Umumcr 176 Donnerstag, den 36. Inli 1614. 7. Jaljrgang „iicu- eao«-!'>t»ng" rucheml ,eden 2eerltax. Regelmäßige Beilagen „Verkauft oao fjtlTen", „Cie Hpinuftubc". Ä.,ug-peei,: Sei den Soitanftalteu viertel,ahrlich Uff H e, ten Sgcnten monailid) 50 SfB. S«niu I„I! Postgebühr oder Trägerlohn. An, eigen: Grund, eile 20 Pfg., lokale 15 Pjg, Anzeigen van -us-varls werden durch Pd'lnachnahine er laben _Erfüllungsort Friedberg. SdirtfUeilum, und Verlag Friedberg lSesien,. Hanauertiaße 12. Femiprecher 48. Posticheck.Lsnl» Nr. 4859, Am! Fronlsurt M. Verschärfung der Lage. Tic Mobilisierung von sech;ehn russischen Armeekorps. — Ein Telegramm des Kaisers. — Un - behagen in Frankreich. — Ernste Anffafsung in England. — Kämpfe vor Belgrad. Tic Gesamtlage ist ernster geworden und man erwartet für die nächsten Stunden eine Entsä>eidung Rußlands. Es kann keinem Zweifel mehr unterliegen, daß sich Rußland c.n» schickt, das Schwert aus der Scheide zu ziehen und damit einen Weltbrand zu entfesseln, dessen Ende nicht adzujehen ist. Zwar kann man von tartarischer Verschlagenheit nicht erwarten, daß sic Oesscnhcit dulden würde, allein, wen» >6 Armeekorps mobilisiert werden, so redet diese Tatsache eine Sprache, die nichts mehr zu verheinilichen braucht. Auch für Deutschland drängen allmälig die Ereignisse zum hmideln. Wir können nicht ruhig mitansehen, wie die Rusicn Truppe» aus Truppen häufen, und ihre Position verstärken, um unk- schließlich erdrücken zu können. Nochmals scheint zwar der Versuch gemacht worden zu sein, den Zaren ans friedlichen Weg zu bringen, indem der deutsche Kaiser an ihn eine Depesche geschickt hat, die sich mit einer gleichzeitigen Depesche des Zaren gekreuzt hat. Noch ist ihr Inhalt nicht bekannt, zweifellos bildet er aber die letzte Hoffnung aus Erhaltung des Friedens. Frankreich mutz jetzt so recht erfahren, daß man nicht ungestraft mit den, Feuer spielen soll. Jahrelang ist man nicht müde geworden, nach Revanche zu schreien und jetzt, ba man die Folgen der Kriegshetzeret zu spüren bekommt, sängt ein wachsendes Unbehagen an, sich breit zu machen, das alles andere nur keine »ricgsbcgcistcrung bedeutet. Auch in England schweigen die deutschfeindlichen Stimmen und man beginnt dort einzusehen, daß Britannien eigentlich keine Veranlassung hat. für das Moskovitcrtum die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Es wird in allen Zeitungen so viel davon geschrieben, daß die Regierungen Frankreichs und Englands von aufrichtigster Friedensliebe beseelt seien. Wenn das der Fall ist, so muh man sich fragen, warum die beiden Staaten nicht setzt Rußland in die Arme fallen, waruni cs den Weltfrieden in brutaler Weise stören will. Beide Staaten sind doch mit Rußland im Dreiverband vereinigt, ein Machtwort von ihnen würde sicherlich den größten Eindruck aus ihren Freund an der Neva machen. Bei Belgrad haben die ersten Kämpse begonaca. die . lehr ein Artillericgcfecht darstcllen. Soeben kommt eine Nachricht, daß die Serben bei Foca eine schwere Niederlage erlitten hätte». Diese Kunde ist aber nicht beglaubigt und wir bemerken heute schon, daß alle Nachrichten über stattgehabte Schlachten mit äußerster Vorsicht aufzunehmcn sind, denn niemals wird mehr gelogen als vor einem Krieg und nach einer Jagd. Auch aus allen kleineren Staaten treffen Botschaften ein, daß sie sich für alle Möglichkeiten in Bereitschaft halten und auf dem „Lui vivc" stehen. Aus Belgien, Holland und der Schweiz kommen solche Nachrichten. Eine recht verdächtige Haltung nimmt Numä- nie» ein, das fast als russischer Grcnzwächtcr anzusprechen ist. So werden denn die Ereignisse ihren Lauf nhmen. Noch ist nicht alle Hoffnung auf eine Beschränkung des Krieges aufgegcben, die Hoffnungen sind aber auf da? Mindestinaß ycrabgcsuuken. Ist diese Hoffnung trügerisch, dann beißt es: Aus Gott und die eigene Kraft vertrauen und seine Pflicht erfüllen! Die russische Mobilmachung. Die russische Mobilmachung. London, 29. Juli. Die russische Mobilisierung t; schränkt sich auf die Militärbezirke von Kiew, Odessa, Moskau und Kasan. In jedem Bezirke stehen vier Ar- me.lorps in Friedensstärke. Durch die Mobilisation werden IG Armeekorps aus die Stärke von 32 Armeekorps gebracht. Kasan ist der Zenlralbezirl, von dem aus die Reserven für die Weslgrenzc zusammengezogen werden. Petersburg, 2g. Juli. Die Seeverwaltung teilt mit, daß die Feuerschisse vor Libau, Luserort und Earytschess von ihren Standorten entfernt worden sind. Der Leuchl- turm von Renscher und die Leuchtseuer von Roengrund und Smultongrund sind a usg c loscht worden. Bei Sewastopol sind alle Feuer und Leuchttürme außerhalb des Ehersones ausgelöscht worden. Die Einfahrt »ach Sewastopol ist während der Nacht verboten. Petersburg, 29. Juli. Der Kaiser sagte in seiner Ansprache an die Alviranten der Marineschulen u. a.: „Ich befahl, Sie angesichts der ernsten Ereigniffe, welche Rußland jetzt durchzumachen hat, zusamlnenzuberuseu. Während des Dienstes als Ossiizer, der Sie erwartet, vergessen Sie »ich!, was ich Ihnen sage: Glauben Cie an Galt, haben Cie Glauben an de» Ruhm und die Größe unseres mächtigen Vaterlandes." Die Stimniuiig in Petersburg. Polizeilich erlaubte Ertrablättcr gaben den Ausbruch des Krieges bekannt. Die Bevölkerung ist lebhaft erregt. Diele kleine Demonstrationszügc durchziehen die Stadt. Auf dem Newski- Prospekt stehen einige tausend Menschen, welche die Zarenhymne singen. Tie deutsche und österreichisch-ungarische Botschaft werden stark bewacht. Bisher sind keine Aiisschrei- tungcn vorgckommcn. Beunruhigende Haltung Rußlands. Die Kanonade vor Belgrad hat in Petersburg große Aufregung verursacht. Man ist nunmehr jeden Augenblick auf das Erscheinen eines Mobilisationsmanisestes gefaßt. Wie verlautet, betrachtet die rufsisck>e Regierung das erste organisierte Vorgehen der österreichisch-ungarischen Heere als Kriegsfall. Von der russischen Grenze. In Bendzin hat eine Pserdcmustcrung stattgcfunden, bei der eine sehr große Anzahl von Pferden angenommen und den Grcnzbesetzungstruppen überwiesen wurden. Die Stiiiinmnz in der Bevölkerung, wenigstens so weit die polnischen Bewohner in Frage kommen, ist durchaus gegen einen Krieg. Da- für durfte auch sprechen, daß in den letzten Tagen, wie ge- meldet, in Myslowitz über 50 russische Deserteure eintrasen. — Sonst deutet an der oberschlesischen Grenze nichts auf eine Beunruhigung hin. Eine Verstärkung der russischen Grenzbesatzung hat bisher nicht stattgcsundcn, im Gegenteil, zahlreiche Angehörige der Krcilzivachc sind zur Teilnahme an einen« Ansbildiingskursus in Ezenstochan komnlandiert worden. Das Kosakenregiliicnt in Bendzin, das auf ,'iner Ucbuug begriffen war, trifft erst Ende der Woche wieder in seiner Garnison ein. Eine Verstärkung durch Einziehung von Reservisten hat bisher nicht staltgefundcn. Jenseits der russischen Grenze herrscht die angcstreng- tcstc Tätigkeit der rnssisatzn Militärbehörden, außer dem gestern von Lodz hier eingctroffcnen Regiment ist soeben aus Warschau cin zweites Regiment hier ausgeladen worden. Tie ganze Eisenbahnlinie an der Grenze Heck militärische Besetzung cvtjOltCit, die sogenannte neutrale Grenze und die über sie führende Brüche is! alcichfalls von russischen Trvp- Pen beseht. Tclegrammwechsel des deutschen