Erscheint wöchentlich einmal. Einzelne Exemplare bestelle man bei der Post vierteljährlich, perlsg der Buchhandlung der Pilgermission Giessen. Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Mockert-Frankfurt a. M. u. die Prediger der Pilgermission. Druck v. O. Meyer, Gießen. Nr. 22. Sonntag, den 31. Mai 1914. 7. Jahrg. Pfingsten. IDeibnacbtsjubel ist verklungen. Osterglocken sind verhallt, ln den stimmet eingedrungen ist des steilands Lichtgestalt. ] Da erklingt ein leises Klagen Und ein sehnsuchtsbanges fragen: „wer ist nun. der Hülfe schafft? wo ist Lrost, und wo ist Kraft?" Seit) getrost, ihr, die ihr zaget! steute ist die Zeit erfüllt! Da des Pfingftfefts Morgen taget. wird das Wunder euch enthüllt! l stört ihr nicht ein mächtig strausen, wie gewaltgen Windes Sausen? Spürt ihr nicht den heilgen 6eist, Der uns seine Kraft verheißt? J wer wird alle, die verlassen, Die verirrt und traurig sind. L Liedend bei den ständen fassen, wie ein Vater stält sein Kind? wer wird alle, die beladen Und müstselig sind, vor Schaden Schützen und auf grüner stu Laben sie mit stimmelstau? Der uns Seligkeit verkündigt. Der als Lröster sich uns naht, Der den Reuigen entsündigt 1 Und uns stärkt mit Wort und Lat, Daft wir Jefu Wege wandeln. stach des Vaters willen handeln Und das Kreuz ohn mürrisch Srämen i stuch geduldig auf uns nehmen? wer wird ringen mit dem stösen? 1 wer macht Kranke nun gesund? wer wird die Sefangnen lösen, festigen der Liebe stund? ^ Sollte nicht zu unserm frommen von dem sterrn ein Tröfter kommen. Der uns hilft in aller TTot, frieden bringt in Leid und Tot»? Pfingsten bringt uns neues stoffen, Oeffnet uns des steilands 6rab, 1 Schliefst des Vaters stimmel offen, wischt vom stug die Iränen ab. Pfingsten hat uns neu befchieden J 6nade, freude, Kraft und frieden, steilger Seist, mach uns bereit für das Land der Swigkeit! 1 Pfingsten ist das Fest des vollendeten Frühlings. Des freuen sich bei uns alle Menschen; Christenlcnte aber freuen sich, daß es noch einen andern, ewigen Frühling für das arme Menschenherz gibt, und daß dieser Frühling sich durchsetzt im Kampfe mit den winterlichen Gewalten des eigenen Herzens und sich vollendet, wenn der Heilige Geist das Herz erfüllt. Der Heilige Geist ist in der Christenheit als der Geist des Herrn, der die Erlösung vollbrachl und die Bahn freigemacht zum Bater. In der Christenheit gilt das apostolische Wort: Werdet voll des Heiligen Geistes. Tie Fülle des Heiligen Geistes aber ist abhängig davon, daß das Wort des Herrn reichlich unter uns wohnt, und daß die Herzen voll Verlangen des Heiligen Geistes begehren. Wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle habe. So bitte denn mit der ganzen Christengemeinde: Laß dich reichlich ans uns nieder daß wir wieder Trost empfinden, alles Unglück überwinden. £s kam im Flammenwehen Oer Geist am vollen Tag. Und herrlich war geschehen, Vas Jesu Mund versprach. Tr kam für alle Zeiten, Und seine Araft reicht aus, Mit lauter Herrlichkeiten Zu füllen Gottes Haus! Oer Himmel ist erschlossen, Oer Glaube schaut hinein. Vir dürfen Hausgenossen Oes lieben Ualers sein. Oer Gast must weiter eilen, Oen Fremdling treibt es fort - Vir dürfen wohnen, weilen Am rechten Heimatsort; Zn einer Staöt, darinnen Oer Tempel Gottes steht, Oem Geist — und nicht den binnen — Eröffnet dureb Gebet, Erbauet auf dem Grunde, Oer Zesiis Christus heisst, — Sold? hohe Freudenkunde bringt uns der Pfingsten Geist. 