Wissen ist mach Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Dolkszeitung Nummer 20 Dienstag, den 19. smai 1914 3. Jahrgang Die Entwicklung des religiösen Denkens. Von Gg. Engelbert Graf. Unter den Kulturelementen der Menschheit nimmt die Religion von jeher eine der hervorragendsten Stellungen ein. Soweit wir den Entwicklungsgang der Menschheit zu— rückverfolgen können, hat es immer und allerorts religiöses Denken und Religionen gegeben. Es ist daher erklärlich, wenn man noch häufig der Ansicht begegnet, der Mensch werde schon mit der Anlage zur Religion geboren, sie sei gleichsam ein göttliches Erbteil, eine Offenbarung. Von diesem Standpunkt aus muß jede Religion sich selbst als die einzig wahre, einzig geoffenbarte und alle übrigen für Teufelswerk oder für krankhafte Verirrungen des menschlichen Geistes halten: jede Religion ist in ihrem Wesen intolerant. Im geraden Gegensatz dazu steht die Anschauung, die seit der Zeit der sogen.„Aufklärung“ noch in manchen Köpfen spukt: alle Religion sei nur das Produkt herrsch- und gewinnsüch— tiger Priester. Die vergleichende Religionswissenschaft hat mit beiden Ansichten aufgeräumt: die vorurteilslose Forschung gewährt uns heute tiefere Einblicke in das Wesen und die Entwicklung der Religion. Um zur Wahrheit zu gelangen, müssen wir bei allen Religionen von den vielen Aeußerlichkeiten absehen, die den eigentlichen Kern verhüllen; wir dürfen uns aber bei unseren Untersuchungen nicht auf eine, etwa nur auf die christliche Religion, beschränken, wir müssen den Kreis weiter ziehen. Jede wissenschaftliche Forschung ist vergleichende Forschung. Und Religionsgeschichte ist erst möglich geworden durch die vergleichende Religionswissenschaft. Untersuchen wir ein einzelnes Volk auf seine derzeitigen religiösen Anschauungen, so bieten diese durchaus kein ein— heitliches Bild. Innerhalb des Christentums finden sich viele Reste einer älteren Religion, und heidnische Gebräuche und Sitten haben sich über Jahrtausende hinweg erhalten. Unter dem Glauben sieht der Aberglaube hervor, und auch in ihm erkennen wir eine ganze Anzahl verschieden alter Schichten. Dieses Ueberbleibsel längst verklungener Zeiten sind, so lächerlich sie bisweilen erscheinen mögen, für die Wissenschaft von größter Bedeutung: die Volkskunde, die derartige Ueber— lebsel sammelt, sichtet und deutet, gehört heute zu den wich— tigsten Zweigen der Kulturgeschichte. Verschiedenen Stufen des religiösen Denkens begegnen wir aber auch bei niedrig stehenden Völkern. Völker, deren Technik und deren wirt— schaftliches Leben auf primitiver Stufe stehen geblieben ist, zeigen die primitivsten Formen der Religion. Und parallel der technisch⸗wirtschaftlich⸗sozialen Entwicklung verläuft auch die Entwicklung der Religion: die Völkerkunde— Ethnologie— liefert mit das Hauptmaterial für die ver— gleichende Religionswissenschaft. Und wenn wir auch nicht hoffen dürfen, daß vorgeschichtliche Funde uns je den Werde— gang der Religion lückenlos demonstrieren werden, so hat die Prähistorik(Vorgeschichte) doch auch schon wertvolles durchweg bestätigendes Material für die Religionsgeschichte geliefert. Auf Grund der Ergebnisse dieser Wissenschaften müssen wir uns zunächst über das Wesen der Religiom über⸗ haupt klar werden. Alles Nebensächliche— Moral, Kult, Priestertum— muß dabei selbstverständlich von vornherein ausscheiden; eine Definition muß das allen Religionen Gemeinsame umfassen; nur so können wir zum Ursprung der Religion vordringen. Dabei machen wir sofort die Beobach- tung, daß der Glaube an Gott und Götter nicht in allen Religionen vorhanden ist, ebensowenig wir Vorstellungen von Weltentstehung und Weltzusammenhang. Darin kann also das Wesentliche religiöser Vorstellungen nicht liegen. Bei Berücksichtigung aller Religionen gelangen wir vielmehr zu folgendem Ergebnis: Religion ist das Gefühl— auf höheren Kulturstufen das Bewußtsein— von Dingen, Personen oder Zuständen abhängig zu sein, die in das persönliche oder wirtschaftliche Leben des Menschen eingreifen, die der Mensch auf der be— treffenden Kulturstufe mit den Sinnen in der Regel nicht erfassen, jedenfalls aber weder auf natürliche Weise erklären, noch wenden kann. Ihre Richtigkeit erweist diese Definition dadurch, daß sie auf alle Religionen anwendbar ist und das Wesentliche aller Religionen umfaßt. Wir müssen nach ihr also die Religion in dem kulturellen Entwicklungsgange der Mensch⸗ heit als eine Waffe im Kampfe ums Dasein auffassen! Wie jeder Aberglaube einmal Glaube war, so gab es für jede Re— ligion eine Zeit und eine Gegend, wo sie kulturell berechtigt und notwendig war. Erst wenn die wirtschaftlichen Verhält— nisse, aus denen heraus sie erwuchs, sich änderten, änderte sich auch das religiöse Denken, nahm eine andere Richtung oder verlor sich allmählich, um allerdings noch sehr lange rudimen— tär sich im Aberglauben oder in unverstandenen Sitten und Gebräuchen zu erhalten.