Wissen istacht Wöchentliche Beilage der Oberhessischen Volkszeitung iummer 17 Dienstag, den 28. pril 1914 3. Jahrgang Shakespeare. Getauft am 26. April 1564. Die Weltschöpfung, die in den Dramen William Shake— speares lebt, ist so mannigfach und unendlich in Gesichten und Gebilden, daß ihr Urheber, gleich dem Gott der Meta— physik, der Himmel und Erde schuf, sich in der Fülle seiner Werke und Erscheinungen verbirgt und in ihr zu einem dunklen Geist und Gefühl allgemeiner und höchster Erhaben— heit zerfließend sich erhebt, ohne daß seine Persönlichkeit im Einzelnen zu schauen und zu fassen ist. Was hat dieser William Shakespeare erlebt, gefühlt, ge— wollt— Wir wissen es nicht. Die Geschöpfe seiner drama— tischen Phantasie leben 350 Jahre nach seiner Geburt mit uns, sie bevölkern das Reich unserer Gedanken und unserer Erlebnisse. Unser Bewußtsein würde verarmen ohne sie. Aber ihr Urheber entzieht sich uns in Wolken. Zwar wissen wir, daß seine Kunst nicht aus dem Nichts gezaubert. Er hat Vorgänger, Vorbilder, auch zu ihm heran— ragende Zeitgenossen. Er nahm sorglos die Stoffe, die das vorhandene Schrifttum ihm bot. Auch erkennen wir in seinen Werken das leidenschaftliche Getümmel der Zeit, in der sie entstanden: diese englische Renaissance des Zeitalters der Elisabeth, da die Insel zur Weltherrschaft ansteigt und die Schätze der Erde sich aneignet, eine strotzende Zeit, voll von Kräften, Abenteuekn und Verbrechen, heroisch und lasterhaft, vornehm und roh, sehnsüchtig und ungebändigt, fantastisch ringend um Erkenntnis und Glück, eine verwegene Kultur, die über rechtlosen, mißhandelten, hungernd arbeitenden Massen sich erhebt, aus deren Mutterboden doch wurzelhaft stark in die höfisch-feudale Verfeinerung die ursprünglich dichtende Phantasie des Volkes, wie schwellender Frühlings- saft, ansteigt. Aber von dem Dichter selbst wissen wir nichts, sondern nur von einigen äußerlichen Daseinsdaten eines Schauspielers Shakespeare, der aus elender Verkommenheit hervorging, es zum Mitbesitzer eines Theaters brachte und schließlich einigen Landbesitz sich erworben hat; dessen Taufe am 26. April 1564 ins Kirchenbuch eingetragen und der am 24. April 1616 gestorben ist. 8 Die unermüdliche Shakespeareforschung triumphiert frei⸗ lich, daß es ihr mit der Zeit gelungen, mehr als anderthalb hundert Urkunden der Existenz Shakespeares zu entdecken. Aber sie sind samt und sonders für die Erkenntnis des Dichters bedeutungslos und mehr befremdend als erleuchtend. Wir haben keine Zeile seiner Dichtungen von seiner Hand, keinen Brief von ihm und nur einen einzigen an ihn, und der ist ein Bettelbrief, Seine Unterschrift findet sich ein paarmal, ungelenk, mühsam gemalt, so in seinem Testament. Auch haben wir Gerichtsurkunden, in denen Shakespeare als grimmer Shylok geringfügige Schulden eintreibt. Das ist alles. Auch wie er leiblich ausgesehen, können wir uns nicht vorstellen. Unzweifelhaft echt sind nur zwei bildliche Dar⸗ stellungen, die scheinbar nach der Totenmaske gebildete Büste in der Kirche zu Stratford und das Titelbild der ersten Ge⸗ samtausgabe von 1623. Aber beide Darstellungen lassen den Genius nicht einmal ahnen. Es sind stumpfe, plumpe Züge, fast wie beabsichtigte Karikaturen wirkend. Aus dieser legendarischen Dunkelheit seines Lebens ent⸗ stand die Legende, daß Shakespeare nur ein Deckname ist und daß einer der großen Würdenträger der Zeit die Maske des armseligen Schauspielers gewählt habe, dieses gänzlich un. gebildeten Trunkenboldes, der schon deshalb seine Werke nicht geschrieben haben könnte, weil er des Schreibens un— kundig gewesen. War dieser dürftige Gesell fähig, wie ein umfassender Denker alle Weisheit und alles Wissen zu be— herrschen, den tiefsten Gedanken die Sprache des Dichters zu leihen, die Kunst des Staatsmanns zu beherrschen und als ein Feldherr Schlachten zu lenken? Tönte seinen groben Ohren die holdselige Musik der Sphären, empfand er die hohe Liebe seiner Frauengestalten, den Adel der Gesinnung, die skeptische Melancholie des überlegenen Geistes, den Witz des gebildeten Weltmannes? Allenfalls war dieser Schauspieler Shakespeare Modell des Falstaff. Aber ist ein Falstaff im- stande, einen Hamlet zu schaffen? Oder vermag ein Caliban, der