äJKMSß MÄZ Ä&2 MM Äfifi SÄfi SÄfi Dar Glatt decFmu * Wöcken-tteke Gettage der ivderkesssschen OolksZsitung 8*5 Nummer!3 öieften, fceitog Den 3. fflpcil 1914. 6. Sakrgang K I 0j ijtäj tjf0j mTiS !RSMMMro3®5MKMRMRSMR aK Die „Slittttnrechtsknäilett". Eine solche Orgie von Roheit hat in der bürgerlichen Presse getobt, seit die Suffragette Mary R i ch a r d s o n die „Venns im Spiegel" des Velasqnez zu zerschneiden versucht hat, daß man sich nur mit Schaudern davon abwenden konnte. Die begeisterten und aufopfernden Kämpferinnen für das Frauenstimmrecht, die ihr Leben aufs Spiel setzen, uni einem hohen Ideal zu dienen, werden als Hyänen bezeichnet und sonst mit allen erdenklichen Ekelnanie» belegt, Zuchthausstrafe oder gar körperliche Züchtigung werden für sic gefordert. Männer derselben Richtungen, welche die Folterung Zehntausender von Menschen in den russischen Kerkern gntheißen, denen die furchtbarsten menschlichen Leiden gleichgültig sind, die keine Spur von Kunstsinn und Kulturgewissen haben, entrüsten sich vis- zur Raserei, weil eine Frau versucht hat, ein Bild zn beschädigen. In dieser wahnsinnigen Methode ist sich die ganze deutsche bürgerliche Presse von den rückschrittlichsten Dunkel- inännern bis zn den angeblichen Demokraten der Bcrlinei Volkszeitnng einig. Und der bürgerliche Verband für Frauen- stiminrecht in Deutschland ist schon wieder einmal weit von diesen „Wahlrcchtsweibern" abgcrückt. Aber eine Suffragette, die gerade gegenwärtig in Deutschland weilt, hat der Berliner Volkszeitnng auf diese Pöbcleien und Feigheiten einen famosen Antwortbrief geschrieben, in dem cs u. a. heißt: De», englischen Manne aber, besonders dem englischen Juristen, der sich an jene durch Jahrhunderte vererbte Verhältnisse gewöhnt hat, der für das alte, mit der jetzigen Zeit in stetem Widerspruch stehend; Gesetz den ticfiten Respekt hegt, der durch die politische» Parteiintcrcssen sehr becinslubt ist und überhaupt dauernd zu jeder Frage die M ä n n c r a u j cha u u u g und keineswegs die Frauen- anschauung bringt, ihni scheint cs ganz natürlich, daß jemand iv e g e u des s ch l i in in ft t n Verbrechens gegen ei» u »- schuldiges Mädchen mit ei» paar Monaten Gefängnis oder sogar mit einer geringe» Geldstrafe von zwanzig Mark ab davon kommt. Ein Verbreche», das die Frau für ein größeres Unglück hält als den Tod, ist in Männeraugen nur „Natur"! „Vergehen gegen kleine Mädchen sind in England nicht gewöhnliche Verbrechen, wie Diebstahl oder Fälschung, sondern sie können von dem anständigsten Mann jeglichen Standes begangen werden" — dieses wurde vor etwa einem Jahr vom Richtcrstuhl ans erklärt svom „Recorder" von Zaudwichs. Ein armes dreizehnjähriges Kind lag im Januar sterbend im Wochenbett sVotcs sor Women, 23. Januar), während der Mann, der ihr diese Grausamkeit angetan hatte, frei herumspazicrt, weil nach sechs Monaten ein Strafantrag nicht mehr gestellt werden kann. Ein anderes elendes Geschöpf desselben Alters erwartet ein Kind durch ihren Stiefvater lFulham Ehronicle, 13. Februars, der für eine solche Freveltat drei Monate einfacher Hast bekommt Als eine Folge dieser schreckliche» Zustände können ivir es bezeichnen, daß von einem einzigen Londoner Verein fünftausend unglückliche, ruinierte kleine Mädchen i» Asyle gebracht wurden. Für Mißhandlung des Frauengcschlechts werden Beweise und Ncbcnbcweise verlangt, die für kein anderes Verbrechen nötig sind: darum gehen auch die meiste» solcher Verbrecher frei aus. Wegen Mädchenhandels kann einer nur auf frischer Tat sestgenoinmen werden, und sogar die stärksten Verdachtsmomente genügen nicht zur Verhastnng. Tie gesetzliche Freiheit und Straflosigkeit des Mannes ist eine direkte Aufforderung zur Herabwürdigung der Iran, Wenn wir nur die sittlich tief stehenden Gesetze und die traurige soziale Lage betrachten, in der 4>/> Millionen arbeitender Frauen durchschnittlich 7 Mark die Woche verdiene», deren Armut aus ihrer potitischcn Hilflosigkeit hervorkommt: wenn man sich in die Lage der 50 00(1 uukhetiche» Kinder versetzt, die jedes Jahr schntzloS auf die Welt kommen und für die kein Mensch sorgt, so sängt man an zu verstehen, baß nur das Frauenwahlrecht cS verhindern kann, daß Frauen, Mädchen und Kinder zu Tausenden in Elend, Rot und Schande verkommen. Wir verlangen das Wahlrecht, in» uns mit den Tinge» beschäftigen zu können, für die her männliche Herrscher keine Zeit findet, Ohne Wahlrecht ist eine Besserung der schlechten Verhältnisse nicht niöglich, davon haben uns längst unsere sozialen Bestrebungen überzeugt. Das hat uns der Staat bewiesen, indem er der Frau sogar das Recht bestreitet, eine Bittschrift zu überreichen, Sic ist keine juristische Person und darf keine Meinung und keine Klage aussprcchen: sic