X* MBtf'Mttf At ^ s&%2 '0b : 42. 2M Sl ZE Bas6lott6ßi'fcoo Wöchentliche Geilage der ßbetheffifchen Golkszeitung a* Hummer 21 Siesten, Freitag den 29. FNai 1914. 6. öakrgang 95%%%95%95%%%%%95%95%OTB55!%55%95%95fi59B%95%95%95%95% K K ssi I)ie Gewäßrung von Slillprämien aus Gemeindemitteln. Seit »ns die Statistik einen ansfälligen Rückgang der Zahl der Geburten zeigt, hat die Säuglingssürsorgo eine größere Beachtung und einen größeren Umfang gewonnen. Bietet ja auch ein wirklicher Mutterschasts- und Klcinkindei- schutz ein ausgiebiges Mittel zur Bekämpfung der Abnahme der Bevölkerung. Allein durch die Verminderung der Säug- lingssterblichkeit auf das natürliche Maß wird einer Entvölkerung vorgebcugt. Man hat eine Reihe von Institutionen ins Leben gerufen, uni das Jntxressc für diese Bestrebungen zu fördern: eine deutsche Vereinigung für Säug- lingsfürsorge, regelmäßige Kongresse für Säuglingsschuh, in den einzelnen Bundesstaaten, wie Preußen und Bayern, Zentralstellen und Landeskonferenzen für Säuglingsschuh ?c. Ein anerkannt wirksames Mittel auf dem Gebiete des Säuglingsschutzes ist die Förderung des Selbststillens der Säuglinge durch ihre Mutter. Ta meist wirtschaftlich.' Gründe das Selbststillen eingeschränkt haben, ist man dazu gekommen, durch Stilluntcrstützungen und Stillprämien das Stillen wieder zu fördern. Alle die erwähnten Institutionen zur Förderung de: SäuglingSsürsorge haben in ihrer Propaganda ebenfalls immer großen Wert auf die Stillbeihilfen gelegt. Ncnncnt- lich sind wiederholt die Gemeinden darum angegangen wo>- den, solche Beihilfen aus den öffentlichen Mitteln zu ge währen. Die Tätigkeit ist auch nicht ganz ohne Erielg geblieben. Zur Zeit werden in 350 deutschen Gemeinden 31':!!- bcihilfen in irgend einer Forni gewährt. 1G5 Geni. luden gewähren Stillprämien in Geld. Die Form ihrer Vertei, lung ist außerordentlich verschiede». Zuweilen wird die Prämie nur in einem einzigen Geldbetrag, zuweilen in gleich- bleibenden wöchentlichen oder monatliche» Raten verabreicht Mitunter steigt oder fällt auch die Prämie mit der zunehmenden Dauer der Stillzeit. Im Durchschnitt wird die laufende Stillprämic ein Vierteljahr lang gctvährt. Vielfach wird nach einem weiteren Viertel- oder Halbjahr oder noch später eine Schlußprämic ausgezahlt. Häufig beginnt die Prämie erst einige Wochen »ach der Geburt, vereinzelt wird sie im Sommer höher bemessen wie in, Winter, oder sie gelangt im Sommer nur zur Verteilung, Im Durchschnitt mag die Höhe der Prämie etwa 2 Mk. bis 2,50 Mk. wöchentlich betragen. In Schöncberg erhalten diejenigen Frauen, die länger als 7 Monate die Brust geben, auf den Name» des Kindes ein Sparkassenbuch ausgestellt. Die Eintragungen erfolgen, bis das Kind das erste Lebensjahr vollendet. Da? Buch wird der Mutter ausgchändigt, wenn das Kind 2 Jahre alt geworden ist. Die andere Forni der Unterstützung an stillende Mütter ist die Stillbeihilfc in Naturalien. Sie wird in 185 Gemeinden Deutschlands gewährt. In den ineisten Fällen wird direkt die Milch gewährt, in der Regel I Liter pro Tag mii die Dauer eines Vierteljahres. Die Milch wird meist in „Milchküchcn" bereitet uiid abgegeben. In großen Orten sind Abgabestollen in den einzelnen Stadtteilen eingerichtet: Hamburg zählt deren z. B. 30, Charlottenbiirg 3 »sw. Manche Geineinden gewähren daneben auch noch Nahr>ingsmittcl. So gewährt Posen Wöchnerinnenkost, Landsberg a. L. und Ohligs Stärkungsmittel zur Förderung der Milcherzeugung, Wiesbaden zu demselben Zwecke „Lcictogol" »sw. Charlotten- bnrg gewährt auch bedürftigen Schwangeren eine Vorernäh- riing zur Stärkung. Die meisten der in Frage kommenden Geineinden besitzen eine Sänglingsfürsorge- oder Mntterberatnngsstellc und ver- pslichten die Empfänger der Unterstützungen, diese Stellen zii besuchen. Hier findet die Kontrolle statt, ob die Mutter ivirklich stillt, hier erhält auch die Miitter die nötigen Aufklärungen für die Pflege des Kindes. Wo die genannten Beratungsstellen nicht vorhanden sind, wird die Kontrolle der Mütter meist von „Aufsichtsdamen" ausgeübt. In 15 Gemeinden Deutschlands gibt es auch Stillstuben, die großen Fabriken angegliedert siiid. Jii einer Anzahl Gemeinden sz. B. Brandenburg a. H., Ercield, Pirna usw.) siiid die Heb- aiiiinen verpflichtet, jeden Fall des Nichtstillcns dein Kreisarzt anzuzeigcn. In vielen Orten (z. B. Bremen, Bunzlnu. Dresden usw.) erhalten die Hebammen Prämien, wenn ein großer Teil ihrer Wöchnerinnen selbst stillt. In Strnß- biirg i. E. besteht eine Kinderheilstätte. Von den Gemeinde» geben (nach