m g DoS^lof^ÖCfCüii WöchsntUchs Beilage btt Gberbeffisckett Volk5Abitung n Nummer 17 SSeften, Donnerätag den 30. föpri! 1914. 6. JciSjcgnna B»! Aer 1. Mai. „Durch AlltagLlärm uuö Fairikenstau! Leuchtet ein Tag voll Licht und Land." Dieser leuchtende, erhebende Tug irrt Leben der denkenden Arbeiterschaft ist der erste Mai. An diesem Tage ruhen ihre fleißigen Hände, und in allen Weltteilen des Erden- rundes ziehen festlich gestimmte Arbeitcrhecre statt in den Lärm und die Fron der Fabriken und kapitalistischen Zwingburgen hinaus in die leuchtende Frühlingsfrische, um sich sichtbarlich mit allen Gleichstrebenden zu verbinden und den ausbeutendcn Klassen demonstrativ ins Gedächtnis zu rufen, daß auch die kulturberaubtcn unteren Klasse» sehnsüchtig zum Licht und zur Sonne drängen. Es jährt sich in diesem Jahre — im Juli — zum fünf- undzwanzigsten Male, daß auf dein internationalen Arbeiterkongreß in Paris die Vertreter der inodcrnen Arbeiterbewegung der Welt beschlossen, in jedem Jahre ain ersten Mai ein Fest der Arbeit zu feiern — einen Weltfesttag, der Arbeiterschaft nicht von staatlichen und kirchlichen Gewalten gesetzt, nein, durch eigenen Willen, und der ihnen feindlichen Welt zum Trotz gesetzt. Nicht aus kleinlichem, kindisch-eigensinnigem und verbohrtem Trotz, sondern aus jenem großen, heiligen und notwendigen Trotz, zu dem schließlich jede Klasse erhoben wird, der inan nimmer als demütig gekrümmtem Bittsteller, sondern inimer erst als rebellisch emporgerafftem Kämpfer etwas an Menschenrechten zngcsteht. Diesem Kampstum soll der erste Mai eine besondere festliche Weihe geben, wenn am gleichen Tag, zur gleichen Stunde feiernde Menschen aller Nationen, obwohl durch Länder und Meere getrennt, so doch im Geiste vereint, brüderlich sich die Hände reichen und ihre internationale Geschlossenheit, ihre unerschütterliche Solidarität und ihren unbeugsamen Willen aufs neue bekunden, im Kampf um Lebens- und Gesundheitsschutz, um Entfaltung zum Menschentuni für die Mehrheit der Menschen nicht nachzulassen. Die Forderungen, die zu diesem Ziele hin der 1899er Kongreß aufstellte, lauteten: Achtstüudigcr Normalarlicitstag, Abschaffung der Erwerbsarbcit aller Kinder unter vierzehn Jahren, Verkürzung der Arbeitszeit aller Minderjährigen von 1t—18 Jahren auf 6 Stunden täglich, Verbot jeglicher Nachtarbeit, mit den notwendigen Ausnahmen für jene Betriebe, die ihrer Natur nach ununterbrochenen Betrieb erfordern, Verbot aller Nachtarbeit für Frauen und für männliche Arbeiter unter 16 Jahren, Ausschluß der Frauenarbeit in alle» den Iveiblichc» Tr- ganismus schädigenden Betrieben. Als diese Forderungen, die von späteren internationalen Arbeiterkongrcssen, 1896 in London, 1900 in Paris, 1904 in Amsterdam, einstimmig erneuert wurden, 1889 zum erstenmal zur Parole des überall abzuhaltendcn Maifestes erhoben wurden, wurde Fest wie Fm-derungen in allen Landen mit dem Wutgcschrei der herrschenden Klassen beantwortet. Sie glaubten zunächst, der gegen allen Fug und Brauch von den Arbeitern selbst geschaffene Tag der Arbeitsruhe werde Revolution, „pöbelhafte Ausschreitungen" bringe». Als sie sich daun durch den würdevollen Verlaus der Maifeier in ihres Herzens Acngsten getäuscht, wenn auch vor den Arbeitern blamiert sahen, atmeten sie aus und glaubten diese „ruhige" Bewegung niit dem Fluchs der Lächerlichkeit behängen und abtun zu können. Aber die Bewegung selbst schritt über Wüten und Lachen zur Tagesordnung — und mindestens dieses Lachen ist den Herrschenden seitdem gründlich vergangen. Tenn in allen Kulturstaaten ist die Arbeiterbewegung in ein uneiu- dämmbares Wachstum gekonnuen, und keine Gegenmaß- regeln sind mehr iuistande, dieses Wachstum aufzuhalten. Tie Zahl Derjenigen, die unserer Bewegung noch verständnislos und feindlich gegcnüberstehen, wird immer geringer. In immer größerem Maße wächst die Jugend — Mädchen wie Jünglinge — mit ihren Ueberzeugungen der Bewegung zu. Es ist kein Zweifel: sie wird mit ihren Idealen schließlich die Mehrheit der Menschen erfüllen, und dann m u ß und wird sie über alle eiitgegenstehendcn Gewalten zum endgültigen Siege schreiten. Blicken wir zurück, so wird uns klar, daß wir schon Großes auf dem Wege zum Siege hin erreichten. Als unsere Vorkämpfer zuerst den Achtstundentag forderten, antwortete nicht nur das Hohngclächter der Kapitalistenklasse, auch Massen von Arbeiterfrauen und Müttern, ja Massen boir Arbeitern selber begannen in bangen Zweifeln zu fragen: Werden wir, wenn wir kürzere Arbeitszeit haben, nicht auch geringeren Lohn bekommen? — Seitdem ist die