Unmmer 179 Uonrag. den 3. Augnir 1914. vie ..Ken- Tapr-z-ituno" fi!d;cint leien Weellag. Regelmäßige Beilagen ..Ser Sauer au» Kessen", be, den Agenten monailich 50 Psg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trigerlohn. Anieigeu i Grund,eile 20 Big Erfüllungsort Friedberg. Schriftleitung und Verlag Friedberg (Hessen), Hanauerstratze 12. »?>e ZpinnAude". Peingoprri» : Bei den Postanstattcn v,ertcl,ahel,ch Akt. I.ilö .. lokale 15 Psg, An,eigen von auswärts werden durch Pslnrchna,:»: rrfodc» Fernlprecher 48. Postschcck-Lonto Nr. 4819, »Imt Franlsurt «I. Das Volk steht ans, der Sturm bricht tos! Der Krieg mit Rußland ist eröffnet. — Gin rufsifcher Kriegshafen von einem deutschen Kreuzer Ln Brand geschossen. — Kämpfe all der oftprcußischen Grenze. — Bruch des Bölterrechts örrrch F-rantreich. brr Krieg hat begonnen. Ter Kaiser hat dem Beispiel Oesterreichs folgend, auch ben Landsturm aiisgcbotcn. Auch diese Maß,iah,ne deutet aus den Ernst der Stunde, man ist gesonnen, die Hand, die zum Schlage aufgehoben ist, mit allen Waffen zu stärken. Wir slchcn zu Gott, daß sic schwer nicdcrfallcu möge aus die Brecher des Friedens und daß dem Heuchler aus dem Zaicn- throne, der den Tolch zuckt, während er gleisnerische Fric- densworlc austauschte. Ihn, wird sein Lohn werden. Gr ist der Blutgcsellcn würdig, die vor ihm aus dem Thron der Romanows saßen. Jin Blute watend, sind sie säst alle einem blutigen Tode zum Lpscr gefallen. Große Unruhe herrscht über das Schicksal des deutschen Gesandten in St. Petersburg. Seit nahezu 48 Stu.ndcn fehlen alle Nachrichten von ihm. Sck,on steigt die Besürchtung ruf, der sich auch unsere Regierung nicht verschließt, daß die Barbaren au der Newa ein heiliges Recht, das selbst die wildesten Völker achten, zerstört und ihm ein Leid zugesügt haben. Sollte sich eine solche ruchlsoc Tat bewahrheite», so wird sie ein doppelter Ansporn für unser wackeres Heer sein, die Mordgesellen einer fürchterlichen Züchtigung zu überliefern, dann wird sich jede Faser in uns recken zu Grimm und Verderben. Tausend Mark dem Eroberer der ersten feindlichen Fahne! Dieser zugcsagte» Aussicht auf Belohnung wird es Wohl knuin bedürfen, denn mit einer Begeisterung, die n u r ooa auf eine gerechte Sache verleihen kann, eilt unser Volk zu veu Wosfv» und zu den Grenzen. Bereits befinden wir uns mitten imKrieg. Tar- torische Sitten halten eine Kriegserklärung für überflüssig. Allenthalben haben die Russen die Grenzen verletzt und leU'ft Frankreich hat sich seines Verbündeten würdig crtviesen und ohne Kriegserklärungen die Grenzen und das Völkerrecht verletzt. Gestern wurde die Nachricht verbreitet, daß Japan Rußland den Krieg erklärt habe. Es klang unwahrscheinlich. daß Japan den Reigen eröffnen sollte und die Botschaft hat sich auch nicht bestätigt. Wohl aber beschäftigt sich die japanische Regierung eingehend mit den Zuständen in Europa und es steht zu hoffen, daß sie ihrem alten russischen Fe,vde Verlegenheiten bereiten wird. Die deutsche Regierung versichert, daß Italien nicht zögern werde, seine Bündnispsricht zu erfüllen. Es wäre aber endlich an der Zeit, daß es auch den Degen zieht, denn mit Versicherungen der Freundschaft wer- den keine Kriege gewonnen. So ist denn der Weltkrieg entbrannt . Wehe seinen llrbebern! Mein einiges Deutschland, mein Freies heran! Sic wollen, sie sollen es haben! Auf sammle und rüste mich stark wie ein Rann Und bringe die blutigen Gaben! Ginc amtliche Darstellung. Berti», 2. Aug. Nachdem die Kunde von der allgcmei- nc» russischen Mobilmachung hierher gelangt war, wurde der deutsche Botschastcr in Petersburg beauftragt, die russische Regierung aujzusorderu, die Mobilmachung gegen uns und unser» österreichischen Bundesgenossen cinzusicllcn und hierüber eine bündige Erklärung binnen 12 Stunden abzugeben. Dieser Auftrag ist nach der Meldung des Grafen Puita- !er », der R a ch t o ° m 31. I u l i z u m 1. A u g u st u m M i t- i e r n a ck, t ausgeführt worden. Falls die Antwort der russe- schen Negierung eine ungenügende sein sollte, war der deutsche Votichastcr seiner beauftragt der russischen Regierung zu cr- flcirti!, daß mit uns a l s I»it Rußland im Kriegszustand befindlich betrachteten. Die Meldung des Botschastcrs über die Antwort der russi- !che» Regierung aus unsere befristete Ausragc ist hier nicht cin- gelaufc». ebensowenig eine Nachricht über die Aussllhrung des --rr.teii Auftrages, obwohl wir lonstatiert haben, baß der rus- Telegraphcnvertchr noch funktioniert. Dagegen sind in dieser Nacht bis 4 Uhr in der Früh beim Großen Ger,cralstab folgend- Meldungen ei,'.gegangen: 1. Heute Rächt fand ein Ängrifs rnssiichcr Patrouillen gegen die Eisenbahnbrülle über die Warthe bei Eichrv.ricd cn der Strecke Jarotschin L-rcschen stell. Der An griss wurde abgcwicscn. Dcuischerseits sind zwei Mann leicht verwundet worden. Die Verluste der Russen sind nicht sestgc- stellt. Eine von den Russen gegen den Vahnhoj Milo-lau cingeleitetc Unternehmung ist verhindert worden. 2. Eine st ä r k c r e russische Kolonne hat mit © c Ichu Ken die Grenze bei Schwidden südöstlich von Biolla überschritten; zwei Schwadranen Kosaken reiten in der Richtung aus Iohannisburg. Die Fernsprechverbindung zwischen 1'yck und Bialla ist unterbrochen. Hiernach hat Rußland deutsches Reichsgebiet angegriffen Der Krieg mit Nnszland ist eröffnet. Amtliche Telegramme. Der russische Kriegshafen Libau in Brand geschossen. Berlin, 2. August. Der kleine Kreuzer „Augsburg" meldet durch Funlspruch: Bombardiere den Kricgshascu von Libau und habe Gcsecht mit einem feindlichen Kreuzer. Ich höbe Minen gelegt. Der Kriegs haseu von Libau brennt. Ein deutsches Postamt zerstört. Königsberg, 2. August. In E h d t k « h n e » ist eine riissischc Patrouille eingeritten. Das Postamt in B i l d e r w c i t s ch c n ist »ach einer sicheren Meldung zerstört worden. Der Feind hat die Ercuze an vielen Stellen überschritten, wie zweifelsfrei sestgestellt worden ist. Kämpfe bei Iohannisburg. Allrnstein, k Uhr nachmittags. Bisher haben ,,n allgemeinen an der Grenze niir kleinere Kavallcricgefeetztc stattgrsunden. Iohannisburg. das von einer Eskadron des Dragoner-Regiments Nr- 11 (Garnison Lhck) besetzt ist, wird nugeublicklich angegrissen. Die Bahn Iohannisburg—Lhck ist bei Gutten unterbrochen, ebenso die Strecke nach Dlvlto- wen. Verluste betragen bisher aus russischer Seite etwa 20 Manu, auf deutscher Scitc nur mehrere leicht Verwundete. Luxemburg v^n deutschen Truppen besetzt. Berlin, 2. August. Luxemburg ist zum Schuhe der dort befindliche» deutsche» Eisenbahnen vo» deutsche» Truppen beseht worden. Bruch des Völkerrechts durch Frankreich. Berlin, 2. Aug. Soeben läuft die militärische Mitteilung ein, doch heute vormittag französische Flieger der Nähe von Nürnberg Bomben geworfen haben. Da eine Kriegserklärung zwischen Frankreich und Deutschland bisher nicht erfolgt ist, liegt ein Bruch des Völkerrechts vor. Mlkiiingtiier Ikriad) {ur S-reiiMg ins (i'odjfiiifv tUNMlS. Berlin, 2. Aug. In der Nacht vom l. zum 2. August wurde ein scindliches Lustschiss auf der Fahrt von Kcrprich in Loihringe» nach Andernach beobachtet. I» der gleichen Nacht machten ein Eochcmer Gastwirt und fein Sohn den Versuch, den Eochcmer Tunnel zu sprengen, dies mißlang jedoch. Beide wurden erschossen. Feindliche Flugzeuge wurden auf der Fahrt von Düren nach ft ? 