Nummer 159 Freitag, den 1V. Juli 1914. 7. Jalirgang Urne Tageszeitung Li- ..«-ne S-agr-,-ttnng'' ertcheint i-d°n Werktag. Regelmäßige Beilagen „v-r Lauer an, 0-ll-n", „vi- KpinnHui,-'-. S-sngaprci.: Bei den P-stanst-lten oierieliährlich Mk 1 US l ei den Agenten monatlich SO Plg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. An.eigen: Erundzeile 20 Pfg„ lokale IS Psg, Anzeigen von auswärts werden durch Po inachnahme erdoben Eftüllungsott Friedberg. SchriMcitrrng «nd «erlag Friedberg lHellen), hanauerlttahe 12. Fernlprecher 4kü Postscheck-Eont« Nr. «8ög, Amt Frankfurt a. AI. Urbrrftcht. — Nach, amtlicher Mitteilung ergibt der Wchrbeitlag für Preußen insgesamt 603 Millionen. — Der neu Hauensteincr Tunnel zwischen Tüssrldors und Olten ist gestern morgen um 6 llhr durchschlagen worden. — Ein zur Zeit noch nicht arrfgeklärter Vorfall ereignete sich gestern Nacht in Straßbnrg. Aus dem Straßburger Fort von der Tann, wurde dcr Musketier Podapnh von der 6. Kompagnie des Jnsanlcric-Rcgimcnts Nr. 132 durch de» Wachtposten angeschossen. Der Verlebte starb wenige Minuten darus. P. soll mit zwei Kameraden in die Nahe des Forts gekommen sein, woraus dcr Posten Feuer gab und den Soldaten tödlich verletzte. — Zwischen Gras Berchtold und dem österreichisch Unga- rischen Botschafter in Petersburg, findet ein lebhafter Depcschenvcrkehr bezüglich der Ermordung des Erzhcrzogs- paares statt. Man ist in Wien der Ansicht, dah sich in Rußland Anhaltspunkte zur völligen Klarlegung dcr Urheberschaft an dem Verbrechen finden lassen. — Der Wiener Korrespondenz des „Echo de Paris" erklärte in einer Unterredung mit einer hervorragenden Persönlichkeit aus dcr nächsten Umgebung des Grasen Berchtold, die Ueberzeugung gewonnen zu haben, daß sowohl Kaiser Franz Joseph als Gras Berchtold durchaus friedlich gesinnt und daß sic keine diplomatischen Schritte in Serbien unternehmen werden. Vielmehr sei wahrscheinlich, daß die Wiener Regierung vorher an die öffentliche Meinung und die Mächte appelieren wird. — In diplomatischen Kreisen wird versichert, daß Fürst Wilhelm von Albanien vor dcr Hand an einen Rücktritt nicht denke. Auch die Fürstin sei noch nicht abgcreist. Nach den lebten Meldungen haben die epirvtischen Feriwilligcn die Stadt Goriha eingcschlvsicn, damit nicht die Aufständischen nach dem Abzüge der albanischen Truppen von ihr Besitz ergreifen. In Durazzo sind 18 Freiwillige mit zwei Offizieren cingetrossen, und sogleich dem Fürsten vorgestellt worden. — Wie Blättermeldungen aus Petersburg besagen, ist die russische Regierung einer etwaigen rumänischen Inter- vcntion durchaus abgeneigt. Ferner soll die russische Regie- rung erklärt haben, daß dem Fürsten zu Wied neue sinan- zielle Mittel nur daun zur Verfügung gestellt würden, wenn England und Frankreich sich einverstanden erklärten und das Gleiche tun würden. — In Santi Quartana (Nord-Albanien) sollen einige Hundert Serben und Griechen zur Verstärkung dcr Rebellen gelandet worden sein. — Die Gefangenen des Ncwvorkcr Arbeitshauses auf der Blackwells Insel haben, nachdem gestern eine Revolte unterdrückt worden war, die Werkstätten angerissen und die Maschinen zerstört. Sie mußten in ihre Zellen zurückge- brackt werden. 50 Gefangene wurden mit verschärfter Hast bei Wasser und Brot bestraft. — Das Gerücht von dcr Ermordung des Rebcllcngene- rals Villa erhält sich mit Hartnäckigkeit. Eine Bestätigung liegt jedoch noch nicht vor. iMgnng in den freien (öeroerhldjaften. Das Jahr 1913 war für die freien Gewerksck>aftcn erheblich ungünstiger als die beiden voraufgegangencn Jahre. Vom dritten Vierteljahr 1913 zum vierten Vierteljahr 1913 bcttug der Rückgang an Mitgliedern in den fieien Gewerkschaften zusammen rund 20 000. Die Gesamtzahl der Mitglieder stellt sich auf 2.57 Millionen. Im Jahre vorher hatten die Gewerkschaften eine Steigerung ihrer Mitglieder- zahl von 13 bczw. 8 Prozent aufzuwcisen. Dcr Rückgang an Mitgliedern im vergangenen Jahre hat auch im Jahre 1914 in den wichtigeren Organisationen angehalten. Beteiligt an dem Rückgang sind ziemlich gleichmäßig alle Gewerkschaften. Verschinelzuugcn einzelner Gewerkschaften zu arößcren Verbänden sind in, vergangenen Jahre nicht mehr orgekommen. Als eine der wichtigsten Aufgaben dcr Ge- werkschastsbewegung muß man den Plan der Bildung einer gen,einsamen Kasse aller Gewerkschaften bei dcr Gcneralkom- inijsion anschen. Die Ausgabe dieser Kasse soll sein, einzelnen Organisationen bei Lohnkämpfen Unterstützung zu geiz-ihren, um zu verhindern, daß eine Gewerkschaft in einem Kampf alle Mittel einbüßt. Vorgeschlagen ist eine Bei- t.cgsquotc von jährlich 1 - remonicnmeisters, daß die Einführung der Versammlung stattgesunden habe, in den Thronsaal. Der Zug ging in folgender Ordnung zwei Fourier-, die diensttuenden Kammcrjunker. die diensttuenden Kammerherren, die Zercmonienmeister, der Ober-Zercmonienmeister, der Grotzhcrzog, dcr Staatsminister und die Minister der Finanzen und des Innern, die Eeneral- und Flügclad>utanten, die nicht funkttonierenden Hofchargcn. Bei Eintritt des Zuges in den Saal erhob sich die Versammlung vn ihren Sitzen. Der vorantretende Dienst begab sich auf die linke Seite des Thrones. Di- Fouriere nahmen zu beiden Seiten am Thronhimmel Stellung. Dcr Etaatsminister, die Minister der Finanzen und des Innern und der dem Grotzhcr- inn nachfolgende Dienst stellten lich ,ur Rechten des Tbron.'». 91«. ia» »tat X«fi«IMMH* 3«»«*. •«* »»- 3«U 1*1* «fett« X Thronrede. Der Ersßherzog hielt dabei die Thronrede, deren Haupipunlte wir im solgenden wiedcrgeben: „Einen erheblichen Teil Ihrer Tätigkeit haben die Verhandlungen über die Aufbesserung der Bezüge der Staatsbeamten und Volksschul- Ichrcr und ihrer Hinterbliebenen beansprucht. Besonderen Dank schuld- ich Ihnen auch dasür, daß Sie gleichzeitig durch Erhöhung der Zivilliste die Möglichkeit schufen, den Hofbeam- :en und Bediensteten die notwendige Aufbesserung ihrer Dienst- bczüge zuteil werden zu lassen. Die Rückstcht auf die Finanzen des Landes bot dabei überall vorsichtige Zurückhaltung in der Inanfprucbnahme der vorhandenen Staatsmittel: aber auch die Erschließung neuer Einnahmen war notwendig." Di« Thronrede erwähnt die Aendcrung des llrkundenstempelge- setzes, das Gesetz über die Erhebung von Zuschlägen zur Reicho- erbschastsstcuer und das Gesetz über die Neuregelung der Bei- tragspslicht der Gemeinden zu den Kosten der höheren Schulen. Weiter wird Bezug genommen auf den Bau zweier neuer Kliniken an der Landesuniversität. Weiter heißt es: „Durch die über das Landwirtschaftliche G-nosienschaftswesen hereinge- drchene Krisis sind weite Kreise der Bevölkerung in Mitleiden- schast gezogen worden. Ich hosse, daß die unter Ihrer Zustimmung geirofsenen Maßnahmen geeignet sein werden, die schweren Folgen der Krisis zu lindern und das Landwirtschaftliche Eenossenschastswesen wieder in gesunde Bahnen zurückzusühren." Mit Befriedigung wird die Verabschiedung der Vorlage Uber Sie Revision des Ordensgesctzes begrüßt. Ueber die allgemeine Finanzlage heißt es: „Mit der sorglichen Pflege der Staatseinnahmen und der nach