88 81 81 3 > 81 88 DaLÄEattderMm WöibmÜkhe ßmlnge der Äderkessiscben Voikszeitung Nummer 4 «Siesten, Freitag den 30. Uonuoc 1914. 6. Bobcgung UW S^ö 5355 ^58 Sß^ J3R2SB5 AW SÜ^ SW6 53^ „Im ^Ketd) gibis Sturm" . . e Auf der ganzen Linie der Arbciterfcinde bereitet man sich gegenwärtig vor, einen der bösartigsten Feldzüge gegen die organisierten Arbeiter und ihre Verbände zu unternehmen. Gutbezahlte und beflissene Geschäftsführer und Agenten von Unternehmer- und I n d u st r i e v e r b ä n d e n sammeln Material, tragen einen Haufen von meistens schamlos erfundenen Schauergeschichten Zusammen, halten Reden, lancieren Artikel in die Presse, suchen mit allen Mitteln in der Oeffentlichkeit die Meinung zu erwecken, daß die nicht gewerkschaftlich organisierten Arbeiter nicht genügend geschützt sind und in der verruchtesten Weise von der organisierten Arbeiterschaft tyrannisiert und geschädigt würden. Ter Zweck dieses bubenhaften Verleum- derfeldzugcs ist, vom Reichstag neue Strafgesetze gegen die Gewerkschaften zu erzwingen, damit diese in ihrer Tätigkeit gehemmt und ganze Scharen gewerkschaftlich organisierter Arbeiter in die Gefängnisse gebracht werden können. Ausfälligcrweise wird diese ganze Hetze nicht einmal von den unorganisierten Arbeitern inszeniert, die angeblich geschützt werden sollen; die fühlen sich vollkommen sicher. Selbst die total verlumpten und unmoralischsten Subjekte, deren cs in nicht geringer Zahl unter den sogenannten Arbeitswilligen gibt, sind völlig überzeugt, daß sie sich ungeslrast alle nur möglichen Uebergriffe erlauben dürfen. Stammt doch von einen, dieser Elemente das Wort: „Wir Arbeitswillige können einen tot schlagen!" Und tatsächlich ist zweien solcher Arbeitswilligen, von denen einer in Burg b. Magdeburg einen Arbeiter erschoß, der andere in Stettin einen streikenden Arbeiter erstach, vom Gericht kein Härchen gekrümmt worden. Auch die in „ch r i st - liche n" und H i r s ch - D n n ck c r s ch e n Gewerkschaften organisierten Arbeiter rufen nicht nach diesem verschärften Schutz. Sie sind sich ebenso wie die unorganisierten „A r - beitswilligen" völlig bewußt, daß die bestehenden Gesetze und die Behörden, die, lvenn es gegen die freiorgani- fierten Gewerkschaften geht, ganz auf ihrer Seite stehen, mehr als genügen, um sie gegen wirkliche Uebergriffe zu schützen. Nein, die Nufer im Streit, die sich als die Schützer der Ar- bcitswilligcn aufwcrsen, sind die Beauftragten der Unter- nehmer und ihrer Verbände, jener Leute und Organisationen, die selber durch Aussperrungen kalten Blutes Zehntausende von Arbeitswilligen ans Arbeit und Brot stoßen oder durch s ch w a r z e L i st e n von Ort zu Ort, von Betrieb zu Betrieb Hetzen, jener Leute, die nichts davon wissen wollen, daß die Hunderttausend- ehrenhafter Arbeitswilligen, die durch die Krise arbeitslos gemacht sind, durch eine st a a t l i ch e A r b e i t s l o s e n v e r s i ch c r u n g geschützt werden sollen. Diese Leute, die an und für sich durch ihren Reichtum und ihr wirtschaftliches Uebergewicht. schon eine ganz andere Macht als ein Arbeiter darstellen, sind selber sc st organisiert und alles andere als zimper- lich gegen diejenigen ihrer Klassengcnosscn. die sich nicht gut- willig