rUr innrer 154 ene Ta ZnmstnA. den 4. Inli 1014. 7. Jalirgnne D.c ..Urne C«er-.-i»nns" c-!ch-mt jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer an» Hell-»«. ..Sie Spinnllubc". s..ngop»i»: Bei den PostanslaUen v>-.,elmi nli-b Mt ir, c -cn Agenten monatli« 50J3f 8 8in,u tritt Postgebühr -der Trägerlohn. Anzeigen- Grund,eile 20 Pf», lakale 15 Psg, Anzeigen von answärt-werden durch Pa',Nachnahme erhaben Erfüllungsort Friedberg. SchriNlritung und Verlag Friedberg , Segen,, Hanau-rsiraß- 12. Ferniprecher 43. Postscheck-Coato »Ir. 4859, Amt Stanifuri a. AI. Ileberftcht. — Bei einer Geländeübung des Marburger Jägcrbat- e - lloiiö beim Dorfe Kehna wurden 8 Soldaten vom Blitz- schlage gctrosskn. Vier von ihnen wurden in schwerkrankein Znjtande ins Hospital gebracht. — Gestern nachmittag gegen iy 2 Uhr brach in Kirch. w -.crdernord bei Hamburg bei einem Gemüsebauer ein Feuer vus, das sich bei der Dürre, dem Winde und dem Wasser- niangel sehr schnell ausbreitete. In zwei Stunden standen l.» bübäudc in Flammen und noch ist der Gewalt des FeuerS nicht Einhalt getan. — Ter Schuhmacher Starno Cermocorwitsch, bei dem m Serajewo die Boiilbcn und die Brownings des der Tat oerdackitigen Studenten Grabic gefunden wurden, ist verhas- tct worden. Cermocorwitsch ist der Schwager des Abgeord- ncten der Narodgruppe, namens Gaitsch. — Generaloberst Mcrizz, der beim Bombenattenat leicht verletzt wurde, liegt im Spital zu Serajewo am Sterben. — Ter Fliegerleutnant Spandaw ist gestern aus einer Höhe von 30 Meter abgestllrzt und heute morgen den dabei erlittenen Verletzungen erlegen. — Das Schloss Tyallymcnoch bei Holywood in der Gras, schalt Down wurde von Suffragetten in Brand gesteckt. Es wurde mit seine» »nersetzlichen Kunstschätzcn völlig eingc- äschert. Der Schaden soll sich auf mehr als 400000 M belaufen. — Ein Streik, der große Ausdehnung anzunchnien droht, ist gestern Nachmittag plötzlich ini Arsenal von Wolwich ausgebrochcn. Ein Arbeiter War wegen Jnsub- oidination entlasse» worden, worauf sich 600 Arbeiter mit ihm solidarisch erklärten und die Arbeit niederlcgten. Man befürchtet, daß der Streik auf die übrigen 10 000 im Hafen arbeitenden Personen übergreifcn wird. — Der Wiener „Neuen Freien Presse" wird aus Durazzo geineldct, daß infolge der kritischen Situation die Fürstin mit ihren Kindern Turazzo verlassen wird, um sich nach Rnmänirn zu begeben. — In der vergangenen Nacht kam es in Durazzo zu er- itrntcn Plünderungen und Exzessen. Diesmal waren Kosso- wolcute die Angreifer. Die angegriffenen Zigeuner und Kuzowallachcn fliehen. Major Sluhs hat die Verteidigung von Valona. Er hat 1000 Mann wohldisziplinierte Truppen und außerdem Geschütze verlangt. — Dem „Scvolo" wird aus Durazzo gemeldet, Jsmael Kcmnl habe dem Fürsten davon abgcratcn, Valona weiter z» verteidigen, da der Widerstand vergeblich sein werde. — Nach einer aus der Stadt Mexiko an der Newyorker Börse eingetroffenen Meldung hat der Minister des Aus- wärligcn bekannt gegeben, daß am Sonntag ein Nachfolger für Huerta gewählt werden soll. Die Wahl soll in dem iinter dein Einfluß Huertas stehenden Gebiets vorgenommen werden. Als einzige Kandidaten werden Lascourain und der General Velasquo genannt. Wo bleibt die Wanjernng? Wir haben in Deutschland eine unverbesserliche Sorte von Politikern, die an die Mauserung der Sozialdcnlokraten glauben oder ivenigstens zu glauben vorgeben. Sic suchen :s bei jeder Gelegenheit so hinzustcllcn, als wenn die Sozialdemokraten ihre revolutionäre Vergangenheit vergessen, ihre uinstürzlekischen Gewohnheiten abstreifen wollten und als radikale bürgerliche Politiker an dem Wähle des Vaterlandes Mitarbeiten wollten. Nun steht es ja in der Tat fest, die Noten in den, Rcvoluzzeln ein Heer gefunden haben, bamit aber soll bcilöibe nicht gesagt sein, daß die Sozialdemokratie das Prinzip der Revolution verlassen hätten. Die Herr- lchasten, die als Partei-, Gewcrkschafts- und Kassenbcainten ein reckt behagliches und sorgenfreies Leben führen und längst ihr Handwerkszeug in den Winkel geworfen haben, 'nid viel zu feige, selbst ihre feisten Bäuche ans Barrikaden len feindlichen Kugeln auszufctzen. Deshalb predigt nian Rebellion vom sicheren Horte des Nedaktionssessels aus b füttert die Masse mit revolutionären Phrasen. Daß die Sozialdemokratie ihr Wesen unverändert bei- ballen hat, geht aus ihrer ganzen Vcrhetzungsarbeit tag- bglich hervor und wird bei manchen Gelegenheiten mitunter grell unterstrichen. Interessant ist es auch, wie auf ui Parteitagen stets die radikale Nickckung die Oberhand ■ i lt und die Revisionisten sich regelmäßig kuschen. Der vvrdengcist, der bezeichnend für die rote „Kulturpartei", tritt anü> bei den Revisionisten in bewundernswerter Weise in Erscheinung. Wie ein wohldrcssierter Hund über den tcrgebaltrnen Stork springt ,so parieren all' die revisionistischen Geiste, ein Bernstein, ein David, ein Kolb und wie sie alle heißen, vor der Knute der Radikalen. In einigen süddeutschen Landtagen hatten die Roten für das Budget gestimmt: auf dem letzten Parteitage wurde ein strenges Gericht über diese Schwerverbrecher gehalten und der llkas beschlossen, daß g c g e n das Budget zu stimmen sei. Und siehe dere die ManncSscelen hören aus's Wort. In der lebten Woche haben im badischen Landtag, die Kolb und Genossen, wie ihnen befohlen, gegen das Budget gestimmt. Die vorerwähnten Politiker, die angeblich an die Mauserung der Roten glauben, sind natürlich ob dieses Verhaltens tief betrübt, so lamentiert die „Frankfurter Zeitung": „Eine unmittelbar sachliche Bedeutung hat die Budgetablehnung ja nicht, denn die Sozialdemokratie ist in diesem Falle zur Mchrheitsbildung nicht notwendig: die Be- deutung der Demonstration liegt aber darin, daß die Sozialdemokratie auf denr von ihr seinerzeit mit voller Ueberlcgung betretenen Wege der positiven Mitarbeit im und am Staate wieder ein Stück zurückgcworfen wird in die Negation. Und das ist das Unerfreuliche an der Sache, unerfreulich auch um deswillen, weil cS von den Gegnern einer frcihcitlickicn Entwickelung dazu ausgenützt wird, die Entwickelung zu politisch klaren Verhältnissen, wie sie in der Zusammenfassung aller fortschrittlichen Parteien liegen würde, zu erschweren." Die arme „Frankfurter Zeitung". Sie erinnert nur zu deutlich an die alte Henne, die vor Angst vergeht, wenn sic die ausgebrütctcn Entlein ini Wasser schwimmen sieht. Jolepls Chamberlain -j-. London, 3. Juli. Der frühere Staatssekretär für Kolonien Joseph Chamberlain ist gestern abend hier gestorben. Mit Joseph Chamberlain ist eine der markantesten Persönlichkeiten der englischen Politik aus der Zeit der Jahrhundertwende aus dem Leben geschieden. Wenn er auch seit Jahren infolge seiner gebrechlichen Gesundheit und seines hohen Alters — er ist 78 Jahre alt geworden — sich vom öffentlichen Leben mehr und mehr zurückgezogen hatte, so bc- saß er doch selbst heute noch als einer der bedeutendsten Männer der Unionisten-Partei einen gewissen Einfluß fiir Englands innere Politik und erst kürzlich wurde über eine große Wallfahrt von Anhängern der Unionisten zum Heime dieses greisen Führers berichtet. Seine hauptsächlichste Bedeutung lag aber auf dem Gebiete der äußeren Politik, und auf diesem Gebiete ist er auch in Deutschland zu einer gewissen Berühmtheit gelangt. In der Zeit der letzten deutsch- englischen Freundschaftsbestrebungen um die Jahrhundertwende herum war Chamberlain zuerst wohl diesen Bestrebungen nicht abgeneigt, während er später als einer der schlimm- sten Gegner Deutschlands bezeichnet wurde. Ob da§ zutreffend war, soll hier nicht erörtert werden. Die Mißstimmung gegen ihn in weiten Kreisen Deutschalnds entsprang jedenfalls wohl mehr dem Gedanken, daß Chamberlain als Staatssekretär für die Kolonien, welchen Posten er von 1895—1003 bekleidete, als Hauptträger der imperialistischen Politik, für den eigentlichen Urheber des Burcnkrigecs angesehen wurde. Bei den Sympathien, die in Deutschland für die Buren ge- hegt wurcdn, war cs nur allzu erklärlich, daß man in Joseph Chamberlain die Verkörperung ihrer Gegner erblickte und daß er so zeitweilig einer der unpopulärsten auswärtigen Staatsmänner in Deutschland wurde. Heute, nachdem Uber zehn Jahre seit jener Zeit verflossen sind, wird man dein nun Verstorbenen die Anerken- nung nicht versagen dürfen, daß er im Interesse seines Lan- des Großes erreicht hat und daß mit feinem Namen ein Stück englischer Geschichte verknüpft ist, die vielleicht in den Mitteln nicht immcrallzu wählerisch, in ihren Zielen aber uni so erfolgreicher war. Joseph Chamberlain wurde 1836 in Birmingham ge- baren, trat in das Geschäft seines Vaters ein, und Wurde, nachdem er 1874—1876 Mayor von Birmingham gewesen war, 1876 ins Unterhaus gewählt. Hier stand er zunächst auf Seiten der Liberalen und hat in Gladstones Regierung verschiedene wichtige Posten bekleidet. Wegen Glasstoncs Homerulepolitik trennte er sich indes 1886 von diesem und wurde eines der Häupter der Unionisten, deren Führung er 1892 nach der Berufung Hartingtons ins Oberhaus über- nah ni. J,n Ministerium Salysbury übernahm er 1895 das Kolon ialsekretariot, das er bis 1903 inne hatte. Seitdem hat sich Chamberlain wieder als Führer der Unionisten im Un- terhause mehr der inneren Politik zugewandt und galt als einer der