Kummer 173 Montag, den »7. Juli 1914. 7. Jahrgang
Die „Vene Tageozeftintg" erscheint leben Werliag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer au» Selsen", „Dir Splnnkube". Seiugaprei«: Bei den Postanstalten vicriel,nhrlich Mk. I.vö bei den Agenten monatlich so Psg. hin,u tritt 'i oftgtbü^t oder Ttägerlohn. Au, eigen : Erundzcile 20 Pfg„ lokale IS Pfg, An,eigen von auswärts werden durch Pastnachnahme erhoben Erfüllungsort ff riedberg. Schriftleitung UN» Derla, Fnedberg lSesienf, Hanauerstrah« 12. Fernsprecher 48. Poftscheck-Loato Sir. <859, Ami Franlfurt a. «.
Bor dem Kriege.
Die ablehnende Antwort Serbiens. — Besteht noch Aussicht auf Lokalisierung? — Rußlands Haltung noch ungewiß. — Rückkehr des Kaisers. — Begeisterung in Oesterreich und im Reiche.
Begonnene Haltung Englands. — Italien für Oesterreich.
Tie Würfel sind gefallen und sic bedeuten Krieg. Wie sich Julius Caefar einst bewußt gewesen ist, daß in dem Augenblick, wo er den Fluß Rubicon überschreiten wurde, der Krieg entfesselt war, so war sich Oesterreich klar darüber, daß cs mit dem Ucbcrrcichcn der Note in Belgrad eine ernste und folgenschwere Entscheidung herbcisühren werde. Tic Bedingungen waren schwer und hart, aber wohl noch nie hat eine mächtiger, auf Millionen von Bajonetten und Kanonen gestutzter Staat sich soviel gefallen lassen, wie dies Oesterreich durch Serbien in den letzten Jahren hat erfahren müssen. Als dann endlich die Schüsse in Sarajewo krachten, als die Untersuchung ergab, daß alle Faden der Verschwörung in Belgrad zusammcnliefcn, daß sich dort eine Brutstätte von Verschwörern und eine Mordergrusipc gebildet hatte, die unter den Äugender Regierung ihr verbrecherisches Treiben vollsiihrt hatte, da ging selbst die Langmut Oester- reichs zu Ende und was kam, das mußte kommen, wollte sich Ocstereich nicht aus der Liste der Großmächte einfach strei- chen lassen.
Serbien hat, wie zu erwarten war,das Ultimatum nur ungenügend beantwortet, als Antwort hat Oesterreich seine diplomatischen Beziehungen zu diesem Staat abgebrochen, sein Gesandter hat Belgrad verlassen und das bedeutet den Krieg. Bereits haben beide Staaten ihre Heeresmacht mobi- lisiert und schon in den ersten Tagen dürften die Truppen- bewegungen beginnen. Noch in den Mittagsstunden des gestrigen Tages hieß es, Serbien hätte die Bedingungen Oesterreichs vollauf bewilligt und ein Dcpeschenbüro hat auch diese Nachricht überallhin verbreitet.
Diese Lösung konnte auch deshalb Glauben finden, weil das serbische Rcgierungsorgan verkündet hatte, daß die serbische Regierung allen jenen Fordc- rungen entgegcnkäme, durch welche verbrecherische Taten und Erscheinungen der Unordnung in den Nachbarländern cntgcgengctrcten werde solle. Es war offenbar nur Spiegelfechterei, denn am Abend kurz vor 6 Uhr erschien der serbische Ministerpräsident Paschitsch auf der Kaiserlich König!,(fww Gesandtschaft in Belgrad und erteilte die An«- Wort, die als ungenügend befunden worden^ ist. So werden denn die Tinge ihre Laus gehen und das «chwert wird entscheiden. ...
So nehmen sich die Tinge äußerlich ans. T,c geheimen Gänge liegen zur Feit noch nicht blos. Soviel ist wohl offensich,sich. X.ß Serbien es nicht wagen würde, gegen den mach- ligen Nachbarstaat anznkäinpsen, vertraute cs nicht aus die Hilfe eines Stärkeren. Das korrupte und verderbte halb- asiatisch- Rußland ist cs, ans den alle die dunklen Existenzen i ic der Balkan in so reickcr Jiille beherbergt, ihre Hoffnung , setzen. Dieser Staat, dessen Fürsten selbst seit mehreren Generationen der Möderhand zum Opfer gefallen sind, stvickt sich an. einem Staatswesen Hilfe zn leisten, dessen ^Ote,- haupt durch einen doppelten Fürsten,nord ans den Thron gekommen ist und das jetzt wieder durch tx» doppelten Meuchelmord an den, östcrcichischen Thronfolgerpaor die Ursache der Wirrnisse gegbe» hat. Zwar läßt es tartari.che Verschlagenheit nicht zu, ossen und ehrlich Farbe zu bekennen, es unterliegt aber keinem Ziveisel, daß Paschiiich aus Ruß land seine Hoffnung setzt, wenn er dessen Hilsi-zusage nicht schon mit Brief und Siegel in der Tasche hat.
In Oesterreich ist man sich des Ernstes der Lage vollauf bewußt. Erhebend wiikt i» schwerer Sinn de die allgemeine Begeisternng. Im ganzen La>-d erbebt sich cinn .ilig das Volk für seine nationale Ehre lind seiest in de.! volnüs-'.c.r Städten, nicht minder in Ungarn siebt d. s D lk cinmüttg -n der Regierung. Bezeichnend ist es, best in ek.', T.-:nsi',.r.r- tionen der Ruf laut wird: Krieg gegen Nn^-nnd!
Auch im Deutschen Reiche sah >: mit gü ater Spannung der Entscheidung entgegen > . d - ge ' , >>> hehlt inan sich keineswegs die Felge.! und ist b tv n.pt. daß vielleicht bald das Bündnis «:it t- ->>-
von »n? fordert. Wir können mit d.: des guten > e
Wissens dem Ausgange entgcgcnschcn. . , -ere ne ,st dos deutsche Reich ein Fricdcnshort gewesen. S l!e i.. Weltkrieg kommen, der schon so lange drehte o i er uns aufgezwungen worden. Gewissenlose H per !..I e. >wd im Westen des Reiches traten die Der. . e '. T er
deutsche Kaiser hat sofort seine Nordlandsfahrt unterbrocheu und ist nach Berlin ziiriickgekchrt. Er wird, das ist zweifellos, in dem Sinne wirken, daß der Brand keine weitere Ausdehnung erfahre. Schließlich ist es ja noch die einzige Hoffnung, daß der Krieg aus seinem Herd beschränkt bleibe. Noch ist dazu nicht alle Hoffnung verloren. Sollte cs aber anders werden und die Stiindc der Gefahr gekommen sein, so wird Oesterreich, dessen kann es gewiß sein, Deutschland, seinen Verbündeten. in Wehr und Waffe» an seiner Seite sehen.
Die offiziell« Bel»n»lz«l>« »es Abbruch» »er »steeteichisch,
serbischen Beziehungen.
Aintlich wurde am Freitag 8 Uhr 1v Min. in Wien bc- kaiintgegebc», daß wenige Minuten vor 6 Uhr Ministerpräsident Paschitsch in der ästeiicichisch-uiigarischen Gesandtschaft er. schien und dem Gesandte» Fieiherrn von Eiesl eine Antwort erteilte, die nicht befriedigte. Darauf teilte Freiherr ». Eiesl dem serbischen Ministerpräsidenten mit. daß er den Auftrag habe, die diplomatischen Beziehungen abzubrechc«. Freiherr von Eiesl verließ mit dem Eesandtschastspersonal um 6,30 Uhr Belgrad.
Bereits um 3 Uhr nachmittags hatte die serbische Regierung die Mobilisierung der gesamte» serbische» Armee angeorduet. Das Kriegs,»anisest Kaiser Franz Fasess wird Samstag ftüh genieinsam mit der Mobilisafionsorder vcrös- feiltllcht.
Was hat Serbien abgelchnt?
Ueber die wichtigste Frage, was eigentlich Serbien auf die Rote Oesterreichs geantwortet habe, liegen merkwürdigerweise noch leine bestimmten Angaben vor. Bon einer Seite wird behauptet, daß Serbien alle Forderungen bewilligt habe bis aus zwei. Nämlich die Berösfentlichung des Armeebefehls, die man angesichts der Stimmung der Ossizierc nicht wagen zu dürfen geglaubt hätte u„d zweitens die Entsendung österreichischer Kommissare nach Serbien. Es wird weiter behauptet, daß trotzdem bis zum Samstag Nachmittag die Stimmung norgeherrscht habe, alles zu bewilligen, da sei um 2 Uhr ein chisiiiertes Telegramm aus Petersburg gelommen, das einen Umschwung herbe,geführt und zur Ablehnung geführt habe. Die Richtigkeit dieser Nachricht läßt sich nicht lontrollieren.
Diplomatischer Schritt Rußlands u»d Frankreichs in Wien.
Der französische und der russische Botschafter sollen sich, e,uer unverantwortlichen Nachricht zufolge, zum Grafen Derch- told begebe» haben, um ihm die Schlichtung des östeircichisch- scrb,schcn Konjlikts durch einen Schiedsspruch vorzuichla- ge». — Als Kuriosität sei erwähnt, daß der sranzösisch- „Tc,»ps" Deutschland aufterdcit, i» dieser Frage de» Schieds- rlchlec zu spielen. Lehne cs ab. so sei es für den Ausbruch des Weltkiieges vereitln örtlich. Die Absicht dieses Vorschlages ist nur zu durchsichiig, sie läuft daraus hinaus, Deutschland mit Oesterreich zu cntzwcieu, so daß sic einer Erörterung nicht bc- dars.
Immer „och Aussicht auf Lokalisierung.
In der letzten Sitzung der Börsenkammer gab der Vertreter der Regierung die Erklärung ab, es sei bisher kein Anlaß zu befürchten, daß die Lokalisierung des Krieges n:cht gelingen werde.
Ritßle.iid schwankt osscnbar noch in seiner Entscheidung. Man ist sich bewußt, welche großen Tinge aus den, Spiele stehen. Ma» möchte den Krieg, denn erstens stehen die russisch:., Stzmpathiki, ungeteilt auf Seiten Serbiens »nd dann gefüllt man sich zu sehr in der Rolle der slawischen Vormacht auf de», Balkan, als daß man die Einmischung eines anderen States auf den, Balkan ruhig mit antehen li .rnte Ans der andere» Seile aber ist man sich nur zu sehr l.wußt, daß man im gegenwärtigen Augenblicke einen Krieg l,wagen kann und daß ein „„glücklicher Krieg nicht n,:e das Rußlands aus immer vrrnir'len, sondern
au-.d den " t es:, nd des Stantenkolosses überhaupt Frage
II,:. r die Ergebnisse des Kronratcs wird der „Frank- fur'.er Zeitung" depcichirrt, daß sic geheim gehalten weiden- Geeste' c, d.e über teilweise Mobilisierungen uiiilanfe,,, wer- ^ den r.a aste, geglaubt, doch bestellt keine Möglichkeit.