der Unternchmerorganisation anschließen wollen. Sie besinnen sich keinen Augenblick, diese unorganisierten Unter- Nehmer durch Drohmittcl und geschäftliche Schädigungen in die tlnternehnierorganisation h i n c i n z n z w i n g e u. Diese Leute, die in ihren eigenen Reihen in der unverschämtesten Weise terrorisieren, die rufen jetzt nach Schutz der ArbeitS- willigcn! Und sie berufen sich dabei auf Streikexzesse, für die, soweit welche vorgekomnien, sie selber das größte Verschulden trifft, weil sie häufig genug das verlumpteste Streik- brcchertuni in Fabrik und Werkstatt nntcrbringen und ausdrücklich zu Gewalttätigkeiten airreizen, dadurch, daß sie sie mit Waffen gegen die Streikenden ausrüsten. Im Preußischen Abgeordnctenhause hat der alte Hasse: der Arbeiterschaft, der Freiherr von Zedlitz, bereits er» klärt: nicht prinzipiell und scharf genug könne die schab - l i ch e und verwerfliche Arbeitslose ir Versicherung bekämpft werden, ein viel besserer Schutz der Arbeitswilligen müsse angestrebt werden, die Straßen und Plätze müssen bei Streiks sreige halten (die Streikposten verhaftet), die Gewerkschaften zivilrechtlich haftbar gemacht werden: nicht neue Rechte für die Ar- ocitcrschaft „die Arbeiterklasse hat mit dem Reichstags- Wahlrecht schon weit mehr Recht, als ihr gebührt." „Im Reich gibt's Sturm, wir stehe» vor schweren Kämpfen!" Diesem alten Hetzer hat der als genau so arbeiterfeindlich bekannte Polizciminister in Preußen, v. Dallwitz, erwidert, das; alle die gewünschten scharfen Weisungen an die Polizeibehörden z«m Vorgehen bei Streiks bereits ergangen sind, daß überall Polizeiverordnnngen bestehen, ähnlich wie bei den letzten Streiks im Rheinland (Bergarbeiter, Färber in Crefeld) vorzngehen. . . . „Im Reiche gibt's Sturm, wir stehen vor schweren Kämpfen!" — das Stimmungsbarometer der Herrschenden weist daraus hin. Gilt, beim Stürmen ist ein wesentlicher Faktor die Macht der Zahl. Wenn unsere Gewerkschaften und die Partei die Zahl der Massen znm Kampf anf- rusen, »m im höchsten sittlichen P r o t e st den Herrschenden znzurufen: D i e H ä n d e w e g v o n unfern w i n z i - gen Rechten! dann wollen wir Frauen nicht fehlen. Wir müssen erkennen, daß die schwere Gefahr, die dem Koalitionsrecht droht, direkt die Existenz und die Lebenshaltung unserer Familie bedroht. Wenn cs also gilt, der entfesselten, zügellosen Volksfei n d s ch a f t im Sturm die besseren Kräfte des Volkes cntgegenzuwerfen, dann wollen >v i r Frauen nicht beiseite st e h e n! Die Aorlschrilte in der Schrrlspeisung. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Ernährung der Schulkinder, Insbesondere in den Städten der Industricbczirke, eine mangelhafte ist. Ter Erfolg des Schulunterrichts wird damit sehr oft in Frage gestellt. Bor allein bringt aber auch die »iigenilgende Ernährung schiverc Gefahren für die körperliche Entwiiklung der hcranreifcndeii Fugend mit sich. Es liegt daher ei» erhebliches öffentliches Interesse vor, die Speisung von Kinder» armer, er- ioerbstätiger Eltern zu fördern. Es empfiehlt sich, nicht nur die schlecht genährten Kinder zu speisen, sonder» im Fntcrefse des Kindsrfchntzes auch dleicnigcn. die durch Vernachlässigung der Familie heruntergekommen sind. Tie