Erkenntnis Gemeingut immer größerer Arbeitcrkreise geworden, daß cs ein Gesetz des Arbeitsmarktes ist, daß je kürzer die Arbeitszeiten, desto höher die Löhne sindl Unsere Agitation in den 23 Jahren hat auf die öffentliche Meinung gewirkt, die Gesetzgebung gezwungen, daS Schutzaltcr für Kinder cin- zuführcu, ihrer Ausbeutung in Fabriken und Bergwerken und der Hölle der Heimarbeit durch das Gesetz Grenzen zu ziehen, wenigstens für die Frauen in den Fabriken ist eine Höchstarbeitszeit gesetzlich festgclegt, eine gewisse Feiertagsruhe ist gesetzlich erzwungen worden. Ist dieser Schutz auf allen Gebieten auch noch so ungenügend, so ist er doch ein Großes gegenüber der früheren völligen Schutzlosigkeit. Und vor allem: wir haben durch die Praxis Millionen den Weg gezeigt, ein Mehr dieses Schutzes zu erringen: dieser Weg ist der ständig verschärfte wirtschaftliche und politische Klassenkampf. Ladet für diesen Kampf die Arbeiterbewegung in allen Kulturstaaten heute zum internationalen Verbrüderungsfest ein, so dürfen unsere Frauen und Mädchen bei diesem Feste nicht abseits stehen. Sie mögen bedenken, daß die praktischen Errungenschaften dieses Kampfes das Los gerade all der Frauenuiassen, die unter den Nöten der heutigen Gesellschaft keuchen, vielleicht mehr noch als das der Männer erleichterten. Sie mögen bedenken, daß die höchsten Ideale des Sozialismus fast mehr noch als für die kämpfenden männlichen Proletarier für die nach Freiheit und Gleichbe- rcchtigung lechzenden Frauen bedeuten. Darum Frauen und Mädchen: laßt Ihr erst recht am ersten Mai durch Eure Seele den hohen konnnenden Zu- kuuftstag der Befreiung rauschen. Wenn in allen Zungen der Sozialismus das moderne Evangelium kündet, wenn der Glaube daran und die Hoffnung darauf in allen Nationen und alleur Gcgcnwartsleid spontan an die Oesfentlich-^ Teit bringt bann strömt jedesmal ei» großes Ahnen vom heraufbämmernbcn Morgcnschein bcr neuen Zeit hinaus in die Welt bcr Entrechteten. Und es ist nicht ber geringste unter bcn praktischen Erfolgen unserer Feier, baß sie immer aufs neue wieder mit einer Welle kräftigen Willens die Heere ber Arbeit zu ihrem geschichtlichen Werke durchbringt. Hoch lebe der internationale Festtag der Arbeit! Die Grziei-ung des Kindes. (Schluß) Dem Spieltricb verwandt ist auch der N a ch a h m u » g S - trieb. Leicht ahmt das Kind etwas Unsoziales nach. Das Beispiel einer Schweineschlachtung vcranlaßte ein Mädchen, Das Schlachten an ihrem Schwesterchen zu probieren. Die Erzählung vom Opfcrtod Christi liest einem Jungen den Gedanken kommen, sein Brüderchen an die Erde zu nageln. Das lehrt, wie nötig cs ist, den Kindern alles fern zu halten, was bei einer Nachahmung st» verbrecherischem Treiben führen könnte. Tie Kinder haben einen Zug zum Sensationellen. Das richtet ihre Aufmerksamkeit naturgemäß aus alles Ungewöhnliche und Grausame. Das erleichtert auch der S ch u n d ! e k t ü r c ihre große Verbreitung und kann sic so gefährlich machen. Kindern mit nüchterner Beobachtungsgabe wird sie freilich nicht schaden. Auch kann die Schundlektüre gelegentlich wohl zur psuchologische,, Ableitung eigener Triebe führe», so baß diese, nachdem sie sich beini Lescit entladen haben, sich nicht auch noch in Wirklichkeit zu entladen brauchen. Aber in viele» anderen Fällen führt die Schundlcktüre zu schlimmen Exzessen. Die Kindcrlügc erwächst aus den, V e r st e l l u n g s - i » st i n k t, der den Menschen angeboren ist, ererbt vom Urmenschen her, dem die Verstellung ein Mittel sein mußte, stärkerer Gegner Herr zu werde». Nicht jede Unwahrheit eines Kindes darf als Lüge bezeichnet werden. Oft handelt es sich nur darum, daß das Wahre nicht scharf genug ersaßt ist, oft um ein Spiel mit Aussage», oft nur Darum, daß das Kind die Aufmerksamkeit ablcnkcn will, ohne die Absicht, die Unwahrheit zu sagen. Doch auch echte Lügenhaftigkeit kommt vor. Dabei handelt cs sich vielfach um abnorme, pathologische Kinder, bereu Nervensystem die Sensation der Lüge braucht. Hier gilt cs, den Kindernervenarzt zn fragen. Im übrigen wirkt auf die Kinder in ganz ungeahnter Weis« das Beispiel der Eltern. Beobachten sic, wie hier kleine Notlügen gebraucht werden, wie man sich gegenseitig etwas verbirgt, so werden die Kinder sofort mißtrauisch und nneinpfindlich für den Unterschied von Wahrheit und Lüge. Mitunter lügen Kinder auch, um ihre Unzufriedenheit mit sich selbst zu verdecken — sie renommieren. Bei größeren Kindern entspringt eine Lüge nicht selten dem Troß gegen den Erzieher. Ter kluge Erzieher sucht vor allen Dingen Anläffc zur Lüge zu