MM M M MM MMMM MMMM MM MM MM MM MM MM M M DasGlattdecFcau Wöchentliche Seilage der Oderdeffischen VolkzZeitung I Nummer 12 Siesten, Freitag den 27. iiNärz 1914. 6. Sakrgang Gebnrtenbeschränkung der „sittlich Entrüsteten". Die Post hat eine Umfrage über die Ursachen des Geburtenrückganges veranstaltet, durch die Antworten sollte die Auffassung widerlegt werden, daß bei der wirtschaftlichen Lage der mittleren und unteren Volksschichten die Beschränkung der Kinderzahl zur Notwendigkeit werde. Vorher hatte das Jnnkerblatt ein sogenanntes Schulbeispiel aus dem Leben zum Beweis dafür aufgestellt, daß die pekuniären Opfer, die eine Familie für die Erziehung einer größeren Kinderschar bringen mutz, später durch die Unterstützung von seiten der Kinder wieder ausgeglichen werden. Vier Kinder im Alter von 16 bis 21 Jahren sollten da zusammen 350 Mark im Monat verdienen, ein fünftes Kind war noch schulpflichtig. Daß es aber eine große Seltenheit ist, wenn Arbeiterkinder, denn um solche handelt es sich, diese Summen zum Familieneinkommen beisteuern können (die 21jährige Tochter verdiente in einer elektrotechnischen Fabrik als Direktrice 15 0 M a r k m a n a t l i ch !) liegt aus der Hand. Doch selbst wenn, eine zeitlang wirklich die Söhne »nd Töchter wesentlich dazu beitragen können, den Eltern die Last zu erleichtern, so hört das doch in dem Moment ans, wo sie selbst eine Ehe cingehen, ja noch früher, denn wenn sie ohne Schulden ihren eigene» Hausstand anfangen wollen, so müssen sie vorher gewisse Beträge zur Anschaffung der Wohnungseinrichtung zurücklegen. Gerade in der Zeit also, wo die Eltern am meisten auf die Unterstützung angewiesen sind, würde ihnen von den Kindern nnr noch in geringem Unisang ge- Holsen werden können. Die Antworten, die der Post zngingcn, bestätigen nun durchweg, daß die wirtschaftliche Lage in der Tat einen großen Druck ans die Familien ausübt. Sie sind besonders deshalb bemerkenswert, weil es sich um Abonnenten, zum Teil langjährige Abonnenten der Post handelt, also keineswegs um Leute, die radikaler Gesinnung verdächtig sind. Eine Osfiziersgattin steht völlig auf dem Standpunkt des konservativen Blattes, aber sie hält eine Beschränkung der Kinderzahl für erlaubt, wenn einer der Ehegatten eine erbliche Krankheit hat, oder wenn die Einkünfte tatsächlich zu gering sind, uni viele Kinder großzu ziehen. Hauptmann v. E. ist der Meinung, daß „eine nationale Umkehr vom Materialismus stattfinden muß". Aber der schreckliche Materialismus hat ihn selbst schon erfaßt, denn tzr sagt, daß eine Beschränkung der Kinderzahl sittlich zu verwerfen, aber leider zurzeit geboten sei. „Ich bevorzuge das Zweikindersystem, solange nicht der Staat helfend, wie angegeben eintritt . . . Wir haben drei Kinder, wollen aber nicht niehr habe Daß die Geburtenbeschränkung etwas sittlich Verwerfliches sei, erklärt auch ein anderer Einsender, ein mittlerer Beamter mit 1800 Mk. Gehalt und 620 Mk. Wohnnngsgcld. Aber er kommt ebenfalls zu der Ansicht, das; in vielen Kreisen „das Zweikindersysteni zur wirtschaftlichen Notwendigkeit" wird. Zum Beweise dafür gibt er eine Ans- stellnng seines Haushaltungsbndgets vor der Geburt des ersten Kindes, in dem sich 580 Mk. vierteljährliche Einnahmen und 561,66 Mk. vierteljährliche Ausgaben gcgenübcrstehcn, wobei berücksichtigt werden ninß, daß für Kleidung, Schuhe, Geschenke, kleinere Ausgaben, für kommende Krankheitstage noch nichts berechnet ist. Es bleibt ihm, wie er schreibt, nichts übrig, als jedes Jahr ein kleines Darlehen aufzunehmen und auf die erste Gehaltszulage zu warten. „Sobald ich die erste Gehaltszulage, 300 Mk., habe, fange ich damit an, die.alten Bären abzubinden und stehe damit auch nicht besser als vorder Zulage." Dann fragt er: „Was sollen nun Leute tun, die zwei und mehr Kinder haben? Können Sie denen eine andere Rechnung ausmachen? Der Kernpunkt der Geburtcnirage liegt meines Erachtens nicht in Kvn-- zeptionsmitteln, sondern i» w i r t s ch a s t l i ch e n Fragen. , Ich kenne ja den Standpunkt der Post, ich billige ihn, aber ich glaube, Sic überblicken solche Verhältnisse nicht immer wie die meinigen und die meiner Kollegen." Eine Familie ans Lankwitz hält die willkürliche Beschränkung der Kinderzahl für naturwidrig und deshalb auck) voiti sittlichen Standpunkt für nicht erlaubt, aber leider für gegenwärtig geboten... „Ueber Kinderreichtum an und für sich wird von mir keine Klage geführt, n u r ü b e r die Schwierigkeit der angem es jenen Verso r g u n g." Generalmajor v. Gersdorff glaubt, daß