— Wenn man bisweilen noch in Reiseberichten von reli— gionslosen Völkern liest, so ist dies falsch und beruht auf mangelhafter Beobachtung. Selbst die niedrigststehenden Völker sind religiöser Vorstellungen keineswegs bar; ihr Leben wird sogar mehr davon beherrscht als das unsrige. Den unmittelbaren Anfang religiösen Denkens können wir aber auch bei den primitivsten Völkern nicht beobachten; denn auch sie haben ja schon eine sehr lange Kulturentwicklung hinter sich. Nur die nach unserer Kenntnis primitivsten Re- ligionsvorstellungen können wir bei ihnen untersuchen. Die Religion des niedrig stehenden„Wilden“ ist im wesentlichen eine Gespensterreligion; sie knüpft an die Geister der Ver— storbenen und an überall vorhanden gedachte, unsichtbare Dämonen an. Seelenglaube und Seelenkult sind auch aus den religiösen Vorstellungen der Kulturvölker noch nicht ge · schwunden, und das hohe, urzeitliche Alter dieser Religions— form, die in der Wissenschaft den Namen Animismus führt, erhellt aus zahlreichen prähistorischen Ueberresten. Der Animismus ist eine Ausgeburt der primitiv— sten Stufe wirtschaftlicher Entwicklung; er ist der Anschau— ungswelt der Jäger- und Sammelvölker entsprungen. Inner- halb der kleinen Lebensgemeinschaften, der Horden, in denen sich das Dasein solcher Völker abspielt, regen naturgemäß die— jenigen Erscheinungen am allerersten zum Nachdenken an, die in das persönliche Leben und in den Fortbestand der Horde am tiefsten eingreifen; das sind Krankheit und Tod. Jeder Todesfall vermindert die Zahl der jagdkräftigen Individuen, jede schwere Krankheit war ein Hindernis für die Horde. Daß der Tod eine allgemeine, unabänderliche Erscheinung sei, dafür fehlt dem Menschen auf der Urstufe der Entwick⸗ lung noch das Verständnis und die Erfahrung. Wenn er den eben noch lebensfrischen Genossen im Kampfe tot hin ⸗ sinken sah, warum bewegte er sich nicht mehr, warum ant⸗ wortete er nicht mehr auf einen Anruf? In dem geringen Erfahrungsschatz des Wilden gaben andere Beobachtungen die Erklärung. Der Schlafende glich dem Toten, der Be⸗ wußtlose ebenfalls. Aber wenn sie wieder zum Leben er⸗ wachten, dann erzählten sie von anderen Gegenden, die sie geschaut, von Dingen, die sie in der Zeit des Schlafes ge⸗ trieben, von Personen, denen sie begegnet seien. Daß Träume Schäume sind, hat der primitive Mensch noch nicht erkannt; für ihn sind sie Wirklichkeit. Es muß daher etwas in dem Menschen wohnen, das all die Lebensäußerungen erst her- vorruft und das den Körper verlassen und draußen herum streifen kann: das ist die Seele. Die Seele ist also nichts Wirkliches, sondern nur eines der ältesten Resultate mensch— licher Spekulation. Mit der Logik, die die kindliche Entwicklungsstufe heute noch auszeichnet, schloß der Wilde weiter: Wenn dieses un⸗ sichtbare Ding von Seele im Traum den eigenen Körper ver⸗ lassen kann, kann es gelegentlich auch in einen anderen hin- einfahren: Ekstase,„Begeisterung“, Fieber, Krankheit, Be sessenheit sind die Folgen. Oder die Seele kann draußen in der Natur, in einem Baum, einem Berg, einem Stein zeit- weise oder dauernd Wohnung nehmen. Und die Seelen der Verstorbenen, die ja noch lange den Hinterbliebenen im Traum erscheinen, vermögen weiter zu wirken, zu nützen oder zu schaden. Alle derartigen Ueberlegungen sind natürlich je nach dem Wohngebiet und den Lebensverhältnissen verschie— den angestellt worden, haben zu verschiedenen Resultaten ge⸗ führt, und das Chaos von Aberglauben und Unsinnigkeiten gezeitigt, das die animistischen Religionsformen dem ober— flächlichen Beschauer bieten. Konnten die unsichtbaren Gespensterseelen in das Da⸗ sein der Lebenden eingreifen, so mußte das Bestreben darauf hinauslaufen, sich vor ihnen zu schützen oder— auf einer