steht der Arbeiter wieder m Wissen istssacht wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung Nummer 22 sllittwoch den 3. Juni 1914 3. Jahrgang Wie liest man das„Kapital“? 1 Die Arbeit ist ein zwieschlächtig Wesen. Sie ist eine Freude, eine wahrhafte und große Freude. Denn sie schafft so große, so schöne, so nützliche Dinge, in ihr tut sich die Schöperkraft des Menschen kund, die tausendfältige Dinge schafft, die uns zum Gebrauch dienen. Wenn man seine sechs Arbeitstage hinter sich hat wie der Schöpfer zur Paradieses⸗ zeit und sieht dann alle die geschaffenen Gebrauchswerte fertig daliegen, wäre man versucht, wie er zu sagen:„Und siehe, es war gut.“ Aber leider tritt der andere, der Kapitalist, dazwischen und meint: Gut oder nicht gut, Gebrauchswert oder nicht— ich will daran verdienen, mein Kapital muß sich verwer- ten. Der Arbeitsprozeß ist ihm in erster Linie Verwer⸗ tungsprozeß. as dem Kapitaliste Verwertung, das ist vom Standpu des Arbeiters leidigerweise Aus- beutung. Der erste Punkt des fünften Kapitels erzählt von der Arbeit als Schöpferin der Gebrauchswerte, von der Freude der Arbeit, der zweite Punkt von der Arbeit als Ausbeutung, von dem Leide des Arbeiters, das sich freilich als Mehrwert zur Freude des Kapitalisten gestaltet. Das fünfte Kapitel handelt von Freude und Leid des Arbeiters im Umgang mit seinem Liebhaber, dem Kapitalisten. Das sechste Kapitel stellt dem Arbeiter seine täglichen stummen Gefährten vor, die Werkzeuge und Rohstoffe. Vom Bauern sagt man, daß sein Pflug sein bester Freund sei. Sinde diese Dinge des Arbeiters Freund oder Feind? Es scheint, daß sie als seine Helfer seine Freunde sein müßten, aber der Kapitalist macht sie zu seinen Feinden. Wie ist das geworden? Oft haben die Arbeiter in Verzweiflung die Ma- schine zerstört, nicht selten lieben die Arbeiter die Maschinen, an denen sie arbeiten, hegen sie sorgfältig und verwachsen miteinander wie der Jäger mit seinem Hunde. Wie stellt sich der Arbeiter zu seinen schweigenden, toten und doch so starken eisernen Gefährten? Sie sind mit ihm zusammen in die Fabrik gesperrt, in das Werkhaus des Kapitals und dienen nun beide seiner Verwertung. Beide opfern sich allmählich diesem frem⸗ den Zwecke, sterben allmählich für ihn dahin und ihr Wert geht ein in den Profit wie die Seele der Frommen in das Himmelreich. Beide sind dabei bloße Teile des Kapitals geworden, die Stoffe der konstante, die Arbeitskraft der variable Kapitalteil(sechstes Kapitel), die hinsterben, um im Produktwerte wieder aufzuerstehen. Eben dieses Hinsterben in täglichen Raten ist die Ausbeutung, und das siebente Kapitel beginnt damit, den Grad dieser Ausbeutung zu messen. Auf Seite 164 bis 180 ist der Grad der Ausbeutung errechnet. Das siebente Kapitel fordert viel Mathematik und ist schwierig. Der Leser wird beim ersten Lesen nur die Hauptsache behalten und begnüge sich zunächst damit, das folgende wird das Gelesene erst ganz klar machen, man kehrt — 1 Schlusse des achten Kapitels wieder auf das siebente zurück. Beim achten Kapitel, das den Arbeitstag behandelt, en auf dem gewerkschaftlichen Boden. Der englische Töpfer, der Grobschmied, die Putz⸗ macherin aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts treten auf und erzählen das Lied des endlos ausgedehnten Arbeitstages. Der Kampf der englischen Arbeiterklasse um dessen Ver— kürzung, die englische Fabrikgesetzgebung von 1833 bis 1864 und der erste große Sieg des Gewerkschaftskampfes, die Er⸗ ringung des englischen Zehnstundengesetzes werden erzählt. Der schrankenlosen Ausdehnung des Arbeitstages ist die erste Grenze gesetzt. Mit diesem achten Kapitel ist der erste Höhepunkt von dem gewerkschaftlichen Leser beschritten. Hier halte er Pause und suche er Sammlung. Von hier kehre er, wenn er die Zeit hat, wieder zum Anfang zurück und lese noch einmal in gleicher Weise. Die griechische Sage erzählt von einem verbrecherischen Herbergswirt, der die einkehrenden Gäste auf die gräßlichste Weise umzubringen pflegte. Kurzgewachsene legte er in ein langes Bett und streckte sie zu Tode, Langgewachsene in ein kurzes und hackte ihnen Kopf und Beine ab, daß sie in das Bett paßten. So bestrafte Prokrustes seine Gäste dafür, dag sie nicht normal gewachsen