wie vor durchaus gebotenen Sparsamkeit in den allgemeinen Ausgaben hat die normale Weiterentwickelung der Stcuererträge gleichen Schritt gehalten, sodaß es trotz erheblich cnsieigender wesentlicher Staatsee- dürsnisie nicht notwendig geworden ist, die Stellerausschläge zu erhöhen. In gleicher Weise sind die lleberschußanteile aus der Eisenbahngemeinschast steigend geblieben. Unter den obwaltenden Verhältniffen befriedigt es mich wohl, daß eine gesetzlich geordnete Schuldentilgung sich hat verwirklichen lasten. Die Stärkung der Wehrlrast des Reiches war ein unabweisbares Lcdürsnis: ihr zuzustimmen war für meine Regierung eine ebenso selbstverständliche wie freudig erfüllte Pflicht. Daß vei der Deckung der Kosten der Heeresvermehrung auch mein Land Opfer bringen mußte, ließ sich bei den gegebenen Verhältnisten nicht vermeiden." Erwähnt wird schließlich das Gesetz über den Vau einer Rheinbrücke bei Rüdesheim, die Erhöhung des Grundkapitals der Landeshypothekenbank und verschiedene tleinere Gesetze. Die Thronrede schließt: „Ich entlaste Sie mit der Versicherung meines fortdauernden landesfürstlichen Wohlwollens und mit dem Wunsche, daß di« Ergebnisse Ihrer Beratungen und Vcschlüstc meinem geliebten Land« zum Segen gereiche» mögen." Der Staatsminister Dr. v. Ewald Exzellenz gab hieraus den Landtagsabschicd bekannt und erklärte aus Allerhöchsten Befehl Seiner Königlichen Hoheit des Grobherzogs den Landtag sür geschloffen. Se. Durchlaucht Fürst Karl zu Solms- Hohcnjolins Lich brachte sodann ein begeistert allsgenommener Hoch aus Ee. Königl. Hoheit den Großherzog aus. Der Eroß- herzog verließ danach in derselben Ordnung wie beim Eintritt een Thronsaal. Dann schloß sich um 1 Uhr die Galatafel mit 99 Gedecken an. Hierbei trank der Großberzvg a>,f das Wohl der Stände nnd seines geliebten Hcssenlandcs. Tayesüberircht, iOcntichcs licid»- :: Europas Solidarität gegen die großfcrbische Propa- ganda. Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht der „Berliner Lokal-Anzeiger" folgende Ausführungen über die Schritte Oesterreich-Ungarns gegen Serbien. Die österreichisch-ungarische Regierung nehnic keinerlei diplomatische Schritte in Aussicht »nü will sich einstweilen aus Maßnahmen gegen die großserbisihe Agitation in Bosnien und der Herzegowina be- schränken. Für die weitere Ausgestaltung der österreichisch- serbischen Beziehungen wird der Ausgang der amtliclzen Untersuchung von einschneidender Bedeutung sein. Und man glaubt, daß man in Wien auch fest cntschlosseii sein wird, in Belgrad energisch vorzusprechen, falls sich dazu ausreichende Veranlassung bieten wird. Ist zwar der KönigSmord in Serbien kein unmögliches Ereignis, so hat n:ckn cs dort bisher doch nicht gewagt, Spießgesellen zu dingen, um sie zu einer benachbarten Monarchie blutige Arbeit sür großscr- bische Zwecke verrichten zu lassen. Gegen eine.solche Scham- losigkeit eines Nachbarstaates, vorausgesetzt, daß sie erwiesen wird, würde sich nicht nur die von ihr unmittelbar betrosscne Donaumonarchie mit Entrüstung auslehnen und mit vollem Recht Sühne hcisck>en, auch die ganze gesittete Welt würde sich in diesem Falle mit Abscheu gegen die serbische Nation wenden. In Deutschland aber, das in Serajewo einen Freund »nd Bundesgenossen verloren hat, würde dann jeder Schritt, den man von Wien aus gegen die Schuldigen unter- nehmen wird, dolle moralische Unterstützimg finden, und auch das aintlichc Deutschland würde hierbei gewiß nicht nachstehen. Man irrt wohl nicht, wenn man anninnnt, daß auch in anderen Staaten, in denen gesittete Anffassnngen vorherrschen, diese .Haltung der Donaumonarchie als »nan- sechtbnr angesehen wird. Denn nicht nur Ocsterreich-Ungarn lind nicht nur Deutschland, sondern das gesamte Europa, sei cs- monarchisch oder republikanisch gesinnt, sei es germanisch, roiiianisch oder slawisch, muß ein berechtigtes Interesse daran haben, zu wissen, ob sich in scinem berüchtigten politischen Welte,winkcl wirklich ein Staatsleben findet, das nicht nur den Mord seiner eigenen Staatsoberhäupter betreibt, sondern seine Mordwaffe auch gegen Fürstlichkeiten anderer Staaten richten läßt. :: Das Urteil gegen „Hni.si". In dein Prozesse gegen oen Karikaturisten Wald, genannt .„Honst" aus Kalmar in, Elsaß vor dem Reichsgericht, zog sich der Gerichtshof um %5 Uhr zur Beratung zurück. Nach etwa zweistündiger Be- ratnng wurde gegen Uhr folgendes Urteil gesprochen: Der Angeklagte wird wegen Aufreizung zum Klassenhaß nnd schwerer Beleidigung zu einem Jahre Gefängnis nnd den Kosten des Verfahrens verurteilt. Dos Werk und die zur Herstellung des Werkes benutzten Platten werden eingezogen. In der Begründung des Urteils führte der Vorsitzende unter anderem aus, daß lediglich das Werk des Angeklagten den Gegenstand der Anklage bilde. Er sei öer Verfasser des Buches und habe auch die Bilder hergestellt. Nachdem er das Buch verlegt hatte, habe er auch für die Verbreitung in Elsaß-Lothringen gesorgt. Der Angeklagte habe die Bevölkerung zweier-Länder gegeneinander gehetzt. Er habe mit einem Kriege gerechnet und auch den Krieg ge- wollt. Das Vergehen des Angeklagten sei deshalb umso schwerer, als gerade zur damaligen Zeit eine große Gereiztheit unter der elsässischen Bevölkerung herrschte »nd schon der geringste Anlaß genügt hätte, um Gewalttätigkeiten zwischen der alteingesessenen elsässischen Bevölkerung »nd den Deutschen herbciziiführcn. Der Angeklagte habe auch die elsässischen Lehrer nnd Gendarmen aufs schwerste beleidigt nnd eine niedrige Gesinnung an den Tag gelegt und ist deshalb wegen Vergehens gegen den § 139 und 85 in idealer Konkurrenz mit 8 75 des Strafgesetzbuches zu verurteilen. Das. Strafmaß wird nach 8 150 festgesetzt. :: König und Bauern. Der König von Bayern hat eine Abordnung der niedcrbayerischen Bauernvereine empfangen, die mit ihrem Vorsitzenden. Rcichsrat Freiherr von Arctin, erschienen waren, uni gegen die durch königliche Verordnung erfolgte Neuregelung der VolkSsortbildungsschulen Einspruch zu erheben. Der Protest richtet sich besonders gegen ihre Verlegung ans einen Werktag, gegen die Verinchrung der Unterrichtsstunden, wodurch eine Schädigung des Bauernstandes hervorgerufcn würde, dem inan Arbeitskräfte entziehe. Der König erwiderte, er werde nie einer Verordnung seine Zustimmung geben, die den Bauernstand schädige. Der Kultusminister, der der Audienz beiwohnte, führte aus, daß eine weitestgehende Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse Platz greifen werde. Oesterreich. :: Rach der Tat von Serajewo. Man nimmt in Wien an, daß die in Serajewo geführte Untersuchung in einer Woche ab< geschloffen sein wird. Das Ergebnis soll sofort veröstentlicht werden. Schon das bisherige Ergebnis liefert, wie verlautet, Anhaltspunkte dafür, daß das Zenttum der in Bosnien und der Herzegowina betriebenen großserbischen Bewegung sich in Belgrad befinde. Die serbische Regierung wird nach dem Abschluß der Untersuchung von deren Ergebnis in Kenntnis gesetzt werden und man erwartet von der serbischen Regierung, daß sie den Sachverhalt prüfet und die Schuldigen bestrafen wird. :: Gras Bcrchtold beim Kaiser Franz Josef. Ueber das Ergebnis der gestrigen Audienz des Grafen Berchtold beim Kaiser Franz Joses telegraphiert der Korrespondent der „Reuen Freie» Presse" seinem Blatte u. a. folgendes: Der Minister des Aeußern, Gras Berchtold ist gestern früh in Wien angekommen u. wurde vormittags vom Kaiser in 1Z4stllndiger Audienz empfangen. Graf Berchtotd hat dem Kaiser über die Deschillffe des Ministerrats Bericht erstattet, die mit vollständiger Ueber- einstimmung aller Teilnehmer in dem Ministcrrat gefaßt wur. den. In unterrichteten Kreisen wird angenommen, daß diese Veschlüffe auch die Zustimmung der Krone erhalten haben. Der gemeinsame Ministerrat hat sich fast ausschließlich mit den Maßnahmen besaßt, die zur Verhinderung der Ausdehnung der großserbischen Propaganda inc Süden der Monarchie geeignet !