Kaisers und dem Zaren. Das oinlliche Telegraphcnbiiro meldet: Berlin, 29. Juli. Die Nachricht, daß Seine Majestät der Kaiser Nikolaus an den deutschen Kaiser ein Telegramm gerichtet habe, wird uns mit dem Hinzufiigen bestätigt, daß sich das Telegramm mit einer Depesche des Kaiser Wilhelm an den Zaren gekreuzt habe. Eine Konferenz beim Kaiser in Potsdam. Gestern in später Abendstunde fand in Potsdam beim Kaiser eine Konferenz statt, an der der Neichslanzler, der Stae.ckselretär p. Jagaw, der Kriegsminister, Staatssekretär v. Tirpitz, der Ches des Generalstaöes v. Moltle, seiner die Ehess des Militär- und Marinelabinetts, Generaloberst von Plesien und mehrere Herren des Reichsmarineamts teilnah- ine». Die Konferenz dauerte bis in die späten N v ch t st u n d e n. Tie „Norddeutsche Allgein. Zeitung" zue Lage. Berlin, 29. Juli. Die „Norddeutsche Allgem. Zeitung" bemerkt in ihrer heutigen Abendausgabe zu brr gestern ausgegebenen amtliche» russische» Mitteilung, daß die rusiijche Regie-ung den englischen Dermiltluiigsvorschlag annehmen u. auch cinen weiteren friedlichen Meinungsaustansch mil Oesterreich wünsche: „Der friedliche Dan der amtlichen russischen Mitteilung vom 2b. Juli hat hier lebhaften Widerhall gesunden. Die Kaiserliche Regierung tckilt den Wunsch aus Erhaltung friedlicher Beziehungen. Sie hasst, daß das deutsche Volk sie durch serneres Bewahren einer maßvollen und ruhige» Hal- tuug in ihren Bestrebung---- unterstützen wird." Die deutsche Flott». Berlin. 29. Juli. Die deutsche Flotte ist „ach de» §el. molhäsen zurückgekehrt, und zwar die Rordseeschisfe gestern Abend nach Wilhelmshaven, die Ostseeschtste heule früh nach Kiel. Wilhelmshaven. ,9. Juli. Die letzten Torpedo loolsslvtillen sind aus dem Norden hier eingetrosfen. Somit besittdet sich die ganze Hochseeflotte in den heimischen Gewäs. fern. Bewachung der Eisenbahnen am Rhein. Köln, 29. Juli. Nicht allein im Saarrevier, sonder» tib ganzen ober- und mittelrheinischen Gebiete werden seit ge- gestern alle Eisenbahnweqe und Brücken scharf bewacht. Vornehmlich richtet sich das Augenmerk der Militärbehörden aus die zahlreichen Eisendahntunnels, die auf der Aachen Trierer Strecke erbaut sind, die besonders scharf bewacht werden. F r i e d b e r g >. H., 39. Juli. Auch der hiesige Eisenbahn- Viadukt, der die Eisenbahn nach Bad-Nauheim über das sog. Resental fuhrt, wird strengstens bewacht. Bei Tag und bei Nacht stehen die bewaffneten Eisenbahner Posten. Diese Anordnung stützt sich auf eine Vorschrift, wonach alle Bahnüber- päuge, Brücken, Unterführungen und Kunstbauten am Bahnkörper durch vereidigte Bahnbedienstete, die gediente Soldaten sein müsse», mit geladenem Gewehr bewacht. Die Wache» haben die Aufgabe, jeden Unbefugten, der sich dem Bahnkörper nähert, wegzuweise», und ihn, wenn sich Verdachtsmomente ergeben. zu verhaften, evtl, im Notfall auch von der Waffe Gebrauch zu machen. Der Umstand, daß man den gegenwärtigen Zeitpunkt wählte, beweist, daß die Bahnverwaktung die Laa- als ernst betrachtet. Eine österreichische Erklärung. Wien, 29. Juli. Das „Fremdenblatt" konstatiert gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen Presie, wonach die Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet werden können, wenn Oesterreich-Ungarn für die Beant- wortung der Note Serbiens eine Fristerstreckung gewährte, daß die serbische Regierung drei Fristen verstreichen ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes zu benagen, nämlich die Frist vo» dem Carajewoer Mordtag bi» zur Ueberreichung der Note am 23. Juli, sodann eine -lüstiin- bige Frist zur Beantwortung der österreichischen Note und schließlich eine Frist von dem Abbruch der diplomatischen Be- ziehuugeu bis zur gestrigen formelle» Kriegserllärung, also neuerdings drei Tage. Die österreichische Regierung gab demnach eTrbien vor Beginn der Feindseligkeiten wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des Friedens. Wien, 29. Juli. Aus der ganzen Monarchie komme« Meldungen, daß die Mobilisierung unter großem Jubel der Bevöllerung >i»d init wahrer Begeisterung vor sich gehe. Besonders bemerlenswert ist, daß alle Nationalitäten des Reiches ehne Unterschied wetteifern, dem Ruf nach den Waffen Folge zu leisten. Tausende von Freiwilligen melden sich zum Waffendienst. Ein Aufruf an die akademische Jugend Oesterreichs. Wien, 29. Juli. Der Unterrichtsminister Husiarek vo» Heinlein richtet an die akademische Jugend einen Ausruf, in dem er daran erinnert, daß auch der nicht ins Feld gezogenen Jugend die Möglichkeit geboten wird, werltätig für das Vaterland zu wirken, indem sie ihre Kräfte der freiwilligen Kranlenxjlege widmet und sich der össentlichen Verwaltung zu Diensten sür das allgemeine Wohl zur Verfügung stellt. Schließlich appelliert er an die Jugend, eingedenk zu sein in schiilialrsck-werer Stunde der erhabenen Größe der Vergangenheit, dann sei die Wiedergewinnung und Sicherung der Ehr und des Ruhmes des aVterlandes auch ihre Tat. Wachsendes Unbehagen in Frankreich. In Paris hat im Lause des Tages das Unbehagen wegen der ausländische» Lage wieder zugenomnien. Heute Vor- mittag stellten die Agenturen cin Manifest dcS Zaren >» Aussicht, das jedoch bisher nicht verösfcntlicht worden ist. Tic Abendblätter versichern unterdes, daß Rußland tne Mobilinachung von vierzehn Armeekorps im österrcic'nicl en Grenzgebiet beschlossen hat. Die Mobilmachung anderer V.i- meekorpS solle folgen, falls eventuelle Maßregeln e-i ster- reich-Ungarns oder Deutschlands cs anaezeigt ersetz: icke» lallen. Ni. 17» Seite 2 Französische Anersennug des deutschen Friedenswillen-. Die Zeitungen bequemen sich dazu, den friedlichen Bemühungen Deutschlands Vertrauen entgegen zu bringen. Sie begrübe» cs, daß Deutschland obwohl cs eine förmliche Bot- ichafterkonfcrenz ablehnen mußte, doch bereit ist. an weiteren Verhandlungen tcilzunehnien. In politischen Kreise» ist es mit großer Befriedigung ausgenommen worden, daß der deutsche Botschafter Freiherr v. Schön, gestern im Ministe- rium des Auswärtigen Gelegenheit zu einer längeren Unter- Haltung mit Delcasss gehabt hat. Der „Matin" läßt sich aus Berlin den Eindruck übermitteln, daß Deutschland cbrlich auf die Erhaltung des Friedens bedacht ist, nnchdrm es die tleberzcugung von der Solidarität Englands mit Rußland nn- Frankreich erhalten habe. (?) Poincarös Heimkehr. Präsident Poincars ist gestern von seiner Nußlandsiahrt um 1 Uhr 20 Minuten nachmittags auf dem Nordbahnofc eingetroffen. Unter den zur Begrüßung anwesenden befand sich auch der russische Botschafter Jswolski. Auf der Fahrt ins Elysec wurde der Präsident enthusiastisch be- grüßt Panik an der französischen Ostgrenzc. Die Pariser Blätter veröffentlichen Berichte über die Zustände an der französischen Ostgrcnze, aus denen hervorgeht, daß die gesamte Bevolernng von heilloser Panik ergriffen ist. Einen besonderen kritischen Tag hatte gestern Nancy durchzumachen. Von früher Morgenstunde an drängte sich eine zahlreiche Menschenmenge an den Eingängen der Banken und verlangten stürmisch die Auszahlung der deponierten Gelder. Es mußte ein ftrenflcr Ueberwachimgsdieiist eingerichtet werden, da die Menge förmlich die Schalter zu stürmen drohte. Es war fast unmöglich, in Nancy noch irgend wo Metallgeld in Gold