'lummer 1*1 _ Diens tag» den 28. Juli 1914. 7. Jal-rgang w ^ agr»,er1«ng eiche »nt l^en LeMag. Regelmahtge BeUagen ,.Yer Sauer aus Sellen". ..vie Spinnkube". Semgepreia: Bei den Poftanstallen vkerkeliährlich Mk. 1.95 en Agenten »m»natlrch ^0 ^.sg. E>»nzu ttitt Postgebühr oder TrLgerlohn. Anzeigen: (Srund.eile 20 Pfg., lokale 15 Pjg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben _ Erfüllungsort Fnedberg. ^rijriftUttnng und Verlag Friedberg (Heffen). genauer krähe 12. Fernsprecher 48. Ps'tscheit»iLonto Nr. 48-»S. Amt Frankfurt a. M. Zum großen Appell! Wenn Deutschland deine Stunde schlägt, Da Gott den Wert der Völker wägt, Eürt' um dein gutes Schwert! Der Himmel leuchtet in roter Elut, Er leuchtet dir, Eermanenblut, Zum letzten Waffengang bewehrt, Mit dem Slawen, dem tückischen Gesell: Alldcutschland zum grotzen Appell! Was rauscht in den Lüsten durch Nebel geballt. Walhelden sind's, die mit Sturmesgewalt, Umzieh'n, wenn Kriege droh'n, Sah'st du den Moltke mit blassem Erficht, Den Weihbarl mit der Krone nicht? Und mit blondem Vollbart seinen Sohn? Sie reiten so blitzend, sie reiten so schnell, Avdeutschland zum grotzen Appell! Dort reitet der Blücher, auf schnaubendem Roh, Und neben ihm Bork' sein Schlachtengenoh, Und Scharnhorst, der Schwerter Schmied. Held Lützow tummelt sein blankes Pferd, Jungfriesen schwingt sein reisiges Schwert. Und Körner singt sein Lied, Und jubelnd schallt es im Chore hell: „Alldcutschland zum grotzen Appell!" Es rauscht in der Erde, aus Moder u. Nacht, Erheben sich all' die Helden der Schlacht, Sie steigen gewaffnet zu Licht und Luft, Sie kommen in Scharen vom Leipziger Feld. Aus vergessenen Gräbern, kein dreizehner Held. Bleibt zurück, wenn das Vaterland ruft, Und die Trompeten dröhnen so grell: Alldeutschland zum grotzen Appell! Alldeutschland fürchte kein Ungemach! Sieh! deine Helden sind alle wach Beim letzten Morgenrot, Nur muht du stets mit Selbstvertraun. Der Zukunft ins dunkle Auge schaun. Dann hat es keine Not, Mit aller Feinde Gebell: Alldcutschland zum grotzen Appell! Wem deutsches Blut in den Adern brennt, Wer eine deutsche Mutter sein eigen nennt, Der bleibt dann nicht zu Haus, Wenns hallt vom Wogenschlag des Belt. Und von den Alpen widergellt: „Wir ziehen alle, alle aus!" Wenn hundert Millionen Germanen zur Stell, „Alldcutschland zum grotzen Appell!" vr. Ltto Böckel, Michendorf (Mark.) Immer noch keine Entscheidung. Ruhigere Auffassung. — Ein englischer Konferenzvorschlag. — Die ersten Feindseligkeiten. — Der Inhalt der Antwort Serbiens. — Kundgebungen in Oesterrcich-ttugaru und Russland. — Hangend und bangend in schwebender Pein, mit diesen Worten lüfct sich die Lage am trefscndsten kennzeichnen. Am Samstag schien cs, als müsse der solgende Tag schon die Entscheidung bringen; jetzt sind aber schon zwei Tage verstrichen, ohne dah nian einer sicheren Lösung auch nur einen Schritt näher gekommen Ware. Zeit gewonnen, heiht, wenn auch nicht alles, so doch viel gewonnen. Das trifft auch hier zu, denn die ursprüngliche Auslegung, die in den Hauptstädten d>r Großmächte bis zur Siedehitze gediehen war, hat heute einer weit ruhigeren Auffassung Platz gemacht und es ist bezeichnend, dah selbst die nationalistischen Hetzblätter an der Seine eine den Umständen nach ruhige Sprache führen. Anerkannt mutz werden, daß die Haltung Englands viel zur friedfertigen Beruhigung beigetragcn hat. Es erscheint sicher, dah England ausrichtig den Frieden will; ob diese Stimmung wirklich reiner Friedensliebe oder anderen selbst- süchtigeren Gründen entspringt, soll hier nicht untersucht werden; genug: England setzt sich für den Frieden ein. Die englische Regierung hat den Vorschlag gemacht, die an dein Balkanstrcit nicht direkt beteiligten Großmächte, nänüich Deutschland, England, Frankreich und Italien sollten in London zu einer Konferenz zusammentreten, um über Mittel zu beraten, die Wirrnisse friedlich brizulcgcn. Ob diese Konferenz zustandekommen wird, steht dahin, aber in der schwierigen Lage der Zeit wird schon der Versuch einer friedlichen Lösung als ein günstiges Zeiäscn aufgesatzt. Frankreich hat bereits, wie vorauszuschen war, seine Zu- stimmung gegeben» dort lag die Entscheidung leicht, denn dieser Staat ist England durch die Entente rordialc verbunden. Schwieriger war die Entscheidung bei Italien, das Oester- reich durch den Dreibund verpflichtet ist. Es antwortete zu- stiniinend in der Voraussetzung, dah Deutschland einverstin- den sei. Am schwersten ist es für Deutschland, die richtige Ai,»wort zu finden. Unsere Regierung und unser Volk hat keinen Zweifel gelassen, daß es freudigen Herzens, wenn es die Rot gebietet, an die Seite seines Verbündeten treten wird. Oesterreich hat seine Langmut gegen den gröheu- wahnsinnigcn Unruhestifter lange genug bewährt, wenn cs Ittji die gcwasfncte Hand zur Züchtigung des ewigen Unruh :- stistcrs erhebt, so handclt es im Interesse des Weltfriedens, der von de», Panslawismus ununterbrochen bedroht wird. Es kann unmöglich die Ausgabe des deutschen Reiches sei», in diesem Aiigcnblickc seinem Verbündeten in die Parade fahren zu wolle» und sei es auch durch die friedlichsten Bemühungen. Teuffchland und sei» Kaiser haben schon so oft der Beweise der ehrlichsten und opferbereitesten Friede,isliebe gegeben, daß mehr zu tun, nichts übrig bleibt. Wenn England Erfolg mit seinen Friedensbemühungen haben will, so muh es in erster Linie bei Rußland einsetzen. Hier laufen alle Fäden der Umtriebe und der Verhetzung zu- sammen. In