>nd. Diese Maßnahmen beziehen sich sowohl aus den inneren Verwaltungsdienst der von Serben bewohnten Teile der Monarchie, insbesondere Bosnien und der Herzegowina, als auch auf den Ursprung der Propaganda, der außerhalb der Monarchie gelegen ist. Was speziell Bosnien und die Herzegowina betrifjt, so sind weder Pcrsonalverändcrungen noch eine Aendcrung des bisherigen Kurses, der die Heranziehung der loyalen Serben beabsichtigt, geplant. Die zu gewärtigen Maßnahmen werden sich auch auf eine strenge Uebcrwachung des -iremden- vertchrs, auf Reformen der Mittelschulen und auf eine straf- sere Handhabung des Verfanimluiigsgesetzes beschränken. Andererseits hat die bisherige Untersuchung ergeben, daß die Fäden des Komplotts in Belgrad zusammenlaufen, lind daß daran Persönlichkeiten beteiligt sind, die keineswegs als Privatpersonen betrachtet werden können. Es wird daher in unterrichteten Kreisen angenommen, daß nach Abschluß der Untersuchung die serbische Regierung von dem Tatbestand und von den Namen der kompromittierten Personen verständigt »nd aus dieplomatischcm Wege ausgcfordcrt werden wird, in ihrem Wirkungstreise die kompromittierten Personen zur Verantwortung zu ziehen, und gewisse Sicherheiten zu bieten, daß auch in Zukunft die großserbische Propaganda auf dem Gebiete der Monarchie seitens der serbischen Regierung nicht nur nicht begünstigt, sondern soweit es der Einflriß der Regierung znläßt, verhindert werde. Die entsprechende» diplomatischen Schritte in Belgrad werden unicinonimen werden, sobald die Untersuchung gegen die Attentäter in Serbien abgeschlossen ist, was in einigen Tagen der Fall fein dürfte. Es wird von der serbischen Regierung abhängen, durch ein loyales Eingehen auf die Intentionen der Monarchie zu beweisen, daß sie ein sriedliches Zusammenleben anstrcbt. Belgien. :: Schwerer Fliegcrabsturz. Der Aviatiker Leutnant Hubert, der Resse des belgischen Arbeitsministers, ist gestern niit seinem Pagagicr Dcnaret aus dem Flugfelde von Braffokaet abgeftürzt. Leutnant Hubert wurde schwer verletzt. Er hat einen Schädel- und Beckenbruch rrlitten und soll im Sterbe» liegen. Leutnant Denaret trug eine» Bruch beider Beine da. von. Auch dessen Zustand gibt zu ernsten Besorguiffen Anlaß. Das Ui,glück ist darauf zurückzusühren, daß der Flieger in der Dunkelheit gegen eine« Schuppen fuhr. Dieser -l» auch der Avvarat wurden !-bwe- beübädiat. Rußland. :: Uebcrsällc von Räuberbanden. Die Polizei stellt« fest, daß Angestellte der Eisenbahnen, wie Weichensteller, Wächter und Schlosser, sich zu einer Räuberand« zusammen- getan nnd auf der Katharinen- und der Südbahn in den Zügen bewafsiieie Ucberfälle ausgesührt haben. Tic Fahr- gäste wurden beranvt und diejenigen, die sich widersetzten, ermordet. Einmal hat die Bande in einer Bank 58 009 Rubel nnd ein anderes Mal -10 000 Rubel erbeutet. Einen ihrer Kameraden haben die Verbrecher, da er ihnen mit einer Anzeige bei der Polizei gedroht hat, im Zuge ermordet und dann aus dem Wagen hinauSgeworsen. Die weitere Untersuchung dürfte noch entsetzliche Tinge zutage sörüern. -England. :: Tic Verhaiidlungen der Regierung mit drn Konscr vativen bezüglich der Hoinerule. Der parlamentarische Mit arbciter des „Daily Telegraph behauptet, aus zuverlässiger Quelle zu wissen, daß die Regierung sich entschlossen habe, schließlich doch die Vorschläge der konservativen Lords in> Obcrhause zu der Homerulo-Novelle anzunchnien. Nach einigem Zögern werde dies geschehen. Was zunächst de. Zeitraum anbetrifft, also alle sechs Jahre, für welche tz . Homerule-Grasschasten ausgeschlossen werden sollten, so , man bereits erklärt, daß dieser Punkt unbedingt fallen a - lassen werden müßte. Der zweite schwierige Punkt - d.r welche Grafschaften ausgeschlossen werden. Möglich i.-> . allerdings, daß die irischen Nationalisten im Unter: wenn die gesamte Bill in der Fassung des Oberhauses dem Unterhause zurückgekommen sein wird, gegen die Bo. läge sttmmcn werden, aber in diesem Falle würde der Regierung die Opposition zu Hilfe kommen und die Nationalisten so überstimmt werden. Albanien. :: Prcnk Bib Doda sür die Rückkehr Essad Pasch«. Nach einer Drahtmeldung des Secolo aus Durazzo ist Peciii Bid Doda über die Weigerung des Fürsten, die von U»:i verlangten 100000 Francs als Löhnung für seine Miriduen zu gewähren, so empört, daß er nunmehr für die Riicklvhr Essad Paschas Stimmung mache und diesen als einzigen le- zcichnet, der die albanische Anarchie bezwingen könne. Infolgedessen sei es aber nicht unwahrscheinlich, daß der Ver- bannte bald als Retter des Vaterlandes begrüßt werden wird. Einstweilen dauerten olliiächtlich die Uebergänge der Mallissoren und Miriditen zu den Aufttändischen an, init denen auch die Gendarmen geineinsame Sache machten» China. :: Drohende Hungersnot in der Provinz Chana. Dev Umfang der Ueberschwemmung in der Provinz Chanan geht ins Kolossale. Tausende und Abertausend« von Wohnhäusern sind vom Wasser zerstört worden «nd eine Meng« Menschen und Hausttere find umgekommen. Fast alle Reissaaten sind vernichtet. Die Provinz bietet ein Bild trauriger Verwüstung. Eine Hungersnot ist unausbleiblich und selbst eine schleunige Hilfe seiten» der Regierung kann die allgemeine Not nur lindern, aber sie nicht beseitigen. . Mexiko. :: Villa zieht seine Truppen zurück. Die Konstitutio- nalisten behaupten, daß, nachdem in Torrean die Einigung zwischen den Rebellenführern wieder hergcstellt sei, Villa das abgenommenc Geld (über 10 Millionen) an Caranza wieder zurückzahlen und die verhafteten Anhänger des letzteren freigeben werde. Beides ist jedoch noch nicht erfolgt. Dagegen zieht Villa seine Truppen von Torreon und Zaca, tcco-s nach Chihuahua zurück. Parteirrachrichteit. * Alsfeld, 10. Juli. Hier sind die Bauarbeiter in den Streik getreten. Dasselbe soll in Lauterbach nnd Schlitz der Fall sein. Der Streik ist zwar ein verwerfliches Mittel, das wir dnrckiaus nicht billigen können. Allein diesmal kann man sagen, diese Herren Unternehmer, eine politisch liberale, in Wirklichkeit aber ganz rückständige Gesellschaft, tragen die Schuld an dein Ausstand. Bei den Wahle» gehen die Herren Hand in Hand mit den Sozialdemokraten und schiinpfen ans den Bauernstand, sollen sic aber einen Pfennig zulegen — und hier ist