1» beobachtet. Ein französisches Flugzeug wurde bei Wesel herunter- geschossen. Min ftsttnöliiche Miere verlud,tn die 'onitirfjf (IjrcHjf )u iibfrldjifiit«. Koblenz, 2. Aug. Heute Vormittag versuchten 80 Iran- Ms,he Lssiziere in preußischer Uniform in Kraftwagen dic prcußischc Grenze bei Walbcck, westlich von Geldern, z» überschreiten. Der Versuch mißlang. Keine Bachricht vom deutschen Botschafter in Nußland. Amtlich wird bestätigt, daß vom deutschen Lotschustcr bis spät nachts »och leine Meldung über sein Schicksal voigelegcn hat. (E- steht zu bcsürchtc», daß die russtssh:» Moldbuben den schwersten Bruch des Völkerrechts begangen haben und sich an einem Gesandten oergriffen haben). Frankreichs Antwort. , Köln, 2. August. Tie „Kölnische Zeitung" m.'ldct in? Berlin: Tic Antwort Frankreichs auf die Anfrage Deutich- lauds liegt nunmehr vor. Sie ist ausweichend ltud deulig gehalten. Keine Keicsiserikliirung Japans. Die gestern Abend als bestimmt verbreitete Nachickü. daß Japan an Rußland den Krieg erklärt habe, bestätigt sich nicht. Dagegen befindet sich Japan in eifriger Tätigkeit. Uokoham, der japanischen Hauptstadt, hot ein mehikiüudigcr Ministerrat stattgcfunden, der sich mit der enrepäi,:'» läge beschäftigt Armeebefehl des Königs von Bayern. Ter König hat au das Heer nachstehendes Monisisst gerichtet: An Mci» Herr! Alle Vcrsitchc, drn Fricccn in Ehre» zu wahren, hoben iiiisrrc Nachbar,, zu Schund:» gr,n utzt. Tic Ehre drs Rcichcs und das Schicksal des Vaterlandes ftrhen auf dcni Spiel und zwinge» uns das Schwert in die Hand. Unter dem Oberbefehl »nscres erhabenen »nd griirb- tcn BundcSfcldhrrr», des Deutsche» Kaisers. >v,ro die auch schon in manch ichwerrn Tagen erprobte bayerische Armre ihren Mann stelle», ihrer in ernster Friedciisardcit gestähtten Kraft bewußt, rin würdiges Glied »nscres gros.ei, deutsch:.! Heeres, würdig der Opfer ihrer Väter. Mit diesem Wun-h: begleite ich meine brave Armee ins Feld. Vertrauend a i de» allmächtigen Gott, dcr unsere gerechte Sache schirm::: wird, crslchc ich seine» Segen für Bayerns und des deutsch, » Heeres Fahnen! Dcpcschcrrwcchscl. König Ludwig richtete an den Kaiser nachstrh.nd es Telegramm: Das bayerische Heer ist heute, mit dein Beginn d:r Mobilisierung, »»ter Deine» Befehl als Bnndcsfcldhcrz re trete». Schon in Friedenszciten in dcm Geiste erzog',', der die deutsche» Truppen vor 44 Jahren z»m Sieg- lüh-tr. wird das bayerische Heer sich drs Vertrauens würdig er, ei sc», das ganz Deutschland in feine Kriegelüchtigkrit ’C. *. ist das Deutsche Reich vor einer ernsteren Entsetze:! nng ee. fianben, als in dieser Stunde, in der seine Fürsirn and ter wie ein Man» aufsteheii, um seine Ehre, Stell!»:,' ,:>ü Zukunft gegen mächtige Feinde zu verteidigen. Nie >: .r wird sich die ll»e r s ch ü t t c r l i ch e T r c ll c. in der l ie Dcntschrn zusamenstehen, überwältigender cifci:'■ j teit, r.l< in dem Kampfe ,dcr »ns anfgezwungen wird. Tro V:r trauen aus Gott und seine Gerechtigkeit »rird unser Heer stärken. In dem Bewußtsein ihrer Geschlossenheit, irrer ,, er ncn Manneszucht und ihres crnsieu Mutcs tscrd.a sie. es zum Kriege kommen sollte, de» Kamps für Ew. Ma;:.ti.t und das gemeinsame Vaterland, für dc» Rvhui und d,e Würde des dcntschcii Namens mit Ehren stehen. In .■ Ill Erwartung hei sie ich Bayerns Söhne, sich um 'hrr Fel. ne» schearrn, und bitte Gott, er möge, wenn dcr -lamp? e::t brennt, den dcntschc» Wnssen de» Sieg verleihen. Der Groszherzog von Baden. Karlsruhe, 2. August. Tie heutige „Karlsruher ?>•>• tuiig" veröffentlichte folgende Prollamlion des G.aßl"! von Baden unter dcm Tatuin des- 2. August 1011: „Au mein teures bndischcS Volk! Unser Kasier r:»t dc» Waffen. In dem schweren Kamps, de» Tciitschlr.ud ;n führe» sich nnschickt, handelt cs sich »in die Ehre und die Existenz »iiscreS Vaterlandes, »m unsere höchsten und heiligsten Güter. Ich weiß, daß mein teures Volk mit i nbediagtcr Hingebung und Trc» die schweren Pflichte» erfüll,» wird, die an »ns hcrantretcn werden, vor allein unser: Söhne und -rüder, die :,» Feld ziehen, und von denen ich sich': ! » sind erwarte, das, sic, cingcdcnl des Wasfrnrnhmcs ibrrr Vl« r. tapfer und ,'clbstlcs ihr Leben einschc» wird:,, iur tes Ve.t'.rirud- Aber auch die übrigen Krieger des Voiles r. e de», des bi» ich gewiß, in rrnstcr Iteberzengnng d,r bringen bereit sein, die gefordert werdrn müssen. Gott ,'chübr und kthallc Deutschland!" ftt. 179 Seile L Der deutsche Kaiser. Berlin, 3. August, Unter den Linden und vor dem -uiglichen Schloß sammelten sich bald nach der Bekanntgabe >.'r Mobilmachung viele Hunderttausende von Menschen. Jeder Wagenverkchr hörte auf. Der Lustgarten und der ' rcio Platz vor dem Schloß waren dicht angefülli von den leaschenuiasfen, die patriotische Lieder sangen und wie auf ' .ommaudo gleichmäßig immer wieder den Ruf erneuerten: , £v;r wollen de» Kaiser sehen!" Gegen Yu Uhr erschien der Kaiser 1:1 millleren Fenster der ersten Etage von einem unbeschceib- ich starken Jiibel und von Hurrarufen begrüßt. Patriotische ’ieiK'r wurden angestimmt. Nach einiger Zeit trat in der leuge Aliihe ein. Die Kaiserin trat an die Seite des Kaisers, 'er den Plasten zuwinktc, daß er sprechen wolle, llnter tief- :cni Schweigen sprach der Kaiser dann ungesähr mit weithin rnehmbarer, langsam stärker werdender Stimme' „Wenn cs zum Kriege kommen soll, hört jede Parte, ans, wir sind nnr »och dentschc Brüder. In Fricdcns- zeitni hat mich zwar die eine oder andere Partei angc- rriffc», das verzeihe ich ihr aber jetzt von ganzem Hirzen. Wenn uns unsere Nachbarn den Frieden nicht gönnen, d in» Hussen und wüiischcn wir, daß unser gutes deutsches Schwert siegreich ans dem Kampf hrrvorgchcii wird." An diese Worte des Kaisers schloß sich ein Jubel, wie er vohl noch niemals in Berlin erklungen ist. Tw Menge 'linnute begeistert erneut patriotische Lieder an. Tie Ereignisse haben unser Blatt überholt. Es ist so lekommcn, wie wir am Samstag vorausschen konnten: Die russische Antwort ist ausgeblieben, die Mobilmachung ist erfolgt und Begeisterung in Deutschland. In Alldeutschland herrscht lodernde Begeisterung. Fein von jedem Uebcrmut herrscht überall eine feste Zuversicht. Man ist sich des Ernstes der Lage bewußt und weiß, daß es um Sein oder Nichtsein handelt. Treffend kennzeichnet ein Gedicht der „Frankfurter Zeitung" die Stimmung, in dem es heißt: Wir standen und schwiegen — nun ist es vorbei! Vorbei das Zcuder» und Zagen! Hin über die Land schwingt sich ein Schrei: Ihr w o l lt es, so s o l l t ihr es tragen! Wir standen besonnen, Gewehr bei Fuß. Und bissen die Zähne zusammen, Nun ist es vorbei! Dir Volk meinen Griißl Es reißt uns hinan in die Flammen! In Friedberg wurde die Mobilmachung gegen %7 Uhr bekannt. Kiirz darauf wurde sie ans den Straßen unter Trommelwirbel bekannt gemacht. Bald entwickelte sich ein lebendiges Straßenbild. Vor dein Kriegerdenkmal ivielte die Militärniusikschule vate:ländische Weisen, die von der Menge begeistert begleitet wurden. In der Brauerei Steiu- häußcr aus der Kaiserstraße bildete sich eine patriotische Vcrsanilung, wobei Ansprackien gehalten lind oaterläi'dische Lieder gesungen wurden. Am Sonntag setzte sich das Treiben fort, das durch die Mobilmachung ein etwas kriegerisches Aeußere gewonnen hat. Tie Kirchen waren bis aus den letzten Platz gefüllt In der Stadtkirche sprach Pfarrer K leebcrgcr über den Text: Wenn ihr werdet hören vvii Krieg und Kriegsgeschrci, so fürchtet euch nicht. Ein schönes Bild vaterländischer Begeisterung zeigte sich am Spätnachmittag in BaöNauhciiu. Aiif der Terraj'e er- schienen 4 Studenten in Loienr: Ein „Starleuburger" ans Gießen (Corps), ein jencser „Germane" (Burschenschaft, ein „Tarnistädter" aus Gießen, (Laudsmanuschast) uiid ein Mitglied der österreichischen Burschenschaft „Teutonia" aus Prag. Als sie, eine deutsche Fahiic tragend, die Terrasse beträte», '.'grüßte sic die Kapelle mit einem vaterländischen Marsch. 7'iner der Stiidenten, Herr Eugen S ch in ahl, betrat die 'kauipc und hielt eine von vaterländischem Geiste getragene Ansprache an dir Aiiwesenden, kc mit brausender Zustimmung ausgenommen wurde, ifcim zur Seite standen ent- lößten Hauptes seine Begleiter, gewissermaßen die Einigkeit 'er drei wehrhaften Korporciionen Tenbischlands und Lcstcr- eich.s darstellend. Als die Ansprache beendet war, setzte die Kapelle mit der „Wacht am Schein" ein und unter allgcmei- i.eili Jubel bestiegen die Studenten ihren Wage:: ilud fuhren U'ii Friedberg. Studenten NN die Front! München, 2. Slug. Tao hiesige Korps Fraaconia vei- ijentlicht heute unter dem Auf „Stüde» te» an die 3 ' r o n teine Aufforderung, daß üch die Studentenschast als Führer der Jugend, freiwillig zum Kriegsdienst melden ''ögc. Alle Mitglieder des Korps Franconia find freiwillig iingctreten. Einen ähnlichen Ausruf veröffentlicht heute die tiuschenschast Euelsia an die Lurichenschastcn. Eine bemrrlenswcrte Arjprach« des Reichskanzlers. Berlin, t. Aug. Eine dichte Ättenscheninenge bevölkert lmn:er »och die innere Srad! Berlins und namentlich die Linden und den Platz vor dem Schloß. Eine große Schar von Meisschr» zog auch vor das Reichslanzierpalais und brachte Sein Reichskanzler stnrinifche Ovationen dar. Die Menge tiinmte die Lieder an „Heil Dir iia Slegerkranz" und „Lobe den Herrii" Tor Neichsinnzler erschien an einem Fenster des erslen Stockes und richtete an die Menge folgende Worte, die politisch dodurch besonders beinertenswect find, daß in ihnen sie Möglichlrit zum Ausdruck kommt, es lönute in letzter Stunde vielleicht doch noch der Kriez »ereilelt werden: I» Ihrem Liede haben Sie unserem Kaiser zugejubelt. Ja, dir iuiseren Kaiser stehe» wir alle ei», wer und welcher Gesin- i ; uns welche» Glaubens wir sein möge», für ihn lassen