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Samstag, den Ä8. Lebrnar 1014
?. Jahrgang
Die „Neue Eageairilane," erscheint icden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Sauer a»« Kellen", „Pie Sp!»»ll«be". Seiugaprcis: Bei den Postanstaiten v,erlel,ahrl,ch Mk. 1,U5 bei den Agenten inonallich 5V Pig. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerloh», Anreisen: Grundzeile 20 Vfg., lokale 15 Psg„ Anzeigen von auswärts werden durch Potnachnahnie erhoben Eijullungsort Friedberg. Kchriftleitung »nd Verlag Friedberg sHcsten), Hananerstraße 12. Ferniprcchcr 48. Posticheck-Lonto Rr. «859, timt Frankfurt a. !ltk.
Urbrrstcht.
— Bei den Aufräumungsarbeiien auf dem Terrain der Ak- Eengeselischast für tlnilin,Fabrikation in Lichtenberg, vo sich die furchtbar« Erplosionslatastrophe ereignete, sind gestern di« noch fehlenden Leichen der beiden Arbeiter Powlowskq und Bcttke geborgen worden,
— Das kaiserliche Gesundheitsamt teilt das Erloschen der Maul- und Klauenseuche am B'ehhose in Mai», am 2«, Februar mit.
— In Petersburg hatte Fürst Wilhelm zu Wied eine längere Konferenz mit dem Minister des Aeutzeren. sodann stattete er mehreren Großfürsten und Großfürstinnen Besuche ab und nahni een Diner auf der deutschen Botschaft ein,
— Auf rrnenr Akaskenballe in einem Bergnügungslokal der kleinen Oltzcrp in Genf stürzte plötzlich «in deutscher Kaufmann namens Ieeker zu Boden in dein Augenblicke als er mit einer Dam« Lang» ta«zie. Er war auf der Stell« tot. Ein Herz, ick,lag hotte serrem Leben ein Ende gemacht,
— In der Kirche von Poenza Hai sich ein furchtbarer Mord abgrspielt, indem ein« verlosfen« jung« Bäurrin die Mutter ihr«s noch Amerika ausgewanderten Verführers während der Messe durch vier Rcvolverschüste töiete,
— In Werchniikouz« rm Gouvernement Waronjefch brach eine Räuberbande ins Bürgeemeisieramt «in, ernrordete 6 Person«», raubten mehrere tausend Rubel und zündeten schließlich das Hau» an, das vollkoinme» in Flammen aufging,
— Aus Konftaniinnpel wird gemeldet: 20 Arbeiter, die mit b«r Errichtung von Parko»laq«n in der Räh« des kaiferlichen Palastes, des Serail, bcschäfiigt waren, sind unter den einstiirzen- d«n Maure begraben «nd getötet worden,
— Am Mittwoch und Donnerstag fand ein ernstes Gefecht bei Kazerun zwischen Gendarrnen und Räubern statt. Der slhwedische Major Ohlson ist getötet worden, 158 Gendarmen verteidigen gegenwärtig die Baracken, Ein« klein« Berstärlung nit zwei Mazimgeichützen hat Freitag früh Echiros verlosten.
Zolltarif nnd Handelsverträge.
Die Erklärung des Staatssekretärs I>r. Delbrürk zur Kündigung oder richtiger gesagt Niehtkündigung der de- stehenden Handelsverträge scheint noch lange im Mittelpunkt der Erörterungen stehen zu sollen. Born Reichstage sordcrte es ja der Takt, Zurückhaltung zu üben, nach- dem sich der Staatssekretär, noch dazu im Nanien der Reichs- seit,»>g, in einer der wichtigsten Tagesfrage» festgelegt hatte. Da silh inzwischen aber das Ausland zu der Dclbrücksch»-» Rede geäußert hat, kann nunmehr auch der Reichstag sich freier äußern und sa wird die Stellung der Reichsleitung für Handelsvertragsfrage bei der dritten Lesung des Etats sicherlich eingehend behandelt werden.
Der stenographische Bericht gebe über den Delbrückschcn Standpunkt noch einmal genaue Auskunft. Der Staatssekretär führte aus: „Die Reichsleitung pertritt nach wie vor den Standpunkt, daß unser bisheriger Zollschnh im allgemeinen genügt, daß er aber auch aufrecht erhalten werden muß nnd daß ferner die Richtung unserer Vertragspolitik im wesentlichen dieselbe bleiben muß. Insbesondere mutz unserer Landwirtsthoft der derzeitige Zollschutz nach wie vor erhalten werden." Im übrigen verkennt Dr, Delbrück nicht die im geltenden Tarif vorhandenen Unebenheiten und Jiicfcn, spricht aber geringschätzig von Einzelheiten und glaubt, im großen und ganzen entspreche der gegenwärtige Zustand durchaus de» Bedürsnissen der deutschen Volkswirtschaft. So kouimt er denn zu dem Ergebnis:
„Soweit sich zurzeit übersehen läßt, wird für uns keine Verankassting vorliegen durch Kündigung der Tarifverträge von 1906 zur Neuregelung der Houdelsbeziehim- ge» dcn Anlaß zu geben. Es besteht daher einstweilen nickst die Absicht, dem Reichstag eine Navelle ziun Zollte is vorzulcgcn. Wenn die Vertragsstaaten sich mit uns mn einfache Verlängerung der geltenden Handelsverträge einigen sollten, so würde sich eine innfassende Tarifnovelle überhaupt erübrigen. Wird dagegen von ihrer Seite das »rragSverhältniS gekündigt oder an ihren Tarife» eine Ä nderung vorgenommen, die unsere Ausfuhr berührt, werden die Verbündeten Regierungen »ich! zögern, diejenigen Maßnahmen z» treffen, die erforderlich sind, d>c wirtschaftlichen Interessen Deutschlands zu vor- leid.geii, Angriffe auf de» derzeitigen handelspolitischeu Besitzstand abzuwehren und die Verbesserungen de? oel- l'ttden Tarifs, die als notwendig erkannt werden, durch. Zunsien.''
.. Eine Rede behäbiger Zufriedenheit, Der Zollschnh ge- liigt, der gegenwärtige Zustand entspricht im großen und Hinzen den Bedürfnissen der deutschen Volkswirtschaft, und ->e' Vectragsslaateu sind deshalb hoffentlich freundlich genug, die Handelsverträge nicht zu kündigen. Träfe diese rosige Schilderung unserer Lage wirtlich zu — daS ist vor und nach der Delbrück-Rede von niounigfachen Interessenten mit guten Gründen in Zweifel gezogen worden — so wäre rt noch minier taktisch unklug. Unser Behagen laut vor aller Belt "--rtindeg. Welche unliebsanicn Folgen sich daraus
ergeben, war vo.ausznschen und sie haben sich inzwischen bereits cingcsicllt. Postwendend kani c.uS Oesterreich die Antwort, dort denke man gar nicht an die unveränderte Verlängerung der Verträge. Obendrein ist ja längst bekannt, daß siech Rußland I0,d Italien zu zollpolitischc» Kämpfe» t ästen. Und wäre das »ich, bekannt ge'worde», so wüßte ina» doch, daß andere Staaten ein modernes Handelspotitisches Jnstriiuient in der Hand halte» als wir, In Rußland wurde di« Atüuderung des Zolltarifs 1903 oorgonaui- liicu, in Argentinien 1905, in Oesterreich-Ungarn 1906, in Fienkreich 1910 und in Schwede» 1911, Soll da der bcittid ' Zolltarif von 1902 wirklich das ewige Ideal fein? Seitdem sind >nan»igfack>e Industriezweige neu eiititernden und berechtigte Schutzausprüeche ergeben sich von selbst. Und schließlich atmete die Debatte, in der Dr. Delbrück seine oben skizzierte Rede zum besten gab, schlechterdings nicht Zufriedenheit, Viele, viele Wünseche aus Abänderung de? Zolltarifs wurdc vorgctragcn, wenn auch nicht in erster Linie von den „begehrlichen Agrariern", sondern von Zentrumsmänncrn und Nationalliberalen, Ihr Begehren galt der Landwirt- lchast und der Gärtnerei ebenso wie der Industrie. Kann da ernstlich gesagt werden, die gegenwärtige Regelung ent- spicche int Ivesentlichen den Bedürfnissen der heimischen Bolkswirtscheist? Voraussichtlich wird ja die nächste Rede Delbrücks auf einen anderen Ton gestiuimt sein. Vielleicht wird sie auch einem neuzcitlichsn Brauch folgend, vo» dem zuvor Gesagten nichts zurückiichnie», um dann in wichtigen Punkten doch etwers ganz anderes zu verkünden. Behäbige Zufriedenheit kann jedeusalls die Kontrahenten nur dazu reizen, ihren Wunschzettel ins Ungemessenc z:: verlängern, sehr zm.i Nachteil unserer Zwischenhändler und, was wichtiger ist, zum noch größeren Scheiden der deutschen Volkswirtschift, die in der Dertrngsfrnge ohne völkischen Eigennutz nicht auskommen kannn.
vik AnsMitn der ßrnmtfniiorfnrtr in Hessen.
Di« Erste Kanimer beschloß in der Beaniien- und Lehrer, besoldnngsvorloze di« Endgehall-: der Lehrer vom II, Dtenstsahr ab aus Mk, 3800 festzusehen, Die Regierungsvorlage hat bekanntlich nur 3488 Rkark vorgesehen, während bi« Zweite Kain, nrer 3888 Mark vom 34, Dienstjahr ab festsetzte, außer dem pen. sionssähigen Wnhnnugsgeld, Dabei erllärt« der Ausschußbe- richaft habe die Verwaltung dauernd im Auge. Die fortwährende Kritik des Hauses an den Maß- uahnir» der Verwaltung löime bei der Beamtenschaft nur Misstrauen aegen crsiere erregen. Deshalb sei zu wünschen, daß die Kritik auch die gute,, Seiten der Verwaltung mehr hcraiisstelle. Die neue Lohuordiiung habe bei de» Arbeitern lebhafte Anerkennung gefunden.
Abg. Peirotes (Soz.) meinte, die Wünsche der Arbeiten seien nach wie vor unbefriedigt geblieben.
Abg, Schirmer (Zentr.) wünschte ein StaatSarbeiter- recht.
Minister v. Breitenbach gab seinen schweren Bedcnlcn dagegen Ausdruck nnd erkannte die »Ühlichc Arbeit der Ar- beftcransschüsse o».
Nach weiterer kurzer Erörterung vertagte sich da? Ha„S
auf Samstag.
Prenlttscher Kandrnfl.
Abgeordnetenhaus.
8 , Sitzung, 27, Februar, 1 Uhr
21 m Miuistertrsch: v, Solln» tz,
$03 Landesvcrwoltungsgesetz.
Dir Kommsfion hat an ihrer schon am 28. d, M, berate best Fassung, di« die Regierungsvorlage in einigen Punkten des Be« Ichlnß- und Prozeßverfahrens abändert, sestgchollcn und schlägt vor, die Abänderungsanträge Körte-Köntgsberg obzulehnen.