der Geburtenrückgang, wenn er nicht stärker werde, keine Besorgnisse zu erwecken brauche. Im übrigen macht auch er die wirtschaftliche Entwicklung, die Verleiterung der Lebenshaltung durch hohe Mietpreise in den Städten und niedrige Löhne für die ungelernten Arbeiter verantwortlich . . . „Das Hanptübel liegt in den wirtschaftlichen Verhältnissen, die die übermäßige Jndtistriealisierung Deutschlands als Begleiterscheinung aufzuweisen hat. Die Bodenspekulation tat das übrige und nun kommen die Gesetzmaßregeln, wie das preußische Wohnungsgesetz, zu spät." Den Fabrikbesitzer E. H., der die amüsantesten Vorschläge macht — z. B. nur noch verheiratete Beamte anzn- stellen, wobei kinderlose Beamte Junggesellen gleichzustcllen seien! n. a. m. — können wir füglich übergehen. Den Schluß bildet die Antwort einer Beamtenfran, deren Mann Tclcgraphenassistent war. Ein Betriebsunfall «nachte ihn dienstunfähig, er ist mit seiner Familie auf jährlich 579 Mk. Pension angewiesen. Die Frau schließt ihre Zuschrift mit den bitteren Worten: „Beomtworteu Tie mir bitte folgende Frage: Ist ein beukschcr Ncichsbcamtcr, der bei feinem Eintritt in de» Poftdienst Seiner Majestät dem Kaiser Treue und Gehorsam geschworen und gehalten hat, nach seinem Ausscheide» nach 8% Dieiistjahrcii mit Frau und Kindern nur noch des Verhungerns wert?" Es ist ein hartes Schicksal, das diese Frau getroffen hat; aber sie steht mit ihrem Unglück nicht allein. Wieviele Arbeiter müssen täglich — stündlich gefaßt sein, ihrem Beruf zuni Opfer zu fallen. Kann man es ihnen verdenken, wenn sie nicht glauben, die Verantwortung dafür tragen zu können, unter Umständen eine große Familie unversorgt znrückzn- lasscn? Ans den Zuschriften, die wir absichtlich ziemlich ausführlich wiedergegeben haben, geht mit aller Deutlichkeit hervor, daß die Beschränkung der Geburtenzahl in mittleren Beamtenkreisen und auch in Offiziersfamilien ans wirtschaftlichen Gründen beruht. Gegen ihren Willen, denn alle, protestieren ja in der Theorie gegen die willkürliche Ge- burtenverniindernng — sprechen sie cs ans, daß sie nicht mehr Kinder haben dürfen, und beweisen damit das Gegenteil voll dem, was die Post und die Kreise, die hinter ihr stehen, immer wieder behaupten. Wenn aber schon manche von diesen sinanziell immerhin gesichert dastehenden Familien die Ge- burtenzahl beschränken müssen, wieviel mutz man dem Arbeiter das gleiche Recht zugestehen, dessen Einkommen bei weitem kleiner ist, und der bei jeder wirtschaftlichen Krise befürchten muh, auch seinen geringen Verdienst noch einzu- bützen. Dazu kommt hier noch die Erwerbsarbeit der Ehefrau, auf die viele Arbeiterfamilien angewiesen sind. Jeder Lohnausfall reiht eine cnipfindliche Lücke in das Haushaltungsbudget, die natürlich am stärksten empfunden wird, wenn durch die Geburt eines Kindes neue und nicht unerhebliche Kosten entstehen. Die Post wird natürlich keine Nutzanwendungen aus,der ihr zuteil gewordenen Belehrung ziehen. Sie hält sich an die „sittliche Entrüstung". .Die Arau als technische Angestellte. Noch vor wenigen Jahren hat man kaum etwas von Frauen In den technischen Bernsen gehört, ihre Zahl war so klein, daß sie nicht weiter beachtet wurde. Seit 1895 ist jedoch eine erhebliche Zunahme der technischen Frauenarbeit erfolgt; in der Industrie, im Bergbau und Baugewerbe finden wir 8884 weibliche technische Angestellte, im Handel und Verkehr 2494, in der Landwirtschaft wurden 38 gewählt. Zweifellos sind aber seit der letzten Berufszählung die Ziffern noch erheblich gestiegen, lieber die wirtschastliche Lage dieser berufstätigen Frauen mar die Oesfentlichkcit bisher so gut wie garnicht unterrichtet, und es ist deshalb zu begrüßen, dass jetzt Frau Josephine Lcvii-Rathenau, die Leiterin des Frauenberussamtes des Bundes Deutscher Frauenvcreinc, in einer Broschüre das von ihr gesammelte Material und die Ergebnisse ihrer Untersuchungen veröffentlicht hat. (Josephine Levq-Nathenau, Die Frau als technische Angestellte, Heft 1 der Schriften des Frauenberuss- amtes, Leipzig, B. G. Teubncr, Pr. 1 Mark.) Tie Materialbeschassung war aus leicht begreiflichen Gründen mit großen Schmierigkeiten verknüpft; irgend ivclchc wisienschaft- lichcn Arbeiten über diese Frage existierten noch nicht, in de» Berufsorganisationen stehen verschwindend wenige technische weibliche Angestellten, so daß die von ihnen erhaltenen Auskünfte nicht als Norm sür den ganzen Berus angesehen werden konnten. So stellt die vorliegende Arbeit eigentlich nur eine Einführung in das große Gebiet