Kummer 53 MMmoiy, den 4. Wlim 1914, 7 Jaljrgan^ Li- ,L1rue e-grs,«,tuuv- cilcheint jeden Werktag. Regetmäßlgc Beilagen „Der Sauer au» fteNen". ..yir x-umuNnbe". -!e,ua-prc,»l Ke, den ^oitnuitaitcn uicrteliiiljiUilj Ml ~ bei den Agenten monatlich 5V Psg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. An,eigen: Erundzeile 2» Plg., totale 15 Pig, Anzeige» vo„ auswärts werden durh vostnachnajme üic \ '■ Erfüllungsort Friedberg. Kchriftleitung und Verlag Friedberg (Hetzen), Hanauerstratze 12. Femiprccher Postscheck-Lonto Re. 4*in, Amt Front»,,, »|. Ked erficht. Troppau, dcn 4. März. Kardinal Kapp ist heute nacht 1,35 Uhr gestorben, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Weihbischof Angustin ist au» Breslau hier eingetroffen, um die nötigen Anordnungen für das Leichenbegängnis zu treffen. _ In der heutigen Nacht starb Bischof Dr. Hubertus Botz von Osnabrück, Apostalischcr Profikar der nord. Mission Deutschlands» nach dem er seit längerer Zeit schwer erkrankt war. — Tie Strafkammer in Metz dcrnrtcilte gestern Len Landwirt Piccaut wegen Landesverrats zu zwei Jahre» Ge- sängnis und 500 Jt Geldstrafe. Zu der Verhandlung, die unter Ausschluß der Oefsentlichkeit stattsand. waren etwa .!(“ Zeuge» und Sachverständige geladen, — Tie sächsische Gesellschaft der Wissenschaften vlant eine wissenschasiliche Expedition nach Deutsch Ostafrika, deren Leitung der Privatdozent für Altertumsforschung an der Universität zu Leipzig, Or. Erich Krerikel, übernimmt. Tie Abreise erfolgt Mitte Mürz. — Tie Baumwollspinnerei Bigano in Easiclsranco (Italien) ist gestern durch ausständige Arbeiter in Brand gesteckt worden. TaI Gebäude brannte nieder. Der Schaden beträgt etwa eine halbe Million Mark. — Ein schwerer Betriebsunfall hat sich in eineni Stein, leuch bei Sprimont (Belgien) zugetragen. Bei Sprengungs- ebeitrn ging eine Pulvermine zu früh los. Die sich los- lösenden Felsniasse» begruben dcn Direktor des Stciu- brnches und eine« Arbeiter, die beide getötet wurden. Pier andere Arbeiter wurden schwer verletzt. — In Konstantinopcl wurden drei Soldaten standrechtlich erschossen. Sie hatten am Samstag die beiden Töchter des Marschalls Lima» von Sanders bei einem Spaziergang an, Bosporus in räuberischer Weise überfallen. — Tie Zahl der Opfer des Schnresturmcs ist setzt in Gros, Rcwyvrk aus 35 gestiegen. 23 Mann, die sich ans .(lohnen und Schleppern befanden, werden als vermißt ge- icldet, Ter Materialschaden wird aus nichr als 10 Millio- neu geschaht. Ter Post- und Telegraphendienst beginnt wieder normal zu funktionieren. Die Derkchrsvcrhältnisse spotten jeder Beschreibung, zumal daS Feueralarm-System noch in Unordnung ist. Der Mckgnng der Anksbemcgimg. Nr. Julius Bachem schreibt im „Tag": Das Gesamtbild, welches sich bei der Würdigung aller in Betracht kommenden Momente ergibt, läßt das Zurück- fluten der radikalen Strömung bczw. das Wachstum der rechts gerichteten Parteien deutlich in die Erscheinung treten. Man tut dabei gut, auch ganze Lä>,dcr oder Land- strickjc unter diesem Gesichtspunkte rückblickend ins Auge ,» fassen. Hier kommen zunächst nach dcn unverkeniibar einen Zug nach links aufweisenden Reichstagswahle» die in Württemberg und Baden stattgehabtcn Landtagswahlcn in Betracht. Die württembergischen Laildtagswohlen im November 1012 brachen die bisherige Mehrheit der Linken, welche allerdings durch eine inzwischen vollzogene Ersatzwahl mit einen. Plus von einem einzigen Mandat wiederhcrgestellt worden ist. Die badischen Landlagswahle» vom 21. Oktober 1913 brachten der Rechten einen bedeutenden Stiin- menznwachs und den Gewinn von sechs Mandaten: während früljcr 44 Mandate der Liberale» und der Sozialdemokraten nur 29 Mandate des Zentrums »nd der Rechten g'genllbcrstanden, verfügt die taktisch verbundene Linke jetzt nur noch über 38, die Rechte über 35 Sitze. In derselben Richtung wie diese Landtogswahlen, bewegten sich die im vorigen Herbst für einen großen Teil Teutschlands, besonders Preußens, vollzogenen Gemeinde- ratswohlen. Bei diese» erlitt namentlich die Sozialdemokratie starke Einbußen, vor allen, im rheinisch-westsälische» Industriegebiet, sowie i» dcn Jndnstrieorten Thüringen?. Auch bei den im vorige» Jahre crsolgten Wahlen für die Gcwerbegerichtc »nd die Ortskrankenkalsc wurde die So- paldcnwkratie weithin zurückgedrängt. Schon bei einer ganzer Reihe von Rcichstagswahlen, nicht bloß bei de» in den letzten Wochen vollzogenen, zeigte >s sich, daß die Linksbewegimg am Ziirückslutcu ist. Scheidet na» diejenigen Krcila a»S. i» welche» von einem ernst- lichen Kampfe zwischen links und rechts nicht die Rede sein konnte, so ergibt sich folgendes Bild: In Grcisfcnbcrg-Kainin stieg d:r Prozentsatz der ko»- scrvativcn Stimmen in der Ersatzwahl vom 25. November 1912 von 65,8 auf 71,7 v. H., während die Stimmen der Linken von 34,2 auf 28,3 v. H. sielen. In Stolp-Laucnbnrg stiegen am 31. Dezember 1912 die konservativen Stimme» von 54,4 ans 62,5 v. H., während die der Linken von 45,6 aus 37,5 v. H. sanken. Selbst bei der Ersatzwahl in Dresden- Neustadt am 11. Oktober 1913 erzielte die Rechte ein kleines Mehr (von 24,4 aus 25,3 v. H.), während die der Linken von 75,6 auf 74,7 v. H. znrückgingen. Ganz besonders hat die Zentrnmspartei bei v-rschic- dcnen Ersatzwahlen sehr gut abgeschnitten. Sie bat kein einziges Mandat cingebiißt. In Bamberg stieg der Prozentsatz der Zcntrumsstimmen in der Ersatzwahl am 22. April 1913 von 60,8 ans 65,5 v. H., während die Stimmen der Linken von 39,5 ans 34,2 herabgingcu. Bei der schon erwähnten Ersatzwahl in dem badische» Wahlkreise Ossendiirg Kehl barchte die Zentrnmspartei in der Stichwahl nicht nur die nach dem Ergebnis der Hanptwahl noch fehlenden 389, sondern 878 Stimmen mehr ans gegen 402 des Rotblocks. Bei der Würdigung der Ersatzwahl in Köln 2 (tiöln- Land) muß man die Struktur dieses Wahlkreise? besonders in Betracht ziehen. Schon 1912 zählte der Wahlkreis 82 000 Wahlberechtigte, deren Zahl inzwischen auf nahezu 9000t! angewachsen ist. Ter Wahlkreis lst trotz seiner Bezeichnung ein ausgesprochener industrieller: schon 1912 gehörten über 78 v. H. der Wahlbercchtigteli den eingrnieindeten Kölner Vororten »nd der Kölner Neustadt an. dir 90 Wahlbezirke bildeten. In diesem Jahre ist die ZM'l der städtische!, Wahlbezirke ans 93 gestiegen. Rechnet man dazu noch die ländlichen Gemeinden mit starker industrieller Arbeiter- bevölkernng, so weist der Landkreis Köln heute kaum noch 10 v. H. rein ländliche Wähler ans. TaL Ergebnis der Wahl Ivur die Wiedcrtvahl des ZentrumSkandidaten mit einer Mehrheit von fast 5000 Stimmen. Zentrum 35 662, Sozialdemokraten 24 400 Liberale 6534 Stimme». Tie ent sprechenden Zahlen der Wahl von 1912 lvarcn: 33 331, 24 203, 850(1; alia rin starker Fortschritt der ZeutrulNs- partei, StiUltand der Sozialdemokratie, starke, Rückgang der Nationalliberalen. Die Einzelheiten der Ersatzwahl in Köln Land müssen »in deswillen festgehalten lvcrdeu, weil ein großer Teil der liberalen Presse auch der zisferiiliiätzigen Bedeutung dieser Wahl in keiner Weise gerecht wird, namentlich hervorzubeben vergißt, daß int Jahre 1912 die Wahl des Zentrumskandidaten nur niit 33 Stimmen Mehrheit erfolgt war. Uebcr die