vermeiden. Er wird sich auch hüten, den Verdacht zu äußern, daß er belogen wird, wenn er cs nicht genau weist. Es ist ganz verkehrt, immer wieder zu fragen: „Du lügst doch nicht etwa?" Gewaltsame Aufrechterhaltung von Legenden wie der vom Storch erzieht zur Lüge. Alle Kinder, die stehlen, sind zugleich Lügner. Nichtlügner stehlen nicht. Viele Verbrechen erwachsen aus dem Verstcllungstricb. Heftigkeit und Eigensinn Im Kinde haben ebenfalls nicht selten krankhafte Grundlagen. Sie können aber auch die Anzeichen eines besonders energischen Charakters sein. Auch hier ist für den Erzieher die Hauptaufgabe, nach den Ursachen zu suchen. Wenn diese nicht auszufinden sind, soll man nicht alles versuchen, um den Eigenwillen zn brechen. Jedenfalls muß mau sich hüten, Ungehorsam und Troß zu provoziere». Die Necklust der Kinder ist oft ein Ventil für gefährlichere Triebe, für Schadenfreude, Bosheit usw. Eine wichtige Ausgabe des Erziehers muß es sein, die Kinder schon früh siir den Tierschutz und Pslanzenschuh zu gewinnen. W«r roh gegen Tiere und Pflan- ßcn ist, zeigt leicht auch gegenüber Menschen Roheit. Tie Furcht ist ein Abwchrinstinkt. Erziehungsmittel kann die Furcht nur in verschwindendem Maße sein. Durch Furcht und „Bangemachen" erzogene Kinder sind später meist die srcchsten und werden leicht zu Verbrechern. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Kinder nichts so sehr relzt wie ein Verbot. Verbote rufe» Unlustgefühle hervor, und cs ist dann siir ein Kind mitunter eine innere Notwendigkeit, durch Uebcrtrctung dieses Verbotes die Unlust- und Lustgefühle zu verwandeln. Die Lehre für den Erzieher sollte daraus sein, nicht zuviel zu vcrbielen. jedenfalls niemals ein Kind zu schikanieren. Das Abhängigkeitsgefühl im Kinde entlockt manchen heimliche» Seufzer. Dies Gesühl sollen wir Deshalb möglichst erleichtern. Das Kind ivill — wie ja auch der Erwachsene — aus sich selbst heraus tätig werden. Hier müsicn wir versuchen, das kindliche Bestreben zu fördern. Die meisten Verbrecher haben eine freudlose Jugend hinter sich. Freude schassen ist deshalb ein wesentliches Erziehungsmittel Der Trauer ist ein Kind nur im geringe» Maße fähig. Es empfindet aus sich heraus auch keinen Schmerz über eine eigene jschlechtr Tat. Dagegen zeigen die Schüterscibstinordc, daß das Kind wohl in anderer Weise ein tiefes Schmerzgefühl entwickelt: Furcht, gekränkter Ehrgeiz, unglückliche Liebe sind die Ursachen der meisten Schülerselbstmorbe. Schon kleine Kinder find voller Zärtlichkeit: aber darin osfcn- hart sich mehr ihr Schuhbcdürfnis und ihr Abhängigkeitsgefühl als ein altruistischer Trieb. Keinem Vater bleibt die Gegnerschaft seines Kindes — früher oder später — erspart. Tie Psychologie weiß, daß schon kleine Kinder Todesiviinsche gegen ihre Eltern habe», wenn sie davon auch nicht unverhohlen sprechen. Tic Gc- fühle der Kinder für dritte Personen sind meist sehr gering. Nächstenliebe ist von Kindern nicht zu verlangen. Die Kameradschaft ist ein unerläßliches Erziehungsmittel. Ja. Kinder entfalten sich im Verkehr mit Kameraden leichter als in der Obhut der Eltern, ivcil sie hier kein Anhängigkeitsgesühl bedrückt. — Erotische Licbcsgesühle hat man schon bei Kinder» von 8—12 Jahren beobachtet: das kann auf eine tiefe Begabung, aber auch auf seelische Erkrankung Hinweisen. Der Kriminalist weiß zu berichten, daß Kinder sogar in diesem Alter bereits aus Eifersucht verbrecherisch« Pläne hegten. Bis jetzt gründete sich die Erziehung wescutlich auf die Lehren Herbarts und noch mehr seiner Schüler, die darauf fußen, daß viel Wissen zu kräftigem Handeln und gutes Wisic» zu guten: Handeln führe. Das ist aber keineswegs der Fall. Auch die Gefühls- und Willensrcguugcn finb besonders auszubildcn. Eine gutgeglückte Handlung ist durch Lob zur Wiederholung zu bringen. Eine häufige Wiederholung gibt schließlich auch ein Wertgesühl. Durch Modellicr- übungeu und durch Zeichnen, besonders auch durch Turnunterricht ist die körperliche Ausbildung zu fördern: Körperliche und geistige Entwicklung gehen durchaus Hand in Hand. Religiöse Gefühle sinken bei Kindern keinen guten Boden. An einer Berliner Ge- nlciudcschule wurden die kill Schülerinnen einer Klasse aufgefordert, sich darüber zu äußern, was sic tun würden, wenn sie während eines Jahrmarktes ein Portemonnaie ruit 5 Mark fänden, indeß sie selbst kein Geld besäßen. Von Den 09 Befragten erklärte» 40, sie wllrdei: das Geld abliefern. 