bereits höheren Entwicklungsstufe— sich ihren Einfluß zu⸗ nutze machen. Darauf gehen die innerhalb der ganzen Mensch— heit verbreiteten Totengebräuche zurück; ferner der Glaube an eine Seelenwanderung, daran anschließend die Ver— ehrung von Tieren. Die ersten Anfänge der Medizin, Kanni⸗ balismus und Fetischglaube, die alle in Resten das heutige religiöse Denken durchsetzen, finden durch den Seelenglauben und den Seelenkult ihre natürliche Erklärung. Selbst innerhalb der urtümlichsten gesellschaftlichen Ver⸗ bände bildeten sich frühzeitig Rangunterschiede heraus. Der Stärkere schwang sich über die Schwächeren empor; und diese Aussonderung machte mit der weiteren Entwicklung, vor allem, als an Stelle des körperlich Stärkeren der wirtschaft⸗ lich Stärkere trat, immer größere Fortschritte. Diese Unter— schiede fanden auch in der Geisterwelt ihren Ausdruck. Wie man sich im Leben am meisten vor dem Häuptling gefürchtet hatte, so genoß auch nach seinem Tode sein Geist größere Ver— ehrung; die Seelen der großen Masse dagegen gingen sang— und klanglos unter. Die Pyramiden der Aegypter, die Hünengräber und die Denkmäler der Gegenwart sind sprechende Zeugnisse dieser Ahnenverehrung. Jeder Fortschritt in der Erkenntnis der Umwelt, jede technische Errungenschaft, jede wirtschaftliche und soziale Neuerung fand so ihren Niederschlag in religiösen Anschau⸗ ungen und Zeremonien. Die Entdeckung und Bereitung des Feuers, die Verbesserung der primitiven Werkzeugformen, die Einführung des Privateigentums, der Zeugungsakt usw. Solange aber die Wirtschaftsweise im Wesentlichen der des Urzustandes glich, solange der Mensch als Jäger und Samm— ler seinen Lebensunterhalt gewann, stand im Mittelpunkt seines religiösen Denkens die animistische Vorstellung. Erst als er zum regelmäßigen Ackerbau und zu planmäßiger Vieh⸗ zucht überging, änderte sich das Bild. Von nun an lebte er viel mehr als vordem innerhalb größerer Verbände. War früher sein Dasein mehr an Zufälligkeiten gebunden, so wurde er nun mehr und mehr von ganz bestimmten Naturgewalten, später von gesellschaftlich-wirtschaftlichen Faktoren abhängig Sonne, Regen und Wind, Fluß und Meer, Himmel und Erd— be den griffen unmittelbarer in sein Dasein ein und zwangen sein Denken in bestimmte Richtung. Das eigentliche Wesen der Naturkräfte und ihre Zusammenhänge zu erfassen, dazu reichten natürlich die Erfahrungen noch nicht aus. Man mußte hinter ihnen übernatürliche, übermächtige Geister sehen, die man in einzelnen Göttergestalten personifizierte. Die so entstehende Stufe religiöser Entwicklung bezeichnet man als Polytheismus, d. h. Vielgötterei, wie wir sie z. B. von den Aegyptern, Griechen, Römern und Germanen kennen. Natürlich löste sie die animistischen Vorstellungen nicht einn fach ab. Die Naturgötter tragen häufig noch die Züge der 5 Ahnengeister, aus denen sie entwicklungsgeschichtlich hervor- gegangen sind, und als Aberglauben erhielt sich der uralte. Animismus ruhig weiter. Auch erscheint der Polytheismus sehr verschiedenartig ausgebildet, je nach den geographischen Vorbedingungen und dem Stand der wirtschaftlichen Ent⸗ wicklung. Der Glaube an einen Gott, der Monotheismus, konnte in der Hauptsache auf zwei Wegen entstehen, auf mehr g politischem und mehr philosophischem. Schon der Animismus 5 zeigt auf einer vorgeschrittenen Stufe verschiedene Rangklassen von Ahnengeistern; und der Ahnengeist des Häuptlings inner⸗ halb eines Stammes überragte alle anderen. Wenn ein Stamm 2 nun einen anderen besiegte, so unterlagen damit auch dessen geisterhafte Beschützer, sie wurden Götter minderen Ranges. So konnte eine Art„natürlicher Auslese“ sozusagen zu der Emporzüchtung einer überragenden Gottheit, die aber nicht 23 die einzige zu sein brauchte, führen. Der jüdische Monotheis- mus entwickelte sich auf diesem Wege, und die einzelnen Phasen seiner Entwicklung sind noch ganz deutlich im Alten Testa⸗ ment sichtbar. Andererseits konnte aber auch die fortschrei⸗ tende Erkenntnis der Natur und der wirtschaftlichen Kräfte zu einer Ausmerzung überflüssiger Göttergestalten führen, bis man schließlich hinter allem Wirken und Werden in der Natur nur noch eine, auf der damaligen Stufe der Entwick- lung allerdings unerklärbare Kraft, den einen Gott sah. Zu dieser Vorstellung waren z. B. die ägyptischen, babylonischen, persischen Priester und