Nummer 61 Freitag, den 13. Marx 1914. 7. Jahrgang Die „Prne Ti>g»»,»,t»uig" erscheint jeden Werttag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer an» -essen", „Die Kpinnssnbe". Äeiagaprei«: Bei den Postanstalten oieneliährlich M. bei den Agenten monallich 50 Psg. Hinzu tritt Postgebühr oder Irägeriohn. Auzrigen: Erundzcilc 20 Psg., lokale 15 Psg, Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme c. r.. • Erfüllungsort Friedberg. Kchriftleitnng «nd Uerlag Friedberg (Hessen), Hanauerstiaß« 12. Ferniprecher 48. Postschest-Conio !Rr. 4859, Amt Frankfurt a. M. ————^————.— ■ i Uebersicht. — Der Flieger Linnekogel, der erst vor wenigen Wochen den deutschen Höhcnrckord mit Passagier bis auf 1300 brachte, stieg gestern in Johannisthal mit Oberleutnant z. S. fr. Plöskow als Passagier auf und erreichte eine Höhe von stststU Meter. Der Flug bleibt hinter dem Weltrekord Pcr- rcyons nur um 20 Meter zurück. — Die Diebe, die am 28. Februar in Paris aus einem Postwagen einen Sack mit einer Million Mark in Wertpapieren gestohlen habe», find gestern in Brüssel verhaftet worden. Es sind die Franzosen Mouret und Sebi. Sie batten versucht, bei niehrercn Brüsseler Bankhäusern die Papiere zu verkaufe». — Wie aus Grisolles gemeldet wird, hat der Zustand des deutschen Oberstleutnants von Winterseldt eine neue schwere Operation notwendig gen,acht. — Infolge des seit mehreren Tagen ununterbrochen fallenden Regens, find alle Flüsse Englands über die Usern getreten »nd haben das flache Land meilenweit über chwcmmt. Gestern gingen über Wales, Cumberland, Uork- ihire und Wcstmoreland schwere Schnecstürme hinweg. Die Themse ist stark gestiegen und steht über ihrem normalen Pegel. In der Grafschaft Ense haben die Flüsse einen so hoben Stand erreicht, wie er seit Jahren nicht beobachtet nwrden ist. — Tie englische Suffragette Mary Richardson, die das berühmte Bild von Delasquez „Die Penus mit dein Spiegel" zerhackte, wnrde zn einer Gesängnisstrasc von sechs Monaten verurteilt. — König Konstantin und Kronprinz Georg von Grie- chenlnnd treffen am 10. Juli in Bukarest ein. Bei dieser Gelegenheit wird die Bcrlobung des Kronprinzen mit der Prinzessin Elisabeth von Rumänien offiziell verkündet wer- den. — Nach Meldungen aus Melilla herrscht an der nord afrikanischen Küste ein furchtbarer Sturm, dem viele Menschenleben zum Opfer gefallen sind. 12 Schiffe sind ge strandet. 100 Personen kannten gerettet werde». Biele Schiffe befinden sich in Seenot. — Auf der Werst von Newport wnrde gestern das Schlachtschiff „Texas" i» Dienst gestellt. Tic „Texas" ist das mächtigste augenblicklich schwimniende Schlachifchiff der Welt. Es besitzt 10 15 Millimetergeschüde und 21 12H5 Millimeter-Kanonen, die als Mittelartillerie dienen. Die Gc- ichwindigkeit beträgt 21 Seemeilen in der Stunde. — Privatmeldnngen ans Regales in Arizona melden Einzelheiten über den Sieg der mexikanischen Bundes- irupprn übcr die Konstitiitionalisten. Von 25 000 Anhänger» des- General? Earanza cntkanien nur 25. Tic anderen wurden getötet oder gefangen genommen. — Der chilenische Aviatiker, Leutnant Bella, der z» einem Fluge anfgesticgen war, um das Fllhrerzeugnis adzn- legen, kehrte nicht nwhr zurück. Man nimmt n», daß er niii dem Apparat ins Meer gestürzt und ertrunken ist. . „ L _ ---- > ---- — — Die „rote Woche". Ter große Ramschbazar für Bolksverhetznng hat es für gut befunden, vom 8. bis 15. März eine „rote Woche" zu veranstalte». Der Iliisug, den die roten Gesellen tagtäglich in ihren Versammlungen, in der Presse, in den Fabriken »nd in de» Werkstätten treiben, erscheint ihnen »»- genügend, und deshalb soll der Spektakel gewissermaßen polenziert „nd kondensiert und in erhöhter Auflage ans eine Woche verlegt werden. Die Rechte des Volkes sollen wieder einmal geraubt werde», de» hungernden Prokeiariern das Brod, das Fleisch und die Milch „vom Munde gerissen" werden. lind noch mehr derartige schwarze Pläne, die zum Verderb des Volkes von der herrschenden Sippe geschmiedet sind, hat die „völker- bcsreicnde", internationale Sozialdemokratie reckstzeitig ent- i deckt und hält cs für ihre heilige Pslicht, sie abzuwehrcn. Ist die Sprache der Sozialdemokratie schon für gewöhnlich eine solches daß man sich oft erstaunt fragen ninß, ob wir überhaupt noch eine Regierung haben, Iveil so etwas ungehindert hingehen kann, so übersteigt das, was in der I „roten Woche" an Aufreizung der Massen und Auspeitschung der VolkSleidenschasten geleistet wird, alle Begriffe. Als Stilprobc möge nur ein Aussatz einer bekannten Petrnlcuse, der Frau Clara Zetkin, in der Frankfurter „Volksstimme" dienen: „Tic bürgerliche Gesellschaft läßt von dem rcichbesetz- ten Tisch, daran die Ansbeufendeii »nd Verschwender schwelgen, nicht einmal genügend Beltelbrocke» fallen, nm das schlvärzestc Elend zu mildern. Die Nutznießer »nd Schutztruppc» des Kapitalismus sind sich.klar darüber: die Reservearmee hungernder Proletarier (die Arbeitslose». D. N.) ist eine Lebensbcdiugimg für die Profitwirtscha.st der Besitzenden. Was sollte sic die Onal der armen Teufel analen, da sie dock, ihre Lust, ihren Rcichtimi mehrt? Die Großgrundbesitzer »nd Großin- dustricllen find darauf und daran, bei der bevorstehenden Erneuerung der Handelsverträge die Schutzzollniühle wieder klappern zu niachen. Mag sic Hunger und Kummer für die werkiätigcn Massen mahlen, ihnen selbst füllt sie ja mit der weiteren Beteuerung wichtiger Lebensuot- wcndigkeilcn die tiefen Taschen. Und die darbenden Proletarier sollen sich beileibe nicht einfallen lasse», auch ihrerseits ihre Ware, die Arbeitskraft, teurer verknusen zu wollen!" und in dieser Tonart geht cs so weiter fort. Wie ja die großen Kaufhäuser bei ihren Wochenvcranstal- tungen besonders auf den Zulauf der Frauen rechnen, so hofft auch die rote Partei bei ihrem Wochenausverkauf in den Frauen Abnehmer zu finden. An allen Enden und Ecken bis in die kleinsten Dörfer ihrer Wahlkreise, werden Vcr- sammlungen abgehalten, in denen Frauen zu Frauen reden sollen. Aus allen Weltgegenden werden Rednerinnen geholt, um die Milch der frommen, weiblichen Denkungsart ili gährcnd Drachengist zu verwandeln. So war für Hanau die Genossin Balobanosf „gewonnen" worden. Sie soll angeblich aus Mailand stammen, dürfte aber dort kaum heimat- berechtigt sein, denn- ihr wohlklingender Name erinnert viel inehr an die Steppen Polens und Rußlands, als a» den blaiien Himinel Italiens. Die Hanauer Polizei war nun mit Recht der Ansicht, daß wir von deiii Gesindel genug in Deutschland haben und auf fremde Einfuhr durchaus verzichten könnten, sie hat also die Genossin Balobanosf kurzerhand als lästige Ausländerin ausgcwiesen, und das von Rechts wegen. Wenn auch die Frankfurter „Volksstiinme" darob vor Wut schäuint »nd Gift und Galle speit, so ist diese Maßnahme durchaus zu billigen und mit Freuden zu begrüßen. Jin Kreise Otsenbach wird ein Flugblatt verbreitet, das sich an die Frauen Inende! und mit den stolzen Worten beginnt: Strömt herbei, stellt Euch kühn in unsere Reihen, kämpfet niiitig »nd tapfer für unsere erste und wichtigste Forderung: Her mit dem demokratischen Frauenstimmrecht! Wir erfahren dann weiter, daß die Herrschaften ein allgemeine«. gleiches, direktes, geheimes, passives und aktives Wahlrecht sür Männlein und Weiblein voni 20, Lebensjahr an sür sämtliche Wahlen zn den gesetzgebenden und den Ber- waltiingskörperschaftcn fordern. Das kann ja nett werden, wenn im Ziikunstsstaat der zwanzigjährige Jüngling mi Reichstag seine Reden hält oder die holde Jungfrau von 20 Lenzen im Provinzialausschntz ihres Amtes waltet. Mii de» gräßlichsten Farben wird in dem Flugblatt die Schlechtigkeit der heutige» Machthaber geschildert, die „aus unserer Arbeitskraft blinkendes Gold münzen", die schuld daran sind, daß die Frauen, die „schreckliche Oual des Hungers" diildc» iNüssc», die „mit der Geißel der schwarzen Listen die Arbeiter hungernd durch die Lande treiben", die unser Menschentum u»d unsere Miitterschast zertreten 'lnd Tausende i» die Sumpfe der Prostitution und in die Arme des Verbrechens treiben", die „schuld sind, wenn nnscr Kinder verwahrlose», »»sere Männer zur Vcrzivcisluiig getrieben werden", und die „in ihrem Arbeiterhaß den Bogc» zn straff spannen." Angesichts solcher Sckiandtate» ist es nur zu begreiflich, wenn, wie es i» dem Jliigblatt heißt, „dieser Gedanke in uns würgt, furchtbare Erbitterung und wilder Zorn uns schüttelt, aber parlamentarisch stuiiini sei» müssen, denn wir habe» kein Wahlrecht." Scl>cecklich, schrecklich! Jeder Tag wäre für die roten Genossen ein verlorener, a» dem sic nicht über unsere Zollpolitik ihr wüstes Geschimps und »ich! ,chcn heiligen Kampf um's Brod" verkündeten, ließen los. Die Lcbeusujittcltciierung laste seit Jahren mit schweren» Druck aus deiii Volk und hätte sich zu einer „schier uuerträglichen Oual" gesteigert. Wenn beim Renabschluß von Handelsverträgen neue Zölle auf Obst, Kartoffeln, Milch, Geflügel, Flachs und anderes gelegt werden, so würde dies „eine Verschärfimg des Elends der Fra» bcdcutcii, die diese blutigen Zinsgrosckic» nicht nur von dem Nötigsten, nein vo» ihrer Armut nimmt »nd die schmcrznollen Ent- lchrungen »och steigern nnd vermehrc» niüßte". Unerträglich, wenn man sich vorstellt, wie die Prolita- rierin einen Maskenball oder ein Gewerkschaftsfest „schmerz- voll entbehren" muß, um „ihre blutigen Zinsgroschen" für Geflügel, als dem „Nötigsten" hintragen :,iuß! Doch geiiiig davon! Diese kleinen P-obcn »lögen gc- nügen, mit