nung der„Wert“ steigen muß, nicht durch Verkauf, Wöchentliche Beilage der Obethessischen Dolkszeltung Nummet 19 Dienstag, den 12. Mai 1914 — 3. Jahrgang Teures Brot, teure Wohunugen. Von Julian Borchardt. Es ist mit Recht von der Parteipresse darauf hingewiesen worden, daß die Herren, die die sogenannte„innere Koloni— sation“ als ihr Steckenpferd betreiben, kürzlich zu Berlin über die teuren Preise des Gund und Bodens klagten, sich aber weislich hüteten, den Ursachen dieser Teuerung weiter nach— zugehen. Ist es doch geradezu frappant, wie bei der Preis— steigerung des ländlichen Bodens die Prophezeiungen wahr geworden sind, welche in den Jahren 1901 und 1902 die So— zialdemokraten dem damals neuen Zolltarif mit auf den Weg gaben. Das, was man den„Wert“ des Grund und Bodens nennt, ist ja in Wirklichkeit nichts anderes als kapi— talisierte Rente. Das bedeutet: wenn bei normaler Bearbei— tung ein Grundstück einen Ertrag von, sagen wir, 1000 Mk. im Jahre liefert, dann nimmt der Besitzer, der etwa den Boden verkaufen will, sich diesen Betrag auf eine Reihe von Jahren vorweg. Er sagt sich z. B., wenn die„übliche“ Rente 5 Prozent beträgt, so brauche ich, um den gleichen Ertrag auf sonstigem Wege einzuheimsen, ein Kapital von 20 000 Mark. Wer das Grundstück kauft, erzielt seinerseits eine ebensolche Rente, wie von 20000 Mk. Kapital; er muß mir also meinerseits 20 000 Mk. geben, damit ich den gleichen Er— trag, die gleiche Rente behalte: das Grundstück ist 20 000 Mark„wert“. Nun liegt auf der Hand, daß bei dieser Art der Berech— sobald der Ertrag steigt. Liefert dasselbe Grundstück bei gleicher Bearbeitung(und lleichem Zinsfuß) 2000 Mk. Ertrag, so ist das Grundstück 0 000 Mk.„wert“ usw. Dies war aber gerade der Zweck und auch der Erfolg der Agrarzölle, den Geldgewinn, der aus dem Boden gezogen wird, zu steigern. Damit leuchtet aber weiter ein, daß einen Vorteil davon nur diejenigen haben, die gerade im Moment der Zollsteigerung den Boden besitzen und ihn dauernd behalten. Nehmen wir an, der Er- trag jenes Grundstückes sei durch die Zölle von 1000 auf 2000 Mk. gesteigert worden, so bedeutet das für den der— zeitigen Besitzer einfach eine Verdoppelung seiner Einnahmen. Verkauft er aber sein Grundstück und läßt sich 40 000 Mk. dafür zahlen, so sind für den neueren Besitzer die 2000 Mk., die er jährlich einnimmt, nur ebensoviel, wie für den ersten Besitzer 1000 Mk. waren; denn er hat ja wirklich 40 000 Mk. Die„Not“ der Landwirtschaft ist für ihn also nur der Bodenpreis hat sich hingegeben. dieselbe, die sie früher war; verdoppelt. 8 Das gleiche muß aber auch eintreten, wenn der Boden sondern durch Erbgang in anderen Besitz übergeht. Dem neuen Besitzer werden jetzt seine Lasten — Steuern, Abfindungen an Geschwister usw.— nach einem Vermögen von 40 000 Mk. angerechnet; er steht also tatsäch⸗ lich nicht besser da, als der erste Besitzer mit 20000 Mk. Das alles haben, wie erwähnt, die Sozialdemokraten bei der Be— ratung des jetzt geltenden Zolltarifs vorausgesagt. Aber die Agrarier haben es auch ganz gut gewußt. Denn wie der be— kannte Herr Kopp, Generaldirektor der Ostpreußischen Land— schaft, in einer von ihm verfaßten Denkschrift im Jahre 1908 mitteilt, hat ein ostpreußischer Landwirt vor etwa 30 Jahren, zu Beginn der Schutzzollära, sie mit den Worten begrüßt: „Das gibt reiche Väter und arme Söhne.“ Liegen somit die wahren Gründe der Bodenteuerung auf dem Lande klar zu Tage, so ist es nicht minder wichtig, guch die Gründe der Bodenteuerung in den Städten aufzuhellen. Den einen verdanken wir das teure Brot, den anderen die teuren Wohnungen. Es ist das eine Kalamität, die wir vor— läufig erst in den Großstädten haben. Aber einmal wohnt schon heute ein sehr beträchtlicher Teil der Bevölkerung Deutschlands— fast 14 Millionen Menschen— in den Groß⸗ städten; sodann gilt, wie wir alsbald sehen werden, das gleiche für alle Kommunen, welche im Wachsen begriffen sind. Wenn nämlich eine Gemeinde sich ausdehnt, wenn also in der wei— teren Umgebung Grundstücke zum Wohnen gebraucht werden, die bis dahin landwirtschaftlich genutzt wurden, so sind mancherlei Vorarbeiten notwendig, ehe mit dem Bauen be— gonnen werden kann. Die Grundstücke liegen nicht gerade so, wie man sie zum Bauen braucht. Da bleibt nichts übrig, als die aneinandergrenzenden Aecker und Wiesen vieler Be— sitzer zusammen anzukaufen und ganz anders aufzuteilen, Straßen anzulegen, heutzutage gewöhnlich auch gleich den Anschluß an Kanalisation und Wasserleitung herzustellen, und dergleichen mehr. Wie man leicht einsieht, gehört dazu in der Regel ein riesiges Kapital. Zu diesem Zweck haben sich die Terraingesellschaften gebildet. In ihnen darf man also nicht nur, wie es oft irrtümlich geschieht, bloße Speku⸗ lanten erblicken, sondern ihre eigentliche Aufgabe ist oder sollte wenigstens eine wirklich wirtschaftliche, produktive sein: Die Herrichtung des Grund und Bodens für den Wohnungs— bau. Jedoch wie sich unter der Herrschaft des Kapitalismus von selbst versteht, ist der Segen in Fluch umgeschlagen. Die privaten Terraingesellschaften betreiben ihr Geschäft