DarGlattderifmu CDöcbcsitUcbß ßeilaQe dsr Äberbessiftben Vojkszeitung 8 Nummec 18 Siesten, Freitag den 8. Mai 1914. 6. vastrgang BR Geburtenrückgang und die Arauen. In der Zeitschrift Neue Frauenkleidung und Frauenkultur schreibt Frau Else Wirminghaus (Köln): Die Frage des Geburtenrückganges ist in Deutschland die Tagesfrage geworden. Die Tatsache, daß die Zahl der Geburten fortlaufend abgcnoimnen hat — beispielsweise in Berlin von 240,3 auf 1000 Ehefrauen im Jahre 1876 bis auf 90,5 —, wird in den regierenden Kreisen mit steigender Unruhe betrachtet. Das „Gespenst der Zukunft", der allgemeine Bevölkerungsrückgang Deutschland, ist bereits so drohend emporgestiegen, daß die katholischen Kirchcnfürsten in ihrem letzten Hirtenbriefe ihre Stinimen warnend, drohend erhoben haben; daß sie Tinge gegeißelt haben, die zwar allgemein gekannt sind, die aber an solcher Stelle nur unter dem Ein- druck höchster Gefahr ausgesprochen werden konnten. Und seltsam: während man im Interesse des Staates diese Fragen verhandelt und sich anschickt, mit polizeilichen und gesetzlichen Maßregeln vorzugehcn, werden diejenigen, die es doch wohl am nächsten angeht, die Frauen, nicht ge- fragt. Gewiß, die Frauen werden die Geburtenfrage zunächst nach ihrer persönlichen Erfahrung, nach ihrem eigenen Interesse, nach dem ihrer Kinder und ihrer Familie ins Auge fassen. Das allgemeine Staatsinteresse und zumal das unserer Wehrfähigkeit wird für sie erst in zweiter Linie kom- nien. Tatsächlich haben denn auch die Frauen, wenn sie zur Frage des Geburtenrückganges Stellung genommen, meist einen wesentlich andern Standpunkt vertreten als die unmittelbaren Vertreter des Staatsinteresses. Frauen können nicht mit der Anschauung des bekannten „Vorkämpfers" gegen den Geburtenrückgang, Medizinalrats Bornträger, übereinstinimen, wonach nur schwerste Erkrankung der Mutter als Grund für Einschränkung der Geburten gelten könne. Die Frauen wissen nur zu gut, daß in sehr vielen Fällen die Einschränkung der Kindcrzahl zurückzuführen m aus ein gesteigertes Pslichtbewußtscin gegenüber dem Kinde und der Gcsamtfamilie. Sie wissen, daß kinderreiche Familien oft doppelt und dreifach die Schwere des Daseins fühlen müssen, daß ihnen im Beruf, in bezug auf ihre Wohnung tausend Steine in den Weg gelegt werde». Tie Frauen denken auch daran, daß die kinderreiche Mutter oft durch körperliche Erschöpfung und durch Sorge nicht mehr imstande ist. ihre Aus- gaben zu erfüllen, daß sie dann nicht nur sich, sondern die ganze Familie schädigt. Man muß das Buch von Dr. Mcn- singa, Flensburg, „Hundert Francnleben" gelesen haben, um zu wissen, was Mutterelend ist. Die Frauen empfinden cs, daß man nicht blindlings nach Steigerung der Geburten rufen darf, solange Tausende von Kindern unterernährt di; öffentlichen Schulen besuchen! Freilich: sicht man, wie unsere Lebenshaltung oberfläch- lich geworden ist, wie Sensations- und Modesucht alle Kreise durchseucht und dem Familienleben entfremdet, wie zahlreiche Ehepaare aus Bequemlichkeit den Kindersegen verleugnen — dann denkt man nicht an die zahlreichen Tragödien der Mütter, der Kinder und ganzer Familien, die sich im Vcr- borgenen abspiclen. Man übersieht dann zu leicht, daß der Geburtenrückgang zwei ganz verschiedenen Ursachen entspringt: einer augenscheinlichen Entartung einerseits und der schwierigen wirtschaftlich-sozialen Lage anderseits. Man vergißt, daß Polizeimaßregeln und Gesetze gegen den Geburtenrückgang dasselbe bedeuten, wie wenn der Arzt ein Symptom einer Krankheit behandeln würde, ohne den Zustand des ganzen Körpers zu berücksichtigen. Mit einer rein nationalistischen Behandlung der Frage des Geburtenrückganges können wir nie und nimmer vorwärts kommen, sondern nur dadurch, daß wir zu heilen suchen, indem wir in die Tiefe gehen. Denn der Staat möge doch seine Macht nicht verkennen: Niemand wird aus Staatsinteresse mehr Kinder in die Welt setzen, als er mit seinen eigenen Beweggründen — seien sie nun rein egoistischer oder praktischer oder auch ideeller Natur — glaubt vereinigen zu können. So möge nun der Staat Wege bcschrciten, die er beschreiten kann, und hier möge er die Frauen befragen, die Mütter, die den Fortschritt unseres Volkes wollen; die zwar nicht das Ideal des Staatsinteresses in der Höchstzahl der Geburten verwirklicht sehen können, die aber dem Uebel des Geburtenrückganges begegnen