die griechischen Philosophen gelangt. Auch die Kultur der bäuerlichen Wirtschaftsweise ging ihrem Zerfall entgegen, und dieser Zerfall mußte notwendig die religiösen Anschauungen in Mitleidenschaft ziehen. Den Höhepunkt der agrarischen Entwicklung im Altertum bezeich- nen etwa die Zustände im alten Rom. Ueberall nationale Entrechtung und wirtschaftliche Verelendung der Massen; der Einzelne nicht mehr unmittelbar abhängig vom Natur ⸗ geschehen; unerkannte, unkontrollierbare wirtschaftliche und gesellschaftliche Mächte spielen Fangball mit ihm. Charakte⸗ ristisch für alle Agrarstaaten auf dieser Stufe der Entwick⸗ lung ist das allgemeine Erlösungsbedürfnis. Na- türliche Mittel versagen, und die Religion muß wieder Helfer in der Not spielen. So entstand z. B. in Indien der Buddhis⸗ mus anstelle der Götterreligion des Brahmanentums— und auf diese Quelle endlich ist das Christentum zurückzuführen. r Der zweihundertjährige Todestag Denis Papins. In diesem Jahre sind zwei Jahrhunderte seit dem Tode des Mannes verflossen, der als erster die Kraft des Dampfes zu einer Arbeitsleistung benutzte, den wir daher als den Erfinder der ersten, allerdings sehr primitiven Dampf⸗ maschine ansprechen können. Leider wissen wir weder Ort noch Datum genau, an dem Denis Papin sein unruhvolles und von Mißgeschick verfolgtes Leben beendete. Papin war im Jahre 1647 in Frankreich geboren worden. Er studierte zunächst Medizin, wandte sich dann aber der Mathematik und Mechanik zu und ging 1675 nach London, wo er mit Robert Boyle, dem berühmten Gründer der Königlichen Gesellschaft, in Beziehung trat, der ihn in diese Gesellschaft einführte. Eine Frucht seiner damaligen Studien war die Erfindung des„Digesteur“, des Dampftopfes, der ja heute noch in Gebrauch ist und der das Garkochen der Speisen in weit kürzerer Zeit als in einem gewöhnlichen Topfe gestattet. Papin brachte an diesem Topfe ein Sicherheitsventil an, das bei über⸗ großer Spannung ein Entweichen des Dampfes gestattet und so eine Explosion verhindert und das die erste Etappe der Arbeiten Papins über die Dampfmaschine bedeutet. 555 Nach einem zweijährigen Aufenthalt in Italien wiederum nach 5 England zurückgekehrt, trat Papin für ein Monatsgehalt von 50 Mark in den Dienst der Königl. Gesellschaft und arbeitete nun an der Herstellung einer pneumatischen Pumpe, die auf demselben Prinzip aufgebaut war, wie unsere heutigen Rohrposten, Leipzig“ den Vorschlag, anstatt des Pulvertz in Dampf verwandeltes Wasser zu benutzen und dieses Jahr ist daher als das Geburtsjahr der 1 maschine zu betrachten. Die erste Dampsmaschine Papins war so ut, daß in einer Röhre durch ein darunter angebrachtes 1 sser zum Kochen gebracht und durch den sich entwickelnden F e schwerer eiferner Kolben gehoben wird. Alsdann wird er * N 5 RN n entfernt, der Dampf kühlt sich ab und verdichtet sich zu Wasser und der Luftdruck, sowie das eigene Gewicht des Kolbens treiben diesen wieder nach unten. Ist nun an dem Kolben oben ein Seil—. und diefes über eine Rolle geleitet, so kann man an dem anderen Ende des Seiles eine Last en lassen. Diese Maschine hatte noch schwere prinzipielle Mängel. So hätte die Ab⸗ kühlung des Dampfes durch Wasser beschleunigt werden müssen: auch wäre es praktischer gewesen, die Feuerungsquelle getrennt von der Maschine anzulegen, um so das Wegtragen des Ofens zu ver⸗ meiden. Tatsächlich war die Erfindung auch praktisch unbrauchbar und so ließ Papin sie zunächst liegen, um dann 15 Jahre später, als er von der Dampfmaschine des Engländers Severy hörte, auf der von diesem gefundenen Grundlage sich weiter mit dem Problem zu beschäftigen. Er baute jetzt eine Maschine, in der der Dampf Wasser aus einem Gefäß verdrängte, das dann irgendwo Arbeit leistete. Berdichtete sich der Dampf wieder, so mußte neues Wasser aus der Erde oder einer fonstigen Wasserquelle gezogen werden. Obwohl dieses Prinzip an sich unrationeller als das oben beschriebene war, da durch die Berührung des Dampfes mit dem Wasser der größte Teil der Wärme ungenützt verloren ging, so gelang es Papin. doch, mit einer von ihm gebauten Maschine ein Boot auf der Fulda zu treiben, das also den ersten Fall einer praktischen Verwertung der Dampfkraft darstellt. Infolge von Mißhelligkeiten wollte Papin Deutschland ver⸗ lassen und nach Englang zurückkehren, wo er sich von seiner Er⸗ findung große Ehren und Reichtümer versprach. Er fuhr deshalb mit seinem Boot die Weser hinunter bis nach Bremen und hier er⸗ eilte ihn das tragische Geschick, daß sein Boot von den eifersüchtigen Schiffern, die glaubten, daß seine Erfindung ihnen das Brot nehmen könnte, zerstört wurde. Ein Akt von wahrhaft symbolischer Bedeu⸗ tung: ein paar armselige Schiffersknechte, die glauben, durch eine Tat der Roheit den Slegeslauf einer Erfindung aufzuhalten, die wie keine andere innerhalb der letzten 500 Jahre das Antlitz der Erde, unsere ganzen gefellschaftlichen und wirtschaftlichen Zustände umgestalten sollte. Elend und gebrochen kam Papin wieder nach London, wo er vergeblich die Unterstützung der Königlichen Gesellschaft für neue Erfindungen zu erhalten versuchte. 1713 verläßt er die Stadt zum dritten Male und begibt sich nach Holland. Das letzte Lebenszeichen, das wir von ihm haben, ist ein Brief von Leibnitz aus dem Jahre 1714, in dem der Philofoph sein Bedauern über das Verschwinden des„gelehrten französischen Mathematikers und Maschinisten“ aus⸗ spricht, zugleich mit der Hoffnung, daß man bald etwas von ihm ören möchte. Diese Hoffnung ist nicht in Erfüllung gegangen. 8 in ist offenbar in Holland bald darauf ungekannt und ungeehrt ö 3 so daß wir heute nicht einmal wissen, wo seine Gebeine ruhen. Seine Erfindung wurde im Jahre 1769 durch den Engländer James Watt in wirklich praktisch brauchbarer Form ausgebaut, um von da ab ihren Siegeslauf um die Erde anzutreten. Schwerlich hat wohl der unglückliche Marburger Professor geahnt, welche unge⸗ heuren Entwicklungsmöglichkeiten seiner bescheidenen Erfindung inne wohnten. Die Ermüdung bei der Arbeit. Die Schwierigkeit der Feststellung der Ermüdung bei der Arbeit liegt nach Prof. Roth in Potsdam vor allem darin, daß diese je nach der Art der Arbeit und der Arbeitsdauer für jeden Berufszweig anders gelagert ist, und daß speziell für die Frage der Ermüdung neben den beruflichen auch wirt— schaftliche soziale und persönliche Momente von großer Be— deutung sind. Für die Leistungen einer bestimmten Arbeits- energie ist vor allem der Grad der Entwicklung der bei der Arbeit in Anspruch genommenen Organe, der Muskeln und Nerven ausschlaggebend. Ermüdung ist die natürliche Folge körperlicher oder geistiger Arbeit. Uebermüdung die Folge einer innerhalb der Norm nicht wieder ausgeglichenen Er— müdung; je mehr die Ermüdung zur Uebermüdung führt, um so leichter entwickelt sich sog. reizbare Schwäche. Bei den Arbeitern spielt die Art der Muskelarbeit eine große Rolle, bob einzelne Muskeln übermäßig angestrengt werden, ob die Körperhaltung eine freie oder gezwungene ist und nament⸗ lliüch, ob die Bauch- und Brustatmung bei der Arbeit behindert Hund dadurch der Abfluß des Blutes aus den Blutadern er— schwert wird. Infolge der körperlichen Anstrengungen kommt es zur Bildung von Ermüdungsstoffen in den Muskeln. Mit der Bildung der Ermüdungsstoffe in den arbeitenden Mus- keln geht der Verbrauch des Körpergewebes, speziell der arbeitenden Muskeln und des Fettes, Hand in Hand. Von einmal die Ernährung und dann die Ruhe. Symptome der Ermüdung sind Vertiefung der Atemzüge, Beschleunigung des Pulses, Ansteigen der Körperwärme und Abnahme der Arbeitsleistung. Jede körperliche Arbeit macht, wenn sie ein gewisses Maß übersteigt, für geistige Arbeit unfähig; die sinnliche Wahrnehmung wird dann langsamer und ungenauer; dementsprechend wird die Unterscheidung für jegliche Art von Wahrnehmung unsicher und fehlerhaft. Wird die Ermüdung durch Ruhe und Ernährung nicht wieder ausgeglichen, so kommt es in den besonders in Anspruch genommenen Or— ganen zu Entzündungen, z. B. Sehnenscheidenentzündungen, Schiefhals, Plattfüße, Krampfadern; Schädigungen der Augen durch Uebermüdung sind die Nachtblindheit, das Augen- zittern der Bergleute. In den Nerven treten infolge der örtlichen Uebermüdung Nervenschmerzen und Krämpfe auf. Am Herzen zeigen sich Veränderungen in Form von Er⸗ weiterung, auch die Arterienverkalkung ist als eine Ueber⸗ müdungserscheinung aufzufassen. Für die Beseitigung der Ermüdung kommt ausreichende Erholung und Ernährung in Frage. Während kürzere Wege zur Arbeitsstätte bei Sitz ⸗ arbeitern infolge der dadurch bewirkten Ventilation der Lungen als gesundheitlich günstig wirkend zu erachten sind, machen sich die schädlichen