8)^2 SÄK366ß 2666 DasßlattDßctfcau Wöchentjicbe GeS!age der OderkessSschen L)oSk5Aeitung Nummer 20 Siesren, 5ceitag den 22. Mai 1914. 6. öakrgang AW AW ^3^ <5355 555S2BÜS SPS 3^3 äi Sozialistische Krziestnng im Kaufe. Vor kurzem besprachen wir die wichtige Jnsormations- schrift der Genossin Zieh „Gewinnung und Schulung dcrFra u". Hierbei wiesen wir darauf hin, wie die Partei zur Unterstützung und Vertiefung unserer Frauenbewegung eine ganze Broschürensolge schafft unter dcni Uebcrtitel „Sozialdemokratische Fraucnbibliothek". Berufene Autoren besprechen darin im sozialistischen Lichte allerlei wichtige Gesellschaftsfragen, die die Frauen insbesondere berühren. In einer der letzten dieser Broschüren richtet nun Kätc D u n ck e r feine, verständliche Worte an die Eltern — und besonders an die Mütter —, um die K i n d c r e r z i e h u n g im sozialistischen Geiste zu beeinflussen. Tie Schrift trägt den Titel „Sozialistische Erziehung im Hause". Es liegen ihr Gcdankengänge zugrunde, die in einer Reihe von Jahren in Diskussionsabenden mit Genossinnen noch vertieft wurden und zur Reife kamen und dann auf der 5. Fraucnkonsercnz 1908 in Nürnberg von der Verfasserin vorgetragen wurden. Ucber den Rahmen ihres damaligen Referats ist aber ihre jetzige Schrift weit hinausgewachsen. Sie geht von dem Grundsätze aus, daß als der wichtig st e Erziehungsfaktor immer noch die Familie, das Hans dasteht. Mag die Schule noch so wichtig sein — sie spielt die Hauptrolle nur in der geistigen Ausbildung; für die eigentliche Erziehung, d. h. die Charakterbildung, kommen die Eltern, kommt die Familie, das Haus hauptsächlich in Frag«. Die alte Familie der Vergangenheit, die Bauernfamilic ans dem Lande mit ihrer Welt von Haus und Hof, Stall und Scheuer, Garten und Feld, die kleine Handwerkerfamilie in der Stadt mit ihrer innigen Verbindung von Haus und Werkstatt, alles Lebensgemeinschaften, in denen die Kinder von früh an die Eltern bei der Arbeit sahen, in denen sie neben den Eltern in nachahmendem Spiel, dann mit bewußtem Ernst die kleinen Hände regten, in denen sie unter der Zucht der Eltern auf allen Wegen ihrer engen Welt behütet wurden — diese alten Produktions- und Kon- fumtionsgemcinschaften, in denen der Kinderarbeit nicht die körper- »nd geisttötenden Gefahren der heutigen kapitalisti- fchen Kinderarbeit anhaftcten, sind längst untergegangcn. „Aus der Handarbeit ist die Maschinenarbeit, ans der Werk- statt die Fabrik geworden; Wohnung und Arbeitsstätte sind getrennt, die Arbeit ist aus dem Gesichtskreise der Heranwachsenden Jugend gerückt. Sie verbirgt sich hinter himmelhohen Mauern, sie ist eine Welt für sich, in die das Kind nur selten hineinblickt. Es bckonunt allenfalls die Rohprodukte und die fertigen Erzeugnisse der Arbeit zu sehen. Ten Menschen bei der Arbeit sicht es nicht, und der stärkste Er- ziehnngsfaktor ist damit ansgeschaltct." Ns unter dem Kapitalismus die produktive Arbeit das Heim verließ, zog sie die einzelnen Familicnglieder nach sich. Zuerst den Vater. Ihm bleiben in fast allen Klaffen der Ge- sellschaft zur erziehlichen Beeinflussung seiner Kinder nur die Sonntage und ein paar müde Abendstunden übrig. In zahllosen Familien muß auch die Mutter der Erwcrbsarbeit außer dem Hanse nachgehen. In jeder Beziehung ist cs schwerer geworden, der elterlichen Erzichnngsanfgabe gerecht zu werden — schwerer, während zugleich die Anforde- rungenandenjungenMenschenaußerordent- lich gestiegen sind. „Allein durch das großstädtische Leben, durch die weiten Schulwege bei dem stets wachsenden Verkehr ist das Kind weit früher auf sich selbst gestellt. Die Schaufenster, die Automaten, die Kinematographc» bergen gar vielseitige Versuchungen und sittliche Gefahren. Vor alleisi das frühe Eintreten in das Erwerbsleben außer dem Hanse, das den kaum der Schule Entwachsenen oft schon wirtschaftlich unabhängig niacht, setzt ein hohes Maß von Selbständigkeit, von sittlicher Festigkeit und Reise voraus." In diesem Zusammenhang klingt gar überzeugend die Forderung der Verfasserin, durch Verkürzung der Arbeitszeit beiden Eltern wieder die Zeit zu geben, sich ihren Kindern zu widmen, die Forderung nach umfassender Wohnungsreform, nach pädagogischer Vorbildung beider Geschlechter, die mit der Fortbildungsschule zu verknüpfen wäre. Aber dann legt die Verfasserin dar, wie die Eltern trotz aller sozialen Ursachen der Erziehnngsnöte sich erzieherischen Fragen gegenüber nicht mit unserm allgemeinen