29 wollten «s behalten. Von den 40, die für die Rückgabe des Geldes eintraten, bezog sich aber kein einziges Kind auf das religiöse Gebot; 30 führten das Sprichwort an: „Ehrlich währt am längsten", bei den übrigen wirkten verschiedene Motive. Besonders interessant ivar, daß von den 29, die Das Geld behalten wollten, nicht weniger als 17 erklärten, sie würden mit dem Gelbe für ihre Eltern Geschenke kaufen: bei manchen wurde Gott gedankt für die gütige Fügung, baß er der Finderin die 5 Mark geschenkt habe. Es ist eine alte Streitfrage, ob das Kind von Natur ein sittliches Bewußtsein hat. Sie dürste dahin zu beantworten sein, daß den: Kinde das Bewußtsein eines besonderen Tittengesetzcs nicht angeboren ist, wohl aber eine Fähigkeit, ein sittliches Bewußtsein zu entwickeln und auszubildcn. Eine gesunde Erziehung, besonders auch eine soziale, staatsbürgerliche Unterweisung, muß dann die Ausbildung übernehmen. Leider versagen hier die öffentlichen Er- stiehungsiustitute. I» Amerika ist mau hier bereits viel weiter, wie jene Jugendrepublik bei Rewyork beweist, die unter vollster Selbstverwaltung der zur Zwangserziehung verurteilten Jugendlichen steht, so baß diese sich eigene Richter, eigene Polizeiorgane schassen. Es ist nicht richtig, daß die Kinder heute schlechter sind als früher, aber Die Versuchungen lösen heute stärker eine Kriminalität der Jugendlichen aus. Eine psychologisch-soziale Erziehung muß hier dem Strafrecht zu Hilfe komme», sonst ist alle Tätigkeit der Gerichte und auch die Jugendgerichte Sisyphusarbeit. cheschtechler-Werleilung in der Amon. Das siegreiche Vordringen des F r a n e n st i m in r c ch t 3 in den Vereinigten Staaten seit dem Jahre 1911 ist oft mit dem nu»ierischen Itebergewicht der Frauen dorten in Verbindung gebracht worden, in den: Sinne, daß die Staate», in denen die Frauen besonders rar sind, naturgemäß zu jedem möglichen Zugeständnis bereit gewesen seien, uni ihre Ladies sestzuhalten und weibliche Zuwanderung anzulocken. Ei» flüchtiger Blick auf die amerikanische Bevölkerungs- Statistik lehrt, daß diese Erklärunghypothese nicht ganz da- uebenschießt. Seit dem genannten Jahre haben die Staaten Washington, Kansas, Arizona, Oregon und Illinois, sowie das Territorium Alaska den Frauen das Wahlrecht eingeräumt. In allen diesen Staaten (für das Territorium Alaska liegt das einschlägige statistische Material nicht vor) sind die Männer nun in mehr oder minder bedeutender Ueberzahl, am wenigsten in Illinois (1910: 885 912 Männer, 805 037 Frauen) und in Arizona (2 911674, bezw. 2 726 910), in allen anderen aber in einem Maße, das außer jedem Verhältnis zu der Verteilung der Geschlechter in der Gesamtbevölkerung des Landes sicht. Das kontinentale Land Onkel Sanis, mit Ausschluß Alaskas, war Anno 1910 von 47 332 277 Männern und 44 639 989 Frauen bevölkert, das macht auf je 106 männliche 100 weibliche Personen. Wie man in den amtlichen statistischen Veröffentlichungen Nachlesen kan», ist das numerische Verhältnis der Geschlechter in den europäischen Staaten, wie Deutschland, Frankreich, England, Oesterreich-Ungarn, Italien, Rußland und der Schweiz, säst genau umgekehrt, wenn auch ein sranzösisckicr Statistiker kürzlich hcrausgcrechnct hat, daß insgesamt 5 oder 6 Mil- Iiouen mehr Männer als Frauen diesen Planeten bewohnen. Mit dem Durchschnittsverhältnis von 106 zu 100 zugunsten der Männer vergleiche man aber nun die Geschlcchtcr-Ver- teilung in den jungen Frauenstimmrechts-Staaten Arizona, Washington und Oregon. In dem Bergstaate Arizona kamen im Jahre 1910 auf 118 574 Männer 85 780 Frauen, in Washington, dem äußersten Nordwest, war das Verhältnis 658 633 zu 483 327, und in Oregon 384 265 zu 288 500. Auf je hundert weibliche Einwohner kommen demnach in diesen drei Staaten 140, bezw. 142 und 129 männliche Personen. Diese drei Fälle sind aber zugleich die extremsten Beispiele des Uebergcwichts der männlichen Bevölkerung in den Staaten der Union, und es ist demnach klar, daß hier politische Macht und numerisches Verhältnis der Geschlechter in umgekehrtem Verhältnis stehen. Das wäre eine natürliche Ausnahme von der Regel, die sonst Macht und Zahl in ein gleiches Verhältnis setzt, selbst wenn man daraus keine verallgemeinernden Schlußfolgerungen im Sinne des erwähnten Philistertrostes ziehen will. Gegenwärtig haben nur sechs Staaten mehr Frauen als Männer, und • alle diese sechs Staaten sind ausgesprochen frauenstimmrcchtsfcindlich und reaktionär: Massachusets und Rhodc-Jsland im industriellen Neu-England und die alten südlichen Sklavenhalter-Staaten Maryland, North Carolina und South Carolina, wozu dann noch der Distrikt Columbia, mit der Bundeshauptstadt Washington und ihrer Umgebung