oder Silber zu erhalten. Don der gleichen Panik waren sogar die Post- und Schalterange- stellten in den Bahnhöfen erfaßt, die sich weigerten, französische Banknoten anzunehmeu. Alle diejenigen, die abreiien »rußten, mußten sich zur Filiale der Bank van Frankreich begeben, um dort ihre Banknoten umzuwechseln. Der Handel stockte in Nancy fast vollkommen. Aus den Bahnhöfen waren zahlricche Urlauber erschienen, die stundenlang auf ihr: Beförderung tvarteten. Die Geldkalamität, besonders in Nancy, war zeitweilig so groß geworden, daß der Magistrat mit dem Gedanken umging, städtische Bons von 2, 3 und 5 Francs auszugeben, um einem dringenden Bedürfnis entgegen zu kommen. Flucht aus Paris. Wie dem Berliner Lokalanzeiger von Deutschen, die gestern nach Berlin zurückgckehrt sind, mitgeteilt wird, verlassen zahlreiche Deutsche mit Fra» „ud Kind die sraa- zösischc Hauptstadt. Dortige deutsche Kreise vertreten den Standpunkt, daß diejenigen Deutschen, die über Barmittel verfügen und abkömmlich sind, gut daran tun, Pariszu verlassen. Dasselbe Blatt will weiter erfahren haben, daß alle Bahnstationen im Osten Frankreichs von Militär wimmeln. Ein »ächtlichcr Ministcrrat. Paris, 30. Juli. Heute nacht hat unerwarteter Weise, wie der Vertreter der Telcgraphen-Union erfährt, ein zweiter Ministerrat stattgesundcn. Eine Anzahl Minister erschien um Mitternacht im Elyscepalast und ließ den Präsidenten Poincarä, der sich bereits zur Ruhe begeben hatte, wecken. Die Minister unterbreiteten deni Präsidenten eine Anz-ihl Telegramme, die in später Nachtstunde im Answärt-g'n i'Imt eingetroffen waren. Von dem Inhalt der nächtlichen Ninistersitzung ist nichts bekannt geworden. Auch die 'randfische Presse war von dieser zweiten Sitzung der Minister roch nicht unterichtet und veröffentlicht diese Tatsache, die seeignet ist, neue schwere Beunruhigungen bervorzurusen, -och nicht. ^ Sozialistenkuutgebniigen in Paris. Paris, 30. Juli. Gestern abend wiederholten sich die 'Kundgebungen der Sozialisten. ES kam zu ernsten Zusam- uenstößen mit der Polizei. Infolge der umfassenden poli- wilichen Maßnahmen der Behörden blieben die im Innern >er Stadt gelegenen Boulevards, in denen sich die letzten Nanisestationcn ereignet hatten, unberührt. Schwere Un- »heu spielten sich in einem vom Zentrnm entfernten Saale ib, wo die sozialistische Partei eine Versammlung einüerufen satte. Die Polizei war wiederholt gezwungen, mit der blauten Masse vvrzugehen. Es kam zu einem Handgemenge, wobei verschiedene Personen verletzt wurden. 300 Vcrhaf- uugen wurden vorgcnonnnen. Für heute sind trotz der strengsten Maßnahmen und der polizeilichen Verbote neue liundgebungen geplant. Berlegenhcitrn in Marokko- Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Tanger: Die französischen Offiziere über Majorsrang erhielten den Befehl, nach Frankreich zurückzukehren. General Lyautey erklärte, weint Frankreich in einen Krieg verwickelt würde, io würden sie französischen Trupven das Innere Marokkos r.'üumm und nur Rabat nutz Casablanca halten! ähnlich" •’ ' ■ > stlgicr »yd Tunis geschehen. Die Marokkaner vtzrsolgen mit Interesse den österreichisch-serbischen Gegensatz. Es steht sest, daß gewisse unter Frankreichs Herrschaft stehende und eine ziemliche Selbstständigkeit genießende Größen sich sofort nach Kriegsausbruch gegen Frankreich erkläre» würden. Er- verdient Hervorhebung, daß mich in den am wenigsten mit Deutschland sympathisierenden Blättern die Nicht- annahme de» Grcyschen Konferenz-Vorschlags nicht zum An laß von Vorwürfen genommen wird. Die „Daily Rems" schreiben: -Wie glauben nicht, dag alles in allem Oesterreich zu la- R»ue Tageszeitung. Donnerstag, den 9«. 2»lt 191«. dein ist, weil es sich entschloß, der beständigen Herausforderung ein Ende zu machen." Das Blatt findet, daß Rußland kernen weientlichen Grund habe, sich cinzumischcn, und wenn es doch geschieht, daß England nicht das geringste Interesse habe, für die russische Hegemonie das Schwert zu ziehe». Verbot sozialdemokratischer Protcstvcrsammlungcn in Frankreich. Die Regiedung hat die von der „Bataille syndikaliste" organisierte Versammlung, die heute Abend swttsinden sollte, verboten. Die Regierung ist der Meinung, daß sie unmöglich nntcr den gegenwärtigen Umständen eine derartige Der- sammlung dulden könne, in der die Redner möglicherweise über Mittel sprechen könten, einer Mobilisierung Schwierig- keiten zu bereiten. Die Regierung erklärt, daß sie ihre Bemühungen uni die Beilegung des Konfliktes fortsetzen werde und auf den Patriotismus des ganzen Volkes rechne, daß es begreife, daß die nationale Einmütigkeit nienials vollständiger als jetzt fein müsse. Wenn so etwa? in einer von roten Einflüssen stark durchsetzten Republik geschieht, so steht man vor einem Rätsel, warum im deutschen Reiclje die Sozialdcmokrätie ungehindert und ungestraft ihr hochverräterisches Beginnen fortsetzen kann. Eine sozialdemokratische Beranstaltung. Die Sozialdemokraten veranstalten in Brüssel eine Kundgebung sür den Frieden, die völlig zwecklos ist, weil sich doch Niemand um sie bekümmert. Als Vertreter Deutschlands geht auf diesen Kongreß — Rosa Luxemburg. Das dürste genügen! Die Stimmung in Italien. Rom, 29. Juli. Von der italienisch-sranzösischen Grenze wird die sranzöfische Mobilisierung gemeldet, die gestern Abend begonnen haben soll. Die Stimmung ist hier ruhig und abwartend. Tatsachen vom Kriegsschauplatz liegen nicht vor. Rach dem Scheitern des Kavserenzvorßhtags erwartet man di« Entscheidung i» Petersburg und eine Bsssernng höchstens durch Verhandlung«» zwischen Wien und Petersburg. Die von einigen englischen Blättern veröffentlichte Nachricht über Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Ministci- präsidenten und dem Minister des Aeußcrn hinsichtlich der Haltung Italiens wahrend des gegenwärtigen Konflikts entbehrt jeder Begründung. Italienisch« Flottenkanzentratio». Mailand, 30. Juli. Der „Secolo" meldet aus Epecla: Die Krcuzerdioision, bestehend aus den Kriegsschiffen „Pisat, „Amalsi", „Georgia", „Marsala" und einem Torpedojägergeschwader werden nach Eaeta abdampsen, wo die Zusammen- zichung des ersten und zweiten Echlachtschiffgeschwaders statt- sindet. Schulschiffe mit Zöglingen von der Marineakademie in Livorno an Bord erhielten Befehl, von Glasgow so schnell als möglich nach Italien zurückzukehren. Ernste Anffaffnng in England. In London herrscht Mangel an aufklärenden Nachrichten. Man hegt den Eindruck, daß sich die Lage noch nicht verändert hat. Das wird durch eine Aeußerung des Premierimnisters im Unterhause bestätigt, der nur ganz kurz sagte, daß die Situation äußerst ernst sei und daß die englische Regierung in ihren Anstrengungen zur Einschränkung des möglichen Konflikts nicht Nachlaße. Ein besonderer Zug dieser Krise ist das allgemein in England zu bemerkende Vertrauen auf die ehrliche Arbeit Deuffchlands für den Frieden. So schreibt die „Pall Mall", man lüune keiner Macht, am wenigsten Deutschland, Schuld am bisherigen Verlaufe der Krise ausbürden. Der deutsche Kaiser und ferne Staatsmänner täten für den Frieden vielleicht mehr, als ihnen die Umstände einzugestehen erlaubten. „Zweifellos wird der groß« Souverän seinen immensen Einsluß für diesen Zweck einsetzen, soweit der Friede ritt der