8i» Stgn fiit iinkrc. /fl^§ war Pfingsten. Bei der Familie Horn Vm sah es ganz festlich aus, alles war blank geputzt, und der Blumenstrauß, der auf der Kommode stand, und das Birkengrün, das die Stube schmückte, gab ihr vollends ein freundliches Aussehen. Horn ivar Kanalarbeiter, er freute sich sichtlich der Festtagsruhe; er beschäftigte sich mit den beiden kleinereil Kindern, während die ältereil der Mutter behülflich ivareil bei den Vorbereitungen für das einfache Mittagessen. lleber der Familie lag ein Hauch von Glück lind Zu- friedenheit, der nllr deil Menschen eigen ist, die durch Gottes Gnade auf seinen Wegen wandeln. Um 97 2 Uhr rüsteten sich die Eltern, um in die Kirche zu gehen, ivähreild die Kinder später den Kindergottesdienst besuchteil. — Wie verschiedeil sah es auf der andern Seite des Fllires aus, wo die Familie Soildcr ivohnte, die erst ilach einem Moilat eiilgezogen war! Der Mann — er war Maurer — saß verdrossen aiil Feilster; er hatte am Sonnabend einen Teil seines Wochenlohnes vertrunken, nun war ihm wüst im Kops, und er schimpfte über alles. Geillig Gruild zllr Unzufriedenheit hatte er ja freilich: in der Stube war eine große Uilordnung, die Betten waren iloch nicht gemacht, nut> die Kinder liefen uilgewaschen und ungekämmt umher. Plötzlich schlug Soilder mit der Faust auf deil Tisch: „Da gehen sie scholl wieder in die Kirche, diese Horns, die Duckmäuser, lind doch sehen sie gailz zufrieden lind vergilügt alls, trotzdem der Mann einen geringeren Verdienst hat als ich, aber natürlich", wandte er sich an feine Frau, „die Frau Horil versteht es besser als du!" Frau Sonder blieb die Antwort nicht schul- dig: „Du vertrinkst das Geld im Wirtshaus, und mit deiil iveiligeil, was übrigbleibt, soll ich Haushalten!" Und nun entspann sich eine sehr häßliche Szeile, die damit eildigte, daß Soilder die Stllbe verließ, die Tür krachend zuivarf und in das Wirtshaus ging, um seinen Aergcr zu vertrinken. Die Frau sank ganz vernichtet auf einen Stlihl. „So kann das Leben nicht fort- gehen," sagte sie sich, und doch fand sie nicht Mllt und Kraft, an ihrem Teile die Verhältnisse zll bessern. So vergingen einige Wochen in gewohnter Weise. Da geschah ein Ereignis, das die Fami- lien Horn und Sonder näher bringen sollte. Das eine Sondersche Kind ivlirde überfahren, man trug es blutend lind jammernd zll deil Eltern. Der herbeigerlisene Arzt erklärte die Sache für uilgefährlich, aber schmerzhaft uild lailgwicrig. Da lag nun der kleine Patieilt im Bett liild schrie unaufhörlich, Frall Soilder wllßte ilicht, was sie anfangen sollte. Es klopfte an die Tür. Frau Horn trat ein und bot ihre Hülfe an; sie ging zu dem weinenden Kind, erneuerte den kalten klmschlag, sprach freundlich und liebkoste den Kleinen, so daß er sich so nach und nach beruhigte. Frau Horn kam nun alle Tage, überall hellend, mit Rat und Tal; die Frauen reinigten zusammen die Stube, so daß diese ein ganz behagliches Aussehen bekam. Als Sonder nach Feierabend sein Heim betrat, machte er große Augen; er sagte nichts, blieb aber den Abend zu Hause, und am Sonnabend gab er den ganzen Wochenlohn ab. Die Sonderschen Kinder baten, ob sie nicht auch in den Kindergottcsdienst gehen dürften, es wurde ihnen erlaubt; da brachten sie manch gutes Wort mit heim, das in die Herzen der Eltern fiel. So vollzog sich nach und nach eine Umwandlung bei der Familie Sonder, der Segen hierzu ging aber hauptsächlich von dem Leben der Horns aus, die täglich Gott dankten, daß er sie selbst und nun auch ihre Nachbarn auf den richtigen Weg geführt halte. Ikdcs Oiua hat nun Sritrn. § hat einmal jemand unser Leben so schön mit einer Stickerei verglichen, von der wir hier auf Erden nur die Rückseite seheil. Wirre Fäden laufen durcheinander, ihr Jweck bleibt lins verborgen. Aber einmal droben sollen ivir auch die Vorderseite sehen, dann iverden wir das kunstvolle Muster bewundern und anerkenueil, ivie jeder Stich nötig war und jeder Faden gerade so anl Platze lag. Jedes Ding hat feilte zivei Seiten, auch schon hier auf Erden. Jngeborg Maria Sick teilt einmal in einem ihrer Bücher die Menschen in Hoch- zeits- und Begräbnismenschen ein, je nachdem, ob sie die Licht- oder Schattenseiten