seien. Auch der Kapitalismus hat zwei Methoden der Ausbeutung: die Verlängerung des Ar— beitstages und seine Verdichtung durch intensivere Arbeit, durch Steigerung ihrer Produktivkraft. Der vierte Ab⸗ schnitt(Kapitel 13 bis 13) führt uns in die innerste Geheim⸗ kunst das Kapitals ein, er ist der allerwichtigste des ganzen Buches von dem vorliegenden Standpunkt aus, er gibt zu⸗ gleich die ganze geschichtliche Entwicklung des Arbeitsverhält⸗ nisses von der Gesellenzeit bis in unsere Tage und die Ge— heimgeschichte der Industriealisierung die große Fundgrube gewerkschaftlicher Erkenntnis. Wieder liegt die bittere Schale herum, die systematische Darstellung des Begriffes des relativen Mehrwerts geht im zehnten Kapitel voran. Doch wird sie keine großen Schwie— rigkeiten mehr bieten. War bisher der Arbeiter bloß als einzelner betrachtet worden, so wird nun gezeigt, wie der Haupthebel der Aus- beutung in der Häufung von Arbeitern, in der Vergesell— schaftung der Arbeitskraft liegt. Die Arbeitskräfte werden zunächst in großer Zahl nebeneinandergestellt(Kooperation, 11. Kapitel), dann wird die Arbeit systematisch unter sie ver⸗ teilt(Teilung der Arbeit, 12. Kapitel) und der einzelne Teil- arbeiter zur bloßen Maschine degradiert, um endlich durch Maschinen ersetzt zu werden(Kapitel 13: Maschinerie und große Industrie). Nun ist der Helfer und Freund des Ar— beiters, die Maschine, zu einem Feind und Beherrscher ge— worden. Das Fabriksystem revolutioniert Manufaktur, Handwerk und Heimarbeit und damit die ganze bisherige Gesellschaft, auch die Landwirtschaft. Es schafft die modernen Gesellschaftsklassen, erzeugt und nährt ihre Klassenkämpfe. Es steigert so die kapitalistische Ausbeutung bis auf ihren höchsten Punkt, vergesellschaftet aber zugleich die Arbeitskräfte wie die Arbeitsmittel und bereitet die neue Gesellschaft vor. Mit diesem Abschnitt ist der zweite Höhepunkt erklommen, er eröffnet dem Arbeiter in der Werkstätte vollen Einblick in seine Lage im Produktionsprozeß. Der folgende fünfte Ab⸗ schnitt(Kapitel 14 bis 16) faßt die gewonnenen Ergebnisse theoretisch zusammen und verarbeitet sie begrifflich, der Ar- beiterleser wird sie zunächst am besten überschlagen und mit dem sechsten„Der Arbeitslohn“ wieder zur Praxis zurück- kehren und sich über die Funktion des Zeitlohns und Stück⸗ lohns sowie die Verschiedenheit der Arbeitslöhne von Land zu Land unterrichten. Damit schließen Teile des Werkes von elementarem gewerkschaftlichem Interesse. 5 Von jeßt ab ist die höchste und letzte Stufe zu ersteigen. bisher sahen wir zu, wie der Mehrwert durch Verlängerung und Verdichtung des Arbeitsprozesses gewonnen wird. Nun⸗ mehr gilt es zu erfahren, wie der schon gewonnene Mehrwert neuerdings in die Produktion geworfen, wieder zu Kapital gemacht und durch diese Kapitalsanhäufung(Akkumulation) zugleich die Arbeiterhäufung in den Fabriken beschleunigt wird, wie dieser moderne Akkumulationsprozeß— die direkte Fortsetzung der ursprünglichen Akkumulation im Wege nackter Gewalt und Betrügerei— die menschliche Gesellschaft pon innen heraus umwälzt und zugleich neugestaltet, durch immerwährende Krisen stört und aufwühlt, durch periodische Hochkonjunkturen wieder beunruhigt und emporreißt und wie in diesem Strudel unablässigen Wandels die kapitalistische Anarchie aus sich selbst die Notwendigkeit und die Mittel zur Sozialisierung der Produktion gebiert. Hat der Arbeiter auch diesen Teil des Werkes in sich aufgenommen, so ist aus dem Nurgewerkschafter der politisch denkende Sozialist, der Sozialdemokrat geworden. So weit unsere Anweisung zur Lektüre, die zugleich einen schwachen Begriff von dem Inhalt des Werkes und von seiner unmittelbaren Wichtigkeit für den kämpfenden Arbeiter geben soll. Es schöpft aus des Lebens Bächen, aus des Lebens Quellen und darum schöpfen wir aus ihm den Trank des Lebens, der uns wie der Zaubertrank der Sage mit einem Male alle Dinge um uns verstehen lehrt: Es beginnen Ma⸗— schinen und Rohstoffe, Natur- und Menschenkräfte, gesell⸗ schaftliche Einrichtungen und Mächte auf einmal zu uns in verständlicher Sprache zu reden und verkünden uns das Leiden und Streben, die Erniedrigung und den unausbleib— lichen Triumph der arbeitenden Klassen. Abwehrfermente. Die neuere