eine Miranda in seiner schmutzigen Gier zu vergewaltigen suchte, eine Miranda zu zeugen? So hielt man Umschau unter den großen Erscheinungen am Hofe der Elisabeth. Der gelehrte Scharssinn haftete vor allem an dem Namen Bacons, des Staatsmanns und Philo⸗ sophen. Auch andere Männer der Aristokratie wurden in neuester Zeit ausersehen, als Verfasser Shakespeares zu kandidieren. Es mögen vier- bis fünfhundert Bände über diese Frage bisher erschienen sein. Aber alle Versuche, das Rätsel Shakespeares zu lösen, gaben nur neue und noch schwierigere Rätsel auf. Und es gelang nicht, wie sehr das Leben Shakespeares auch ein Mysterium bleibt, die Zeugnisse zu beseitigen, die eben doch erhärten, daß dieser kleine Schau- spieler, dieser Gaukler, der noch zu den unehrlichen Leuten zählte, der Menschheit ihre gewaltigsten Dramen geschenkt hat. Wie nah immer der Gedanke liegt, daß sich hier der religiöse Heilandmythus künstlerisch wiederholen mag, zwei Zeugnisse zum mindesten sind bisher nicht entkräftet: Eia fremdes und ein Selbstbekenntnis. In der Widmung, die Ben Jonson der ersten Gesamtausgabe der Werke voraus— schickte, wird der„süße Schwan vom Avon“, Shakespeare, als der unsterbliche Dichter verherrlicht. Und wußtest du auch wenig nur Latein, Noch weniger Griechisch, war doch Größe dein, Davor sich selbst der donnernde Aeschylos, Euripides, Sophokles beugen muß. Dann aber hat Shakespeare selbst das Leid seines Lebens in den Sonetten ausgeströmt, deren autobiographische Be— deutung man erkant hat, seitdem man aufhörte, sie als be— stellte kalte Spiele des Witzes(nach dem Geschmack der Zeit) mißzuverstehen. In diesen Sonetten, in denen er seine leidenschaftliche Liebe zu einem adeligen Freund bekennt, empört er sich gegen seinen sozialen Beruf. Die Verse, die wir in der neuen Umdichtung von Stefan George wieder— geben, sind ein gültiges Zeugnis: O zeigt auch, meinethalb aufs Glück ergrimmt, Die schuldige Gottheit meiner Leidensfahrt, Die für mein Leben besseres nicht bestimmt Als Volkserwerb, der nachzieht Volkesart. Daher empfängt mein Name einen Brand, Daher wird all mein Wesen fast bedräut Durch meine Arbeit— wie des Färbers Hand. Hab Mitleid denn und wünschet mich erneut. Diese Sonette sind die einzigen Dichtungen Shakespeares, in denen man die Spuren persönlichen Erlebens erkennt. Die Dramen dagegen sind eine Welt für sich, in der ihr Dichter verschwiegen ist. Nur in der Reihenfolge— die Forschung hat heute die Entstehungszeit der Dramen aus inneren und äußeren Gründen nahezu sicher festgestellt— läßt sich die Entwicklung des geistigen Lebens Shakespeares ahnen. Seine Schaffenszeit umspannt zwei Jahrzehnte, von 1591 bis 1611. Im ersten Jahrzehnt entstehen alle Komödien und die historischen Dramen, im zweiten die Tragödien, aus deren blutigen Abgründen dann am Schlusse, wie als dichterisches Testament, die letzten Märchenspiele empor⸗ tauchen, Cymbeline, Wintermärchen, Sturm: friedvoll, zukunftsleuchtend, Bilder des goldenen Zeitalters. Landet auch Shakespeares Sehnsucht wärmend auf der Insel Utopien, deren Entdecker Thomas Morus ein Menschenalter zuvor das Schafott bestiegen. Das ist das Shakespeare-Problem, das die heutige Zeit am tiefsten berührt. Ist Shakespeare aus Thomas Morus Geschlecht? Seine Dichtungen in ihrer undurchdringlichen Objektivität verraten das Geheimnis nicht. Wo Shakespeare das niedere Volk darstellt, redet und handelt es entweder mit gesundem Mutterwitz, natürlicher Lebensmoral und findet sich behaglich in seinen Zustand oder es lärmt als Lumpen⸗ gesindel, versoffen, abgerissen, ein Ziel des Gelächters der Satten und Vornehmen. Der trunkene Kesselflicker, den Seine Lordschaft ins Schloß bringen und in seidene Kleider stecken läßt, um sich an dem Lordwahn des Säufers zu ergötzen, hat nichts vom sozialen Ankläger, nicht einmal etwas von sozialer Satire. Aber in den Volksszenen Heinrich VI. zuckt doch etwas wie die Wildheit des Bauernkrieges. Ist dieser Hans Cade wirklich nur der verächtliche Führer eines Pöbel aufstandes, gegen den der Dichter Abscheu erregen will, wenn er ihn gegen den Abgesandten des Königs hetzen läßt?