet, bedeutet das ruhige Zielen. Wer viel Automobil gefahren ist, der weiß auch, wie das Licht der Scheinwerfer die Umrisie verzerrt und verändert. Selbst wenn er daher »ersuchen sollte, im Schutze der Dunkelheit tiefer herunterzugehen und, um ein möglichst ruhiges Zielen herbeizusühren, das Ziel- objek! im Eleitsluge mit abgestelltem Motor zu passieren, ist also die Treffwahrscheinlichkeit eine recht geringe. Hierzu kommt noch das Gefühl der Nervosität, das wohl auch den mutigsten Flieger befällt, wenn er jeden Augenblick damit rechnen muß, aageschosien zu werden. Natürlich wird das Feuer bei Nacht gegen ein Flugzeug ebenfalls nicht gerade von großer Wirkung sein. Ci» russischer Flieger in Krakau heruntergeschossen. Wien, 3. Aug. In Krakau wurde ein russstckzer flu ger von den Lesterreichern gesichtet und im richtigen Vc- ment von den Truppen heruntergeschossen. Italiens .Haltung. Nom, 3. Ang. Die „Tribuna" nieldet: Gestern niittig begab sich der deutsche Botschaster in die Eonsulta und teilte dein Minister des Aeutzern anitlich mit, daß Deut'chland u. Rußland sich im Kriegszustand befänden. Di San Giulia- no nahni von der Mitteilung Kenntnis und erklärte, das; Italien gemäß dem Geiste und dem Wortlaute des Trei- bundvertrages Neutralität beobachten werde. Er b'iic'tc dabei die freundlichsten Gefühle für Deutschland und Oesterreich aus. Der Botschafter machte keine Mitteilung, übel die gegenwärtigen dentschfranzösifchen Beziehungen. Schwedens Mobilmachung. Stockholm, 3. Ang. Ter König hat zum Schutze 1 f Neutralität die Mobilisierung a,»geordnet, l) für die N - ferne und die Territorialarmee an den Küsten des Köni z: - reichs, 2) für die Streitlräfte der Insel Gothland, 3. für di Krieg-Personen der Festungen, sowie die vorzeitige Einb: rufung der Rekruten, die sich erst im nächsten Monat Hütte, stellen müssen. Noch keine Gewißheit über Japan. Berlin, 3. Aug. Infolge des in den Abendstunden enb item beiten bisher noch unbestätigten Gerüchtes -r-apan ..woi- lisiere aeaen Rußland, ietzie lick, eine ungeheure Menioen- Sit. 180 Veite 2. Honfl« in Bewegung und zog vor das am Königsplah geleg- me Botscksafterpalais, wo sie während mehrerer Stunden immer wieder begeisterte Hochrufe auf Japan, Deutschland und den Dreibund ausbrachte. Der Botschafter befindet sich zur Zeit im Urlaub in Tokio. Sein Vertreter erklärte :inem Berichterstatter des „Lok.-Anz.", er habe noch kein Telegramm aus Japan empfange». und könne das Gerücht weder bestätigen noch ableugnen. Noch ein Wortvrnch des Zaren. Am 31. Juli lichtete der Zar an den Kaiser jolgendes Telegramm: „Ich danke Dir von Herzen für die Vermittlung, die die Hoffnung aufleuchten lägt, daß noch alles friedlich enden könnte. Es ist technisch unmöglich, unsere militärischen Vorbereitungen cinzustellen, die durch Oesterreichs Mobilisierung notwendig geworden sind. Wir sind weit davon entsernt, Krieg zu wünschen. Solange die Verhandlungen mit Oesterreich über Serbien andauern, werden meine Truppen keine herausfordernde Aktion unternehmen. Ich gebe Dir mein feierliches Wort daraus. Ich vertraue mit aller Kraft auf Gottes Gnade und hoffe aus den Erfolg Deiner Vermittlung in Wien für die Wohlsahrt unserer Länder und den Frieden Europas. Dein Dir herzlich ergebener Nikolaus." Daß dies wiederum ein Bruch des Ehrenwortes bedeutet, darüber wundert sich nachgerade Niemand mehr. Auf einen Wortbruch mehr oder wenige: kommt cs dem Herrscher aller Reußen nicht an. Russische Kriegsmaßnahmen. Ter Gencraliffiuius drr Nüssen. Petersburg, 3. Aug. Ter Großfürst Nikolos Nikolajc- tvitsch wurde zum Generalissimus der rusfisel)en Streikt.