wollen durch Zurllcksühren unseres Volkes zur inner» Gesundheit in wirtschaftlicher, generativer und sittlicher Beziehung. Ter Staat möge sorgen, daß das Menschcnmaterial, das heranwächst, gesünder werde, also nicht nur Säuglingsfürsorge, sondern mehr noch ausgedehnte Pflege der Schuljugend niuß er betreiben. Hier wäre sicherlich der Punkt, der die Sterblichkeitsgrenze noch um ein Beträchtliches nach unten verschieben müßte. Es ist durchaus nicht anzunehmcn, daß diese untere Grenze schon bald erreicht werden sollte, wie in vielen statistischen Angaben bemerkt wird. Stehen wir doch erst am Anfang einer eigentlichen Wohnungsfürsorgc! Ferner wird der Staat mit äußerster Energie den Kampf gegen den Alkoholismus und gegen die Geschlechtskrankheiten führen müssen, der in gleicher Weise dem Schutze der Mutter wie des Kindes dient. Er wird besonders auch hinzuwirken haben auf eine durchgreifende Kräftigung des Fraucnge- schlechts, die vielleicht i!n spätern Jahren noch einmal ihre Erfüllung in einem weiblichen Dienstjahr finden wird. Sollen doch nach neuen Erhebungen in Deutschland 14 bis 20 Prozent der Frauen überhaupt nicht mehr normal, d. h. ohne künstliche Eingriffe gebären können! Ter Staat möge die Leistung der Frau in der Mutterschaft als eine Leistung für den Staat anerkennen durch Ausdehnung der Mutterschaftsversicherungen, durch eine gesetzlich festgesetzte Schonzeit der im Erwerb stehenden Mütter vor und nach der Entbindung, und er unterstütze die Tätigkeit der „Hauspflcge", die den Wöchnerinnen in so hohem Maße zugute kommt. Vor allem muß der Staat jedoch nach Verbilligung der Lebensbedingungen streben und nach einer Aenderung seiner sozialen Organisation, soweit sie eine bedeutende Herabsetzung des Heiratsalters für den Mann herbeifllhrcn kann. Nicht widerstreben sollte er der Heirat der Berufsfrau. Die Entscheidung darüber, was die neue Mutter leisten kann und wird, darf er nicht selbstbestimmend regeln wollen, sondern muß ihrer eigenen Erfahrung überlassen bleiben. Es muß eine höhere Bewertung der Mutterschaft eintrcten, eine moralische Kräftigung der Frauen durch erhöhtes Verantwortlichkeitsgefühl, damit der Staat auf ihre Hilfe rechnen kann in dem Kampf gegen den Geburtenrückgang. In dem Kampf aber gegen alle die Erscheinungen, welche das Geschlechtsleben vergiftet haben — gegen die Schund- literatür, gegen dekadente Auswüchse der heutigen Frauenmode, gegen die Macht sensationeller Ueberreizung auf vielen Gebieten — ist erst recht die Hilfe der Frauen unentbehrlich. Und so wird es Aufgabe der Frauenbewegung sein, Lurch eine Versittlichung unserer Lebensbedingungen, durch Rückkehr zur Klarheit und Einfachheit die Freude am Kinde, an einem reinen und gesunden Familienleben von neuem zu erwecken. Zur Krisis in der deutschen Arauenstimmrechts-Bewegung. Die Vorbereitungen für den internationalen Frauenftimm- rcchtskongrcß, der im Jahre 1915 in Berlin stattfinden wird, sollten, so hofften die „leitenden" Persönlichkeiten im Deutschen Verband stir Frauenstimmrecht, dazu beitragen, baß die Kämpfe um die Stellung der Frauen zum gleichen Wahlrecht etwas in Vergessenheit gerieten. Ueber dies Thema durfte nicht mehr gesprochen werben; die glanzvolle Inszenierung des Kongresses wurde als erste und höchste Pflicht der Organisation proklamiert. Die künstlich erzeugt« Ruh« scheint aber einem Teil der Mitglieder nicht zu gefallen. Während die Anhängerinnen des gleichen Wahlrechts im Deutschen Verband für Frauenstimmrecht — es sind nämlich immer noch einige unter seinen Mitgliedern — sich dem Ruhebedllrfnis der Fllhrerinnen unterordncten, arbeitete die „Rcformpartei", das sind die Urheber der ganzen Agitation gegen bas gleiche Wahlrecht, im Stillen weiter und erläßt jetzt in der Presse eine Aufforderung zur Beteiligung an einer Konferenz zur Gründung eines „Bundes Deutscher Stimmrcchtsvereine". Sic lautet: Die Kämpfe, die seit Jahren die deutsche Stimmrechtsbewc- gung durchziehen und zur Gründung immer neuer Organisationen geführt haben, haben zugleich den Wunsch nach nationaler Geschlossenheit rege gemacht. Am 4. Oktober werden daher Vertreterinnen aller Organisationen in Düsseldorf zu einer Konferenz zusammenkommcn, um über die Gründung eines Bundes deutscher Stimmrechtsvcreine zu beraten. Die Konferenz wird von der „Rcformpartei" vorbereitet und berufen. Sie wird von etwa 46 Stimmrechtlerinnen