dar, die vielleicht rasch überholt sein wird, deren Wert aber darin beruht, daß sic eine absolut zuverlässige Basis sür lpäterc llntersuchnngen abgeben kann. Als Grund für das Eindringen der Frau in die Stellungen als technische Anqeslcllte gibt Frau Levy-Rathenau neben den allgemein wirtschaftlichen Ursachen an, daß die Art der Arbeit sich gewandelt habe. „Die Trennung der verschiedenen Arbeitsgebiete, bei der gelegentlich auch schon die technische Bnrcauarbeit von der eigentlichen Bciricbsarbcit abgesondert wird, sowie die sich daraus auch ergebende Vermehrung des technischen Verwaltiinosapparates ermöglicht nun die Verwendung von weiblichen Kräften und schasst veränderte Voraussetzungen für erfolgreiche Frauenarbeit in technischen Berufen. Es entstehen neuartige Stellungen, die den weiblichen Fädigkeiten und Kräften, einen vor kurzem noch nicht vorhandenen Spielraum gewähren. Besondere Zcichcn- bureaus, Versuchsstationen, Laboratorien aller Art erledigen jetzt vielfach vorbereitende Arbeiten, die nicht unmittelbar mit der Führung und Beaufsichtigung des Betriebes znsammenhängen." So schafft die veränderte Arbeitseinstellung neue Berufe, für bie sich Frauen besonders gut eignen. Zn einem großen Teil aber wird die Anstellung von Frauen natürlich deshalb bevorzugt, weil sic billiger arbeiten. Es ist nicht möglich, die Zahl der heule bereits tätigen weiblichen technischen Angestellten auch nur annähernd genau fcstzn- stellen. In den Berufsorganisationen ist nur ein verschwindend f[einer Bruchteil z„ finden: so siitd in den in Betracht kommenden gemischten Verbänden neben den 23 983 männlichen nur 47 weibliche Mitglieder anfgcfjihrt. und in 6cn Frauenorganisationcn finden sich etwa 1854 technisch: Angestellte, von denen aber ein großer Teil nicht einmal alo technische Angestellte im engeren Sinne gelten kann. Grade Laß aber nur io wenige weibliche technische Angestellte organisiert sind, bedeutet eine große Gefahr sür den Beruf. Tic unorganisierte Frau ivird stets leichter zur Loh^drückcrin und schädigt dadurch nicht nur sich und die übrigen weiblichen Angestellten, sondern ^überhaupt alle in dem gleichen Berufe tätigen. Heute sindcn ivir weibliche technische Angestellte in gewerblichen und industrielle» Werkstätten und Betriebe» lWrrtmcist-'- rinnen), in technischen Bureaus, in Laboratorien, als technisch ?: Zcichnerinncn, Modcnzcichncriunc», Kalligraphen. Panserinnen, in der Eiscnbahnverwaltuna, bei der Hersicllnicg der L'iche-anfnahv'.c, in wissenschaftlichen Instituten und Museen, .als PlakaOeich- jicrimicii, als Chemikerinnen und Chemotechnikeriimen. besonders als Znckerchcmikcrlnncn. l» landivirlschasllichcn Versuchsstationen, in der technischen Photographie, der Nönigcnphotographic und der Mikrophotographie. Kurz und gut die Stellungen sind von einer Äiofjni Vielseitigkeit, Die AusbilbungSmöglichkeiten sind dagegen nicht allzu zahlreich, zum mindesten nicht die Institute, die eine gründliche Ausbildung gewährleisten: und aus der anderen Seite gehen auch »och viele Frauen mangelhaft auSgebildct in die technischen Berufe hinein und erlangen dann natürlich nach vielen Mühen nur sehr schwach bezahlte Stellen. Ten knnstgecvcrbliche», kunstindustrlcllen und technischen Zeichncrinnen fehlt es meist ag jeder gewerblichen Ausbildung, die unbedingt verlangt werden muß. Frau Levn-Rathenau bedauert, daß bei Eltern und Töchtern immer noch die Ausfassung verbreitet sei, „daß technisches Wissen und Können llbersiiisiig und Zcilvcrschwcnduna ist. . . Viele weibliche Eristcnzen scheitern dann auch hier (im Kunstgcwerbc) kläglich, ohne sich bewußt zu weiten, daß der Mißerfola in erster Reihe auf das Fehlen aller praktisch- technischen Vorkenntnisi« zuriickzuführcn ist." Für die zeichnerischen Hilfskräfte sind vor allem Pslichtsortblldnnqsschulen, Lehrwerkstätten und Fachkurse zu errichten oder zu öffnen. Von größter Wichtigkeit aber ist es, die in technischen Berufen stehenden Frauen den aewerkschastliche» Organisationen zuzufnhrcn. Tie nächsten Jahre werden zweifellos eine rapide Vcrnichrung der Stellen für weibliche technische Angestellte, aber auch eine Steigerung der Nachfrage nach solchen Stellungen bringen. Sollen gesunde Arbeitsbedingungen geschaffen werden, so muß man unter allen Umständen versuchen, das Unterbieten, die Schmutzkonkurrcnz zu verhindern, und das kann ans die Tauer und wirksam nur durch die intensive Arbeit der aroßcn gewerkschaftlichen Organisationen geschehen. IrattMsÄes Gesetz zur Kelumg des Kinderreichlums. In Frankreich, wo