„Und ihr, gemeine Knechte, glaubt ihr ihm? Wollt ihr denn durch aus mit eurem Pardon um den Hals aufgehenkt sein? Ich dachte, ihr wolltet eure Waffen nimmer niederlegen, bis ihr eure alte Freiheit wieder erobert hättet: aber ihr seid alle elende Feiglinge, und habt eine Freude daran, in der Sklaverei des Adels zu leben. So mögen sie euch denn den Rücken mit Lasten zerbrechen, euch die Häuser über dem Kopf wegnehmen, eure Weiber und Töchter vor euren Augen not— züchtigen; was mich betrifft, ich werde für mich allein schon Rat schaffen, und Gottes Fluch möge euch alle treffen“! g Spricht hier nicht doch unter der Maske der Dichter als sozialistischer Rebell? Das ist die Anklage, die in unseren Tagen Tolstoi gegen Shakespeare erhob, daß er fremd allem sozialen Gefühl gewesen und daß darum seine Kunst Blend- werk und Betäubung der Menschheit ward. Die verschlossenen Lippen des Dichters, der nur durch den Widerstreit der handelnden Personen sich äußert, widersprechen diesem Vor- wurf scheinbar nicht„Dennoch glaubt man die innere Wärme Shakespeares zu fühlen, wenn er im Sturm Gonzalo, den ehrlichen Rat des Königs, Utopien malen läßt, von dem er König sein möchte: „Ich wirkte im gemeinen Wesen alles Durchs Gegenteil: denn keiner Art von Handel Erlaubt' ich, keinen Namen eines Amts; Gelahrtheit sollte man nicht kennen; Reichtum, Dienst, Armut gäb's nicht; von Vertrag und Erbschaft Verzäunung, Landmark, Feld- und Weinbau nichts. Auch kein Gebrauch von Korn, Wein, Oel, Metall, Kein Handwerk, alle Männer müßig, alle; Die Weiber auch, doch völlig rein und schuldlos; Kein Regiment—— In der gemeinsamen Natur sollt' alles Frucht bringen ohne Müh' und Schweiß; Verrat, Betrug, Schwert, Speer, Geschütz, Notwendigkeit der Waffen, Gäb's nicht bei mir; es schaffte die Natur Von freien Stücken alle Hüll' und Fülle, Mein schuldlos Volk zu nähren. So ungemein wollt' ich regieren, Herr, Daß es die gold'ne Zeit verdunkeln sollte.“ Hermann Kohen sieht in seiner Aesthetik, dem ersten wissenschaftlichen Unternehmen einer sozialen Kunst⸗ philosophie, die weltgeschichtliche Bedeutung Shakespeares in der Verbindung des Tragischen und Komischen:„Das Bei⸗ spiel Shakespeares bildet den Wendepunkt in den Weltaltern der Aesthetik. Die alte Welt richtete zwei Welten des Schönen auf, die eine als die des Schmerzes und der Klage, die andere Als. die der Freude und der Lachlust. Die neuere Zeit bringt! Einheit auch in diese beiden ästhetischen Welten.“ So über⸗ windet der Humor alle Erhabenheit tragischer Arbeit. Da⸗ mit aber gliedert sich Shakespeare, wie immer sich die persön⸗ liche Tendenz seines Weltwollens verhüllen mag, als Künstler in die Reihe der Befreier ein. In dem ewigen Leben seiner Dichtungen findet sich die Weltstimmung der leidenden Menschheit unserer Zeit wieder: die Heiterkeit der Daseins⸗ bejahung, die die lastende Tragik des Lebens durch die schaffende Tat überwindet. K. E, Die Legende von den„senilen“ Völlern. Ein Beitrag zu dem Problem der Bevölkerungsschwankungen. Die gewollte Beschränkung der Kinderzahl wird oft als ein Symptom eines sen kl gewordenen Volkes bezeichnet, so bei Frank⸗ reich. Wie bekannt, marschiert Frankreich mit dieser„Ratfonali⸗ sierung des Zeugungstriebes“ an der Spitze der Kulturstaaten, Deutschland folgt in weitem, jedoch geringer werdendem Abstand. Bei unseren westlichen Nachbarn nahm man dieses demographische Phänomen je länger, desto ernster; schließlich wendete man sich an die Republik der Gelehrten, in der Hoffnung, von dieser Seite aus bei der Bekämpfung des„Selbstmords der Nationen“ unterstützt zu werden. Die Republik der französischen Gelehrten quittierte für diese Aufmerksamkeit mit einem ziemlich dicken Buch,„La Question de la Population“, dessen Verfasser der bekannte Finanzwirtschafter M. Leroy⸗ Beaulieu ist. Er, wie seine Kollegen und wie die gesamte öffentliche Meinung huldigen der Ansicht, daß die Bevöl⸗ kerungsabnahme ein Zeichen der Senilität eines Volkes sei; Frank⸗ reich werde allmählich recht alt und damit steril. Die Hoffnung, diesem Altern entgegenzuarbeiten, sei erfreulich, aber mit ihrer Er⸗ füllung sei es ungewiß. Wie man aus den deutschen Besprechungen dieser Arbeit ersehen konnte, hat man bei uns an dieser Ansicht nichts wesentliches auszusetzen. In Anbetracht dieses Umstandes, in Anbetracht der Bedeutung