dem Augenblick, wo Rnhland Oesterreich, dein es keineswegs um eine Zerstörung Serbiens oder etwa um Gebietszuwachs zu tun ist, freie Hand läht, um den ewigen Friedensstörern eine gebührende Züchtigung, die um Eindruck zu machen, bis zur Demütigung des Scrbcntums gehen kann, dem in der letzten Zeit der Kamm gar zu gewaltig geschwollen ist, in dein Augenblick ist der Weltfrieden gesichert. Auch Frankreich könnte beweisen, dah es ehrlich den Frieden wünsche, wenn es in diesem Sinne mäßigend ans seine russischen Verbündeten wirken wollte. Ocstrrrcich kann nicht mehr zurück, wenn cs nicht dem Fluch der Lächerlichkeit anheimsallen wollte. Der Unistand, daß auher der Sprengung der Donaubrückc und einem un- bedciitendcn Geplänkel auf der Donau, wo zwischen öfter- reichischcn und serbischen Truppen einige Schüsse gewechselt wurden, ein ernster Zusammenstoß oder gar der österreichische Einmarsch in Serbien noch nicht erfolgt ist'), berechtigt noch nicht zu dem Schlüsse, dah es Oesterreich nicht Ernst mit seinem Verhalten sei. Oesterreich trifft niit Kraft und ziclbcwuht seine Mahnahmen. Diese Vorbereitungen pflegt man nicht in die Welt hinaus zu posaunen und deshalb dringen in den ersten Tagen so wenig Nachrichten in die Oeffentlichkeit, aber die Dinge gehen ihren Lauf, daran wird nichts abzuändcrn sein. Immerhin lassen die beiden letzten Tage die Hofknung auskominen, dah der Weltbrand vermiede» werben kau». Klar und unzweideutig hat sich gezeigt, das, alle Großmächte vor der Verantwortung zurückschrccken, einen Krieg zu ent- fesseln, der sich zu einer Katastrophe entwickeln könnte, deren Ende nicht abzuschcn wäre. Wenn auch der Ernst der Lage unvcrinindert fortbestcht, ko scheint doch scstzustchen, dah keine Regierung irgend einer Großmacht den Krieg haben möchte und das läßt immer noch die Hoffnung auf eine Lokalisierung des österreichisch serbischen Zwistes zu; den», wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg! Di» ersten Erenzzwischenfälle. € e m I i t,, 27. Juli. Die serbische Regierung zieht in Tschilpria, Scmendria und Pozaocrae große Truppenmasien zujair.nien, die bestimmt sind, mit dem General Etcpanowitsch an der Spitze bei Temcskubin über die Donau zu gehen und in Ungarn einzusallcn. In der Nähe von Temestudin, bei Kevcrara auf ungarischem Boden an der Donau wurden 120 *) Nach neueren Depeschen, deren Richtigkeit aber noch nicht fcststeht, sollen die Ocsterreicher bei Mitrovitza die serbische Grenze überschritten haben. Mann ungarische Soldaten, die sich aus den Schissen der Donau- Tampsschisfahrtsgcsellschast befanden, von serbischen Soldaten beschossen, woraus sich ein heftiges Eewehrscuer entwickelte, das 20 Minuten dauerte. Zwei serbische Schisse wurden von den ungarischen Soldaten beschlagnahmt. Der Thronfolger- rezent hat sich ins Hauptquartier »ach Valjcwo begeben, da in militärische» Kreisen der erwähnte Ercnzzwischensall als Kricgsansang angesehen wird. Die Serben sollen, Zeitungsmcldungen zufolge, die große Brücke, die Belgrad und Eemlin über die Donau verbindet, gesprengt haben. Aus der Donau bei Rosewo wurden die serbischen Irup- pentransportdainpser „Wardar" und „Zar Nikolaus" von den österreichischen Booten der Donaustotille aufgebracht, wöbet Serben zu Gefangenen gemacht wurden. Die Sprengung bet Gisendahnbrücke bei Cemiin scheint sich zu bestätigen, was jedoch, wie in Wien erklärt wird, für die österreichischen Truppeil bedeutungslos fei. Einmarsch der österreichische» Truppen i» Serbien? Ein Telegramm meldet de» Einmarsch der österreichische» Truppen, die bis Mitrovitza vorgcdrungen seien und die serbische» Truppen überall zurückgedrängt hätten. Die Nachricht klingt unwahrscheinlich, denn das serbische Mitrovitza liegt an der Donau gegenüber dem siavonischen Mitrovitza. Demnach können die österreichischen Truppen nicht weit vorgedrungen sein. Die Mobilmachung Oesterreichs. Folgende Korps find mobilisiert worden: Graz, Prag Leilmcritz. Bosnien, Herzegowina, Dalmatien, Tcwesoor, Budapest lind Agram. Als erster Mobilisierungstag ist der 28. Juli festgesetzt worben. Infolge der teilwciscn Mobilisicrung wirb auf den einzelnen Bahnstrecken der Zivilpersonen- und Ecpäckvcrlchr sowie der Frachtverkehr vorläufig vom 28. Juli cingeschräntt. Einschränkung des Bnhnvcrlehrs. Wien, 20. Juli. Die Staatsbahndircktion publiziert eine Kundmachung betreffend di- Einstellung respektive Einschränkung des Ziviloerkchrs aus besonders bczcichneten Bahn« linic-i. Als erster Mobilisierungstag wird der 28. Juli bezeichnet. 2'om dritten Tage angesangcn wird für Zivilpersonen der Verkehr äuf einigen Linien gänzlich eingestellt. Gegen die Südostgrenze zu wird der Eesamtvcrkchr eingestellt. Gras Bcrchtold und Kricgrminister Krad a> in sind wieder hier eingelrosfen. In Wien und allen Landeshauptstädten jindcn sortwähkend begeisterte Straßenkundgebungen für den Krieg statt. Stuttgart, 28. Juli. Die Schlaswvgcn München-Ulm Wr. 17* Seite 2 und Triest-Stuttgart, die im D öS veilehren, find heute nicht ctngetroffen, fie werden in Salzburg zuriickgchalten. Kaiser Franz Josef. Bad Ischl, 27. Juli. Der Kaiser Franz Josef arbeitete wahrend des ganzen Tage; aus das angestrengteste und befindet fich vollkommen wohl. Am Abend kam es in dem Kurthea- tcr zu begeisterten Kundgebungen für Kaiser Franz Josef und Kaiser Wilhelm, sowie die verbündeten Machte. Aus Anordnung de» Direktors wurde zu Beginn der Vorstellung die Bolkshymue und späterhin „Heil dir im Sicgerkranz" gespielt, die von dem gesamten Publikum stehend angehürt wurden. Der deutsche Kaiser. Kiel. 27. Juli. Der Kaiser ist heute um 7 Uhr vormittags an Bord der „Hohenzollern" cingetroffen und um g Uhr nach Berlin abgereist. Unter sich immer wiederholenden stürmischen Hurrarufen und patriotischen Gesängen des die Bahnhofshalle beseht haltenden zahlreichen Pulbikums verlieh der Zug die Halle. Die serbische Antwort. Die serbische Antwort auf das österreichische Ultima- t u m ist, wie fich der „Temps" aus Belgrad melden läßt, angeblich folgenden Inhalts: Die serbische Regierung ist einverstanden: 1. Mit der Veröffentlichung der verlangten Erklärung im Amtsblatt. 