wir öa: iiiid Bliit. Der Kaiser ist genötigt worden, die Söhne n £clh'i .tu den Wassen jii rufen. Wenn uns jetzt der Krieg »cae Xagcsjctiaitft, «antag. ot« l. »ngnst 1«I« befchieden fein sollt«, so weiß ich, daß alle jungen Männer be- rett sind, ihr Blut zu lasten für den Ruhm und die Größe Deutschland,. Aber wir können nur siegen in dem festen Vertrauen aus den Gott, der die Heerscharen lenkt und der uns bisher so oft den Sieggegeben hat. Und sollte Gott in letzter Stunde uns diesen Krieg ersparen, so wollen wir ihm dafür danke». Wenn es aber anders wird, dann mit Gott für König und Vaterland." Stürmischer Jubel begleitete diese Rede des Reichskanzlers. Die Sozialdemokratie besinnt sich aus ihr« Pflicht! Das Organ der bayerischen Sozialdemokratie, die Münche- >ier Post, nimmt zu der politischen Lage und der Haltung der Sozialdemokratie Stellung. Das Blatt führt u. a. aus: „Eine Niederlage wäre gleichbedeutend mit dem Dolkezufammenbruch. Vernichtung und namenlosem Elende für uns alle. Unser aller (bedanken bäumen sich gegen diese Möglichkeit aus. Unsere Vertreter im Reichstag haben uns unzählige Mal übereinstimmend erklärt, daß die Sozialdemokratie ihr Vaterland im Augenblick der Gefahr nicht im Stiche lassen tonne. Wenn die Stunde schlägt, werden die Arbeiter das Wort einlöscn, das von ihren Vertretern hierfür gegeben worden ist. Die Sozialdemokraten werden ihre Pflicht erfüllen und sich darin in keiner Weise übertresfen lasten." Die sozialdemokratische Mannheimer Dolksstimme schreibt in ihrer Mittagsausgabe vom Samstag: Aber wenn der Krieg uns vom russischen Zarismus auf- gezwungen wird, dann muß und wird die letzte Entscheidung, wie immer sie ausfallen mag — über alle Klassenunterschiede und Weltanschauungen, über alle sonstigen Differenzen hinweg —, ein einiges, allseitig geschlossenes Volk finden, bereit, mit dem letzten Blutstropfen die Unabhängigkeit und Größe Deutschlands gegen jeden Feind zu verteidigen. ... Diese erfreuliche Nachrichten stehen im Einklang mit der Haltung verschiedener lokaler Führer der Sozialdemokraten, die, wie »ns gemeldet wird, durchaus und freiwillig ihre Pflichten erflillen. Zur Ergänzung sei noch mitgeteilt, daß die „Franksurter Bollsstimine" in ihrem Nachruf zu Prof. Jaures schreibt: „Er hat in diesen unheilschwangeren Tagen in derselbe» Richtung gewillt, wie die deutsche Reichs- regierung. deren kühle Besonnenheit wir erst gestern anerkannten. Also auch in Bezug auf die Sozialdemokratie können wir jetzt in den ersten Stunden sagen: Ein Volk, ein Heer l Amnestie in Hessen. Darmstadt, 1. Aug. Das Staatsininistcrium veröffentlichte soeben einen Gnadenerlaß des Großhcrzogs, wonach alle Personen des aktiven Heeres, der Marine und der Schutz truppen vom Feldwebel, bezw. Wachtmeister oder Deckoffizier einschl. der Unter- und Militärbeamten, sowie alle Personen des berulaubten Standes vom Feldwebel abwärts, sofern sie NN«; ')lnTct[j bar 3J?oTitTmrtffcitnß »in^arufon worbatt unb o uc Einstellung gelangen, die gegen sie von den bürgerlichen Gerichten und Verwaltungsbehörden verhängten Geld- oder Freiheitsstrafen oder der noch nicht oollstreikten Teile derselbe» in Gnaden erlösten werden, sofern die Gesaintdauer der Freiheitsstrafen ein Jahr nicht übersteigt. Ausgeschlosten von der Begnadigung sind nur Personen mit Ehrenstrasen und solch«, di« während der Strafverbüßung oder Untersuchungshaft sich schlecht geführt haben. Eröffnungssitzung des Reichstages. Amtliches Telegramm. Berlin, 2. Aug. Die Eröffnungssitzung des Reichstages findet im Weiszen Saale am Dieirstag, den 5. August um 1 Uhr statt. Fraktionssitzungcn finden statt: Konservative: Montag abend 7 Uhr: Reichspartei: Dienstag nachmittag 2% Uhr; Zentrum: Dienstag, II Uhr vorm.: Rationalliberale: 7 Uhr abend-: Freisinnige: Montag abend 7 Uhr; Sozialdemokraten: Montag, 1t Uhr vormittags. Dem Reichstag wird bei seinem Zusammentritt am Dienstag eine Anzahl von Gesetzentwürfen vorgelegt werden, deren schleunige Verabschiedung durch die kriegerischen Ereigniste geboten ist, betreffend Nachrichten finanzieller, rechtlicher und wirtschaftlicher Art. Vor allen Dingen wird der Reichskanzler ermächtigt weiden müssen, zur Bestreitung des Kriegsbedarfs nach dem Verbrauch der verfügbaren Summen weiter die erforderlichen Mittel flüssig zu machen. Ferner sollen zwecks bestrer Befriedigung des Kreditbedürf« nistes Darlehnskassen errichtet werden, wie sie sich bereits im Jahre 1888 und 1878 bewährt haben. Die Vorschriften über die Notensteuer und Notendeckung, sowie über den Berkchr mit Rcichskastenscheinen, Reichs- und Prioatbanknotcn werden Aenderungen erfahren müssen, um den Verkehr mit den Zahlungsmitteln den außergewöhnlichen wirtschaftlichen Bedürsnisten anzupasten. Aus rechtlichem Gebiet wird ein Gesetz den Schutz derjenigen Personen zu regeln haben, die infolge des Krieges in der Wahrnchinuirg ihrer Rechte behindert sind. Diese soll in Anlehnung an die bewährten Vorschriften des entsprechenden Gesetzes vom 21. Juli 1870 geschehen. Daneben werden durch ein besonderes Gesetz die Fristen des Wechsel- und Scheckrechtes zu verlängern sein. Ein weiteres Gesetz soll einzelne Handhaben schassen, um die weitgehenden Veränderungen, die der Arbeitsmarkt infolge des Krieges erleiden muß, nach Möglichkeit auszugleichen. Zur Abwendung gemeiner Rot ist ferner erforderlich, daß auf Grund eines besonderen Gesetzes der wucherischen Ausbeutung der gegenwärtigen Verhältniste durch die Händler mit Gegenstände» des täglichen Bedarfes, wie Nahrungs- und Fut- tcrmitteln, Naturalprodulten, Heiz- und Leuchfftosfen u. dergleichen mit Nachdruck entgegengetreten w«rd«n kann. Schließlich sollen die Unterstützungen, die das Gesetz vom 28. Februar 1888 für die Familien der in den Dienst eingetretenen Mannschaften vorsieht, in den Grenzen des Möglichen erhöht werden. Sämtliche Gejetzentwüese haben am 1. August 1911 dir Zustimmung des Bundcsrats gesunden. Da sie nur das enthalte». was im Hinblick auf den uns aufgezwungenen Krieg erforderlich und selbstverständlich ist, kann bei der vaterländischen Gesinnung der ganzen Bevölkerung mit Sicherheit erwartet werden, daß der Reichstag sie rasch verabschiedet. Aufruf! Rach langem, bangem Warten lst die Entscheidung gefallen. Der deutsche Kaiser hat sein Volk zu den Waffen gerufen. Wir stehen unmittelbar vor dem Kamps, dessen harte politische Notwendigkeit schon mehr wie ein Jahrzehnt keinem politisch Einsichtsvollen verborgen sein konnte und von dessen llnausbleib- lichkeit ernste Vaterlandsfrcunde in jahrelanger cnijagungs- voller Arbeit unser Volk zu überzeugen suchten. Nach drei- undvierziger reich gesegneter Friedenszeit wird das deutsch, Volk vor die ernst- Aufgabe gestellt, was einst di- Väter in heldenmütigem Ringen uns geschaffen, zu bewahren und neu zu erkämpfen. Die schwerste Schicksalsstunde unseres Reiches dämmert heraus, um Sein oder Nichtsein unseres deutsche» Staates wird jetzt gelämpft, di- höchsten Güte: deutscher «ul- tur stehen auf dem Spiele, die unvermeidliche Auseinandersetzung zwischen Deutschtum und Slaventum hebt an. Wieder, wie vor 44 Jahren, findet die ernste Stund- ein ernstes Volk, einig in ruhigem, entschlossenem Willen zur Ab- wehr der von Lst und West drohenden Gefahr. Ohne lleber- Hebung, aber fest entschlossen, das Letzte eii^usetzcn in diesem Kampfe, der uns ausgedrungen ist, wie einst der vor 11 Iah, ren, ziehen wir voll Eottvertrauens in diesen Krieg, der ein Verteidigungskrieg in des Wortes edelster Bedeutung ist. Ungeheure Opfer an Gut und Blut, so hat der Kaiser selbst in Berlin einer vieltausendköpfigen Menge zugerufen, werden von unserem Volke gesordert. Wir find gerüstet, sie zu bringen. Tausende und Abertausende deutscher Männer und Jünglinge stehen bereit auf ihres Kaisers Ruf, in dieser großen geschichtlichen Stunde für ihr Vaterland ihr Leben zu lassen. Da geziemt cs auch den Zurllckbleibenden, alles einzusetzen, diesen ernsten Kamps bis zum siegreichen Ende durchzu- sühren. Auch für di« i» der Heimat Verbleibenden gibt es Arbeit die Fülle. Das Rote Kreuz steht sich vor Unübersehbare große, ernste, schwere Ausgaben gestellt, die er nur dann befriedigend durchführen kann, wenn ihm dabei die freudige freiwillige Hilfe de- gesamten deutschen Volkes zu teil wird. Viel tausend Hände find nötig, den Verwundeten die erste Hilfe angedeihen zu lassen. Krankenträger- und Pfleger weiden in Menge gebraucht. Bei durchkommenden Truppentransporten sind hunderte Hände nötig zur Verabreichung von Lebensmitteln uni Erfrischungen. Vor allem harrt