besucht sein. Etwaige Anfragen: Bureau Kalischer, Berlin-Wilmersdorf, Duisburgerstrabe 9. Zweck der ganzen Aktion ist, einen zunächst losen Zusammenschluß der bestehenden Frauenstimmrechtsorganisationcn herbeizu- fiihren. Der Hauptwert wird dabei selbswcrständlich auf die Mitwirkung der Deutschen Vereinigung für Frauenstimmrecht, der gemäßigten Organisation, gelegt, und man wird ihren Wünschen sicher weit entgegenkommen. Zeitpunkt und Tagungsort der Konferenz sind günstig gewählt. Einmal ist die gemäßigte Stimmrechtsbewegung im Westen überhaupt am stärksten und dann findet in derselben Zeit in Düsseldorf die Generalversammlung des Bundes Deuischer Frauenverein« statt. Lessen Wesen so sehr auf Ausgleichung der Gegensätze innerhalb der Frauenbewegung gestellt ist, daß seine gleichzeitige Tagung sicher auf den Verlauf der Konferenz einen im Sinne der Einbernser günstigen Einfluß ausüben wirb. Vielleicht wird sogar mehr erreicht als Maria Lifchnewska und ihre Anhängerinnen jetzt annchmen. Besonders wenn der Spal- lungsprozcß im Deutschen Verband für Frauenstimmrecht weiter« Fortschritt« macht, ist es nicht ausgeschlossen, daß au? dem losen Zusanimenschluß einiger Stimmrechtsvcrbänd« eine tatsächlich« Verschmelzung der Deutschen Vereinigung und des Deutschen Verbandes für Frauenstimmrecht wird. Im Interesse der klaren Scheidung von rechts und links wäre diese Entwicklung sehr zu begrüßen, während ein „Bund deutscher Stimmrechtsvcreine" heute nur den Zweck hätte, die bestehenden Gegensätze noch mehr zu verwischen und dadurch für die demokratisch gerichteten Vereine zu einer gewissen Gefahr werben könnte. Aie Hrngödie eines Ziensimädchens. Am Nürnberger Schwurgericht sollte der Staatsanwalt über ein 22jähriges Dienstmädchen den Stab brechen. DaS junge Mädchen war wegen Kindestötung und wegen Kindesraub, den es in Stuttgart begangen, angeklagt. Nachdem die Verhandlung anderthalb Tage gedauert hatte, begann der Staatsanwalt seine Anklagerede mit folgenden Worten: „Vom menschlichen wie psychologischen Standpunkt aus hatte ich in meiner langjährigen Praxis noch nie solch einen tragischen Fall wie diesen. Schon viele Hunderte der schwersten Fälle hatte ich von dieser Stelle aus zu vertreten, aber noch nie hat mich ein Fall innerlich so ergriffen, wie dieser." Es war wiederum nicht ohne ergreifende Tragik, daß der Staats- anwalt trotz dieser einleitenden Worte in den beiden Punkten der Anklage ein Schuldig beantragen muhte. Die Auge- klagte wurde im Jahre 1908 in ihrem Geburtsorte Helmbrechts in Obcrfranken von dem damals 33jährigen ledigen Likörfabrikanten und Kaufmann Findeis veranlaßt, auf einen Schützcnball zu gehen. Vorher hatte sich der Likörfabrikant vergeblich bemüht, das Mädchen zu verführen. Auf dem Ball machte der Fabrikant das Mädchen mit Champagner betrunken und erreichte auf diese Weise, was er von dem Mädchen wollte. Das Mädchen wurde Mutter. Findeis war so schofel, die Vaterschaft zu bestreiten, er wurde jedoch vom Amtsgericht zur Zahlung der Alimente verurteilt und erkannte später die Vaterschaft an. Findeis zahlte auch die Alimente, ging aber nach Nordamerika, kehrte später wieder zurück, brachte eine Braut mit und heiratete diese. Im Jahre 1912 kehrte der Fabrikant wieder nach Nordamerika zurück, ließ sich dort von seiner Frau scheiden, und tauchte eines Tages znr Ueberraschung des Dienstmädchens im Hause, in dem es in Fürth in Stellung war, auf. Das Mädchen wies Findcis zurück. Dieser lieh jedoch alle Minen springen, um das junge Mädchen wieder in seine Gewalt zu bringen. Er versprach ihm das Heiraten. Als das Mädchen zum zweiten Male Mutter wurde, zog sich Findeis in gewissenloser Weise zurück. Im Juni 1913 wurde das Mädchen in Fürth von einem Knaben entbunden. Einige Tage nach der Geburt des Kindes wurde dem Mädchen von der Hebamme angcdeutct, daß es mit ihrem Kinde im Hause lästig falle. Hierauf nahm die junge Mutter ihr Kind, wollte auf den Bahnhof, um zu den Eltern zu fahren. Beim Verlassen des Hauses überreichte der Briefträger dem Mädchen einen Brief des Bruders, in dem stand, daß die Mutter ins Wasser gehe, wenn sie mit dem Kinde nach Hause käme, außerdem gäbe cs Prügel, wenn sich das Mädchen zu Hause einfinde. Nun irrte das Mädchen mit ihrem Kinde planlos in Fürth herum, nachmittags gegen 4 Uhr ließ sich die verzweifelte Mutter draußen vor der Stadt an einem Rain