7 Jalirgami Unmmer 55 Freitag, den 6. Wiir; 1VL4. X\e „rieur Tages,eüuux" cilcheint jeden Werltag. Regelmäßige Beilagen bei den Agenten monatlich 5V Psg. Hin,u tritt Postgebühr oder Trägeilohn. Erfüllungsort Friedberg. Zchriftleitung und Uerlag Friedberg (Hessen), Hanauerstraße 12. ..8er Kauer au» Kessen", „Die Spinnst««.-". Ke.ugogrei«: Bei den Postanstaltcn o«ellel,at,«l,ch MI > >,z Anzeigen- Erundzeile 20 Psg., lokale IS Psg, Anzeigen von auswärts werden durch Poltnachnahme erhoben Femlprecher 48. Postscheck-Eonto Nr. 48SS, Amt Franlsurt o. M. Debersicht. — Der „Kölnischen Volkszeitung" wird aus Breslau gemeldet, daß als Vertreter des Kaisers Franz Joseph, der zukünftige Thronerbe Erzherzog Karl Franz Joseph an den Leichenfeierlichkeitrn in Troppau tejlnchmcn wird. Er trifft heute in Breslau ei». — In dem Prozeß gegen die Redakteure der „Welt am Montag" wegen Beleidigung des Kronprinzen, erkannte die vierte Strafkammer des Landgerichts Berlin I gegen Hans Leus, auf sechs Monate Gefängnis. Der Angeklagte Alfred 3choltz wurde freigesprochcn. — Wie amtlich gemeldet wird, ist in der baherischc» ilutcrofsiziersschule Fürstcnseld-Bruck in den letzten Tagen Grippe ausgetreten. Insgesamt wurden 70 Erkrankungen sestgcstcllt. 42 Mann befinden sich noch in Behandlung Abgesehen von einem Fall, sind die Erkrankungen leichter Natur. — In das Krankenhaus zu München wurde eine an Bocken erkrankte Lokomotivsührerssrau eingeliesert und sofort isoliert. — Das Landungskorps S. M. S. „Kormoran" hat, wie auf funkentelegraphrschem Wege in Berlin gemeldet wird, mit dem Stationsleiter und der Polizcitruppe von Kiete auf der Bourgainville-Jnsel eine sechstäqige Expedition »ach dem südwestlichen Teil der Insel ausgesührt, als Demonstration und gleichzeitig als Etrasexpedition. Eine Stammessehde der Eingeborenen wurde dabei unterdrückt. Die Haltung der Truppen war vorzüglich. — In Militärkreisen aus Meran eingetroffcne Meldun- gen besagen, daß im Ortlcrgcbict, zwischen Gomogoi und der Pcüerhütte ein Detachement des 3. Landesschützen-Rrgiments bestehend aus drei Offizieren, zwei Fähnrichen und elf Mann, von einer Lawine verschüttet worden sind. Man befürchtet, daß alle Verschüttete tot sind. — In der pyrotechnischen Anstalt in Jckatcrinoslaw (Rußland) gerieten durch unvorsichtiges Umgehen mit Feuer, 8000 Raketen in Brand. Eine aus zehn Personen bcstehcndc Familie kam in den Flammen um. — Gestern Abend wurde die Hochzeit Enver Pascha's mit der Sultanstochtcr Prinzessin Radjic Sultana gcsciert. Sämtliche Minister, die Generalität und andere Persönlichkeiten haben sich hierzu eingefunden. — Präsident Huerta verhindert durch eine hohe Export- abgabe die Viehaussuhr aus Mexiko. Die plitifdjc tage in Oesterreich. Seit Jahren hat die östcrreichisch-ungarische Monarchie unter inneren Wirren zu leiden gehabt, höchstens daß cs nur ganz vorübergehend einmal etwas besser wurde, und tatsächlich haben diese Zustände dazu beigetragen, die Stcl- lung der Tonaunionarchie als Großmacht ungemein zu schwächen. Ja, man geht vielleicht in der Annahme nicht fehl, das schärfere Vorgehen Rußlands auf dem Balkan darauf zurückziisühren, daß man in Petersburg sich die Herabsetzung der Kräfte des Rivalen zu Nutze machen wollte. Allerdings hatte.man nicht damit gerechnet, daß die militärische Stärke ini großen und ganzen noch die alte war und daß vor allem Deutschland seinem Verbündeten treu zur Seite trat. Mehrere Versuche, Ordnung in die inneren Dinge zu bringen, hatten nur geringen Erfolg, wenn sic nicht ganz und gar scheiterten, und eben ist wieder eine Aktion mißlungen, die für die Handhabung der Geschäfte von bedeutendem Einfluß sein sollte. Tic von der österreichischen Regierung vor kurzem eingeleiteten Verhandlungen zwischen Deutschen und Tschechen zur Herbeiführung eines Ausgleiches in Böhmen sind gänzlich gescheitert. In einer Versammlung deutsch-böhmischen Landtagsabgeordnctcn wurden die Ausgleichsvorlagen des Ministerpräsidenten Stürgkh wohl endgültig begraben; allseitig erklärte man die Aus- glcichsvorlagcn für unannehmbar und verlangte deren besinnungslose Zurückziehung. Ebenso erklärten die Führer der Tschechen in einer Verfamnrlung, daß sie in der bevorstehenden Rcichsratssession unter keinen Umständen von der Obstruktion ablnssen, sondern vielmehr die Regierung zwin- gen würden, wiederum zum Paragraphen 1k zu greifen. Bemerkenswert ist, daß in der Versammlung der Deutschen unter diesen selbst zu eineni Bruche kam, indem es seitens der Deutsch-Radikalen getadelt wurde, daß die Fortschrittler ohne den Beschluß der Gcsamtversammlung abzuwarten, selbstständig bereits an, Samstag der Regierung mitgetcilt hätten, daß sie an den Ausgleichsverhandlungen nicht teil- nehme» würden. Daranfhtn verliehen die deutsch-radikalen Abgeordneten den Beratungssaal. Diese Spaltung ist für die deutsche Sache ungemein zn bedauern, hoffentlich aber wird dadurch die Taktik der deutschen Parteien nicht zn leiden haben. Durch all das ist die Lage noch verworrener geworden und es ist daher Wohl anzklnehmen, daß eine baldige Auflösung des Reichsratcs erfolgen wird, zumal die tschechische Obstruktion dasür sorgen dürfte, das Parlament arbeitsunfähig zu machen. Vielleicht hat man auch mit einer baldigen Demission des Kabinetts Stürgkh zu rechnen, das sich länger über Wasser hält, als man anfänglich glaubte. Irgend welche Erfolge hat es während seiner Amtspcriode kaum zu verzeichnen gehabt und sein Abgang würde keinen sonderlichen Verlust bedeuten. Wer soll ober die Erschuft StürgkhS antretcn? Einmal wird unter den maßgebenden Politikern hierzu wenig Geneigtheit vorhanden fein und an- dererfcits fehlt es augenblicklich auch in Oesterreich an irgend wie hervorragenden Männern. Wahrscheinlich wird man wieder zu einem sogenannten Beanitenministcrium greifen und auf eine wirkliche Gesundung der Verhältnisse wird nian darum noch recht lange warten können. Der Hanaltnnnel. Nicht nur seit Jahren, sondern seit Jahrzehnten erwägt man das Projekt einer Untcrtunneluug des AermelkanalS, da die, wenn auch nur sehr kurze Seefahrt doch mancherlei Gefahren in sich bergen kann und vor allen« aber auch mehr oder minder von der Witterung abhängig ist. Vor allen Dingen könnte der Verkehrsdienst dann regelmäßiger und bei weitem schneller gestaltet werden, und es liegt auf der Hand, daß eine derartige Regelung beiden beteiligten Ländern nach den verschiedensten Richtungen hin zugute kommen würde. Bei dem heutigen Stande der Technik können Uber die Ausführbarkeit des Projektes irgend welche Zweifel nicht obwalten, und der Bau würde sich, da nach den angestellten Forschungen der Untergrund keine sonderlichen Schwierigkeiten bieten soll, in verhältnismäßig kurzer Zeit bewerkstelligen lassen. Wenn trotzdem an die Ausführung des Projektes nicht herangetreten w««rde, so hatte das seinen Grund in der Opposition der englischcn Regierung, welche militärische Bedenken hegte. Man glaubte, daß in« Kriegsfälle einer französischen oder anderen Armee nach Niederzwin- gung der letzteren eine Invasion nach England ungeniein erleichtert werden würde. Nachdem nunmchr aber die Beziehungen zwischen England und Frankreich, die früher man- chcs zu wünschen übrig ließen, sich zu einer recht intimen Entente gestaltet haben, können die militärischen Bedenken nicht mehr derartig schwer ins Gewicht fallen, «venn gleich sie sich nicht gänzlich aus der Lust schassen lassen mögen, zumal es keineswegs gänzlich ausgeschlossen ist, daß eines Tages die englisch-französisch« Freundschaft angesichts eines Widerstreites der Interessen in die Brüche geht. Immerhin «nässen die Bedenke«« zurücktreten, wenn es möglich ist, durch ein derartiges Projekt den« beiderseitigen Handel und Wandel die größten Vorteile zu verschaffen. Diese sind so einleuchtend, daß man sie nicht erst niehr in das rechte Licht zu setzen braucht, und es ist daher begreiflich, wenn jetzt eine neue Bewegung sich auftnt, um das Tunnelunteruehmen in die Wirklichkeit umzusetzcn. Allem Anschein nach findet der Plan jetzt in weiten Kreisen Englands mehr und mehr Zustimmung, und eine in London im Unterhause stattgefundene Verfamnilung von Gefchäftsle««ten, an der auch Vertreter des Kriegsministeriuins und anderer Regierungsstellen teilnahmen, nahm einstimmig einen Beschluß an zu Gunsten des Baues eines Kanaltunnels, wobei der Ansicht Ausdruck gegeben wurde, daß ein solcher Tunnel die herzlichen Beziehungen Englands zu Frankreich und anderen Festlairdsinächten steigern «vürde. In einer ganzen Reihe von verlesenen Zustimmungssihriftcn hervorragender Persönlichkeiten wurde betont, daß der Tunnel für den Handel Englands von großem Nutzen sein würde, während er in Kriegszeiten leicht durch Dynamit zerstört werden könnte. Tatsächlich würd der T««nnel nicht nur für den Verkehr zwischen England und Frankreich von Nutzen sein, sondern auch andere kontinentale Staaten würden davon Nutzen haben; nicht zuletzt Deutschland, da auch für uns der Seeweg nach England keine unbedingte Notwendigkeit mehr wäre, sondern man mit der Eisenbahn über Frankreich nach dort gelangen könnte. 3. Hess. Jirgendilig in Friedverg. (3. und 4. März 1914.) (Schluß). Die Grüße der Ortsgruppe Friedbergs übermittelte Direktor I>. Dr. Schoell. Er wies au Hand von Beispielen nach, wie diplomatisch der Ortsgruppenleiter verfahren muß, um die vielen Interessen der einzelnen Vereine zu wahren und glücklich zu fördern. Das Ziel müsse sei««, körperlich und beruflich tüchtige, sittlich gefestigte Männer her- anznziehen. E rz i eh en sei die Aufgabe. Zu venig sei cs, daß man die Jugend nur unterhalten will, zu wenig, daß man sie bewahren will, lieber die Kinder habe man die schulentlassene Jugend vielfach» vergessen, die inan nilht gängeln und nicht reglementieren wolle. Anknüpfcn niiiffe man au das positiv Gute. Die Zukunft eines Volkes liege in der g e i st i g e n Bewcgmrg. Noch inrmer sei der Fortschritt in der Menschheit von denen aetraacn worden, die fiir die Allgcineinbcit Opfer zu bringen verständen. Er schloß mit der Hoffnung, daß es gelingen möge, die Jugend zu deutscher Gesinnung, zu schlichter Art und ächter Frömmig- keit zu erziehen. Auch diese Ausführungen fanden den wohlverdienten Beifall. Herr Professor K i s s i n g e r - Darmstadt, eine Autorität auf dem Gebiete des Jugendwanderns, knüpfte an den Vers an; Wem Gott will rechte Gunst erweise», den schickt er in die weite Welt. Dem will er feine W«inder weisen, in Berg und Tal, in Wald und Feld. Er bezeichnete in feiner Rede die einzelnen Kenntnisse, die der Wanderleiter sich zu eigen machen muß. Er schildert bis ins kleinste die Vorbereitungen, die ein gewissenhafter Leiter vor der Wan- derung treffen soll und gibt wichtige Winke über das Verhalten und die Ausrüstung der Jugendlichen bei der Wanderung. Er nahm dabei die Gelegenheit wahr, einen Ansslug zu erwähnen, der von nahezu 100 Schülern zu Ostern des vorigen Jahres durch den Odenwald veranstaltet wurde der a«n ersten Tage über die Neunkircher Höhe, den Roden- stein nach Reichelsheim führte. Angcnchin berührte uns in diesem Vortrage die Würdigung der Landbevölkerung. So hob der Redner als einen Vorzug der Ausflüge hervor, daß die jungen Städter den Landinann und seine Arbeit kennen lernten, daß sie Kenntnis von den Feldfrüchten, Bäumen und anderen Dingen, die ihnen« Gesichtskreis ferne liea-n, erhielten. An einer anderen Stelle hob er hervor, daß den Ausflügen erwachsene Leiter beigegebe» werden müßten, d, die Jugend zu Uebermut neige und ostinals die Sitten und Eigenart des Landinannes, seine Arbeit und sein Eigentum nicht genügend achtete». Die vortrefflichen Ausführungen fanden lebhafte Zustiinmung. Ueber die „Bedeutung des Turnunterrichts in den Forl- bildungsschulen" sprach Herr Lehrer Saum-Darmstadt, Er wies nach, wie die Pflege der Leibesübungen und speziell des Turnens fiir die schulentlassene Jugend eine Notwendig- feit -fei. Er redet der Einführung des obligatorischen Turnunterrichts in den Fortbildungsschulen das Wort. Auf eine Rundfrage, die an 6000 Stadtverwaltungen ergangen sei, hätten nur etwas über 700 geantwortet. In nur 70 Fortbildungsschulen sei der Turnunterricht obligatorisch, in 86 fakultativ und in 15 gemischt. Merkwürdigerweise fände inan in den Großstädten für diese Forderung wenig Verständnis und Sllddentschland stände hinter Norddeutschland zurück. Die Forderung niüsse iminer wieder erhoben werden. Eine körperlich tüchtige Jugend bewahre uns vor dem Schicksal Rom's. (Beifall.) DaS dritte Referat, erstattet von Herrn Bürgermeister M u e l l e r - Darmstadt, behandelte die Rechtsberatung der jugendlichen Mitglieder der Jungdeutschlandvereine. Das Gesetz verleihe den Jugendlichen einen gewissen Schutz. ES sei aber bei der heutigen Rechtslage für den Uneingeweihten schwer, sich zurecht zu finden und wirklich unparteiische Be- ratungen zu erhalten, ohne den Beteiligten eine moralische Pflicht zum Beitrittt zu der beratenden Organisation auszuerlegen. Der Redner hat hier speziell die Rechtsauskunfts- stellen der Gewerlschafte», der konscsfionellen Verbände und dergleichen im Auge. Auch die gemeinnützigen Rechtsaus- kunftstellen bieten iin allgemeinen nicht das. Was Not Int. Der Redner meint, Jungdeutscbland habe die Pflicht, eine gelegentliche, freundschaftliihen Charakter tragende Rechtsberatung seiner jugendlichen Mitglieder zu bieten. Gewiß seien in jedem Jugendverein rechtsknndige Mitglieder vor- Händen, die gerne die geringe Mühe auf sich nehinen, als Freund und väterlicher Berater den« Jugendlichen zur Seite zu stehen. Dieser Pflicht sollte sich Jungdentschland in seinem Interesse bewußt werden und da dein jungen Manne die Hände zu reichen, wo es Not tut. Das ausgezeichnete, von warmem Interesse für die Jugend durchlvchte Referat, fand lebhafte Zustiininung. Eine rege Aussprache, die viele Anregungen und Wünslhe brachte, setzte nun ein. Gewünscht wurde die Einführung eines allgemeinen Liederbuches, eine gedrängte Zusammenstellung der Winke in den« Referate des Herrn Prof. Kissinger, die gegenseitige Meldung der Gruppe», die sich auf Wanderungen besindcn, an die Ortsgruppen der Städte, welche die Wanderung berührt, die Achtung der kirchliihc» Sitte» bei sonntäglichen Wanderungen und anderes mehr, lieber die Verbands««ngelcgenheiten, besonders über die Vorgänge im abgelaufcncn Jahre, berichtete Herr Generalleutnant Bernhard Exzellenz. Er wandte sich besonderi gegen die Uniformierung der Jugend. Tic «nilitärischc Uniform sollte nicht zu eineni Spielzeug herabsinkcn. Die für billiges Geld durch die Gerilhtsgcfängnisse hergefleNte» Touristenanzüge sollten da benutzt werden, wo der Wunsch nach einheitlicher Kleidung zu Tage tritt. Die eindrucksvolle Versammlung schloß Herr General- major Freiherr v. Hehl mit Dankesworten für die treue Hingabe der Bezirksvertrauensinänner. Ein gemeinschaftliches Mittagessen hielt einen große» Teil der Erschienenen noch lange zusammen. Gelobt wurden die ausgezeichnete Verptleauna im Hotel T.ravu d«e vor- Wr. 55 IHtut £a$t»itUu «fl. Freitag. de» 6. Marz 1,14. Stift 3, güglidje Anordnung des Jugendtages und der geschmackvollp. Schmuck des Saales. Denljcher Peichstag. Im Reichstage begann am Donnerstag die Einzelhe- schon lange vor den Konservativen auf die Gesährlichkeit der Zusammenziehung der Elektrizitätsfirmen aufmerksam gemacht. Die konservative Partei habe kein Recht, sich mjttel- ttandsfieundlich zu nennen. Nächste Sitzung: Freitag 11 Uhr, Fortsetzung. Schluß Yi5 Uhr. ' tatung des Postetats. . - r< Auf die Wünsche der Abgeordneten Werner-Hersfeld (Rcfp.) und Ncuimnin-Hofcr (fortschr.) betr. Besserstellung der Postagenten, erklärte ^ , ..... i Staatssekretär Kractkt, daß der vorliegende Etat erhöhte Mittel dafür fordere und daß bei Vergebung der Agenturen darauf gesehen werde, daß nur Persönlichkeiten, die im Orte Vertrauen haben, dazu genommen würden. - Das Haus wandte sich nunmehr dem Kapitel Ostmarkcn- znlagen zu, die der Haushaltsausschuß abgelchnt hatte. Anträge der Konservativen, Reichspartei und Nationallibcralen wünschten die Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Statssckretär Kractkt bat dringend um die Wicderher- stellung. Beamte, die jahrelang diese Zulage bekommen baden, sollen plötzlich 10 Prozent ihres Gehalts verlieren. Darin liege ein schwerer Eingriff in die wirtschaftlichen Vcr- hältnisse der Beamten. Eine jahrelang bezogene Zulage könne nicht korrumpierend wirken, wie man behaupte. Abg. Schlcc (natl.) trat für die Bewilligung ein, ebenso Abg Kopsch (fortschr.), während Abg. Roskt (Soz.) sie ab- Abg. Graf Westarp (kons.) hob hervor, daß bei Ablehnung der Zulagen bei den Beamten Erbitterung Platz greifen müßte. An die Sozialdemokraten wende er sich bei ihrer grundsätzlichen Gegiierschoft gegen nationale Bestrebungen nicht. Der weitere Antrag seiner Freunde, die Zulagen überhaupt in gemischtsprachigen Gegenden zu gewähren, be- weise, daß es sich um keine politische Frage handle. (Beifall Abg. Lcdcbour (Soz.) meinte, die Meinung des Grafen Westarp ehre seine Partei, die für Gesinnungskorruption nicht zu haben sei. Wenn bei Anstellung von Beamten nach ihrer Gesinnung gefragt werde, so liege darin die infamste Korruption. Vizepräsident Dr. Paascht rief den Redner deshalb zur prdnung. Als der Redner erneut von einem System der Korruption sprach, rief ihn Vizepräsident Dt. Paascht unter großer Unruhe der Sozialdemokraten abermals zur Ordnung. S Abg. Dr. Spahn (Zentr.) erklärte namens seiner Fraktion, daß diese die Zulage ablehnen werde. Rachdein Staatssekretär Kractkt erneut um die Bewilligung gebeten hatte, schloß die Besprechung. In namentlicher Absttmmung wurde die Zulage intt 194 gegen 127 Stimmen bei 2 Enthaltungen abgelehnt. Der konservative Antrag, die Zulage den Beamten in allen gemischtsprachigen Bezirken zu gewähren, wurde in namentlicher Abstimmung mit 188 gegen 121 Stimmen bei 3 Enthaltungen abgelehnt. In weiteren Verlaufe der Einzelberatung bedauerte Abg. Bchrcns (w. Vgg.) die Aufhebung der Familien- Hilfe bei den Postkrankenkassen. Direktor Aschtnborn bemerkte, daß die Beamtenschaft eine derartige Einrichtung bei Ausstellung der neuen Satzungen nicht gewünscht habe. Abg. Dr. Quarck (Soz.) wünschte Vermehrung der unterirdischen Telephonkabel. Staatssekretär Kractkt betonte, daß die Verkabelung der Telcphonlcitungen von Jahr zu Jahr sortschreitet. Die durchgängige Verkabelung würde eine Milliarde kosten, eine Summe, die natürlich nur allmählich aufgewendet werden kann. Nach Erledigung einer Reihe von Kapiteln vertagte sich da? Haus auf Freitag. Prenfiilchcr Landrag. Abgeordnetenhaus. Ain Donnerstag erledigte das HauS den Gesetzentwurf ketr. Erweiterung des Stadtkreises Dortmund und Acnde- rung der Amtsbezirke Castrop und Dortmund in zweiter und dritter Beratung nach kurzen Benierkungen der Abgeordneten Dr. v. Gcschcr (kons.), Huc (Soz.), Schwcckcndiclk lNatl.), Dr. Brcdt (freik.), Gronvwski (Zentr.), Trau (fort- schrittl. Vp.) und eines Ncgicrungsvcrtrctcrs. Bei der Fortsetzung der Beratung des Etats der Handels- und Ge» werbevcrwaltung wünschte Dr. Picpcr (Zentr.) zur Erledigung der schwebenden Handwerkerfragen jährliche Besprechungen zwischen den Handwerker-Vertretcrn und der Negierung, ferner die Errichtung einer Zentralstelle für das Ncrdingungswesen, Abschaffung des 8 100 q und s. f. Dem Anträge Hammer würden seine Freunde zustimmen. Für lleborweijung dieses Antrages an die Kommission A>r>ich, sich Abg. Dr. Schrocdcr-Kasscl (Natl.) aus. Die Kon- zentration großer Firmen der Elektrizitätsbranche fei sehr bedenklich. Unbedingt abgesehen werden müsse von der reichsgesetzlichen Arbeitslosenversicherung. Handelsminister Dr. Sydow bemerkte, daß die Klein- Handelsausschüsse und Handelskammern in allen wichtigen Fragen zu Rate gezogen würden. Mit den Vertretern des Handwerks hätten im Reichsamt des Innern Verhandlungen stattgefunden ob alle Wünsche, so der Schutz des Gesellcn- ntels und der Begriff des Lehrlings, erfüllt werden könnten, stehe dahin. Eine Denkschrift werde sich in Kürze dazu Lußern. Abg. Kraust-Waldenburg (freik.) war mit dem Anträge Hammer einverstanden und dankte dem Minister für sein verständnisvolles Eingehen auf die Wünsche des Handwerks. Aba. Stuft (3orHffa-J meinte, keine Freunde hätten Ans dem fiefi. Landtag. II. Kammer der Stände. Präsident Köhler eröffnet« die gestrige Sitzung um halb 10 Uhr. Die Generaldebatte über den Hauptvoianßhlag wird fortgesetzt. Abg. Schott (Natl.) tritt für größere Zurückhaltung in den Ausgaben ein, da dies« im Verhältnis