entschiedensten Gegner von Homcrule. In den letzen Jahren wurde er durch ein schweres Augenleiden, das schließlich zu seiner völligen Erblindung füh-en sollte, zu größter Zurückgezogenheit gezwungen. Cagesnberftcht. Icntlches 1!cick. :: Der Prozeß gegen Frau Dr. Rosa Luxemburg vertagt. Der seit dem 2g. Juni vor der 4. Strafkammer des Landgerichts Berlin II verhandelte Prozeß gegen Frau Dr. Rosa Luxemburg wegen Beleidigung des preußischen Offiziers- und Untcr- osjizicrskorps ist in der gestrige» Dormittagssitzung, wie zu erwarten war. der Vertagung anhcimgeiallcn. Nach längerer Erörterung zwischen Verteidigung und Staatsanwalt bcan lragte der Staatsanwalt die Vertagung auf unbestimmte Zeit, der den Gerichtshof zuftimmte. Der Verteidiger, Rechtsanwalt -Li. Kurt Rosenfeld, protestierte naincns der Verteidigung gegen eine etwaige Absicht, daß die Anklagcsälle vor da- Kriegsgcricht gezogen und dadurch eine Verschiebung des Vc. weisthemas und eine Beeinträchtigung der Verteidigung de: Angeklagten verursacht würde. Belgien. :: Streik in, belgischen Kohlcngebiet. Die Krise in der bei gischen Kohlcnindustrie hat einen parzicllcn Streik der Bergleute hervorgerufen. Infolge des schlechten Gcschästsganger- hattcn die Zcchengescllschastcn die Arbeitslöhne im ganzen Lande um 10 Prozent hcruntcrgefctzt. Die Arbeiter, die in den meisten Betrieben nur 4—5 Tage in der Woche ücschäjtigt wn rcn, haben zum Teil die lliründe der Direktion gelten lassen und gestern sollte der neue Tarif in Kraft treten. Aber in Borinagc »nd in mehreren Zechen um Eharleroi haben die Bcrglcule gestern einen Streik begonnen, um ihre alten Tarife wieder zu erlangen. Frankreich. :: Das Tragen von Zivilklcidern. Die Bestimmung, daß die französische» Ofsizicre von 5 Ilhr nachmittags ab Zivilllei düng tragen dürfen, tst gestern durch eine weitere Berfügun - des Kriegsministeriums erweitert worden. Danach diirscn di, Ofsizicre zu jeder Tageostuiidc, ausgenommen, wenn sic sich im Dienst befinden, Zivilkleidcr trogen. Rur die Hanptlcute »nd die Feldwebel müssen ständig Uniform tragen. Innerhalb der Kaserne ist das Tragen von Zivilklcidern formell unter sagt. Außerdem hat der Platzkoiuniandant in gewissen Fällen die Erlaubnis, allen unterstellten Offizieren ganz oder tei! weise das Tragen von Zivilkleidung zu untersagen. Er muß zcdoch dem Korpskommandante» ron einer evtl, derartigen Maßregel Kenntnis geben. Auch verheiratete llntcroffizierl dürfen unter bestiminte» Bedingungen Ziviltleidnng tragen. Rußland. :: Gärung in der russischen Arbeiterschaft. In letzter Zelt sind Anzeichen dasür zutage getreten, daß die politische Arbeiterbewegung sich verstärkt. Nachdem dieser Tage in Petersburg Arbeiter zu Hunderte» uerhastet worden sind, begann eine verstärkte geheime Beobachtung der Arbeiterschaft in den polnischen Städten. In Pabianiae wurden drei gefährliche Revolutionäre, bei denen die Untersuchung Flugschriften und kopipromittierendc Bricsschafien zutage förderte, verhaftet. Die Gärung unter den ausständischcn Arbeitern in Baku sindet einen Widerhall in der ganzen russischen Arbeiterschaft. Vom Balkan. :: Die Lage in Albanien. Die Lage in Durazzo ist zunächst unverändert. Der Fürst hosst von der Ankunst der Freiwilligen, daß er mit deren Hülse Ordnung im Lande schassen könne. Don Prent Bib Doda hört man, daß er wieder im Vorrüikcn begriffe» sei, nachdem er seine Beute in Sicherheit gebracht habe. Es scheint also bei diesem edlen Albanier mehr um das Rauben als um was anderes za gehen. Auch die Miriditc» in der Umgebung des Fürsten sollen unzufrieden sein, da sic leine Gelegenheit zum Veutcinachen hatten, was bei ihnen die Haupt sache ist. :: Zwistigkeiten unter den Ausständische». Rach in Durazzo ciiigctrosfcnen Meldungen ist cs im Lager der Aufständischen zwischen de» verschiedenen Stämme» zu großen Meinungsdisse- renze» gekommen, die schließlich zu einer gegenseitigen Vc- kämpsnng führten, wobei zahlreiche Aufständische getötet wurden und ei» Teil von ihnen in ihre Dörfer zurückkehrten. — Prent Bib Doda und mehrere andere albanische Führer haben dem Fürsten »cuerdings ihre Dienste »»geboten, verlangen jedoch größere Summen Geldes, um ihre Leute bezahlen zu können. :: Türkei und die albanische Frage. Der „Tanin" veröffentlicht einen höchst pessimistischen Artikel über die Lage in Albanien und meint, daß eine Ruhe in Albanien nur dann cinircteii wird, wenn der Prinz von Wied nach dorthin zurück- gcsandt wird, von wo er gekominen ist. Das Blatt drückt da» Bedauern aus, daß man in Lcsterrcich-llngarn über de» richtigen Sachverhalt der Dinge in Albanien leine Rechenschaft abgcben will. Mexiko. :: Befriedigender Abschluß der V-rmittlungsakti-n in Niagara Falls. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Die Einigung zwischen den Unterhändlern Huertas, der Vermittlungsstaaten, der Vereinigten Staaten von Nordamerika in Niagara Falls ist gelungen. Am 1. Juli wurden die Bevollmächtigten Huertas zur Unterzeichnung des Friedensschlusses crmächiigt. Sowohl über den Abschluß des Friedens, wie auch über seine» Inhalt, herrscht nach den aus Südamerika vorliegenden Meldungen, in Mexiko wie hei den Vermittlungsstaa- tcn Bcsriedigung und nuch in den politischen Kreisen Europas wird es begrüßt, daß unter Mitwirkung der führ »den Staaten Südameritas die langjährigen Streitigkeiten zu einem Abschluß gelangt sind, der eine weitere friedliche Entwirrung der Lage in Mexiko zu gewährleisten scheint. Auch in der Union wird man es als einen Erfolg der amerikanisch vt Politik «»sehen können, daß der Hanptwunsch der amcril n sichen Staaten, nämlich das Ausscheiden Huertas, als gesichert ^ilt. Dir. 1»« Seite 2. Ter Verzicht bet Vereinigten Staaten auf ein« «riegrentschä- ölgung, überhaupt auf Geltendmachung von Genugtuungssor- errungen, fcheint den Abschluß wesentlich erleichtert zu haben. Zirr die Befriedigung der Enlfchädigungssorderungcn von Aus- iöndern fall im Fliedensprotokoll Vorkehrung getroffen fein. Hoffentlich gelingt es. die in Niagara Falls vereinbarten Benennungen fo durchzufuhren. daß eine Gesundung der Vcrhäll- i: ijfc herbeigefühlt wird, an der vor allem den dort intereffier- tea Ausländern gelegen fein muffe. ZnrGrmordnngdesostkrreichijchen Thronfolgrrpnarcs. Einsegnung der Leiche. 3 » der Pfarrkirche in der Hofburg zu Wien fand gestern nachmittag 4 Uhr die Leichenfeier für den ermordeten (rcfcci Franz Ferdinand und seiner Gemahlin statt. Ter N,ordinal Fiirftbifchof Pfiffl nahm die feierliche Einsegnung der sterblichen Ueberresie vor. Die Familienangehörigen des Kaisers Franz Josefs, sämtliche Erzherzoge und Erzherzoginnen und Ser Hofstaat, der Minister und die Botschafter der fremden Mächte wohnten der Feier bei. Auf den Straßen bis zur Hofburg bildete eine dichtgedrängte Menge Spalier und bereitete namentlich dem greifen Kaiser Franz Joses stürmische Ovaiio- »e„. Die Leichen des Erzherzogs und der Erzherzogin wurden «orgestern abend 10,40 Uhr nach Groß Pöchlarn überfährt und wurden mit Fähre um 2 Uhr nachts über die Dona» nach Ar- stetten gebracht und dort in der Pfarrkirche anfgebahrt. Am Samsiag vormittag treffen der Thronfolger Erzherzog Karl Franz Jofef nebst Gemahlin in Arstetien ein. Nach der Ei!» jegnung findet die Beisetzung in der Erust^zu Arsietten statt. Demonstratio» in Wien. Große Demonstrationen fanden gestern nachmittag im 4. Wiener Bezirk, in dem sich die ferbifche Gesandtschaft befindet statt und dauerten noch gegen Mitternacht fort. Immer wieder ve-fuchte die Menge in die Straße der serbischen Gesandtschaft emzudringen, immer wieder mutzte die Polizei eingre> fcn, um die Menge zurückzulreiben. Um lg Uhr abends fain- melten sich mehrere Taufend unter Führung von Studenten vor dem Radetzky-Denkmal gegenüber dem Kriegsministerium. Ein Student hielt von den Stufen des Denkmals eine Rede, indem er mit aller Entschiedenheit ein Vorgehen gegen die Slawen forderte. Es wurde wiederholt die Nationalhymne und die „Wacht am Rhein" gefangen. Die Polizei lictz die Denionstranten gewahren. Im Anschluß an die ferbenfeindlichen Demonstrationen der heutigen Nacht kam es auch zu Kundgebungen vor der deutschen Botschaft. Die Menge sang dort die „Wacht am Rhein" und rief: „Hoch Kaiser Wilhelm, unser erlauchter Verbündeter, nieder mit Serbien!" Die rasch herbeigeeilte Wache zerstreute die Demonstranten. — An der Börse verbreitete stch gestern Mittag das Gerücht, daß auf die österreichische Gesandtschaft in Belgrad ein Bombcnattentat verübt worden sei. Ein Tendenzmanöver scheint ausgeschlossen zu sein, da keine Börse ist. Im auswärtigen Amt ist jedoch nichts davon bekannt, auch sonst liegt keinerlei Bestätigung dieser Gerüchte vor. Eine Erklärung der Wiener Polizeidirektion. Die Wiener Polizeidirektion gibt bekannt: Die in einem gestrigen Morgenblatte zur Erklärung des Fernbleibens des deutschen Kaisers gebrachte Notiz, daß der Polizeipräsident erklärt haben soll, er könne nicht für die Ruhe in Wien garantieren, entspricht selbstverständlich nicht den Tatsachen. Richtig ist vielmehr, daß für die Aufrechterhaliung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit anläßlich der Trauerfeierlichkeiten und der geplant gewesenen Ankunft des deutschen Kaisers von der Polizeidirektion alle Vorkehrungen im weitesten Maße getrof- fen waren und kein Grund zu Besorgniffen Vorgelegen hatte. Die Unterste hung. Wie verlautet, hat die Untersuchung bisher mit Bestimmtheit ergeben, daß zehn Personen mit dem direkten Vorsatz, den Thronfolger zu töten, auf den Straßen Aufstellung nahmen, fechs befinden stch bereits in den Händen der Polizei. Die Bomben waren in Tuzla, später in Hadschitfchi verborgen: sie wurden am Tage des Attentats in früher Morgenstunde von Prineip nach Sarajewo gebracht und in einem dortigen Cafe rn die Verfchworenen verteilt. Der Student Krabefch hatte rch beim Rathaus aufgestellt, entfernte stch jedoch, nachdem er die erste Bombe hatte explodieren hören. Ein anderer Verschworener namens Flitsch, der in der Nähe des Museums postiert war, warf feine Bombe, nachdem er vom Gelingen des Aiteulats gehört hatte, in ein Klofett. Ei» »euer Zeuge in der Affäre Sarajewo. Wie „Az Cst" meldet, hat stch bei der Budapester Polizei- hduplmannfchaft ein serb.