Wahl in Jerichow schreibt 9r. Bachem: Inzwischen hat nun die Ersatzwahl in Jerichow neue. Anhaltspunkte für das Zurllckebbcn der Linksbcwcgung beziehungsweise das Erstarken der Rechtsströuinng geliefert und zwar schon die Hanptwahl. in welcher die Noiiscrvati- ven 12 098 gegen 9870 Stimmen im Jahre 1912 ausbrachten. Auch bei der Stichwahl haben sic zwciscllos noch be- liäckstliche Reserven heranholc» können, wen» auch die Entscheidung zugunsten des konservativen Kandidaten durch das nicht geschlosiene Auftreten der liberalen Parteien herbei- gesübrt worden ist. Soweit Oe. Bachem. Als ein Zeichen der Zeit verdient weiter benierkt zu werden, daß die Nene Bayerische Landcs- zcitung, der-» Herausgeber, bei Gebr. Memminger, seiner Zeit mit fliegenden Fahnen in das Lager dos iiberaken Bauernbundes und daniit zu der Linke» übergegangcn waren, seit den Tagen der Zabern-Angelegeiiheit recht hörbar von der Reichstogsniehrbeit der Linken abgcrückt sind. Erst gestern lasen wir in dicker Zeitung einen Aussatz, der unter der Ileberschrist: „Die Verschiebung nach Rechts" recht bcinerlenswertc AuSfühclingcn enthält. Es heißt da: Die Gelehrten mühen sich ab, die Gründe der linksparteilichen Niederlagen bei den letzten Rcichstagswahlen zu erforschen, infolge deren die kleine Mehrheit der Linken im Reichstage aus Null zusamniengeschwunde» ist und daS bis- berige Präsidium alsbald abtrcten wird. Auch die linksseitigen Zeitungen verwundern sich ob solcher Wandlung der Volksseele — ein Zeichen, daß sie keine onfinerksamen Beobachter sind. Das aber war von jeher der größte Fehler in der Politik, die Wirklichkeit nicht sehr und die W-ihrhcit nicht hören zu wollen, lind die Wirklichkeit und Wahrheit ist, daß unser Volk i» wichtigen und , aliu-eidenden Tagen immer deutsch, kerndeutsch, national g! ist. Diese Gesinnung bricht durch und laß! sich nicht durch kosmopolitische und deniagvgische Phrasen verkümmern. Wer mitte» im und mit deni Volke lebt, der konnte gerade wieder in den letzten Monaten erleben, lvie die VolkS- mcinung infolge der Zaberncr Vorkommnisse sich verschob. Ans dem Lande und in der Stadt erhoben besonders die Kriegs-Veteranen wie die gedienten Soldaten ihre Bedenken gegen die Art und Weise, wie viele Zeitungen süe die Wackcs gegen das Militär Partei nabnien Als da»» bei- Reichstag den, Kanzler ein Mißtrauensvotum anssprach, koniile mu im Volke allenthalben laute Proteste in einer »rdciiticl' » Sprache boren. die einer schiuählickvn Verdonnerung !>,■ Reichstages glcichkame». Das männliche Auftreten de: Obersten von Reuter und das Ergebnis der Gerichtsverhand lung schlug vollends den, Faß der nationalen Entrüstung den Beedn ans, „nd der Reichstag beeilte sich, fein Miß trauenbvotum zu verschonen. Wäre dmmls de, Re'chsla, allsgelöst worden, hätten die Linksparteien — rteimcnlii." ans dem Lande — die schwierigste Stellung gehabt, ic schwierig, wie kaum jemals Und der Niederschlag dies., Vclksstiliiiiliing machte sich schon bei den ReickStagön Wahlen bemcrklich. Daher die Verschiebung nach Rechts. Wer das nicht einsicht. der spielt Voeglstrautz. pif bad. üntimirtllüirrnlfii ar^ni dci! Die Debatte der Zweiten Kar,„»er über dcn Antraa de, WahlPrüfungSkomulissioii, die Wahl des konservativen Aag Schöpsle für ungültig zu erklären, endigte nach 2'ästündigei- Dauer niit dem überraschenden Ergebnis, daß die Wabs Schöpslcs mit den Stimmen de? Zentrimrs, der Rechlen uul» der Rationallibcralen Partei gegen die Sozialdemokraten »nd Demokraten für gültig erklärt wurde. Die WahlprüfungSkoliimission hatte hernuLgercchnct daß van 5226 gültigen Stimmen genau die Hälfte an Schöpfte und die andere Hälfte ans die beiden Gegenkandi Laten gefallen fei, so daß Schöpsle eine Stimme zur abso luten Majorität fehlte. Es wurden indessen mehrere Zettel, die Lurch Flecken, Knüllungen »nd Riisc gekennz» ichnet waren, teils sür güliig, teils für ungültig eiklärt: »nd darum drehte sich-die ganze Debatte. Schließlich wurde durcl die Stinilliabgabe der Nationalliberalen nur ein Zettel für ungültig erklärt, so daß sür Schöpse 2614 und sür die veiden Gegenkandidaten nur 2613 Siiiiimcn gezählt wurden. Ob bie Haltung der Nationallibcrnlen, die in biel.r Abstiniiniing zum ersten Male deutlich voni Großolock ad gerückt sind, eine Nenorientieuing ihrer Politik zur Folge bähen wird, bleibt abznwnrt.u. Denticher Reichstag. 226. Sitzung. Dienstag, 3. März 1914, l llhe. Kleine Anfragen. Aus eine Anfrage des Aba. Keil (Soz.) erklärt der Württembergische Generalmajor v. Grauens!,: Die Er krankuilgrn im württembergischen Trainbataillon Nr. 13 In Ludwigsbnrg sind günstig verlaufe,i, und sämtliibc Mannschaften sind genesen. Die Ursockjc des ParatyphnS. der infolge des Genusses von Wurst entstanden ist, hat sich nicht seststcllcn lassen. Ans die Anfrage des Abg. Brey (Soz.) erwidert Ministerialdirektor Easpar: Der Reichskanzler bat das Reichsan,t des Inner» sofort beauftragt, die Ursachen des Explosionsunglückes in der Anilinfabrik in Rummeleblirg festziistelle». Sobald die Ursache seststeht, wird die Reichs, rcgierung nicht zögern, Maßnahmen zu treffen. Der Postetat. Abg. Kiel (Vp.): Man hätte den Etat noch günstiger gestalten können, aber man fürchtet >vohl die Begehrlichkeit der Bcaniteil, wenn die Einnahmen zu hoch veranschlagt werden. Tie Massen von Petitionen beweisen, daß de» Bc- ainte» noch vieles fehlt. Sie haben das Recht, in weitgehendem Maße sich an Abgeordneten z» Ivende». Abg. Martin (Rp.): Schon vor 2 Jahren habe ich denr Staatssekretär die Postagente» an feile warmes Herz gelegt. ES ist aber leider nichts gesck>ehen. Weibliche Beamten sollen mit einer gewissen Vorsicht und Zurückhaltung eingestellt lverdcn. Im Tclephondienst leisten sie allerdings anerkennenswertes. Erfreulich ist die Ankündigung der Post kreditbriefe. Die großen Berliner Zeitungsfirmen Ullstein. Masse, Scherl, der Vorlvärts, machen von den amtlichen Zcitungsverteililiigsstell«» gewisser Aeinter Gebrauch. Jetzt wollen sic solckje Stelle» siir alle Acniter haben. Angesicht, der Vertrustung und Monopolisicrnng der Berliner Pre'se ist daran wohl nicht zu denken. Staatssekretär Kraetkc: I» der Art, wie wir unsere Gehilfinnen in das Amt einsuhren und auf die Prüfung vorbereiten, glauben wir, ans dem richtigen Wege zu scin. Tie Fernsprechgcbührenordnnng wollte die Telephon,,e- bühre» auf dem platten Lande verringern. Tic Frage der Tclephonverbindniig mit England beschäftigt uns seit Jahren. Tie Telephonverbindnng mit England wird aber sehr teuer sein und siir jedes Gespräch von drei Minuten 10 oder 12 oder 15 Jt betrogcp. Abg. Brandys (Pole) klagt über schikanöse Behandlung der polnisch adressierten Briese. Staatssekretär (irartkc: J,y bin niit dem Ostmvrkc»- perei» nie in Verbindung getreten, und habe niemals von ihni eine Liste polnischer Beamte» tefonime», um deren Versetzung zu bewirke». Bei Versetzung wird auf die Wünsch« und di? Bedürfnisse der Beamte» Rücklicht aenommen. Nr. 53 Ne»e Tageszeitung. M-liwach» de» 4 . »larz 181«. AbO. r». Werner-Gießen (W. Vgg): Alle Beamten in e.-mischtsprachlichen Landesteilen sollten besondere Zulagen l, ommcn. Die Frauenarbeit muß schließlich zur Lohn- d >"i!ng führen. Die Arbeitslohn« bedürfen einer einhcit- liä .