zu den Einnahmen sehr gestiegen sind. Er kann die optimistische Anschauung seines Kollegen Dr. Osann nicht teilen. Di« Provinz Rheinhessen wende sich von den jahrelangen Rückschlägen nicht so leicht erholen. Die vielen schlechten Weinernten können durch ein gutes Jahr nicht wieder gut gemacht werden. Im Jahre 1011 hatte man in Rheinhesien cin«n Weinertrag von 23 Millionen, 1012 12 Millionen und 1013 nur 9M Millionen. Ern großer Teil hiervon wird aber durch Schwefeln und Spritzen verbraucht, so- datz kaum ein Nutzen bleibt, da auch das Bebauen der Weinberg« selbst teuerer wird. Auch die Einfuhr ausländischer Wcine niüsie besser kontrolliert wrden. Dann bedürfe auch die Eerste- einfuhr besiever Kontrolle. Der Kartoffelpreis Hobe einen 'nächtigen Tiefstand erreicht. Die Landflucht nehme zu. Der Mittelstand gehe fortwährend zurück und muß er sich weiter auch gegen die Arbeitslosenversicherung aussprechen, da hunderttau- sende ausländischer Arbeiter in Deutschland tätig sind. Abg. E i ß n e r t (Soz.) wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen des Ministers des Innern, der behauptet habe, daß sich der Koinp-tenzkonflikt in Offenbach nicht wegen der Säuglingskinder, sondern wegen der Pflegekinder enfftanden sei, dies sei irur zum Teil richttg, da es sich auch um klein« Pflegelinder Handel«. Staatsrat Dr. Becker erklärt, daß man nur da an Zusammenlegung von Behörden denken könne, wenn sich dies absolut als notwendig herausgqtellt hat. Di« Klagen über die Gemein, deumlagen feien nur in einzelnen Fällen berechttgt, meist sind es Schreier,, di« versuchen, das ganze Volk zu der Unzuftiedew- hcit zu veronlasien. Man soll« nicht allzusehr noch einer Ge- setzesanderung rufen. Redner nimmt dann di« Steuerbeamten gegen di« Angriffe de, Abg. Ulrich in Schutz. Richtig sei, daß di« Sdcuerverhältniss« im Kreise Offenbach sich stettg bessern, da Jirldustri« und Gewerbe imm«r mehr aufblühen. Bewundern», wett sei der Opttmismus der Landwirte in Rheinhesien, welche trotz der häufigen Mißernten immer wieder mft neuem Mut für das nächst« Jahr Weiterarbeiten. Der Wehrbeitrag Hab« erfreulicherweise etwas mehr gebracht, als man erhofft, doch seien auch manche Ausfälle zu verzeichnen. Den Steuerdekl»- ranten, welche jetzt viel größeres Vermögen angeben, soll« man nicht zu große Vorwürfe machen, da sie nicht immer Schuld daran seren. Eine Befreiung der drei unteren Klassen bedeut« einen Ausfall von erner Million Mark, die man nicht entbehren könn«. Wegen der hohen Kosten, welche di« Erziehung der Reichsfkuer dem Lande verursachte, seien Verhandlungen im Gang«. Bezüglich der allgemeinen Finanzlage stehe fest, daß wir z. Z. günstig stehen und voll« Kassen haben, aber ein Rückblick auf die letzten Jahre mahn« dringend zur Vorsicht. Man könne es der Regierung nicht verübeln, wenn sie in der Beamtenbesoldungsfrage Zurückhaltung übe. Lediglich die Vergangenheit habe di« Sorge für die Zukunft veranlaßt. Es sei schmerzlich, zurückhalten zu müssen, doch kann inan dies der Re- gieni'^ nicht übel nehmen. Di« Regierung werde ihre bisherig« Stellung nicht bereuen. Falsch sei es auch, zu behaupten, der Streit sei eine Machffrag«. Die Regierung habe den festen Willen zu einer Verständigung ttotz der anfänglichen Widerstandes des anderen Hauses. Man verlange nur, daß die Frag« der Lehrergehalt« nochmals nochgeprüst werde. Man soll« durch gemeinsames Streben versuche«, di« Vorlage zu Stande zu bringen. Abg. Ulrich (Soz.) wendet sich an Hand des Stenogramm» gegen den Vorwurj, daß er die Steuerbeamten maßlos angegriffen habe. Abg. Henrich (Freist) wendet sich gegen Ausführungen vom Regierungstisch, welche sehr zur Polemik geneigt seien. Staatsrat Dr. Becker stellt seine früheren Ausführungen richtig und erläutert dieselben. Damit ist di« Generaldebatte geschlossen und wird in die Spezialdebatte «ingetreten. Kapitel 1, Reste aus früheren Jahren, wild ohne Debatte angenommen. In Kap. 2. Kameial und Forstdomänsn de» Er. Hauses, erklärt sich Abg. Ulrich (Soj.) gegen di« Ordenslosten, worauf Staatsmtnister Dr. ». Ewald ausführt, daß der seitherige Ansatz von 5000 Mk. noch vom Jahre 1868 hecrühvt und heute nicht mehr rusreiche. Dieses Kapitel, sowie di« Kapitel 3, Weinbaudomänen. Kap. 4, Bad Salzhausen, Kap. 5 Hol^ magatin, Kap. 6 Kapitalzinsen, Kap. 7 Stoatl. Kamera! und Forstdomäncn finden ohne Debatte Annahme. Kap. 7 a Braunkohlenwerk und Kraftwerk Ludwigshoffnung fordert in Ausgabe 390 04b Mk., in Einnahme 446 578 Mark. Abg. Bleidenbach (Bbd.): Wenn ich zu diesem Kapitel 7 a, Brauk. ohlenbergwert Ludwigshoffnung, da» Wort erbeten habe, so geschieht dies aus verschiedenen Gründen: Zunächst liegt dieselbe in meinem Wahlkreis«. Zum Zweiten fühl« ich mich aber auch veranlaßt, in Dankbarkeit der Regierung sowohl als auch der Land stände zu gedenken, di« in Verbindung mit der Provinz Oberhcssen uns das bis dato einzig in seiner Att dastehende großartig« Kraftwerk geschaffen, da» füt uns Oberhessen und ganz besonder» unsere Wetterau von ganz enormer wirtschastlicher Bedeutung ist und hoffentlich immer noch mehr werden wird. Was die Preßstetnfabrik owlangt, so befinden wir uns immer noch in großer Sorg«. Denn ein Steigen des Ileberfchusses von 153 auf 278 Mk., also um ganze 125 Mk. ist mein« Erachtens — 0. Und ganz besonders. wenn man bedenkt, daß durch den großen Berbrauch an Rohkoblen. «r Erzonguna von elektrischer Eneroi« doch gegen. über der Pretzstrinfabrikation nur verhältnismäßig wenig Kosten verursacht werden: und wo bleibt das positive Ergebnis von der „doppelten Ausnutzung" des Dampfes. Was dos elek. ttische Kraftwerk bekifft, so haben bis jetzt 112 Orte der näheren und weiteren Umgegend von Wölfersheim die Segnungen des elettrischen Lichtes und der elektrischen Kraft kosten dürfen und sehr viel« Orte, di« noch angeschlossen werden sollen, warten mit großer Spannung auf di- Fertigstellung ihrer Anlagen. Trotzdem man im ersten Jahr« 1013 ein« Äbsatzmeng« von 1,0 Will. K.-W.-Stunden vorgesehen hatte, wurde dies« Summe doch noch überschritten und rechnet man nach den jetzt vorliegenden Erfahrungen auf 2,1 Will. K.-W.-Stunden, die nutzbar abgegeben werden können. Hieraus geht hervor,' daß der B-ttiebsüberschuß des Kraftwerkes, der für 1013 mit Mk. 66.221 nach der recht bedeutenden Abschreibung von 35 666 Mk einen Reinüberschuß von 31,221 MI. berechnet, welcher einer Verzinsung des angelegten Kapitals (von 705 660 Mk) mit 4.4 Prozent glcichkommt. Dies« Einnahmen sind erheblich zu vermehren und zwar durch die E r b a u u n g der schon lang ersehnter Eisenbahnen. Ich habe mir mit einigen Freunden erlaubt, bei der Eroßh. Regierung anzufiagen, ob sie gewillt ist, den gesetzlichen Zuschuß, der für Dollbahnen gewährt wird, auch für elektrische Bahnen zur Verfügung gestellt wird und handelte es sich hierbei um di« Sttecke Friedberg—Ranstodt. aber auch noch di« Streck« Bad-Nauheim—Usingen wartet seit langen Jahren auf Verwirklichung. Sie sehen meine Herren, daß man unser Kraftwerk noch bt» in da. Ungemessene ausnützen kann, wenn man nur will, und wo ein Wille, da ist auch ein Weg. Zum Schluss« kam der Redner noch auf eine Zeitungsnotiz zu sprechen. Der „Mainzer Anzeiger" brachte Angriffe, die meines Erachtens nicht unwidersprochen gelassen werden dürfen. Es sind Angriffe, die meines Erachtens von Seiten der Regierung nicht übergangen werden dürfen, um nicht ev. mitschuldig zu fern, da» Volk in große Auflegung versetzen zu helfen. Ich habe es deshalb für mein« Pflicht gehalten, die Sache hier ln diesem Hause zur Sprache zu bttngen. Abg. Dorsch (Bbd.) führt Beschwerde über die unter der Seilbahn herlauflnden Schienen, welche für di« Landwirte sehr nachteilig sind und hätten die Landwirte ihr Gelände wahrscheinlich nicht dazu hergegeben, wenn sie dies« Schädigungen hätten ahnen können. Auch scheine ein auf dem Werk beschäftig, ter Beamter nicht hinreichend beschäftigt zu sein, da er sehr häufig auf die Jagd gehe und di« ganzen Gemelndeiotswohlen leiten konnte. In seiner Abwesenheit ist auch ein Einbruch verr übt worden und mutzt« er telegraphisch herbeigevufen weiden. Zum Glück fanden die Diebe nur feine Prioatgelder. Abg. M o l t h a n (ZK.) gibt der Hoffnung Ausdruck, daß da» Werk bald eine gute Geldguell« für di« hessischen Finanzen werde. Di« Kritik eines Mainzer Blattes solle man nicht zu ernst nehmen, wenn freilich bot solchen manchmal auch ein Körnchen Wahrheit heran ospringe, fei die» sicher kein Nachteil. Mau nrüss« aber erst Zusehen, wie sich die Dinge entwickeln. Der Wunsch des Abg. Dorsch daß di« Beamten auf dem Werk wob nen, fei berechttgt und müsse mit der Zeit g-forixrr Zerren. Abg. Brauep lBbd.) kann «S nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit des Mannes zu gedenken, dem man dies« ganzen Kulturwerke in Obcrhessen zu verdanken habe. Dies lei der jetzt in Ruhestand getretene Eeheimrat Breldert, der mit weiischauendem Blick und groher lleberzeugung für diefl Plön« erngetreten sei. (Beifall). Abg. Ulrich ist der lleberzeugung, daß hinter dem Arttkrl «in Interessent oder Konkurrent stehe. Hauptsache sei. daß das Werk jetzt auf dem Wege der Gesundung sei und die Rentabilität beider Werke als befriedigend angesehen werden müsse. Dem Direfior des Werkes müsse man mehr Arbeit überweisen, doch müsse man wegen eines Neubaues sehe vorsichttg sein, richttgec sei, daß der Direktor bei dem Werk« wohne. Abg. I o u tz verlangt entschieden, daß man den Bettag füi einen Neubau nicht spare, man könne ja billig bauen. Abg. Bleidenbach (Bbd.) hätte auf die Zeitungsartikel eine entschiedenere Stellung der Regierung erwartet, sonst we» den dies« falschen Nachrichten über dar Werk zu viel im Volk verbreitet. Fast jährlich habe er gefordert, daß der Direktor au> dem Werk wohn«. Abg. Dorsch (Bbd.) ist auch der Meinung, daß man jetzt billiger wie früher di« teueren Obeiförsteiwohnungen bauen könne. Er roarnt noch vor dem Ankauf der benachbarten Solms Braunfelser Grub«, da dieselbe nur Kosten verursache und nicht rentabel sei. Finanzminister Dr. Braun hält es für ausgeschlossen, daß man schon di« ersten Ueberschüss« dazu verwende, um sie zu ver- bauen, dann trage der Zeitungsarttkel allzusehr das Merkmal des Konkurrenzneides an sich als daß man sich hier darüber ereifere. Ueber den Ankauf der Solms-Braunfllfer Grube wolle er sich hier nicht auslassen. Dann wird dieser Kapitel genehmigt und die Verhandlung auf Freitag früh 9 Uhr vertagt. Zu Kapitel 2, Kameral und Forswoinänen. ist etnzufLgen. daß Abg. Dorsch darüber Klage führt, daß di« meisten Holz- Versteigerungen tm Wittshause abgehalten werben, allgemein stt der Wunsch rege geworden, daß man di« Beffteigerungen im Walde selbst abhalt«. Wetter sei er notwendig, wenn man mehr wie bisher auch Weikholz liegen lass« und nicht olles zu Brennholz herreich!«. Tages« Verficht. Peullches Peick. :: Ucbersührung der deutschen Reichskleinodien n'I Berlin beantragt. Der Petitions-Kommission des Reich« tages liegt eine eigenartige Petition vor. Sie fordert du Ucbersührung der in Wien in der K. K. Schatzkammer an - bewahtten Rcichskleinodien nach Berlin. Diese Petitiwi wird, wie daS „Hirsche Telegraphen-Bureau" erfahrt durch einfachen Ucbergang zur Tagesordnung erledigt wer den können da eine ganze Anzahl Fragen staatsrechtlicher » zivilrechtlicher Natur sich an da, Sigentumsverhaltnis oei Reichskleinodien knüvb-n, D« Tinsigmen. die letzt in A-i Nr. 5T Sette R , 1 im Besitze der Habsburger sind, gehören sowohl nach deutschem wie nach österreichischem Rechte unzweifelhaft dem österreichischen Herrscherhause, das ihren Besitz ersessen hak, da die Kleinodien seit 1806 sich im Besitze der Habsburger befinden, nachdem Kaiser Franz den deutschen Kaisertitel abgelegt hatte. Die Insignien gehörten früher dem Domschatz zu Aachen und nicht dem alten deutschen Reich Sie bestehen on? der deutschen Kaiserkrone, die eine sizilianische Arbeit ist und für Kaiser Friedrich II. angeferftgt wurde, aus dem siaiserszcptcr, dem goldenen Reichsapfel, den Schuhen, Handschuhen, dem Evangclienbuch Karls des Großen und einem Rcliouienkastcn. Ter Krönungsmantel, die Sandalen und .Handsckmhe entstammen der Beute die Heinrich VI. nach seinem Siege über die Normannen auf Sizilien machte. Die deutsche Königskrone dagegen befindet sich immer noch im Dome zu Aachen. Oesterreich-Ungar». :: Obstruktion im österreichischen Abgeordnetenhanse. Das Abgeordnetenhaus bot in der gestrigen Eröffnungs- sitznng der neuen Session genau dasselbe Bild wie vor der Vertagung, tschechische Obstruktion und völlige Ratlosigkeit der Parteien. Gleich zu Beginn der Sitzung sprachen drei tschechische Redner zur neuen Geschäftsverhandlung sodaß von einem Eingehen in die Tagesordnung keine Rede sein konnte. Der Präsident T)r. Sylvestre der die Geschäftsordnung diesmal etwas schärfer handhabte, hat sämtlichen drei Rednern das Wort entzogen. Da der Krawall bei den Tschechen nach jeder Wortentziehung einen progressiven Cha- räktcr zeigte, wurde die Sitzung unterbrochen, und es trat die Obmünnerkonfercnz zusammen, um zu beschließen, was weiter geschehen solle. Wie es heißt, wurde der Beschluß gefaßt, das Abgeordnetenhaus auf acht Tage zu vertagen. :: 18 Mann »an einer Lawine verschüttet. Di« durch «ine Lawine im Eomagis Gebiet verschüttet« Militärpatrouille des >'!. Tiroler Landesschützenregiments stand unter Führung des Kommandanten der Sperrjorts Eomagis, des Oberleutnants Lechner und der Skilehrers Leutnant Eaidor. Ferner nahmen an der Expedition die beiden Fähnriche Otter und Eoffor vom 3. Landesschiitzenregiments, sowie 18 Mann teil. Die Expedition war 1 Uhr früh ausgebrvchen und hatte einen besonderen niilitärischen Zweck. Dis 4 Uhr nachmittags waren die Schneeverhältnisse günstig, und nichts dsuiete darauf hin, daß tm nächsten Moment eine große Schneelawin« niedergehen sollt«. Rach Berichten von Bergführern war die Katastrophe dar Werk einiger Sekunden. Die Mitglieder der Patrouille wurden von der Lawine erfaßt, noch ehe sie zur Seit« springen konnten. Eendarmen und Bergführer sowie der gerettete Leutnant Eaidor und 1 Mann, di« sich retten konnten, beteiligten sich sofort an den Bergungsarbeiten, doch waren sie bis zur Stunde ohne Er- lolg. An militärischen Kreisen gibt man jede Hoffnung auf, di« Verunglückten noch lebend zu bergen. Frankreich. :: Tie russischen Rüstungen und der ftanzöfisch« Geldmarkt. An Londoner diplomatischen Kreisen nc,mmt man an, daß di« ^ russischen militärischen Dorbercitungcn an der Ostgrenze Deutsch. Lands auf Wunsch der französischen Militärbehörden geschehen. Di« russischen leitenden Kreis« hätten sich zu diesem Zugeständnis an Frankreich jedoch erst bequemt, als sie von der französischen Bankwrlt als Gegenleistung dafür die Pkaizerung einer neuen Anleihe ans dem französischen Geldmarkt zugesichert erhalten hätten. Vom Balkan. :: Die Lage in Albanien. Der „Albanischen Korrespondenz" wird aus Balona gemeldet: Der Präsident der provisorischen Regierung im Epirus, Zographos, hat den albanischen No tobe ln Mehmed Ali Pascha von Delvino nach Balona entsandt, um mit der albanischen Regierung wegen Gewährung von Earan» tien für di« Errichtung griechischer Schulen im nördlichen Epirus und Einreihung griechischer Element« in die albanische Gendarmerie zu verhandeln. Die provisorische Regierung des Epirus soll im Falle des Entgegenkommens bereit fein, das von der Londoner Botschafterrcnnion ihm zugesprochen« Gebiet »cm neuen Königreich abzutreten. Mehmed Ali Pascha ist bereits in Balona eingetroffen. China. :: vom „Weißen Wolj". Die Regierung ist bezüglich Lei Bekämpfung der „Armee" des „Weißen Wolfes" ratlos. In der Hubei-Provinz stieß ein« neu« riesige Bandenorganisation zum „Weißen Wolf" und vereinigt« sich mit demselben. Di« aufständischen Bolksmaffen wachsen mit jedem Tage mehr an und bedrohen Regierung und Volk. Ein« große Gesohr für di« Regierungstruppen bedeutet die Erstürmung des Arsenals zu Zienzin durch di« Aufständischen. Mexiko. :: Entscheidungskamps zwischen mexikanischen Bundestrup- -en und den Rebellen. In Newyork sind Nachrichten aus Zua- r«z «Ingetroffen, nach denen feit vorgestern früh ein heftiger Kampf zwischen mexikanischen Bundestruppen und den Rebellen in der Nähe von Torreon rm Gange ist. Huerta führt angeblich seine Truppen selbst an. Man glaubt, daß dies« Schlacht entscheidend für di« Vorherrschaft einer der beiden Parteien in Mexiko werden wird. Bis zum Abend dauerte der Kampf mit unverminderter Heftigkeit an. Kund der Kandniirte. Versammlung fit Fauerbach v. d. fj. bei Gastwirt Ioh. Becker am Sonntag den 8. März, nach- uiiitags 3 Uhr. Tagesordnung: „Die Wahlen zur Ortskrankenlasse in Friedberg." _ * Redner: Redakteur H i r s ch e l - Friedberg. _ Alle Landwirte, Gewerbetreibende und nationalgesinnte Arbeiter von Fauerbach, Ostheim, Münster, Hochweisel, Nieder-Mörlen und Langenhain werden zu dieser Versanmtt sung eingeladen. yttut Tageszeitung, nttttitag. de» März Uli. ---- - 1 1 ■ Aus der Heimat. * Friedberg, 6. März. '(Stadtverordnetensitzung-I Es fehlen: Beigeordneter Damm, Stadtverordnete Dietz und Langsdorf. Die Baugesuche des Heinrich Zöll, Neubau an der Mainzertor-Anlage, Th. Völker, Haus Gärtnerweg, P. Krausgrill, 1 Laden Fauerbacherstratze, A. Gärtner, Ein- ftiedigung, A. Aplanalp, Neubau, werden genehmigt. Die Verbreiterung der Einfahrt des Schlossermeisters Drott wird unter der Bedingung genehmigt, daß der Gesuchsteller die Kosten trägt. Die Ausdehnung der Straßenreinigung durch die Stadt: Von 1. April ab nimmt die Stadt die folgenden Straßen in die allgemeine Reinigung: Edelspfad, verlängerter Schlltzenrain, obere Liebfrauenstraße, Wilhelmstraße, sowie die Straßen im Stadtteil Fauerbach. Vergebung von Oel-Lieferungen: Es erhielt die Lieferung Adolf Schmidt für bl «, am Cyaufieehauo. Empfehle prima Vogelsberger Mollerei- ö Kiste zu MI. 3.8S franko unter Nachnahme. ?li!N!if»ll>lkttki Echlostbrrg, Ulrlchstein (Oberhefien). Wimiijlhtt u. Rnistscher Salat mit feinster Mayonnaise zubereitet, sowie Nürnberger Ochjenmoülsulal empfiehlt Friedrich Hiclie] Krtedberq i. H. Dienstag, den Ni. März t.Zs., I nachmittags 2 Uhr soll der , lZemeiuile-Wer auf dem hiesigen Gemeindehaus meistbietend oersteigert werden. Weiter beabsichtigt die Gemeinde einen jungen spniilMigen (?ber anzukausen. Besitzer solcher Tiere wollen Ofierten an die Bürgermeisterei einreichen. Holzhäuser,, 5. März 1914. Bürgermeisterei. :B.: Fritz. Jilkisiirjinnien Oberndorfer (etnwurzelige), Elkendörfer (Riesen-Walzen) Kirsches Ideal (Zuckerrüben) sowie alle sonstigen Fkld- und ArlcHiiierkikii empfiehlt Fsrämrmrl llsmm Friedberg. Kaiserftr. 28. Teleson 452. Säemaschine „Wnrzburgin" u. „Isaria" gutbewährte Maschine. Kedeirzahn CuMvatore« Großes Lager in Osborne- Maschinen. Ersatzteillager »W- Haateggen N teilig -W> und alle sonstige laubwirtichost- liche Maschine» und Geräte. Lager Oberursel, Franksurterstr.17 I. Bommcrsheim, Kommersheim (Taunus) Teleson 158, Oberursel. Kelgijche Zttejrn Ich beabsichtige wegen Auszugs meinen ganzen Bestand, annähernd 40 Stück jeden Alters, meistens erstUalfige Zuchttiere, auf Wunsch mit Stallungen zu »erlaujen. Christian Klaser, Utphe Post Berstadt. AiiWrstmitt „NIestfalia" 2 Mir. mit Bor- tarren u. Langfahrvorrichtung nur einige Mal gebraucht billig zu verlaufen. M. Rosenthal, Gießen Landw. Maschinen Liebigftr. 13. Fernspr. 77. 5- Kerglenle werden angenommen Salzhäuser Bergwerk, Glöckner, Obersteiger. Ein braver Junge kann das Sattler- u. Taoerier- Geschäft erlernen, jfiäf). j„ her Exp, der Reuen Tageszvnnng. Kochfräulein. Junges Mädchen findet in besserem Hotel in Bad-Rauheim Kochlehrstelle für die Saison 1914. Monatliche Vergütung 20.— Mk., dagegen Wäsche. Kost und Logis frei. Familienanschluß. Gest. Ofierten unter 781 an die Exp. der Reuen Tageszeitung. Ein leichter MmM-Wagen preiswett zu verkaufen. I. Schäfer, Büdesheim. Lnntknckjfkln Kaiserlrone gibt ab pr,Ztr.M.4.— Bär, Hof itinbrrliiigiH bei Büdingen. Seief«» 7 Amt Ki,dingen. In der Neuen Tages- zeitung erschienen: Ich last dich nicht Roman von Hedwig Courths-Maler in farbigem Künstlerumschlag Preis Mk. 4.— elegant gebunden „ 5.— Das hohe Lied der Treue wird in diesem glänzend geschriebenen Werk in ergreifender Weise angestimmt. In, Mittelpunll der Handlung steht ein hochherziges Weib, das aus einsachen Verhälinifien stammend, Retter und Schutzengel ihres hochgeborenen Geliebten wird. Jungen Frauen und Mädchen kann keine befiele und erhebendere Lellüre in die Hand gegeben werden. Bestellungen rechtzeitig erbeten: Neue Tageszeitung, Beilage zur „Neuen Tageszeitung. 