vg*7 öflöß2öö2 äi Ö£^3£i2 y^yg ^j^2 %w &:&* ^DasGIattdecFcau 1 Sfc Wöchentliche Geilage der Gberöessischen Golkszeitung illummer 23 Siefien, Freitag den 12 . Suni 1914 . 6 . Sakrgang 55 !CS!K$SK 3 Ö^S!Ä 3 SK 553835 )S 52 ftK 35 f^ 5 iS 5335533 f^ 5 CR 3 fiti 3 SRlR$ 355 ^ 3 K 5 mK Wirkungen der Kranenbewegung. Die Suffragettcnattentate haben in der letzten Zeit auch in Deutschland wieder größere Beachtung gefunden. Nicht nur in rechtsstehenden Blättern, sondern bis weit in die liberale Presse hinein entrüstet man sich über das verächtliche und verbrecherische Vorgehen der,,Wahlweiber". Vielfach wird vcr- sucht, die gesamte Frauenstnnmrechtsbewegung für die Suffra» gettentaktik verantwortlich zu machen. Tie Tatsache, daß nur ein kleiner Teil der englischen Stimmrechtlcrinnen die „militant tactics" ausgenommen haben, wird ebenso vcr- schwiegen, wie man sich hütet, an die Erklärung des liberalen Ministers Hobhouse au erinnern, der nicht an dcir unbeugsamen Willen der Frauen, das Wahlrecht zu erkämpfen, glauben wollte, da sie noch nicht zu Brandstiftungen und Zerstörungen. denen die englischen Männer ihre politischen Rechte zu verdanken hätten, übcrgcgangcn seien. Es soll hier nicht untersucht werden, ob die Susfragetten- taktik der Frauenstimmrechtsbewegung mehr nützt oder schadcr aber es muß als durchaus unstatthaft bezeichnet werden, daß die bürgerliche Presse fast durchweg die Handlungsweise der Suffragettcs verurteilt, ohne sich die Mühe zu machen, über ihre Ursachen nachzndenkcn. Man sucht nur diese Leidcn- schastsausbrüche unter eine bestimmte Norm zu bringen, um dann die ganze Bewegung umso leichter abtun zu können. Einige reden von Hysterie, andere suchet^. den Grund in sexuellcm Unbefriedigtscin der unverheirateten Frauen, aber es ist ihnen doch nicht möglich, ganz allgemein einen krank- haften Zustand als die Ursache jener Vergehen gegen das private und staatliche Eigentum nachzuweiscn. Neuerdings interessieren sich auch die deutschen Juristen für das Problem. In der Deutschen Strafrechts-Zeitung versucht Regicrungsrat Tr. Lindenau Zusammenhänge zwischen Frauenbelvcgung und Verbrechen festzustellen, und er bespricht bei dieser Gelegenheit auch die Susfragettenbewcgung. Er meint, daß die günstigere Kriminalität des weiblichen Geschlechts auf die geschützte Stellung der Frau ini Hause zurückzuführen sei, daß bei stärkerer Beteiligung am Berufsleben und am ösfentlichen Leben auch die Frau stärkeren Reibungen ausgeseht sein werde und damit „in die Feuer- linie der gefährlichsten Verbrcchensursachen" rücke. Gleichzeitig gibt er jedoch zu, daß durch die Vermehrung der Bil- dungs- und Erwerbsmöglichkeitcn die sittliche und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeitkeit des weiblichen Geschlechts erheblich gesteigert worden sei, und daß infolgedessen die Kriminalität nicht den vorher befürchteten Umfang angenommen habe. Er hätte hinzufügen können, daß die Organisation der Frauen ebenfalls in hohem Maße auf die Stärkung der sittlichen Qualitäten eingewirkt hat. Jede Organisation mit ernsten Zwecken und Zielen — ganz gleichgültig'ob Partei, Berufsorganisationen oder andere Vereinigungen — weckt in ihren Mitgliedern durch die Disziplin, die sie verlangen muß. durch die gemcinsanic Arbeit und durch das llntcrordnen unter den Willen der Mehrheit sittliche Kräfte, die sic zum Lebenskampf tüchtiger machen. Aber es scheint, als ob Tr. Lindenau der modernen Frauenbewegung diese Wirkung nicht zusprechen wolle. Wenn er sie auch nicht direkt verantwortlich macht für die von Frauen begangenen Verbrechen, so hält er sie doch für die indirekte Förderin. Die Verbindung von „Suffragettenskandal" und Frauenbewegung sei gegeben, die Ucbereinstimmung liege im Ziele — dcni Frauenstinimrecht. „Aber auch die Tat der französischen Ministersgattin, die den politischen Gegner ihres Ehemannes niederschießt, ist ein Symptom weiblichen Hinausdrängens in die Arena der Oefsentlichkeit und nur denkbar in einer Zeit, in der weite Schichten vom Jdcenkreise der Frauenemanzipation durchsetzt sind." Diesem durch die Frauenemanzipation geförderten Hinausdrängen stellt Dr. Lindenau die „ruhige Entfaltung