Kampf uni eine bessere Gesellschaftsordnung begnügen sollen. Ausgehend von ihrem eingangs erwähnten Grundsatz: Das Haus ist der stärkste Erziehungsfaktor, zeigt sic die Notwendigkeit und gibt dem gewandelten Elternhaus auch die Wege an, die Kinder von heute nnt der Moral und dem Geiste unserer Bewegung zu durchdringcn. Sie zeigt die elterliche Ver- pflichtnng, sich des Alkohols usw. z» enthalten, gibt über die körperliche Erziehung praktische Ratschläge, uw möglichst gesunde, kräftige Menschen zu erziehen, Im Anschluß daran betritt sie das Gebiet des Geschlecht- lichen in der Erziehung — ein Boden, auf dem die heutig« Gesellschaft unter altüberlieferten Einflüssen in ganz verkehrter Weise verfährt und auf dem auch unsere Genossinnea wohl vielfach eine ganz enge, unbeholfene und schiefe Stellung einnehmen. Es ist ganz unmöglich, im Rahmen dieses Artikels den« Inhalt der seingehaltenrn Schrift gerecht zu werden. Nu« Hinweisen wollen wir auf sie und das Interesse unserer Genossinnen auf sie lenken. Die Verfasserin wünscht, das, die Schrift kapitelweise an den Diskufsionsabenden geleser wird, und zwar so, daß eine Vorleserin vorlicst, während di« übrigen Nachlesen, daß also alle Teilnehmerinnen eie Exemplar der Schrift in Händen haben. An jedes Kapite- kann eine Diskussion ansctzcn. Ergeben sich dabei Unklar, heiten oder tauchen cntgegenstehcndc Meinungen auf, wir) die Verfasserin den Leitern der Tiskussionsabende dankbar sein, für die Ucbermittelung solcher Erfahrungen. Mit ihre« Hilfe würde es möglich werden — sofern sich das als notwendig erweisen sollte —, in späteren Auflagen die Schrift immer vollständiger den Bedürfnissen der proletarische!« Frauenwelt- anznpassen. Wie alle bisher erschienenen Broschüren der Sozialdemokratischen Franenbibliothek, so wird auch diese bei Massen- bezug durch die Organisation von der Buchhandlung Vori wävts zum Preise von 8 Pfg. geliefert. Aer inlernalionase Wadchensiandek. In den letzten Wochen sind wieder zahlreiche Mädchen- Händler in den verschiedensten Teilen des Deutschen Reichs und in Oesterreich verhaftet worden. So wurde in Leipzig ein Kellner namens Vetter verhaftet, der Mädchen aus Sachsen nach Hamburg verschleppt«, in Nürnberg auf dem Hauptbahnhof eine Mädchcnhänd- lerin, welche drei Mädchen nach Leipzig bringen wollte, in Gnesen ein Deutsch-Amerikaner, der als Heiratskanvidat auftrat und Töchter von deutschen Ansiedlern nach Amerika locken wollte. In Traren- bach in Salzburg wurde der Kroate Dranccnowlc dingfest gemocht, der nach polizeilicher Eriniillung bereits 15 Mädchen aus der dortigen Gegend unter allerhand Versprechungen verpfllchtet hatte, nach Amerika anszuwanderu. Di« Dtraskammer in Beuthen in Oberschlesien veniririlt« erst vor kurzem den internattonalen Mädchenhändler Lubclski ans Mnslowitz zu mehrjähriger Gefängnisstrafe, der sein« Stellung als Vertrauensmann der preußischen Aus- wanderer-Kontrollstatton in Myslowitz und der dortigen Transportgesellschaft mißbraucht hatte, um einen schwunghaften Mädchenhandel aus Rußland und Oesterreich Uber Deutschland nach Amerika zu betreiben. In keinem verbrecherischen Geschäftszweig«, selbst nicht einmal bei der Gcheimfabrikation von Rubel- oder Dollarnoten, beim organisierten Bankdiebstahle, beim gewerbsmäßigen Auspliindern von Uhren- und Juwelenläden wirb soviel Geld „verdient" wie beim Mädchenhandel. Ter Gewinn ist «in ganz enormer, und viele dieser Gauner können sich, trotz der außerordentlich luxuriösen und vcrschivenbcrischen Ledensivcise, welche sie führen, oft schon nach einer Geschäftstätigkeit von einem oder anderthalb Dutzend Jahren als reiche Leute zur Ruhe setzen. Ein gewisser Scheiner, der ober Dutzende von Püffen auf allerhand Namen besitzt und der sich bald als Spanier, bald als Italiener, Schweizer oder Brasilianer ausgibt, wurde vor mehreren Jahren wegen zahlreicher schwerer Verbrechen in Buenos SlircS ins Gefängnis geworfen. Während seiner Haft verlor er etwa 300 000 Franken. Scheiner war aber imstande, diesen Verlust zu verschmerzen. Ein Kollege Scheiners, der „berühmte" Mädchenhändler Lazar Schwarz, welcher die letzten Jahre sich viel in Budapest, Genua und Alerandrien (Aegypten) aushielt, „verdiente", wie behördlich nachgewiesen worden ist, bei einer kurzen etwa dreiwöchigen „Geschäftsreise" von Ungarn nach Kairo nicht weniger als 12 000 Franken. Lazar Schivarz ist in jeder Beziehung «in Genie. Er spricht zwölf Sprachen, nämlich