44 r. >.> Freilag, den 6. März 1914. 7 > Jahrgang Gedenktage. t. März. 1834 Professor Gustav A. Warneck geb. — 187« Beter v. Cornelius, Maler, f zu Berlin. Bauernregeln. Wenn'» donnert in den Mürz hinein. Dann wird der Roggen gut gedeihen. Sä'st du im Mürz zu früh Isis oft vergeb'n« Müh'. Zu Anfang zu End' Der Mürz sein Oift verfend't. Nimmt der März den Pflug beim Sterz. Hält April ihn wieder still. Ist? an Mariä (25.) schön und hell, Gibt es viel Obst auf all« Fäll'. Ist es um Lätare feucht, So bleiben di« Kornböden leicht Ein feuchter, fauler Mürz Ist de» Bauern Schmerz, Ist an Ruprecht (27.) der Himmel rein, So wird er'» auch im Juli sei«. Vom Snbwijkonswesen. Das Submissionswesen der Stadt Köln bat eint be- nicrkenSwerte Umgestaltung erfahren und zwar nach der Richtung, das; nicht mehr der Mindestfordernde den Zuschlag bei der Vergebung städtischer Arbeiten erhält, sondern derjenige, der einen angemessenen Preis verlangt. So erhielt die Kölner Zimmermeister-Zwangsinnung ein« Arbeit von 82000 M übertragen, trotzdem sie an dritte« Stelle stand. Andere Arbeiten sind an Arbeiterkorporationen vergeben worden, obschon 18 Submittenten geringer« Angebote gemacht hatten. Wie dieses Beispiel zeig!, gcht es in den komntunaken Dcrtvaltungcn ganz gut auch ohne Submission. Aebnlich« Beispiele gab es in Mainz, Dresden, München, Dortmund. Wo ein Wille ist, da ist immer noch ein Weg. In Karlsruhe ist man dem Handwerk auch cnk- gegcngekommen. Zur Sachverständigenkonnnisston bei Vergebung von Arbeiten, Lieferungen und Festsetzung der Preise zu denselben, sind auf Anregung der Maler- und Tünchervereinigung die Herren Malermeister Andreas Postweiler und Einil Haag, zu Stellvertretern Albert Weber und Andr. Doll ernannt worden. Ans der Heimat« * Bingenheim, 5. März. Großh. Landwirtschaftslehrst' f>r. Hoffmnnn-Friedberg wird am Dienstag, den 10. März, abends 8 llbr hier im Gasthausc von Pipp einen Vortrag halten. Das Thema lautet: „Die Bedeutung der Frucht- selgc und ihre einschlägigen Systeme". * 8e»tzen-vlnb«n. B. März. Hier ist di« Diphteritis unter den Kindern an »gebrochen. Fast kein Haus ist von der Seuche Troppn», 4. März. Beim Eintreten der Katastrophe waren alle im Sterbezinimer Versammelten aufs Tiefste ergriffen und weinten. Eine Nonne vom Franziskanecordm drückte deni Kardinal, dessen Gesichtsziige nichts von einem Todeskampfe verrieten, die Augen zu. Im Lauf« des heutigen Tages erfolgte die Einbalsamierung und die Einsar- gung. Für morgen ist eine feierliche Einsegnung der Leiche in der Klosterkirche vorgesehen. Heute vormittag trat der österreichisch-schlesische Landtag zu einer Trauersitznng zusammen, wobei der Präsident Graf Larisch dem Kardinal einen warmen Nachruf widmete. Die Ueberführung der Leiche des Kardinals nach Breslau erfolgt am Freitag inittelst Sonderzuges, Die Einbalsamierung nimmt der Prorektor des Troppauer Krankenhauses, vr. v. Matter», vor. Als einer der ersten sprach der Landespräsident Heinrich Graf v. Coudenhove vor, um den Angehörigen sein Beileid auszudrückcn. Er verharrte länger« Zeit nr stummem Gebet vor der Leiche. BrcSla«, 8. März. Die Beisetzungsfeierlichkeiten !m Dome zu Breslau werden am Dienstag .den 10. März, vormittags 10 Uhr, stattfniden. Die Gedächtnisrede wird der Erzbischof von Köln, vr. v. Hartniann, halten. verschont geblieben: doch verläuft di« Krankheit bisher recht gutartig. • Schotten, 5. Mürz Ende voriger Woche weilt« ein Gen«- ralftabsosfizier im Vogelsberg, der unter Führung rin«» Forstmeister» von Schotten au» da» Oberland besucht«, um sich über die in den Generalstabskarten noch nicht eingetragenen Aende- rungon zu vergewissern. Daraus dürft« mit Sicherheit hervov- gehen, dost der wesentliche Teil der Kaisermanöver im Vogel»- berg stattfinhet, __ * F, C. Frankfurt a. M., 8. März. Die ersten Flöße aus dem Main, sechs an der Zahl. 2000 Kubikmeter, passierten gestern auf der Fahrt nach Mainz die Stadt, Sie sind Eigentum der Firma Vowinkel in Mainz. * Frankfurt a. M., 8. März, Aus einer verschlossenen Wohnung des Hauses Domstraße 4, stahlen Diebe einem Geschäftsmann für 1200 M Wertsachen und ein Sparkassen- buch über 2800 M. Hessen-Nassau. * Griesheim a. M,, 5. März. Bei den gestrigen Wahlen zur dritten Klasse siegten die Kandidaten der vereinigten bürgerlichen Parteien mit 200 Stimmen Mehrheit über die sozialdemokratischen Kandidaten zum Ortsparlamont, die 560 Stimmen erhielten. Dieser Sieg ist außerordentlich hoch anzuschlagen, da Griesheim eine Domäne der Roten ist. * Höchst a. M. 3. Mürz. Unter Leitung de» Vcrbanbsvor- sttzcüden Pfarrers Schmitt (Höchst) fand am Sonntag im Eoan. Veveinsha.se di« Delegierten Versammlung de» Mittelrheinischen Verbandes Evangelischer Arbeitervereine statt. Rach dem Jahresbericht find dem Verbände bis jetzt 2S Vereine mit 3625 Mitgliedern angeschlossen, Neugründungen von Ortsgruppen wurden vollzogen in Eörsroth bet Idstein, Schwanhcim a. M., Rödelhelm. Höchst i. Ob. und ränkisch-Erumbach. An Stelle des ausgefchiedenen Verbandssekrctärs Schmitt trat mit dem 1. Mär, Herr Wilhelm (Höchst) in di« Dienst« de» Verbandes. Für di« Unterstützung de» Sekretariat» bewilligl« der Ausschuß der Noffauischen Landessynode einen jährlichen Beitrag von Al. 1200. Die Bericht« de» Verbandsrechners Hofmann Uber bi« Verbandskasse. Verbands-Sterbekasse und die Volksversicherung de» Vorbandes boten in allen Teilen ein Bild gesunder Fortentwicklung. Ein Antrag des Verbandsvorstandes auf Eihöhm^ des Beitrages von 55 auf 60 Pfg. pro Mitglied und Monat wurde a.bgelehnt, dagegen stimmt« man der Erhöhung von 55 auf 56 Pfg. bei. Einen breit«« Rahm«n „ahm in d«n Verhano- lungen di« Besprechung über da« Verbanbsblatt. den „Hessisch- Raflauischen Volksboten"", «in. Der Antrag Frankfurts aus Aufhebung de, Zwangsabonnemenis stimmte die Versammlung nicht zu, doch wurde auf Vorschlag des Vereins Darmstadt die Angelegenheit der Prehkonrmisston überwiesen, di« der nächsten Tagung bestimmte Vorschläge machen soll. Der Rechtsberatungsstelle zu Eietzeu bewilligt« man ein« jährliche Unterstützung von 30 Mark. Ebenso gab man einem Wunsche der Ortsgruppe 6ilc. ßen aaf Erweiterung des Gestlmtvorstande« durch Hinzuziehung eln«s Beirates Folge. In diesen wählt« die Beriommlung Ber- ti«i«r der Verein« Darmftadt. Mainz und Gießen. Zum Vor- i iltienbeit wurde Pfarrer Schmitt (Höchktj einhellig wiederge- roählt. ebenso wurde Höchst von neuem d«r Berbandsvarort. Aus Einladung des Bereins Wiesbaden wird da» diesjährig« Verbandsfest in Wiesbaden gefeiert, voraussichtlich am 5. Juli. Mit einem Bericht de Jugendpflege IS Kratz (Höchst) über Iu- gendpsteg« und der Bekanntgabe weiterer Verbandsangclegep- heiten schloß di« Delegiertenversammlung. * F. C. Höchst a. M., 8. März. Die Schöffen in Höchst a. M. hatten die dort wohnhafte Ehefrau Ktaharine Marx, geborene Jakobi, in zwei Wochen Gefängnis genommen. Iveil sie im vorigen Jahre verschiedentlich ihren 12jährigen Stiefsohn Anton i» grausamster Weise mit Stock. Knüppel »nd eisernen Schürhaken und dergleichen mehr mißhandelt hatte. Die Strafkammer Wiesbaden verwarf die von der Angeklagten eingelegte Berufung, während ihre Revision beim Oberlandesgericht Frankfurt Erfolg hatte. Gestern Zum Pfluyeisen. Roman von M. Prigge-Brook. 89 (Fortsttzung). „Du brauchst niemanden zu furchten, wen« ich bei Dir bin." Tröstend setzte er sich auf den Bettrand und zog ihr dunkler Köpfchen in seinen Schoß. „Wir gehen morgen hinauf, begrüßen Rosemari« und biite» sie, wieder herunter zn ziehen. Das mit dem Platz ist Uusiun, wir haben Platz genug. Du wirst sie bitten. Lieb- ring. Dir schlägt sie's nicht ab." „Ich fürchte, sie mag mich nicht, und ich werde nicht bitten könne». Sieh', Heinz, das ist das Schreckliche an mir. Wenn ich schon merke, daß einer nicht gut zu mir ist, ziehe ich manch ganz in mich zurück. Ich kann dann »in die Welt nicht lieb und freundlich sein, nicht mal natürlich, wie ich selbst. Drum werde ich Deiner Schwester nicht gefallen, sie wird mich nicht liebeil können. Alles ist aus." Sie schluchzt herzzcrbrechend. „Närrchen, süßes! Sorge Dich nicht. Du bist meine geliebte tleine Frau, die erste Person im Pflugeisen. Alle andern kommen erst nach Dir. Wie soll alles aus und vorbei lei» können, was kaum angefangcn hat? Wir zwei sind glücklich, daS ist die Hauptsachel Das andere findet sich!" Er sprach, wenn auch gegen seine Ueberzeugung, so zu- ^ersichtlich, daß Mary getröstet war. Wie ein glückliches llind sah sie zu ihm auf, ließ sich die Träne trocknen und folgte ihm in das Eßzimmer, in deni der Tisch noch gedeckt fländ. Monika bediente sie. Ihr altes Gesicht war eitel Glanz. H'ß Doktor Heinz, nachdem Mary im Schlafzimmer verschwunden war, noch einmal in die Küche blickte, saß die treue Seele am Tische und weinte. „Na, Alte, noch immer so nahe am Wasser gebaut?" ckeckte der Doktor sie. „Ach, lieber Gott, wenn man fast vierzig Jahre in der Familie ist, und ansehen muß, wie eines so schweres Unrecht tut. Die junge Frau ist gut und schön wie ein Engel und der Herr Doktor sind glücklich mit ihr! Ist denn da» nicht genug? Das Fräulein sollten sich schämen, aus purer Eifersucht und Eigensinn so hartherzig zu sein." „Laß nieine Schwester aus dem S'fiele, liebe Alte", wehrte Doktor Heinz ab. „Wenn Dri itS^einen Gefallen tun willst, siehe nach meiner Frau. Sie soll sich nicht kränken: wer ihr zu nahe tritt, hat es mit mir zutun." Monika reichte ihrem Herrn die Hand. „Ich bin unten geblieben, um nach dem Rechten zu sehen", sagte sie schlicht. „Die junge Frau wird keine Tränen vergießen, wenn ich es hindern kann." Uni die Besuchsstunde des folgenden TageS führte Heinz Mary die Treppen hinauf. Erna empfing sie an der Türe. Sie schien geweint zu haben und eingeschüchtert zu sein, denn nach der flüchtigen Erkundigimg, was Mary die erste Nacht geträumt habe, stockte das Gespräch und wollte nicht recht in Fluß kommen. Heinz, der !m Salon aus- und abschrftk, mißhandelte un- barniherzig seinen schönen Bart. Dies Antichambrieren auälte ihn. Rosemari« ließ sich erwarten. Eildlich schlug eine blasse Hand die Portieren zurück, hochaufgerichtet, in tiefer Trauer erschien sin. Sie reichte Mary zwei eiskalte Finger. „Willkommen im PflugeisenI" Zu ihrem Bruder gewandt: „Gott grüß' Dich Heinzl" Hinter ihr ging Luise schluchzend aus die junge Frau zu und drückte einen Kuß auf ihre Wange. Heinz stand unter dem Bann de« frostigen Empfanges. Er fand keine Worte. Am liebsten hätte er seiner Empörung Lust gemacht und Rosemarie geschüttelt. Sie saß wie eine Königin in ihrem hohen Stuhl, tot hier und da eine Frage, nahm gleichmütig die schüchterne Antwort in Empfang, die Mary sich abzwang und benahm sich im übrigen wie eine, die mtt Anstand einer schweren Pflicht genügt. Nach einer halben Stunde erhob sich Hein», seine Ge. dnld war erschöpft. Er bot seiner verängstigten Fran, der die Tränen nahe waren, den Arm. „Kann ich Dich heute ungestört sprechen?" fragte er die Schwester in drohendem Tone. „Rach vier Uhr, wenn Dll willst, im Kolitor." Ohne sie anzusehen, schritt er hiaails. Auf der Treppe brach Mary in Tränen aus. „Sie haßt mich, glaube mir. Ich habe es gemerkt. Die ganze Zeit, während die Tante mit mir sprach, hat sie mich angesehen, wie man was Häßliches, Verächtliches ansieht. O, Heinz, das ertrage ich nicht." „Sie ist verrückt l" sagte er hart. „Doch tröste Dich, Liebling. Ehe ich leide, daß jemand Dir zn nahe tritt, mache ich ein Ende und brauche mein Recht." Die Unterredung zwischen den Geschwistern erbittertc Heinz noch mehr. Roseniarie hatte sich ihren Standpunkt zurecht gelegt und beharrte eigenfinng, der Schwägerin nichts in den Weg zu legen, ihr aber doch in keinem Stücke zu iveichen. „Sei froh, wenn ich mich nicht ganz von Euch zurückziehe", wagte sie ihrem Bruder ins Gesicht zu sehen. „Mir paßt Deine Heirat nicht. Wenn ich mich trotzdenr der voll- zogenen Tatsache beuge, brauche ich darum keine Freundschaft zu heucheln. Meine Türe steht Deiner Gattin offen, mein Herz empfindet nichts für sie. Vielleicht ändert sich s noch, ich glaub's aber nicht. Es sollte mich freuen, wenn ich mich irrte." „Rosemarie, Du bist schrecklich", rief er außer sich. Er sah, gegen diese Starrheit war nicht zu kämpfen. Er konnte nichts tun, als das Werk der Versöhnung der alles heilenden Zeit überlassen. Das Leben !m Pftugeisen gestaltete sich seltsain. Die oben und unten lebten getrennt. Rosemarie hielt an ihren Worten fest und behandelte die Schwägerin wie eine Fremde, wenn sie ihr, von Heinz, der immer noch ans friedlichem Ausgleich hoffte, getrieben, einen seltenen Besuch ab- liattete, der fic£> nie über eine Stunde ausdebnte. Er wie- Vif. 55 IV;,, {cJnJj Sie Stfafkoiiimcr Wiesbaden erneut zum gleichen Urteil wie früher. * iSSitiofttin, 3. Marz. Während im übrigen Dcnksch- ; tt der Besuch der Schülerhcrbergen ganz überraschend ge- :i ,i ist, nämlich von 69 408 Besuchern im Jahre 1912 auf V "IS im lebten Jahr, sank im gleichen Zeitraum für den ' . die Bcsuchszisfec von 1941 auf 1888. Der Grund I-i.-srs Rückganges ist darin zu suchen, daß kein freies Früh- ■. ul nichr gewährt wird. Zur Vereinfachung des Gesamt- l-rtiiebes sollen im Taunus alle bestehenden Studenten-, Schüler- und Lehrlingsherbergen zu Jugendherbergen um- gewandelt und in diesen eigene Wirtschaftsbetriebe einge- fuhrt werden. Verschiedene Herbergen mutzten wegen unzu- reichender Betriebsmittel aufgeg"ben werden. Gegenwärtig bestehen im Taunus folgende Herbergen: Altweilnau 77 Besucher in 1913 (1912: 96), Arnoldshain 153 (118), Braubach, Burgschwalbach 123 (99), Camberg 81 (102), Esch 80 (91), Glashütten 239 (209), Katzenelnbogen 119 (119), Miehlen 51 (54), Nassau 397 (429), Niederscltcrs 135 (173), Obcrrcifen- bcrg 176 (223), Wetzlar 257 (228). Die Taunus-Schiilcr- Herbergen erhielten im letzten Jahr von zahlreichen Nassau- ijchcn Städten und Körperschaften namhafte Zuwendungen. » Kelkheim, 5. März. Auf der hiesigen Station mutzte ein Zug seine Weiterfahrt nach Königstein einstellen, weil durch das ausströinende Wasser eines Wasserrohres die Feuerung ausgclöscht wurde. Erst nach zwei Stunden, als eine Hilssmaschine erschien, konnte der Zug weiter befördert werden. * Königstcin, 5. März. Die Erbauung eines grotzkn Hotels auf den. Sandplacken ist nunmehr gesichert, nachden, die Gemeinde Schmitten den Grund und Boedn bewilligte. Das Hotel erhält 30 Fremdenzimmer und Gesellschasts- raume, die 1200 Personen fasten können. Bauherr ist der jetzige Pächter des Sandplackcnhauses, A. Halan. * Hattersheim, 5. März. Durch ein abrollendes Fatz wurde dem Knechte des Fuhrunternehmers Neuser auf der Oelfabrik ein Beim abgcgnctscht. * Hattersheim, 5. März. Hier unterlagen bei den Ge- meinderatswahlen die Sozialdemokraten mit 50 Stimmen. Die Kandidaten der bürgerlichen Parteien erhielten 140 Stimmen. Bei den letztmaligen Gemeinderatswahlen in dieser Klastc siegten die Sozialdemokraten. * Wiesbaden, 3. März. Don der Elektrischen «r»Gefohren. das dreijährige Kind der Telegraphenorberters Weldenfeller in Dotzheim wurde von der Elektrischen der Dotzheim—Bkrsdadter Lime in der Wiesbadener Straße angejahren und erlitt einen Beinbruch. * Wiesbaden, 5. März. Verhaftet und ins Untersuchungsgefängnis gebracht wurde der Pächter eines Hotels in der Rheinstratze. Er soll sich verschiedener Straftaten, darunter der Kuppelei, schuldig gemacht haben. * F. C. Wiesbaden, 5. März. Eine soeben an die Ct— gierung ergangener Erlaß des Kultusministers beschäftigt sich mit den Veranstaltungen zur Fürsorge für die Schuljugend während der Ferien, als da find: Ferienkolonien, Ferienspaziergänge, Wanderfahrten, Fericnspiele, Milchausschank, Verabreichung von Brötchen und dergleichen mehr. Der Minister erklärt es für dankenswert, datz sich diese Wohl- sahrseinrichtungen in den letzten Jahren gemehrt haben; er spricht allen denen seine volle Anerkennung aus, die fich bemüht haben, in möglichst weitem Umfange die Ferien zu einer Zeit wirksamer Erfrischung fiir Leib und Seele zu machen, und er wünscht endlich, daß diese und ähnlich« Maßnahmen zum Wähle der Schuljugend in den größeren Städten und Jndustrieorten mit allen geeigneten Mitteln unterstützt und verbreitet werden möchten. * F. C. Wiesbaden, 5. März. Im Regierungsbezirk Wiesbaden ist seit dem Jahre 1911 der Automobilverkchr ständig im Wachsen begriffen. Das erhellt vor allem aus der folgenden Ausstellung, die die im Regierungsbezirk Wiesbaden in den Jahren 1911, 1912 und 1913 angemcldeten Automobile ergibt. Im Jahre 1911 wurden angemeldet: 1540 Automobile, davon 1399 zur Personenbeförderung, 141 Lastautomobile, im Jahre 1912 1892, davon 1700 zur Per- souenbesörderung, 192 zur Lastbesörderung, im Jahre 1913 2281 Automobile, davon 2051 zur Personenbeförderung 250 zur Lastbesörderung. Von den 2281 Automobilen sind 533 Krafträder, darunter 4 zur Lastenbeförderung, 167 Kraftwagen bis zu 8 Pferdekräften, darunter 27 Lastautomobile, 401 Kraftwagen mit 8—16 Pferdekräften, darunter 60 Last- automobile, 1004 .Kraftwagen mit 16—40 Pferdekräften, da- runter 121 Lastautos und 176 Kraftwagen mit mehr als 40 Pferdekräften, darunter 18 zur Lastenbeförderuug. * F C. Wiesbaden, 5. März. In Eingaben an den Oberpräsidenten sowie den Minister der öffentlichen Arbeiten bat der Schuh,nachcrmeister Friedrich Schmidt von Wies- baden den Bürgermeister Müller von Beuerbach bei Idstein aufs schwerste beleidigt. Er kühlte sich, weil ihn Müller mehrfach um Abstellung von Mängel» an seinem in Neuer- back, gelegenen Hause ersuchte, schikaniert und schrieb an die bezeichneten Behörden, Müller mache falsche Berichte an seine Vorgesetzten, sei ein charakterloser Menlch und nicht Wert derholte sich in der Woche durchschnittlich eimual. Ebenso pünktlich erwiderte die Schwester den Besuch, blieb ebenfalls eine Stunde und zog sich wieder in ihre Gemächer zurück. Luise, durch Roscmaries Härte eingeschiichtert, ließ fich noch seltener sehe», sie fand für Heinz' junge Frau nicht das rechte Wort. Nur Erna schlüpfte hinunter, so oft ihr Herz sie trieb, die Einsame auszusuchen. Täglich saß sie in Martzs eigenstem Heim, dem ehe- nialige» Knabenzimmer, das sie sich mit den Möbeln ihres Vaters ganz nach dem Muster des Ateliers eingerichtet. IForüetzuna folgt), Reu« Tageszeitung. Freitag, den 8. März 1814. des Bürgermeisters. Eine Woche Gefängnis diktierte das Schöffengericht dem eifrigen Brieffchrciber zu. * F. C. Wiesbaden, 5. März. Auf 4 Monate Gefängnis lautete das Urteil gegen den Arbefter Heinrich von Wiesbaden, der fich cm vier Schulmädchen Verfehlungen zu schulden kommen ließ. * F. C. Wiesbaden, 8. März. Der 23jäbnge Fabrikarbeiter Peter Michel in Biebrich a. Rb. unterhielt mit einem hiesigen Mädchen ein Verhältnis, das nicht ohne Folgen blieb. Als Ende vorigen Jahres die junge Mutter sich anschickte, denr vormundfchaftsgcricht den Namen des Vaters anzugeben, schrieb Michel an das Mädchen einen mit Drohungen gestillten Brief, durch den er das Mädchen von der Datersangabe abbringen wollte. Das Das Gericht erblickte darin eine versuchte Erpressung und nahm Michel in 8 Tage Gefängnis. * F. E. Wiesbaden, 5. März. Daß Wiesbaden sich rühmen kann, mit den Ehescheidungen mit an erster Stelle z» stehen, durfte sich aus einer Statisstk des Wiesbadener Landgerichts ergeben. Jin Verlaufe des Monats Februar standen an den drei verschiedenen in Betracht kommenden Zivilkammern nicht weniger denn 73 Ehescheidnngstermine an. Fürwahr muß cs viele zerrüttete Familien geben, wenn das Wort Geltung behält: „Die Ehe ist da? Fundament der Familie." * F. E. Erbkuhcim, 5. März. Bei der gestrigen Wahl zur Gemeindevertretung wurden getvählt in der ersten Klasse: Adolf Born und Karl Ulrich, in der zweiten Klasse findet Stichwahl zwischen Karl Stoll und Erasmus Morten statt, während in der dritten Klasse gewählt wurden: August Glaeger, Reinhard Splitdorf, Philipp Schacfer und Wilhelm Stautzcnberger. Letztere vier sind Sozialdemokraten. Sie erhielten 93 Stimmen, während die Bürgerlichen 68 Stimmen auf sich vereinigten. * F. E. Biebrich a. Rh., 6. März. In der letzten Sitzung der Stadtverordneten kamen vor allem das Schulwesen be- treffende Anträge und Forderungen zur Beratung So wurden für einen an der Ludwigsstraße zu errichtenden Schulhausneubau mit Rektorwohnung, Turnhalle und der- gleichen 285 350 JC gefordert und da die Bedürfnisfrage bejaht wurde, auch bewilligt. Als Zuschuß fiir die Riehls- schule für 1915/17 wurden 47 821 statt seither 31730 ,A gefordert und genehmigt, 4 neue Lehrkräfte, davon 3 für