->> Regelung. Abg. Zubeil (Soz.): Die Uuterbeaniten find so kläglich ( ' ;-lt, daß sie nicht anSkormuen können. Weibliche Baint« - .- Vorgesetzte können de» Ton in den Büros nur beben. In einer Reihe von Postämtern in Berlin zeichnen sich durch den Ton mis. in dein dort die Beamten angeschnauzt werden, Bcini Postamt 39 in Berlin ist ein Oberpostsekretär, der selbst zu alte» Schaffnern sagt: „Ihr Kerls habt ein Brett vor dem Kopf, auf das man schreiben sollte: „Hier sann Schutt aügcladen werden." (Große Heiterkeit.) So lange der jetzige Chef der Reichspostvcrwaltung an seiner Stelle steht, wird es nicht besser werden. Staatssekretär Kractkc: Während der Rede des Abg. Zubeil habe ich das- Gefühl gehabt, daß hier die Redefreiheit ausgcnnbt wird, um pflichttreue Beamte in schwerster Weise zu beleidigen. (Lärmender Widerspruch bei den Soz.) Mir bleibt m:r übrig, dagegen zu protestieren, daß Herr Zubeil sich erlaubt hat ..... (Lebhgstc Unruhe bei den So;, und lärmende Zurufe: „Erlaubt?") Präsident Kacmpf: Hätte ein Abgeordneter einen der- rrtigen Ausdruck gebraucht, so würde ich ihn zur Ordnung gerufen haben. Staatssekretär Kractke: .... Die beschuldigten Beamten als seine eilten Freunde" zu bezeichnen. (Beifall rechts.) Mittwoch 1 Uhr: Ducllinterpellation des Zentrums Weiterberatnng des Postetats. Schluß 7 Uhr. ^ \ Prrirstilcher tandlag. Abgeordnetenhaus. 4». Sitzung vom 3. März. 11 Ahr. Am Mi,üsterlisch: » Dallwitz, Dr. Lentz«. Zunächst werben die Mitglieder des Hauses, die den verfassungsmäßigen Eid noch nicht geleistet haben, in feierlicher Meise vereidigt. Hieraus wird die erste Beratung der Novelle •jtim Kommunalabzabengcsetz fortgesetzt. Abg, A l t h o f f (NaU.): Man darf nicht vergessen, was Ae Gemeinden in der letzten Zeit auf dem Gebiete der Hygiene ,:rd brr Sozialpolitik geleistet haben. Das lostet Geld, und es dt ralürlich. daß sich die Gemeinden noch neuen Stcuerguellen im-.hen. Erfreulich ist die Besteuerung der fiskalischen Beriet: durch die Vorlage. Leider wird da?, was mit der Hand reo aen ist, mit der anderen wieder genommen. Dies gilt be- ondcis von den Bestimmungen über die kommunale Besteuerung der Bergwerksunternehmungen. Abg. Eohrader (frkons.): Di« Industrie ist schon fetzt vielfach der Hauptsteuerzahler. daher ist die neu« Belastung der Beigwerlsunternehmungen nicht zu billigen. Wir sind bereit, in der Kommission mitzuarbeiten, um ein Gesetz zu schaffen, das den gerechten Anforderungen der Allgemeinheit entspricht. Abg. Bacrwald (Vp.): Es dürfen nicht einzeln« Ge- roerbebetriebc in einseitiger Weise Mi Besteuerung herangezogen werden. Wenn das Publikum für Zeugnisse usw. Gebühren be. zahlen soll, so wird es di« Dienste der Behörden nicht mehr in Anspruch nehmen. Eine gesunde Bodenpolitik muß den Schäden der Bauspekulation entgegenarbeiten, (Beifall), Die Besprechung schließt. Die Vorlage geht an ein« Kommission von 28 Mitgliedern. Es folgt di« zweite Beratung des Ausgrabungs-Gesetzes. Nach Ablehnung eines Abänderungsantrages Linz (Ztr) in) Zurückziehung eines Abänderui^santrages der Polen wird r Rest de? Gesetzes und tarauf das gairze Gesetz unverändert in zweiter Beratung angenommen. Ohne Debatte in zweiter Lesung angenommen wird der Entwurf betreffend die Ausdehnung des Moorschutzgffetzes auf cie Provinzen Pommern und Schleswig-Holstein. Es folfft die erste Beratung des Entwurfes betreff. Dienst, veigehen der Beamten der Orts-, Land- und Jnnungskranten- lajien. Abz. v, d. Oste (kons.): Wir sehen in dem Ersetz, daß die Beamten der Kranken- und Jnnungskaffen, denen nach Para, zrvph 359 der Reichs »erst chrrungsordnung di« Recht« und pstichtcn der gemeindlichen Beamten übertragen werden, den eicht richterlichen Beamten gleichgestellt, eine erwünschte und '.veckmäßigc Regelung, Abg Dr, Gotischalk (Natl,): Mit der Kommissionsbe- atung sind wir einverstanden, Einwände zu erheben haben jir mit an unbedeutenden Kleinigkeiten, Abg. Lippmann (Vp.): Prinzipiell find wir dafür, daß ü: di« in Frage kommenden Kaffenbeamten ein Disziplinarrecht ,,cschssien wird. Abg. Braun (Toz): Wir stehen dem Gesetz durchaus ab. lehnend gegenüber und find auch gegen Kommissionsberatung. Durch den Entwurf würde man nur kriecherische Kaffenbeamten chaffrn und man würde das Vertrauen der Versicherten verlie- ,cn. (Beifall bei den Sozialdemokraten). Handelsministrr v. Sydow: Der Reichstag hat bei dem arantenversicheiungsgesetz die Besugnts zur Ernennung von .ingcjt-ttten zu Beamten in das Ermessen der Regierung gegellt. Di- Beamten sollen «in« gewisse Sicherheit gegen vor. Mt c willlürliche Eutlaffuug erhalten, nainentlich die auf ?0vl>igung angc stellten. Früher wurden die Vorstände nicht Ach den Gesichtspunkten der persönlichen Eignung, sondern Musiq nach denen der politischen Gcsinnungstüchtigkeit ausge- hecht, (Sehr richtig rechts). Die Regierung will durch diesen Gesetzcsoorichlag dazu beitragen, lwß nur sachliche Eignung ent- cheidct. Wir wollen «ine objektive, von keinen Nebearückstchlen zeleitet« Kaffenverwaltung sicheistellen, (Beifall). Abg. Gronowski (Ztr.): Don einem Ausnahmegesetz gegen die Beamten der Krankenkaffen kann kein« Rede sein. Di« Regierung muß nicht nur die Interessen der Deanrtcn, sondern nainentlich auch die der Kaffen selbst berücksichtigen. Alm Gamv.Oblath sfikonl.l: Die Bcbauviuna, daß die Krankenkassen sich nicht mit Politik befaßt haben, wird der Abg. Braun wohl nicht aufrecht erhalten können. Abg. Braun (Soz.): Die von dem Vorredner vorgebvach- ten Beschuldigungen gegen uns treffen nicht M. (Widerspruch rechts). Abg. Gronowski (Ztr.): Die Bcamien der Krankenkassen muffen ihre Geschäfte durchaus unparteiisch führen. Der Antrag aus Schluß der Debatte wird angenommen. Der Entwurf geht an die Handels, und Gcwerbekommifsion. Es folgt die Beratung des Etats der Handels- und Gewerbe- vcrwaltung. Auf Anregung des Abg, Dr. Dahlem (Ztr.) und von E o l d a ck c r (kons.) erklärt bei den Einnahmen' Minister Dr, Sydpw: Wir bemühen uns seit Jahren, di« Sonntagsruhe auf den großen Strömen einzuführen. Heber Belästigungen kleiner Gewerbetreibender durch die Eichämter sind Klagen nicht zu meiner Kenntnis gekommen, foifft würde ich für Abhilfe Sorge getrogen haben. Abg, Wcnke (Vp.): Auf dem Lande empfinden es die kleinen Landwirte und Ecwerbetvcibende als Belästigung, daß sie ihre Waren zur Nacheichung nach anderen Ortschaften trons. portieren muffen Die Einnahmen werden bewilligt. Bei den Ausgaben, „Ti° iel Ministergehalt" sindet «in« allgemeine Besprechung statt. Auf Antrag des Abg, Dr. Schröder- Eaffel (Natl.) kommt zunächst der Antrag Dr, v. Krause »(Rail.) zur Be. sprechung, Maßnahmen zu treffen, die bei der Neuregelung der handelspolitischen Berhältniss« einen wirksamen Schutz der deutschen Interessen gewährleistet. Abg. Dr. Beumer (Natl.) begründet den Antrag: Unsere Wirtschaftspolitik muß vom Standpunkt der Produktion aus orientiert werden und nicht vom Standpunkt der Nur-Konsumen, j ten. Unsere Handelspolitik muß in gesicherten Bahnen wan- j bctn. Die Rede des Staatssekretärs Delbrück ist in Oesterreich nicht enthusiastisch ausgenommen worden, und in Rußland trifft ■ man eine Reihe Vorbereitungen, um