der Frauenarbeit in gelernter Berufsausübung" entgegen, die zwar sicher die allgemeine Kriminalität der Frauen erhöhen, aber doch nicht zu gemeingefährlichen Ansbrüchen führen werde. Gerade die Tat der Madame Caillaux darf man aber nicht als ein Symptom der Frauenemanzipationsbestrebungen ansprechen. Daß der Figaro-Redakteur der politische Gegner ihres Mannes war, spielte bei ihrer Tat sicher nur eine untergeordnete Rolle. Ausschlaggebend war, daß er ihren Mann bis aufs äußerste peinigte und daß sie ihren wie ihres Mannes Ruf bedroht sah. Ihr fehlte jede innere Disziplin, sie schoß den Gegner nieder, um vor allen Dingen ihren Mann vor seinem Haß zu schützen. Zweifellos hat es stets Frauen gegeben, denen die Leidenschaft die Fähigkeit raubte, über die Zweckmäßigkeit und die wahrscheinlichen Folgen einer solchen Tat nachzudenkcn. Sie handeln im Affekt und man muß sich hüten, ihre Tat mit einer großen Bewegung in irgend welchen Zusammenhang zu bringen. Schwieriger ist eine Definierung der Wirkung der Frauenemanzipationsbestrebungen auf die Suffragettenbewegung. Sicher ist hier der Zusammenhang vorhanden. Die Frauenstimmrechtsbewegung ist aus der allgemeinen Frauenbewegung hcrvorgegangen. Aber es sollte doch auch wieder zu denken geben, daß die fe st organisierten Verbände, in denen die Mehrheit der Mitglieder auf den Jahresversammlungen über die Fortführung oder das Aufgeben bestimmter Kampfesformen entscheidet, bis jetzt trotz aller Provokationen durch wortbrüchige Abgeordnete und reaktiv- näre Minister an der durch das Gesetz erlaubten Kampfes- weise festhaltcn. Nur die Gruppe der Frauenstimmrechts- organisationcn, in der ausschließlich die Leiterinnen über die Taktik zu entscheiden haben, ist zu der kriegerischen Methode übergegangen. Daß die „»'omens Social and Political Union" eine große Mitgliedcrzahl hinter sich hat. obwohl die Rechte der Mitglieder nicht sehr weit gehen, liegt wohl daran, daß die Regierung durch ihr brutales und in der ersten Zeit ungesetzliches Vorgehen Märtyrerinnen geschaffen hat, und daß diese Frauen, die von der Regierung mißhandelt wurden, geistig und sittlich hochstehende Persönlichkeiten sind, die in der öffentlichen Wohlfahrtspflege hervorragende Arbeit geleistet haben. Will man überhaupt nach dem Schuldigen suchen, so darf man nicht außer Acht lassen, daß die Unzufriedenheit mit dem politischen Regime bei den Männern in dem Stimmzettel bei den Wahlen ihren Ausdruck findet. Sie können das System, das ihnen nicht gefällt, durch ein anderes ersetzen, wenn sie stark genug sind. Der Unmut der Frauen speichert sich auf, wird er gereizt und geschürt durch Provokationen der an der, Regierung Beteiligten, so macht er sich schließlich in gewalt- snmen Ausbrüchen Luft, und zwar umsomehr, je weniger die einzelnen Frauen in der Schule der Organisation gelernt haben, ihrem Temperament Zügel anzulegen und die Wirkung ihrer Handlungsweise zu berechnen. Verstöße gegen die Aröeilcrinnen- SchuHvorschriflen. Die Gewerbeordnung enthält in ihrem Titel VII. eine Anzahl Vorschriften, die einen Schutz der erwachsenen Arbeiterinnen bewirten sollen. Leider erstrecken sic sich nur „auf Betriebe, in denen in der Regel mindestens zehn Arbeiter beschäftigt werden." Und «üch von diesen große» Betrieben sind noch viele, wie z. B. die Gastwirtschaften, die Handelsgeschäfte, die Verkehrsinstitute usw., ausgeschlossen. Die Kontrolle über die Durchführung der Schutzmaßnahmen liegt in der Hauptsache den Gewerbeinspcktionen ob. IN welchem Umfange die preußischen Gewerbeanssichtsbeamten im Jahre 1913 Verstöße gegen die einschlägigen Vorschriften sestgestellt haben, lehrt folgende Zusammenstellung. Rach den Berichten wird an, häufigsten gegen die gesetzlichen Vorschriften über die Beschäftigung der Arbeiterinnen an Samstagen und Vorabenden der Festtage gesündigt. Der 8 137 der Gewerbeordnung sieht vor, daß diese Beschäftigung die Dauer von acht Stunden nicht überschreiten und nicht bis über 5 Uhr nachmittags dauern darf. Die Zahl der fcstgestcllten Verstöße hiergegen betrug 812, die der dabei beteiligten Arbeiterinnen 5611. Am weitaus zahlreichsten waren dabei die Werkstätten der Klcider- unb