identisch, hinzutritt. Erwähnenswert ist noch, daß die Elementarschulen des Landes von etwa 100 000 mehr Knaben als Mädchen besucht werden, wogegen die höheren Schulen — die, soweit sie öffentlich sind, keinerlei Schulgeld erheben — 64 000 mehr Schülerinnen als Schüler zählen. Besonders in der Negebevölkerung ist der Bildungsdrang der Frauen weitaus stärker als der des ulänulichen Elements. Der erwachende Aruhlirig lockt an schönen inarmen Tagen alt und jung hinaus in Flur und Wald, wo viele fröhlich« Menschen sich an den alte» und doch immer wieder neuen Reiten des Lenzes ergötzen. Freudig ivird jeder sprossende inid grünende Busch, jedes noch so einfache Blümchen be- grllsit, weil sie di« ersten Zeichen des wiedererwachenden Lebens in der Natur sind. Aber auch in der Tierwelt regt sich neues Leben. Tic Finken und Amseln lasten wieder ihren schönen Schlag erschallen und die anderen Sänger kehren nach und »ach zurück, beziehen ihr altes Heim oder bauen ein neues. Hervorgelockt durch die ersten warmen Sonnenstrahlen, schwingt sich ein Schmetterling durch die Luft, im Grase zeigen sich Schnecken, und Käfer machen die ersten schüchternen Versuche, zu laufen und zu kriegen. In Gräben und Wasserläufen wird es lebendig: es wimmelt förmlich von junge» Fischen, Fröschen und Larven in allen Stadien und Größen. Ta das Gras »och nicht hoch und das Laich noch nicht dicht ist, so spielt sich dies neue Leben fast ganz offen vor aller Blicken ab. Besonders die liebe Fugend ist es. die ein scharfes Auge für all diese Vorgänge hat. Da gilt es denn, diesen Trieb zur Beobachtung und Versolguiig aller neuen Erscheinungen in die richtigen Bahnen zu lenken. Ist ein Junge sick selbst überlassen, so wirb er in den aller- seltensten Fallen die ihm zu Gesichte kommenden Tiere vorsichtig und mit Teilnahme beobachten, sondern die Tiere zu fassen oder niederzuschlageti versuchen, ohne jede Ueberlegung, ohne Sinn und Verstand. Wie viele Roheiten und Quälereien kommen dabei vor! Kein Schinetterlina in den Lüsten, kein Käfer im Grase, kein Frosch «in User, keilte Eidechse im Graben, kein Wurm an der Erde, kein Ameisenhaufen ist sicher vor Ler Verfolgungs- und Zerstörungsfucht der Knabe». Nun ivürde es in den meisten Fällen vollständig verkehrt sein, solche Unarten und Grausamkeiten ohne iveiteres zu strafen. Mai, ivird nieist finden, daß die Kinder aus Unkenntnis riiid Gedaiikenlosigkeit handeln. Moralpredigten würden da auch luenig helfen. Man inusi das Jntereste der Kinder wecken, indem man sie, das Leben und Treiben der sogenannten niedere» Tierwelt still zu beobachten, ankcitet und ihnen die nötigen Erklärungen zu den geiiiachtcii Beobachtungen gibt. Wie spannend ist es z. B., den Bau der Ameisen anziisehe», wie sie sich gegenseitig helfen, wie tapfer und ausbaiiernd sic einen Feind, ob groß oder klein, ob stark oder schwach, angreise», wie vorsichtig sie seine» Wasfen ausweichen. Schwieriger und viel größere Geduld und Vorsicht ersordernd, ist schon eilte genauere Beobachtung der Vogelwelt. Aber auch das Wenige, das man bei vorübergehender Betrachtung erblickt, wird genügen, die Knaben von deni Zerstören der Nester abzuhalten, ivenii mit einigem Geschick ihre Teilnahme bis zuin Wohlwollen aiisgebildet wird. Auf einen Puiikt soll aber »och gaiiz besoiiders hingewiesen werden. Die meisten Verfolgungen haben die Tiere zn erdulden, die »ach der landläufigen Meinung schädlich oder giftig siiid, ohne es in Wirklichkeit zu sein. Air habeil ja nur ein giftiges Tier, vor teilt «an sich Hilten »nd bas >nan töten muß: die Kreuzotter. Von den weitaus meisten Menschen wird alles Getier, bas auf dein' Bauche kriecht, für schädlich und giftig gehalten und unbarmherzig verfolgt und erschlagen. Was besonders die Großstädter in ihrer anmaßenden Unfehlbarkeit an Unkenntnis in diesen Dingen leisten,' ist geradezu haarsträubend: Blindschleichen werden zu Kreuzottern gemacht, und die nützliche Kröte oder der schöne harmlose Sala- nianber für giftig und gefährlich erklärt. Ter Unterricht i» der Schule allein kann hier nicht zum Ziele führen, wenn er nicht durch Anleitung zur Beobachtung im Freien, ganz gleich, ob voll Lehrern oder Eltern oder sonst wem. unterstützt und fortgesetzt wird. Ist in den Kindern die Neigung zur Tierwelt geweckt, bann liegt eine andere Gefahr nahe: sie wollen sammeln, lebendig für ein Aquarium oder Terrarium, tot für Schmetterlings- und Käfersammlungen. Das Lars unter keinen Umständen geduldet werden; es müßte denn unter sachkundiger Aufsicht geschehen, so daß Grausamkeiten ausgeschlossen sind. Das