einzig zu dem Zweck, Profit zu machen. Sie wollen den her— gerichteten Boden möglichst teuer verkaufen. Und zu diesem Terrainhandel ganz allgemein geübt wird, obgleich ihm der Stempel des Schwindels so deutlich an der Stirn steht, daß sich niemand darüber täuschen kann. Der Mechanismus dieses Schwindels ist der folgende: Ist der Boden„baureif“ geworden, so verkauft ihn die Terraingesellschaft. Aber während sonst überall in der Welt jedem Verkäufer daran gelegen ist, möglichst zahlungsfähige Käufer zu finden, geht es hier gerade umgekehrt zu: die Terraingesellschaften verkaufen mit Vorliebe— manche be⸗ haupten sogar, sie verkaufen nur— an mittellose Bau⸗ unternehmer. Warum? Weil diese jeden beliebigen, noch so hohen Preis bewilligen. Sie bezahlen ihn ja doch nicht! Die Terraingesellschaft ihrerseits verliert aber auch nichts, denn der nicht gezahlte Preis wird als erste Hypothek auf das Grundstück eingetragen. Tatsächlich bleibt also die Terraingesellschaft Eigentümerin des Grundstücks. Ja sie gibt sogar dem Bauunternehmer, der ja nichts hat, noch bares Geld dazu, damit er den Bau beginnen kann. Auch dieses Darlehen wird Hypothek, und zwar wird es zumeist gleich auf die erste Hypothek draufgeschlagen. Natürlich reicht das geliehene Geld nicht so weit, um den Bau fertig zu stellen; aber es reicht, um dem Bauunternehmer Kredit bei Hand⸗ werkern und Lieferanten zu verschaffen. Da der Unternehmer außerdem von dem Gelde auch lebt, kommt es regelmäßig nach entsprechender Zeit zum Bankrott. Dann fällt das Grundstück an den Besitzer der ersten Hypothek, das ist die Terraingesellschaft, zurück; diese hat jetzt ein Grundstück, das durch die darauf ausgeführten Arbeiten wirklich wertvoller geworden ist. Die Handwerker und Lieferanten aber ver⸗ lieren einen Teil ihrer Forderungen, denn ihnen ist nur der Bauunternehmer etwas schuldig, und der bat ja nichts. Zweck haben sie ein System ersonnen, das heutzutage beim 2 Durch solche Manöver Wird zweierlei erreicht. Erstens wird der„Wert“ des Bodens künstlich auf eine schwindel⸗ erregende Höhe getrieben. Ist das Haus später fertig ge— baut und wird nun zum Zweck der Vermietung erworben, so ist es von vornherein derart überlastet, daß ganz exorbitante Mieten nötig werden. Daher die teueren und immer noch steigenden Mietpreise in allen wachsenden Kommunen. Muß man doch in Berlin auf dem Terrain des ehemaligen Tempel— hofer Feldes heutzutage für Wohnungen von 3 Zimmern nicht weniger als 1200 Mk. pro Jahr zahlen! Zweitens aber müssen sich die Handwerkex und Lieferanten, die ja den Rummel kennen und genau vorher wissen, daß sie von dem ihnen zustehenden Gelde einen großen Teil nicht kriegen, auf irgend eine Weise schadlos halten. Das tun sie durch schlechte Arbeit und schlechtes Material. Gesamtresultat: der Mieter muß für unheimlich teures Geld in minderwertigen Woh— nungen hausen. Ist man sich über die Wurzel des Uebels klar, so ergibt sich der Weg zur Abhilfe von selbst. Es heißt Beseitigung der Terrainspekulation, Herrichtung des baureifen Geländes durch die Kommunen selbst. Juternationale Ausstellung sür Buchgewerbe und Graphik in Leipzig. I In unmittelbarer Nähe des Völkerschlachtdenkmals, des hoch⸗ ragenden Mahnzeichens an das völkermordende Ringen in den„Frei⸗ heitskriegen“, spielt sich in diesem Jahre ein brüderlicher Wettkampf unter den Völkern ab. Die Walstatt bildet die Weltausstellung für das Duchgewerbe, deren Eröffnung am 6. Mai erfolgt ist. Ihre Dauer ist auf sechs Monate berechnet. Der schwarze Greif aus dem Buchdruckerwappen, auf dem der Zeitgeist mit lodernder Fackel durch die Lüfte fliegt, ist das Symbol dieser Ausstellung, die kurzweg mehr praktisch als schön„Bugra“ genannt wird. An Flakatsäulen, in Lokalen, in Zeitungen und Eisenbahnzügen— überall begegnet man den Ankündigungen der buchgewerblichen Völkerschau. Der Gedanke einer Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik in Leipzig, der Bücherstadt Deutschlands, ist nicht neu. Be⸗ reits im Jahre 1882 war eine derartige Ausstellung geplant, sie mußte jedoch ungünstiger Zeitverhältnisse wegen verschoben werden. Dann tauchte das Projekt in den Verhandlungen des Deutschen Buch⸗ gewerbevereins in Leipzig, der berufenen Vertretung der technischen und künstlerischen Interessen des gesamten Buchgewerbes, wieder⸗ holt auf, um erst in diesem Jahre anläßlich des 150jährigen Be⸗ stehens der Königl. Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe seste Gestalt anzunehmen. Die hohe Aufgabe dieser buchgewerblichen Weltausstellung be⸗ steht darin, die wunderbare Entwicklung des Buchgewerbes und der Graphik, ihre enge Verbindung mit dem Fortschreiten der Kultur, ihre gewaltige Bedeutung für alles, was Aufklärung, Bildung und Wissen heißt, im Zusammenhange einmal aufzurollen und gleichsam in einem großen lebendigen Bilde dem Beschauer vorzuführen. So entstand eine Spezialausstellung von weltumspannender Bedeutung, deren volkswirtschaftlicher Wert nicht minder bedeutungsvoll ist, weil ja alle Zweige kultureller Tätigkeit mit Buchgewerbe und Graphik eng zusammenhängen. Der im Jahre 1911 aufgestellte Voranschlag von 1 Millionen Mark wurde bereits im folgenden Jahre auf 3% Millionen Mark er- höht, um im Jahre 1913 auf 6% Millionen Mark anzuwachsen. Heute rechnet man schon mit einem voraussichtlichen Ergebnis von mindestens 7 Millionen Mark. Je näher der Zeitpunkt der inter⸗ nationalen Buchgewerbeausstellung heranrückte, desto mehr wurde im Ju⸗ und Auslande ihre kulturelle Bedeutung erkannt. Sie ist eine von den wenigen Ausstellungen, die trotz des riesigen Geländes von 400 000 Quadratmetern mit Raumschwierigkeiten zur Unter⸗ bringung der vielen Ausstellungsgüter zu rechnen hatte. 