nieder. Mutter und Kind hatten an diesem Tage noch nichts genossen. Das Kind war vor Müdigkeit und Hunger eingeschlummert. Plötzlich kam der jungen Mutter der verzweifelte Gedanke, das Kind zu töten. Sie drückte das schlafende Kleine solange an ihre Brust, bis es tot war. Mit dem toten Kinde im Arm irrte das Mädchen noch stundenlang herum. Schließlich warf es die kleine Leiche in den Frauenabort des Fürther Bahnhofes. Als daS Mädchen später eine Vorladung vor das Vormundschaftsgericht bekam, wurde es von Findeis auf den Fürther Bahnhof bestellt. Der Fabrikant ließ das Mädchen einen Revers unterschreiben, in dem es sich verpflichtete, daß es vor Gericht eine fingierte Person als Vater angebe, damit der Name des Findeis nicht in die Öffentlichkeit komme. Findcis verpflichtete sich, daß er Alimente in bescheidener Höhe zahle. Das eingcschllchterte Mädchen, das vom Tode des Kindes nichts sagte, ging auf diese Forderung ein und machte vor Gericht die verlangten Angaben. Danach trat es in Stuttgart in Dienst. Als das Vormundschaftsgericht Zweifel in die Angaben des Mädchens setzte und nachforschte, nahm das Dienstmädchen auf dem BiSmarckplatz in Stuttgart aus einem Sportwägelchcn einen fünf Monate alten kleinen Buben weg, fuhr damit nach Fürth und brachte ihn dort als ihr eigenes Kind unter. Durch eine Anstaltsschwester kam die Unterschiebung des Kindes auf. Nach mehreren Wochen bekamen die geängstigten Eltern in Stuttgart ihren Buben wieder zurück. Der Vater des geraubt gewesenen Kindes, Feinmechaniker Meier aus Stuttgart, erklärte, daß seinetwegen das Mädchen nicht bestraft werden sollte. Die Nürnberger Geschworenen nahmen an, daß die junge Mutter, als sie ihr Kind tötete, ihrer Sinne nicht mächtig war und verneinten die Schuldfrage auf Kindcsmord. Wegen Kindesraubes wurde das Mädchen alsdann zu der schweren Strafe von einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis verurteilt, wovon vier Monate Untersuchungshaft abgerechnet wurden. Fabrikant Findeis, der die Hauptschuld an dem Unglück des Mädchens trägt, war nicht angeklagt; er war als Zeuge geladen und hätte noch den traurigen Mut, sein Opfer zu belasten. Sind Kahentjaare giftig? Von Tr. Th. Z e ll. In manchen Gegenden herrscht der Glaube, daß die Haare der Katzen giftig seien. Der vortreffliche Naturforscher Lenz, der selbst viele Katzen hielt, ist der Sache nach Möglichkeit auf den Grund gegangen. Er gelangt zu dem Ergebnis, daß der Glaube durchaus unbegründet sei. Ec habe beispielsweise viele Jahre hindurch Familien beobachtet, bei denen fortwährend in den Stuben Katzen waren, namentlich in den Händen der Kinder. Niemals habe er den geringsten Nachteil feststellen können, ebensowenig bei Leuten, die im Winter Katzenpelze trugen. Auch Hunde, die sich mit Katzen rauften und das ganze Maul voll Katzenhaare bekamen, hätten darunter in keiner Weise gelitten. Bestätigt wird diese Ansicht von Lenz dadurch, daß viele Menschen wegen Rheumatismus Katzenfelle tragen. Wäre an dem Glauben etwas wahres, so hätte sich doch längst irgendein Nachteil Herausstellen müssen. Wie konnte überhaupt der Glaube entstehen, daß Katzen giftig sind, wenn man gerade Katzenfelle als Heilmittel be- nutzt? Lenz geht auf diese Frage nicht ein. Auch sonst ist mir nicht bekannt, daß sich irgendein Naturforscher hiermit beschäftigt hat. Sehr naheliegend ist der Gedanke, daß die Eigentümlich, fett des Katzenpelzes, elektrisch zu sein, zu diesem Glauben Anlaß gegeben hat. Bei manchen Katzen knistert das Fell zuweilen stark, wenn es mit der Hand rückwärts gestrichen wird, wobei sich im Dunkeln Fünkchen zeigen. Dagegen spricht jedoch die Tatsache, daß man d.ie Eigenschaft, elektrische Kräfte zu offenbaren, zuerst am Bernstein (elektron) beobachtet hat. Kein Mensch ist aber je auf den Gedanken gekommen, den Bernstein deswegen für giftig zu halten. Man benutzt ihn bekanntlich mit Vorliebe zu Mundstücken. Der Grund muß also anderswo gesucht werden. Landbewohner pflegen gute Tierbeobachter zu sein, zumal sie zum Betrachten der Tierwelt die vortrefflichste Gelegenheit haben. Da ist cs ihnen sicherlich ausgefallen, daß Fliegen, die sich aus jeden Gegenstand sehen, sich niemals auf eine Katze setzen. Der Wissenschaft halber habe ich viele Jahre Katzen gehalten und mir diese Erscheinung für Zufall erklärt. Sonnte sich nämlich eine Katze, so waren auch Fliegen in der Nähe