Wirkungen weiter Wege, besonders bei schlechter Witterung, bemerklich. Es muß daran festge⸗ halten werden, daß eine entsprechende Ruhezeit in der Mitte, des Tages ein wichtiges Moment für die Erleichterung der Arbeit und die Schonung der Kräfte darstellt. Gezwungene Körperhaltung und einseitige Inanspruchnahme einzelner Muskeln begünstigen den vorzeitigen Eintritt der Ermüdung, desgleichen anhaltende heftige Geräusche und Erschütterungen, frühzeitige Schweißabsonderung durch hohe Wärmegrade, narkotische Mittel und Alkohol. Je mehr die körperliche Ar⸗ beit gleichzeitig geistig anstrengend ist, rungen sie an die Verantwortlichkeit und Aufmerksamkeit der Arbeiter stellt, um so früher tritt die Ermüdung ein. In vorbeugender Hinsicht ergibt sich die Forderung, daß die Ar. beitsintensität im Interesse der Gesundheit der Arbeiter ein gewisses Maß nicht übersteigen darf. Das Pepsin der Insekten. kos. Um Leuten mit schwachem Magen die Verdauung zu er⸗ leichtern, schaben die Versertiger pharmazeutischer Erzeugnisse sorg⸗ fältig gereinigte Schweine⸗, Lämmer⸗ oder Kälbermagen auf der inneren Seite mit einem Knochenmesser und erhalten so(nach Ver⸗ mengung dieses Schleimes mit gewissen Zutaten und späterem Filtrieren und Trocknen) Pepsin. Es ist dies eine von den Lab⸗ drüsen der Magenschleimhaut abgesonderte, ferment⸗(d. h. gärungs⸗ oder fäulnis⸗) artig wirkende Substanz, welche die Eigenschaft be⸗ sitzt, eiweißartige Körper, insbesondere das Muskelfleisch, aufzu⸗ lösen. Wenn die Pepsinfabrikanten den Magen der Brummexlarve abschaben könnten, so schreibt der bekannte französische Insekten⸗ forscher J. H. Fabre, würden sie ein Erzeugnis von viel hervor⸗ ragenderer Beschaffenheit erhalten, denn jener Wurm besitzt seine eigene Sorte Pepsin von ganz einziger Wirksamkeit. Zum Beweis teilt Fabre einige Versuche mit, die er ausgeführt hat.„Ich zerschneide in siedendem Wasser gekochtes Eiweiß ir Würfelchen, die ich in ein kleines Probierglas fülle. Auf ihre Ober⸗ fläche streue ich Eier der Schmeißfliege. Ein ähnliches Glas empfängt das Weiße eines gekochten Eies, jedoch nicht mit Fliegeneiern besetzt. Beide Gefäße, mit einem Wattefropf verschlossen, bleiben dann in einem dunklen Winkel stehen. Nach einigen Tagen enthält die Röhre, in der das neugeborene Gewürm wimmelt, eine klare, wie Wasser durchsichtige Flüssigkeit; wenn ich es umstülpte, würde nichts darinbleiben. Alles Eiweiß ist“ verschwunden, flüssig geworden. Was die Larven betrifft, die schon ein bißchen gewachsen sinb, so scheinen sie sich sehr unbehaglich m fühlen. Die meisten vermögen ohne Unterstützung nicht die atem⸗ bare Luft zu erreichen, sie tauchen in die von ihnen hergestellte Brühe unter und ertrinken darin. Einige, die kräftiger sind, schlängeln sich längs des Glases bis zu dem Wattefropf hin und bringen es fertig. sich hindurchzuarbeiten. Ihre hakenbewehrte Leibesspitze ist der Nagel, der durch die faserige Masse dringt. In der Röhre ohne Larven, die, neben der anderen stehend, den gleichen atmosphärischen Einwirkungen ausgesetzt ist, geht nichts Bemerkenswertes vor. Die aus diesem einfachen Versuch zu ziehende Folgerung liegt klar u⸗ tage; die Einwirkung der Brummerlarve verwandelt gekochtes Ei⸗ weiß in Flüssigkeit. Man bewertet das pharmazeutische Pepsin nach der Quantität des gekochten Eiweißes, die ein Gramm dieses Pulvers flilssig machen von 60 Grad ausgesetzt und außerdem häufig geschüttelt kann. Die Mischung muß in einem Trockenofen einer N Meine Zubereitung. in der die Larven der Schmeißfliege aus den brößter Wichtigkeit für die arbeitenden Muskeln ist daher je höhere Anforde- lern kriechen, wird weder geschüttelt noch der Hitze unterworfen, alles vollzieht sich in Ruhe und unter den thermometrischen Be— dingungen der umgebenden Luft; trotzdem wird in wenigen Tagen das von dem Gewürm bearbeitete Eiweiß flüssig wie Wasser. Dieses Ergebnis ist staunenerregend, wenn man die Geringfügigkeit der Mittel erwägt. Kein anderes Pepsin kann neben dem der Larve be⸗ stehen. Ich besitze ein Fläschchen mit Pepsin, das aus der Pharmazie⸗ schule von Montpellier stammt. Mit dieser nach den Regeln der Wissenschaft hergestellten Droge bepudere ich reichlich Stücke von ge⸗ kochtem Eiweiß, wie ich sonst die Eier der Schmeißfliege darauf⸗ schütte. Der Versuch wird genau so ausgeführt, wie bei der Röhre mit den