äste ernannt. Dieser -Großfürst ist das Haupt der Deutsmen- hasser in Rußland. Dkiiijlht (lchlge an kr Myrme. Deutsche Truppen besetzen Italisch Berlin, 3. Aug. (Amtliches Telegramm). Das l. Bar taillon des Infanterieregiments Nr. 135 sBataillonsgarnifon Oftrowo) mit der Mafchinengcwehrkompagnie und das Ulancn- regimcnt Nr. 1 (Oftrowo und Militfch) sind heute morgen in Kakifch eingerückt. Berlin, 3. August. Die deutsche» Grcnztruppen bei Lublinitz nahmen heute Vormittag nach kurzem Gefecht Tschen- stochau. Auch Bcndzin und Kali sch wurden von deutschen Truppen besetzt. Artilleriegesechte. A l l e n st e i n . Aug. Bisher haben im allgemeinen nur kleinere Artilleriegesechte s'attgcfunden. An die dniiichk I»M! Deutsche Jugend! Eure Väter, Eure Brüder ziehen Ins Held! Sie schützen die dentiche Heimat und die deutsche Ehre. Noch ist Euer Körper den ungchrnrc» Anstrengungen eines Feldzuges nicht gewachsen, aber Eure Seele glüht im Angedenken aller glorreichen Helden der Tat und der Selbstaufopferung, die dem Schatze der Nation cntsprosien sind in den Jahrhunderten und bis in diese entscheidende Stunde. Und Ihr habt Eure Muskeln geschmcidigt und gestählt auf dem Turnplatz, im Spiel, im Wandern, im Sport. Euer Herz brennt, auch Euern Leib und Euern Geis! dem Dienste des Vaterlandes zu weihen. Das Baterland braucht Eure Krast! Die Schlagscrtigkcit unseres Heeres und die Möglichkeit, den Kampf bis zum siegreichen Ende dnrchznsühren. hängt vor rllem davon ab. datz Deutschland sich selber ernährt Eure erste Ausgabe ist z« lösen! Ihr habt aus Euren Wanderungen durch die Felder der Heimat gesehen, daß in diesem Jahre die Saat herrlich ausge- schosicn ist. Eben soll die Ernte eingcbracht werden, aber die rüstigsten einheimischen Arme werden in diesem Augenblick der Landwirtschaft entrisien und Tausende fremder Landarbeiter nah in ihre Heimat zurüäberuscn. Mit bangem Zweifel fragen die Landwirte: Wer soll die Ernte einbringen? Gebt ihnen die Antwort' Wir werden Euch helfe»! Keine Aehre, kein Halm, keine Kartossel, kein Apfel dieser Ernte soll Deutschland verloren gehen! Kein Rind, lein Schwein, kein Huhn soll voreilig geschlachtet werden, weil Ihr die Arbeit nicht mehr bewältigen könnt! Deutsche Jugend! Wenn Ihr diese Arbeit mit Gewissenhaftigkeit und Ernst verritchet. dürft Ihr stolz sein in dem Be- wutztsein: Auch ich leiste Deutschland einen unersetzlichen Dienst auch ich kämpse mit zur Rettung und zum Sieg des Vaterlandes. Hinweg von der Stratzc, auf zur Arbeit! Frankfurt, 2. August 1914. Prosesior 35t. Paul Eollischoni llrrtino nn-Lüdicke, Präsident der Landwirtschastskammer für de» Regierungsbezirk Wiesbaden. Kgl. Landcsölonomierat. Studenten, auf zue Erntesrbrit! Das Sekretariat Sozialer Studenlcnarbeit i, da, Ansturm Einhalt z» tun. indem inan die EiniSsungSpfiicht der Rrichsbank aus Zeit oiishöbe, wie dies bereits im Jahre 1870 in Frankreich der Fan war. Ter Wert der Restasbank- note'. rde auch dann nicht ini inindesten herabgesetzt werden, und c.HL- Hundertniarknote würde z. B. stets den Wert voc: 100 Mark behalten. Man kann sich die? nicht genug ,-in- präge» und sollte sich sehr hüten, sich vo» gewissenlosen Betrüger» oder unwissenden TiiinniTöpfcn das Gegen« .-it mit. schwätzen z» lassen. Wie uns ans Straßbnrg miigciejlt wird, haben sich dnrt bereits Schwindler beniüht, sich in d»„ Besitz von Reichsbanknoten „nd Sparkassenbüchern untc» deren Wert zu bringen. Ueber die Sicherheit der Sparkassen- bücher brachten wir bereits schon Ausführungen, bezgl. der Banknoten sei nochmals wiederholt: sie haben ihren Nenn- wert und behalten ihn auf irden Fall. Es hieße nur, die de- stehenden Schwierigkeiten und Verwirrungen erhöhen, wenn man dies nicht stets vor Augen behalten wollte. Stimmung in Paris. Leber die Stimmung in Paris schreibt ein junger I>< Paris bcsindlicchr Eichener: „Der Deulschenhatz ist hier der Jnbe- grifs alles politischen Dcnlens. Man hofft mit russisch-r Hilse Deutschland klein zu machen und ihm Elsaß-Lothringen wieder zu entreißen. Datz ich englisch spreche, kam mir in manchen Fällen