und umkreisten sie. Manche machten auch den Versuch, sich auf die Katze zu setzen, aber niemals führten sie den Plan aus. Da es sich bei meinen Katzen um Ausnahmeerscheinungcn handeln konnte, so habe ich überall, wo Katzen gehalten wur- den, gebeten, auf diese Merkwürdigkeit Obacht zu geben. Es war bisher niemandem ausgefallen, aber von allen Seiten wurde mir bestätigt, daß man niemals eine Fliege auf einer Katze habe sitzen sehen. Drei Gründe könnte man für dieses Meiden geltend machen, nämlich folgende: Tie Fliege kann den Katzengeruch nicht vertragen. Damit steht in Widerspruch, daß Fliegen auf großen Katzen, z. B. Löwen usw., wovon ich mich wieder- holt überzeugt habe, in großer Anzahl sitzen. Oder die Fliege meidet die Katze, weil sie vortrefflich Fliegen fangen kann. Daß die Katze eine Fliege häufig fängt, ist bekannt, aber ein geschickter Junge macht es mindestens ebenso gut. Auch Affen fangen, wie ich oft gesehen habe. Fliegen sehr gewandt. Trotzdem setzen sich Fliegen äußerst dreist auf Knaben und Aften. Der wahre Grund ist, wie ich annchme, der Bau des Katzenhaares. Dieses ist sehr fein und so schwach, daß es nicht einmal eine Fliege trägt. Deshalb seht sich diese nicht darauf. Diese Erscheinung ist Wohl vielen Landbewohnern auf- gefallen, und sie schlossen daraus, daß die Haare giftig seien. Daraus fabelte man, daß, wer ein Katzenhaar verschluckt, die Schwindsucht bekommt, und was dergleichen Aberglaube mehr ist. Patientin Ar. 47. Heilstätten.Erinnerungen. Mitten im Winter erhielt ich bie Aufforderung, mich in der Heilanstalt des kleinen GebirgSdorfes Sch. einzufinben. „Für den tigenen Bedarf sind nur die notwendigsten Gcbrauchsgegcnsiändc mitzubringen." So oder ähnlich lautete das Schriftstück. Also packte ich Kamm, Bürste. Seife und einige Bücher in die Handtasche und überließ mich der Klingelbahn, die mich an mein Ziel brachte. Recht freundlich wurde ich in der Heilanstalt, einem früheren, alten Schlöffe, ausgenommen. Mein Zimmer mußte ich mit noch zwei Patientinnen teilen. Ti« Wäsche, die eine Schwester mir übergab und die ein Gewicht von mindestens 5 Kilo repräsentierte, sollte ich am nächsten Tage anzichcn. Zur Vervollständigung meiner Toilette brauchte ich natürlich auch «in Kleid, — also hinunter in die Flickstube. Tort wurde ein recht ausgewaschenes, aus blaubedrucktem Kattun hcrgcstclltes Kleid für mich herausgefucht. TaS sogenannte Sonntagskleid — ebenfalls ans demselben Stoff, in ctivas dunklerer Tonung — wurde mir gleich initg«geben. 1. und 2. Garnitur! Ra so ähnlich mag's wohl bei den Soldaten zugehen, so dachte ich mir, packte gleichmütig die Kleider und legte sie zu dem übrigen Ballast. Fch besand mich unter den Patientinnen der dritten Station, die von einer noch jungen und kränklich ausfchendcn Schwester geleitet wurde. Vor jeder Mahlzeit sprach sic automatisch ein kurzes Gebet, langte ebenso automatisch nach der Pillenschachtel und teilte an die Blutarmen zwei Pillen aus. Sic war es auch, die di« „Ehrenämter" iibcrtrug, die den Streit unter den Kranken schlichten und bei Entwendungen sich als Sherlok Holmes betätigen mußt«. An dem unterwürfigen To», den die Patientinnen im Verkehr mit den Schwestern vielfach gebrauchten, konnte man merken, daß die Kranken sich zum größten Teil aus der unaufgeklärtesten Bcrufsschicht — den Dienstmädchen und Hausangestellten — rekrutierten. Wenn man gewohnt ist, als aufrechter Mensch durch baS Leben zu gehen, dann berührt einem die kriecherische Manier unan° genchni. Früh um 6 Uhr wurden wir geweckt. Ein Dienstmädchen brachte ein Talgstümpflein, seht« es auf den Ofen und verschwand wieder. Und nun begann bei mir die „große Kunst" des Anziehens. Tic vielen Unterkleider brachten mich fast in Verzweiflung. Auch der Nock wollt« nicht so recht paffen. Aber um 7 Uhr zum ersten Frühstück konnte ich mich zu den anderen Blauen gesellen. Damit war ich «ingcreiht in die Schar der Heilnngsnchendcn und zwar als Nr. 47. Nach dem Kaffee brachten meine Stubengcnoffinncn bas Zimmer schnell in Ordnung, nahmen eine Handarbeit vor und vertieften sich darin. Ich schaute ihnen eine Weile z». Tie Cache wurde mir aber bald zu langweilig, und ich holte mir kurz ent- schloffen aus meiner Reisetasche etivas zu lesen. Es ivar Dostojewskis Raskolnikow, dieses in psychologischer Hinsicht außerordentlich intcreffant und packend geschriebene