biologische Forschung hat erwiesen, welch weitgehen— ber Veränderung die von uns aufgenommenen Nahrungsmittel in den Verdauungsorganen unterworfen werden, ehe sie in das Blut übergehen und durch dieses den Organen zur Ernährung zuge⸗ ührt werden. Die Stoffe werden, wie man sich ausdrückt, abge⸗ aut, d. h. die höher zusammengesetzten Eiweißstoffe, Zuckerver⸗ bindungen usw. werden zunächst in ihre einfachsten Bausteine zer⸗ legt; erst dann können sie vom Körper wieder zu„körpereigenen“ komplizierteren Verbindungen aufgebaut werden. Bringt man die Nahrungsstoffe direkt ins Blut, so empfindet der Organismus sie als„blutfremd“; er weiß nichts mit ihnen anzufangen und scheidet sie ungenutzt durch den Urin wieder aus. Gleichzeitig entsendet er aber auch gewisse Stoffe oder Fermente ins Blut, die sonst nicht darin enthalten sind, um den Eindringling auch dort zu zerlegen oder abzubauen. Abderhalden, dessen Forschungen wir 3 die Kenntnis dieser Vorgänge verdanken, hat diese Fermente, da ste der Abwehr eines blutsfremden und daher dem Organismus an dieser Stelle schädlichen Körpers dienen, A b⸗ wehrfermente genannt. Es liegt also auf der Hand, daß man aus der Auwesenheit gewisser Fermente im Blut nachweisen kann, ob und welche fremden Stoffe ins Blut eingedrungen sind. Man hat beispielsweise gefun⸗ den, daß das Blut von Tieren, denen man Rohrzucker oder Milch⸗ zucker in die Adern gespritzt hatte, dadurch die Fähigkeit erlangte, auch außerhalb des Körpers Rohr- oder Milchzucker in Trauben⸗ zucker(einfachen Zucker) zu zerlegen. Nun empfindet aber das Blut nicht nur fremde unabgebaute Stoffe als blutfremd, sondern ebenso auch die unabgebauten Zellen und Zellstoffe seiner eigenen Organe. Gelangen also, wie dies bei Nrankheitsprozessen häufig der Fall sind, Gewebstrümmer irgend eines Organes ins Blut, so muß das Blut Abwehrfermente bilden, um diese zwar körpereigenen aber doch blutfremden Stoffe zu ver⸗ dauen. Und nun haben die Forschungen die eigentümliche Tatsache ergeben, daß jedes Organ unseres Körpers eine besondere Eiweiß⸗ zusammensetzung bietet, sodaß also für jedes auch besondere Ab⸗ wehrfermente gebildet werden 2 Wir müssen also auch hier aus der spezifischen Eigenschaft des im Blut vorgefundenen Ab⸗ wehrferments einen Schluß auf die Natur des schädigenden Kör⸗ pers ziehen können. Mit anderen Worten: es liegt bei gewissen Krankheiten prinzipiell die Möglichkeit vor, aus der Beschaffenheit des Blutes die Eigenschaft der Krankheit zu erkennen. Damit er⸗ öffnen sich aber höchst wichtige medizinische Perspektiven. Die Anwendung der Abderhaldenschen Fermentmethode besteht darin, daß man das zu prüfende Blutserum mit Stücken von dem in Frage kommenden Organ(tuberkulöses Gewebe, Mutterkuchen) in eine Lösung bringt, die in einer durchlässigen Tierhaut in ein Gefäß mit destilliertem Wasser gehängt wird. Sobald ein Abbau stattfindet, treten die verdauten Produkte durch die Tierhaut hin⸗ gebiet war der Schwangerschafts nachweis. Während der Schwangerschaft treten blutfremde, aus dem Mutterkuchen 3 Stoffe in das Blut, das dagegen Abwehrfermente 1 ilden gezwungen ist. Das Blut von Schwangeren wirkt also 5 bauend auf Mutterkuchensubstanz und zwar hat sich gezeigt, daß 3 das Blut von schwangeren Frauen auch tierischen Mutterkuchen 725 abzubauen vermag. Abderhalden hat daraufhin in einer großen Zahl von Fällen eine bestehende Schwangerschaft bereits in den ersten Wochen, wo noch alle anderen Anzeichen fehlten, nachzu⸗ weisen vermocht und seine Angaben sind von anderen Untersuchern g 727 durchweg bestätigt worden. Der Methode kann auch unter Uu m tänden ein juristischer Wert zukommen. Man hat ferner noch die Fermentmethode bei Krebs, Tuberkulose und Basedowscher Krankeit ange⸗ wandt. In den beiden ersten Fällen, wo man also prüfte, ob dem Blute abbauende Fähigkeit gegenüber dem Krebseiweiß oder dene Eiweiß der Tuberkelbazillen eigen ist, sind die Resultate weniger günstig. Dagegen ist die Feststellung von Schilddrüseneiweis bek der Basedowschen Krankheit öfters geglückt. 