schon zu statten und schützte mich vor tätlichen Beleidigungen. Als die Kriegserklärung Oesterreichs an Serbien hier bekannt wurde, ging ich gerade mit einer dänischen Familie über den großen Boulevard. Plötzlich kam eine große Menschenmenge angerückt, meistens Pariser Janhagel, schmiß alle auf den Trottoirs befindlichen Restaurationstische um und schlug in den deutschen und österreichischen Loses alles kurz und klein. Wir flüchteten in einen Torbogen, während auf der Straße der wüsteste Tumult und Schlägereien staitsande». Schließlich mußte Polizei und zum Schluffe auch Militär eingreise». Ueber 490 Verhaftungen wurden vorgenommen. Als wir später die Straße wieder betraten, war alles bejät mit zerbrochenen Spazierstöckcn, Stroh-, Filz- und Zplinderhütsn. Ganz Paris befindet sich in einem wilden Taumel und leidet an Größenwahn. Sie nennen Paris die Stadt der Welt, dabei sind die meisten Straßen hier in viel schlechterem Zustande als in Gießen und die Beleuchtung ist teilweise schlechter wie in Heuchelhcim. Jeder der gegen Deutschland brama- barsiert gilt als Held und großer Franzose. Den durchgebrannten Zeichner Hansi, der Männchen unb Karrikaturen zeichnen kann, feiern selbst die größten Zeitungen als den graut artist, den großen Künstler. Gestern abend waren nun größere Dorkehrungcn getroffen. Ein großes Polizeiaufgebot besetzte die Boulevards, die Nebenstraßen waren gesperrt durch nieh. rere Kompagnien Fußsoldaten und vor dem Cafe „Bicnuvis" hielt elne Ableitung Kavallerie. Die Ruhe hielt so einige Zeit a», um 11 Uhr ging aber der allgemeine Spektakel wieder los und wiederum mußte das Militär die Straßen säubern. Auch an der Börse haben sie sich halb tot geschlagen, so daß Polizei einschreiten mußte. Alle Eisenbahnbrücken sind militärisch besetzt." Ermordung Laillaux! Einer unbestätigten Meldung zufolge soll der ehemalige Minister Eaillaux und seine Frau von dem Sohn des Lhef- redakteurr Palmettr erschaffen worden sein. Bekanntlich hafte Frau Laillavr Palmette erschaffen und war sreigesprochen worden ZUM 2. August 1914. Nun Deutschland, trete auf den Plan, Nachdem du alles hast getan De» Kriegszustand zu meiden. Zeig' deinen Feinden, wie du jetzt, Da man hat dein Gefühl verletzt — Zu kämpfen weißt — zu streiten. — Noch Ost und West schick' deine Macht. Um treulich dort zu halten Wacht, Den deutschen Herd zu schützen. — Und jeder brave deutsche Sohn Find't darin seinen schönsten Lohn Dem Vaterland zu nützen. Und wenn auch vieles teu'res Blut — Als Saat — der Kämpfer, die voll Ni t Hinsiechend, wird wohl fließen: Dann mag es die Devise sein: Lieb Vaterland sck>a»' froh darein — Die Saat wird herrlich sprießen. Vom Himmel sehlt der Segen nicht. Verklärt, die Hcldenschar im Licht, Wird für die Söhne beten. — Wie sie vor vierundvierzig Jahr', So wird auch jetzt der deutsckie Aar Als Sieger heimwärts treten. H. Staubach- Aus drr Heimat. • Friedbcrg. 4. August. Der Postverkchr zwischen Deutsch« land und Rußland sowie Frankreich ist gänzlich eingestellt und findet auch auf dem Wege über andere Länder nicht mehr statt. Es werden daher keinerlei Postsendungen nach den angegebenen fremden Ländern mehr angenommen, bereits vorliegende oder durch die Briefkasten zur Einlieserung gelangende Sendungen werden den Absendern zurückgcgeben. Die private Telegraphen- und Fernsprechverkehr zu und von diesen Ländern ist cbcnsalls eingestellt. * Frcedbero, 4. Aug. Wegen der «ingetreienen erheblichen Pcisvnalvcräenderung könne» die Briefkastenleerungen nicht mehr wie seither ausrccht erhalten werde». Die Brieslästen werden bis ans weiteres geleert in den Zeiten G'A—VA Ilyr Bonn. 1—2 Uhr Nachm.. 