Wäschekonsektion vertrete», nämlich mit 317 Fällen und 1430 Personen. Hinsichtlich des Bezirks ragt hier besonders Düsseldorf mit 96 Fällen und 902 Personen hervor. Zwischen den Arbeitsstunden muß den Arbeiterinnen eine mindestens einftiindigc Mittagspause gewährt werden. Arbeiterinnen, die ein Hauswesen zu besorge» haben, sind aus ihren Antrag eine halbe Stunde vor der Mittagspause zu entlasse», sofern diese nicht mindestens ein und eine halbe Stunde beträgt. Gegen diese Vorschrift wurde in 383 Füllen verstoßen: die Zahl der beteiligten Arbeiterinnen betrug 3733. Gegen das Vorjahr hat die Zahl der Arbeiterinnen, gegen die der Schutz verabsäumt wurde, um 680 zugenoninicn. Hier steht das Bekleidungsgewerbe mit der größten Zahl der Zuwiderhandlungen obenan. Die Beschäftigung von Arbeiterinnen darf die Tauer von zehn Stunden täglich nicht überschreiten. Hiergegen wurde in 312 Fällen gesündigt: die Zahl der Arbeiterinnen, die darunter zu leiden batten, betrug 2809. Mit einer besonders großen Zahl von Fällen tritt hier die Textilindustrie in die Erscheinung. Dem Bezirke »ach steht wieder Düsseldorf obenan. In der Nachtzeit von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens dürfen Arbeiterinnen überhaupt nicht beschäftigt werden. Gegen diese Schntzvorschrifi wurden 94 Verstöße sestgestellt. Die Zahl der dabei in Frage kommenden Arbeiterinnen betrug 727. Auch hier kamen die meisten Verstöße im Bekleidungsgewerbe vor. — Nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit ist den Arbeiterinnen eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden zu gewähren. Hiergegen wurden 19 Verstöße festgestellt, bet denen 150 Arbeiterinnen beteiligt waren. — Arbeiterinnen dürfe» vor und nach ihrer Niederkunft im ganzen während acht Wochen nicht bcschästigt werden. Ihr Wiedereintritt ist an den Ausweis geknüpft, daß seit ihrer Niederkunft wenigstens sechs Wochen verslosicn sind. Gegen diese Vorschrift soll angeblich nur in zwei Fällen verstoßen worden sein. Nach § 137» der Gewerbeordnung darf Arbeiterinnen für die Tage, an welchen sie in dein Betriebe die gesetzlich zulässige Arbeitszeit hindurch beschäftigt waren, Arbeit zur Verrichtung außerhalb des Betriebes vom Arbeitgeber überhaupt nicht übertragen oder für Rechnung dritter iiberiviesen werden. Für andere Tage ist die Uebcrtragung von Arbeiten nur in beschränktem Maße gestattet. Gegen diese Vorschriften soll nur in 9 Fällen verstoßen worden sein: die Zahl der beteiligten Arbeiterinnen betrug 79. Arbeiterinnen dürfen in verschiedenen Betriebszweigen nicht beschäftigt werden, so nicht in Kokereien, nicht zum Transport von Materialien bei Bauten aller Art usw. Hiergegen fanden 20 fest- gestellte Verstöße statt, wobei 72 Arbeiterinnen ermittelt wurden. — Der Bundesrat hat weiter aus Grund des 8 139» der Gewerbeordnung für bestimmte Anlagen »och Vorschriften erlaßen über besondere Pansen, Ruhezeiten zwischen Arbeitsschichten, Wechsel von Tag- und Nachtschichten usw. Die Gewcrbcaussichtsbeamten haben 56 Verstöße gegen solche Vorschriften sestgestellt. In Betracht kamen dadci 139 Arbeiterinnen. Sollen Arbeiterinnen bcschästigt werden, so hat der Arbeitgeber vor den, Beginn der Beschäftigung der Lrtspolizcibchördc eine schriftliche Anzeige zu machen. Weiter hat er dafür zu sorgen, daß in den Betriedsränmcu eine Tasel aushäugt, die in deutlicher Schrift einen Auszug aus den Bestimmungen Über die Beschäftigung der Arbeiterinnen enthält. Die Nichteinhaltung dieser Vorschriften wurde in 2567 Fällen scslgcstcllt. Daran sind die Werkstätten der Kleider- und Wäschekonsektion allein mit 909 Verstößen beteiligt. Jeder Kenner der Verhältnisse weiß, daß die llcbcrtretungc» gegen die ausgcsiihrtcn Schuhbestlminungen weit zahlreicher vor- kommen, als die „festgcstellten" angebcn. Gehört es doch schon zu den Zufällen, wenn die GewerbcaufsichtSbcamtcn solche Zuwiderhandlungen fesistellen. Ter Fehler liegt in der gesamten Organi- sation unserer Gewcrbeaufsicht, die keine Fühlung mit der Ar- bciterschaft hat. Z>ie Lage der Arbeiterinnen in Japan. Von Sen Katayama. Nächst der Baumwollindustrie ist in Japan die Fabrikation von Seide der wichtigste