Pflicht und der Ehre verträglich ist." Eine Erklärung Asquiths im Unterhaus. Parlament gab gestern der Ministerpräsident Asquith unter der gespannten Aufmerksamkeit des Hauses die Erklärung ab, daß die europäische Lage außerordentlich bedrohlich sei England lass« in seinen Anstrengungen, das Konsliktsge- bict zu beschränken, nicht nach Bereitstellung der englischen Flotte. Die englische Flotts ist schon einige Zeit vor den jüngsten Ereignissen und unabhängig davon vor Portsmouth lonzen- tricrt worden und bleibt jetzt natürlich beisammen. Eine gewisse absichtliche Betriebsamkeit in der Bereitmachung der enz- lischen Seemacht sür den Ernstsall ist bei dem Charakter des Marincministers Churchill verständlich. Den Mannschaften der ersten Flotte in Porismouth wurde vorgestern abend Urlaub gegeben, aber um 8 Uhr wurden die Leute wieder aus die Schiffe zurückgeholt. Auch in den in der Nähe liegenden Häsen wurde» die Mannschaften plötzlich an Bord beordert und sogar die Vergnügungslokale nach ihnen abgesucht. Natürlich riesen diese Befehle an der Küste große Aufregung hervor. Bestürzung in der Schwerz, In der Schweiz herrscht infolge der unsicheren politischen Lage größte Bestürzung, die Sonderausgaben der Zeitungen werden den Verläufern aus den Händen gerissen. An allen Kioske» sind die deutsche» Zeitungen ausverkaust. Zahlreiche Personen haben sich aus „en Geschästeu mit allerhand Lebensmitteln und Kohlen verproviantiert. Rüstungen i» Holland und Belgien. Dem V'inehmen nach schweben zwischen Holland und Belgien vertrauliche Verhandlungen über gemeinsame militärische Maßnahmen an der Maaslinie, um im Falle eines Krieges zwilchen Deutschland und Frankreich beidcrleitige Neutralität zu gewährleisten. llebrigens erhielt Belgien aus Frankreich die Zusicherung, daß eine französische Mobilmachung nicht geplant ist. Borfichismaßrcgeln in Holland, Die Vaalbriicke bei Norwegen wird von Kolonialtruppen besetzt gehalten. Weitere Detachements Kolonialtruppen sind »ach G e n n e p und M o o k zur Bewachung der Maasbrüiftn abgegaugen. Der Kriegsminister hat den Bürgermeister von Winteriuyk angewiesen, etwas 99 Mann Landsturm einzuberu- sen zur Bewachung der Psselbrückc Es ist bekanntgegeben worden, daß die Brucken unter Umständen in die Luft gesprengt werden. Die Bevölkerung hat Verhaltungsmaßregeln erhalten. Auch die Welbrücke in Zutphen wird militärisch bewacht. Das Fort „Sftuiden" ist mobilisiert. Unzuverlässigkeit Rumäniens, lleber die Haltung Rumäniens will der „Lemps" aus bester Quelle erfahren haben, Rumänien werde militärisch intervenieren, wenn Bulgarien die Neutralität zu Gunsten Oesterreichs brechen sollte. Rumänien will gleichfalls intervenieren, wenn Serbiens Besitzstand verletzt würde. In einem nur zwischen Serbien und Oesterreich geführten Krieg wild Rumänien strikte Neutralität bewahren. Vom Kriegsschauplatz. Kämpfe bei Belgrad. In der Nacht vom 28. auf 29. Juli beschossen die Serben einen Donaudampfer. Die österreichischen Donau-Monitoren „Themis", „Bodrag" und „Samos" eilten zu Hülfe und begannen ein lebhaftes Granatenfeuer auf die Eitadelle Belgrads. W und zu mischte sich unter die Granaten ein Schrapnell, an der weißen, in der Luft sich ballenden Rauchwolke kenntlich. Das Feuer der Monitors wurde auch durch mehrere Haubitzenschüsse unterstützt. Von serbischer Seite wurde nur mit Eewehrseuer geantwortet. Die Kanonade hat in Belgrad bedeutende Bcrwüstnngen angerichtet, u. a. slog das Pulvermagazin in die Lust Endgiltige Sprengung der Savcbrücke. Die Serbe» habe» gestern um 1,30 Uhr früh die Brücke Semlin-Belgrad gesprengt. Die österreichische Infanterie und Artillerie hat daraus im Verein mit den Donaumonitoren die serbischen Positionen jenseits der Brücke beschossen. Die Serben haben sich nach kurzem Kampfe zurückgezogen. Die österreichischen Verluste sind ganz unbedeutend. Reue Kämpfe bei Belgrad. Budapest, 29. Juli. Auch Nachmittags wurde der Feuerkampf zwischen S e m l i n und Belgrad fortgesetzt. In Semlin dars ab 8 Uhr abends niemand die Straße» betreten. Berlin, 29. Jult. Das „Bert. Tagebl." meldet au» Semlin, daß das Feuergefecht der Monitoren nach der serbischen Seite hin große Verwüstungen angerichtet habe 99 Prozent der Schüsse seien Treffer gewesen. Die „Vosstsche Ztg." meldet aus Semlin, daß gestern ftüh 9 Uhr ein neuer Kamps stattgesnnden habe, an dem sich aber die Monitoren nicht beteiligt hätten. Die Brücke wurde von den Serben in dem Moment in die Lust gesprengt, als ein österreichischer Major sich mit einem Zug darüber weg begeben wollte, um die serbisch« Wacht zu überrumpeln. Trotz der Explosion wurde von der österreichischen Mannschaft niemand verletzt. Die ersten Gefangenen. Bei dem gestrigen Frühgesecht wurden 17 Gefangene auf der Savcbrücke gemacht und auf die Festung Peterwardein gebracht. Heute Nacht wurden sür einen möglichen Nachlangriss von serbischer Seite Vorbereitungen getroffen. Um 11 Uhr wurden alle Restaurants geschlossen, später auch alle Lichter gelöscht. Da» Bombardement von Belgrad. Parts, 30. Juli. Die hiesige serbische Gesandtschaft stellt der Telegraphen-Union folgendes aus Wisch ankommendes Telegramm zur Verfügung: Risch, Mittwoch, 19 Uhr vorm. Während der Nacht ist Belgrad bombardiert worden. Mehrere Geschosse sind in verschiedene Stadtviertel der Stadt gefallen und haben schweren Schaden angerichtet. Geschosse sielen u. a. aus das Gebäude der sranzösisch-serbischen Bank und auf das des Banliers Andrejewitsch. Der 'Bankier gleichen Namens wurde verlctzt und legte bei der deutschen Gesandtschaft Protest gegen die Beschießung seines Gebäudes ein. Der Artillcriekampf wird bei Wichnitza, 5 Kilometer unterhalb Belgrad fortgesetzt. Bei den letzten am User der Save stattgehabten Kämpfen ist ein Brük- kenpseiler, der über die Save führenden Brücke zerstört worden. Die Verbindungen sind vollkommen unterbrochen. Die Donau-Monitor« im Kampf. lieber den Monitorkampf erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Kurz vor l Uhr nachts wurden die Bewohner Sem- lins durch Schüsse aus dem Schlafe geweckt. Zuerst knatterten Eewehrseuer, dann ertönten dumpfe Kanonenschüsse. Man erfuhr, daß ein Donaudampser, der mit drei Schleppern donau- ouswärls fuhr und dann in die Save einlies, vom serbischen Ufer mit Maschinengewehren beschossen wurde. Die österreichischen Truppen und die herbeigecilten Donaumonitorcr „Times", „Bodrog" und „Samos" traten in Aktion. Au- Semlin eilte olles ans Donauufer. wo im Morgennebel Bel grad sichtbar wird. Bon Westen wird heftiges Gcwehrseuci hörbar, unter dem sich die drei Monitorc in Schlachtlinic dem Beigrader Donauufer in Nähe der Festung Kalimegdan . Dasjenige welches in d. Bäckerei A. Slöstiuger am Montag nachmittag aus den, Laden einen Dainen - Tchiri» entwendet hat, wird hierdurch aufgefordett, denselben unverzugsich dotthin zuräck.ubnngen. im anderen Falle sofortige Anzeige erfolgt. EÜsil Panik an der französischen Ostgrenze. Die Pariser Blätter veröffentlichen Berichte über die Zustände an der französischen Ostgrenze, aus denen hervor- geht, daß die gesamte Vevölernng von heilloser Panik ergriffen ist. Einen besonderen kritischen Tag hatte gestern Nancy durchzumachen. Von früher Morgenstunde an drängte sich eine zahlreiche Menschenmenge an den Eingängen der Banken und verlangten stürmisch die Auszahlung der depo- nierten Melder. Es m uhte ein.sirengcr liebe rwacbrm aS>»en lt Für IrtschNsWknWcr. Maschine mit Selbstbinderpresse und Spreubläscr nach Dortellveil gesucht. 