ja auch der allgemeine Geburtenrückgang die für den Bevölkernngsbestand bedrohlichsten Dimensionen angenommen hat, ist inan jetzt dabei, dieser Gefahr ernsthaft zulcibc au gehe». Eine Reihe kleinerer Gelegen- hcitsgesetze hat ihre Krönung gesunden durch das am 14, Juli 1913 erlassene Gesetz für kinderreiche Familien. Danach wird künftig jedcrFainilicnvater, der mehr als 3 legitime oder anerkannte Kinder unter 13 Jahren besitzt und nicht imstande ist, genügende Mittel für ihren Unterhalt anfznbringcn, eine Unterstützung bekonuncn. Dabei werden Lehrlinge von 13—IG Jahren den Kindern unter 13 Jahren gleichgestellt werden. Mütter, die infolge Ablebens oder Verschwindens des Vaters ihre Kinder allein zu erhalten haben, bekommen die gleiche Unterstützung, die aber in diesem Falle schon vom zweiten Kinde ab cinsetzt. Dieselbe Bevorzugung gilt auch für Väter, die die Ehefrau verloren haben. Die Unterstützung darf nicht unter 60 »nd n^cht über 90 Francs pro Kind und Jahr betragen, und zwar wird die Höhe der Unterstützung vom Gcnieinderat bestimmt, unter Vorbehalt der Anerkennung durch den Krcisrat und das Ministerium des Innern. Ebenso bestiimnt der Gemeinderat den Begriff der „nicht genügenden Mittel". Legt man eine Untersuchung ans dem Jahre 1911 zugrunde, so würden etwa 371 500 Kinder unter 13 Jahren, die beide Eltern haben, 210 000, die nur noch die Mutter, und 221 000, die nur noch den Vater besitzen, und anßerdeni 50 000 Lehrlinge zu unterstützen sein, Tic Gesamtausgabe sür die Unterstützung würde ilach der gleichen Berechnung 121/2 Millionen Francs betragen, von denen 25 Millionen ans den Anteil des Staates entfallen. Aber dieser Gesamtbetrag wird sich voraussichtlich auf 50 Millionen Francs erhöhen, da es notwendig sein wird, das neue Gesetz mit den bereits früher erlassenen sozialen Gesetzen, insbesondere mit dem Gesetz über billige Votkswohnnngen, in Einklang zu bringen. Diesem Gesetz zufolge gibt der Staat den Gemeinden Subventionen zur Errichtung von Häusern für kinderreiche Familien. Diese Subventionen betragen bis zu 2 Prozent dcS Mietseinkommens der Häuser, falls die Kontrakte mit kinderreichen Familien die Hälfte des gesamten Mieiswertes der betreffenden Hauser ausmachen, Tic durch das neue Gesetz erforderlichen 50 Millionen Francs 'werden zwischen Staat, Departement und Gemeinde : eic ilt werden, Die Gemeinden werden ihren Anteil teils ans speziell für diesen Zweck gewidmeten Stiftungen und Spenden, sowie ans Wvbltätigkeitsinstitntioncn, teils mit Hilfe ihrer gewöhnlichen Stenern, resp. ans neuen Steuern und Taxen, deren Eintreibung das Gesetz gestattet, bestreiten. Die Unterstützung selbst wird monatlich oder in kleineren Zwischenräumen zur Auszahlung gelangen. Sie ist unantastbar und unpfändbar. Je nach der Bestimmung dcK Ge». iVicinberatS wird sie entweder an das Familicnobcrhmipt, die Mutter oder ein anderes Familienmitglied ausgezahlt oder der öffentlichen oder privaten Erziehungsanstalt überwiesen, in der das Kind untergebracht ist. Ferner kann der Ge- meindcrat bestimmen, daß die Unterstützung für die Miete verwandt oder in Natura ausgezahlt wird, um eine mögliche mißbräuchliche Anwendung (z. V. Vertrinken) zu verhindern. Es ist zu erwarten, daß dieses Gesetz nicht ohne Einfluß auf die Volksvermehrung bleiben wird. Ucbrigens bedeutet es kein absolutes Novum. Schon seither gaben eine Anzahl von Departements an Familien mit mehr als 3 Kindern eine Unterstützung von 10 Francs pro Monat und Kind, und in Paris erhalten Familien mit mehr als 4 Kindern unter 15 Jahren einen vierteljährlichen Zuschuß zur Miete von 24 Francs, wobei für diesen Zweck im ganzen 200CvM jährlich aufgewcndet wurden. chermg Kinder! Von G l j e b U s p e n 8 k i. Äisiin, ein kleiner Staatsbeamter, war soeben vom Friedhof zuriickgckehrt, wo er sein zwei Wochen altes Kind der Erde übergeben hatte. Er ging am und ab im dunkle» Zimmer, das den wenig paffenden Namen Salon liihric und dachte über dies und jenes nach; von Zeit zu Zeit trat er ans Fenster und wischte sich eine Trane, denn der Weihgeruch, der das Zimmer erfüllte, mahnte ihn sehen Augenblick au bas tote Kind. Lag es an dem winterlichen Abend oder an dem Wcihrauchbuft, oder schließlich an seiner traurigen Stimmung infolge der Begräbniszeremonic: Kiskin wurde plötzlich von Gedanken an lein vergangenes Leben überwältigt. Bald kehrte in sein Gedächtnis der fiifjc Augenblick des ersten Avancements zurück, bald der nicht weniger süße Augenblick seiner Verehelichung. Tann versanken diese beiden