das ohne jeden Zweifel berechtigt — dann hüfen die Herren und werden brutal. Und die Folge? Die Zahl der Roten wachst, da? Protzcntum, das sich allmählich Qitdj hier oben entwickelt, trägt die Schuld daran. Das hindert aber alles die rote Gesellschaft nicht, daß sie bei be» Wahlen den liberalen Herren in den Sattel helfen. Ueber die Landtags-Ersatzwahl In Gernsheim-Pfungstadt schreibt das „Mainzer Journal": Der Tad des Abgeordneten Friedrich hat eine Neuwahl in dem Wahlkreis notwendig gemacht. Der Baucrnbündler Friederich wurde bei den letzten Wahlen 1811 in der Stichwahl gegen den Sozialdemokraten Raab gewählt. Drr letzt zu wählende Abgeordnete wird demnach nur aus drei Jahr; gewählt. Im Wahlkreis Gernsheim- Pfungstadt hat die Zcntrumspartci eine ausschlaggebend- Stellung. Bei den letzten Wahlen unterstützte die Partei im ersten Wahlgang den nalionalliberalen Kandidaten Böhm, der 1222 Stimmen erhielt. Der Kandidat des Bundes der Land- wirte, Oclvnomicrat Friederich, erhielt 1454, der Fortschrittler 900 und der Sozialdemokrat 2108 Stimmen. Bei der Stichwahl siegte dann Friederich mit 3359 Stimmen gegen den Soziatdc molraren, der 2933 Stimmen erhielt. Wie bei der beoorst-hen- den Wahl sich die Konstellation gestalten wird, läßt sich noch nicht sagen. Es ist nicht ausgejchlosirn, daß bei der Vorwahl sämtliche Parteien mit eigenen Kandidaten austreten. Der Wahlkreis kann nur gegen die Sozialdemolrate» behauptet werden, wenn sich di« bürgerlichen Parteien bei der Stichwahl verständigen, woraus wohl schon bei der Auswahl der Kandidaten Rückstcht genommen werden tnu^ 9U. 1»> Seit« 3. Kund der Landwirte. Bc-ndessest in Oberhessen. Am Sonntag, den 26, Juli findet in Ilbeshausen im Dogrlsbcrg das diesjährige Fest des Bundes der Landwirte für Oberhessen statt. Die Festrede wird Herr Sleichstagsabgeordneter O e r t e l halten. Die Betätigung wird eine sehr große werden. Ans der Heimat. * Friedberg, 10. Juli. Um den Landwirten Gelegenheit zu geben, sich über die Anlage von Versuchsfeldern und die Wirkung der verschiedenartigen Düngung auf die Entwickelung der Kulturpflanzen zu informieren, veranstaltet der Landwirtschaftskam,ner-Ansschuß für Oberhessen folgende öffenUiche Dcnionstrationen, an denen sich alle Jnteressen- ten keteiligcn können: in Dortelweil am Samstag, den 11. Juli, Zusammenkunft am Bahnhöfe um Uhr, in Osthcim am Dienstag, den 11. Juli, Zusammenkunft am Bahnhofe um 3fH Uhr, in Griedel am Mittwoch, den 15. Juli, Zusammenkunft an der Bürgermeisterei um 3>/_. Uhr, in Gettenau am Freitag, den 17. Juli, Zusammenkunft an der Bürgermeisterei um 3 y 2 Uhr. Die notwendigen Erläuterungen werden durch Herrn Privatdozcnten Dr. Klebriger gegeben. In Griedel schließt sich an die Besichtigung des Versuchsfeldes ein Gcmarkungsrundgang an, bei welchem auf auffällige Erscheinungen im Felde hingcwiesen und Bclclirung über dieselben erteilt wird. * Fricbberz-Faucrbach, 10. Juli. Der Kriegerverein hält morgen Abend 9 Uhr bei Kamerad Joh. Bauer „Zur Loreley" seine Monatsverjammlung mit wichtiger Tagesordnung ab. Die Mitglieder sind zu dieser Versammlung sreundlichst einge- laden. — Zu der am Sonntag staitfindenden Fahnenweihe in hbcrrosbach treffen sich die Kameraden um 12.10 im Vcreins- iolal von Wilh. Sang. Abfahrt von Friedberg 12,40 Uhr. hierzu werden die Kameraden freundlichst eingeladen. * Butzbach. 10. Juli. Die am 16. Juli d. I. in Butzbach stattfindende VII. Oberhefsifchs Zuchtviehauktion wird mit 47 Simmentaler Bullen, 2 Kühen und Kalbinnen und 22 Edel- schwciuebcrn bestrickt. Während früher das Beschickungsgebiet räumlich begrenzt mar. erstreckt es sich jetzt auf die ganze Provinz Oberhcffeu. Die 47 Bullen verteilen sich folgendermaßen auf dm einzelnen Kreise: Dießen 19, Friedberg 14, Alsfeld 10, Büdingen 2, Schotten 2 Stück: das weiblich« Zuchtmaterial stammt aus den Kreifeu Gießen und Friedbcrg, die Eber gehören oberhessijchen Schwcinczuchtvereinen an. Don den Bullen besitze» 38 Tiere das körfähige Alter, dieselben werden nur zur Auktion zugelasicn, wenn sie den Anforderungen der Krcis- körkommijfion genügt habe» bezw. vorher gekört worden sind. Auch die Zulassung der jüngeren Bullen und sonstigen Zuchttiere hängt von einer vorherigen Begutachtung seitens der Kreiskörkommission ab. Alle Tiere sind gekennzeichnet und in die Herdbücher des Landwlrifchaftskammer-Ausschusies für Oberhessen eingetragen. Katalog« und Abstammungsnachweise sind von letzteren erhältlich. * Gießen, 10. Juil Die Gewerbe-Ausstellung Gießen 1914, die eine außerordentlich reichhaltige Uebersicht über das Gewerbe gebracht hat, wird endgültig am 3. August geschlossen. Im Hinblick aus die große Bedeutung, die der Besuch für alle Handwerke hat, ist es dringend anzuraten, daß jedermann, der konkurrenzsähig bleiben will, der Ausstellung einen Besuch ab- siattct, die soviel Sehenswertes und Lehrreiches zusammenbringt. * Lauterbach, 9. Juli. Die diesjährige Schafbockauktio» des Landwirtschaftskamnwr-Ausschusfes findet am Mittwoch, den 5. August, vormittags 11 Uhr auf der Jungvichweide zu Lauterbach statt. Es gelangen 54 Lammböcke zur Versteigerung. Für die Tiere, die von obeihcssischkn Gemeinden und Gcscllschaftsschöfereiri, sowie zur Landwirtschaftskammer Dos grüne Aula. Spionage-Roman von August Weiß!. 71 (Fortsetzung), Bei Nennung dieses Namens wurde die Gräfin totenbleich. Sie stierte ihren Mann wie geistesabwesend an. Ihre Lippen zitterten. Sie wich zurück und suchte taunielnd an der Lehne eines Fauteuils einen Halt. Ihre Nägel bohrten sich so tief in de» Armstuhl, daß die Seide riß. Wer? — Was? stammelte sie. Ihre Kehle war so trocken, daß die Stimnic versagte. Cartclanc? stanimelte sie nochnrals und rang nach Atem. Ja... Ich kenne keinen Eartelanc! schrie sie endlich. Wer ist das? WaS will er von mir? Wer das ist? stotterte der Graf mit albernem Lächeln. Ich weiß schon . . . das ist ein Doktor . . . nein, das ist ja der andere, das ist . . . ein junger Mann, der Dich aus Turin kennt . . . Weißt, vom Zirkus . . . Violctta war init einem Satze bei ihrem Gatten. Wie lin wildes Tier hatte sie ihn angesprungen. Sie faßte ihn )ei den Armen und schüttelte ihn wütend. Aus ihren Angen äderte erschreckende Glut. Du, streng' jetzt Deinen Kops an, schrie die Gräfin. Denk nacht Du weißt nicht, was auf dem Spiele steht! Paß aus! Verstehst Du mich? Sag' mir nur das Eine, hast Du in Deinem Rausch ausgeplaudert. was begraben sein lallte? Hast Du von jener Zeit gesprochen?! Aber Violetta ... es waren ja lauter gute Bekannte, so nette Burschen, die plauschen ja nichts aus. Sie habe» ja schon alles schon gewußt. . .. Auch vou dem anderen haben sie gesprochen . . . weißt, von den,. nach dem Du Dich erknn- digt hast, dem Castcllinari ... Er ist tot. lassen sie Dir Lagen, ganz tot .. . Du brauclüt icfct nicht mebr überall aus 91«,« T-qeszennng. Fr »trag. i„. 1914. beitragspflichtigen Privatfchäfereien erworben werden, gewährt der Landwirtfchoftskanlmer-NuSfchnß zwanzigprozen- tige Zuschüsse auf den durch Mehrerlös reduzierten Steigpreis. * Blcichenbach, 10. Juli. Die Vorbereitungen zu unserem Gantnrnfest am II.