5 Ein besonderes Anwendungsgebiet bietet noch die Psychiatrie. Hier haben die Ergebnisse eigenartige Aufschlüsse gebracht. In Fällen jugendlicher Verblödung konnte beispielsweise festgestellt werden, daß das Blut solcher Patienten nicht nur Hirnrinde, son⸗ dern auch Schilddrüse und Keimdrüse abbaute. Die große Be⸗ deutung, die die beiden letztgenannten Drüsen resp. ihre Aus⸗ scheidungsprodukte für die normale geistige Funktion haben, wurde damit wieder bestätigt. Auch bei Paralyse und Epilepsie fand Abbau von Hirnrinde statt. Obwohl die Akten über die Abderhaldensche Untersuchungs⸗ methode heute noch nicht geschlossen sind, kann doch bereits gesagt werden, daß wir es hier mit einer höchst eigenartigen Erweiterung der biologisch-medizinischen Forschung zu tun haben. 70 33 ͤͤĩ ĩ ͤ. 1 5 Wie dick sind die Wolken? Wenn aus den Wolken der Regen unaufhörlich herab⸗ prasselt und in richtigen Schichten den Erdboden bedeckt, so meint man, es wäre unmöglich, daß soviel Naß aus den luf⸗ tigen Gebilden herauskommen könne, die wir die Wolken nennen. Das kommt daher, weil man die Masse des gefalle nen Regens meist zu überschätzen geneigt ist, während man unterschätzt, wieviel Feuchtigkeit in Luftschichten von meh⸗ reren hundert Metern Mächtigkeit enthalten sein kann. Die Dicke der Wolkenschichten ist daher von besonderem Interesse. Hauptsächlich die Beobachtungen bei Ballonfahrten könnten darüber Aufschluß geben. Wir finden das Material darüber in dem großen vorzüglichen„Lehrbuche der Meteorologie“ von Prof. Julius Hann(das jetzt bei Tauchnitz in Leipzig in dritter Auflage neu erscheint) zusammengetragen, dem wir in der Darstellung folgen.„Bei der Ballonfahrt von Barral und Bixio am 27. Juli 1850 wurde eine Wolkenschicht durchkreuzt, die größtenteils aus unterkühlten Tröpfchen bestand und mehr als 5 Kilometer Dicke besaß. Die neueren Wolkenmessungen haben desgleichen ergeben, daß die senkrechte Mächtigkeit der 8 Cumuluswolken(das sind Haufenwolken, deren Gipfel die. Form ein Kuppel hat, während die untere Begrenzung wage⸗ 5 recht flach ist) mehrere Kilometer erreichen kann. Die Ber⸗ liner Ballonfahrten haben einige sehr bemerkenswerte Er⸗ fahrungen geliefert. Die Hochfahrt vom 8. Mai 1894 ging zuerst in der Höhe von 1750 bis 5000 Meter durch eine Schneewolke, dann setzte sich dieselbe als Eiskristallwolke bis 5,7 Kilometer fort, der noch ein Eisnebel bis* Höhe von 7750 Meter folgte. Diese Wolkenlager waren also et 6 Kilometer mächtig. Auch bei der Fahrt vom 14. März 18988 wurde eine Eisnebelwolke von nahezu 5 Kilometer Mächtig⸗ keit durchfahren. Die Potsdamer Wolkenmessungen haben Dicken von 50 bis über 4600 Meter ergeben; sie sind auch ge⸗ trennt für die einzelnen Wolkenarten registriert. Die dicksten Wolken waren da die Platzregenwolken. Der ausgezeichnete Wolkenforscher Cl. Ley gibt an, daß er im Winter bei kaltem Wetter nicht selten leichte Schnee: schauer habe fallen sehen als Wolken in etwa 800 Meter Höhe und nur 120 Meter Dicke. Auch leichter Regen kann aus solchen Wolken fallen, namentlich über dem Meere. 2 Winter sind Regenwolken von mehr als 3 Kilometer Dicke äußerst selten, aber im Sommer hat Ley solche oft messen können und selbst noch mächtiger. Im Sommer sah er eine Gewitterwolke, deren unterste Fläche 300 Meter über den * 00 F durch und sind dann in dem Wasser durch elne Fatbel reaktion nach⸗ weisbar. Das Verfahren ist sehr subtil. Sein erstes Anwendungs⸗ Gipfel des Mont Blanc sich befand, während die Scheitel der ⸗ selben sich 4800 Meter darüber erhoben. Am 18, August r konnte Ley die Dicke einiger Hagelwolken messen; die imterfläche war etwa 1000 Meter über der Erde und die senk— rechte Mächtigkeit betrug 7600 Meter. Aber selbst diese Dicke wurde im Sommer 1872 durch zahlreiche Gewitterwolken er— heblich übertroffen, am 3. September 1867 und 4. August 1878 betrug deren Mächtigkeit 9700 Meter. Die Mehrzahl dieser Wolkenmassen von enormer Dicke lieferten schweren Hagel, doch einige derselben auch nur Regen. Messungen der Wolkenhöhen in den Tropen, meint Ley, würden noch erstaun— lichere Ergebnisse liefern. Die Gipfel oder höchsten Schichten der Regenwolken erreichen im Winter wie im Sommer die Cirrusregion, doch liegt diese im Sommer viel höher. Die Scheitel der enorm mächtigen Gewitterwolken, die eben ge— nannt wurden, kann man selbst die Cirren durchbrechen und deren Niveau um einige tausend Fuß überschreiten sehen. Hi. W. Clayden hat sich bemüht, die Dicke