2. Mit der Mitteilung dieser Erklärung an die A r - m e e durch einen Tagesbefehl. 8. Mit der Auflösung der einer Aktion gegen Oesterreich verdächtigten vaterländischen Vereine. i. Mit einer Abänderung des Pressegesetzes 5. Mit der Verabschiedung solcher Angestellter der Militär- oder Zivilverwaliung, denen die Teilnahme an der Propaganda gegen Oesterreich nachgewiesen Ivird. Die serbische Regierung protestiert jedoch gegen die Zuziehung österreichischer Beamter zu der entsprechenden Untersuchung. b. Die serbische Regierung verlangt eine Erklärung darüber, inwieweit österreichisch-ungarische Beamte zu der Untersuchung über das Komplott von Sarajewo herangezogcn werden sollen. Sie will, was diesen Punkt anbetrifji, nur das durch das internationale Recht und sreundnachbarliche Beziehungen Gebotene annehmcn. 7. Im Ganzen nimmt die serbische Regierung alle Bedingungen und sonstigen Forderungen Oesterreichs an und macht nur Vorbehalte bezüglich der Tätigkeit österreichisch-ungarischer Beamten in Serbien. Und auch in diesem Punkt spricht sie keine glatte Ablehnung aus, sondern beschränkt sich daraus, Aufklärung zu verlangen. Sollte die österreichische Regierung diese Erklärungen ungenügend finden, so appelliert die serbische Regierung an das Haager Schiedsgericht und an die Mächte, welche dis Erklärung von isvg bezüglich Bosnien-Herzegowina unterzeichnet haben. Die österreichische Darstellung. Der Wortlaitt der serbischen Antwort dürfte von dem tzranzösischcn Blatte nicht ganz richtig wiedcrgeqeben worden sein. Der kaiserlich königliche Gesandte Freiherr v. Giefl hat die serbische Antwortnote auf die österreichisch-ungarische Forderungen am 26. d. M. bei seiner Ankunft in Wien dem Ministerium vorgclcgt. Zur Begründung des Standpunktes der Regierung wird ausgeführt: Diese Rote beabsichtigt den falschen Schein zu erwecken, als ob die serbische Regierung die von Oesterreich-Ungarn gestellten Forderungen in wc.it- zehender Weise z» erfüllen bereit wäre, tatsächlich ist aber die Rote von einem Geist der Unaufrichtigkeit erfüllt, der e2 klar .'rkennen läßt, das; cS der serbischen Regierung nicht ernstlich darum zu tun ist, der sträflichen Duldung ein Ende zu bereiten, welche sie bisher den Umtrieben gegen die Monar- chie zuteil werden lieh. Sowohl hinsichtlich der allgemeinen Grundlage der österreichisch-ungarischen Demarchie als auch n betreff der einzelnen von Ocstererich-Ungarn gestellten Demarchie als auch in betreff der einzelnen von Oesterreich- llngarn gestellten Forderungen enthält die serbische Note so weitgehende Vorbehalte und Einschränkungen, daß auch die tatsächlich gemachten Zugeständnisse bedeutungslos werden, insbesondere wurden unter einem nichtigen Vorloand die Forderung Oesterreich-Ungarns aus die Teilnahme van k. k. Organen an den Erhebungen zur Eruierung auf serbischem Boden befindlicher Teilnehnier an dem Komplott vom 28. Juni vollkommen abgelehnt. Ebenso komint die Zunge, ste Oesterreich-Ungarn zur Bekämpfung der der Monarchie feindlichen Presse gemacht wurde, einer Ablehnung gleich. Das Begehren Oesterreich-Ungarns, daß die tönig- liche Negierung die notwendigen Maßregeln treffe, daniit die aufgelösten, der Monarchie scindliäzen Vereine ihre Tätigkeit nicht unter einem anderen Namen und in anderer Form fortfetzen, überhaupt nicht beriicksirlstigt. Ta die in der Note der k. k. Negierung vom 28. b. M. enthaltenen Forderungen mit Rücksicht auf das ferbifcherseits bisher beobachtete Verhalten das Mindestmaß dessen darstellen, was zur Schaffung dauernder Ruhe im Südostcn der Monarchie nötig ist, muß die serbische Antwort als unbefriedigend betrachtet werden. Daß übrigens die serbische Negierung sich selbst dessen bewußt war. daß ihre Note sür Oesterreich inakzeptabel sei, beweist der Umstand, daß cs an, Schlüsse derselben vorschlägt, die Regelung der Kontroverse aus schiedsgerichtlichen! Wege zu suchen, eine Einladung, die die riclstige Beleuchtung durch den Umstand gewährt, daß schon Stunden vor der Uebergwbe der Note, die erst wenige Minuten vor Ablauf der Frist statt- fand, die Mobilisierung der serbischen Armee erfolgte. Der Versuch einer Kensercuz, Dem „Journal" zufolge habe Sir Edward Grey durch die cnatilckren Votichaitcr in Paris Berti» und Rom nn 91«u« Tageszeitung. Dienstag, den Z8. Juli 191*. fragen lasten, ob die französisch«, die deutsche und die italienische Regierung ihre Zustimmung zu einem gemeinsamen Schritt in Wien und Belgrad erteilen, welcher bezwecke, eine Konscrenz nach London einzuberusen, di« «in wenig an die im vorigen Jahre stattgehabte Londoner Konferenz erinnern würde. In Petersburg fei absichtlich keine derartige Demarche erfolgt, weil Rußland in dem östcireichifch-ungarischsn- ferdischcn Zwist bereits ganz unzweidcuttg Stellung genommen habe. Die Erklärungen Sir Edward Ereqs. Sir Edward Erey gab über die