—13. ds. Mts. schreiten rüstig vorwärts. Alt »nd Jung freut sich auf die Festtage. Kein Wunder! hat doch seit elf Jahren kein größeres Fest hier stattgefiinden. Zudem ist unser Verein in den 50 Jahren seines Bestehens mit dem Dorfe fest verwachsen und findet infolge seines Eifers, mit dem er seit Jahrzehnten an der körperlichen Ausbildung fast unserer gesamten Jugend arbeitet, allgemeine Anerkennug und Förderung. Dem großen Entgegenkommen der Einwohner ist cs zu verdanken, daß für die etwa 350 auswärtige» Turnei freies Quartier und Verpflegung besorgt werden kann. — Unser Verein steht zumal auf einem vorgeschobenen Posten des Gaues Wetterau. In den 10 Jahren, die er dem Gau angehört,hat er regelmäßig eine stattliche Anzahl Wctturncr gestellt und die oft weiten oder uniständlichen Fahrten nicht gescheut. Als eine Anerkennug hierfür betrachten wir cs und begrüßen mit besonderer Freude, daß nicht nur zahlreiche Turner aus der ganzen Wcttcrau zum Wcttkainps bei uns antrcten, sondern auch die meisten Vereine des Gaues sich geschlossen zum Be- suche gemeldet haben. Die Eisenbabndircktion hat zwar einen Sonderzug am Vormitt lg abgelehnt, doch ist die Bahnverbindung an sich schon günstig. Der Zug ab Friedbcrg 8,03 Uhr hat in Nidda Anschluß an den Zug »ach Blcichenbach 9,45 Uhr, der wohl die meisten Vereine bringen wird. Außerdem geht 6,39 Uhr vormittags ein Zug in Vilbel ab über Hcldenbergen, Stockhcim an 8,05 Uhr. Von dort ist Bleichenbach zu Fuß in einer halben Stunde zu erreichen. Zur Rückfahrt kommt für entferntere Vereine wie Rodheim v, d, H, und Holzhauscn in Frage der Zug ab Stockhcim 7,32 Uhr nach Hcldenbergen, für die übrigen ab Blcichenbach 9,14 Uhr (Vorzug) und 9,24 Uhr über Stockhcini—Heldenbergen oder Nidda, * Frankfurt n. M-, 10. Juli. Ein größeres Feuer zerstörte gestern Mittag, eine Lagerhalle der Firnm Kurt & Böttcher am Hcmmerichsweg. Zwei Löschzüge hatten mit 5 Schlauchleitungen etwa Stunden zur Bewältigung des Brandes zu tun. * Frankfurt a. M„ 10. Juli. Ans der Irrenanstalt ent- sprang gestern der Arzt Weißbrod, gegen den ein Verfahren wegen Kuppelei und Kurpfnschcrei schwebte; das Verfahren mußte aber eingestellt werden, da man Weißbrod für geisttg minderwertig erklärte. Jetzt war der minderwertige Mann doch so normal, daß er ans raffinierte Weise den Weg aus der Irrenanstalt ins Freie fand. Hcsien-Nasiau. * Bad Homburg d. d. 10. Juli, Für das bevorstehende Kaisermanöver, das der hiesigen Stadt einen besonders starken Verkehr durch das Hauptquartier des Kaisers bringt, werden aus dem Hauptbahnhofe bederitende Glciserweiternn- gen vorgenommen. Von hier aus sollen auch Truppenverladungen stattfinden. * F. C. Wiesbaden, 10. Juli. Der Versicherungsagent der Jdmm-Lebensversicherung Wiegand in Biebrich, hatte am 20, Oktober v. I. ein ärztliches Attest auf den Namen des vr. Marx in Wiesbaden gefälscht, wodurch er den zuckerkranken Kaspar Bibo als gcsnnd versichern und 20 , H Provision einstrcichen wollte. Der Schwindel kam aber heraus und wurde gestern von der Strafkammer mit 2 Wochen Gefängnis geahndet. Siarkenburg. * Neu-Isenburg, 10. Juli. In der Person des vierzig- - jährigen Weißbindcrs Georg Hamann wurde ein gefährlicher I die Polizei zu laufen und nachzusorschen ... Er ist wirklich tot . .. Violetta war bei den Worten des Trnnkencn Scbritt für Schritt zurückgewichen und stand jetzt an der Wand. Die Fuße schienen ihr versagen zu wollen, denn sie suchte nach einer Stütze und rang nach Atcni. 9114 ob es sie am Halse würgte, griff sie nach der Kehle, uni sich Sujt zu schaffen, Ihr bleiches Antlitz verzerrte sich in ohnliiächtlger W»t. Sie schlug die Hände vorS Gesicht und verharrte regungslos. Campobello taumelte ans seine Frau zu und lallte: Bist bös auf mich . . . Weil ich getrunken habe' . . .? Es wird nie mehr vorkonimcn. Dabei machte er eine Bcwcgiiiig, als ivollte er sie in die Arme schließen. Bei der Berührung zuckte die Frau zusammen, Sic stieß den Trunkenen zurück und verließ, ohne ein Wort zu sagen, die Möbelstücke entlang lastend, das Zininier. Wenige Minuten später lag Eampobcllo in einem tiefen Schlafe. Einundzwanzig st eS Kapitel. Die Gräsin aber saß in ihrem Zimmer, den Kopf in die eiskalten.Hände gestützt und starrte fassungslos zu Boden. Das erste Morgengrauen lrocb über das Dach des gegenüberliegenden Hauses und warf fahle Lichter durch die Scheiben. Da . . . was war das? Hotte es nicht geläutet? Violetta fuhr in die Höhe. Die Kammerfrau trat ei» und meldete: Gräflich Gnaden, bitte, es sind zwei .Herren da, die gräs- lich Gnaden sofort sprechen wollen. Violetta erbleichte. . . . Sie griss nach dem Kops, dessen Schläfen wild hämmerten, preßte die Fäuste gegen die Brust und seufzte ttef auf. Was soll ich den Herren ausrichten? fragte das Mädchen. . Weck' den Grälen! beiahl die Gräsin Sittsichkeitsverbrecher verhaftet, der sich in Frankfurt an einem masernkranken siebenjährigen Mädchen verging. * Kelsterbach, 10. Juli. Am Montag wurde der Kranführer Langcndörfcr von Frankfurt bei Reparaturar- beitcn an einem Kran in Kelsterbach von einer zurllckschncl- lenden Kurbel so heftig getroffen, daß er nach wenigen Sekunden darna starb. Von der Bcrdigung dieses Mannes zurllckkchrend, muß der Steuermann Jakob Waldeck von der preußisch-hessischen Baggcrei-Gcsellsck>aft einen Fchlttitt ge- tan oder am Drahtseil hängen geblieben sein, wodurch er mit dem Kopf auf die eiserne Schifsskante ausschlug und in das Wasser fiel. Er hatte einen schweren Schädelbrnch erlitte» und muß sofort tot gewesen sein. Die Leiche wurde gestern bei Kelsterbach gelandet. * Darmstadt, 10. Juli. Wegen Verdacht der Brandstiftung und Betrugsversuch wurde gestern abend der etwa 35 Jahre alte, früher in Frankfurt wohnhafte Kob» Küttner aus Janow in Rußland sestgcnommen, der auch in Isenburg eine Zigarettenfabrik betrieben hatte »nd etwa seit eineni halben Jahre Ecke der Wilhelniinen- und Elisabcthenstraße dahier ein Zigarrengeschäft betrieb, das allerdings scit den, 15. April in eine Genossenschgst mit beschränkter Hnstnng nmgcwandelt und seiner Schwester Gerda Küttner verkauft worden war. In der Nacht zum l. Juli war in dem hiesigen Zigarrengeschäft ein Brand ansgebrechen und dabei angeblich Waren und Geld gestohlen worden. Nach den Ermiitclim- gen der Staatsanwaltschaft in Verbindung mit Düchersach- verstänbigen usw. konnte der Verdacht bestätigt werde», daß der Brand dnich Küttner veranlaßt und der Tiebsiabl nur ein fingierter ist. K. hatte bei der Feuerversicherung einen bedeutend höheren Schaden angcmeldet, als nach den Fakturen nsw. Waren vorhanden sein konnten. Er incrchte sich sonach auch der Versuchs des Versicherungsbetruges schuldig. Wuscht Der toinigfcn LMwirte. De r W Rheiniliisfiug "WI stndct am 18. Juli bestimmt statt, da die Meldiingcn in genügender Zahl eingelausen sind. Die noch rückständigen Ortsgruppen ersuchen wir, sofort die zugcgangencn frankierten Anfrage-Postkarte», ausgc- füllt, an unseren Rechner Herrn Hensel, Dortclwril, gelangen zu lassen. Mrldeschluß: Sonntag den 12. Di. Mtogs 12 lltjr. Später einlaufende Meldungen können nur dann berücksichtigt werden, wenn die durch die Nachmeldnngen entstehenden Kosten (bei der Eisenbahn und dem Schilf) zirla 1 pro Person, von dem sich Meldenden übernommen werden. lieber Abfahrt und so Ivcitev, werden wir, sobald uni von der Eisenbahn diesbezügliä^r Bescheid zngrgangen ist, nähere Mitteilungen bringen. Auf vielfach geäußerten Wunsch, soll auch eine Besicht!