bisher durch private Wohltätigkeit lnS Lebe» gerufenen Einrichtungeik von Schiilerspeifungen sind nicht »mfassend genng, um die vorhandenen Miftstände zu de« fciligeit. ES muss«» unier ollen Umständen die Kommune» und womöglich auch der Staat helfend eingreifen. In Deutschland ist aus diesem Gebiete bis seht verhältnismäßig wenig geschehe». Irgend welche geschlichen Bcstiimnungen, die die Angelegenheit regeln, bestehen bis jetzt noch nirgends. Was geschehen ist, geschah meist aus Anregung der privaten Wohltätigkeit hin und beschränkt sich aus eine Anzahl grosser Städte. In München bestehen eine Anzahl Suppenküchcn, die jährlich rund 500 000 Portionen Suppe an Kinder verabreichen. In Hamburg wird die Schulspeisung vom „wohltätigen Schulverein" betriebe», an dem die Armenverwaltung beteiligt ist. Auch in Berlin erhält der Verein zur Speisung armer Schulkinder eine städtische Unterstützung, aber nur in Höhe von etwa 5000 Mark. Der Verein stellt Len Rektoren die Mittel zur Verfügung, um armen Schulkindern ein Frühstück gewähren zu können. Für die Mittagspcisung hat der Magistrat mit dem Verein für Volksküchen einen Vertrag geschloffen, wonach dieser gegen eine städtische Beihilfe von kl Psg. pro Portion an Kinder, die von der Stadt zugewiesc» werde», ein Mittageffe» verabfolgt. I» Ch a r l o t t e » b u r g werden jährlich rund 050 Kinder gespeist. Tie Kosten betragen etwa 32 000 Mark. In Chemnitz sind 1500 Mark in den städtischen Etat eingestellt, um bedürftigen Kindern ein warmes Frühstück zu gewähre». In Dresden werden dem Verein zur Speisung bcdiirstiger Schulkinder seit dem Jahre 1010 städtische Beihilfen von jährlich 15 000 Mark gewährt. Frankfurt a. M. gibt für Schulkindersrüh- stiicke jährlich 10 000 Mark ans, Stuttgart 40 000 Mark. In Leipzig werden den Kindern bedürftiger Arbeitsloser während dreier Wochen warme Milch mit Brötchen und Mittags eine kräftige Speise geliefert. Mannheim »nd Hannover haben ebenfalls je 10 000 Mark zur Schulspeisung im Etat bereit gestellt. In Karlsruhe hat die Stadtverwaltung dem Frauenvereiu die Organisation übertragen, der die Selbstkosten mit 18 Psg. pro Portion erstattet bekommt. Aehnliche Einrichtungen bestehen in Gleiwitz, Hanan, Fürth, Osnabrück. Zittau, Eibau, Rummelsburg, Peine »sw. Werfen wir einen Blick auf das A u s l a n b, so finde» wir, dort teilweise weit bessere Einrichtungen. In England besteht seit 1906 ein Schulspcisegesetz, das im Jahre 1911 von 123 Gemeinde» durchgcfllhrl wurde. Im Jahre 1910 wurden ohne London 120000 Schüler gespeist; die verzehrten Portionen näherten sich der neunten Million. In London selbst stieg die Zahl der gespeisten Schüler von 88 000 im Jahre 1908 auf 115 000 im Jahre 1910, die der verteilten Portionen von 144 000 auf 9139 000. Insgesamt erhielten rund 228 000 englische Kinder 16 299 000 Mahlzeiten im Jahre 1910. Tie össentlichcn Zuschüsse dazu betragen 3'/- Millionen Mark. Alle beteiligten Stellen sind einig tibcr die auherordentlich günstigen Erfolge der Einrichtung. In Frankreich gehört die Sckmlspeisung sogar in de» kleine» Dörfer» zu den Wesenheiten der Volksschule. In Paris ist seit 1882 die Speisung bedürftiger Schulkinder obligatorisch. Die Stadt besitzt 380 Schul- kantinen