dieses Problems vom„senilen“ Volk und schließlich angesichts der Kraft gewisser Schlagworte, auf die man, mit einem schadenfrohen Seitenblick, des öfteren ganze Weltgeschich⸗ ten, vergangene wie künftige, aufbaut, mag die Kritik des ori⸗ ginellen Mediziners Dr. Otto Effertz an obiger Arbeit auch bei 10 interessieren; sie ist soeben in einer französischen Zeitschrift er⸗ enen. Um es zum Voraus zu sagen: nach Dr. Effertz gibt es wohl dekadente, aber keine senilen Rassen, resp. Staaten oder Völker: und serner werden die Rassen mit zunehmendem Alter nicht schwächer, sondern kräftiger! Die Erklärung der Sterilität durch die Senilität ist also falsch, da es letztere nicht gibt. Wir entnehmen dem Beweis für diese These nachstehende Hauptpunkte: Wir sprechen deshalb von dem Altern eines Volkes, weil wir es mit dem einzelnen Menschen vergleichen, der seine Jugend, sein Mannesalter und sein Greisenalter hat. Diese Analogie ist grund⸗ falsch, da wir hier das Alter einer Zivilisatton mit dem Alter der Existenz eines Menschen vergleichen; zudem wird der Mensch bei höherer Zivilisation nicht schneller, sondern lang⸗ samer alt, als der Wilde etwa. Will man partout seinen Vergleich haben, dann hinkt der zwischen dem Alter eines Volkes und dem Alter jener Tiergattungen, deren Individuen nie sterben(Fort⸗ pflanzungen durch Teilung), noch am wenigsten. Aber Analogke bleibt Analogie, d. h. nicht beweiskräftig. Weiter vergleicht M. Leroy⸗Beaulteu die Nation mit der Familie, um alsdann zu behaupten, daß Familien alter Zivill⸗ sation stertl werden; das gute Leben der besseren und die zu starke Entwicklung des Intellektes der stärkeren Hälfte seien an der Un⸗ fruchtbarkeit Schuld. Dr. Otto Effertz stellt dieser Behauptung hin⸗ sichtlich der Frau die große Fruchtbarkeit der weiblichen Angehörigen alter Geschlechter und hinsichtlich der Männer die Zeugungskraft oder Zeugungsfreudigkeit der Lehrer und Pastoren entgegen. Die Frucht⸗ barkeit der Fürstinnen aus dem Hause Habsburg, dlesem Faubourg Saint⸗Germain der ganzen Welt, sst 8 noch der durchschnittlichen Fruchtbarkeit weit überlegen— in letzten Generation gab es Prinzessinnen mit zwei Dutzenden von Kindern. Napoleon wußte, warum er eine Habsburgerin zur Gattin wählte. Nun ist es wohl sicher, daß diesen Frauen am guten Leben nichts 15 Anderer- seits arbeiten Lehrer und Pastoren fast ausschließl intellektuell, was ihrer Zeugungskraft aber nicht t. Von einer Senilität infolge zu hoher Zivilisation kann also nicht die Rede sein: die hoch⸗ 8 Frau, der hochzivilisterte Mann sind eher zeugungskräf⸗ tiger, als zeugungsschwächer. Das Verschwinden verschiedener Rassen der neuen Welt erklärt man gerne mit einem N Gesetz, das da will, die Rassen mit inferiorer Ziwillsatson denjenigen mit höherer Ziviltsation weichen müssen. Aber wieso unterlag die isation und Rasse der Azteken zum Beispiel der mit niederer Zivillsatlon der Neger? Warum gewinnen die Neger gegenüber den Weißen nume⸗ risch die Oberhand? Bestände dieses Gesetz, so die r ein Anrecht darauf, das Verschwinden aller Zivilisatlonen der dens e ee len vorfanden, die zu jung waren, auf jeden zu I 0 and rb gewolbelen Netesbe. Baden ö 3 itschwundenen Rassen das gleiche Alter an Zivilisation gehabt, ren sie ebensowenig unterlegen, wie die Rassen in Europa. elßt: je älter die Rasse, um so kräftiger wird sie, um so mehr sie sich. Beiter beschäftigte sich der französische Gelehrte mit dem Pro⸗ der Entvölkerung westlicher Länder, also der en des Abendlandes, und der Bevölkerungsstabilität der öst⸗ Völker, zum Beispiel der Chinas. Auch hier erklärt, nach M. „Beaulieu, das Alter der Zivilisation mit Altern der Rasse achfolgender Unfruchtbarkeit doch war dies eine aristokratische, ne dünne Oberschicht beschränkte Zivilisation, die der breiten nichts anhaben konnte, während die abendländische Zivili⸗ demokratisch wurde und das ganze Volk durchdrang. Dr. b hält diese ingeniöse Erklärung für vollkommen falsch.