- gung des Niederwalddenkmals mit verbunden werden. Frankfurter Wetterbericht. Beraossugc: Heiter, bis auf Gewitter, trocken, mehr warm, östliche Winde. ..Römerbmtinen" Hervorragendes Tafelwasser. Die Herren wollen aber mit der Frau Gräfin — Wer find die Herren? fragte Violetta leise. Don der Polizei, antwortete das Mädche». Die Gräsin fuhr mit der Hand zum Herzen. So war also alles aus .... Man kam bereits, sie z» holen .... Das Verbrechen war entdeckt.... Ihr Mann hatte sie im Rausch verraten..... Was tun . . .? Fliehen . . ,? Sie eilte zum Fenster. Vor de»> Hause sah sie zwei Männer sichen ... So gab es keinen Ausweg mehr . . . . keinen? O — doch! Laß die Herren in den Salon eintreten, befahl sie dem Mädchen. Ich komnie gleich. Mit diesen Worten eilte sic in ihr Schlafzimmer lind versperrte hinter sich die Tür. Wurz und Baron Spohr wurden in den Salon geführt und gebeten, Platz zu nehme», die Gräfin werde gleich er- scheinen. Zehn Minuten vergingen. Die Sache dauert mir zu lange, sagte endlich der Polizeirat Wurz zu Spohr, Ich werde kiirzen Prozeß machen. Fort kann sie nicht, denn alle AuSgänge sind besetzt. Bitte, rnfe» Sic das Mädchen! Wo ist die Frau Gräfin? fragte der Polizcirgt die eintretende Kammerfrau. In ihrem Schkafzinmrer, bitte. Führen Sic »ns dahin. Sofortl befahl Wurz in so dezidiertem Tone, daß das Mädchen keine» Einwand z» erheben wagte. Wurz fand die Schlafzimmertüre verschlossen. Er klopfte — keine Antwort erfolgte. Rufen Sie den Agenten, der in, Vorzimmer steht, sagte Wurz leise zu Spohr, Der Agent erschien. Oeffnen Sie diese Türe, befahl der Poli^irnl, (Schluß folgt.) Sir. 155» Neue Tageszeitung, Freitag, drn IS. Juli 1S14, SciseTF Dänisches Fov für nnjere Marine Ein junger dänischer Ingenieur, der unter der früheren mexikanischen Regierung in Tampico angcstellt war und dort Pie erste» Schrecken der Unruhe» initcrlcbte, hat darüber nach Hause in einem Priese berichtet, die anfangs zurückgehalten und deshalb erst verspätet eingctrossen ist, aber auch jetzt noch Beachtung verdient. Der Däne erzählt, wie der Bürgermeister von der Rathaustreppc die Volks-noffc anredcte, man solle die fremden Teufel, die im Lande nur Unruhe stistcten, ertränken wie junge Katzen, Unter entsetzlichem Gehe»! stürmten nun die Mexikaner umher mit dem Rufe: „Wer ist Fremder?" Biele Ausländer, namentlich Amerikaner, erlitten schreckliche Mißhandlungen, Eine Aptheke, wohin sich Fremde geflüchtet hatten, wurde erstürmt, ihr Besitzer erschlagen, sein Kopf auf eine Stange gesteckt und im Triumph umhergctragen. Der Däne der sich in dem Hotel Niagara verborgen hatte, erzählt nun weiter. „Die Reihe kam nun an das große Hotel, wo sich mehrere hundert Fremde, Deutsche und Amerikaner, befanden. Das Holel wurde gestürmt, aber gerade als die Mordtaten beginnen sollten, zeigte sich die Rettung in Gestalt des Kapitäns Köhler von dem im Hafen liegenden deutschen Kreuzer Dresden. Mit zehn Marincsoldaten besetzte er das Hotel. Die Mannschaft hielt mit ausgepflinztem Bajonett Wache, Der Kapitän verlangte, den Gouverneur zu sprechen, sonst würde er die Straßen durch Eeschützfcuer säubern. Der mexikanische Gouverneur kain zur Stelle und sorgte dafür, daß die Polizei den Ort beschützte. Vom Pöbel wurden mehrere Schüsse abge- seuert, die zedoch nicht trafen. Unter Heulen und Lärmen wurde der Haufe zurüügedrängt, aber die Lage wurde eher schlimmer als besser, Warenhäuser und Läden wurden geplündert und alle von Ausländern bewohnten Häuser in Brand gesteckt. Nunmehr stellte Kapitän Köhler dem Gouverneur ein Ultimatum: Wenn die Fremden nicht geschützt würden, so würde er die Straßen mit Kanonen beschießen lassen. Matrose» marschierten auf, und untcr ihrem Schutze wurde ich mit anderen an Bord der Dresden gebracht, wo man uns aufs freundlichste behandelte, während in Tampico das rasende Gesindel wahllos mordete. Wenn ich hier an Bord der Dresden sitze und an das Erlebte denke, so kommt es mir wie die Pö- bclschreckcn der französische» Revolution vor. Wir alle sind dem tapferen Kapitän Köhler dankbar. Wäre er nicht so entschlossen gewesen, so würden wir sicher alle ermordet worden sein, Ob dieser Brief jemals nach Hause gelangt, weiß ich nicht. Bei mehr als der Hälfte unserer Briefe ist das sicher nicht der Fall. Aber ich tröste niich damit, daß dieser Brief mit der Barkasse der Dresden abgcht," — Daß das dänische Provinzblatt, welchem vorstehende Schilderung entstammt, „Bornholms Tidende", sonst deutschfeindlich ist, macht jenes Lob unserer Marine nur um so wertvoller. , Gedenktage. 10. Juli. 1824 Rudolf von Bennigsen, Politiker, gcb. 1866 Gefecht bei Kissingen, Preußen und Bayern. — 1872 Ausweisung der Jesuiten aus Deutschland. — 1896 Ludwig Meinardus, Komponist, t, Bielefeld. Verantwortlich für den politischen Teil: Otto Hirschei, Friedberg; für den lokalen und unterhaltenden Teil: Bernhard Lenz, Friedberg; für den Anzeigenteil: Karl Schmidt, Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung". A.-G-, Friedberg i. H. Aktiell-Zillkechbrik 6ch-6erau empfiehlt ihre Trolkeiisihnitzkl unD Melch-Mrschnihel in vorzüglichster Qualität billigst. F“ Preisofferten und Muster auf gefl. Anfrage. r Besonderheiten: Progressiv lallende Prä mien fiir Lebensversicherungen, für Männer und^ I Protun getrennte Rcntentanft^ Gegründet 1833 . framientarife für Lebt ns, I ^ ' wit für Rentenversicherungen, I _ - » ertreter in allen grösseren Jttätnen, Generalagentur Darmstadt. Zimmerstrassc v- fHflziellcr Schluss; l Montag, den$.August :ievirlMlintellii| Gielen 19141 tiir Oberhessen und angrenzende Gebiete l Mai—August Protektor: Seine Kgl. Hoheit Grossherzog Ernst Ludwig von j Hessen und bei Rhein | Ausstellungsplatz: LlebigstraDe, eine Minute vom Bahnhofe entfernt < Hervorragende Einzel-Ausstellungen d. oberhessischen Gewerbe, Industrien u, Künste — Ueber 400 Aussteller ’urtiibrung von Althandwerken im Betrieb: u Handweberei, Nagelschmiede, Kunsttöpferei und Häfnerei guter Regiments- und Zivilkapellen 1 Grolle Festhalle mit vorzüglicher Verpflegung und be- j «sonderen Konzerten und künstlerischen Darbietungen! | Althessen, gemütlicher Wirtschaftsbetrieb mit flotter j Bedienung und Bauernkapelle Wimm-Reiter-Verein Sitz Friedberg. Samstag, den II, Juli 191t, abends 7 Uhr im vorderen Zimmer des Hotel Trapp ßencrnlucrfammhinn Rechnungsablage über das 4. Reitcrfest. Sonstige Vereinsangelegenheiten. Alle Mitglieder werden hierdurch eingeladen und dringend gebeten zu erscheinen. Der Vorstand. Betr,: Sperrung der Schnurgasie, Bekanntmachung Die Schnurgasse wird von der Kaiserstraße bis zur Kleinen Köhlergaffe für den durchgehenden Fuhrwerksoerkehr auf einige Tage gesperrt. Friedberg, den 10, Juli 1914. Der Bürgermeister. Stahl. Ein tüchtiger Schrcincreresellc wird gesucht bei 21 Mark Wochenlohn aus dauernd Georg öecker, Schreinermst., Rieder-Wöllstadt. An Mn nsxssüt zum Verteilen von Eratisproben f, Schweißpuder „Köhler-trocken". Off. an ß-tsirrleisirefebrit, llru.