für 588 Schulen: im Jahre 1909 wurden an 38 500 Kinder säst 8 Millionen Mahlzeiten verteilt. Der städtische Zuschuß beträgt annähernd 1 Million Mark. Im Jahre 1909 hatte Frankreich lohne Paris) In 54 seiner 88 Departements 2367 Kantinen und speiste 148 000 Schüler. Drei Fünftel der Kantinen sind direkte kommunale Einrichtungen, die anderen beiden Fünftel werden teilweise öffentlich unterhalten. Nach der französischen Schultheorie must jedes bedürftige Kind eine warme Mittagsmahlzeit erhalten. Niemals darf die Schulspeisung als Wohltat gelten. Holland ermächtigte mit der Einführung der Volksschulpflicht die Gemeinden im Jahre 1900, Schüler zu speisen und zu kleiden, sofern die Nahrungsnot oder der Kleidcrniangel vom regelmäßigeu Schulbesuch zurückhält. Im Jahre 1907 wurde die Einrichtung in 137 Städten durchgeführt. In der Schweiz ist die Schulspeisung ebenfalls gelenlich geregelt; in einigen Kantonen ist sic sogar obligatorisch. Sehr verbreitet ist die öffentliche Schulspeisung ln Italien. In Mailand erhalten täglich 17 600 <88 Prozent sämtlicher) Schulkinder warme Mittagskost: davon 30 Prozent unentgeltlich. J„ Roni, Genua, Padita, Venedig beteiligt sich öle Hälfte aller Schüler an fie» überwiegend unentgeltlichen Mahl- zeiten. Tie Gesamtausgaben von 41 Städten betrugen rmtd 1 Million Mark. In A in e r i ka sind die Einrichtnitgen »och Lnsterst verschiedenartig. Vielfach sind Gelegenheiten geschasfen. dast sich die Schüler in der Schule selbst die Mahlzeiten bereiten oder wenigsten» mitgebrachte Speisen wärme». Die gegenwärtige wirtschaftliche Kris« sollt« auch den deutschen Gemeinden Anlast geben, sofort Mastnahinen zu treffen, um bi« Schulspeisung armer Kinder weiter auSzugestalten. Sonst bleibt Deutschland In allen Knlturangelegcnheltru hinkend zurück. Aer Aevölsreruttgsuberschttsr steigt wieder! DaS Jahr 1911 war ein Schreckschuß für die deutsch- nationalen Politiker. Die Geburlenrate hatte ihre min schon icit Jahren sinkende Tendenz beibehaltcn; gleichzeitig wap aber der Rückgang der Sterbcrate, der bis dahin jenen Rückgang der Geburten mehr oder weniger aufgehoben hatte, znm Stillstand gckonimen, sodaß der Geburtenüberschuß mit einem Male einen gewaltigen Absturz erfuhr. Er sank von 873113 Personen oder 13,62 pro 1000 der Bevölkerung auf 739 945 oder 11,32 pro 1000 der Bevölkerung. Damit rückte für gewisse Leute das drohende Gespenst eines Bevölkcrungs- jtillstanües und schließlich Rückganges in greifbare Nähe. Unzählige Federn wurden in Bewegung gesetzt, um die Ur- jack>e des Hebels zu ergriinden und in buntscheckiger Mannich- saltigkeit reihte sich Vorschlag an Vorschlag, wie man am besten dem Nebel Einhalt tun könnte. Aber noch ehe irgend einer von diesen Vorschlägen praktische Gestalt angenommen hatte, haben sich^die Verhältnisse ganz von selbst gebessert. Was schon ans den Veröffentlichungen einiger Einzelstaaten über die Bevölkerungsvermchrung de? Jahres 1912 hcrvo» ging, das wird jetzt durch die in dem soeben herausge- kommcnen Vicrteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reiches mitgeteilten Ziffern für das ganze Reich bestätigt: Daß nämlich das Jahr 1911 infolge seines die Sänglings- stcrlilichkcit begünstigenden heißen Sommers ein