der Zeitschrift für Süuglingsschntz) 218 ihre Aufwendungen fiir die Stillbci- hilfen mit zusammen 708 700 Mk. pro Jahr an. Sie betonen ausdrücklich, daß sie die Stillbeihilfen nicht als Armenunter- stützung ankrciden und ihr Bezug nicht den Verlust irgend welcher Bürgerrechte nach sich zieht. In bezug auf die absolute Höhe dieser Ausgaben steht Berlin mit riind 180 000 Mk. obenan. Vielfach wird die Fürsorge nicht wie es sein sollte von der Gemeinde als solcher durchgeführt, sondern von privaten Wohltätigkeitsvereinen, an die aus Gemeindemitteln Zuschüsse gewährt werden. Die Gemeindeverwaltungen sträuben sich mitunter aus „prinzipiellen" Gründen, solche „sozialistischen" Einrichtungen zu betreiben. Es liegt mit an den Frauen, die Einrichtungen auch io weit wie möglich in Anspruch zu nehmen und auf weitere Schaffung solcher zu drängen. Das bietet eine Gewähr für ihre weitere Ausgestaltung, die nur eintritt, wenn sich die bisherigen Einrichtungen als viel zu unzureichend erweisen. Wieder ein neues Dolksnaßrnngsmillel'. Unter den Versuchen, die heutige Lebensmittcltenerung durch die Erstellung wohlfeilerer. aber in Bezug auf den Rährgchalt hochwertiger Ersatzpräporaie zu bekämpfen, verdient derjenige besondere Beachtung, der die bisher nur als Vichfutter vcrivandten Lel- Preßkuchen für die menschliche Ernährung geeignet machen will. Bei den, Anspressen von Oelsamcn wie Baumwoll-, Leinsamen. Erdnüssen, Kokoskcrne» usw. bleiben noch ziemlich stark fetthaltige Prcßrückstände, die nia» früher als wertlos wegwarf, jetzt aber als Vichfutter verwendet. Tieie Preßkuchen haben einen außerordentlich hohen Nährwert — enthalten sie doch neben dem Fett einen sehr hohen Prozentsatz an verdaulichen, Eiweiß — aber sic werden in, allgemeinen nicht gern von den Tieren genommen, da Las Tel bald ranzig wird und dann bitter und kratzend sch,neckt. Auch bekommt das Fleisch des MastgeslsigelS bei Flitter»,,g ntit solchen Kuchen leicht einen tranige» Beigeschmack. Ei» Heran?,sichen des OelcS durch Aether oder Benzin l>at, abgesehen von den Kosten, und der Fcuergefährlichkcit. noch de» Nachteil, daß cs den Geschmack noch mehr verdirbt. Run hat Prof. Tr. Viktor Grase ei» Verfahren entdeckt, mittels dessen bei sehr geringe» Unkosten die Rückstände der Oelgcwinnnng so verarbeitet werden können, daß sic ein vollkommen gcrnch- und geschmackloses, absolut scltsrcies Produkt bilden. Er berichtet darüber im Prometheus. Als Ausgangspunkt „ahm er Scsamfuche». &Tr bei eitlem Preise von 13 Mark pro 100 Kilogramm, also 7 Pfg. pro Pfund, 9—18 Prozent Fett, 84—40 Prozent Eiweiß und 8—S Prozent Rohfascr, sowie etwa 20 Prozent Extraktivstoffe wie Gummi, Schleim ufw. enthält. Die Rohfaser besteht aus ganz dünnen Häutchen, die im tierischen Magen leicht verdaulich sind. Um bcni Produkt das Fett zu entziehen, kocht Grafe es zunächst einige Stunden mit 8 Prozent Soda auf. Die Verseifung des Fettes durch die Soda geht hierbei schnell und vollkommen vo» statten. Danach wird die Masse ausgepreßt und gewaschen und enthält nunnichr keine Spur von Fett mehr. Eine vollkommene Gcruch- und Geschmacklosigkeit wird durch nochmaliges Auskochcn mit einem Mittel erreicht, dessen Charakter einstweilen noch von Prof. Grafe geheim gehalten wird, weil die Patentierung abgeivartct werden soll. Von diesem Mittel, das hygienisch absolut einivandsrei sein soll, werden einige Hunderstel Gramm pro Kilo zugesetzt. Was nun hcrauskommt, ist ein weißes, geruch- und geschmackloses Präparat, das nach dem Trocknen etwas zur Hälfte aus Eiweiß besteht. Bedenkt man, daß bei dem «iiveißhaltigsten Nahrungsmittel, bas wir kennen, dem Fleisch, der Eiweißgehalt nur 25 Prozent der Trockensubstanz ober 5 Prozent des Frischgewichtes ausmacht, so werde» wir begreifen, das; wir hier ein Nährprodukt von höchstem Wert und höchster Ergiebigkeit vor uns haben. Freilich muß es erst mit anderen Nahrungsmitteln, resp. Gewürzen verarbeitet werden, um eine dem menschlichen Gaumen zusagend« Nahrung darzustellcn. Grafe teilt mit, daß es ihm gelungen ist, durch Beizen mit der von den Fleischern weggeworfencn Selcher- brühc und durch Zusatz von Blnt das Präparat zu einem wohlschmeckenden Wurstsüllsel zu machen. Ebenso kann es als Zusatz zu Wursthackslcisch benutzt oder durch Zusatz von Gelatine und verschiedenen Gewurzen zu Speisen verarbeitet werben. Wird es zur Hälfte mit Mehl vermischt, so liefert es ein hoch eiweißhaltiges Alcuronatbrot. Ein großer Vorteil dabei ist, daß das Produkt in getrocknetem und gemahlenem Zustande unbegrettzt haltbar