Fliegenlarven. Das Ergebnis ist aber durchaus nicht das von mir exwartete. Das Eiweiß wird nicht flüssig, sondern nur an der Oberfläche feucht. Zu gleichen Versuchen benutztes Fleisch lasse ich von den Larven, die aus den daraufgeschütteten Eiern der Schmeißfliege geschlüpft sind, nach ihrem Belieben bearbeiten. Das Muskelfleisch wird zu einem fließenden Brei von rotbrauner Farbe. Leber, Lunge, Milz werden mehr angegriffen, ohne jedoch den Zustand einer halbflüssigen Marmelade zu überschreiten, die sich sehr leicht in Wasser verrühren läßt und sich darin sogar aufzulösen scheint. Anderseits erleiden die fetten Stoffe: Ochsenfett, frischer Speck, Butter keine wahrnehmbare Veränderung. Noch mehr: die Larven gehen darauf schnell zugrunde und sind unfähig, auch nur ein wenig zu wachsen. Derartige Nahrungsmittel sagen ihnen nicht zu; aus welchen Gründen wohl nicht? Augenscheinlich, weil sie sich durch das von den Larven ab⸗ gegebene Reagens nicht flüssig machen lassen. Aber auch das ge⸗ wöhnliche Pepsin greift die fetten Stoffe nicht an. Dieses merkwürdige Zusammentreffen der Eigenschaften: positiv gegenüber den Eiweißstoffen, negativ gegenüber fetten Stoffen, be⸗ stätigt die Aehnlichkeit und vielleicht sogar die Gleichartigkeit des Auflösungsmittels, das die Larven von sich geben, und des von den höheren Tieren stammenden Pepsins. Aus unserer Sammelmappe. Natur, Halbmonatsschrift für alle Natur⸗ freunde, Organ der Deutschen und österreichischen Natur- wissenschaftlichen Gesellschaft. Herausgeber Professor Dr. Ba st. Schmid und Dr. Curt Thesing. Heft 6—0. Jährlich 24 Hefte mit vielen Abbildungen und 5 reich illustrierte Bücher zum Preise von 6.— Mk. Deutsche Naturwissenschaftliche Gesellschaft, Geschäftsstelle Theod. Thomas Verlag, Leipzig. Wiederholt bereits hatten wir Gelegenheit nehmen können, un— sere Leser auf die so unübertreffliche Zeitschrift hinzuweisen. In neuester Zeit hat sie wieder dadurch einen bedeutenden Schritt vor⸗ wärts getan, daß sie als Mitherausgeber Professor Dr. Bastian Schmid aus Zwickau verpflichtete, welcher in den weitesten Kreisen durch seine Tätigkeit bekannt ist. Der innere Ausbau der Hefte wird durch diese Aenderung auf das Günstigste beeinflußt, sodaß wir mehr denn je unseren Lesern empfehlen können, ihr Interesse dem Unter⸗ nehmen zuzuwenden. Eine Anzahl neuer bereits durch ihre frühere Wirksamkeit bekannter Mitarbeiter sind so für die Zeitschrift ge⸗ wonnen worden. Wir möchten nur an Franz Rusch erinnern, dessen gemeinverständliche Darstellungen astronomischer Fragen die weiteste Beachtung gefunden haben. Seine Artikel in der Natur,„Die Milch⸗ straße“ und„Was wir vom Monde wissen“ sind geradezu Muster volkstümlicher Schilderung, welche noch dadurch besonders interessant gestaltet sind, daß der Verfasser ihnen eine Anzahl prächtiger und anschaulicher, zum großen Teil selbst entworfener Bilder beigegeben hat. Ganz hervorragend ist auch der mit 16 hübschen Mikrophoto⸗ grammen geschmückte Artikel von E. Reukauf„Der Wasserbär“, welcher das seltsame, possierliche Geschöpfchen in launiger Weise be⸗ handelt. Ausgezeichnet, schon durch das eigenartige Bildermaterial, ist auch der Artikel von Dr. H. Völker„Die Anpassungstypen der Meereskriechtiere unter besonderer Berücksichtigung fossiler Formen.“ Völker hat sich ganz eingehend mit den Skelettfunden beschäftigt, welche er ganz unvoreingenommen durch die Arbeit anderer Forscher studierte. Er kommt auf diese Weise zu Rekonstruktionsergebnissen, welche von der üblichen Form bedeutend abweichen, aber alle Wahr⸗ scheinlichkeit für sich haben. Ein Kapitel, Gedankenfabrik nennt Dr. A. Lipschütz seinen lesenswerten Beitrag„Wie unsere Nerven ent⸗ stehen“, in welchem er die neuesten Forschungsergebnisse über das Wachstum der Nervenfasern mitteilt. Diesen Beitrag finden unsere Leser in Heft 9 der Zeitschrift, welches auch in jeder anderen Weise als Muster hingestellt werden kann. Es ist in ihm nicht ein Artikel, nicht eine Notiz enthalten, welche nicht das vollste Interesse finden würde. Geradezu Aufsehen würde der Beitrag von Prof. Günther „Eingeweidewürmer fleischfressender Pflanzen“ finden, welcher auf interessant gestaltete Erklärung. Was an diesem Hefte noch beson ders zu begrüßen ist, ist der Umstand, daß die Gesellschaft jetzt wieder zu der alten Einrichtung zurückkehrt, den Heften