bei der Neuregelung des Handelsvertrages recht günstige Bedingungen zu erzielen. Ein kluger Kaufmann darf nicht sagen: Ich habe nichts gegen eine Verlängerung, d, h. von vornherein dr« besten Waffen aus der Hand geben. (Lebh, Zustimmung). Längere Kämpfe werden sich bei der Vorlage von Abänderungs. und Zusatzvorschläge« einstellen. Bei der Revision der Handelsverträge werden wir di« Meifidegünstigungsklauscl besonders kritisch unter di« Lupe nehmen müffen. (Sehr richtig). Di« jüngere Generation hat den Tiefftand zu den Zeilen des Freihandels nicht mehr miterlebt. Hunderttausend« von Arbeitersamilien nagten am Hun. gertuche. und weil di« Bergleute in Schlesien und Westfalen sich kein« neuen Rücke kaufen konnten, hungerten di« Tuchmacher in der Mark, Angesichts der kommenden Handelsverträge sollten di« Veibündeten Regierungen «in Vorbild im Auge haben, das Vorbild Bismarcks des Großen, (Lebh. Beifall). Weitrrberatung: Mittwoch 11 Uhr. A»»s dem lfeN. Landlay. H. Kammer der Stünde. Die II. Kammer begann gestern unter dem Vorsitz des Präsidenten Köhler mit den Beratungen über den Hcmvtvor- onschlag und eröffnete die Debatte der Ansschußberirbter- statter l>r. Osann, der sich über die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse verbreitete und erklärte, daß trotz der vermehrten Ausgaben durch die vennehrten Steuereinnahmen eine Steucrerhöhnng nicht notwendig sei. Das Baugewerbe liege allerdings darnieder, die Landwirtschaft habe besonders durch den Zusammenbruch des Genossenschaftswesens jetzt noch sehr zu leiden. Er berührte dann die politische Lage und verurteilt das Verhalten der katholischen Lehrer in Mainz, welche durch ihre Haltung sich selbst und ihren Berufskollegen geschadet haben. Bei den Erziehern des Volkes durfte nicht das Sprichwort in Anwendung kommen: „Wer sich nicht fügt, der fliegt", sondern hier wäre Duldsamkeit ein gutes Beispiel gewesen. Bei der Gemeindesteuer sei man zu Abänderungen bereit, ungerecht sei, daß man den Bundesstaaten die Kosten der Veranlagung der Wehrsteuer auferlege, Er wird einen diesbezüglichen Antrag stellen. Abg. Dr. Weber (Bbd.) betrachtet die Situation vom Gesichtswinkel der Besoldungsvorlage aus. Er kann die jetzig« Lage nicht so optimistisch auffassen, wie der Vorredner. Der sicherste Faktor bei den Einnahmen seien wohl die Steucreinnahnien, welche ständig anwachsen. Die Einnahmen aus den Staatsdomänen hält er mancherlei Schwankungen und Rücksichten unterworfen. Für den unsichersten Faktor hält er die Elsenbahneinnahmen, wie die Taffachen beweisen. Auch bei den Ausgaben kommen vielfach unsichere Posten in Frage, sodaß Prophezeiungen sehr schwierig und gefährlich sind. Er kommt dann auf der Frage der Anwärter besonders im Obcrlehrerstaude zu sprechen, wobei er fest- stellt, daß der Andrang jetzt so groß sei, daß im Jahre 1918 600 Lehramtsassessorcn und Referendare, dagegen nur 96 Prozent offene Stellen vorhanden seien. Der Bedarf an Lehrern sei jetzt für 27 Jahre gedeckt. Bei der Besoldungs- Vorlage handele e? sich heute nicht nichr um eine finanzielle, sondern um eine prinzipielle Frage, der Kampf drehe sich im ganzen nur um etwa 299 999 JH. Bei der Frage der Lehrer- gehalte sei Preußen insofern in Betracht zu ziehen, als dort die Lehrer in den letzten Jahren sehr gehoben wurden. Zum Schluß verwahrt sich Redner noch gegen die Annahme, daß bezüglich der Anträge zu der Besteuerung des Ertragswertes zwischen der I. Kammer und dein Bauernbund eine Vereinbarung getroffen worden sei. Bezüglich der Besteuerung nach dein Ertragswert ist Redner der Anschauung, daß man zunächst bei dem Gemeindeumlagengesetz damit einen Anfang machen muffe. Der Uebergang zum Ertragswert in der Ver- mögcnssteuer sei erst dann möglich, wenn man durch eine inehrmaligc Veranlagung zur Gemeindesteuer volle Klarheit über deren Wirkung erzielt habe. Abo. Rolthau (Aentr.I olanbt, daß man die Belol- ____ Serif r. dungsfrage von dem Budget trennen könne, da die heute noc? bestehende Differenz von 89 999 M bei einem Budgetbetro.i von 89 Millionen Mark und einem Reservefonds von 29 M-p lionen Mark nicht in Betracht komme. Man solle die Soff, nicht zu weit treiben, denn die Minister bekämen auch j ;;l Falle ihres Rücktrittes eine Pension von 36 999 .V. Redner erklärt, daß auch er über die abweisende, schroffe Erklärung der Regierung überrascht war, doch will er die Hoffnung aul Derstündigung immer noch nicht ansgeben, Redner oilu ferner dem Wunsche Ausdruck, daß das Ordensgesetz nocb in dieser Kammer seine Regelung finde. Abg, Henrich (freis.) stellt zunächst fest, daß die günstige Entwickelung unserer Finanzverhältnisse non niemand vor- ausgcsebn wurde. Er voibreitet sich daun über die Steuer- Verhältnisse. Die besser Finanzpolitik sei die, wenn man nermcide, da? Budget mit hoben Zinsen für Schulden zu belasten. Er nimmt dann zu einer ganzen Reihe wirtschaftlicher und anderer Fragen Stellung. Die Einführung de, Besteuerung nach dem Ertragswert werde kaum den ac- wünschten Erfolg haben. Ncueinnabmen leien a»? der Wertznwachssteuer und bei einer Revision des En. - bahnvertrages zu erwarten. Zum Schluß gibt Staatsminister Ewald eine Erklärung ab, in der er festlegt, daß die Angelegenheit nicht niehr lediglich eine Finanzfrage sei. Man dürfe aber nicht übersehe», daß die Regierung unsere Lage im Sinne der I>r. Weber- schen Auffassung mit Rücksicht auf die schwankenden Eiien- habneinnahme beurteile. Sie war deshalb bemüht, sich bei Fesffetzung der Gehälter möglichst einzufchränken, damit nicht unerschwingliche Ausgaben kommen. Man mußte vielen mittleren und unteren Beamten vieles vorenthaltcn, wa? man für nötig hielt und habe dadurch 89 999 Jl erspart. Es sei nun begreiflich, daß man den Betrag, den man bei den Beamten ersparte, nicht mit vollen Händen den Lehrern geben könne, sonst sei dies eine Ungerechtigkeit und dies sei das Prinzip, von dem die Regierung ausgehe, das man auch in der II. Kammer Hochhalten solle. Er wolle gegenüber den Beamten ein reines Gewissen haben. Wenn man von diesem Gesichtspunkte ausgebe, werde sicher eine Verständigung erfolgen. Wenn man aber an der gestellten Forderung restlos festhalte, halte er die Vorlage für gescheitert. Er bitte dies von ihm Gesagte zu beachten. Nächste Sitzung Mittwoch 9 Uhr. Tagesirberfrcht. Deutsches Leich. :: Spionagebesorgnist, i n Mainz. Den militärischen De Hörden der Festung Mainz ist er in der letzten Zeit aufgesalleu, daß bei den Verpachtungen der rheinhesfischon Jagden in ein«, großen Anzahl von Gemeinden in der Umgebung der Festung Main, die Jagd«, an ansländische Jagdq«sellZ0 Fegmnhle, 1 Dickwurzmühle«« Obstkelter, Pferdegeschirre UN» Decke» sowie verschiedene andere land- wirtschastlichc Geräte, ferner einige 100 Zentner Stroh und Ocii. Karl Jung, Ostheim bei Butzbach. Holzversteigerungen der Gräflichen Obersörflerei Laubach I) nionlag, de» 0. März nach Zusammenkunft 0 Uhr nui der Fienfunger-Hofwald Alleefchncifc bei der Drahtseilbahn. Aus Ilsdorser und Flensunger Hofwald: Flchiendcrbstangen 193 Stck. i. ÄL — 22,94 Festin., 239 Stcf. II. JU. -- 19,39 Fm., 830 Stck. III. Kl. — 31 Fm. Fichtenreis- stangen 30 Stck. - 0,54 Fm., 1 Birkenstamm 10,6 m lang, 28 cm Durchmesser — 0,63 Fm., 3 Rm. Buchennutzscheiter, 6 Rm. Hainbuchcnnutzwellen iWagncrholz). Buchen Am.: 33 Scheiter 61 Prügel, 2 Stöcke, 290 Stammreiser (Us. gemilcht mit Eichen und Kie'er») 142 Astreifer: Eichen Rm.: 0,8 Rundjcheit, 19 Prügel,, 13 Stöcke, >02 Astreiser: Birken Rm.: 8 Scheiter, 2 Prügel, 12 Astreiser: Kiesern Rm.: 2 Rundscheit, 50P,iigel, 19 Stecke, 120 Stammreiser, 3 Fichtenprügel. Das Brennholz wird »»oorgeteigt beim Feuer ausgeboten. :2) Dienstag, de» 10. Llärz nach Zusammenkunft 10'/- Uhr beim Pslanzgarten des Reo. Tiergarten bei Laubach. 