320 000 Quadratmeter dienen zu Ausstellungszwecken, während der bei solch gewaltigem Unternehmen nun einmal unentbehrliche Vergnügungs⸗ vark 80 000 Quadratmeter beansprucht. Von der bebauten Fläche entfallen 65000 Quadratmeter auf offizielle Bauten der Ausstel⸗ lungsleitung, 15000 Quadratmeter auf Privatbauten und Sonder⸗ pavillons(ohne den Vergnügungspark und ohne die Sonderausstel⸗ lung„Der Student“, die allein etwa 20000 Quadratmeter Fläche beanspruchte). Nach dem Einteilungsplan umfaßt die Ausstellung folgende 16 Gruppen: Freie Graphik— Ange die Graphik— Buchgewerb⸗ licher Unterricht— Papiererzeugung— Papierverarbeitung und Schreibwesen— Farbenerzeugung— Photographie— Reproduk⸗ tionstechnik Schriftschneiderei, S ftgießerei und verwandte Gewerbe, Stereotypie, Galvanop k— Druckverfahren— Vuch⸗ binderei— Verlags-, Sortimen und Kommissionsbuchhandel— Zeitungs⸗ und Nachrichtenwesen, Bekanntmachungs⸗ und Werbe⸗ mittel, Bibliothekswesen, Bibliographie, Bibliophilie und Sammel⸗ wesen— Maschinen, Apparate, Materialien und Gerätschaften für die gesamte Druckindustrie— Schutz und Wohlfahrtseinrichtungen Auf dieser umfassenden Grundlage, die für den Lalen etwas schier Erdrückendes an sich hat, wurde dle buchgewerbliche Weltaus⸗ stellung errichtet. Es liegt in der Natur der Sache, daß die Fach genossen im In⸗ und Auslande die fachgewerbliche Bedeutung der Ausstellung früher erkaunten, als die breite Oeffentlichkeit. Darauf ist das große Interesse zurückzuführen, das in buchgewerblichen Kreisen von vornherein für das Unternehmen an den Tag gelegt wurde. Von graphischen Vereinigungen des In- und Auslandes sind 1 600 Reisesparkassen zum Besuch der„Bugra“ angelegt worden. Ueber den Rahmen einer bloßen Fachausstellung ist die Inter⸗ nationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik indes hinaus- gewachsen zu der Bedeutung eines Dokuments der geistigen Kultur aller Völker. Der hervorstechendste Charakterzug der ganzen Aus⸗ stellung liegt in ihrer Interngtionalität. Von den betelligten 13 fremden Staaten stellen 6 in eigenen Gebäuden aus und zwar Oester⸗ reich, Frankreich, Italien, Rußland, England und Japau. Im Kol⸗ lektivpavillon des Auslandes vereinigen sich die Schweiz, Spanien, Portugal, Niederlande, Schweden, Dänemark und Belgien. Die reichen Schätze der Türkei haben mit denen aus Siam, Korea und dem gesamten Orient in der„Halle der Kultur“ Platz gefunden. Ein so großzligig angelegtes Unternehmen, das an Belehrung und Aufklärung Außerordentliches verspricht, verdient die lebendige Anteilnahme der breitesten Volksschichten. Man findet hier keine jahrmarktmäßige Aufstapelung aller möglichen Ausstellungsgegen⸗ stände vor, sondern einen sorgfältig durchdachten lebendigen Organis⸗ mus, der Beschauer und Geschautes in möglichst enge Verbindung zu bringen bestrebt ist. Gerade im Buchgewerbe hat die technische Ent. wicklung in allen Zweigen Formen angenommen, die Bewunderung erregen müssen. Der Ausstellungsbesucher sieht den technischen Werde⸗ gang eines Buches von der ersten Manuskriptzeile bis zum gebun⸗ denen Buch, er verfolgt die Herstellung des Papiers von der Lumpe an bis zum fertigen Produkt und anderes mehr. Alle buchtechnischen Vorgänge werden ihm an betriebsfähigen Maschinen oder Modellen praktisch vorgeführt. Außerdem ist für jede Abteilung eine Be⸗ lehrung über den historischen Entwicklungsgang vorgesehen. Darüber hinaus soll es eine wichtige Aufgabe der Ausstellung sein, das erziehliche Problem besonders zu berücksichtigen. Diesem Zwecke dienen zahlreiche Sonderansstellungen wie:„Schule und Buchgewerbe“,„Die Frau im Buchgewerbe“,„Der Student“,„Der Kaufmann“,„Die internationale Ausstellung für das kaufmännische Bildungswesen“,„Deutsche Geisteskultur und Deutschtum im Aus⸗ lande“,„Deutschland im Bild“. a Der Haupteingang zur buchgewerblichen Weltausstellung liegt an der„Straße des 18. Oktober“. Ein süberaus wirkungsvolles architektonisches Bild bietet sich sofort dem Besucher dar. Gewaltige Hallen mit grünen und roten Dächern reihen sich an zierliche Pa⸗ villons mit hochgewölbten Kuppeln, mächtige Brückenbogen überspan⸗ nen den Bahneinschnitt der Linie Leipzig— Hof, die den oberen vom tiefer gelegenen Teil der Ausstellung trennt, und eine breite Frei⸗ treppe schlägt elegant und leicht die Verbindung zwischen den beiden Gebäudeteilen. Im Hintergrunde ragt das Völkerschlachtdenkmal auf. Prächtige gärtnerische Anlagen mit spielenden Wasserkünsten verstärken den Gesamteindruck noch wesentlich. 