Industriezweig. Die größte Ver- breititng hat die Seidenfabrikation in der Provinz Shinsin, einem Bergland nördlich von Tokio, im übrigen ist sie aber über^das ganze Land verstreut. In der Hauptsache sind in der Seidcnindustrie junge Mädchen und Frauen beschäftigt, lieber die Lage dieser Arbeiterinnen veröffentlichte kürzlich ein junger Mediziner in der Tageszeitung Asahi eine Reihe von Artikeln, denen das folgende entnommen sei: In der Provinz Shinsin werden über 80 000 Mädchen in der Seidenfabrikation beschäftigt. Davon sind ctwr 58 000 aus der Provinz, der Rest aus den Nachbargcbietcn. Diese Arbeiterinnen beginnen ihr Tckgewerk bereits um 6 Uhr morgens und beenden es nicht vor 7 Uhr abends, in der Regel erst später. Eine Sonntagsruhe ist unbekannt, nur zwei Feiertage im Monat, am 1. und 16. des Monats, werden ihnen gewährt. Tie ganze lange Arbeitszeit, vielfach 15 Stunden pro Tag, wird kaum unterbrochen zur Einnahme der Mahl- zeiten. In 5 bis 8 Minuten müssen die Mädchen das Essen stehend hinuntcrgeschlungcn haben. Das Essen wird vom Fabrikanten geliefert, auch die Schlafstätten. Ter Lohn ist äußerst niedrig, die besten Arbeiterinnen bringen cs im Jahre bei 310 bis 345 Arbeitstagen und 13—15- stündigcr täglicher Arbeitszeit auf etwa 100 Uen (211 Mk.). Ein raffiniertes Strafsystem sorgt dafür, daß ein erheblicher Teil des Lohnes wieder in die Taschen der Fabrikanten zu- rückflicßt. Die Mädchen werden gezwungen, alltäglich ein gewisses Quantum Arbeit zu leisten. Können sie das in der gegebenen Zeit nicht fertig stellen, dann müssen sie länger arbeiten. Die Kinderausbeutung steht in diesen Betrieben in höchster Blüte. Kinder von 12 bis 13 Jahren werden dazu verwandt, den älteren Arbeiterinnen zu helfen; auch für diese Kinder dauert die Arbeitszeit mitunter 12 bis 15 Stunden. In den engen, kaum 6 Fuß langen und ebenso breiten Schlaf- stätten liegen je 4 Mädchen beieinander und zwar an ebener Erde. Kein Wunder, daß, wie der Arzt berichtet, 40 Prozent dieser Bedauernswerten die Schwindsucht haben. Wird ein Mädchen ernstlich krank, dann wird es vom Unternehmer einfach nach Hause geschickt, von wo es häufig nicht mehr wiederkehrt. Die Gesundheit ist gebrochen, in den meisten Fällen gehen diese bedauernswerten Opfer einer grenzenlosen Ausbeutung frühem Tod entgegen. Der Fabrikant ist ihrer aber ledig, ihr Geschick kümmert ihn nicht. Die Zustände in den Baumwollspinnereien sind nicht besser. Hier sind größere Betriebe die Regel. In der Seiden- industrie beschäftigt ein Unternehnicr selten 1000 Personen, in den Baumwollspinnereien arbeiten oft mehrere Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen zusammen. In den meisten der Baumwollspinnereien wird Tag und Nacht in zwei Schichten von je 12 Stunden gearbeitet. Hier herrscht die Maschinenarbeit vor. Auch hier werden die Mädchen fast ausnahmslos in den Schlafsälen der Fabrik beherbergt, auch erhalten sie vom Unternehmer . das Essen. Die Kontrakte laufen in der Regel auf 3 Jahre, der Lohn beträgt 14—20 9}cti (28—40 Pfg.) pro Tag. Um an eincni Beispiel zu zeigen, wie brutal die Fabrik- arbeitcrinnen behandelt werden, sei folgendes mitgetcilt: In der Tabakfabrik von Okayama war kürzlich eine Börse, die einiges Geld enthielt, verloren worden. 600 Mädchen wurden einem peinlichen Verhör unterzogen und nmßten sich eine demütigende Leibesvisitation gefallen lassen. Am Abend Beim Verlassen der Arbeitsstätte wurde die Kontrolle wiederholt. Die Ausbeutung der Arbeiterinnen wird in Japan durch keinerlei gesetzliche Maßnahmen beschränkt. Vor einigen Jahren wurde im Parlament ein Fabrikgesetz zwar angenom- mrn, aber durckigesüsirt ist es heute noch nicht, es fehlt ihm der Charakter des zwingenden Rechts. Selbst wenn es aber sofort in Kraft träte, würde die Nachtarbeit für Frauen doch für die nächsten 15 Jahre noch nicht anfhörcn, da eine so lange Ilebcrgangsfrist vorgesehen ist. Mutter Martens Feierabend. Von Julius Zersaß. Sie hatte nie Zeit zu Tagträumen gehabt und war deshalb überrascht als eines Tages ihr Lcbensfcierabend sic in sonniges Nichtstun locken sollte. Jahrelang wüttschte sie, des Schindens und PlackcnS müde, sich Ruhe und bessere