Meisterwerk. Allerdings kaum die geeignet« Krankcnlektllrc. Nach dem zweite» Frühstück würbe ich „zur Aufnahme" zu der Oberin gerufen. Meine Personalien wurden festgestellt. Religion: Tiffibent. „Was ist das", fragte die Oberin. Ich gab ihr eine Erklärung. „Dann sind Sie also eine Heidin. Wie vermag man s o zu leben!" Tie nun folgende IV- Stunden bauernde Unterhaltung brachte selbstredend keine Verständigung. Fch habe während meines Aufenthalts noch oft gcnua bas Wort „diff", das aus meiner am Bett angebrachten Tafel stand, erklären müssen. Um 12 Uhr versammelten sich die 84 Patientinnen in drei Tpcisesälcn. Tie Kost war gut und ausreichend. Was mich allerdings befremdete, ivar das Ausschänken von Bier, deshalb, weil eine Anzahl Plakate auf den fragwürdigen Nährwert und auf die Gefahren alkoholischer Getränke hindcutctcn. Tic Tageseinteilung in der Heilstätte wurde mit großer Pünktlichkeit innegehaltcn. Gleich itach dem Kaffee bemächtigte sich der Krausen eine llnruhe. Alles lief in die Schlasräume und entwickelte eine fieberhafte Tätigkeit. Tort lief eine Kranke mit Eimer und Scheuerlappen, eine andere mit Besen und Schaufel und Wischtuch, hier wurden die Bette» neu oufgeschüttclt, die diversen Strickstriimpfe versteckt. Bücher unter die Bettdecke geschoben. Eine sehr Neugierige stellte sich an die Treppe und lauschte nach den Geräuschen im unteren Stockwerk. Ter Ruf ertönte: Er kommt! Fed« Kranke stellte sich an ihr Bett, kerzen- grabe, mit geängstigtem Ausdruck. Und dann kam der Gefürchtete, der Arzt, der die Kranke» durch seine Brillengläser anfunkcltc und an jede die gleichmäßig stereotype Frage richtete: Wie geht's? Die Antwort lautete, wie ia auch kaum anders zu erwarten war: Gut. Hatte aber doch eine oder die andere Beschwerden und äußerte-biese, so schüttelte der Gestrenge ungläubig sein Haupt und verordncte irgend etivas. Tiefe hastenden Vorbereitungen für die Arzt-Visite, dieser lächerliche Aufwand und dieser fast preußische Drill hatten denn auch auf mich ihre Wirkung nicht verfehlt, und ich lachte aus Leibeskräften, was denn auf meine Stubengenoffinnen ansteckend wirkte. Ich, die Neue, mußte jetzt hinunter in die „Toktorstube". Nun war mir auch das scheue Benehmen der Kranken verständlich. Ter Herr Doktor beliebten recht kurz angebunden zu sein. Kurz — und grob. Nach einer oberflächlichen Untersuchung konnte ich auf der mir überreichten Fiebertabelle die Verordnung des Arztes lesen: Kreuzbinden. Tauchen, Pillen — eine Verordnung, bie fast ausnahmslos allen Patientinnen gegeben wurde. Drei Wochen später erhielt ich eine dreimalige Tuberkulin-Einspritzung, bi« Fieber hervorrief und mich bettlägerig machte. Ich wollte mich dieser diagnostischen Tuberkulinprobe widersetzen, doch half mir alles nichts, ich hätte sonst die Anstalt verlaffcn müssen. Was mir den Aufenthalt behaglicher machte, war das Ueber- sicdeln in ein kleines Stübchen, das ich allein bewohnen durfte. Ta konnte ich nach Herzenslust lesen und schreiben, ich konnte auf den dick verschneiten Park hinunterschaucn und aufblicken zu den weißen Bergen. In meinem Stübchen las ich in Ruhe bie Parteizeitunge», die ich mir allwöchentlich vom Kolporteur holte. Aber auch manch Stündchen wurde mit einigen Schwestern verplaudert, die mich recht verwöhnten und mir oft Leckerbissen heimlich zustccktem Die Zeit verstrich. Von dem kleine» Gcbirgsdorf sah man nur noch einige Schornsteine; der Winter hatte die Häuser mit einer ivcisie» Decke vollkommen cingchlillt. Ich lernte das Rodeln und fand Gefallen an den wöchentlichen Ausflügen in die tief verschneiten Berge hinein. Stundenlang konnte ich, cingcwickclt in Pelze, auf dem Liege- stuhl zubringen, und wenn die Schneeflocken neckisch in Nase und Ohr hineinkrochen, da kannte ich kein Verlangen nach großstädtischen Genüssen. Der schnelle Tod einer Kranken brachte große Unruhe und Aufregung unter die Patientinnen. Jede glaubte, ihr letztes Stiindlcin habe nun geschlagen. Choralgesänge und traurige Volksweisen schallten kurze Zeit durch das Haus. Als aber eines Tages die Oberin nach dem Mittagessen verschiedene Stellenangebote bckannt- gab, da war die Tote, die man kaum gekannt und der man so viele Tränen nachgcwcint hatte, schon vergessen. Tie Frau Apotheker B. im Ort und die Frau Gutsbesitzer <5. im Nachbardorf und noch einige andere Frauen suchten tüchtige, fleißige Dienstmädchen, denen