des Lebens in den Vordergrund stellen. Sei dn kein Bc- gräbnismensch, suche die Lichtseiten heraus! Du denkst am Abend über den verflossenen Tag nach und stehst unter dem Eindrücke, daß er dir nilr Trübes gebracht hat und dn so viel Schweres zu tragen hast. War denn ivirklich nichts da, ivas dich erfrcilen konnte? Hast dn »ncht den Blick verloren für die kleinen Freundlichkeiten, die den Tag schmücken sollten? Hast du nicht vielleicht als selbstverständlich hinge- nommen, ivas doch ein Geschenk deines Gottes war? Denke daran, ivie dn gesund erivachen durftest, ivie du gerade, als du so niedergeschlagen warst, den Brief deine§ Freundes erhieltest, der dir mit seinem Verständnisse so wohl tat! Waren es wohl gar noch mehr freundliche Fügungen? Suche sie nur heraus, wenn dn am Abend den Tag überdenkst. Selbst das Unglück an sich gleicht den Wolken, hinter denen doch im Grunde die Sonne steht. „Ich habe dich je und je geliebct, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte." (Jer. 31, 3) Alles Leid soll ja helfen, uns heranzuziehen an Gottes Vaterherz. Gott hat dich lieb, darum arbeitet er an dir und läßt dich nicht deine eigenen Wege gehen. Gott hat dich lieb, ist das nicht Trost und Licht genug im Dunkel der Leiden? Vielleicht erkennst du erst später den Segen, der darin lag, vielleicht einmal erst in der Ewigkeit. Oft aber läßt Gott uns schon hier auf Erden so viel von seinen Wegen sehen, daß wir nnbetend vor ihm uns unseres Kleinmutes schämen. Vielleicht hast du gerade in schwerer Krankheit den Menschen kennen gelernt, der dir nachher ein treuer Freund fürs ganze Leben war. Vielleicht wurde gerade durch einen Unglücksfall deine weitere Lebens« führung bestimmt, und du konntest später, zurückblickend, nur danken für das, was dir damals so dunkel schien. Ja, hast dn nicht vielleicht gerade in schwerer Zeit erst deinen Gott gefunden und gelernt an seiner Hand weitergehen von einem Tage zum andern? Das alles sind helle Lichtstrahlen mitten im Leide. Jedes Ding hat zwei Seiten, — auch der Mensch. Dir ist jemand unsympathisch, du stößt dich an seinen Fehlern und meinst, nicht mit ihm auskommen zu können. Sollte er wirklich nur unliebcuswürdige Seiten haben? Gib dir doch einmal die Mühe, ihn näher zu beachten, versuche dir klarzumachen, was dir an ihm gefällt, und was du vielleicht gar von ihm lernen könntest. Dann ist er dir plötzlich in ein ganz anderes Licht gerückt. Hub du selbst? Hast du nicht auch vielleicht zwei Seiten: eine helle liebenswürdige, die du den Menschen zeigst in deinem Tun und Reden, und eine häßliche, dunkle Seite in deinen Gedanken, von der dn meinst, daß sie niemand sieht? Du irrst, denn „ein Mensch siehet was vor Augen ist, der Herr aber siehet das Herz an." (1. Sam. 16, 7.) Darum laß das Licht herein, daß die dunkle Seite immer mehr verschwinde, laß ihn selbst herein, der das Licht der Welt ist! Gnadenzeit ist es, darnni „Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt!" (Jes. 60, 1.). E. W. ks frommt nicht alles. in junges Mädchen wollte sich an einen zweifelhaften Vergnügungsort begeben. Einer Freundin gegenüber, die sie zurückhalten wollte, sagte sie: „Ich bin der Meinung, daß ein Christ wohl dorthin gehen kann!" „Das kann er allerdings", eutgeguete die Freundin; aber ich muß dabei eines kleinen Vor- falles gedenken, der sich im vorigen Sommer zutrug, als td) mit einer Gesellschaft eine Kohlengrube in Augenschein nahm. Eines der jungen Mäd- trug ein nettes weißes Kleid. Als ihre Freunde ihr desivegen Vorstellungen machten, wandte sie sich an den alten Grubenarbeiter, welcher der Gesellschaft als Führer diente und fragte ihn: „Kann ich nicht beim Hinnntersteigen in die Grube ein weißes Kleid tragen?" Der Mann antwortete: „Ja, Fräulein, nichts hindert Sie, dort unten ein ivcißes Kleid 31t tragen. Aber