ist, weshalb es sich besonders zur Versorgung des Militärs oder zur Einführung in die Tropen eignet. Aus der durch das Soda gewonnenen Seifenlösung kann entweder Oelseisc hcrgcstellt werden oder das in ihr mitgclöste Eiweiß (etwa 25 Prozent des Gcsamtgchaltes) kann nach Fällung des Felles durch verdünnte Mincralsäurcn zu einem reinen Eiwciß- präparat verarbeitet werden, das sich wesentlich billiger im Preise stellen wurde, als die bis jetzt bekannten Eiwcißpräparate wie Sanatogen, Somatose, Tropon nfw. Das ganze Verfahren ist jeden- salls äußerst einfach miö beansprucht nur eine gering«, ivenig kost- jpiclige Apparatur. Watioualitnt und Kinderreichtum. Tie Erörterungen über den Geburtenrückgang haben sich in einer bestiniinten Abzweigung auf die Frage zuge- spitzt, ob die gcrntanischcn oder die slavischen Volksgruppe» kinderreicher seien. In Preußen sind nach dieser Richtung hin bei der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1910 Erhebungen angestellt worden, deren Resultat aus 6 ostelbischen Regierungsbezirken nun im 11. Bande (1914) des Statistischen Jahrbuchs für den Preußischen Staat verösfent- licht werden. Ergriffen sind die Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Die befragten Fraueit sind nach ihrer Nationalität (deutsch oder polnisch) und nach der Zahl der geborenen Kinder gruppiert. Schon ein oberflächlicher llcberblick der Zahlenkolonnen zeigt eine hervorragende Fruchtbarkeit der polnischen Frauen. Zunächst ist einmal die Zahl der kinderlosen polnischen Frauen (verheiratete, verwitwete und geschiedene) geringer wie die der deutschen. Im Rcg.-Bez. Allenstein hatten von den 00 438 deutschen Frauen 3417 (6—7 Prozent), dagegen von den 16 808 polnischen Frauen nur 737 (4—5 Prozent) keine Kinder. Dasselbe Verhältnis kehrt wieder im Reg.-Bezirk Oppeln, wo von den deutschen Frauen 7—8 Prozent, von den polnischen 5—6 Prozent kinderlos waren. Allenstein hat eine überwiegend landwirtschaftlich, Oppeln eine meist industriell tätige Bevölkerung. Tie Kindcrzahl ist hier also relativ gleich groß, was das Verhältnis zwischen Deutschen und Polen betrifft; hinsichtlich des Erwerbszweiges aber steht die Jndnstriebcvölkerung beider Nationalitäten ungünstiger da. Doch gilt dies für den Kindcrreichtuui nicht durchweg. Unter der städtischen Bevölkerung im Reg.-Bez. Posen, einem vorwiegend kleingewerblichen und landwirtschaftlichen Gebiet, hatten von je 100 deutschen Frauen 8—9, von je 100 polni- schen Frauen 13 — 14 nicht weniger als jede 7—9 Kinder geboren. Also tritt auch in der absoluten Zahl der Kinder pro Mutter die Polnische Nationalität erheblich stärker hervor. Im selben Reg.-Bez. gebaren von je 100 Frauen der ländlichen Bevölkerung 12—13 jede 7—9 Kinder; hingegen hatten hier 19 — 20 Prozent der polnischen Jrauen diese hohe Kinder- zahl. Demnach ist die landwirtschaftliche Bevölkerung beider Nationen kinderreicher als. die städtische. Ein günstigeres Bild zeigt die städtische Bevölkerung in dem industriellen Reg.-Bez. Oppeln: Wir finden hier unter je 100 deutschen Frauen 9—10 mit je 7—9 Kindern und unter den polnischen Frauen sogar 18—19 Prozent. Es er- klärt sich dieser große Kinderreichtum durch das Zusammen- strömen besonders großer Mengen von Menschen im kräftigsten Alter in den Großindustricbczirken. Unzweifelhaft hat die besprochene Erhebung die größere Fruchtbarkeit der polnischen Mütter festgestellt. Aber die Medaille hat auch ihre Kehrseite. Der höheren Geburtenziffer steht eine über den Staatsdurchfchnitt hinausgehende Säuglings st erblichkeit gegenüber. Hierfür liegt als neueste die preußische Zählung von 1911 und 1912 vor, die allerdings die Gestorbenen nicht nach der Nationalität trennt, aber doch zur Ergänzung des Vorhergesagtcn dienlich ist. Im Staatsdurchschnitt starben von je 1000 Lebendgeborenen im ersten Lebensjahre überhaupt 167, in den Städten Posen 184, Beuthen 199, Königshütte 221, in dem Reg.