welch' hirnverbrannten Uebertrcibungen die So- zialdcuiokratie ihre Aiihängcr aiifz»peitschen und anfzureizen unablässig bestrebt ist. Wundern muß man sich nur, wie normale Menscheii sich eine derartige Geistesarmut bieten Inssci!, ohne deren Verbreiter nnt Geißeln aus dem Tempel zu treiben. Kommt der Sozialdemokratie bei ihren Anhän- gcrn die Eigenschaft zugnle, gegen die bekanntlich selbst die Götter vergeblich kämpfe»? Oder ist cs der H e r d e n t r i c d, der die Haminelberde ihren Leittieren lelblt in's Verderben folgen läßt, oder ist es die brutale Gewalt, die ansgeübl von der Partei der Freiheit, unsere Arbeiter fürchten, und gegen die sie nicht anzukämpfen wagen. Sei dcni, wie es wolle. Die „rote Woche" beweist wie der einmal mit offenkundiger Deutlichkeit, wo der Fein! steht, gegen den alle Frcnndc des Vaterlandes zusammen stehen müssen. Deshalb aus zum Kampf ge ge, die internationale, Völker vergiftende und menschc n verhetzen de Sozialdcmo- k r a t i e I Rußland iß krikgsbtreit! Eine kriegerische Erklärung der Petersburger Börsenzeiinug Petersburg, 13. März. Tie Petersburger „Börse»,ze:- tung" veröffentlicht folgende aufjeheiicrrcgcnde Erklärungen eines hohen Militärbeamten, hinter dem nian den Kriege minister vermutet: „Wir können stolz behaupten, daß die Zeit der Drohungen vorüber ist, daß Rußland keine fremden Drohungen mehr fürchtet, und daß die russische öffentliche Meinung keinen Grund inehr hat, sich zu beunruhigen. Wir stelle» hier im Vollbewußtsei» der Macht »nsereK von der auSländilchen Presse beleidigten Vaterlandes fest, daß das Hauptzi-l bei Landesverteidigung erreicht ist. Bisher hatte der rnssischc militärische Opcrationsvlan defensiven Charakter; heute weiß man, daß die russische Armee im Gegenteil eine aktive Rolle spielen wird. Gut befestigte Verteidigungslinien sind an die Stelle einer Reihe von Forts getreten, es sind die früheren defensiven Bahnen verlassen worden. Unsere Osfi zierskorps ist beträchtlich vermehrt worden und bildet ein homogenes Ganze. Unser Artillerie besitzt Geschütze, die dev fremden Modellen in nichts nachgcben. Unsere Küsten- »nt Festungsgeschütze sind sogar denjenigen anderer Staaten überlegen. Unsere Artillerie wird sich nicht mehr über Man- gcl an Geschossen beklagen könne». Die Lehren der Ver- gangenbcit sind ans frmbtbaren Bode» gefallen. Ter mili lärssche Aittomobilismns hat einen hohen Grad der Pervoll kommninig erreicht. Alle unsere Einheiten besitzen telefo nische Einrichtungen. Unsere Soldaten können in: Bedarfsfälle das Eisenbahnpersonal ersehen. Unsere Lnftdread- > oughts vom Typ Sikorsky sind bekannt. Wir können daher hoffen, daß, wenn die Unistände es erbeischen, unsere russische Armee nicht nur stark erscheinen wird, sondern auch gut unterrichtet, wohl bewaffnet und mit allen technischen Neuerungen versehen. Unsere Armee, die bisber in Feindesland zn kämpfen pflegte, wird die Grundsätze des Dertcidignngs- systems, in denen sie unterrichtet worden ist, nicht vergessen. Unsere Arnice, deren Effektivstärke in der letzten Zeit »in ein Drittel vermehrt worden ist, nnd ans homogenen Regimen tern besteht, ist durch die Stärke ihrer Kavallerie und dii Güte ihrer Ausrüstung an die erste Stelle gerückt. Es isi wichtig, daß die russische öffentlickie Meinung sich dessen be, wnßt ist, daß das Vaterland a»f jede Möglichkeit gefaßt ist Aber die militärische Macht eine? Landes, dessen Herrscher in der Frage der Friedenskonferenz im Haag die Jaitiall- " ergriffen hat, kann nur den Staaten unangenehm sein, die aggressive Absichten habe». Niemand darf Gelüste auf irgend welche Teile des russischen Reiches haben. Ebenso wie der Hcrricher wünscht. Rußland den Frieden, aber e§ ist iw Bedarfsfälle auch gerüstet." MaildtkaiMk» dkr tffloltwntiefnw. Ein Darmstädter Korrespondent ineldet »ns: Zur Beanitenbesoldnngsvorlagc hiett die Fraktion dck- Banernbnndes der zweiten Kammer gestern Nachmittag eim Sitzung ab, in der nach sehr lebhaft gefiihrter Debatte mit »roher Mehrheit beschlossen wurde, gegen die Lehrerbesolduna in der von den Finanzausschüssen der beiden Kanimern i > Gemeinschaft mit der Regierung beschlossene» Form und damit gegen das gmizc Gesetz zn ftinmieii, da das Ganze a!-: Mantclgesetz zn betrachten ist »nd bei der Ablehnung cii'- der Gesetze das ganze als abgclchnt zn betrachlen ist. T zwei Mitglieder der Fraktion krank sind »nd drei, die Ae-' llr. Weber, Korell-Angcnrod und Leim für die jetzige Fa su»g stimmen, bleiben von Seiten der Fraktion noch 1> Gegner. Ta auch der Freisinn sich teilt und 4 Abgcordueg dafür und vier dagegen sind »nd vo» Seiten d>-„ Zeiilrmn: voraussichtlich nur ein Mann sicki den nein', Anträgen nick: anschliehen will, blieben nur 15 Mann in der Opposition, ix voraussichtlich Nationalliberale und die große Mehrzahl der Sozialbemolratcn geschlossen, nnd das Zentrum i großer Mehrheit für die neuen Aendcrungen stimm.',, wc. den. Die Stelluiignahme des Bauernbundes wird u. A anck damit begründet, daß der Finanzausschuß der zweiten K. nier heute in Gcmeinschast mit der Regierima die Höchst,- halte der mittleren Finauzbeamten von 4800 . ans 5000 ■ erhöht hat. , l?r. 61 Deutscher Reichstag. ?cr Reichstag erledigte am Donnerstag zunächst daS -t'rü i.whniingSgeseh, das »ach kurzer Erörterung der Woh- ■ konimission überwiesen wurde. Bei der dritten Bc- rat'nig des Pvsiick^ckgesehes bezcichnctc Abg. Or. Südekiim (Soz.) die Vorlage als so niangel- bsil. das, sic unmöglich als ein Abschluß bezeichnet werde» Abg. Beck Heidelberg (natl.) gab zu. daß das Gesetz nicht rollkoniiucn sei, aber es bringe doch wesentliche Verbessernn- Rach weiterer kurzer Erörterung wurde das Gesetz ge- in billigt mit dem Beginn der Gültigkeit vom l. Juli 1911. Die Vorlage über die Verhinderung Wechsel- und sckeckrecht- Iö.l.er Handlungen im Anslande wurde in zweiter Lesung ebne Erörterung angenommen. ES folgt die erste Beratung des Luftdcrkehrsgcsetzcs. Ministerialdirektor Lewald: Die Generation, der die Mehrzahl de? Hauses angehört, hat sich in ihrer Jugend mit dem Fliegen nur soweit beschäftigt, als es die deutschen Dichter getan haben. Was der Dichter damals sang: „Ter Himmel über mir und unter mir die Welt" — cs hat niemand daran gedacht, daß cs für ihn möglich wäre, so angenehm und bequem, wie bei der Zcppelinfahrt des Reichs- tagcs das Wort zur Wahrheit werden zu lassen. Wie fern liegen die Zeiten, wo der schwäbische Dichter fragte, wann werden wir fliegen können, und die Antwort erhielt: Wohl 100 Jahre werden vergebe», ehe ein Luftschiff durchs Mor- gcnrot fährt. Das erste Zetzpelinlnftschiff entstand und feit- deu, entwickelte sich stark und vielseitig in allen Ländern und besonders in unserem Vaterlande der Luftverkehr derart, daß man daran denken muß, die Frage gesetzlich zu regeln. Die Zerstörung des ersten großen Zeppelinlnftschiffes in Echterdingen rief eine starke nationale Bewegung hervor und seitdem hat sich die Frage zu hoher Bedeutung entwickelt. Wir haben in Deutschland etwa 29 Luftschiffe, eine große Zahl von Flugzeugen — die der Militärverwaltung -ahlenmäßig bekannt sind — 16 Luftschifshallen über das wnze Reich verteilt, Flugstützpunkte, die von Vereinen ange- legt worden sind, große Flugplätze in den verschiedensten Teilen. Wir haben auch eine Versuchsanstalt für Luftfahrten begründet, die von besonderer Bedeutung werden wird. Dreißig Fabriken befassen sich mit der Herstellung von Flug- zeugen, große Kapitalien sind darin festgelegt. Wenn nun noch 89 Vereine nüt etwa 129 Freiballons bestehen, so muß inan anerkcnnen, daß in der Tat eine recht große Bewegung norlicgt, die schließlich einer gesetzlichen Regelung bedarf. Ran wirst uns Deutschen vor, daß wir eine besonders starke Neigung zum Reglementiere» haben. Aber auf diesem Ge- uete sind wir so zurückhaltend gewesen, wie nur irgend mög- ich. Lediglich eine Ausweisung an die Polizeibehörden ist in Jahre 1911 von den beteiligten preußischen Ressorts aus- wgeben worden. Jetzt ist ein Zeitpunkt gekommen, wo wir dasselbe tun müssen, was andere Nationen bereits getan iabcn. Zunächst wollten wir die Frage durch einen inter- -ationalen Vertrag regeln. Die französische Regierung hat -ckanntlich zu einer internationalen Konferenz cingeladen :nd diese hat im Jahre 1919 ftattgeftiuden. Sic hat sehr ingehcnde und mühsame Vorarbeiten geschaffen, jetzt müssen vir die Frage auch national regeln. Wir haben einen internationalen Vcrkehrsvcrtrag mit Frankreich getroffen mit 'e>n erfreulichen Erfolg, daß die Fälle, in denen deutsche »fkschiffc-tm Nebel auf französischem Boden landeten, keine Schwierigkeiten verursachte». Wenn wir jetzt eine gesetzliche 'iegelung wollen, so geschieht cs in dem Gefühl der Verant- vortung, daß man für den Verkehr Vorsorgen muß im Jn- ercsse des Publikums wie im Interesse der Flieger. Wir vollen strenge und feste Regeln schaffen, eine Grundlage da» iir, daß weitere Opfer, soweit irgend möglich, vermieden und aisgeschaltet werden. Der erste Abschnitt des Entwurfes uthult die Verkebrsvorschriften und dabei ist der Grund- -cdankc, daß die Erprobung neuer Fahrzeuge grundsätzlich »s den Flugplätzen vor sich gehen soll. Der zweite Abschnitt -handelt die Luftsahrunternehmungen. Wir wissen nicht, b sich wirkliche Luftfahrtuuternehmungen größeren oder .