Rach Ablehnmg des ersten d«r Körteschen Anträge gegen di« Stimmen der Oberbürgermeister werden die weiteren Anträge Körte zurückgezogen, Zurückgezogen wird seiner «in Antrag Lvening, wonach ein Mitglied des Abgabensenats städtisch sein soll«.
Ein Antrag Laening will di« Möglichkeit ausjchlietze.i toß das Verwaltungsgerichl dein Klager auch ein« Mehrleistung über die von ihm angegrisjen« hinaus anserleg« (resormxtto in
pejus),
Minister v, Dallwitz spricht sich gegen den Antrag aus, da er das Verfahren komplizieren würde. Die Möglichkeit, einen ergänzende» Antrag zu stell«,,, stehe ohnedies im Gesetz, Es sei nicht zu befiirchten, daß das Oberverwaltungsgericht häufig eine reformatio in pejus cintretcn lasten würde.
Der Antrag wird nach kurzer weiterer Debatte abgelehnt. Ein werterer Antrag Loening zu § 75, daß ein vereidigter Protokollführer — nicht «in Mitglied des Verwaltungsgerichts — das Protokoll führen solle, da der Richter auf die Verhandlung nderlei, müßte, wird ebenfalls abgelehnt: ebenso «in Antrag des. selben Antragstellers, daß die Beschränkung der Revision aus «ine Rcvisionsjumme von 588 Mk,, beziehungsweise bei perjo. disch vcranlagle» Abgaben auf 188 Mark, nicht stattfinden soll, bei Ungültigkeitsklage» gegen Steuern,
Daraus wird das Gesetz in der Komissionssastung einstimmig angenommen.
Es folgt die Beratung des Gesetzes, betreffend die Bearbeitung der Auseinandersetzungsangelegenheiken in den Provinzen Ostpreußen, Westpreußen und Pose», durih dos die Auseinander- setzungsgeschöste den Behörden der allge,»einen Landesverwaltung und den ordentlichen Gerichte» übergeben werden und die Kneralkommiflion IN Königsberg ausgelöst wird, — Die fio-.iu Mission hat eine Abänderung dahin vorgeironimen, daß auf Antrag eines Beteiligten, wenn er di« Kosten übernimmt und das Verfahren nicht »gebührlich verzögert wird, ein Sachvei ständiger zuzuziehen ist, >De Beschnnndefttst gegen den Bezirks, ausschuß an das Oberlandeskulturgericht wird aus 2 Wochenku beschräntt. Das Gesetz soll nicht am 1 . Oktober 1914, sondern gleichseitig mit der Novell« zum Lanidesvenvaltungsgesi-tz in Kraft treten.
Nach kurzer Debatte wird dos Gesetz einstimmig anaenom.- men.
Es folgt das Gesetz über Zuständigkeit in Schulfache -, durch das der Geschäftsgang vereinsacht wird und Rechtskontro! lcn auf dem Gebiet des Piivatu-nterrichis und Prioatschulw-Zeu - eingeführt werden. In Baulastenongelegenherten tritt das B - schlußversahren an die Stell« des Berwalinngsversahrens. Gegen di« Versagung der Eenehmignng zur Errichtung von Privaischulen und zur Erteilung von Privatunterricht bunt die Regierung soll dt« Beschwerde an den Oberpräsidenten die Nevisi.onsklage an das Oberverwaltungsgertcht zulässig gemacht werden.
Das Gesetz wird ohne Debatte angeimmmen.
Die Denkschrift über die staatliche Hilfstätigkeit ans Anlaß des Hagelwetters im Kreis« Kreuznach im Jahre 1911 wird irr Kenntnis genommen.
Der Rest der Tagesordnung — Minisieriolveisügung iia.r die Fahrkosten der Ausetnandersetzungsbeomken, Kgl, Berobo- nung über Reisekosten der Landgendarmerie, Beschluß d.« Staatsministeriums betr, Ausführungsbestimmungen zu dc-l Rctsekostenoorschristen — wird nach dem Referat des Oberd.i - germeisters Dr. Körte-Köirigsberg ohne Erörterung erledigt,
Präsident o, Wedel: Es läßt sich nach nicht sagen, wo> n das Fitejlommißeejetz Iprurbreii lein oder der.Eist an uns ae-
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langen toitk. Erst dann aber kann ich di« nächste Sitz>mg einberufen.
Schluß %4 Uhr.
Tnyesnberftcht.
Deutlches Zieick.
:: Glückwiinlche für Podbielsli. Unter den zahlreichen Glückwünschen an Podbielski befindet sich auch einen feichen des Kronrpinzcn mit dem Wortlaut: „Eurer Exzellenz bitte ich zum heutigen Tag« mein« wärmsten Glückwünsche entgegennehmen zu wollen. Es ist nrir eine besondere Freude. unt«r Eurer Exzellenz für die große gemeinsame Sache arbeiten zu können, und deshalb wünsch« ich auch besonders herzlich, daß Eurer Exzel. lenz sich noch viel« Jahre der unverwüstlichen und aller verbild, lichrn Frische und Tatkraft erfreuen mögen. Wilhelm Kronprinz." — Der Reichskanzler hat folgend« Depesche geschickt: „Herzliche Glückwünsche dem jugendfrifchcn Siebziger, dem schasfsnsfreudigen und erfolgreichen Vorkämpfer für die Stählung unserer Volkskraft. v. Bethmann Hollweg."
:: Di« Explosion in Berlin. Die Explosion in der Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation soll sich nar. Reiß und vr. Fritzmann ein Abkommen zu treffen, wonach die Landwirte ihre Milch ständig der Untersuchung unterwerfen. Die Untersnchnngs- kosten sind bei regelmäßiger Untersuchung auf 70 Pfennig im Laboratoriuni oder 1 ,H bei Ankunft an der Bahn fest- gelegt worden. Bedingung ist, daß jeder Landwirt mindestens einmal im Monat seine Milch untersucht läßt.
Wie sich die Verhältniffe entwickelt haben, ist es
liMm e'me Wltil für die kandwirte
geworden, seine Milch unter freiwillige Kontrolle
zu stellen.
Den Vertrauensmännern werden in den nächsten Tagen die Aufforderungen nebst den näheren Bedingungen zu- gehen. Mache jeder Landwirt, der Milch liefert. Gebrauch davon, ebenso wird den Ortsaruppen, deren Milch durch Sannnler verschickt wird, empfohlen, die Sammler zur regel- mäßiaen Untersuchung anznhalten.
Nur auf diese Weise, indem die Landwirte beweisen, daß sie eine Kontrolle nicht zu scheuen brauchen, können wir vorerst den fortaesetzten Cbikanen entgegentrften.
Die Geichäktssübrer der Vereinigten Landwirte von Frnnksnrt a. M. und Umgegend.
Hensel. Hirschel.
.Ans fccv Heimat.
* Friedbrrg, 23. Febr. Morgen Nachmittag von 4 Uhr ab findet im Cafs Trapp Künstler-Konzert statt.
* Fricdberg, 28 Febr. Am gestrigen Tage verstarb im besten Mannssalter der in weiten Kreisen bekannte und hoch- geachtete Großh. Scminardircktor Herr vr. Hermann Schäfer. Das hiesige Seminar verliert in dem Entschlafenen einen Mann von seltener Gcistcsgabe.
* Fkicdberq, 28. Febr. Die in Stuben, KUck>;n, Kellern, Läden und Ställen, sowie sonstigen Räumen überwinternden Fliegen sind meistenteils befruchtete Weibchen. Im Frühjahr, bei tvarmein Sonnenschein, bringt jedes Weibchen 100 bis 150 neue Fliegen hervor, diese sind in 2—3 Wochen wre- tcr sortpflanzungsfühig. Die ungeheure Fliegenplage ent- sieht dadurch, daß in einem Sommer 8 bis 7 Generationen folgen. Es ist nachgewicsen, daß die Stubenfliegen die schwersten Krankheiten, wie Typhus, Ruhr und dergleichen, ja selbst Tuberkulose. Pest und Cholera verbreiten. Im Sommer ist die Bekümpfnng der Fliegen säst aussichtslos, da ma» die Brutstätten schlvcr oder gar nicht erreichen kann. Jeder Wassertümpel und jede Pfütze ist eine Niststätte. Wenn man nur ein paar Fliegen im Winter vernichtet, so macht das für den Sommer ungezählte Millionen aus und Mensch und Tiere werden von diesen Plagegeistern und den Gefahren nicht so stark belästigt. Et- wird sich deshalb empfehle», die-
i-.w i n Küchen, Kellern, Ställen »sw. nachzusehen und
_______Teil« 4
diese von der Fliegenbrut gründlich zu reinigen. Am besten
ist es, man kehrt diese zusammen und verbrennt sie als- dann.
* Fricdberg, 28. Febr. Den Besuchern des Central-
theaters steht abermals ein besonderer Genuß ganz eigener Art bevor. Asta Nielsen, die bekannte Filmkünstlerin, bat wiederum im Centraltheater ihren Einzug gehalten. Das dramatische Können dieser Künstlerin ist eniinent und w»ch. tig. Die Direktion des Eentraltbenters hat den Film „Dir Suffragette", mimisches Schauspiel in 5 Akten, gewonnen. In der Hauptrolle sehen wir den Verfasser llrbad Gnd mit Asta Nielsen. Der gestrige Abend tvar abermals stark be- sucht, galt es doch, dieses mimische Schauspiel zu sehen. Jeder Besucher war voll befriedigt von der Kunst Asta Nielsens. Auch das übrige Progran,m ist sehr schön. So z. B. „Das rosa Pantöffelchen". Dieses Lustspiel in 2 Akten, brachte durch die ausgelassene Komtesse wahre Lachsalven. „Der Frühling konimt" und „Auf der Hochzeitsreise", werden alt besondere Einlagen vorgefllhrt. Zu erwähnen sei nach, daß der Hauptschlagcr: „Die Suffragette", 3 Stunden in An- spruch nimmt und ist es daher im Interesse eines jeden Be. snchers, möglichst frühzeitig zu erscheinen. Ein Besuch dieses Riesenprogrammes ist sehr zu empfehlen. Dasselbe läuft noch bis zum 2. März.
* T. V Friedbcrg, 28. Febr. Der Lichtbildervortrag über «inen Gang durch Deutschlands Kolonien findet heute Abend 8 ‘/, Uhr nicht in der Turnhalle des Lehrerseminars. sondern in der Turnhalle der Augusttnerschul« (Eingang vom Schiitzenrain) statt. Eintritt frei für Jedermann.
* Fricdberg Fauerbach, 28. Febr. Anläßlich ihrer Pensio. nierung wurde dem Eisenbahnweichensteller a. D. Stumpf und dem Eisenbahnhilfsschasfner a. D. Born das Allgemein« Ehrenzeichen verliehen.