die Stadt, einer für die Waldstraße, werden angestellt, da besonders an der Waldstraße eine ungewöhnlich große Zahl von Anmeldungen von fckmlpslichtigcn Kindern erfolgt ist. Ein hierbei vom Magistrat gemachter Vorschlag, »in Teil der Kinder der Waldstraße nach Wiesbaden zu beschulen, wurde besonders von den Sozialdemokraten bekämpft. * F. E. Biebrich a. Rh., 5. März. Die hiesige städtische Sparkasse hat aus Anlaß der Ausgabe ihres 10000. Spar- kassenbucheS sämtlichen Kindern, die bei ihr ein Schulspar- kasscnbnch haben, — es sind 800 an der Zahl — Sparkarten im Werte von je 50 Pfennig überreichen lassen. * F. C. Aus dem Rheingan, 6. März. Zur Besichtigung der neugeschaffenen Kläranlagen und der Kanalisation des Kloster Eberbach (Militärgcnesungshcim für Unteroffiziere und Mannschaften des 8. und 18. Armeekorps) weilten gestern Geheimer Oberbaurat Nuyken aus dem Landwirt- fchastsministerium in Berlin, Dr. Weldert von der Landesanstalt für Wasserhygiene sowie verschiedene Mitglieder der Königlichen Negierung in Wiesbaden auf Kloster Eberbach. * Wcilburg, 5. März. Einer hiesigen Dame wurden dieser Tage aus allen möglichen Geschäften die verschiedensten Waren zugeschickt, ohne datz diese bestellt waren. Nachforschungen ergaben, daß ein junges Mädchen aus Hasselbach die falschen Bestellungen aufgegebcn und dabei auch zugleich auf den Nanien der Dame Waren zum eigenen Gebrauch entnonimen hatte. Die junge Betrügerin kam in Haft. Aus Starkenburg. * Kelsterbach, 4. März. Der Kaufmann Georg Diefenbach stahl seinem Freunde ein Sparkassenbuch und beschwindelt« ihn außerdem um 2060 Mark. Sein Bruder, der Schlosser Diefenbach, erhob auf das Buch von der Sparkasse 3200 Mark. Ersteier wurde zu 18 Monaten Zuchthaus, letzterer zu 6 Monaten Ce- siiugms verurteilt. * Neu Isenburg, 5. März. Dir Waldbahn nach Frankfurt wird nach Mitteilungen aus Magistratskreisen in kurzer Zeit in eine elektttsche Bahn umgcwandslt; auch bk nach Schwanheim führende Dampsbahn erhält streckeirweis elektrischen Be. trieb. * Langen, 3. März. In einem hiesigen Schuhroarengeschäft kaufte ein fremder Reisender ein Paar neu« Schuhe. Er zog fie auf der Stelle an und ließ dk alten Schuhe zum Besohlen da, wobei er dem Meister den Auftrag erteilte, die besohlten Schuh« und dk Rechnung fiir dk neuen Schuhe ihm in sein nahegelege- nes Gasthaus zu senden. Der Meister verfprachs, doch als er nach etlichen Stunden dem feinen Kunden im Gasthaus fein« Aufwallung machen wollte, war der Monn selbstvefftändlich veffchwunden, und der Meister hatte den Schaden für seine Leichtgläubigkeit. • Darm stabt, 1 März. Verkohlt aufgefunden wurde gestern früh in ihrer Wohnung in der Friedrichstraße die bei ihren Verwandten daselbst wohnende 88 Jahre alte Frau Eva Rummel dahier. Die Verwandten waren außerhalb zu Besuch und hat fich die alte Frau anscheinend mit dem Licht vor dem Zubettgehen dem Kleiderschranke zu sehr genähert, die Kleider haben Feuer gefangen und die Frau furchtbar verbrannt .sodatz die Angehörigen beim Nachhausekammen nur die verkohlte Leiche fanden. Da die Flannncn sonst nicht viel Nahrung fanden, wurde die Verbreitung eines größeren Brandes verhindert. * Darmstadt, 2. März. Eine unbekannte Frau, deren Herkunst bis jetzt nicht zu ermitteln war, erlag am SamStag Nachmittag einem Scklaaanfalle an der Ecke der Lutten- und _______ Seite S, Elijabethenstratzc. Sie starb nach ihrer Einlieferung i„H städtische Krankenhaus, ohne datz man ihre Persönlichkeit feststellen konnte. * Darmstadt. 3. März. Der Landespferdezuchtverein im <$, Seffern hielt am 1. März im Bahuhofshotel dahier unter dem Boffrtz von Oekonomkiat Müller Neuhof sein« 37. ordentlich. Mitgliederversammlung ab. di« sich eines guten Besuches er- freute. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden wurden di« im verflosienen Jahr verstorbenen verdienstvollen Mitglied-, Gutsbesitzer A. Riedefel Frhr. ,. Eisenbach, Oelonomierat 'heil zu Habitzheim und Rittmeister a. D. Fermer in warmen Worten gedacht. Als Vertreter der Regierung wohnt« den Vcrhandlun. gen bei: Minfftenalrot Schlicphake, ferner Regierungsrat von Siorck für die Provinzioldirektron Siarkenburg, Oelonomierat Leiihiger für die Landwirtfchaftskammcr, Ockönomierat Fritich für den Landwirtfchaftslammerausschuß, die besonders begrünt wurden. Aus dem Geschäftsbericht geht hervor, daß die Mit. gliederzunahmc im letzten Jahre über l00 betrug und nunmehr auf 1740 gewachsen ist. Die Iahresrechnungen fiir 1912 wurden genehmigt, ebenso di« Boranschiäge für 1914. aus denen hervorgeht, daß die Einnahmen und Ausgaben mit 12 300 Mk. ob. schließen. Unter den Asgaben befinden sich Zschüsi« zum Einlauf von «ingeführten Zuäststutcn Mk. 1200. Sveidegeldzuichnn Mk. 3000 und Mk. 2300 Preifezuschuß. Bei den Ersatzwahlen zum Vorstand wurde zum -rften Schttftführcr Major v. Reuf.I vrlle, zum 2. Schriftführer Dr. Müller, Beamter b-j der Land- wiitschaftskammer, als Beisitzer Kurt Frhr, Riedesel zu Eisen, dach, und Gg. Heil-Darmstadt gewählt. Borsitzender Abteilung „Pferdemarkt" wurde Major v, Reufvillc. Dann wurde be. schlosien, die nächstjährige Hauptversammlung in Mainz abzu- halien. An die Verhandlungen schloß sich ein sehr lehrreicher Vortrag des Geschäftsführers der Rheinischen Pserdcznchtoereine Herrn Schuhmacher aus Köln über das Thema: „Wirtschaft. liche Maßnahmen und Erfolge in der Kaltbluizucht" verbunden niit zahlreichen Lichtbildern, bei welchem er den Anwesenden lehrreiche Winke und Andeutungen und Ratschläge gab. Eine anregend« Aussprache schloß fich an. Aus Rheinhrsicn. * F. E. Mainz, 5. März. Zur Feier der 193. Wieder- kehr des Griindungstages de? 1. Größt,crzoglich Heisisck-cn Infanterie- (Leibgarde-) Reginients Nr. 115, des ältesten Regiments des dcuffchen Heeres, versammeln fich am 11. März d. I. dahier im Fischturm ehemalige Oftizicrc, Reser- 1>eoffjziere, Unteroffiziere und Gardisten des Regiments, um darn anschließend, einen Verein ehemaliger Angehöriger des 1. Großherzoglich Hessischen Infanterie- (Leibgarde-) Regiments Nr. 115 für Mainz und Umgebung zu gründen. * Worin», 4. Mörz. Hier brach zum dtttienmal« Eroßfeuer «ns. Die Ursache des Brandes ist noch unaufgeklärt. In den chemischen Fabrilen und Asphaltwerken Aki.-Eefellschast entstand Feuer, das mit rasender Geschwindigkeit um fich griff. Sämh liche Wormser Feuerwehren hatten schwere Arbeit Der Scha. den ist sehr groß, der Betrieb jedoch ungesrort. "" '/«Neichsanleihe Hetzen Kursbericht vom 5. März 1914 der Mitteldeutschen Creditbank Attirntaprtal ». Reserven M. 70 000000 gegründet 1856. Franlsurter Börse. Cschweiler Bergw. „ 221.75 Bochurner Gutzftahl „ 225.— Gehentirch. Bergm.Att. 105?/, Harpener Bergbau „ 187.— Sambg. Amt. Pal. „ 143.'/, Rordü. Lloyd „ 120'/, Berliner Handels Ant 102 50 Mitteid. Credrtb. Akt 124 — Darrnstädt. Bank „ 123.50 Deutsche Bank „ 250.50 Deutsch-AsiatstcheBank 125.50 Diskonto Komm. Aut. 108.— Dresdner Bank Alt. 158 50 Oest. Creditanst Akt. 200.50 Lombarde,, „ 22. V, Dtsch-Ubersee E.G.„ 177.70 Oesiecr-Staasbahn „ 156.50 Höchst. Farbwerke „ 057 — Chem. Fabr. Albert „ 457.— Rutgcrswerke „ 201.— Steaua Romana „ 15130 Phönix Bergb. „ 243.— Griesheim Elektron „ 200.25 Zellstost Waldhot „ 225.— Hotzoerkohlungs-Znd. 310.25 Laurahute „ 159.50 Prioaldiskont „ J.jü T endenz: behauptet. 98.40% 80.20 . 77 50 . '/,'/«Preuß. Consols 86.15, 77.4» . 97.30 „ 84.00 . H „ 74.80 . >/, Oesterr. Goldrente 89.70 . '/•*/« „ Eilberrent« 87.10 . •/, Ungar. Goldrrnte 83.40 „ „ „ Kionenrente 82.40 . „ Portugiesen Serie I 62.— „ ' , . lli 64.60 -/.'/, Russen v. 1905 98.80 °/. . . E '/>"/. Japaner >/» Türken von 1003 '/»Admimstr. Türken ürkenloose Rt. 80.60 91.20 85 80 79.20 167.40 /„»/, Griechen v. 1890 56.30 / »/» Monopol-Griech. 52.20 /„ Buen.-Atr.Pr. Ant 67.20 /, Silber-Mexikaner 43.— '/,/, Mex. Irrig, Ant. 69.— '/,♦/, Chinesen 02.05 uberus C. -W. Art. 113.65 chuck. Eiektr. Ges. » 151.25 Berliner Börse. rrliner Handels Ant. — rutsch« Bank «ft 259.75 i»t ftommantut «nt 107.'/, resdner Bank Akt 158.25 -tJnkHandelsb.Akt 200.'/, isi.Banks.a.Hand.A. 1/4.10 hanlung C. B. Akt 130.'/, iltrmore u. Ohio 02.'/, rnada Pacific Akt 213.'/, nnce Henri E. B.Akt 160.50 lrkenloose W. 167.50 chison Topeka ilühem Pacifik 4cago Rock Ist , isfiKans.itTezM. iton Pacific. S. Steel Common Doll. Londoner Börse. Hohenlohewerle Akt 12050 , Deutsch-Luxemb.B.Att. 142.'/» , Laurahülte All. 160.'/, > Oberschlesier C. Akt —, Phönix Bergbau All. 242.10 l Rombacher Hülle „ 163.50 , Gelfenirrchen Bergw. 21.195.— , Harpener Bergbau Lkt 186.— > «Ug.Elek.Gesellsch.Att. 251.'/« , Siemen» u. HalskeAll. 221— , Tendenz: behauptet 90 .'/. 96.'/, 5.25 18.’/, 163.’/, 66 .'/, Amalgamaked Eopp. Doll. 86.75 Chartered Company Lstt 0.08 Ca>lrano Proprierary „ 2 .— Golofields . 2.34 Rand lUCines „ 5.81 De Beeis Consolid „ 18.'/, Die Deposttenkalse Friedderg i. H. empsiehll sich zur , ‘rmittlung aller bankinhssixen «»eschartc. . und Berkau, oon Wertpapieren an allen Borien. Lichtung iaujendcr Rechnungen und pro»rfi<»lL,rei,r Scheck-Con»- /wechslung von (Loupons und Torten, nähme von offenen und verichtoffenen Depots, tgegennahme verzinslicher Spar-tLialagea. Neber licht. — Gestern Vornrittag fand die feierliche Beisetzung des Bischofs von Osnabrück, Hubertus Boß, statt Als Vertreter des Kaisers war Oberpräsident von Wentzcl anwesend. — Ein Grubenunglück ereignete sich aus der Zeche 1—G der Gewerkschaft „Deutscher Kaiser." Durch die Explosion eines zu ftüh losgegangenen Sprengschusses wurde ein Bergarbeiter getötet, einer schwer und und mehrere leicht verletzt. — Das Schwurgericht zu Graudenz verurteilte die Ren- tiersfra,, Luise Haß in Marienwerder wegen Giftmordes zum Tode. Sie tötete ihren 49jährigen Mann durch Klöße mit Rattengift, um den Liebhaber heiraten zu können. — Das Schwurgericht zu Marburg verurteilte gesteren den Zigeuner Ebender zu drei Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. — Die Zweite Kammer des Landtages der Reichslande nahm gestern den Dispositionsfonds des Stafthalters in Höhe von 190 000 Jl mit 25 gegen 12 Stimmen an. Tie Zentrumsabgeordneten Hackspiehl und Wetterlö enthielten sich der Stimmabgabe. — Wie in Bukarest verlautet, wurde der TebreSzincr Attentäter, der Student Catharou in Kischinew, in dem Augenblick verhaftet, als er im Begriffe stand, die Stadt zu verlassen. — Der ehemalige rumänische Finanzminister Burew, Wurde, wie Sofiaer Blätter melden, wegen Gefährdung der Staatssicherheit verhaftet, jedoch gegen Stellung einer Kaution von 100 000 Franken wieder auf fteien Fuß gesetzt. Er soll sich anläßlich der Wahlbewegung in heftiger Rede gegen die Regierung gewandt und eine maßlose rnsfophil« Agitation im ganzen Lande betrieben haben. — Die Skupschtina von Montenegro hat das Gesetz über die Versorgung der Invaliden aus den letzten beiden Kriegen angenommen. Ilnterstiitzungsber.'chtigt sind ungefähr 3000 Familien. — Aus Larrasch (Marokkos wird rin Fall von Pest ge- ineldct ,der nach zwei Stunden tödlich verlief. Zwei wertere pestverdächtigc Arbeiter wurden unter Beobachtung gestellt. — Nach einem Telegramm aus Ehartum in Aegypten hat zwischen einem Bataillon der ägyptischen Armee unter dem Befehle des Major? Conry und einer Schar von Rebellen bei Uadi Hadi ein heftiger Kampf stattgefunden. Die Verluste der Rebellen, die vollständig in die Flucht ge- schlagen wurden, sind sehr beträchtlich. Der Major Conry siel im Kampfe. — Die mexikanischen Rebellen wurden nach einem hef- tigcn Kampfe in der Nähe von Torveon von den Regie- rnngstruppc» in die Flucht geschlagea. Sie ließen 400 Tote mif dem Schlachtfelde zurück. — Felix Diaz fährt selbst nach Washington und sucht von den Vereinigte» Staaten die Zusage zu erlangen, man werde ihn a»erken»eu, wenn er Huerta stürze. Diaz glaubt, er könne dies in 36 Stunden erwirken. , Mt SfrUuntr des Dreibundes iu den riljjWen Rüstungen. Nach Auskünften, die dem Wiener Korrespondenten der .frankfurter Zeitung" im Laufe einer Besprechung der Pressemeldungen über die russischen Rüstungen und deren Rückwirkung auf die Dreibund-Regierunge» von einer sehr hohen diplomatischen Seite gegeben wurden, wird weder Oesterreich-Ungarn noch Deutschland irgend etwas besonderes unternehmen. Insbesondere wird man nicht über das Maß 0er schon erhöhten Truppcnstände iu den Grenzbezirken noch Ineitere Reserven einberufen. Damit würde man nur große Kosten mnchcn und die Volkswirtschaft beunruhigen. Die Bestände an der Grenze seien stark genug, um jeder Ueber- rnmpclung vorzubeugen. Man könnte auch in Petersburg nicht Vorstellungen erbeben wegen der Probemobilisationen, da das eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines ftemden Staates und schon fast ein Akt der Feindselig- krit wäre. Auch könnten die Regierungen so fortgeschrittener Länder wie Deutschland und Oesterreich-Ungarn keinen Präsentivkrieg ftihren, dessen Notwendigkeit sich nie erweisen ließe. Es könne sich zwar kein Staat von Rußland vor- schreiben lassen, wo er seine Interessen haben dürfe. In dem Bestreben, die Türkei zu schützen, und eine Auftollung der lleinasiatischen Frage zu verhindern, stehen aber die Drei- bundstagtcil nicht abseits, sondern haben auch England an ihrer Seite. ES sei also unwahrscheinlich, daß Rußland einen Vorstoß versuchen werde, und da politische Anhaltspunkte zur Erklärung der Probemobilisatiouen nicht vorliegen so würde inan sich dainit begnügen, ihnen innerpolitische oder militärtechnische Beweggründe znzuschreibc», tvas um so eher möglich ist, als eine Mobilisation in Rußland für viele ein- jiußrerckc Leut« die Geleaenbeit aibt, Geld 1 » verdienen. Die Stellung der Lehrerhaft jur Kejoldungs- vorlage. Der Preßausschuß des Hessischen Landeslehrervereins schreibt i In einer Anzahl von Blättern des Landes wiirde in einer Besprechung der jetzigen Gehaltssituation die Stellung der Lehrerschaft in einem solchen Licht dargestellt, daß unbe- dingt darauf erwidert werden muß. Die Lehrer sehen mit tiefem Bedauern, wie sich Wege» ihrer Besoldung die Gehaltsfrage zugespitzt hat, und wie man nun versucht, ihre Wünsche und ihre Haltung als nicht gerechtfertigt zn bezeichnen, Es ist das um so schmerzlicher, als gerade die Volksschullehrer nach dem Ausspruch eines Abgeordneten der 2. Kammer von Anfang an die Stiefkinder bei der jetzigen Besoldungsvorlage waren. Ist cs nötig, a» die bei den Verhandlungen über dns Provisorium ihnen zugesllgte Behandlung zu erinnern, als man am 11. Juli 1912 den Beamten 10 Prozent der ihnen von der 2, Kammer zugebilligten Aufbesserung, den Volksschullehrern aber 26% Prozent ab- schnitt? . Die Dolksschullehrer verlangen nichts als Gerechtigkeit, und sie verlangen nicht, „besser behandelt zu werden, wie die Staatsbeamten". Wer gerecht denkt »nd sich nicht durch die gegen die Volksschullehrer in Szene gesetzte Stimmungsmache dem Blick trübe» läßt, muß es entschieden zurückweisen, daß ein unglücklicher Ausgang der Bcsoldungsreform „allein auf die höheren Ansprüche der Volksschullehrer zurückzuführen wäre," Die Lehrer fordern Gleichstellung mit den mittleren Beamten, Niemand kann einwandfrei stichhaltige Gründe gegen diese Forderung Vorbringen. Daß sie aber jetzt nicht verwirklicht werden kann, damit haben sich die Lehrer ab- gefiinden. Es handelt sich für sic nur uin die prinzipielle Anerkennung und um wenigstens eine kleine Verringerung der seitherigen Spannung zwischen den penstonsfähigen End- gehalte» der Lehrer und der zuui Vergleich herangezogeueu mittleren Beanitcn, Seither betrug diese Spannung 600 Mark, nach der Regierungsvorlage würde sie sich aber auf 1080 Mark erweitert haben. Die 2, Kanimer kam den Lehrer» dadurch entgegen, daß sie de» peusioiisfähigen End- gehalt auf 4000 Mark sestsetzte und damft die Spannung um 100 Mark verringerte. Das Geld, das die 2. Kammer für den Aufbau ihrer Lehrerskala verlairgt, ist nun nicht etwa eine verhältnismäßig höhere Aufwendung, als wie sie die Beamten be- kommen, es ist ungefähr die Suimne, die den Lehrern schon beim Provisorium hätte werden müssen, wenn man auch bei ihnen damals, wie es bei den Beamten geschah die pensionsfähigen Bezüge jeder Stufe zur Grundlage der prozentualen Aufbesserung gemacht hätte. (Siehe Bericht des Finanzausschuss.-s der 2. Kanimer, Seite 138, Spalte V!) Die jetzige Besoldungsreform sieht eine Herabsetzung der bisherigen Pensionsguote von 100 Prozent auf 85 Prozent vor. Würde die Regierungsvorlage zum Gesetz erhoben worden sein (die 1. Kammer hatte dementsprechend verfabrcu!), dann wären die Lehrer ini Höchst- pcnsionssatz nicht nur nicht erhöbt, sonderii sogar um 170 Mark gegen das Gesetz von 1907 gekürzt worden, lim den seitherigen Penfionssatz von 3400 Mark ober zu erreichen, durfte man gar nicht unter 4000 Mark pen- sionsfähiqcs Gehalt heruntergehenl Mit der neuen Reform soll außer der regelrechten Aufbesserung bei einer großen Anzahl Beamten durch den Grundsatz der Beseitigung von „Unstimmigkeiten und Härteil" eine Heraushebung aus ihrer seitherigen Stellung vorgenommen werden. Auch bei de» Volksschullehrern wurde das Vorhandensein von „Unstimmigkeiten und Härten" festgestellt, aber bei ihnen werden sie nicht beseitigt. Nein, es werden sogar eine ganze Anzahl von Beamten, denen es die Lehrer durchaus nicht mißgönnen, die aber seither gehaltlich unter den Lehrern standen, jetzt au der Regierungsvorlage verglichen, über die Volkssckml- lehrer hinausgehoben; so hatten z. B. eine Reihe von Beamten seither 2700 Mark, bczw. 3000 Mark pensionssäbiges Endgchalt, in Zukunft sollen sic 4100 Mark beziehen. Darf das die Volksschullehrer neben dem Streben auf Erfüllung ihrer allgemein als bereckrtigt anerkannten prinzipiellen Forderung gleichgültig lassen, und kann nia» cs als Starrköpfigkeit bezeichnen, wenn sie demgegenüber an dein End- gehalt von 3800 Mark festhalten? Namentlich auch dann, wenn wie oben nachgewiesen, die ulehrgefordcrte Summe fast restlos nichts anderes darstellt, als ein beim Provisorium eigentlich schon fällig gewesener Betrag? Es zeiigt daruni das Beginnen, die Lehrer bei der jetzigen Krifis der Gehaltsfrage als das Karnickel hinzustellen, von allem anderen mehr, als Wertschätzung dem Lehrerstande und der Volksschule gegenüber. Die Lehrerschaft hat eine höhere Achtung vor der Einsicht und dem Gerechtigkeitssinn unseres Volkes, --wie. unserer, Beamteirlchast, als datz.ste.iürchien liiüßte, daß durch solch durchsichtiges Gebahrcn irgend jemand mit einem Schein von Recht die Gehaltswünsche der Volksschullehier als ungerecht gegenüber den Beamten wie gegenüber de, Leistungsfähigkeit unseres Landes bezeichnen könnte. Deutlcher Reichstaff. Auf der Tagesordnung der Sitzung vom Freitag standen zunächst kleine Anfragen Die Abgeordneten vr, Becker, Hessen natl.), Dr. Gcrlach (Zentr.) und I>r. Struvc (fortschr.)' wünschten Auskunft über die Todesfälle infolge der Salvnr» sanbehandlung Sypilitischer. Ministerialdirektor Dr. Joncquisres antwortete, daß es, an amtlichen Mitteilungen über die Todesfälle fehle, S» bedauerlich solche Todesfälle seien, so müsse doch anerkannt werden, daß das Mittel bei einer großen Anzahl von K>an- ken ohne Schädigung angcwendct worden sei, Aiich bei anderen Heilmitteln blieben vereinzelte Todesfälle nicht au?. Ein Anlaß zu einschneidenden Maßnahmen gegen das Mittel liege nicht vor; jedoch werde die Reichsverwaltung der Angelegenheit fortgesetzt größte Aufmerksamkeit widmen. Auf eine Anfrage des Abg. Baumann (Zentr.) die Einfuhr von Weinen bctr. erwiderte Ministerialdirektor vr. Joncquiörcs, daß ein Mißstand nicht bestehe, daß jedoch über die Herstellung von Dessertweinen unter Zusatz von Alkohol eine letztinstanzliche Ent- scheidung demnächst zur Entscheidung kommen werde. Auf eine Anfrage des Abg. Or. Ounrck (Soz.) erwiderte Ministerialdirektor Nr. Caspar, daß die einheitliche Re. gelang der Dienstvorschriften der Straßenbahner Landes fache fei, der Reichsregierung eine Einwirkung deshalb nichi zustehe. Darauf wurde ohne wesentliche Erörterung der Rest des Postetats genehniigt, »nd das Haus wandte sich der zweiten Lesung des Postscheckgesetzes zu. Dazu lag ein Kompromiß- antrag vr. Ocrtcl (kons.), Beck (natl.), Nacken (Zentr ), Tode (fortschr.) vor, der einen Ausgleich zwischen der Regierungsvorlage und den Konunissionsbeschlüssen e.nstrrble und eine Gebühr von 8 Pfennig für Beträge bis 25 und von 10 Pfennig bei höheren Beträgen forderte, der Postverwaltung die Aufhebung eines Kontos bei Mißbrauch einräumte und die Herstellung der Formulare durch Privat» industrie zulassen wollte. Abg. Bogtherr (Soz.) lehnte diesen Antrag ab, trat für die KoininissionsbeschlUssc ein und beantragte ferner, erst von 100 Jl ab 10 Pfennig Gebühr zu erheben und die Sta-nnr- einlage auf 25 Jl anstatt 50 Jl zu bemessen. Abg. Nacken (Zentr.) führte au?, feine Freunde hätten noch viel weitergehendere Wünsche, wollen aber als Realpolitiker das Erreichbare nehmen. Der Komproinißautrag bring« viele Vorteile und man müsse anerkennen, daß die Verwaltung bestrebt gewesn sei, den bargeldlosen Verkehr zu fördern. Abg, Roland-Lücke (natl.) erkannte an, daß in der letzter« schweren Gcldperiode der Postscheckverkehr die geschäftlich« Situation gemildert habe. Dem Mittelstände werde durch den Scheckverkehr die Einbringung von unbezahlten Rechnungen crinöglicht werden. Abg. Frommer (kons.) trat für Errichtung eines Postscheckamtes in Königsberg ein und erklärte, dem Kompromiß- antrag bezw, der Kommissionsfassung zuzustimmen. Nach zustiinmenden Ausführungen der Abgeordneten Schweickhardt (fortschr.) und Behrens (w. Vgg.) sprach Staatssekretär Kraetke die Hoffnung aus, daß das Gesetz dem Scheckverkehr zu neuer Blüte verhelfen werde. Damit schloß die allgemeine Aussprache, Paragraph 1 wurde angenomnien, ebenso der Kompromißantrng, Auch der Rest der Vorlage wurde in der Kommissionsfassimg genehmigt. Beiin Etat der Reichsdruckerei bemängelten die Abgeordneten Irl lZentr.) und Böttgcr (natl.) die den Privatbetrieben gemachte Konkurrenz. Abg. v. Wintcrfcld (kons.) schloß sich dem a», gab aber zu bedenken, daß die Reichsdruckerei mit dazu beigetragen babe, das Buchgewerbe so hoch zu stellen, wie es jetzt stehe. Im Buchgewerbe eines Volkes sei ein Kultrrrbaromcter enK halten. Der Etat wurde genehmigt. Samstag: Kolonialetat. .prenstilchcr Landtag. Aigeaedxetenhaa». Die Beratung des Etats der Handels- und Gewerbe- Verwaltung wurde anr Freitag fortgesetzt, Abg. Lkincrt (Soz.) verlangt von der Staatsregieruug die ernsthafte Lösung der Arbeitslosen-DersicherungSfragL Dem Generallandschastsdircktvr Kapp von der össent.'ich- rcchtlichen Volksversicheruug sagte Abg. Leiuert nach, er h.che gelogen. Wegen dieser Beleidigung eines Staatsbeamten, rief Präsident Gral v. Schwerin de» Redner zur Ordmuro u.rd Nummer 36 Samstag, oen 7. März 1914. 