1. aus Lampcrlstor: Buchen Rm.: 167 Scheiter I. und II. Kl., 181 Prügel, 45 Stöcke 40. Reijerprügel, 72 Astreifer, 4 Eichenstämme, 5—8 m lang, 17—39 cm Tiurchm. — 1,10 Fcstm. 2. Hausplatz: Buchen Rm.: 172 Scheiter I. und II. Kl., 42 Prügel I. und II. Kl., 38 Stöcke I. und II. Kl., 159 Astreifer, 9 Eichen-Radeln- und Weichholzprügeln, 2 Eichen-Radcln und Weichholzscheiter. 3. SUtzelops: Buchen Rm.: 14 Scheiter I. und II. Kl., 58 Prügel, 37 Stöcke, 160 Astreiser, 18 Stammreilcr, 10 Eichen-Radeln und Weich- holzscheiter, 40 Eichen-Radeln und Wcichholzprügeln, 48 Radel-, Weichhol',- und Eichenstöcke, 15 Buchen-, Eichen- und Aspen- rciferprügcl, 4 Eichcnstämme 6—9 m lang, 23—28 cm Durchm. — 1,45 Fcstm. 4. Wildfrauberg: Buchen Rm: 92 Scheiter, 195 Prügel, 34 Stöcke, 58 Reiserprügel, 0,8 Kirschbaumschcitcr, 16 Eichen-, Radel» und Weichholzprügel, 2,6 Eichen- und Erlen- stöcke, 0,8 Erlenrcilerprügel, 4 Eichenstämme 5—8 m lang, 15—39 cm Durchmetzer — 1,48 Fcstm., 1 Birkenstanim 7 m lang, 20 cm Durchm. — 0.22 Fcstm, 1 Ahornstamm 7 m lang 29 cm Durchm. — 0,46 Fcstm. 5. Hirtenbachslopj: Buchen Rm.: 4 Scheiter II. Kl., 14 Prügel II. Kl.. 21 Stücke, 29Rciler- prügel, 1 Eberesche 5 m lang, 28 cm Durchm. — 0,31 Fcstm. o. Ziegclhüttergräben und Hirtenbachskops: 11 Buchenreiscr- prügel, Losholz und Kohlreiscr flächenweise. Blau unterstrichene stummem lammen nicht zum Ausgcbot. Laubach, den 28. Februar 1914. Gräfliche Forstverwaltung. Sr Neu eingetroffen: 1 Waggon Emaille u. Porzellan 1 Waggon Steingut Verkauf dieser Artikel zu enorm billigen Preisen, Warenhaus Geschwister Mayer Friedbepg. offerieren: CHUiialpeter, ichwefel». Ammoniak, Superphosphate, Thomasmehl, Kainit, Kalisalz, Peru-ltzuano, Kalkstickstofs und alle anderen Düngemittel auch bei den kleinsten Quantitäten. Rotklee: Deutscher und vom ♦ nordfranz., Luzerne: Pro- oenzer und Italiener, Saatmais: Virgin« und Natal, Saaterbsen, Saatwicken und alle anderen Sämereien zu billigsten Preise» bei prompter Bedienung. Düngemittel, einerlei welcher Sorte, jederzeit von unserem Lager Friedberg in Ziisammcnladunge» franko Station. Ä». Bezugs- u. Abjutz-Celltrale, ■ 412 : Telegramm-Adresse Bezugszentrale, Friedderghelsen. 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SöiweTezußitvSiein Ofcerfitörgern cmpsichlt mehrere erslllassig« Killjtelikr n -Zilllt» von vorzüglicher Abstammung Beilage zur „Neuen Tageszeitung. FF Rr. Gedenktage. 4. Mürz. 1882 Ludwig Kalisch f. — 1884 Pastor Fr. Ahlfeld t. — 1890 Prof. Franz Delitzsch t. — 1897 Mac STinlct) tritt fein Amt als Präsident au. Keriiner Wilchlrvirg. Wir legen die „Deutsck>e Tageszeitung", die ja in die Darstellung doch nur einen sündhaft agrarischen Zug tragen würde, beiseite und unterrichten uns über den Streit unter Anruf der mitleilsamcn Freundlichkeit der „Frankfurter Zeitung." Nach deren Bericht vom 29. Juli 1913 läßt sich nicht leugnen, daß die neue Genosseniäpft der märkischen Landwirte bisher glücklicher operiert hat als die alle, später verkrachte Milchzentrale: durch ihre Pcrniittlung werden jetzt bereits etwa 250 000 Liter Milch nach Berlin geliefert. Die Situation der Milchgrobhändler hat sich — immer nach der Schilderung der Franksurterin — auch insofern verschlechtert, als sich in den letzten Jahren die kleinen Weiterberkäufer, die sog. Abnehmer, organisiert und dann gegen die Großhändler Stellung genommen haben. In dieser Ab- «elunerorganisation hat die JnteressengemeinsckMst der MUchproduzenten eine starke Unterstützung gefunden, und » ieliach sind die kleinen Abnehmer schon dazu übergegangen, istren Bedarf direkt bei der Jnteressengenieinschaft zu decken und den Milchgrohhandel ganz auszujchalten. Das hat zu heftigen Angriffen von seiten der Milchgrobhändler geführt, die der Interessengemeinschaft in einem Flugblatt an die Landwirte Vorivarscn, die Interessen der Landwirtsck>ast zu slhädigen, und zwar nanicntlich durch Milchverschleudcrung > nd Preisdrückung. Mit diesen Verhältnissen befaßt« sich am 28. Juli 1913 eine von der Interessengemeinschaft cinberufene Versammlung, in der, Wiederuin nach dem Bericht der „Frankfurter Zeitung", die Sprecher der Milchobnehmerorganisation gegen die Milchgrobhändler viel agressiver vorgingen als die Nedner der Milck>produzenten. Ein Teil der kleinen Abnehmer begrüßte die Interessengemeinschaft geradezu als Erlöser von der Diktatur der Großhändler. Diese aber lieben — damals — erkennen, daß sie einer Berständigitng ,ou Organisation zu Organisation nicht abgeneigt seien. Nun vom 18. Juli 1913 bis zum 1. März 1914. Im „Berliner Lokalanzeiger" veröffentlicht der „Verein Berliner Milchhäudler des Ostens, Abnehmerorganisation" einen Aufruf an die Milchhändler, der die Verbraucher- und kleinhänd- lerseindlichen Absichten der Berliner Milchgroßhändler so deutlich und einwandfrei schildert, daß sich alle Zusatzbemerkungen beinahe erübrigen: „Der Verein Berliner Milchpächter hat absichtlich mit der Interessengemeinschaft, weil diese uns Abnehmern und dem Publikum gegenüber die Milch nicht verteuern will, einen Krieg vom Zaune gebrochen. Die Absicht des Verein? Berliner Milchpächter geht dahin, die Organi- sation der Landwirte und unsere Organisation zu vernichten, um sich ein Milchmonopol in Berlin zu sichern. Es scheint die Absicht zu bestehen, die mit Mühe ge- ßhaffene Organisation der Abnehmer dem Verein Berliner Milchpächtcr auszuliefcrn. Gelingt dieser Plan, so Ist dantit der Weg für du? Milchmonopol dem Verein Berliner Milchpachter geöffnet, und die Abnehmer sind Zum Pfiugeisen. Roman von M. Prigge-Brook. 27 (Fortsetzung). „Welche Dersclüvendung!" eiferte Mary, die nur großstädtische Einrichtungen kannte. „Weshalb um HinnnelS- willcn vermietet Ihr nicht?" Doktor Heinz lachte über daS ganze Gesicht. Ec fand den Einfall seiner kleinen Frau köstlich und nahm sich vor, ihn Nosemarie zu erzählen. ES schien, als stecke eine Kaufmannsseele in Mary, sie gab ihm schon verschiedene Beweise ihres praktischen Sinnes. „Nosenmrie wird denken, daß das jungen Sebalds zugute kommt, die nach uns koinmen." Ec fand den Gedanken beglückend. Doch schon hielt der Zug. Sie waren am Ziel. „Alles ausstcigeu!" rief der Schaffner und riß die Tür auf. Doktor Heinz raffte das Handgepäck zusammen, half seiner Frau aus dem Abteil und fand erst Zeit, sich über Nosemaries Fehlen zu verwundern, als Peter Jansen schon vor ihn, stand. „Grüß' Gott, junger Herr, und viel Glückt Viel Glück auch, schöne, junge Fraul" Mit dem Vorrecht alter, treuer Dienstboten erhaschte er Marys- Hand und drückte sie. „Nochmals Glück und Segen." „Dank Poker,: herzlichen Dank! Doch wie steht e? zu hause? Js! meine Schwester