änercn Stils entwickeln werden, aber es erschien wichtig, ir eine solche Entwickelung die Bahn ftei zu machen. Daei tverden weitgehende Vollmachten fiir den Bundesrat beringt. Das ist notwendig, weil ja gerade auf diesem Ge- iete wenig Erfahrungen existieren und immer neue Erfin- ungcn auftauchen. Da nmß es der Bundesrat in der Hand abeil, Bestinmliingen zu treffen und darf nicht an starre Be- Iimmungcn gebunden sein. Der dritte Teil handelt dann rn der Haftpflicht. Hier hat die Kritik den Vorwurf er- rben, daß der Haftpflicht zu enge Grenzen gezogen seien. ' im > "'üb aber bedenken, daß eine sehr weitgehende Haft- -licht den, Flugwesen Eintrag tun muß. Das will aber deutsch Voll nicht. Auch Graf Zeppelin hat sich erst iirzlich für die Regelung, daß auf diesem Gebiete in der ionunission eine Verständigung erzielt wird, die der Allge- leinheit Nutzen bringt und auf der anderen Seite die Ge- fibr bietet, daß das deuffche Flugzeugwcscn sich in derselben greulichen Weise weiter entwickeln kann wie bisher. Und ir wollen wünschen und hoffen, daß es unserer Technik und ilserer Wissenschaft gelingen möge» auf der vorbandenen Grundlage tüchtige Flugzeuge zu schaffen, damit Deutschland >lch auf diesem Gebiete in der Welt dorangeht. (Lebhafter ftisall.) Abg. Landsberg (Soz.) bedauerte, daß noch keine inter- mtionalc Regelung dnrckxgeführt worden sei. bezeichnet« die -rage der Haftpflicht als nicht genügend geklärt und bean- - agte Kominissionsberatuna. »lene Tageszeitung. Freitag, den 1!>. !v,arz 1914 Abg. vr. Bclzcr (Zentr.) sah in der Vorlage eine gute Grundlage für die internationale Regelung, gab jedoch zu, daß die Bestimmungen über die Hastpslicht nicht genügten. Abg. Quarck Coburg (natl.) stand auch der Vorlage sym- pathisch gegenüber, wollte aber der Koiumission einzelne Abänderungen überlassen. Abg. I>r. Ocrtel (konl.): Es ist richtig, e? ist wohl keiner unter uns, der vor 1."> Jahren geglaubt hätte, daß wir 1911 ein LuftverkchrSgcsetz beraten würden. Bei aller Begeisterung darf man aber nicht die Nüchternheit vergessen. Mir erscheint der Entwurf ein guter Mittelweg zwischen Zukunftsmusik und Pgsstniism»?., Man sollte doch anerkennen, daß wenigstens eine nationale Regelung herbeigefübrt wird, da eine interngfivngle nickst möglich war. Für uns ist bei diesem Gesetz der springende Pakt die Sicherheit unsere? Vaterlandes und der Verteidigung hex Grenzen. Gewinnt die Entwickelung des Fassschiemwesens einen größeren 11,n- fang, sa hat es der Bnndesrat ja in d'r Hand, die Bestimmungen auf diese auszudelmen. Bei der Regelung der Luft- fabrtnnternehmuugen dürften die Rechte der Einzelstaatcn nicht ansgeschaltet Werden Wir werden, vielleicht einnial da'.u kaininen, die Reichsluftfahrtnnteniehmnngen ziisani- men zu snisen: his dahin aber scheint mir der Entwurf die einzelstnatlichen Rechte genügend zu wahren. Tie Gre izen für die Haftpflickst sind viel zu eng gezogen. Am meisten wird die Lgndwirtschaft bedrobt. bei Notlnndungen. Da reichen die .viaftpflichtbestimmungen nicht aus. Die Landwirtschaft hat lebhaftes Interesse an der Lnttschiffghrt, sie nimmt gern Schäden in Kauf, muß aber geschützt werden Nor erheblichen Nachteilen. Mir danken mit Herzlichkeit und Wärme den Männern, die 'ins in der Lnstschiffnhrt voran- aebrnckst baben. Wir wünschen, daß wir weiter voranwm- men. Das ist aber nur möglich, wenn wir auch in der Ge- setzgebung die Nüchternheit wahren. Ich glaube, das ist im Entwurf der Fall, an den, meine Freunde in der Kommission gern Mitarbeiten werden. (Beifall rechts.) Freitag: Duell-Interpellation. Schluß nach 6 llhr. Ans dem »KÜ. Landtag. Zweite Kammer. Die Zweite Kammer setzte gestern unter Bizepräsident K » r e l l - Angenrod die Beratung des Staatsvoranschlage für 1914 fort. Das Kapitel 13, Landstände, wird ohne Debatte genehmigt. In der Generaldebatte über die 7. Hauptabteilung, Staatsministerium, bespricht Abg. Dr. Osann (Natl.) di« gesetzliche Bestimmung durch die das Militär nur dann befugt Ist, bei Unruhen u. dgl. einzugreisen, wenn er von den Ztvilbehör- Ven dazu ausgesordert wird. Die Vereinsachungskommission habe sich wiederholt mit der Organisation der Oberrechnungr- kommcr beschästigt. Direkte Vereinfachung sei schwer, aber Verminderung der Beamten anzustrcben. Die Tätigteit des Berwaltungsgerichlshofes sei durch die Kompetenzerweiterung sehr gesteigert und sei es gerecht, dem staatlichen Vertreter vor dem Berwaltungsgericht wie den übrigen, richterlichen Beamten ein Sitzungsgeld zuzugesteben, wobei er es dahingestellt sein lasse, ob der Satz von 18 MI. für diese Sitzung ausreichend sei. Die Vereinigung der Hofbibliothek mit dem Haus- und Staatsarchiv, wie sie durch die Verlegung in die alten Empfangsgebäude geplant fei, sei zu begrüßen, Staatsminister Dr. v. Ewald bestätigt die Geltung der Verordnung vom 27 . November 1872 über das Einschreiten des Militärs. Für die Festung Mainz bestehen aber besondere Vorschriften. Abg. Dr. Fulda (Soz.) stellt fest, daß in Hessen, wie ln Baden die Militärbehörde nur dann zum Einschreiten berechtigt sei, wenn die Zivilbehörde darum ersucht. Damit ist die Generaldebatte geschlossen. Die Kap. Ministerium, Auswärtige- und Bundesverhältnissr, Kabinettsdirek- iion, Oberrechnungslammer, Verwaltungsgerichtshof und Haurund Staatsarchiv weiden bewilligt. Bei dem Kap. Rheinschisf- fahrt wünscht Abg. Adelung (Soz.) eine strengere Kontrolle zur Verhütung von Unglllckssällen. Da» Kapitel wird bewilligt. ebenso das Kapitel Stcrbequartale und Porto, Telegrafcn- und Fernsprechgebühren. In der Generaldebatte zur 5. Hauptabteilung: Direkte Steuern usw. bringt Abg. Lang (Natl.) einen Antrag, betr. die Streichung von 25000 Mark für Steuer- cmsschtaggebühren ein. Abg. K or ell-Angenrod (Bbd.) hält es für verführerisch, schon jetzt die Frage des Ertragwertes oder der gemeinen Werter zu behandeln und die Frage, wie weit steht der Haus- und Grundbesitz unter dem Einfluß der Steuerlasten nach dem gemeinen und dem Ertragswert, will jedoch die Angelegenheit an anderer Stelle besprechen. Er ist bereit, bet der Beseitigung der Ungleichheiten bei der Stempelsteuer mitzuwirken, umsomehr als cr schon früher Bedenken geäußert und dagegen gestimmt hat. Er bclpricht die Steuerleistungen der Landwirtschaft, sowie die Schenkungrstcuern, Da Staatsrat Dr. Becker die hierbei in der Landwirtschaft bestehenden ungünstigen Verhältnisse anerkenne, sei «e umso bedauerlicher, daß der Staat noch Schenkungssteuern bei Eutsiibergabevcrträgen erhebe. Redner ftagt dann weiter über dt« Wertermittlung der Zuwachs- steuer an. Abg. Slnger (Ztr.) führt Beschwerde über die weitere Belastung der Gemeinden. Abg. Vusold (Soz.) führt Beschwerde über Härten bet der Auslegung der Cteuerkraft der Arbetter. Verschiedene Wirte beklagen sich schwer übrr dt« unterschiedliche Behandlung bet der Concesfionssteuer bei Kirchweihmustk. Abg. Wiegand (Ztr.) bringt nochmal« seinen Wunsch, betr. Titulierung der Ftnanzamtsgehilse». Er spricht dann für die Entlastung der Ermetndrn von den hohen Kosten der Er- hebungekosten. da der Staat in erster Linie an den Steuer« betrittst ist und ohnedies viel Zeit der «eamtcn für den Staat verwendet werde« muß. Aba. Mergelt Mall.) Ist auch aeaen welkere Belastung __________________ Seift i d-r Gemeinde», bespricht die Tätigkeit der Finanzämft?^7, kritisiert, daß inan bei Berechnung d-r Au-schlagszisftrn v" dreistellige Bruchzisjcr berechne. Man soll- hier nur mit f| e " iien Zahlen rechnen. Abg. Leun (Bbd.) bedauert, daß das Kapitel, Oberrcz nungskammer, schon erledigt ist, sonst würde er dagegen »im 'n«n Redner bestreitet, daß durch dar Wehrsteuergest-tz wesentliche Erhöhung der Kesten eintrete. Abg. Schönberger (Natl.) bringt verschiedene auf v. Tribüne unverständliche Wünsche vor. besonders gegen das <-*. meindestcuergesctz. Ab». Ulrich (Soz.) fuhrt Beschwerde Übel die Ichabtoi» mäßige Erhebung der Stempelsteuer. Man behandle die tcn Betriebe genau so hoch, wie die ganz kleinen. Abg. Dar sch (Bbd.i spricht gegen jede weitere Belast« der Gemeinden. Man habe im Gegensatz zu der BelastungVt Gemeinden auch noch de» Gcnieinden die Einnahmequellen 'ab, geschnitten, wie z. B. durch die Aushebung der Oltsgcrichft resp. Einführung der Notariate. Dann fallen nach dem neuen Gemeindesteucrgesetz auch die Einnahmen hinweg, die bisher die Gemeinden von den Eisenbahnen hatten. Außerdem wurden die Gemeinden dadurch belastet, daß inan eine Gebühr sn Prüfung der Gemeindercchnung an die Oberrechnungskamm i cinsiihrte, endlich hatte man den Gemeinden die Kosten sür die tierärztliche Ueberwachung der Diehmärkte ausgebnrdet und werde man zugeben müssen, daß eben die geschilderten Vcrgä!!