7. Jahrgang Neue Tageszeitung Di- ..ri.u- Tage,,»»«,,« erlchemt jeden Werktag. Regelmäßige B-U-gen „®« Kauer o»« S*ITen“, „,i. SptunSube". Se.ugaprei»- «-> den P-I.anitalt-n Mettel,alul.ch bei °cn Agenten monatlich 50 V\g. hinzu trttt Postgebühr oder Trägerlohn. A»r,ig.nr Errmd,eile 20 Pjg„ lokale 15 P,g„ An,eigen von au-wart-werSen ourch Potnachnahme „yol-'.n _ Eisüllmrg-ort Friedberg. Kchrikile.tung und »erlag Friedberg (Hessen), hanauerstiaße 12. Fernlprecher 48. Postscheck-Conto Re, 48,;» Amt Frenlsurt a »I * ’ ° die heutige Nimmer umfaßt 12 Seiten. Nr. 59 s bließlich zur Sach«', als er Tcrrvrrsiiiusfälle zu behandeln luchte. Ein Regicruiigsvcrtretcr erklärte, die Innungen hätten da» Recht zu beschließen, daß ihre Mitglieder ausschließlich den Innungsarbeitsnachweis zu benutzen haben. Als einen Sl- floß gegen den Genicingeist erachte der Minister es, wenn I nungtmitglieder, die in Lohnkäiupfcn besondere Dcrcin- b. ungen mit Arbeiterorganisationen abgeschlossen haben, dies ösfcntlich bekannt geben. Abg. Eoiiradt-Breslau (kons.) wies auf die schweren Omdigungen hin, die der Mittelstand durch die Hausierer, die Wandcrlagcr und den hcinilichcn Wärcnhandel der Bc- aintcn erleide. Zur Gesundung des VerdingungswesenS sei die Schaffung von Kalkulationsburcaus notig. Die sozial- dcmokratischen Konsumvereine schädigten ebenfalls den Mittelstand, der erst ruiniert und dann revolutioniert werden solle. Alle Behauptungen, daß der Bund der Landwirte mit Warenhäusern in Verbindung stehe oder solche unterhalte, seien falsche Unterstellungen. Abg. Cohaus (Zentr.) wünschte ebenfalls eine Regelung des Wanderlager- und Zugabe-IInwescnS. Abg. 0r. Bkiimcr (natl.) trat für die Schaffung eines eigenen Nachrichtendienstes ein, nm den unwahren Ausstreuungen der ausländischen Presse erfolgreich zu begegnen. Abg. Dr. p. Woyna (freik.) forderte eine Bcsteurung der kSarcnhäuser nach dem Quadratmeter des Verkaufsraumes und eine Förderung der landwirtschaftlichen Winterschulen. Abg. k>r. Ehlers (Fortschr.) hielt die Warcnhaussteuer mit der Einteilung der Waren in vier Gruppen für eine Beschränkung der Spezialgeschäfte. Bei der Abstinimung wurde der Antrag auf Schutz der deutschen wirtschaftlichen Interessen auf Grund unserer bewährten Wirtschaftspolitik angenommen, desgleichen der Antrag Hanuncr über die Gcschäftsgcbarung der Elektrizi- tätsfirmen. Ein ähnlicher fortschrittlicher Antrag machte namentliche Abstimmung nötig. Da diese die Beschlußun- fahigkeit des Hauses ergab, trat Vertagung ein. Nächste Sitzung Samstag: Fortsetzung Schluß y 2 5 Uhr. Ans dem hejj. Landtag. Zweite Kammer. Pröstdent Köhler eröffnet« die gestrige iStzrmg nm 9.20 klhr und wünscht Abg. Damm (Frets.) bei Fortsetzung der Generaldebatte Uber das Budget in Kap. 8, Salme, Badcanffbalt unä> Tiefbauamt Bad-Nauheim und Salzhaufen, daß man sich bei der jetzigen finanziellen Lage recht sehr zurückhalt«. Abg. Busold (Soz.) wünscht bessere Einrichtung des ilusflugsortes Wtnterstein. Abg. Joutz (wild) verfangt mehr Engeqenkvmmen von Seiten des Ku-rdirektors. Dem Abg. Breidenbach (Bbd.) sind Klagen über den Knrdirektor ruicht bekannt. Notwendig sei, daß die Eingeseffe. nen von Seiten der Kuidirettion mehr Entgegenkommen finden, firner hält es für kleinlich, von Seiten der Direktion den Abgeordneten den Zutritt zur Terrasse zu verweigern. Abg. I v u tz nimmt das Recht für sich in Anspruch, daß er Abgeordneter voir Bad-Nauheim sei. Er wünscht Anstellung einer ständigen Musitkapell«. Abg. Urstadt (Freis.) stellt fest, daß das Gießenei Theater wiederholt gute Leiswngen in Bad-Nauheim geboten Habs. Abg. Dorsch (Bbd.) warnt vor der in Aussicht genommenen Verpachtung von Salzhausen und fordert, daß man dort mehr für Unterhaltung sorg«. Kapitel 0 Samentlenganstalt Gammelsbach wird ohne De. batte genehmigt. In Kap. 10, Stoatselsenbahne», bringt Abg. llorell (Freis.) verschieden« Wünsche für di« Salztalbahn vor. Es müssen bester« Verbindungen geschafsen, auch mehr Wagen eingestellt werden und bespricht den Fall des von der ^isenbahndirettion Mainz entlassenen Vorsitzenden des Eifen!- ahnverbande, Henrich von Mainz, wegen Verächtlichmachung ■«t Direktion und der Arbeiterausschüste, wird aber von dem ströfidenien daraus hingewiesen, daß der Fall in der Jnterpella- ion nochnias zur Sprache tonrmt. Redner hält dies« Ein- ichränlung des Koalitionsrechtes für sehr ungerecht. Er bringt oarm noch Beichwerde über schlecht« Verbindungen mit Nauheim zur Sprache. Abg. Adelung (Soz.) bespricht ebenfalls den Fall Henrich und bringt dann verschiedene Wünsche betr. der Rüdgau- bahn vor. Abg. Best (Rail.) Hai bezüglich der Station Osthosen und testen Hanhofes verschiedene Beschwerden. Di« Zustände seien längst als unhaltbar bekannt. Abg. W ü n z e r (Natt.) schildert tu r«cht drastischer und lebhafter Weis« die bedauerlichen Verkehrsverhältniste im Odenwald, tritt energisch fiir den Bahnbau B«nsheim—Linden, fcls ui» Durchführung der Bahnlinie Fürth—Steinholzhcim, da man leichter nach Berlin und Paris kommen kaum, als nach vielen oft nur 25, Kilometer entfernten Orten. Dringend notwendig sei auch di« Umwandlung der Pferdepost in Automobil- Verbindungen, da man den heutigen Berkehrsverhältnissen mehr Rechnung tragen müsse. An vielen Orten könne man ein« Abänderung ftststellen, da die Einwohnerschaft durch die schlechten Verbindungen verwarne. Auch im Interesse des Wintersports müste der schön« Odenwald bester erschlossen werden, damit die arbeitssam«. fleißig« Bevölkerung dem Berkehr angeschlosten werde, es fei dies auch ein« Frage von kultureller Bedeutung, Abg. Singer (Ztr.) bringt veischiedene Wünsche über besser« Bahnverbindungen mit Seligenstadt nach Aichafienburg- Frautfurt usw. vor, auch sollen an deir Nebenbahnen mehr Schranken angebracht werden. (Bahnhof Hainhausen usw.) Abg. Mergel! (Natt.) schließt sich den Ausführungen des Abg. Münzer voll und ganz an und wünscht, daß man den Ausbau der Nebenbahnen im Odenwald noch einem einheitlichen Generalplan vornehm«. Sehr notwendig sei, daß man den Bahnbau Densheim—Lindensels mißlichst fördere. 2rnanLmimkter Dr. Braun kann mir aut einzelne Witntibe Neue Tageszeitung. Samstag, «en y. März 1914. «ingehen, wünscht ab«, daß man in Zukunft zur Erleichterung der geschäftlichen Behandlung diese Wünsche und Beschwerden vorher der Reg«rung benachrichtige, damit sie auch in die Lage versetzt werde, darüber Auskunft zu geben. Zu dem Fall Henrich kann er erklären, daß auch sein Wunsch sei, di« Angelegenheit nach der Budgsberatung besonders zu behandeln. Für heute wolle er nur soviel sogen, daß das Lereinsgrsetz gewisse Beschränkungen zwischen manch«, Behörden und Untergebenen bestehen, wenn auch bc! den Eisendahnbehörden den Arbeitern das Koakittosrecht in weitgehendem Maße gewährleistet sei. Es bestehen in> Hessen sechs Verbände mit etwa 150 000 Arbeitern, mit denen die Direktion in entgegenkommender Weise verhandelt, freilich können hier nur allgemeine Angelegenheiten erledigt werden. Das Koalitionsrecht der Arbeiter werdchtzdurch die Entlastung des Arbeiters Henrich nicht beschränkt. Henrich habe trotz mehrfacher Verwarnung di« Agitation zu weit getrieben und sehr viel« ungerechtfertigt« Borwürse gegen die Direktton und Vorgesetzte erhoben, fiir di« er den Beweis nicht er. bringen komtte. Das Meiste mußt« als große und grobe Entstellungen, Unwahrheiten und llcbertrribungen festgestellt werden. Trotzdem hat er die Angriffe wiederholt. Der Minister erllärt dann, daß bezüglich des Bahnhofes Osthofen ein neuer Projekt vorliege. Bezüglich der Beikehrsoerhültniste im Odenwald werde man möglichste Fejchleunigung «intreten lasten, zudem schon bezüglich der Aulomobillinjen ein Entwurf dem Hause vorliege. Di« Regierung werde es an Entgegenkommen nicht fehlen lasten. Abg. Voxheim er (Ztr.) wünscht ein« Unter, oder lleber- führung an der Bahnlstation Lampertheim. Abg. Wolf (Stadecken, Bbd.) weift auf di« große und schwere Belastung hin, welche viel« Gemeinden durch den Bau der Selztalbahn erlitten haben. Man solle in Zukunft bei solchen Bauten auf die Verhältniste der Gemeinden mehr Rücksicht nehmen. Erfreulich sei, daß durch den in Aussicht stehenden elektrischen Betrieb eine Verbilligung «intritt. Er vertritt dann seinen Anttag auf Erbauung der Bahn Armsheim—Un« denheim. Redner kommt auch auf den Fall Henrich zu sprechen und weist darauf hin, daß die Abgeordneten di« Pflicht haben, auch den Bahnarbeitern zu sagen, wenn sie in ihren Ansprüchen zu weit gingen. Trotz der Klagen sei es schwer, Landarbeiter zu bekommen, man soll« die Lohnverhätntssr zwischen Bahn» avbetteri, und Landarbeitern in besserem Einklang bringen. — Schlietzlich wünscht er auch dauernd« Einrichtung der jetzt NM tm Sommer laufenden Abendzuges. Abg. Urstadt (Freis.) tritt für Aufhebung der Bahnsteigsperre zu den Wartejäleu in Eietzen ein »t eine neue Haltestelle im Norden Eietzen, da der n" rditeik stark vernachlässigt werde. Ebenso notwendig Erbauung der elektrischen Bahn nach Wieseck. Endlich j u auch Sei Lohnverhältnisse bei einzelnen Arbeitergruppcn noch sehr schlecht. Trotz ore- mehrter Arbeitszeit haben viel« Arbeiter keinen höheren Loh«. Abg. Raab (Soz.) bringt ebenfalls verschiedene Estenbahnwünsche über bessere Verbindungen usw. vor. Er wundert sich, datz an einzelnen Orten, an denen elektrisches Licht herge. stellt wird, di« Eisenbahn sich diesen Berkehrsvorschristen nicht zu Nutzen macht. Redner führt noch Beschwerde über di« Behandlung der erkrankten Arbeiter seitens der Bahn durch Lohnabzüge ufw. Er macht dann noch Ausführungen über den Fall Henrich und hält es nicht für richttg, daß die Behörden gegen die Arbeiter eine andere Stellung annehmen wie di« Privaten. Das sog. Koalitionsrecht der Eisenbahn könne man als solches nicht bezeichnen. Schluß der Sitzung nach 1 Uhr. — Nächste Sitzung Dien stau. Tagesübrrsicht. Deutsches Reich. :: Ueberführung der Leich« Kopps. Gestern nachmittag kam der Sonderzug mit der Leiche des Fürstbischofs Kopp in Breslau an. Vom Bahnhof setzte sich der Trauerzug nach dem Bischofs- palais in Bewegung. Voran schritten di« katholischen Jugend-, Gesellen-, Meister, und Arbeitervereine mit umflorten Fahnen. Es folgten Deputationen der Studentenschaft. Hinter dem Leichenwagen schritten di« Angehörigen des Kardinals, Schüler der höheren Schulen und Fraueuverein« bildeten Spalier. Im bischöflichen Palais wurde die Leiche bis zur Beisetzung in der Hauskapelle aufgebahrt. In die Kapelle folgte nur der Klerus. :: Wie sie sich amüsieren. Wir finden in der „Weihenlburger Zeitung" folgendes icichsländijche Kulturbfldchrn: „Lauterbnrg, 28. Febr. Das diesjährig« Faschingstvei- bcn hatte hier eine seltene Höhe erreicht. Sein Mögliches hat dazu der Karnevalverein Rheiistchnak beigetrag«». Große Heiterkeit erweckte eine kostümiere Gruppe, den Leutnant Forst,«i darstellend. Einem jungen, mit Degen bewaffneten Leutnant folgte ein lahmer Schuster mit Soldaten, hierauf ein „unbescholtener Backfisch" und den Schluß bildete «ine Waschfrau, welche ein mit Senf bestrichenes Bettuch zur Schau trug. Das ist in der Tat eine „seltene Höhe", :: Niederlage der Sozialdemokraten bei den Ortskranken- kastcnwahlen. Bei den bisherigen Wahlen zu den Allgemeinen Ortskrankenlassen in Baden wurden die Sozialdemokraten bi» zu 85 Prozent aus ihren Positionen verdrängt. Oesterreich. :: Verurteilung «ne» österreichische» Fähnrich» wege» Spionage. Ein Spionageprozctz aus der langen Reih« der Spionageprazest« zugunsten Rußland, ist gestern vor dem hie. sigen Landgericht zum Abschluß gelangt. Der eheinolige Fähnrich Johann Reich, der wegen einer Unterschlagung nach Rußland geflüchtet und dort in Beziehungen zu der Ochrana getreten war, wurde irach kurzer Verhandlung zu drei Jahren schweren Kerkers verurteilt. Vom Balka«. :: Die Entwicklung Alhu-ien» in türkischer Beleuchtung. Anlählich der Abreise des Prinzen zu Wi«d nach Albanien lvig- m«t der offiziöse „Tawirr" der albanischen Entwicklung ein« ein. gehen»« Sttidi«. Das Blatt spricht von dem zunehmenden Antagonismus der beiden Protettooatmächte Albanien» sowie von der Tastache. datz die Muselmanen von Clbestan die Anerken- ____________«rite r mmo der christlichen Fürsten ablehnen. Dies« Ablehnung^ von blutigen Zwischenfällen begleitet gewesen, di« die großr Wirkung auf di« Muselmanen Albaniens nicht verfehlen wür- den. Die Muselmanen Albaniens machen fortgesetzt gelü-ne daß di« Rechte der Nicht-Muselmanen Albaniens, di« die Minorität bilden, in den Händen der internationalen Konttotl kommifüon gut gesichert seien. Als Ausgleich sei notwendig, daß Albanien einen moham-danifchen Fürsten erhält Mexiko. :: Der gejangene Sohn General T-rrazar. General Tcrra- zas, dessen Sohn sich in Gefangenschaft des Generals Billa befindet. und, wenn bis morgen nicht ein Losegcld von einer halben Million Dollar erzielt wird, erschossen werden soll, hat sich zum amerikanischen Konsul in Ehihuahua begeben, und um dessen Intervention gebeten, die jedoch mit dem Ausdruck des Bedauerns abgelehnt wurde. Der 80jährige General, der vor der Konfiskation feiner Güter ein Bermögen.von 40 Millionen l'«sur*e Herr Kreisrat Freiherr Schenck gewählt. Dt- tleberrei- chung der den landwirtschaftliehen Dienstboten verliehenen Ehrungen fand durch den stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Bürgermeister Alles statt, der auch den Vorsitz wäh- rend der ganzen Versammlung führte. Die Namen der Dienstboten wurden bereits veröffentlicht. Der Vortrag des Herrn Finanzrats Hoos über das Gemeindcumlagengesetz wurde mit großem Interesse verfolgt. An den Dortrag schloß sich eine ausgedehnte Anssprache, an der sich besonders Herr Landtagsabgcordncter Breidenbach und Herr Bürger- Meister Goy in Heldenbergen beteiligten. Die vom Ausschuß entworfenen Voranschläge für 1913 und 1914 fanden Annahine. * Friedberg, 7. März. Wir greifen aus dem geschickt zusamwen gestellten Programme des hiesigen Ecntral- theaters den Fffm „Das Geld der Armen" heraus. Es ist ein vieraktigcs Drama, ebenso die Posse „Lehmann und die Indianerin." Neben diesen äußerst spannenden und interessanten Hanptschlagcrn nebst Einlagen wird auch das übrige Programm seine Zugkraft nicht verfehlen. * Verspätete Zustellung der Zeitung. Ans verschiedene Reklamationen wegen verspäteten Eintreffens der Zeitung namentlich in der Gegend von Hanau a. M., teilen wir mit, daß der Postwagen seit 3 Tagen in Reparatur und nicht mit dem Zuge 1.11 Uhr gelaufen ist. Aus diesem Grunde können die Zeitungen erst mit dem Abendzuge 6.07 Uhr hier abgehen. Wie uns heute mitgeteilt worden ist, ist der Anstand jetzt behoben. * Der Vogelschutz»»«!« für das Großherzogtum Hessen macht auf 8 3 des am 1. September 1008 rn Kraft getretenen Vogelschutzgesetzes aufmerksam, der lautet: „In der Zeit vom I. März bis zum 1. Oktober tft das Fangen uist» di« Erlegung von Vögeln, sowie der Antaus, der Verkauf und dos Ferlbieten, die Vermittlung eines hiernach verbotenen An- und Verkaufs, di« Ern-, Aus- und Durchfuhr von lebenden sowie toten Vögeln der in Europa einheimischen Arten überhaupt, ebenso der Transport solcher Vögel zu Handelszwecken untersagt. — Dies«, Verbot erstreckt sich fiir Meisen, Kleiber und Baumläufer aus das ganze Jahr." ' Osienhkim, 7. Mär,. Gestern wurde die sterblich« Hülle des Gg. Ehr. Schäfer zu Grabe getragen. Viele Leidtragende von nah und fern waren erschiene», um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen, ebenso waren die Kric- gcrvererne Ossenheim, Bauernheim, Friedberg und Weckes- beim vertreten. Die Militärinusiffchule spielte Trauer- tveisen. Nachdem der Sarg in die Gruft versenkt war, gaben Vertreter der einzelnen Vereine Ehrensalven ab. • Kloppenheim, 7. März. Bei der am 27. Februar stattgehabten Dürgrrmeisterwalil Ivurde der seitherige Beigeordnete Joseph Ullrich zum Bürgermeister gewählt. Herr Ullrich hat seinen Bosten als Beigeordneter voll und ganz ausgefüllt. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß er die Geschälte der Gemeinde als Bürgermeister »ur vollen Z>>" Nr. 56 Mtne Tageszeitung. SomstQft, btn 7. Watj i>l* Seite 3. sricdcnheit juni Segen und Nutzen der gesamten Bürgerschaft ausübcn wird. * Münzenberg. 7. Mürz. Wie uns mitgeteilt wird, beabsichtigt die Firm« Konr. Jung dasebst zu Butzbach ein« neukon- struirrt« Hackmaschine vorzuführen mit doppelter Lentvorrich- lung und verbunden mit Kultivator und ist jedem Besucher des Marktes Gelegenheit geboten, dieselbe zu besichtigen. • Münzcnberg, 7. März. Am vergangenen Dienstag Abend fand dahier im Gasthause zum Löwen der schon verschiedentlich erwähnte Vortrag des Dichters und Bauersmannes Heinrich Naumann aus Nanzhausen statt. Eine zahlreiche Zuhörerschaft aus Münzenbe-g und aus verschiedenen Orten der Umgegend hatte sich eingefunden. Redner sprach über das auch schon erwähnte Thema- „Heimat und Vaterland." Er versteht es meisterhaft, die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer in Spannung zu halten. Leute, die sonst gar nicht so sehr für derartige Sachen zu haben sind, weiß er durch seine Rcdcgcwandheit und seine tief zu Herzen gehenden Ausführungen, die einerseits bis zu Tränen rühren und andererseits das Herz jubilieren lassen, für sich zu ge- winiien. Ter Faden, der sich durch seinen zirka eine Stunde langen Dortrag hindurch zog, war der, daß nur eine solche Persönlichkeit scineni Vaterland einen wahren Dienst erweisen könnte, die vor allen Dingen dem eigenen Heim oder den, ihr zugewiesenen, wenn auch geringsten Dienst vorzn» stehcn wüßte. Der Vortragende wnszte aus dem reichen Schatze seiner Erfahrungen, diese seine Schilderungen durch Bilder, die er den Gcistesaugcn seiner Zuhörer vorsiihrte, zu illustrieren. Wenn man vielfach von guten Führern unseres deutschen Volkes spricht, so muß Herr Naumann unzweifelhaft dazu gezählt werden. Er ist ein Kenner unserer Volksseele. Möge cs ihm vergönnt sein, noch eine lange Reihe von Jahren zum Segen seiner Mitmenschen zu wirken. * Hungen, 7. März. Das Defizit in unserem Spar- und Kreditvercin hat sich noch höher gestellt, als wir kürzlich berichteten. Es beträgt zirka 130 000 Jahrgang Für Zeit nnd Ewigkeit. Sonntag Reminrscer«. 