6—7 Nachm, und 8—9 Uhr Nachmitt. Die Angaben i» den Brieskostcnuhren entsprechen nur a u - nähecnd den tatsächlichen Leerungen. Es cmpsiehlt sich, wichtige und eilige Briefe durch die Brieslästen des Postamts aujzuliejer». * Gießen, 3. August. Die auf den gestrigen Som.stig einberusene Stadtverordnetcnversamlung bewilligte 50000 Mark zur Bekämpfung des eingetretenen Notstandes, insbesondere dient der Betrag zur Unterstützung der städtischen Bedienstete» lind Arbeiter. srr. 180 yitttt iogeßjtiUog. Di«n»rag, Mn 1. tMguft mit Teile 3. * Eichen, 4 . Aug. Der hier wohnhafte und vor einigen Jahren nach Berlin verzogen- Karl Eerbode, der ein b»drn> te^ -es Cigarren- und Ligaretten-engros-EeschSft betreibt, hat in Wannsee Eist genommen und sich ins Wasser gestürzt. Der Grund der Tat ist unbekannt. * Eichen, 4. August. Mit einem schlecht klingenden Anale unsere, so schön oerlausene Eewerbeausstellung geendet. e er Restaurationspächter derselben, ein Herr Kemper aus dem Rheinland, der es während der ganzen Dauer der Ausstellung - schön verstanden hat, durch immer neue Attraktionen da» Publikum in Massen anzuziehen, und die Geschäftsleute der Stadt brach zu legen, hat Samstag Abend seinen Konkurs an geiucldet und das Weite gesucht. * ©itfitn, 4. August. Nach langem Hoffen und Harren dmrde endlich am Samstag nachmittag nach 6 llhr am Hauptpostamt die Bekanntmachung der Mobilisation des deutschen Heeres angeschlagen. Wie ein Lausscur verbreitete sich die Nachricht in der Stadt. So sind denn die lange geschüttelten Würfel endlich gesallen und das Vorspiel zu einem Drama ringclcitet ,wie die Welt noch kein zweites gesehen hat. Tie formelle Kriegserklärung glaubte man noch erwarten zu müssen, doch Sonntag vormittag lies schon die Nachricht ein, dßa deutsche Grenzwachen von russischen Soldaten beschaffen und russische Artillerie und Kosaken bereits die Grenze überschritten hätten . Somit ist der Krieg eröffnet und, da auch Frankreich Mobilmachungsordre für fein ganzes Heer rrlas- sen hat, das deutsche Reich genötigt, den Kampf gegen beide Gegner zugleich auszunehmcn. Doch, Gottlob, der Furur teutonikuS ist wieder erwacht und deutscher Heldengeist noch nicht verschwunden. Mehr Freiwillige haben sich hier gemeldet, als vorerst eingestcllt werden können und massenhaft melden sich Frauen und Mädchen zum roten Kreuz. Jeder Deutsche ist sich heute bewußt, daß es um unsere heiligstten Güter geht, daß Sein oder Nichtsein die große Frage ist um die der kommende Kampf sich dreht und daß es Dcutichland Feinde auf seine Vernichtung abgesehen haben. Daruin die Einmütigkeit, die kein Leben und Zagen aufkommen läßt und unsere Soldaten mit frohenr Wagemut erfüllt. Die denkwürdigen Worte Fürst Bismarcks vom 6. Februar 1888: „Wer es trotzdem tvagt, uns oder unsere gutes deutsches Recht anzutasten, der soll auch die deutsche Nation gelvapp- net finden und den letzten Wehrmonn mit dem festen Glauben »n Herzen „Gott mit uns", sie gehen heute, in der Stunde der Gefahr, in Erfüllung Und getrosten Mute? soll auch heute, wie 1870 dem deutschen Volke die Mahnung klingen: Auf, Deutschland aufl Und Gott mit Dil Ins Feld, der Würfel klirrt. Wohl schnürts die Brust uns, denken wir Des Bluts, das fließen wird. Dennoch das Auge kühn empor, Tenn siegen wirst du ja, Groß, herrlich frei wie nie zuvor Hurra Germania I » Franksurt a. M., 4. Aug. Am Bootshaus „Friede /kürzte sich am Sonntag Abend der 50jährige Taglöhner Gustav Lausei in den Main nud ertrank, ehe ihm Silke gebraibt p,er<, den konnte. — V — - — —* An unsere Leser! In den nächsten Tagen wird unsere Zeitung nicht immer regelmäßig den Beziehern zugestellt werden können. Wohl sind wir zur gewohnten Stunde fertig, aber die Eisenbahn steht in dieser Woche nur in Diensten des Vaterlandes. Die Züge, die dem Personenverkehr dienen, werden auf das Mindestmaß zurückgeführt und unsere Boten werden nicht pünktlich die Zeitung abliefern können. Wir werden alles tun, um die Zustellung so frühzeitig. wie nur möglich, zu bewerkstelligen. Aber wir bitten um Rücksicht, wenn