! st: ..... ,,,'en. Zw-eiiesi-s sind einige Rai,„r>I,.-,en ge-
I . rrct* die eineErschienuiguug der Mcbilisicrnua
crnivglichen würden: so wurde die Befördernug der Zähnrick,» des Petersburger Arincekorps zu Leutnants heute früher als üblich vorgenommcn, auch die Verhängung des nusicrurdcnt- lichcu Schutzes dürfte kaum wegen der Streikunnihcn erfolgt sein, aber die Maßnahme ermöglicht eine sofortige Unterdrückung „„bequemer Blatter. Tic Presse erhielt bereits ein eingehendes Verzeichnis von Nachrichten militärischer Natur, deren Verbreitung bedingungslos untersagt ist.
Günstig für die Erhaltung des Weltfriedens spricht die besaiiuene Haftung Englands, dessen Hoftnung „Vermitteln" lautet. So schreibt selbst ein Lbscrver, Herr Garvin, dem man alles eher als drcibundssrcundlichc Neigungen nach- sagen kann: „Wir erkennen an, daß Rußland die Zerstörung Serbiens nicht dulden kann, aber cs soll auch keinen Finger aushebcn, um Serbien in seiner Hartnäckigkeit zu ermutigen oder ih», das volle Maß sofortiger B c st r a f» n g zu ersparen. Serbischer Größcnwohnsinn ist seit den Balkankriegen bis zun, gefährlichsten Grade erhitzt worden. Tie Okkilpierung der bulgarischen Teile Mazedoniens und die Verfolgung der bulgarischen Kirchen und Schulen machen den Anspruch auf Bosnien lächerlich. Belgrad war ein Treibhaus von Träumen „nd Komplotten, die unmittelbar gegen die Existenz der Habsburger Monarchie gerichtet waren. Die direkte Folge dieser moralischen Atmosphäre war der Doppelmord in Sarajewo.
Anderseits erkennt das Blatt an, daß eine politische Erwägung zu ganz anderen Schlüssen führen kann als eine rein moralische. Es resümiert:
Die Pflicht Englands, was immer sie letzten Endes sein möge, beißt znnächst Vermitteln! VermittelnI VermittelnI Wir müssen Rußland helfen, Garantien gegen die Vernich- tnng des unabhängigen Serbiens zu finden, ohne die Rettung dieses schuldigen Staates vor ausreichender und denkwürdiger Bestrafung anzustreben.
Von Ministern hat sich einer, Sir John Sinwn, zur Krise geäußert. Er'sagte, von Anfang bis zu Ende müsse Englands Rolle die eines Veruiittlers sein, um einzig aut friedliche Beziehungc» hinzuwirkeu. Unterstaatssckretär des Auswärtigen Acland sagte in einer Rede, der ganze Einfluß Englands werde in, Interesse des Friedens verwendet werden.
Ocstcrrcichlsch« Vorbereitungen.
M , c i,. 23. Juli. Oesterreich Ungarn trifft bereits all« Derbere,iungcn militärischer Natur, die sich >„ der breiten Oes- scntllchkeit abzurolle» beginne». Reservisten stellen sich bei ihre» Regimentern, Truppentransporte werden verladen »nd die Denaubrüiken haben militärische Bewachung erhalten, um Ile vor Anschlägen zu schützen. Da» 28. Jnsanteric Regiment hat heute morgen um V,\ Uhr Wien mit der Bestimm,,uz nach Südes,:» verlasse».
Der Telephon- und Telegraphenoerkehr unterllegt der tircngstcn Zensur. Nachrichten Uber militärische Vorbcrcftun- gci, dürfe» von den Korrespondenten nicht mehr verbreitet werden, da ein Aussichisbeamier sich bei allen Gesprächen in die ZRtung cinschaftct »nd sofort unterbricht sowie irgend etwas niiigetcili wird, daß die Regierung der Landesverteidigung geheim zu halten wünscht.
Die serbische Gesandtschaft hat bereits ihr- Archive ge- packt und versiegelt und hält sic absahrtbereit. Man erllärt zwar ln der serbischen Gesandtschaft an eine friedliche Lösung des Konflikts noch immer zu glauben, in unierrichieicn Kreisen ,,'ißt man diesen friedlichen Versicherungen keine Beachtung zu, da r:tn davon überzeugt ist. daß die serbischen Diplomaten genau wißen, daß Serbien nicht nachgeben wird und Oesterreich-Ungarn nicht nachgcbe» kann.
Wien, 26. Juli. Unter Berufung aus die geänderte po» litischc Lage Hai die Regierung eine Reihe von Paragraphen und Minificrialverordnungen erlassen. Deren wichtigste be- trcjjci, 1. die Ueberiragung van Befugnissen der Polizeioer- waltung c» den .Hochsilo,nniaudicrcnden in Bosnien, 2. ied Suspension des Vereins- und Versammlungsrechtes, 3. die Ein- stcllung der Gcschworcncligcrichie, -I. das Inkrafttreten des Kriegst: lungsgesetzes, dann noch die Behandlung der Postsendungen, das Verbot der in inin.hr einer Reihe von Artikeln die Festsetzung der Vergütung für die auf Grund des Kriegs lcistune.e-glsetzes g-lktfletc» persönliche» Dienste. Ferner wurdt auf Grund kaiserlicher Ett-iäck-! gung der Reichst»« «eschl»N«H
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9(«ue Tageszeitung. Montag, den >7. 3uU 1914.
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die Sitzungen de» Permanenzausschuffe» des Abgeordnetenhau- I«s und de» Reich,rate» über die Sozialversicherung werden
einstweilen eingestellt. Die Landtage von Dalmatien, Kroatien. Mähren, Nieder-Oesterreich. Oberösterreich, Schlesten und Steiermark werden geschloffen, Gleichzeitig erfolgt di- Vertagung der auf Grund besonderer Landesgesetze von einzelnen Landtagen eingesetzte» Permanenzanoschüffe in Kärnten, Schle- sten, Mähren und Oberösterreich,
Bad Ischl, 25, Juli, Kaiser Franz Josef empfing heute Abend den Grafen B e r ch t o l d und den Kriegsminister in längeren Audienzen,
Seit heute Vormittag herrscht i» dem Kurort eine Überaus lebhafte Bewegung, Tausende von Menschen füllen die Strafen. Der Kriegsminister begab sich sofort nach seinem Eintresfen zum Gcneraladjutanten Grafen Paar und zu dem Vorstande der Militärkanzlei Freiherr» von Wolfrav,
Der serbische Generalsiaüschcs rerhärtet.
Budapest, 26, Juli. Der serbische Gcneralstabschef, der dom Urlaub rürkkchrend erst in Graz sich vorübergehend auf. gehalten hat und dann hier cintraf, wurde Samstag Nacht Non Detektiven hier verhaftet. Inzwischen wurde, da die österreichisch-ungarische Armee von viel zu ritterlicher Gesinnung erfüllt ist, um die serbische Armee ihres Oberkoniman- dantcn berauben zu wollen, die Dersügung getrossen, datz dem General noch heute die Möglichkeit geboten wird, die Reise in die Heimat fortzuschcn. Zu diese,» Zweck wurde ihm ein Extrazug niit einen, Salonwagen zur Verfügung gestellt.
Rückkehr Kaiser Wilhelms,
Kristiania, 27, Juli. Kaiser Wilhelm ist am Samstag abend 7 Uhr von Baiholm abgercist und direkt nach Berlin gefahren.
Der Kaiser, der ursprünglich in Kiel an Land gehen sollte, Ist unterwegs nach Kuxhavrn. Der Hoszug, der bereits auf de», Wege nach Kiel war, ist »ach Knxhaven umge. leitet worden.
Begeisterungen im Reich und in Oesterreich.
yKe Nachricht von dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Serbien hat sowohl in der ungarischen Hauptstadt als auch in Wien kolossale Begeisterung geweckt. In Wien fanden vor dem Deutschmeisterdenkmal, oor dem Kriegsministerium und auf allen öffentlichen Plätzen, namentlich vor der serbischen Gesandtschaft und der russischen Botschaft patriotische Kundgebungen grötzten Stil» statt. Tausende von Menschen durchzogen sowohl in Wien als auch in Budapest unter Abfiugung der Voltshymne die Strotzen, In B u d a p e st zogen Militärrnusiktapcllen unter klingendem Spiel und Bor- antragung von farbigen Lampions durch die Stratzen und ihnen folgte eine tausendküpsige Menschenmenge, die ungarische Nationalhymne pngend, und „Hoch der Krieg mit Serbien!" Nieder mit Rutzland!" und ähnliche Ruse ausstohcnd.
Die Begeisterung für den Krieg ist geradezu unbeschreiblich, Auch aus Lemberg und Krakau wird gemclet, datz sofort nach den, Bekannlwerden der Nachricht patriotische Kundgebungen sür den Krieg und Demonstrationen gegen Rutzland statt- fanden. Sowohl in Lemberg wie auch i» Krakau durchziehen grotze Menschenmaffen unter de» Rusen „Rieder mit Rutzland" Rieder mit Serbien! Hoch der Krieg! Hoch Deutschland"" die Strotzen, Trotzdem herrscht überall Ruhe und Ordnung, Die Polizei läßt die Menge gewähren.
Die deutsch« Begeisterung.
Die Erregung der Berliner Bevölkerung, die sich bereits am Samstag äutzcrte, hat im Lause des Sonntags eher zu als obgeaommen. In den Nachmittagsstunden wogten in den Hauptstraßen große festlich gekleidete Menschenmaffen, die die
Ueb erficht.
— Depeschen aus Petersburg melden, das; zwischen dem Zaren und Kaiser Wilhelm ein Depcschcuaustausch statt- gesunden habe. Man niitzt mit dieser Tatsaclg? der Auscecht- erhaltuug des Friedens die allergrößte Bedeutung bei.