0 Lamm Gottes unschulbig. (Mark. 10, 32 — 34). Schon einige Zett hatten di« Jünger bemerkt, daß es etwas Besonderes bedeutete, daß ihr Herr so entschieden dem Norden! des heiligen Lande, den Rücken wandte, um mach dem Süden k» ziehen. Aber sie hatten es mehr erlebt, daß der Herr, wenn (cine Stunde gekommen war, unverzüglich und geraden Wegs ans sein Ziel ging. Eben aber merken sie, daß sie „aus dem Weg sind hinoufzusteiqen nach Jerusalem". Nach dem aber, was sie n'it dem Herrn in Jerusalem bereit» erlebt haben, wissen sie, baß sie auf dem Weg zu großen Entscheidungen find. So wenig sie sich klar machen können, was jetzt erfolgen wird, so sehr wird , j ihre innere Ilebcrzeugung, daß sich ihnen ein dunkle Gewitterwolke naht. Gewiß haben sie sich oft nach einem rechten Einzug de, Herrn in Jerusalem gesehnt) nun wird der Einzug k»m. tuen, jedoch es ist ihnen bonge davor. Aber sie müssen ihm folgen. „Und er führte sie Jesus", sogt Markus in dem doppelten Sinn, daß er voranging und daß «r sie mit sich führt«. Der Jünger Petrus wird das Bild nie »ergejsen haben und hot es Markus singeprägt. Etwas vor den Jüngern und dem nachfolgenden Volk schritt die aufrechte, ihres Zieles bewußte Gestalt unseres Herrn. Di« Zeit ist erfüllt, sein Vater ruft, da eilt er auch schon, di« andern hinter sich lassend, in di« heilige Stadt nr der er sterben soll. Wenn wir an das deniken, was der Herr im Garten Gethsemane durchgekömoft hat, ahnen wir etwas von den Scelenkämpfen, die ihn der Beginn des Leidensweges gekostet hot. Aber seine Jünger sind im Glauben gefestigt, in Jerusalem stehen seine Richter und bi« Heiden bereit, da geht er wie ein Held seine Bahn. Nicht von Nachfolge kann er auf diesem Weg sprechen, aber die ganze Menschheit inöcht« er hinter sich her führen beim Zug zum Kreuz. Wir wundern uns nicht, daß das Evangelium fortführt) .sie standen in starrem Staunen". An seiner Art, diesen Weg cinzuschlagen, an dieser aufrechten, heilig ernsten Gestabt hört« alle; Denken und Begreifen aus. Jetzt erimterten st« sich an die frühere» Todes-Weisfagunzen ihres Herrn, und sie sahen, daß es nun furchtbarer Ernst damit wird. Aber sie staunten nur entsetzt dt« Eott«sweg« an. Sie hatten trotz aller Belehrung des Herrn noch nicht ganz den Fluch der Sünde und den Ettaf- ernht Gottes erkannt. Erst wer di« Sünde kennt mit ihrer Schuldlast, di« sie auf uns arm« Menschen legt, wer es aus Gotte» Offenbarung ^.nniiiig hianinrmt, daß der lob der Sünde Sold ist, „de- ermessen, daß es unseren Herrn nicht Gold oder Silber, t r gar mir liebevoll« Belehrung über seines Ba. ter» Güte, sondern das Lösegeld seiner heiligen, teuren Blutes gekostet hat, um seine Brüder zu erlösen. Freilich, wenn ich die» Wunder soffen will, so steht mein Geist in Ehrfurcht still! Wenn »i!5 aber der Herr die Schrift öffnet, da verstehen wir sein Wort: Mußte nicht Christus solches leiden?! Wer das nicht weiß, mag überall nach Gründen für de» Herrn Leiden suchen, er wird einen noch dem andern Grund wieder vergessen, und wird bei dem „Staunen" bleiben müffen, „Die ihm leachfokgten, kamen in Angst") so geht es uns, wenn uu» Gott einen Weg voranqeht, den wir nachgehen müssen, und der un» allen Glauben an ein gute» Ende nimmt. Arme Menschen I Wo sie alles vom Herrn erwarten dürfen, wollen sie an chm verzweifeln. Auch uns führt der Herr jetzt wieder in die Passionszeit, daß wir wohl manchmal uns vor dar Sünde fürchten, dt« link; u>td rechts am Weg steht) aber ihm folgen wir gern und dankbar. Kein Wort der Beruhigung hat er zu thnen gesprochen. Wenn sie sonst staunten (Ev. Joh. 1, SV) löste er ihr Staunen in erwartungsvoll« Freud« auf. Sacht Hörde» sie «ist au, feinen Mund: Fürchtet euch wicht! Aber schon nähern sie sich Jericho und Jerusalem. Di« Zeit der Worte ist vorüber) nun werden sich die Eejchehniffe übereilen. Al» ob er ihr ängstliches Fragen um das Hinaufgehen mach Jerusalem gehört hätte, bestätigt er ihnen ihre Gedanken: „Sehet, wir gehe» hinauf noch Jerusalem I" Und da läßt er sie an seinen EÄmnken teilhaben, di« den Leidensweg oft gehen) bis in di« Einzelheiten kennt er sein« Marterftraße und den Kamps, den es kosten wird, bis er am dritten Tag« wieder -ruferstehen wird. Für unsere sieben Lerdonswochen nennt er uns die sieden Leidensstationen, di« der Bater ihn führen muß: Um unserer Sünden willen dahingegeben und die Hohenpriester ». Schriftgelehrten, verurteilt zum Ted, ausgeliefert den Heiden, verspättet, gegeißelt, oerspeit und getötet. O, hilf, Ehrtst«, Gottes Sohn, durch dein bitter Leiden Daß wir dir stets ufttertan all Untugend meiden Deinen Tod und sein Ursach fruchtbarlich bedenken Dafür, wiewohl arm und schwach, dir Dankopfcr schenken. Knöpp. Eint Selei-iMug des fwHjmtuni uor Gericht. Bor der vierten Strafkammer des Landgerichts I Berlin fand heute die Verhandlung gegen den verantwortlichen Redakteur der „Welt am Montag" Alfred Scholz und den Schriftsteller Hans Leuß wegen Beleidigung des deutschen Kronprinzen statt. Den Vorsitz im Gerichtshof« führt« Landzerichtsdirekior Hofmeister, di« Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Dr. Chrrzef- sinski, di« Berteidigung der Angeklagten hat Iustizrat Barnau übernommen — Der Eröjftrungsbesrhluß legt ihnen zur Last, durch einen Artikel IN der „Welt am Montag" vom 12 . Januar 1911 mit der Ueberschrift „Wilhelm der Letzte" den Kronprinzen beleidigt zu haben, und zwar in der Absicht der Ehrverdächtigung, böswillig und mit UeberlogunÄ In dem Artikel wird der Kronprinz als „eifrigster Förderer der Republik" bezeichnet und zwar mit Bezug auf feine beiden anläßlich der Zabernaffäre abgcfandten Depeschen an den Obersten v. Reuter .Immer feste druff!" und den tommmidierendsn General v. Deimling „Bravo!" Rach Verlesung des EröffnunLSbeschluffes beantragt der Obeiftaatsanwali den Ausschluß der Oeffenilichkeit, da di« öffentliche Verhandlung di« öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährden würde». — Verteidiger Iustizrat Barnau widerspricht diesem Anträge. Ich bftte öffentlich zu verhandeln, weil die öffantkiche Ordmung viel mehr gewinnt, wenn di« Oeffenilichkeit erhalten bleibt, als wenn die Verhandlung hinter geschossenen Türen stattfindet. Zunächst hat der Angeklagte Leuß ein L«. benstntereffe daran — denn der Angeklagte Schoh ist ja als verantwortlicher Redakteur weniger daran interesfiert — den Artikel zu erfäutetn In dem Artikel geben mehrere Wendungen zu Mißdeutungen Anlaß, umid gerade der Angeklagte Levß hat bet aller Schärfe der Kritik nicht die Absicht gehabt, den Kronprinzen herabzusetzen. Es kam ihm nur darauf an, sachliche Kritik zu üben, und dies« seine Kritik glaubt «r durch Erläuterungen besser verständlich machen zu können. Sie würden durch «inen Ausschluß der Oeffentlichkeit in weiten Kreisen un. seres deutschen Volkes, nnd gerade in den Kreisen, di« den Sachverhalt nicht näher kennen, di« den Artikel nicht »der nicht mit Verständnis gelesen haben, die Meinung hcraufbffchwören, daß nian hier etwas zu verbergen hat. Der Angeklagte wird lediglich bei dem Artikel selbst bleiben und nicht darüber hinausgehen. Mein Antrag rechlfertigi sich auch noch aus dein Ber. halten der Staatsanwaltschaft selbst, denn sie Hit den Artikel seinerzeit nicht konfiziett, er ist also schon in der breiten Oeffentlichkeit bekannt, — Der Oberstaatsanwalt erklärt, der Umstand, daß der Artikel nicht konfisziert wurde, fei eine Folge von Verhältniffen, über die wir nicht Herr waren. Der Artikel war bereits verbreitet, und ein« nachttägliche Konfiskation hätte nichts genützt. Welche Meinung sich bei nichtöffentlicher Verhandlung in d.'r Oeffentlichkeit bilden wird, das kann nicht ausschlaggebend sein für die Frage, ob wir öffentlich verhandeln sollen oder nicht. Es ist Sitte der Gerichte, derartig« Dinge, wie Majestätsbeleidigungelt, nicht öffentlich zu verhandeln. — Ber. leidiger Iustizrat Barnau: Ein- öffentlich« Verhandlung, in welcher der Angeklagte den Artikel erläutern will, kann di« öffentliche Ordnung gar nicht gefährden, den» dem Angeklagten hat jede persönlich« Verunglimpfung des Kronprinzen ferngcle- gen. Er wird auch vor Gericht den Kronprinzen nicht persönlich verunglimpfen. Durch die öffentliche Verhandlung lann di« öffentliche Meinung nur beruhigt werden. — Die beiden Ange- Ilagten beantrag«,, ebenfalls öffentlich zu verl>andcln. Rach kurzer Beratung beschließt der Gerichtshof, dt« Oef. fentichkeit für di« ganze Dauer der Verhandlung auszuschließen, da sonst ein« Ecsährdung der öffentlichen Ordnung z» befürchten sti. Rach Schluß der Beweisaufnahme beantragte der Ober- staatsanwatl gegen den Angeklagten Leuß eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten, gegen den Angeklagten Scholz Freisprechung. — Rach fiinfftündigcr nichtöffentlicher Behandlung wurde du Oeffenilichkeit zur Urteilsverkündung wieder hergestellt und der Vorsitzende verkündete folgender Urteil: Der Angeklagte Scholz wird freigesprochen, der Angellagt« Leuß wird wegen Beleidigung zu 0 Monaten Gefängnis verur. teilt. — Zur Begründung des Urteils führte der Vorsitzende aus: Die Beleidigung ist der Ausdruck der Mißachtung gegen, über einem anderen) es genügt dazu nicht di« Kritik, ein: Kri. tik allein kann nicht strafbar sein. Der Angeklagte Leuß hat aber die Handlungsweise des Kronprinzen nicht nur kritisiert, es liegt in dem Attikol in vollem Maß» der Ansdruck der Mißachtung gegenüber dem Kronprinzen vor. Das ist in deutlich «rkenitbarer Absicht der Ehrverletzung geschehen, und auch böswillig. Diese Absicht geht schon aus der Ueberschrift „Wilhelm der Letzte" hervor, sowie aus zahtteichen Wendungen in dem Artikel selbst. Der Kronprinz wird als unfähig und unwürdig bezeichnet, die Krone zu erlangen. Es kann sich also hier nicht um eine Krittk oder um ein« Ermahnung der beteiligten Kreis«, die HanStmtgen des Kronprinzen aufzuklären, handeln. Auch der ganz« Ton des Artikels deutet darauf hin, daß der Angeklagte lediglich die Absicht hatte, den Kronprinzen zu verletzen. Schon der echte Satz, daß der Kronprinz der tüchtigste Agitator für ein« Repuiblik fei, ist «in« sgrkatischr Wendung, di« außer- ordentlich beleidigend wirken mutz. Schwer beleidigend ist auch der Satz: Alle nicht erblich belasteten Köpf« müssen sich sagen: kann man nicht und soll nia-n nicht dafür sorgen, daß der Krön- pvtng nicht auf den Thron gelangt, ferner der Ausdruck: wetch «in Unglück wäre es, wenn der Kronprinz jetzt ans Ruder käme. Schwer beleidigend ist auch ein« Wendung, in der erörtert wird, ob es nicht möglich wäre, daß man di: Fürsten pensionieren könnte. Der Airgeklagt« gibt sich den Anschein, als ob «r das alles nur hypothetisch gesagt hätte. Das Gericht ist aber zu der Ueberzeuguntz gekommen, daß der Angeklagte alles das nur rovgsbracht hat, um im Publikum Stimmung gegen den Kronprinzen zu machen. Das Gericht ist a'lfo dazu gekommen, daß der Angeklagte in vollem Sinne der Anklage für schuldig zu erklären ftt. Beim Strafmaß hatte dos Gericht di« Vorstrafen zu prüfen. Die letzt« Strafe des Angeklagten Leuß fällt in das Jahr 1992, sie liegt zu wett zurück, um noch gektenld gemacht werden zu können. Andererseits mutzte das Gericht berücksich. tigen, daß der beleidigende Artikel gegen' den Erben der Krön« gerichtet war, seiner die ganze Schärfe, in der er gehalten ist E; erschienen somft mildernde Umstände nicht am Platze nutz die Strafe wurde wie angegeben verhängt. Der Landrat Frhr. v. Maktzahn, der bekanntlich den Kron- pringon in di« innere Politik einführen soll, erschien vor Beginn Durch Ankauf eines großen Lagers habe einen Riesenposten für die Hälfte des regulären Wertes anzubieten. dis *50.- bts *».- englisch und Kammgarn S Popeline, englisch u. schwarz englisch und Kammgarn *5»*®© bis Blusen in c reP , w°„-«. Sei de 1.50 bis !0.50 liael Scheuer Friedberg i. H. Kaiserstraße 53 Telefon 398 1 Pilgere« KirusbnW« ,0 Zuä" Sienjtmälidjfn per >. April gesucht. Näh. bei der Exp. der Neuen Tageszeitung. Ziichj des misse» Edeljchmins Lchwei»e;ucht Verein Lang-Göns (Hessen.! Erstklass. Zuchttiere von Vorzug!. Abstammung stets vorrätig. Reichelsheim i.d.W. kidrit mtUrBft Lt»äriuritzt>«zta, I Teteson Ne. 8 Telefon Nr. ß Spezialitäten: MoeWeinrichliiilg SdjitifiürßoüfimidjtBiig verschiedener Systeme fit timten- mit fn:!rraif:ob. ü»rh!rff,illtt — verstellbar. Mifthängvahne», Futter, bahnen, Selösttränka»- lagen, Dunsthauben mit eingebauter Klappe. 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M a d r e Feiedbcrg t. H. :: Teteson 237. Visinarckjtras)« 8 Nr. 58 5Jmc Tageszeitung. Samstag. Otn 7. März 1911. jc- r Verhandlung im löertchlsgcbäuvr, hat ab« an der Sitzung nicht teilgrnommrn" Ans der Heimat. » «i-tz-n, 7. Stär 5 . (Studtthatter). «an# außeroit»ent»chtt Selisbtheit erfreut sich bereits die neue Eesangsposie „Wie einst im War"; für die dritte Aufführung des Wertes am Sonntag Abend liegt wieder eine grast: Angahl Befüllungen vor. Aus. sührung wie Ausstattung an unserer Bühne unterstützen noch einmütigem Urteil die Neuheit in hervorragendem Stahe und allgemein geht die Meinung dahin, doh ,Wie einst im Mai" eine der hübschesten und liebensroüiDigstei, Eesangspossen sei. die man unbedingt gesehen haben müsse. — Am Sonntag Nachmittag wird bei Bolkspreisen dos bekannte Lustspiel „Krieg im Flieden" gegeben, auch für diese Vorstellung zeigt sich lebhaftes Interest«. * Wetzlar, 7. Mürz. Für den Kreis Wetzlar plant eine Bereinigung von Lehrern, Missionaren und Pfarrern die Erbauung eines Missionarheims. Ein, Werbe- und Ban- ausschnß wurde gebildet. Doch ist es noch unbestinunt, an welchem Orte das Heim seinen Platz findet. * Brauiifcls, 7. März. Im Schloßhotel explodierte die Acetylenanlage und flog durch das Dach ins Freie. Verletzt wurde niemand, der Materialschaden ist bcdentend. * Frankfurt a. M-, 7. März. Bei dem bekannten Der. steigerer R. Bange! wurde neulich ein Gemälde für 38 Mark versteigert. Wenige Tage nachher verkaufte der Besitzer sein Bild für 69st Mark an einen Kunsthändler. Und diesem wurden jetzt dafiir mehrere tausend Mark geboten: doch der Kunsthändler will dös Werk für diese Summe noch nickst ent- äußern. Der eiste Besitzer, der das Bild fiir 38 Mark erstand soll über die rasche Preissteigerung feines einstigen Eigentums wenig erfreut sein. * Frankfurt n. M., 7. März. Zur Vorbereitung auf die Berliner Olympiade 1916 bcganti hier in der Kaserne des Infanterie-Regiments Nr. 81 ein Sportlehrlrirsus, an dein außer Sportleuten und hiesigen Feuerwehrmännern auch Offiziere und Soldaten teilnahmen. Den Unterricht erteilen Lehrer die in Berlin ihre Ausbildung erhielten. — Vom Herbst an wird für die Mannschaften der 81er die Ausbildung in der Leichtathletik als obligatorffches Unterrichtsfach eingeführt. * Frankfurt «. M. 7. März. Das Büfettfräulein Johanna Eipe aus Mannheim erschoß sich infolge Stellen- losigkeit in seiner hiesigen Wohnung. — Gestern früh entleibte sich der 20jährige Grischkat aus Leipzig in der Bocken- heim« Anlage durch einen Schuh in die Schläfe. * Frankfurt a. M., 7. März. In einerTrogenhandlnng der Großen Fricdbergerstraße entstand beim Abfiillen von Natronlauge eine Explosion, bei welcher der Lagerist Bücher im Gesicht und an der Brust erheblich verbrannt wurde. Ein zweiter Gehilfe kam mit leichteren Wunden davon. * Frankfurt a. M., 7. März. Der Landwirffchaftliche Verein plant die Verlegung der landwirtschaftlichen Halle «nd hat bereits Unterhandlungen wegen des Erwerbs eines große» Geländes a» der Mörfelder Landstraße mit dem Freiherrlich von Bcthniannschen Fideikommiß eingeleitet. Auch das Gesuch uni Erteilung des Baubescheidcs ist dem hiesigen Magistrat bereits zugegangen. Sobald die notwendigen Formalitäten erledigt sind, dürfte mit den Bauten, die u. a. Rauni für 1500 Pferde bieten werden, begonnen worden. * Frankfurt o. M., 7. März. Eine fremde Dame, die von Ostpreußen nach Basel reisen wollte, wurde auf dem Hauptbahnhof in Schutzhaft genommen, da sich Zeichen des Irrsinns bei ihr bemerkbar machten. Ihre Personalien konnten noch nicht festgestellt werden. Hrffkn-Nasia». * Fechenheim, 6. März. Als gestern der Milchhändler Zeller ans Wachenbrichen auf dem Bischofsheimer Weg über die Bahngeleise fahren wollte, wurden plötzlich die Schranken geschlossen. Der Mann besaß noch so viel Geistesgegenwart und lentte sein Gefährt auf das freie Geleise. Kaum war dies geschehen, als auch schon der Zug heranbrauste und haarscharf an dem Wagen vorbeifnhr. Der Schrankenwärter hatte die Ueberfahrt nicht rechtzeitig geschlossen. * Griesheim a. M., 6. März. Seit zwei Jahren trieb hier ein anonymer Brieffchreiber sein Unwesen und richtete durch seine Karten und Briefe viel Aufregung tind Verdruß au. Die Polizei konnte trotz aller Schriftvergleicho und Hausstichunaen den Uebeltäter niemals erwischen, bis es ihr jetzt gelang, das Netz über einem jungen — Mädchen zusam- menzuziehen. Dieses gestand nunmehr auch unter der Wucht des Beweisniaterials seine Sünden ein, die es nun bitter bereuen muß. * Griesheim n. M., 6. März. In der zweiten Klasse siegten bei den Gemeinderatswahlen die Kandidaten der Fabrikpartei I>r. Geiffenberger und Christian Pier über die Kandidaten der Bürgerpartei, Hochheimer und Wagner. Ohne Gegenkandidaten wählte man für die erste Klasse Ga. Müller und Heinrich Mahler. * F. C. Höchst a. M., 7. März. Ein Sabotageakt, der zu den unglaublichsten Folgen hätte führen können, hatte die Schreinergesellen Johann Richel aus Cronberg und Georg Kilp aus Kelkheim, beide in Kelkheim wohnhaft, vor die Wiesbadener Straftainmer gebracht. Als in der Nacht zmn 29. Jnli 1912 der Schreinernieister Maier mit Fra» und Kindern nach Kelkheim von auswärts zurückkehrte, stieß er in der stockfinsteren Nacht kurz vor Kelkheim auf der Straße nach Fisckchach mit dem Fuße gegen eine auer über die Straße gelegte zirka 10—12 Meter lange Telegraphenswnge. Er beseiftgte das Hindernis, machte aber bald daraus der Polizei von dem Vorfall Mitteilung. Erst nn Frühjahr 1913 kam man durch eine Aeußerung des Schreiners August Schiffer, der am ftaglichen Abend mit dabei war, aber nachdem er von dem Vorhaben dringend abgeraten hatte, weqgegangen war, auf die oben bezeichneten Täter. Jedem der beiden, die am genannten Sonntag Abend noch mehr solcher Streiche, wie Schlüssellöcherverkitten, Türaushängen usw. verüben wollten, wurde wegen groben Unfugs ein Strafbefehl über Landgräflich Hessische concessionierte Landesbank Filiale Friedberg Friedberg (Messen) Telefon No. 20. Reichsbank-Giro Kaiserstrasse 67 (Alte Post) Contocorren [-Verkehr rait 311611 ^ reisen des Handels, der Industrie und des Gewerbes. Eröffnung laufender Rechnungen mit und ohne Kreditgewährung. An- und Verkauf von Wertpapieren an „ allen Börsenplätzen des ln- und Auslandes zu den billigsten Bedingungen; fachmännischer Rat und Auskunft in allen Vermögensangelegenheiten. Einlösung von Coupons ohne Abzug mehrere Wochen vor Verfall Annahme u. Verzinsung von Bar-Einlagen (S mit und ohne Kündigung zu vorteilhaftesten Zinssätzen Ankauf Vfttl Piiclrnnian Bankaccepten und Kundenwechseln, Einzug vun UIMVUmen u. Ausschreibung von Checks u. Kredithrielen. Eührung provisionsfreier Checkrechnungen Annahme offener und geschlossener Depots zur Verwahrung, bezw. Verwaltung. Beleihung von Wertpapieren. Sachgemässe und billige Ausführung aller sonstigen bankgeschäftlichen Transaktionen. ? 