ungarisch, deutsch, griechisch, arabisch, türkisch, italienisch, französisch, russisch, porttl- giesisch, spanisch und persisch. An Legitimationspapieren besitzt Lazar Schwarz mindestens 17 Sttirk ans die verschiedensten Namen. Er führt türkische, porttigiesischc, serbische, amerikanische Pässe usw. hei sich und kann sich ganz nach Belieben einmal als „Ibrahim Effendi", das andremal als „Don Gomez", dann wieder als „Joses Katz", als „Israel Margowitsch" uftv. auswcisen. Frau Julie Roscnstock, welch« früher vorzugsweise in Temesvar, Budapest, „operierte" und ihre Ware hauptsächlich noch Bukarest und Kanstonttnopel lieferte, hatte bei einem ungarischen Bankhaus« längere Zeit etwa 200 000 Kronen stehen. Als sic einmal in der Nähe von Temesvar polizeilich sisttert wurde, trug sic ein« mit Diamanten besetzte goldene Uhr, die «in«p Wert von einigen Tausend Kronen hatte. An den Finger» batte sie über ein halbes Dutzend kostbarer Diamantringe stecken. Der Mädchenhändler Grinbanm, der hauptsächlich nach Konstantinopel. Saloniki, Smyrna und Kairo erportterte, legte seine Gelder der Sicherheit halber in englischen Banken nieder und war überdies in London Hausbesitzer. Seit einiger Zeit scheint sich Grinbanm vom „Geschäft" zurückgezogen z» haben und als Reuttier zu leben. In Chikago befinden sich die verrufensten Ouarttere, wo diese Mädchenhändler täglich zu tun haben, in der Näh« de? Stadthauses, der Justiz- und Polizeibehörden, der Hauptpost, der Tele- graphenbureaus, der Börse und der Zeitungspaläste. Aber keine Hand röhrt sich, um diesem Skandal ein Ende zu machen. Ai» aller- schlimmsten sieht es in Zentral- und Südamerika aus, ivo die bestochen« Polizei sehr oft direkt gegen die verkauften hilflosen Geschöpfe Partei ergreift. ES kommt noch heute vor, daß, sobald Konsuln oder Privat« irgend ein Mädch«» aus den Krallen dieser Verbrecher befreien wollen, die Polizei einfach den Mädchen Händlern Hilfe leistet, um solch armes Erschöpf für einige Zeit „unsichtbar" zu machen, wie der GcschäftSanSdvnck lautet. In Zentral- und Südamerika wird der Schacher noch ganz offen betriebe». Dieser erfolgt übrigens dort, wie überall, nach streng geregelten „kaufmännischen" Grundsätzen. Die großen Händler verfüge,, über Dutzend« von Nnteragenteu und Ilnteragentinnen. Es ist auch gar nichts Seltenes, daß beispielsweise in England, Frankreich und ander» Ländern die Inhaberinnen sogenannter Gouvernantenhrime, kleiner Theater, schulen und ähnlicher Institute indirekt Lieferantinn«» für diese großen Händler sind. Dies« Frauen spielen stellenlose und bei ihren Ouartiergeberiunen verschuldete Gouvernanten, ferner angehend« Schauspielerinnen, die aber auch nicht einmal au einer kleinen Bühne Anstellung finden können, den Verbrechern in di« Hände. Auch sind viele Inhaber vo„ HeiratSburcaus. besonders i» Amerika, nichts anderes als Vertreter dieser großen Händler, die von irgend «inen, gut gewählten Versteck aus und mit Hilfe entsprechender Kapitalien ihr Geschäft durch zahlreiche Hände betreiben taffen. Auch viele Heiratsschwindler, welch« hübsche und arm« Mädchen heiraten »nd uiit diesen sich dann ins Ausland begeben, wo die Betrüger angeblich ihr Domizil haben, führen diel« arglosen Opfer den Mädchcnhänd- lern direkt zu. Von diesem Augenblicke an bleibt dann der sting« „Ehemann" spurlos vcrsch,vunden. In Amerika entführten fftlher vielfach hübsch« junge Männer, die im Solde dieser Händler standen. I junge Mädchen, denen di« Entführer di« Eh« und Trauung in der nächsten großen Stadt versprochen hatten. Dort augekommen, verließ aber regelmäßig der „Bräutigam" sein« „Braut" und das übrig« braucht nicht weiter geschildert zu werden. Aie feindlichen Kinder Kichard Wagners. Gegenwärtig spielt sich ein Streit in der Familie Richard Wagners ab, der in seiner Kleinlichkeit und Philisterhaftigkeit in seltsamem Kontrast zu der „künstlerisch freien" Auffassung Wagners in faniiliären Dingen steht. Wie im Nibelungenring Wagners Siegmund mit Sieglinde, der Gattin seines Gastgebers Hunding, die Ehe bricht, so hat Wagner selbst auch mit seiner späteren Frau Cosima, als diese noch legitime Gattin Hans von Bülows tvar, die Ehe dieses Freundes gebrochen. Aber wenn jenem Ehebruch nur ein Siegfried entsprang, so diesem außer einenr Siegfried auch noch eine Isolde und eine Eva. Und wenn jener Siegfried der Dichtung gegen den gierig auf seinen Schätzen liegenden Drachen in den Kampf zog, so kämpft dieser gegen seine