„Dieses lem verstehen wir erst seit den Arbeiten der Schule von big, die gegenwärtig nur den Naturwissenschaftern bekannt während 1 die Volkswirtschafter in deren Unkenntnis ge— Wir haben es hier mit einem Phänomen landwirt- tlicher Natur zu tun: das Düngen der Erde bedeutet eine kerungszunahme, die Erschöpfung der Erde bedeutet eine Be— rungsabnahme. Je weiter man nun, bis vor kurzer „nach Osten reiste, eine umso höhere Diingungskunst sand man und umgekehrt. Im äußersten Osten(China, Japan) wird der n durch die Landwirtschaft nicht erschöpft, im äußersten Mesten findet eine rasche Erschöpfung statt. Die minderwertige lung des Bodens im Abendland ist die Ursache der Auswan⸗ s- und Kolonisierungswut: Nassen die düngen, sind dagegen ift.„Von jenem gewissen Unternehmunesgeist, wit dem die isterenden Völker prahlen, kann nicht die Rede sein“ diese minderwertige Bodenkultur setzen die Ausgewanderten r neuen Heimat fort und werden deshalb zu Nomaden: nach zwanzig Jahren ist die Farm erschöpft die Zelte wössen abge⸗ n werden. Vor allem aber wird der Boden durch die Pe⸗ kultur erschöpft, und deshalb weist Frankreich eine gröbere kerungsabnahꝛe auf. Nicht der Alkoßul enterßttel den Men⸗ sondern die Rebenkultur entkräftet den Roden Seit Nortygal Weinberg Englands wurde, nalen seine Reyßlkerung ob Ne⸗ erungsschwankungen sind mit den Schwankungen in der Frucht⸗ it des Bodens zu erklären, der sich allmählich von selhst mieder t. Wenn Ftalien sich mieder erholte, so deshalb, weil diesclogca ma zerstört ward: diese nämlich entzua dem ager romanus die n Kräfte, d. h. alle Düngemittel. Bodenwirtschaft: dort, wo man diese Mirescheft berolgt, sten, asch eine Bevölkerungszunohwe ein. Niet die Men; olk wird senil, sondern der Grund und Boden Pötter, die zu, n wissen nehmen an Zohl e nicht ab: Nöster die wicht n dengen u. entvölkern sich. f dr. Effertz(deßen Temperament sibrigens start en erinnert) schließt seine Arbeit folgendermaßen: Y! Nationen ist von der Liste der natßosogischen roy Hen oder * En, an die vergangene Jahrhunderte glaubten, und die nen der nen Missenschaft verscheucht wurden.“([Fraikf Ztg) Alkohol und Kunst. .(Schluß.) Da ist zunächst der geniale Naturforscher H. v. Selm aus der Beobachtung seiner selbst über die Um ht, die das Auftauchen schöpferischer Ideen beg hemmen und dabei ein unmißverständliches Urteil über Rolle des Alkohols beim Schöpfungsprozeß ausspricht: ihre Bedeutung erkennt plötzlich ein, ohne Anstrengung, it meine Erfahrung reicht, kamen sie nie dem ermüt i gemächlichem Steigen über waldige Berge in sonnigem r(auch Nietzsche pries die„ergangenen Gedanken“ als m und höchsten!). Die kleinsten Mengen alkoholischer e aber schienen sie zu verscheuchen.“ Eine zweite, ich noch mehr bezeichnende Aeußerung hat Johannes üller getan, der Begründer der Physiologie, in seiner ft über Schlummerbilder. Schlummerbilder: das ist usgezeichnete Ausdruck v. Müllers für das, was wir pferische Idee“ nennen, und was der verstorbene Philo Wilhelm Dilthey in seiner Schrift die Einbildungskraft dichters als„Urphänomene des dichterischen Schaffens“ net. Von diesen Schlummerbildern sagt nun v. Müller: hab sie bemerkt, wenn ich vorher Wein getrunken die kleinsten Mengen Weins verscheuchen jene Schlum⸗ der. leichtesten treten sie hervor, wenn ich ganz nders wenn ich gefastet habe. Vom Weine kann des Fut Den f Ste ist eine eingebildete Krankßeft, wie jene zahlreichen! 7 oltz, fir die Menschheit, schöpferischen Ideen“, sagt er,„schleichen oft genug stil 5 en Gedankenkreis ein, ohne daß man gleich von Anfang In andern Fällen treten wie eine Inspiration. ehirn und nicht am Schreibtisch. Besonders gern kamen aussagen, daß selbst geringer Genuß das Hell. sehen vor dem Schlafengehen beschränkt.“ Man könnte in diesem Zusammenhang endlich noch eine Auslassung von Goethe in den Gesprächen mit Eckermann anführen, wo sich der Alte von Weimar entschieden gegen den Alkohol als„An— reger“ zur künstlerischen Produktion ausspricht und dabei an Schiller exemplifiziert, in dessen Werken sich genau zu be— zeichnende„pathologische Stellen“ fänden, die auf künstliche Anregung durch„Spirituoses“ zurückzuführen seien.