eine Verzögerung eintritt. Auch wenn die Postbe- stellungen nicht regelmäßig eintreffen, spare man mit Vorwürfen, denn auch die Beamten der Post haben eben wahrlich einen schweren Dienst und man möge alles tun, ihn zu erleichtern. Da auch ein Teil unseres Personals seine Pflicht dem Vaterland erfüllt, und da außerdem in den nächsten Tagen Depeschen und Nachrichten kaum zugängig sind, so wolle man auch in den Kauf nehmen, wenn hier und da der Inhalt unserer Zeitung etwas geringer werden sollte. Drr pldjtnniejtort. Nach einer Bekanntmachung der Eisenbahndirektion erfolgt vom dritten Mobilmachungsplan, also von Dienstag den 4. August ab, die Beförderung der Milch und der Rücktransport von leeren Kannen ausschließlich durch die Militärlokalzllge und zwar nach folgendem Fahrplan: Für die Beförderung der vollen Kannen ------- .----- Dm. 5.00 Ankunft 1.38 Abds. Bebra-Frankfurt (Hbf.) Eießen-Fränksurt (Hbf.) Bad-Homburg Frankfurt lHbs) Niedernhausen Franksurt lHbs.) Eoldstein-Frankfurt (Hbs.) Hanau-OsI-Frankfurt-Ost Frtedberg-lHessen j-Hanau-Ost Niederwalgern-Eießen Büdingen-Gießen Vm. 11.00 ., 6.54 Abds. 6.54 'Jim. 5.00 Vm. 3.56 Vm, 8J4 Abds. 8.34 Vm. 3.18 Abds. 8.48 Abds. 5.44 Nachm. 3.40 Für die Rückbeförderung der leeren Kannen 7.38 10.22 Bin. 10.22 Abds. 6.02 Abds. 5.34 Vm. 8.50 Vm. 8.50 'Abds. 4.05 Vm. 10.10 Abds. 6.36 Abds. 7.13 Abds. Frankfurt (Hbf.)-Bebra Aankfurt-(Hbf.)-Eleß«n Frankfurt (Hbf.)-Vad-Homburg Frankfurt (Hbf.).Niedemhausen Franhurt lHbs.i-Eoldstein Frankiurl-Oil Hanau-Oft Abds. 8.32 Ankunft 5.24 Vm. Jim. L32 Nm. 1.14 Abds. 6.14 Nm. 3.54 Vm. 5.48 Nm. 5.48 Vm. 7.46 Vm. 11.40 112-4 Abds. 4Lg Nm. 9.29 Abds. 5.09 Nm. 7.34 Dm. 7.34 Abds. 8.02 Vm. 12.35 Nm. Erna und Ilse. Roman von D. Feußner. 19 (Fortsetzung). Und das ist hoffnungsvolle Liebe nicht der Faktor, der in dieser Beziehung eine große Rolle spielt. Dem ol-ersläch- lichcn Gemüt, den, kleinen Geist fällt das Entsagen Wohl nicht — doch das Vergcss--n vielleichter, als dem großen tief und wahr Empjindendcn. Das große, reiche Herz gibt, was cs besitzt, nur einmal, und wird es zurückgewiescn, so verschließt es seinen eigenen Reichtum in sich selbst, um denselben nie wieder einem an- deren Wesen anzubieten, denn nichts deucht ihm gu! genug und nichts an Größe und Schönheit heranreichend an sein verlorenes Ideal. Es sieht nicht ein, daß Natur oder sagen wir besser, ein gut Geschick es so gewollt, denn nicht immer hängt von der Liebe und der Bewahrheitung der schönsten Träume eines großen Herzens, dessen Glück ab. — Wie oft lverden lvir gerade durch die (Erfüllung unserer 88ün^che enttäuscht, unglücklich, und wie ots wird uns, durch eine unvermeidliche Enttäuschung das Glück bereitet. Alles dieses ging vor dem erregten Geiste Roderichs vorüber und er wollte tun, was ihm die Vernunft zu gebic- ieii schien und von der Zuvnft hoffen, was ihm die Gegenwart versagte, d. li. er wollte nicht starrköpfig aus seine Wünsche in dieser Angelegenheit bestehen, sondern mit offc- ncu Augen sein Lcbensschifflcin der Zukunft entgegentreiben lasse». Er sah nach der llhr. ,Sck>on jo spät?" muuuelten seine Lippen. Ich muß an den Heimweg denken, sonst kann ich meinem Versprechen, die Pferde des Herrn Ruth zu untersuchen, nicht Nachkommen." Hastig sprang er auf und ging quer durch den Wald dem Hauptweg zu. Bald sah er das. wie Silber schimmernde Niveau des Flusses durch die Bäume blitzen. Ein kleiner Dampfer ficht auf dcinfclbcn stromabwärts. Als er aus dem Walde trat, bemerkte er ein Gefährt, das in kurzem Trabe auf ihn zukam. Soviel er wegen der immerhin noch beträchtlichen Entfernung erkennen konnte, befanden sich auf dem Wagen mit dem Kutscher drei Personen, darunter ein« Danie- Eben begegneten sich die beiden Fahrzeuge und Rodcrich sah, daß der Herr in dem Wogen stand, um den Kutscher zu helfen, die unruhig gewordenen Pferde