europäische Lage im Unterhaus eine Erklärung ab, in der es hieß: Ich sage, wenn die Beziehungen zwischen Oesterreich- Ungarn und Rußland einen bedrohlichen Charatker annähmen, so scheine mir die einzige Chance sür den Frieden darin zu bestehe», daß die vier an der serbischen Frage nicht unmittelbar interessierten Mächte, nämlich Deutschland, Frankreich Italien und Großbritannien in Petersburg und Wien gleichzeitig und zusammen dahin wirken sollten, daß Oesterreich uud Rußland die militärischen Operationen cinstel- len möchten, während sich die vier Mächte bemühen, die Beilegung des Konfliktes zu erzielen. Nachdem ich gehört hatte, daß Oesterreich-Ungarn die Beziehungen zu Serbien abgebrochen habe, machte ich folgenden Vorschlag: Ich wies gestern nachmittag die britischen Botschafter in Paris, Berlin und Ronr telegraphisch an, bei den Negierungen, bei denen sie beglaubigt sind, anzusragen, ob diese gewillt seien, ein Einvernehmen dahin zu treffen, daß der französische, d»ut!che und italienische Botschafter in London mit mir zu einer Konferenz in London zusammcntreten, um sich zu bemühen, ein Mistel zur Beilegung der gegenwärtigen Schwierigkeiten zu finden. Gleichzeitig beauftragte ich unsere Vertreter, jene Negierungen zu ersuchen, ihre Vertreter in Wien, Petersburg und Belgrad zu ermächtigen. die dortigen Regierungen von der vorgeschlagenen Konscrenz zu insormieren bis zur Beendigung der Konferenz ein- zustellen. Daraus habe er noch nicht alle Autworten erhalten. Bei diesem Vorschlag ist natürlich die Zusammenarbeit der 4 Mächte eine wesentliche. In einer so schweren Krtfis wie diese, würden die Bemühungen einer einzelnen Macht, den Frieden zu erhalten, unwirksam sein. Die in dieser Angelegenheit verfügbare Zeit war so kurz, daß ich die Gefahr auf mich nehmen mußte, den Vorschlag zu machen, um mich zu versichern, ob er gut ausgenommen werde. Aber wo die Dinge so ernst, die Zeit so kurz und die Gefahr, etwas Unwillkommenes vorzuschlagcn, unvermeidlich ist, bin ich trotzdem der Ansicht, daß er angenommen wird. Der in der Presse erschienene Text der serbischen Antwort ist richttg. Me ich glaube, sollte dieser Vorschlag wenigstens die Grundlage bieten, aus der eine freundschaftliche und unparteiische Gruppe von Mächten, unter denen sich Mächte befinden, die bei Oesterreich-Ungarn und Rußland gleiches Vertrauen genießen, imstande wäre, eine Beilegung zu finden, die allzeinein annehmbar wäre. Es müßte jedem, der »achdenkt, klar sein, daß in dem Augenblick, wo der Streit aus- hört, ein solcher zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien zu sein und wo er einer wird, in welchen eine andere Großmacht verwickelt ist, dies ist, dies mit einer der grüßten Katastrophen enden lann, die icmals den Kontinent und Europa heimsuchten. Niemand kann sagen, was das Ende der ausgebrochenen Schwierigkeiten sein wird. Ihre direkten und indirekten Folgen wurden unberechenbar sein. (Beifall). Keine Klärung in der politischen Lage. Köln, 28. Juli. Die „Kölnische Zeitung" meldet nus Berlin: Eine völlige Klärung in der politischen Lage, namentlich was die Stellung Rußlands betrifft, ist noch nicht erfolgt. Dem Gerücht über russische Mobilmachungsmaß- regel wird von russischer Seite sehr bestinimt widersprochen. Wenn man auch zugibt, daß au den Oesterreich-Ungarn gegenüber gelegenen militärischen Bezirken gewisse Dorsichtsmaß- regeln schon getroffen oder noch weiter im Gange seien. Es scheint hiernach, als ob die russische Diplomatie einen Ausweg aus der Lage in diplomatischen Bemühungen um die Beilegung des österreichisch-serbischen Streites sucht. Von einem Erfolge dieser Bemühungen kann man freilich einstweilen noch nicht sprechen. Wien, 28. Juli. Man ist hier guter Hoffnung, daß die örtlidje Begrenzung des österreichisch-serbischen Krieges, der natürlich nicht mehr anfzuhalten ist, gelingen wird. Nicht, als ob man glaubt, dnß Rußland leichten Herzens darein willigen würde, aber man ist davon überzeugt, daß die übrigen Mächte des Dreiverbandes ihre äußersten Anstrengungen niachen werden, Rußland von jedem Eingreifen zurück zu halten. Stimmungsumschle.g in Parks. Pari?, 28. Juli. Nach dem übergroßen Pessimisunis der letzten Tage und der Nervosität, die sich eines großen Teiles der hiesigen Presse bemächtigt hatte, ist heute stier eine wohltuende Reaktion emgetreten und man betrachtet 51 : 1:1 mindesten in den politische» Kreisen die augenblickliche Lage mit großer Ruhe. In Paris begab sich Herr v. Scboen mehrere Male ins Auswärtige Amt nach dem Ov.ai d'Orsay und hatte dort längere Unlerrediuigen mit dem stellvertretenden Minister des Aeußeren Bienvcn» Martin, die in beion- dcrS freundschaftlichem Tone geführt wurden und sehr befric- digend verliefen. In einer über den Ausgong dieser Besprechungen veröffentlichten Note heißt es, daß die beiden Diplomaten gemeinsam nach einem Wege zur Aufrcchterhnl tnng des Friedens gesucht haben. Rach de» stier vorliegenden Petersburger Meldungen scheint es zu ähnlichen Besprechungen auch im riisfischen Auswärtigen Amte gekommen zu fein. In hiesigen politischen Kreisen äußerte mnn sich in enthusiastischer Weise über Herrn v. Schoen und sein Verhalten zur Beilegung des Konfliktes. Er habe alles getan, was man tun könne Ex cmpfing gestern niedrere stervorraneiidc Mitglieder der deutschen Kolonie, die sich noch dem Stand« der Dinge erkundigen wollten. Herr v, Schoen leugnete nicht daß die Situation sehr kritisch sei, glaubte aber, versichern zu können, daß keinerlei