8 Tage Brbeit. Schristl. Offerten mit Preis an die Exped. der N. Tgsztg. Ziehung am 18. August. Eichener Gewerbe- Ausstellungs-Lotterie SiKi Gern. l. M. 1. Hauptgewinn IOOOO u. s. w. 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Unterstützt wird diese Wertschätzung seines innerlichen Gehalts und seiner sichtbaren Fähigkeiten durch die äußere Erscheinung. Sein .stopf und sein Blick erhalten ihre Bedeutung nichr erst durch die Generalsuniform. Militärisch ist in dem sympathischen Gesicht der kräftige, zur Seite gestrichene Schnurrbart. Die Augen kneist er allerdings hie und da etwas zusammen, wie jemand, der vom vielen Studieren ermüdet ist. Aber seine Rede ist frisch, dabei nicht barsch, sondern gewählt, knrz und bcslimnit. Manchmal stockt er im Gespräch, wenn ihm ein Gedanke durch den Kops fährt oder wenn er eine Aus- druckogebung sucht, die die Situation präzis kennzeichnet. Der alte Kaiser wollte absolut nichts mehr vom Krieg wissen und seine Ruhe haben. Wäre das Thronsolgerpaar nicht ermordet worden, dann hätten die serbischen Verschtvörcr ihr Unwesen noch weiter treiben können. Aber das Attentat und die Enthüllung seiner Urheberschaft hat dem Faß der österreichischen Langmut und kaiserlichen Geduld den Boden ansgeschlagen. Und selbst in diesem kritischen Augenblick mußte der schneidige ungarische Ministerpräsident Graf TiSza seine Persönlichkeit ins Mittel legen, um den zu milderer Tonart gestimmten Minister des Aeußeken, Graf Dcrchtold zu bestimmen, der diplomatischen Note an Serbien den scharfen Charakter eines Ultimatums „Entweder — Ober" zu geben und die Zustimmung des greisen Kaisers zu erhalten. Vorher aber fragte dieser noch bei Krobatin an: „Sind wir für den Kriegsfall gerüstet?! Nicht, daß wir wieder Enttäuschungen erleben oder gar Niederlagen! Krobatin, ich mache Sie verantwortlich und fordere Sie vor Gericht!" — Und Krobatin erwiderte: „Ich glaube Ew. Majestät vcc- sichern zu dürfen, daß die Armee in einem Stand ist wie nie remesw Wersthet, £?> \ We's5kiVcher?\S?i'y v o i tchcs-kubm. C&rfnovdC 'orsreesc /■ OLotoha tschupffa i ^Kra.qujevee #1 Krusevac' »/leßransr«« Jasch Erklärung Sammetertt t/er$erb. Truppen, serb. Hof/gger 9 erb. Hduplquartkr QSTerr, " t> Truppen * oPnsThtma V ' rvbr Karte des Knlgsjchallplahrs. Tie nebenstehende Karte zeigt den Sn» »platz, aus den, sich di: nächsten Kämpfe abspielen tvcrden. Wie daraus ersichtlich, wird die Grenze zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien durch Flüsse gebildet. Im Nordosten, von Belgrad ab, bildet die Donau die Scheide zwischen den beiden Staaten. Die Save, die bei Belgrad in bei Donau mündet, bildet die nordwestliche Grenze und öch Druia, die ihrerseits in die Save mündet, begrenzt Serbien aus dcv Westseite nach Bosnien hin. Du serbische Hofhaltung hat sich nach Kragujevaes, der alten serbischen Hauptstadt, zurückgezogen, die sich jo ziemlich int Herzen von Altserbien befindet. Ter Sitz der VolkSvertre- tung ist nach Nisch verlegt, das noch tvciter von Belgrad liegt. Größere serbische Trnppenansanun» luugrn haben an dem Driuauiei stattgesunden und bei Semendiia während die Hauptstadt Belgrad ziemlich vott Truppen entblößt jcw soll zuvor und ich glaube bestimmt, daß wir auch gegen etncn größeren Feind mit Erfolg operieren werden! Dafür setze ich meinen Kopf ein!" Soviel steht fest: wenn der Ausfall eines Feldzuges vom Kriegsininister abhäugt, so darf man behaupten, daß Oesterreich diesmal eine bcsfcrc Kriegsaussicht hat als unter allen seinen Vorgängern seit inchr als hundert Jahren. Nach Belgrad. Von PaulCchweder, Wien, den 2b. Juli. Die Mobilisierung Oesterreichs hat sich anscheinend bis aus den Anhalter Bahnhof in Berlin erstreckt. Wenigstens sah der Eisenbahnwagen der K. K. Staatsbahn, den ich am Samstag Abend im D-Zug nach Wien besteigen muhte, so aus, als ob er bis dahin Dienst aus einer Strecke im dunlelste» Böhmen getan hätte. Dazu ein Andrang derer, die dieesn wahrsechinllch letzte» ordnungsmäßig lausenden Zug nach Wien, Pest und Belgrad noch benutze» wollten, dah im Handumdrehen kein Plätzchen mehr zu haben war. Natürlich war nach kurzen schacsen Erklärungen alsbald auch der „Kriegszustand" da. Preußen schimpft« auf Sachsen, das den Zug durch sein« Schass- »er bi» T-schen zu bedienen hat, und Oesterreich schalt aus beide, weil cs das größte Interesse am Mitkommen hatte und kernen Platz fand. Erst allmählich kam es zur Verständigung, denn schließlich hatten wir ja alle ein Interesse und eine Fragc bewegte uns alle: Wird es denn überhaupt losgehen? Bei der Abfahrt von Berlin lagen „o Depeschen vor, wo. „ach Serbien im letzten Augenblick zum Nachgebe» geneigt ge wese» sei, und so erwartet« man mit Spannung die letzten Dresdener Depeschen. Namentlich die österreichischen Ossizierr die aus den Ostseebädcrn und aus Berlin selbst plötzlich zu. rückgcrufen waren, wußten ihre Ungeduld kaun, zu meistern und verrieten sich dadurch trotz ihrer Zivilkleidunz. Eine un> verhohlene Eenugtuung zeigten die frischen gebräunten Kesich. tcr, als uns der Zeitungsocrkäufcr aus dem Dresdener Haupt, bahnhose um di- elfte Abendstunde uiiausgesordert das Ezlca- blatt mit den paar so inhaltsschweren Zeilen entgegenhiel», das die Abreise ocs österreichischen biesandten aus Belgrad lind die Mobilisierung der serbischen Armee meldete. Es gai keinen lauten Jubel im Zuge, ernst und schweigend drückten Erna und Ilse. Roman von T». Feußner. 16 (Fortsetzung). Er wurde auf das Freundlichste empfangen und alle sprachen ihr Bedauern aus, daß dies voraussichtlich aus lange Zeit der letzte Abend fröhlichen Beisammenseins sein würde. Nur Erna war nicht anwesend. Sie war zu ihrer Freundin gegangen und noch nicht wieder zuriickgekehrt. Als es acht Uhr vorüber war und sie noch immer auf sich warten ließ, erbat sich Roderich, sie abzuholen. Gern gestatteten es die Eltern, lag doch darin nichts Anstoß erregendes und überdies waren sie Roderich zu Danke verpflichtet, daß er die Tochter, welche sonst niemals über acht ansblieb, hcimgeleitete. Frau Lange teilte Roderich noch mit, wie Erna arge- zogen sei nnd welchen Weg sie gewöhnlich einschlüge. Und der junge Mann ging hochklopfcnden Herzens [einem Schicksale entgegen. Unauffällig musterte er die Vorübergehenden, ob nicht Ernas schlanke Gestalt darunter sei. Lange ivar sein Suche» erfolglos und erst in einer menschenleeren Straße sah er sie auf sich zukommen. Er befand sich in einer fieberhaften Aufregung, die Un- gewißheit, oder noch mehr die Hoffnungslosigkeit legte sich gleich einem beklemmenden Reifen um seine Brust. Sic sah ihn nicht viel früher als bi» er sie begrüßte. Mit fast tonloser Stimme erwiderte sie seinen Gruß, ihre Hand lag nitr einen Moment in der seinen, aber ohne den geringsten Gegendruck und kalt, wie damals, als er sic aus dem Wasser holte. „Verzeihen Sie", sagte er, „daß ich es wage, Sic abzu- helen, Ihre Eltern ermächtigten mich dazu." „Obgleich ich mich nicht fürchte, ist es mir doch angc- nehni, von Ihnen nach Hause begleitet zu werden", entgeg- nete