-kroatischer Student namens Groak gestellt, der aussagte, daß er von dem Attentat und seine Dor- b.ueitung genaue Kenntnis habe und von wem dieser Plan ausge I. Die Aussagen wurden zu Protokoll genommen und umfaßen ein Aktenstück von 21 Seiten. Aus den gemachten Mitteilungen geht hervor, daß die Verschwörer in Belgrad zu suchen sind. Die Mitglieder dieser Organisation sind serbische Oisiziere, Kaufleute, Advokaten und Mitglieder der Skupt- ichina.^ Obwohl die Budapester Polizei den Aussagen noch stepiisch gegeniiberstehi, so wurde trotzdem das Protokoll dem Minister des Innern vorgelegt. Strenge Eensur. Wegen verschiedener Indiskretionen, die ouf den Gang der llnicrfuchunz eingewirkt hätten, wurde gestern von den Behörden die strengste Cenfur aller die Untersuchung beiresfendei, Raiyrichlen «ngeordnet und die Uebermililung derartiger Nachrichten durch Telephon oder Telegraph überhaupt verboten. Huldigung Hie den Kaiser. Rcflern morgen um 7h Uhr fuhr der Kaiser lm offenen Wage» von Schloß Schünbrunn »och der Hofburg. Er fah totenbleich und tief ernst aus. Das Publikum bereitete ihm begeisterte Kundgebungen. Auf dem ganzen Wege ertönten braufende Hochrufe und wurden Hüte und Tücher aelckwenlt. -ieue Tageszeitung. Samaras, den 4. J»lt 1914 Der Kaiser dankte unablässig, in dem er die Hand an die Osst- zierslappe legte, ,z-,. -> " ' Minschl i>er Vtttichlen Landwirte. Seit Jahren hat sich unsere Vereinigung lediglich eifriger öffentlicher Tätigkeit gewidmet, es ist deshalb schon öfters aus Kreisen unserer Mitglieder der Wunsch geäußert worden, wieder einmal nach ernster Arbeit einen fröhlichen Tag im Kreise der gleichgesinnten Standesgenosfen zu veranstalten. Der Vorstand hat diesem Wnnfehe Rechnung getragen, er hat jedoch beschlossen, von einem Bereinsfeste abznsehen, dagegen rine gem iMchnMiche Rheinftthrt in Vorschlag zu bringen, Don Frankfurt soll ein Ertrazug, der nur in Höchst a. M. hält, die Teilnahmer nach Mainz bringen und ein Dampfer die Festgäste den Rhein hinunter bis zur Loreley führen. Eine Musikkapelle soll die Fahrt verschönern, Ansprachen die Stimmung erhöhen und am Abend soll eine Zusammenkunft in Mainz mit anschließendem Tanz den Tag beenden. Als der Tag dieser Fahrt war der Sonntag, am 19, Juli in Aussicht genommen. Leider hat uns die Tompfschiffahrt- Gesellschaft, mitgeteilt, daß im Sommer an Sonntagen keine Dampfer vermietet werden. So konimt in den Vor- schlag, den Ausflug NM ZKMsttttz den 18. IttU stattfinden zu lassen. Wenn auch ein Wochentag eben gerade nicht besonders passend erscheint, so fällt der Tag doch noch vor der eigentlichen Ernte und wir meinen, daß sich der Landwirt, bevor die schwere Arbeit beginnt, auch noch einmal einen Tag der Freude im Kreise der Seinen gönnen kann. Die Abfahrt ab Frankfurt müßte früh morgens erfolgen. Die genaue Zeit wird noch bekannt gegeben. Die Rückreise von Mainz erfolgt etwa um Ist tthr abends. Die Eisenbahnfahrt von Frankfurt bis Mainz und zurück und die Dampferfahrt würde zusammen ans etwa 9.50 Jl zu stehen kommen, also etwa die Hälfte des gewöhnlichen Fahrpreises. (Kinder haben keine Ermäßigung!) Das Essen auf dem Dampfer wird etwa 1,50—2,00 Jl kosten. Ilm die Veranstaltung gelingen zu lassen, ist die ktünllhme m iiiindtllkns 300 Pkrioilen notwendig. Erst wenn diese fest angemeldet sind, kann der Extrazug bestellt tind der Dampfer gemietet werden. Wir haben deshalb an die Vertrauensmänner ein Rundschreiben gerichtet, wonach sie uns die feste Zahl der Mitglieder und ihrer Familienangehörigen, die sich an der Rheinfahrt beteiligen wollen, bis längstens Mittwoch, den 8. Juli, nntteilen wollen. Die Anmeldung ist bindend. Wir richten an unsere Mitglieder die Bitte, sich in stattlicher Zahl an der geplanten Veranstaltung zu beteiligen und die Anmeldung bei dem Vorsitzenden der Ortsgruppe recht zahlreich besorgen zu wollen. Die Vertrauensmänner bitten wir, die Anmeldung unveizüglich an Herrn Adolf Hensel in Dortelweil gelangen zu lassen. Aljo hoffentlich auf Wederjehtli am 18. Juli- Ans der Heimat. * Friedbcrg, 4. Juli, Der Sohn des hiesigen Hofbäckermei- sters Engel kam heute Nacht gegen 12 Uhr mit feinem Fuhrwerk von auswärts zurück. Bor dem netten Bahnhof stürzte fein Pferd plötzlich hin und war nach einigen Augenblicken tot. Ob das Pferd durch den elettttfchen Strom getötet worden ift, oder ob es durch den Sturz das Genick gebrochen hat, konnte »och nicht festgestellt werden. Soviel wurde festgestellt, daß quer über die Straße ein Draht lag, der mit der elettzcifchen Leitung in Berührung stand. Als das Pferd an diesen herankam, kam es zu Fall und verendete. * Friedberg, 4. Juli. Gestern Abend zwischen 5 und 6 Uhr stürzte am neuen Bahnhof infolge der tropischen Hitze ein hiesiger Schneidermeister plötzlich zu Boden. Er wurde in den Garten des hiesigen Bahnhofwirtes Schweinsberg verbracht und erholte sich dort wieder nach einiger Zeit. — Des Abends zog ein schweres Gewitter über unsere Gegend hin. Wollen- bruchattiger Regen strömte nieder und richtete in den Feldern und hauptsächlich in den Gärten ganz erheblichen Schaden an. * Friedberg, 4. Juli. Aus die Eingabe, welche die Handelskammer Friedberg im Aufttage mehrerer Firmen betr. Anschluß des Großh. Steneraints Friedberg an das Fernsprechnetz dem Großhcrzogl. Ministerium der Finanzen, Abteilung für Steuerwesen unterbreitete, ist durch das beauftragte Haupfsteneramt Gießen der Bescheid übermittelt worden, daß das Steueramt Friedberg in den nächsten Wochen an das öffentliche Fernsprechnetz angefchlossen wird. * Friedberg, 4. Juli. Herr Gartcuinspektor John wird im Lause dieses Monats in »achverzeichneten Orten des Kreises Friedberg Vorträge über Obst- und Gartenbau, ver- stunden mit praktischen Unterweisungen, halten, wozu die Mitglieder, sowie sonsttge Freunde des Obst- und Gartenbaues hiermit freundlichft eingeladen jperden. Samstag, den 4 Juli, inKirch-Göns, Mittwoch, den 8. Juli, in H a r - brim, Sonntag, den 12, Juli, in Steinfurth, Sonn- tag, den 19, Juli, in Helden bergen, Samstag, den 25. Juli, in Rodheim v. d. H. In Steinfurth und Helden- tergen findet jeweils Gratisverlosung von Obstbäumen für die anwesenden Mitglieder statt und zwar: in Steinfurth für die Mitglieder der Ortsgruppen Steinfurth, Oppers- hosen, Rockenberg. Rödgen und Wisselsehim: in Heldcuber- gcn für Heldenbergen, Büdesheim und Kaichen. Nähere Mitteilungen gehen den Herren Bürgermeistern und Vorsitzenden bezw. Obniänncrn zu. " Friedbcrg, 4, Juli. Das Fahren mit Lastfuhrwerken anv Kraftfahrzeugen aller Art, sowie das Treiben und Führen von Vieh auf der neuerbauten Kreisstraße Friedberg—Bad-Nauheim (Strecke Burgberg Friedberg bis Easfabrik Bad-Nau heim) ist für diejenigen Personen, die diese Strecke nicht be nutzen müffen, um zu ihren dort gelegenen Grundstücken zu gelangen, verboten. * Bad-Nauheim, 4. Juli. Kommende Woche ist täglich vormittags 7 Uhr Frühlonzert in der Trinkknranlage. Sonntag, den s, Juli, nachm, von 4—C Uhr und abends van B -10 Uhr findet auf der Terrasse Konzert der Kurtapclle statt. Abcicks 8 Uhr im Kurhausfaale Theater: „Die spanische Fliege", Schwant in 3 Akten von Franz Arnold und Ernst Bach. Mon- tag, den 8. Juli, nachm, von VA —6 Uhr und abends von 8—10 Uhr ist auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Das Nach- mittagslonzert steht unter der Leitung des Kgl. Prof. Hans Winderstein. Abends 8 Uhr im Kurhausfaale Theater: „Der fidelc Bauer", Operette in 3 Akten von Leo Fall. * Bildet, 4. Juli. Durch Ecmcinderatsbefchluß wurde in Bilbel eine Filialsteucr eingeführt. Die Steuersätze betragen 1 Prozent bei einem Umsatz bis 30 000 Mt., 1,3 Prozent bet einem Umsatz von 30—100 000 Mark, 2 Prozent bei einem Umsatz von 100—200 000 Mk, und 2,3 Prozent bei einem Umsatz von mehr als 200000 Mark. * Utphe, 4. Juli. Ein Radfahrer aus Hungen begegnete dieser Tage einem hiesigen Landwirte, der mit einem Erntewagen in das Feld fuhr und von feinem Hunde begleitet wurde. Als der Radler dem Fuhrwerke ausweichcn wollte, sprang der Hund in das Rad und blieb im Vordcrrade hängen, wobei er den Radler zu Fall brachte. Während der schwere Erntewagen das Rad überfuhr, konnte sich der Radfahrer retten, * Büdingen, 4. Juli. Der 28jährige Weißbindcr Wilhelm Henrich aus dem nahen Hainchen hat sich am Donnerstag im Frantjurter Stadtwald erschaffen. * Frankfurt a. 3)1., 4. Juli. Bei einem ehelichen Streit brachte der Gastwirt Fay in der Rödelheimer Landstraße seiner Frau lebensgefährliche Stiche in die Brust bei. Die Frau kam ins Kraule,ihaus, * Frankfurt a. M„ 4. Juli. Das von der Frankfurter Künstlerfchaft zum Besten eines Künstlcr-Penfionsfonds veranstaltete glanzvolle Künstlerfest „Von Anno Dazumal" in der Festhalle brachte den hohen Reinertrag von 64 386 Mark. Im Hinblick aus die gewaltigen Unkosten, die das Fest verschlang, muß der finanzielle Erfolg als ein ungewöhnlicher bezeichnet werden. * Frankfurt ft. M., 4. Jul!. Im Albert Schumann-Theater gelangt am Sonntag, den 3, d. M. abends 8 Uhr bei kleinen Preisen die neue Eesangspoffe „Die wilde Katze" zur Aufführung, über deren erfolgreiche Premiere am 1, d. M. bereits berichtet wurde. Wegen der großen Hitze fei darauf hingewiesen, daß der Aufenthalt tn dem bestens venttlierten Theater ein sehr angenehmer ist, * Frankfurt a. M., 4. Juli, Ein Beamter der hiesigen Bieh- marttsbank unterschlug einen Scheck über 1772 Mark und bezahlte damit Schulden, die er bei Rennwetten gemacht hatte. Obwohl die Schuldsumme sofort von den Verwandten des jungen Mannes gedeckt wurde, kam dieser trotzdem in Hast. Aus dem Kreise Hanau. * Enkheim ,4. Juli. Leim Anfachen des Herdfeuers benutzte die Frau des Arbeiters Höfler Pettoleum, Die Kann.