* Münzenberg, 28. Febr. Nächsten Dienstag, den 3. März, abends 8 Uhr, hält dahier im Gasthaus« „Zum Löwen" der als Volksschriftsteller und volkstümlicher Redner bekannte Bauersmann Heinrich Naumann aus Nanzhausen «inen Vortrag über: „Heimat und Vaterland". Da Herr Naumann kein politisrher Redner ist. so werben nicht nur Männer aller Parteien, sondern auch Frauen und die reifer« Jugend an seinem Vortrage gro. ßes Itereffe finden. Eintritt frei.
* Nonncnroth, 28. Febr. Im hiesigen Steinbruch brach gestern an dem Gerüst, auf dem da? Schtenengleis liegt, ein Holz und der daruf fahrende Rollwagen mit Steinen stürzte hinunter. Unglücklicherweise saß gerade unter dieser Stelle ein Junge von 8 Jahren. Er wurde durch die heraussallen- den Steine am Kopfe verletzt. Der sofort herbeigernfene Arzt konnte feststellen, daß die Verletzungen nicht erbeblich waren.
* IInter-Widdersheim, 28. Febr. Die beiden Verbaf- telcn von dem Eisenbahnanschlag bei Trais-Horloff sind ans ihrer Haft entlassen worden, da eine genauere Prüfung durch die Bahnbehörde, die Sache als ziemlich harmlos hingeffE hat.
* Nidda, 28. Febr. Der hiesige Mefferschmiedemeister R. Schneider 2. war mit Schleifen beschäftigt, als plötzlich der Schleifftein zersprang. Durch ein absliegendes Steinstück wurde Schneider am Kopfe schwer verletzt.
* Unter Schmitten, 28. Febr. Hier wurden vor einigen Tagen di« beiden Schulen aus Anordnung des Eroßh. Kreisgesundheitsamts geschloffen, da unter den Kindern Masern und ander« Krankheiten sehr stark austreten.
* Gieße», 28. Febr. Die seit dieser Woche neue Ausstellung im Oberhessischen Kunstverein hat Sammlungen von Franz Marc-München, welcher der Gruppe der Expressionisten angcliört. O. Ubbelohde-Goßseldcn, E. Biederinann- Jennt, W. Bader-Darmstadt und von unserem einheimischen Künstler Karl Fries auszuweisen. Diese Ausstellung ver- bleibt nur noch 8 Tage einschließlich zweier Sonntage, aus- gestellt.
* Gießen, 28. Febr. Was cS mit der frcisinniaen und sezialdemokratischen Behauptung bei den Wahlen für eine Bewandnis bat, mit der den Grundbesitzern angedicbtctcn Stenerhinterziehnngen, hat sich jetzt an den Finanzämtern durch die Resultate der Wehrsteucr einmal im glänzendsten Lickte gezeigt. Daß die Grundbesitzer die den Wählern vor- geschwindelten Steuerhinterziehungen gar nicht machen können, versteht sich für jeden denkenden Menschen von selbst, denn im ganzen Reiche ist kein Grundstück, das nicht im Grundbuchs verzeichnet steht und dementsprechend zur Steuer herangezogen wird, aber wie die Einschätzung jetzt ergeben hat, haben ungezählte Millionen Kavitalien namentlich in Wertpapieren, in den Kassenschränken und Depots der Banken gelegen und wurden von ihren Besitzern der Steuerbehörde verheimlicht. Während der Grundbesitzer sich iwch das ganze Jahr plagen muß. um aus seinem Besitze etwas herauszuwirtschasten. haben die vom Freisinn und den Sozialdemokraten in Schutz genommenen Kapitalisten nur nötig, die KouponS abzuschne'den und auch dieses wird schließlich noch von den Banken gratis besorgt. Wenn ater wieder eine Neuwahl konnnt, dann haben die sozial- dcmokratisck>en Agitatoren immer wieder die Pflicht, ihre Geldgeber in Schutz zu nehmen und die Grundbesitzer als diejenigen hinzustellen, die dem Staate die Stenern per- weigern.
* Grünberg, 28. Febr. Justizrat Winkel von hier war in einem Nachbarort tätig. Er erlitt hierbei einen schweren Unfall, indem er auf dem Pflaster ausglitt und hinstürzte. Winkel brach den Unterarm und die Hand.
* Frankfurt n. M., 28. Febr. In der Nacht vom 14. 5'"" 15. Januar wurden ans dem GoldwarÄrgeschäst von Pletzich TLnaesgasse, Uhren und Goldwaren im Werte von 28 000 . jedoch im Halse stecken blieb.
Briefkasten.
Rach Melbach. Der 8 12 des Kronkcnveisiche, ,e«s bestimmt, daß das Wahlrecht persönlich ausgcübt weiden muß und daß ein« Vertretung nicht statthaft ist.
Kirchliche Anzeigen.
Evangelische Gemeinde.
Der Kinderyottesdienst morgen Sonntag vormitie-s 11 Uhr fällt aus.
Franksurtrr Wetlerberrcht.
Voraussage: Wolkig, zeitweise trocken, Nachtfrost, nördliche Wind«.
tagsüber mild,
Die heutige flummcr mW 12 Seiten.
Verantwortlich für den politischen Teil: Otto H i r s ch c l, Friedberg; sür den lokalen und unterhaltenden Teil: Bernhard Lenz, Friedberg; sür den Anzeigenteil: Karl Schmidt, Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tages- zeitung", A.-G., Friedberg i. H.
Todes-flnzeige.
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Heute Morgen ist unser guter Gatte und Vater
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im 55. Lebensjahre durch einen sanften Tod erlöst worden.
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Werter AöZneck
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1 Beilage zur „Neuen Tageszeitung."
' ' rs*B.r ' > . . ., ,,., , „ „ , | TO ,|.,„ii „ ., .,, ,, ^ ^
ünmstag, de» 28. Februar 10 l I.
I
Gedenktage.
28. Februar. 1799 Foh. Jos. Jg. Döllinger. kath. Dhcof., »eb. — 1812 Berth. Auerbach, Schriftsteller. geb.
I. März. 1809 Tondichter Chopin geb. — 1837 Georg • Ebers. Schriftsteller, geb.. Berlin. — 187 1 Einzug in Paris. - >
Für Jett nnd OmigKett.
Sonntag Jnvolavit.
8s ging «in Samamt ans, zu fäen Und indem er jaete, siel etliches ans den Weg: da kamen di« Vögel und fressen's
auf. Etliches siel auf das Steinig«, da es nicht oiel Erd« Hatto und ging bald auf, darum dah es nicht tiefe Erde hatte Als aber di« Somit« aafgrng, verwelkt« es, und dieweil es nicht Wurzel hatte, ward es dürre. Etliches sie! unter' die Dornen: und die Dornen wuchsen auf und crstirkterr's. Etliches siel auf ein gut Land und trug Frucht, etliches huabertfälltg, etliches sechsigiältig, etliches dreihigfältig. Matthäus 18, 8—8.
Wieviel guten Samen Hot der himmlische Sämann auch schon in das Ackerland Mlfter Herzen geftreut: Elter,», Lehrer und Freund« woren sein« Werkzeug« dabei, und der heilig« Geist hat nichts versäumt, um unsere Seelen fnr die ewige Wahrheit empfänglich zu machen. Was ist bis jetzt der Erfolg gewesen? Piersoch ist das Ackerfelds Mensch, wie ist dein Herz bestell«' Gehörst d» zu den harten Naturen, bei denen der Sam« des Wortes gar nicht rindringen kam«, so dag ihn die Vögel des Wcltsinns nnd der Zerstreuung bald wieder wegsressen? Oder ist in deinem Herzen noch der ungebrochene Fels des Eigenwillens, der das Wort Gottes nicht tiefer Wnrzel lichtagen läßt, Kommt dann di« Hitze der Anfechtung, so mutz di« Ich.vshe Pflanze des neuen Lebens verdorren. Oder hast d» auf das Unkraut zu wenig acht gehabt, datz der gute Same, der hoffnungsvoll heramouchs, von de» Dornen der irdischen Sorge und Lust erstickt wurde? Ich rate dir, verwahr« dein Herz, datz cs nicht zum harlgeirelenen Wege werde. Sorg« da. für. datz der steinige Grund deines Wesens gelockert werde. Reih dl« Dornen des Weltsimrs mit der Wnrzel aus. Dann kann er auch bei dir heitzcn' Etliches fiel auf «in gut Land und trug Frucht. Je treuer du bist im Anfnebmen und Bewahren der göttlichen Gnade, desto reicher wird auch die Frucht des Geistes in deinem Leben sich entfalten. Nichts Schöneres, als ein wogendes Aehrenftld, das der Ernte «ntgegenreist. Ach, datz auch unser Herz und Leben einem solchen Acker gleichen würde, aus dem aus dem Samen des Mtlichen tzvartes Frücht« des Glaubens und der Lieb« heranwachsen zu Gottes Ehre!
Jalirgk»,»-
Wochenschau.
Das Ende der Zaber» Kouimisfio». — Der Fürst bon Albanien. — Die Poliftk Ruhland's. — Das Ministerium Toiimcrgue. — Deutschland und England.
Einen der Fastnachtswoche würdigen Verlauf hat die Zabe r n - Komission genommen. Sie ist auseinanderge- gangcn, ohne dah das allermindcste erreicht worden wäre. Als der Reichstag in seiner Sünden Maicnzeit dos bekannte Mibtrcttirnsvotnm angenommen hafte, da ist auch die Zahn »-Kommission in's Leben gerufen worden. Den radikale» Elenienten wrir alles lediglich Mache, sie glaubten wie- dcr ein neues Schlagwort erfunden zn haben, mit dein sie die Massen anfpeitschen konnten. Aber cs kam anders. Die ,.DoIks"-parteien haben dieses Mal die Volksstimmung nicht z» ergründen vcrniocht. Nur zu bald erkannten auch Zcn- Irunr und Nationalliberale, dah sie nur als Mittel gebraucht werden sollten, die Parlanientsherrschaft auch bei un? in Deutschland zn errichten. Nnd so begannen sich beide Parteien von der Zabern-Mehrheit zurückzuziehen. Das war die Ursache des Endes der Zaber »-.Kommission. Tie dort
eingebrachte» Anträge liefe» darauf hinaus, die Koinmande- gewalt des Kaisers einznschränken. Sie wurden, trotzdem sich Eliässcr, Pole», Forsichriltler und Sozialdemokraten zusam- »lengcfunden hatten, von der Mehrheit, die sich aus Konscr- vatioen, Zentrum und Nationalliberalcn zusannnensitzte, abgclel»rt und demiit hat die ganze Konnnissiou, die nun mit leere» .Händen vor dein Reichstag erscheinen wird, ein un- rühiuliches Ende gefunden.