-serd-rz Erich lioerfdiel lritübttgl.tz., Telefon 355 Decken-«.Sal 1 re>,.zroI,re„ {ioloiiiaU, JUatfiiuU ®- v f V Gel-Lackfarbe HUP j firuutflmi. in 6 prachtvollen N ua nzen. /.UOllfi AlnW AflIHV. 2n Packungen h 25 Pfg. Niederlage: Drogerie ei. BSaiiiueiMtfttfi* Naclif. 3nf).: Fricdr. Karl Ott, Friedberg i. H. Aschen Leichtfteine im Format der rheinischen Schwemmsteine. Auskunft über Preis usw, auf der lürube Ludwigs- Hoffnung in Wölfersheim oder durch Krotzh. Bergwerksdirektion Friedberg i. H., Telefon 11. 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B, Akt. —.— Berliner Handels Ant. 148.25 Deutsche Bank Akt. 233,63 Disk, Kommandit Ant. 181.87 Dresdener Bank Akt. —.— Pet.Int.Handelsb.Akt. 178.12 Ruff.Bank f,a,HanS.A. 150.25 Allg.Elek.Gesellsch.Akt. 241.50 Londoner Börse. Atchison Topcka Doll. Southern Pacific „ Chicago Rock 2sl. „ Miff,Kanf,u.Tcx.R. „ Union Pacific „ U.S.Stccl Common,, Diskonto Komm. Ant. 181.87% Dresdener Bank Akt. —.. Mitleid. Ereditb. Akt, 115.— Oest. Ereditanst, Akt. 189,75 BochumerEußstahl —.— Buderus E.-W, Akt. 103,50 Deutsch Luxemburg 126.— Eschweiler Bergw. —.— Eelsenkirch. Bergw. 181.— Harpener Bergbau 174.25 Phönix Bergbau 234.12 Laurahutte 144.— Griesheim Elektron 244.— E öchst. Farbwerke 461. — olzverkohlungs-Jnd. 275.— Rütgerswerke 188.— Chem, Fabr. Albert 397.50 Allg. Elcktr. Ges. Akt. 461.- Dcutsch-Uebersee E, G. 164.50 Schuck. Elektr, Ges, Akt. 143.75 Siemens u. Halske 211.75 Cteaua Roman» 147.80 Zellstoff Waldhof 171,25 Hambg, Amk. Pakekf. —.— Rordd, Lloyd HO.— Oesterr. Staatsbahn 145.— Lombarden 16.25 Baltimore u. Ohio Akt. 0 1 .25 Privatdiskont 2.12 Tendenz: behauptet. Börse. Deutsch-Lux-mb.HAkt. 126.— Dtsch-Ilbersee E.G.Akt. 164.63 , EelsenkirchcnBgw.Akt. 181.25 , Harpener Bergbau Akt. —.— , Hohenlohewerke Akt. 103.87 Laurahutte Akt. 145.63 , Oberichlesier E. Akt. —.— , Phönix Bergbau Akt. 234.12 Rombacher Hütte Akt. 151.63 Siemens».HalskeAtt. 212.12 Privatdiskont 2.12 Tendenz: behauptet. 102 .- 99.87 1.37 16.75 159.87 63.50 Amalgamat. Copp. Doll. Ehartered Company Lstr. Eastrand Proprictary „ Eolbfields „ Rand Mines „ De Beers Consolid. ., 73.37 0.87 1.81 2.29 6.12 17.00 Die Depositenkaste Friedberg i. empfiehlt sich zur Vermittlung aller bankmiissigen Geschäfte. An- und Verkauf von Wertpapieren a» allen Börsen. Errichtung laufender Rechnungen und provifionssreier Scheck-Eonti, Umwechslung von Coupons und Sorten. Annahme von offenen und verfchloffenen Depots^ /Entgegennahme verzinslicher Spar-Einlagen. Ti 28 . | 3Uuftrierte Soiintagsbeilagc zur „Neuen Tageszeitung". 1914 . Maria Venalus. Bon (tffriröf ckotermund-öchoenhagen. „War das eben Könitz oder Czersk?" fragte Thekla. „Ich achtete nicht genau daraus, Maria."--„Nej», du irrst dich mit beiden. Wir sausten schondurch t'r.- Etargard." „Ist das möglich? Wo blieb denn da die Zeit? Nun haben wir ja nur noch eine Stunde Bahn^ fahrt bis Dir- schau. Weißt du. wer dort ist, mich abzuholen? Mein Bräutigam nimmt mich in Dirschau in Empfang. Du mußt wissen, daß Helmut Forstassessor ist, und sein Vater ist Forstmeister in Sob- boiiitz. Helmuts Mutter ist schon sechs Jahre tot; sein Vater konnte Weihnachten nicht in Hannover sein, denn er war bettlägerig. Nun ist er wieder wohlauf. Da macht cs ihm Mutter nach: sie liegt schon eine Woche zu Bett. Ach nein, es ist nichts Ernstliches, meinte der Hausarzt, ich wäre sonst auch nicht gefahren. Mutter wollte natürlich mit mir zusammen reisen, so war cs abgemacht. Gegen Vaters Begleitung inußte ich mich bis gestern Abend verzweifelt wehren; es ist doch besser, er bleibt daheim." Dirichau! Mit großen feurigen Augen brauste der O-Iug über die Weichsclbrücke. Im nächsten Augenblicke war die erleuchtete Eisenschlangc in die Glashalle gekeucht. Vollfieber»- der Ungeduld stand die junge BrautimGang des Wagens, der sich nach ihrer Ansicht viel zu langsam leerte. Da gewahrte sic unmittelbar vor dem breiten Fenster die schlanke Gestalt ihres Verlobten und daneben, ebenfalls in Wald- uniform und Gehpelz, Helmuts Vater. Hastig schob sie die Scheibe herunter. „Guten Tag, Liebsterl Tag. Vater! L> wie freue ich mich!" Lautes Stun- mengewirrund Bahnhofslärm machten die Entgegnungen derbeiöen Herren den neugierigen Ohren unverständlich. „Bitte, Helmut, komm eben herein. Ich möchte dich einer liebenBe- kannten vorstellen, und ich will dir hier = Die Mutter hat den Lisch gedeckt, Und zwölf Uhr hat'» geschlagen. ssrost Mahlzeit, Linder! DH, da» schmeckt! Schon lange Knurrt der Wagen. Vun stellt ein jede» seinen Wann Sei Schweinefleisch und Knödel, Wan weist nicht, wer e» bester Kann, Die Süden oder Wädel. Wan glaubt, es wäre Hexerei, So leeren sich die Lrller, Nach dem Gemälde von B. Dauitrr. Hungrige Gesellschaft. a btin auch guten Tag fugen, nicht da vor allen Menschen." — „Das hilft dir nichts, mein Herz; dazu kommst du doch besser heraus. Die verehelichen Staatsbahnen pflegen nämlich auf solches Zartgefühl durchaus leine Rücksicht zu nehmen." Thekla wurde von ungeduldigen Mitreisenden unsanft dem Ausgange zugedrängt, geradeswegs in die offenen Arme ihres Berlobten. bildet hatten. Beide suchten und fanden auch im Gewühl den Vater. Nachdem er seine Schwiegertochter begrüßt hatte, fragte er mit seinem Lächeln die in eifriges Gespräch vertiefte Braut, die in strahlendem Glück neben seinem Einzigen ging: „Wo ist deine Bekannte, liebes Kind?" „Ach ja, du hast recht, Vater. Da hätte ich doch fast ganz vergessen, mich von Maria Benatus zu verabschieden." Als sie den Bahnsteig zurückgingen, sahen sie Maria am geöffneten Fenster stehen. Aber das Abfahrtszeichen war schon gegeben: ein langer inniger Händedruck der beiden ehemaligen Freundinnen, das war ihr Lebewohl. Ein schriller Pfiff! Langsam setzte sich der Zug in Bewegung. Dann ro' Hen die Räder rascher und rascher, bis nur noch eine schwebende, halb verwehte dünne Rauchfahne den Weg ankündete, den der Zug nahm. Unter gleichmäßigem Rollen und Stampfen der Räder fuhr Maria Benatus die letzte Strecke in die ungewiffe Zukunft, zu ihr persönlich noch nicht bekannten Menschen. Die ersten Lichter Danzigs grüßten im Borbei- fahren. Nach einigen Minuten fauchte der V-Zug wieder in eine Bahnhofshalle. Danzig war erreicht. Suchend blickte Maria Benatus um sich. Erst als der Menschenstrom den Ausgängen zustrebte, gewahrte sie eine ältere Frau mit dem verabredeten Erkennungszeichen in der Hand. Das mußte Brigitte, die alte Dienerin der Tante, sein. Maria Benatus schritt auf sie zu und nannte ihren Namen. Voll Erstaunen sah Maria auf den für eine alte HeneralmajorJ>. v. Aingker, der älteste deutsche Offizier, ist in Stuttgart, 5)8 Jahre alt, gestorben. Generalmajor v. Ringler halte bereits im Deutsch- Französischen Kriege oas 2. ivürttembergische Infanterieregiment Nr. 120, das bei Wörth mrt großer Auszeichnung