darf nur bestraft werden. Im freien England ist die Frau, gesetzlich betrachtet, eine wahre Sklavin, Dazu z» schweigen, ist unmöglich, die Frauenehre muß verteidigt werden, selbst gegen den Staat, Nur vor Gericht kan» aber eine Fra» zu». Sprechen kommen, und um Äiesc einzige Gelegenheit z» erwerben, brechen wir das Gesetz. Tic Frau, die Mutter, die nicht nur das Muttcrgcfiihl für ihr eigenes Kind, sonder» für olle Kinder hat, wird den unglücklichen Schwestern, den hilflosen Kleinen bcistehen. Darum zwingt sich manche ruhige, glückliche Frau, die, wie ich selbst, ein geliebtes Heim, Mann und Kinder besitzt, und nichts für sich ans dem Wahlrecht gewinnt, zur öffentlichen politischen Betätigung, Tarum führt Mrs, Pankhurst, eine Frau erhabenen Charakters und hohen Verstandes, geleitet durch ein genaues Verständnis der sozialen und politischen Verhältnisse, diesen schweren erbitterten Kampf, Man vergleiche die folgenden Urteile: Mrs, Pankhurst, die für die Reinheit sich ausopferk, wurde in den Tagen des milderen Kampfes wegen einer zerbrochenen Scheibe im Werte von zwei Mark zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Ein vornehmer Herr dagegen, der mehrere kleine Mädchen ruiniert halte, büßte zu gleicher Zeit sechs Woche» milde Haft! Ein anderer Vergleich, Mrs, Pankhurst wurde letzten April wegen ihrer Reden gegen die Sittenlosigkeit zu drei Jahre» Zuchthaus verurteilt: dagegen wurde „Oneenie Gerald", die ei» öffentliches HauS führte und die Unfittlichkeit förderte, indem sie kleine Mädchen auf Bestellung für vornehme Herren besorgte, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, Ter Staat muß verstehen lerne», daß, solange er sich nichts aus dem Leben »nd der Ehre der Frauen, der Mädchen und der Kinder macht, auch wir uns nichts aus seinem Eigentum mache». Im Vergleich mit dem Leben, mit der Ehre, hat das Eigentum für uns keinen Werk: das Leben dagegen ist uns heilig. Was in der Presse häufig hierüber berichtet ivird ist eine Entstellung der Tatsachen. Tiefer Kamps der verletzten Ehre, der verletzten Mntlcrllebc, bie sogar vor der Gewalt nicht znrückjchrcckt, entspringt ans der reinsten Quelle der weiblichen Raiur! Was ist wertvoller, eine Kinderseele oder ein Gemälde? Bei dieser Frage verstummten die entrüsteten Feinde der weiblichen „Hyänen" und drücktet! sich mit ein paar verlegenen Redensarten beiseite. Man kann die Taktik der Suffragetten für sehr falsch halten, wie wir tun, und der festen Ueberzeugnng sein, daß Organisation und Aufklärung ebenso wirksanr >v i e G e w a l t t a t e n schädlich sind. Aber zu einer großen moralischen Entrüstung über die Suffragetten liegt wirklich nickt der leiseste Anlaß vor. Tic Feinde der Suffragetten, die sie als vertiert und sittlich ganz verkommen hinstellen inöchten, setzen sich nur Antworten ans, die sich die heutige Gesellschaftsordnung und Männcrhcrrschaft nicht hinter den Spiegel stecken können. Mary Richardson über die Qualen der Zwangsernährung. Tic durch ihr Attentat gegen die Venus des Velasqnez bckannt- gewordcne Suffragette Mar» Richardson ist, kurz bevor sic ihr Beil gegen das Meisterwerk des Spaniers zückte, auch als Schriftstellcrii« ausgetreten, und zwar schildert sic ihren Kameradinnen in der Zeitschrift „Tic Snssragettc" in slammcnde» Farben die Qualen der Zwangsernährung. die sic selbst erduldet. „Tie zwangsweise Ernährung wird wenigstens zweimal täglich im Halloivan-Gcsängnis ansgeübt. Einige Leute behaupten, daß die Qpser der Zwangs- crnährnng weniger leiden würden, wen» sie sich weniger wehrten. Tas ist ungefähr ko. wie wen» einem geraten wird, nicht mit der Wimper zn zucken, wenn einem ein Staubkorn ins Auge fliegt. Äian wehrt sich, well sich der Körper gegen das Leiden ausbännit und die Nerven der Annen. der Ohren nnd des ganzen Gesichts eine solche Marter nicht ertraaen wolle». Es ist ein Kampf zunächst gegen acht bis neun Wärterinnen. Am häusigsten wird man von dieser Zahl überwältigt, gewaltsam aufs Bett geworfen, wo sich dann jede Wärterin eines deiner Glieder bemächtigt. Drei Frauen werfen sich auf deine Beine mit ihrem ganzen Gewicht, wie wen» sie sic zerbrechen wollten. Deine Schuhe werden dir hcruntergerisicn nnd die Muskeln deiner Knöchel grausam gezwickt. Zwei Wärterinnen halten dich an den Schultern fest, vier weitere haben deine Arme umklammert, und von jeder Seite knien dann »och zwei ans dir, so dah du beinahe erstickst. Dann schlingt man dir ei» Tuch um, bas die Stirn bedeckt, und der Kops wirb von einer Wärterin gehalten, die dir die Schläfen mit ihren Nägeln zerfleischt. In diesem Augenblick erscheint der Arzt, und du siehst seine Hände sich über dir bewegen durch die halbgeschlosieuen Augen. Er führt zuerst die Rohre mit Vorsicht in die