Grund zur Beunruhigung vorliege. Die Entspannung, die emgetreten ist, spiegelt sich auch in den Auslassungen der Blätter wieder. Fast sämtliche Mar- genblättcr konstatieren die Tatsache, daß noch keine kriegerische Aktion sich ereignet habe und daß daher durchaus kein Grund zum Pessimismus gegeben sei. Immer wieder wir! auf die Friedensliebe hingewiesen, die Deutschland in der Krisis bekundet habe. Man halte es für ausgeschlossen, daf Kaiser Wilhelm dulde, dnß Europa Serbiens halber in ein Abenteuer hincingcdrängt werde. Ter Berliner Korrespondent des Matin bestätigt in einem Telegramm diese Aiif- fassung vollkommen und erklärt, daß Deutschland und die deutsche Regierung dies nicht wollen. Eine Mobilisation würde nur dann stattfinden, wenn Rußland den Anlaß dazu gebe. Die Lage sei hossnuugsvoll, zumal auch England und Italien sich bereits in den Dienst des Friedens gcstcllt hättcn. Griechenlands Neutralität. Athen, 28. Juli. Das zwischen Griechenland und Ser- bien bestehende Bundcsverhältnis legt jenem in dem gegen- wärtigen Konflikt nicht die Verpflichtung auf, in den Konflikt zugunsten Serbiens einzugreiscn. So groß auch das Inter- esse Griechenlands sei, so wird an maßgebender Steil: erklärt, daß die Machtstellung Serbiens auf dem Balkan mr- geschmälert erhalten bleibe, so habe Griechenland noch keine Veranlassung, sich in den Streik mit Oesterreich einzumiichcn, um so weniger, als es auch zur Beilegung des Konfliktes nicht um seine Hilfe angerufen wurde. Montenegro für Serbien, Montenegro hat sich natürlich beeilt, zu erklären, daß cs an der Seite seines sorbischen Bruders stehen werde. Infolgedessen trifft Oesterreich seine Vorbereitungen. Die Eisenbahnen in Dalmatien sind vom Militär vollständig besetzt. Die östereichische Flotte ist in der Nähe von Eatt.rro konzentriert. Sollte Montenegro Serbien zu Hilfe eilen, so wird sofort Cattaro bombardiert werden. Man nimmt an, daß Montenegro mit Rücksicht hierauf und a»f den augenblicklichen Truppenmangel auf eine Teilnahme am Kriege verzichten wird. Die patriotische Stimmung in Oesterreich-Ungarn. Budapest, 27. Juli. Die Begeisterung für den Krieg mit Serbien wird immer stürmischer. Unausgesetzt durchziehen Volksmasten die Straßen. Eine Gruppe erschien auch vor dem Palais der Erzherzogs Josef, der vom Ballon herab eine zündende Ansprache an die Menge richette. Wien, 27. Juli. Der Patriotismus in der Monarchie gibt sich in opferwilliger Bereitschaft aller Bevölkerungsschichtcn insbesondere tn zahlreichen Spenden und Sammlungen sür die im Felde stehenden Soldaten und die Familien der eingerückten Reserven kund. Für diese nimmt das Kriegsministerium alle Gaben entgegen. Die Reichsorganisation der Hausfrauen Oesterreichs erläßt einen Aufruf zu einer großen Frauenhilfsaltion, die unter anderem bezweckt: Schaf, fung eines Hilfsfonds, sowie Berdienstmöglichkeiten für die subsistcnzlos gewordenen Frauen von Reservisten, Schaffung von Freitischen und Freimarken für die wichtigen Lebensmittel. Die deutschen Studenten in Prag haben beschlossen, eine Sammelstelle sür das österreichische Rote Kreuz zu errichten. Die böhmische Aerzteschaft hat zur Organisation einer ärztlichen Hilfsaktion ausgefordert. Der 62 Jahre alte Präsident des Herrenhauses, Fürst zu Windisch-Grätz, der Major der Landwehr ist, meldete fich, wi« das „Reue Wiener Tagebl." berichtet, beim Landesverteidig, ungsminister zum freiwilligen Truppendienst in der Front. Auch das 54jährige Mitglied des Herrenhauses, Fürst Karl Auersperg, hat sich entschlossen, gleichzeitig mit seinem zui Truppe einberusenen Sohne freiwillig einzurückei^ Kundgebungen in Rußland. Petersburg, 28. Juli. In Petersburg und Moskau herrscht nach wie vor die größte Erregung. Gegen Deutsch- land und Oesterreich fanden lebhafte Manifestationen stiitt. Die Kundgebungen in Petersburg erreichten erst in der frühen Morgenstnnd ihr Ende. Die Teilnehmer formierleu sich zu einenr geschlossenen Zuge, dem eine russische Fahne vorangetragen wurde. Es wurde gerufen: „Nieder mit Oesterreich! Nieder mit Dcutschlaiidk Hoch Serbien! Hoch die serbische Armee!" Da die Zugänge zu der österreichischen »nd deutschen Gesandtschaft gesperrt waren, zog die Menge nach dem serbischen Gesandtschastsgebäude, wo Hochrufe auf Serbien ausgebracht wurden. Ter serbische Geschäftsträger mußte wiederholt aus dem Balkon erscheinen, um sich in Ansprachen für die Beifallsrufe zu bedanken. Ein« Anzahl Freiwilliger hat dem serbischen Gesandten ihre Dienste im Kampfe gegen die Oestereicher nngcbotc». Der diplomatische Meinungsaustausch dauert noch fort. Urb erlicht. Zur Gcsamtlage. Heute wi-d die Lage etwas ruhiger aufgefaßt. Enaland hat den Vorschlag gemacht. Deutschland. Italien, Frankreich und England möchten auf einer Konferenz über Mittel zur Erhaltung des Frieden? beraten. Wenn mich zunächst i“: Verwirklichung dieses Vorschlages noch große Schwierigkeit 1 ciitgegenstehen, so ist doch daraus zu ersehen, daß in Englai 1 der Wille z 11 nr Frieden vorherrscht, was aus Rußland und Frankreich dämpfend wirken dürste. In Rußland beginnt eine ruhigere Ueberlegnng Platz zu greisen, nian beginnt einzusehen, daß eine L 0 k a l i s i e - r » n a nicht unmöglich lei. Auch in Frankreich ist etwa-: Seite 3. Nr. 174 : __ ___ __ mehr Einsicht eingekehrt und die ursprüngliche Auffeguno hat einer ruhigeren Ueberlegung Platz gemacht. Dos erste Geplänkel. Bei Tcmeskubin beschossen serbische Truppen, die sich uf einem Donaudainpser befanden, von dem Schiffe aus