der Regen- wolken nach einer einfachen Methode zu bestimmen und die Abhängigkeit des Charakters der Niederschläge von der Dicke der Wolken festzustellen. Er kam zu dem örgebnis, daß die Größe der Regentropfen und die Intensität der Niederschläge von der Dicke der Regenwolken abhängt. Wolken, deren Mächtigkeit geringer als 600 Meter ist, liefern selten Nieder— schläge, oder ihr Regen ist sehr leicht. Bei einer Dicke von 600 bis 1200 Meter ist die Größe der Tropfen mäßig. Wenn die Dicke größer wird, wächst auch die Größe der Tropfen und gleichzeitig wird ihre Temperatur niedriger, bis sie Hagel fallen lassen kann— wenn die Dicke 1800 Meter überschreitet und bis 3100 Meter erreicht. Wolken von so großer Mächtigkeit können sich natürlich nur in aufsteigenden Luftmassen bilden, sei es in den großen atmosphärischen Wirbeln oder bei lokalen Störungen des Gleichgewichts, wie bei den meisten Sommergewittern. 9 Die Dicke der Wolken ist also, wie wir hieraus ersehen, beschränkt. Das ist an sich ja selbstverständlich, denn die für die Witterung wichtigen Luftschichten beschränken sich auf die zehn untersten Kilometer, reichen jedenfalls über zehn oder 15 Kilometer nicht hinauf. Größere Mächtigkeit werden wir daher bei den Wolken nie feststellen. Wolkenschichten von 10 Kilometer Dicke sind jedenfalls schon die dicksten und kom⸗ men selten vor. Der Sport, ein Jungbrunnen? 3 Von Anton Fendrich. Die Menschen glauben eher an Hexerei und Zauber als an die natürlichen Wunder der Erde: und doch gibt es Hunderte von wirk— 5 ichen Jungbrunnen. Nur ist es nicht so einfach, wie auf dem Bild des alten Martin Behaim, wo die gichtigen Männlein und wacke— ligen Weiblein links in das große Badebecken hineinsteigen und rechts als unternehmungslustige Gesellen und flügge Fräulein vieder herauskommen. So rasch und so gründlich geht es nicht. Über daß es aus den tiessten körperlichen, geistigen und seelischen Erniedrigungen heraus immer wieder eine Erneuerungsmöglikeit und einen Aufschwung gibt, immer wieder ein Neuerblühen und ederaufstehen, das macht das große Glück jener Erdenbewohner „welche als geborene und gelernte Optimisten den Glauben an Unbesiegbarkeit der tiefsten Quellen aller Kraft wie ein einsaches usgeheimnis mit sich tragen. Für sie wird es auch nach dem esten Winter Frühling, wenn sie nur über den eisigen Feldern der die allererste Lerche jubeln hören; nach dem schwersten nkenlager gibt es für sie immer wieder ein Auferstehen; und einmalige Irrtum, wo auch sie sich nicht mehr erheben, ver⸗ chwindet für sie vor den Hunderten von Malen, wo sie recht hatten über allem Kleinglauben. Der Rhythmus des Ab und Auf, ich das tiefste Wellental wieder zur sonnenbestrahlten Schaum⸗ wird, der hält die ganze Schöpfung im innigsten Gegentakt mmen. So ist der Optimismus der schönste und am leichtesten erreich⸗ e Jungbrunnen ber Welt, und seine Hauptweisheit besteht in Glauben, daß das ganze Universum auf„Ja“ eingestellt ist. „Nein“ und Irrtum und Fehle scheint, kann ein Weg Borwärts und Aufwärts werden, wenn man in der verdäch⸗ tung nur mutig und gelassen geht bis zum Augenblick, wo den großen Bogen macht, was oft viel früher eintritt, 8 Dunkel voll von heimlichem Leuchten und es ist ein schönes Symbol, daß die ungesehene und stärkste Strahlenkraft der Schöpfung, das Radium, in— Pechüberresten entdeckt wurde. Solch ein Jungbrunnen ist auch der Sport! Damit aber ja nichts fehle, so haben, wie überall, wo es auf⸗ wärts gehen will, auch richtig ein paar„Teufel“ dabei ihre Hände im Spiel. Das scheint in der Natur aller Entwicklung begründet zu liegen, daß es dem Guten möglichst sauer gemacht wird, sich durchzusetzen. So fehlt es denn auch im Sport selbst nicht an Tendenzen, die die frischen Aepfel im Garten des Sports von innen heraus anfressen und aushöhlen wollen. Der Kilometerhunger, die Rekordjägerei und die Publikationssucht; die purpurroten Köpfe der Damen, denen auf dem Tennisplatz soeben ein gutplacierter „backhander“ vorbeigelungen ist, das schadenfrohe Zucken um die Mundwinkel, wenn der Partnerin fünf Minuten später dasselbe passiert; die edle Entrüstung eines vermeintlichen Siegers, der um einer sehr zweifelhaften Zehntelsekunde willen Protest wegen seiner Placierung einreicht; alles