unserer deutschen Frauen uni Jungsrauen aus diesem Gebiet «ine große, lohnend« Ausgab« ein Geist echter Menschlichkeit, tätiger Vaterlandsliebe. Wir sind überzeugt, daß sie sich dieser Aufgabe heute so wenig entziehen werden, wie dereinst t*>t ii I»h>rn ,yrr Mütter und Di« unterzeincheten Vorstände laden alle Männer uni Jünglinge (über 28 Jahre), die vom Militärdienst befreit sind, für Dienstag, den 4. August, abends 8X Uhr, und sämtliche Frauen und Jungfrauen (über 18 Jahr«), soweit sie sich noch nicht zue Verfügung gestellt haben, für Mittwoch, den 5. August, abends 8H Uhr. in dem Saal Uber den Pferdeställe» zu ernster vaterländischer Arbeit ein. Der Vorstand de» Zmeigverein» »«» „Roten Kreuz". Der Vorstand des Alice-Frauenvereinr. Erklärung Frankreichs. Paris, 3. Augst. Der Präsident und die Mitglieder der Regierung haben einen Ausruf an das französische Volk erlassen, in welchem es heißt: Frankreich, das seine friedlichen Absichten im Verlaufe der letzten tragischen Tage kundge- geben hat und Europa den Rat zur Mäßigung und ein leben- diges Beispiel der Verständigkeit gab, seine Anstrengungen zur Erhaltung des Weltfriedens verdoppelte, bat sich auf alle Eventualitäten vorbereitet und jetzt die ersten unerläßlichen Maßnahmen zum Schutze seines Gebietes getroffen, eingedenk seiner Verantwortung und im Bewußtsein, daß es ein« geheiligte Pflicht verletze, wenn es die Dinge so ließe, wie sie sind. Die Regierung hat die Anordnungen getroffen, die die Lage gebietet. Die Mobilisation bedeutet nicht den Krieg. Im Augenblick erscheint sie im Gegenteil als das beste Mir tel, um den Frieden in Ehren zu erhalten. Schließlich fafll das Manifest: Die Regierung hoffe noch, eine friedlich« Lösung zu erzielen. (Diese Fricdcnssichcrung erweist sich als dieselbe Heuch:- lei, wie sie bei dem Telegiamm des Zaren an den deutschen Kaiser zutage trat; denn in dem Augenblick, wo die franzö- fische Regierung die Hoffnung ausspricht, daß der Frieden zu erhalten sei, schritten bereits seine Truppen zum Bruche dek Völkerrechts und überschritten ohne Kriegserklärung dir deutschen Grenzen. Die österreischich ungarische Armee. Die teilweie Mobilisierung des österreichisch-ungarischen Heeres hat gezeigt, welch ein ausgezeichneter Geist in dieser großen und verbündeten Armee herrscht und welch ein inniges Band sie mit ihrem höchsten Kriegsherrn vereinigt. Wo und wann »ur unter de» an die Grenze beorderten Truppe» der Name Kaiser Franz Joses genannt wurde, da weckte er di, hellste Begeisterung und das Echo stürmischer Jubelruje. In dieser Liede und Verehrung seines Heeres erntet Kaiser Franz Josef d>c Früchte der Sorgfalt, des Ernstes und der Treue, wo- mit er sich Zeit seines Lebens seinem Heere gewidmet hat. In dem Oesterreich-Ungarn behandelnden, bei Alfred Schall in Berlin erschienenen ausgezeichneten Saunnetwerke „Die Heer« und Flotten der Gegenwart" ist das Verhältnis de» Kaiser« zu seiner Armee in anziehender Weise geschildert. Schon i» jungen Jahren trat bei Franz Joses seine Liebe zum Heere, sei» «h. 17, H‘W -tagtSjCU*»*. VtontOQ. M » «»,»„ 1911, Seü f r Gedenke, dah Du ein Deutscher bist! Besinnet Euch in diesen schweren Stunden auf diesen Spruch. Traget den Kopf hoch und zeigt die kühle Besonnenheit, die den, Deutschen ziemt. Erschweret Niemand durch unbesonnenes Handeln die ohnehin schon schwierige Lage. Schon mehrfach haben wir darauf hingewiesen, datz es den öffentlichen Kredit mindern heitzt, wenn nunmehr Gelder in gröfferew Matze an Kaffen und Banken abgehoben würden. Lasset dort Erter Geld, wo Ihr es vordem sicher wähntet! Es ist dort so sicher wie vorher. Dann begehe man nicht die Torheit und weise Papiergeld zurück, deffen Wert gesichert ist und volle Kaufkraft auch in Zuluns- behält. Auf der anderen Seite möge man auch den Gcschäftslentcn nicht den guten Willen unmöglich machen und alle kleinen («in kaufe mit grösteren Geldscheinen zu begleichen suchen. In diesem Falle sind die Geschäftsleute einfach vor die Unmöglichkeit gestellt die Scheine anzunehmen, da es ihnen an Wechselgeld s-hlt. Auch müssen die öffentlichen Kaffen mit gutem Beispiel vorangehen unk nicht, wie es von der Eisenbahn vielfach gesagt wird. Papiergeld zurückzuweisen. In der jetzigen Zeit sollte jeder, der es nur irgend ermöglichen kann, feine Einkäufe gegen bar betätigen ; denn die Geschäftsleute erhalten eben ihre Waren nur gegen Vorausbezahlung. Endlich wenden wir uns an die deutsche F r a n. Herrlich strahlt ihr Bild aus vergangenen, groben Tagen zu uns in dir Gegenwart. Wir sind gewih, datz auch unsere Zeit kein schwaches, sondern ein starkes Geschlecht finden werde. Wohl begreifen und würdigen wir den Schmerz, wenn man vom Liebsten, was man hat, mutz scheiden. Aber macht nicht über die Masten dem Mann, der hinaus mnst in den Kampf, das Herz schwer. Bedenkt, wie ihm zu Mute ist. wenn er seine Lieben verlassen mutz. Vergrötzert nicht durch Euren Schmerz dte Stunde des Leides und zeiget Euch in dieser ernsten Zeit als deutsche Krauen! Interesse dafür aus das lebhafteste zutage. Seine Erzieher und Instruktoren. Coronini und Hauslad haben mit Bewunderung von dem Feuereifer ihres fürstlichen Zöglings gesprochen. Datz er später nicht mit Radetzkys Heer die Gefahr teilen durfte, sondern auf die Weisung seines kaiserlichen Oheims aus Grün- den »er Staatsraison Radetzkys Heerlager verlassen mußte: das war für ihn eine bittere Pflicht. Seinem Feldherr» hat Frar-o Iösef immer ein« tief« und unerschütterlich« Dankbarkeit »ntgegengcbracht. Als Radetzky auf seine wiederholte Bitte vom Obesbesehl« der Arme« in Italien enthoben ward, schrieb ihm sei» Kaiser: „Sie werden stets tn jedem meiner Schlösser, sowohl in Stra, Monza, in der Villa Reals zu Mailand, als zu Wien in meiner Burg, im Palaste des Augartens, dann zu Hltzendors »ach Ihrer Wahl mein herzlich gern gelehener Gast sein." Als der Freiherr von Cablenz von dem ruhmreichen Feldzüge in die Elbherzogtümer zurückkehrte, konnte er sich tiefbewegt über die Hand beugen, di« ihm sein Kriegsherr kame- radschastlich und herzlich entgegenstreckte. Kaiser Franz Joses legt den größten Wert daraus, mit seiner Armee in ganz per. t»>ii.ber Kühlung zu stehen. Er liebt es, seine Offiziere, und zwar nicht nur >ene hoyere. ,—Uni uh kennen zu ler- nen. Sie werden in beträchtlicher Anzahl bet den riuv, empfangen, zn Hofsestlichkeiten herangezogen, mit Einladungen zur Hostasel beehrt. Es ist geradezu staunenswert — bei Au- dienzen und beim Cercle tritt dies besonder, deutlich hervor —. wie eingehend der Kaiser sich über Verhältnisse und Per- sanen informiert, wie ihn sein Gedächtnis niemals täuscht, wie geduldig und beharrlich der Beherrscher so mächtiger Staats- bicte auch verhältnismäßig minder bedeutsame Angelegenheiten der Armeeangehörigen eingehender Beachtung würdigt. Ein ganz spezielles Interesse widmet der Kaiser der Ausbildung der Truppe». Jetzt sreilich muß er aus sein hohes Alter mehr Rücksicht nehmen, als ihm willkommen ist: aber solange es iigeird möglich war und ist, ließ er sich durch keine Wetterunbilden zurückhalien. Regelmäßig pflegte er die Frühjahrs- Parade aus der Schnrelz selbst abzunehmcn. Vor Beendigung der Ausbildung in der Unterabteilung inspizierte der Kaiser gern die Truppen der Garnison Wien, Pest und Bruck an der Leitah bis ins kleinste hinein. Dabei hat «I für das Parademäßige kaum Interesse: um so größeres Gewicht legt er aus seldmäßige Ausbildung. Es ist nicht sogar leicht, in solchen Fällen das Lob des Kaisers zu erringen. Seine Kritik ist sachlich vertieft, klar und ernst, vor allem aber bei unverkennbarem Wohlwollen einschneidend wahr, Zn hundert kleinen Zügen und Zeichen hat sich die große und ganz persönlich« Lieb-, die Franz Joses füc sein Heer hat, geäußert. So in der Stistung von allerlei Auszeichnungen, die den Ehrgeiz der Ofsiziere und der Mannschasten anzusporncn geeignet sind, so in der sozialen Fürsorge für die Töchter, di- Witwen und die Waisen der Qssiziere und der Unterosfiziere. Kein Wunder, daß sich gleichsam ,cder einzelne Soldat des großen österreichisch-ungarischen Heeres durch ein persönliches Band mit seinem Kriegsherrn vcrlnüpjt suhlt. Bon der deutschen Dft«ireii;e. Das Union-Telegrapbenbliro meldet: Die deutschen Druppcn hätten brr Thvrn dir russische Grenze überschritten. Alrxnndro besetzt. Hvhcnsalza. 3. August. Ein- russische Patrouille wurde von den deutschen Truppen überrumpelt. 30 Russin wurden gefangen genommen, mehren: getötet. Allrnstcin. 2. August. Bisher haben im Allgemeinen kleinere Artilleriegefcchte stattgefunden. Deutsches Kampflied. 