Nasenlöcher ein, dann stößt er sie plötzlich gewaltsam durch die engen Nasenwege bis in den Schlund, was schrecklich iveh tut, und so geht die Röhre, die fast 1 Meter lang ist, bis in den Magen, in dem daun langsam das von der Regierung verordnete Medikament hinabläuft. Es ist unmöglich zu sehen, was es ist. denn cs befindet sich in einem undurchsichtigen Glas. Auch sich zu wehren, ist nun nicht mehr möglich: ein entsetzlicher Husten und ein furchtbarer Erstickungsanfall haben sich deiner bemächtigt und dauern an bis zum End« der Prozedur. Tränen strömen dir wider Wille» aus den Augen, die dich schrecklich schmerzen. Ist die Sache zu End«, dann reißt der Arzt bi« Röhr« mit «inem kräftig«» Ruck heraus, den du durch den ganzen Körper fühlst, wie wenn er entzwei gespalten würde, nnd der Rest der Flüssigkeit träufelt aus dein Gesicht. Der Arzt entfernt sich eilig, die Wärterinnen lassen dich endlich los und du bleibst schwer atmend, zitternd, erschöpft zurück. Dann setzt du dich in dumpfer Verzweiflung der weißen Mauer gegenüber und ivartest so die 7 Stunden, nach deren Ablaus deine Qual wieder beginnt. Ich habe hier die Zivangsernährung durch die Nase beschrieben: die gleiche Prozedur durch den Mund ist noch schmerzhafter, weil der Erstickungsausall noch schlimmer ist und man die Nahrung, die allzu rasch in den Magen gestoßen wird, schwerer verdaut. Man tötet uns langsam, indem man uns „das Leben rettet". Hewinnttllg und Schulung der Krau für die politische Betätigung. Ueber die Notwendigkeit der Politisierung der Frau wird in der Sozialdemokratie nicht mehr gestritten. ES handelt sich nur noch um die Frage, wie ist diese Politisierung am schnellsten und wirksamsten zu erreichen. Diese Aufgabe ist bei der Frall zweifellos weit, weit schwerer als lvie beim Manne. Nicht etwa, daß die Frau von Natur aus begriffsnnfähiger wäre, ach nein! Aber die ungeheure Belastung der breiten Frauenmassen mit Hausarbeit, Erwerbsarbeit und dem Taufend- erlei der Mutterpflichten, die die Kräfte der meisten im Uebermaß in Anspruch nehmen — und ihr Interesse für außerhalb des Hauses liegende Dinge leicht im Keime ersticken, dazu die anerzogene Anschauung, daß die Politik sich nicht passe für die Frau — alle diese Verhältnisse, unter denen die Frauen leben und ausgewachsen sind, bringen es mit sich, daß ihre Mehrzahl politisch viel uninteressierter und unwissender ist, als die Mehrzahl der Männer. Diese Tatsache ist die böse Folge der politischen Rechtlosigkeit der Frauen. Als Wählerinnen würden sie ungleich verständnisvoller, politisch geschulter nnd leichter zu organisieren sein. Do aber gilt es erst mal ihr anerzogenes Vorurteil gegen die Beteiligung am öffentlichen Leben zu verscheuchen, politisches Interesse erst zu erwecken, und zwar vor allem dadurch, daß man zunächst jene öffentlichen Fragen ihnen näher bringt, für deren Erfassung sie in ihrer Eigenschaft als Frauen nnd Mütter besonders veranlagt sind. Zum vollen Erfolg bleibt dann aber innner noch besondere Sorgfalt, bleiben besondere Mittel und Wege anznwendcn. In richtiger Würdigung dieser Aufgaben hat deshalb der Nürnberger Parteitag 1907, als er die Einheit der Organisation für beide Geschlechter cinsührte, beschlossen, innerhalb dieser Einheitsorganisation besondere Veran - ss a l t u n g e n zur G e w i n n n n g u n d S ch n l n n g der !Fraucn zu treffe». Die Partei hat sich zu diesen! Zweck einen schon viel- gliedrigen Agitation»- nnd Dchnlnngskörpcr herangebildet. Insbesondere auch hat der Parteivorstand die Buchhandlung vorwärts veranlaß t, csiie D o z ial d e in o k r n t i sch c Frauenbibliothck heranszugeben, worin berufene Autoren nach und nach allerlei Einzelfragen der Frauen- bcwegung im Lichte des Sozialismus nnd im Züsammen- hang mit ihr behandeln. Als achte nnd neueste dieser Broschüren hat Louise Zieh jetzt verfaßt „Gewinnung nnd Schnlung der Fran für die politische Betätigung". In diese»! Büchlein gibt unsere nimmermüde Genossin ans ihrem reichen Schatz von Erfahrungen eine so große Fülle von Anleitungen zur Förderung der Frauenbewegung, daß es als ein Katechismus der praktischen Arbeit den tätigen Genossinnen allerorten warm empfohlen werden kann — nicht minder aber auch allen Genossen in führender Stellung, die in Gcnieinschaft mit jene» Frauen die Franen- agitation zu betreiben haben. Eine Menge von Mitteln nnd Wegen, die Genossin Zieh in ihrer steten Praxis als gangbar und erfolgvcrhcißend aus- geprobt, sind hier aufgezeigt. Und zwar so ausführlich und allgeineinverständlich, daß die örtlichen Funktionäre bei allen vorzubereitenden Aktionen das Büchlein zu Rate ziehen, ja seine Anleitungen als Unterlage des jedesnialigen Vorgehens nehmen können. Unsere Funktionärinnen sollten sich stets in