(Das Thema Goethe und der Alkohol ist im übrigen interessant— genug, um für sich behandelt zu werden.) Hält man diese Erzeugnisse mit den Ergebnissen der oben berührten Rundfragen zusammen, so kann die Antwort auf unsere Frage, was der Alkoholgenuß auf den künstlerischen Schaffensprozeß bedeutet, nicht zweifelhaft sein. Der Alkohol ist ein Hemmnis für den gestaltenden Künstler, und er tut der Entfaltung der Kunst im einzelnen wie im ganzen Ab— bruch. Dies Ergebnis unserer Betrachtung kann durch die zugegebene Tatsache, daß es große Künstler gegeben hat, die dem Trunke, ja dem Suff ergeben waren oder die sich alko— holische Getränke mit Maß zuführten, keineswegs erschüttert werden. Oer sagt uns denn, daß jene Unglücksmenschen, die, die Stlavenketten ihrer Leidenschaft schwer genug getragen haben mögen, als freie und starke Söhne der Natur nicht be— deutend Höherwertiges geschaffen hätten? Oder wer darf sich erdreisten, den Gedanken ohne weiteres von der Hand zu weisen, daß Goethe— um den Stärksten zu nennen— jeden- falls nicht zuweilen geschlafen hätte, wenn er sich die Flasche Wein bei Tische hätte versagen können, die er im Alter zu trinken gewohnt war? Nicht danach muß man fragen, ob unsere bisherigen Künstler Wein und dergleichen getrunken haben, sondern zusehen, ob und was sie unter dem Einflusse des Alkohols geschaffen haben. Und dann ist es wohl der eee e Nühe wert, einmal zu ermessen, was der Kunst durch den Alkohol verloren gegangen ist. Welch eine Zahl von künst⸗ erischen Begabungen ist durch das Gift des Alkohols ver— nichtet worden oder hat nicht zur vollen Ausreife gelangen können! Man denke an Chr. Günther, dem Goethe die be— dauernden Worte nachgerufen hat, daß er sich nicht zu be— zähmen gewußt habe, und daß so sein Leben wie sein Dichten abe zerrinnen müssen. Man denke an E. T. A. Hoffmann, Grabbe, an Fritz Reuter, an Viktor v. Scheffel und an so kläglich und früh ums Leben gekommenen Otto Erich nn; ferner an den Engländer Robert Burns, an den neui ner Edgar Allan Poe, an die dem Absinth verfallenen Franzosen Paul Verlaine und Alfred de Musset, an die weden Bellmann und Tegner usw. Welch eine Reihe von glänzenden Namen, welch eine Summe von Begabung, die da verkleinert und begraben worden ist, welch ein Verlust die das frühe Erlöschen dieser Sterne Hbodeutet! Man setze diesen Verlust dem Dämon Alkohol un- it auf sein Schuldkonto, man nagle es an die Wand, nit» Menschenopfer, sondern auch Opfer an Kurwerten unerhört gefallen sind. A. T.(Dresd. Volkszeitung.) d s eutstehen Druckfehler? Von Kalau v. Hofe. Wie entstehen die ärgerlichen, unausrottbaren Druckfehler? Ueber diese Frage sollten sich Nichtfachleute, insbesondere solche, die für den Druck schreiben, klar werden, ehe sie über„gedankenlose“ Setzer und„nachlässige“ Korrektoren das übliche Verdammungs⸗ urteil ohne Zubilligung mildernder Umstände fällen. Der häufigste Erzeuger von Druckfehlern ist der„Zwiebelfisch“, das Kreuz und die Pein eines jeden Setzers Was ist der Zwiebelfisch? Der Setzer nennt so eine jede Letter, die sich an einem Orte, wo sie nicht hin⸗ gehört, befindet. Wie leicht sie da hineingerät, davon kann jeder Besucher der Leipziger Buchgewerbeausstellung mühelos über⸗ zeugen, wenn er einen Setzer beim„Ablegen“ beobachtet. Die Ausstellung wird, gemäß ihrem Programm, alles lebensvoll und in Tätigkeit zu zeigen, auch die Setzabteilung einer Druckerei im Betrieb vorführen: hier wird man u. a. sehen können, wie der, Setzer die einzelnen Buchstaben zu Zeilen und diese wieder ö Seiten zusammenseßzt und für den Druck fertig macht(„ausbindet“), und wie er dann nach dem Druck den gebrauchten Sch 1 12* auseinandernimmt und die Buchstaben auf die betreffenden Fächer des Setzkastens verteilt(„den Satz ablegt“). 5 5 Wenn der Laie diese mit blitzartiger Geschwindigkeit ausge führte Manipulation anstaunt, wird ihm alsbald klar, wie leicht 0 Buchstabe„verworfen“, das heißt in ein falsches Fach des Setz⸗ kastens geworfen werden kann. Wie nun der Setzer beim Ablegen sozusagen blindlings die Lettern in seinen Setzkasten wirft, so „oreift“ er sie auch beim Setzen blitzschnell und reiht sie unbesehen in seinen Winkelhaken aneinander. Wollte er sich von der Richtig⸗ eit jedes einzelnen gegriffenen Buchstabens überzeugen, so käme er mit seiner Arbeit nicht von der Stelle. Nur bei Lettern von ehr verschiedener Dicke oder Breite(Zum Beispiel m und s) ist as sehr ausgebildete Tastgefühl des Setzers sofort imstande, einen Zwiebelsisch ohne Zuhilfenahme des Auges zu konstatieren. Bei Lettern von gleicher