1. Tie Ehre gilt'», das teure Vaterlandl Ringet sie blutig nieder in den Sand Alle Feinde — laßt uns retten das teure Vaierlandi Sie wollen uns knechten und ketten. Wir wollen im Grab ihnen betten. 2. Es mahnt, es ruft der alten Krieger Geist. Hört, was er uns vollbringen heißt! Deutsche Taten! Laßt uns mahnen Vorn bebrcn Heldengeist. Er führet uns herrliche Bahnen, Wir siegen, die Enkel hoher Ahnen. 3. Ihr Wälschcn all', ihr Slaven insgesamt. Zittert, wenn deutsche straft aufstammtl Deutsche Treu ringt euch nieder. Die aus freiem Herzen stanlmt. O Freiheit, dir brausen unsre Liederl O Treue, du rette »ns wieder I 4. Deutsche Fahnen, schwarz, weiß und roi, Wir folgen dir, nur dir! Hoch flattre, hoch, mein Doppelaarpanier > Ewig unverlor'ne, ruhmreiche Zierl Alle Banner in deine» Sölden, Sic seien die gewärttgen und holden I 5. O alte Nacht, o Heldenblut, o Licht I Goldene Freiheitssonne, bleich« nicht, Strahlenwonne, Deutschlands Größe, <£u« /Star« hrvn p^n’üPiti i' irfot! O Fahne, deutsche Wonne, deutsche Größe, Vom Uebel uns erlöse, uns erlöse! 6. Die Ehre gilt's, du deutscher Völkerbund, Stark ist der Feind, im Schlachten ward es kund. Deutsche Schwerter, seid geschwungen. Euer Anblick niacht gesund. Kein Sang sei des Friedens mehr gesungeik, Bis die Kraft und das Reich ist errungenl Aus dem Arndt-Albuin. Ans der Heimat. * Fricdberg, 3. August. Vom 4. August ab findet eine dreimalige Bricfbestellung statt. 1. Bestellung: 7 Uhr vormittags mit den in der Nacht eingegangenen Briefen. 2. Bestellung vormittag» 11 Uhr nach Ankunft des 2. Zuges von Frankfurt — an 7,54 Uhr — und des Zuges von Gießen — an 830 Uhr —. 3. Bestellung nachmittags 5 Uhr nach Ankunft des 3. Zuges von Frankfurt — an 2,54 Uhr — und des 3. Zuges von Gießen — an 3,30 Uhr —. Die Paketbestellungen und die Geldbestelliingen werden ziveimol um 7 Uhr vormittags und 5 Uhr nachmittags ausgejührt- —r. Fricdberg, 3. August, Wir verweisen auch an dieser Stelle auf die kirchliche Anzeige in diesem Blatt, wonach für die einberufcnen und in den ersten Tagen ausriickendcn Mannschaften unserer evangelischen Zivilgemeind« und ihre Angehörigen heute Abend um 8 Uhr in der Stadtkirche ein« Abschicdsseier mit anschließender Abendmahlsfeier gehalten wird. * Fricdbcrg.Fauerbach, 3. August. Der Stieget« und Will- tärverein veranstaltet heute Abend ’AO Uhr im Bereinslolal von Wtkh. Sang, für die zum Heeresdienst einberufenen Ka- meraden eine Absichedsfeier. Die Mitglieder weiden hierzu herzlich etngeladen. Eiste willkommen. * Fricdberg, 3. August. Verschiedene an UNS gerichtet- Anfragen veranlassen uns, darauf hinzuweifen, daß die An- und Abmeldungen der oerficherungspflichttgen Personen nach wie vor bei der Ortrkrankenkess- erfolgen muß. Der Kriegszustand ändert daran garnichts. Auch die zur Fahne einberufenen Mannschaften müssen abgemeldet werden, da dt« Kasienverwal- tung nicht wissen kann, wer einberusen ist. Di- Beittäge werden nach wie vor so lange angesordert, bt» die vorschriftmäßige Abmeldung erfolgt. An unsere Leser! In den nächste« lagen wird unser« Zeitung nicht inimer regelmäßig den Beziehern zugefiellt werden können. Wohl sind wir zur gewohnten Stund« serttg, aber die Eisenbahn steht in diese« Woche nur tu Dteasten de, «aterlandes Die Züge, di« dem P-rson-no-rkehr dienen. werden auf da- Mindestmaß zurückgeführt und unser» Boten werde» nicht pünktlich die Zeitung abliefer» rönnen, wir »»«rd»» all«, tn». um di« Zustell uaa k« kelhmitt«. wie »ne möglich, zu bewertst-lliae». aber wir bitten um Rücksicht, weun eine Verzögerung e «iritt kluch wenn die Postbestellungen nicht regelmäßig einireijen, ioare man mit Borwürsrn, denn auch die Beamten der Post habe» eben wahrlich einen schweren Dienst und man möge alle» tun, ihn zu erleichtern. Erklärung. Bevor der Krieg ausgebrochen war, wurde schon gcuieb dct, daß die Preise versch, ebener Lebensmittel ungebulirlich in die Höhe getrieben würden, so wird z. B. gemeloei, daß in Frankfurt für die Milch höhere Preise gefordert und daß Kartoffeln mit 8 M und darüber für den Zeiitner l. zahlt würden. Wir erklären als selbstverständlich, daß wii die ernst« Lage nicht benutzen, um ungerechtfertigte Preise für uusrc Produkte zu verlangen. Wir halten fest an den mit den 2>'i!«i> Händlern vereinbarten Preise rmd sind nicht gcjoniir», eine Preiserhöhung eintrrtcn zu lasten. Auf der anderen Seit« möge uns das Publikum unterstützen, falls eine Knappheit eintretcn sollte, möge es den Verkauf der Milch einjckiränkc::, Ferner mögen die städtischen Organe, z. B. die Handelskammer Schritte erwägen, die einer Verteuerung der K r a f t f u t t e r m i t t e l, die wft zur Erzeug,mg der Milch gebrauchen. Vorbeugen sollen. Was die Kartoffeln anbetrifft, so werden gegenwärtig auf dem Lande Preise bezahlt, die bei einen, Verkauft-prei. von 4-^denZentner dem Händler einen an^'mcssepe, Verdienst sichern. Sollten übermäßige Preise verlangt wer den, so sind wir bereit, auf dieser Preisgrundlnge d-r-kt, Verkäufe zu vermitteln, falls sich städtische Konsunienten zu. fammenschlicßen. Zu warnen ist vor einem Einkauf einer großen Menge von Kartoffeln zur jetzigen Zeit, es handelt sich »m Frühkartoffeln, die sich nicht halten, sondern bald verderben. Und dann noch eins: Die Erutr steht bevor! sie harret der Einfuhr I Hunderttausend« von Händen, die bereit ivaren sie einzusahren, sind fort in den Krieg. Tic Gespanne sind der Erntearbeit entzogen worden. Auf der andere» Seile sind durch die Krise Tausend« fleißiger Hände verdienstlos geworden. Wir fordern auf, bei der Ernte zu helfen: Die Männer sichern sich einen Verdienst und Helsen, daß zn den Wirren und Bitternissen des Krieges nicht noch die Nöte einer Teuerung dazutreten. Seien wir alle einig im Dienste für unser Vaterland! Der Vorstand der Vrrrinigtcn Landwirte für Frautsurt a. M und Umgrgeud. Hensel. Hirschel. BekllNktmlllhuU. Unsere Schalter sind bis auf weiteres nur vormittags bis VI tllir pfiiift. Kneiibttg, 3 . August 1914 . iUittflbeutJdjf EMlmI'. Jepositenkasse uni) Wechselstube. Verantwortlich für den politischen Teil: Otto Hirschel, Friedberg; für den lokalen und unterhaltenden Teil Bernhard Lenz, Friedberg-, .für den Anzeigeuteil: Karl Schmidt. Fricdberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung". A.-G.. Friedberg i. H, R . 178 jieuc Tugeszenung. momag, een b. August 1»14 Seife L zu Einkaufspreisen im Total-Ausverkauf j August Neuho Friedberg 5 Kaiserstraße 13. frirbbrra Sor|(f)tii= ii. KrM-Zemii Eingetragene Ceiioffenschaft mit beschrän-te- Haftpflicht. Zwei Lehrlinge mit den nötigen Vorkenntnissen können sofort bei uns eintreten. Psrschh- ii. iSiriiikSftriii W Eingetragene Eenossenschast mit beschränkter Haftpflicht. Durch den seitherigen Kriegszustand und die jetzige Mobilmachung sind wir außergewöhnlich stark in. Anspruch genommen, ferner werden uns hierdurch unsere sämtlichen Arbeitskräfte entzogen, sodaß wir gezwungen sind unsere Casse dis auf weiteres nur an den Vormittagen von 9—12 Uhr offen zu halten, um die nötwendigen Arbeiten verrichten zu können. - - ' Seit.: Den Vollzug des Weingesetzes vom 7. August IMS Dekanntmachnng. Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, dast die Absicht, Traubenmaische, Most oder Wein zu zuckern, entsprechend den von dem Bundesrat zu § 3 Abs, 4 des Gesetzes vom 7, April IMo erlassenen Aussührungsbestimm- ungcn unter Benutzung des lier- sür vorgeschriedencn Formulars der Ortspolizeibehörde anzu e een ist. Desgleichen ist cgch über die Herstellung von Hausirunk eine Anzeige bei mir zu erstatten. Diele Anzeigen gellen als an dem Tag erstatte», an dem sie bei mir cingegnngen sind: sic lönne» aber auch während der üblichen Burostunden durch Eintrag in die von mir bei der Bolizciverwaltuiig ausgclegten Listen vollzogen rverden, Zuwiderhandlungen gegen die Borschristen der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen werden wenn sie aus Iahrlüssiglcit begangen, mit Geld irefe bis 150 Mt. oder mit Hast, und wenn sie vorsetzlich ausgesührt, mit Geldstrafe von 000 Mi, odcr mit Hast bis zu 0 Wochen bestraft. Friedberg, den 31, Zuli 1014. Der Bürgermeister. Stahl, nt Jacken Hemden Decken >NJ Friedberg i. H. dem Rathause gegenüber. Mehrere gebrauchte " “üi Kaiserkrone, hat abzugeben H!ii!!ci% föusrnbot. mit Rohr billigst zu verkaufen. Ne»«e Tageszeitung Druckerei u, Verlag A. E. Friedberg i. H... Durch die enorme Mehlpreissteigerung sind die Bäckermeister Friedbergs genötigt, die Brodpreise um eine Kleinigkeit zu erhöhen und kostet von morgen ab: 2 Kilo Weif; Brod 60 Pf«?. 