In der nächsten Woche wird nrl» endlich der bisherige Prinz zu Wied in der Lage sein, sich nach seinem neuen Fürstentum zu begebe», nachdem er jetzt osftziell die Krone angenommen hat. Die bei dieser Gelegenheit gehaltenen Reden, die auf dos sorgfältigste vorbereitst waren, hörten sich recht schön an, sowohl das Programm des neuen Fürsten, wie auch die Versicherungen der Deputation: es handelt sich eben „nur" darinn, wieviel von alledem in Erfüllung geht. An dem Pflichtgefühl des Fürsten besteht kein Zweifel, etwas anderes aber ist es, ob die Albaner ihm, wie jetzt durch den Mund Essad Paschas gelobt, auch auf die Dauer treu bleibe» werden. Vor Antritt der Reife nach Dnrazzo hat der Prinz sich erst noch nach Petersburg auf den Weg gemacht, um dem Zaren einen Besuch abzustatten »nd mit den leitenden Persönlichkeiten zu konferieren. Dieser Schritt ist mir zu be- grühen. eS hätte sonst Befremden erregt und die Mihstün- niung der Russen hervorgerusen, wenn der Prinz diesen Höslichkeitsakt unterlassen hätte, nachdem er anderen betei- ligtcu Monarchen seine Auflvartung gemacht hat. Dies »m so mehr, als man weih, daß Rnhland es in erster Linie ge wesen ist, das der Schaffung eines albanischen Pufterstaates grohe Schwierigkeiten gemacbt hat, weil es Serbien protegierte nnd diesem gern ein Stück Landes an der Küste gesichert hätte.
In der Poliftk Riihlands selbst scheint man un der Newa eine Neuorientierung vornehmen zu wollen, sowohl nach innen, lote »ach außen. Sehr auffallend ist eine Ansprache, die der Zar über die innere Politik im Ministc'rrate gehalten hat, von der einiges dnrchsickert, während anderes wichtiges vielleicht verschwiegen bleibt. Der Zar ermahnte die Minister zur Einigkeit, was darauf schlichen läßt, dah es in den letzten Monaten im Ministerin!» zu lebhaften Auseinander- setzungen gekommen sein muh. was auch das Ausscheiden Kokowzews sehr erklärlich macht. Des weiteren bemerkte der Kaiser, er wünsche, dah das Ministerium gute Beziehumwu zur Duma unterhalte und schlietzlich warnte er Var unnötiger Anlvendung des Notparagraphen bei der Durchbringung neuer Gesetze. Die Veröffentlichung dieser Erklärung ist Wohl in bcstiminter Absicht erfolgt, man will bei der Duma gut Wetter machen, da neue Wchrftorlagen ansteheu, die gcohe Kosten erfordern und in den Reihen der Abgeordneten hierfür keine allzu grohe Geneigtheit besteht. Bemerkenswerter Weise erstrecken sich die geplanten militärischen Mah- nahnien Rußlands auf die Westgrenze, die Gefahr im Osten scheint man ganz vergessen zu haben, man will wohl das Schwergewicht der russischen Politik wieder nach Europa legen und es steht leider zu erwarten, dah nian trotz aller Abkommen nnd schöner BesuchSreden Rußland nicht an der Seite Deutschlands sehen wird. Der Panjlaviswus hat in Petersburg Oberwasser und hoffnungsvoll sind die Blicke nach Frankreich gerichtet.
Bei unseren! westlichen Nachbar schwebte in den letzten Tagen dos Ministerium Dounicrguc in der Gefahr, n-.-ch kuizeni Dasein wieder in die Versenkung zn verschwinden.
Der «ntjetzliilie Gesundheitszustand in einer ganzen Reihe von Garnisonen war Gegenstand einer Kammeriutei pella- tion, und hätte das Kabinett nicht der verlangten Paria- mentskoniniisfio» zugestinimt, so wäre ihm Wohl schlverlich ei» Vertrauensvotum erteilt worden, mau lieh diesmal noch Gnade vor Recht ergehen, weil man sich sagt, dah das Mini- sterinin a» den bestehenden Verhältnissen kaiun Schuld trag« und dah seine Tuncr überhaupt nicht gar so lang bemessen bin wird, da eS fkf) lvohl nur um ein Uebergaiigskabinrtl lüindclt.
Im Gegensatz zn Rnhland und Frankreich ist wohl England, trotz iriner Zugehörigkeit zur Triple-Entente, ,n.he den,, je bemüht, mit Dentschland auf möglichst guten, F.ihe zu leben. Dies zeigt sich auch bei den Verhandlungen über die Abgrenzung des Kolonialbesitze?, die nach den neuesten Meldungen sehr günstig stehen sollen. Damit wären .vi, in der Besserung der beiderseitigen Beziehungen eine Etapsi, Weitergcrückt.
Teilzahlungen.
Eine juristische Plauderei.
Bon Dr. Hans Liesl«, Leipzig.
In einem Waiddörfthen Thüringens lebt schlecht und recht «in Schweinchlrte. Da fein Berus nicht oiel abwirst, und d,a regsam tetriebene kleine „Huirdemfjt"--Sammlung seiner uu. ermüdlfchon Ehehülste anch täglich schlechter «nttert, so g«. 'lchieht cs, datz mitunter das Brot zum Slopfen der fünf Huna- rigen Kindermäulrr «usgeht. Denn die Mildtätigteft der Menschen. ist leine verläßliche Größe, und wer aus der Nachbar, schost Schlveinehirtens Immmn sieht, den treibt die Furcht vor der Bitte UN, einen Almosen nutzer Sehweite. Schlietzlich, al, di« Not allzu arg wird, rusch! di« Leut« behördliche Hilfe au. Da» bringt fünf Dorfgemeinden gleichmäßig in Wallung: zwei, ernhalb Fahr lang feilsch«!! sie unter einander um den Unter« stützungswohnfitz des asten Schweinehirtei!, emsig bestrebt, di» Last auf die andern abzuwälzen. Endlich schlichtet di« grötz!« der Gemeinden den Streit, indem sie den Knoten durchschneioet und Schweinehiltens das Armenhaus zu dauernder Wohnstätte «nweist. Doch nicht genug damit. Nein, der Gemeiner«! bc. schließt noch obendrein in seiner nächsten Sitzung, den neuen Arme »Hausbewohnern eine einmalige Unterstützung von fünf Mark zu gewähren, die tags darauf der Eemeind«di«ner den von solch hoher Gnade schier geblendeten Armenhäuslern gegen Quittung behändigt. Eines Morgens aber, da der Vorslaud die Strotze seiner Gemeinde abschieitet, macht er verdutzt vor dem Armenhaus Halt. Die verführerischen Weisen der Dollar- prinzefsin tönen ihm entgegen. Er traut seinen Ohren nicht: der Klang kommt wahrhaftig aus dem Armenhaus! ......
Di« Mädche aus purem Gold . . . jubelt es gerade, da er. greift er die Klink« .... und wird zur Salzsäule. Regungslos
starrt er auf den Tisch vor ihm. Daraus steht ein funkelnagelneues Grammophon uned schmettert seine ftohen Weisen in dt« Welt hinaus. Den Schalltrichter aber umlagern mit strahlen, den Augen und halboffenem Munde der Schweinehirt samt Frau und Sprötzlingen. Nachdem sich der Ortsgewaltig« von dem Anblick langsam erholt hat. schreitet er zu pflichtgemäßer Vernehmung. Sein düsterer Verdacht wird dabei Gewlhhcitl das Grammophon vor ihm st die seltsam« Frucht, di« die behördliche Enadeusumm« hat reifen lassen. Schlveinehirtens Habelt nach Empfang des Fünsmorlstückcs rm Familienrat einstimmig beschlossen, der Traum des musiksvohen Vaters solle sich endlich erfüllen, und so ist man gemeinsam zur nahen Kreisstadt ge. wandert, um dort gegen 5 Mark Anzahlung für 43 Mk. den hungcffchenchenden Tonfpender zu laufen. Nicht häufig wohnt solch hoher, leiblichem Frohndienst abgewanbter Sinn in me- d.rer Hütte. Darum I>aho ich di« Begebenheit, wie sie sich vor
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den 12. Februar 1914.
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eitrigen SUot^cn ereignete, hier wahrheitsgetreu festgehalten. Jetzt aber ruft uns der Musikalienhändler, dem bei der unsiche. teil Geschäftslage seine» Kunden um seinen Kaufpreis bangt, zurück zum lärmenden DafeinLkampf. Ob der Berkaufer Schivei- nehrrtenr nicht twrnit«? Gewiß kannte «r sie, aber eine plötz. lich: Hingebung hieß ihn dennoch handeln wie er tat. llnd nun will er plötzlich fein Grammophon wieder haben. Er fordert daher den gesamten Rcstkaufprei», im Innern überzeugt, mau werde ihn nicht auftreiben können und deshalb das unter Eigentnmsoorbchalt oeräußert« Instrument zurückgeben müssen. Um diesem Begehren einen Schein des Rechts zu geben, schreibt er, einer Einrede des Käufers vorzubeugen: „Zu Teilzahlungen sind Sie laut Gesetz nicht berechtigt." Schweinehirten» stehen nun allesarnt vor einem Rätsel. „Zu Teilzahlungen sind Sie nicht berechtigt", was kann das heißen? als ob der Mann nicht froh sein könni«, wenn er auch nur noch einige Stauf bekommt! Hat beim der Instrumentenhändler wirklich recht? Rein, ganz und gar nicht. Freilich, im Gesetz« steht klipp und klar behaup. l.t, daß der Gläubiger Teilzahlungen nicht anzunehmen braucht, Gitläreu aber di« Parteien im Bertnrge: „Unbekümmert um
las Gesetz wollen wir auch Teilzahlungen in der und der Höh« gelten lassen", so regiert dieser deutlich bekmchete Wille, nicht ober der Gesetzcsdext, der vielmehr regelmäßig nur dort Herr- scheu will, wo ihm der Mangel unzweideutiger Abreden solche Herrschaft einräunrt. Rur den Bertrvgswillen auslegen will unser Recht, nur Zweijel lösen Dill es, nicht aber unser« freien, bestimmten deutlich bekundeten Entschlüsse knebeln. Woraus des Grauimophonoerkäufers betrübiche Pflicht herausschaut, der Abrede mtt dem Käufer gemäß z» warten, bis zwei aufeinanderfolgende Raten unbezahlt bliebe«, bevor er sein Grammophon vom Armenhause wieder abholen kann. Ratürlich werden de» Schweinehirten Kinver naterdetz Sorge tragen, daß das Instrument an Aehnlichkeit bis dahin eingebüßt hat. Vielleicht krönt der Verkäufer feinen Wagemut dann durch Erhebung üner Schadenerjatzklag«, di« er mtt Sicherheit gewinnt. Wir gratulieren zu diesem theoretischen Erfolg und merken uns da. bei: Wenn die Parteien nicht ausdrücklich oder stillschweigend das Gegenteil abmachen, gilt für da» Rechtsleben der Satz: „Der Gläubiger kann Teilzahlungen zurückweisen". Zum Bet- lpirl: es sagt unser Mietskontrakt: „der nicht binnen acht Tagen nach Fälligkeit geleisteter Zahlung de» Mietzinse» kam» -er Vermieter fristlos kündigen". Schicken wtr da dem Hauswirt statt der Quartalsmiete von 300 Mk. nur 250 Mk., so setzt ihn da» Recht ln die Lage, die vorbehaltlos? Annahme de» Gel. <* zu verweigern und nach Ablauf der Frist RSumung der Mietwohnung »» fordern. Früher durfte» dt, Richter verschi». oentlich dem Schuldner bei der BerurteUmM Zahlungsfristen bewilligen, jedoch ist dies« Befugnis dem modernen Recht zum Opfer «fallen: etzt bindet vielmehr auch da» Gericht da» Grundprinzip: „Der Schuldner ist r» Teilleistung» nicht be. rrchtigt." Lächerliche, für da» Interesse de, Gläubiger» gLnglch bedeutungslos« Differenzen dürfe« allerdings trotz allem nicht gegen den Schuldnern r usgebeutet werden, den« andere au» purer Ehikane zu schädtgen ist verboten. Deshalb hat bot. fpislswetse der Hauswirt nicht das Recht der Kündigung, wenn on dein Mielzins etwa bloß das Bestellgeld fehlt.