Tage. Aber ihr Mann, der Hannes Marten, wollte noch nicht. Im Gegenteil, eS schien, als ob jeder alternde Tag neue Kräste in ihm wecke. Und bas ging so von der Frlihjahrsfaat bis zur letzten Hcrbstcrnte in mühevoller, harter Arbeit, um dem Boden den Preis des Schweißes; bas Notwendige für die kurze Gnadenfrist, die man Leben nennt, abzutrotze». Mutter Martens, die an sich nnr «ine schwächlich« Person war, hatte das Leben, das seit ihrer Schulzeit in Feldarbeit bestand, nieder- gebückt und den Rücken gekrümmt. Dazu hatte sic mehrere Krankheiten und schwere Wochenbetten dnrchgcniacht und war nie ganz zu einer fröhlichen Gesundheit gekommen. Nur die letzten Jahre ging es etwas besser. Das Leben war nicht mehr so karg. Das Esten bestand nicht mehr allein aus Kartoffeln. Milch und Hiilscnfrnchlcn, ja ihr Hausstand hatte sogar den Ruf einer gewissen Wohlhabenheit für die Verhältnisse in einem kleinen Landstädtchen, wo es den Fabrikarbeitcrslcutcn viel knapper ging. Von neun Kindern, die sic geboren hatte, waren fünf am Leben geblieben. Davon hatten vier Handwerke gelernt, standen in der Fremde auf eigenen Füßen und nur einer war daheim geblieben, der die Landwirtschaft hätte übcrnchnien sollen, damit die Tradition einen Erben habe. Der aber halte es vorgczogcn, auf Handwerk und freies Ilauernium zu verzichten und ging in dick Fabrik. Diese Lebensgrundlage brachte alle Woche bares Geld ins Haus, während die anderen, ans die die Martens die größte Hossnnng gesctzt hatten, höchstens bann ltnd wann zu Besuch kamen, aber nie von erübrigtem Geld sprachen, geschweige etwas dcni begonnenen Häufchen auf der Sparkasse hinzulegt«». Tenn, baß es nicht vergessen wird, die alte» Martens hatten sich nicht nur aus den Schulden herausge- arbeitet und ihr Häuschen ganz bezahlt; ohne je die Länderpacht schuldig zu bleiben, hatten sie auch einige Tausend Mark auf. der Sparkasse liegen. Das könnte auf den ersten Blick nicht recht glaublich erscheinen. Und es wäre auch wohl so, wenn ich nicht kurz erklären würde, wie das zugegangcn ist. ES gibt und gab in Deutschland bcstinnntc ländliche klein- städtische Gegenden, die ans Grund ihrer günstigen Lage beizeiten von industriellen Unternehmern zur Anlage von Fabriken bevorzugt wurden. Diese Gegenden, vorwiegend von einem bescheiden und mühselig lebenden Kleinbancrntum bevölkert, bieten die Gelegenheit, billigste Arbeitskräfte zu bekommen, als ausgesprochen industrielle Gebiete. Ganz einfach darum, weil wenigstens der größte Teil der Bauern, so lange sie Landwirtschaft betreiben, im Grunde genommen, ein halbes- Dasein fristen. Einige Ländereien besitzen sie selten und die Pachiwirtschaft ist nur ein bäuerlicher Nebenverdienst, von der etwas siir Küche und Keller übrig bleibt. Diese Bauern, froh, wenn sich ihnen irgend «in Barverdienst bietet, sind dann im Sommer am frühe» Morgen und späten Abend Bauern, und tagsüber, oft auch den ganzen Winter durch Fabrikarbeiter. Sic führen auf diese Weise ein zerteiltes, aus die äußerste Kraftcntsaltung eingestelltes Leben und werden damit entschädigt, daß es ihnen immerhin. soweit die Magenfrage in Itelracht kommt, besser geht als ihren gewöhnlichen Brüdern. Sic müffen früher aufstehen als diese, haben oft ein bis zwei Stunden Wegstrecke zu überwinden, oder, was auch oft der Fall ist, müssen ein Logis nchinen und Frau und Kinder» den Feldbau Überlassen. DaNir genießen sie nicht nur den Vorteil, bessere Kunden der Tparkancu zu sein, sondern vielfach sind sie auch die besser behandelten Arbeiter in den Fabriken. In einer solchen kleinen ländlichen Industriestadt lebten die Martens. Ter alte Marten hatte bis zu seinem sünszigstcn Iahte ein solches Doppelleben ans seinen Schultern getragen, und obwohl er gearbeitet hatte siir zwei, blieb doch noch genug für Mutter Marten übrig. Nachdem die Jungen die Schul« hinter sich hatten, lag fast alles aus ihren Schnltern. Erst als Marten schon über die Fünfzig war, warf er in einem Zwist mit dcni Fabrikanten den Bettel hin und ward ganz Bauer. Um diese Zeit waren die Kräste seiner Frau säst verbraucht während sich in ihm erst recht die Lust spannie. noch lange Bauer zu spielen. Er pachtete