das und vieles andere, von dem noch in späteren Kapiteln die Rede sein wird, das sind die„Teufel“, an denen auch im Sport kein Mangel ist. Was wir dem jungen Sport wirklich zu danken haben, das ist, daß er uns nach Jahrzehnten der geistigen und körperlichen Ver⸗ staubung hinauslockte auf Wiesen und Matten, auf Flüsse und Seen, in Berge und Wälder, in die Eiswirrnisse der Gletscher und auf die samtenen Weiten der Schneefelder. Wir wollen es ihm danken, daß er uns nach den großen technischen Entdeckungen der letzten Jahr⸗ zehnte zu den eisernen Wundertieren der Schnelligkeit, die nun über die Erde, unter den Meereswellen und in der Luft dahinsausen, das größte Wunder der Schöpfung wieder hat entdecken lassen, den Menschenkörper mit seinen Tausenden immer noch nicht zum Patent angemeldeten märchenhaft fein und sicher arbeitenden Appa⸗ raten des Herzens, des Gehirns, der Muskeln und der Blutbahnen. Nun gilt es, gleich das eine laut und deutlich zu sagen: Der Sport wird immer nur das sein, was der Mensch daraus macht. Wir stehen aber in Gefahr, den Sport durch übertriebene Agitation und Organisation und durch eine Ueberschätzung seiner Bedeutung zu entseelen und ihn so anstatt zu einer Ausruhe von der Hast und Hetze der Berufsarbeit zu einem System eines neuen Wettbewerbs zu machen, das in seinen materiellen wie geistigen Folgen von unab— sehbarem, kulturellen Schaden sein könnte. Daß man an einem forcierten Sportsbetrieb zugrunde gehen muß, das haben nicht nur zahllose Sportsfanatiker, die Leute mit dem starken Biceps und dem schwachen Herzen und die zahllosen, vom Militärdienst zurückge⸗ wiesenen Berufsrennfahrer bewiesen, sondern auch ganze Völker. Der Untergang Griechenlands fiel in die Zeit der seinsten Sophisten und besten Ringkämpfer, also der Gehirn- und Muskelathleten. Das nüchterne, sachliche Rom, das dem Sport kühler gegenüberstand, erhielt sich Jahrhunderte lang als Weltmacht. Der unbefangenste Schreiber der griechischen Geschichte, Thukydides, hat den Fall Griechenlands ganz unverblümt als die Folge der Ehr⸗ und Prunk⸗ sucht bezeichnet, die sich nicht zum wenigsten in den zahllosen Wett⸗ spielen breit machte, zu denen schließlich das ganze öffentliche Leben Griechenlands wurde. Es wäre überhaupt an der Zeit, uns von der großen griechischen Hypnose frei zu machen, die etwas nach dem vergilbten Vergangenheitsenthusiasmus riecht, wie er sich bei manchen Lehrern an humanistischen Gymnasien so häufig findet. Jeder Primaner weiß, daß die griechische Glanzzeit eine bedenklich kurze Periode umfaßte, und in ihrer ganzen schaustellerischen Art, an einen stark überspannten Bogen erinnert. Wenn einer der ersten griechischen Philosophen sagen konnte, daß auch die Tugend„ein Feld sei, um darin zu übertreffen, und das höchste Ansehen in der menschlichen Gesellschaft zu erringen“, so erinnern wir uns mit Genugtuung daran, daß viele unserer deutschen Philosophen die Tugend als etwas bezeichnet haben, das nur um seiner selbst willen getan werden dürfe, und ihren Lohn in sich selbst trage. Wenn unkritische Sportsenthusiasten fast mit einer Träne der Rührung im Auge immer wieder darauf hinweisen, daß die Griechen selbst zur Zeit des Einbruchs der Perser die olympischen Spiele nicht fallen ließen, so scheint es uns. daß gerade dieser Umstand ein Zeichen der völligen Befangenheit und hilflosen Verstrickung der Griechen im Rummel ihrer nationalen Festspiele war, die bis zu einer Ge⸗ fährdung der wirklichen nationalen Interessen ging. Es wäre sicherlich kein Unglück, wann man überhaupt einmal damit aufhörte, die Berechtigung oder Zweckmäßigkeit des Sports aus der Geschichte zu begründen. Damit ist ebenso wenig bewiesen, glaubt, hossen zu dürfen. Die Welt ist in all ihrem wie e wie mit der so beliebten und nachgerade langweiligen Methode, für alle Behauptungen Goethe als Schwurzeugen zu zitieren. Daß der germanische König Teudobod über zwölf Pferde gesprungen ist, braucht für uns ebenso wenig ein Anlaß zu sein, uns in Zer- knirschung als dekandent ihm gegenüber zu fühlen, als der Aus⸗ spruch des alternden Goethe, es sei eine Verrücktheit, sich durch das Baden im Freien in eine Art Urzustand zurückzuversetzen, ein Be⸗ weis dafür ist, daß Goethe in seinen jungen Jahren