znbondioen Da, in diesem Moment ertönte die Dampfpseife des Schiffes. Dieses war für die muttgen Pferde des Urcheim- lichen doch zuviel. Denn wie ein Unwetter rasten sie davon, gerade auf Roderich zu. Alles Halten war umsonst, ja, jemehr sic die Zügelsaust fühlten, desto wilder stürinten sie vorwärts. „Ol Ol" rief Roderich jetzt, denn er sah, den Wagen einen Moment auf einer Seite schweben und glaubte nicht anders, als daß er umfallen würde, und seine Insassen in den Fluß schütten werde. Und wirNich ward der Herr, welcher im Wagen stand, hcrausgefchleudert und blieb dicht am Ufer regungslos liegen. Aber der Wagen fand sein Gleichgewicht wieder, und weiter ging die tolle Fahrt, immer noch den Damniwcg innc- haltend. Roderich vergaß mit einem Schlage alles, tvas ihn bis dahin beschäftigte und schnell erfaßte er die Initiative. Hier mußte er cingrcifcn, zum zweitennial sein Leben wagen, uni das andere zu retten. Er stellte sich an die Flußseite des Weges, um die Tiere nicht zu veranlaßen, vor ihm rechts um und in den Fluß zu rennen. — Daß ein Fehlgrift seinerseits den Tod bedeuten könnte, daran dachte er in diesem Augenblicke nicht, überlegte auch nicht erst, ob sein Versuch Tollkühnheit oder edler Mannesmut sei. Hetzt waren die Pferde schon dicht vor ihm. Dir nervigen Arme zum lebenrrUrnden oder totbringenden Griff« bereit, erwartete sie der zunge mutige Mann u. erfaßte dann als sie an ihm vorbei wollten, mit glücklichem Griff den Zügel des Handpferde?. Hotz erhob das Tier den Kopf, um den Mann von sich abzuichütteln: aber Roderichs Eiscnfaust hielt fest und ließ auch nicht loS, als er mit ftirchtborer Gewalt eine Strecke niit- gefchleift wurde. — Nach und nach sahen die Pferde doch cin, daß sie ihren Meister gefunden hatten, denn allmählich wurde ihre Gang- ort kürzer, bis sie endlich still standen an der Stelle, wo der Weg in den Wald einbiegt. Roderich beruhigte die noch immer aufgeregten Tiere, indem er einem nach dem anderen den Hals klopfte, dann übergab er sie dem kreideweißen Kutscher und wandie sich mit der Frage an die junge Dame: „Ist Ihnen etwa» passiert," „Mir Gott sei Dank niM", sagte diese mit bebender Stimme — „aber mein Vater — «, mein Vater, er ist aus dem Wage« gefallen und — wer weiß — vielleicht cü " r — ich kann eS nickt onSdenken " Hanau-Ost-Friedbeig Nm. 12.46 ,. 2.12 Nm. Eießen-Rtedernwalgem Nm. 4.41 „ 5.28 Nm. Eießen-Büdingen Nm. 12.35 „ 3.26 Nm. Der neue Fahrplan der Eisenbahn. Ab 4. August verkehren bis auf weiteres nach und vom Hanptbahnhofe Frankfurt nur folgende Züge (Personenzüge mft 2 .- 4 . Klasse): Franksurt—«ebra : ab 12.32 nachts. 2.32, 8.32, 12.32 2.32. 8.32. Bebra—Franksurt: ab 2.00 nachts, 5 00. 1100, 2.00, 5.00, 11.00. Franksurt—Marburg: ab 1.14 nachts, 6.14, 1.14, 6.14 Marburg-Frankfurt: ab 12.16 nachts, 5.16, 12.18, 5.16 Franksurt—Homburg—Usingen: ab 8.54 vorm., 3.54, 8.54. Usingen-Homburg—Franksurt: ab 2.40 nachts. 12.00, 5-20. Franksurt—Limburg : ab 5.48 früh, 5.48 nachm. Limburg—Frankfurt: ab 5.34 früh, 5.34 nachm. Frankfurt—Kastei : ab 6.36, 10.36, 6.36, 10.36. Kastel—Frankfurt : ab 5.50, 11.50, 5.50, 11.50. Franksurt—Cronberg : ab 8.54 ftiih, 8.54 nachm. Eronberg —Frankfurt: ab 4.59 früh, 6.19 nachm. Frankfurt—Heidelberg : ab 3.4, 7.4, (Darmsladti 8.24, 11.4, 3.4, 11.4 Heidelberg—Frankfurt : ab 1.10 nachts, 5.10, 7.40. 1.10, 8.28, (ab Darmstadt) 7.40. Frankfurt—Niederlahnstcin : ab 6.36, 10.56, 6.36 10.56. Niederlahnstein—Franksurt: ab 5.51, 11.51, 5.51, 11.51. Die Züge halten aus allen Zwischenstationcn an « Frankfurter Wetterbericht. voraursag«: Bewölkt, zeitweise Regensauer, war: -. Wirde aus westlichen Richtungen. Gedenktage. 4. August. 