5 Zwei Hauptstraßen durchqueren die Ausstellung, diejenige des „18. Oktober“ und die„Straße der Nationen“. Am Eingange der ersteren befinden sich drei große Kongreßsäle, die ungezählten Tagungen und Kongressen aller Art würdige Versammlungsräume bieten. Die„Ladenstraße“ entlang mit Verkaufspavillons führt der Weg an der Sonderausstellung für Kinematographie vorbei mit einem 600 Personen fassenden Lichtspiel⸗-Theater. Gegenüber dem Hauptrestauraut liegt die„Halle des deutschen Buchgewerbes“. Diese von einem sogenannten Rosenhof umschlossene Riesenhalle bedeckt eine Grundfläche von 20 000 Quadratmeter, sie ist dazu bestimmt, die gesamte deutsche buchgewerbliche und graphischen Industrie aufzu⸗ nehmen. Der rechte Seitenflügel des Bauwerks wurde dem Druck⸗ gewerbe nebst verwandten Industrien, und der linke dem deutschen Verlagswesen eingeräumt. Im Vorraum der Haupthalle wurde sämtlichen Gewerkschaften des graphischen Gewerbes Gelegenheit ge⸗ boten, ihr Werden und Wirken eindrucksvoll vorzuführen. Im an⸗ grenzenden Zierhof errichtete der Verband der Deutschen Buchdrucker ein Kolossal-Monnment, das den Organisationsgedanken künstlerisch verkörpert. Im Mittelbau der„Halle des deutschen Buchgewerbes“ befinden sich die Gruppen„Bibliographie und Bibliothekswesen“ (wo u. a. auch die Arbeitsbildungsinstitute ihre Tätigkeit zur Hebung der Bildung des arbeitenden Volkes veranschaulichen), sowie„Bib⸗ liophisie und Graphisches Sammelwesen“. Ferner sind hier unter⸗ gebracht die Erzeugnisse deutscher Buchbinderkunst und die Aus⸗ stellungsgegenstände der Reichsdruckerei und des Kaiserlichen Patent⸗ amts. Drei große Maschinenhallen in Eisenkonstruktion mußten zur Aufnahme der vielen buchgewerblichen Maschinen errichtet werden. Die größte davon umschließt 7000 Quadratmeter und wird haupt⸗ jächlich Druck-, Setz⸗ und Gießmaschinen im vollen Betrieb zeigen. Die beiden anderen Hallen von 5000 und 6000 Quadratmeter Größe nahmen Papierverarbeitungsmaschinen auf, die u. a. in einer dort befindlichen Großbuchbinderei vorgeführt werden. Einen großen Gebäudekomplet umfaßt das sogenannte„Industrie⸗ viertel“, in dem sich dem Ausstellungsbesucher erst nach völliger Fertigstellung ein fesselndes Bild voll Leben und Arbelt bieten wird. Hier wird eine 200 Jahre alte Papiermühle aus Haynsburg bei Zeitz ihre Räder klappern lassen und nach alter Art Bilttenpapiere ver⸗ fertigen, die in historischen Werkstätten sosort bedruckt werden. I m unmittelbaren Anschluß an das Wahrzeichen altväterlicher 333 1 3 berstellung wird eine moderne Papierfabrik mit mächtigen Maschin 4 c n den Stand der heutigen Produktion vor Augen führen. Das dort rgestellte Papier wird in der angrenzenden Zeitungsdruckerei, auf rei fausenden Rotationsmaschinen größten Typs sofort verbraucht. Rund herum liegt die Ausstellung der Tagespresse mit einer ge⸗ schichtlichen Darstellung des Zeitungs⸗ und Nachrichtenwesens. In dieser Abteilung ist auch die sozialdemokratische Partei mit ihrer Presse und ihrer Buchliteratur vertreten. Der Nachrichtenüber⸗ mittelung sind vier umfangreiche Sonderausstellungen vorgelagert: die Thurn und Taxissche Post zeigt die Entwicklung des ältesten Post⸗ wesens, woran sich das Reichspostmuseum schließt. Ferner wird die photographische Berichterstattung durch fernphotographische Apparate und die drahtlose Telegraphie durch eine betriebsmäßige Station vertreten sein. Nicht minder große Beachtung verdient der„Tempel der Fach⸗ presse“ und die Ausstellung für Stenographie. Die Fachpresse wird unächst in ihrem historischen Werdegang vorgeführt und in zweiter inie im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Im„Tempel der Fachpresse“ figuriert auch die Generalkommission der Gewerk⸗ schaften Deutschlands als Ausstellerin der gesamten Presse der ihr angeschlossenen Gewerkschaften. Neben den jeweiligen neuesten Nummern der Gewerkschaftsblätter wird namentlich geschichtliches Material über die Gewerkschaftsbewegung zu finden sein. Besonderes Interesse beansprucht die„Straße der Nationen“, so genannt, weil hier die fremden Staaten ihre Ausstellungspaläste errichteten. Diese Straße erstreckt sich von der„Halle der Kultur“ bis zum gegenüberliegenden mehrstöckigen Verwaltungsgebäude. Zur Rechten erheben sich die Staatsgebäude Italiens und Frankreichs, zwei ganz in weiß gehaltene und im Renaissancestil aufgeführte stattliche Gebäude. Zwischen biesen beiden steht etwas eingerückt die internationale Sonderausstellung„Der Kaufmann“. In ihr wird gezeigt, wie zugleich mit der immer wachsenden Bedeutung des Handels von den vergangenen Zeiten bis zur Gegenwart das kaufmännische Bildungswesen sich von den primittosten Ansängen bis zu seiner heutigen Reichhaltigkeit und Bedeutung entwickelt hat. Auf der linken Seite der Straße der Nationen erblickt man den Esperantopavillon und daneben finden die Häuser der japanischen Holzschneider ihren Platz. Ein besonders charakteristisches Gepräge nationaler Bauart trägt das Staatsgebäude. Englands, ein im Tudorstil aufgeführter und von einem zinnengekrönten Turm über- ragter Bau. Neben England erhebt sich das russische Staatsgebäude, ein