sie. Wortlos schritten sie eine Wette neben einander her, bis Erna das peinliche Schweigen brach mit den Worten: „Sie reisen ja wohl morgen früh von Berlin ab?" „Leider ja", erwiderte er traurig. „Verlassen Sie Berlin gern?" „Wie man es nimmt! Meine Abreise führt mich gleichsam an die erste Station meines Zieles nnd seinem Ziele merklich näher zu kommen, macht dem inneren Mann Freude' andernfalls scheide ich nur ungern von der Stätte nieinec süßesten Erinnerungen." „Sic werden wo anders auch Freunde finden, welche sie eben so hochschätzen, wie wir cs taten, nnd werden auch bald in deren Mitte Berlin, mit deni was Ihnen unvergeßlich schien, vergessen: denn der Mensch vergißt das, woran er mit jeder Faser feines Herzens zu hängen scheint oft sehr leicht." „Glauben Sic das nicht", gab er zurück, „so obersläch- lick>er Natur bin ich denn doch nicht. Was ich hier erlebt habe, was sich hier als süßeste Erinnerung in meinem Her- zen cingrub, kann und will ich nicht vergessen. Solange ich denken kann, bleiben mir gewisse Tage, Stunde» nnd Momente heilig und in meiner Seele fortlebend." „Und darf ich fragen, welche diese sind?" „Es sind die Tage, welche ich in Ihrer Umgebung verleben durfte, die Stunden, in denen Sie mir durch Ihr göttliches Spiel Bewunderung obzivangen und die Moment--, in denen ich Sie als Bewußtlose in nicinen Armen trug." „Wie verliebt er ist", dachte sie, und sagte dann laut: „Es muß dem Manne, beut es vergönnt gewesen .ein Leben dem Tode zu entreißen, eigentümlich zu Mute sein. Das Bewußtsein, seine Pflicht getan z» haben, iiuiß ihm die Stunde, in der er Großes vollbrachte, weihen nnd unvergeßlich niachen" „Das Bewußtsein, ein Menschenleben gerettet zu haben, ist allerdings erhebend", sagte er warm, „aber um wie viel erhebender der Gedanke, das Leben dem Tode abgcrunzen z»i haben, welches einem teurer als das eigene Leben, welches einem das Wertvollste auf der ganzen Welt ist." „Und war Ihnen das Leben, welches Sie retteten, lo seuer?" ' „ES war mlr so teuer. daki, Kenn es mir nicht o« Jungen wäre, dasselbe dein Tode zu entreiße», ich mich freiwillig ans den Grund des Sees gebettet hätte, um mich tut Toder mit der zi> Vereinen, welche int Leben nichts für mich empfindet." „Halten Sic ei», Herr Tictzc", rief sie gebieterisch, ,,":>t- würdigen Sie nicht selber Ihre schöne Tat, denn ein Feigling ist, wer das, was ihm das Lebe» versagt, ini Tode sucht. — Was das Leben nicht freiwillig gibt, muß inan ihm abringen und ist dies trotz aller physischen und moralischen Kraft unmöglich, so entsagt der große Geist, wenn er auch nicht v'r- gessen kann: er sucht aber keineswegs Befriedigung und Hei! in einem Akte der Feigheit." Diese mit großem Nachdruck gesprochenen Worte waren mehr als eine Zurechtwcisiing, und »iachten auf Roderich einen niederschmetternden Eindriick, den er hatte — verstanden. „Was Sie mir eben sagten, war eine Lehre für mich", sagte er niedergeschlagen, „und hat mir zugleich die Gewißheit gebracht, daß mein Hoffen eitel war, daß ich entsagen muß, — derjenigen entsagen, sür die ich mit Freuden mein Leben gegeben hätte." „Verzeihen Sic, wenn ich Ihnen weh tat, weh tun mußte", sagte sie Eittend, „nnd halten Sie mich nicht tü, undankbar und herzlos, weil nicht eingetreten, was Sic naturgemäß hoffen durften .... Sie haben mir mein Leben gerettet, dafür muß ich Ihnen dankbar sein, dafiir empfinde ich sür Sie eine warnie Freundschaft, die mir befiehlt, Ihne» die verstorbene Schwester zu ersetzen, aber weiter kann ich Ihnen nichts sein. Soll ich Sic aber belügen? Soll ich Ihnen Liebe beucheln, wo doch Kälte und Herzensleere herrscht? Wollen Sic mich an sich fesseln, um mich als welke Blume an Ihrer Seite dahinsiechen zu sehen? Haben Sie den Mut, niich durch eine Tat des krassesten EgoisniuS unglücklich zu machen? Wohlan, so sage ich ja! Hier stehe ich, nehmen Sie mich — denn — ich hoffe und erwarte — nicht — sehr viel — vom Leben mit seinen verlockenden Versprechungen-8 «Fortsetzung" folat.js l-»r. 176 sich die Kameraden die Hand, und dann setzte sich jeder in seine Ecke, schrieb, las oder hing seinen Gedanke» nach. Aus der Unterhaltung hrte man heraus, wie geschickt die Militärverwaltung bei der Zurückberufung der beurlaubten Ossiziere oorgegangen war. Die obersten Chargen waren bereits vor fünf bis sechs Tagen telegraphisch ersucht worden, in die Garnison zurückzukehren, da eine wichtige Konferenz anberaumk worden sei. Dann solgten die Majors und Hauptleute und zuletzt die Leutnants, Niemand hatte zu dem Anderen gesprochen, so datz keiner auf die Vermutung einer ernsthaften Sache kommen konnte, wenn er nicht die Zeitungen der letzten Tage genau verfolgt hatte. Und dazu waren die meisten in dem fröhliche» Leben der Bäder wie in dem ablenkenden Treiben der deutschen Reichshauptstadt nicht gekommen. So trat der Ernst der Stunde ziemlich unvermittelt an sie heran und die Stille der Nacht, das Halbdämmer in den Koupees trug noch wehr dazu bei, die Gedanken auf diesen einen Punkt zu konzentrieren: Der Krieg ist da, cdr Krieg, den ihr Ehrgeiz icil Jahren erflehte, der immer am Horizont stand und doch nie zur Wahrheit zu werden schien, und der nun urplötzlich vor ihrem geistigen Auge all die bunten, vielgestaltigen Bilder entrollte, die er für sie im Gefolge hat, 3u Dresden gab es weiteren Zuzug. Da kamen die dicken, durch die Börscnderoute der letzten Tage aus ihrem dolge far lieute auf dem „Weißen Hirsch" und in den Sendig-Hotels IN Schandau unliebsam aufgescheuchten Wiener Bankiers mit ihren nicht minder gut beleibten Ehehälften angekeucht und mit ihnen Leipziger und Magdeburger Eroßkaufleute, die plötzlich „Intercsien" in Wien wahrzunehmen hätten. Au> viele», ach allzuvielen Gesichtern stand nicht nur die bonge Sorge, sondern auch der blasse Schreck zu lesen. Immer stiller wurde cs und stiller. Um Mitternacht war bei Tctschen die Grenze erreicht,. Im unsicheren Licht standen die Beamten vom Zoll und von der Steuer, fröstelnd von der kühlen Luft, die von der Elbe herauf drang, die Pasiagicre, Aber noch gao cs kein Militär an Stelle der Beamten: auch die Maschinen, die man bereits auf der Fahrt nach Südosten vermutet hatte, waren noch da, und keine Strecke meldete 'irgend eine Bcrätiderung des Fahrplans, — O du mein Oesterreich, sagten die einen, es hat halt immer noch Zeit, Die anderen aber deuteten sehr richtig, das alles die scheinbare Ruhe, hinter der sich die Energie versteckte, den von draußen kommenden um keinen Preis zu zeigen, wie tief die Erregung über das Ereignis ging. Die böhmischen Schaffner sogen anscheinend ebenso bedächtig wie sonst an ihren Tabakpfeifen, und der Stations- rorstehcr pfiff so unbekümmert als nur möglich: Es wird a Wem sein, und mir werden nimmer sein, — 6' wird schöne Radln xcb'n — und mir wcrd'n nimmer lcb'n! — Aber da hörte man schon den Untertan heraus. Morgen oder übermorgen wird er marschieren, und die schönen Mädchen im Elbtal weiden Tränen in.den Augen haben. Erst einzeln rann häusiger tauchen Infanterie- und Ka- valtcrie-Ofsizicce der verschiedensten Regimenter im Zuge auf, und in der dritteil Klasse wimmelt es schließlich von Soldaten aller Truppciigattungcn, die aus dem Urlaub in Nordböhmen telegraphisch zurückgcrufen worden waren, In aller Hände