nicht sehr viel Sinn für eine weise Hygiene und einen vernünftigen Sport gehabt Habe. Er sprach aus dem Geist seiner spießbürgerlich angehauchten Zeit des vorigen N rhunderts; und was den guten König Teudobod anbetrifft, so war für ihn Sport und das Leben etwas wesfentlich anderes als für uns. Ja, es ist sogar sehr fraglich, ob wir Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts bei einem Vergleich der gesamten Leistungen nicht besser abschnitten, als unsere über Gebühr in einen illusionären Himmel gehobenen Vorfahren. Vor einem Jahrhundert hat Deutschland den Beweis geliefert, daß eine Nation gerade aus einem Zustand körperlichen und geistigen Dämmerns Heraus sich zu einer Kraftleistung von welthistorischer Größe erheben kann; und daß andererseits im Gegensatz zu Griechenland eine sehr hohe, sportliche Entwicklung von einem Volke auch ohne Schaden er⸗ tragen werden kann, dafür ist England heute noch ein lebendiges Beispiel. Woran liegt es also, daß-der Sport, der dem einen Volke ein Jungbrunnen ist, dem andern zum Unheil gereichen kann? Es liegt in der Stellung, die wir dem Sport im öffentlichen Leben einräumen und daran, ob der Giftzahn des Sports zur rechten Zeit erkannt und gezogen wird. An sich ist der Sport, wie alles, weder gut noch böse: die Menschen machen ihn erst dazu. Deshalb wird in der Hand des Vollmenschen der Sport zum Segen, weil der Mensch ihn formt und färbt, anstatt sich in allzu großem Entgegen⸗ kommen gegenüber der materialistischen Geschichtsauffassung von der modernen Sportsbewegung formen und färben zu lassen. Der Mensch soll Sport treiben, nicht der Sport den Menschen. Was wir lassen müssen, das sind die gedankentiesen Mienen, die grimmigen Posen und die tiefernsten Gesichter. Dafür sollen wir uns wappnen mit der Unbesieglichkeit eines leichten Sinnes, der nicht Leichtsiun sein soll, sondern für den Deutschen nur das be— deutet, was Bismarck nicht mit Unrecht die uns„fehlende halbe Flasche Sekt“ nannte. Dem Sport soll immer noch so viel Charak— ter des Spiels innewohnen, daß er uns nicht Kräfte entziehen kann, die wir im Beruf besser brauchen könnten. Es fehlt wirklich im all⸗ täglichen Leben nicht dermaßen an Elementen des Wettkampfes, daß wir dieselben künstlich in die Stunden einer spielerischen Erholung und Stärkung verpflanzen brauchten. So wie man sich beim Sport übertrainieren kann, und dann beim eigentlichen Kampfspiel un⸗ fähig ist, so ist es nicht unmöglich, daß eine Nation durch allzu ge⸗ waltsame, geräuschvolle Erziehung zur Kriegsbereitschaft für den Ernstfall sich untüchtig macht. Im Ernstfall schlägt der Geist und das große Herz die schweren Schlachten und nicht ein lange vorhergegangenes Schlachtenspielen; die Bereitschaft zur Tat drückt sich nicht aus in einem chronischen Anspannungszustand, sondern weit eher in einer Stellung, in der alle Muskeln entspannt, einer gewaltigen Höchstleistung aus einem Stadium gleichgiltig erscheinder Ruhe heraus fähig ist. Der Sport, der Fähigkeiten entwickelt, ist der spielerische Wett⸗ kampf, der, mit Fröhlichkeit und mit Maßen betrieben, den Menschen auf der Ruderbank des Bootes, im Bergstiefel und im Fußballschuh immer wieder der Erde und ihren Lüften und Düften näher bringt und so dem ewigen Antäus immer aufs neue die Kräfte und Säfte verleiht, die ihn im ernsten, wirklichen Leben innerhalb seines Be⸗ rufs und innerhalb seiner Familie zum ganzen Manne machen. Und dieser Sport allein ist ein Jungbrunnen. Aus unserer Sammelmappe. Richard Wagners Werke in billigen Ausgaben. Durch das Freiwerden von Wagners Schriften ist nun die Möglichkeit gegeben, die Texte seiner Musikdramen auch in der billigen Ausgabe der Universal-Bibliothek zu erhalten.