genaues Abbilb des Moskauer Kreml. Hinter dem englischen Gebäude liegt der zierliche Pavillon der Sonderausstellung„Die Reklamemarke“. Auf der gegenüberliegenden Seite stehen das öster⸗ reichische Staatsgebäude und der Pavillon des sächsischen Staates, der die Ausstellungen der Leipziger Buchgewerbe⸗Hochschule und des Börsenvereins der beutschen Buchhändler beherbergt. Im Hinter⸗ grunde erblickt man die Sonderausstellung„Deutschland im Bild“. Den geistigen Mittelpunkt der ganzen Ausstellung bildet die „Halle der Kultur“. Sie steht unter Leitung des bekannten Leipziger Kulturhistorikers Professor Dr. Lamprecht, der von den bedeutenden Gelehrten unterstützt wird. In dieser Kulturhalle wird unter Berücksichtigung aller Völker und Zeiten gezeigt, wie Buchgewerbe und Graphik mit ihren Vorläusern seit Jahrtausenden sich entwickelt baben und wie sich in ihnen die verschiedenen Kulturstufen der Menschheit wiederspiegeln. In zwei großen Anbauten der Halle werden ferner zwei der bedeutendsten Gruppen der Ausstellung, graphische Kunst und Photographie zur Schau gestellt. Der jenseits der Hauptbrücke liegende große Vergnügungspark kommt dem Bedürfnis nach Erholung und Ablenkung nur im be⸗ dingten Maße entgegen, denn auch hier gibt es mancherlei zu schauen. Die im„Akademischen Viertel“ gelegene Sonderausstellung„Der Student“ flihrt das gesamte Studentenwesen unter besonderer Berück⸗ sichtigung des studentischen Einflusses auf das Bildungswesen vor Augen. Außerdem wird hier der einschlägigen Industrie Gelegen— heit zur Ausstellung ihrer Erzeugnisse geboten. Durch einen wuchtigen Torturm gelangt man auf einen geräumigen Kneiphof mit überraschend naturwahren Nachbildungen der schönsten Teile des Heidelberger Schlosses. Ein modernes Verbindungshaus und ein großer Platz zu szenischen Darstellungen sind ebenfalls vorhanden. Den Fachleuten aus den graphischen Gewerben bietet das geräumige „Zunfthaus“ eine behagliche und anheimelnde Stätte. Mit heiteren Wandgemälden aus dem Berufsleben erweckt es von vornherein jene Stimmung. die zur Entfaltung einer frohen Geselligkeit nun einmal unentbehrlich ist. Damit sind jedoch die Stätten der Er⸗ holung und des Frohsinns bei weitem nicht erschöpft, denn an Kurz⸗ weil originellster Art herrscht in der Tat kein Mangel. Vielleicht ist das Bedürfnis danach gerade bei einer Weltausstellung wie die „Bugra“ gegeben, deren endlose Fülle von sehenswertem Material dem Besucher auf geschickte und reizvolle Art vermittelt wird. Bis zur völligen Fertigstellung dürften allerdings noch Wochen vergehen. Durch billigere Eintrittspreise kam die Ausstellungsleitung eben sowohl dem Bildungsbedürfnis der graphischen wie der allgemeinen Arbeiterschaft entgegen. Es ist natürlich eine Unmöglichkeit, auf einem flüchtigen Rund⸗ 15 gange der umfassenden kulturellen Bedeutung der Leipziger Aus⸗ f stellung auch nur annähernd gerecht zu werden. So viel darf aber heute schon als sicher gelten: Um Wissen und Erkenntnis ringende Menschen können und werden an der„Bugra“ nicht achtlos vor⸗ übergehen. Technische Umsch au. Feuerlöschwesen mit Schaum und Sägespänen— Das Rosten des Eisens zu verhindern— Eisenhütten⸗ wesen für jedermann— Heizung mit Absallwärme— Naturgas und verflüssigtes Erdgas— Bäumepflanzen mit Dynamit— Schon wieder eine neue Lampe. Feuerlöschmittel bei schwer und mit Wasser überhaupt nicht löschbaren Bränden, namentlich solcher Stosse wie Benzin, werden noch immer gesucht. Man hat neuerdings mit Ersolg Säge- [päne dafür benutzt. Die Wirksamkeit dieses Mittels beruht darauf, daß sie an den brennenden Stossen schwimmen, dadurch den Zutritt von Sauerstoff abschneiden, die Flammen ersticken und, da sie sich selbst nur schwer entzünden und bei einer Entzündung 97! Flamme und unter sehr geringer Wärmeentwicklung verbrennen, die unter ihnen befindlichen Flüssigkeiten kein neues Feuer fangen lassen. Bei Benzin lassen sich Sägespäne nur verwenden, wenn man es auf den Erdboden verschütten kann oder wenn die brennenden Behälter nicht zu groß sind, denn sonst sinken sie zu schnell unter. Sie lassen sich aber sehr aut bei dicken Flüssigkeiten wie Lacken, Farben und dergl. benutzen. Dabei ist es gleich, ob man Sägespäne von Hart⸗ oder von Weichholz, ob man sie feucht oder trocken deus wendet. Eine Verbesserung der Löschwirkung und sparsamerer Verbrauch wird dadurch erzielt, daß man den Spänen doppelkohlen⸗ saures Natron beimischt. 