1870 Schlacht bei Weißcnbnrg. — )v,"7 li' marsckiall v. Steinmetz t. — 1895 Jubelfeier z. 2nu» brücken. — 1903 Pius X. zum Papst erwählt. — 1998 Zeppelins große Fahrt. Kirchliche Anzeigen. Katholische Gcmcinrc. Aus Anlaß der Kriegsbedrängnis werden bis auf weite- res an allen Mittwochen und Freitagen Abends 8>/j llhr in der Katholischen Pfarrkircl^ Buß- und Bittandachten vor ausgesctztem Allcrheiligsten stattsindcn. N ä ch sl c Woche sollen diese Andachten an drei aufeinanderfolgenden Togen Mittwoch, Donnerstag und Freitag sein, woran sich dann am Feste Mariä Himmelfahrt. Samstag, den 15. oder den darauffolgenden Sonntag eine allgemeine Kommunion an- schließen soll. Verantwortlich für den politischen Teil: Otto H irs cbe I. Friedberg: für den lokalen und unlerhaliendcn Teil- Bernhard Lenz, Fricdberg; für den Anzcigenlcil: Karl Schmidt, Friedberg. Druck und Verlag der „Reuen Tage?. ^^^^^^eitungH^^G^riedberg^^^^^ „Wir wollen umdrehcn und zurückfahrcn, diellciwl ist noch alles gut abgelaufen." Roderich tvar beim Absteigen behilflich »nd ließ daraus den Kutscher umdrehcn, um nach der Unglücksstätte zu fahren. Schon sahen sic den Verunglückten liegen »nd Hoffnung belebte das Herz der Tochter, denn derselbe machte eben, den Versuch auszustchen, sank aber sofort wieder zusamuic::. Roderich lief zuletzt schneller voran und war in wenigen Minuten bei dem daliegenden Mann. »Ist Ihnen etwas passiert?" fragte er mitleidsvoll. „Ich habe wahrscheinlich das rechte Bein gebrochen" stöhnte er. „Vater, Vater, ist Dir etwas passiert? Kannst Du nicht aufstehen?" rief Ilse — denn so hieß die Danie — schon von weitem. „Ich glaube ja, aber hosfentlich ist es nicht so schlimm, nur im rechten Bein habe ich Schmerzen." „Können Sie wohl auf Ihren! Wagen nach Hause fahren, oder soll ich einen Krankenwagen holen?" fragte Roderich. _ „Wenn Sie so liebenswürdig sein wollen, mir auf meinen Wagen zu belfen, hoffe ich die Fahrt nach Hause aushel ten zu können." „Gewiß, gewiß!" Die beiden Männer erfaßten jetzt den Verwundeten uni hoben ihn behutsam auf den Wagen, dann stiegen Ilse »nt Roderich ebenfalls ein — der letztere wollte das 'Mädchen mit ihrem Vater nicht allein lassen, weil er befürchtete, derselbe könne unterwegs ohnmächtig werden — und das Geführt fuhr langsam der Stadt zu. - ! ;- ; iV „Darf ich fragen, wer mein liebenswürdiger Helfer ist?" fragte der Kranke. „Roßarzt Tietze!" war die Antwort „Ei, nun, wie sich das trifft. Ich hatte Sic durch einen meiner Knechte gebeten, noch heute bei mir vor zu sprechen, da ich verschiedene Pferde nicht recht intakt habe, und nun erstreckt sich Ihre Hilfeleistung zuerst auf mich selbst." „Also Herr Rittergutsbesitzer Ruth", eutgegncte er. „Wiewohl es mich freut, Sic kennen zu lernen, bedauere ich doch tief, daß es unter diesen Umständen geschickt." Der Kranke schwieg, kenn man sah. daß ihm das Sprechen schwer siel, und Roderich fand Zeit, die beiden Insassen des Wagens unauffällig zu mustern. (Fortsetzung folgt.) Ar. 180 Neue Tageszeitung. Dzenstag, »en ». Aiigult 1914. Seite 4. Gedenke, daß Du Deutscher bist! Besinnet Euch in diesen schweren Stunden auf diesen Spruch. Traget den Kopf hoch und zeigt die kühle Besonnenheit, die dem -Deutschen ziemt. Erschweret Niemand durch ««besonnenes Handeln die ohnehin schon schwierige Lage. Ech»n mehrfach haben wir darauf hingewiesen, dag es den öffentlichen Kredit mindern heißt. wenn nunmehr Gelder in grösserem Maße an Kassen und Banken abgehoben würden. lasset dort Euer Geld, wo Ihr es vordem sicher wähntet! Ts ist dort so sicher wie vorher. Dann begehe man nicht die Torheit und weise Papiergeld zurück, dessen Wert gesichert ist und volle Kaufkraft auch in Zukunft behält. Auf der anderen Seite möge man auch den Geschäftsleuten nicht den guten Willen unmöglich machen und alle kleinen Einkäufe mit größeren Geldscheinen zn begleichen suchen. In diesem Falle sind die Geschäftsleute einfach vor die Unmöglichkeit gestellt, die Scheine anzunehmen, da cs ihnen an Wechselgeld fehlt. Auch müssen die öffentlichen