-Bez. Allenstein 171, Maricnwerder 198, Danzig 203, Brombcrg 199, Posen 168, Oppeln 189. Tie Städte rmd Regierungsbezirke mit starker oder gar überwiegender polnischer Bevölkerung haben eine übernormale Säuglingssterblichkeit. Dadurch wird die höhere Geburtenziffer zum Teil wieder ausgeglichen. WMschü'tin und Kunllspeisefetl. Von Dr. A. H a st c r l i k. Wer von uns erinnert sich nicht mit wehmütiger Freude an den ersten naturwissenschaftlichen Anschauungsunterricht, der uns an der Hand herzlich schlechter Holzschnitte und grell de,„alter Farbtafeln die ersten Kenntnisse unserer Mcerwelt oerniittcln sollte! Durch keines dieser Bilder wurde unsere Phantäsie stärker angeregt als durch jenes, dessen ganze Fläche ein schwarzes, schwanzpcitschcndes Ungetüm zeigte, bas einen Strahl schäumenden Wassers bis zur Decke des Schulsaales cn,porzuschleuber» schien. Wie gerne wären wir neben dem Mann« gestanden, der mit einem nicht nachzuahmen- dcn kraftvollen Gcsichtsansdruck die Harpune gegen das Tier schleuderte. Jungen von heute bekommen völlig andere naturgetreue Bilder zu sehen: die Zeit der handgeschlendcrten Harpune ist überdies längst vorbei, fei Sven Föcen seine Granatharpune zum Schießen der Wale im Meere erfand. Mit dieser Erfindung und der Ausgestaltung unserer Tampffchiffahrt hat auch der Walsisch- fang andere Formen angenommen. Den Walfischfang betreiben heute namentlich Amerikaner und Norweger, und insbesondere in Norwegen hat in den letzte» 10 Jahren dieser Erwerbk-ziveig ein« große wirtschaftlich« Bedeutung erlangt, seit etwa 57 Fanggesell» fchasten mit eine», Kapital von über einer halben Milliarde Kronen daran beteiligt sind. Seit 1002 hat Norwegen ein neues Walgesctz erhalten, das jeden Fang längs der norwegischen Küste verbietet, um an diesen Stellen die etwa noch vorhandenen Wal« zu schützen und ihre Entwicklung zu fördern. Die gegenwärtigen Fanggegen« de» umfassen eine Strecke von ungcsähr 10 Grad nördlicher Breite bis 07 Grad südlicher Breite. Ter Fang geht auf Zahn- und Bart- walc und bezweckt neben der Gewinnung des Specks, der in der Walfischfäugcrsprache Blubber heißt, und von dem ein richtiger Blauwal bis 20 000 Kilo liefert, die Einbringung des Fischbeins, bas in der Bekleidungsindustrie eine wichtig« Rolle spielt und hoch im Preise steht, sowie des im Magen des Pottwals verkommenden merkwürdigen Stosses. Ambra genannt, der vcrniutlich ein krankhaftes Produkt der Verdauungswege — ähnlich den Gallensteinen — dieses Tieres verstellt. Ter Preis der Ambra, die in der Par- sümeriecrzcugung viel verwendet wird, ist ein recht hoher, — er beträgt gegenwärtig pro Kilo 2000 Kronen und ein glücklicher Fang kann Menge» an Ambra bis 350 Kilo bringen. Das Fleisch uni» dic Knochen der Wale bienen, nachdem sie völlig entfettet sind, als Düngemittel. Im Jahre 1911 wurden, wie einem Bericht« von Ojscrdahl in Larvik zu entnehmen ist. allein 20 890 Wale geschossen, sie lieferten 828 700 Faß Tran im Werte von 83 886 280 Kronen, für Ambra wurde» 900 000 Kronen, für Fischbein 100 000, für Düngemittel 774 850 Konen erzielt: die Bruttoeinnahme betrug sonach 36 541130 Kronen. Im Jahre 1905 betrug nach englischer Statisttk die Welt- prodnktio» an Waltran 3 Millionen Gallonen <1 Gallon« — 4,54 Liter) wovon 900 000 Gallonen auf Norwegen, 750 000 Gallonen auf die Vereinigten Staaten, der Nest aus Rußland, Schottland, Neufundland, Japan und andere Länder entfiel. Der Waltran hat bis jetzt nur in solchen Jndnslrien Verwendung finden können, in denen sein Fifchgeruch, der von stickstoffhaltige» Körpern sogenannten Phonicinen herrührt, nicht störend wirkte. Selbst die Eisenindustrie hat ihn für ihre feinere» Produkte nur ungern anfgeuommen: dagegen fand dag aus Waltran hrrgcstclllc Glycerin in der Sprcngstofsinbustrie Verwendung. Dl« Ursache dieses Geruches lag sowohl in der langen Tauer des Transportes vom Jang g„ bis zur Fettschmelze, während ivelcher sich tief« Verwesungsgerüche bildeten, als auch in bk» inaiigelhaften Schmelz Vorrichtungen selbst. Diese Verhältnisse haben sich nun geändert; Pas Schlachten und Verarbeiten der Tiere erfolgt nur in seltenen Fällen auf den Schiffen selbst, sondern in eigenen, auf dem Festlande befindlichen, gnt eingerichteten Fettschmclze»; auch ist die Fahrtdaucr aus den Dampsschissen ein« wesentlich kürzere, als die der früheren Segler. Uebcrdics ermöglicht das in den letzten Jahre» mit großem Erfolg durchgesührte Verfahren der Kctthärtnng, soivohl eine Veränderung in der Konsistenz, als auch hinsichtlich des Geruches. Gehärteter Waltran ist nicht schmelziocich. sondern bart wie Hammeltalg und nahezu geruchlos. Man glaubt daher, in ihm rin willkommenes Rohprodukt der Kunstspeisefektfabrikation gefunden z» haben. Diese einseitige Hoffnung hat jedoch bei den Kunstspciscscttsabrikantcn nicht nur keine Gegenliebe, sondern eine vollständige Ablehnung erfahren. Sic machen — nicht mit Unrecht — geltend, dast ein Produkt eines derartigen Ursprungs im große» Publikum aus Widerstand stosteu müsse. Diese Ablehnung ist auch aus Gründen des Ratnrschuhes zu begrüßen, denn schon jetzt hat der Walbestand der Ozeane stark nachgelassen, und nur durch