diesem Büchlein Informationen holen, es mit in die Sitzungen nehmen: sic werden dann gute, brauchbare Vor- schlüge haben, durch die die Bewegung überall gefördert wird. Die Schrift gibt Anleitung über das W i e der Gewinnung der abseits Stehenden durch Volksversammlungen, F r a u c n v e r s a m in l n n g c n , Hansagi - tation. Ueber die Spezialisierung der Agitation für dir besonderen Gruppen der Handlungsgehilfen, der Fabrikarbeiterinnen der verschiedenen Branchen, der Landarbeiterinnen, der Hausangestellten, der Proletarierinnen, die unter dem geistigen Einfluß des Zentrums stehen, der Lehrerinnen nnd weltlichen Krankenpflegerinnen. Tann über die Schulung der gewonnenen Frauen zu überzeugten Parteigenossinnen, ihre Erziehung zur tat- kräftigen Mitarbeit in der P a r t e i b e w e g u n g wie zur ehrenamtlichen Tätigkeit auf jenen Gebieten des Genie i n d e w e s e n s, die den Frauen heute schon offen stehen. Kurz, eine drängende Fülle von Mitteln zur Gewinnung der Frauen, aber auch von Arbeitsgelegenheit und BetätignngSnotwendigkeit für dieselben, enthüllt uns das Schristchen. Und alles Mittel, die die Frauen nicht abhalten, von ihren häuslichen Walten nnd der Erfüllung ihrer Muttcr- pflichten, sondern sie reicher dazu befähigen sollen. Eine Fran, die ein reiches Wissen und ein tüchtiges Können ihr eigen nennt, die Solidarität, Opferwilligkeit und Begeisterung als Tugenden in sich trägt, tvird auch allen Fleiß und alle Fürsorglichkeit, alle Fähigkeit nnd Aufopferung, der gerade solche Frauen fähig sind, ans ihr Heim verwenden, um es traulicher und behaglicher zu gestalten nnd jene Atmosphäre zu verbreiten, unter der alle guten und edlen Interessen der Ihrigen geweckt nnd herangepflegt werden. Und weiter Mittel, die gerade jetzt doppelt notwendig sind, wo unsere „Rote Woche" uns Tausende neuer Mit- sireiterinnen zugcsührt, die durch die Not des Lebens reif für den Beitritt zn uns geworden, die aber alle noch in die volle Gedankenwelt des Sozialismus cinzuführen sind. Möge das Schristchen ein tatkräftiger Helfer bei diesem Werke sein. Es ist gerade zur rechten Zeit gekonimen. Es trägt den Erfahrungsschatz, den bewährten Rat und ein Stück der Begeisterung der Verfasserin hinaus ins ganze Land, es geht im entferntesten Torf allen Genossinnen, die guten Willens sind, an der Hand, das Evangelium unserer Bewegung tiefer einzusenken nnd erfolgreich weiter zn verbreiten. Die Schrift Ivird — wie alle Broschüren der Sozialdemokratischen Franenbibliothek — bei größeren Bezügen durch die Organisation für 8 Pfg. pro Stück abgegeben. Aer Liebestrank. Bon A»ton F endlich. Die Welt war ein Meer wirbelnder Flocke», und di« Tannen seufzten schwer im Schneesturm. Auch der Ankensalomo seufzte und fluchte, wenn er trog seiner großen Schneerciscn an den Füßen hin und wieder einmal bis an den Bauch in eine Schneewehe einbrach, und der vierzigpfündige Ankenballen, den er, wohl «ingeschlagen in Tücher, in seiner Hotte auf dem Rücken trug, ihn nicht mehr aus dem Loch kommen lassen wollte. Aber er kam jedesmal wieder oben auf im Kampf mit dem Sturni, dem Schnee und dem Ankenballen. Wenn er dann mit gespreizten Beinen, wie cs die runden Schneeteller an den Füßen nicht anders znließen, wieder weiter schritt, dann setzte sich die Ankenmarei, die während des Saionios Ringen mit den weißen, weichen Gewalten ruhig wie eine große Bildsäule stehen geblieben war, auch wieder in Bewegung, trat vorsichtig und fast behaglich in die von ihrem lebendigen Schneepflug gemachten Spure», bis das nächste Einbrechen des Salomo ihr wieder eine willkommene Gelegenheit zum Ausschnaufen gab. Sie selbst hatte nur zwanzig Pfund in der Hotte. Tenn zehn von den ihren trug der Salomo, der sich wie ein« kleine schwarze Lokomotive durch den Schnee von Hinterzarten den Feldberg hinausbohrte, während die Marci gemächlich hinter ihm herkam. Als sie nach fünfstündigem Schneeivaten endlich a» den Türpfosten der Wirtsstube im Feldbergerhof die Schuhe abklopftcn und sich aus zwei wandelnde» Schneesäulen wieder in den Ankensalomo und die Ankenmarei verwandelt hatten, da fanden die beide», cs sei genug für heule: die fünf bis sechs Stunden bei solchem Wetter bis hinab nach Todtnau konnten sie auch morgen machen. Das war in der Zeit, wo die allerersten Schnecfchnhläufer auf den Feldberg kamen, und wo im Winter von den zwanzig Betten des Feldbergerhofs selten einmal eins über Nacht eine» Gast bekam. Die Marei wollte von dem neumodischen Kaibenzcug nichts wissen und infolgedessen der Salomo auch »icht. Nur der Jäger- uazi fuhr am ganzen Feldberg als der einzige unterm Mannenvolk auf den Tüselsbrettern, und der saß natürlich akkurat wieder in der Wirtsstube, als die zwei hereingetranlpt kamen und nach