1 Kilo „ „ 30 „* '2 .Kilo „ „ 1 5 „ 2 Kilo gemischtes 56 i Kilo „ „ 26 1- LUlo „ „ 14 Weizenmehl 0 Pfd. 25 BUcker-ZmiiW ftrirMriji. Ein zuverlässiger Schreibgehilfe sofort gesucht. Wo sagt die Expedition der Neuen Tageszeitung. i :. t 1 ,-i.l S fricbbrrrii.fi., Srlrfon 355 Dr«trrn-«.Kalkrn-Uolire»» v f | Gel-Lackfarbe HHÖ i 11 fl} tl) ll f f H. in 6 prachtvollen Nuanzen. Münzeiifoerger _ Möbelfabrik VerkaufssteiSe Friedberg i. H. Telefon 429 “ Wolfengasse I, vis-ii-vis IFotel Tfapp empfehlt Speise-, Herrn-, Schlaf- und Wohnzimmer, compl. Küchen=, einzel Möbel, sowie Potstermöbel >: in erstklars gcr Ausführung.- Durch eigene Fabrikation sind wif in der Lage billige Preise bei bester Verarbeitung zu-stellen. Franko Lieferung. Dauernde Garantie. 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Beilage zur „Neuen Tageszeitung // l!t. 179 1 Montag, den 3. August 1914. | 7. Zalsraang Wiif ?Tiii tlii.imn Sriurt Mniestät b,8 srni(,t8 un!> ftütiiftSfoirt hiermit in 5or?o(n be-?~$»'föi}e4 beiressend 'SWf>«nm»en Wt» I' ? -ci. \ . iil. - ..To'V'i z>>»> Schicht unsere» bkdrohten Vaterlaned» der 1 1 ', i>n i l- 'iTj'iifi® mir P -r Vmibjimm 1. Äiifflf&ol? nutzer de» Militärpflichtigen »ud ed» noch nicht militärischen Mannschi sten, die militärisch au»gebildeten Mannscks>ften deS 2. Aufgebot». I. PiiiiVjugfn werden zunächst nur militärisch auSf bildete Leute, und zwar ») soiort nur soviel«, als siir den zum Schutze und zur Uebcrwachung des Verkehrs innerhalb des Korpsbezirks eingerichteten Be- wachvvgsdienst erforderlich sind. Diese Leute werden nach Möglichkeit in der Nähe ihres srinrhu-nhiiiui fiiibcit; sie können während der ersten 14 Lage v»> —.*—>-•■*■> uichrere Male wieder in ihre Heimat beurlaubt werden: < > Err ^cftcljt aus allen Wehrpflichtigen dom Vollendente» 17. o» vollendeten <5. Lebensjahre, welche weder den, Heere, noch der Marine und deren Benilairötenstande angehören. Sr wird eingestellt in da» l. Aufgebot; z» diesen, gehören die Lond- stnrmpftichtigen bis zum 31. März desjenigen Kalenderjahre», in welchem sie ihr 33. Lebens- ,>l>r vollenden. Sie sind alle militärisch nicht a»»gebildet: »n» 2. Ansgebot: zu diesem gehören bi» zuin vollendeten 45. Lebensjahre, ») alle Landsturmpslichtigcn, die aus den, Landsturm 1. Ausgebots ansgefchieden sind, >>> alle Personen, die ihre Dienstpflicht in der Landwehr und Seewehr 2. Ansgebots ibgeleistet haben. Die unter t> Genannten stellen den militärisch a n s g e b i l d c t e n Landsturni dar. Bis zur Anslösiing des Landstiirine» findet ein Ilebertrilt vom l. zum 2. Aiisgebot sowie ein Ausscheiden aiis dem Landsturm nickst statt. Militärpslickstige sind Wehrpflichtige vom I. Januar de» Kalenderjahres ab, in dem sie 20. Jahre alt werde», über deren Militärverliättni» eine endgültige Enticheidung noch nicht getroffen ist. ' ^ ver Aiisrus gilt micf> für Landü„rn,pflichtige. die sich im Auslnndk befinde». Sie haben, sojern sic nicht ausdrücklich befreit s iid, sofort z,«i«kzu- kehren Von >eht ab siiid Besreiungen von der Rückkehr iiiizulossig. Tie militärisch ausge- VNde l en Landsturnrpslichtigen haben rffrch üMn, K e z i r k s ko ni ui a n d o de» bei der Rückkehr zuerst berührten Landwehedczlrks. die „ n a n 4 g e b i l d e t c n (»e, dem Zivilrwrsitzen- den der krsahkcnunijsio» >h>..- Wohnsihes, i» ckr- .uangelung eines solche» bei dein Zivckvorsiheil- den zu melden, dessen Bezirk sie bei der Rückkehr nach Deutschland zuerst erreichen. Wer nicht die nötigen Mittel zur Rückreise besitzt, kann aus den, nächsten Konsulat die Reisekosten vorschutzweis« erholten. Die Koste» müssen später dem Konsulat erstattet werden. 4. Befreit von der Gestellung ist nur, wer al» seid- und garnisondienstnnfähig oder al» unabkönimlich anerkannt oder wer als dauernd untauglich auSgc- mustert ist. , AuSgeschlofle» vom Aufruf ist. wer mit Zuchthaus bestraft ist, tver sich nicht im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befindet und wer au» dem Heere, der Marine und der Schutztruppe ent- r».„i in 5. Einberufung. a) 1. Alle Offiziere, Acrzte, Tierärzte und oberen Militärbeaniten de» Beurlaubte nst a n d c s und zur Disposition sowie alle tandsturmpflichtigen . ebemallgen Offiziere, Aerzte, Tierärzte und oberen Militärbeamten des Friedens- und Bcurlaubtenstandes de» Heere» und der Marine haben sich soweit sie noch keinen Gestellungsbesehl haben, 48 Stunden nach Bekanntgabe des Aufruf» mündlich oder schriftlich unter Vorlegung vorhandener Militärpapiere bei dem Be- zirkskoinniando, in dessen Bezirk sie ihren Aufenthalt haben, zu melden. 2 In gleicher Weise wollen sich melden die vom Aufruf zwar nicht betroffenen, aber zum freiwilligen Eintritt in das Heer, di« Marine und den Londstunn bereiten ehemaligen Offiziere, Aerzte, Tierärzte und oberen Militärbehörden de» Frieden»- und Beurlaubtenstande» de» Heere» und der Marine, ehemaligen Bizedeckossiziere und Deckossi- ziere de» Friedens- und Beurlaubtenstandes der Marine, ehemaligen Unteroffiziere de» Heeres, welche mindestens 8 Jahre aktiv gedient haben und sich mit einer etwaigen Verwendung al» Offizierstellvertreter einverstandcn erklären, Zivilärzte, Zwilfterärztc und geeignete Z>- vilbeamte, die nicht gedient habe», aber zur Verwendung in Sanität»- und Vetc- - rinarasfizierstetlsn und in Beamten strck- len bereit find. Tie Einberufung derrmtrr » genannten 'llerso- nen ziii» Dienst erfolgt durch Gestellungsbefehle, t») Die militärisch ousgebildeten Landsliirnilriitc. die sofort für den Bewachiingsdirnst erforderlich sind, werden durch Gestell,iNgrvesehse einberuse». Die militärisch auSgebildete» L>"d sturmleute« die für die Landsturnisorttiatio. nen erforderlich sind, werden durch Aestel- liingsbesehle einberuse», « Wer der Sufforderung zur Stelliiiig a» den in den Gestellungsbefehlen angegebenen und an den durch die Bezirkskommandos öffentlich bekannt zu machenden Tagen nicht Folg« leistet, wird mit Freiheitsslrase vis zu (i Monaten (M. St. G. B. 8 64), und wenn die Stellung nicht innerhalb dreier weitere, Tag« erfolgt, mit Freiheitsslrase von sechs Monaten bi» zu fünf Jahre» bcst-aft (M. St. G, B. 8 68), sofern nicht wegen Fahnenflucht eine härtere Strafe verwirkt ist. Für die im Ausland Befindlich» verlängert sich die Gestellungsffist »in die Zeit, welcl»e „ach erlangter Kenntnis von dem Aufrufe zur >- fortigen Rückkehr erforderlich ist. «) Die militärisch nicht auSgebildete» Landsturin- pflichtigen sind vor der Einberufung zmn oktvien Dienst der Musterung und Aushebung unterworfen. Hierzu haben sich die des 1. Aufgebot» mit Ausnahnie der Militäi- pflrchtigen und der noch nicht Militärpffich tigen in derZeit vom 8. bi» ein- schlietzlich 12. Mobil in ach nng »- tage unter Vorzeigung etwaiger Militär- Papiere bei der Ortsbchörd« ihre» Ausenthaltsorte» zur Stammrolle (Landslurmrolle) anzumelden. Wer die Anmeldung zur Stammrolle in der vorstehend gesetzten Frist nicht beunrkt. wird mit Freiheitsstrafe von sech>» Monaten bi» zu fünf Jahren bestraft (M. St. (». B. § 68), sofern nicht wegen Fahnenflucht eine härtere Straf« verwirft ist. Für die i-n Ausland« Befindlichen verlängert sich die Anmeldefrist um die Zeit, welche nach erlangter Kenntnis von de», Ausruf zur sofortigen Rückkehr erforderlich ist. Ueber Zeit und Ort der Musterung und Aushebung der niilitärisch nicht ansgebilde- ten Landsturmpflichtigen wird später befohlen 6) Von jetzt ab finden die ausgeruseneu Landsturmpslich tigen diecknr die Landwehr und Seewehr get tendea Vorschriften Anwendung. Insbesondere sind die Allsgerufenen i>r» Militärktras gesehen und der Disziplinär Sie wrdiiiinn . unterworfen. Drr fiommnntiirrrnbf (Brnntl des XVIII. Armktkoljis. ’.'ir. 17 s »tut TagrsjtUung. Moniag, otrt 3 . üiuguit 1314 •-*« m4i < - i .. .. .. ' .. ® li' ' .. ■ i iiii. _ ~ , .. . J i . ,,, .. . WJt 7. Es gelten die roten Kriegsbeorderungen; die gelben find Ungültig. In iimmmkttkiiöt fennnl iw IS. Jt*. 1V9 ■Jitut Tageszeitung. Montag, ocn 3. Auzu>t 1314. Betr.: Mobilmachung. Bekanntmachung. Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis,, dag die Schulsäle in der Musterschule, sowie diejenigen^ der Schule im Stadtteil Fauerbach zum Einkleiden von Mannschaften erforderlich sind. Der Unterrricht in den genannten Schulen fällt deshalb b>s auf weiteres aus. Friedberg, den 1. Aug. 1914. » Der Schulvorstand. Stahl, Vorsitzender. Betr. Mobilmachung- Bckniintniachuug. Nachstehende Bckanntuiaung bringe ich hierdurch zur öfscntlichrn Kenntnis. Friedbcrg, den l. August 191 I. Ter Bürge rmeister. Stahl. Brkanniinachung. . Zur Sicherstellung der Betriebst taff Vorräte für Kriegs- zwecke wird gemäß Artikel bä des Gesetzes vorn 8. Juli 1911 l.treffend die innere Verwaltung der Kreise und Provinzen, l is aus weiteres jede Abgabe von Benzin und Benzol aus sämtlichen BerkausSstelle» und Lagern >>n Kreise Friedbcrg, Sei Meidung einer Geldstrafe bis z» neunzig Mark verbotr». Von dem Verbote ausgenommen ist die Abgabe von Be», jin und Benzol: a) an die Genicindebchördc gemäß 8 3 Ziffer 6 des Kriegslcistniigr.gcsctzcsi d) an Private (Acrzlc nsw.) sofern durch eine von uns ausgestellte Bescheinigung die Ermächtigung zur Abgabe von Betricbsstosfen ausnahmsweise erteilt wird, sofern Private für den Transport ihrer zu Kriegszwecken in Anspruch genomniencn Kraftfahrzeuge zum Gestellungs- ort einer Ergänziing ihres Bctricbsstoffvorrates bedürfe» sollten, sind die Gcmeiiiden auf ciitfprcchendcn Antrag verpflichtet, die erforderliche Menge gemäß 8 9 Ziffer 6 brL KricgslcislungsgejctzcL aus den Spcrrvorrätcu zur Vor- siigimg zu stellen. ' Jricdberg, den 1. August 1914 Großh. Krcisamt Friedbcrg. Betr. Mobilmachung. Großh. Kreisaint Friedberg. Tic nachstehende Bekannt,nachung bringe ich hierdurch zur öffentlichcn Kenntnis. Friedbcrg, den 1. August 1914. Stahl. - ' - -*> »• ' v Vcknnntmachung. hierdurch bckänü! P''ccdeaubhcbungsvorschrist wird Pfcrdeaushcbiing jcde Ansfü^r^?, Becndtgung r Kreise Friedberg verboten ist. -»-'-'.aus dem Zuwidcrbaiidliingcn werden für jeden einzelnen Fall mit der in 8 27 des Kriegsleistungsgcsetzes vom 13. Juni >873 vorgesehenen Strafe von 150 M für jeden Contraven- tionsfall geahndet. Eine Ausnahme ffndet nur statt, werrn nachweislich der Verkauf a» Militärbehörden des AuS> hebungsbezirkcs oder an solche Offiziere, Sanitätsoffiziere oder Milrtärbcamte, welche sich die Pferde für ihre Mobilmachung selbst beschaffen, geschehen ist. ' v<\ F r ie d b e r g, den 1. August 1914. Großh. Krcisamt Friedbcrg. -- ■ - '»y i • Belanutmachnng. . i Ich bringe hierdurch znr öffentlichen Kenntnis, daß das für die Mobilmachung nötige Pferdcaushebungsgeschäft am Montag, den 3. August, Tienstgg, de» 4. August, Donnerstag, den 6. August und Freitag, den 7. August je Vormittags von 6 Uhr ab auf der Kaiserstraße dahier stattfindct. Ten Pferdebcsitzern wird durch besondere Ladung noch mitgeteilt, an welchen der vorgenannten Tagen sic mit ihre» Pferden zur Aushebung zu erscheinen haben. F r i e d b e r g, den 1. August 1914. Ter Bürgcrmristcr. k Stahl. Bekanntmachung. Ich mache die Besitzer derjenigen Pferde und Fahrzeuge, die bei dcr Mobilnrachnng z» stellen sind, auf folgende gesetzliche Bestimmungen aufmerksam! 1. Ucbertret ringen der hinsichtlich der Stellung der s- Pferde zur Airshebung getroffenen Anordnungen werden nach 8 27 des Kriegsleistungsgesetzes vom 13. Juni 1873 mit Geldstrafe bis zu Einkmnderrundiünf- zig Mark geahndet. *" .? «>., H. Pfcrdcbesitzer. welche ihre geflcllungspflickit>gest Pferde nicht ungesäumt und vollständig vorführcn, haben außer dcr gesetzlichen Strafe zu gegenwärtigen, daß auf ihre Kosten eine zwangsweise Herbeischaffnug dcr nicht gestellten Pferde vorgcnommen wird. 8. Ter Verkauf eines Pferde- vor erhaltener Gestcl- lungsauffordcrrmg entbindet nicht von dessen Gestellung, fasern die Ablieferung an den neuen Erwer- ber noch nickt erfolgt ist. Eine Ausnahme findet nur statt, wenn nachweislich der Verkauf an die Militärbehörde, an Offiziere, Sanitätsoffiziere oder Militär- bcamte, welche sich ihre Pferde für die Mobilmachung selbst beschaffen, erfolgt war. 4. Don Bekanntgabe des Mobilmachungsbefehls bis ».ich Dcendigimg dcr Pfcrdcaushcbung ist jede Ausführung von Perfde» in andere Kreise oder Ortschatten verboten. Zuwiderhandlungen werden für jeden einzelnen Fall mit der in 8 27 des Kricgsleistungsges- tzes vom 18. Juni 1873 vorgesehenen Strafe geahndet. Eine Ausnahme von dem Verbote findet nur statt, wenn nachweislich der Verkauf an Militärbehörden des Aushebungsbezirkes oder an solche Offiziere, Sanitätsoffiziere oder Militärbeanrte, welche sich die Pferde für die Mobilmachung scllist beschaffen, geschehen ist. __ 8. Bei der Vorführung müssen die Pferde durch den Besitzer versehen sein mit: Halfter, Trense, zwei mindestens 2 Meter langen Stricken und gutem Husbeschlag^, Dcr Wert dieser Stücke ist in der Taxe mit enthalten. ' Fehlt eines derselben, sa werden die dadurch cnk- ^ stehenden Kosten bei der Tarsumine in Abzug gS- * knackst. ß. Pferde, welche als brauchbar auSgewählt- aber zunächst nicht abgenommcn worden, find von den Be- [ jiyern, oer iuceumny t/ei mit»,*. ± uswu^wte*» auf drei Wochen, vom Tage der Aushebung an gcrech- f net, zur Verfügung der Militärbehörde zu halten. Bis zur förmlichen Abnahme haben die Besitzer oder s deren Beauftragte die Pferde zu beaufsichtigen und' aus eigene Kosten zu verpflegen. Wenn die Besitzer out,er —„ nicht genügen, werden die dadurch entstandenen Ko»-.. w m,s*abluno der Tor- summe in Abzug gebracht. - C*<- 7. Bei den bereits früher gemusterten Pferden find cm den Halstern der linken Seite die BesttimnnngStäsel- cheu, welche die Designation der letzten Musterung nufweisen, zu befestigen. 8. Schläger und bissige Pferde sollen ausdrücklich als solche bezeichnet werden, uni Unfällen vorzubeugrv. Friedbcrg, den 1. August 1914. Der Bürgermeister. Vti > . ß ir nächsten MustcrungSgefchäst von neuem ausgesprochen W.'i- den. Friedberg, 1. August 1911 Ter Bürgermeister. S l o 4 l. Bckaiiiitinachnng. Die zum nrilitärischen Nachrichtendienst benutzte» B.--s. kaubcn tragen die ihnen anvcrtrautcn Tepejchen in Alumi- ninmhülfcn, die an den Schwanzfedern oder an de» Ständern befestigt sind. Trifft eine Taube nüt Depesche in einem srsuiden Taubenschlage ein oder wird sie eingefangen, so ist sie o!me Berührung der an ihr befindlichen Depesche »nvcrziig.ich. falls eine Fortifikation am Orte, an diese, andernfalls an den Gcmcindevorftand zu übergeben, dcr für die Weiterbeförderung der Dcpefck)e an die Fortifikation Mainz sorgen wird. An die Ortspolizeibchörde sind des weiteren auch .16511- liefern alle Brieftauben, die im Gebiete dcr Gemarkung beherbergt, geffmden oder eingcsangcu werden, und die nicht Tauben des Verbandes deutscher Bricstcwbeiiliebb iler- Vereine sind. Die Durchführung dieses Verfahrens crlieifcht oic -ntige Mitwirkung der gesamten Bevölkerung. Von ihrer patriotischen Gesinnung wird erwartet, daß jedermann, der in den Besitz einer Brieftaube gelangt, bereitwillig den vorstehenden Anordnungen entsprechen wird Friedbcrg, 1. Anglist 1914 Ter Bürgermeister Stahl. Bekanntmachung Rr. 2. Aus Anordnung des Staatssekretärs des Reis.Postamts, Beschränkungen säe den Post-, Telegraphen- und Froasprcch- »erlehr. 1. Po ft »er ke he mit dem Auslände, Von jetzt ab werden nach dem Ausbund und den deutschen Schutzgebieten mit nachstehend aufgeführten Ausnahmen nur noch offene Postsendungen in deutscher Sprache angenommen und besördert, Pakete sind nicht mehr zulässig. Private Mitteilungen in geheimer (chissrierter oder oerabrcdctee) Sprach« oder in anderer als deutscher Sprache, sernce solche über Rüstungen, Truppen- oder Schisfrbewegungen oder andere militärische Maßnahmen sind verboten, es sei denn, daß sie von militärischer Seite als zugelasieu bescheinigt find, Wertbrief« und Kästchen mit Wertangabe sowie Postaus- trägc nach dem Ausland und den deutschen Schutzgebieten tonnen irdoch unter besonderen Bedingungen zur Beförderung übernommen weiden: Die Ausliescrung ist nur unmittelbar bei Postämtern zulässig, soweit sie nicht militärischerseits für bestimmte Bezirke ganz verboten wird; die Ausliescrung bei n-'gr-ftbilsst-Il-n und durch die Landbricfträger ist demnach verboten. Briefliche Mitteilungen, soweit sie iibrr- haupt zulässig sind, müffen ln deutscher Sprache abgesaßt sein und dürsen ekinen verdächtigen Inhalt haben. Die Sendungen sind bei den Postämtern offen vorzulegen und demnächst unter Ueberwachung der Beamten zu verschließen und zu versiegeln, a. iiiitt.,*.,, und Fernsprechverkehr mW dem Ausland und t«. InIon»« Privattelegramm« na dem Ausland und lm Inlande müssen in offener und deutscher Sprache abgesaßt sein. Tele- gramm« in fremder oder in geheimer (chissrierter oder vcrab rcdcter) Sprach« sowie solche über Rüstungen, Truppen- oder andere militärische Maßnahmen sind verboten. Di« Telegramme müssen bei der Auslieserung mit Namen uud Wohnung des Absenders oersehen sein. Aus Verlangen mästen sich Absender und Empsänger über ihre Persönlichkeit ausweisen. Der private Fernsprechoerkehr nach dem Ausland und nach einigen am Schalter zu erefagenden Grenzgebieten des Inlandes wird eingestellt. Außerhalb dieser Grenzgebiete dürsen Gespräche im inncrn deutschcn Verkehr nur in deutscher Sprache geführt werden und keine Mitteilungen über Rüstungen, Truppen- oder Schiffsbewegungen oder ander« militärische Maßnahmen enthalten, i Der Funkentetrgraphenverkehr wird eingestellt. Weitere Beschränkungen oder Erleichterungen des Post», Telegraphen- und Fernsprechverkehrs bleiben Vorbehalten, Kaiserl. Deutsche Oberpoftdirrltion Darmstadt, Erna und Nje. Roman von D. Feußner. 