« explodierte. Durch di« Flammen erlitt die Frau am ganzen Leibe schwere Brandwunden, die eine sofortige Uebersührung in das Hanauer Krankenhaus bedingten. * r. Hanau, 4. Juli. Die Stadt Hanau, die Stadt der Gold- und Edelfchmiedekunst, wird in nächster Zeit Kaiset Wilhelm I. ein Denkmal setzen. Zur Versügung stehen etwa 90 000 c/K. lieber die Form des Denkmals konnte man bisher zu keinem Entschluß kommen, in dem Denkinalsausschufse hatte man das Gefühl, daß Hanau, die Stadt, in der so viel künstlerische Arbeit geleistet wird, nicht ein Schabloncndenk- mal Hinsehen könne, ein Denkmal, wie es in vielen Städten und Städtchen angettosfen wird. Professor Hugo Leven, Direktor der König!. Zeichenakademie in Hanau, hat nun in einer der letzten Sitzungen der Denkmalskommission den Antrag eingebracht, die Frage zu erwägen, ob es nicht möglich sei, den alten Kaiser Wilhelm I. durch die Stadt Hauau dadurch zu ehren,daß man ihm ein Monnmcut errichte, das gleich den herrlichen Kimstdenkmälern in Nürnberg, Würz- burg und Mainz allegorisch aufgeführt, ein ausgesprochenes Denkmal der Goldschmiedekunst sein könne. Diese Idee, vom Dcnkmalsansschusse sympathisch ausgenommen, ist von Prof. Leven auch in einem den Mitgliedern der städtischen Körperschaften gehaltenen Dortrage noch erläutert worden, sodaß in diesem Sinne in nächster Zeit ein Preisausschreiben zur Er- langtmg von Entwürfen an die deutschen Bildhauer ergehen wird. ’ ' Hessen-Nassau. * Sossenheim, 4. Juli. Auf die nochmalige Vorstellung des Bürgermeisteranrts bei der Königl. Eisenbahndirektion ivegen Erbauung eines Wartesaales 2. Klasse hat diese den Bescheid erteilt, daß nach deni ministeriell genehmigten Entwurf Mittel dafür nicht zur Versügung ständen. Ein dringendes Vedürsnis für eine solche Einrichtung sei z. Zt. auch noch nicht anzuerkennem * Hosheim, 4. Juli. In den Wiesen und Acckern stehen hier noch vielfach Pflöcke von der Konsolidation her und es ist daher jetzt beim Mähen besondere Vorsicht geboten, wenn nicht die Sense oder die Mähmaschine Sckiadcn leiden soll. Um sich gegen solchen Schaden zu schütze», hatte gestern t .v Landwirt I. Theis von hier sein 7jöhriges Töchtercheu mit e.uf den Acker genommen, welches die Pfühle suchen half und dabei stehen blieb, wenn cs einen gefunden hatte. Bein Näherkommen der Maschine lief dann das Kind weg. Nun tarn aber das Kind einmal zu Fall, und obwohl der Vater Sofort die Maschine zum Stillstand brachte, so erreichte diese doch noch das eine Bein des Mädchens, dem die Wade durch geschnitten wurde Nr. 154 Re»« ©omwog. Ms «. 3M| 1914. Seite 3. • Eschborn, 4. Juli. Am L Juli trat Herr Lehrer Schäfer aus dem Schuldienste aus und hat sich in den Ruhe- stand begeben-, er war hier 9 Jahre als Lehrer tätig und hat sich während dieser Zeit die Sympathie seiner Kollegen und der hiesigen Einwohnerschaft erworben. An seine Stelle ist Herr Lehrer Hahn aus Caub gewählt worden. Ein weiterer Wechsel in hiesiger Lehrerschaft wird am 1. Oktober d. Js. stattsindcn, denn auch Herr Hauptlehrer Dietrich will sich pensionieren lassen. • Hotheim i. T., 1. Juli. Aus einer Wiese geriet die Tochter eines Landwirtes vor die Mähmaschine, deren Messer dem Mädchen die Wade durchschnitten. • Riedeercisenbcrg, 3. Juli. Im Frankfurter Krankenhaus starb am Sonntag ein junger verheirateter Mann von hier an den Folgen einer Operation. Aus Wunsch der Angehörigen wurde die Leiche zum Begräbnis »ach hier gebracht. Als man vorgestern kurz vor der Beisetzung den Sarg noch einmal öffnete, lag in demselben die Leiche eines alten Mannes. Sofortige Ansragen in Frankfurt ergaben, datz man dort die Särge verwechselt und di« Leiche de» hiestgeu jungen Ranne» nach Klingenberg a. M. geschickt hatte, während der nach Klingen, terg bestimmte Sarg »ach hier gekommen war. * Aus dem Taunus, 4. Zult. Die vor mehreren Wochen abgebrannten Kaffecbuden auf dem Fuchstanz werden von den Pächtern wieder aufgebaut, und zwar nicht mehr als Blockhüt. ten, sondern in fester massiver Form. Der Bau- und Pachtvertrag soll mit der zuständigen Gemeinde Schwalbach auf Lll Jahre abgeschlosicn werden. * Hattersheim. 3. Juli. Die rücksichtslose Art, mit der viele Kraftwagen ans der starkbcnutzten Automobilstratze Frankfurt- Wiesbaden den hiesigen Ort durchsausen, hat naturgcmätz zu strengen Ecgenmatzregcln der Eemeindcverwaltung gesührt. Jede Ucberschreitung der vorgeschrieicnen Fahrgeschwindigkeit wird mit Recht rücksichtslos bestrast. Die Eemeindekasie konnte infolgedessen im letzten Jahre etwa 2000 Mark Strafgelder für zu schnelles Fahren im Orte verbuchen. * F. C. Wiesbaden, 4. Juli. Der Landeshauptmann in Nassau, Krekel, Hot sich zur Teilnahme an der unter dem Vorsitze des Landeshauptmanns in Nassau, Riedesel Freiherr zu Eijenbach, vom 2. bis 4. Juli in Posen tagenden Konferenz der Landeshauptleute und -Direktoren begeben. Die interessante Frage auf dieser Tagung wird die bilden, ob und wie die Antomobilbesitzcr zu den Straßenbeitragsleistungen her- angezogcn werden können. Frankfurter Wetterbericht. Voraussage: Wolkig, zeitweise Niederschläge, leine Temperaturveränderung, südwestliche Winde. Verantwortlich für den politischen Teil: Otto Hirsche! Fricdberg: für den lokalen und unterhaltenden Teil Bernhard Lenz, Friedberg: für den Anzeigenteil: Kar! Schmidt, Friedbcrg. Druck und Verlag der „Neuen Tage? zeitung", A.-G., Friedberg i. H. meinen Total-Ausverkauf in Sciiuhwaren Sie finden immer noch etwas Passendes bei enorm billigen Preisen und besten Qualitäten. Sclmhlmus Ans. Nculiof, *£»’ 'ü Ziegrnmarkt des Kreisziegcnzuchtoereins Büdingen am Samstag, den 11. Juli in VS" Echzell. "HW Beginn des Auftriebs um 8 Uhr vormitttags. Konzert des Musikvereins Echzell. Der Marktvorstand. Pur die Reise! 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Juli, abends 8 1 /, 1 haben sich sämtliche den Abteilungen 1 einschließlich 10 zugeteilten Mannschaften Friedberg am Eerätehaus und Donnersto den S. Luli, abends 8 1 /, Uhr sämtliche W Abteilungen 11 bis 15 zugeteilten Mannschaften am Eerätehaus in Fauerbach pünktlich einzufinden. Armbinde ist anzulegen. Bei Fehlen erfolgt Bestrafung nach § 368 des Reichsstrafgesetzbuches. Die Führer und Unterführer der freiwilligen Feuerwehr werden ersucht, eine Viertelstunde vor den anbc- raumten Uebungen anwesend zu sein. Der Bürgermeister. Festkleider ».Blusen sind wieder frisch in enormer Auswahl zu tmtzerordentlich billigen Preisen eingetroffen im Frankfurter Blusenhau JFrietSbers i. H. Kalserstrasse 77 , -Nr. 154 --PW» Sltue Tageszeitung. Samstag, Den 4. Juli 1914 Sette 4 . ii 95 Pfennig-Artikel 95 ^ sind bei uns zu jeder Zeit in enorm großer Auswahl in allen Abteilungen zu haben. Warenhaus Geschwister Wegen Umbau verkaufe ich mein gut sortiertes Lager in Stroh- u. 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Dieses ist ein wesentlicher Bestandteil der beiden unserer Kirche zu Grund« liegenden Bekcnntnislalechisme». Im kleinen Ka- techir aus Luthers ist der 2. Artikel geradezu der Herz- und Lebenspunkt des Ganzen. Schon aus diesen Gründen gehört :a- Apostolikum zum unvcräuhcrlichcn Bckenntnisjtand unserer Kirche. Wir können und dürfen es weder im Katechismus uni i n Kirchenbuch freigeben, b. h ins Belieben des einzel- Pfarrers oder der einzelnen Gemeinde stellen, ob es im Nnlerricht und im Goitesdicnst, bczw. bei Taufe und Konsir- !■ ation, gebraucht oder umgangen werden will. Schon recht- i ch betrachtet wäre dies ganz ohne Frage eine Aenderung lr-io. Preisgabe des Bclenntnisstandes unserer Kirche. Wir können aber auch aus sachlichen Gründen das Aposto- litnm nicht freigeben. Denn es ist wirklich so, wie Hermann Cremer sagt: „Die Frage um das Apostolikum ist die Frage uni die Gottheit Christi."