focht, als Major geführt und konnte voriges Jahrsein 80jähr. Militärdiensljubiläum begehen. Wetter zu überstehen gehabt. Durch den starken Wellenschlag uno die Spritzer vom Bug her, die bei der starken Kälte sofort gefroren, war die „Hertha" vollständig mit Eis überzogen. Der Mast glich einer Eissäule, währen» sich an der Reling und der Kommandobrücke zahllose Eiszapfen von verschiedener Stärke und Größe ge- Jm Glanze der Laternen sah das Schiff aus als kehrte ein Polarsahrer aus dem ewigen Eise zurück. „Wie freue ich mich, daß wir zu Fuß gingen, sonst hätte ich diesen wundervollen Anblick nicht gehabt," sagte Maria Benatus zu ihrer Begleiterin, als der Dampfer ihren Augen entschwunden war. Nach einigen Minuten bogen sie dann in die Weidengasse ein. Vor einem spitzgiebeligen, schmalen Häuschen machte Brigitte Halt. „Da sind wir!" Nicht bang und zagend war der Blick, mit dem Maria Benatus ihre neue Heimstätte musterte, nein, zuversichtlich schritt sie die Stufen zum Beischlage hinauf. Der Danziger Patrizierstolz sucht nicht nur in der Ausschmückung öffentlicher Gebäude das Höchste zu Kisten, auch die Gie- belsassaden der Privathäuser sind reich mit den Ornamenten der heiteren "Renaissance überkleidet. Die Beischläge, jene mit Fliesen belegten und mit Bildwerken verzierten Ausgänge und Vorplätze zur Haustür, auf denen die Altvorderen im Freien saßen, sind noch heute zum größten Teile erhalten, und die Giebel, mit Figuren, Helden der Sage und des Alten Testamentes geschmückt, können sich wohl mit denen von Augsburg und Nürnberg messen. Das Dpcksche Haus war auch in solchem Stile erbaut. Es unterschied sich äußerlich nur dadurch von den anderen, daß über der massiven Haustür mit dem uralten Messingklopfer ein Schiff mit vollen Segeln in Sandstein gemeißelt war. — Auch das Innere glich einem Patri- Frau lächerlich tiefen .Knicks, der mehr als unterwürfig bezeichnet zierhause, wenn auch in Miniatur. Eine ampelartige, kunstvolle werden konnte. Ihr Befremden wuchs, als aus Brigittens Munde Metallampe, in deren schnabelsörniigen Zuspitzungen zwei Dochte unverfälschte breite westpreußische Laute kamen: ,,'n Abendchen! Da ist ja das gnädige Freileinchen! Die Frau Tante läßt auch sährchens grüßen." Mit einem stillen Seufzer schritt Maria Benatus an Brigittens Seite durch die belebte Langgaffe. Sie schalt sich innerlich kleinmütig: gewiß, schön war die Sprache des Ostens im Volks- munde nicht, aber in. wie vielen Gegenden Deutschlands wurde nicht Diälekt gesprochen. Sie passierten das Grüne Tor. Ueber- rascht, ja last geblendet blieb Maria stehen. O, wie ist das schön!" Brigitte gab eine umständliche Erklärung : das sei die „Hertha"; ein Bru- derjohn, nämlich der zweitälteste, der Hänschen von ihrem Stiefbruder Felix, der im Werder Tischler sei und auch durch Heirat ein kleines Anwesen und eine Kuh, zwei Ziegen und zwei Schweine bekommen habe, sei Matrose auf der „Hertha". Maria konnte sich von dem märchenschönen Bilde gar nicht los- reißen. Der Dampfer „Hertha" von der Flensburg-Stettiner Dampf- schiffahrtsgefellschast fuhr langsam durch die Mottlau nach »ent Packhofe, um seine Ladung zu löschen. Das Schiff hatte schweres ÄN den Utzäkken vor der Ltadt Vurazzo: Die Aufständischen hoben die albanische Hauptstadt ganz unvermittelt angegriffen und konnten ganz >n Me Nähe der Befestigungen getangen. Tie Bertetoiger DurazzoS, an ihrer Spitze der holländische Oberst Thomson, mußten ihre ganze Kraft aujdieten, um den Angriff abzuschlagen. Oberst Thomson fand hierbei seinen Tod. brannten, verbreitete ein mattes Licht. Zur Linken führte eine geschweifte Wendeltreppe mit geschnitzten Pfosten und fein gedrehten Geländerstäben in die Höhe. Die Täselung der Wände bestand aus glänzend gebeiztem dunklen Holz, und au den Deckenbalken hingen Schiffsmodelle aller Art. Oben wurde eine Tür geöffnet, und ein Krankenselbstfah rer rollte über die Schwelle. In dem sahleu Flurlicht sah der Körper der verwitweten Frau Kapitän Dyck noch gebrechlicher aus. „Willkommen, herz- innigst willkommen, Maria! Gott segne deinen Eingang!" Wie wohl taten der Waise diese herzlichen Worte. Bald saßen Tante und Nichte am Teetisch. „Du siebst immer noch so erstaunt auf den Fahrstuhl, mein Herzenskind. Du glaubtest wohl nicht, ein so, der selige Onkel würde sagen, abgetakeltes Wrack vorzufinden? Ach, wenn du doch bei mir bleiben möchtest, bis mich der Steuermann zur letzten Fahrt abruft! Du wirst freilich ein stilles, einsames Leben führen: ich lebe fast ohne Verkehr." (Fortsetzung folgt.) Bad[ dem Gewitter. Nach dem Gemälde von Gilb er l von wenn um der Serge wild Erkliist Vom Föhn gejagt, sich niedrrwärt- Sich finstre Wolken ballen, Der Bebel Mal;! IN Schlünde, Da schon dein Vbr ein Kellen triff! Da poch! erschroikrn dir das Her!, In schauerlichem Hallen, Vir einst dem sarlen Kinde. Canal ..> München. Du greifst mil starken Schrillen ans Drm nächsten First entgegen, Fll» winkte dir drin Vaterhaus Auf krimalsrrnen wegen. 57!. «r Kleine Sparer. „Denke immer daran, mein Junge," sagte Outet HanS, als er dem kleinen Neffen ein kleines Geldstück gab, „wenn du die Nickel bewahrst, w-ide» sich di- Vexierbild. Markstücke schon selbst bewahren!" — Der Kleine guckte ihn etwas ungläubig an. „Ich bewahre die Groschen schon auf." sagte er, „doch wenn Marken daraus geworden sind, dann n'tnmt sie der Vater in Verwahrung!" Anzüglich. Frau eines Bau- unlrrnehmerS: „Wir werden diesen Sommer nach der Schwei, gehen, wir haben es ja: aber aus die Beige darf mein Mann nicht mit seinem Schwindel." — Besucher: „Ra, i» den Alpen kennt ihn ja niemand." Aeri'higrnb. „He, Kutscher, durchs Wagendach laust ja das Wasser durch. Ist das immer so?" — „Nur, wann's regnet!" Ammer Musiker. Söhnchen: „Vater, das linke Ohr klingt mir." — Vater (Musikers: „In welcher Tonart?" Wo bleibt denn Vitilre? Silbenrälkel. Der erste durch sein muntres Treiben Erfreuet dich in See und Fluß. Von - und 3 mußt fern du bleiben. Wo nicht, so sollst du Hand und Fuß Zum Schutz vor ihrem Biß bedecken. Das Ganze ist des ersten Schrecken. A. B. Auchsiabenrätset. Dem mit dem B gehorche gern. Mit V dient er im Haus des verrn. Statt dessen stell' ein A voran. Dann ist's der Leser momentan. _ 3- Sam. Auslösungen aus voriger Nummer: des Buchstabenrätsels: Haar, Haag; — des Aenderungsrätsels: Adel, Adele; — des Figurenrätiels: Malta, Stube; — der lälsetdajien Inschrift: Ordnet man die einzelnen Zeilen nach der Anzahl der Buchstaben, welche jede Zeile umsaßt, so ergibt sich fol- genoei Spruch: „Solang es tropft, veisiegt es nicht." Aegweilerrjtlel. Man setze die Buchstaben AAA. DD, E, FF, G, HH, II, L, M, N NN, 00, RR, SS, v so in die Fel- der obiger Figur, daß die mehrfeld rigen wagerechten Reihen ergeben: 1. einen männlichen Vornamen, 2. einen Körperteil, 3. eine Stadt in Palasüna; die senkrechte Reihe ergibt eine griechische Stadt. Erwin Gugenhan. slawdruck unserer OrtgtnalarUrel wird gerl tztittz verfolgt. Druck von W. Koblbammer. Redaktion- Dr. E. Görlach in Stuttgart. Verlag der „Neuen Tageszeitung", Druckerei und Verla» A.-Ä. Jriedber». Hefte«.