Ans aller Welt.
Der Kaiser sandte solgendes Telegramm an di« Witwe de»
verstorbene» erst kürzlich zum Gouverneur von Metz ernannten lmneralleutnants von Lindenau: ,Zu dem plötzlichen, mich lies d-l! übenden Tone Ihres Gatten spreche ich Ihnen meine herzlichste Teilnahme aus. Ich habe den Entjchlaseuen, den ich seit langen Jahren kenne, als Soldaten und Menschen hochgeschätzt
und habe noch grvhes von ihm erwartet. Sern Tod ist für mich und die Armee ein herber Verlust. Gott sei Ihnen und de» Ihrigen mit setnom Tröste nahe."
Trömel kehrt zurück. Der frühere Bürgermeister von Usedom und ehemalige Fremdenlegionär Tröinel weilt zur Zeit in Zürich. Er gedenkt demnächst nach Deutschland zurückzukehren.
Verhaftung ein»» bekannte» Verbrechers. Bei einer gestern Abend dorgenommenen Razzia durch die umliegenden Waldungen von Bottrop, wurde der bekannte Essener Ein- und Ausbrecher Spiclenbom, ein intimer Genoss« des Räuberbauptmaim» Strathmann. frstgenommen.
Freiwilliger Flammentod. Wie aus Amiens gemeldet wird, hat sich dort die Gattin des Direktors der Handelsbank Frau Desseaux, unter den tragischsten Umständen den Tod gegeben. Am gestrigen Bankfeiertage gelang es ihr. in das Barrkgcbäude einzudringen. In der steinernen Vorhalle entkleidete sie sich vollkommen, hüllte sich in ein mit Benzin und Petroleum getränktes Bettlaken, das sie anzündete. -ftne>ksam gemacht würden. Der Tod muh unter fürchterliche» Oualen. jedoch verhältnismähig schnell eingetreten sein. Erst cm Abend entdeckten die Nachtwächter der Bank dir völlig verkohlte Leiche der Frau ibres Direktors.
Tod auf dem Balle. Auf einer von Männergesangver- ein in Steele veranstaüeten Maskenfestlichkeit, brach die Frau eines dortigen Bürgers, Mutter von acht Kindern, während des Tanze» vom Schlage getroffen zusammen und war in wenigen Minuten tot. Die Festlichkeit wurde sofort abgebrochen.
Girßener Standesamts-Nachrichten.
Aufgeb otea«.
Febr. 20. Ludwig Friedrich Heibertshausen, Srbmledemei- sler i« Lollar, mit Maria Klinket in Eichen. — Wilhelm K
August Beck, Bankbeamter tu Greiz, mit Luis« Emma Adele Michaeli» in Wiesbaden, — Artur Kurt Apitzfch, Eeschüstsrei. fender, mit Greta Klara Adele Dickor«, beide in Eiehen.
Febr. 21. Heinrich Karl Freihöfer, EiseubahneHilfsschajs «er, mit Anna Luise Käddiug, beide in Eiehen.
23. Rudolph Karl Johann Hol >>Iin, Theatenneister, mit Maria Diehl, beide in Gießen. — Johannes Born, Viehhändler, mtt Karoltne Heidelbach, geb. Böller beide in Gießen.
Fsbr. 25. Michael Blum, Rangierer iu Frankfurt a. mtt Marg. Suohhau» in Gießen. — Wtlh. PH. Richard Sorger, Bankbeamter in Gießen, mit Eltfabethe Kath. Buß in Leihgestern.
Febr. 26. Wilh. Heim. Joh. Eg. Ed. Adolf Reibeling, Ge. fchäftsreiiender. mt Elise Hofmann, beide in Gießen. — Ludw. Kstogler, Hotelier in Eietzen, mit Mari« Antoinette Fischer geb. Breidbarth in Soden i. T. — Emil Dietz, Bankbeamter in Gieße», mit Hedwig Minna Blenck« in Magdeburg.
{ Eheschließungen.
Febr. 21. Karl Weber, Bürogehilfe, mit Lina Luise Witz Helm ine Kiauskops, beide in Eießea. — Ludwig Emil Kurt Schreibet, Nahrnngsmittel-Chomiker und Apotheker in Erfurt, mit Elise Marg. Spuck in Gießen.
Febr. 25. Johanne« Miaus, Taglöhn«, mit Elisabeth« Weigel, beide in Gießen.
Geboren«.
Febr 20. Dem Hauptmann Erhard Wegkli ein« Tochter, Ellen Rosa Anna. — Dem Taglöhner Wilhelm Will« ein Sohn Rudolf.
Febr. 2t. Dem Buchbinder Karl Weber «ine Tochter, Htl, dcgard Mari« Theres«.
S t« r brsäl f«.
Febr 21. Willi Schott 11 Monat alt, Schisfenbergerweg 83.
Febr. 2t. Elisabeth« Weither, ged. Brusius, 69 Jahre alt, Landgraf Philipp-Platz 10. — Johannes Jakob Karl Helles 10 Monat alt, Credenerftrahe 16. — Kath. Appel geb. Schiefer, stein 73 ahr« alt, Eteinstrahe 47 o.
Febr. 25 Johann Richard Dsroafe, Stdenl, 2t Jahr« alt, Wikhelmstraße 3. — Julie Saun, geb. Werner. 65 Jahr« alt, Bismarckstratz« 10.
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9t»e lag«** im«*. eunu(, Um SS. yttesat 191t.
Seite 3.
ZUM Pfiugrisen.
Roman von M. Prrgge-Brook.
35 (Forffetzung).
Bei Tisch ließ seine Schwester sich nicht sehen. Sie sei angegriffen und müsse sich ausruhen, berichtete Luise. Heinz wußte besser, was Roseinarie fehlte. Sie scheute sich, ihm Rcdc zu stehen. Aber das sollte ihr nichts nützen. Nach Tisch trat er, ohne cmzuklopfen, in rhr Zimnier. Sie lag ans der Chaiselongue und hielt die Augen gesenkt. Heinz blieb vor ihr stehen.
„Ich komme, Dich zu fragen, ob Du meine Braut auf- inhmen willst?" sagte er laut.
Als sie nicht antwortete, sondern zu weinen anfing, wiederholte er seine Frage lauter, in drohendem Tone. Die Schwester ängstigte sich. So hatte sie ihren Bruder noch nie gesehen. Sie sollte noch niehr erstaunen. Auf ihrem schlicht Vorgcbrachten Cinwand, daß sie Mary nicht kenne und nicht kennen wolle, fuhr er sie heftig an:
„Mas hast Du gegen mein« Braut? Ich wünsche es zu wissen, was Du ihr vorwirsit!"
Sein grober Ton gab Rosemorie den Mut zurück. Fetzt suhlte sie sich wieder überlegen.
„Ich habe nichts gegen sic!" antwortete sie, den Ton auf dem Wärtrhen „sie."
„Dann also gegen wen? Heraus damit!"
„Du hast inir selbst geschrieben, die Mutter —*
„War eine gottverlassene Person", ergänzte der Doktor Locken. „Möchte wissen, was das mit Mary zu tun bat!"
Rosemorie vergaß Groll und Zorn. Des Bruders Auf- sossung z-'igte ihn ihr um fünfzehn Jahr« jünger. Sie sah, er hatte an nichts gedacht, sie mußt« ihn aufklären. Sie gab sich die größte Mühe, gelassen zu bleiben und den Verblendeten zu überzeugen, daß sich der Eltern Sünde an ihren Kindern räche. Darum und nur darum allein könne sie Mary nie ihr Herz öffnen. Sie werde die Angst vor der Zukunft nicht los.
„Ist jetzt die Zukunft Dein Popanz, wie ehemals die Vergangenheit?" rief Heinz, rmsäglich gereizt. „Dahin vermag ich Dir nicht zu folgen. Ich sagte Dir schon, ich bin ein Kind der Gegenwart. In ihr suche ich mein Glück. Mein Glück heißt Mary, sie muß ich mir erringen. Ich warne jeden, mir entgegen zu sein."
„Sprichst Du so zu Deiner Schwester?" rief Rosemarie empört.
„Wenn die Schwester der Braut des Bruders di« erfor-
derliche Achtung verjagt!"
„Es handelt sich nicht um Achtung, hier steht mehr auf
dem Spiele."
jawohl, die Liebe ztveier Seelen, die sich einander angelobt. Du wirst inich nicht hindern", fuhr Heinz unheimlich ruhig fort, „Du kannst nur meiner Braut den Aufenthalt unmöglich niachen. Meine Frau zieht in vierzehn Tagen im Pklugeisen ein, danach richte Dich!"
„Du weisest mich sort?" rief Rosemarie außer sich.
„Das Pflugeisen gehört deig Sohn und Erben, die Töchter und Nachgeborenen haben Heimatsiecht. Der Hausfrauposten gebührt meiner Frau. Ich werde ihn mir fordern müssen."
„Lieber perkaffe ich das Haus, in dem ich all geworden bin. ehe ich mich ihr beuge."
JB o gehe!" _ . ......
Er sprach fern anderes Work, als er hochaufgerichtet das Zimmer verließ. Hinter ihm sank Rosemarie auf den Boden und weinte, als ob sie sterben muffe.
Man begrub den alten Ehlers mit großer Feierlichkeit. Die ganze Stadt nahm Anteil, Vereine mll ihren Fahnen, irr Lrirgerverein mit Musik, die frommen Brüderschaften leider Keiisessivticn folgten der Leiche des alten Herrn, der vielen in der Stille Gutes getan. Sein Vermögen fiel nach seiner letztivilligcn Bestimmung den Armen zu, doch hatte Rosemarie Sebald die Nutznießung.