sie bei mäßigem Lohn ante Behandlung zusichertcn. Und wenn auch die Oberin noch so viel Rühmliches von den Frauen zu erzählen wußte, die Mädchen waren mißtrauisch, es ließ sich keine ködern. Zwei Monate war ich bereits in der Heilanstalt, als die Schwester von der dritten Station, völlig erschöpft von der übergroßen Arbeitslast, zusammcnbrach. Tie Kranke wurde in bas Mutterhaus gebracht und eine andere junge, kräftige Schwester übernahm die Vertretung. Aber nun war guter Rat teuer. Tie Abendandachten mußten ohne begleitendes Harmoniumspiel abgc- haltcn werden, denn nur die Kranke ivar im Spiele geübt. Tie Oberin intonierte, doch ihre eigene Unsicherheit im Gesang übertrug sich auf die kleine Gemeinde. So entstand ein Chaos von Tönen, das nicht gerade lieblich klang. Ta trat man an mich mit der Bitte heran, das Harmoniumspiel bei den Andachten zu übernehmen. Ich ivar's zufrieden. Ta habe ich, — d i c „H c i d i n", 4 Wochen noch allabendlich die Pedale getreten. Tann kam auch für mich der Tag des Abschiednchmcns. Ter Klcidersack Nr. 47 lag aus meinem Bett, und ich war froh, wieder meine eigenen Kleider anziehcn zu können. Einige Schwestern brachten kleine Blumensträuße mit an die Bahn und recht vergnügt fuhr ich dem Frühling entgegen, der Großstadt zu. Tie Landesvcrsschcrungsanstalten vergessen ihre Pfleglinge Nicht. Und wenn mich auch mein Weg viele hundert Kilometer weiter führte, suchte und sand mich die Versicherungsbchördc. Tie wohl zu statistischen Zwecken gestellten Fragen, ob ich noch a m Leben sei und ob die Kur den gewünschten Erfolg gebracht habe, konnte ich glücklicherweise mit einem „Ja" beantworten. Meta F i l i p. Aus Welt und Leöen. Die sozialdemokratische» Frauen der Schweiz sammeln für eine Masscnpetition an die Strafrechtskommijflon Unterschriften und verlangen Aufhebung des Verbots der freiwilligen Abtreibung. Bereits hat sich der Widersinn der Strafbarkeit von Manipulationen der Frauen am eigenen Körper bei völliger Straflosigkeit der Verführer auch im Volksbewußtsein geltend gemacht. So haben die Geschworenen im Kanton Zürich i» vielen Fällen von Abtreibung frcigesprochen, obwohl das Gesetz Gefängnis, ja sogar Zuchthaus vorsieht. Selbstverständlich verlangt die Petition der sozialdemokratischen Frauen nur die Straffreiheit der Frauen, die au sich die Abtreibung vornehmen lassen, nicht aber die Straslosigkcit der Kurpfuscher, die die Acngslc und Unwissenheit der Frauen ausbeutcn. — Trotzdem dieses Begehre» allseitig als gerecht anerkannt wird und ie Unterschriftenbogen sich füllen, haben es die katholischen Arbeitervereine für notwendig gesunden, gegen diese „unsittliche" Petition zu protestieren. Tie geistlichen Führer dieser Frauen wollen also, daß an Stelle offener ärztlicher Behandlung der Kurpfuscherschwindel weiter blüht — denn die Abtreibung selbst können die Gesetze doch Nicht verhüten. Mutterschastssiirsorge in der Kleinstadt. Tie Sorge sür die Mütter: die werbenden und die nährenden, die in Paris und einigen anderen großen Städten beachtenswerte Einrichtungen geschasfc» hat, ist nicht an die Großstadt gebunden. Das ostsranzösische Städtchen Remire- mont (Tep. Vogesen), das n»r einige 10 000 Einwohner zählt, zeigt, wieviel mit Eifer und Verständnis auch in kleinen Verhältnissen geleistet werden kan». Tort entschloß man sich zur Nachahmung des Pariser Vorbildes, um die ungeheuerliche Kindersterblichkeit (1903/04 38 Prozent!) cinzudämmen. 1000 begann man; im August erhielten etwa 15 stillende Mütter freies Mittagessen in einem besonderen Raume des alkoholfreien Restaurants. 1012/13 nahmen 52 Mütter die Speisung in Anspruch. Vom 1. September 1012/13 wurden 10 020 (auf den Tag 30) Mahlzeiten verabfolgt. Die Kosten stellen sich für die Mahlzeit aus 34 Pfennige. Tic Mütter erhalten sie gewöhnlich sür 12 bis 15 Monate, bis zur Entwöhnung des Kindes. Gestorben ist nur ein Kind: eine Stcrbcrate von 2 Prozent, während der allgemeine Satz in der Stabt f. I. 1912 — 15 Prozent war. Kinderwäsche wurde an 31 Mütter verabfolgt. Ein Wettbewerb wurde veranstaltet, bei dem 6 Preise und 80 Franks bar sür gut- gehaltene Kinder verteilt wurden. Achtmal wurde ärztliche Beratung in allgemeinen Zusammenkünften erteilt. Doch besucht der Arzt auch die Spcisehalle und nötigenfalls die Familien. Dank dem verständnisvollen und hingebcndcn Zusammenwirken aller Beteiligten und der Beihülfe