— Die gestrige Versauiiiiluug der Vertrauensmann« der »atioiialliberaicii Partei für de» Reiäst-tagswahlkreis Heidelberg Eberbach Mosbach, stellte Landgerichtsdirektor l>r Lbkirchcr-Karlsruhe als Kandidaten sür die bevorstehende Wahl auf.
— Das Journal erfahrt, datz die Reise des Präsidentc» Poincar,- bedeutend abgekürzt werden wird. Wahrscheinlich wird der Besuch in Norwegen unterbleiben und der in Kopenhagen eine Verkürzung erfahren. Eine Reihe nationatistischer Blätter greift den Präsidenten heftig an, weil er in Airbc- tracht der politischen Spannung seine Reise nicht wie der deutsche Kaiser nnterbrochc» habe.
— Am 25. Juli vormittags betrug die Zahl der Ausständigen i» Petersburg 166 560, von denen 8000 im Laufe des Tage? zur Arbeit zurückkehrtcu,
— General Tschnnkowöki hat eine Bekaiintmachnag der- ösfrntlicht, rn drr die Arbeiter ansgesvrdrrt werde», die Ar- keit wieder ansznnrhmen. Tic Drohungen der Streikenden seien mcht zu befürchten. Ten Streikenden wird für den Fall, das; sic gegen Arbeitswillige gewalttätig Vorgehen, strengste Bestrafung angcdroht.
— In der gestrigen Nacht versuchte,, die sttebcllen von neuem in zwei Gefechten eine llcbcrriinipclnng von Durazzo, um 6 Uhr über die Höhen im Norden, um 1 Uhr an der Küste im Westen mit drei Booten; von diesen wurde esus in den Grund gcschvffen.
— Lord Frrnch, Vertreter der Paulings-Eiscnbahn- Gesellschaft Unterzeichnete gestern den endgültigru Vrrtraq »her den Ban der Bahnlinie von dem Punkt bei Schachschin IJangtsetal) nach Schrnugjifu (Kwcitschon) mit einer Ab- jweigung im» Tschangtoes» „ach Tkckmugscha, der-Hauptstadt HunanS.
ersten Extrablätter, di« dt« Zeitungen verteilen Netzen, den
Zetteloerteilern förmlich aus den Händen riffen, um sich über die Eeschehniffe zu orientieren. Die Hauptstratzen waren bald «eitz oon wcggewoesencn Extrablättern. Gegen Abend wui- lwn die Maffen immer stärker, und bald fvrmiertea sich Gruppen. aus denen Züge von Tausenden und Abertansendcn wurden, die vor das österreichisch-ungarische Bo tscha ft e r pa- lais, vor das Auswärtige Amt, vor das Krön Prinzen-Palais und vor das königliche Schloß zogen. Eine imposante Kundgebung fand um 5;i0 Uhr vor ccm Nationaldenk»,a! Kaiser Wilhelms L gegenüber dem königliche» Schloß statt. Tausende, die sich unterwegs trasen, zogen unter hoch- rusen vor das Dcntmal. Im Ru war der große Platz von der Menge überschwemmt, und immer neue Zuzügler trasen ei», bis schließlich Zehntausende vor dem Monument hielten. Eine Reihe von Rednern ergriff das Wort, um auf die gute Bundes- genosjcnschast Oesterreich-Ungarns zu sprechen und die Bereitschaft der deutschen Jugend zu erlkören. Immer neu« Hochrus« auf Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef ertönten. Unter der Menge besauden sich viele Frauen, die ebenso begeistert in die Hochrufe einfiimmten. Unter den Linden bewegten sich fortgesetzt Züge von Demonstranten, die patriotische Lieder sangen. Ein großer Trupp bewegte sich abends lv Uhr nach der österreichisch-ungarische Botjchast, um zu versuchen, den Bot- schufter zu einer Ansprache zu veranlassen, — Auch in München sanden grotze Stratzcnlundgebungen für das besreundete Oesterreich statt. Tausende von Menschen durchzogen in langen Züge» die Straßen und sangen die Bolkshymne und die Wacht am Rhein, Bor der österreichischen Botschaft wurden begeisterte Ansprachen gehalten, die am Schluffe in stürmisch aufgenommenen Hochrufen auf den österreichischen Kaiser und das Deutsche Reich ausklangen. — Selbst in Straßburg gab man seiner Sympathie für Oesterreich Ausdruck, Im Cafe Weftminster, Luxhof und anderwärts wurde „Die Wacht am Rhein" und „Deutschland, Deutschland über alles" gesungen, Der Gesang pflanzte sich aus der Straße fort, Erft nach Mitternacht verlies sich die Menge in den Stratzen,
Ein« dcu-sche Richtigstellung.
Ein« offiziös« Rote besagt, Di« unrichtige» und offenbar
tendenziösen Ausstreuungen einzelner Pariser Blätter über den Inhalt der Unterredung des deutschen Botschafters in Paris mit dem stellvertretenden Minister des Aeutzern sind bereits von der „Agence Havas" richtiggestellt worden. Die deutsche Regierung hat in Paris keine andere Sprache geführt, als bei allen übrigen Kabinetten, insbesondere auch in St, Petersburg und London. Sie hat überall gleichmätzig den Standpunkt vertreten, datz ste den Konflikt zwischen Oesterreich- tlngarn und Serbien als eine Angekegenheit betrachte, die die beiden Staaten allein angeh«, und deshalb lokalisiert bleiben mllffe. Ihre Bestrebungen gehen dahin, datz auch die übrigen Mächlc diesen Standpunkt zn dem ihrigen machen, damit der Friede Europas erhalten bleibt,
Sympathie für Oesterreich in drr bayerischen Abgeordnete», kammer.
München, 27. Juli. In der Samstagsitzung der Abgeordnetenkammer besprach in seiner Rede zrnn Eisenbahnerat der Verkehrsminifter die ungünstigen »virffchaftlichen Wirkungen der Wirr en im Osten und gab folgende Erklärung nb:
„Meine Herren! Oesterreich-Ungarn steht vor einer schweren Stunde der Entscheidung. Wir alle wünschen dem nächstbesreundcten Nachbarreich aus vollem Herzen, daß es, wenn es zum Kriege kommen sollte, den ihn, durch uugehcuerlichc Vorkommnisse aufgezwungenen Kamps glücklich und siegreich besteh."
Diese Worte wurden von der Rechten des Hanfes mit lautem Bravo ausgenommen.
Zwei Stimmungsbilder.
Das Bassenmann-Organ, der „Deutsche Kurier", veröffentlicht den Ausgang der letzten Reichstags-Stichwahl rmter der Ueberschrift:
Sieg in Labiau-Wehlau!
Daß der Sieger die fortschrittliche Volks- Partei ist, die erst 8 Tage zuvor den Nationalliberalen den Wahlkreis Koburg abgenommen hat, ficht das Blatt weiter nicht an. Unter Kameraden ist das ganz egal und der „Deutsche Kurier" sieht augenscheinlich zwischen den Natio- nallibcralcn von seiner Kouleur und den Fortschrittlern keinen Unterschied mehr, so datz er einen fortschrittlichen Wahlsieg auch als einen „national" - l i b e r a l e n begrüßt.
Noch interessauter ist das folgende: Der sozialdemokratische Partcivorstand veröffentlicht zur Zeit seinen Jahresbericht. Neben einem innfangreichen Kassenbericht, finden wir auch eine Ucbersicht über die im letzten Geschäftsjahre ftattgchabtcn Nachwahlen zum Reichstag, es sind deren 17 gewesen. Sie haben den Roten einen Verlust von etwa 6000 Stimmen gebracht. Die Niederlage des Genossen Haupt, der in Jerichow den Konservativen Weichen mußte, wirb bedauert, dagegen wird unter den Erfolgen gebucht und als erfreulich bezeichnet, daß cs in Osterburg-Stendal dem Bauernbündler Wachborst de Weute mit sozialdemokratiick>cr Hilfe gelungen sei, den Konservativen zu verdrängen. DaS läßt tief blicken, sagte Sabor.
Tagesüberftcht,
Deutsches Reich.
Autoniobilunsall des Herzogs von Cumberland. Das
„Berliner Tageblatt" meldet auS Gmunden: Als der Herzog von Cumberland gestern im Antoniobil zu Kaiser Franz Josef nach Ischl fuhr, glitt das Automobil auf der neu asphal- ticrten Straße aus und fuhr gegen ein Eisengeländer, wobei das Automobil zertrümmert wnrde. Der Herzog wurde berausgeschleudert, blieb jedoch imverletzt.
Italien sür Oesterreich.
Die italienische Regierung hat der österreichisch-ungarischen Regierung eine Erklärung »ukomuicn lassen, daß sie in einem eventuellen bewaffneten Konflikt zwischen Oester- reich-Ungarn und Serbien eiuc dem freundschaftlichen Bun- desvcrhaltniffe cntsprechrnde Haltung cinnehmen werde. Diese spontane Erklärung reiht sich würdig der von der gan- zcn Monarchie begeistert begrüßten glänzenden Bekundung der Buudestrcue Deutschlands an und ist in Wien als eine Erwiderung der bewährten Gesinunngen Oestereich-Ungarns mit dem Ausdrucke der Befriedigung und des Dankes ent- gegengenommen worden. Sie kann nicht verfehlen, in i,n< serer gesamten Bevölkernnq einen lebhaften Widerhall zu wecken und die warmen Gefühle für das Verbündete Königreich zu stärken imi> zu vertiefen.
Zwei bemerkenswerte Preßstimmen.
. „Rjetsch", eines der angesehensten Blätter Rußlands, meint, die russische Rote trage der ernsten Situation nichi Rechnung, denn die Frage sei die, ob Rußland einen europäischen Krieg wolle und dazu bereit sei. Das österreichische Vorgehen sei die -Quittung sür die Provvkationen, die mit der Annäherung an Rumänien begannen und mit den Fanfaren des Kriegsministers in der hiesigen und der Pariser Prcff endigte. Die englische Presse deute schon den einzig möglichen Weg an, nämlich Nachgiebigkeit. Rußland müsse daher jede Unterstützung Serbiens vermeiden,
Die französische „Croix" schreibt:
Ein furchtbarer Streik wütet in Petersburg. Cuglaud steht vor depj Bürgerkrieg. Die französische Armee ist ohne Pferde, ohne Dchuhc und ohne schwere Artillerie. In Paris
find 300 000 Revolutionäre. In diesem Zustand der Schwäche und angesichts des guten Rechtes Oesterreich-Ungarns hat die französische Regierrmg nur eines zu tun: Serbien Mäßi, gnng anzuratrn. anstatt cs anfznhetzrn.