Unmittelbar noch der Beerdigung reiste Heinz ab. ohne
mit sein« Echtveft« gesproche» zu haben. Umsonst suchte Luise zu vermitteln. Erna. tue « gar mcht beachtet, weinte sich die Augen rot.
Sie verzweifelte an Tante Rosemarie und fmid dock, nicht den Mut, ihr zuzureden, seit ste sie hart ansietz und meinte, sie sei der Belehrung entwachsen.
Da an der Tatsache von Heinz' bevorstehender Heirat nicht länger zu zweifeln war — er hatte von Wien aus schriftlich den nächsten Verwandten sein« Absicht mitgeteilt unter Darlegung der Gründe, die ihn zu schnellem Handeln zwangen — bereitete Rosemorie ihren Umzug vor. Eigensinnig. Luisens Zureden schroff zurückweisend, verschloß sie ihr Herz jeder weicheren Regung, obschon sic sich grämte und härmte.
I» ihrem schwarzen Trauerkleid, geisterhaft blaß, empfing sie die Besuche ihrer Verwandten und Bekannten, die neugierig zur Gratulation herbeieiltrn. Sie ließ kaum einen von ihnen zu Worte kommen. Schroff, wie iwch nie in ihrem Leben, erklärte sie mit Heinz Absicht nicht einverstanden, weshalb st« der neuen Schwägerin dos Feld räume.
„Das wirst Du nüU tun. Rosemarie. Ich bitte, ich beschwöre Dich, es wäre das allererste Mal, daß di« Sebalds sich veruneinigten. Das darf nicht sein!"
Tante Julie hob abwehrend beide Hände: sie schüttelte entsetzt den Kopf, auf dem die Haare weiß schimmerten,
„Ich kann nicht anders", entgegnet« Rasemgrie der- schlossen. kann nicht gegen meine Ueberzeugung, Heinz muß mit diesem Mädchen unglücklich werden, das will ich ti>enigstens nicht mit ansehen. Für meinen Bruder tvar mir das Beste kainn gut genug, und nirn.. .."
V ine sie erst kennen, ehe Du urteilst. Dem Bilde nach fft Heinz' Braut ein liebliches Geschöpf. Man kann ihn Wohl verstehen", beruhigte Hart.
Aber Rosemarie ließ sich weder beruhiaen noch trösten. Ganz in ihren eigensinnigen Groll verliest, verhärtete ste sich selbst gegen die Sttmme der Vernimft, die ibr zuweilen zuraunte, daß das. was ste zu begehen im Begriff, ein Unrecht an dem Bruder sei.
Im Zorn und Aerger war er abgereist, sein ketzies Wort an ste hieß: „Geh'!" An das Wort klammerte ste sich. Er batte ste von ihrem Platz verwiesen, den sie mehr als ein Dierteljabrhundert inne gebabt, nun ging sie unweigerlich, ob auch ihr Herz fast brach.
Das Ptlugeisen batte noch einen zweiten Stock, der ehemals, als die Familie zahlreicher gewesen, den «rtvachsenen Söhnen und Töchtern zum Ausentbalt« dient«. Zeitweilig bewohnte wohl auch ein junges Ehepaar di« »Veiten, aber niederen Räume.
Ste gllcheu den unteren in Anordnung und Einteilimg aufs Haar, wenngleich sie eintacher ausqestattet waren. Auf den zweiten Stock richtete Rosemarie ibr Augenmerk. Das Haus zu verlassen, ging Uber ihre Kraft, auch br.ruchte die Firma sie nötig. In aller Eile mußten .Handwerker heran, die hämmerten, klopften und vockten nnd zu der alte» Mo. nika Entsetzen eine greuliche Veiwirrnng ins Hans brachten. Ehe vierzehn Tage veroangen, war oben alles fertig, die Ans- Inder stellten die Möbel um und trugen aus der unteren Etage, was Rose als ihr persönliches Eigentum ansah. Es war nicht viel.
An eine engere Teilung batten die einigen GeV'witter nie gedacht. So fanden sich nur einige bübscsie Stücke. Ge. schenke von Heinz und die Möb»l des allen Ek'lers. die sein Eigentum gelvesen und an seine Erben übergingen, kFortlehung solgtl.
Kirchliche?!n--jgcn.
Gvangeliicke Gemeinde.
Sonntag Fnvocaoit, l. Mörz, kottesbirnst in der StaLttirchr
33orm. !);: Uhr: Herr Pfarrer Kl« beiger.
Rachm. 2 Uhr Herr Kandidat Bornscheuer.
Nächsten Donnerstag Abend &% Uhr in der Stadtkirche- Abendmotette.
Gottesdienst in Ur Snrgkirche.
Simm, ii ui)t: Kindergottesdienst: Herr Pfarrer Ritter. Nachm, halb 8 Uhr: Herr Psarrer Dl« hl.
Nächsten Freitag beginnen die Passionsandachten in dir Burgkirche.
Nächsten Sonniag Abend wircd in der Burgiirchr das hl Abendmahl gefeiert.
koticsdienft im Stadtteil Fauerbachs Gottesdienst im Siadttril Fauerbach.
Vorm Iv Uhr: Herr Psarrer Zatzinann Nachm. 1 Uhr: Jugendgottesdienst.
Kaihohpil» Gemeinde Erster Fastensoimtog. 1. März.
Gelegenheit zum Beichten Samstag nachmittag uom I Uhr Sonniag früh von M6 Uhr an.
M7 Uhr: Frühmesse.
8 Uhr. Militärgottesdienst.
(MIO Uhr: Hochamt mit Predigt.
Rachm. SK Uhr: Rosenkianzaiidachi mit Segen In der Faftanzeit ist jeden Dienstag Abend !48 Uhr Fasten, a»dacht, Freitag Abend zur gleichen Zeit Kreuzivegondachi.
Feierabend Friedbcrg.
Jeden Sonntag abends von 8—jiü Uhr Versammlung Sonntag, den 1. März: Theaterprobe.
^ „Feierabend" im Stadtteil Fauerbach,
Jeden Sonntag: Spiet- und Lejeadend
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Sonntag, den 1. Münz, nachm, halb 4 Uhr: Vorstellung bei ermäßigten Preisen: „Ein Walzettroum". Außer Abenn, — Abends 7 Uhr: „Der Corregidor". 18. Vorstellung im Sonn» iag-Aboun. Drohe Preis«.
Montag, den 2. März, nachm. 4 Uhr: „Parsisal". Außer Abonn. Große Preise.
Dienstag, den 3. März, abends halb 8 Uhr: „Violeita ie goldenen Pal. men", 16. Vorstellung im Mittwoch-Abonn. Gew. Pr
Spielplan des StadtihraterS in Gießen Sonntag, den 1. März, »achm. halb 4 Uhr: „Alt.Heidel-
berg". Kl. Pr. — Abends halb 8 Uhr: „Wie einst im Piai". Gew. Preise.
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Jetzt regte die Frage die Gemüter auf: wie kommen wir durch Jasfa's Klippen? Vor denselben zagten auch Männer. Man versicherte, „das Wasser ist so ruhig wie fast nie." Das war also nicht einnial der Aufregung wert. Aber das Einladen in die Boote sah ein wenig gruselig aus. Man riet mir, mich nicht zu wehren, und das war ein guter Rat. Ich flog so schön durch die Luft von vier Araberarmen gepackt. Sie setzten mich etwas unsanft auf ein schwankes Brett. Die Araber mit buntem Wechselgesang und Geschrei ruderten mit kräftigen Schlägen, der jüngste, rot bekleidet, ruderte stehend. Cr arbeitete sich iu eine. Extase hinein. „Allemann gutt, Hallcniaun, Allemann. Hallemann, Allemann — gebe Geld, gebe Geld, gutt, gutt, alles gutt." So passierten toir die Klippe nnd kamen an das Land.
Auf dem Wege zuin Bahnhof erledigten wir auf der deutfclren Post die Angelegenheit mit den sortznschick-uden Postkarten. — Der Ansichtspostkartenkauf verdient auch wahrlich einer Erwähnung. Er fand 2 Tage auf dem Schiffe statt. Eine geradezu unübersehbare Fülle der verschiedensten Ansichtskarten des gelobten Landes lag dort auf 2--8 Tischen
anSgcbreitet. Eine Menge Menschen saßen, standen um diese Tiscbe. Die einen ordneten, die anderen warfen durcheinander. Jeder suchte, seufzte, schwitzte, mit Respekt sagen, und — schon .nieder kann ich etwas lobendes vu>, meinen Mitmenschen melden, man bekam pon ganz fremde» Menschen geholfen, daß man zu den Karten gelangte, di: man gerade wünschte. Tann, ganz erschöpft, verl'c'ß man den Raum.
Nachher, nämlich nach dem Besuch der deutschen Post zu Jaffa, folgt daS, was ich gern wieder geben möchte, was mit aber gänzlich unmöglich ist. Meine Mitreisenden hörte ich zum Teil später sagen: „Jaffa hat mir nicht gefallen". Ich kann vor mir nur sagen, ich war ganz entzückt von diesem bunten Leben. DaS war der Orient, der mir farbvoll, lebendig zum ersten Male fast überwältigend vor Augen trat. Ich siel beinahe in Löcher, verirrte mich beinahe, soviel halte ick zu sehen. Kamele schritten durch die Menge. Diese Tiere die manche Menschen für häßlich erklären, haben für mich etwa? anziehendes. Sie passen vortrefflich in ihrer sichere» Würde zum Araber, auch crlchicnen sie mir nicht nngraziöS Die Eingeborenen, ich sagte vorhin Araber, dies war abei vielleicht eine falsche Bezeichnung, Shrer oder eine Mischrasse sind sie wohl, schleppten vom Schiff bis zu>n Bahnhof oft gonz ungeheure Lasten auf dem Rücken. Drei große, schwere Koffer auf einnial. Sic hatten zwar ein Sackleinen als Schutz ans dem Rücken und Polster unter den Armen, mehr aber nicht. Sie bekamen dafür Abends einen Hammel geschlachtet, etwas Geld und Reis, worauf sic sich freuten,
Endlich, später >nie beabsichtigt, fuhren wir los. Es wae Freitag, aber durch die Verzögerung konnten N>ir bei unserer Ankunft in Jerusalem die Klageinaiicr nicht mehr besichtigen, Die Dahn ist französisch), dg? Dampfroß aber aus Deutschland bezogen. Der deutsche Geistlirls'e ckiis Jaffa*) liid »ns ein auf dem Rückweg einer Grundsteinlegung eines Krankenhauses bciznwohnen.
"j Anmerkung: Pastor von RabcnMi.
(Fortsetzung folgt).
Aus dem hcf). Landing.