Gesetze, ivie bas eingangs.erwähnte norwegische, kann einer völligen Ausrottung dieser Riesen des Meeres durch rücksichtslosen Spckiilations- fang vorgebcugt werden. Soziale ^'age und Gewicht der Bc'ttgeöm etten. Für die Frage, ob und in welchem Maße die soziale Lage der Mütter das Gewicht der von ihnen zur Welt gebrachten Kinder beeinflußt, lagen bis jetzt nur ungenügende Untersuchungen vor. Höchstens war festgcstellt, daß von Frauen, die bis zum letzten Augenblick erwerbstätig waren, leichtere Kinder geboren wurden, als von solchen, die sich vor der Entbindung eine gewisse Schonzeit hatten gönnen können. Jetzt hat S. P c l l e r an der Hand eines sehr umfangreichen Materials, das 5187 Neugeborene umfaßt, die Frage nach dem Einfluß der sozialen Stellung der Mutter aus das Ge- tvicht der Neugeborenen untersucht und ist'dabei zu dem Ergebnis gelangt, daß die Kinder reicher 1111 b den höheren Ständen angehörcndcr Eltern bei der Geburt ein beträchtliches Mehrgewicht aufweisen gegenüber den Kindern, die den unteren Volksschichten entstammen. Peller hat über seine Untersuchungen in der Umschau berichtet. Tas von ihm untersuchte Kindermaterial war entweder im Sanatorium (Wohlhabende) oder in der Klinik (Unbemittelte) zur Welt gekommen. Tie Klinikkinder teilt er noch einmal in drei Gruppen: 1. eheliche Kinder, 2. uneheliche Kinder, deren Müter erst kurz vor der Entbindung ausgenommen wurden, 3. uneheliche Kinder, deren Mütter längere Zeit, niindestens aber 8 Tage vor der Entbindung die Anstalt aufsuchten (sogen. Hau-sschwaugere). Tas Resultat ist folgendes: Erstgeborene Zwcitgcborene Knaben Mädchen Kunden Mädchen Klinik s K g g Ledigen Nichthausschwangcren 321»! 3108 3330 3215 Verheirateten 3108 3141 3428 3291 Ledigen HaiiSschwangcreu 3334 3234 3475 3331 Sanatorium 3377 3239 3494 3305 Die Ergebnisse sind hochinteressant. Tie niedrigste: Gewichte zeigen die Kinder der ledige» Nichthausschwangeren, also von Frauen, die meist ohne jede Schonung und Pflege sind und während der Schwangerschaft schwer arbeiten müssen. Ihnen am nächsten stehen die Kinder der Verheirateten aus den ärmeren Ständen, die in der Klinik entbinden. Don den Klinikkindcrn haben das höchste Gewicht die der ledigen Hausschwangeren, die wenigstens die letzte Sckwaiigcrichafts- periode hindurch eine bessere Pflege und Ernährung genossen haben. Alle diese Gruppen aber werden überragt von den Kindern der in Sanatorien niedcrkommendcn wohlhabenden Frauen. Auch ein Vergleich der Lange der Neugeborenen zeigt dieselben Unterschiede. Es hatten beispielsweise erstgeborene Knaben eine Länge von 49,9 Zentimeter bei den unehelichen Nichthausschwangercn, von 50,5 Zentimeter bei den Verheirateten, die in der Klinik entbanden, von 50,4 Zentimeter bei den ledigen Hausschwangeren und von 54,2 Zentimeter bei den in Sanatorien Entbindenden. Tie Untersuchungen Peilers füllen eine bemerkbare Lücke in der sozialmedizinifchcn Wissenschaft aus; sie zeigen mit aller Teutlichkeit die Notwendigkeit und den Wert eines höheren Schwangcrenschuhcs. Kttuk. Bon G I j« b U s p e » s k i. Ruch dem Tode des verwitweten Kürschners Juras blieb «ln Sah» zurück, ein kränklicher, zwölfjähriger Knabe, der wegen seines beständigen Kränkclns nicht einmal das Handwerk seines Vaters erlernt hatte. Die Verwandten hatten sofort nach dem Tod« des Skaters unter seinem Kopfkissen gesncht und dort das entdeckt, zpas der Vater für seinen arbeitsunfähigen Sohn zurückgelegt hatte. Sie wurden sogleich von besonderer Zärtlichkeit zu diesem Sohn erfüllt und hielten es für uiunöglich, ihn ohne „Fürsorge" zu lassen. Im Kamps nni den verwaisten Knaben, der nun unter den Verwandte» entbrannte, trug ber Handwerker Kotelnikow dank seiner Eber- stostzähnc und den zentnerschweren Fäuste» den Sieg davon. Der Waisenknabe bekam seinen Plast auf der Pritsche in der Küche, wurde mit einer baumwollenen Krankenhaushose bekleidet in die Kirche geführt und während Kotcinilow gemächlich seinen Tee hinunter» trank, zu dem ihm das Geld des verstorbenen Juras verholfen hatte, erzählt« er von den Sorgen und Ausgabe», di« ihm der Verwaiste verursache. Der Knabe blieb vier Jahre ans der Pritsche liege» und wurde ein langer, magerer, sechzehnjähriger Bursche, nachdenklich, still, mit hellblauen Augen und säst weißen Haaren. Während seines vierjährigen Liegeus hatte er das ABC-Buch, das ihm fül ii.iif Kopeken gekauft worden war, gelernt, kannte alle Gebete, Fabeln und Spruche, die darin standen, answendig. Tas Lesen wurde für * ihn ctivas ganz anderes als für die Menschen