- nisse, besonders die Gemeinden, schwer trefsen muß. Es ist ein Akt ausgleichender Gerechtigkeit, daß man zur Entlastung der Gemeindebehörden resp. Gemeindesinanzen dadurch beiträgt, daß alles, was nicht unumgänglich nötig ist durch die Post oder auf anderem Wege erledigt, für diejenigen staatlichen Geschäfte aber, die die Bürgermeistereien resp. Gemeindebehörden auch in Zukunst erledigen müssen, eine angenehme Gebühr gewährt wird. Abg. K o r el l-Angenrod (Bbd.) schlägt vor, daß man die Frage des Ertragswertes später eingehend behandle, hierbei spiele aber bei den Feststellungen die Landwirtschaftskammi, eine sehr wichtige Rolle. Redner ist mit den Ausführnngeii des Staatsrats Dr. Becker, betr. die Stempel bei den tleber- gabeverträgen, sowie Feststellung der Zuwachssteuer, zufricden. Abg. H a u ck (Bbd.) ftagt an, wie es mit seinem, vor einem Jahr gestellten Anftag, betr. die Doppelbesteuerung de- Arbeitcr, stehe, worauf Staatsrat Dr. Becker erklärt, daß dir Feststellungen über diesen Antrag noch nicht abgeschlossen sind Abg. Dr. Stephan (Natl.) spricht gegen den Anftag Lang, auch Staatsrat Dr. Becker hält den Antrag vorerst füi zwecklos, man könne den Behörden nur milde Handhabung der Bestimmungen empfehlen. Redner geht dann auf die Wünsche der einzelnen Redner näher ein und sagt, wo dies möglich, Ab, hülse zu. Hierauf wird das Kapitel 12 angenommen und der Anftag Lang, beft. Erhöhung der Ausschlaggebühren, angenommen. Schluß lx llhr. Nächste Sitzung Freitag 8 Uhr. — Um halb 11 Uhr Beratung der Bejoldungsvorlag-. Berichtigung. In unserem Landtagsbericht über tote Debatten bez. Bad Salzhause» hat unser Berichterstatter gemeldet: Abg. Dorsch warnte vor Verpachtung des Bades. Das ist falsch. Der Abgeordnete fragte, wie lange die Pachtung des Kurhauses noch lause und forderte im Interesse des Bades und der Umgegend, einerseits den Beikehr zu heben, andererseits für Unterhaltung zu sorgen. So schlug er z. B. vor. deb man hie und da einmal die Hofmnstk von Darmstadt konzertieren lasse. Wir stellen dies hiermit richtig. bagesüberkichl. Äeutlches lieick. :: Zur Rachsolgejchaft Kopps. Wie der Telegraphen-Ilnion von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, kommt als aussichtsreichster und der Regierung genehmer Kandidat sür die Nach- solgeschast des Fiirsibischoss Kopp der derzeitige Bischof von Paderborn, Dr. Schulte, in Betracht. Dr. Schulte steht im 42. Lebensjahr und ist unter den deutschen Kirchenfürsten der jüngste. :: Acrzte und Krankeukassen. In Leipzig ist ein neue« Aerztekonslilt wegen der Honorarsorderung entstanden. Nach einer gütlichen Vereinbarung der allgemeinen Oriskranlenkass« mit den Aerzten war seinerzeit beschlossen worden, die in Zukunft der Kasse freiwillig beiftetenden Mitglieder lediglich aus Krankengeld zu beschränken, so daß sie wie alle Privatpersonen den Aerzten den üblichen Honorarsatz selbst mitbczahlen müssen. Das Versicherungsamt hat die dazu nötigen Satzungsänderungen genehmigt. Damit ist die ärztliche Honorarfrage von neuem akut geworden, Oesterreich. :r Mandatsuiederleguug des Abgeordneten Soiha. Abgeordneter Sviha, gegen den bekanntlich von einem tschechische» Blatt dte Beschuldigung erhoben wurde, er sei ein bezahlter Polizeispitzel, hat aus Triest an den Präsidenten des Reichsrats ein Schreiben gerichtet, in dem er sein Mandat ntcder- legt, da er gerichtet und verurteilt worden sei, ohne gehört zu werden und von seiner eigenen Partei verlassen worden sei Sviha verzichtet aus seine Rchabilitiernng. Italien. r; Di- «abiuettskrise in Rom. König Biktor Emanuel hatte gestern nachmittag mit den hervorragendsten Politikern des Landes, mit Salandra, Bettolo, Sonnino und Bissolan, dem Führer der reformierten Sozialisten, längere Besprechung«" in der Frage der Neubildung de» Kabinetts. — Sonnino so sich geweigert haben, bi« Bildung des Kabinetts zu übernehmen. Er soll dem König erklärt habe», daß Giolitti der einzige Mann sei, der dies« Ausgabe mit Ersolg durchsühren könnr- Epanien. :: Kein« gemeinsamen wilitärischeu Operationen. Der spu Nische Ministerpräsident hat einige» Zournalisten gegenu e, als er über die angeblichen gemeinsamen spanischfranzölg - Operationen in Marokko bejragt wurde, erklärt, er sei ""9> ' • daß in der Unterreduna cwilckicn den beide» Generälen LN Kr. Bi Skilt a und Marina di« marokkanischen Angelegenheit«» gestreift worden find. Doch sei die Frage derart delikat, daß man unmöglich viel sagen tonne. Aus leinen Fall habe es sich bei der Besprechung um militärische Operationen gehandelt, sonder« lediglich »m eine Engerschliestung der Bande, di« uns mit unse- rrm benachbarten Volk in ihre Kolonie verknüpfen. Bon, Balkan. :: Eine Proklamation des Fürste» von Albanien. Wie der ^Tcmps" aus Durazzo crsährt, wird der Fürst von Albanien beute folgende Proklamation verösscntlichcn: Albanier! Heute tritt das freie und unabhängige Albanien in eine neue Ge- frl>ichtsacra eia. Das Geschick des Vaterlandes ist von jetzt ab dem König, der Weisheit der Regierung und Len vaterländischen Tugenden anvertrant Ter vor uns liegende Weg ist lang und dornenvoll, aber lein Hindernis ist unüberwindlich für ein Volk, das aus berühmte Traditionen zurllckblickt und das wie wir den festen Willen zur Arbeit und zum Fortschritt >>at. Unsere Pflicht und diejenige unserer Nachjolger wird «L immer sein, die Wohlfahrt der Station mit allen Kräften anzu- ftrcben. Von diesem Gefühl beseelt haben wir aus Euren Händen die albanische Krone übernommen. Albanier! Im Augenblicke der Thronbesteigung erwarten wir, daß Ihr Euch alle um Euren König schart und mit UNS an der Erfüllung der nationalen Wünsche arbeitet. Mexiko. :: Die Lage. Aus Bryans Vorstellungen hin verzichtet Earanza auf seine Idee, direkt mit anderen auswärtigen Mächte» als mit den Vereinigten Staaten verkehren zu wolle». Er hat das bekanntlich mit England versucht; künftig will er stets die amerikanische Vermittlung nachsuchen. — Eine kleine Meuterei in einer Kaserne der Stadt Mexiko endigte, wie be richtet wird, mit drei Verhaftungen Zur Krankenkastenwahl. Ani Sonntag, nachmittags 4 Uhr, findet auf dem Lclzerbrnnncn zu Groß-Karbcn eine Versammlung für die am 22. ds. Mts. stattfindende Krankenkassen»»!,! statt. Alle Landwirte, Gewerbetreibende, Gcmeindcbecunte and nationalgesinnte Arbeiter werden auf diese Bersanini- lung ailsmerksain gemacht und um ihr Kommen gebeten. Unständige Arbeiter. We-- unständige Arbeiter beschäftigt, muß fre, wenn das Wahlrecht gesichert werden soll, am 14. März, also morgen, bei der Ortskrankenkajse (d. b. bei dem Untcrcrhcbcr seiner Gemeinde) melden. Bor- aussebung ist, daß der Arbeiter am Tage der Wabl bei ihm bcsclstlftigt ist. Knut» der Landwirte. Bcriammlniist Freitag, de» 13. März, abends 8 Uhr, zu Kirch-Göns »Zum Löwen". Redner: H i r j ch c l - Friedberg Ani Samstag, den 14. März, abends 8 Uhr, zu Reichclshcim i. d. W. »3»r Rvsc." Redner: H l r s ch c l - Friedbcrg und Landtagsabgeord- netcr Breidenbach -Dorheini. Zahlreicher Besuch, auch von Gewerbetreibenden, will- kommmen. Ans der Keimat. * Friedberg, 13. März. Der Lackierer H. Thon aus Schlesien Dar früher bei einem hiesige,i Malermeister beschäftigt. In dieser Zeit hat er an verschiedene Personen Bettelbriefe geschrieben, deren Inhalt aus vollständig unwahren Angaben besieht. Unter anderem behauptete er, er fei vielfach wegen cines Lungenleidens in Heilanstalten gewesen und 83 Prozent crwcrbsunsähig. Zn einem Brief an den evangelischen Geistlichen ln Fricdberg spielt er sich °l, guten Protestanten, ln einem Brief an eine katholische Schwester als guten Katholiken auf. Er hatte wenig Erfolg mit seinen Schwindeleien, einmal erhielt er eine Mark, ein andermal «inen getragenen Rock und freie» Mittagessen. Wegen Betrugsversuchs wurde er von der Gießencr Strafkammer zu 6 Monaten Gefängnis und wegen Bettel,is zu 4 Wochen Haft verurteilt. « Fricdberg, 13 März. Am vergangenen Montag wurde unsere Eroßh Obstbau- und landw. Winterschule durch Herrn Ministerialrat Schlicphake und Geh. Landerökonomierat Müller einer Revision unterzogen. In Begleitung dieser Herren bcsand sich der Kaiserlich Russische Staatsrat von Felkner, der den Unterricht und die Einrichtung genannter Anstalt kennen lernen wollte. Wie wir hären, waren die Herren von dem Besuche sehr befriedigt. — Gestern weilte Herr Dr. Edwin Coolcy, Setretär der Handelskammer in Chicago, und der Direktor der Gewerbeschule ln Frankfurt, Herr Back, an der Obstbauschule, um ebenfalls die Art des Unterrichts und deren Einrichtung kennen zu lernen. * Friedbcrg. 13. März. Nächsten Sonntag, den 15. März, abends 8 Uhr, feiert die Evangelische Vereinigung im Hotel Trapp den letzten Faniilienabenb dieses Winters. Den Vortrag über „Hausmusik" hat Herr Pfarrer Marx au» Darmstadt übernommen, der für dieses Thema ein besonders geeigneter Redner ist. Erfreulicherweise haben sich eine ganze Reihe Damen und Herren für den musikalischen Teil des Abends zur Verfügung gestellt. In Vokal- und Instrumentalvorträgen werden zahlreiche Proben edler Hausmusik geboten werden. Wir lade» die evang. Gemeind« z» der schönen Unterhaltung sreundlichst ein. * Beienheim. 