Petersburger Diplomatin optimistisch.
Pctersbnr» 27. Juki. Am Samstag abend war hier
nachdrücklich das Gerücht von einer bevorstehenden oder schon begonnenen Mobilmachung verbreitet. Das Gerücht ist mindestens verfrüht. Tatsächlich scheint eine Reihe Maß- nahnren zur Vorbereitung der Mobilisierung beschlossen worden zu sein. Die Art des Auftretens und die Herkunst der Gerüchte lassen vermuten, datz sic absichtlich in Umlauf gesetzt worden waren. Die Diplomaten, die möglicherweise von den Ergebniffen der Konferenz in Krasnoj« Selo unterrichtet sind, beurteilen die Gcsamtalge etwas ruhiger.
Bleibt Bulgarien neutral?
Sofia, 27. Juli. Einem Morgenblatt zufolge soll der rumänische Gesandte de Russi dem Miiristrrpräsiüenteu rr- klärt haben, daß Rumänien nicht gleichgültig bleiben könnte, wen» Bulgarien in de» österreichisch-ungarische« Konflikt sich einmischen sollte. Rodoslawow hätte entgegnet, daß alle Verwarnungen überflüssig seien, da keine Ursache vorläge, an der friedlichen Haltung Bulgariens zu zweifeln. Me Ge- rüchte über militärische Vorbereitungen Bulgariens seien grundlos.
Das Blatt „Utrv" meidet, daß Reisende aus Serbien von fieberhafter Tätigkeit und von Vorbereitniige» der dortigen Militärbehörden erzählen. Dir Militärdipots seien geöffnet, die Requisitionskommissionen vorberettet und alle Bahnhöfe mit Munttionswaggons versperrt. Die Bevölkerung sei über die Zukunft des Landes in sichtbarer Sorge.
England.
::Kämpße in Dublin. Gestern nachmittag und gegen Abend haben sich in Dublin ernste Unruhen ereignet. Es wurden vier Personen getötet und etwa 100 verletzt. Beson- ders hefti^'waren die Zusammenstöße regulärer schottischer Soldaten und Polizeimannschasten mit nationalisfischen irländischen Freiwilligen. Diese hatten in den, kleinen Hafen Howth, der etwa 40 Kilometer von Dublin entfernt liegt, 2500 Getvehre und 170 000 Pattonen in Empfang genommen, die man während der Nacht eingeschmuggelt hatte. Um zu verhindern, daß die Hasenbehörden die Polizei benach- richttgten, hatte man alle telephonischen Leitungen zwischen Howth und Dubfin zerschnitten und alle telegraphischen Berbindungen zerstört. Bei dem Versuch von Polizisten in Dublin, die Freiwilligen zu entwaffnen, kam es zu einem Kampfe. Zwei Nationalisten wurden getötet und über 30 verletzt. Bald darauf wurden die Soldaten von der Volksmenge mtt feindlichen Rufen empfangen und Steine wurden gegen sie geschleudert. Da die Manifestationen allzu lange Zeit dauerten, verloren die Soldaten schließlich ihre Kaltblütigkeit und man begann, in die Menge zu feuern. Es ist als ein Glück zu betrachten, daß sich unter den Manifestanten keine Bewaffnete befanden, da es sonst zu einem blutigen Kampfe gekommen wäre. Von den 100 Verwundeten sollen, wie die letzten Depeschen besagen, 40 lebensgefährlich verletzt worden sein.
Ans nnserer Bewegung.
• Büdesheim. 27. Juli. Gestern feierte unser Bauer»» verein den fiinfundzwanzigsten Jahrestag seines Bestehens und der Tag wurde durch eine besondere Feier würdig begangen. Im Wintereichen Saale fanden sich nicht nur di« Mitglieder des Vereins mit ihren Angehörigen zusamnien. sondern auch viele Gäste, so aus Oberdorfelden, Erbftadt, Vilbel. Kilianstädten »sw., lvaren gekomnrcn, »nt nn der Jubelfeier teilzunehmen. Sie wurde eröffnet durch eine Lnfprache det Direktors August Schaub, er begrüßte die Gälte
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9I«M
»« »7. Mi m*.
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lich Herr" Dr- Otto Böckel, dem man die Gründung de» Vereins zu danken habe und der zu der Jeirr gekommen war. Er warf einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins,
der sich allezeit als Hort für den Bauernstand erwiesen habe. Herr Direktor Bill-Niederweisel überbrachte in wohldurchdachter Ansprache die Grütze des LcrüandeS der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften, dem der Bauernverein in Büdesheim angchört. H i r s che l - Friedberg ließ ebenfalls die Blicke rückwärts schweifen und gedachte der Zeit, da der Verein gegründet wurde. Der Bauernstand in Hessen könne für sich das Verdienst i» Anspnich nehmen, datz er zu- erst die 'Notwendigkeit des politischen Zusammenschlusses in die Lat umgesetzt habe. Der Redner nahm Bezug auf den Ernst der Stunde und stellte fest, datz auch in dieser Frage die Sozialdemokraten z» den Feinden Deutschlands hatten, umso fester werde der Bauernstand zum Vaterlande stehen. Darauf nahm das Wort Dr. Otto Böckel. Er pries den Bauernstand und stellte fest, datz er niemals seinen alten Idealen, für die er gestritten und gelitten habe: Heimat! Vaterland! Gott! untreu geworden sei. In herzbewegenden Worten schilderte er die Kampfe, die er Lurchfochten habe und wie seine Feinde ihn für seine Gesinnng allerorten wirtschaftlich geschädigt und zum Zusammenbruch getrieben hätten. Er freue sich, daß ihm Hcsscn's Bauernschaft Dankbarkeit erweise, daß er somit nicht vergebens gelebt habe. (Lebhafter Beifall.) Nach einer Pause nahm der Pfarrer von Büdesheim. Herr D e r n b e ck, das Dort, um eine prächtige, von hohem vaterländischen Geiste getragene Rede an die Lcrsomnilung zu halten. Er erinnerte daran, datz der 2k. Juli der Todestag Theodor Körners gewesen sei, dessen Leben »nd Streben für's Vaterland in der crnswn Zeit, wo wir leben, allen Deutschen vorbildlich sein nifHsc. Auch wir müßten uns daran gewöhnen, datz da? Vaterland über die Partei zu stellen sei. Unter begeistertem Beifall schloß er seine Ansprache mit der Versicherung. datz in der Stunde der Gefahr das deutsche Volk ninfo treuer nnd fester zu seinem Kaiser halten werde, mehr wir je gelte heute das Bismarck'sche Wort: „Wir Deutsche fürchten Gott nnd soust nichts auf der Welt." Darauf überreichte Herr Ostwa l d - Oberdorfelden dcni Verein eine künstlerisch ausgcstattetc Urkunde zur Jubelfeier, namens de? Bauernvereins Oberdorfelden. Herr Schaub dankt daftir nnd gab weictr bekannt, datz Tele- grammc und Begrüßungen eingelaufc» seien, vom Verband der hessischen Genossenschaften, vom Bauernverein Gronau und von den Lnndwirtfchaftsiiiitgliedcrn Honsel- Dortelweil und W e i t h - Nieder-Wöllstadt, Kornhausdireftor Ttzlmann brachte dem Verein, der in seiner Verwaltung und Geschäftsfühning musterlwst dastehe, ebenfalls seine besten Dünsche und besten tüchtigem Direktor, Herrn August Schaub, der uneigennützig, zielbewutzt und tatkräftig den Verein seit seiner Gründung leite, ein dreifaches Hoch, in das die Versammlung kräftig einstimmtc. Herr Thomas R c u t h c r lirtz die Grlcgnheit ebcnsalls nicht vorübergebcn, um die Freunde zu begrüßen, er gedachte der Begeisterung, die zur Zett. da der Verein gegründet wurde, in der Wetterau geherrscht lmbc. Auch er kam auf die ernsten Ereignistr zu sprechen und stellte die Vaterlandsliebe über alles. Dem Laterlondc galt sein Hoch. Damft waren die Ansprachen beendet und der gemütliche Teil, der bei froher llnterhaltnug und Tanz sich recht lange sortselfte, wozu die Musik der Friedberger Militännniikichule ihr gut Teil beigeftagen bat, trat in sein Recht. ES war jedenfalls eine recht schöne und wiir- dige Feier, womit der hiesige Bauernverein seinen 25. Grüu- dungstag begangen hat.
Sund drr Landwirte
» Lberhessische« Bundessejt ix Hochwaldhausen. (Vorläufiger Bericht). Trotz der Ungunst des Simmels, der mehrfach »nd rccht ausgiebig am Tage seine Schleuse» geöffnet hatte, sand das oberhestische Bundessest bei überaus starkem B e - j a ch statt, es mögen an 1500 Personen anwesend gewesen sein, von den hessischen llandtagsabgeordneten waren die Herren Bleidenbach, Fenchel, Tr. v. H-lmolt. Korell itsid Dr. Weder vertreten. Das Fest begann mit einem Zug durch Ilbeshausen, das sich ohne Ausnahme an dem Fest beteiligt hat Aus denl so wundervoll gelegenen Festplatz Hochwaldhausen begrüßte in slimmungsvoller Rede Herr Beig. Ochs Ilbeshausen, der Dezieksvorsitzcnbe des Bundes, die Festgäste. DR, Prolog sprach Fräulein Lydia Nikol, dann sprach der Landcsvorsitzende ,cs Bundes, Landtagsabg. Korell, zu den Versammelten, wobei !r besonders die Bedeutung und die Leistungen der Fraktion ,es Bauernbundes in, hessischen Landtag hervorhob. Di- Festrede hielt Herr Reichstagsabg. Dr, Oeitel in bekannter Mcisierschast. Allgemeine Ansmerksamkeit erzielte er, als er aus den Ernst der politischen Lag« zu sprechen kam, und die Hofsnung aussprach. daß die Liebe zum Vaterland sich in jeder Lage bewähren werde. Er fand den reichlichsten Beisall. Rechher sprachen Bürgermeister Jost Bermuthshain, Pfarrer Germer u. a. Aus allen Reden sprach vaterländische Begeisterung, Hcimatstreue und Liebe zum Bauernstände. Das schlechte Wetter lonntc nicht verhindern, daß die Teilnehmer noch recht lange beisammen weilten und bei Musik und Tan, cinige fröhliche Stunden verlebte».
Aus der Heimat.