seiner llmgcbnng. Es wurde ihm zu solcher Leidenschaft, daß er sich entschloß, an seinen Bo NU und mit der Bitte heranzngehcn. ihm ein Blich zu lausen. Ter Bormund hatte ein Einsehe« und kauft« ihm ein Buch. Der Waisenknabe las cs mit atemloser Spannung, unfähig, sich von den zanbcri. scheu Blättern loszurrißen. Das Buch hieß: „Tic Reise des Kapitäns Eook, ancgcführt von den englische» Schissen „Revolution" »nd „Advcnlurc". Alisa» lso hieß der Waisenknabe) vergaß Schlaf und Speise und las Hunderte Male immer wieder das Buch. Kapitän Eook fesselte ihn immer mehr und nahm endlich von Alisans Herz und Kops gänzlich Besitz. In der Rächt phantasierte er und rief sortwährend Worte ans der Seoniannssprachc; er stog mit seiner Pritsch« in die Höhe lci Schissbrüchcn und versetzte die Familie seines Vormunds in tödliche Angst. Kotelnikow nutzte diesen Wahnsinn in eigener Weise ans. „Höre mal. Alisan," sagte er eines Tages zn dem Waisenknabe,^ „du bist als Waise zurückgeblieben; ich nahm mich deiner an, ich kann ivvhl sagen mit letzter Anstrengung meiner Kräfte; die sechs Fahre hast du mich, gering gerechnet, jährlich an die hundert Rubel gekostet. Jst's nicht so'»" „Aber ich will mein Lebe» lang Ihnen Hände und Füße . . ." „Warte! Zum .zweiten habe ich nicht gegeizt, um dir in jeder Weise mein Wohlivoltcn zu zeigen und dir Vergnügen zu verschaffen. So habe ich dir ,-,mii Beispiel auch ein Buch gekauft . . ." „Ach!" rief Alisan entzückt. „Warte! . . . Also! . . L! Du warst beim Lese» des Buches bald närrisch vor Freude, hast du aber uachgedacht, ob es mir leicht winde, djr es anzufchasf«, dieses Buch? . . , Folglich habe ich mich bis zum letzten Atem für dich verausgabt . . . Weil ick, aber vou, lieben Herrgott ein gnles Herz bekommen habe, so bemüh« ich mich nur deswegen, um für meine Opfer ins Himmelreich zu loiniueii. Von dir verlange ich fiir meine Wohltaten nichts. Rach Krall und Möglichkeit sollst du mir im Kleinen entgelten. Und so habe ich für dich eine deiner Krankhaftigkeit augomessen« Beschäftsgung gefunden, damit du eine Lebensait für dein Dnrchkoinmeil hast." Den letzten Satz hat Kotelnikow aus dem Wortschatz eii»cr alten Frau entlehnt, die sich im Orte hcrnmtricb und die mit diesen Worten, die sie ihrerseits ans irgend einer Bittschrift eittnomniei, hatte, die Leute anbettclte. Bald darauf trat Alisan de» ihm von Kotelnikow zugedachtcii Dienst an. lieber seiner Schulter hing ans esiiem dünnen Riemen ein kleiner Kasten, der mit Radeln. Siecknadeln, Haken. Waschlitzen und dergleichen für das weibliche Geschlecht uncnrbehrlicheii K leimig- keilen angcfüllt war. Alisan» Pslichten bestanden barm, den ganze« Tag durch die Straßen und von Haus zu Haus zu wandern, ivas ihm einen täglichen Verdienst von höchstens anderlhalb Groschen clnbrachtc. Diese anderlhalb Groschen nahm ihm Kotelnikow jedesmal ab, zur A.isbeivahrung. „Bei mir ist es besser ausgehoben," meint« er. Alisan gkanbte fest daran. Tos Buch und der Kapitän Eook verließen Alisan aber auch bei seinen, Geschäft nicht In Gedanken bc: irgend einer Heldentat seines Lieblings merkte er manchmal nicht, daß er statt eineinhalb Ellen Borte ihrer drei oder fünf der Kundin gab. Oder verirrte sich, versunken in Rachdeitklichkeit, weiß Gott ivohin, vergaß sein Geschäft und kehrte abends ohne eine einzige Kopeke heiui. Kam er in der Gefinbestube irgend eines herrlchält» litten Hanfes mit den Köchinnen und Kutschern ins Gespräch, da versehttc er es nicht, die Untcrhallnng ans Eook zu bringen. Stotternd und vor Aufregung blaß erzählt« er von den Heldentaten des berühmten Kapitäns Tie Kittscher und Köchimieu hörte» erst geduldig die unverständlichen Seefahrerausbrücke, die Geschichte vo» fremden Völkern und von Wundern, die nicht einmal in den ihnen bekannten Märchen vorkainen. aber dann wurde cs ihnen zuviel und sie lachten den unglückliche,1 Alisan aus. Bald war er von der ganzen Gasse nur noch „Kuuk" genannt und die Kinder brachen i» Lachen ans. sobald sie ihn erblickten. Zn den Kindern gesellten sich die Droschkenkutscher und ans den armen hausbackeneu Kuuk ivurden auch noch die Hunde losgelaffen. Selbst die alten Weiber, di« kein« Silbe aus Alisans Erzählungen verstauben, auch diese riefen, sobald sie ihn erblickten: „Du mein, denk doch einer nur: Kuuk! Hat sich doch so etwas in den blöden Kopf gesetzt . ■ ." „Hörst du. er ist auf eine Sandbank geraten . . , Hat sich aufs Schiff gesetzt und damit dann auf die Sandbank ... Ha, ha, ha . . ." Tic Kutscher kugelten sich vor Lachen. „Stuf! St»I! Stuf!" gröhlte» die