oder annähernd gleicher Dicke liegt diese Mög⸗ lichkeit der Entdeckung durch den Tastsinn nicht vor, und so bekommt der arme Korrektor in der ersten Korrektur beispielsweise zu lesen: Eiergärtnerei statt Ziergärtnerei; Gypsessen statt Zypressen; Kur⸗ ant statt Kurort; Dämonen statt Domänen; Apfelmus statt Ansel⸗ mus;„Es fehlte den Truppen an Courage“ stakt Fourage;„Unsere Begleiterinnen glühten wie Matrosen“ statt Mairosen;„Der König trug eine geflickte Uniform“ statt einer gestickten;„Attribut des Platon war ein Zwieback“ statt Pluton und Zweizack;„Benedek og sich zurück und ordnete seine Haare“ statt Heere usw. Wohl em Korrektor, wenn er es nur mit solchen Druckfehlern zu tun hätte! Es gibt deren noch andere, unheilvollere, sogenannte„Hoch⸗ zeiten“ und„Leichen“. Eine„Hochzeit“ heißt im Buchdrucker-Argot etwas aus Unachtsamkeit doppelt Gesetztes(unnötige Vermehrung!), (während„Leiche“ eine Auslassung bedeutet(der schlimme Setzer hat gleichsam einen beiseite geschafft, um die Ecke gebracht). Aber die Quelle für die häßlichsten, bösartigsten Druckfehler ist doch das geschriebene Manuskript(der Setzer neunt„Manuskript“ jede— auch die gedruckte— Sachvorlage)—„weil das Genie sich meist erfreut unleslicher Handschrift“. Jeder Setzer und jeder Korrektor können bezeugen, daß unter den Autorhandschriften die deutlichen die Ausnahme bilden. Es ist geradezu unglaublich, was in dieser Hinsicht dem Setzer zugemutet wird. Da steht nun der arme„unstudierte“ Setzer vor seinem„gelehrten“ unlesbaren Mauuskript, er versucht es zu entziffern— vergebens: die Runen, vulgo Hahnenfüße spotten der angestrengtesten Leseversuche; ihm bleibt nichts anderes übrig, als auf gut Glück draufloszuraten. Auf alle Fälle weiß er ja, daß der Korrektor hinter ihm steht. Was dieser nun als„erste Korrektur“ von solchem Manuskript zu„lesen“ bekommt, davon hat der Laie keine Ahnung, am wenigsten der Autor selbst, der die meisten und schlimmsten Fehler durch seine „Pfote“ verschuldet hat. Da hat der Setzer beliebige Wörter zu den absurdesten Sätzen zusammengestellt; zum Beispiel las er Kamtschatka für Buttermilch, Hundesteuer für Seelengröße, Jesuiten für Insulten, Scheintod für Schwulst, Nonnenkloster für Nomenklatur,„des duftenden Sokrates“ statt Sekretes,„Die Wochenimpfung“ statt Dr. Wehrenpfennig usw. Da hat der Setzer ferner aus fremdsprachlichen Wörtern beliebige deutsche Wörter gemacht und umgekehrt, oder Zahlen für Buchstaben gehalten und Buchstaben für Zahlen(zum Beispiel„10 schöne Mädchen“ für so schöne Mädchen; 206 statt Lob; 703 statt Tod usw. Die immer all⸗ gemeinere Verwendung findende Schreibmaschine bringt zwar Setzern und Korrektoren unleugbar große Erleichterung durch die leichtere Lesbarkeit der Maschinenschrift, aber die Maschinen— schreiber und ⸗schreiberinnen sind leider nicht immun gegen die verschiedenartigsten„Tippfehler“. Das Gesagte mag genügen, um dem Laien eine Ahnung zu geben von der unendlich schwierigen, verantwortungsvollen, auf⸗ reibenden Tätigkeit des Korrektors— kann doch ein vertauschter Buchstabe, ein fortgelassenes oder an falscher Stelle stehendes Komma eine schwere Majestätsbeleidigung zu Wege bringen.— Der im Irrenhaus endende, beständig von Druckfehlern verfolgte Korrektor, wie ihn Hackländer in seinem Roman„Dunkle Stunden“ schildert, ist eine nach dem Leben gezeichnete Figur. In der Regel hat der Druckfehlerteufel aber nicht so bösartige Absichten, vielmehr ist er meist ein lustiger, ausgelassener Geselle, der seine Leute nur gerne an der Nase führt. Auch von dieser Seite wird ihn der Be⸗ sucher der Leipziger Buchgewerbeausstellung kennen lernen, vor allem im„Zunfthaus“, dem Heim der buchgewerblichen Fachleute, dessen Wandgemälde ernste und heitere Szenen aus dem Leben des Setzers, Druckers usw. darstellen. Die Sonne als Quelle aller Krast. Alle Arbeit, die auf Erden geleistet wird, ist in letzter Linie auf die Sonnenwärme zurückzuführen. Die sämtlichen Pflanzen, welche die Erde hervorbringt und die wir zur Nahrung, also als Krafterzeugung für unsere Lebensvor⸗ gänge, oder als Brennstoffe zur Erzeugung von Wärme und Licht benutzen, sind nichts andres als Kinder der Sonnen- wärme. Nur unter der letztern vermag das in den Boden gelegte Samenkorn zu keimen, seine Wurzeln in das Erdreich einzusenken und die Triebe dem Sonnenlichte zuzuwenden. Letzteres befähigt die Pflanze auch, die aufgenommenen Nährstoffe, wie Wasser, Luft, Salze und andre Mineralien, in ihre einzelnen Bestandteile zu zerlegen und ihren An— 1 Aufbau ihrer Glieder, Wurzeln, Stamm, Aeste, Zweig] Blätter, Blüten und Früchte zu verwenden. 