15 Mark jugefteDt. Auf ihren Einspruch erkannte das König steiner Schöffengericht auf eine Woche Haft. Dagegen ver. folgten sie an die Wiesbadener Strafkammer Berufung, dort ihre Unschuld beteuernd. Ohne Prüfung der Schuldfrage kam das Berufungsgericht zur Einstellung des Verfahrens, da die Sftastat verjährt ist. Alle Kosten, auch die notwen.' digen baren Auslagen der Angeklagten, wurde» der Staats- kaffe auferlegt, da von vornherein wegen Verjährung eine Bestrafung hätte ausbleiben müssen. * x. Obernrsel, 7. Mär;. Dem hiesigen Turnverein wurde von dem Bezirk sausschuh rn Wiesbaden die Konzession zum Wirtschastsbr trieb im „Kaisergarten" erteilt. — Vor einigen Tagen wurden aus dem zur Zeit leer stehenden Zimmerschen Sägewerk am Oberstedterweg zwei Treibriemen im Werte doii mehreren hundert Mark gestohlen. Nun fft es gelungen, de., Tieb in Homburg zu erwischen. Die Riemen hotte «r bereits ,n kleine Stücke geschnitten, um sie so besser verwerten zu können. * Dornholzhaiisen, 6. März. Bei der Gemeinderats- wahl zur dritten Klaffe siegte der Metzgerineister Hisserich mit 6 Stimme» Mehrheit über den Buchdrucker Karl Meyer. Die Wahlbeteiligung war sehr flau. * 7. Wehrheim, 7. März. Dt« Installation Sorbetten zu der elektrischen Anlage siild soweit beendet und somit konnte Wehr, heim seit dieser Woche in elektrischer Beleuchtung erstrahlen. Muk den ganxen Hielt bekannt* In bezug auf Nährwert, Schmackhaftigkeki Md leichte Verdaulichkeit steht Scotts Eniul- sion, dicscs fest Jahrzehnten rühmlichst de- lannte Krästigungs« und Stärkungsmittel, co Hb (fmulfiort zweifellos an erster Stelle. Wer sich die Vorteile dieses Präparates sichern will, bestehe darauf, die echte Scotts Emulsion zu erhalten. Der Erfolg wird dann Nlcht schlcn, und Enttäuschungen,- wie sie beim Gebrauche minder- wertiger Nachahmungen unvcr- «etblich sind, bleibm erspart. krähenplage u. Steiniirand verhütet ohne Beeinträchtigung der Keimfähigkeit das wissenschaftlich II. praktisch tausendfach glänzend begutachtete CORBIN. : Wie die Praxis in Oberhessen urteilt ----- Seit iwel Jahren verwende ich Ihr Lordin bei Winter- u. Sommerfrucht und bezeuge ihnen gern, daß dasselbe ein wirklicher and guter Schatz gegen knbeniraß Ist, unter weichem wir früher ganz ungeheuer zu leiden hatten. — Ich habe noch etwas Vorrat, bestelle aber gleichzeitig hiermit wieder eine Kanne von etwa. . . kg. Mlttelgründan b. Büdingen, den 15. Juni 1913. Otto Rullmaou. Verkaufsstellen: j Asscnheiiu t Karl Bauer, Kolonialwaren ! cxfiffi&ngrns Georg: Appel, Drogerie | llulzb»clt: Ludwig, Schmidt, Drogenhandlung Echzell b. Friedberg: Fritz Schmidt, VVebersche Apotheke EpäetlSieca; x Giessen : Gr&n3)erg i Emst Mörschel, Kolonialwaren August Noll, Kreuz-Drogerie Karl Schott, Drogerie Cb. Schweissguth, Kolonialwaren Wllh. Wiederstein, Landw. Maschinen j S. Sondheim, Kolonialwaren Friedr. Hoos, Kolonialwaren Ferd. Zimmer, Drogerie E. Sommer, Getreidehandlung \iederWttllsta«!t i Aug. Becker, Kolonialwaren Vilbel t Georg Esselborn, „ Hungern Kirtorf: Lauterbacli t Lieh t Alddax Bruteierabgabe. Aus den Leistungszuchtstationen des Landwirtschaft» ammer-Ausschuffes für Obeihessen werden für redhuhn- arbige Italiener, weiße Wyandotles, schwarze Minorka, cmdener Gänse, Peking-Enten und indische Lauf-Enten in Oberhessische Geflügelzüchter Bruteier zu ermäßigen [keifen (12 Pfg. für Hühner, 40 Psg. für Gänse. 20 PiS- llr Enten;) abgegeben. Bestellungen und Anfragen sind an den Landwir chafts ammer-ÄusschiiL in Gieiien zu richten 91t. 57 Stift 3 * Cronbcrg, 6. Mörz. Einen erfreulichen Fortschritt in der Ausgestaltung eines ichör-en Städtebildcs hat Cronberg insofci» gemacht, als aus seinen Straßen sämtliche Leitungsmasten unh Hochspanungsdrähte der elektrischen Lichversor- gung entfernt und durch unterirdische Kabel erseht wurden. Tie schwierigen und kostspieligen Arbeiten wurden aus Rech, nung der Mainkraftwerke zu Höchst ausgesührt. * Soden ii. T., 6. März. Mit 98 von 158 abgegebenen^ j Stimmen wurde gestern Landwirt Friedrich Dinges V. vor * : der dritten Wahlcrklassc zum Gcmeinderat gewählt. ^ * Soden t. T., 6. März. Um die von den hiesigen Badeärzten den Kurgästen enipfohlene Kur mit aller Gewissen- Hastigkeit durchführen zu können, werden in den nächsten Wochen, ehe die Kurzeit beginnt, für die Pcnsionsinhaber und sonstigen Kurhalter besondere Unterichtskurse in der diätetischen Küche abgehalten. Die Lehrgänge werden von den Aerztcn geleitet! diese weisen auch in Zukunft ihre Kranken vorzugsweise den Kursteilnehmern zu da diese eine sickere Gewähr für die Durchführung der ärztlichen Annrd- inmgen bieten. * Flörsheim, 8, März. An? An last der Nenverpackffung der Gemeindewaldjagd stiftete der Pächter, Karl Opel- iiisselsheim, der Gemeindckassc 3000 M. * Gelnhausen, 6. März. Bei einem Dienstmädchen in "ltengronau förderte eine polizeiliche Haussuchung ein gan- ■? Warenlager von Wäsche, Hmisbaltungsgegenständen, Kleidern usw. zu Tage. Das Mädchen hatte die Sachen während seiner langjährigen Dienste den verschiedensten Herrschaften gestohlen. Bisher hatte die diebische Elster immer in dem Rufe einer ordentlichen ehrlichen Person ge- , 'tande». * Be» Orb, 0. März. Nach vollendetem 83, Lebensjahr »er i ' -ist lvr, woselbst sie >m Ruhestand lebte, Fräulein Moria Die Verstorben: war über dg Jahre als Oberout- terin brr ehemaligen weiblichen Strafanstalt tn Würzbnrz eine beka nie Persönlichkeit und Ritler des Ludwigs. ordens kW len iimliiSlni. Kreis Fried berfl. Betr,: Bekämpfung der Schnakenplage. Bekanntmachung. Die Witterung der letztrn Zeit ist so mild gewesen, daß' 'ie überwinternden Schnaken schon beginnen, unrichig zu nerden. Es ist also höchste Zeit, daß die Winterarbeit zu Ende geftihrt wird, ES wird dringend empfohlen, in allen Räumen, wo viele Schnaken bei der ersten Vernichtung gesunden wurden, jetzt cine Nachschau vorzunebmen und noch vorhandene Mücken inrschädlit' zu machen. Die Winterbeknmpftmg ist mit groß- irr Sorg' lt durchziiftihren, denn von ihr hängt ein großer Leil des Erfolges oder Mißerfolge? im kommenden Sommer und Herbst ab. Es ist mit ziemlicher Sicherheit cmzunchmen, daß die anhaltende Kälte im Januar mit den tm Freien überwinternden Schnaken aufgeräumt hat. Wo nun noch eine gewissenhafte Winterarbeit geleistet worden ist, und wo rechtzeitig die erste Vernichtung der Brut vorgenommen wird, da kann eine ernste Belästigung nicht eintreten. lieber das in diesem Jahr verwendete Jnkeftzid 1913 find Klagen bisher nicht eingelaufen. Der geringe Geruch ist ein recht angenehmer, verflüchtet sich rasch, und die Wirkung ist schon bei einer zweiprozentigen Lösung eine vor- KÜglrchk. Friebberg, den 27. Februar 1914. Eroßhcrzogliches Kreisamt Fiiedbera. I. B,: vr. Probst Arbettsoergebirng. Zur Pflasterung einer Abfahrt an der Kreisstraße Bruchenbrücken. Orisausgang nach Afienhcim, neben dem Spits'schen Hause, sollen etwa 100 qm Rauhpflasterung, die Lieferung von 17 cbm Rauhpflastersteinen, 30 cbm Sand, das Aussehen und Messen, duech schriftliches Angebot vergeben werden. Die Vergebungsunterlagen können ans dem Amtszimmer des Unterzeichneten Bismcnckstraß« 32 während der Dtenststunden ein- geteben wc den, Angcboic sind »erschlossen, postftei mit entbrechende r AusschriN bis zum 1». Mär, l, Js, ebendahin einzureichcn. Friebberg, den 7. März 1914. Der Eroßh. Kictsbauinspektor. Witzler. KollsilUinldkll-AWgk schwarz, blau und gemustert von Mk. 14.— an. Kleiderstoffe schivarz Md farbig von Mk. 1.—an per Meter. Wcitzc Unterröcke u. Wäsche Carl Loos, Gießen, Kirchplatz 13. Telefon 797. ?i«»r TageszeNong. Scnnskag. den 7. Mär, r,». Bete.: Die Maut, und Klauenseuche. Bekanntmachung, Die Maul-' und Klauenseuche in Nieder-Wöllftadt ist erloschen: die vorgeschriebene Desinfektion ist erfolgt. Die ungeordneten Sperrmaßregeln werden wieder aufgehoben. Der Kreis Friebberg ist svmit wieder frei von Ma»l und Klauenseuche. Friedberg, den 27. Februar 1914. Grohherzogliches Kreisamt Friedberg. I. V,: vr. Probst. Friedberg, den 18. Februar 1914. Betr.: Vertilgung der Raben und rabenartigen Vögel. Das Großh. Kreisamt Fricdbcrg an die Herren Bürgermeister der Städte Friedberg und Bad-Nauheim, die Grosth. Bürgermeistereien der Landgc- mciiidcn des Kreises und das Großh. Polizcikommisiariat Wickstadt. Da von Landwirsen Klagen über die starke Zunahme der Raben, Krähen, Dohlen, Elstern und Häher geführt wurden, so treffen wir im Interesse der Landwirtschaft und des Vogel- und Jagdschutzes folgende Anordnungen, die im Laufe des Frühjahrs durchziiftihren sind: 1. Die Jagdpächter, sow'e, unter Boranssetzung der Zu- stimmung der Oberförstercien, das Forstschutzpcrso- nal, werden um Abscküeßimg dieser Vögel ersucht. 2. Die Nester dieser Vogel sind durch zuverlässige Leute, in Waldungen im Beisein der Forstwarte, in Gärten und Feldern im Beisein der Feldschlltzerr zu zerstören: vorhandene Nester sind eventuell auszuhebcn, wenn nicht dorgezvgen wird, eine Durchschicßung der Nester »littelst Schrotladung vorzunchmen. Beim Aus- Heben der Nester wird besondere Vorsicht zur Pflicht gemacht: insbesondere sind schulpflichtige Kinder hierzu nicht zu verwenden. Die durch Ausführung dieser Anordnung entstehenden Kosten haben die Gemeinden und die Besitzer der selbständigen Gemnrkrmgen zu trigen (vergl. Verordnung vom 7. April 1837, Regiernngs-Blatt Seite 255). Die Gebühr für jeden erlegten und abgelicfcrten Vogel beträgt 12 Pfennig, solche für jedes abgclieferte Ei 6 Pfennig. Höhere Gebühren bis 20 Pfennig bezw. 10 Pfennig bedürfen der Festsetzung des Gemeindcrates. .Großherzogliches Kreisamt Friedberg. I. V.: Herber g. Lehrmädchen aus achtbaren Familien werden gegen Vergütung gesucht. Fr. Wclier Modewaren und Wäschegeschäft, Friedberg, Hess. Die am Wohnhausneubau dss^ Theodor Völker ,u Fried-j erg vorkommenden Nohbanar-s beiten sollen aus dem Wege des öffentlichen Wettbewerbs vergeben werden. Die erforderlichen Unterlagen können vom 7, dis 14. Mär, bei dem Unierzeichneisn einge sehen und gegen Erstattung der Her- ftellungsgcbührcn erworben werden. Die Angebote find auf vorge- lchriebenem Formular bis läng-! , , „ ftens den 14 . März abends 6 Uhr von achtbaren Eltern kann die emzureichen. Später eingehendejbUnds- und Schwememetzgerei er- Angebote werden nicht berücksich- lernen bei tigt. Freie Wahl unter den Bewerbern wird bedingungslos Vorbehalten. Zuschlagssrist 8 Tage. Friedberg, den 6. Mär, 1014. A. Neubauer, Archiielt, Fauerbacherftraße 04 p. Nlistizki Junge Mädchen welches etwas kochen kann für 15. März gesucht. Friebberg, Kaiserstr. 1V». Gottlob Gscheidle Enkheim b. Frankfurt a. M. 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Pläne, Zeichnungen und Beschreibung dieser Anlage, liegen während 8 Tagen, vom Erscheinen dieser Bekanni- macknmg in dem „Amtsverkündigungsblati ftir den Kreis Friebberg" on gerechnet, im Amtszimmer der Groß). Bürgermeisterei Kaichen zur Einsicht und Erhebung von Einwendungen offen. Nach Ablauf dieser Frist könnten Ein- Wendungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht Weeden. Friedbera. den 10. Februar 1914. Großherzogliches Kreisamt Friedbera I D.: Herb erg. Kreis Gieße». Bekanntmachung Die Unfälle auf elektrischen und sonsftgen Prsv-tl hner> zeigen, daß die Zabl der überfahrenen Fuhrwerke im letzten Jahre nicht zurückgegangen ist. Auch die König!. Preußische und Großb. Hessisch- Eisen- bnhndircktion Mainz und die Königs. Preußische Eisenbahn- direktiait Frankfurt (Main) teilten mit. daß sie aiff den inser ihrer Verwaltung stehenden Nebenbahnen dieselbe Mahr- nehmung gemacht haben. Die meisten dieser Unfälle sind, wie wir in unseren früher ergangenen Bekanntmachungen bereit? erwähnten, auf die Fahrlässigkeit der Geschirrführer znrückznfübrca. Indem wir diese Bekanntmachung in Erinnerung bringen, beauftragen wir die Großh. Bürgermeistereien, durch ortsübliche Bekanntmachung erneut auf die Gefahren hinzuweisen, die durch Unaufmerksamkeit beim Befahren von imbewachten Eisenbahn-Uebergängcn entstehen. Gießen, den 28. Februar 1914. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Lang ermann. Bekanntmachung. Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung. betr. die Bekämpfung der Schnakenplage, vom 28. November 1911 (Kreisblatt Nr. 93), weisen wir darauf hin, daß es jetzt an der Zeit ist, mit den Arbeiten zu beginnen. Grohherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: vr. S i e g e r t. Zur Frühiütirs-Saat empfehle: Bl6 Japhet Zommermiun ä Ztr. 12 Mk. Kaiserkrone Ztr. 4 Mk. Up do täte Ztr. 3 Mk. 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Die rot unterstrichenen Nummern kommen nicht zum Ausgebot, das aus den oberen Wegen fitzende Brennholz wird nicht oorgezeigst Nähere Auskunft durch Forstwart Tretz in Geist-Nidda. Bad-Ealzhausen, den 4. Mäm 1914. i Eiostherzogliche Oberförst-r-i Bad-Salzhausen. -I- Bruchleidende + Mein Bruchband „Ideal“ ohne Feder, eigenes System, ^nch bei Nacht tragbar, bietet die grösste Erleichterung und hält tjeden Bruch zurück, leib- und Vorfallbtndrn. Langjährige Erfahrung, reelle Bedienung. Bin wieder selbst Mit Mustern anwesend in Fjiedberg Mittwoch, Ist März von 2—5 Uhr im Hotel W e i t h. ßandag.-Speziatist Eugen Frei, Stuttgart, Rrownftr. 46 . Adolf Privat, mech. Weberei Friedrichsdorf (Taunus) hauptfteast« 10« nahe der Kirche bringt der verehrten, zahlreichen Kundschaft sein in aüen Zweigen der Manufakturwarenbranche nass beste ausge- stattetes Fabriklager in empfehlende Erinnerung. SaiiskleiStt, Skmiieil- utiD ?Gr;t8-Ltsisk in hervorragenden Qualitäten. 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Etchen-Detchseln — 3,38 Festm. 37 St. Ftchten-Stämme - 3,61 Festm. 44 Fichten-Derbstangen -- 0,98 Fest«. 43 Rm. Buchen-Scheit, 2t Rm. Bechen-Knüppel. 7270 Buchen-Wellen und 20 Rm. Buchen-Stöcke. Bemerkt wird, datz 3000 Buchen- Wellen im Hintersten Kops sitze», welche nicht oorgezeigt werden. Kausliebhaber wollen dieselben sich ansehen. Dieselben kommen tn der Mittagspause zur Bersteigerung. Zuiammenkuust voinrlttags 10 Uhr aus dem Trisserweg bei Brenn- Holzitummer 2029. Nieder-Wcisel, d. 4. März 1914. Er. Bärgermeist. Rieder-Weisel K r a u s g r i l l^_ Streckfnß» Lehrling mit puter Schulbildung gegen steigende Vergütung für Ostern gesucht Buchhandlung Friedr. Frtedbe rg i. H _ FlrisiiB Mädchen das kochen und etwas nähen kann zum 15. M r, oder April gesucht. #ran Aliihelm H-ius-r Ludw lgstra tze 9 1. St. _ Kerglente angenommen Salzhäuscr Bergwerk, Glöckner, Obersteiger. Prima Kuhsleisch per Psund 8» Pfennig empsieht Konraä Hetsss, FriedSierg Metzgermeister, u Telefon 416. 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St. Tiedge t. — 1897 Emil Rittershaus, Dichter, t- Eine Sonderfahrt nach dem heiligen lande. 1913. Von Gräfin Marie zu Solins-Roedelheim. (Fortsetzung). Wir fuhren an köstlich duftenden Orangcngärtcn vorbei, an denen Blüten und Früchte die Baume zugleich zierten. Wir ließen uns einige von den Früchten köstlich schmecken. Sie waren die Besten, die wir auf der Reife bekamen. In diesen warmen Ländern lernt man auch erst den richtigen Durst kennen und lernt die Dankbarkeit, wenn er gelöscht wird. Die wohlgepslegten Templerkolonicn winkten, Jaffa und Sarona. Die Felder sind gut bestellt. Später kamen wir noch an der Rothschild'schen Juden-Kolonie vorbei, die auch einen gut gepflegten Eindruck machte. Auf jedem Ab- fatz der fchiästenartig ansteigenden Höhen war ein bebautes Ackerfeld. Man sah große Herden schwarzer Ziegen mit langen Ohren, Hirten mit langen Röcken oder zu Pf.'rd, sie erinnerten in ihrer schönen Tracht an den jungen Joseph oder David. Auf den Bahnhöfen von Lhdda oder Ramleh gab es schon allerhand Menschen, die uns Sachen zum Verkauf auboten und andere, die uns um bakschisch angingen. Ein Dolmetscher wunderte durch den Zug, erklärte und erzählte sonderbarsten Geschichten aus der Bibel, in denen es ihm nicht darauf ankam, auch den Jakob etwa einmal zum Sohne Davids zu stempeln. Hassan erklärte uns, daß die Muha- medaner in diesen Tagen zu Mose Grab in die Wüste Juda wallfahrteten, wo es sich nach ihrer Ansicht befindet. Wenn der Tragomann solche Gebräuche der Muhamedaner oder christlicher Konfessionen erklärte, setzte er häufig dahinter: „Jede nach seine Glaube". Ei verkündete uns, daß die Sim- son Höhle bald z» sehen sei. Das Gebirge ist kahl, oft sind es enge Stellen, durch die man fährt. Je näher von Jeru- salem, je mehr runde Steine. Sie erinnern mich an Stehani Steinigung. Es ist uns hier diese Erinnerung öfter gekommen. So ain Stephansthor in Jerusalem und wenn wir sahen, daß Männer sofort Steine aufhoben und warfen, wenn halbwüchsige Knaben oder ein Tier nicht gehorchen wollte. Manchmal sieht man auch einen Hirten, mit dem Schäslein auf der Schulter. Dann denkt man an die Gleichnisse und an den guten Hirten selbst. Man sieht auch auf dieser Strecke schon Weinberge. Der Wein kriecht auf der Erde, hat keinen Stock und soll so besser gedeihen. Jerusalem war erreicht. Es war Abend geworden. Die Stadt bot von hier aus kein erhöhtes, abgeschlossenes Ganzes und es dämmerte schon. Die vielen Wagen, ja alle Fuhrwerke, die überhaupt in Jerusalem vorhanden, wirrten sich auseinander. Ein Wagen rannte gleich gegen das Bahnhofsgebäude. Es waren arme, dünne Tierchen, und wurde ziemlich tollkühn gefahren, aber leistungsfähig, wie die Tour nach dem toten Meer beweisen sollte. Im Hotel Fast hatte ich ein unerhörtes Glück, eine Stube mit einem Schrank, um den ich schwer beneidet wurde. Des Abends ging ich noch mit vier anderen durch die dunklen Straßen Jerusalems, Mauern, überwölkte Straßen, zwei Backofenstellen in Gewölben, von ferne ein Cafä, das war das, was man so ungefähr erblickte. Es hatte beinahe etwas unheimliches. Slber diese schöne, weiche LuftI Man hatte auch da schon die Empfindung von der großen Vergangen- heit, die in die Gegenwart, fast überwältigend hincinragt. Den nächsten Tag ging es zur Besichtigung der Grabeskirche mit ihrer wirklich schönen Fassade. Auch der erste Blick hinein, wirkt nicht unsympathisch. Das Innere erscheint auch da noch nicht zu überladen und ehrwürdig, nach meiner Meinung: andere Stimmen wurden jedoch auch laut darüber. Wenn man aber die Baulichkeit näher besieht, ist man nicht angenehm berührt von dem Getriebe an dieser heiligen Stätte. Ich schweige am liebsten ganz darüber. Legenden werden erzählt hier und dort. Man geht einzeln nach und nach in's heil. Grab. Ernst und still geht es da vor sich. Ich als die letzte mit zwei Herren von etwa 70 der einen Gruppe, kann es beobachten, mit welch ernstem A»s- druck alle' heraus kamen. Das ist eindrucksvoll. Innen wird uns nicht viel Zeit gelassen, es zu besehen, die nächste Gruppe wartet. Wir besehen andere Gräber mit kleinen Wachskerzen in der Hand. Wir steigen eine steile Treppe hinab und der Fels von Golgatha wird uns von unten gezeigt. Blinde Bettler belästigen uns. Oben aus Golgatha steigt man hinauf, höher als die übrige Kirche. Dort bewundern auch manche den geborstenen Fels. Mich ergreift ein Grauen bei den hergeleierten Erzählungen. Ich freue nüch, daß es nicht Ostern ist, und wir hier in der Kirche wenigstens nicht viel vom Streit der Konfessionen spüren und sich nickt noch mehr Menschen auf den engen Straßen drängen, wo wir schon kaum zusammen bleiben können. Ten nächsten Tag haben wir Sonntag Cantate, die Griechen haben Palmsonntag. Es vergeht einem hier wohl die Lust, die Eiinnertings- stätten zu vergöttern, wenn man diese Lust überhaupt hatte. Mir lag das nicht nah, aber gefreut hätte ich mich doch, hier einen weihevollen Ort zu finden. Den findet man nicht. Man weiß es vorher, aber doch ist man überrascht, es so drastisch verwirklicht zu finden. Später waren wir noch auf der GrabcSkirche, wo wir sechs Kuppeln sahen und die Größe der Kirche besser beurteilen konnten. Wir hatten einen weiten Blick von dort. Gern wäre ich später noch cinnial hierher gekommen, doch dazu fehlte die Zeit. Nachher fanden sich die drei Teile der Gesellschaft allmählig in der Erlöserkirchc wieder zusamnicn. Sluf des Dragoniann's Wunsch sangen wir dort: „Wie schön leucht uns der Morgenstern", dies Lied in seiner schönen Bildersprache paßt in die orientalische Denkweise, besser, wie nianches andere, stelle ich mir vor. Auch der Turm mit schöner Aussicht wnrdc bestiegen. Oben sind 4 kleine Altane mit interessantem, weiteni Blick. Nachher besahen wir »ns einen ganz bewachsenen Kreuzgang, der dein ehemaligen Johanniter-Ordenshause angc- hört hatte. Es war ein poetischer Aufenthalt, gern wäre ich dort länger geblieben. — Nun begab man sich zi»n Mittagessen. Hotel Fast macht keinen modernen, aber einen ganz gediegenen Eindruck. Vorn vor der Haustüre, zu der eine Treppe hinunter führt, warten Dragomänner, Schuhputzer und allerhand Volk, die ihre Dienste anprcisen, sobald man Rud. Sack’s Drillmaschinen m. Wiiiilrad.D.i;.-Patent, u. Sclmbrad mit Ober- n. Unterauslanf 1 %' B a d ^ Bbseiül gleinhmääiye * SU \ Bussaal au! »etiem ifEodelle. G3länile - Kinfaehster KrmSs»lg(C Säeapparat. 7 ^ B® rciüC. Rud. Sack’s Tiefkultur- uml IJnivers.ilpfliigc für alle Zwecke Wendepfliige UW, Hack- u. Häufelpflüge, Federziiikeiigrubbcr in unübertroffener Ausführung:, Hackmaschinen für Rüben und Getreide. Ackereggen, Saateggen, Wüngerstreuer, Hcderiehspritzcn. 