18 (Fortsetzung). Entsagen? O, wie öcrgcsschwcr deuchte ihm aus einmal dieses Wort, und die Gewalt seines Inhaltes unffaßte sein ganzes Selbst, als wollte cs seinen edelsten Lebensnerv töte». Ja, es riß in ihm etwas entzwei: er sollte scheiden von dein Liebsten auf dcr ganzen Erde uud dieses Schreiben tat ihm so unendlich weh. — Was sind körperliche Schmerzdn gegen das Leiden dcr verwnndewn Sclc? Jene werden gelindert und geheilt durch natürliche Basfnme, aber diese vernarben nur lenkst unter dcr milden Hand der Zeit, um bei dcr kleinsten Be» rührung aufs neue zu bluten und zu schmerzen, bis die ent- gültigc Hcilniig hcrbeigesührl wird, da? Herz zum Wcitcr- fchlagcn zu milde ist, sich noch Rübe sehnt uud diese.ist)'.Tode — im Grabe findet. Was er machen wollte und »nißte, war ihm gegenwärtig noch nicht klar, aber im Zimiiicr litt es ihn nicht niehr — er sehnte sich hinaus in di« Ferne, zu seinem alten Bekannten, dcni düsteren Walde. Wehe Wind und kühle meine Wangen, Komm' Erinn'rnng, stille mein Verlangen, Döglcin die ihr Leiben noch nicht kennt Euch iaa allein ,ck wie'K im Herren breuntl Diese Worte hatte er schon wiederholt dem düstere« Walde zugerufen, und jedesmal war ihm das geheimnisvolle Rauschen der Bäume als trostsendende Antwort erschiencn. So stürmte er denn hinaus, um die Nähe der Menschen zu fliehen: sich in dcr Einsanckeit zu sammeln und zu stärke» gegen die Angriff eseines herben Schicksals. — Sein Weg ging über die Brücke des Flusses, bog dann rechts ab, um zugleich als Damm gegen die Flut am lt f ec entlang zu führen. Rach ungefähr einer halbe» Stunde trennen sich in einer Waldeckc Weg und Fluß. Jener führt in einer sanften Krünunung nach links in den herrliche» Hochwald und dieser schlingt sich als ein» seine Ostscite ein- säumendes, breites Silberdond, um denselben. Hastig ging Roderich den Damm entlang und verlor sich bald in den Schatten des rauschenden Waldes. Vor den Schietzstöirden führt ein Weg von den, Hauptweg« ab, inrmer'tiestr in den Wald hinekn. Diesem folgend, kam' er bald auf eine Waldwiese, welche sich a» einem schönen mit einigen Schlingpflanzen durchwachsenen Teiche ausbreitet. „Du Waldidhlle tust mir wohl", murmelten seine Lippen, hier will ich vergessen, was mir bisher als schönstes Bild vor meiner Seele stand, hier will ich mienc letzte Hoffnung zu Grabe tragen und erstarren lassen, was vordenr feurig glühte. Nickt weit von >l»n äffe ein alles Reb, von seinen beiden Jungen umspielt; unbekümmert um den einsamen Man» stellten sich alle drei ibres sorglosen Daseins. „Ich beneide euch, um euer stilles Glück, uin -eure Zn- stiedenheik, drum will ich versuchen, von euch etwas zt« lernen." In den Chatten einer mächtigen Rotbuche toarf Roderich sich nieder, um wenigstens im Geiste noch einmal hinzu- eilen an die unvergeßliche Stätte, wo er geglaubt batte, ein Herz zu gewinnen. Wie anmutig ün5 wie von Liebreiz der göttliche» Venu« übergosscn, sah er sie damals durch den Wald schreiten, b imr kam der für ihn furchtbare Moment ihres Verschwindens und endlich der ihn beglückend«, als er die scheinbar Lcblc-'e den tückischen Fluten entriß. Die erste große Täuschung seines hoffnungsvollen Lebens war ihm heute widerfahren: er hatte gelernt, war es hitsjff jxiper süßesten Hoffnung beraubt z» werden, ab«, auch,'daß man von dem Leben nicht zuviel «rwarreu und n r dein darf. Es gibt Momente, in welchem auch ein starkes Hertz schwach, und ein hoffnungsvolles aller Hosstiuugen bar wirb. Die Hindernisse, welche sich in den Weg des Dasein? a»i- türmen, erscheinen ihm unüberwindUch und angekränkelt von feiger Furcht vor dem Koinpfe gegen das Geschick, gleitet cs der sein Leben vernichtenden Dcrzweisluna entqeoen- IFortseßutig fotflfl, Vr. ,7» Neue Lageszeilung. Montag, den 3. Juli. I8l1 Auszug aus dem Militär-Lokalzugs-Fahrplan. Seit.' i. Anmerkunge n: 1 . Z» der Nacht vom 2 . zum 3. Mobilmachungstag hört der Friedensfahrplan auf und tritt der Militiir-Lokalzugs Fahrplan in Kraft. Eil- und Schnellzüge verkehren dann nicht mehr. 2. Wenn anderes nicht ausdrücklich gesagt ist, verkehren die Militär-Lokal-Züge nach untenstehendem Fahrplan vom 3. bis rinichl. 6 . Mobilmachungstage. Falls Züge nur an bestimmten Tagen fahren, ist dies im Fahrplan durch eine Anmerkung kenntlich gemacht. Vom 7. Mobilmachungstage an besteht kein fester Fahrplan mehr, Fahrtgelegenheiten sind dann auf den Bahnhöfen zu erfragen. Die stark umrahmten Züge sind Sonderzüge für die nach Friedberg Einberufenen. Diese Sonderzüge sind möglichst auszunutzen 3. Die Zeiten von 6 — Uhr abends bis 5— Uhr morgens sind i x. t. Mittel Grlindan—Nidda (nach Butzbach s. Streck« Friedberg (Hessen) »ach Bi ürch Nr. 4). Mittel-Eründau Büdingen Büches-Düdelsheim Bleichenbach Stockheim (Hessen) Ranstödt Nidda Nidda, Friedbecg (Hessen) ab 3>» 553 ca Ä 040 620 a 048 628 . „ 057 637 g ” 418 435 6*8 715 T an 450 730 2S ab 745. — & an 935. ■st or p KirchgSuS—Friedberg (Hefien-. •'für l M.d.l tag Mrchgöns ab Butzbach „ Ostheim bei Butzbach „ Bad-Nauheim .. Friedberg (Hess««,) >. 282 253 259 321 732 753 759 82t 232 253 259 321 732 753 759 821 072 812 8*3 330 901 U' ' Nr. Z. Frankfnrt-Berkrrsh-im—Frleddcrg (nod) Butzbach s. Strecke Friedberg (Hess.) nach Butzbach Nr. 4) Franksurt-Berkersheim Vilbel-Süd Vilbel-Nord Dortelweil Grotz-Karben Okarben Nieder-Wöllstadt Bruchenbrücken Friedberg (Hessen) ab 157 657 157 2Ö7 707 207 1 2ii 7U 211 21? 717 217 225 725 225 230 730 230 237 737 237 244 744 244 254 754 254 an 657 707 7Ü 717. 725 730 737 7 ?* 754 Nr. 4 . Friedberg (Hefien)—Butzbach. Friedberg (Hessen) ab 302 802 302 802 — Bad-Nauheim 9f 315 815 315 815 — Ostheim bei Butzbach ,, 333 833 333 833 — Butzbach an 345 845 345 845 Nr. ö. Gkdtrn-SlBkim-Ni-dli-dkiksshtim—Frikdbttg Wen) (nach Butzbach s. Streck« Friedberg (Hessen) nach Butzbach Nr. 4) 4—Eidein } Mertensritz Hirzenhain Litzberg Eckartsborn Ortenberg Selters (Oberhesieiu Stockheim 'Hessen' Stockheini (Hessen» Glauberg Enzheim Lindheim Altenstadt (Hessen) Höchst a. d. N. Heldenbergen-Windecken Heldenbergen-Windecken Friedberg (Hessen) ab 0 ! 6^‘ 633 638 6*1 ßfT, 700 70c. 715 7« 7 »» 7*4 748 3° §08 ab! 3 34 (UM. 9 12 621 6Ü 038 651 055 700 71« : 712 733 7*1 7 Ü 7 18 8 '») I HW j 825 -3» 1 % 5 3 3 o rw 3 durch unter st eichene Minutenzahlen kenntlich gemacht. 7 Nr. 8 . Heldenbergen-Windecken — Friedberg (Hefien) (nach Butzbach siehe Strecke Friedberg (Hessen) nach Butzbach Nr. 4) Heldenbergen- Windecken ab Erbstadt-Kaichen Assenheim " Friedberg (Hessen) an 134 | 8 »> 150 • 850 2 ® 9"0 212 912 904 ' 920 930 942 134 ! ,50 2»0 l 212 f 9 lr. 7 . Fahrt nur am 1 . Mo biim. Tage Berftadt-Wohnbach — Friedberg (Hessen- l (nach Friedberg siehe Streck« Friedberg (Hessen) nach Butzbach Nr. 4) Berstadt-Wohnbach Wölfersheim Melbach Beienheim Beienheim Dorheim Friedberg (Hessen) Nr 8 . 1 ■■ i' "W mm 837 8 47 851 857 y 905 910 < 917 924 \ 934 Hö^oen Nidda Salzhausen (Oberhessen) Eeih-Nidda Heuserhos Grund-Schwalheim Echzell Gettenau-Bingenheim Reichelsheim (Wetteraul Weckesheim Beienheim Friedberg (Hessen) *;U'( ab 716 710 734 731 .. 743 743 «m 753 753 ab 913 803 923 813 *in 0 ** e*>r. (m 1 ab 71- 555 720 6 oo n 745 62 f. 758 638 801 641 8>1 6*1 822 70J 832 712 838 713 849 729 859 73-1 913 803 an 935 825 Nr. 9. Trais-Münzenberg—Butzbach (nach Friedberg s. Streck« Kirchgön» nach Friedberg (Hessen) Nr. 2). Trais-Münzenberg Münzenberg Gambach (Hessen» Griedel Butzbach (Ost) Butzbach Stbs. ab 639 639 647 611 703 7't.i 718 718 ! 733 733 an 740 74U Nr. 1«. Holzhausen—Friedberg (Hefien) (nach Butzbach s. Strecke Friedberg (Hessen) nach Butzbach Nr. 4). Holzhausen 0 . d. H. Rodheim v. d. H. Nosbach 0 . d. H Friedberg (Hessen) ab an 752 1052 | 5*2 1052 756 1056 5*6 IO-»*» i 803 1103 003 1103 820 1120 | 6 20 1120 Nr. 11. Griedel—Bad-Nauheim (na* Friedberg f. Streck« triichgäns aa^ FrieLbeeg. (Hessen) Rr. 2.» Griedel Nockenberg Oppershofen Sieiniurtl» Bad-Nauheim ab 720 720 11 1 732 733 739 7 ZN 750 750 an 806 800 Bezirtskommando Ariedberg.