Nacht- quartier fragten, obwvhl's »och nicht vier llhr war. „Ha, warum nit?" sagte die Feldbergerhofwirti», und meinte, bei solchem Wetter sei man doch am wohlsten unter einem Dach. „Wenn der Salonio Eonrage hätte, dann hätte er sich schon lang ein paar Brettli machen lassen und tät in einer Stunde nach Todtnau hinabflitzeu; aber natürli, wenn einer keine Courage hat. . .!" So spottete der Jägernazi, strich seinen semmelblonden, ver- rupftcn Schnauz und sah mit der ihm eigenen nichtssaaendcn Grimmigkeit in, Gesicht so vertraulich als möglich zur Marei hinüber. Diese hatte indessen das Tuch vom Kopf genommen, den Nock mit der eingenähten Hüftcnwulst ousgcschlittclt, die gescheitelten Haare zurechtgestrichen, das rote Gesicht mit den kleinen Aeuglein und deui ewigen Tropfen an der langen Nase abgelrocknet und sich dann in der ganzen Bucht ihrer Erscheinung auf die Bank am blauen Kachelofen gesetzt. Erst nach einer Weile ruhigen Wartens, während dessen der Saloino mit seinem breiten, an eine ncgerhaflc Abstammung erinnernden Gesicht und den schwarze» Locken aus- geregi bald zur Marei, bald zum Nazi schielte, erhob die Marci ihr« Stimme und sang ein volles Lob ans den Salomo: den» so wie der sei ihr noch keiner vorausgewatet; cs sei eine wahre Pläsier mit ihm z'gau und aus deti Salomo lasse sic »üt kommen. Ter Belobte tat einen triumphierenden Blick zum Jägernazi hinüber und bestellte sich dann mit nachlässiger Geberde ei» Viertel Markgräfler. Dem Kcrli wollte er es schon zeigen, ivas es heißt, ihn bei der Marei anssteche» zn wolle». Aber als der Jügcrnazi gtcich nachher hinaus vors Haus ging, um ciunial »ach dem Wind und den, Thermometer zu schauen, da interessierte cs die Marei gerade auch, ob sich das Wetter nicht anshelte» ivollc, und sie steckt« bei der Gelegenheit dem Nazi eine neue Tabakspseisc zu utid ein Päckli „Blauer Ritter", die sic in der Neustadt für ihn gekramt hatte. Dann meinte sie leise zu ihn,, wenn er warte, bis der Winter vorbei sei, wolle sie ihr Wort halten und ans den Herbst Hochzeit mit ihm mache»: aber bis zun, Frühjahr könne sic den Salomo beim Borauswaten »icht entbehre», Währcnddcn, die Ankenmarei den Jügcrnazi atsu beschwichtigte, ging der Schieber zwischen Wirtsstubc und Küche häufiger ans als sonst einmal im Taa. Hilft zwei kohlschwarze Augen sahen hinüber zu dem einsam sitzenden Salomo. Wenn der aber nicht dergicichen tat, als ob er etwas merkte, fuhren nachher di« Kafferolen und Häfen so stürmisch tu der Küche herum, daß die Feldbcrgerhoswirtin es einmal für nötig fand, einen Blick durch die Türe zn tun und der rabiaten Köchin ihre Gegenwart warnend ins Gedächtnis zu ruscn. Die Babettc war ein schwarzes Wüldermaibli, nicht mehr gerade im ersten Flaum, aber dock» auch noch nicht in den bestandenen Jahren, in welchen die Rarei sich befand, Tchassig und htisig, freundlich und fröhlich geriet die Babett nur in einen Zustand unkoiitrolllkrbarer Auswailnnge», wenn der Salomo mit der Marci zusammen in die Wirtsstnbe kam, Ter Salomo war das einzige Mannsbild im Waid, das aus sie Eindruck machte. Denn er war interessant. Die Babett war aber von jeher für bas Jn- tereffanie gewesen. Sie sah «s ihm »ach, daß er gern den Fitzer spielte und gelegentlich unverniutete Lustrcislein anirat, auf denen er sein Erspartes verklopftc, kurz alles sah sie ihm nach, nur das nichts daß ex mit der Ankenmarei allwöchentlich ei nmal jiber &cji Feldberg und wieder zurückging, er, der ihr bas Heiraten schon vor acht Jahren versprochen hatte. Dieses Viereck übers Kreuz konnte nicht mehr lange gut tun. Das sah jebcrmann am Feldberg, Die Ding« waren in das Stadium der höchsten Spannung getreten, und man nnißte über kurz oder lang eine Katastrophe erwarten. Die zwei Hingchaltcnen, der Jägcrnazi und die Babett, sprachen sich wohl gelegentlich Trost zn und gerieten dabei selbst i» ein flüchtiges Funkensprühen, aber bald stellte sich der alte Zustand der Gefühle wieder her, und ihre Reden über die beiden Abtrünnigen schwankten zwischen verhaltenen Lobeserhebungen und nicht zurückhaltenden Prisen Pfeffer und Salz, Indessen beherrschte die Marei die Situation vollständig, da sie wußte, daß alle beiden Mannenrölker in erster Reihe ans ihr Büchlein aus der Todtnauer Sparkasse spitzten. Solcherlei Freier ergeben sich immer ins Warten, Das feurige Herz der Babettc aber drängte zu irgend einem Abschluß, Ta kam ganz von selbst die Stunde der Tat. Im Gefühl seines Sieges geriet der Salomo, wahrend sangsam bi« Nacht herabsank, ins Schwadronieren, Als die Lampe ange- stcckt wurde, trug die Babettc für die Feldbcrgerhoswirtin auf einem sauberen Brett in einem porzellanen Kännlein etwas herein, was der Ankensalomo nicht kannte. Er sei alleweil schon weit in der Welt