der Gemeinde ist der Beweis erbracht worden, daß es schon heute selbst in kleinen Verhällnisscu möglich ist, die Masscnsterblichkcit der Säuglinge zu banne» und die Grund- läge.sür das Heranwachsen eines kräftigen lind leistungsfähigen Geschlechts zu legen. Ter Ttrcikcngkl von Calumet. Unter diesem Namen kennt man ini Gebiete der streikenden Kupserbcrgleute Michigans ein reiches junges Mädchen aus Ncwyork, Marie Braca, die ihr luxuriöses Heim verlassen hat, um den Streikenden zu Helsen und der Härte des strengen nordwestlichen Winters mit ihnen zu trotzen. An der Newyorker Universität studierte sie Nationalökonomie und bestand alle Examina, worauf sie sich dem rauhen Leben der Vieh- hirtcn des fernen Südwcstens zuwandtc und den ganzen Tag im Sattel zubrachte. In Los Angclos wurde sie durch die Reden Job Harrtmans und die Romane Jack Londons und Upton Sinclairs zum Sozialismus bekehrt, dem sie jetzt dient. Mit Empschluugs- bricfen versehen, reiste sie in bas Streikgebiet, wo sie seit zwei Monaten alle Strapazen der Agitation erträgt, bei bitterer Kälte Schlittensahrte» von 30 Kilometern mache usw. Aus eigene» Mitteln schasste sie Kleidung und Schnhwcrk in großen Mengen für die Frauen und Kinder der Streikenden an — „die wackersten Frauen und Kinder, die ich je kennen gelernt habe," erklärte sie. Man weiß, daß unter den amerikanischen Neichen und Gebildeten Erscheinungen wie Marie Braca nicht mehr ganz vereinzelt sind. Zählt doch der Sozialismus tausende Anhänger unter Studenten, Professoren und akademischen Berussangehörigen. Sie trennen sich von der Kapitalistenklassc, um ein Teilchen des von ihr verübten Unrechts gutzumachen und die Herbeiführung einer höheren Ordnung vorznbcrcitcn. Zum Ausgleich stehen dem Unternehmertum aus der Arbeiterklasse die Pinkertons, Kciling und Konsorten zur Verfügung. Welche Auslese nach oben und unten doch der Klassenkampf vollbringt! Hesuttdkeitspssege. Heilung des Keuchhustens durch Tuggession. Prof. Hamburger in Wien stellte in der Gesellschaft der Aerzte in Wien «in 3 Jahre altes Mädchen vor, bas von einem seit 5 Woche» bestehenden Keuchhusten durch Elektrizität in zwei Tagen geheilt wurde. Ter Fall soll ein typisches Beispiel dasllr sein, daß der Keuchhusten, wenn er einmal 5 bis 6 Wochen gedauert hat, sehr häusig nunmehr als eine Nervenkrankheit aufzusassen ist, in der Art, daß die Kinder die Hustenansällc mit allen charakteristischen Eigentümlichkeiten ans reiner Gewohnheit bcibehaltcn, obwohl die eigentliche Krankheit schon geschwunden ist. Man kann daher den Keuchhusten eintcilen in ein Stadium, in dem die Anjällc infolge der Gcivcbsvcrändcrun- gen austreten müssen und in ein Stadium, in welchem sie trotz Ab- hcilnug der organischen Veränderungen aus dem Wege des Reflexes erhalten hleibcn. Das organische Stadium dauert in den »leisten Fällen nicht länger wie 5 oder 0 Wochen, und Prof. Hamburger empfiehlt daher, um diese Zeit eine energische SnggessionSbchand- lnng zu beginnen und dazu eignet sich in ausgezeichneter Weise der farabische Strom. Man kan» dann oft in sehr kurzer Zeit die Häusigkcit der Anfälle wesentlich vermindern und die eigentlichen Kcuchhustc.iansällc ganz zum Schwinden bringe». Kür Kans und Kof. I» der Brutzeit der Vogel halte man nicht nur die Katzen, sondern auch die Kinder von den Nestern sein. Die Vögel dürfen im Brüte» nicht gestört werde», und die Nester müssen »»berührt bleiben. Von den Katze» ist zu sagen, daß diese zwar die natürlichen Feinde der Vögel sind; aber das gibt dem Menschen noch kein Recht, gegen sie uiiincnschlich vorzugchcn, z. B. in Schnappfalle» ihnen die Bcinknochcn zu zerbrechen, und die Tiere stundenlang eingeklemmt liegen zu lassen. Eine ordentliche Peitsche und tüchtige Wasscr- spritzer Helsen schon viel, wenigstens bei Tage. Allerdings bei Nacht sind die Vogelnester gegen die umhcrftreifcnden Katzcii schutzlos, ivcnn man nicht Tornhccken oder Blechslachclkränzc um die Baumstämme hcruinlcgc» kann, was freilich nur die Hochbrütcr zu sichern vermag. Hier muß noch die Gesetzgebung eingrcifcn und das Zuviel an Katzen einschränke», indein sie die Mitte zwischen Vogeftchutz und Katzenschntz 311 treffen sucht; denn unzwcifclhaft sind die Katzen als Mäiiscsäiigcr auch nützlich. Das Katzcnflngblatt Nr. 309 des Berliner Tierschutzvereins (Berlin SW. 48) deutet diesen Mittelweg an. Es wird aratis versandt..