5 Für die Ablöschung von Benzinbränden hat sich ein anderes Verfahren, das von Laurent stammt, gelegentlich umfang⸗ reicherer Versuche in Wilhelmsburg und Harburg an der Elbe schon vor einigen Jahren sehr aut bewährt. Gelingt es, auf der brennen den Flüssigkeitsoberfläche einen nicht brennbaren Schaum zu ent wickeln, so kann die Flüßfigkeit auch nicht mehr weiterbrennen. Das läßt sich z. B. durch eine mit schaumbildenden Stoffen vermischte Natronlösung und eine reine Alaunlösung bewerkstelligen. Sießt man beide Stoffe zu gleichen Teilen zusammen, so entsteht ohne jeden Rückstand ein gelblichweißer Schaum, den man nun mit Hil eines Schlauches auf die Flüssigkeitsoberfläche leitet. Der se beständige Schaum breitet sich, nachdem er zunächst einen Haufen gebildet hat, bei weiterer Zufuhr allmählich über die ganze Fläche aus und schließt sie luftdicht ab, so daß der Brand gelöscht wird. Benzin bleibt unter dem Schaum unverändert; entfernt man den Schaum, so brennt es sogleich weiter. Der Schaum hält sich auf Benzin sehr gut; er verliert innerhalb 20 Minuten 28 Prozent, aber das genügt gewöhnlich zur Ablöschung. In Wilhelmsburg wurde ein fast 4 Quadratmeter großer, ½ Meter tieser gefüllter Venzin⸗ keller mit 80 Litern Schaum in 17 Minute abgelöscht. Das Rosten des Eisens und des Stahles ist ein schweres Uebel, das der sonst so vorteilhaften Verwendung dieser Baustoffe für den Konstruktionsbau anhaftet. Für manche Zwecke ist es be⸗ reits gelungen, Gegenmittel ausfindig zu machen. Neuerdings wird über Versuche der American Sheet and Tin Plate Co. berichtet, die mit gewöhnlichem basischem Martinstahl und mit Bessemerstahl an⸗ gestellt wurden. Dem Stahl wurden im Osen oder in ber Bessemer⸗ birne einmal 0,15 Prozent, das andere Mal 0,25 Prozent Kupfer beigegeben. Man walzle ihn daraufhin aus und verarbeitete ihn zu Wellblech, das im Freien der Einwirkung des Wetters ausgesetzt wurde. Die Versuche haben ergeben, daß die kupferhaltigen Bleche dem Rosten ungefähr doppelt so lange widerstanden haben wie kupferfreie, wobei der Kupfergehalt unwesentlich zu sein schien. Dem Angriffe von Säuren mit 25 Prozent Schwefelsäurerehalt wider⸗ standen die kupferhaltige Bleche 80 bis 100 mal so kräftig wie reine Stahlbleche. Wir benutzten soeben einige hlittenmännische Ausdrücke. Das ist eine mißliche Sache, denn so wichtig auch das Elsenhütten⸗ wesen ist so sind doch nur wenige mit den Vorgängen und dem Wesen der Sache vertraut. Eine allgemeine Darstellung dieses Ge⸗ bietes wird daher von vielen begrüßt werden. Eine solche hal Prof. H. Jüptner von Jonstorff in seinem Buche„Das Eisenhütten⸗ wesen“(Leipzig, Akademische Verlagsgesellschaft. Pr. 6.80 Mark) gegeben. Was das Buch vor den zahlreichen anderen über diesen Stoff voraus hat, ist die interessante und ausführliche Darstellung des„Altertums“ und des„Mittelalters der Eisenerzeugung“, die man bis zum Jahre 1860 rechnet. Der Verfasser würdigt die Ent⸗ wicklung der Eisenerzeugung in vorgeschichtlicher Zeit, bei den Aegyptern, Griechen und Römern, in China und Japan und bei den anderen asiatischen Völkern. Dann folgt die Behandlung des „Mittelalters der Eisenerzeugung“ und schließlich die Neuzeit. Diese ist eigentlich nicht so aut weggekommen, doch ist das nicht schlimm, weil wir gerade dafür recht gute Werke wie das von H. Wedding und das von Ledebur besitzen. Dankenswert ist dagegen Abschnitt des Buches, der sich mit der technischen, vo prüsung darbietet. Das Buch zeichnet sich vor allen Dingen auch durch schönen klaren Druck und gute Figuren und Bilder aus. Eine merkwürdige Kesselheizung ist in Middlesbrough in Nord england in Betrieb gewesen und hat sich bewährt. Alles, wa glühend heiß weggeworsen werden muß, ist ein Verlust an Energie Um einen Stoff auf Gluttemperatur zu bringen, muß man viele Wärme aufwenden, die sich in barer Münze ausdrücken läßt. Kann man nun die Wärme eines fertigen Produkts oder eines Abfall⸗ produkts ausnutzen, so ist damit nicht bloß ein persönlicher Vorteit verbunden, sondern auch ein volkswirtschaftlicher Nutzen. Glühende Hochofenschlacke ist ein solches Hochofenprodukt. Man will die Schlacke gern schnell abkühlen. Kann man nun gar noch ihre 9 — waltige Hitze ausnutzen, so ist das ein doppelter Vorteil. Ein Hoch⸗ ofenwerk hat den Versuch gemacht, durch Einleiten der glühenden Schlacke in das Wasser eines Kessels billig Dampf zu erzeugen. Man leitete glühende Hochosenschlacken unmittelbar in das Wasser des Kessels. Damit sich dabei keine Säuren bilden, die den Kessel und bie Maschinen anfressen, geschieht das unter Luftabschluß. Drei Minuten nach Eintreten des Schlackenstromes setzt die Dampfbildung ein. Der Versuch hat vorzügliche Resultate ergeben; der Dampf ist völlig säurefrei und es steht zu hoffen, daß die Abwärmen der Hoch⸗ ofenprozesse eine weitere Verwendung finden. Erfreulich für den Techniker ist auch, wenn die Natur selbst Billige oder gar nichts kostende Energieschätze hergibt. So hat man sich in neuerer Zeit viel der Verwendung von Naturgas zuge⸗ wandt, von dem an manchen Stellen der Erde reichliche Quellen fließen. Die Canadian Western Natural Gas⸗Co. hat im Jahre 1913 täglich bis zu 740 000 Kubikmeter Naturgas geliefert und kann noch weit mehr liefern, da der Druck auf dem Grunde des Vohr⸗ loches bis auf den heutigen Tag nicht nachgelassen hat und immer noch 42 Atmosphären beträgt. Bisher ist eine Rohrleitung bis Calvary vorhanden, die nicht weniger als 288 Kilometer lang ist. Das zeigt an, wie lohnend die Gewinnung sein muß. Man baut noch eine zweite, die eine ganze Reihe Städte mit Gas versorgen soll. Den bisher vorhandenen 18 Bohrlöchern kann man täglich bis zu 5 Millionen Kubikmeter Gas abzapfen. Die Naturgasquellen pflegen mehr zu liefern, als man in den meist nicht allzu kultivierten