-) Der 2. Artikel ist der Nero des aanze» Bekenntnisses. Ilnd der Nero des 2. Artikels hinwieder ist das, was Luther so unllbertresslich aussührt: Jesus Christus, wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch un'hrhatfiger Mensch, von der Jungfrau Maria geboren, ist ti:ci ii Herr, der mich verlorene» Menschen erlöst hat, erworben > i.o gewonnen, aus das, ich sein eigen sei. — Daran hängt nicht allein de: 3., sondern auch der 1. Artikel. Dadurch, das; die Entstehung des apostolischen Bekenntnis- ziemlich in Dunkel gehüllt ist, ist seinem Werte sür UNS gar '.ichts genommen. Soviel ist auf dem ersten Blick klar, daß sein Inhalt durchaus biblisch ist. Seine Entstehung ist von dem bedeutendsten gegenwärtigen Apostolikumssorscher, Pros. Kat- In'.uijch, bereits in das Jahr IM gesetzt worden. Das ist also 2)1311 in großer Nahe des apostolischen Zeitalters. Und das alt- i wische Bekenntnis aus dem Jahre IM ist, aus den Inhalt gesehen, fast schon ganz unser heutiges Apostolikum. Es lautet! „Ich glaube an Gott den Vater, den Allwaltenden. Und an Iesuut Christum, seinen Sohn, unsern alleinigen Herrn, der boten ist aus heiligem Geist und Maria der Jungfrau, unter Pontius Pilatus gekreuzigt worden ist und begraben, am drit- \t. Tage auferstanden ist von den Toten, aufgestiegen ist in den '> Cremer: Zum Kamps um das Apostolikum. S. 40. Simmel, sitzend zur Rechten des Vaters, von wo er kommen wird, zu richten Lebende und Tote. Und an einen heiligen Geist, eine heilige Kirche, Sündenvergebung, Fleischesauserstehung." Man hat das alte Toufbekenntnis sachentfprechend einem vielästigen Baum von derselben Art und aus einer Wurzel verglichen. Auch unser heutige« Apostolikum ist ein Ast an diesem Baum. Und dieser Ast gewann eben seit dem 8. Jahrhundert als die damals in Rom gebraucht« Formel allmählich die Alleinherrschaft im Abendland«. Diese Erkenntnis ist für uns von grotzer Bedeutung. Wir sehen daraus folgendes: 1. Das Apostolikum als Ganzes ist viel älter als unsere heutige Form desselben. 2. Die Behauptung ist irrig, das Apostolikum sei nicht das Erundbekenntnis der ganzen Christenheit, weil die griechische Kirche es nicht habe) denn das in der griechischen Kirche eingebürgerte Nizaeno-Konstantinopoiitinum ist auch nur eine etwas erweiterte Apostolikumssorm. Wer das Rizaeno-Kon- stantinopolitanum bekennt, der bekennt damit eo ipso auch das Apostolikum. 3. Es ist für die verlangte Freigabe des Apostolikums nichts mit dem Argumente, datz auch in den ersten Jahrhunderten der Kirche die Tausbekenntniste nicht überall ganz gleichlautend gewesen seien. Denn einmal waren jene sämtlich Aeste am gleichen Stamme, nur „Varianten des (schon seit dem Jahre ICK) vorhandenen) alten römischen Taufbekenntnisscs", wie selbst der liberale Eoetz in seinem Religionsgesch. Volksbuch zugibt. Ferner ist es doch ein gewaltiger Unterschied, ob eine Vekennt- sorm nicht gebraucht wird, weil ste noch nicht existiert, oder ob man ste nach vielhundertjährigem allgemein-kirchlichen Gebrauche in einer Partikularkirche abschasst resp. freigibt, weil man mit ihrem Inhalt nicht mehr einverstanden ist. 4. Der Inhalt des Apostolikums geht auf die apostolische Zeit zurück. — Pros. Cremer sagt mit Recht (a. a. O. S. 35 f. 46): Das Zentrum der ganzen apostolischen Verkündigung ist dies: Jesus Chrtstus, für uns gekreuzigt, für uns auferstanden, für uns aufgesahren und sitzend zur Rechten Gottes, für UN» von dannen wicderkommen — und dieses „für uns" bringt das „ich glaube an ihn" im Bekenntnis zum Ausdruck. Alles, was uns im Reuen Testament über die Geschichte und das Leben des Herrn überliefert ist, ist doch nur Umgebung des Kreuzes und wird erst beleuchtet und licht vom Kreuze her, und das Kreuz empfängt sei» Licht vom Auferstchungsmorgen her. Darum kann man den Jesus Christus, an den wir glauben sollen zu unserer Erlösung, nur nennen und bekennen als den Sohn Gottes, gekreuzigt, gestorben, begraben, niedcrgefahrcn zur Hölle, wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten des Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Uni die alleinige Geltung und Herrschaft dieses biblischen Christus, — darum handelt sich's im heutigen Apostolikumsstreit. Und wenn die Freigabe des Apostolikums verlangt wird, so liegt darin die Forderung, datz auch ein anderes Evangelium Es. Bezirksfest mbH AiMctenwettstreit des 3. Bezirks des Hessischen Athleten-Verbandes verbunden mit dem Stiftungsfest des 1. Stemm- und Ring-Klubs Fricdberg am 4», 5. und 6. Juli 14114 Festplatz: Seewiese. "ML & e ft = £ r J» n u n o: SiNNstag, 4. Juli: Nachmittags Empfang der auswärtigen Vereine. Abends H'/t Uhr Aufstellen des Vereins am Saalbau, Abmarsch zum Festplatz. Daselbst Konzert, Eesangsvor- träge, Marmorgruppen, gestellt von Mitgliedern des fest- zebenden Vereins. .'.rtag, !>. Juli: Morgens 6V, Uhr: Großes Wecken durch die acsamle Kapelle der Militär-Musikschule. Morgens 8 Uhr: Beginn der Wettlämpse sür Leicht-u. Schwer -lthlctil, sowie Mannschastsläinpfe auf d. Festplaye. Nachmittags l‘/i Uhr! Aussteller, des Festzuges an der Mainzertoranlage. Nachmittags 2 Uhr: Abmarsch bes . t'eMtziiges durch die Kaiserstrahe, Burg, nach dem Festplatze. Begrüßung, Kriljert, TMj,MsbkWgllngen. Nachmittags 3'/- Uhr: Ringen sämllicher Klassen im grasten Saale des Saalbaues. Abends 8Z , Uhr: aus dem Festplatze. Skonlnz, <>. Juli: Von II Uhr ab: Frählonzcr! aus dem Festplatze. Nachmittags 27, Uhr: Antreten am Saalbau. Marsch nach dem Festplatze. Nachmittags 3 Uhr: n l>ee,»l»»u »«viuge» daselbst, in sämtlichen Masten. Konzert und Tanz. Abends 7Uhr: eie»«->>,,»,x, Vollssest undFackel- Polonaise. JEiiatatttsi» reise: km Borseriaus: Hauptlarte. gültig sür die ganze Dauer des Festes 80 Ps. (An den Kassen M. 1___) Zu den Hauptlartcn werden, jedoch nur im Vorverlaus, für die Familienangehörigen Bcikarten zu 30 Ps. «usgegeden. _ (!,, den Kasten: Samstag Abend 30 Ps. Sonntag Mittag und Abend 50 Ps., Sonntag 'Abend 40 Ps. Montag 30 Ps. Militär ohne Chargen Eintritt frei, mit Chargen halbe Preise. Karten im Vorverkauf bei den Herrn: Adols Schmidt, Os- -vold Türk, Ludwig Stern, W. Wichard. Emil Schneider, Friedrich Michel, Havanna Kompagnie und Emil Schaum,Friseur, Fauerbach. Sa* Kestausschufr. Programm zu dem am 11., 12. und 13. Juli staltfindenden WW" Ganturnfest "WU des Gaues Wetterau verbunden mit 50jährig«m Jubelseft und Fahnenweihe des Turnvereins Bleichenbach. Samstag, den 11. Juli: Nachmittags 8 Uhr: Empfang der Wetturner. Abends li Uhr: Kampfrichtersitzung bei Gastwirt hetz. Abends !> Uhrr.Fackelzug durch die Straßen nach dem Festplatz. Ansprache, Konzett, Liedcrvorträge, Pyramiden usw. Sonntag, den 12. Juli: Morgens 8 Uhrr Weckruf. Morgens 0 Uhr: Beginn des Wettumens. Morgens vo» 10—1 Uhrr Empfang der Vereine. Nachmittags IV, Uhr: Ausstellung des Festzuges, Umzug durch die Sttasten nach dem Festplatz, daselbst Begrüßung, hierauf Fest-Wciherede und Uebergabe der Fahne durch die Festjung- srauen, Weihclied des Gesangvereins „Sängerlllst", Ehrung der noch lebenden Gründer des Vereins, Turnen der Schüler, Konzert, Schauturnen, Tanz usw. Montag, den 13. Juki: Bormittags 10 Uhrr Friihkonzert auf dem Festplatz, Jugend- spicle und Volksbelustigung, Nachmittags 2 Uhr: Ausstellung und Abmarsch des Fcstzuges durch die Strotzen nach dem Festplatz, Volksbelustigung, Tanz, Cchülerturnen. Die Festmusik wird ausgeführt von der Kapelle des Hanauer Eisenbahn-Regiments Rr. 3. empfiehlt CreoUti. Septoform, Chlorkalk. Lysol, Cherapogen, Eisenvitriol. Saprol. Lysoform. Carkolsänre billigst Drogerie J. Hau meist er Aaclif. 2nh.: Frieür. Karl Ott, Friedberg i. H. als das Evangelium von diesem Jesus Christus in der Kirche heimaiberechtigt fein soll. Und dem müsten wir um unseres christlichen und kirchlichen Gcwistens willen widersprechen Mit der Freigabe der Apostolikums wären alle Bekennt uisschriften, und darum auch das Belenntnis unserer Landes lrrche, sreigcgcben, d. h. preisgegcben, denn das Apostolikum bildet aller Bekenntnisse Grundstock. Dr. Eissenlössel. Wochenschau. Die Mordtat IN Sarajewo. — Politisch« Folgen. — Albonisch, Sorgen. — Heer- und Marinefragen in Franlreich. — Di- Dardancllenfrage. Gen Unstern scheint über der Donaumonarchie zu walten, der Thronfolger, der Erzherzog Franz Ferdinand, aus den man hinsichtlich der Erstarkung Oesterreich- Ungarns so grotze Hossnungcn gesetzt hatte, ist nicht mehr, ein tragisches Geschick hat ihn in dem besten Mannesalter gemein jam mit seiner Gemahlin hinweggerasft. Er siel unter der Hand eines Mordbubcn, als Opser einer Verschwörung, die ihn beseitigen wollte, weil sie in ihm den grötztcn Feind Serbien» erblickte. Gewiß hat die serbische Regierung au dem grausigen Verbrechen keinen Anteil, und ebenso verfehlt wäre cs, die Serben in ihrer Gesamtheit sür di« verruchte Tat verantwortlich zu machen, etwas anderes ist cs aber mit der grotzscrbischen Propaganda gewisser Kreis-, die in ihrer Zügellostglelt geeignet ist, noch nicht zur Reife entwickelte Köpfe zu verivirren uno in ihr Gemüt derartige Gedanlcn zu vcrpjlanzcn, wie sie in dem Komplott gegen das Leben des österreichischen Thronfol- j gers zu einem so entsetzlichen Ausdruck gelommen sind. Keinem Zweifel unterliegt es, datz eine Verschwörung bestanden hat, der Verlauf der Dttige und die Untersuchung habe» zweifellos festgestellt, datz alles auf das sorgfältigste vorbereitet war, um unter allen Umständen da» Leben des Erzherzogs zu vernichten. „Nichts bleibt mir im Leben erspart". Das waren die Worte des greisen Monarchen beim Empfang der erschütternden Trauerkundc. Tatsächlich