unbeaussichtigte Sammeln ist der Jugend unbedingt zu verbieten. Man sehe nur, wie die Jungen gedankenlos und grausam Käfer, Raupen, Salamander ». a. in. in Flaschen, Dosen und Büchsen einsperren, diese fest schließen, so daß die Tiere selten lebend uad> Hause gebracht werden. Und kommen sie wirklich lebend an. so fehlt oft jede Einrichtung für eine paffende Unterkunft: das Jntereste nimmt auch bald ab, und die Tierchen kommen langsam um. Die Entschuldigung, die Tiere könnten im Hause besser beobachtet werden, ist nicht stichhaltig, da ein Tier in der Gefangenschaft, wo ihm die wichtigsten Lebensbedingungen fehlen, sich nicht in seinem natürlichen Wesen zeigen kann. • Schule, Familie und Tierschutzvereine müsse» zusammenwirken,' um den Kindern begreiflich zu machen, wie unrecht es ist, Tiere zu peinigen, oder ihnen die Freiheit und das Leben zu nehmen. Daß. durch eine rücksichtsvollere Betrachtung der Natur und menschlichere Behandlung der Tiere der Verrohung der Jugend wirksam entgegengearbeitet werden kann, beweist die Tatsache, daß in England, wo der Tierschutz viel verbreiteter ist, seit Jahren die Zahl der jugendlichen Verbrecher stetig abnimmt. Zur Erreichung dieses Zieles auch bei uns sollte jedermann freudig mithelfen. Hin Märchen der Wirklichkeit. Von Maxim Gorki. Auf dem kleinen Bahnhofsplatz in Genua hat sich ein dichter Volkshaufen versammelt. Es sind vorwiegend Arbeiter, auch viele solid gekleidete, wohlgenährte Personen sind darunter. An der Spitze des Haufens stehen die Mitglieder der städtischen Verwaltung.' In der Luft flattert die schwere, kunstvoll mit Seide gestickte Fahne der Stadt und neben ihr glitzern die bunten, farbigen Fahnen der Arbeiterorganisationen. Die Quasten, Fransen. Schnüre und die Spitzen der Fahnenstangen glänze» von Gold, die Seide knistert,' und wie ein halblaut singender Chor ertönt das Eelumme der feierlich gestimmten Menschenmenge. lieber ihr, auf hohem Sockel, ragt die schöne Gestalt des Kolumbus empor, dieses Träumers, der so viel leiden mußte, weil er glaubte, und der den Sieg davontrug, weil er glaubte. Amt heute »och schaut er aus die Menschen herab, als wollten seine Marmorlippen sagen: „Nur die siegen, die da glauben!" Rings um den Sockel, zu seinen Füßen, haben die Musikanten ihre Messingtroinpeten ausgestellt, und das Messing glänzt in der Sonne wie pures Gold. Das schwarze Marmorgebäüde des Bahnhofes steht wie ei» offener Halbkreis da und hat seine Flügel ausgebreitet, als wollte' es die Menschen umarmen. Aus dem Portal dringt das dunkle Keuchen der Lokomotiven. Kettengeklirr, Gepfeife und Geschrei; auf dem mit heißem Sonnenlicht übergossenen Platze ist es ruhig und drückend heiß. Aus den Balkonen und au den Fenstern der Häuser stehen hellgekleidete Frauen mit Blumen in den Händen, festtäglich geputzte Kin'dergestalten. die selbst wie Blumen aussehen. Da pfeift eine Lokomotive, die sich dem Bahnhof nähert. Die Menge gerät in Bewegung. Schwarzen Vögeln gleich, fliegen einzelne Hüte in die Lust, die Musikanten greifen nach ihren Instrumenten, ein paar ernste, ältere Männer trete» hervor, wende» sich mit dem Gesicht der Menge zu und sprechen, eifrig mit den Händen fuchtelnd, aus sie ein. Schwer und langsam weicht die Menge auseinander »nd läßt einen breiten Ausgang nach der Straße zu frei. . v i „Wen erwartet mau hier?" „Die Kinder aus Parma." Dort unten in Parma waren die Arbeiter in den Ausstanb getreten. Tie Unternehmer wollte» nicht nachgeben, 'die Lage der Arbeiter wurde immer schwieriger. Darum haben sie ihre Kinder, die schon vor Hunger zu kränkeln begannen, zu ihren Genossen nach Genua gesendet. . , 1 Hinter den Säulengängen des Bahnhofes kommt jetzt eine sonderbare Prozession von kleinen Menschen hervor: sie sind nur. halb angekleidet und sehen in ihren Lumpen wie seltsame, zottige Tierchen aus. Sie marschieren zu fünf in einer Reihe, sich fest an den Häitden haltend . . . seltsam, klein, verstaubt und sichtbar er-' müdet. Ihre Gesichter sind ernst, aber die Aeuglein glänzen lebhaft und klar, und als die Musik ihnen zn Ehren Le» Garibaldi-Marsch anstimmt, huscht ein fröhliches, zufriedenes Lächeln über diese mageren, spitzen, hungrigen Gesichter. Die Menge begrüßt diese Menschen der Zukunst mit ohren^ betäubendem Geschrei: die Banner neigen sich vor ihnen, die Trom», peten schniettern. Die Kinder sind von diejnn Knpsang ein wenig verwirrt, sie weichen einen Augenblick zurück; aber auf einmal haben sic die Reihen geschloffen, sich zu einem Körper zusammen- geballt und Hunderte von Stimmen, die ans einer Kehle zu kommen