13. März. Unser Kiicgervereinsmitglied, Herr Gg. Rofenbecker und Fra» Margaretha feierten am 10. bS. tMs. das Fest der silbernen Hochzeit. Mit Genugtuung kann das Ebevaar ans ibre El,«zeit znriickbsicken. denn Herr VltHt Tag«»^itu«s. Freitag, den II. «ar, 1911 Rofenbecker und seine Angehörigen erfreuen sich der allgemeinen Achtung »nd Beliebtheit. Es wurde dieses auch bewiesen, indem unser Kciegcrverein und Turnverein dem feiernden Paare am Abend ein Ständchen blochten, durch die übrigen OrtScinwohner, daß sie Herrn Rofenbecker bei der letzten Gemcinderatswahi mit größter Stimmenzahl zum Gcnieinderat wählten. Znm Schinffe wünschen wir alle der Familie Rofenbecker weiteres Giiick und Segen und daß diese noch mehr als die goldene Hochzeit in gleichem Matze feiern. * Kaichc», 13. März. In Nr. 54 der Frankfurter „Volksstinnne" lesen wir eine Betrachtung zu der in Nr. 44 der „Neuen Tageszeitung" erschienenen Notiz unter Kaichcn, die nicht unerwidert bleibe» darf. Es verlohnt sich nicht, den mit bekannten foziaidcinokraiiichen Phrasen und Unwahrheiten ausgestatteten Artikel den Lesern der „Neuen Tages- zeiinng" vorznsetzen, denn es wäre wirklich schade für den Raum »nd die Druckerschwärze, daß dieser Quatsch, um es mit einem deutschen Ausdruck zu bezeichnen, in Anspruch nehmen würde. Zmiächst behauptet natürlich der Berichterstatter der „Volksstinnne" genau das Gegenteil von dem, was in oben erwähnter Nr, 41 der „Tageszeitung" zu lesen war und versuchte die bekannte Angelegenheit mit ihrem seitherigen Partciwirt Fink in der Weise darzustcllen, die alles andere, als der Wahrheit entsprechend, ist. Man kann cs ja bcgrcislichettveise den Herren der roten Internationale sehr leicht nachfühien, daß es ihnen sehr unangenehm ist, wenn ihre terroristischen Maßnahmen, von denen hier in Kaichcn ungezählte Beispiele anznführen wären, an die breite Oessentlick>Ieit gelangen. Anstatt nun mit unerschrockenem Manncsinut, den ja die Genossen sonst bekanntlich für sich allein in Anspruch nchnien, der Wahrheit ins Auge zu sehen, stimmen sie in ihrem Organ ein klägliches Jammergeschrei an, wenn ihnen ihr Sündenregister cimnal vor Augen gehalten wird. Sie schieben jetzt die ganze Schuld auf die Wirtin, indem sie von ihr weiter nichts verlangten, als die Beleidigungen gegenüber den Arbeitern zurück zu nehmen. Von den Veleidignngcn, die von Seiten der Genossen dem Wirt oder der Wirtin zngcfügt wurden, darf natürlich 'eine Rede sein, den» die müssen sich diese selbstverständlich ruhig bieten lassen, dcrsür genießen sie ja die hohe Ehre, die Partei für Freiheit lind Recht z» bedienen. Nun lesen wir in der Frankfurter „Volksstiminr" wörtlich: „Die Bündler verkehren nur dort, wo ihre Presse aufliegt »nd alle Wirte fürchten ihren Terror. Bekanntlich haben die Herren unserem langjährigen Wirt Schöiiwolf, obwohl die Partei- Presse dort nicht auslag, solange zugesctzt, bis er uns das Lokal kündigte. Doch als Schönwols nicht mehr nach ihrer Flöte tanzte und die „Neue Tageszeitung" abbestellte und nicht auf ihr Kommando zur Wahl ging, wurde er auch „n Stille» boykottiert," So zu lesen in der „Volksstimme." Dies ist doch wahrhaftig eine recht plumpe Erfindiing. Wir möchten den Wirt hier in Kaichcn sehen, der den Terror der Bündler fürchtet, sie haben ja auch gar keine Ursache dazu, beim die Bündler sind bekanntlich, besonders hier in Kaichen, viel weniger zuverlässig in der Ausübung von Terror, als die Sozialdemokraten. Wir möchten ferner den sehen, 't>cr cs wagen würde,,, Herrn Schönwolf zur Wahl oder znm Auf- legen der „Reuen Tageszeitung" zu kommandieren, vorausgesetzt, daß ihm seine Knochen lieb sind. Die Bündler verkehren vielmehr nach wie vor bei dem langjährigen Wirt der Genossen, Herrn Schönwolf, und lvcnn wirklich einer oder zwei dieser Bündler sein Lokal meiden, so geschieht dies nicht aus politischen Gründen, sondern aus persönlichen, deren Erörterung hier belanglos ist. Den Genossen bleibt es ja überlassen, sich ihren langjährigen Parteiwirt Schönwolf wieder zu eigen zu machen, wir fetzen natürlich voraus, daß Herr Schönwolf diese unzweideutige Gunst in liebenwüedi- ger Weise annimmt. Wenn dann zum Schluß der Berichterstatter der „Dolksstimme" auf persönliches Gebiet übergeht und den Durchfallkandidat in loyaler Weise bedauert, so glauben wir, ihm verraten zu können, daß sich dieser Durchfallskandidat höchstwahrscheinlich bedanken wird, unter den gegebenen Verhältnissen einem wohllöblichen Gcmeindirat von Kaichen anzugehören. Es gehört wohl schon ein starkes Stück Egoismus dazu, sich solchen Illusionen hinzugeben. Wir werden ja sehen, welche Früchte diese Herren zeitigen, wenn sie einmal, um mit der „Volkssftmme" zu sprechen, eine 15jährige Tätigkeit im Gemeinderat entfaltet haben; die Gemeinde Kaichen wird dann sicher politisch und finanziell auf dem Höhepunkt stehen und die Bürger werden gezwungen sein, den derzeitigen Machthabern ihre Dankesgefühle nnverholen zum Ausdruck zu bringen. Jedoch im Gegensatz hierzu möchten wir noch betonen, daß die stolzen Hoffnungen, denen sich der Artikelschreiber der „Volksstimme" hingibt, wohl noch lange als schöner Traum ihm in Erinnerung bleiben wird, denn wahrlich, cs müßte keine deutschen Bauern nrrhr geben, wenn dieser Traum in Erfüllung gehen scllte, oder Sie, meine Herren Genossen, müßten zum mindesten über die Leichen dieser treu und nationalgesinnten Bauern, Bürger und Arbeiter hinwcgmarschieren, ehe Sie zur Verwirklichung Ihres teuflichen Planes gelangen rönn- tcn und das wird sich rin Stadthagen. Cohn, Liebknecht und selbst die blutige Rosa und wie Ihre sonstigen Geistesgrößen alle heißen, wohl noch hundertmal reiflich überlegen. — Ta- mit schließen wir unsere Erörterungen mit dem Hinweis, daß wir auf alle Weiterimgen mit dem Gewährsmann der Frankfurter „Dolksstimme" verzichten. Er möge in Ruhe seinen schönen Traum von dem sozialdemokratischen Zu- kunftsstaot weiter träumen, * Gießen, 13. März. Bckik auswärts wirb' den Sonn- kagsvorstellungen unserer Bühne des Stadttheaters dieses Jahr Ivieder ganz besonderes Interesse entgegengebracht und .Darftell» wie auigesübrte Stücke erfreuen sich zur Zeit ganz außerordentlicher Anerkennung. Da die diesjährige Spiel- zeit mit dem 5. April schließt, dürften die letzten Sonntage ganz besonders starken Zuspruch finden und Interessenten weiden deshalb gut tun, sich Plätze durch Vorbestellung zu sichern. Der nächste Sonntag bringt nachmittags die unbedingt letzte Aufführung der Operette „Das Mnsikanten- niädel" mit Fräulein Martini in der Titelrolle. Am Sonntag Al>cnd wird Sudcrnianns Komödie „SchinetterlingS- schlackst" wiederholt. Diese letztere Aufführung hat bei dem Publikum wie namentlich bei der Presse, ganz ungewöhn- lick>en Beifall gefunden und darf als eine der allerbesten unserer Bühne gelten. Die beiden Sonntags-Vorslcllnnge.i werden bei kleinen Preisen gegeben. * Treis a. Lumda, 13. März. Am vorigen Sonntag fand im Saale des Gastwirts Will dahier die 2 . diesjährige Versammlung des Zwcigvereins des Evang. Bundes statt. Erster Redner war Herr Naumann aus Nanzhausen, Kreis Mar bürg. Er sprach über evangelisches Gemeindclebe», Herr Psar rer Rechner als zweiter Redner über die Königin Luise. Beiden Rednern wurde starker Beisall zu teil. Aus Starkenburg. * Darmstadt, 13. März. Mit einem interessanten Fall von Verletzung des Briesgeheimniffes hatte sich die hiesige Straf kammer zu befassen, nachdem bereits vor kurzer Zeit ein ähnlicher Fall die Franlfurter Gerichte beschäftigt hatte. Angc- klagt war der Reisende Riedel, der sich daneben auch noch wegen Urkundenfälschung zu verantworten hatte. Der Angcttagle, der verheiratet und Vater eines Kindes ist, lebte mit seiner Frau nicht besonders glücklich, sodaß sich diese schließlich von ihm »rennte und nach Essen verzog. Der Ehemann sorgte aber sür den Unterhalt der Familie. Im Laufe der Zeit glaubt« d-r Mann, der als Regender tätig war, Grund zu der Annahme gesunde» zu haben, daß seine Frau zu anderen Männern in Beziehung getreten sei. Um sich darüber Gewißheit zu vcrschassen, verfiel er aus folgenden Trick. Er füllte eines der bekannten Postnachscndungssormularc aus, Unterzeichnete cs mit dem Romen seiner Frau und stellte darin den Antrag, die eingehenden Briesschaftcn ihr nach Neu-Isenburg nachzusenden. Aus diese Weise erhielt der Angeklagte drei Briefe, die an seine Frau gerichtet waren, und die er unbefugter Weise öffnete. Die Schreiben enthielten hinreichendes Material zum Beweise ba- fiir, daß die Frau die Ehe gebrochen hatte. Als der Mann aber von diesem Material Gebrauch machen wollte, zeigte ihn die Ehefrau au. Nach dem Buchstaben des Gesetzes mußte der Angeklagte verurteilt werden. Der Gerichtshof würdigte aber die ganze Situation und erkannte wegen der Urlundcnjälschung begangen durch Unterzeichnung eines falschen Namens auf 1 Tag Eesängnis, wegen der Berletzung des Briefgeheimnisses aus 5 Mark Geldstrafe. Bereinigte Landwirte An Beiträgen gingen weiter ein: Vilbel 73,50; Stierstadt 2 8,50; Bergen 102,10; Stterstadt 50,10; Langenhain 70,00; Granau 90,70; Kaichcn 11,70; Bommersheim 76,50; Gonzenheim 54,70; Rieder-Rosbach 61,00; Marxheini 83,00; Rieder (Erlen- buch 65,90; Büdesheim 137,00; Seulberg 91,20; Unter Lieder bach 123,10 Mark. Der Rechner: Hcnsel. Neueste mit» Pralflnachrichtcu. Verhaftung. Darmstadt, 13. März. Wegen nmsangreicher Unterschlag nngcn und Betrügereien wurde der Verwalter des Offiziers lasinos des hiesigen Train-Bataillons, der Unteroffizier August Schmidt aus Rainrod in Obcrhesicn festgenommen und in das Militärgesängnis «ingcliescrt. Er ist beschuldigt, während der letzten Jahre bedeutende Summen, die bis zu 10 000 Mark betragen solle», unterschlagen und für sich verwendet zu haben Er dient im 8, Jahre und wollte sich demiiächst verheiraten. Hriefkallerr. Original-Wctterauer Tiesland-Club. Wir bedauern Ihre Anzeige nicht ausnehmcn zu könne». Die 01 Pfg. liegen hier zur Abholung berett. Hcu- »nd Strohmarkt. Heu kostete 2,80 bis 3,10 . 11 . Angesahren waren 7 Wagen Heu. Die Zufahren waren aus -Oberhessen, den Kreisen Dieburg und Hanau. Das Geschäft ist ruhig gewesen. Franksurler Wrtierbericht. Voraussage: Wechselnd bewölkt, zeitweise Niederschläge, mild, westliche Winde, Verantwortlich sür den politischen Teil: Otto H i r s ch e l, Friedberg: für den lokalen und unterhaltenden Teil: Bernhard Lenz, Fricdberg; für den Anzeigenteil: Karl Schmidt, Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tages- zeitung", A.-G., Friedberg i. H. Eine gelorte rmmifntfllct Kuh welche im April das zweite Kalb wirst, steht zu verlausen bet Friedrich Rapp, Burggräsenrode Habe einen iprung'iihtgcn >8 Monate alten gekreuzten flmmen taler Kulten ; zu verkaufen. Grüner, Bürgermsir., ,dt,r»«rb»r«. Entlaufen ein schwarzgraucr ehr langhaarig. Spikhund Vor Ankauf wird gewarnt egen Belohnung abzugeben bei! Fobannes Roth 1.. Berstadt. | Suche zu laufen einen gebrauchten noch gut erhaltenen Ätttyltn-AWlirat Offert, mit Größe und Preis an Martin Mntl», Zum Forslhaus Vilbel. Ein hochträchliges MftldlMI, (2. Ferkel) steht zu verkamen bei Wilhelm Winter 1., «ingentzeiur. 