Qnellengebieten verbrauchen kann. Man ist deshalb auf die ingeniöse Idee verfallen, das Erdgas zu verflüssigen und zum Betriebe von Explosionsmotoren zu verwenden. Die Versuche, die nach einem Verfahren angestellt wur⸗ den, das Albert M. Schenk in Wheeling, Virginia, geschützt worden ist, sollen von bestem Erfolge gekrönt worden sein. Der Preis des verflüssigten Erdgases soll auf die Hälfte des Petroleumpreises sest⸗ gesetzt werden lönnen. Kleine Erdarbeiten, namentlich, wenn sie vielfach in derselben Weise wiederkehren, werden in Amerika mit großem Erfolge und wachsender Ausdehnung mit Hilfe von Dynamit bewerkstelligt. In einem Falle lag z. B. die Aufgabe vor, im Winter eine oberirdische Telegraphenleitung schnell herzustellen. Der Boden war etwa einen Meter tief gefroren, so daß die Arbeit mit der Spitzhacke allein außerordentlich zeitraubend gewesen wäre. Man hat in diesem lle zur Herstellung der Löcher für die Leitungsmasten zum unamit gegriffen. Damit hat man zwei Vorteile zugleich er⸗ 1 1 einmal geht die Arbeit sehr viel schneller, dann aber stellt ie sich um 15 bis 20 Prozent billiger als reine Handarbeit. Man geht dabei in der Weise vor, daß ein 75 Zentimeter tiefes Loch mit Hacke und Spaten ausgehoben, sodann ein 75 Zentimeter tiefes Bohrloch hergestellt wird, in das man die Dynamitpatrone hinab⸗ führt und sie entzündet. Die Explosion reißt ein 1½ Meter tiefes Loch, das im Durchmesser mit dem zuerst von Hand aufgeworfenen übereinstimmt und sich zum Einsetzen der Maste vorzüglich eignete. In derselben Weise benutzt man Dynamit zum Aussprengen von Löchern für das Einsetzen von Bäumen. Man hat dabei zugleich den Vorteil, daß das umliegende Erdreich aufgelockert wird und den sich ausbreitenden Würzelchen und der Feuchtigkeit gutes Eindringen ermöglicht. Der Lichthunger, der unsere Zeit auszeichnet, findet immer neue Nahrung. Jahrhundertelang hat die Beleuchtungstechnik ge⸗ schlafen und blieb auf demselben Standpunkte stehen; nun aber, wo man meinen sollte, wir wären gesättigt und hätten des Neuen genug, überstürzen sich die Erfindungen. Der Bogenlampe folgte die hoch⸗ wertige Metallfadenlampe, die Quecksilber- und die Quarzlampe, dem Gasglühlicht die Preßgasbeleuchtung. Jetzt kommt Dr. H. Greinacher wieder mit einer Neuheit, die er die Kathodenglühlampe nennt. Bei elektrischen Entladungen im luftverdünnten Raume, die 9 zwei Polen, der Anode und der Kathode erfolgen, erhitzt ch die Anode nur sehr schwach, die Kathode dagegen sehr stark, denn ie wird durch die elektrischen Entladungen zerstört, von ihr werden immerwährend kleine Teilchen abgerissen und fortgeschleudert, die wir in den Kathodenstrahlen wiederfinden. Greinacher fand nun, daß der Glühstift der Nernstlampe der Zerstäubung nicht oder nur sehr wenig ausgesetzt war, und fand ihn daher geeignet, seine Lampe auszuführen, die auf der starken Erhitzung der Kathode beruht. Seine Probelampe besteht aus einer Glaskugel von 14 Zentimeter Durchmesser mit zwei einander gegenüberliegenden Ansatzröhren, in denen je eine in den Kugelraum hineinragende dickwandige Röhre aus Quarz angeordnet ist. Am kugeligen Ende der 2 Millimeter weiten Bohrung dieser Quarzröhrchen sind die Nernststifte besestigt, von denen Anschlußdrähte nach den Einschmelzstellen am äußeren Ende der Ansatzröhren führen. Die Ansatzdrähte sind eingekittet, die Nernststifte sind nur wenig in die Quarzröhren eingelassen, so daß die elektrischen Entladungen von den Stiften ausgehen müssen. Die geeignete Luftleere(einige Millimeter Quecksilber) läßt bei einer Wechselstromspannung von 1000 Volt vom Grunde der Stifte eine blaue Glimmentladung ausgehen, die rasch bis zur Spitze fort⸗ schreitet. Die Glimmentladung erwärmt die Stifte und macht sie leitend, so daß die Stromstärke anwächst und die Stifte in wenigen Sekunden zur hellen Weißalut erhitzt. Die erste Lampe verbrauchte 90 Watt und ergab dabei 50 Kerzen. Soll die neue Lampe mit den vorhandenen Metallfadenlampen konkurrieren können, so muß sich einmal die Spannung wesentlich herabsetzen, sodann aber auch der Verbrauch auch über die Hälfte vermindern lassen. Die Herab⸗ setzung der Spannung hofft man durch geeignete Gasflüllungen— twa mit Helium— durchzuführen und auf das zweite dürfen wir bel dem rastlosen Fortschresten der Technik auch hoffen. — Aus unserer Sammelmappe. Symbiose in Getreidekörnern. Zu den wichtigsten in den Ge treidelörnern vorhandenen Stoffen zählt das Aleuron, ein Eiwelß⸗ stoff, der viel zum Nährwert des Getreides beiträgt und in Form von kleinen Körnchen, den Aleuronzellen, auftritt. Nun machte kürz: lich ein Forscher(Peklo) eine interessante Beobachtung. Er enk⸗ ö deckte nämlich in der noch unreifen Kornfrucht ein feines Pilz⸗ geflecht, dem die Aleurenzellen fest aufsaßen, und zwar ganz wie bei der echten Symbjose, d. h. der dauernden Vereinigung zweier ver⸗ schiedener Organismen mit dem Zwecke des gegenseitigen Vorteiles. Da diese Beobachtung den Forscher zu der Annahme berechtigt, daß auch die Stärke im Getreidekorn durch die Tätigkeit diefes Pilzes gebildet wird, so haben wir hier, falls auch die weiteren