krank?" Der Alle zupfte verlegen seinen Bart. „Die Fräulein haben viel Arbeit gehabt, erst gestern sind fie Handwerker aus dem Haus." Er wandte sich den Trä- gern zu, im Innern erfreut, daß ihn der Doktor nicht weiter befragte. Dem gingen die Handwerker im Kopf herum. Roseinarie hatte sich tviedergefunden und zweifellos große Vorbereitungen zu seinem Empfang« gemacht, wenn sie dazu franko -Lilie benvtiate. Mittwoch, den 4. Marx 1914. wie in früheren Jahren den Milchpächtcrn ans Gnade und Ungnade ausgeliefert. Der Unterzeichnete Verein ist fest enffchlossen, dies zu verhindern, und bat bereits Mittel und Wege gefunden, den Milchhändlern ihre Eristenz zu versorgen." Der Aufruf verdient auch insofern ernste Beachtung, als er keinen Zweifel darüber läßt, daß hinter den vreissteigern- den Bestrebungen der Berliner Milchgroßhändler der — Hansabund steht, der in der Oefsentliibkeit so gern gegen die bösen Agrardemagogen da? Fähnlein des Konsuinenten- schutze? entfaltet. Wenn aber bei der vorstehend geschilderten Sachlage von demokratischen Blättern behauptet wird, die unersättlichen Agrarier wollen an der Kindernahrung einholen, was sie am Schnaps zu verlieren vorgeben, so rich- tet sich eine solche hämische Unterstellung von selbst. Nach den Mitteilungen des Frankfurter Hnudelsblattes und des Vereins Berliner Milchhändler de? Ostens ist es zweifelsfrei erwiesen, daß die Interessengemeinschaft märkischer Landwirte gar nicht daran denkt, den Kleinhändlern und Verbrauchern die Milch zu verteuern, und daß es die Berliner Milchgroßhändler gerade deshalb zum Milchkrieg haben kommen lassen. Dabei macht die Interessengemeinschaft nicht etwa lediglich schöne Worte, sondern sie kann zugleich auf die bezeichnende Tat crwe isen, daß sie vor drei Jahren die Preiserhöhung von 22 auf 21 bezw. 24 auf 26 Pfennig nicht mitgemacht hat. Wie nur zu oft ist es eben auch hier der Großhandel, der nüt preisstei gern den Absichten Bennru- hignng in die weitesten Bevölkerungsschichten trägt und bei seinen Monopolbestrcbungen Produzenten, Kleinhändler »nd Verbraucher nnier seine Fuchtel zwingen möchte. Diese Dinge werfen aber zugleich auch auf die Preisbildung der wichtigsten Lebensmittel ein grelle?- Licht. Der Großhandel will über die Preisfestsetzung absotut herrschen, der Produzent soll nichts dabei zu sagen haben und der Verbraucher hat zu zahlen. Gegen diesen selbstischen Großhandelsstachel zu locke», ist Notwendigkeit und Verdienst. Lkredte Iahiril von der frauj. Irtindklilkgion- Die „Fremdenlegion", di« Beibandszeitschrtft de« Deutschen Schutzvecbondes gegen die Fremdenlegion, beschäftigt sich in ihrem Januarheft in einem ausführlichen Aufsätze mit der Stärke der französischen Fremdenregimenter. Dt« Zahlen, die di« Zeitschrift angibt, sind um so zuverlässiger, da sie den amtlichen französischen Berichten oder mindeste»« solchen Berichten entstammen, die „gut französisch" sind. Seit 1885 besteht di« gegenwärtig« Einteilung der Fremdenlegion in zwei Regime», te>: das erste hat seinen Sitz in Sidt-Bel-Jbbees. das zweite in Saida. Jedes Regiment schickt ständig seine beiden besten Bataillone nach Tongking: diese werden jedoch wegen des Klimas bald wieder abgelöst, das heißt, diejenigen, die di« Marter in Tongking überstanden haben, werden wieder zuruckgeschickt, Teil« der Legion werden auch ab and zu nach andern fra^öfischen Kolonien abgeordnet: so bauen gegenwärtig di« Legionäre Straßen ln Marokko, ferner Kasernen, Wasserleitungen, Eisenbahnen und Festungen. Jedes Regiment verfügt über sechs Ba- taillone, jedes zu vier Kompagnien gerechnet, also über insg«. samt 21 Kompagnien: dazu treten noch eine nicht etalsmätzig« Kompagnie, wetche die Ersatzmannschaften. Spielleut« und Handwerker enthaft, seiner zwei berittene Kompagnien, sechs Ma- schinengewebrabtetlungen. wel zDepotiompagnleu und dl« aus Das warnie Gefühl für die Schwester, durch ihren Widerstand zeitweilig zurückgedrängt, lebte in des Doktors Herzen auf und machte es weit und geneigt, zu vergeben. Erwarftliigsvoll nahm er ini Wagen neben Mary Platz und trieb den Alten zur Eile. Der Abend dämmerte. Die Laternen des Marktes versandten ibr blasses Licht. In ihrem Schein präsentierte sich der mächtige Ban des alten Hause» gewaltig und groß. Die Linden vor der Türe bewegten grüßend ihre Zweige, durch deren Aestc konnte man den Beischlag sehen, hinter dessen schmiedeeisernem Gitter rotblühend« Geranien nickten. „Wie schönl" rief Mary unwillkürlich begeistert. „Dein Pslugeisen gleicht einem Königsschloß." Das war ein stolze» Wort, da» zu anderer Zeft den Erben der Sebalds entzückt hätte. Im jetzigen Moment berührte es ihn kaum. Er saß im Fond zurückgelehnt und starrt« auf die Luke unter dem Giebel, aus der bei festlichen Gelegenheiten die Fahne flatterte. Heute nickte nur das eiserne Pslugeisen herab. Auch Kränze und Girlanden fehlten, es fehlten die Angestellten auf dem Beffchlag, im Erdgeschoß brannte kein Licht. Wie alle Abende, waren die Läden geschlossen, und nur die Flurlampe erhellte den riesigen Raum. Peter hielt vor der Rampe. Heinz' Lippen preßten sich zusammen. Er hörte, wie der Alte nach Knffcherart dreimal mit seiner Peitsche knallte, berechnete mit Herzklopfen di« ihm unendlich lang vorkominende Zeit, bis sich endlich die Haustüre öfstiete und Karl vor deni Wagenschlag erschien. ..Grüß' Gott, Herr Doktor! Grüß' Gott, gnädig: Frau! Willkommen im Pslugeisen I" schnarrte der Gewandte, der die Zeit seiner Muße benutzt, sich zum »Herrschaftlichen" auszubilden. „Willkommen im Pslugeiseul" wiederholte Heinz Se- bald in dunklem Ton, indem er seine junge Frau aus dem Wagen hob. „Wo sind die Damen. .Karl?' 7 , Jßljr^sutä* drei Zügen bestehende Strastompagnie nebst der zu Strasarbe.t verurteilten Abteilung. Rach einer bcigegebcnen, sehr über, sichtlichen Tafel kommen di« beiden Regimenter somit aus rare Stärke von 296 Offizieren. 18 938 Mannschaften (darnnlcr 2251 Itnterosfiziere) und 850 Reittieren. Bemerkenswert ist iiu.i gens, daß di« Tafel beim Wart Regime,itsstab die Lninerlnur «»thätt: ohne Aerzl-: auch weiter finden sich Anmerkung«! ohne Sanitätspersonal und ohne Krankenträger. lieber bi:'.- Abteilungen gibt der Beruht der Zeitschrift ' leider kein« er. schöpfend« Darstellung: es h-ißt weiter unten lediglich, daß die Zuteilung der Aerzt« ministerieller Enisck^idung vorbehalieu ist er scheint aber, daß der Kriegsministcr recht selten von seinem Recht« dieser Trupp« Aeizic und Saniiätspersonat zuzui.il«,, Gebrauch macht. Kauz abgesehen daran also, daß der Dienst unerträglich, Esten und Trinken miserabel, das Klima gesund hkftsschädlich ist, scheint auch die gesundheitliche Verpflegung oe- Truppe in einem unbeschreiblichen Zustande zu sein. Lehrreich ist aber nun die Schlußsolgcrung, die die Zeitschrift weiter zieh! Di« Gesamtstärke der beiden Regimenter betragt also, wie e, wähnt, 18 938 Mann: da die Legionär« im Durchschnitt einen 5. jährigen Vertrag abschliehen, so ergibt sich also ein Jahreab.