91 r. 81 *>(c«c Lageszciiiiiig. Freitag, acn 13 . Marz 1914 . Stile 4 . >>s Hin Telefon Ui FricVberg i. H. Anisechatzc 55 bietet Ihnen auch in diesem Jahre die größte Auswahl Konfirmandenstiefel Neueste geschmackvolle Formen in Vox-Calf, Chevreaux und Lackleder. sr tütaMMf Am Sonntag, den 1». d». Wts. findet in Darmstadt im auiitmrlbrän (am Haupibahnhos) nachm. 3',, Uhr eine Versammlung ,^ott. wozu wir die Mitglieder der Zweigvcreine Friedberg und Franksurt a. M, sreundlichst einladen Unter Punkt 2 der Tagesordnung steht ein Bortrog des Herrn Oekonomierats H a u g.Darmstadt, welcher von aUjeitigem Interesse lein dürste und bitten deshalb um zahlreiche Beteiligung. Freunde und Gönner herzlich willkommen. Der Vorstand: W»ls--tute. Hauptgeschästssührcr. Holzversteigerung. Montag, de» 18. d. Mts., sollen in den Waldungen der Stadt Staufenberg in den Distrikten Maistrauch, Wand, Schabenberg und Eichwald versteigert werden: 5 Eichcnstämmc l. Kl., 60 und mehr Zentimeter Durchmesser = 11,02 Stirn. 16 Eichenstämme 2. Kl., 50—59 Ztm. Durchmesser = 19.73 Fstm. 41 Eichenstamme 3, Kl.. 40—41) Ztm. „ — 34,67 2 Kiesernstamme 2. f“ 1 ., 40-49 Ztm. „ = 1,92 7 3. Kl, 30-39 Ztm. „ =, 4,05 17 Stuck Eichen-Derbstangcn 1. Kl. 359 Stück Fichtrn-Derbstangen 2. Kl. 20 Stück Fichtcn-Reisstangen. Stausendrrz, den 8. März 1911. Erosth. Bürgermeisterei Staufenberg. Stipbü». Fstm. Fstm Fstm. Wolle. Halbwolle, Baumwolle u s.w.| erhallen prachh/olle.echfe Färbungen. Es kosten zu färben : 1 Kinderkleid 10PTg. 1 Bluse lOPfg. 1 Frauenkleid 50-75 Pfg. Alle Farben in PäcKchenalOu25Pfg| Ausdrücklich.Heilmann'V'Farben mil r ■ Schutzmarke /uchskopf im Stern fordern. I Fabrikanten : Cibr. Heitmann, Köln u Riga j Erhältlich bei: 3. Baumeister Bachs., Hast. Friedberg, Kaiserstr. 15. Grotze Ersparnisse kann die Hausfrau gewinnen, wenn sie die millionenfach bewährte Schuhkrem "ei';»®» mit Sparstcb , in ihrem Haushalt verwendet. Fabrikant: Rud. Starck«) Melle i. 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Vereine, die unentschuldigt der Eauvorturner- stunde sernbleibe», erhalten bei der Wertung der Vercinsriege einen Punkt gekürzt. 4} Die Diplome für Eaumeisterschafts- Spicle stellt in Zukunft der Gau. 5) Die Vereine haben bis zu 50 fleucrzahlcndcn Mitglieder zwei Vertreter, von 50 bis 100 einen dritten Vertreter und für jede weitere Hundert, wenn die Zahl 50 überschritte» wird, einen weiteren Vertreter für den Turntag. 8) Als Festtage für das diesjährige Eauturn fest in Seulberg werden der 25. bis 27. Juli angenommen. 7) Die Wahl des Feftoctes für das Gaufcft 1915 fällt auf Köppern 8) Das Zöglingswctturncn für dieses Jahr wurde Turnverein Hausen-Anspach übertragen, und findet dasselbe am 28. Juni statt. Um 6 Uhr wurde der Turntag seitens des Gauvertretcrs geschloffen. * Usingen, 13 März. Gelegentlich einer im November v. I in Cleeberg abgehaltcncn Hochzeit war es nach dem Tanz zwi fchen mehreren jungen Burschen zu Streitigkeiten gekommen bei der die Bicrgläjer nur so niederhagelten. Bei der zweiten Auflage der Keilerei arbeitete der 21jährigc Albert Jung aus Cleeberg gehörig mit dem Messer, einem Kollegen dabei mit der Waffe zwei Stiche in den Kopf und einen in den Arni ver setzend. Das Schösfcngcricht Usingen hatte Jung dajür mit 4 Monate» Gefängnis belegt. Die Strafkammer Wiesbaden verwarf die von Jung eingelegte Berufung, indem cs di> Strafe für durchaus am Platze hielt. "Wiesbaden, 13. März. Die Ehefrau Fiedler in Wicsbader glaubte sich Ende v. I. in einem anderen Stand. Um dem ad- zuhelfen, begab sie sich zu einer ihr bekannten Frau, der sie Vor teile versprach, wenn sie ihre Dienste ihr zu einem gewissei Zweck zur Verfügung stellte. Nachdcin sie aus die Strafbarke! ihres Handelns aufmerksam gemacht worden, nahm sie von ihrein Vorhabe» Abstand. Daß sic überhaupt nicht in einem „»deren Stand war, mußte sie auch bald seststellen. Die An gelcgcnhcit kam zu Ohren des Staatsanwalts, der wegen Auf forderung zu einem Verbrechen, aus Paragraph 49 a St. 6 B Anklage erhob und die Bestrafung der Angeklagte» zu 1 Woche Gefängnis vor der Strafkammer durchsetzte. * F. C. Wiesbaden, 12. März. „Auf seineni Amboß ip ftTjon längst Gras gewachsen". Diese drastische Bezeichnung fand gestern vor der Strafkammer ein Ze»ge in einer Verhandlung gegen den aus -Oesterreich gebürtigen Schlosser 5? Klaber in Wiesbaden, dem Buchmacherei zur Last gclegi wurde. Daß er bei diesem Gewerbe erheblich Geld machte geht daraus hervor, daß er nach dem gleichen Zeugen, „wi< ein kleiner Fürst lebte". Daß sich das Geschäft rentierte, ergibt sich des weiteren aber auch daraus, das; er, trotzdem er schon zweimal wegen gleichliegender Vergehen vorbestraft ist, zuletzt am 29. April 1913, weiter Wetten vermittelte und auch selbst hielt. „Stets schwamm er im Geld und konnte beispielsweise gelegentlich eine« Ausentl,altes in Mannheim bei „Meine Tante, deine Tante" fortgesetzt die Bank springen, so äußerte sich ein anderer Zeuge. Daß es aber manchmal an de»; guten Willen fehlte. Gewinne an Kundfchafl auszuzahlen, lag in der Lebensart Klabecs und zwang ihn auch, den deutschen Stand von den Schuhen zu schütteln »ni das kam so: Ein Kellner hatte bei Klaber, einem B»chmack>er Arnold und einem Dritten in der Schweiz je 10 auf ein Pferd gesetzt. Als dieses für 10 : 335 M brachte, rückte Klaber ab, zumal ein anderer Kunde für 300 : 900 M von ihm zu fordern hatte. „Bei solchen Gewinnen ist da? Wetten ja sehr rciltabel", meinte der Gerichtsvorsthende unter Zustiin- mung der Beisitzer. Klaber aber verfiel wegen Bnchmacherei in sechs Wochen Gefängnis >u;d 800 M Geldstrafe; fein Sckreibcr, der Friseur Philipp Rupv, >»egen Beihilfe dazu ZUM Pili,geilen. Roman von M. Prigge-Brook. 15 (Fortsetzung). Mary warf ein Morgcnkleid über, schlüpfte in ibrc Schuhe und betrat den Flur, um ihren Mann zu holen. Sie hatte ihm eine Strafpredigt zugedacht. In des Doktors Zimmer brannte Licht, der Schein siel durch die Türritzcn. Das junge Weib stand einen Augenblick lauschend still. Drinnen rührte sich nichts. „Ob er an; Schreibtisch eingeschlafei; »ft," dachte sie und öffnete die Tür. - In seinen ArbeitSstnhl znrückgelehnt, saß Doktor Heinz mit auf die Brust geneigtem Haupte. Die Arme hingen schlaff herab, in seiner Haltung prägte sich tiefste Erschöpfung auS. „Heinz"! rief Mary, die ihren Acrger vergaß, „armer, lieber Heinz!" Von rückwärts umfaßte sie seine Schulter und olückte einen Kuß auf seinen Mund. Im selben Momente schrie sie auf, — es gellte sck>al;erl;ch im Hause. Ihre Lippen wurden eisig kalt, sie hatten eine Leiche berührt. Jobst Heinrich Sebald war tot. Ein Herzschlag hatte seinem hoffnungsvollen Leben ein Ziel gesetzt. Marys Schrei weckte die Mädchen. Monika eilte herbei. Ein Blick zeigte ihr, was geschehen. So schnell ihre alten Beine sic trugen, eilte sie die Treppen hinan, läutete «n der Türe des Oberstockes Sturm und weckte Rosemarie, die bereits schlief. Diese verstand die wirren Worte der alten Magd nicht, doch ahnte sie ein Unglück und stürzte hinab. Die Vorsaaltüre stand offen, aus ihres Bruders Zim- nicr schimnierte Licht. Rosemarie tvar wie der Blitz zur stelle, öffnete und sah — einen Leblosen, zu dessen Füßen die ohnmächtige Frau lag, »Um Gottes willen, Heinz, komme zu Dirl" rief sie EcsfnnasloS. „Erbarme Dick!" Und sie begann die kalten Hände des Toten zu streicheln und sie in den ihren zu erwärmen. Karl, der mittlerweile herbei kam. flog zum Arzt. Es dauerte lange, bis dieser erschien und der verzweifelten Schwester bestätigte, was sie ihren eigenen Augen nicht glauben wollte. Ihr Bruder war tot. Der Doktor müßte lick um die Obnmäckstige, die die Schwägerin außer acht gelassen. Ans sein Geheiß trugen Monika und das HanSmädchcn die Aermstc in ihr Zimmer »nd legten sie ans ;hr Bett. Sie bemühten sich um sie, bis sic endlich die Augen aufschlug. Ihr starrer Blick wandte sich suchend um. „Heinz", murmelte sie verstört. „Heinz!" Der alte Mann wandte sich ab. Den Jammer mochte er nicht mit ansehen; still schlich er hinaus und suchte Rosemarie. „Geben Sie zu Ihrer Schwägerin. Die Arme scheint nicht recht zu wissen, was vorge*allen ist. Es ist unbedingt nötig, daß man ihr die entsetzliche Wahrheit so schonend als möglich beibringt." „Ich bleibe hier", wehrte Rosemarie, versteinert in ihrem Schmerz. „So lange ich meinen Bruder noch sehen kann, weiche ich nicht von ihm." Sie setzte sich an ihren alten Platz neben der Chaise, auf die man einstweilen den Toten gelegt. „Mein Heinz", murmelte sie in zärtlichem Ton, „jetzt ge- hörst Du wieder mir, nur allein." Als der Doktor sah. daß hier nichts zu machen, schickte er zu Frau Hart. Irgend jenumd mußte um Mary sein, sollte sie nickst ernstlich Schaden nehmen. Sie lag noch immer regungslos auf derselben Stelle und starrte gespannten Blickes nach der Türe. Die Bürger- incisterin mußte das schwere An;t auf sich nehmen, die arme, junge Frau zu verständigen. Es schien, als habe die Erschütterung sie vergessen lassen, was sie erlebt. Jminerhin war die Ahnung von etivoS Schrecklichem in ihr, auf das wartete sie. Juliens Mitteilung folgte ein Schrei, so laut und se schauerlich, wie ihn die Mauern de-s Pflugeisens nie gehört Das junge Weib gebärdete sich wie eine Wahnsinnige. Sie