vieles wird Sie daran hindern, auf dem Rückiveg eines zu tragen." Diese Geschichte erinnert an eine Aenßerung des bekannten Theologieprofessors Tholnck. Seine Tochter kam einst in fertiger Toilette 311 ihren: Vater, bereit, um in eine fragliche Gesellschaft zu gehen. Als Tholnck Einwendungen dagegen erhob, sagte sie: „Ach, es wird mir nicbts schaden!" Ta reichte ihr der ernste Vater statt einer weiteren Antwort eine Kohle. Und als die Tochter zögerte, mit ihren weißen Glacehandschuhen dieselbe zu nehmen, sagte er: „Sie wird dich nicht brennen!" „Wohl" erividertc die Tochter, „aber sie könnte meine Handschuhe beflecken." „So mag auch die fragliche Gesellschaft nicht gerade dein Ruin sein, aber beflecken könnte sie dich doch." l'mammHmgsanz« igett (Versammlungen innerhalb der Landeskirche) Bezirk Gieften. Jeden Sonntag Ist- Ugr: Sonntagsschule; 4 Uhr: Jungfrauenverein; 8 ‘i, Uhr: Versammlung. 4>/, Uhr: Christlicher Verein junger Männer. Jeden Mitlivrch, abends 872 Uhr: Bibelstunde. 1. Pfingsttag abends Wißmar. 2. Pfingsttag nachmittags 3 Uhr: Fest im Freien in Altenbuseck Festredner: Missionar Wittlinger (für China bestimmt). 2. Juni Wiesest, 4 Kleinlinden. Grünberg (Frankfurterstr. 23.): Jeden Sonntag abends 8 Uhr: Versammlung. Bezirk Kich Pfingstmontag findet auf dem Hartberg b. Lieh ein Missionsfest statt. Redner: Etadtinissionar Herrin n n n - Gießen „. a. Freunde von Lich und Umgegend sind herzl. eingeladen. Bezirk Aieder-Weifel. >. Pfingsttag, Maibach. Fauerbach, Riederiveisel. 2 . Pfingsttaa, nachm. 3 Uhr: Fest im Freien in Fauerbach. Abends: Kirchgons. Redner: Stadtmissionar N ebelin g-Fronkfurt, Prediger Müller- Nauheim. 2 . JuniGambach, 3. Münzenberg, 4. Niederweisel, 5. Butzbach. Da; Radium Vor einer großen Znhörermenge wurde ein Vortrag gehalten über das neu entdeckte Metall, Radium gemiaut, über seine ivnnderbare, unheimliche Kraft und seine überraschenden Wirkungen. Eine ganz geringe Omanlität Radium, die man nicht wahrnehmen konnte, strömte eilt unheimliches, intensives Licht ans! Der Saal ivar verduitkelt worden, tlnd wie ein grünes Auge leuchtete allein der Punkt, wo das Radium lag. Der Professor legte es in eine metallene Kapsel, sein Licht dnrchdrang die feste Hülle; ein Herr steckte die Kapsel in seine Brnsttasche und legte die Hand darauf, doch das Licht leuchtete klar lind grell durch die Kleidling und die Hand hindurch. Eine Alans, ans deren Käfig der geschlossene Behälter eitles ganz flciitcn Stückes Radium gelegt ivtlrde, ivard sofort gelähmt und starb. Der Professor (Curie) sagte, daß er nie ivagen würde, in ein Zimmer 311 treten, in dem ein Kilogramm davon läge, weil er sicher iväre, verbrannt und getötet zu werden. Das Radium veranschaulicht eine andere Kraft, die göttliche Kraft, die auch alles dnrchdriilgt, die so unsichtbar und unbemerkt ist, wie die Kraft des Radiums, die jedoch noch völliger verderben tnid zerstören kann, als das geheimnisvolle Atetall. __ Bezirk Alsfeld. Sonntag, den 7. Juni: Fest im Freien in Maar. 9. Kirtorf, 11. Alsfeld. Bezirk Friedkerg. Friedberg, Vorstadt zum Garten Nr. 8: Jeden Sonntag Abend 8str Uhr Versammlung. 1. Pfingsttag 3 Uhr: Freie Versammlung in Assenheim. 1. Juni Vilbel, 2. Erbstadt, 3. Leidhecken, 4. Friedberg, 5. Bad-Nauheim. Bezirk Schotten. 1. Pfingsttag: Versamml. in Schotten abends 7-0 Uhr, Nidda u. Betzenrod um 3 Uhr, Ranstadt abends 8 Uhr. 2. Pfingsttag nachm. 3 Uhr: in Liflberg Gemeinschaftsfest (6. d. Werkstäite für Mechanik). KezirK Sellnrod. Sellnrod: Jeden Sonntag 12 Uhr: Sonntagsfchule, abends 8 1 /, Uhr: Versammlung, Mittwoch Gebetstunde. I Juni (Pfingstmontag) 2 Uhr Sonntagsschulfest, abends 87, llhr Versammlung in Sellnrod, 3. Unter-Seibertenrod. 4 / Sellnrod Männerchor. 5. Klein-Eichen, 7. 2'/, Uhr Unter-Seibertenrod,Wohnfeld, Helpershain u.Groß-Eichen.