jedes Jahr ein neues Stück und es schien, als sei er nicht umzubringen. Wenn auch oft die Mutter Marten sagte, sie könne nicht mehr, cs sei genug, sie könnten's sich auch jetzt einmal besser machen, so hatte das nur de» eine» Erfolg, daß er selbst umso mehr ins Zeug ging. In dieser Zeit sehnte sie sich nach Ansrnheu und endlichem Feierabend. Es gibt Menschen, die sich ihr Leben ganz genau zurcchigclcgt haben. Alle Wege und Stege sind wie bei einer Soiintaxswaudc- rung nach einem Plan bestimmt. Sie malen sich in der Gewißheit, daß sie wirklich der Kapitän ihres Glückes sind, ganz genau aus, daß sie an, Abend dieser Wanderung sicher an einem bestimmten Punkte landen und wissen im voraus, daß sie Hunger auf Koteletts mit Salat haben werben. Oder man denke an die Fantasie jener Beamten, die de» Blick aus dem Fenster ihrer ticktackgraucn Eintönigkeit gelenkt, den Herbst ihres pensionssichcren Daseins unruhvoll erwarten. Im Sommer werden sic mit her Gattin und den Enkeln, die hoffentlich auch einmal wie die Valcr Beamte werden, spazieren gehen. Und im Winter — doch darüber ziehen sie einstweilen den Vorhang der Znkünst, denn man ist ja selbst ohne Märchen ausgewachsen. Auch die Mutter Marten war ohne Märchen ausgewachsen, und ihre Nachtträume waren nicht wie die jener Mcnschenart, die im Traum gleichsam aus hundert Augen sehen. Die Träume der Mutter Marten waren so einfach, wie ihre Plaudereien mit ihren Enkeln, und schlicht, wie überhaupt ihre Tage. Zupfte einmal wirklich das Geräusch des Tages an ihren Gedanken im Schlaf, so war es selten mehr als ein Flüstern mit dem alten märchengraucn Gott, zu dem sie täglich betete; oder cs klang die Arbeit und Sorge der taghellen Wirklichkeit mit sichel- hellem Ton wieder. Dann war cs, als läge leise eine harte Hand auf ihrer Stirn. Dennoch leuchteten ani Morgen ihre biauen Augen wie der Somnicrhimmcl im Spicgcltau der Auen. Diese fromme Fröhlichkeit überstrahlte hell ihr faltiges, zerfurchtes Gesicht und die schmalen leidegespannten Lippen. So war die Mutter Marten, als sic eines Tages sich ausdenkcn sollte, baß sie mm für immer Sense und Hacke in die Ecke stellen könne. Die knochigen Hände sollten nun gleich den schwach und müde gewordenen Füßen ans- ruhen. Sie vermochtc kaum, sich der wohltuenden, wärmenden Ausstrahlung dieses Gedankens hinzugeben. Hatte sie früher keine Zeit für die Phantasie, so hatte ihre Phantasie jetzt gar nicht genug llebuug, »in ihr das bis ins kleinste auszumalcn. Sie dachte daran, wie sic im Sommer mit ihren Enkeln spaziere» gehe und im Winter nnt dem Strickflrumps beim glutgrinsenden Ofen mit ihnen sitze. Das war im Herbst, als sic ihren Lieblingöblumen im Garten, den Stiefmütterchen, ihr Wintcrbctt bereitete. Sic plauderte dabei mit der Nachbarin über den Zaun von allerlei Dingen und strömte eine Frische und Klarheit auS, wie nie zuvor. Sie sprach mit einer Fröhlichkeit von ihren Sorge» und in iiberströmendcr Freude ! davon, daß sie es nun endlich auch so schön ssabcn werde wie die Stadtsraucn, die an, Abend noch spazieren gehen könnten. Die Nachbarin sagte darauf: „Ich gönne cs Euch, Frau Marten. Ihr habt lange genug und mehr geschuftet, als manche andere von uns." In diesem Herbst fingen ihre welken Wangen an zu glühen wie Rosen nach einem trockenen Sommer. Sic blühte auf und warb fröhlich, so daß sic sich an manchen Tagen kaum selbst mehr erkannte. Sic durchlebte den Winter bei Plaudern, Strumpfe- stricken und der Ausgelassenheit ihrer ersten Enkel, so baß die Kälte draußen kaum ihre Seele zu berühren schien. Ihren von Krankheit und Mühsal gedrückten Körper durchrieselten Kräfte, die wie ein neues, bevorstehendes Leben ihre Hoffnung nährten. Sic gab sich ganz dem gleichmäßigen Glück der Ruhe hin. To verging der Winter und es ward Frühling. Mutter Marten deckte als eine der ersten ihre Blumenravaiien auf und war so das sprossende Leben selbst. Ihre blancn Augen leuchteten hell in den weiten sonnigen Tag. Vater Marten gruv die Beete um, schnitt die Hecken aus und machte alles saatsertig. Daun säten sic gemeinsam und sagten auch miteinander: Walte Gott! Ging der März, kam der April. Ein April, der seinen Ruf »ich! verleugnet«. Tag für Tag Regen und Wind. Die Sonne guckte nur dann und wann durchs Gewölk. Endlich brach an einem Mitlag die Tonne durch einen Berg schwarzer Wolken, die der Wind auseinanderirieb. Es wurde schnell warm, der Wind lcgic sich. Alles atmete schwer den Hauch des Frühlings. Vater Marten war über Feld gegangen, denn es ließ ihm sänger keine Ruhe, er muß.te wissen, wie die Saaten siattden. Mutier Marlen saß auf dem Hof und sonnte sich. Aber nur ein« Viertelstunde, Dann ginn sie in den Garten. Ter dampfte und duftete, daß sic die Lust aniicl, „achzuschen, ob cs trocken genug sei, einige durch das Aprtlivctter versäumte Bestellungen nachzuholen. Es ging. Sogleich holte sic Hacken und Harken, zog Rillen, legte Erbsen, holte sich Salatpflänzlingc und pflanzte «in Salatbeet, kurz, sie arbeitete, als gälte es, ein verloren gegangenes Jahr nachzuholen. Gegen Abend >var sie fertig. Sic irockucic sich den Lchn'ciß von der Stirn und setzte sich auf die Hosbank, um auszu- ruhcu. Dabei lauschte sie dem Stimmengewirr, das sich zwischen Frauen von Zaun zu Zaun forisetzie. Tenn mit der Mutter Marten waren alle Gärten lebendig geworden. Tie hatte nicht lange gesessen, da überfiel sie eine se!tsam« Kühle. Es schüttcüc sic und sie ging hinein. Mutter Marte» wußte, was. es war. E ; c wußte, daß diese Kühle war wie der Tust, der den Blüten im Lenz wie in, Herbst so grausam fciubüch ist. Sie ward krank und !aa am nächsten Tag mit rotüberhanchten Wangen i» den Kiffen und aiuicte schwer. Ihr Mann wollte den Arzt hoken, ober sie wehrte ab. Es war ja nicht schlimm. Sie war doch schon ost krank gewesen, tolkrank sogar, »nd trotz ihres schwachen Körper» immer wieder durchgckommcn. Das ist nur eine Erkältung, sagte sie. Am dritten Tage Holle man den Arzt. Ais er sagte, sie müsse sich schon in acht nehmen, es sei Lnngcncnlzüudung, zuckte es um ihre Lippen. Ais der Arzt fort war, meinte sic zwar, sic fühle sich stark, habe die Krankheit schon zweimal überlvuudeu. Waruni sollte sie es nicht ein drittes Mat iibcrstehcu. Dennoch befolgte sie sorgfältig die Anordnungen des Arztes und war peinlich daraus bedacht, die Mcdikomcnlc ans die Minute ciiizunchmen. Mit jedem, der nach ihr sah, redete sic. daß sic sich ans de» Sommer freue, lvo sie spateren qcrjcit Tonne. $(Dct iljrc Stimme ward bade! Immer leiser. Die blaue» Augen sanken täglich tiefer in ihre Gruben, wurden blafler und schlossen sich oft. Marten frug sie, ob er den Pfarrer holen sollte. Sie schüttelte den Kopf. Ob er den Jungen dransien in der Fremde nicht schreiben solle, dass sie kommen möchten. Mutter Marten wollkd nichts davon wissen. Am siebenten Tag kamen trotz ihres Widerstandes ihre Söhne herbeigeeilt. Der Pfarrer war ebenfalls bei ihr gewesen. Als sie ihren Söhnen die magere Hand reichte, sagte sie, es wäre gar nicht schlimm, sie hätten deswegen nicht die weiten Reisen zu machen brauchen. Tie Söhne ginge» nach diesem Grus; hinaus und weinten. Mutter Marten wollte »och nicht sterben, sie wollte leben. Jetzt leben, wo die Tage so sonnig und ruhig wurden. Wie könne ein Schicksal so grausam und ein Gott so hart sein und sie setzt ans der friedlichen Stille und Glückseligkeit ihres Feierabend herausreiße-.. Das konnte Gott, zu dem sie täglich treu wie ein Kind gebetet hatte, nicht wollen. So waren ihre Gedanken, wenn sie aus dem Fieber erwachte. Ihr ganzes Gesicht, ihr ganzer Körper war e i» Kamps gegen die heranschleichende tückische Umzingelung des Todes. Sie wehrte sich. Jeder Nerv schien zu schreien: Gehe! Nur noch diesmal gehe. Warum gehst du nicht? Ich möchte noch ein wenig im Hellen stehen. So gehe, es liegen so viele herum, die jahrelang nach dir rufen. Geh zu diesen, ich rief dir nicht! . . Wenn sie in die Stille zurücksank, schien es immer, als ob sie gesiegt habe. Sie lag dann friedlich mit gefalteten Händen nnd schlief. Indessen war das Regengeprassel gleichmäßig klaren, schönen Tage» gewichen. Es ivar Samstag. Einer jener Abende, die ln der kleinen Stadt so feierlich sind, fast feierlicher als der Sonntag selbst. Tie Sone warf ihre letzte Glut ins Tal und übergost das knospende Land mit einer Fülle purpurgoldenen Lichts, das; es