raufte sich die Haare »nd bestand darauf, mit ihrem Heinz zu sterben. „Ich mag nicht leben ohne ihn", jammerte sie. Schließlich endete der Parorismus in einen; Tränenstrome, liebevoll nahm Julie sich der Verlassenen an. Sie bettete das dunkle Köpfchen mütterlich an ihre Brust. „Weine Dich aus, Liebling", sagte sie weich, „Tränen lindern den Schmerz." Mary weinte, bis sie erschöpft von Schwäche und von Jammer einschlief. Da erst verließ die Bürgermeisterin sie. un; nach ihrem Neffen zu sehen. Wieder hat der Tod ein blühendes Menschenleben vernichtet; es lag wie ein Verhängnis über dem Pflugeisen. „Seit Generationen steht unsere Familie mir ans zwei Augen. Gott schütze das Kind!" klagte die alte Frau. Rosemarie verharrte in ihrer Stellung neben der Leiche. Sie hielt dem Bruder Totenwacht. Sie weinte nicht, sie klagte nicht-, aber sie preßte die kalte Hand fest. In ihr lvar ein seltsames Gesühl, gemischt aus Trimnph und bitterem Kummer. Triumph, weil Heinz ihr nun doch blieb, weil er den Sebald gehörte. Draußen vor de» Toren schliefen sic in ihren Gewölben: er würde für immer bei ihnen sein Es gab ihr fast ein ruhevolles Gefühl. Daneben fraß der Kummer ihr am Herzen, daß er hingegangen, bevor sich sein Geschick erfüllt. Die Schwester wußte, er war zu großen Dingen be- rufen, sie war stolz auf ihn gewesen. Und doch und doch! Lieber tot und einer der Ihren, als ihn lebend an ein Weib zi; verlieren »nd an den ihn nie verziehenen, fremden Beruf I (Fortfehung folgt). Neue Tageszeitung. Freitag, den 13. Stürz 1914. Nr. es ■: .; 'Tome Gefängnis und 80 M Geldstrafe. 350 be- ■ x-r. 'limi-iS Weltgeld wurde eiugezogen. tf. Aiidrsheim n. Rh., 12. März. Der Minister für -ir'.'chast, Domänen und Forsten, Freiherr v. Schorle- r--, hat, wie im§ soeben von Berlin gemeldet wird, ;■:» der Stadt Niidesheim a. Rh. und der König!. . ng zu Wiesbaden vereinbarte Abkommen wegen der n»g des Riederwalds mit Wasser genehmigt. Die di :lüdesheim stellt der Regierung das nötige Wasser aus . scn Wasserwerk gegen eine bestimmte Vergütung Verfügung, da? von da mit elektrischer Kraft auf den Ri derwald gehoben wird. Die erforderlichen Arbeiten für R. Leitung von Rüdesheim ans den Niederwald werden so- f-_. 1 1 ausgeschrieben und so gefördert, daß die Anlage Anfang Mai. während der Kaiser in Wiesbaden Hoflager nimmt, stetig gestellt und im Beirieb ist. Die Wasserverforgungs- fiage des Niederwalds ist nämlich durch Seine Majestät in Fluß gebracht worden und der Initiative des Herrschers zu danken. Der Kaiser wird von Wiesbaden aus den Niederwald besuchen. Außer dem Niederwald wird der Kaiser während seines diesjährigen Aufenthalts in der Mairesidcnz Wiesbaden das Militärgenesungsheim für das 8. und 18. Armeekorps int Kloster Eberbach besichtigen. Bereits während des- Aufenthalts des Kaisers int Spätsommer vorigen Jahres auf Schloß Homburg v. d. H. war beabsichtigt, das Genesungsheim in Eberbach und die kunsthistorischcn Ge- bäude des ehemaligen Klosters Eberbach selbst, das einst auf Veranlassung der Kaiserin Friedrich nach einem Besuche der hohen Frau im Jahre 1870 vor weiterem Verfall bewahrt blieb, zu besichtigen. Da die Einrichtung des Genesungs- heims im vorigen Jahre noch nicht völlig beendet und die Wege im Klosterbezirk sehr unpraktikabel waren, nahm der Kaiser auf Bitten des Kommandierenden Generals des 18. Armeekorps, v. Schenk, von dem Besuche damals Abstand. Auch die Marksburg bei Braubach wird der Kaiser von Wiesbaden aus besuchen. • Lasset, 13. März. Bei den Stadtverordnctenwahlen siegte in der dritten Wählerklasse mit 500 Stimmen Mehrheit die Piste der Bürgerlichen Über die der Sozialdemokratie, sodaß jetzt nur noch ein Sozialdemokrat in der Stadtverordnetenversammlung sitzt. Aus Starkcnburg. • Oifcnbach «. M., 11. Mörz. Wegen Schädigung der Ortskrankenkaffe Ofsenbach hatte sich der 44 Jahre alte Kcffelrcini- ger B. L. Gallert daselbst zu verantworten. Al» Kesselreiniger gilt er als selbständiger Gewerbetreibender, nahm aber im Sommer v. I. bei ruhigem Geschäftsgang aushülfsweise eine Stellung bei einem Spenglermeister an. Er wurde auch zur Ortskrankenkassc angemeldet, erkrankte aber schon nach kurzer Zeit und sind für Arzt, Krankengeld, Arznei usw. etwa M. 225 Kosten zum Nachteil der Ortskrankenkaste entstanden. Da ©. während seiner Krankheit nun durch seinen Sahn und einem Gehüsten verschiedene Kesjelreinigungsarbeiten aussühren ließ, erfolgte seine Anzeige wegen Betrug. Da er selbständiger Meister ist, hätte er sich als steiwilltgcs Mitglied der Ortskran- kenkaffe anmeldrn müssen, er wäre aber jedenfalls nicht ausge- notr.i, eit worden, da er an einem chronischen Leiden behaftet ist. Das Gericht konnte sich redoch nicht davon überzeugen, daß 8. bewußt rechtswidrig gehandelt hat und sprach ihn frei. • Dacmstadt, 11. März. Neue Versuche der Telepathie, Wunder aus der Wachsugeftion usw. konnte man in mächtigen Lettern in der letzten Woche an den Anschlagsäulen lesen. Das Künstlciehepaar Helene Odilon und Dr. K. von Radwan hatten ihre mit Experimenten verbundenen Vorträge angekündigt. Leider machte ihnen aber die Polizei einen Strich durch die Rechnung, da sie verbot, daß zu den Experimenten notwendigen Personen aus dem Publikum genommen werden sollen, zudem nach der Anschauung des Krcisgesundheitsamtes und anderer Sachverständige für die Versuchsobjekte leicht zu gesundheitlicher Schädigung führen können. Als dem Künftler- paar das Verbot der Experimente eröffnet worden war, war es einsichtig genug auch auf den eigentlichen Vortrag zu ver- ' chten. Nach der Aussage der Künstler haben sie bisher ihre Lorsührungen in den verschiedenen Staaten Deutschlands ohne Hintcrnisse gezeigt. — Das Unglück in der Sylvesternacht wird wahrscheinlich ungesiihnt bleiben. Wie wir erfahren, hat sich nach den angestellten Ermittelungen und Versuchen der Beweis, daß der Eesangenenaufjeher Weyrich, der in der fraglichen Nacht etwa 50 Schliffe aus etwa 200 Meter Entfernung von dem Getöteten aus einem Militärgewehr abgegeben hat, nicht cinwandssrei erbringen lassen, sodaß voraussichtlich nach dieser Richtung das Verfahren eingestellt werden wird, während sich W. immerhin wegen Schießens an bewohnten Plätzen usw. vor der Strafkammer zu verantworten haben wird. Wegen dieser Ilcbertretung kann er mit Geldstrafe bis zu Mk. 150 oder mit Haft bestraft werden. * Darmstadt, 12. März. Ein bedauerliches Opfer zerrütteter Fomilienverhältniste ist der 16 Jahre alte Hans Berg ans König im Odenwald, der gestern wegen Urkunden- sälschung vor der Straskammer stand. Der Vater, obwohl praktischen Arzt, huldigt mehr den Göttern Bachus und Gam- brinuS und ist deshalb öfters vom Hause abwesend, als es im Interesse seiner Familie wäre. Dadurch kommt cs, daß auch der oben erwähnte Sohn an dem Vater kein gutes Bei- spiel hatte und auf Abwege geriet. Ta nun der Vater die Familie nicht mit den nötigen Mitteln für ordnungsgemäßen Unterhalt versorgte, kauften die übrigen Familienmitglieder selbständig für Rechnung des Vaters, sodaß dieser in den Blättern veröffentlichen ließ, daß er für derartige Schulden nicht mehr aufkomme. Der Sohn, der nun einen icnen Hut und ein Paar Schuhe brauchte, fälschte zwei mit !>er Unterschrist seines Vaters versehene Bestellzettel, worauf ihin die Sachen ausgehändigt wurden. Der Arzt verweigerte die Zahlung, worauf die Geschäftsleute Anzeige machten, sodaß der Junge, der infolge der schlechten Erzic- hung sich jetzt in Zwangserziehung befindet, wegen Urkun- ru T STaoea Getänoriis verurteilt wird. Aus Rheinhesicu. • Spichheim, 13. März. Bei der Kaffe In Hungen in Ober- heffen, bei der in Heusenstamm in Starkenburg machten die Mitglieder in der letzten Zeit recht traurige Erfahrungen und nun kommt aus Spießheim in Rhcinheffen die Nachricht, daß auf der ordentlichen Generalversammlung, die der landw. Konsumverein, e. E. m. u. H., abhielt, der Vorsitzende Bürgermeister Keller über die Unterschlagungen des Rechners Rüdinger berichtete. Rüdinger habe ein Geheimbuch geführt, nach dem 31 008 Mark unterschlagen wären. Die Unterschlagungen betragen aber 35011,45 Mark, wovon 8000 Mark gedeckt sind. Es besteht also ein Verlust von 27011,45 Mark. Es wurde vorge- schlagen, daß der Vorstand 7000 Mark, die 100 Mitglieder der Kaffe 20 000 Mark übernehmen sollen, wogegen der Vorstand remonstrierte. Im Lager ist ein Warenvcrlust von 580 Mark fcstgejtcllt. Ueber d>e Deckung des Verlustes aus 1013 soll in einer nächsten Versammlung beschloffen werden. Der Vorstand wurde nicht entlastet. Aus aller Welt. Opfer für Zabcrn. Infolge der fortgesetzten Aufregungen wegen Zaber» ist die Frau des Oberst v. Reuter laut „Tägl. Rundfch." an einem bedenklichen Herzleiden erkrankt und befindet sich In Frankfurt a. O. i» dauernder ärztlicher Behandlung. Auch dis Tochter des Obersten, die als Lehrerin in Schwerin angestellt ist, erlitt einen schweren Nerocnanfall, der ihr für längere Zeit die Ausübung ihres Berufs unmöglich macht. — Die Zigarrenhändlerin Frau Wwe. Eoers in Zabern, die im Straßburger Prozeß die unerhörten Beschimpfungen der Ofti- zierc wahrheitsgetreu geschildert hatte, wird fortgesetzt von der Zaberner Bevölkerung boykottiert. Trotzdem die Dame durch Aufträge aus dem Reich unterstützt wird, hat sie doch schwer um ihre Existenz zu kämpfen. Blutschande. Schwer vergangen hat sich ein Schlaffer Fergen in Arnsberg an seinen Töchtern im Alter von 14—17 Jahren. Er wurde zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Schulstreik. Ein Schulstreik