eigen? Schwester, weil sie seine Schätze viel- leicht um ein paar tausend Mark jährlich beeinträchten könnte. Dabei könnte man an der Energie, niit der sich die unlegitimen Kinder Wagners — aller gut bürgerlichen Sittlich. kcitSauffassnng zum Trotz — darum reißen, auch offiziell als Kinder Wagners anerkannt zu werden und nicht als solche des legitimen Gatten ihrer Mutter, seine helle Freude haben (die Tochter Isolde führt deshalb jetzt gerichtlichen Prozeß gegen ihre eigene Mutter), wenn eben die materielle Frage nicht allzustark in die Angelegenheit hincinspielte. Es wirkt wie Ironie des Geschicks: der Fluch des Nibelungengoldcs, das Wagner seiner Faniilie hinterlassen hat, wird aktuell. Bei der Verhandlung des Bayrcuther Landgerichts am 17. April, das Feststellen soll, ob der Vater von Frau CosimaS Tochter Isolde Hans von Blllow oder Richard Wagner ist, wurde erwähnt, daß dieser jedem seiner Kinder eine jährliche Rente von 30 000 Mk. ausgesetzt habe. Acnßeren Anlaß zu dem Familienstrcit gaben Mißhelligkeiten zwischen Siegfried Wagner und dem Gatten Isoldens, des Kapellmeisters Franz Beidler, dem jener vorwirft, übermäßigen Aufwand getrieben z» haben. Der Vertreter von Frau Cosima, Justizrat Dr. Troll, schrieb dann weiter — ivie die Gegenpartei behauptet — im Aufträge von Jung-Si«gfried einen Brief an „Frau Isolde Beidler, geborene von Bülow", worin er ihr mitteilt, daß sie bisher „freiwillig gewährte Snbsidien" erhalten habe und daß keine „rechtliche Gebundenheit der Auftraggeber" bestehe. Der künftige Bezug dürfte 22 000 Mk. jährlich nicht übersteigen. Bei dieser Maßnahme stützt sich die Siegfriedpartei auf die recht unwagnerische Begründung, daß Isolde am 10. April 1866 geboren worden sei, als der Hausstand von Hans Bülow mit seiner Gemahlin Cosima noch bestand. Dem erwidert Frau Isolde, daß sämtliche Kinder Cosima Wagners während ihrer Ehe mit Hans von Bülow geboren wurden. Sie beruft sich ferner auf Aussprüche und Niederschriften von Richard Wagner, Liszt, ja selbst von Frau Cosima, die zeigen, daß sie von diesen als Tochter Wagners betrachtet wurde. Unter anderem verweist sie auf folgendes hübsche Gedicht, das ihr Wagner an ihrem fünfzehnten Geburtstage widmete: Vor 15 Jahren wurdest du geboren, Da spitzte alle Welt die Ohren. Man wollte „Tristan und Isolde", Doch was ich einzig wünscht' und ivolltc. Das war ein — Töchterchen: Isolde! Nun mag sie 1000 Jahre leben. Und „Tristan und Isolde" auch daneben! Vivat Hoch! Während so Wagner in dichterischem Freudenschwumw und mit stolzem Batcrgcfühl sich zu seinem Töchterchen bekennt, will die Mutter heute einen Eid nehmen, daß deni nicht so sei. DaS Gericht beschloß, Beweis zu erheben, ob in der Zeit vom 12. Juni 1864 bis 12. Oktober 1864 Frau Casiino und HanS von Blllow in häuslicher Gemeinschaft gelebt haben, bezw. ob in dieftr Zeit zwischen ihnen kein Verkehr, msbx- sondere keine eheliche Beiwohnung stattgefundcn hat. Dar- über soll die damalige Wirtschaftsdame im Hause BülowS vernommen werden. Und das alles wegen lumpiger paar tausend Mark? — Bedenken die feindliche^ Geschwister und Frau Cosima nicht, w-e erwünscht das Ganze allen jenen Spießern ist, denen die '.iudererzeugung außerhalb der amtlich abgcstempelten Liebe s schwerste sittliche Verbrechen ist? Kinderphanlaste. Mariechen und Franz«! spielten Kirchgang. Mariechen mimte die Frau Pfarrer. Das war für ein kleines Mädchen wie sie die l (gehrensiverteste Position im Dorfe, denn die Frau Pfarrer war schön, hatte lockiges Haar, feine Kleider und «in vornehmes Auf- treten. Di« Frau trug natürlich auch einen Hut. Darum hatte sich Mariechen «inen groben Puppenrock über das wirre Eelock gezogen. DknIterS üüchenschiirz« hing ihr über die Schultern und wurde mit viel Grandezza über de» Fußboden geschleppt. Franzel hatte Vaters Hauekäppi aufgestülpt und als Chorrock Muttcrs Unterrock über- geworfen mit dem Schlitz noch vorn. Die nach. Bewegungsfreiheit ringenden Hände des Bnben hatten hier schon eine bedenkliche Erweiterung geschaffen. „Hast du auch einen Nagel und Hammer im Rock?" fragte di« Frau Pfarrer. „Wozu?" „Na, um den Kindern, di« vor der Kirche Spektakel machen, einen Nagel in den Kopf zu schlagen: das tut doch der Pfarrer. Hier, nimm den Bleistift. Ter Ist fpitz und grade so grob wie einer von des Pfarrers Nägeln. Und bar hier wär' Dein Hammer." „Jawohl, aber nur für Späh," sagte der Pscudopfarrer und steckte Bleistift und Holzscheit in die Hosentasche, was