• Friedberg, 27. Juli Dienstag, den 28. Juli findet «ine Sitzung der Stadtverordneten mit folgender Tagesordnung sta,t: l. Baugesuche. 2. Vergebung einer Ojenlieserung im Gaswerk 3. Errichtung einer Fnhrwcrkswagc. 4. «enderung »er (hasse in der Hospitalgasse. l>. Reparatur der Pflasterung be« Kaiserstrabe. 6. Anschassnng von Fahne». 7. Gesuche um Erlaubnis zur Anbringung von Firmenschildern. 8. Gesuch der früheren Stadtkapelle um llnt-rslätzung. 8 Desgleichen der Mililärmufikjchule 10. Desgleichen der Leitung der Gemälde- £ua.
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Montag, den 27. Juli 1914. NeuheitI „Polenblut/ Neuheit! Operette in 3 Akten von Oskar Ncdbal.
Dienstag, den 28. Juli 1914. (Eichener Stadttlieatcr.f Neuheit! „Wie einst iin Mai". Neuheit! Posse mit Gesang in 4 Bildern v. Bernauer und Schanzer. Musik von Kollo und Bredschneider.
Mittwoch, den 29. Juli 1914. „Tie Schmctterlings» schlacht". Koniödie in 4 Akten von Hermann Sudermann.
Freitag, den 31. Juli 1914. Neuheit! „Wie einst im Mai." Neuheit I Posse mit Gesang in 4 Bildern von Bernauer und Schanzer. Musik von Kollo und Bredschneider.
Samstag, den 1. August 1914. (Hoiiiburg v. d. H-, Kurtheater.) Unbestimmt.
Sonntag, den 2. August 1914. Neuhertl „Tie heitere Residenz." Neuheit! Komödie in 3 Akten van Georg Engel.
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„Neue Tageszeitung" A. 61.
Kursbericht
vom 25. Juli 1914 der
Willeldeutjchen Creditbank
Aktienkapital u. Reserven M. 70000 000
gegründet 1856.
Franlsurter Börse.
4°/o Reichsanleihe 99.—% 3'/t% „ 85.60 „
3% 74.60 „
3V>% Preust. Consols 85.60 „ 3°/o 74 —
4»/. Hessen " 97.80 ”
3'/.% „ 84.80 „
3% .. 73.50 „
lVi.V® Griechen v. 1890 —.— l’/.'/o Monopol-Eriech. —.— „ 4'/.»/. „ Silberrent« —
4% Oesterr. Eoldrcnte 834>5 3 „ Portugiesen Serie I 63.80 „
3 „ „ „ III 86.70 „
4'/,% Russen v. 1905 95.— „ 4»/. „ .. 1902 „
47. Administr. Türken 70.— 47o Türken von 1903 80.— Türkenlose M. 141.40
47. Ungar. Eoldrcnte 75.30 „
4 „ ., Kronenrente 74.—
3'/,7»Buen.-Air.Pr.Anl. 60^5 . 47,7» Chinesen 89.50 „
47.7. Japaner —
37. Eiiber-Mexikaner —.—
47.7, Mex. Irrig. Anl. 67.40
Berliner Handels Ant. 141.— Darmstiibt. Bank „ 111.50 „
Deutsche Bank ., 222.—
Deutsch-Asiatisch Bank 118.-
163.50
157.50 214.—
230i—
427.50
Türkenlose M. 138.-
Baltimore u. Ohio Akt. —.— " Canada Pacific Alt. 175.50 „ Prince Henri E. B. Akt. — .— Schantung E. B. Alt. 110.50 Berliner Handels Ant. 142.50 Deutsche Bank Akt. —.— „
Disk. Kommandit Ant. 175.50 „ Dresdener Bank Alt. 141.50 „ Pet.Jnt.Handelsb.Akt. —.— RufiBant f. a.Hano.A. —.— Allg.E!ek.Geftttsch.Mt. 221.— „
Berliner Börse.
Diskonto Komm. Ant. 173.75" Dresdener Bank Akt. 141.50 Mitteld. Creditb. Akt. 113 50 Oest. Creditanst. Akt. 178.50 BochumerEuststahl 199.50 Buderus E.-W. Akt. —.— Deutsch Luxemburg 106.25 Eschweiler Bergw. —.— Gelftnkirch. Bergw.
Harpener Bergbau Phönix Bergbau Laurahlltte Griesheim Elektron Höchst. Farbwerke Hol;verkohlungs-Jnd.
Rutgers werke Chem. Fabr. Albert —.— Allg. Elektr. Ges. Att. 219.75 Deutsch-Uebersee E. E. 149.— SchuchElektt.Ees.Akt. 123.50 Siemens u. Halste —.— Stcaua Romans — Zellstoff Waldhof 150.— Harnbg. Amk. Pakets. 108.— Rorbd. Lloyd 89.80
Oesterr. Staatsbahn 131.75 Lombarden 14.75
Baltimore u. Ohio Akt. 77.30 Privatdiskont 2.45
Tendenz: schwach.
Deuych-Luxemb.B.Akt. 107.37 Dtsch-Uberscc E.E.Akt. —.— EelsenlirchenBgw.Akt. 165.— Harpener Bergbau Akt. 159.— Hohenlohewerke Akt. 94.25 Laurahlltte Akt. 133.25 Oberschlesier E. Akt. 76.— Phönix Bergbau Akt. 214.50 Rombacher Hütte Akt. 129.— Siemens u. Halste Akt. 195.50 „ Privatdiskont 2.50%
Tendenz: schwach.
Atchison Topcka Doll. Southern Pacific , Chicago Rock Jsl. „ Mrss.Kans.u.Tex.R. „ Union Pacific , U.S.Sterl Common,,
Londoner Börse.
99.37
97.25
0.75
11.63
159.63
61225
Die
Amalgamat. Copp. Doll. Chartered Company Lstt. Eastrand Proprictary „ Eolbfields „
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De Beers Consolid. „
69.8-
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1 ♦
!r. 17.;
| Wontag. den 27. Juli 1914.
7. jnlfrriunn
Gedenktage.
5 ”. Juli. 1813 Allianz zwischen Preußen, Oesterreich und Nnßlnnd. — 1852 I. Andr. Schneller, Sprachforscher, t, München.
mn.
In der „Kölner Dolkszeitnng" (Nr. 631) verweist Gutsbesitzer Adorno (Kaltenberg) auf die teilweise ganz außerordentlichen Anstrengungen der Obstpslauzcr im jüngsten Jahrzehnt, den Wert des deuisckrcn Obstes, der namentlich i» der Qualität uttd dem feinen Aroma begründet ist, unmer mehr zur Geltung zu bringen. Den vorläufig noch ungenügenden krsolg dieser BcmübitNge» siebt er in „den gerade- zu eigenartige» Zoll- und Eiienbabntarifen." Ec legt die dem Ausland auf den Leib geschnittenen Zollverhällnissc im einzelnen dar und kommt dabei auch seinerseits zu dcni Ergebnis. daß ln der Hauptverbrauchszeit die Einfubr des Auslandsobstes zollfrei erfolgt und daß e? dem deutschen Obslzüchter sonach erst nach der Hanptverbranchszeit möglich :jl, sich nach Absahqucllen nmznschen.
Nicht minder berechtigt sind Adornos Beschwerden über .- !e hohen Frachtsätze der deutschen Bahnen. Ec fragt, weS-
1 ii6 ein Waggon Obst vom Süden Deutschlands ins rheinisch- aeslsäliscbe Industriegebiet oder in die großen Städte Zen 'raldeutschlands etwa 400 bis 480 A koste, ein WagWon u.'r tes eln dagegen nur etwa 160 bis 180 Kohlen und Zemoat
gar noch weniger und erinnert an die bezeichnende Tat'ache. >.ß dem deutschen Obstziichtcr in einzelnen Jahren -' n und Stelle für den Zentner Obst noch nicht einmal d ' > ■ n der Fracht geboten worden ist. So komnit es, bau ö u Züchter für seine Last und Arbeit nur zu oft für den Zentner
2 bis 2 50 ,4? gezahlt werden, während der Großhandel in den Städten die Ware für 15—18 weiter gibt, ein Preis, der dann im Kleinhandel bis zu 10—60 Pfennig pro Psund lunanfsteigt. Auch wer hier jedes einzelne Glied des Zwischenhandels als schlechterdings unentbehrlich bezeichnen >„öchte, wird einzuräumen haben, daß die Spannung zwischen '. rn dem inländischen Züchter gewährten und dem Ver- biauchcr im Klcinverkauf abverlangten Preisen unnatürlich
roß ist, daß jedenfalls die hoetzn Kleinvcrkaufspceife den, I imischen Produzenten nicht zur Lust gelegt werden könne». Wenn deshalb der Hansabund bei seinem Kölner Wüten argen den lückenlosen Zolltarif die bestehenden Zustande als Ideal hinstellen wollte, so zeigt sich wiederum, daß er den. Schutz de? Verbrauchers nur vorgibt, in Wahrheit aber dem Großhandel die heutigen fetten Gewinne auf Kosten des Ver- zrbrerS wie des Erzeugers lückenlos erhalten möchte.
De- qenannlc Mitarbeiter deS führenden 'Zentrumsblattes erkennt an, daß die preußisch-hessischen Etaatsvahnen die in Betracht kommenden Tarife, zunächst versuchslveise aus drei Jahre, beträclstlich herabgesetzt haben, rügt indes, daß die süddeutschen Eisenbahnen diesem Beispiel bisher nicht gefolgt sind. Die dauernde Herabsetzung der Eisenbahntarife cvärc aber in der Tat neben der sachgemäßen Ausgestaltung der Zollschranke» das einzig durchgreifende Mittel, um der auch in der Ausnutzung der billigen Schiffsfrachten begründeten Ucberlcgenheit des Auslandes ein Gegengervicht zu
Haffen. Man bedenke doch allein, welche Mengen ausläu- disaien Obstes auf der Elbe einerseits von Böhmen und an-
Erna und Ale.
Roman von D. Feicßner.
13 (Fortsetzung).
„Gott sei Dank", murmelte er, „sie hat mich nicht bemerkt."
Noch lange stand er, von Bäumen verdeckt und schaute drin anmutigen Wesen nach.
War sie hier in der Einsamkeit nicht noch viel schöner, rrizeudcr. himmlischer als sonst? Wie eine Waldfee, in der einen Hand ein Blnmensträ,ißcl>en, schritt sie leichtfüßig dahin.
Er ging schnell etwas seitwärts, tiefer in der, Wald hinein, um sie an sich vorüber zu lassen und dann feine ekn- samc Wanderung fortzusetzen.