I. Kammer der Stände.
Der 2. Präsident Fürst Solms Lich cröftnet die Sitzung mit IO 14 Uhr und wird als erster Gegenstand die Riick- üußerung der zweiten Kammer zur BcsoldungSvorlage beraten. Der Berichterstatter des Finanzausschusses Fürs! Jsenburg-Bierstci» erklärt, da Wohl auf allen Seiten die Absicht bestehe, der Sache zu diene» und das Werk in irgend einer Form zum Abschluß zu bringe». Man habe sich zu- uächst mit der Besoldung der Volksschullehrer besckiästigt und beantrage un Einverständnis mit der Regierung das Höchstgehalt auf 3600 c4i festzusctzen.
Staatsminister Dr. v. Ewald begrüßt diesen Beschluß als einen loyalen Schritt der Verständigung,
Fürst Isenburg Birrstcin richtet nach dieser Erklärung
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So schreibt das „Eichsfelder Tageblatt" unterm 6. November 1913:
Wieacnfeld, 5. Novbr. Im Laufe de> Sommers wurde vielfach von grossem Hafer geschrieben, aber vom Ern teertrag wurde leider wenig berichtet. Auch liier in der Eichsfcldcr Schweiz wurde grosser Hafer gezogen; so erntete Herr Franz Fiege von 50 kg Original Siegfrieds allcrfrixhestcn August- Hafer-Aussaat 1617 kg — 32 Ctr. 34 Pfd., also den 32fachen Ertrag. Da rede man noch vom armen Eichsfelde.
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i Ausführungen verschiedener Redner bemerkt
Abg. Auler-Bensheiin (Natl.), daß man im Volke es lischt verstehen konnte, warum die Regierung das Projekt an einer verhältnismäßig kleinen Summe scheitern lasse. Er habe nur den Wunsch, daß die Bahn jetzt endlich elektrisch, oder wie sonst gebaut werde, da man ein gutes Recht darauf habe.
Damit ist die Besprechung erledigt. Nach der Pause wird niitgeteilt, daß von seiten der ersten Kamnier eine Rück- außerung zur Besoldungsordnung noch nicht vorliege und daß man abwarten wolle, bis das andere Haus sich auch zum Bcsoldungstarif geäußert habe.
Staatsminister Dr. Ewald erklärt hierauf die heutige Meldung der „Frankfurter Zeittina" iiber die Gerüchte, wonach die preußische Regierung sich hinter das hessische Mini- sterium gesteckt habe, damit in der Lehrerbesoldung ein gewisses Maß nicht überschritten werde, für total unrichtig und aus der Luft gegriffen, init demselben Recht könne man aus der Anwesenheit des russischen Gesandten in der beutioen Kammerfitzung darauf schließen, daß auch die russische Re- oierung ähnliche Schritte getan habe.
Verschiedene Gegenstände der Tagesordnung werden dann niif Wunsch abgesetzt, andere nach den Anträgen der Ausschüsse erledigt darunter auch der Antrag der Abg. Köhler und Gen. bcft. die Revision der Allgemeinen Bauordnung.
Eine länger Debatte entspinnt sich wieder bei dem Antrag Leun und Gen. beft. die besiere Kenntlichmachung der Kraftfahrzeuge. Der Ausschuß hat beantragt mit Rücksicht auf die zu erwartende Verordnung den Antrag vorerst für erledigt zu erklären. Der Antragsteller Abg. Leun (Bbd.) be- gründet den Anftag mit dem Hinweis, daß es nottoendig sei, die Nummern größer und deutlicher zu machen, um bei Belästigungen und Ueberschreitungcn der Automobilisten die Führer feststellen zu können.
Abg. Grünewald (Freis.) widerspricht dem Antrag der verkehrsfeindlich und von der allgemeinen Feindschaft der ländlichen Bevölkerung gegen die Auto? eingcgeben sei.
Ministerialrat Hölzinger erklärt, daß die gesetzlichen Fahrvorschristen von beiden Seiten nicht eingehalten würden, daß dieselben jetzt aber einheitlich geregelt würden.
Abg. Wolf-Stadecken (Bbd.) bestreitet ganz entschieden, daß der Bauernstand outomobilfeindlich gesinnt sei, man wisse ganz genau den Vorteil der Autos zu schätzen, tatsächlich werden aber die Vorschriften über die Fahrgeschwindigkeiten von den Autos nicht eingehalten, was meist zu großen Nachteilen und Mißständen sichre. Man solle doch auf den Bauer etwas mehr Rücksicht nehmen, der doch dasselbe Recht auf die Straße habe. Zu bedauern seien die von denc Bundesrat herausgcgebenen Fahrvorschriften über das Ausweichen, welckie den praktisechn Gewohnheiten direkt widersprechen und falsch seien.
Ministerialrat Hölzinger erwidert, daß unsere Fahrvor- schristen schon 70 Jahre alt seien, aber trotzdem vielfach nicht gehandhabt würden.
Abg. Korell-Jugelheim (Freis.) hält die Tendenz des Antrages nicht für schlecht, da die Autofahrer vielfach rücksichtslos Vorgehen.
tzlbg. Joutz (Wild) wünscht schärfstes Vorgehen gegen die Autos.
Abg. Fenchel (Bbd.) schreibt die Schuld ebenfalls den Automobilen zu und weist an Hand der Protokolle darauf hin, daß er schon vor zwei Jahren gefordert habe, bei den Probefahrten der Behörden nicht nur Mitglieder der Autoklubs, sondern auch prakttsche Leute: Fuhrleute usw. heran zu ziehen, bisher habe er von der Regierung über diese Versuche nichts gehört. Er weist dann auf die verschiedenen durch rücksichtslose Fahrer in Oberhessen vorgekommenen Unglücksfälle hin und erklärt, daß man sich nicht gegen die ordnungsmäßig fahrenden Automobilbcsitzer, sondern in der Hauptsache gegen die sog. wandernden durch die Lande jagenden, meist ausländischen Autos beschwere, welche in der Stadt und auf dem Lande die Unzuftiedenheit der Bevölkerung Hervorrufen. Dies beweise der kürzlich in der Rcichs- bouptstadt erfolgte Unglücksfall zweier Reichstagsabgeordneten. Redner verliest noch einen Artikel, nach welchem in
Langsdorf ein Auto rücksichtslos an einem Leichcuzug vor- bei raste.
Abg. Hauck (Bbd.) weist darauf hin, daß der Antrag sich nur gegen die Auswüchse im Automobilweseit richte.
Abg. Dorsch (Bbd.) erwidert denc Abg. Grünewald, daß dieser doch außerordentlich weltfremd sein müsse, wenn er den Bauern Automobilfeindlichkeit vorwerfe. Bcstrast soll nur werden, wer keine Ordnung hält, dazu soll ncan die Nummern kennen. In vielen Orten sei nickst immer der Polizeidiener zur Hand und sei man dabei auf den Anstand der Autofahrer angewiesen, der freilich oft nicht weit her sei.
Der Bauer, der falsch fahre, sei auch regreßpflichtig. Mn» niüsse sich gegen die Kilometerfresß-r zu schützen suchen. Die Straßen seien doch ftir die Allgemeinheit des Publikums da.
Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Schönberger und des Ministerialrats Hölzinger, erklärt
Abg. Brridenbach (Bbd.), daß die jetzige Fahrordnung, wenn auch noch so alt, so doch falsch sei. Die angeführten Unfälle seien der Beweis dafür. Redner führt dann Beschwerde darüber, daß die mit großen Opfern des Kreises und der interessierten Orte geschaffene neue Kreisstraßc von j Friedberg nach Bad-Nauheim für den Autoverkehr, wie besonders auch für den Lastverkehr verboten sei. Die Straße sei breit genug und hätte man sicher nicht solche Zuschüsse bewilligt, wenn man derartige Vorschriften erwartet hätte. Man solle doch mehr Rücksicht auf den Bauernstand nehmen. >
Nach weiteren Ausführungen der Abg. Eißnert (soz.) und Grünrwald (freis.) bespricht Abg. Leun (Bbd.) nochmals ' die bestehenden Fahrvorschriften, welche den praktischen Ge- wohnheiten widersprechen.
Abg. Schönberger (natl.) schließt sich ihm an.
Abg. Fenchel (Bbd.) weist darauf hin, daß er scholl ftüher die Regierung ersucht habe, beim Bundeskat vor- stellig zu werden, daß bei den Probefahrten nicht nur Mitglieder der Autonwbilklubs als Begleiter niitgenomnien werden, man höre aber darüber nichts mehr.
Ministerialrat Hölzinger weiß nichts davon, daß bei deg Probefahrten nur Automobilisten als Begleiter gewählt werden, worauf
Kursbericht
vom 27. Februar 1014 der
Mitteldeutschen Creditbank
Aktienkapital u. Reserven M. 70 000 MO gegründet 1856.
Frankfurter Börse.
98.45%
86.75 . 78 05 .
86.75 . 78.— . 97.20 . 84 80 „ 75.- .
4% Reichsanleih«
«■/>•/. „
3V.
37i % Preutz. Consols
8 •/.
47, Hessen
87.7. ..
37.
47, Oesterr. Goldrente 90.90 4V« 7, „ Eilberrente 87 00 4 7» Ungar. Goidrente 84.10 8 „ „ Kronenrente 83.10
4„ Portugiesen Serie I 61.80 4 „ .. „ Hl 64.65
3 7,7. Ruhe» v. 1905 98.80
4 7. . . 1902 90.85
4 7,7, Japaner 91.40
47o Türken von 1903 86.90 47»Adn>inistr. Türken 79.40 Türkenloose SOL 169.50 17,«7« Griechen v. 1890 56.30 17«7o Monopol-Griech. —.— 37 0 Bue».-Air. Pr. Anl. 68.— 37. Silber-Mexikaner 4 ‘ 1 , 1 . Mex. Irrig, Anl.
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5ir. 5(1
Abg. Fenchel (Bbd.) erklärt, daß schon im Jahre 1911
der Ausstniß einen diesbezüglichen Entschluß gesetzt, der auch bon der zweiten Kummer zur Annahme gelangt sei, wie aus den Protokollen, die der Redner verliest, hcrvorgehe. BIS jetzt sei aber in dieser Angelegenheit nichts geschehen.
Nach weiteren Bemerkungen wird der Nnsschutzantrag angenommen und dann die Sitzung ans den nächsten DicnL- tna. de» 5. Mriez, vertagt.
Ans der Heimat.