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Das Wort „Herr Kaiser", dar Name des Reise- Iciters, wirkt aber Wunder, dann fliehen diejenigen, die ungebührliche Forderungen machen wollten und solche, die nur lässig zudringlich waren. Am Nachmittag fuhr ein Teil der Gesellschaft nach Bethlehem. Ein Herr laS uns Karten por, ans die er Gerockschc Verse geschrieben hatte. Die Verte sind so sehr schön und in die dortige Stimmung passend, ich setze deshalb hier einen hin' „Führt mich ein zu Zions Toren, In des großen Königs Stadt, Die Jehova sich erkoren Und zur Braut gekrönet hat; Pilgernd komm ich aus der Ferne lieber Meer, Gebirg und Run, Babels Gärten ließ ich gerne, Zions Herrlichkeit z» schann! Doch wehe, wo sind sic die heiligen Hallen? O Fürstin der Städte, wie bist Du gefallen. Wie liegst du zerschmettert !n Moder und Grauen." Das galt Zion. Nun noch einen i'ck.r Golgatha, da? wir den Morgen schon besucht hatten, schmerzlich berührt von dem dortigen Getriebe. Darum ist mir dieser Be? doch aus dem Herzen gesprochen: „Durch manche Länderstrecke Trug ich den Wanderstab, Don mancher Felsenecke Schaut ich in's Tal hinab; Doch Über alle Berge, Tie ich ans Erden sah. Geht mir ein stiller Hiigek, Der Hügel Golgatha. „Dorthin", so heißt der letzte Der? des Gedicktes: Dorthin mein Erdeupisger, Tort halte süße Rast: Tort wirf dem Sündeniilger Zu Füßen deine Last: Dann geh und rühme selig, Wie wohl dir dort geschah: Der Weg zum Paradiese, Geht über Golgatha. lFortsetzung folgt). Wochenschau. Das Hinkcheiden d«e Kardinals Kopp — Die Gefahr im Oste». — Das Fürstentum Albanien. — England und Amerika in Mexiko. Unter den wenigen Kardinalen deutscher Abkunft hält der Tod augenblicklich reich« Ernte. Dem Salzburger Erzbischof Katschtaler ist in dieser Woche auch Fürstbischof Dr. Kopp ge> folgt. Wie so mancher katholische Kirchenfurst aus kleinen Ver. hällnisien heroorgcgangen. hat er es durch eisernen Fleiß uni hervorragend« Klugheit bis zu einer der höchsten Staffeln der Hierarchie gebracht, und mit der Fürsorge für die kirchlichen Dinge paart« sich bei ihm das lebhaftest« Interesse für die ist, fentlichenn Dinge. Mehr wie einnial hat er dem Staat« in schwierigen Situationen hervorragende Dienst« geleistet und ebenso war er einer der ersten aus dem Gebiet« sozialer Arbeit. Sein« diplomatische Gswaiidtheit machte ihn auch geeignet, alt fl. Rh., Sil Id Rh e« fl, Achier-Pechni ta,genüb«: dem liukpaiti. für Haushaitg.u.Wistenschast. Sors. Erst u. Pflege, grdl. Ausb. i. Hauswirtich. Koch. bürg. u. f. Küche, wisi.For gepr.Lehr. Prosp. u.AusI.d. Borlt.Fel. Paula Faste. jtaatl.gepr.Lehre i) 1 0 !! Ss und mehr im Hause täglich t !?♦ verdienen. Postkarte genügt. Richard Hinrichs, Hamburg 15. /.; r . '• '' ' ' ■. * . 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Soweit es ihm möglich war, nahm er an allen Ereignrssen des öffentlichen Lebens teil und bekannt ist ja auch sein Eingreifen in di« Gewerkschaftsbewegung. das allerdings nicht ohne An. griff von «ntgegenstchender Seite geblieben. Jedenfalls gehörte D, Kopp, den der Kaiser schließlich durch Verleihung der Schwarzen Adler-Ordens cruszeichnete, zu den hervorragendsten Persönlichkeiten der letzten Jahrzehnte und er hrnterlätzt eine Lücke, die sich kaum so leicht ausfüllen lassen wird. Eine neu« Gefahr kommt vom Osten wo Rußland übermäßig rüstet, und da der Schwerpunkt der Heevesverstürkungen im Westen erfolgen soll, ist es unschwer zu erraten, wem sie gelten sollen. Alle Freundschaftsbetemerungeir der russischen Staatsmänner sind über den Haufen geworfen nian stößt in dasselbe Horn, wie die Pariser Chauvinisten Diese sind wohl nicht in letzter' Linie das treibende Moment, und tn dieser Hin. ficht reichen sie brüderlich di« Hände den russischen Panslovisten, denen der Einfluß Deutschlands auf di« Weltpolilik schon immer ein Dorn in, Auge war, lieber die augenblicklich in Ruß. land vorherrschende Tendenz hat eine sensatinnell« Schilderung des Petersburger Korrespondenten der „Köln. Zbg " Aufklärung gegeben, und der Umstand, daß ein so angesehenes Blatt dieser Darlegung Raum gegeben hat, beweist, daß man auch an maßgebenden Stellen in Deutschland selbst die Lage für kerne sehr rosig« hält. Hat es doch in der letzten Zeit nicht an sehr deutlichen Zeichen gefehlt, daß in der Haltung der russischen Polt, tik «in völliger Umschlag eingetrete» ist, und wir in Deutschland tun gut daran, unsere Haltung entsprechend «inzurichten, und er wäre, wie mit Recht der erwähnt« Korrespondent hervorhebt, eine Torheit, die Fiktion von der deutsch-russischen Freundschaft noch länger aufrecht zu erhalten. Albanien hat nun endlich den neuen Herrscher im Lande. Fürst Wilhelm ist in Durazzo eingetroffen, um nunmehr selbst die Regierung zu übernehmen. Es gehört wahrlich viel Mut dazu, eine derartig« Mission durchguführen. Gewiß hat auch seinerzeit fein Oheim, der Körrig von Runiänien, unter den schwierigsten Verhältnissen di« Herrschaft tn Rumänien angetreten und trotzdem das Land zu seiner jetzigen Blüte gebracht, aber dort herrschte wenigstens Einigkeit, während in Albanien die Gegensätze nur notdürftig überbrückt find. Zudem sind die Albaner in der Kultur ungemein weit Mrürkgebkteben, ihr Land ist Fahrhunderte vom großen Verkehr abgeschlossen gewesen, und das türlischc Regiment hat das Seimig, dazu betgetrwgen, m». deine Kultur sernzi,halten. F» Washington atnret man jetzt auf, nachdem Sir Edward Grry erklärt hat, England wolle vorläufig davon Abstand ireh- tzlexr TDgeszeitxng. Samstag» »»» 77 VNlrz 1811 . men. in MexÄ, fette* estquschmttm, »t sich für di» 9mäZ düng des Farmer, Benton Genugtuung zu verschaffen; n steche zu hoffen, daß di» Regierung der Beveirrtgten Staaten soweit «S ihr möglich fei, entsprechend entschreiten werde. Da» bedeutet wenigstens einige» Aufschub, denn di« Washingtoner Herrschaften möchten sich nicht gern am mexikanischen Feuer dir Fr» ger verbrennen. Daß Herr Wilson und Staatssekretär Bryan sich in der ganzen Affäre mit Ruhm bedeckt hätten, wird nie. mvnd behoupZen wolle« u«d di« Aufhebung des Verbot, der Waffenausfnhr noch Mexiko, dt« natürlich iru-r den dortigen Rebellen zugute kommt, war eine eigenartig, Maßnahme, di« zum Teil ein, für di, Unionsregirrung nicht sehr schmeichelhafte Deutung gefunden hat. Gewiß befindet sich dir Mlshingtoner Regierung in einer Zwickmühle, aber e» ist nicht abzuleugnru, daß sie nicht da, erforderliche feste Auftreten gezeigt hat, wie es dem Ansehen und den Interessen der nordamerika-tischen Union entsprochen hätte. England wird sich schließlich nicht auf di« Dauer auf der Ras« herumtanzen lassen und trotz aller Mon- roe.Doktrin auch schließlich vor einer Intervention in Mexiko uicht zurückschiecken. \ Ans der Heimat. * Frankfurt a. M., 6. März. Zwei jugendliche Goldwaren- diebe, die knapp das ftrafmündige Alter erreicht hatten, standen in der Person des Lehrlings Mann und des Lehrlings Fischbach vor der hiesigen Strafkammer. Mann war in der Filiale einer Pforzheimer Eoldwarenfabrik beschäftigt und hatte sich schon mehrmals Unredlichkeiten M schulden kommen lassen. Eines Tages oerabrrdeten die beiden Angeklagten »inen großen Schlag, Fischbach erschien in der Filiale, in der nur Mann und der Lehrling Jaeck anwesend war. Plötzlich stürzt, Fischbach auf den jungen Jaeck, warf ihn zu Boden und stopfte ihm ein Tuch in den Mund. Dann fesselte er zum Schein seinen Freund Mann und raubte für zirka 1b 000 Mark Eoldwaren und entfloh mit seiner 16 Jahre olden Geliebten, die inzwischen im Hausflur Wache gestanden halt«. Die Eoldwaren wurden zum größten Teile im Walde vergraben, sie sind bis aus eiuon Rest von 5000 Mark, um den da, Geschäft geschädigt bleibt, wieder herbeigeschafft worden. Kurze Zeit nach dein Raube traf bei dem Ee- fchäftsfiihrer der Filiale ein Schreiben aus Paris ein, un-tev- schrieben International« Gentlemans", in dem die Brieffchrei- ber in-teilten, daß sie den Raub begangen hätten. In Wahv- hert hatten, Fischbach und Mann den Brief durch einen Pariser Bekannten vermitteln lassen. Inzwischen war aber die Polizei mit Hilfe von Fingerabdrücken auf di« richtig« Spur gelenkt worden und die beiden jungendlichen Angeklagten legten ein Geständnis ab, Di« Geliebt« des Jifchdach. die Wahlschein ich einen Teil der Goldwaren in Besitz hat, konnte bisher nicht er» mittekt werden. In der Verhandlung waren die Angeklagte, im großen und ganzen geständig und suchten sich gegenseitig M balasten. Der Gerichtshof verurteilte jeden von ihnen zu zwei __ Erik z, Jäten Gefängnis, stylte ihnen aber bei Einhaltung eine, fc. stimmten Bewährungsfrist die bedingte Begnadigung in Aus. sicht. * »Tllliuliri a. M., k. März. Am letzten Arbettrpftideniarkl waren aufgetrieben 857 Pferde, der Auftrieb wurde bei ft ol , dem Geschäft geräumt. Man notiert«: leichte Ackerpferde bi, 1400 Mark, schwere 1706-1950 Mark. Der Markt war vo, Landwirten aus der Wctterau, des Ried, der Lahngegen», de- Hüttenberg, des Goldenen Grunds und des Ländchens sehr gut besucht. Wie von Landwirten oersichert wird, bceinslnßt tzk, Aibeitspferdemarkt die Märkte in der Umgegend, wie der ,n Friedberg, Mainz, Fritzlar njw, nicht unerheblich, — Zn de, angeblichen Verschleppung des Kausmanns Tonrad in di« statt, zösische Fremdenlegion erfahren wir: Conrad ist der Sohn eine; Eifebahnbsamten in Fvantsuut. In der Filiale Gießen de. Allgemeinen Elektrizitätsgescllschaft war er als Buchhalter stsi Frühjahr 1913 angestellt, nachdem er das Jahr vorher bei der A, E, E, in Frankfurt a, M, tätig war, Mitte Januar trat Eonrad als Lagerhalter in die Dienst« einer Firma in Limburg behielt aber sein« Wohnung in Eietzen bei. Während sein«, Aufenthaltes in Gießen verlobt« sich Conrad mit einer East- wirtstochter in Laubach in Oberhessen, Ueber den Deibleii Conrads konnte bis jetzt nichts näheres ermittelt werden. * Frankfurt a. M., 8, März. Ter Kaufmann Georg Ehrhardt, ein wegen räuberischer Erpressung mft sech- Jahern Zuchthaus vorbestrafter Mann, wurde im voriger Jahre von der Frankfurter Strafkammer wegen verschiedener Diebstähle iu Frankfurt,a. M. zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Inzwischen hat sich her.rusgestellt, daß Ehrhardt unschuldig verurteilt worden war, da man den richtigen Täter inzwischen gefaßt Hatto. Daraufhin hat, wie gemeldet wird, die Königliche Staatsanwaltschaft zu Frankfurt a. M. telegraphisch die Entlassung Ehrhardts aus dem Zuchthaus verfügt, indem sie gleichzeitig dem Sträfling mitteilt«, daß sie einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens zu seinen Gunsten gestellt habe. * Frankfurt a. M., 8. März, In der Kafeewirtfchaft von Nikolaus, Zeit 51, hob die Polizei gestern eine Spielergesellschaft von etwa 12 Personen aus. Bankhalter war der gewerbsmäßig« Spieler Heinrich Schild, gegen den bereits zahlreich« Verfahren wegen verbotenen Sptelens schweben, Hinweis. Das unserer heutigen Nummer beiliegend« Flugblatt der Deutschen Amnwni-ik-Verknufs-Vereinlguag gibt beachtenswerte Winke insbesorchere für die spätere Kopfdüngung sowie die Düngung der Sounnerfrüchte und Wiesen und Weiden und ist deshalb für jeden Landwirt und Ackerbautreibenden sehr interessant. Im eigenen Interesse versäum kein Landwirt die Ausführungen eingehend zu lesen. Stroinersparnis Bei allen Installateuren und Elektrizitätswerken erhältlich. Wolfram-Lampen Siegfried, allerfriiiiester flunulthafer. Originnisaat. Frühester Hafer dir Uegenwart. g Dieser auf kaltem Boden u. in rauhem Klima gezüchtete Hafer bewährte sich in allen Gegenden u. Bodenarten. Miflemten ias! »„möglich. 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Ihr Mann hatte sie der Familie vorgestcllt, die üblichen Gegenbesuche kamen, Einladungen schlossen sich an, die, da sie aus Rücksicht auf die tiefe Trauer der jungen Frau sich auf den engeren Kreis beschränkten, njcht ausgcfchlagen waren. Doktor Heinz wünschte dringend, daß seine Frau den Seinen näher trete, da er aber selbst zu keinem von ihnen, Tante Julie ausgenommen, in näheren Beziehungen stand, blieb Mary ihnen fremd. Man fand sie reizend, lobte die tadellosen Manieren und die großstädtische Gewandtheit der kindlichen Frau, da sie aber keine der landläufigen Frauentugenden besaß, sich weder für Dienstboten, noch für Kinderfragen interessierte, und stumm dabei saß, wenn die Frauen ihre Küche lobten, fand man sie langweilig und oberflächlich und bedauerte Rosemarie. Man verstand, daß sie dem unerfahrenen Kinde nicht weichen wollte und lieber ihre eigene Häuslichkeit bcibe- bielt. • Ter Doktor bemerkte alles und ärgerte sich. Er ver- brachte jede frei Minute bei seiner lieblichen Frau und liebte sic womöglich immer leidenschaftlicher, leider bemerkte er, daß ihre strahlende Fröhlichkeit von ihr wich. Befragt, da leugnete sie und gab nur zu, nicht wohl zu sein. Das brachte ihr Zustand mit sich. Seit Monaten wußte Heinz, sein Weib werde ihm einen Erben bescheren, seitdem liebte er sie noch mehr, ihr süßer Leib war ihm heilig. Auch auf seine Schwester, mit der er dann und wann zusanunentraf, schien die Erkenntnis von Marys Zustand Eindruck zu machen. Sie ließ sich zu ungewohnter Zeit im unteren Stock sehen und saß der jungen Frau still gegenüber, ohne mit einem Worte auf ihren Zustand anzuspielen. Heinz, der einige Tage später durch den Flur schritt, als Rosemarie ins Kontor treten wollte, hörte sich plötzlich anrufen: „Auf einen Augenblick, Heinz.* Höflich folgte er der Aufforderung und trat nach ihr in den alten Raum, in dem die Geister der Vergangenheit umgingen. Schweigend wies die Schwester auf einen Stuhl. „Isis wahr, was Monika nur heute sagte?" fragte sie invermittelt. „Deine Frau erwartet?" „Seit drei Monaten", entgegnete Heinz, ein Leuchten auf seiner hohen Stirn. „Ich wußte nicht, daß Du Anteil an meiner Frau nähmtest, sonst hätte ich Dir längst die frohe Botschast gebracht." „Eine frohe Botschaft auch für mich. Das Kind wird ein Sebald sein, glaubst Du, daß mich das kalt läßt?" „Ich habe jeden Glauben an Dich verloren, Rosemarie", antwortete er schmerzlich. Sic sah ihn an. Ein müder Zug lag über dem jungen Gesicht und tiefe Falten. Rosemarie erschrak plötzlich. „Bist Du krank, Heinz?" rief sie heftig. „Rur müde und betrübt. Glaubst Du —' Er deckte die Hand über die Augen, um das aufsteigende Naß der Schwester zu verbergen — „glaubst Du, daß Dein Benehmen mich nicht schmerzt? Ich könnte so glücklich sein, Rosemarie, wenn Du nur wolltest." „Du hast Deine Frau!" wehrte sie ab. „Muß ich darum auf meine Schwester verzichten, und mischen, wie sie sich in Kummer verzehrt? Sich da und da", :r faßte ihr .Haar und berührte die grauen Strähnen, die sich durch Rosemaries Blondhaar wand««. „Meinst Du, das quält mich nicht?" „Du konntest es besser haben", erwiderte sie hart. „Jetzt hast Du gewählt, ich kann Mary nicht lieben, alles an ihr berührt mich ftemd." „So wird ihr Kind Dir auch fremd bleiben?" Rosemaries Herz pochte. Sie hatte eine Vision. Sie sah ein Kind mit ihres Bruders Zügen, ein hilftoscs, kleines Kind, wie Heinz gewesen, als der Vater ihn ihr an das Herz gelegt. Der Kleine streckte die Arme aus, Heinz Sebalds Kind. Ihr war, als müsse sie es umfangen und in dem Kinde Verlorenes wiedersinden. „Dein Kindl" stammelte sie au? ihrem Traum „es wird auch das meine sein. Vergib mir, Heinz." Sie hielt ihn umfangen und weinte ihren Haß und Groll an seinem Halse aus. Der Doktor war selig. Elastischen Schrittes trat er bei Mary ein. „Ist es nicht wie ein Wunder?" Erregt erzählte er, was sich begeben. „Ein Wunder, an dem ich keinen Teil habe", antwortete sie betrübt. „Rosemarie hat längst bereut. Dir weh getan zu haben. Das habe ich oft bemerkt. Ich aber zähle nicht mit, ich bin und bleibe die Unwillkommene, daran ändert auch Eure Versöhnung nichts." Er fühlte sich in seiner Schwester Seele gekränkt. „Du tust ihr Unrecht, Du kennst sie nicht." „Und sie will mich nicht kennen lernen", beharrte Mary. Es nutzte nichts, daß Heinz anderer Meinung war. Sie blieb bei der ihren. Sie behielt recht. Von Stunde an war zwischen Rosemarie und Heinz alles beim alten, zur Freude der Verwandten, die ihren Zwist schrecklich gefunden. Täglich fand Rosemarie Gelegenheit, den Bruder zu sprechen, entweder im Kontor oder im Garten wohin er manchmal zwischen der Arbeit zum Ausruhen ging. Er arbeitete angestrengt, wurde blaß und mager dabei. Der langjährige Hausarzt warnte ihn. „Sie haben das Se- baldsche Herz, Herr Doktor; muten sie ihm nicht zuviel zu. Sonst geht's Ihnen, wie Ihren: Vater, der auch nicht hören wollte." Der Doktor versprach alles mögliche, wenn er erst sein Examen bestanden haben würde. Bevor sein Sohn das Licht der Welt erblickte, mußte der Vater fertig sein. Zum Glück erreichte er im Frühling den Anschluß, reiste äuf vierzehn Tagen nach Berlin und kehrte als „Bestandener" zurück. Mary hatte ihn in den kurzen Trennungstagen schwer vermißt, obgleich Rosemarie ihre Abneigung so weit besiegte, daß sich die Schwägerinne täglich sahen. Im Grunde blieb ihr Verhältnis, wie es war. Mißtrauen auf der einen, Furcht und Abneigung auf der anderen Seite, ließen eine ehrliche Annäherung nicht zu. Heinz gab sich Mühe, seine kleine Frau von Rosemaries Güte zu überzeugen: er fand im stillen selbst, Mary gegenüber ließ sie sie im Stich. Sie war gegen niemanden schärfer, herausfordernder, als gegen das kindliche Weib, das sich so redlich mühte, seine Pflicht zu tun. Tante Luise liebte die junge Frau, die die Beschwerden in der Schwangerschaft mit großer Tapferkeit ertrug und niemals klagte. Sie ahnte eine starke Seele in ihr. Rosemarie lachte sie aus. „Sieh' doch gleich eine Heldin in ihr! Tatsache ist, daß sie weder nervös noch sensibel ist. Das ist kein Verdienst." In Wahrheit nahm Mary sich zusammen, weil sie ihren Heinz über alles liebte und ihn nicht leiden sehen konnte. Er war nach deru Examen erschreckend nervös, und klagte häufig über Herzbeschwerden. Die junge Frau ängstigte sich. Der alte Hausarzt benihigte sie: „Die Sebalds haben alle ihren Herzfehler gehabt, dabei ist mancher siebzig Jahre alt geworden. Wenn der Doktor sich schont und keine Aufregung hat, kann er's nach dem heutigen Stand der Medizin auf achtzig bringen. Aergern sie ihn nur nickt, schöne Frau." _ Mary ärgerte ihn nicht, sie betete Heinz an. Seit sie wußte, daß sie Mutter werden sollte, wuchs in ihr ein sti ft« heimliches Glück empor, an dem nur der Geliebte Anteil nahm. Rur zu ihm sprach sie von ihrem Kinde, von dem sie fest überzeugt war, es sei ein Sohn. __ (Fortsetzung folgt). _ Vereinigte Etadttheater Frantjurt a. Bi. Opernhaus. Sonntag, den 8. März, nachm, halb 4 Uhr: Borstettung bei ermäßigten Preisen: „Der Zigeunerbaron". Außer Abonu. — Abends 7 Uhr: .Zigaros Hochzeit". 19. Borftcllung im Soni:- tag- Abonn. Eroß« Preise. Montag, den 9. März, abends 8 Uhr: „Parsisal". Außer Abonn. Große Preise. Dienstag, den 10. März, abends halb 8 Uhr: „Eugen One. gtn", 19. VorsSevung im Dienstag-Abonn. Groß« Preise. Mittwnch, den II. März, abcntds halb 8 Uhr: „Polenblui Außer Abonn. Gew. Preis«. Schauspielhaus. Sonndag, den 8, März, nachm, halb 1 Uhr: Vorstellung be, ermäßigten Preisen: „Dr. Klaus". Außer Abonn. — Abends 7 Uhr: „Die Tangoprinzessin". Außer Abomi. Gew. Pr. Montag, deir 9, März, abends 8 Uhr: „Das Phantom". 19. Vorstellung im Montag-Adonn. Gew. Preise. Dienstag, den 19. März, abends 8 Uhr: „Seite 195". 19 Vorstellung nn Dienstag-Abonn. Gew. Preise. Mittwoch, den 11. März, abends 8 Uhr: „Die Tangopnnzcf. sin", 17. Vorstellung im Mittwoch-Abonn. Gew. Preis«. Spielplau des Stadttheatcrs in Gießen. Sonntag, den 8. März, nachm, halb 4 Uhr: Bolksvorst.'ll. ung: „Krieg im Frieden". Ballspiels«. — Abends halb 8 Uhr: „Wie einst im Mai". Gew. Preis«. Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Sonntag Reminisere, 8. März. . Gottesdienst in der Stadtkirch«. Vormittags Ski Uhr: Herr Pfarrer Ritter. (Benutzung der hohen Kanzel). Nachm. 2 Uhr: Herr Kandidat Bernhard, Gottesdienst in der Burgkirche. Vorm. 11 Uhr: Kindergottesdienst: Herr Pfr. Ritter. Rachm. SX Uhr: Herr Pfarrer Klebriger. Anschließend Beicht« und hl. Abendmahl. Gottesdienst im Stadtteil Fanerbach. Dorm, 19 Uhr: Herr Pßirrer Zatzmann. Nachm. 1 Uhr: Jugendgottesdienst. Katholische Gemeinde Zweiter Fastensonntag. 8. März Gelegenheit zum Beichten Samstag nachmittag von 4 Uhl, Sonntag früh von U6 Uhr an. „Großes Gebet". A7 Uhr: Frühmesse mit Beginn der Betstunden 8 Uhr: Hl. Messe. XtO Uhr: Hochamt. Nach dem Hochamt« werden di« Betstunden den ganzen Tag durch fortgesetzt bis Abends 6 Uhr, zu welcher Zeit die letzte Stunde beginnt: zu Ende derselben ist seierlicher Schluß. Mit dem heutigen Sonntag beginnt di« Zeit für die österliche Kommunion. Dienstag und Freitag Abend sind um A8 Uhr die in de, Fastenzeit herkömmlichen Andachten. Feierabend Friedberg. Jeden Sonntag abends von 8—y 2 10 llyr Versammlung. Sonntag, den 8. März: Vortrag: „Das Handwerk einst und jetzt". „Feierabend" im Stadtteil Faurrbach Jeden Sonntag: Spiel, und Leseabend _ ar ^S9 'S Ui 09 Ui 09 Ui Zur Frü ly änrsaussaat halten wir grosse Lager in garantierten Originalabsaaten, reinen Sorten bereit: Ia. 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