Alle lochten und scherzten. Es war ja aiich zu schön. Wetter, Umgebung, Unterhaltung — alles harmonierte z csammcn.
Außer Roderich und Karl waren nocl) aiidere junge Männer anwesend, teils Mitglieder des Vereins, zu dem der .Kaufmann gehörte, teils von diesen z» der "Dampferpartie eingcladen. Auch an Damen war kein Mangel. Vom zier- liüzen Backfisch bis zur würdigen Matrone war das sclioiic Geschlecht vertreten. Hier eine Gruppe, da eine Gruppe ton Männern, Frauen und Kindern — dem Zuschauer da! sich ein malerisches Bild.
De-- einzelne siel nicht mehr auf, so sie! eS aiich Roderich i-cait schwer, sich unbemerkt z» entfernen. Sei» Herz war zu nell, aiich er selmte sich --- wen» auch nur für kurze Zeit, allein sein, um über das mit Erna Gesprochene »ach>z»dcnk-». E wollte die Eiiisamkeil ausslichcn, lind sich im Geiste zurück rer setzen in den väterlichen Wald. Er dachte noch einmal ein !,,e schnierzlichcn Tage, an denen Mutier iiird Tchtvester »or ir-in ans der Bahre lagen. Ja, auch da hatte er sich >u den Wald geslüchlet, n,n in der ihm göttlich e,scheinende» En,- sonikeit sein Herz dem Gott des Hiininels auszuschüttou und ihm fein Leid ru klagen.
dercrscits über Hamburg von Anierika cingesührt werden. Hier läge also vermutlich einer der Fälle vor, in denen die .pcrcrisehuiig der Eisenbahntarife unseren Staatsbahncn vermehrte Einnahmen bringen nrüßtc.
Allerdings wird Herrn Adorno auch darin zuzustinimcn sein, daß das deiiische Erbübel der Aubetnng alles Ausländischen die Einfuhr auslänbisckien Obstes weiterhin begünstigt. Der liebe Michel zahlt lieber für einen anrerikanijchen cdcr auslralistix-u Apscr 50-80 Pfennig, ehe er sich entschließt den in seinem Aroma vorzuziehende» druffchen Apfel für etwa 10 Pfennig zu kaufen. Nachgerade sollte aber dieser Auslandskultus teuer genug bezahlt sein.
Gutsbesitzer Adoriio gebührt Dank, daß er die Oesfent- 'ichkc-it a»f diese Fragen erneut aufmerksam machte und inan darf hoffentlich aus der Veröffentlichung des AuffatzeS in der „Kölnischen Volktzeitnng" schließen, daß die Zen- trnmspartei willig ihren Einfluß geltend machen wird, um den noch in hohein Maße steigernngSfähigeil Erträgen des dcnlschen Obstbaues fortan einen höhere» Schutz und bessere Absatzmöglichkeiten zu sichern.
Der Honig und lein Werl.
Von Dr. Fritz Kleinert.
Von allen anderen Haustieren unterscheidet sich die Biene dadurch, daß sie vom Menschen leine Nahrung beansprucht. Sie sucht ihr Futter selbst aus den lleiucn Ncltarbehältern der Bluten und niacht damit keinem airderen lebenden Wesen Kon Iliircuz, höchstens den Wespe» und Hummeln.
Zuerst hat sich der Mensch natürlich des Honig» wilder Bienen bemächtigt, was gelegentlich auch noch heute geschieht. Aber bald sah er seinen Vorteil darin, das nützliche Tier in der Nähe zu haben. Das ist jchcnsalls schon in Zeiten geschehen, in die leine (beschichte zurückreicht. Die Biene beansprucht ja auch wenig Pflege, und wenn erst einmal die Furcht vor dem scharsen Stachel überwunden ist, kommen Mensch und Bien« recht gut miteinander aus.
Im Altertum, als man noch keinen Zucker hatte, mutzte der Honig deen Rolle übernehme», beim Kuchenbacken, beim Süßen von Getränken, z. B. herbe» Weinarten, und auch zur Herstellung gegorener Getränke. Bekannt ist der Met der alte» Deutschen, stoch heute wird solch Honigwein in Rußland, in Abessinien und anderwärts hergcstcllt. Ein Getränk „Clarre" (vielleicht kommt der „Claret" daher), bestehend au« Wein mit Honig »nd Gewürzen, wird bei alten englischen Schriftstellern erwähnt! es war vielleicht ein Abkömmling des „Würzweins" (vinum conditum) der Römer. Honigbier« kommen bei den alten Aegpptern vor, wie der Berliner heutzutage, wenn er galant sein will, dem Weißbier seiner Dame Himbeersaft zu- sctzt.
Durch die Einführung des Ouckcrs aus Indien und neuerdings des Rübenzuckers, der eine ungeahnte Verbilligung mit sich brachte, ist der Honig etwas ins Hintertreffen geraten. Das ist schade, denn Zucker ist eben nicht» weiter als ein Kohlehydrat, während der Honig außer dem Süßstoff noch viele andere nahrhafte und nützliche Bestandteile enthält, vor allem phosphorsauren Kalk und Eisen. Der phosphorsaure Kalk ist für die geistigen Arbeiter und die Nervenschwachen zu empfehlen- er stärkt auch den Knochenbau Es ist also keine bloße Leckerei, sondern ernste, liebevoll« Fürsorge, wenn man seinen Kindern Honig auf die Semmel streicht. Ebenso wichtig ist das Eisen. Ohne Eisen wird der Mensch blutarm. Blutarmen ver-
Und leise murmelten seine Lippen i Wehe Wind und kühle meine Wangen I Komm — Erinnerung, stille mein Verlangen I Vöglein, die ihr Leiden noch nicht kennt,
Euch sag' allein ich, wie's im Herzen brennk.
---Träumerisch schritt ec dahtn, nicht achtend, wen«
ein Vogel vor ihm anfflog, oder ein Wild auffchreckte. Was ihn fricher lebhaft interessierte, war ihm heute gleichgültig. Sein Herz erfüllte nur ein Gedanke — Erna! — Nur noch kurze Zeit blieb ec in Berlin, dann sollte er als Unterroß- orzt zn einem schlesischen Kavallerie-Regiment versetzt werden. Sein Arennd war glücklicher, den er kam zu einem der Gardercgiinenter, hatte also immer Gelegenheit, Hedwig, — denn dieier galt schon längst sein Liebeswerben, — z» sehen.
So sinnend, schritt er an dem Ufer des Sees dahin, planlos, wie einer, der ettoas sucht, doch nicht weiß, was er sucht.
Er bl>eb stehen und lehnte sich an einen mächtigen Baum. Ta — täuschte er sich? Narrten ihn seine erregten -^inne? War es eine traunihaste Vision, welche ihn plötzlich fesselte? Oder war es Wirklichkeit? Denn gar nicht weit vrn sich sah er ein rosa Kleid durch die Bännie schimniern. Eine junge Dame mit nachtschwarzem Haare »nd einem ihm bekannten Soinmerhnte auf dein stolzen Köpsckie», kac» fnchcnd auf ihn zu.
Diese Erscheinung konnte nichts anderes sein, als sein Ideal — feine Erna! Nein — nicht sein, denn Sirius- suncn tr.'nntcii ihn noch von ihr.
Aus keinen Fall durste er ihr a» diesem einsamen Orte begegne», denn schien es nicht, als wäre cr ihr nachgega»- aen? Erna ivürde ihm deswegen bitter grollen, ez »nver- ze.üiich linden, lind doch hatte er bei feinem Weggehen >- -Ist an die Möglichkeit einer Begegnung mit ihr gedacht.
Schon war sie beinahe seine» schwärmerischen Blicken entschwunden, als er sich nmdrehte, »in weiter zn gehen.
Doch als er eine Wegebiegung passierte, zwaccg es ihn mit magischer Gewalt, sich noch einmal »nczndrehen, er mußte, wollte sie „ocki einma liehen
schreibt der Arzt Eisentinlturcn, aber was helfen diese, wenn der Körper di« chemischen Eisenvcrbindungen nicht aufnimm- Im Honig ist das Eisen vegetabilisch gebunden, also i» ein er Form, di« vom Blute leicht assimiliert wird. Phosphor, Kalk und Eisen sind die wichtigsten Stoffe, die wir ei item geschwö.h ten Körper zusühren können.
Es ist also ein richtiger Instinkt, der unsere Kinder leitet, wenn sie den Honig so lieben.
Daß der Honig verschieden an Geschmack und Güte ist, dürste bekannt sein. Alte Bienenstöcke liefern im allgemeinen ein dickeres und weniger wohlschmeckendes Produli als junge. Manche Herkunffsstätten waren schon im Altertum berühiNi. der Berg Hymettos, der Ort Hybia Palästina war ein Land darin Milch und Honig „floß". In neuerer Zeit wird der Honig von Rarbonne, einer Stadt in Südfrankreich. sehr gepriesen, er ist weiß, körnig und aromatisch. Roch secn.-r soll der von de» Corbieres Beigen sein, die zu de» östlichen Pyrenäen gehöre»! weniger schätzen die Franzosen de» Honig von G.i.c nais, einer Landschaft in der Seine- und Marne Gegend. D-e Engländer kamen zuerst dahinter, daß der Honig, den die Bienen aus weißem Klee eingesammclt hatte», einen grünlich-weißen Schimmer zeigt, während der von Heidekraut goldgelb a»s- sieht.
Hier steckt offenbar das große Geheimnis, das, wenn man sich di« Sache recht überlegt, eigentlich sclbsiuerstöndlich ist Der Honig ist verschieden nach den Blütenarten, welche die Bienen abgeweid«t habe». Wie der Magensast der Tierchen dabei mitwirkt, ob er überhaupt dem Blüten Nektar i» neu nenswerten Mengen zugcsührt wird, ist noch eine offene Frage
Damit stimmen auch die Berichte aus fremde» Ländern überein. Der Honig, der IN Afrika von de» Sykomoren stammt, ist pechschwarz und volllommen wertlos. In Brasilien leben einige stachellose Bienen, deren Honig ganz verschieden aussälll. einmal vortrefflich, ein andermal schwarz und sauer, je »ach den Pflanzen, die besucht worden sind. Sehr beliebt ist der Honig, den eine Bicnenart in Indien liefert. Aus Madagaskar lebt eine Bien«, hi« dann auch aus den Nachbar-Inseln Reunion und Mauritius cingesührt wurde, deren Honig einen be sondere» pilanten Beigeschmack hat.