Straßenjungen. Alisa» hob eine,, Siciu vom Boden auf und ivarj ihn de» Jungen nach. Das Lachs): und Gröhlen wurde aber noch stärker und der lvehrlosc Alifan griff daun zur Flucht. „Si'u—uk! Stu—nk!" brüllte die blasse. Tic erschreckten Hunde stimmten dem allgemeinen Lärm durch ihr Bellen bei. Alisans Geschäft ging immer schlcchlcr. Tie Einwohner, kleine Beamte, und besonders die Einwohnerinnen der Siraße empfingen ihn mit einem Lächeln und während sie ihm für einen halben Groschen Nadeln oder dergleichen abka-usten, hielten sie es für ihre Pflicht, sich über Alisans wunderliche Liebhaberei zu amüsieren. „Wie steht es also mit dem Stuf?" fragten sie „Erzähle nur etwas davon." „Es steht eben so . . ." „Wie also? Er segelte?" „Er segelte, jawohl fertig . . ." Mit solchen unbestimmten Antworten hoffte Alisa» manchmal den Spötteleien aus dem Wege zu gehen. Aber sein verliebtes Herz hielt gewöhnlich nicht lange stand. Bald geriet er in Begeisterung. Tie Wunder der fremden Länder bekamen Farbe in seiner glühenden Phantasie und die Bilder einer unbekannten Natur wurde» gar zu grell und seltsam. Alisa» vergast alles: er segelte selbst mit der „Adwentüre" auf hoher See in phantastischem Nebel und au unerhört herrlichen Inseln vorbei: sein« Einbildungskraft entbrannte immer mehr und mehr ... bis plötzlich ein ungestümes, unaufhaltsames Lache» losbrach und ihn wie niit einem kalten Wasserstrahl iibergost. „Väterchen, ich komme um! Ich komme um, rette mich!" brüllte der Beamte. Alifan verduftete. Manchmal kam cs auch vor, daß man ihn etwa drei Stunde» babehielt, amüsierte sich in gleicher Weise über Alisan und über Cook und entließ ihn dann mit den Worten: „Geh, wir brauchen nichts." Schlecht ging es ihm. Der blaue, baumwollene Kittel, den ihm der Vormund im ersten Jahr seiner Vormundschaft gegeben hatte, bedeckte noch immer Alisans Schultern, denn er hatte keinen anderen. Und wenn der Bursche über sein Mißgeschick nachdachtc, so kam er zu der Ueberzeugung, dast an allem einzig und allein Kapitän Cook schuld sei. So verunglückte der berühmte Seefahrer, der «inst bei den Sandwichinseln sein«» Tod gefunden hatte, zum zweitenmal im Sumpf der Gasse — von den Kutschern, alten Weibern, Jungen, fa selbst von den Hunden zu Tode kritisiert. Und zugleich mit Cook ging auch der gutmütige Alisan zugrunde. Sein trauriges Schicksal wurde von den Einwohnern einerseits zur Kenntnis genommen, indem die Leute sagten: „Seht nur Alifan an, er hat immerfort seine Bücher gelesen und was ist aus ihm geworden . . . Rein wie ein Mondsüchtiger!" Und dann diente der Fall Alisans auch zur Belehrung für andere und hiest es gewöhnlich: „Was sicht dich nur an: das Buch, immer das Buch! Last es doch nur sein! Es kommt nichts gutes dabei heraus für dich. , . . Steh' nur Alifan an, der hat in ernemsort gelescn — und wer vor Hunger krepieren wird wie ein Hund, das wird Alisan sein. (Deutsch von Nadja Straffer.) Aus Wett und Leöeu. Ter Triumph des Strumpfes. „Niemals in der ganzen Geschichte der weibliche» Mode ist dem Strumpf ein solcher Luxus und «in solcher Grad von Aufmerksamkeit zuteil geworden, wie es heute der Fall ist!" Mit diesen Worten beginnt Gordon Meggy einen Aufsatz ln „Pearsons Magazine", in dem er die exotischen Kostbarkeiten und Wunder der jüngsten Fusttoilettc schildert,- Ter Tango hat den Anstost gegeben: die geschlitzten Kleider habe» das übrige getan, und da nun einmal in der heutigen Mode der Strumpf eine Sichtbarkeit erlangt hat, ioie sie ihm selten zuteil geworden, so hat sich das Schmuckbedllrfnis der Frau mit Leidenschaft auf diesen bisher ein wenig vernachlässigten Teil der weiblichen Kleidung geworfen und feiert Orgie» der Eleganz, die wahrscheinlich noch lange nachklingen werde», wenn Tango und Schlitzrock schon längst vergessen sind. Früher war ein Strumpf eben ein Strumpf, bald seiner und bald gröber, bald kostbarer und bald billiger, aber doch ln seiner Art stets gleich. Heute dielet sich der wählenden Dame eine verwirrende Fülle der verschiedenartigsten Strumpfmuster, Strumpffarbe» und Strumpfzieraten dar, und sie kann, wenn sic will, für diese Dinge ein ganzes Vermögen anlegen. Gordon Meggtz erzählt, dast ihm in Paris ein Paar Strümpfe gezeigt wurden, an denen in jede Masche des seinen GetvebeS ei» Brillant eingenähl war, so dast Hunderte dieser Edelsteine die zarte Fustsülle in ein einziges blendend schimmerndes Gewebe verwandelten. Der Preis betrug natürlich viele tausend Mark. Aber auch werd gerade nicht feinen Brillantschninck im Strumpfe tragen