- darf von 3787 Alaun. Hierzu kommt aber noch, daß nach einer französischen Statistik 15 Hundertstel der Legionäre überhaupt mit Tode abgehen, sei es nun, daß sie sich rötliche Kranlhciien zuzlehen, oder im Gefecht oder aus den Märschen im Sonnen brande der Wüst« umtomme»: 10 Hundertstel aller Legiouäre verlasten dl« Legion, soll heißen, bei jedem zehnten Legionär glückt di« Flucht. Das ergibt also noch 55 o. H, zum Jahl-sb-, davs, als» 3787 und 2083, insgesamt also 5870 Mann. Folglich muß die Logion, um sich auf ihrer Eesamlstärte zu «lhaiten, jährlich 5870 Mann einstellen. Rach einer weiteren französisch.',, Statistik sind 57 v. H. aller Legionäre gebürtige Deutsch«: t-iv raus kann man berechnen, daß Frankreich jährlich 3316 Dcutjche für di« Fremdenlegion anwirbt: ln den 25 Jahren von 1885 bis 1910 hat die Fremdenlegion also «in« Armee von Deutsche,, in ihren Rechen gehabt, zusammen 83 650 Köpfe! Da nur sehr wenige zurllckkchren, so hat Frankreich in dieser Zeit gegen 79 000 Deutsch« vernichtet. Di« Niederlage, die Frankreich im Jahre 1870—71 erlitten hat, hat es Mithin längst wiedei weit, gemacht. Di« Fremdenlegion hat grausame Rache geübt! Man bedenke, datz tm ganzen Kriegs nur etwa der dritte Teil an To Kn »u beklagen warl — Jeder Vaterlandsfreund sollte es für !«ln« Pflicht halten, über di« Fiemdenlegion aufzuktäien. wo sie chm Gelegenheit bietet. »ack eia blendend jugendfrbches Aussehen lies erzeugt die echt* Steckenpferd Seife |die W« UUanmilchselie), von Bergmann & Co., Radebcui, » Stück 50 Ptg. Ferner macht der Cream „Dada“ (LUienmilch- Cnam) rote und Spröda Haut weiß und sammetweich. Tube 50 PfgJ Rpmerbmnnen Hervorragendes Tafelwasser. - Ehe dieser die heikle Frage beantworten konnte, össncte sich zum zweiten Male di« Türe. Ein junges Mädchen trat über dir Schwelle. „Heinz, lieber Heinz!" Alles vergessend, schlang Erna ihre Arnr« urn des Doktors Hals. Er war beglückt und zugleich betroffen, zog ihren Arni durch den seinen und führte sie die Stufen hinab zu seiner Frau, die verwirrt und betreten stehen blieb. „Hier bringe ich Dir mein Pflegeschwestercl>en, liebstes, Kind. Ich habe Dir von Erna erzählt. Gebt Euch die Hand und haltet Freundschaft." Mary sank ihr an den Hals. „Habe mich ein bischen lieb", bat sie so leise, daß selbst ihr Mann ihre Worte nicht verstand, „Ich habe niemanden ol» ihn in der Welt!" Der Blick heißer Liebe, der ihren Mann streifte, be- glückte und schnierzte Erna zugleich. Sie verwand jedoch tapfer ihre Erregung, ergriff Marys H>md und führte sie über die Schwelle ins Haus. Heinz schritt mit seinem finsteren Gesicht hinter ihnen. Daß Rosemarie seiner Frau nicht einmal an der Schivelle entgegentrat, ließ ihn Böses ahnen. Sie hatte ihre Abneigung nicht besiegt. Oben an der Eingangstüre hing ein bescheidenes Plakat, von einer Girlande eingerahmt. In roten Lettern stand zu lesen: „Gott segne Deinen Einzug, junges Paar!" Die Worte wie das Schild waren einfach, doch sie er- fteuten des Doktors Herz. Sein ftagendcr Blick heftete sich auf Erna. „Don Monika!" sagte sie beschämt. Sie ärgerte sich daß sie nicht größeren Mut gezeigt und, der Tante Verbot ungeachtet, das Haus bekränzen ließ. Die Dorsaaltür stand offen. In ihrem Rahmen erschien der alten Monika behäbige Gestalt. Sie knixte verschämt und feierlich vor ihrer neuen Herrin und zog Heinz' Hand an ihre Lippen. Heftig entriß er sie ihr. (Fortsetzung kolatl. Sir. 53 Dir -Murr rirkirijlhe ;lrbrrIanÄ-Zrnjralr. Schon vor Wollen haben wir i» lüngc^ii Anssührungc» ibcr diese Anlage behauptet, daß sie nie rentieren würde »nd die städtischen Ttenerzahlcr jedes Jahr ein Mnes Stück Geld dranslegen müßten, um eine ganze Anzahl Ortschatten, bis zum Ebsdorfcr Grund hin. niit billigem elektrischen Licht zu versorgen. Wie Recht wir mit dieser Behauptimg hatten, beweist ein heute durch den „Gießencr Anzeiger" der- össcntlichtes Urteil eines ungenannten Sachverständigen, welches unser damligcn Behauptungen vollauf bestätigt. Die der Stadtverordnetensitzung vorgelegten Tabellen find in dem Urteil als eine arithmetische Spielerei, von wenig Praktischem Werte bezeichnet, und die von dem Oberbürger- neister aufgestellte Rentabilitätsberechnung führe Ziffern vor, welche viel zu hoch gegriffen seine. In Wirklichkeit sei nüt einem Fehlbeträge zu rechnen, der nach ordfiungsmäßiger Bilanzierung jährlich über 100 000 M. betrage. Also eine recht schöne Ueberraschung für die Aießcner Steuerzahler. ^ Weiter wird in dem Gutachten ausgesührt, daß die ganze Anlage mit einem viel zu hohen Kostenaufwand aus- gebaut sei. Während bei andern elktrischen Zentralen das in dem Leitungsnetz fcstgelegte Anlagekapital 0,50 bis 1 pro nubbar abgegebene Kilowattstunde betrage, ergebe dies für Gießen ein investiertes Kapital von 4 M, dadurch sei die ganze Anlage, wclclie l 980 0 M gekostet, aber nach vorstehendem Beispiel nur 750 000 M kosten dürfe, mit 1,2 Millionen Mark überkapitalisiert. Hinsichtlich der Kostenanschläge ist der Sachverständige der Ansicht, daß dieselben un- vollständig seien, oder falsche Angaben enthielten. Zum Schlüsse heißt e§ in dem Gutachten, daß es unverständlich sei, ans welchen Gründen die lleberlandzentralc durch die Stadt erbaut Ivurde, da doch ihre Unrentabilität jedem auf den ersten Blick hätte cinleuchten müssen und sie für die Stadt eine schwere finanzielle Belastung bedeute. Nun, daß der Oberbürgermeister und der Direktor Stote die Haupttriebfedern für die Erbauung der Ueberland- Zentrale waren, während der Ausbau des städtischen Straßenbahnnetzes versäumt wurde, weiß jeder in Gießen, der sich für kommunale Angelegenheiten interessiert, hat doch der Beigeordnete Emmelius einmal die Ueberland- Zentrale offiziell als das Steckenpserd des Oberbürgermeister? bezeichnet. In Anbetracht seines hohen Preises hätte er r? beller das teure Rennplerd genannt. Als der Oberbürgermeister s. Zt. den Antrag stellte, der Kommission des Elektrizitätswerkes besondere Rechte zu verleihen und sic zu Abschlüssen und Käufen zu autorisieren, ohne die Stadtverordneten zu fragen, da war es gerade der Beigeordnete Grüncwald, welcher ihm sekundierte und den Betrieb des Werkes mit der Geschästsführung einer Aktiengesellschaft verglich, deren Vorstand freie Hand haben müsse und über die Leitung des Unternehmens den AufiichtSrat nicht zu fragen brauche. Auch die Sozialdemokraten, nament- sich ihr Führer Krumm, war immer ganz entzückt von dem billigen Arbeiten der städtischen Betriebe. Es entspricht ja dem soizaldemokratischen Programm, immer mehr Leute an die städtische Futterkrippe zu stellen, denn desto eher kann ihr Weizen reifen, aber hier ist jetzt den Herren ein Beweis erbracht, der zur Genüge dartut, daß die Stadt den Gcschäst- treibendcn ihren Verdienst gönne», und daß sie die Anlegung großer Werke, die über den eigenen städtischen Bedarf hinaus produzieren, ruhig der Privafindustrie überlassen soll. Ans der Heimat. * Friedbrrg, 4. März. Nunmehr hat auch in unserer Stadt der völkische Schutzvereinsgedanke festen Fuß gefaßt. Am letzten Freitag versammelten sich einige Herren, die zum Teil schon seit längerer Zeit der Schutzvereinsarbeit teilnehmend gegenüberstehen, im Gasthause „Kaiserhof" zu einer Besprechung. Von Gießen war der Obmann der dortigen Ortsgruppe des Bundes der Deutschen in Böhmen, Herr Assessor Clarius, erschienen. Nachdem derselbe in großen Sie»« 1og«»j«i»ung. Mittwoch, den 4. Mär, 1914. Zügen