hat wohl selten ein Monarch soviel trübe Stunden durchwachen müsse», wle Kaiser Franz Joseph, dessen Lcbcnsaben» auch noch durch das jüngste traurige Ereignis verbittert wird. Der neue Thronfolger steht erst in der Mitte der 20er und ist ein völlig unbeschriebenes Blatt, bisher nur im Heeresdienst tätig, mutz er sich in das hohe Amt erst hineinlsbcn und eine entsprechende Vorbereitung sür den künftigen schweren Herrschcrberuf erhalten, Hossentlich wird diese recht weit gediehen sein, bevor Kaiser Franz Joseph die Augen schließt, denn nichts Verderblicheres könnte cs für die Donaumonarchie geben, als wenn an ihrer Spitze ein Herrscher steht, der mit den Dingen nicht verttaut und außer Stande ist, die Zügel der Regierung in seinen Händen zu bchalien, — Welche politische Folgen die Revolverschüsse von Sarajewo haben weiden, läßt sich heute keineswegs übersehen, ste können nicht nur die innere, sondern auch die äutzerc Politik tressen. Insbesondere liegt es aus der Hand, datz man gegen die serbische Bevölkerung etwas strenger Vorgehen wird. Natürlich mit dem Erfolg, datz die Beziehungen zum Königreich Serbien sich weiter verschlechtern und unter Umständen schwere Konslilte heraufbe- schwörcn werden. Schon ist es in Bosnien zu schweren Ausschreitungen gegen das serbische Element gekommen, so datz der Belagerungszustand über das ganze Land verhängt werde» mutzte, und die Sprache der Belgrader Blätter ist auch lein« sanftmütige. Reben der Besorgnis um die weitere Entwicklung der Dinge im südöstlichen Europa, mutz nach wie vor die Lage in Albanien den Gegenstand sorgsöltigster Beachtung crsahien. Die Situation ist augenblicklich eine trostlose, die Rebellen rücken immer weiter vor, und aus die Negierungstruppen ist kein Berlatz, ihr Führer Prenk Bib Dada hat zweisellos Verrat geübt, und die paar Freiwilligen, über die der Fürst in Du- razzo verfügt, machen das Kraut auch nicht fett. Und doch will Fürst Wilhelm getreulich ausharren, ein Mut, der einer besseren Sache würdig wäre. Ja wenn ihm wenigstens die crsor- derlichen Geldmittel zur Verfügung ständen, dann würde er wohl mit Aussicht aus Ersolg den Kamps sühren tönnen, abei in dieser Hinsicht ist er vollständig im Stiche gelassen. Die Karre da unten ist gründlich verfahren, ob die Mächte ste noch einmal aus dem Sande herauszuziehen versuchen werden, bleibt fraglich, jedenfalls hat die Londoner Konscrenz kein Meisterstück geschaffen. Während bei un; die sommerliche Hitze der Feind der Parlamente ist, läßt man sich in Frankreich dadurch keineswegs stören. Freilich handelt es sich um die Verstärlung von Heer und Marine, und angesichts der Wichtigkeit der damit in Zusammenhang stehenden Fragen mutz man eben jenseits der Vogesen in den sauren Apfel beitzen. Da ist cs denn nicht uninteressant, datz der anfängliche Jubel, der bei der Annahme der ersten Vorlage herrschte, schnell verstummt ist, und eine recht kritische Stimmung Platz gegriffen hat. Heitzt es doch jetzt, die Kosten aufzubringen, und da stellt sich der Katzenjammer ein. Schon wird an der dreijährigen Dienstpslicht zu rütteln gesucht, obwohl man die Verlängerung erst noch vor wenigen Monaten i» den Himmel erhoben hat. Zum Vorsitzenden der Heeres kominission hat man nicht den crgeizigeo Delcassee gewählt, son dern den ehemaligen General Pedoya, dessen Bestrebungen darauf abzielen, eine dreitzigmouatige Dienstzeit zu schassen. Dagegen will man das Marincprogramm noch weiter ausbauen, und tatsächlich hat Frankreich da; notwendig, denn di- sranzö- sischc Flotte befand sich in den letzten Jahren in einem Zu stände, der Frankreich säst lächerlich machte. Ueberhaupt kann mü» sehen, daß im Dreiverband auch nur mit Wasser gekocht wird, Russland bemüht sich augenblicklich, wenn auch von hinten herum, die Da rdanel lens rage in Fluß zu bringen. Aus eine Anfrage rm Unterhaus« oab Sl- Sieu« Tageszeitung. Samstag, een 4. Juli 1914, Seite S. Aus der Heimat. S»r. 154 * v aci) eine recht gewundene Antwort, aus der hervorging, dah England so leicht nicht seine Zustimmung zu einer Oeffnung der Dardanellen für die russische Schwarze Meer-Flotte geben würde. Das würde einen Zuwachs des Einflusses Rußlands im östlichen Mittelmeerbecken ergeben, und den kann sich Großbritannien nicht wünschen, denn über alle Freundschaft gehen die eigenen Interessen. (finnicifjuttg des neuen Dal>«ihofs-Gmpfangs- gebäudes in Höchst am Main. In Gegenwart des Eisenbahnpräsidenten Renleaux- Frankfurt a. M-, des Landrats vr. Klanser-Höchst a. M., vieler Mitglieder des Eiscnbahnprösidiums,d?r städtischen Kollegien und zahlreicher geladener Gäste, wurde am Dienstag das Bahnhofs-Empfangsgebäude des neuen großen Bahnhofs eingeweiht und dem Betriebe übergeben. Die Weihe des Hauses bildete de» Höhepunkt iu der auf sechs Jahre berechneten Umbauzeit der Anlagen des gesamten Bahnhofes. Dieser erwies sich schon seit Jahren als unzu- reichendes Derkehrsinstitut für den Riesenverkehr auf den an Höchst vorbeisührenden Bahnen, nicht minder aber auch für Höchst mit seiner blühenden Industrie selbst. Die alte Bahnhofsanlage war eigentlich nur ein Kongionrat von Haupt- und Nebenstrecken. Ueber die Gleise führten acht Wege. Güterschuppen, Bahnsteige, Rangieranlagen, Ueber- holungsgleise und die Dienstgebäude lagen sich im Wege und Üörtcn jede Entwickelung. 1910 bewilligte der Landtag die Nittel zum Umbau, und seit drei Jahren arbeiten täglich mnderte von Arbeitern an der Ummodelung der Anlagen. Der neue Bahnhof beseitigt sämtliche acht Gleisiibergänge, kr schafft 12 lange Bahnsteige (sonst 7), die alle schienenfrei sind, ferper 4 Ueberholungsgleise (sonst 2), konzentriert den ganzen Verkehr in übersichtlicher Weise und gruppiert die ihre Natur nach zusammengehörenden Gleisstrecken von Soden, Königstein und Limburg. Ganz neuartig ist der Lokomotivschuppen, aus dem der abziehende Maschinenrauch auf unterirdische Weise entfernt und dann durch einen 38 Meter hohen Betonschornstein enffiihrt wird. Das neue Empfangsgebäude, das am 1. Juli in Betrieb kam, ist ganz aus Beton gebaut und überaus praktisch eingerichtet. Sämt- liche 12 Gleise werden hochgelegt, Mit dem Umbau des Bahnhofs zu detn größten der ganzen Taunusbahn, geht die Anlage des zweiten Bahngleises nach Limburg Hand in Hand. Für den gesamten Bau stehen 14 Millionen Mark zur Verfügung, hiervon kommen 7 Millionen Mark auf Höchst. Bis jetzt wurden 8,5 Millionen Mark verbaut, und zwar 3 Millionen für Höchst und 5,5 Millionen für das zweite Gleis nach Limburg. Im Jahre 1916 soll die gesamte Anlage vollendet sein. Gestern wurde bereits mit dem Abbruch des alten Gebäudes begonnen. Die sämtlichen Bauten müssen ohne jede Betriebsstörung durch- geführt werden. Der bisherige flotte Fortgang der Arbeiten lassen erwarten, daß das Bauprogramm inne gehalten wird. Die Leitung des Bahnbaus liegt in den Händen des Regierungsbaumeisters Endres. Welchen Riesenverkehr der Höchster Bahnhof zu bewältigen hat, beweist die Tatsache, daß jetzt täglich 330 Züge denselben passieren, gegen 39 im Jahre 1878 bei den gleichen Verhältnissen. Durch den neuen Bahnhof erhält Höchst einen der größten Deutschlands. An die Einweihung und Uebergabe des Empfangsgebäudes schloß sich ein Festmahl im neuen Hause. * Friedberg, 4. Juli. Das Ergebnis der Schweinezäh- lung vom 2. Juni 1914 im Großherzogtum Hessen ist günstig ausgefallen. Denn es wurden nach vorläufiger Feststellung rund 401 000 Schweine ermittelt gegen 340 686 am 2. Juni 1913. Da insbesondere die unter einem halben Jahre alten Schweine (271 131 gegen 237274), ferner die über ein Jahr alten Zuchtsauen (28 814 gegen 22 441) zugenommen haben, so steht zu erwarten, daß der Schweinebestand in Hessen noch weiter steigen wird. * Lbcr-Rosbach ,4. Juli. Ein recht bedauerlicher Unglücks- fall ereignete sich gestern Nachmittag. Der 16 Jahre glte Aug. Sauer wollte am Kirschenberg einige Körbe Kirschen holen. Als er beim Aussieigen auf den Wagen den Fuß in die Speichen eingesetzt hatte, scheute plötzlich das Pferd, so daß dem Bedauernswerten das Bein gebrochen wurde. Da er noch ein Stück Wegs geschleift wurde, ist es nicht ausgeschloffen, daß der hoffnungsvolle junge Mensch auch noch innere Verletzungen davon- getragen hat. Nach eingezogenen Erkundigungen im Krankenhause soll es dem Verletzten den Umständen nach gut gehen und wollen wir ihm zu seiner Gesundung auch das Beste wünschen! * Ober-Rosbach, 4. Juli. Nur noch eine Woche trennt uns von dem Fahnenweihfest des hiesigen Veteranen» und Militär-Vereins. Die nötigen Festvorbereitungen sind getroffen und zahlreiche auswärtige Vereine haben ihr Erscheinen zugesagt. Da unser Ort wegen seiner schönen Lage ein beliebter Ausflugsort ist, so wird mit einen! recht starken Besuche des Festes gerechnet und es darf heute schon versichert werden, daß die Festgäste in ihren Erwartungen nicht getäuscht werden. Wer in seinem nationalen Fühlen und Eupfinden wieder einnml gestärkt sein will, der konime am 12. Juli zum Fahnenweihfest nach Ober-Nosbach. Bis dahin tritt auch in die bis jetzt in fo überreichem Maße anstrengende Arbeitsperiode für unsere hiesige Bevölkerung etwas Ruhe ein, fodaß auch die Ortseinwohner nach den Strapazen der letzten Wochen sich gerne nach einer Ruhepause sehnen werden und auch hier gelten möge: Tages Arbeit, Abends Gäste — Saure Wochen, Frohe Feste. * Bad Salzhausen, 4. Juli. Vom 1. Mai bis 1. Juli sind 819 Kurfrenide einschließlich der Gäste des Ernst-Lud- wig-Heims, angekomnien (1913 411). Bis jetzt wurden 3059 Bäder verabfolgt (1913 2340) und 356 Inhalationen genom- men (1913 335). * Bleichcnbach, 4. Juli. Zu dem Gauturnfest des Gaues Wetterau, verbunden mit Fahnenweihe und 50jährigen Jubelfeier des hiesigen Turnvereins am 11., 12. und 13. d. Mts-, welches hier stattsindet, haben sich bis jetzt 360 Turner und Kampfrichter zum Uebernachtcn angemeldet. Trotz der nahezu 800 Einwohner und der großen Sympathie für das künftige Fest und der überaus großen Gastfreundlichkeit nn- serer Bleichenbächer, wird es ohne Quartiere für die zuletzt angemeldeten Vereine schwerlich zugehen. Gestern traf bereits die neue Fahne von der Hannov.