aber sah man die Extrablätter der Tetschen-Bodenbacher Zei- liingcn, die bereits alle Einzelheiten der serbischen Mobilmachung und des Ministerratcs in Ischl zu melden wußten. Derweil rast der Zug durch die schweigende Nacht seinem ferne» Ziele entgegen. Und das Geklirr seiner Räder, dar Dröhnen seiner Achsen begleitete ein paar frische helle Solda- lcnstimmen im letzten Wagen, die vom Prinzen Eugen, der Stadt und Festung Belgrad erstürmen wollte, zu singen und zu sagen wußte», daß im Morgengrauen säst schon der Wiener Stefansturur sichtbar wurde. Knndl der Kandrvirte. Slmdesfest in Kochn-nldljausr». Der vergangene Sonntag hat bewiesen, wie fest begründet die Bundessache im Vogclsberg steht, denn trotz des Wetters, das inan sich ungünstiger für ein Fest nicht Lenken konnte, waren die Mitglieder und Freunde des Bundes von Fern und Jtah zusammengestromt, namentlich der Extrazug brachte eine ganz gewaltige Schar von Gasten nach dem so schön gelegenen Hochwaldhausen. Der Festzug zeichnete sich dadurch aus, daß eine ganze Anzahl Volkstrachten vertreten waren, so erregte der Erntewagen mit Mädchen aus Hennen in ihrer malerischen Tracht alle Bewunderung, nicht minder der Wagen mit Frauen und Mädchen in Agensbacher Tracht, auch die Mädchen in der hübschen Hcrbstciner Tracht verschönten den Zug. Die Rede des Herrn Beigeordneten Ochs, mit der das Fest eröfnfct wurde, fand allgemeinen Beifall. In gewandter Rede, adbei schlicht und einfach, wie es einem Bauersmann zukommt, hob er das Hcimatsbestreben des Bundes hervor und betonte, daß die Vogclsbcrger treu und fest an den alten Sitten, zu Fürst und Vaterland hielten. Sehr stimmungsvoll, hübsch in der Fassung würdig vorgc- tragcn wirkte der Prolog, in dem Fräulein Lhdia Nickel- Hochwaldhansen dem Wirken des Landiuanncs Gerechtigkeit und Lob zuteil werde» ließ. Sodan ergriff der Landesvor-sitzcnde, Landtagsaögcord- neter Korell-Augcnrod das Wort. Er wies daruf hin, daß es das erste Mal sei, daß der Bund indicser Gegend eine größere Veranstaltung halte. Er stellte die Frage, ob Gefahr vorhanden für unfern Bauernstand, für unser Vaterland? und antwortete Ja! Mehr denn e seien unsere Gegner an der Arbeit und scheuten weder Geld noch Zeit, die Landwirte zu entzweien nach dem Grundsätze: Teile und herrsche. Presse, Versammlungen und Gründung des Baucrnzersplitterungsbundcs arbeiteten zielbewußt, das Bollwerk zu zerstören, das über die trüben Zeiten Caprivischer Wirtschaftspolitik erfolgreich hinwcggcsührt habe. Der Bauer möge aufpassen und keine Vogelstraußpolitik treiben, er sehe mit offenen Augen, wohin der Weg führt. Mit schmeichelnden Worten suche die feindliche Presse unter -jene Tageszeitung. Donnerstag, den vo. Juli Isis. Seite 2 der Marke der Billigkeit in die Häuser zu kommen. Das Gift der Uneinigkeit und Unzufriedenheit in den Baucrn- hcrzcn trage für die Gegner reiche Früchte. Auf die Neuwahlen zum hessischen Landtag kouimcnd, betonte er, daß eine Erregung zwischen den rechts stehenden Parteien und den Nationalliberalen nicht zustande gekommen sei. Zu bedauern sei der Zickzack-Kurs der nationalliberalcn Partei. Er sei nicht nach Bauernart und so müsse man, gestützt auf eigene Kraft und geleistete Arbeit unter der zustandegekom- mcnen Vereinigung der Rechtsparteien den Kampf aus- nchmen, dabei hoffend, die Unterstützung aller erwerbstätigen und nationalen Kreise z» finden, welche die dernokra- tische Entwickelung nicht mitnrnchen wollen. Nach wie vor werde man auch in Zukunft am guten Alten festhalten, das treulich sich bewährt habe, nach wie vor werde man auch in Zukunft nicht jedem Neuen nachjagen, das ohne Grund »ns lehre, nach wie vor werde inan aebr auch in Zukunft das Alte über Bord werfen, das nichts mehr tauge und das gute Neue einführen, das dienlich unserem Hessenland und seinen Bewohnern. (Lebhafter Beifall.) Nach der Ansprache des Landesvorsitzcnden ergriff das Wort der Hauptschriftleitcr der „Deutschen Tageszeitung", Herr Rcichstagsobgeordncter I>r. O e r t e l. Er sprach zunächst von der weltgeschichtlichen Bedeutung des Tage?, der ein Tag sein sollte, so tief ernst, wie ihn Deutschland seit 1870/71 nicht wieder gesehen. Dieser Tag werfe seinen Schatten auf das Sonncnwendfcst, das Heimatfest des Bundes der Landwirte, das der ernsten, cntschcidungsschlvere» Stunde gemäß kein Fest der ausgelassensten Freude, sondern ein Fest der Selbstbcstiminung, der Sammlung, des Ernstes sein müsse. Redner ging dann auf die Spannung zwischen dem kecken Serbien und dem zu lagnmlltigen, zu großmütigen Oesterreich ein. Er schilderte die Maßnahmen der deutschen Regierung, die ernstlich bemüht ist, den entfachten Brand auf seinen Herd zu beschränken, die aber ihre Bündnis- treue zu Oesterreich halte. Das deutsche Volk, soweit cs national denke, stehe geschlossen hinter seiner Regierung, die deutsche Presse zeige eine Einmütigkeit bis auf die sozialdemokratischen Organe. Ein Herz, ein Gedanke, eine Ent- schiedenheit! Rührend wäre cs gewesen, wie diese arn Samstag abend in Berlin und allen größeren Städten zum Ausdrrick gekommen sei. Sollten auch wir in eineii Krieg verwickelt werden, so wäre nicht mit blödem Hurra, sondern mit Ernst, der den Mann ziere, alles zu opfern, womit die deutsche Ehre gewahrt, gesichert würde. Bismarck ziehe uns voran, Bismarcks Kraft, Bismarcks Gesinnug führe un? zum Siege, Redner geißelte noch das Verhalten der Sozialdemokratie, die in diesen Tagen allgemeiner heiliger Begeisterung nicht nur beiseite siehe, sondern durch blutrünstige Aufrufe ihre Vaterlandslosigkeit bekunde, Redner warf dann die Frage auf, was jeder Fcstteilnehmer als Festgabe niitnehmen müsse und antwortete: Erneutes Gelöbnis deutscher Treue: Treu uns selbst, treu den Unseren, treu unserer Art, treu der Scholle, der Heimat, treu dem Vaterland, treu dem deutschen christlichen Glauben, treu dem angestammten Fürstenhaus, treu dem Kaiser! Es war eine eindrucksvolle Rede, eine „Sonntagspredigt", die gewiß in den Herzen der andächtigen Zuhörer Wurzeln geschlagen hat und auch Frucht bringen wird. Bürgermeister I o st - Dermutshain dankte allen, die zum Gelingen des Festes beigetragen und ließ seine trefflichen Worte ausklingen in ein Hoch auf den Bund und seine verdienstvollen Führer. — Pfarrer Germer- Bingen übermittelte den Gruß und Glückwunsch zum Gelingen des Festes von den Bundcsbrudern in Rheinhessen. — Auch Herr Bürgermeister Meltenheimer -Eichelsachsen niahnte zu treuem Zusammenhalt. — Hessische Volkslieder, vorgetrage» von der Spinnstiche Ilbeshausen und hessische Volkstänze, ausgcfllhrt von verschiedenen Ortsgruppen aus deni Schützer Land in Volkstracht, sorgten für weitere sinnige Ausgestaltung des Programms, sodaß der Tag einen für Veranstalter und Festgästo in jeder Beziehung hochbesriedigenden Verlauf genommen hat. Ans der Heimat. * Gießen, 30. Iiul. Das nun schon tagelang anhaltende Regenwettcr, welches gestern noch durch Gewitter verstärkt wurde, ist den Erntearbciten nicht förderlich und beeinträchtigt wieder die Oualität des Körnerertrages. - Verein der Hundefreunde von Mainz und Umgegend. E. V. Dem Wunsche verschiedener Mitglieder entsprechend, hat der Verein in seiner letzten Mitgliederversammlung icschloffen, aus seine Kosten einen Drcsiurplatz anzulegen und