schönen Augenblicke in den Erinnerungen an die langen Jahre der Not und Sorgen. Vor allem empörte sich seine Seele gegen die llnmöglichkcit, seine Familie zu vergrößern. Tos winzig kleine Gehalt, die vielen Aus° abcn für die bereits bestehende, große Familie sprachen deutlich asür, daß ein weiterer Zuwachs der Familie unmöglich sei, sollten nicht er, seine Frau und seine Kinder dein grenzenlosesten Elend prcisgegeben werden. Dies bedrückte Kiskin ungemein: er war noch jung, liebte seine Frau und seine Familie, und nun sollte er den wärmsten Gefühlen seines Herzens, den einzigen, in denen er sich unabhängig von seinen Amtspflichten fühlte, entsagen. Solche GcSanken kamen ihm schon öfters in den Kops. Seit einigen Jahren pslcgtc er bei den Taufen des einen oder des anderen seiner Kinder zu sagen: „Nun ist dieses das Letzte"! Aber die Gäste zwinkerten ihn> zu und bezweifelten seine Worte im höchsten Grade. Kiskin versicherte, gelobte und schwor, doch ei» Jahr darauf zog er wieder ans, um einen Paten oder eine Patin ausfindig zu machen. Das Gelöbnis, das Kiskin bei dem heutigen Begräbnis und bei der Taufe vor drei Tagen gegeben, saß diesmal besonders sest in ihm. Genug! Fertig! Wir sind Gott sei Tank zufrieden! — sprach er, auf- und abqchend und sich eine neue Träne aus dcni Auge wischend. Das Geschrei der Kinder, die sich im entlegensten Zimmer hcrninbalgten, die ewigen Streitigkeiten unter ihnen, die Prügel, die sic in der Schule bekamen, in der sic sehr mäßige Fortschritte zeigte», befestigte,, in Kiskin die llcbcrzcngnng, daß die Sache fort- zusctzcn unmöglich sei. Cr erblickt: auch in dem Tod des Neugeborenen eine» sprechenden Wink: so sehr er als Vater das Kind bedauerte, mußte er in dessen Tode eine Vorsehung Gottes erblicke». Ter liebe Herrgott selbst überlegte cs sich, da er sah, daß dem Kinde mir Hunger drohte, und ries cs zu sich. Nein, genug — sagte Kiskin laut. Er tröstete sich damit, daß auch sein Alter ihm nicht mehr erlaube, die Gattcnpflichtcn sortzn- fetzen. Es ist Zeit, dachte er bei sich, a» Gott zu denken, ihn um Hilfe anzuslehcn, den» er allein konnte nun dem armen Beamte» helfen. Zu diesem Zwecke hatte er ins Grab des Kindes die Rechnung der Begräbniskosten mit hincingclcgt, fest libcrzeugt, daß die zwölf Rubel, die zwei Tritte! seines Monatsgehaltes ansmachten die Aufmerksamkeit des Himmels auf feine Liebe und Opfer für die Kinder lenken würben. Auch würde die siindenlose Seele des verstorbenen Säuglings für ihn. Kiskin, und seine Fran beten und . . . Vielleicht wirds doch irgendwie gehen! — schloß der Beamte, seufz!: und trat in das andere Zimmer, in dem seine Frau saß. ,Was redetest du dort"? fragte ihn seine Frau und lächelte. Ta spazierte er mutterseelenallein im Zimmer herum und brummte sich etwas in den Bart. „Nichts besonderes" antwortete er. Das Lächeln seiner Fran machte einen seltsamen Eindruck auf ihn. Von den Wirtschastssorgcn und der beständigen Not ganz in Anspruch genommen, erhellte selten ein Lächeln das Gesicht se'ncr Fran. Jetzt krampftc sich in ihm das Herz zufamnien von diesem Lächeln, daS ihn nicht inehr freuen durfte. Außer dem Lächeln ivnrde er noch von eine,» anderen Umstand erschreckt: an diese.» Abend sah seine Frau garnicht übel aus, sie war nach ihrer Krankheit ein wenig abgcniagert und sah hübscher aus- als je. Sie trug ein sauberes, reinliches Kleid und zum lieberfluß waren ihre Tchnl- tcrn von üppigen Haaren bedeckt, um die sic mauchc Beamtenfrau bcneidcie. Kiskins Frau war außerdem noch sehr jung. Sic zählte kaum nwhr^gls^echömidMgnzist Jahre, . UiM'Zmderen Umst äichen konnte dies alles kclnessalls jemanden erschrecken; Kiskin aber er- lchrack darüber .... Er überwand sich mit großer Mühe und sagte: „Was ich dir sagen wollte, Mascha ... ich denke, wir haben genug miteinander . . . und Gott . . Kiskin wurde verlegen, sührte das Tascheniuch an die Ns' doch hatte er wohl bemerkt, baß seine verworrenen Worte von der Frau verstanden wurden. Sic errötete und wandte, die Haare kämmend, das Gesicht dem Fenster zu. Sic hatte über dasselbe wie ihr Man» »achgedacht und war zu demselben Schluß wie er gekommen. „Ja", fuhr Kiskin. fort", wir haben Gott sei Dank . . . Was denkst du darüber?" „Ich denke cs auch", antwortet« die Fra». „Nun eben! Und wir wollen zu Eolt beten, baß er uns bci- stcht . . . Anders ists. wenn ich ein« Zulage bekomme. Tann, nun . . . Aber bei uni'eren Schwierigkeiten". Beide Gatte» seufzten. „Was ist da zu machen", sagte der Manu. „Ja. Und außerdem sollten mir auch ein wenig