Der Honig von Rarbonne vcrdanlt sein Aroma und seinen Ruf den vielen Lippenblütlern, hie in der Gegend wachsen, betrügerisch« Spekulanten haben ihn nachzuahmen versucht, in> dem st« minderwertigen Honig von niederer Herkunst Rosma rinsast oder Melisiengeisi zusetzen. Der Honig von Malta ist sehr sein, weil er von den duftigen Orangenhainen dieser schö nrn Insel stammt.
Dies vorausgeschickt, werden wir uns nicht wundern, z» erfahren, daß gelegentlich sogar giftiger Honig vortommt. Der Frühlingshonig von einer Wespe Nectarina im Himalayalande Nepal gilt dort allgemein für schädlich, weil er von den Rho dodendron Arten des Gebirges stammt. Narkotische Wirlun gen übt gleichsaüs aus der Honig von Trapezunt und aus Armenien und Persien, schon Tcnophon und Plinius be-ichie» darüber. Auch dieser Honig ist Azaleen und Rhododendren entnommen. Zn den Nordstaaten von Amerika findet sich ein wilder Honlg, der Kopfweh, Uebelbesindcn, großen Durst »ccd Schwindelansälle Hervorrust! er rührt vom Berglorbcer u-id anderen Pflanzen her. Aehnliches berichten die Missionare vou Südafrika aus Gegenden, in tzenen sich zahlreiche Wolfsmilch arten finden. Bon Todesfällen insolge von Honig Vergift»»- ge» ist freilich noch nichts bekannt geworden! offenbar eine Folge davon, daß man Honig immer nur in verhältnismäßig geringen Mengen zu sich nimmt.
Doch sonderbar — Erna war mit einemmale verschwunden. Sollte sie nach rechts in den Wald gegangen sei»? Auch dam, hätte er sie sehn müsse». Sollte sie — allmächtiger Gott! Was mochte ihn, denn so plötzlich seinen Herzschlag stocke»? Eine Ahnung überkam ihn mit rasender Gewalt, kaum konnte er noch otmen, denn gleich einem Eisenoande legte es sich »m seine Brust. Der Schweiß perlte ihm in dicken Tropfen von der Stirne und gleich einem gehetzten Wilde flog er, einem gewaltigen Impulse folgend, durch den Wald. Ein-, zwei-, drei-, vier-, fünfhnndert Meter. Hier mußte sie verschwunden seinl Aber wohin? Wohin?
Das Wasser war eigentümlich bewegt, den» nidil »ne sonst kosten die Wellen mit dem Ufer, sondern klatschten wic- höhnisches Frohlocken an das Gestade, als hätten sie ein süßes Opfer verschlungen.
Roderich trat dicht an da» Ufer »nd — da lag der weißo Hut Ernas.
Wie von einem mächtigen Schlage niedergeschmetlert. stand er einen Moment regungslos »nd starrte in das Wasser, dann kacn es über ihn. so gewaltig, so unsäglich und mit bebender Stimme rief er: „Ich will euch Wassergeistern das Opfer wieder entreißen, oder be! Gott, ich bette »cich neben ibin auf dem feuchten Grunde."
Schnell flogen Hut, Rock »nd Weste zu Boden, daccu sprang er kopfüber in das Uber ihni zusnmmenschlagnide Wasser.
Lange blieb er unter der Oberfläche und suchte naeli der Versckiwccndenen, ohne jedoch etwas von ihr zu sehen. Znm zweiten Male taicchte er, tiefer »nd tiefer ließ er sich sinke» und ivar diesnial glücklicher, denn nicht weit von cbnc schwebte ein menschlicher Körper — über sich »nd unter üel> Wasser. Einige kräftige Stöße und er umfaßte den Ar», einer leblosen Gestalt. Mit letzter Kraft arbeitete er sich au die Oberfläche icnd holte tief Atem, dann schwamm er mit decn rechten Arm rudernd an da? nahe Ufer.
(Fortsetzung folgt)
l !.'! ran dergleichen noch nie gehört. Wir haben nichts'
. ?l Giftpflanzen, und wenn wirklich die Bienen Saft vonL : eingetragen haben, so scheinen sie im Stock selbst dasörI '
. : ZU trogen, daß er nicht gefährlich wird. Sie,schassen d«H - Stock nach dem Einträgen mehrfach hin und her unlx j ,u ihn, bis er den ihnen und auch dem Menschen Zusagen-» Geruch und Ecschmack und daneben die gehörige Dicke er-s j die e,ne längere Dauer gewährleistet. Vielleicht anders t .. 'gensast der Bienen manche Beimischungen ab. Esd ert iiuiner einige Zeit, bis der eingetragene Honig bedcckt4 - und die Zelle gcschlocn wird. - L
Daß der Honig auch bei uns nach den besuchten Blüten < j verschieden ausfällt, ist unseren Imkern längst beaknnt. Eine schneeweiße Farbe hat der Honig der Lindenblüte, des Klees und vorzüglich des Augentrosts. Dabei ist sein Geschmack ausgezeichnet. Der Hcidehonig ist bräunlich gelb und wird nicht jo hoch geschäht. Goldgelb und ausgezeichnet ist der Honig der Oeljaaten und des Hederichs.
Acußerst zahlreich find die Blutenarten, aus denen die Dienen den Honig holen: Apsel, Kirsche, Pfirsich, Linde, Spargel. Aster, Klee, Luzerne, Hyazinthe, Krokus, Anemonec, Ahorn Senf, Zwiebel, Erbse, Raps, Erdbeere, Thymian, Veilchen und viele andere Blüten sind Honiglieserantcn. Dazu kommt :och der Honigtau auf den grünen Blättern von Linden, Eichen Weißdorn, Buchen und anderen mehr. Wir sehen, daß die Mutter Natur den Bienen den Tisch das ganze Jahr über ge- t.\( hat, mit Ausnahme natürlich des Winters.
Trost der Fülle der Honigquellen gehört aber viel Arbeit dazu, um den Honig zu sanimeln. Die Untersuchungen haben ergeben, daß 125 Köpfe des Rotklees, einer sehr nektarreichen Pflanze, erst ein Gramm Honig enthalten. Da nun seder Köpfchen des Klees aus etwa sechzig kleine» Eiuzclblüten beseht, so müssen die fleißigen Tierchen sieben und eine halbe VJiiflicii Blüten besuche», che sie ein einziges Kilogramm Honig zujammenhaben! Vergleichen wir damit den geringen Preis, len wir jür ein Kilo Honig zahlen, so müssen wir sagen, daß d: Arbeit der Bienen eigentlich schlecht genug bewertet wird.
Tlchechijcher Uebermut.
Man sollte nieinen, daß die Julihitze einigermaßen einschläfernd auch aus die nationalen Leidenschaften ini Habs- l'.irgcrstaat wirken sollte. Das Gegenteil ist der Fall. In den letzten beiden Wochen meldet der Draht von heftigen -- Ausschreitungen der Tschechen in Böhmen gegen die Deut- schcn. So haben in Troppau, in Brunn, Katharein, Wittko- witz, Polnisch- und Mährisch-Ostrau die Tschechen wieder in bekannter Weise radaliert und den Deutschen ihre Kultur- Höhe und geistige Ueberlegenheit durch das Absingen von Hetzlicdcrn auf die „deutschen Schweine" bewiesen. Sie unterstützten ihr liebliches Tun durch ein Steinbombarde- n.ent auf die Geschäfts- und Dereinshäuser und nebenbei oitf die „Strohköpfc der deutschen Hunde". Die Art ihres Kainpfes zeigen sie in einem, in dem urdeutschen Troppau verbreiteten Flugblatt, in dem es u. a. heißt:
„Schlesien gehörte unseren Vorfahren, in den Dörfern erklangen unsere Lieder und heute haben jene unser Land in einen Haldenhügel verwandelt und es mit giftigem Rauche erfüllt. Diese Horde wilder Teufel, eine Meute besoffener barbarischer Wildlinge und Raufbolde, diese Barbaren wollen unserem Kinde die ihnen unliebsame Zunge herausreißen." '
Diese Aeußcrungen tschcschcn Heldenmutes reihen sich würdig den früheren an, wirken aber bei der jetzigen Lage )cr Donaumonarchie um so peinlicher, als nach der frisch elntendcn Wunde von Scrajewo wenigstens eine äußerliche Einigkeit und Ruhe unter den Völkerschaften der alten Kron- länder vonnöten wäre. Sie müssen weiter befremdend wir- ken auf das gesanite Deutschtum innerhalb und außerhalb ^rr schwarzgclben Grenzpfähle durch die aus allen in Frage lommendcn Orten den demonstrierenden Tschechen gewährte passive und sogar aktive Hilfe der meist ans Tschechen bestehenden Truppen und Polizeimannschasten. Ueberein- siimmend lassen die Meldungen erkennen, daß bei den Juli» krawallen die Tschechen die Rolle der Angreifer und Provokateure übernommen hatten. Gleichwohl wandten sich die Bajonette nicht gegen die Angreifer, sondern gegen die Deutschen. Auch das ist im lieben Oesterreich nicht neu. über cs enipört immer wieder, daß die Deutschen, als die stärkste Stütze der Donaumonarchie, so wenig des Schutzes der subalternen Behörden genießen. Diese Benachteiligung geht Hand in Hand mit einer Bevorzugung der Tschechen, deren Sokolvereine die österreichische Militärbehörde zur ?lb- haltnng ihrer Hetzveranstaltungen sogar Kasernen und fiskalische Grundstücke zur Verfügung stellt. Und doch ist das ausgesprochene Ziel der Sokoln die Zerstörung der österrci- chisch-nngarischen Monarchie.
Nun wäre diese Bevorzugung der 231/2 Prozent Tschechen gegenüber den 36 Prozent der Deutschen schließlich noch zu verstehen wenn sic den kulturell und volkswirtschaftlich wertvolleren Teil der Bevölkerung ausinachten. Das ist aber kci- mswegs der Fall. Weder ihre kulturellen noch steuerlichen eistungen rechtfertigen die behördliche Verhätschelung und die tschechischen Uebcrgrisfe. Ihre Sprache ist ein Geniisch aon polnischen und deutschen Brocken. Das ganze BilduneS- wesen, die staatlichen und sozialen Einrichtungen, sind durch bi.- Deutschen geschaffen. Der Versuch, darzutun, daß die ttchechischc Geistcskultur nicht erst von gestern stammt, geriet en der gefälschten Königinboscr Handschrift kläglich vorbei. Und was als wissenschaftliche Werke tschechischer Geisteshcl- S\'n ausgcgcben wird, das ist zu neun Zehntel aus deutschen Werken zusammcngestohlcn. Das erfuhr ja die staunende Mitwelt bei dem Streit der beiden tschechischen Universitäts- Professoren Vejdovsky und Maresch. Beide warfen sich nicht «uw geistigen Diebstahl, sondern auch arolw Unwissenheit und !