5 1 Auch unsre mineralischen Brennstoffe, Stein⸗ und Brau kohle, Torf, Erdöl und deren Umwandlungsprodukte, f Erzeugnisse früherer Vegetation. Sind sie doch nichts andre“ als vor Jahrmillionen unter dem Einfluß der Sonne en standene Pflanzen- und Tiergebilde, die durch irgendeln Veranlassung im Schoße der Erde begraben und hier Laufe der Zeit durch die Einwirkung chemischer Vorgän jedenfalls unter Mitwirkung von Mikroorganismen, um 5 ö wandelt wurden. Alle Energie, die wir heute diesen Stoffe entnehmen, ist demnach nichts andres, wie im Erdin ler aufgespeicherte Sonnenwärme früherer Tage. 1 Ebenso wie in der belebten Natur, sind auch alle in unbelebten auftretenden und von uns benutzten Kräfte e 91 Folge der Einwirkung der Sonnenstrahlen. So auch de! Wind, der die Flügel unsrer Mühlen treibt. Die von de! Sonnenstrahlen getroffenen Luftteilchen werden erwärm ausgedehnt und dadurch spezifisch leichter. Sie können un gegenüber der sie umgebenden kältern und infolgedessen au. 1 U 5 schweren Luft ihren Platz nicht mehr behaupten. Infolgedesse werden sie von dieser verdrängt und müssen, in die Höl steigend, der nachfolgenden schweren Luft weichen. Die entstehende Luftbewegung ist der unsre Windräder und S ge schiffe bewegende Wind, welcher also gleichfalls ein Gesch der Sonnenstrahlen bildet. Aehnlich verhält es sich mit den Wasserkräften, die w zum Antrieb unsrer Wasserräder ausnutzen. Die Son strahlen bewirken eine fortdauernde Verdunstung des auf Erde befindlichen Wassers: namentlich der den mittlern des ganzen Erdballs umspannende Tropengürtel bildet Destillieranstalt größten Stils. Die fast senkrecht auffallen Sonnenstrahlen verdampfen, namentlich aus den Mee der heißen Zone, jährlich eine Wassermenge, welche e 5 Meter Höhe berechnet wurde. Der hier aufsteigende Waß dampf wird von den Luftströmungen vorwiegend un höhern Breitegraden liegenden Landstrichen zugeführt, u selbst er als Regen oder Schnee zur Erde zurückfällt, um da von neuem dem Meere zuzueilen. Auf dem Wege von hoch gelegenen Landteilen zum Meere wird ein allerdir nur winziger Teil der von der Sonne dem Wasser ertei lebendigen Kraft zum Tragen von Schiffen sowie zum trieb von Wasserrädern, Turbinen und dergleichen au nutzt. Wie groß die von der Sonne geleistete Verdunstun arbeit ist, erhellt daraus, daß die jährlichen Niederschläge Regen, Schnee und Hagel zu 120 Billionen Kubikmeter rechnet werden. Nimmt man an, daß diese vorher rund 1 Meter über dem Meeresspiegel in die Luft hochgehoben w den, so entspricht dieses einer Jahresarbeit von 120 Trillio Meterkilogramm oder, umgerechnet, rund 51 Millia Pferdekräften. Dabei stellen diese, sowie die vorher genan Energiequellen nur einen winzig kleinen Bruchteil der samten uns von der Sonne zugesandten Arbeitskraft Wurde doch die direkte Sonnenwärme selbst bisher so wie gar nicht zur Arbeitsleistung ausgenutzt. Erst in jün, Zeit hat man ernstlich begonnen, Maschinen zu bauen, w die Energie der die Erde treffenden Sonnenstrahlen mittelbar in nutzbare Arbeit umsetzen sollen. 1 Nun wird mancherseits die Eigenwärme der Erde al eignes Produkt der letztern angesprochen. Nichts ist 1 falscher als das. Bildet doch die Erdwärme nur ein mächtnis, das die Erde bei ihrer Abschleuderung von glühenden Sonnenball von diesem gewissermaßen als zukommendes Kindesteil mitbekam und schon zu eine Teil verbraucht und an den kalten Weltenraum ab. hat. Erhielte die Erde zu dieser Mitgift nicht noch dauernd weitern Zuschuß von ihrer Mutter Sonne, so u ihr Wärmevorrat bald zu Ende sein und sie selbst vollst erstarren, da sie aus sich nicht imstande ist, eigne Wärm erzeugen. Alle Kraftäußerungen und alle Lebensvorge welche auf der Erde zu beobachten sind, beruhen als 0 und allein auf der uns von der Sonne in ihren St zugesandten Wärme. 5 „ eee forderungen entsprechend umzuformen, um sie dann zum!