„Parsifal“,„Tristan“,„Die Meistersinger“,„Lohengrin“,„Tannhäuser“ und„Der fliegende Holländer“ liegen schon in den allbekannten gelbroten Blichlein, „Rienzi“ und die Texte zum„Ning der Nibelungen“ werden in kurzem erscheineu. Die Ausgaben bringen den Tert vollständig and getreu, von dem Musikschriftsteller Georg Rich. Kruse beraus⸗ gegeben und mit ausführlichen Einleitungen versehen, die allerhand Interessantes über die Entstehung der Werke mitteilen. Dem „Parstfal-Buch wurde Wagners Bildnis mitgegeben, außerdem des Meisters eigner Bericht über die erste Bayreuther Aufführung, der uns sagt, wie er sein Bühnenweih⸗Festspiel dargestellt wissen will. Das„Tannhäuser“ Buch enthält die Dichtung in der ursprüng⸗ lichen Fassung und in der 1861 geschaffenen Pariser Bearbeitung. Von den„Meistersingern“ wird auch der interessante erste Entwurf der Dichtung mitgeteilt. Die Wagner⸗Texte erschienen als Band 70—75 der Opernbücher der Universal-Bibliothek. Es ist vielen Theaterbesuchern noch nicht bekannt, daß in der Universal⸗Bibliothek Textbücher enthalten sind, die neben dem Vorzug des geringen Preises(20 Pfg. jeder Band) den weitern großen haben, daß sie nicht wie andre Ausgaben nur die Gesangstexte enthalten, sondern den 2 vollständigen Wortlaut der Gesänge und Dialoge, die vollständige Juszenierung, und die bei den Aufführungen üblichen Striche in Klammern. Ferner sind jedem Bande geschichtliche Notizen über die Entstehung des Werkes, eine Charakteristik der Oper und ihrer einzelnen Partien, biographische Notizen über Komponisten, Text⸗ dichter und Uebersetzer beigefügt. Auch die Erläuterungen zu Wagners Tondramen von Max Chop(11 Bände, geheftet je 20 Pfg., zusammengebunden in Leinen 3 Mk, in Leder 4,50 Mk.) sind be! dieser Gelegenheit zu erwähnen. Chop analysiert Wagners Musik⸗ dramen mustikalisch, geschichtlich und szenisch, bringt reichlich und in glücklicher Auswahl Notenbeispiele und bewältigt durch seine her⸗ vorragende Beherrschung des Stoffes wie durch seine Gabe wirk⸗ lich volkstümlicher, allgemeinverständlicher Darstellung die schwierige Aufgabe, Wagners Werke den weitern Kreisen des musikalisch inter J essierten Publikums nahezubringen, in glänzender Weise. Eine billige Wagner-Ausgabe wird auch von einem Parteiverlag Heraus- gebracht:„Parsifal“, ein Bühnenweihfestspiel von Richard Wagner, mit einer Einführung von Max Denk, 92 Seiten broschiert 50 Pfg., ist in München bei G. Birk u. Co. m. b. H. erschienen. Der schön ausgestattete Text zum„Parsifal“ wird sich, der ausführlichen Er⸗ läuterung des Stoffes sowie des überaus billigen Preises wegen, gewiß bald überall einführen. 5 Die Löcher im Firmament. Einer der berühmtesten Astronomen der Gegenwart, Professor Barnard von der Perkessternwarte, die sich des Besitzes des größen Fernrohres erfreut, hat im Astrophysi⸗ lalischen Journal eine Untersuchung über eine besonders eigentüm liche Erscheinung am Fixsternhimmel veröffentlicht. An manchen Stellen in Nebeln und Sternhaufen werden hie und da Flecken be⸗ merkbar, die sich durch völlige Dunkelheit scharf von der Umgebung abzeichnen. Die Himmelsbeobachtung hat eine große Zahl solche l Löcher am Firmameent nachgewiesen, und Professor Barnard selbst legt das Versprechen ab, in nächster Zeit ein vollständiges Verzeich⸗ nis dafür anzulegen. Vor läufig beschreibt er nur zwei Beispiele, deren eines in der Sternwolke des Bogenschützen, das zweite in dem Nebelstreisen südlich des Sterns Rho im Orion gelegen ist. Die Stelle im Bogenschützen ist durch photographische Aufnahmen als ein kleiner Fleck mit scharfen Umrissen nachgewiesen worden, aber eine Aufklärung hat Barnard erst durch die Beobachtung mittels des Fernrohrs erreichen können. Er ist zu der Ueberzeugung gelaug daß der Fleck überhaupt nicht ein„Loch“, also einen von St freien Teil des Himmels darstellt, sondern einen mehr oder weniß ge Undurchsichtigen Himmelskörper. Zu demselben Schluß ist er du die Beobachtung der anderen dunklen Flächen im Nebelstrom ge⸗ des Orion gelangt, die er gleichfalls als einen dunklen Körper be⸗ zeicht, der den Glanz der Nebelmasse unterbricht. Diese Feststellung ist vielleicht eine der aroßartigsten Leistungen, die das größte Jern⸗ rohr der Welt bisher vollbracht hat. Das dadurch geschaffene Rät 1 erklärt Barnard durch die Annahme, daß ein dunklerer Teil d Nebels selbst vor der übrigen Nebelmasse liegt und deren Licht al sperrt. Bedeutende Helligkeitsunterschiede hat schon Isaage Rob durch seine unvergleichlichen Photographien der Nebel nachger worauf sich Barnard nunmehr stützt. Sie mögen dadurch he r gerufen werden, daß der Nebel uns seinen dichtesten und daher un durchsichtigsten Teil zuwendet. Dunkle Streifen von merkwür Windung sind auch in einem Sternhaufen des Sternbildes des horns beobachtet worden,