herumgekommen, bemerkte er, aber was die Herrelüt zuni Vieri tränken, das habe er noch nicht herausgebracht. Was in dem Kännlein eiaentlich sei, — so fragte der die Wirtin. Die antwortete dem Salomo, das sei Tee, der in China wachse. Das müsse aber etwas sölli Guctes sein, ivenn's von so weit her komme, meinte der Salomo und beutete in nicht mißzuversteheu- der Weise an, es gelüste ihn schon lang einmal darnach, so etwas zu versuchen, Wcnn's nicht anberscht sei, bestell« er halt eine Portion von dem chinesischen Tee ans seine Kosten. Die Fclbberger Wirtin aber antwortete, das sei ihre Sache, sie lade den Salomo, weil er der Marei immer so gut vorauswate, hiemtt zu einem Vieritee ein und die Marci auch. Diese aber lehnte dankenb ab. Tenn sie war mehr für Spirituosen und bestellte gleich »och ei» Gebranntes zn den bereits aenossencn. Alk di« Babett in der Küche von der Feldbergcrhofiviriiu gesagt bekam, sie solle eine Portion Tee fiir den Salomo anrichten, gab es ihr einen Stupf ins Herz, ihre Beine versagten und in ihrem Kopf wirbelte es von wirren Gedanken. „Ter Salomo und chinesischer Tee?l So ei» Lumpazi, der ihr schon vor acht Jahren die Heirat versprochen hat und nun mit einem Anienmensch durch die Welt zieht?! Anstatt drunten im Dorf bei feinem Bürstenbindergeschäst zu bleiben und sich auf ei» ehrliches anständiges Familienleben zu besinnen?!" „Ter und Tee?!" Es wird nie ganz zu ergründen sein, ob Rachsucht, Liebe oder ein bewußter Plan zur Errettung des Ungetreuen aus den Finger» der Ankenmarei den Arm und die Hand der Babett lenkte, als sie von dem Kuchenbrett anstatt der Teebüchse eine alte Blechschachtel herabholte, darinnen für aewissc Fälle im Haus Senncsblätter aufbewahrt wurden. Jcdcnsalls langte sie mit der Sicherheit, wie sie den Menschen nur in Schicksalsaugenblicken eigen ist, in di« Blech- schachtcl, tat einen guten Griff, brühte das Ganze an, ließ eS kräftiglich ziehen und schüttete den Trank von den verräterischen Blättern ab in ein schön glasiertes, mit lieblichen Blumen verziertes Häfelein. Dann servicrie sie es dem Salomo mit psiichihaster Gelassenheit. Neben manchen anderen menschlichen Schwächen besaß der Salomo die der Eiielkcit. Nichts war ihm so peinlich, als ungebildet zn erscheinen und sich in den Gewohnheiten der Herrenlüt unerfahren zeigen zu müssen. So llberwandi er denn seinen ersten Eindruck von dem neuen Getränk, den er dahin zusainmeiisasseir wollte, daß er 'chon bessere Sachen in seinem Leben genossen habe. Aber auch diese Aussprache seiner Empfindungen versagte er sich, tat auf den Rat der Feldbergerhofwirtiu zwei Stück Zucker mehr in jede Tasse und trank den Tee mit der lächelnden Miene des Keimers bis auf den Grund. Nachdem der Salomo noch einig« lehrreiche Vorträge über China und die Hinozerrösser, welche dortselbst wild hcrumliesen, zum bcsteu gegeben: nachdem die Ankenmarei über ihr achtes Schnäpsle!» langsam eingcnickt war und der Jägernazi sich mit der genügsamen Stille des Wissenden aller weiteren Angrisfe auf de» Salomo enthalten und schweigsam verhalten hatte, gingen alle zeitig z» Bett, wie das f„ den Bergen im Winter der Brauch ist. Am andern Moraen warf die Babett einen scheuen Blick durch den Schieber in die Wirtsstubc, wo der Saloino buSper und guter Dinge beim Kaffee fast Während der Nacht hatte es »och schwer geschneit und gefttirmt. Aber jetzt lag draußen die weiße Welt im Staat, als ob es Sonntaa wäre. Alles blitzte und funkelte und zuckte und slimmerte im blanken Sonnenschein. Ein Himmel, blau wie ein Dragonerrock, stand stell über der gleißenden Welt. Weiß und blau, so sauber ist die Welt nur nach einem Wiutcrsturml Aber tiefen, tiefen Schnee hatte cs geworfen. Weg und Steg waren verweht. Das machte der Marei jedoch nüt. Sie hatte ihren Schneepflug bei sich. Als sie auf der Treppe des Feldbcrg- hoss standen und „Bhüct Gott" wünschten, sagte sie ihrem Begleiter, wie man einem Rößlcin „HU" zürnst: „Salomo, watt d» vorus!" Und der Salomo watete voraus, und die Marei mit hoch» gcrafftcm Rock breit und leicht in seinen Spuren hinten nach. Wie lange das so gehen würde, baS zu wisse», versetzte di« B abett in der Küche st, tinen Instand beängstigender Aufregung, Als 6cv Na;!, der T)cu!c hier oben Situier machen intJi deshalb im Feldbergerhof iibcrnachlci hatte, in die Witisstnbc kam, iilwr- nahm cL die Babcit, und sie bat de» Zöger inständig, den beiden nach.znfahren nnb einmal nach ihnen zu schauen. Es habe so flirchtig lies geschneit, dast ihnen wähl ivas passieren könnte. Ter Nazi »lachte zuerst ein grimmiges Gesicht, strich unwirsch seinen Schnauz, sagte dann aber zu. Nach dem Morgenesscn hing er die Flinte »ni, schnallte die Bretter an, stieg die leichte Anhöhe um dem Feldbergerhof