Unter⸗ suchungen von Erfolg begleitet sind, zweifellos eine der interessan⸗ testen Entdeckungen der modernen Botanik vor uns. 5 Die Stiftungen der Milliardäre im Lichte der Wahrheit. Dieses Thema findet in einem vor einem Jahre erschienenen Buche von Professor Wilhelm Ostwald„Der energetische Imperativ“ eine höchst beachtenswerte Beleuchtung. Die Mitteilung entstand ge⸗ legentlich eines Festvortrages, den Ostwald im Jahre 1910 vor den Jenenser Studenten zur Vorfeier der Einweihung des Ernst Abbe⸗-Denkmals hielt, in dem er„Abbe als Führer“ schilderte und die hochherzige Stiftung dieses Mannes und seine Lebensführung N der amerikanischen Kapitalprotzen gegenüberstellte. r sagte: „Wir leben in einer Zeit, wo wissenschaftliche und andere Stif⸗ tungen von allen Seiten und in Beträgen von vielen Millionen ge⸗ macht werden. Insbesondere aus Amerika erfahren wir täglich von derartigen Stiftungen, welche immer wieder von neuem darauf hinweisen, daß die amerikanischen Großkapitalisten ein gewisses Be⸗ dürfnis empfinden, wenigstens einen kleinen Teil ihres Vermögens für hochstehende und edle Zwecke zu verwenden. Aber als ich diese Verhältnisse seinerzeit an Ort und Stelle eingehender zu studieren in der Lage war, überzeugte ich mich, daß sie in der Nähe wesentlich geringwertiger aussehen, als sie von ferne ohne genaue Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse erscheinen. Um nämlich die vorhan⸗ denen Umstände richtig beurteilen zu können, muß man sich dessen erinnern, daß es in Amerika weder Titel noch Orden noch irgend⸗ welche andere allgemein anerkannte Formen gesellschaftlicher Aus⸗ zeichnung gibt. Somit sind diejenigen, die nach solcher Auszeichnung streben, dazu genötigt, sich eigne Wege für diefen Weg zu bahnen, und unter diesen Wegen sind die Stiftungen zu humanitären und wissenschaftlichen Zwecken die belieblesten, weil sie am besten bekannt und anerkannt werden. Aber die Schilderungen derjenigen von meinen Kollegen, welche in der Lage waren, b Stiftungen zu aktivieren, haben mir dann gezeigt, wie wenig stehend in vielen aa die Gedanken waren, von denen die Stifter geleitet wurden. Sehr oft kam es ihnen nur darauf an, eine möglichst protzig aus⸗ sehende, tunlichst aus Marmor gebaute Fassade 1 erlangen, auf welcher in großen goldenen Lettern ihr Name angebracht war. Was hinter der Fassade gebaut wurde, und insbesondere in welche Maße für die ünscheinbaren, aber umso kostspieligeren wissenschaft⸗ lichen Bedürfnisse der Anstalten gesorgt war, kam ihnen erst in dritter Linie wichtig vor, und meine Kollegen erzählten von heftigen und anstrengenden Kämpfen, die sie durchzumachen gehabt Ric um für den eigentlichen Zweck derartiger Stiftungen 71 leidlichen Anteil des Stiftungskapitals zu retten. Wenn man eine an⸗ schauliche Vorstellung von diesem durchschnittlichen Geiste des ameri⸗ lanischen Stifters machen will, so braucht man sich z. B. nur die berühmte Lick⸗Sternwarte in Kalifornien anzusehen, wo ein reicher Zuckerhändler oder Börsenmann ein Fernrohr gestiftet hat, welches damals und lange hernach das größte in der Welt war. Er hat sich dann unter dem Hauptteile des Trägers dieses Fernrohres begraben und mit deutlichen Lettern auf einer metallenen Platte dafür fsorgen lassen, daß alle Besucher, welche zahlreich auf diese Sternwarte zu kommen pflegen(sie ist so etwas wie ein nationales Aal a auch 2 2 genau erfahren, daß gerade er jene Stiftung vollbracht habe. er hat sich offenbar vorgestellt, daß es ihm auch im Tode angenehm sein würde, so die Anerkennung seiner Landsleute dauernd einzu⸗ heimsen und sich von der Erreichung des Resultats zu überzeugen, für welches er die betreffenden Geldsummen geopfert hatte.“ 2 Ueber die Weltproduktion in Büchern bringt die französische Zeitschrift Cosmos eine interessante Uebersicht. In den ersten primitiven Zeiten der Buchdruckerkunst, die wir von 1436 bis 1500 a rechnen, wurden schätzungsweise etwa 30 000 Blücher gedruckt, von denen 20 000 auf Deutschland, 6650 auf Italien, 2050 auf Holland und 1125 auf Frankreich entfielen. Seitdem hat sich die Bücher⸗ produktion in folgender Weise gesteigert: 1500—1600 287000, 16000 bis 1700 972 000, 1700-1800 1 636 000, 18001900 6 119 000, 1900-1908 1395 000. Die durchschnittliche Jahresproduktion an Büchern betrug im 16. Jahrhundert 2500 Werke, im 17. Jahrhundert 10 000, im 18. Jahrhundert 16000, im 19. Jahrhundert 50 000 und im 20. Jahrhundert 174000 Werke. Die Bücherflut ist also unau 2 hörlich, und zwar im unheimlichen Tempo gewachsen. Man weiß nicht, worüber man mehr staunen soll: daß es so viel Menschen gibt, die Bücher schreiben und Gegenstände, über die geschrieben werden kann oder darüber, daß diese Bücher alle einen Verleger und, was noch mehr sagen will, alle ihre Leser finden. Um zu der tatsächlick hergestellten Zahl von Einzelexemplaren zu kommen, müßte man d obengenannten Jissern noch mit der Höhe der einzelnen Aufla multiplizieren. Wir würden dann zu einer 5—10 000 mal so gro 25 Zisser gelangen und begreifen, daß man jedenfalls mit einem ge⸗ wiffen Rechte unser Zestalter das paplerne genannt bat,