die Angen trunken machte. Ter leuchtende Reichtum des Abendrots drängte sich bis in die weihgetünchte Stnbe, wo die Mutter Marten lag und in scheidenden traurigen Blicken mit dem fliehenden Leben flüsterte. An jenem Abend begann ihr verzweifelter Endkampf mit dem Tode und endigte erst am andern Morgen, als die Sonntagsglocken schon zum dritten Male ihre bittende Zunge lösten. Sie wehrte sich mit aller Kraft. Sie wollte, muhte diesmal »och Sieger bleiben. Jetzt, wo sür sie die Welt so pnrpnrgrlln, so schön war, so sonntäglich an jedem Tage. Bald ivaren ihre Hände fest gefaltet, bald krallte» sie sich krampfhaft an der Decke fest oder suchten hilfeoerlangend nach denen ihres Mannes oder ihrer Söhne, die abwechselnd bei ihr ivaren. Das Fieber stieg. Von Stunde zu Stunde ward ihr Atem kürzer, das Herz schwächer im Kamps. Ter Arzt sagte: Es geht zu Ende. Die Kräfte sind zu verbraucht sür solch eine Kraftprobe. Gegen Morgen schien das Fieber ein Flammenmeer zu werden, das immer um ihren Herzschlag kreiste. Ihre Füge waren kalt wie Eis. Tie Zunge lag stets auf den Lippen nnd verlangte nach Kühlung. Der letzte Glanz der Augen wich. Das Gesicht verbog, verzerrte sich und war wie ein einziger Schrei. Nur noch ein einziger langer Schrei: Helft! Als die Sonne schon gegen Mittag stand, hatte der Tod sie überwunden. Ihr krampf- und kampfzerquältes Haupt lag in den Kiffen, schmerzoerzückt. Ein ergebener Trotz reckte die blauen Lippen. . . Vater Marten hatte ihr die Augen zugedriickt und zu seinen Söhnen gesagt: „Sie bat sich so lange »ach Feierabend gesehnt. Nun ist sie von aller Sehnsucht erlöst." Seine Augen blickten traurig ohne Tränen. Dann verbannten sie das blendende Mittagslicht hinter die Läden und sanken dranhen in der Helle weinend zusammen. Aus Welt und Leben. Was das Frauenstimmrecht vermag. Eine imposante Bilanz der Ergebniffe, die das Frauenstimmrecht in den Vereinigten Staaten gezeitigt hat, zieht George Creel in einem umfassenden Aufsatz des Century Magazine. 45 Jahre sind vergangen, seit der erste Staat der neuen Welt, Wyoming, den Frauen da-s Stimmrecht gab, und seitdem sind neun andere Staate und ein Territorium dem Beispiel gefolgt. Zu diesen elf Ländern werden sich aber in kürzester Zeit noch weitere gesellen; Gesetze, die das Frauenwahlrecht einfllhren, werden wahrscheinlich schon 1914 in Montana, Nevada und den beide» Dakota erlaffen werden, nnd auch in den Staaten Newyork, New Jersey und Iowa ist die Einführung des weiblichen Stimmrechts nur noch eine Frage der Zeit. Die Erfahrungen, die man während der vier Jahrzehnte in den einzelnen Staaten mit den Frauen als Wähler gemacht hat, gipfeln alle in der Tatsache, daß die Frau in der Politik sür den Fortschritt eintritt. Sie ist leicht für bas neue begeistert, und natürlich hat sie, sobald sie auf die Gesetzgebung Einfluß gewann, ihre soziale Stellung verbessert und ist allen liebergriffen gegen Frauen und Kinder entgegengetreten In Kolorado, wo die Frauen seit mehr als 20 Jahren wählen, haben sie bewirkt, daß die .soziale Fürsorge In diesem Lande weiter gediehen ist als in allen übrigen Staaten Amerikas. Auf ihre Anregung hin wurden von Staats wegen Heime für Kinder eingerichtet, großartige Erziehungsinstitute werden geschasseu, Jugendgerichtshöse eingesetzt und das Schutzalter für Mädchen auf 18 Jahre bestimmt. In Kalifornien nnd andern Staaten hat das weibliche Geschlecht einen erbitterten Kanipf gegen alles Laster geführt, ohne Rücksicht auf irgendwelche geschäftlichen Vorteile. Die Frauen setzten die Schließung zahlreicher Vergnügungslokale durch, und als man ihnen entgegenhielt, baß das Geschäft dadurch geschädigt werde, antworteten sie: „Wenn Trunkenheit nnd Ausschweifung notwendig sind, um gute Geschäfte zu machen, bann muß diese Art Geschäft je eher desto bester aushören." Die Trunksucht ist heute in den Staaten, die Franenwahlrecht haben, »nenbltch viel geringer als in &c» andern Staaten. In Wyoming sind gegen 90 Prozent der Bevölkerung Abstinenten. e Nahrung mit auf nnd entwickeln sich zusehends bester. I»; allgemeinen rechnet man auf de» laufenden Meter Spalierarn; 15 klein«. 10 mittlere oder 5 große Früchte.