Kaffen mit gutem Beispiel vorangehen und nicht, wie es von der Eisenbahn vielfach gesagt wird, Papiergeld zurückzuweisen. In der jetzigen Zeit sollte jeder, der es nur irgend ermöglichen kann, seine Einkäufe gegen bar betätigen ; denn die Geschäftsleute erhalten eben ihre Waren nur gegen Borausbezahlung. Endlich wenden wir uns an die deutsche F r a u. Herrlich strahlt ihr Bild aus vergangenen, großen Tagen zu uns in die Gegenwart. Wir sind gewiß, daß auch unsere Zeit kein schwaches, sondern ein starkes Geschlecht finden werde. Wohl begreifen und würdigen wir den Schmerz, wenn man vom Liebsten, was man hat. muß scheiden. Aber macht nicht über die Maßen dem Mann, der hinaus mutz in den Kamps, das Her; schwer. Bedenkt, wie ihm zu Mute ist, wenn er seine Lieben verlassen muß. Vergrößert nicht durch Euren Schmerz die Stunde des Leides und zeiget Euch in dieser ernste» Zeit als deutsche Frauen! Bekanntmachung. Wir bringen hierdurch zur Kennais, daß unsere Schalter bis auf weiteres nur vormittags von 8—12 Uhr geöffnet sind. ÄchH. Hess. tour. 8 »»i>eÄl»lk Filiale Friedberg. Abonniert und ltlct die Urne TlUlesreituia! Feinet« n. billigste Answahl Sndet man nur im Tapeten- und Linoleumyan» Tspetenreste fn Jeder Zahl. Jean Möller, Fricdäerg, Ein zuverlässiger Lchreibgehilfe sofort gesucht. Wo sagt die Expedition der Neuen Tageszeitung. Eber 3 schöne 8 Monate alt (Edelschwein) nachweislich bester Abstammung, abzugeben- grüdunnnn, Nonnenhof bei Ilbenstadt. Motten! Bcttfrdern werden gereinigt Franz ,\em, Desinfeltor, Friedberg i. H., Mainzertorweg 5 Bestellung durch Postkarte genügt- 'für Ernte empfehle ich meine vorzüglich bewährten öffssiiiiilicr, ßdrci&einälKt u. 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Es ergeht an mich soeben seitens der Proviantämter das Ersuchen, darauf einzuwirken, daß alle Berufsgenosscn ihre verfügbaren Vorräte möglichst nicht an Händler (mit Ausnahme derjenigen Grobkaufleute, welche sich durch 'Vorlage der mit ihnen abgeschlossenen Verträge als Kommissionäre der Militärverwaltung ousweisen) verkaufen, sondern sie unmittelbar dem entsprechenden Proviantamt zufähren, soweit die Transportverhältnisse es irgendwie gestatten. Daß jeder Landwirt diesen Aufruf befolgt, Halle ich für unerläßliche Pflicht. Dorheim, den 4. August 1914 Breidenbach vorlikkii-er des Fnnbnjirtfdioflsknmmrransfiijuff. iybtthclstll. Elch KreißM stehen bevor. Niemand weiß, was die nächsten Tage bringen werden. Wer sich rechtzeitig über alle Vorkommnisse unterrichten will, der versäume nicht die „Neue Tageszeitung" zu bestellen. Von den Zeitungen unserer Gegend erscheinen wir zuerst, schon am VE" Mittag "WD bringen wir alle Ereignisse und zwar in einer Reichhaltigkeit und Fülle, die den Leser vollständig auf dem Laufenden erhält, Legt die Gewohnheit ab, im Sommer die Zeitung abzubestellen. In so ernster Zeit hat die Ausrede keine Berechtigung, der Landmann habe keine Zeit zum Lesen, weil er von früh Morgens bis spät Abends auf dem Felde arbeite und er, wenn er abgerackert nach Hause käme, zu müde sei, um noch die Zeitung zu lesen. Das mag ganz schön klingen, aber gegenwärtig hat das keine Geltung. Keule steht so viel mif dem Spiele, die Ereignisse konimen in so überragender Schnelle, da treten Umschwünge ein, die über Nacht das ganze Bild unseres wirtschaftlichen und politischen Lebens verändern, die unsere ganzen Verhältnisse aufs empfindlichste berühren. Der Bürger und Landwirt, der nichts liest, weiß nichts von den Vorgängen in der Welt, er geht nicht mit den Weltcreig- nissen, wird von diesen überrascht und bleibt zurück. Versäume deshalb Niemand, eine Zeitung zu bestellen und das ist für die Wetlerau und ihre Umgebung die Jene Tligesikitiiilg!" Alle Agenten nehmen Bestellungen für den Monat August an. Schublager Heinrich Hess Telefon 420. i eieN-kei pf Kaiserstr. 40.