-Miindener Fahnen- fabrik hier ein. Der von der Gemeinde gestiftete Ehrenpreis soll ein wertvoller, schöner Gebrauchsgegenstand sein und wird, wie verlautet, in den ersten Tagen ausgestellt. Auch die bereits hergestellte Festpostkarte mit den noch lebenden Mitgründern des alten Vereins, ist geschmackvoll. Vor- niittags 10,30 Uhr wird voraussichtlich in Friedberg ein Sonderzug über Nidda abgehen, fodaß den weitgelegenen Vereinen Gelegenheit geboten ist, Unserer Feier beiwohnen zu können. Auch am Abend werden Sonderzüge von hier ab- gehen. Außerdem ist jedoch jedem weitgelegene» Vereine Gelegenheit geboten, mit den fahrplanmäßigen Zügen rechtzeitig nach Hause kommen zu können. Ter Gau selbst besaßt sich für diesmal nebst anderen turnerischen Leistungen auch mit Hürden- und Staffetteu-Laufen. Im übrigen wird noch auf das Inserat in heutiger Nummer dieser Zeitung hin- * Frankfurt a. M-, 4. Juli. Donnerstag nachmittag kurz nach 6 Uhr, wollte ein Herr in der Kronprfiizenstraße auf einen Siraßenbahnzug der Linie 18 springen, trat aber zu kurz auf das Trittbrett und stürzte, wobei er unter die Schutzbretter des Bahnräumers geriet. Der Fuß war ihm derart eingeklemmt, daß der Motorwagen gehoben werden nrußte. Da der Mann eine starke Verletzung erlitten hatte, nahm ihn das Fahrpersonal in denr Wagen mit und in rascher Fahrt ging es bis zur Feuerwache Münzgasse. Hier trugen die Trambahner den Verunglückten ans die Rettungswache, die ihm die erste Hilfe angedeihen ließ. * Frankfurt a. M.> 4. Juli. In der Nähe der Schieß- stände auf dem Bahndamm der Main-Neckarbahn hat sich in der Nacht zum Donnerstag ein etwa 35 Jahre alter Mag'.» mit schwarzem Kopfhaar und Schnurrbart, blauem Anzüge mit grünen Streifen, überfahren lassen, so das; der Kopf voni Rumpfe getrennt wurde. Jur Besitze des Toten fanden sich 1,50 M. — An der Buchrainschneise im Stadtwald wurde ein unbekannter Mann von mittleren Jahren mit bunklem Kopfhaar und Schnurrbart, graugestreiftem Anzug erschossen aufgefunden. Bereinigte Landwirte. Achtung! BtsllhLiilMß kt BersuWlhtt iu Wen. Die Fahrt nach G i c h r n findet nicht Montag, den 7. Juli, wir es gestern irrtümlich bcknnnt gegeben wurde, statt, sondern Dienstag, den 7. Infi. Das Landwirtschaftliche Institut der Universität Gießen hat unsere Vereinigung zu einer BesichtigungihrerVersucksfeldeL eingeladen, die wir mit Dank angenommen haben. Die Besichtigung unter sachkundiger Führung soll am Dienstag, den 7. Juli, nachmittags stattfinden. Treffpunkt: 2 Uhr am Bahnhof (Hießen. Wir fordern unsere Mitglieder aus, sich recht zahlreich an dieser Besichtigung beteiligen zu wollen. Ter Vorstand. Beste Verbindung: Schnellzug: ab Frankfurt: 12,50 Uhr, an Friedberg: 1,24 Uhr, in Gießen: 2,01 Uhr. Personenzug: ab Frankfurt 11,02 Uhr, ab Friedberg: 12,10 Uhr. in Gießen: 1,09 Uhr. Kein anderer VlasebruLstr' erforderlich, da hierdurch die Wirkung beeinträchtigt und der Gebrauch verteuert wird. Der grosse Erfolg! Das besle selbsttätige Waschmittel für Weiss- und Wollwäsche! HENKEL & Co., DÜSSELDORF. Huch Fabrikanten der atlbeliebten Hcnlcel’s Blcicll-Soda. 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Spionage-Roman von August Weißst 06 (Fortsetzung). Spohr war schon so intim im Hause geworden, daß er unaufgefordert zu den Mahlzeiten bleiben konnte. Die Abende verbrachte er fast ausschließlich in der anziehenden Gesellschaft der beiden Schwestern. Ter junge Baron hotte für das schöne, fcingcbildete Mädchen eine tiefe Neigung gefaßt. Sein heißester Wunsch war, sie zu seinem Weibe zu machen. Er träumte von einer Zukunft an ihrer Seite, die ihm alles geben konnte, waS ihm das Leben wünschenswert machte. Leider waren es vorläufig nur Träume und gering die Aussichten, sie zu verwirklichen. Was hatte er ihr zu bieten, der verwöhnten Tochter des Patriziers, die in fürstlicheni Hause ausgewachsen? Auch war es keineswegs sicher, ob der nicht sehr Oesterreich freundliche Senator seine Werbung besonders begünstigen würde. Aber er war glücklich, unsagbar glücklich, in dieser Zeit des Höffens und Harrens, denn fein Herz sagte ihm, daß er Maria nicht gleichgültig sei. Ihre großen, dunklen Augen flammten ihm entgegen, so oft er kam, und bei seinem Händedruck zog ein leichte? Erröten über ihr liebliches bleiches Gesicht. Wenn es auch nicht ausgesprochen wurde, der Händedruck, mit dem sie sich grüßten, der Blick, mit dem sie sich begegneten, sagte allen, die nicht blind waren, daß diese beiden jungen Menschen einander herzlich zugetan waren. Meta war dies nicht entgangen, wenn sie auch ihre eigenen Herzensangelegenheiten zu sehr beschäftigten, um dem Paare besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Sic hatte Spohr lieb gewonnen wie einen Binder. Seine offene, herzliche Art, sein ungeschminktes Wesen, boten ihr die Garantie, daß ihre Schwester an ihm einen liebevollen zärtlichen, aufmerksamen Gotten finden würde. Und da sie wußte, wie es um das Herz Marias stand, erhob sie nicht nur keinen Einwand, sondern förderte die Angelegenheit, wie sie nur konnte. Auf ihren Wunsch und nur auf ihr Bitten beim Pater hatte dieser Maria nach Wien kommen lassen. Fast jeder zweite Tag brachte Spohr eine Verabredung, wobei er immer zum Kavalier des Mädchens auserschen war. Ter Vierte war natürlich stets Hauptmann Fernkorn, der Bräutigam Metas, der ja den Baron noch von der Schulbank her kannte und ungemein schätzte. So verbrachten diese vier Menschen wunderschöne Abende. Alle vier intelligent und feingebildet, paßten sie zusaunuen, wie nur Menschen zusammenpassen können, die dem gleichen Boden entstammen und Welt und Dinge mit den gleichen Augen sehen. Und nach den Plauderstunden kamen Augenblicke, wo sie einander voll zarter Rücksichten nicht störten. Jedes der Paare war ja glücklich, wenn es eine Zeit stimmungsvollen Alleinseins durchleben durste. Wieder hatte man in einem Hotel der inneren Stadt gemeinsam soupiert. Die beiden Herren begleiteten die Damen noch Hause und traten dann gemeinsam den Heimweg an. Hast Du noch etwas vor? stagte der. Hauptmann seinen Freund. ' 1 \ Spohr nickte. A z' ■* Ich habe Doktor Martens versprochen, ms Cafs Burgstall zu kommen. Nach inimer Polizcidicnst? Mehr denn je. Gibt's was Neues in der Affäre? Das eben will ich erfahren. Doktor Martens hat heute eine wichtige Aktion unternommen, die vielleicht alles auj- (Lren wird. R — Zeit wär'sl brummte der Hauptmann. Ja — es wäre wirklich au der Zeit, seufzte Baron Spohr und dachte dabei an Maria, der er das Versprechen gegeben, nicht zu rasten, bis die Mörderin Georgs gefunden sei. Schade, daß Du zu tun hast. Ich habe eine Loge für den Ronacher. Wenn Tu nichts zu tun gehabt hättest — Läßt sich machen I fiel Spohr dem Freunde ins Wort. Wenn Du erlaubst, lade ich den Kommissär ein. Bitte. Dann hörst Du auch gleich, was es Neues gibt. Spohr rief aus der Porsterloge des Ronacher Doktor Martens an und teilte ihm mit, daß er in der Loge Nr. 17 'ich befinde, er niöge in das Etablissement kommen, wenn er nichts Besseres vor habe. Eine halbe Stunde später erschien der Kommissär in Begleitung eines Agenten, deni er einige Wort zustüsterte, ehe er in die Loge trat. Wissen Sie, lieber Baron, daß i ch Sie auffordern wollte, heute zum Ronacher mit zu kommen? Na, dann hat sich's ja gut getroffen. Aber warum denn eigentlich? Die Dome mit dem Armband befindet sich im Hause. Ich habe Sic bitten wollen, mir sie zu zeigen, respektive, wenn sich eine unauffällige Gelegenheit ergibt, mich ihr vorzu- slillen. Verzeihen Sie, ich verstehe Sie nicht ganz. Wen meinen Sic denn eigentlich? Ja, richtig. Sie wissen ja noch nichts. Ich meine die Gräfin di Campobcllo. Den, Hauptmann und Spohr gab es einen Ruck. Hier im Hause soll sie sein? fragte der Baron. So meldete unser Agent. Spohr nahm den Operngucker und musterte die Logen. In der zweiten Loge von der Bühne erblickte er dann auch die rotblonde schöne Gräfin an der Seite ihres Mannes. Dort fitzt sie wirklich. Doktor Martens griff nach dem Glas. Eine pikante Frau. Werden Sie mich ihr vorstellen? Gewiß. Und wann? In der Pause. Als die erste Programmhälfte abgespielt war, sah der Baron, wie die Gräfin ihre Loge verließ. Er stand eilig auf. Kommen Sie. > - o r > A ' Die drei Herren schleuderten durch den Logengang, als würden sic eineckleinc Promenade machen. An dem kleinen Tischchen hinter der Loge Nr. 2 soupierte die Gräfin mit chrem Manne, So war eine Begegnung selbstverständlich Spohr benutzte die Gelegenheit, die Gräfin zu