hin und wieder farbige Tafeln beizugeben. Hier haben wir in 8 naturgetreu illu- strierten und von Künstlerhand entworfenen Bildern, zu welchen Dr. Hoffmann in Gießen einen trefflichen erklärenden Text geschrie⸗ ben hat, den„Entwicklungsgang oder Embryologie des Haushuhnes“ von dem befruchketen Ei bis zur vollständigen Entwicklung des Hühn⸗ chens vor Augen. Die Tafel ist mit solcher Naturtreue ausgeführt, wie man sie wohl kaum in schwer zugänglichen Fachwerken finden dürfte. Die Gesellschaft hat dierdurch wieder gezeigt, daß sie gewillt ist, ihren Mitgliedern(jeder Abonnent der Natur wird ohne Weite⸗ res Mitglied der Gesellschaft) immer neues und wertvolles zu bieten. Wiederholt empfehlen wir daher unseren Lesern, sich ihr anzu⸗ schließen, da die vielen Vergünstigungen, welche sie bietet, in gar keinem Verhältnis zu dem geringen Beitrage von 6.— Mk. jährlich steht. Mit Heft 8 der Natur gelangte die 2. Buchbeilage Eckardt, Prak⸗ tischer Vogelschutz zur Ausgabe, auf welche wir in einer besonderen Besprechung hinweisen wollen. Wenn wir für unsere Leser noch einen Rat abgeben dürfen, so ist er der, daß sie bei der nächsten Buchhandlung oder der Geschäftsstelle der D. N. G. ihre Mitgliedschaft anmelden. 4 Die Photographie mit unsichtbaren Strahlen. Das weiße Licht ist bekanntlich aus roten, blauen, gelben und violetten Strahlen zu⸗ sammengesetzt, von denen jede durch einen bestimmten Lichtfilter isoliert werden kann. Ein roter Filter wird nur rote Strahlen durchlassen und die anderen verschlucken, ein blauer nur blaue usw. Die meisten weißen Lichtquellen senden aber auch noch andere, für das Auge unsichtbare Strahlen aus, die ultraroten, die wir wegen der zu geringen und die ultravioletten Strahlen, die wir wegen der zu großen Schwingungszahl nicht wahrnehmen können. Man kann a auch diese Strahlen durch geeignete Filter isolieren. Wood hat ge⸗ zeigt, daß man z. B. durch ein dünnes Silberplättchen alle Licht⸗ strahlen mit Ausnahme der ultravioletten absorbieren kann. Der Cosmos bringt im Anschluß daran eine Darstellung, wie man mit ultravioletten, also für unser Auge unsichtbaren Strahlen, 2 photographieren kann. Zur Absperrung aller anderen Strahlen mit Ausnahme der ultravioletten brauchte man nur das Objektiv mit einem Silberplättchen, wie es die Apotheker zur Einwicklung der Pillen benutzen, zu überziehen. Aber leider würden wir dann gar keine Aufnahme bekommen, da nämlich das Glas des Objektivs die Eigenschaft hat, gerade die ultravioletten Strahlen zu ver⸗ schlucken. Wir müßten also Objektive aus Quarz oder Bergkrystall verwenden, die zwar für die genannten Strahlen durchlässig sind, aber die unangenehme Eigenschaft haben, sehr teuer zu sein. Nun kann man aber, wie viele garnicht wissen, auch ohne Objektiv, nur durch ein Loch photographieren. Dieses Loch muß freilich sehr klein sein. Man nimmt also das Objektiv heraus und ersetzt es durch. ein Stück geschwärzte Pappe, in die man mit einer glühenden Nadel ein ganz feines Loch von 0,3 Millimeter Durchmesser bohrt. Durch ein solches Loch kann man, allerdings mit einer um ein Viel⸗ 5 faches längeren Exposition, sehr schöne, randscharse und absolut un⸗ verzerrte Bilder erzeugen. 5 9 Klebt man nun mit Gummi karabicum auf dieses Loch ein feines Blättchen Silber, so werden also nur die ultravioletten Strahlen durchgelassen, die bei einer 200 bis 300 mal so langen Belichtungs⸗ 5 zeit als der gewöhnlichen uns jetzt ein photographisches Abbild auf die Platte werfen. Sonderbar genug sieht dieses Abbild freilich aus. Zunächst sind nur diejenigen Farben wirksam, die blau ent⸗ halten, also blau, grün und violett. Alle anderen Farben— gelb, orange, rot, wirken schwarz. Objekte, die sich hinter Glas befinden, 5 also ein Gemälde unter Glas, Augen hinter einer Brille, erschei en gleichfalls nur als schwarzes Loch auf dem Bilde, da ja das Gla die ultravioletten Strahlen verschluckt hat. Eine mit Zinkweiß ein weißes Blatt Papier geschriebene Schrift, die man mit bloß Auge nicht wahrnimmt, wird sichtbar, als wäre sie mit schwarzer Tinte geschrieben. Auf diese Art gemachte Mondaufnahmen haben 4 5 f f a f 0 Grund eigener Forschungen in den Tropen entstanden ist. So un⸗ wahrscheinlich den Titel klingen mag, sindet er doch seine vollste und übrigens Flecken und Streifen ergeben, die man vorher noch n. wahrgenommen hatte. 2 e