hinaus itnd schust dann iuic ein Pfeil gegen das Wiesental hinab. Aber an diesem Tag kam er nicht mehr zun, Revicrgang zurück. Anstatt des Salomo, der aus unerklärlichen Gründen seiner Begleiterin alle Augenblicke zurief: „Ankemarei, matt du vorus!", Uttd mit der er ans den gleichen, unetklärlicheti Gründen in einen nnheiluollen Wortsireit geraten war, spurte ietzl der Iägernazi mit seinen Schneeschuhen der Ankeninarci dcti Weg voraus bis hinab nach dodtnau. Mit der Frenndschaft war es nach diesen, Gang zwischen der Ankcnmarei und dem Salomo aus für immer. Sic hat nie erfahren, wer diese Zwietracht zwischen sic gesät. Nach einem halbeti Fahr waren der Salomo und die Babeit einer- und der Iägernazi und die Ankcnmarei «tldererseits in aller Ordnung getraute Ehepaare. lind seht noch fragt die Babctt deti Salomo, wen,! er aus Abwege geraten will: „Soll i dir öppe letwa vielleicht) Tee anbrnhc?" Hus Welt und Leöeii. Tie Ehescheibungszifser der Kulturländer. Bis zu cinem ge- ivissen Grade lägt sich der Kulturgrad eines Landes an der Zahl seiner Scheidungen ablesen, sofern nicht besondere Gesetze, wie in Italien und Oesterreich, der Chetreiinung hinderlich sind. Sonst aber führt die mit der Kultur wachsende Tisserenzicrtheit, vor allem der Fronen, daneben allerdings auch üblere Einflüsse der „Kultur", wie Verwilderung der Sitten, immer häufiger dazit, hast das angeblich fürs Leben geschloffene Band nach kürzerer oder längerer Dauer wieder zerrissen wird. Dr. Joh. Müller hat sich in der Zcii- schrist für Nationalökonomie und Statistik die Mühe gemacht, an der Hand des amtlichen Materials der verschiedenen Länder deren Schei- dnngszisser» zu bcrcchticn. Wir geben in nachstehendem die Zahlen für die letzte Periode wieder, nnb zwar nicht die absoluten Zahlen, die in diesen, Falle wenig besaget,, sondern die Zahl der Scheidungen berechnet ans die der jährlich.'» Eheschließungen. Es kainen ans je 1000 Eheschließungen Ehescheidungen: Deutschland (1906-10) 27 Preußen . (1906—i05 27 Bayern. .(1908-10) 17 Sachsen . (1906—10) 38 Oesterreich. (1908-10) 10 Ungarn . (1906-10) 38 Schweiz . (1901—05) 15 Italien . . (1906-09) 3,4 Frankreich . (1906 —10) 38 Niederlande (1906-10) 19 England . (1881-85) 1,9 Schweden . (1906-10) 17 Per. Staat. (1901 —05) 81 Japan . . (1906—09) 116 Bei Italien handelt eS sich übrigens »in Trcnnnngen von Tisch und Bett, da dieses Land keine gesetzlichen Scheidungen kennt. De» Rekord an Scheidungen hat also Japan. Ihm folgen die Vereinigten Staaten, sodann die Schweiz, Sachsen und Frankreich. An, Ende der Reihe sieht das bigotte England. Außer in Japan ist in allen Ländern die Ehescheidnugszifscr in der Jnnahnie begriffen. In Deutschland hat sich die Zahl der Ehcschcidttngcn pro 1000 Eheschließungen seil der Periode 1881 bis 1885 erhöht von 15 aus 27, in Oesterreich von 3,0 aus 10, in Schweden von 8,6 ans 17, in den Vereinigten Staaten voti 65 (in 1891 bis 1895) auf 81. Dagegen hat Japan seit 1888 bis 1890 die Rclativzahl seiner Ehescheidungen von 337 ans 116 herabgesetzt. — Zuckerbrot und Peitsche. Einen charakteristischen Beitrag zur Psychologie gewisser inoderner Amerikanerinnen liefert der Ehe- scheidnngsprozcß, den der bekannte Newyorker Rechtsanwalt Charles Dtvight Folsom cingeleitet hat und der jetzt durch die Entscheidung des Lbergerichis seinen Abschluß fand. Das Urteil crsolgie, nachdem Folsoni de,n Gerichtshof einen Brief seiner nun durch die Entscheidung der Richter von ihn« getrennten Gattin vorlcgic, einen Brief, der ans einer kleinen Sladi in Rordkalisornic» datiert ist itnd besser für sich selbst spricht, als jeder Kommentar cs vermöchte. „Du tvarsl zu sehr Gentleman", wirst die Frau Gemahlin Ihrem Manne vor, „Brutalität ist cL, was ich brauche. „Und die besitzt er", der »«ne Lcbensgesährte, den Mrs. Folsom sich erkoren hat und den sie, die venvöhntc Tochter sorgloser und luxuriöser Verhältnisse, ihren „natürlichen Galten" nennt. „An einem zufälligen Worte, das er a>,j der Straße von mir anffing, erkannte und er» tvähltc er mich. Er war gliliger zu mir, als das je bisher ein Mctifch gewesen ist. Ich liebte ihn nicht von Ansang au, ich war nur glücklich und zusricdcu mit ih,». Er nahm mich ans lange Ritte mH, er liebt Pscrbc wie ich, ja er kennt nichts als Pferde. Sein ganzes Leben hat er unter Pferden verbracht, als Jockei, Trainer und Züchter. Du würdest ihn roh nnd nitgebildet nennen, denn er kann nicht verständlich schreiben, aber ich liebe ihn, wie er ist. Nicht ein Zehntel dieser Liebe kouuie ich Dir entgcgcnbringcn. Ich habe Grausamkeiten von seinen Händen erduldet, aber auf der anderen Seite ist seine Güte und Zärtlichkeit ungewöhnlich. Als seine Frau werde ich rauhe Worte und Sitte» ertragen müssen, denn er ist dir