scheinen, brechen in den Ruf aus: „Viva Itarlia!" „Es lebe das junge Parma)" schreit die Menge, die auf sie zustürzt. „Ewiva Garibaldi' - “ rufen die Kinder und dringen wie ein grauer Keil in die Menge hinein, um dort z» verschwinden. ' In den Fenstern der Hotels, aus de» Dächern der Häuser flattern gleich weißen Vögeln unzählige Tücher; ein Blumenregen ergießt sich von dort auf die Köpfe der Menge; sröhliche, laute Rufe ertönen. Alles sieht festtäglich aus, alles lebt auf, selbst der graue Marmor blüht in hellen Farben. Fahnen flattern. Hüte nnd Blumen fliegen durch die Lust; über den Köpfen der Erwachsenen tauchen kleine Kinderköpsc auf, kleine braune Pfötchen fahren durch die Luft, greisen nach den Blumen und begrüßen die Menge. Und alles weit überlönend, klingt ununterbrochen der machtvolle Ruf: „Viva il socialismo!" „Ewiva Italia!" Fedes Kind fühlt sich crgrissen, aus die Schultern der Er- ncachseneu gehoben, von rauhen, schnauzbärtigen Männern a» die ,Brnst gedrückt. Die Musik ist bei dem allgemeinen Lärm dem Lachen und Schreien kaum »och zu hören. Man sieht Frauen durch die Menge schwirren, die die übrig gebliebenen Kinder an sich nehmen wollen. Man hört sie rufen: ^ „Sie nehmen zwei, Annita?" „Ja, Sie auch?" „Und eines für die lahme Margucrita. . ." Ucbcrall begegnet man fröhlich erregte», festtäglichen Gesichtern, feuchten, freundliche» Augen. Hie und da sieht man die Kinder der Streifenden bereits ein Stück Brot kaue». „Zu unserer Zeit dachte man nicht an so etwas!" sagt ein Greis mit einer Vogelnase und einer schwarzen Zigarre im Munde. „Und wie einfach ist das doch!" „Ja! So einfach nnd so vernünftig!" Ter Alte nimmt die Zigarre ans dem Mimde, betrachtet nachdenklich das eine Ende und streist seufzend die Asche ab. Gleich daraus sicht er zwei Kinder auS Parma, offenbar zwei Brüder, neben sich stehen, macht ein grimmiges Gesicht, stülpt den Hut über die Auge» und breitet die Arme weit ans. Tic Kinder, die ihn erst ganz ernst anblicken, schmiegen sich eng aneinander und weichen mit ängstlichem Gesicht zurück. Der Alte duckt sich plötzlich und sangt an, laut zu krähen. Tic Kinder lachen fröhlich aus und hüpfen mit den nackten Bcinchen ans dem Pflaster herum. Ter Alte steht auf, rückt de» Hut zurecht und entfernt sich unsicheren Schrittes, offenbar in der Meinung, seine Schuldigkeit getan zu haben. Gin buckliges, grauhaariges Weib mit dem Gesicht einer Hexe nnd struppigen grauen Haaren auf dem knochigen Kinn steht ans dem Sockel des Kolumbus-Denkmals, weint und trocknet sich immer wieder die rotgeränderten Augen mit dem Ende eines verblichenen Shawls ab. Sic ist häßlich, ihre Hautfarbe ist dunkel nnd sie erscheint so seltsam und vereinsamt inmitten dieser freudig erregte» Menschenmenge. . Tänzelnden Schrittes geht eine schwarzhaarige Genneserin vorüber: sic führt ein siebcnfähriges Menschlein mit Holzpantosscln an den Füßen und einem bis an die Schultern reichenden grauen Hut an der Hand. Es schüttelt de» Kopf, »m den Hnt in den Nacken zu werfen; dieser aber rutscht ihm immer wieder auf die Nase herab. Tie ^Frau reißt ihm 'den Hut vom Kopfe nnd singt laut irgend ein Lied, während sic ihn lachend in der Lust schwenkt. Ter Knabe hat de» Kopf znrückgeworfen. er lacht überS ganze Gesicht, ficht sie an, springt dann in die Höhe, greift »ach seinem Hute und beide ver- fchwinden in der Menge. Ein hochgewachscncr Mann mit nackten, ungeheuren Armen nnd einem Lcderschurz hält ein sechsjähriges Mädchen ans seiner Schulter und spricht zu der »eben ihm einherschreitendc» Fra», die einen Knaben mit sencrrotem Haar an der Hand führt: „Tn verstehst, wenn sich dieser Brauch Eingang verschafft, wird es schwer sein, »ns »nterznkr"iegen, he?" Und er lacht mit lauter, tiefer, trinmphicrciider Stimme, seine kleine Last in die blaue Lust cmporwcrfend: „Ewiva Parma—a!" Tic Leute verschwinden, die Kinder mit sich sorttragend oder führend. Auf dem Platze bleibt nichts zurück als ein paar zerdrückte Blnnie», Kvnsektpapier, eine fröhliche Grnppe von blauen Dicnst- männcrn und tibcr ihnen die edle Gefüllt des Mannes, der die Neue Welt entdeckte. Aber ans den Straße», die gleich nngchcnrcn Röhren ans den Platz münden, erschallen fröhliche Ruse von Menschen, die dem neuen Leben entgcgenschrciten. Ans Welt und Leven. Das Amulett als Schmuck, Ter Aberglauben des weiblichen Geschlechts spielt in der Geschichte des Schmuckes eine große Nolle; wir finde» Amulette schon in den prähistorischen Epochen und sic dienen, wie bei den Naturvölkern, dazu, unheilvollen Zauber von der Trägerin abzuwehren und die