stcrreichische Truppen. Das Feuer wurde erwidert. Es mtspann sich ein gröberes Geplänkel. Fortgang der Mobilisierung. Im übrigen ist der Anfang der'Fcindskligkciten noch nicht gemacht, worin aber nicht etwa cinc Schwäche Oesterreichs zu suchen ist. Im Gegenteil, Oesterreich vervollständigt seine Nüstungc», um seine Mai,nahmen mit der gebotenen Entschiedenheit zu treffen. Heimkehr des Kaisers Wilhelm. Der Kaiserist gestern Nachmittag in P o t s d a m ein- getroffc». Der Kronprinz verbleibt in Z o p p o t bei Danzig. Konzentration der englischen Flotte. Das erste Geschwader der englischen Flotte erhielt Br. fehl, zusammen zu bleiben und nach der Nordsee ab;», dampfen. Der englische Konscrcnzvorschlag. Frankreich stimmte dem englischen Vorschlag rückhalts- los zu, Italien mit dem Vorbehalt, daß Deutschland da- mit einverstandku sei. „Tribuns und „Giornalr d'Jtalia" bringen offenbar von der Regierung bccioslusite Artikel, in denen das Volk ermahnt wird, daran zu denken, das, die weitere Entwickelung der Krise von Italien die Erfüllung eingegangener Pflichten und die Leistung von Opfern verlangen könne. Damit wird auf die Taffache hingcwiesen, das, Italien im Rotsalle a„ der Seite Deutschlands und Oesterreichs treten wird. Einmarsch iu Serbien. Wien, 28. Juli. Die österreichischen Truppen haben die ungarisch-serbische Grenze überschritte» »nd bei ihrem Vormarsch auf Mitrovitz de» programmmäßige» Punkt erreicht. Die Serben wurden überall zurückgeworsen. -In Wien wurde die Nachricht von dem BtUi»n der Feindseligkeiten mit stürmischem Jubel ausgenommeu. — Zum Nachfolger des Gcheimrats Albrecht als Prä- sident des Oberschnlrats von Elsatz-Lothringen ist, wie die „Kölnische Zeitung" erfährt, der Kreisdirektor in Stratzburg Freiherr von der Goltz auscrschen. -- Don der Dcrwaltung des Flugplatzes Wanne wird mitgeteilt, daß die Nachricht, das Luftschiff „Charlotte" sei von der östereichisch ungarischen Regierung angekaust worden, unrichtig ist und datz kerne diesbezüglichen Verhandlungen stnttgesundcn haben. — Die Streikende» in Petersburg nahmen gestern früh die Arbeit wieder aus. Ausgeschlossen sind nur die Fabrikarbeiter, die wegen der jüngsten Ereignisse veranlaßten Schlicsiung der Fabriken die Arbeit nicht aufnehmcn können. Unter diesen befinden sich auch die Putilowerke. In der allgemeinen Stimnuing ist ein Umschwung cingctrcten. Fast überall wurden Sympathiekundgebungen für Serbien abge- halten. Sie hielten sich jedoch in mäßigen Grenzen. Ausschreitungen fanden nirgends statt. Tagesübersicht. Deutsches Deich- ?: Ter Kaiser in Kiel. Der Kaiser ist gestern friit) 6 Uhr 15 Minuten an Bord der „Hohenzollern" in Kiel einae- irosfen. Die Kriegsschiffe im Hafen feuerten den Kaisersalur, toährend dessen die .Hohenzollern" an ihrer üblichen Liege- stelle fcstmachte. In der neunten Stunde fuhr der Kaiser mit einer Dampfpinaffe nach dem Bahnhofskai, wo eine nach Tausenden zählende Menschenmenge Aufstellung gefaßt hatte. Als die kaiserliche Pinassc hcrannahte, wurden dem Monarchen stürmische Ovationen dargebracht und von der begeister- ten Menge die Nationalhymne gesungen, an die sich andere patriotische Lieder, wie die „Wacht am Rhein", „Deutschland, Deutschland über Alles", „Schleswig-Holstein mcerumschlun- gen" und andere anschlossen. Der Kaiser, der gebräunt und sehr erfrischt aussah, sah ungemein ernst aus, war indessen von der Kundgebung anscheinend freudig überrascht und dankte unablässig für die Ovationen. Auch am Bahnhofe hatten sich Tausende eingefnnden, die ähnliche Kundgebungen veranstalteten. Um Sy 2 Uhr setzte sich der Hofzug nach Potsdam in Bewegung. Ruhla, i>. :: D»e Ernte iu 1914. lieber die voraussichtliche Ernte lm europäischen Rußland veröffcntlichp das internationale Land- wirtichasts Institut in Rom folgende Schätzung. Sommerweizen 10624 600 Tonnen (28 Prozent weniger als im Vorjahr), Roggen 23 847 400 Tonnen (2,4 weniger). Gerste 10383 800 T. (weniger 11,7), Hafer 12 342 100 (weniger 23,1). Euglaad. < Z, den Kämpfen i» Dublin. Kein Ereignis der letzten Tage hat jo tiefgehende Erregung hervorgerusen, wie die gestrigen Straßcnlämpsc in Dublin. eSlbst das Jnteicsie für die enropäijch« Krise ist dadurch vorübergehend eiwas in den Hintergrund gedrängt worden. Jede Partei schiebt naturgemäß der änderen di« Schuld zu. Dar Parlament, in dem heute vormit- Erey über die auswärtige Lage sprechen wird, befindet ln großer Erregung. Redmond ergriff die Gelegenheit zu lsnklatz« gegen den Staatselietär für Irland Birrcll, der g rt«, daß her Polizetkommtssar auf eigene Verantwor- «h«adelt habe, al, er di« Trupp«» herb-trief. «nd daß jüntm «osten abacletzt worden sei. Redwoud rief: Mtttt Tageszeitung Dienstag de, 28- Juli ltl „Der müßte gehängt werde»" Lord Ceoil erwidert«: .Der Minister verdient gehängt zu weiden." Der Unionist Amery rief: .Die Minister seien die eigentlichen Mörder". Sm bedauerlichsten ist es, daß die Soldaten infolge eines Mißoerständ- nisie» ohne den Befehl ihrer Offiziere feuerten. Bevor der Gegenbefehl gegeben werden konnte, war das Unglück bereits geschehen. Asyuith erklärte, daß die Amendiernngsbill nicht, wie ursprünglich vorgesehen, heute beraten werden wird. — Zn Dublin war gestern alles ruhig. . Aegypten. :: Attentat ans de» Khevioe». Auf den Khediven wurde ein Attentat verübt, das indessen den Fürsten nur leicht verletzte. Ein Begleiter des Khediven hieb den Attentäter nieder. Zn verschiedenen Moscheen und anderen Gotteshäusern wurden Tankgcbelc aus Anlaß