‘ Friedberg, 28. Febr. Der Diskussionsnach- mittag deS Vereins ehemaliger F r i c d b e r g e r LandwirtschastSschüler, der am 24. Februar unter der Leitung seines Vorsitzenden, Laudtagsabg. Fenchel- Lberhörgcru im „Siatslcller" stattsaud, war wie gewöhnlich, sehr gut besucht. Ter Vorsitzende begrüßte die beiden cr- ichienrnen Ehrennntglieder I>r. Hossniaun und Lehrer Ringshaujen und de» Referenten RegiernngSral Langer- ui a n n, der sich drin» anSsiihrlich über das Theina des TagcS, das Krankcnvcrsili>erungsgesctz verbreitete. TaS neue Gesetz bringe den Versicherten eine ganze Anzahl neuer Vorteile und Rechte und demgemäß für die Arbeitgeber erhöhte Ausgaben. Diese Leistungen schieden sich in sogen. Regcllcistnngen «nd Mehrleistungen, erstcrc müßten ge- leistet werden, es gehörten dazu das Krankengeld, das Wöch- nerinncngeld und das Sterbegeld, als Mehrleistungen kämen in Betracht die Fainilienuntcrstützung und das Still- geld für Wöchnerinnen. Die Erhebung der Beiträge ge- schehe nach Lehnslusen. So habe der Kreis Gießen 6 Stnsen mit cincm Hixiistsatz von 5 Jl Tagclohn und 4 Prozent angenommen. Schotten hat den Ortslohn und 3 Prozent angesctzt. Fricdberg stehe niit 10 Stufen, 6 M Höchst lohn und 4 Prozent an der Spitze. Wie ans den weiteren Ansführnngen des Redners hervorging, zeichnet sich auch sonst der Kreis Friedberg durch die Höhe seiner Leistungen ans. So gewähren alle Kreise Hessens ini Falle einer Krankheit i» den ersten 3 Tagen keine Unterstützung und von da ab 50 Prozent, Friedberg aber leistet schon nach dem zweiten Krankheitstage an und dann 60 Prozent. Gießen gebe ein Sterbegeld von 50 M int Höchstfälle, Friedberg aber den 25- sachen Grundbetrag, der 150 M erreichen könne. RegierungS- cnt Langermann empfiehlt Vorsicht bei den Leistungen, ehe man mit 2 Füßen hineinspringe, müsse man erst einmal sehen, wie die Hase» hüpsen. Entschieden spricht er sich dagegen aus, daß die Arbeitgeber die ganzen Beiträge über- uchme», wenn die Arbeiter Rechte hätten, so müßten sie auch Pslichten aus sich nehmen, des weiteren müsse die Versicherung erzieherisch auf die Arbeiter wirken, sei er aller Abgaben los und ledig, dann sei es ihm recht, wenn aus dem vollen gewirtschastet werde, müsse er aber an den Lasten teilnehmcn, so werde er schon von selbst zur Sparsamkeit neigen. Endlich sei doch gerade in der Landwirtschast das Geld rar und mau brauä>e auch aus diesem Grunde nicht über den gesetzlichen Beitrag hinanszugehcn. Die Ausführungen des Herrn Ncgicrungsrats Langermänn fanden den verdienten Beifall. In der Anssprach? gab Conblvirt- schastSkannncrmitglicd Hcnsel einen lleberbftck über die
R««r Tageszeitung. Samstag, den 28. Februar 1914.
Entwickelung des gegenwärtigen Krankenlassenwcsens in Hessen. Die LandwirtschastSkammcr habe sich sllr die Errichtung von Landkrankenkassen ausgciprochen und in der Tat seien diesem Rate alle hessischen Kreise bis ans 5, gefolgt, in Oberhesscn sei der Kreis Friedberg der einzige, der sich nicht für eine Landkrankenkasse ausgesprochen habe. Wenn auch in diesen Kassen die Leistungen gesetzlich festgesetzt seien und man nicht glaichcn dürfe, daß sie viel billiger wirtschaften würden, so sei auch der Einfluß der Landwirte gesichert, der bei den Ortskronkenkassen in Frage stände. Nach langen Verhandlungen hätten sich die Arbeitgeber auf einer gemeinsamen Liste für die bevorstehenden Ausschußwahlen geeinigt, auf der 4 Gewerbetreibende, 8 Landwirte, 2 Industrielle und 1 Handclsangehöriger standen. Da auch die Sozialdemokraten eine eigene Arbeitgeberliste aufslellten, so sei geboten, daß jeder Landwirt seine Schuldigkeit tue und zur Wahl schreite. Auch eine nichtsozialdemokratische Arbeit- »ehmcrliste sei zustande gekommen und auch hier gelte es, für sic zu arbeiten. Auch dieser Redner spricht sich dagegen aus, daß die Arbeitgeber alle Lasten übernehmen i man müsse einheitlich Vorgehen, damit die Arbeiter ihre gesetzlichen % zu leisten hätten. (Beifall.) Landwirt Fr. Häuser- Niederweisel unterstützt lebhaft die letzte Forderung. Die Arbeiter müßten lernen, Haus zu halten, das sei unmöglich, wenn sie nicht auch zu den Pslichten '-erangezogen würden. Tann würden sic einsehen lernen, daß man nicht kostenlos hohe Leistungen verlangen könne, sondern daß dieses Geld koste. Die sozialen Lasten und anderes drückten so schon aus den Bauernstand, wenn es so weiter ginge, dann hätten die Bauern Wohl Aeckcr, aber kein Geld mehr, um sic bewirtschaften zu können. (Beifall.) Redakteur H i r s ch e l - Friedberg zeigt, wie die Sozialdemokraten ihren Einfluß nüßbrauchen, wenn sie im Besitze der M a ch t sind, wie dies bei der Ortskrankenkasie in Friedberg der Falle sei. Während im Kreis Gießen und Büdingen beinahe in jedem Orte gewählt worden sei, solle in Friedberg nur in 23 Gemeinden gewählt werden, als Wahlorte habe man sich natürlich, wo es anginge, nur rote Orte hcrausgcsucht, die katholischen Ge- meinden, wo man den Einfluß der christlichen Arbeiterschaft fürchte, seien überall anderen Gemeinden zugeteilt worden. Alle Versuche, eine besser Einteilung zu erlangen, seien siuchtlos geblieben, man habe an dem „WahirechtSraub", um in sozialdemokratischer Spraclic zu reden, festgehalten. Die roten Machthaber kämpften um ihre Existenz. Wenn jeder scinc Sckiuldigkeit tue, so mache aber der 22. März einen Strich durch die wohlvorbereitete Rechnung der Sozialdemokraten. (Beifall.) Negierungsrat Langermann stellt fest, daß ini Kreise Gießen von 78 Gemeinden in 7 5 gewählt worden sei. (Hört, hört!) Weiter, daß bei den Arbeitnehmcrwahlen die sozialdenwkratische Liste 753 und die nichtsozialdcmokratische 690 Stimmen erhalten hätten, trotzdem die Landwirte, da sie in der Landkrankenkasse seien, nicht mitgcwählt hätten. Beide Listen hotten mithin die gleiche Anzahl Beisitzer im Ausschuß erhalten. Einen Erfolg, den nian nicht für möglich gehalten hätte. Damit war die AuSspraäie geschlossen. Mit einem Tank an den Referenten und die Herren, die sich an der Aussprache beteiligt hatten, schloß der Vorsitzende die anregend und interessant verlaufene Versammlung.___
Seite 3,
* «Rieben, 28. Febr Die in dem Prozeß Troß gegen di« »cr- id)i*fc«nu-n Redactkure ergangenen Urteil« find jetzt, ohne daß di« Herren einen Widersprach wagten, rechtskräftig geworden und wir werden gelegentlich wieder einmal vorrechnen, wie viel Arbetterzrolchen die gegen Herr» Troß oorgebrachten Lügen und Perlernndungen getost» haben, wenn dieselben aus der Partei, tafle bezahlt weiden müssen. Die ganze gegen Herrn Troß in Szvire gesetzte Hetze findet jetzt eine andere Pell Itei lang, nachdem man weiß, daß di« anoirpmen Denunziationen bei de, Staatsanwaltschaft von einem sozialdemokratischen Parteifunk. tronär ausgingen, einem Salonproletarter, der anscheinend sü: Lügen und Verleumdung speziell angcstellt ist und da, hott« Fahr am Amtsgericht herumlungert Weiter weiß man jetzt, daß hinter der Preßhetze, di« in oerschiedenen Blättern au,'geführt wurde, ein ganz geri-benrr Gauner steckt, der schon wegen Betrug und auch wegen Faischeid hinter Schloß und Riegel gesessen hat, sich jetzt aus reoolverjnurnalistischem Gebiet betätigt und die Ehrabschneiderei gewerbsmäßig betreibt.
* Gießen, 28. Febr. Fn der vorgestrigen Generalversammlung der Eewerbebanl Gießen wurde an Stell« des verstorbenen Direktors Laos Herr Rechtsanwalt Arnold zum Direktor gewählt. Derselbe gehörte seither schon dem Auffichtsrat« an. ist ein erfahrener Jurist und mit dem ganzen Geschäftsgänge der Bank vertraut. Mft ihm scheidet auch Herr Justizrack Dr Gut. fleisch wegen seiner andauernden Leidens ans dem Auffichts- rat. Für diese beiden Herren wurden neu gewählt Herr Heinr. Man und Herr Christoph Schmidt. DI« anderen statutengemäß ausschcideirden Herren wurden wtodergcwählt. Die Verteilung de» Reingewinns wurde nach dem Vorschläge des Vorstandes gertgeheißen.
* Frankfurt a. M., 28. Febr. Rach Mitteilungen des Statistischen Amtes sinkt in Frankfurt die Geburtenziffer rapid, die noch krasser in die Erscheinung träte, wenn di« Sterblichkeit nicht gleichzeitig sänke. Seit dem Jahre 1504 kis 1913 sank die Geburtenziffer von 28.6 aus 20.3 pro Tausend, wobei sich aber die Bevölkerung im gleichen Zeitraum hon 320 000 aus 440000 vermehrte. Die Zahl der Sterbesälle fiel von 1904 bis 1913 von 15,7 aus 11,7 pro Tausend. Demzufolge sank auch der reine Geburtenüberschuß von 13,2 auf 8,6 im angegebenen Zeitraum. Diesen Feststellungen gegenüber konstatierte man allerdings i» der gestern stattgefunderien evangelischen Stadtsynode ein Auf. steigen der Geburtenziffer.
* Frankfurt a. M., 28. Febr. Zu den wicderholken scharfen Angriffen aus das Salvarsan durch den ..Türmer" und den „Freigeist" wird jetzt bekannt, daß nur der Magistrat der Stadt Frankfurt und die beiden Krankcnhausärzte l)r. Herxheimer und Dr. Altmann Strafantrag gegen die genannten Blätter gestellt haben. Beide Untersuchungen werden getrennt geführt. Der ..Türmer" kündigt die Her» beischasfung eines gewaltigen Bcwcismaterials an. ES stehen demnach zwei große Salvarsanprozcsse in Ausücht, zu denen beide Parteien ein großes Aufgebot von Wissenschasllern und Sachverständigen laden werden. Wenn die Prozesse statt- sinden. ist noch unbestimmt.
* x. Oberursel, 28. Febr. Verunglückt ist ein Arbeiter in d«r Motorensabrik, indem ihm ein Rad von großem Gewicht auf den Kops siel. Die Verletzungen find schwerer Natur, jedoch nicht lebensgefährlich.
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