sich nicht ohne Gewalt bewerkstelligen ließ. Dann schritten die beiden in scicrlicher Prozession durch bi« Stube. Mariechen hatte Mutters Kochbuch, Frauzcl das Kirchengcsangbuch in der Hand, verkchrt natürlich. „Nu fang an zu fliifl-en!" gebot «r und Mariechen stimmte mit dramatischem Augenanfschlag an: Nach Hause, nach Hause spricht er und säuft so schwer. Franzel fiel ein. „Tu darfst aber nicht so hoch singen, Franzel. Die Männer singen doch anders als die Frauen. Hör mal zu!" Sie pflanzte sich vor ihm auf und quakste ihm ihren schönsten Baß vor. Franzel machte es nach. Sobald sie aber wieder hoch sang, vergaß er seine männliche Würde und quiekst« mit. Es dauerte eine ganze Weile, bis er fest genug im Ton war, und nun sangen die beide», er tief, sie hoch, so laut und unrein, baß ein Hund hätte heulen mögen. Da drang ein Ton vom Hofe herauf, eine Trchorgel — und im Nu lagen die Bücher und die ganze Maskerade aus der Erde und die Kinder stürmten die Treppe hinunter. Unten stand die Orgel auf einem Gestell und der Orgelmann war in der Nachbarschaft Geld einsammeln. „Siehste", deutete Mariechen auf die bunten Bilder an der Orgel: „Was schöne Frauen und Engelchen. Tie eine hat ein Kleid an wie der Himmel und die andere wie lauter Rosen, und wenn der Orgelinan,, dreht, dann tanzen sie inwendig drin herum und singen: drum klingt das so schön." „So?", sagte der Bruder, „und ivenn wir drehen?" „Probiert mal!" „Dann krieg sch meine Keile. Dreh Du!" „Diimmkopf! faß an. Wir drehen zusammen." Und die beiden Kinderhände fingen langsam an, den Hebel zu drehen — nur einmal herum: es gab wahrhaftig einen Ton! Tann ließen sie erschrocken hie Arme sinken, denn der Orgelmann kam zurück. Er halte gute Einnahmen gehabt und war garnicht böse. „Weißte war?" schlug jetzt Mariechen vor: „Wir spielen mal Herr und Dame und machen Besuch« " „Was soll ich denn da machen?" fragte der Bub. „Mach mir nur alles nach und komm!" Sic schob ihren Arm in den seinen, und nun ging's von Haus zu Haus. Ueberall klopften sie an und sagten beim Eintreten höflich guten Tag mit einer Verbeugung. Man begrüßte sie überall halb erstaunt, halb belustigt. „Wie geht cs Euch?", fragte der kleine Besuch. „Danke gut! Euch auch?" „Jawohl! Adieu!" Tamit wandten sie sich nach einer Verbeugung wieder der Türe zu. Manch« Leute brummten hinter ihnen her. manche fragten: „Wollt Ihr denn schon wieder gehen?" Alle aber lachten sie. Eine Frau gab jedem ein Stück Zucker, eine andere einen Apfel und in einem Laben bekamen sie Bonbons. Man konnte das natürlich nicht ausschlagen. Als sie wieder einmal auf bi« Straße traten, siel wie silberne Peilcnschnüre ein Sonnenregen nieder. Mariechen haschte jauchzend nach den glitzernden Tropfen. Die Löckchen flimmerten in der Sonne und die Augen strahlten vor Glück. Der Bruder, der cs vorge- nommen hatte, sich unter einen schützenden Baum zu stellen, schaute, ein Auge zugeknifsen. dem tanzenden Schwesterchen zu und dachte an ein Märchen, das die Großmutter erzählte. Langsam trat er unter dem Baum hervor, da traf ihn ein Tropfen aus bi« Nase und er zog' sich schleunigst in sein« geschützt« Stellung zurück. „Wenn Du naß nach Haufe kommst," warnte er, „gibt's Keile." „Und wenn es einschlägt und der Baum fällt auf Dich, dann gehst Du tot." „Wie kann «s denn «inschlagen, es ist ja gar kein Gewitter. Hörst Du es etwa donn ern? Urberhaupt, Ihr Weibsleute habt gleich so « Zucht. Ich, ei ich war neulich mal Im Walde, da gab'S «inen Wolkenbruch „Einen Wohlkenbruch?" „Jawohl, da fallen die Wolken auf di« Erde." „Das glaub ich nicht. Tann wärst du ja totgegangen, wenn so «ine Wolke auf dich gefallen wäre." „Ja, bas war auch eine kleine, so groß wie ein Kopskifscn und ganz reicht. Ich Hab sie aufgehoben, bin mit der Leiter hinauf gestiegen und Hab st« wieder hingchängt. Du, du wärst einfach davongelaufen." „Set nur still! Wie du dich neulich im Walde verirrt hast und der Vater hat dich suchen müssen, da Haft du doch auch geflennt." „Garnicht! Ich war einem Hirsch begegnet, so groß wie die am Platter Schlößchen sind. Der hat sich ganz breit vor mich hingestellt. Meinst du vielleicht, ich wär fortgelaufcn? Ich Hab ihn an den Hörnern gekriegt und Hab ihn gehörig herumgezansclt." „Es regnet nicht mehr, komm wir wollen gehen. Ach «in Regenbogen, hätten wir doch dahingeguckt, wie sie den herausgestellt haben." Sie machten noch einen Besuch und als sie wieder auf die Straße traten, war auch dieses