der Errettung des Khediven verrichtet. Ein amtliches Communiqne sagt, daß da» Attentat von einem ägyptischen Studenten verübt worden sei, der in Kon- staniinovcl studierte. Der Regent Hussein Rnjchdy Pascha erhielt viele Elückwunschdcpcschcn. Die Regierung beabsichtigt zukünftig eiiw strengere Bewachung der ägyptischen Studenten im Ausland. Ans der Heimat. Ruhig Blut! Auch manchen Orlen kommen Nachrichten, daß an) die öffentlichen Sparkassen ein sog. Nun begonnen habe, d. h. ein allgemeiner Ansturm zwecks Abhebung der eingelegten Gelder. Nichts wäre verkehrter, als wenn ein derartiges Beginnen niehr Platz greisen würde. Zunächst liegt gar keine Ursache dazu vor: noch ist ffir uns die Stunde des Krieges nicht gekommen, immer noch steht zu hoffen, daß sie nicht ein- treten werde. Sollten ober die Geschicke auch unser Vaterland zum Waffengange rufen, dann müssen alle Kräfte daran gesetzt werden, daß der Ausgang ein siegreicher werde. Dazu gehört aber in erster Linie die Aufrechtcrhaltung der gujcu und bewährte» Rüstung und diese stützt sich wieder auf ge- sicherte Finanzen. Unsere Vorfahren waren im Jahre 1813 und 187(171 ein verhältnismäßig armes Volk und wir rühmen rms, daß wir so reich geworden seien, deshalb ziemt sich auch nicht, daß wir an vaterländischem Opfermute zurückstehen und wir uns etwa von Kleinmut und Kopflosigkeit sibcrwälffgen lassen, die gerade zum Gegenteil von dem führen wurden, was für die eigene Sicherheit gut ist. Die so handeln, würden sich selbst nnd dem ganzen Vaterlande ohne Not und mutwillig Gefahren schaffen. Vollends verkehrt wäre es, au der Sicherheit der ösfcntlichcn Sparkasien zu zweifeln. Den Sparern haftet neben dem Vermögen der Kasien selbst die Kommune oder der sonstige öffentlich-rechtliche Verband, der die Sparkasie ins Leben gerufen hat: es gibt keine größere Sicherheit als diese. Außerdem sind die Sparkasjcngelder als Privateigentum nach staats- und völkerrechtlichen Grundsätzen vor dem Zugriff jeder Statsgewalt in Krieg und Frieden geschützt und bieten somit dauernd die größte Sicherheit. Sclbstverltänd- lich würde auch im Falle einer Mobilmachung der Betrieb der Sparkassen aufrecht erhalten bleiben. Die Sicherheit ist also mindestens so groß, als wenn der Sparer seine Schätze im Schrein oder im Keller aufbewahren würde. Nicht minder verkehrt aber wäre es, die Einlagen bei als gut bekannten B a n k e n kündigen zu wollen. Die jetzige Zeit greift schon schwer in das wirtschaftliche Leben ein, eine Zurückziehung der Einlagen in größerem Maße würde die Widerstandskraft der Danken noch weiter schwächen und könnte größere Krisen zur Folge haben. Halten wir vor ollem das Vertrauen zu uns auffecht. Eine kopflose Panik wäre geradezu ein Frevel an der Gesamtheit und damit letzten Endes an sich selbst. Darum Kopf kühl und ruhig Blut! * Friedbcrg, 28. Juli. Am 19. Juli fand hier aus der städtischen Seewiese ein Kreisfest der Sozialdemokraten statt, zu welchem der bekannte Kopf-ab-Vive-la-Francc-Wendel, deutsches Reiches jüngster Volksvertreter von Franksurt a. M. als Festredner auftrat und eine feurige Rede hielt. Nur schade, datz er nicht länger in Friedbcrg verweilen konnte — er reiste nämlich gleich nach getaner „Arbeit" wieder ab — sonst hätte er einmal einen Begriff bekommen von Einigkeit, Brüderlichkeit und — Terrorismus seiner Parteigenossen. Drei auswärtige Gcnosien suchten eine bekannte Apfelweinwirtschaft auf der Kaiserstraße auf und betrugen sich gegen die Wirtsfra» so, daß bei Ersck)einen ihres Mannes ein kleines „Genösschen" auf die Schlenkermaschine kann Er hob seinen Parteistandpunkt so heraus, daß er sagte, er trinke nur in sozialdcmokraffschen Wirtschaften Bier, trotzdem er ober in einer bürgerlichen Wirtschaft sich befand, drei Bier trank und nicht bezahlen wollte. Auch im Bahnhof, wohin sie sich begaben, betrugen die drei Helden sich in gemeiner Weise, sic schlugen mit den Stöcken airf Schilder, Tische usw. und gröhltcn Freiheitslicdcr. Wie läßt sich dies aber, so muß man fragen, mit einem vorher ergangenen Schreiben vereinbaren, welches belonie, daß Streitigkeiicn usw. nicht vor- käuien, da es lauter „gebildete" Arbeiter seien, und nur bei patriotischen Vereinen Skandale vorkämen. Das Beispiel fmt'ä ander? gelehrt. * Friedberg, 28. Juli. Noch sind die Tag? der Rosen - aber bald gehen sie zu Ende. Dies wird in den Gärten der Stadt briuerkbar, woselbst schon zahlreiche Rasen stocke ihre Blüten neigen. Wer sich an der Blütenpracht und dein lüßsp Duft noch cinc Zeit lang erffenen will, der nutze diesen Monat noch recht aus. * Bad-Ra»he>m. 28. Zull. Heute Dienstag nachmittag von 4!4—0 Uhr nnd abends von 8—1« Uhr ist aus der Terrasie Konzert der Kurlapelle. Abend, HX Uhr im Kurhaussaale Vortrag mit Lichtbildern: ..Die jüngste Forschungsreise Sven Hedins". Mittwoch, nachm, von 4X—6 Uhl nnd abeiids von g—10 Uhr findet an! der Terrasie Konzert der Knrkavelle statt. Das Abendkonzert steht unter Leitung der Königlichen Prosesiors Hans Wiuderstein. Nachm. Beginn der Wettspiele auf dem Golfplatz. Abends 8 Uhr im Kurhanssaale Theater: „Die Schmettcrlingsschlacht". Komödie in 4 Akten von Heim Sndermann. * Langd, 28. Juli. Durch einen Sturz in den Schacht der Buderuswerke verlor ein ckOjährigcr Arbeiter, der erst wenige Tage im Dienst stand, sein Leben. * Frankfurt a. M„ 28. Juli. Zwei Mainzer Burschen stahlen in ihrer Vaterstadt einem jungen Manne 181 Jl und gingen damit flüchtig. Sie kamen nur bis Frankfurt, wo man sie verhaftete. Nach kurzem