bösen Dämonen zu versöhnen. Jene schönen zylindrische» Sicgelsteine, die die Babylonier Im 4. Jahrtausend v. Ehr, trugen und die jetzt so kostbare Schätze der Museen bilden, hatten ganz dieselbe Bedeutung: durch sie und ihre Symbolik suchte man die Götter gnädig zu stimme», und deshalb trug man sie als Amulette um den Hals oder im Fingerring. Noch zahlreicher sind die mit dem Aberglaube» in Verbindung stehenden Schmuckstücke bei den Aegyptcrn; die Skarabäcu, die ei» Symbol des Sonnengottes darstellcn, trete» am häufigsten als Amulette auf, doch auch sonst dient der nieistc Schmuck mehr einem religiösen als einem ästhetischen Zwecke. Tie Römerin trug ihre Abwehrmittcl gegen allen Zauber in einer reichgeschmiicktcn Bulla oder Kapsel; sie prunkte mit ihren Amuletten in Armbändern und Diademen. Als besonders wirksam gegen jeden bösen Einfluß gatten die schwarze Koralle und der Bernstein. Kinder hielt man vor allem für schutz- bedürftig und behängte sie mit Halsketten, an denen ganze Jnvcn» tare von gcheimnisvollcii Symbole» und beschricbencil Metall- blättchen ausgereiht waren. Ter Glaube an die wunderbaren Kräfte der Edelsteine, der im alten Rom die Vorliebe für Diamanten und Jutvclcn bestimmte, tritt im Mittelalter nicht minder stark hervor. Tic Stcinbüchcr erzählen davon, und die Tichtcr preisen die Zaubermacht der Steine. Wir wissen von solchen Schmuckstücken, die wahre llnivcrsalmittcl bildeicn. So besaß Dietrich von Graz einen mit tnchr als öO Edelsteinen verzierten Wundcrgürtel, der dem Träge: Ehre und Glück, Macht und Reichtum, Nnperletzlichkeit gegen Waffen, Fencr und Wasser und allezeit Sieg verlieh. Ten Dame» tvarcn andre Tinge durch ihre Schmucksachen garantiert. Ter Rubin gab ihnen inneren Frieden und Heiterkeit, der Saphir Eheglück »sw. Gegen Augenleiden brauchte man den Smaragd, der Amethyst vertrieb das Kopfweh nnd nach einem auch beim schöneren Geschlecht nicht unbeliebten Rausche den Kater. Ta man von solchen wirksamen Amuletten nicht genug haben konnte, so erhielten die Ringe und Ketten riesige Dimensionen, so daß die Dame» mit ihnen ganz überladen waren. Bis ins 18. Jahrhundert hinein gab cs die tvundcriichsicn Schmnckamnlctte, kuriose Gegenstände ans dem Tierreich, wie Haisichzähne, Stücke vom Einhorn, idie gegen Gift gut waren, Krcbsaugen, die von der fallenden Sucht heilten, Teckel der Mondschnecke gegen das Nasenbluten, Bisamäpsel und wohlriechenden Amber, ja sogar tierische und menschliche Darm- und Magensteine, die man alle weniger ihrer Schönheit, als ihrer Wunder» Wirkung wegen als Amulette trug. Gesund!) eilspssege. Eine Vanillespeisevergistung hat Tr, Eisenheimer im isracliti- schcn Asyl in Köln beobachtet. Nach dem Genuß eines aus Gries, Zucker, Eiweiß nnd Vanille hergestcllten Puddings, der aber schon am Tage vorher gekocht und schlecht ansbcwahrt ivorden war, erkrankten alle zehn Personen, die davon gegessen hatten. Durchweg ivurdcn schwere Magen- und Darmstöruiigcn fcstgestcllt; die hauptsächlichsten Symptome ivarcn blutige Durchfälle, galliges Erbrechen, hohes Fieber, Riereiienlziindiing, Leibsck>mcrzen, Tie chemische Untersuchung der Vanille blieb ergebnislos, desgleichen die chemische und bakteriologische Untersuchung der Vanille, ebenso Tierversuche mit der Vanille. Als Urheber wurde das zngesctzte Eiweiß bezw. dessen Zcrsetzungsproduktc aiigcschcu. Kür Kaus und Kof. Der Lehrmeister im Garten und Kleintlerhof. (Verlag von Hochmeister u. Thal, Leipzig.) Inhalt der Rr. 17. Felsen- und Mauergartcn. Von R. Müller, Gotha. M. Abb, — Immer trockene Gartenwege, Bon H, Schneider-Nicncck, M. Abd. — Wasserbehälter aus Beton. Bon Joseph Jeschck. M. Abb. — Zehn Regel» für de» Frühgcmüseban im Freien. Bon G. Müller, Fiirfll. Sber- gärtner. — Etwas vom Lerchensporn. Von O. Brand. M. Abb. — Vom Hornveilchcn. Von W. Hübcner. M. Abb. — Richtiger Schnitt der Fuchsien. Von Otto Brand. M. Abb. — Birke» im Frühjahr verpflanzen. Vvn L. B. Burg. — Die amerikanische Mvosbecrc. Von Lbstbautech,liker Jos. Alfred Klcyhon.z in Langsur. — Aeußcrer Hausschmuck. Von Fr. Stcinemanit. M. Abb. — Mein neues Taubenhaus. Von K. Temmel. M. Abb. — Futterkasten für Klicken. Bo» Kg,. Tcichvoat Heinr. GooS. M. Abb. - Versichert d,c Tiere! Von Georg Hothum. — Lalchhcchtc miisse» gelchont werden. Vo» Wilhelm VariclS — Kuh oder Ziege? Bon Karl Naschla. M. Abb. - Ein zahmer Kranich. Vo» Pastor Groß. M. Abb. — Mciimugsaustausch — Kleintierarzt — Fragckaste» — Feuilleton: Das Geheimnis des RcchtsauwaltS. Roman von John K. Lcys. (Fortsetzung.) — Ansstcllmigskalender — AnS der Geschäftswelt.