an unsere Seelen denken . . ." „Gewiß", fügte die Frau hinzu. „So . . o! So ist es! Wir sollte» auch unsere Seelen nicht vergessen ... Es liegt nicht alles am Irdischen und Vergänglichen! Und dann, meine Liebe, steht in der Schrift geschrieben: Sorget um eure Seele . . . Also . . . Ich werde im Salon schlafe» und du hier . . " „Ich hier . ., „Und ich im Salon". Tie Fran schwica eine Weile und sagte dann: „So ist cd viel besser". Der Mann seufzt« zur Antwoct. Und seine trübe Gemütsverfassung zu verscheuchen, beschloß Kiskin, das Gespräch auf etwas anderes zu bringen und fragte: „Wie spät inag cs jetzt sein?" Als er hörte, daß Sie Gesängnisnhr schon längst neun geschlagen halte, stellte er eine zweite Frage: „Ist es nicht Zeit, elwas zu sich zu nehmen?" Tann aßen sie schweigend zu Abend, wechselten nur von Zeit zu Zeit einige Worte, hauptsächlich Uber Vorgesctzt» und Ticnstkollegen. Das Gespräch wollte durchaus nicht gehen . . . Sowohl der Mann wie die Frau dachten an etwas anderes und langweilten sich. Kiskin schluckte einige Gläschen Wodka hinunter, aber auch das hob seine Stimmung nicht. Im Gegenteil, er seufzte immer häufiger und tiefer und der einzige Erfolg des leichten Rausches ivar, baß er immer lauter zu sprechen begann. Nach dem Essen erschien die Magb. um die Betten zurecht zu machen. Dieses beunruhigte Kiskin »och mehr als alles bisherige. Währc.'d er zusah, wie die Magd die Kissen anfschüttclte, dachte er schaudernd daran, baß er nicht mehr mit seiner Frau von den Träumen und Visionen sich unterhalten werde, die manche Nacht einen der Gatten heimgcsucht hatten und die dann gemeinsam besprochen wurden: auch fielen ihm andere, harmlose Nichtigkeiten seines ehelichen Lebens ein und er wurde ganz traurig. Doch überwand sich Kiskin auch diesmal und sagte zu der Magd: „Tu, Akulina, Herren mir mein Belt im Salon, auf dem Sofa . . ." Akulina, die gerade das Bettlaken ausbreitctc, wandte voll Verwunderung ihr Gesicht dem Herrn zu, sah erst ihn, bann die Frau mit scharfem Blick an. „Ja", fuhr der Beamte fort, verlegen die Augen nicderschlagend, „ja, Aknllimschka, im Salon . . . Was ist zu mache»! In Gotte» Namen! Cs ist Zeit, ninfi an die Seele . . ." Diese drei zusammenhanglosen Sätze machten Akulina erstaunt. „Keine Liebe", saatc der ei» wenig berausch:! Beamte, „die bleibt hier. Tn verstehst garnichts, rein garnichts, verstehst du!" Kiskin machte Halt, er merkte die ganze Kompliziertheit seiner Lage und sagte plötzlich: „Wenn dir gesagt wird, du sollst das Bett im Salon machen, so brauchst du die Frau nicht zu belästigen, verstanden?" Akulina verstümmle und tat, was ihr gesagt wurde. Aber auch sie seufzte auf. Endlich war ans dem Sofa in, Talon das Bett fertig gema '. Doch Kiskin zögerte, sich hinzubegcbcn. Er ließ sich aus einer Truhe nieder und wendete sich nachlässig an seine Frau. „So . .o. Mascha! Na, na, was ist zu machen! Der liebe Herrgott scheint uns auf das Endliche aufmerksam zu machen!" Als seine Frau, enlschlosicn, sich in das neue Leben einznOzgen, ihm fest sagte: „Nun ist es Zeit zum Schlafen", bat Kiski» sie um einen Kuß, wobei er sagte: „Zum letzten Mal! Begreif es doch." Nachdem seine Frau ihn geküßt hatte, konnte Kiskin sie erst recht nicht verlasse», den» er weinte und wischte sich die Tränen aus den Augen. Seine Frau weinte ebenfalls. „Nun, gcb, geh", sagte sie endlich, sich rasch die Tränen trockncttd. „Mascha!" sagte der Gatte. „Es ist Zeit! Cr, acht schon auf zwölf . . . Geh nur! Genug." Endlich mußte Kislin in seinen neuen Wohnort ziehen. Doch i;i der Türe blieb er wieder liehen. „Was meinst du, sollen wir die Türe schließen oder offen lassen, so"? Sic beschlossen, die Türe „so" zu lassen. Tat!» wurde eine weitere Frage anfgcrollt: Wäre cs nicht besser, das Sofa der Türe gegenüber zu stellen, io baß es nicht allzu langweilig ist und man zttweil:» auch ein Wort miteinander wechseln kann. Co wurde beschlossen, das Sofa dcni Wunsche Kiskins cn- sprcchcnd iimzustcllcn. Endlich war nun alles in Ordnung. Einige Äinnlcn herrschte tiescs Schweigen. Beide Galten konnten in der neuen Lage nicht gleich cinschlascn. Doch wollten sie einander die empfundenen Unbequemlichkeiten nicht verraten, stelltet! sich, beide schlafend und schwiegen. „Mas cha", sprach eiidlich schiichtcrn dex Mann, „Hm?" „Schläfst du?" „Nein, ich ivcifi nicht warum, aber ich kann nicht cinsthlasen", „Auch ich kann, ivciß Gott warum, nicht cinschlascn". „Das macht der neue Platz", „Ich denke es mir auch . . . Am Ende ist dach der neue Platz