Himmelswunder verschwunden. „Wie sie nur den großen Bogen wieder hereingekriegt haben? fragte das Schwesterchen und Brüderchen versichert«: „Da nehmen sie eine große Zange, packen oben an und ratsch, wird er hercingczogen. Natürlich helfen da all« Engel mit." Mutter war sehr empört, als si« mit vollen Händen nach Haus« kamen. Franzel hatte auch noch s«in Taschentuch verloren. „Na sieh mal einer den Kerl an, was der für einen Butzemann in der Nase hat." „Zeig! zeig!" rief interessiert das Schwesterchen, bückt« sich nieder und sah von unten her in den Gesichtsschornstein des Bruders. Wahrhaftig, «in schwarzes Leiterchen stand darin und «in winziges Schornsteinfcgcrlein kletterte daran herauf. Aber schon hatte di« Mutter das Wunder vernichtet. Franz mußte sich in einer Eck« des Zimmers Hinsehen und Mariechen in Großniutters Stube. „Denkt euch mal an, Großmutter, das Bcttclvolk hat im Dorf hcrumgefochten." Mariechen saß nach der Waud gekehrt, während die Großmutter am Fenster saß und strickte. An der Wand hing ein eingerahmtcr Spruch und ein Bild war daraus: ein Grab und ein Kreuz. Mariechen schaut« in Gedanken in das kleine Grab hinein. Darin war ein kleines Särglein und in dem Särglein lag ein kleines Menschlein noch kleiner als Maricchens kleines Fingerchen, ganz nackt und so still, wie der Großvater gewesen war, als er im Sarg« gelegen. Unter dem Bilde war ein Stück Tapete losgerisscn, so weit als Maricchens Fingerchen von ihrem Sitz aus reichen könnt««. Das hatte sie so nach und nach abgepflllckt, wenn sic zum Eckcnsitzen verurteilt ivar und hatte oft Keile dafür gekriegt. Heule aber wollte sie die Finger davon lassen. Das war eigentlich ein« Figur, eine Frau mit einer Kittcbari und einer Hochfrisur. Nur der eine Arm war etwas zu kurz und schon streckten sich di« Fingerchen aus, um cttvas nachzuhelfcn. „Mariechen" sagte die Großmutter da: „Komm mal her!" und sie fetzt« sich auf Großniutters Fußschemel nieder. Sinter Groß- mutters Lehnsessel war ein Eckbrett an der Wand mit Perlenfranse» behängen. Auf dem Eckbrett stand ei» Männchen, das der Großvater aus Tannenhubelche» zusammengesetzt hat. „Großmutter!" sagte bas Kind beklommen: „Warum habt ihr das Hutzelmännchen nicht auch in den Sarg gelegt, es ist doch tot jetzt." „Was sagst du mein Kind, das Hutzelmännchen? Wie kann das jetzt tot fein, cs hat doch nie gelebt. Tie Sachen sind doch alle tot." „Tic sind nicht tot", begehrte bas Kind ans. „Das Männchen auf der Komniode mit dem Blumenwagen, das ist doch auch nicht tot. Ta guck doch, das macht doch einen Schritt und lacht doch ein bißchen. Der Großvater hat doch auch gelebt, und wie er tot war, da war das Hutzelmännchen auch tot, ganz tot, wie der Großvater — warum ha! ihr es nicht mitbegrabcn." „Komm", sagte die Großmutter und brückte den Kopf des Kindes in ihren Schoß nieder. Es schloß die Augen und blieb ruhig liegen. Großmutter hob cs leise auf und legt« es in ihr Bett auf das braun und weiß gewürfelt« Kissen. Mariechen hielt die Augen noch immer geschlossen und kuschelte sich hinein. Bald aber hob es den Kopf und sah di« Großmutter an. „Großmutter, du hast ja auch einen Schmied im Kopfkissen. Er hat ein braunes Schurzfell an, meiner hat aber ein weißes." Die Großmutter fühlte ängstlich nach dem Kopf des Kindes, der war ganz kühl. „Glaubst du nicht?" fragt« die Kleine. „L«g man dein Ohr aufs Kiffen, bann siehst du wie er "klopft mit dem kleinen Häinmer- Hen immerzu." Die Großmutter schob ihren Stuhl an das Bett und legt« den Kops auf das Kissen. Sie war ganz ausgeregt über die Reden des Kindes, so daß ihr Puls laut hämmert«. „Ach ja, Kind, ach ja. er klopft wirklich, das hatte ich noch garnicht gehört. Ruw aber gehen wir zur Mutter und essen unseren Brei und dann gehen die Kinder in ihr Bettchen." Franzel hatte noch einmal Keile gekriegt, weil er Mutters Unterrock und seine Hosentasche zerrissen, den Bleistift verloren und beim Umblätter» im Gesangbuch ein Blatt heraus^eriffcn hatte. Großmutter mußte ihn erst hinter dem Fenstervorhang herausholen, wo er sich versteckt halt«. „Großmutter, sieh mal", er deutete nach der Mondsichel: „WaS ist denn das? „Das ist der Mond mein Kind" „Ne, Großmutter. der ist ja so blaß." „Ja, weil cs noch io hell ist" „So?, Na aber — aber — den Hab ich nicht kaput gemacht." beteuerte er, denn als er ihn zuletzt gesehen, war er rund »nd voll gewesen. Großmutter brachte die Kinder zu Bett und als sic die schlafenden Kötzschen auf