den Rassen kämpf in der Ostmark geschildert hotte, und besonders betont hatte, daß es für die Reichsdeutschen ein Gebot der Selbfterhollung sei, mit allen Kräften mitzuarbei- ten, daß deutsches Blut und deutsches Land unserem Volks- tume erhalten bleibe, wurde unter Zustimmung sämtlicher anwesender Herren die Gründung einer Ortsgruppe Fried- berg des Bundes der Deufichen in Böhmen vollzogen. Die neue Ortsgruppe tritt sofort mit etwa 20 Mitgliedern ins Leben. Die sofort vorgenomniene Wahl des Ausschusses hatte folgendes Ergebnis: Obmann: Herr Feldbereinigungsgeo- Nieter Ritzert, Leonhardstraße, Säckelwart: Herr Assessor Schlörb, Schriftführer Herr Theol. Schmal. Der Mindestbeitrag wurde auf 2 «Ä festgesetzt. Anmeldungen sind an den Herrn Obmann z» richten. Für die nächste Zeit wurde ein größerer Vortragsabend in Aussicht gestellt, um den völkischen Schutzvcreiusgedankcn auch in weitere Kreise zu tragen, die ihm bis jetzt noch fern stehen. Ein Redner für den Abend ist schon gewonnen. Die Friedberger Ortsgruppe ist nun die dritte in iinserer Gegend. Im Jahre 1913 wurden schon in Gießen und Marburg Gründungen vollzogen. Die Gießener Ortsgruppe zählt schon über 220, die Marbur- ger über 100 Mitglieder. Im deufichen Reich hat der Bund der Deutsck>en in Böhmen in etwa 30 Ortsgruppen über 6000 Mitglieder, in Bühnen in 1100 Ortsgruppen über 120000 Anhänger. Diesen hohen Zahlen entspricht auch die Tätigkeit des Bundes zum Heile unseres deufichen Volkes, und cs ist zu wünschen, daß in immer größeren Schichten unseres Volkes innerhalb der schwarz-weiß-roten Grenzpfähle das Verständnis fiir die Bedeutung des Deufichtums im Aus- lande, besonders im Gebiete unseres einzigen, noch verläßlichen Bundesgenossen, Oesterreich, Wurzel faßt. * Friedberg, 4. März. Am Montag, den 23, März, vormittags 9 Uhr, beginnt an der Er, Obstbau- und lauino. Winterschule zu Friedberg der diesjährige Baumwävterkursus. Die Dauer desselben beträgt 8 Wochen und zwar 5 Wochen im Frühjahr, 1 Woche tm Sommer und 2 Wochen im Herbst. Teilnehmer. welche sich zu berufsmätzlgen Baumwärtern ausbilben «ollen und rin Alter von 18 Jahren haben, find honororstei und können aus Antrag von den beiressenden LanchwlrtfchafiÄam- mer-Ausschüssei, bis 80 Mart Zuschuß erhalten. Das Honorar für Pttvat« und Nichthesfen bettägt 20 Mark. Anmeldungen nimmt die Direktion obiger Anstalt entgegen. * Frirdberg, 4. März. Der März, der am Sonntag seinen Einzug gehalten hat, genießt den alten Ruhm des Frühlingsbringers und hat seinen Namen vom römischen Kriegsgott Mars. Im allen deufichen Kalender (Karl des Großen) war ihm der Name Lenzmonat oder Lenzmond beigelegt. Das Wort Lenz ist gleichbedeutend mit Frühling und stammt von lengitz, das heißt länger werden, ab, denn die Tage werden merkbar länger und die Nächte wieder kürzer. Frühlingsanfang fällt auf den 21. März. Im All- gemeinen pflegt der März wenig Lenzescharakter zu tragen. Wenn auch bereits vereinzelte Tage mit frühjahrsverheißen- dcm Wetter verstrichen sind, so ist doch in den letzten Tagen hauptsächlich nachts das Thermometer bezw. die Temperatur wieder bedeutend gesunken. Wenn die Sonnensttahlen immer wärmer zur Erde fallen, beginnt wieder neues Leben in der Natur und aus fernen Zonen nahen die Zugvögel als sichere Vorboten des wiederkehrenden Frühlings. Schon bei den alten Germanen war der März ein wichtiger Zeitabschnitt, wenn der alle Frühlingsgott Donar des Winters Macht mit klüftiger Hand aus den Landen getrieben hatte, wurde der 22. März festlich begangen. In allen Gauen herrschte große Freude, daß die Mächte des Lichts und des Lebens wieder über dos Reich der Finsternis frohlocken durften. Wenn auch die Menschen sich noch nicht so recht des Frühlings erfreuen können, so ist es doch ganz anders im Tier- und Pflanzenreich. Der März ist der Monat der jugendlichen Kraft. Ucberall macht sich in der Natur von innen heraus der erste und zugleich mächtigste Trieb zu neuem Leben bemerkbar. An Hasel- und Erlensträuchern schaukeln sich die Kätzchen und an den Bäumen und St räuchern werden die Knospeii dicker und sprengen allinähiich ihr braunes Wintcc- _____ Seile klcid. Ebenso geht es in der Blumcnwelt. Allenthalben sicht man frisches Grün aus der Erde sprießen, das noch Sonnensttahlen lechzt. Auch in der Tierwelt ist des Winters Macht vorbei. Die Drossel schlägt, der Fink singt jeii, Lied der Sperling zwilcht lustig in die Winde und baut sein Nestz auch der Star kehrt zurück und das hochbeinige Bachstelzchen sucht sich seine Nahrung ans den frisch gepflügten Aeckern. Der Landmaiin wünscht sich im März sonniges, trockenes Wetter. Fiir die liebe Schuljugend ist er noch ein Arbeit?, inonat. Es werden die letzten Anstrengungen zur Osterven sctzung gemacht. Dem glückliche» Abiturienten lockt die Herr- lichc Studentenzeit, Bruder Studio schnürt sein Bündel, die bevorstehenden Ferien im Elternhausc zu verleben. ' Ei'ßen, 4. März Dem Dr. phil. Johannes Pfttzn«r geboren in Königsberg i. Pr., wurde gestern bi« venia legendi bei der philosophischen Fakultät der LandesunioefiilLt für dos Fach der Staatswissenschatien erteilt. vereinigte C>a»»«hea,er Franfiurt a. M. Opernhaus Donnerstag, den 8. März, abends halb 8 Uhr: „Fidelio" 17. Vorstellung im Donnerstag-Abonn. Eew. Preise. Freitag, den 6. März, abend, halb 8 Uhr: Vorstellung bei ermäßigten Preisen: „Der lieb« Augustin". Außer Abonu. Samstag, den 7. März, abends halb 8 Uhr: „Eugen Oue- gln". 19. Borsielluag im Eamstag-Abomi. Große Preise Schausptelhaus. Donnerstag, de« 8. März, abends 8 Uhr: „Pygmalion". Außer Abonn. Eew- Preise. Freitag, den «. Mär», abends halb 8 Uhr: „Maria Stuart". Außer Abonnement. Eewöhnl. Preis«. Samstag, den 7. März, abends 8 Uhr: ,T>i« Tongoprinzes. fin", 19. Borsiellung im Samstag-Abonn. Eew. Preise Epiclplan des Etadttheaters in Gieße». Mittwoch, den 4. März, abends 7 Uhr: „j)ic Bäuerin", »Di« Lore", „Paul «nd Paula". 18. Mittwoch-Abonnements. Vorstellung. Eew. Preis«. Donnerstag, den 8. März, abends 8 Uhr: .Das Kloster". Außer Aboim. Eew. Preis«. — Abends 8 Uhr in Marburg: „Alt-Heidelberg". 18. Abonnementsvofitellung Freitag, den 8. Aiärz, abends 8 Uhr: „Rösselsprung", iz. Freiiag-Abonnementsvofitellung. Eew. Preise. Wie Scotts Emulsion Ijilftl Von meinen Zwillingsttndern Philamina und Anna machte mir letztere infolge ihrer Schwächlichkeit große Sorge. Während ihre Schwester ei» ttäsllges Mädchen war. blieb Anna mehr und mehr zurück, und man konnte selbst mit IS Monaten bet ihr an Eehverluche noch nicht denken. Als ich ihr aber aus Anraten der Hebamme eine Zettlang Seotts Emulsion gab, konnte ich es beinahe selbst nicht glauben, daß ein solcher Umschwung, wie der ( ich nun zeigende, möglich sei. Denn nach einigen Flaschen stellte lch Anna aus ihre Belachen, ihre Eesich:sfarbe wurde rosiger und hre ganze Entwickelung mochte so schnelle Fortschritt. -og st» ihr Schwesterchen bald einholte. Heute gehr sie so gut wie diese ist ein munteres Eeschöpichen, das uns durch seinen guten Appe fit, seine roten Päckchen und sein Irisches Aussehen viel« Freud' macht. (gez.) Frau Magdalcne Buchschustcr. Druisheim in Schwaben, den 8. Jan. 1913. 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