die dazu gehörigen Geräte zu beschaffen. Es soll dadurch den Mitgliedern Gelegenheit gegeben werden, unter Leitung eines Sachkundigen, wofür Herr Karl Hcrrmann in Vorschlag gebracht wurde, ihre Hunde selbst zu dressieren. Alsdann kam eine Angelegenheit zur Sprache, welche in den Kreisen der Hundeliebhaber schon viel Anstoß erregt hat. Ein Mitglied referierte darüber, daß ihm von der Steuerbehörde ein Strafzettel zugegangen sei, weil er einen jungen Hund, welcher im November v, I, geworfen worden: bis 1. Januar nicht angemeldet habe. Er hat -hn vielmehr einige Tage nach Neujahr nach außerhalb verschenkt und verlangt jetzt das Steucramt, daß er 3 Mark Strafe zahle, und außerdem die Steuer für den Hund pro 1811 mit 20 Mark entrichte, trotzdem der Hund erst einige Wochen alt und in diesem Jahr nur wenige Tage in seinem Besitz war. Und das alles ist dem Besitzer nur aus Mitleid zu dem Hund entstanden, indcnr er das junge Tierchen noch einige Tage über 1 .Januar behielt, um es nicht gar zu früh von der Mutter wcgnehmen zu müssen und es bei der strengen Kälte Schaden leide. An dieses Thema entspann sich eine lebhafte Debatte. Die ganze Versammlung war sich darüber einig, daß hier ein veralteter Punkt im Hundesteuergksetz vorliege, welcher nicht mehr zeitgemäß sei und heute wohl kaum noch aullecht erhalten werden könne. Es muß danach ein Hundebefitzer, dessen Hund vor dem 3t. Dezcm- ber wirft, alle Hunde, welche er am 1. Januar besitzt, versteuern ohne Rücksicht auf das Alter der Tiere, und dabei noch das Stück mit 20 Mark. Auch kann cs in Hessen vorkomme», daß für einen Hund 3—4 Mal im Jahr Steuer zu zahlen ist, so oft das Tier eben den Besitzer wechselt. Es ist selbstverständlich, daß dadurch den Hundezüchtern, welche Liebhaber und keine Händler sind, die ganze Aufzucht der Hunde verleidet wird und so Gefahr besteht, daß die Rassehundezucht, welche ja ein Stück Zoologie bedeutet, in Hessen immer mehr zurückgcht. Da cs niemand einsällt, für b und mehr junge Hunde pro Stück für einige Tage oder Wochen je 20 Mark zu zahlen. Die Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an, wonach unbedingt Wandel geschaffen werden müsse und beschloß man, mit einer Eingabe an das Ministerium und der Landstände heranzutreten, in welcher um eine Revision des Hundcsteuergefcties gebeten werden soll. Wenn man bedenken wolle, daß in Mainz allein rund 2000 Hunde jährlich versteuert werden, wovon dem Staat Mk. 20 000 und der Stadt Mainz Mk. 20 000 zufallen, so kann wohl erwartet werden, daß die Wünsche nicht nur der Mainzer, sondern aller hessischer Hundeliebhaber stattgegcben wird. In Preußen hat man durch Einführung der Hundesteuer den Züchtern in vielen Städten Entgegenkoinmen gezeigt. Auch wird dort vielerorts die Steuer in zwei Raten gezahlt, was für Hundebesitzcr wie Behörden von großer Annehmlichkeit ist und Hessen mindestens zur Nachahmung empfohlen werden kann. Gcnosscnschaftskursk. Der Rcichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften veranstaltet demnächst an seiner Deutschen landwirtschaftlichen Genosscnschaftsschule in B e r l i n zwei genossenschaftliche Kurse. Wie des näheren in letzter Nummer der „Deutschen landwirtsck>astlichen Genossenschaftspresse" mitgeteilt wird, findet zunächst in der zweiten Hälfte des September ein viertägiger Vortragekur» fus statt, in welchem neuere Erfahrungen und Fortschritte in einzelnen Zweigen des landwirtschaftlichen GenossenschaiiS- wesens zur Behandlung kommen werden. Der Dortragskursus ist in erster Linie dazu bestimmt, bereits länger im praktischen Dienst stehenden Beaniten der Gcuossrnschasts- verbände, Zentralgenossenschaftcn, sowie der größeren Ein- zelgenossenschaftcn neue Anregung und vertiefte Fortbil düng zu ermöglichen. Daneben will er auch sonstigen Interessenten — insbesondere Landwirtschaftslehrern, Beamten von Landwirtschaftskammcrn, jüngeren Beamten der Justiz und Verwaltung, Studierenden der Landwirtschaft usw. — Gelegenheit bieten, einen systematischen Einblick in den gegcntässrtigen Stand des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens zu gewinnen. Die Vorträge, an die sich Besprechungen anschlicßen, werden von GcnossenschaftSvrak- tikcru gehalten. Anfang Oktober beginnt dann der regel- niäßige halbjährige Lehrgang an der Genossenschaftsschule, welcher die Ausbildung jüngerer Beamten für Verbände, Zentral- und Einzelgenossenschaften, besonders aber die Vorbildung für den schwierigen Beruf des Revisors bezweckt. Wer sich über Zwecke, Aufgaben und seitherigen Erfolge der „Deutschen landwirtschaftlichen Genossenschastsschule" naher unterrichten will, sei auf die kürzlich im Verlag des RcichS- verbandes (Berlin SW. 11, Bcrnburgcrstraße 21) erschienene Schrift: „Zehn Jahre deutsche landwirtschaftliche Gcnosscn- schaftsschule" verwiesen. Kursbericht vom 29. Juli 1914 der WlMelbeutjche,, Crebittmnk Aktienkapital u. Reserven M. 70000 000 gegründet 1850. Jranksurtee Börse. 98,507. 84.- 72.50 84.— 73.40 97.— Io Reichsanleihe /»% „ Io „ /,% Preuß. Eonsols Io „ ,» Io Hessen ., —.— Io .. 71.40 /„•/, Griechen v. 1890 — /.% Monopol-Eriech. —.— /„•/„ „ Silberrente 77.90 Io Ceitert Eoldrente 80.50 „ Portugiesen Serie I —.— " „ „ UI —.— /,% Russen v. 1905 96.— Io „ „ 1901 82.- /o Adminiftr. Türken — Io Türken von 1903 80.— Lrkenlose M. 144.— Io Ungar. Goldicnte 75.— Kronenrente 72.10 /,7«Buen.-Air.Pr.Anl. 57.— 7,7. Chinesen — /,7. Japaner 83.— Io Silber-Mexikaner —.— 7,7« Mex. Irrig. Anl. 62.— berliner Handels Ant. 140.— mrmftädt. Bank „ 107.— ieutfche Bank „ 224.— »eutfch-Asiatisch Bank 118.— Berliner Lrkenlose M. 142.25 „ ialtimore u. Ohio Akt. 75.12 „ anada Pacific Att. 172.75 irince Henri E.B. Akt. 123.50 .. ichantung E. B. Akt. 111.75 „ icrliner Handels Ant. 142.75 „ cutsche Ban! Alt. 224- .. >ist. Kommandit Ant. 175.25 „ dresdener Bank Akt. 142.25 „ ict.Jnt.Handelsb.Akt. 156.50 „ iuss.Bank f.a.Hand.A. —.— „ lllg.Elek.Gesellfch.Akt. 219. Diskonto Komm. Ant. 174.60% Dresdener Bank Akt. 139.75 .. Mitteld. Credilb. Att. 112 50 Oest. Creditanst. Akt. BochumerGußstaht Buderus E.-W. Akt. Deutsch Luxemburg Eschweiler Bergw. Eeljenftrch. Bergw. Harpener Bergbau Phönix Bergbau Laurahülle Griesheim Elektron Höchst. Farbwerke Hotzverlohlungs-Ind. Rütgerswcrke Chem Fabr. Albert AUg. Elektr. Gei. Alt. Deutich-Ueberfee E. E. 177.— 200 .— , 100 .- 210 .— 165.— 15S.59 211 .— 21L25 418.- 17L50 2111 — 149.— Schuck. Elektr. Gef. Akt. 121.— Siemens u. Halste 193.— Steaua Romana 130.— Zellstoff Waldhof 155.80 Hambg. Amk. P-k-kf. 108.20 Nordd. Lloyd 95.— Oesterr. Staatsbahn 132.50 Lombarden 14.25 Baltimore u. Ohio Alt. —— Privatdiskont — .— Tendenz: schwach. Börse. Deulsch-Luxcmb.B Akt. 105.50 Dtsch-Uberice E.G.AIt. 15,212 GelscnkirchenBgw.Aki. 165.59 Harpener Bergbau Akt. 158.— Hohenlohe werke Akt. 89.59 Laurahütte Akt. 127.— Oberschlesier E. Akt. 6 >.75 Phönix Bergbau Akt. 214. - Rombacher Hütte Akt. 125.— Siemens u. Halste Akt. 195.25 chifon Topeka Doll. uthern Pacific „ icago Rock Jsl. „ lss.Kanf.u.Tex.R. „ ion Pacific -.Steel Commnn Londoner Börse. Privatüiskont Tendenz: schwach. 96.75 93.75 0.87 10.75 155.50 59 — Amalgamat. Copp. Doll. Chariered Company Lstt. Eastrand Propttetary „ Eoldfields „ Rand Mines „ De 95>«a Coirsolid. _ 66 .- 0.73 1.75 2 — 5.82 15.50