ist in S e g e n d o r f ausgebrochen, weil die Eltern cs nicht dulden wollten, daß ihre Kinder den weiten Schulweg nach Neubieber machen sollen. Es handelt sich um 100 Dolksschüler und Schülerinnen. Feuer !n einer Eisenbahnwerkstätte. Sonntag Abend entstand in dem Werkstätten- und Megasingebäude der braunschweigischen Landesbahn ein Brand, der sehr schnell um sich griff. Als die mit zwei Löschzügen anrückcndc Feuerwehr an der Brandstätte erschien, stand bereits der Dachstuhl des ganzen Gebäudes in Flammen. Trotzdem die Feuerwehr den Brandherd sofort mit acht Schlauchanlagen augriff, war es doch, wie die „Braunfchw. Neuest. Nachr." melden, erst nach dreistündiger Tätigkeit möglich, des Brandes Herr zu werden. Kognakschmuggel. Beim Hauptzollamt in Düsseldorf sind große Zollunterschlagungen ausgcdcckt worden. Die Affäre spielt auch nach Köln hinüber. Die Summe, um die der Staat betrogen worden Ist, beträgt etwa 100 000 Mark. Cs handelt flch »m Einschmuggelunz von Kognak. Ein Kaufmann aus Köln, mehrere Düffeldorfer Zollbeamte und Angestellte Düsseldorfer Firmen sind verhaftet worden. Betriebsunfall. Der Maurer Rctzmann in Dortmund kam in der Phönixgrube in die Transmission und wurde getötet. Mord wegen einer Zechschuld. Eine entsetzliche Bluttat führte der 70jährige Invalide Billers aus, der in einem Restaurant aus der Bismorckstraße in D!i f s e I d o r s eine Zeche von 8 Mark gemacht hatte, aber völlig mittellos war. Als der Kellner ihn uzr Zahlung aujfordertc, versetzte der Greis ihm einen furchtbaren Stich in die linke Bruftfeite, der den Tod des Mannes hcrbeiführte. Billers bedrohte »och mehrere Gäste. Rur mit Mühe gelang es ihn zu überwältigen und der Polizei $t> übergeben. Bon den Toten auferstanden. Der gerichtlich für tot erklärte Zimmermann Karl Schweinitz traf dieser Tage in feincni Geburtsort Orlamünde i. Th. ein. Er hatte im Jahre 1894 feine Frau und Kinder oerlaffcu und ist jetzt unterstützungsbedürftig von dem Armcnamt Wcstheim bei Kitzingen in Bayern nach Orlamünde als Hilfsbedürftiger abgeschoben worden. Da sein nicht unbeträchtliches Barvermögen nach der Todeserklärung feiner inwzischen wieder verheirateten Frau und seinen längst mündigen Kindern ausgehändigt worden'ist ,so befindet sich Schweinitz in hilfsbedürftiger Lage. Der lebende Leichnam. Aus Kopenhagen wird geschrieben: In dem größten dänischen Jrrenhause bei Kopenhagen hat sich in diesen Tagen eine seltsame Geschichte zugctra- gen. Der Leichnam eines verstorbenen Irren lag im Sektions- rauin ausgebahrt, wo er untersucht werden sollte. Einige Minuten, bevor die Obduktion stattsinden sollte, begab sich der Sektionsassistent in den Raum, um alle Vorkehrungen zu treffen und auch schon bei der Leiche die inneren Organe, die in Betracht kamen, sreizulcgen. Gerade will er das Messer ansetzcn, als die Leiche sich plötzlich auftichtet und ihn mit einem Hagel von Schiw.psworten überschüttet. Dem Assistenten siel vor Schreck das Meffer aus der Hand. Die „Leiche" aber kletterte schnell von dem Obduktionstifch herunter, lief aus dem Zimmer, schlug die Tür ins Schloß und sperrte fo den Assistenten ein; dieser wurde kurz daraus von den anderen Aerzten, die zur Obduktion kamen, befreit. Der Vorfall hat natürlich bald seine Erklärung gefunden. Der „Leichnam" war nämlich einer der geistesgestörten Patienten. Auf irgend eine Weife war er in den Scttionsraum gelangt. Dort fand er die entkleidete Leiche vor. Er schaffte den Toten in einei Nebenraum, wo er selbst sich auch feiner Kleider entledigte. Dann ging er in den Sck- tionssaal zurück und nahm dort aus dem Tische Platz, wobei er genau die Stellung der Leiche innehiclt. Er harrte so aus, bis der Assistent kam und sich die geschildciie Szene abspicltc. Beim Zahuziehc» die Wirbclsäulr gebrochen. Ein merkwürdiger Fall von fahrlässiger Tötung stand zur Vorhand- lnng vor den Londoner Geschworenen. Ein 22jähriger Vcr- sicherungsbeamter war an einem Bruch der Wirbelsäule ge- itorbeu, den er ücb beim Ziehen eines Zabncs durch den _____ Seile * Zahnarzt zuzog. Die Sektion der Leiche ergab, Sck>idclbasis und die ersten Rückenwirbel infolge vorgefckjrst. teuer Tuberkulose außerordentlich schwach waren, Ziehen des Zahnes brach der Zabnarzt durch de» Ruck di« Wirbelsäule au zwei Stellen, so daß der Tod auf der Siell- eingetreten sein muß. Der angcklagtc Arzt wurde schu«^ lich frcigesprochcn. Von seinem Stiefsohne erstochen. In Dösingen wurde gestern Nacht der 48 Jahre alte Einwohner Braun seinem 22jährigen Stiefsohn Schmies in, Laufe eines Wort- Wechsels erstochen. Der Täter suchte sich durch einen Nevol- verschnß der irdischen Gerechtigkeit zu entziehen, die Kngcl schlug jedoch fehl und den Polizeiorganen gelang cs, den Mörder zu verhaften. Eigenartiger Tod eines Kindes. Auf seltsame Weile ist ein 14 Monate altes Mädchen ums Leben gekommen. Die Eltern hatten beim Schlafengehen wie gewöhnlich das Teck- bett mit einer Schnur befestigt, um ein Verschieben des Bettes zu verhindern. Als sie am anderen Morgen erwach, tcn, fanden sie die Kleine durch die Schnur erdrosselt. In St. Etienne, wo der Vorfall geschah, steht man vor einem Rätsel. s Tragischer Absturz eines Förderkorbcs. I» eener Grube der Champagne Aurillac stürzte ein Arbeiter, der vor- gesfcn hatte, die Türe des Förderkorbes zu schließe», aus einer Höhe von 25 Meter ab. Er fiel unglücklicherweise auf einen Kameraden, dem er den Sckpdel zerschmetterte. Er selbst wurde so schwer verletzt, daß er kl>rzc Zeit darauf ver- storben ist. Milde Strafe. Ein mildes Urteil hat das Kriegsgericht von Toulouse gestern Nachmittag gegen 5 Meuterer gefällt, die unter dramatischen Umständen ans dem Militärgesäng- ms von Toulouse entkommen waren. Ihr Ausbruch war I noch rechtzeitig entdeckt worden, so daß die Verfolgung aus- genommen werden konnte. Sie hatten sich in einem Zimmer eingeschlossen und sich erst ergeben, nachdem man mit Beilen und anderen Gegenständen die Barrikade wcggeraumt hatte. Sie wurden zu den geringen Gefängnisstrafen von 6 Mona- ten bis zu zwei Jahren verurteilt. Ein Kirchenräuber verhaftet. In Cnxhavcn ist ein Mann verhaftet worden, der zahlreiche Einbruchsdicdstähle in Kirchen verübt hat. In Stade hat er vor kurzem zwei Kirchen beraubt. Er nennt sich Leo Zardine und gibt an, Kaufmann zu sein. In Wirklichkeit handelt es sich edoch um den im Jahre 1880 in Königsberg geborene Ernst Saal. Saal hat auch Kircheneinbrüche in Rheinland und Westsalen verübt. In Rapholtz wurde er am 2. Januar In der Kirche von dem Pfarrer Lötz übcrraicht. Er erschoß den Pfarrer und entfloh. KnrsverilhL vom 12. März 1914 der Mitteldeutschen Creditbank Aktienkapital u. Restrven M. 7« 000000 gegründet 1856. Frankfurter Börse. 98.20',. 4"/« Reichsanleihe 3'/,'/. . 86.25 3»/, , <7 30 87, V, Preuß. ConsolS 86.25 37. „ . 77.40 4% Hißen 97.10 37-°,» „ 84.50 37» „ 75.10 lV,.V» Griechen o. 1890 56.30 17»% Monopol-Griech. 52.— 47» % „ Eilbcrrente 86.— 47» Oestcrr. Goldrente 88.60 4 „ Portugiesen Serie I 62.10 4 „ „ ,, 11* 65.- 3 7,7, Russen o. 1005 07.40 4 7» „ „ 1902 00.10 4 7»Bd»tinistr. Türien 78.50 4°/. Türke» von 1003 86.30 Türlenloose Al. 108.— 4 7» Ungar. Goldecnie 83.— 3 „ Kroueurcute 82.20 I7 0 Bucn.-Air. Pr. Anl. 66.70 7.7» Chinesen 17,"/» Japaner 37» Siibcr-Alexikaner 4»/,/, Alex. Irrig, Anl. Berliner Handels Ant. Darmstädt. Bank „ Deutsche Bank <0.30 , 90.- 42.50 60.60 163 — 123.50 258.80 Deutsch-Asiatisch« Bank 127.— Dresdner Bank Akt. Mitteid. Creditb. Akt Lest. Credltanst. Akt. Bochmuer Gußstahl „ Budcrus E.-W. Act. Deutsch Luxemburg „ EschioeUer Bergm. 24 . 1517, . 124.- . 205.50 . 223.75 . 112.^0 , 135.70 . 221.10 „ Berliner Börse. Gepeukirch. Bergw.Akt. 103.25 Harpener Bergbau „ Phönix Bcrgb. „ Laurahüte „ Griesheim Elektro»,, Höchst. Farbwerke „ Holzverkohlungs-Jnü. Nütgerswcrke „ Cbem.Fabr.Albert „ Allg. Elcllr. Ees. „ Dtsch-UberseeC.G. „ Schuck. Elclir. Ges. „ Siemens u. Halske „ Steaua Romano „ Zellstoff Waldhof „ Hambg. Amt. Pak. „ Rocdd. Lloyd „ Oesterr.Staasbahn „ Lumdardcu „ Baltimore u. Ohio „ Privatdiskout „ Tendenz: schwach. 184.2. . 230.75 . 157.25 „ 268.25 . 674 — . 315.- „ 202 - „ 454 50 . 246.7, . 17<-‘.i „ 149.50 „ 21x25 „ 11550 „ 226.— . 141.75 . -24-. . 155 25 „ 21% .. 89.7. „ Türkenlose Ai. 167.25 Baltimore u. Ohio 80.37 Kanada Pacific Akt. 210.50 Prince Henri E. B.Akt. — Schantung E. B. Akt. 140.-/, Berliner Handels AM. — .— Deutsche Bank Alt. 258.75 Disk, wommandit Ant. 107.25 Dresdner Bank Akt. — .— Pet.Jnt-HandelSb.Akt. 2082a Ruff.Banks. a.Hand. A. 173.50 Allg.Elek.Gesellsch. Akt. 240.25 Tcutsch-Luxenib.B.Akt. 136.50 „ Dtsch-llbersee E. E. Akt. 1-5.75 , GcljeMirchcn Bergw.195.'/, Harpener Bergbau LI!. Hohenloheiverlc Vttt. Laurahütte Akt. Oberschlcsicr E. Akk. Phönix Bergbau Akt. Rombachci.püiie „ Siemens u. HalskeAkt. Privatdiskoni Tendenz: schwach. 184.50 „ 120% . 150.- , 87.7,. 239.62 , 1b .75 , 218 - , 3.25, Doll. Londoner Börse. Atchison Topeka -ouchem Pacifik Chicago Rock Ist. „ WiffZtans.u.Tez.R. „ Union Pacific. „ U. S. Steel Common,, 98.75 96.7. 17.50 161.25 65.93 Amalgamated Copp. Doll. <5.50 Chartered Company Lstr. Eamand Proprielary „ i-“‘ Goldfields v 7X* Rand Mincs De Bcers Cowoltd „ <* Sie s. Drpoftte,rl»as)r Friedvrrg i. empfiehlt sich zur ermittlung aller banksuilsslgen; Gescha «• und B-rlau, von Wertpapieren an alle» Logem ^. irichiung lausenderRcchnungcn und prooisiousiretcr -che« mwechslung von Coupons und Sollen, nnahme von offenen und verichloffene» Depots, ntgegennahmc verzinslicher Spar-Emlagen.