begrüßen und dem Paare die beiden Freunde vorzustellen. Die Gräfin war nicht so frisch wie sonst. Sie sah er- niüdet, fast krank aus. Ihre Augen flackerten nervös, und die weiße Schminke, welche sie aufgelegt hatte, konnte die dunklen Ringe unter den Augen ebensowenig verdecken, wie die rötlichn Flecken, welche das Fieber auf ihre Wangen gezeichnet hatte. Sie schien auch keinen Appetit zu haben, denn sie tändelte nur so mit ihrer Gansleberpastete, trank aber hastig zwei Gläser Ehanipagncr nachinandcr. Nur mit sichtlichem Zwange nahm sie an den Vorgängen, wie am Gespräche teil. Die drei Herren hatten sich, auf die liebenswürdige Auf. forderung CampobclloS hin, zu dem Paare gesetzt, und der sonst so schweigsame Graf begann, offenbar durch die Umgebung und den Champagner angeregt, eine flotte Konversation. Uebcr das Varietä schwatzte er, über die schönen Frauen, die er im Saale sah, über das Nachtleben' den französischen Champagner lobte er, speziell die Marke, die er trank und die ihm wirklich sehr zu niunden schien, denn sein Glas wurde jeden Augenblick leer. Hauptmann Fernkorn und Baron Spohr hatten viele Fragen an ihn zu stellen, um seine Aufmerksamkeit von Doktor Martens, der der Gräfin gegenüber Platz genonrnicn hatte, abzulcnken. Plötzlich hielt Set Graf mitten im Gespräche inne. Er schaute verwundert aus seine Frau, die scheinbar ihre Umgebung vergessen hatte und schreckensstarr aus einen Herren blickte, der sich über die Brüstung einer Loge beugte und interessiert herübersah. Was hast Du denn? fragte der Graf. Die Gräfin zuckte bei der Ansprache zusammen, strich sich über Augen und Stirn und sagte bloß: Mir ist nicht wohl, gehen wir nach Hansel Aber gleich! Ohne die zustimmcnde Antwort des Gatten abzuwartcn, stand sie auf und ging zur Loge vor, um ihren Mantel zu holen- Spohr kam ihr zuvor und legte den kostbaren Abend- Mantel galant um ihre Schultern. Dotkor Martens, der Dioletta unausgesetzt ebabachtet hatte, war natürlich die plötzliche Veränderung, die in ihr vorgegangen war, nicht entgangen. Ihre Augen waren anfangs gelangweilt über das Publikum hingeglitten, bis sie plötzlich den Blick auffing, den ein junger, eleganter Fremder auf sie herüberwarf. In diesem Augenblick war sie unter der Schminke tief erbleicht. Ihre Augen hingen seitdem wie festgcbannt an dem Fremden, der aufgestanden war, als ec sah, daß die Gräfin zur Loge ging, und nun durch das Promenier langsam herüber kam. Hast Du schon gezahlt? drängte die Gräfin. Der Graf blickte unwillig zu ihr auf. Hast Du schon gezahlt? fragte sie nochmals. Aber geh', so bleib' doch noch ein bißchen. Ten Grafen traf ein zorniger Blick. Sie griff nach dem Fächer und antwortete hastig: Nein, ich muß nach Hause! Du kannst bleiben, wenn Du willst! Baron Spohr wird die Freundlichkeit haben, niich zum Wagen zu führen. Gewiß Gräfin. Wenn Sie gestatten. — Der Baron bot ihr seinen Arnr an. Eompobello ergriff die Hand seiner Frau. Ich möchte wirklich noch ein wenig-- Bleib' nur, bleib' unterbrach die Gräfin ihren Mann hastig, der Anstalten machte, sich zu erheben. Der Baron wird schon so freundlich sein. Violctta nickte den drei Herren flüchtig zu und wandte sich rasch ab, um zur Haupttreppe zu gelangen. Da stand drei Schritte vor ihr der Fremde. Ein sehr eleganter, junger, hübscher Mensch in tadelloseni Salonanzug. Er hatte die Arme über die Brust gekreuzt und blickte die Gräfin ernst und forschend an. Gehen wir — durch die — andere Türe! stammelte die Gräfin und kehrte dem Fremden den Rücken. Doktor Martens verließ seinen Platz und stellte sich seitwärts, um die Situation genau zu überblicken. (Fortsetzung folgt). Spielplan des Erotzh. Kurthcaters Bad-Nauheim. Sonntag, den 5. Juli: „Dis spanische Fliege". Schwank in 3 Akten von Franz Arnold und Ernst Bach. Montag, den 6. Juli: «Der sidele Bauer". Operette in 3 Akten von Leo Fall. Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. 4. Sonntag nach Trin., 5. Juli. Gottesdienst in der Stadttirche. Vorm, 9J4 Uhr: Herr Pfarrer Ritter. Nachm. lyi Ahr: Katechismuslehre für die Mädchen: Herr Pfarrer Rirter. (In der Stadt- n >4> t Burgkirchel- Eottesdicnst in der Burgkirche. Vorm. 8K (nicht 9H Uhr:): Herr Pfarrer Zatzmann. Vorm. II Uhr: Kindergottesdiensl: Herr Psr. Ritter. Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach. Dorm. 10 Uhr: Herr Pfarrer Zatzmann. Nachm. 1 Uhr: Katcchismuslehre für die mannst Jugend: Herr Pfarrer Zatzmann. Katholische Gemeinde. Fünfter Sonntag „ach Pfingsten. Nachfeier des Festes der hl. Petrus und Paulus, 5. Juli. Bcichtgelegenheit Samstag nachm, von 5 Uhr, Sonntag früh von y.6 Uhr an. X7 Uhr: Frühmesse. 8 Uhr: Singmesse mit Predigt (Militärgottesdienst). MIO Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachm. 2M Uhr: Monatsandacht der Rolcnkranzbruder- schaft. An diesem Sonntag ist eine Kollekte zu Gunsten des Pc. terspfennig. Feierabend Friedberg. Sonntag, den 5. Juli: „Lese- und Spiclabcnd". Aufruf! * Büsbach. 27. Juni. lAufruf.) Am 11. März 1921 findet das 300jährige Stiftungsfest des Jnsanteric-(Leib. garde-)Regiincnts Nr. 115 in Darmstadt statt. Hm nun das 5cft richtig zu begehen, fordern wir alle ehemalige» Offiziere. Unteroffiziere und Gardisten von Butzbach und Uui- gcgcnd, die den Fahneneid im Regiment geleistet haben, auf, zwecks Gründung einer Vereinigung cheuialiger Lc!b- gardistcn sich am Sonntag, den 19. Juli 1914, nachuiittags Uhr in Butzbach („Goldncn Löwen", Marktplatz) zur näheren Besprechung einzufinden. Die Vereinigung soll selbstredend auf patriotischer Grundlage aufgcbaut werden und soll den Zweck habe», erstens die obige Feier mitzuniache» und zweitens die Erinnerung an die im Kriege und Frieden verlebte Dienstzeit wach zu halten. Die Zugehörigkeit zu», alten (Leibgarde-) Regiment aber soll dadurch bewiesen werden, daß, wie die Offiziere, so auch die früheren Unteroffiziere und Gardisten, an dein im Jahre 1921 den 11. März stattfindenden 300jährigcn Stiftungsfeste des Regiments — einen Jubeltag ohne Gleiche» in der Armee — mit einer Abordnung und einem Ehrengeschenk vertreten sind und nicht hinter ihren auswärtigen Kameraden zurllcksteheu. Es ist, da mit geringen Beiträgen lediglich die genannten Ziele ver- folgt werden, jede Konkurcnz mit den Krieger- und Militär- Vereinen ausgeschlossen. Ein ehemaliger Leibgardist. Kursbericht vom 3. Juli 1914 der PliNeldrutlchen Creditbank Aktienkapital u. Referoen M. 70000 00V gegründet 1856. Frankfurter Börse. Reichsanleih« 98.90°/, 86.20 , 76.75 . o Hessen ,»/, Preutz. Confols 86.20 » 76.90 « 97.50 „ 84.80 „ .. .. 73.60 „ /, o% Griechen v. 1890 —.— „ W» Monopol-Griech. —.— „ Wo „ Silberrente —.— „ antung E. B. Alt. 128.63 rliner Handels Ant. 148.25 uische Bank Akt. — .— -k. Konunandit Ant. 181.87 esdcner Bank Alt. 146.12 st2nt.Handclsb.Alt. 179.50 ss.Bank f.a.Hand.A. 150.50 g.EIek.Geselifch.Akt. 241.- Berliner Börse. 161.75 Diskonto Komm. Ant. 182.50°/, Dresdener Bank Akt. 146.50 „ Mitleid. Creditb. Akt. 115.50 „ Oest. Creditanft. Akt. 188.12 « BochumerEutzftahl 221325 „ Buderus E.-W. Akt. 104320 « Deutfch Luxemburg 127.25 „ EfchweUer Bcrgw. 226.80 „ Eelfenkirch. Bergw. —.— „ Harpencr Bergbau 176.75 „ Phönix Bergbau 235.75 „ Laurahiitle —„ Griesheim Elektron 243.50 „ Höchst. Farbwerke 453.— „ Holzvertohlungs-2»d. 284.25 „ Rütgerswcrke 188.75 ,, Chem. Fabr. Albert 398.— „ AUg. Etettr. Gef. Att. 241.12 „ Deutjch-Uebersee E. E. 164.— Schuck. Elektr. Ges. Att. 143.50 „ Siemens u. Halste 211.— « Eteaua Romana 143.70 « Zellstoff Waldhof 171.50 „ Hambg. Amk. Pakelf. 127.12 Rordü. Lloyd 110.25 „ Oesterr. Staatsbahn 145.— ,, Lombarden 16.63 „ Baltimore u. Ohio Akt. 89.63 « Prioatdiskont 2.39 „ Tendenz: behauptet. filon Topeka Doll. »Hern Pacific ,, cago Rock Isst,, ssotans.u.Tex.R. on Pacific i.Steel Eommon,, Londoner Börse. Dentsch-Luxemb.B.AN. 127.22 „ Dpch-Uberfee E.E.Att. 164.— GelfenlirchenBgw.Att. 181.75 HarpenerBergbauAkst 177.25 Hohenlohewerke Att. 103.75 Laurahiitle Akt. 146.— Oberschlesier E. Akt. —.— Phönix Bergbau Akt. 235.87 Rombacher Hütte Akt. 152.50 Siemens u. Halste Att. —.— Privaldiskont 2.37 Tendenz: behauptet. 101.25 99.25 1.75 17.12 159.37 62.50 Amalgamat. Eopp. Doll. Ehartered Company Lstt. Eastrand Proprietary „ Eoldfields „ Rand Mines „ De Beers Consolid. „ 71.37 0.85 1.68 2.28 6.65 16.58 Die A. Depolltcnlrallc Friedberg u empfiehl- sich zur _ riuittluiig aller bankmässigen Geschalt«» und Verkauf von Wertpapieren an allen Börsem ichtung lausender Rechnungen und proo>fi-u»,r«er Scheck.Conti, Ivechsiung von Coupons und Sorten, lahme von offenen und verschlossenen Depots gegennahme verzinslicher Cpar-E»nlagen. Sit. 154 9teuc Tageszeitung. Samstag. Den 4. Juli 1914 Seite 4 I ihaber: L, Kochemlörfer, FRIEDBERG i.H. direkt am neuen Bahnhof — Hanauerstr. 22 Stsinhäusser Bier, gute Weine, lorzügl. Mittagstisch ten 70 Pfg. an. Spezialität: Warme Rippchen u. Haspel za jeder Tageszeit. Hausmacher Wurst. Fteundiiches Kolleg mit Klavier geeignet für Zusammenkünfte üna kleinere Festlichkeiten. ,Nöinerhof', Frankfurt a. M. Kaiserstrahe Nr. 72. Telefon Amt I 5461. Gutes vürgerl.Speife-Rcftaurarit in nächster Nähe des Hauptbahnhofs. Hochfeine Kirre der Kranerri Kinding. Mittagessen von 12—3 Uhr. Reichhaltige Abendkarte. Münchener Augustiner Krä«. 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