schuld?" „Sicher der neue Platz, schlaf nur!" Wieder trat Schweinen ein, Diesmal hielt cs läng«r an, ffti Kiskins Kopf tauchte folgender Gedanke auf: Und wie, wenn ich eine Zulage bekomme? Er dachte weiter über verschiedenes »ach, bis plötzlich ein Flüstern der Frau aus dem Schlafzimmer kam: „Iwan Abramitsch!" „Ja, Mamachen?" „Schläfst du?" «Nein, meine Liebe, ich kann nicht cinschlafen... ich denke, das kommt vom neuen Platz". „Sicher vom neuen Platz, von dem Ungewohnten", „Es scheint so. meine Liebe, vom Ungewohnten . . „Wie spät mag es nur sein?" „So spät! Nun ist cs Zeit, zu schlafen, Schlaf! Höchste Zeit!" Iwan Abramitsch seufzt und ein noch längeres Schweigen tritt ein. Er fühlt, dast auch seine Frau in derselben Weise gcguält wird wie er. Mein Gott, dachte Kiskin, ist das nicht sonderbar? Was bin ich nun jetzt! , , , Tot! Vollständig tot! N—na , . ," Plötzlich huschte es durch seinen Stopf. Na, und wenn der liebe Gott mjt eine Zulage beschert? Vor ihm entstand das Bild seiner Familie nach Gewährung einer Zulage, Das Hauptmomcnt dieses Bildes war, daß sich alles freute. Ganz und gar alles. Vom zweijährigen Kinde angesangen bis zur Magd Akulina, Alle waren glücklich, alle zufrieden . . . Aber Gott? murinclte plötzlich Kiskin. „Was sagst du?" kam eine Stimme aus dem Schlafzimmer. „Nein, nur so! , . , Der Schlaf will nicht kommen!" „Schlaf! schlaf!" sagte die Iran sich im Bette wälzend, „Nein, wahrhaftig, cs ist doch etwas . . ." brummte der Mann und wandte sich mit dem Gesicht der Sofawand zu. „Flöhe Werdens kaum sein, aber so . . ." „Schlaf, es ist kein einziger Floh dort", „Ja eben, ich denke mir auch, woher sollten da Flöhe kommen? Es ist nur so, . „Es gibt keine Flöhe, cs ist nur vom neuen Platz", „Es scheint wirklich nnr vom neuen Platz, Es ist nur so . . ." „Schlaf!" Die Frau schlief, Fn Kiskins Kopf aber tauchte wieder die Frage aus: Und tvie ist cs denn mit Gott! Und in demselben Augenblick durchliefen seine Gedanken all die Schwierigkeiten, die sein Familienleben bedrängten, und die er soeben klar und deutlich, unwiderleglich für jeden cingeschen hatte. Doch etwas drängte ihn, sein bisheriges Ehelcben nicht zu verändern, zwang ihn zu dem Entschluß, auf das letzte Stück Brot zu verzichten, um sich seiner Herzensneigung ganz, ohne Einschränkung, hinzugebcn. An ihm zog das Bild seiner traurigen Existenz vorbei, wenn er sich überwinden und „an die Seele" denken wollte. „Mein Gott", flüsterte er, „Mascha!" „Mascha, schläfst du?" sagte er plötzlich laut. Doch die Frau antwortete nicht. „Sie schläft", dachte er. Aber sie schlief noch lange nicht ein. Sic dachte, fest in das Kissen gewühlt, über dasselbe nach wie ihr Mann, Doch sie sah die Tinge klarer als er und beschloß, jcdett Gedanken, aus den sic durch die Frage „Aber Gott?" gebracht wurde, zu verscheuchen. Deswegen hatte sic attch nicht geantwortet, als sic der Mann ongcrufcn hatte. Sie stellte sich schlafend, hörte aber, wie sich Iwan Abramitsch voll einer Seite aus die andere wälzte und „mein Gott, mein Gott" flüsterte, „Schläfst du?" kam cs wieder ans dem Salon, Sie zog rasch die Decke über den Kops und antwortete nicht. Mit offenen Augen unter der Decke liegend, bemühte sie sich, an nichts zu denken. Wie hätte sie sich gefreut, wenn ihr Kopf sich in einen Stein verwandelt hätte! Diese Spannung dauerte lange an. Allmählich ivurdcn aber ihre Lider schwer. Sie sühltc sich immer inehr vom Schlaf überwältigt, und da plötzlich. . . „Wer ist da?" schrie sic in Angst aus. „Dort zieht es durch das Fenster... es zog mir so in de» Rücken, , . Ich bin ganz durchfroren!" murmelte Iwan Abramitsch, das Kissen in der Hand haltend. Einige Monate später saß Iwan Abramitsch beim Abendessen und dachte darüber nach, wen er zum Paten einladen sollte. Sowohl er wie seine Frau sahen ganz niedergeschlagen aus. Das Sofa hat schon längst wieder seinen alten Platz bekommen, eine Zulage aber war noch immer nicht erfolgt. Nach dem Abendessen seufzte Iwan Abramitsch und sagte: „Jetzt aber, Mascha, ist es ivirklich Zeit! Genug, was denkst du darüber?" Die Frau schivicg, (Ans detn Russischen von Nadja Straffer.) Aus Welt und Leven. Sexuelle Aufklärung i„ der Mädchenschule, Die Stadt Tronsicld in der englischen Grafschaft Derby ist seit einigen Tagen ii> großer Aufregung, weil Miß Ontram, die Leiteriit der städtischen Mädchenschule, den älteren Schülerinnen, die demnächst entlassen werden sollen, vom Katheder herab das Geheimnis der Liebe und der Ehe erklärt hat. Die entrüsteten Mütter der aufgeklärten