Verhör wurden die leichtsinnigen Jungen der Mainzer Polizei überwiesen, Hcsien-Nasiau. * Frirdrichsdors i. T„ 28. Juli. Bei Fundamentierungsarbeiten wurde ein »msangreichcs römisches Bauwerk mit zahlreichen Ncbcnanlagcn und Gängen freigelcgt. Vermutlich handelt es sich um eine Heizanlage. Welcher Periode diese enfftammt, konnte Baurat Jacobi-Bad-Homburg, der die Ausgrabungen leitet, noch nicht genau feststcllen. "BommrrShrim, 28. Ju>>. Die Gemeinde schloß mit dem Höchster Gaswerk einen langffisffgen Liefcrungsvertrag über die Versorgung von Bommersheim mit Leucht- und Krastgas ob. * Nntcrlikderbackj, 28. Juli. Der Krcisausschuß er- kannte nun endlich den Einspruch gegen die Gültigkeit der Gemeindevertretertvahlen als berechtigt an und erklärte die Wahl von drei bürgerlichen Gemeinderäte» für ungiftig. * Höchst a. M.. 28. Juli. Sin böseS Gcwisicn scheint einer der beiden Burschen zu haben, die blsim Kirchweihfest hier verhaftet worden sind, weil sie in raffinierter Weise Geschäftsleute beim Einkauf und Geldwechseln z» übertölpeln suchten. Nachdem der Betreffende die verschiedensten Namen angegeben, die sich aber alle als falsch erwiesen haben, nannte er sich jetzt August Kochaneck und will in Ottendorf geboren sein. Nun wird aber seit geraumer Zeit ein Mann dieses Namens wegen Mordversuchs von den Behörden gesucht und cs wird nun abzuwarten sein, ob dieser Name jetzt der rich- tige ist. ' F- C. Wiesbaden, 28. Juli. Der aus Finthen bei Mainz gebürtige Geftügclhändler Georg Geyer, früher in Wiesbaden, jetzt in Berlin, hat, während er im Jahre 1912 in Wiesbaden weilte, sich dem Wetten in starkem Maße hin- gegeben, auch von anderen Wettlustigen Wetten gesammelt und sie einem Buchmacher weitergegebe». Die Strafkammer dikttertc ihm 2 Tage Gefängnis und 150 'dl Geldstrafe zu. * F. C. Wiesbaden, 28. Juli. Der Oberpräsident der Provinz Hcffen-Naffau, Exzellenz Hengstcnbcrg, hat sich mit der Witwe des vor zwei Jahren verstorbenen, längere Zeit in Wiesbaden wohnenden russischen Großindustrielle» Küster in Wiesbaden verlobt. * F. C. Eltville, 28. Juli. Mit 100 M Geldstrafe muß der ftühere städtische Arbeiter Ehret in Eltville eine Beleidigung des dortigen Bürgermeisters Dr. Kenlner und des dorffgen Stadtbaumeisters büßen. Ehret fiihrt schon seit Jahr und Tag einen verzweifelten Kampf gegen obengenannte Beamten und will seine Wiedereinstellnng in städtischen Dienst erreichen. Eingaben an den Magistrat, die Stadtverordneten in Eltville, den Landrat, den Regierungspräsident, an die Slatsanwaltschast verfehlten sämtlich ihren Zlvcck. Schließlich wurde Ehret in seinen Eingaben zu deutlich, bezichtigte ,n einer Eingabe an den Magistrat den Bürgermeister der Unterdrückung einer Anzeige und den Stadt- baumeistcr des Meineides. Diese Vorwürse, die jeder Grundlage entbehren, führten zur jetzigen Verurteilung des Ehret durch die Wiesbadener Strafkammer zu obiger Strafe. *?.«. Strinztinitatts i. T., 28. Juli. Der 75 Jahre alte Landwirt Philipp Chrisffan Gerhard feierte am Sonntag mit seiner 75 Jahre alten Ehcffau Amalie geborene Stmifd. das Fest der goldenen Hochzeit. * Nenbvrn, 28. Juli. Im Steinbruck, am Vogelfang wurde der Steinbruchsarbeitcr Karl Lich von einem Steinwagen, der sich von der Kette losgerisjen hatte, überfahren und getötet. * Laurcuburg. 28. Juli. Auf der hiesigen Zech» geriet der 22jährige Arbeiter Albert Nink unter abstürzende Fels- »lassen. Er war nach wenigen Augenblicken eine Leiche. Starkenburg. * Kelsterbach, 23. Juli. Beim Spielen mit Streichhölzern setzte hier ein dreijähriges Mädchen seine Kleider in Brand. Es wurde am ganzen Leibe derart schwer verbrannt, daß es nach kurzer Zeit verstarb. * Darmstadt, 28. Juli. Patriotische Kundgebungen ans Anlaß des östcrreisch-serbischen Konsliktes fanden am Samstag abend auch hier in verschiedenen Lokalen statt. Allgemeines Gesprächsthema war der zu befürchtende Krieg »nd mit größter Spannung erwartete man die durch die Zeitungen herausgegebenen letzten Telegramme. In einem Kasfee. in welechm auch viele Ausländer verkehren, wurde auf Verlangen wiederholt „Deutschland, Deutschland über alles" durch dff Kapelle gespielt und allgeniein gesungen, auch wurde auf den deutschen Kaiser und de» Kaiser von Lester- reich-Ungarn Hochruff ausgebracht- Die anwesenden russt- schen Studenten waren inzwischen verschwunden. * Tarn, stabt, 28. Juli. Die Vorarbeiten für die Neuwahlen zun, hessischen Landtage sind an einzelnen Bezirken schon recht lebhaft in, Gange. Frankfurter Wetterbericht. , Voraussage: Wollig, meist trocken, Temperatur wenig geändert, nordwestliche bis nördliche Winde. Veraniwortlich für den politischen Teil: Otto Hirschel, Friedbcrg; für den lokalen und unierholtendcn Teil: Bernhard Lenz. Friedberg; für den Anzcigenieil: Karl Schmidt. Friedberg. Druck und Verlag der »Neuen Tages- _ reittma". A.-G., Friedberg i. H. Sür. 174 ,L« Neue Tageszeitung. Dienstag, den 28. Juli 1814. Seile 4. HANINOS-FLÜGEL-HARMONIIIMS Vertretung von Stcinway & Sons, Bechsteio, Berdux, Feurich, Hofberg, Kuhse, Mannborg, Neumeyer, Perzina, Schiedmayer, Tbürmer. Billigste bis hochfeinste Modelle. Höchster Bar-BabatL Kleine Raten. Langjährige Garantie. l'iauos und Harmoniums zu vermieten. (2—12 Mark monatlich), bei Ankauf Mietgutschrift. Werkstatt« für alle Reparaturen. Klavierstimmen. Aufpolieren von Pianos. — Pianola — Phonoia. — Welte-Mignon-Piano. — Pbooola-Plano. WI 1 M. BUJ»OLPH ln CJIESSEJtf Grossh. Hess. 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