Unkenntnis vor. Das war kein Einzelsall. "Denn das Blatt „Glosludu flasgiego" des stammverwandten Polen Hapinski schrieb von der tschechischen Kultur lieblich:
„Ihr Schrifttum ist erborgt — lauter Uebersetzungcn aus fremden Sprachen. Die Meloddie des Kde doniov muh ist den Deutschösterreichcrn entlehnt, Hei slovane den Polen gestohlen, ebenso die Mdlodic des Husliedes und des Arbeiterliedes Rudy propor. Das Motiv zur Prodana nevesta, der verkauften Braut von Smetana, ist dem Polen Chopin entlehnt. Tschechische Maler nehinen sich polnische Meister zum Vorbildc. Die tschechische Spräche ist hart, veraltet, der Akzent widerlich, unslawisch. Ihr Volkscharaktcr ist Hinterlist — gemeiner Egoismus, Unverträglichkeit. Vielleicht haben die Tschechen aber Verblüffendes in der Politik geleistet? Wen haebn die dort? Einige mittelmäßige Leute, die übrigen ein Sammelsurium von Abgeordneten, Aufgeblasenen, Blendern. Die tschechischen Abgeordneten stehen unter dem Terror der Gasse, wenn irgendein mauldrcscherischer Phrasenheld die Massen zmn besten hält... sic vereiteln mit ihrer schülerhaften Politik jede parlamentarische Arbeit, sie sind schuld ant Staatsbankerott."
Daß Schlesien den Vorfahren der Tschechen gehörte, ist eine größenwahnsinnige Lüge wie alles, was sie über die tschechische Eigenkultur verbreiten. — In Böhmen, wo den rund vier Millionen Tschechen rund 2400006 Deutsche gegcn- überstehen, bringen die Deutschen gleichwohl 253 200 64t Kronen Steuern auf, die Tschechen dagegen nur 128 424 609 Kronen. Und trotzdem wird die tschechische Anmaßung immer größer.
Zu dcu jüngsten Ausschreitungen lag aber kein durch den lokalen Nationalitätenkampf zwischen den Völkerschaften in Böhmen begründeter Anlaß vor. Der politische Tages- lärni ruhte, und so ist die Vermutting nicht von der Hand zu weisen, daß gerade die Spannung mit Serbien die tschechisch-slawische Volksseele ins Kochen brachte. Fühlen sie sich doch als Glieder der allslawischen Föderation, die jetzt Oberwasser zu bekommen glaubt. Gab doch eine tschechische Redncrin, Frau Dik-Kunizky, vor nicht allzulanger Zeit dem in Berlin Ausdruck. Sie erklärte ihren Landsleuten:
„Ich hoffe, daß die mächtige slawische Bewegung, die geheiligt ist durch die Siege unserer Balkanbrüder, alle fremden Elemente fortwchen wird aus unserem Leben .... Was ihr in der Seele tragt, was euer Besitz ist, erhebt euch über Herrscher und Gesetz. Die Nation müßte verzweifeln, wüßte sie sich nicht eins mit ihren Minderheiten im Auslande und unzertrennlich in der großen slawischen Welt. Wir wachsen und siegen in uns, das ist die Revolution der großen inneren Kraft, die kleine Völker zu Dämonen macht, an denen die Brandung der europäischen Geschichte sich bricht."
Die engen Zusammenhänge der Tschechen mit der all- slawischen Bewegung sollte den Machthabern in Oesterreich zu denken geben und veranlassen, mit dem Prinzip der Nachsicht und stillschweigenden Duldung tschechischer Uebergrisfe zu brechen. Mehr noch erwächst aber den Deuffchen in Oesterreich die Pflicht, dem Ansturm der allslawischcn Welt einmütige Geschlossenheit zu zeigen und die Parteifragen die Anschauungen über taftisches Vorgehen zurllckzustellen zum Zwecke der Erhalttmg der Vorherrschaft und Machtstellung des Deutschttnns.
Ans aller Welt.
Kampf zwischen Schauspielern und Zigeunern. Mehrere Mitglieder der in Haderslebcn gastterenden Schauspielertruppe von Adolf Richter aus Wolfenbüttel geriet in einem Restaurant in Hadersleben mit einer großen Zigeunertruppe, da die Zigeuner die Tochter Adolf Richters belästigten, in einen Kanipf, bei dem Richter durch Stockhiebe am Kopfe , schwer verletzt und die Tochter durch sechs Revolverschüsse in > den Nacken schwer verletzt wurde, so daß sic in eine Klinik geschasst werden mußte- Vier weitere Mitglieder der Schau- spiclertruppc wurde» durch Dolchmcsserstiche schwer verletzt. Einige Zigeuner wurden verhaftet, die übrigen entflohen.
Bo» der „Jungmühle" zermahlen. Das Leben und Treiben in eineni Nachtlokal von der Art, wie sie die Berliner Po- lizcibchAvcn zetzt >n der Reichshauptstadt zur Strecke bringen wollet!, beleuchtete eine Verhandlung vor der Dortmunder Strajlnmmcr. die sich gegen den erst Stiäbriaen Banlkaliiercr
Wilh. Hermann richtete. Der Angellagte war feit 2 Jahre» bei der Rheinisch-Westfälischen DisIonto-EcscNschaft in Dortmund angestellt und genoß das volle Vertrauen feiner Vorgesetzten. Niemals wurde geglaubt, daß er sich an ftemdcn Geld vergreifen würde. Der Angeklagte kam aber im Laufe des vergangenen, Jahres in leichtsinnige Gesellschaft und besuchte die Dortmunder Nachtlokale, besonders die sogen. „Jungmühle". Der Angeklagte kam daher mit seinem sonst völlig ausreichendem Gehalt nicht aus und veruntteute, um seinen Leidenschaften weiter frönen zu können, fortgesetzt erhebliche Geldbeträge. Bis Ende 1913 hatten diese den Betrag von 20 000 Mark erreicht, und da er nun fürchtete, daß die Veruntreuungen bei der Revision entdeckt werden könnten, fälschte er den Ausweis zwischen Reichsbank und Diskonto-Gesellschaft in der Höhe jener Suinme. Da seine Verfehlungen auf diese Weise zunächst noch nicht entdeckt wurden, setzte er seine Unterschlagungen fort, bis er schließlich durch die nächtlichen Kneipereien seine Pflichten vernachlässigte und entlasten wurde. Bei seiner Entlastung wurden die Veruntreuungen auch bemerkt und aus mehr als 37 000 Mark scstgestellt. Der Angeklagte entsloh, kehrte aber sreiwillig zurück, da er einsah, daß er doch bald gefaßt werden und daß die Strafe dann um so höher ausfallen würde. — In der Strafkammerverhandlung wurde nun das Treiben des Angeklagten in der „Jungmühlc" einer eingehenden Betrachtung unterzogen. Es wird dabei festgestellt, daß der Angeklagte in diesem Lokal zirka 25 000 Mark ausgegeben hat. Selbstverständlich hat er als „vermögender junger Mann" stets einen ganzen Schwarm von „Freunden", aber noch mehr von gefälligen Damen um sich. Er selbst hat dort in der „Jungmühle" bescheiden gelebt und meist nur Pilsner Bier getrunken, an den Neben- tischen vergnügten sich aber seine Freunde am Sekt und zwar der icuersten französischen Marken. Zechen unter 200 Mk. gab cs überhrupt nicht. Einem „Freunde", einem gewissen Maag, '.nachte er einen Brillantring im Werte von 4M Mark zum Geschenk. Natürlich unterhielt er auch zu den in der „Jnngmühle" augestellten „Damen" intime Beziehungen, die auch eine gehörige Stange Geld kosteten. Eins de: Frauenzimmer hat er sogar einen ganzen Monat lang ausgehalten. Der Angeklagte erklärte in der Verhandlung, daß er zuerst nur ganz kleine Beträge unterichlagen hätte, die er durch die Gratifikation hatte decken können, als aber der Verkehr in der „Jungmühle" erst begonnen hatte, mußte er, um dort so austreten zu können, wie er es für „standesgemäß" hielt, gleich solche Beträge unterschlagen, daß eine Deckung von vornherein ausgeschlossen erscheinen mußte. Besonders bezeichnend für die Art und Weise des Geschäftsbetriebes der „Junamühle" ist cs, daß, wie sich aus der Verhandlung ergab, der Geschäftsführer über die in je- dcui Loleu verkehrenden Stammgäste eine Auskunft bei der Auskunftei Schimmclpfennig über deren Zahlungsfähigkeit cinzieht. Die Auskunft über den Angeklagten lautet, daß er als Bankbeamter eine gute Stellung mit auskömmlichen Gehalt habe. — Das Gericht berücksichtigte bei dem Urteil, daß der Angeklagte durch den Verlust der Stellung schon außerordentlich schwer gestraft sei. Es billigte ihm daher mildernde Umstände zu und bewahrte ihn sonst vor der Zuchthausstrast:. auf welche wegen Urkundenfälschung sonst hätte erkannt werden müssen. Das Urteil lautete somit aus 1 Jahr 8 Monate Gefängnis.
Studentischer Fackclzug. Anläßlich der Emeritierung des bedeutenden Anatomen Prof. Schalke, fand am Mittwoch abend ein Fackclzug der gesamten Universität Sttaßburg statt. Der langjährige Direktor der Kunstgcwerbeschule in Straßburg, Professor Seder, tritt mit dem 1. Januar 1915 in den Ruhestand.
Bauernregeln im August
Ist's in de» ersten Tagen heiß So bleibt der Winter lange weiß.
Jst's im August recht drückend schwül,
Dann ist's im Schatten auch nicht kühl.
Ist Nordwind im August nicht selten.
So wird er schönem Wetter gelten.
Hitze an> St. Dominikus (4.),
Eni strenger Winter kommen muß. . ,
Jst's hell und klar am St. Laurcntiurtag (10), Viel Früchte man sich versprechen mag.
Sind Lorenz (10,) und Barthel (24.) schön,
Ist ein guter Herbst vorauszusehn.
Mariä Himmclsahrt (15.) Sonnenschein, Bringt uns viel und guten Wein.
Wie Bartholomäustag (24.) sich hält,
Lo ist der ganze Herbst bestellt.