dem weißen Kisten liegen sah, da nickte sie vor sich hin und lächelte dem kleinen Schmied mit dem weißen Schurzfell zu, der da im Kissen hämmerte. „Klopft nur zu Meistcrchcn, klopft nur zu, recht laug und gut." Dann ging sie in ihre Stube zurück und entkleidete sich, setzte ihre iveißc Schlafhaubc auf und deckte sich mit der Decke zu, auf der die schönen Roscumustcr waren. Das weiße Porzcllanfigurchcn da drüben würde sie morgen wieder -mit frischen Blumen schmücken, und wenn der Schmied mit dem braunen Schurzfell zu hämmern anshörte, dann würde auch das Figürchcn tot sein, so tot, wie das Hutzelmännchen aus dem Eckbrctt. Aus Welt und Leben. Die Tätigkeit der grauen im sinnischc» Landtag. IMS, mit der Einführung des demokratischen Landtagswahlrechts, wurde auch daS Wahlrecht der Frauen beschlossen. Bei der ersten Wahl, 1007, gingen neben 612 000 Männern 707 000 Frauen zur Wahl, also gut ein Zehntel mehr. Gewählt wurden 19 ivcibliche Abgeordnete unter 200. Ihre Zahl stieg in de» folgenden Wahlen bis aus 25 <1806), sank bis 11 <1911) und ist jetzt wieder 10. Davon sind 12 Sozialdemokratinnen, meist Arbeiterinnen, Dienstboten oder sonst Berufstätige. Am bekanntesten ist Hilja P c r s i n c n , eine frühere Lehrerin, die als sozialistische Kämpserin wie als Dichterin sehr geschätzt wird. Die Betätigung der Fronen ersolgt im Nahmen ihrer Fraktionen. Nur bei spezifisch weiblichen Angelegenheiten, in die kein Klasscniutcreste hincinspielt, wirken alle in gleicher Nichtung. Sonst, wie z. B. bei der Beratung des BcrbotS der Fraueunachtarbeit, sind die Klasteninteresten entscheidend, ohne daß dir bürgerlichen Vertreterinnen ihren „Schwestern" mehr entgcgenkommcu, als ihre männlichen Klasscn- und Parteigenossen. Auch bei der Einbringung der Anträge tritt diese Zweiteilung hervor. Die bürgerlichen Frauen bringen mehr Dinge zur Sprache, die das allgemeine weibliche Jntcrcste oder das besondere der besitzende» Frauen berühren, während die Sozialdemokratinnen vorwiegend den Schutz der Arbeiterinnen betreiben. So legten die bürgerlichen Frauen Anträge vor auf: eheliche Gütertrennung: gleiches Erzichungsrecht von Mann und Frau; Zulastung der Frauen zu allen staatlichen Acmtern; Anerkennung des unehelichen Kindes und seine Zulassung zum vollen Erbrecht am väterliche» Vermögen u. a. Die sozialistischen Frauen beantragten: Mutterschaftsversicherung: Heime für ver- laffenc Kinder und ledige Mütter auf Kosten des Staates: Tchutz- gesctze für Arbeiterinnen und Jugendliche im Gewerbe und Handel; Reform des Prostitutionsgesetzcs: Wöchncriuncnfürforge usw. — Im übrigen arbeiten die weiblichen Abgeordneten ebenso wie die übrigen in ihre» Fraktionen mit. Eine altprcußisch« Sittcnpolizistin. Man denke nicht, daß die Sittenpvlizistin allein eine Einrichtung fortgeschrittener Länder unserer Zeit sei. Sogar vor Traugott von Jagow gab cs schon intelligente Polizeieinrichkungen. In einem Buch gcsamincltcr Berliner geschricbctier Zeitungen aus der Zeit Friedrich Wilhelms I. findet sich folgende Notiz: „Es ist hier ein gewistes Weib, sö die dicke Schneiderin genannt wird, diese ist dazu bestellt, baß sic alles leichtfertige Gesindel aussuchcn und i» gute Gewahrsam muß bringen lassen, wie ihr dann zu ihrer Sceurit« nicht allein eine Wacht zugegeben wird, sondern sie verkleidet sich auch öfters in Manneshabit und hat sie schon innerhalb 8 Tage an die 100 Huren ins hiesige Stziunhaus geliefert. Dieses Weib ist vordem selbste» unter einer Diebesbande gewesen, und hat fit wegen vielsältig verübten Diebstahls justifizicret werden sollen, da sic aber en cas (im Falle) sic Pardon erhalten sollte, versprochen die Stadt von allen: diebischen Volke, weil sic es itu» von andere» genau zu distinguircn wüßte, zu reinigen, weshalb man ihr nicht allein Pardon erteilet, sondern sie hat auch ihr Versprechen bisher wohl gehalten, gestalt man bei iveitem nicht so viel von Diebereyen gehöret, als wohl vor dem, ehe sie dieses Metier getrieben. Sie ist aber in ihren AmtSgeschäften durch bepgebrachteS Gift eines plötzliche» Todes gestorben." Warum Frauen nicht fliegen sollten. . . . Der englische Flieger B. C. Hncks, der durch seine Sturzsliige in England schnell bekannt geworben ist, veröffentlicht in einer Londoner Wochenschrift eine launige Schilderung seiner Ersahrungen mit weiblichen Flugpaffagieren. Diese Ersahrungen sind km allgemeinen nicht sonderlich ermutigend gewesen, denn Hueks gibt allen Frauen de» Rat, sich