seltsamste Mischung von Gut und Böse, Kraft nnd Schwäche: aber er ist mein natürlicher Gatte und das einzige Wesen, das nttch beherrschen kann. Mein« ehrliche Hoffnung ist es, daß Du nach der Scheidung Deine natürliche Frau mit ivcnigcr Schmerzen finden »lögest, als ich meinen Gatten fand." Mrs. Folsom lebt in völliger Armut und wartet daraus, bis ihr Cowboy sich ebenfalls scheiben läßt und sic heiratet. Sic schildert in ihrem Briefe ihre gegen» ivärtigc Tttnaiio» als „tragisch und entschlich". chc'I'ttttdßeilspM'ge. Tie iörperiche Erziehung des KinOes. Einer zweckmäßigen Anszucht des Heranwachsenden Geschlechtes kommt eine besonders .hohe Bedeutung zu für die Erhaltung und Kräftigung der Volks- gesnndheit. Ter Äindcskörper ist formbar im gute» und schlechteri Sinne. Schwächer veranlagte Kinder können durch scheniatischc Körpcrbecinfluffung zu günstiger Entwicklung gebracht werden. Vor altern muß vermieden werden, daß unvernünftige Erziehungsgrundsätze und unzweckmäßige Lebenshaliung die Kinder in ihrer normalen Entwicklung beeinträchtigen. Verkehrtheiten der Ernährung, der Kleidung, des Unterrichtes geben vielfach die Ursache für körperliche Dürftigkeit und Kränklichleit ab. In seinem soeben erschienenen Buche über „Tie körperliche Erziehung des Kindes" weift Tr. Hans Spitzky darauf hin, daß das Kind ei» „Lusttier" ist, das nur in engster Berührung mit der nnverfälschten Natur die nötigen Widerstandskräfte für de» späteren Kampf ums Dasein zu erwerben imstande ist. Daher ist die Kleidung zu verwerfen, die verweichlicht und beengt, die Nahrung, die fett und träge inacht, die Stuben- hvckerei, die Erziehung, die in der Abrichtnng zum Stillsitzen den Gipset hinderlicher Bravheit erblicken nnd dicscnige» Schulsystcnie, die auf Koste:: des leiblichen Gedeihens günstige Höchstleistungen erzielen wollen. Unsere Schulen als „Sitzschulcn" bedeuten eine Hemmung nnd Gefahr für das Kind mit seinem natürlichen Be- wcgungsdrang. Tie ungeheure Beanspruchung des kindlichen Organismus durch die Schule erfordert ein (Gegengewicht in Form einer großzügig anfgebauien körperlichen Erziehung. Auch die Mädchen bedürfen einer körperliche» Durchbildung, weil die Ge- snndhcit der zukünftigen Mütter über die körperliche Tauglichkeit der komnicnden Generation entscheidet. Kür Kaus utib Kof. Wie »tust der Garte,, beschasfcn sein, wenn er sich gut weiter entwickeln und uns dauernd als der angenehmste Soinnleraiisenthalt befriedigen soll'? Dieses Thema ist bei »ns in der Fachwelt heiß umstritten, in England ist man sich darüber längst einig. Englands Gartcnknlinr hat daher auch schon lange die ganze Welt interessiert nnd alle Fachkreise zu ihrem Studium angeregt. Gerade diese Gartenkultur liegt »ns stammverwandten Deutschen recht nahe und tatsächlich wird in keinem anderen Lande der Gartenpflege eine solche Liebe und eine solche Ansmerksamkeit cntgegengebracht wie bei uns nnd in England. Ein ivirkliches Verdienst ist es, Englands bestes Garlenbnch, Rogers „Garden Planning" uns in einer deutschen Bearbeitung darzubieten, die »ns jetzt vortiegt in dem Bande: „Wie lege ich meinen Garten an". Rach Rogers Gartenbuch im Aufträge der Gesellschaft siir Heimkultur herausgcgebcn von Kgl. Landesökonomicrat nnd Gartcnbandircktor August Sicbert, Direktor des Frankfurter Palmcngartcns, Professor Schölermann nnd Garteninspektur Krauß. Mit über 200 Abbildungen und Gartcn- plänen. 311 Seiten Lerikonsormat. Preis 6 Mark, Ortginalband 7,50 Mark (Porto 50 Pfg.) Westdeutsche Verlagsgesellschast in. l>. H.. Wiesbaden. Die Bearbeiter haben eS verstanden, damit ein uns leichter bekömmliches Nniversalbnch zu schassen. Als Univcrsaibuch dars eS angesprochen ivcrden. weil eS tatsächlich allen Verhältnissen gerecht wird, iveil cs ein notwendiges und nmfaffendcS Leitbnch ist ebenso siir den Pfleger des kleinen Vorgärtchens wie für den Schöpfer des großen Parkes. Ein überaus reichhaltiges Material in völlig neuer Form ist hier znfammengctragen. Der Gartensreunb, der sich nur nnlvillig durch schwerfällige, hausbackene Gartenbiichcr dnrchgc- arbeitet hat, sindei hier ettvaS ganz Neues. Ei» „veredeltes Gartenbuch", dem Leben und Eigenart inncwohnt, das trockene unanSsühr- barc Ratschläge vermeldet: dafür aber eine Fülle faßbarer Anregungen, praktischer Winke, Tabellen usiv. bringt. Ausznsetzen habe ist nur wenig. Nur hätte sich in diesem sonst wirklich — t»st mochte ich sagen — monumentalen Werk, die Tätigkeit eines Peter Behrens oder Schnltze-Naumbnrg Im Kapitel tzlarlcnmöbel etwas mehr ab- spiegcln mlissen, Alles in allein, diese kleinen Mängel setze» das Buch, dem der Verleger ein praktisches und hübsches Gewand gegeben Hai, nicht herab. Es ist ein Werk, da? freudige und allgemeine Ansnahine verdient.