will, must doch mehrere Hundertmarkscheine wenigstens anlegen, um in der Strumpfmode von hente auf der Höhe zu sein. Tie kostbarsten Stickereien, die cr- lescnstcn Spitzcneinjätzc, die feinsten Gewebe sind hier verschwendet: die moderne Dame liebt cs, den delikaten Reiz einer exotischen Ornamentik unter freut Rocke hcrvorlugcn zu lassen: flatternde blaue Vögel, buntstrahlende Orchideen, streng geometrische Figuren. Und der Strumpf erhält erst das rechte Relief durch den reichen Fuß- schmuck, den die Dame trägt. Sie unterbricht die Farbe des Strumpfes, die genau mit der ganzen Toilette zu einer Harmonie abgestimnit ist, durch ein breites Pclzband; sie umschlingt die feinen Knöchel mit juwelenbcsctztc» oder Uhren tragenden Bändern: sie legt mit Diamanten geschmückte Strnmpsbändcr an und trägt an ihnen goldene Börsen und Büchschen und Etuis, das ganze klirrende entzückende Brie ä brac, in dem die Mondäne von heute ihre Uten» silien birgt. Tie erste Ehcmiejchnle für Franc» ist, wie Grete Meisel-Hest in lieber Land und Meer mitteilt, von Tr. Paula Blum in Berlin ins Leben gerufen wurden. Diese Gründnng ist ein Beweis dafür, das, die Frauen sich eine» neue» Eriverbszweig erobern, der in vieler Hinsicht für sie besonders geeignet ist. Während sich früher der Chemikerin große Schwierigkeiten entgegenstellten, hat man jetzt begonnen, die Tätigkeit der Fra» gerade in diesem Berufe zu schätze»: sie erweist sich zur Arbeit in Laboratorien als besonders geeignet durch ihre größere manuelle Gewandtheit, ihren offenen Sinn für die praktische Seite dieses Berufes, und die Damen selbst sühlen sich wohl in dieser Tätigkeit, in der eine außerordentliche geistige Anregung sich mit einer eigentlich echt weiblichen sauberen Hantierung verbindet. Die Chemieschule der Frau Dr. Blum kommt daher einem ausgesprochenen Bedürfnis entgegen und erschließt den dazu begabten Frauen diesen aussichtsreichen Beruf, da die Nachfrage nach Chemikerinnen von Tag zu Tag steigt, llnent- geltliche Bortrüge über Küchcuchcmie werden den Dame» auch anf diesem echt hausfrauliche» Gebiet wissenschaftliche Ausbildung bieten. Gesundheitspflege. Fnftcrkranlunge» bei Schulkinder». Von Fußerkrankungen ist der Plattfuß für das Leben von einschneidender Bcdentnng. Nach Muskat ist er nur in etwa -4 Prozent angeboren, in 80 Prozent erworben. Von den verschiedenen Formen des Plattfußes ist die häufigste diejenige, die eine Folge der zu große» und falschen Be- lastung des Fußes ist, wodurch eine Schädigung der Knochen, Bänder und Muskulatur erfolgt. Ter Plattfuß ist unter der Schuljugend häufig zu finden, Ewald fand bei seiner Untersuchung von 13 Volksschnlklassen mit je 38—1» Knaben von 11—13 Jahren 01 Prozent mit ausgeprägtc», Knickfuß und 37 Prozent mit Plattfuß, In Magdeburg wind: scstgcstcllt, daß der Prozentsatz der Platt- füßigen von den untere» nach den oberen Klassen aussteigt: wegen Plattfuß hcrrcsuntr.uglich sind in Deutschland 25 Prozent, Ein« sachgemäße Plattfußbctämpsnng ist also erjorderlich. Sie muß bestehen in gcnauer Untersuchung der Schulrekrnten, in Schonung der mit Fußbeschwerden Behastetcn beim Gehen und Stehen, in Sorge für zweckmäßige Fußbekleidung und vor allem in Vermeidung falscher Fußstcllnna und Einsührung von llcbungcn im Turnunterricht, die der Plattsnßstclluna cntgcgcnivirke». Kür Katts und Kof. Ter Lehrmcister im Garten und Kleiutierhoj (Verlag Hach- mcister u. Thal, Leipzig.) Inhalt der Nr. 21. Schönblühcnde Dorne, Vom Emil Gicnapp. M. Abb. — Topfgewächse zum Auspslanzcn. Bon Karl Niendorf. — Pslanzt Sommerblumen! Von I. Teiler. M. Abb. — Obstbäumc au-. Kernen gezogen. — Von W. O. Rother. — Zweistöckiges Gartenhaus. Bon Architekt Joh. Kettmann. M. Abb. — Zehn Regeln zur Erzielung von Höchsterträgc» aus Korbweiden» Stnltnrcn. Von Paul Kaiser, Grandcnz. — Meine Lanbenbank. Von A. Gricshommer. M. Abb. — Ein Beitrag zur Kultur der Gurken. Von H. Stcinmatz. — Ter Maipilz. Von E. Voigt. M. Abb. — Windschutz für die Saalbeete. Von I. Teiler. M. Abb. — Milben. Von Alcr. Reichert. M, Abb. — Tic besten Eicrlegcr. Von I. Tonner. M. Abb. — Vertragliche Mängel des Hausgeflügels. (Schluß.) Von Tr. Bonatz. — Mein Vogclhcim. Von Frau L. Miillcr-Eollmen. — Schlechte Mütter. Von H. TiltcS. — Vachzucht von den besten Honigvölkern. Von Wilhelm Knapp. — Kleine Mitteilungen — Hauswirtschaft — Meinungsaustausch — Klcintierarzt — Fragekasten — Feuilleton: Das Geheimnis des Rechtsanwalts. Roman von John K. Lens. (Fortsetzung > — AnsstcNungSkalendcr — An» der Geschäftswelt — Literatur — Patentliste.