nie um Fluglorbeeren zu bewerbe». Es gibt gewiß wenige Ausnahmen, Frauen von fast männlichem Temperament, die in Augenblicken der Gefahr eine erstaunliche Geistesgegenwart zeigen; aber das sind Ausnahmen, die die Regel bestätigen. lind die Regel heißt: Das Fliegen ist eine Tätigkeit, die dem weibliche» Naturell widerspricht. Zwar denken die Frauen meist schncllcr als der Manu, aber die schnellere Erkenntnis jetzt sich mir in den wenigsten Fällen in richtiges Handeln um; säst immer folgt ein Augenblick der Faffungölosigkcit, instinktiv regt sich in der Frau der Wunsch, das gütige Schicksal möge nun cinspriugcn, kurz, sie verliert leicht den Kops. „Die Danien, die als Passagiere mit mir slogcn, handeln fast inimer so, wie die unüberlegte Willkür einer Laune es ihnen cin- gibt, lasten sich vom Zufall treiben, sind impulsiv: und ein Flieger darf nie iiupulsiv sein. In den meisten Fällen kannten sie zwar die Gefahr nicht, in der wir einige Male schwebten, als wir in ein Luftloch gerieten, sic lachten und fanden die plötzlichen Schwankungen der Maschine sehr komisch und amüsant; in den zwei oder drei Füllen aber, in denen die Dame die wirkliche Gefahr ahnte, verlor sie sofort den Kops und klau,werte sich an den nächstbesten Gegenstand, der in Reichweite ihrer Hände war, an. Wenn die Frauen eine Maschine allein steuern würden und in ei» Luftloch kämen oder von einer Bö mitgerisscn würden, da»» wäre ganz gewiß ihr erster Juipuls, das Steuerrad fahren zu lasten und sich verzweifelt irgendwo an der Maschine anzuklammern, in der Hoffnung, das Schicksal werde nun cingreifen und das Flugzeug wieder aufrichteu. Wenn heute Unfälle von Fraucuslieger» selten sind, so erklärt sich daraus, daß nur wirklich geistesgegenwärtige und männlich disponierte Frauen das Fliegen erlernen; aber wenn die Zahl der Schülerimien, irgendeiner Modclaune gehorchend, groß wird, dann werden wir viele UnglückSsällc erleben wüsten." Sehr lustig erzählt Hucks die Geschichte einer jungen Dame, die mit ihm fliegen wollte »nd nun mit einer koketten Automobilmiitzc am Flugplatz erschien, sich ihre Locke» sorglich gekräuselt hatte und im Sinnt ihren Schoßhund hielt. Die hübsch« junge Dame war nicht zu bewege», die Mütze abznlcgcn und sich statt besten einen derben Schal tüchtig um den Kops zu wickeln, war beleidigt, als sic die Schutzbrille ansschen sollte, war empört, als sic den Hund zurüchiastcn sollte: „Slllc nieinc Ratschläge wurden abgelchnt. Und so nahm ich sie denn mit; wir blieben 20 Minuten in der Luft. Slls wir landeten, mußte sie aus der Dkaschinc gehoben werden, sie war halb erfroren, ihre Angen waren mit Blut unterlaufen, die so schön gekräuselten Locke» ein wüstes Ehaos, und der Huud zitterte ebenfalls vor Kälte. Sie wird wahrscheinlich nie wieder fliegen." Nein, die Frauen sollen nicht Aviatiker werden wollen; „und darin werden mir alle jene erfahrenen Automobilisten, die, wenn immer sie eine Dame am Steuer eine? Slutos austauchcn sehen, vorsichtig ihren eigenen Wage» zum Halten bringen, ganz gewiß beistimmen." 6,esttndßei1spfl'eqe. Die khokolade bei Entscttungskurcn. Aus eine merkwürdig« Eigenschaft der Ehokolade macht neuerdings Tr. Wilhelm Stcrnbcrg, der bekannte berliner Diätetikcr aufmerksam. Er hat gesunden, daß die Ehokolade imstande ist, den Appetit zu verderben, aus diesem Grunde empfiehlt er die Ehokolade zu Entfettungskuren, er hält sie aber nicht am Platze bei Mastkuren. Wenn ihm seine Mastkuren, zumal bei Frauen, nicht sofort den gewünschten Erfolg bringen, dann schöpft er den Verdacht, daß die Frauen zu viel Ehokolade naschen. Die Beobachtung ist so regelmäßig bei Frauen, wie bei Männern die Erfahrung, daß die Appetitlosigkeit bei ihnen oft lediglich aus ilbcrtricbenem Genuß von tabakhaltigcn Genußmittcln beruht. Eine ll,»frage bei vielen in Ehokoladcfabriken beschäftigten Personen ergab übereinstimmend das Urteil, daß Ehokolade jedenfalls nicht Slppctit macht. Ilebcreinstimmeud lautete das Urteil regelmäßig, das, Ehokolade sättigt, b. h. den Appetit bei der regelmäßigen Mahlzeit verlegt. Es ergiebt sich dararis die Lehre, daß es verkehrt ist, wenn namentlich unsere Frauen und Mädchen zuviel Ehokolade, besonders zur Unzeit naschen. Kür Kaus tutb Kof. Wer einen SluSslua macht, versorge zuvor seine Haustiere, da- niit sic in der Zeit der Abwesenheit »icht Durst und Hunger leiden oder schutzlos den brennende» Sonnenstrahlen, vielleicht atich einem Unwetter auSgcsetzt sind.