Mädchen wandten sich sofort mit einem Protest an die Schulbehörden und verlangten die Absetzung der indiskreten Miß, Fräulein Outram ist aber bis jetzt voit Amtswegen nicht bestraft ivordcti und hat energisch erklärt, daß sie, obwohl viele Schülerinnen auf Wunsch ihrer Eltern aus der Schule ausgetreten find, itach wie vor das, was sie für ihre Pflicht halte, zu tun gedenke. In einem ähnlichen Falle, der vor kurzem in einer Chicagocr Schule vorkam, wurde die Leiterin einer Mädchenschule, die ihren Schülerinnen einen Vortrag über sexuelle Hygiene gehalten hatte, gezwungen, ans dem Aiiite zu scheiden; der Schulrat von Chicago ivählte sie aber bald darauf einstimmig wieder. Tic Lehrerin von Dronsield erwidert nun, die protestierenden Mütter seien in der Minderheit; sie veröffentlicht Briefe von Mütter», die offen gestehen, baß sie selbst es nicht wagten, ihren Töchtern das Geheimnis der geschlechtlichen Bcziehungeii zu ofsen- baren, lind die der Lehrerin dafür danken, daß sie sie von der Er- süllung einer peinlichen Pflicht befreit habe. Der ganze Vorfall hat den englischen Zeitungen Veranlassung gegeben, sich mit der Frage, ob eine Aufklärung der jungen Mädchen passciid sei oder nicht, in fast lcidenschastlichcr Weise zu beschäftige»; sehr viele Zeitungen sprechen sich für Vorträge über sexuelle Fragen aus, unter der Voraussetzung, daß solche Vorträge nur vor zur Einlassung koniinenden Schülerinnen gehalten würde». I» Deutschland hat dieselbe Frage vor einigen Jahren die Gemüter ebenso in hestigeni Für und Wider erregt. Das gewissermaßen abschließeiidc Wort sprach der Dürcrbund in dem Buche „?!>» Lcbensquell", das bei Alexander Köhler in Dresden erschien. Das halbe Hundert der als Ertrag eines Preisausschreibens gewonnenen Beispiele sexueller Allsklärung, die dieses Buch enthält, dient der Forderimg, mit aller sexuellen Geheimtllerei zu brechen, die Aufklärung ilicht auf einen bestimniten vorgerückten Zeitpunkt des Lebens sestzulcgen, sondern sic durch die gesamte Erziehung des Kindes vorzuberciten. Beste Mittel, diese sexuelle Erziehung zu pflegen, gibt die Betrachiulig der EntwicklungSvorgäuge im Tier- und Pslauzcnrcich, und da könne» Eltern cbcnsovicl Inn wie die Lehrer der Schule, Es toinint vor allem darauf an, dafür zu sorgen, daß das Kiiid lernt. Natürliches natürlich zu nehmen, uiid ihm den Weg, von Tier und Pflanze zu schließen, nicht zu erschwere». Das erscheint einfach, aber in Wirklichkeit stellt die Ar- bcit vor die Ausgabe, einen Nicsenwall veralteter erzieherischer Grundsätze ans dem Weg zu räumen. (-esundt-eitspfleqe. Erkältung und :Modc, Der lieucflc» Mode zollt der bekannte Hygieniker S.-R, Dr, Beerwald, Bcrlin-Altheide, zivar voi» ästhetischen Stanüpllnki Ancrkcnniiiig, er verurteilt sic jedoch vom hygienische», :>Nan sicht nufere Damen heute mit mehr oder weniger llm- faitgrcichcr Pelzbekleidung um dcil Hals und Oberkörper, der Fuß aber steckt in einem dünnen Lackschuh und durch den dünnen Strumpf sieht man die Haut des Beines schimmern, Ter Hals, der reich mit Blutgefäßen versehen ist, hat diese warme Bekleidung nicht nötig, weil er sich nicht leicht erkältet, beim Fuße jedoch ist der Wärmeschutz am geringsten, daher eine scstc Fußbekleidung als einziger Schutz gegen Erkältungen nötig, weil aus den Fuß Regen und Schneegestöber tzianz besonders ihren ivärmcentziehenven Ein- flnß ausilben, Aehnliche Verhältnisse sindcn sich in der Kinder- beklcidnng, Die Jungen tragen dicke Kappen uiid Schals uni den Hals, die Beine sind aber fast in der Ausdehnung des ganzen Unterschenkels ohne jede Bckleiduiig und daher unbarmherzig Wind und Wetter anSgcsctzt. Gewiß hat die Abhärtung ihre Bercch- tiguiig ilitd die Verweichlichung ihre große Gefahren, aber stets muß sich der Körper dem jedesmaligen Klima anpasseu und darf nicht unter Vcrnachlässigiuig der persönlichen Leistungsfähigkeit an den Organismus Forderungen stellen, denen er nicht gcivachscn ist. Wenn man die cifineii Winde im Winter »»d Frühjahr, wenn man Regenschauer und Schneegestöber auf die ungeschützten Beine der in der Entwicklung bcgrissencn Kinder cinwirkcn läßt, so bedciltct dies eine außerordentliche Gefährdung ihrer Gesundheit, Kür Kaiis ttitb Kof. Jetzt im Frühjahr haben Weiß-, Wirsing- und Rotkohl durch das laiige Eiukellcru an Wohlgeschmack verloren. Dicnni Ucbcl fattit man leicht abhclfcn, in&cm inan das Gemüse, nach dcni »buchen Abbrühen, in kräftigcr Fleischbrühe auS Maggis Bonillonwürsclu wcichkvcht. Das gleiche gilt für Mohrrüben lGelbruben) und Kohlrüben,