Ausnahme. >ahr darslclllc und daß die normale Entwicklung der Bevölkerungsbewegung bis jetzt absolut keinen Anlaß gibt, besonders schwarz in die Zukunft zu sehen. Zwar hat auch 1912 eine weitere kleine Abnahme der Gcbnrtenrate gebracht. Ihre Ziffer sank von 1 927 039, oder 29,48 pro 1000 der Bevölkerung, auf 1925 883, oder 29,12 pro 1000. Gleichzeitig sank aber anck, die Zahl der Gestorbenen von 1 187 094, oder 18,10 pro 1000, ans 1085 996, oder 16,42 pro 1000, und erreichte damit einen Tiefstand, wie ihn noch kcin Jahr vorher, auch nicht das bis dahin günstigste Jahr 1910 <17,09 pro 1000) anfznwcisen hatte. Infolgedessen stieg der Geburtenüberschuß von 739 945 — 11, 32 pro 1000 auf 839 887 — 12,70 pro 1000. Wenn er damit auch hinter dein Geburtenüberschuß der vorhergehenden 17 Jahre znrück- bleibt, so steht er damit doch noch ebenso hoch resp. höher wie in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Reichsgründung, wie folgende kleine Tabelle erweist. Es kamen auf je 1000 Einwohner im Jahresdurchschnitt Geburten Todesfälle Geburtenüberschuß 1873,82 40,65 28,02 12,63 1883/92 37,98 26,06 11,92 1893/1902 37,11 22,68 14,43 1903/1012 32,49 18,90 13,59 Hoffentlich werden diese statistischen Ergebnisse nicht verfehlen, die erregten Gemüter etwas zu beruhige». Zu bemerken ist ferner noch, daß die Zahl der T o t g e b o r e » e u einen kleinen Rückgang (von 2,95 pro 100 Geburten ans 2,93) erfahren hat. Dagegen ist die Rat der u n e h e l i ch G e - bo reue n wieder um eine Kleinigkeit gestiegen. Es wurden 1912 183 857 — 9,55 Prozent »»ehelich geboren gegen 177 056 — 9,19 Prozent in 1911. Die uneheliche Geburtenrate hat damit seit 1872 ihre» höchsten Stand erreicht; ihren niedrigsten hatte sie ini Jahre 1903 mit 8,33 Prozent. Keimkestr. Eine Skizze ans dem Jscrgetzirge. Von Leo K o l t s ch. Del, dämmernden Winterivalb hinan schreitet schnmükend und »lühsclig ei» Manu, Bitterkalt tst's, Aber dem derga» Kämpsen- den steht der Schweis, in großen, klaren Tropfen auf der Stirn «nd sein Atem geh! krampfhaft. Trotz aller Airchecngimgen bleibt sein hageres Gesicht djeich; nur Ohren und Nasenspitze glänzen jchier unheimlich blaurot. De,' hartgefrorene Schneepsad kreischt und forscht unter dem langsanieu Fuß deS Wanderers, und hin und wieder, wenn er ausrastend einen Stamm umklammert, schütteln die ans dem Schlaf aeweckten Aest« «inen unwirschen Flockenwirbel herab auf der Störer, der da ächzend, hustend, nach Lust ringend, unter ihnen steht. Der aber achtet nicht darauf, noch auf alt die Schönheiten des winterlichen BergwaldcZ. Die abenteuerlichen Kleider der rauhbcrcisten Bäume, di« phantastischen Eisgebilde, die von liberhaugendcn Felsen, herniederkletteru, das unendlich gedämpfte Murmeln des Waldbaches, der irgendwo in der Nähe, tief unterm Schnee vergraben talab fließt; das gcheiinnisvolle Knacken und Knattern ringsum, wenn cinsrierendes Baumgcäder seine Zellen sprengt, der rührend ängstliche Ruf irgend eines Winter- vögleins, bas vielleicht vom Habicht bedroht ist: all das scheint den Mann nicht tiefer zu berühren als jenes hungernde Reh, bas eilig durchs dürre Gezweig brechend, der Fuitcrstelle zustrcbt. Wieder keucht er bergan, Schritt um Schritt, »nd weihe Nebel- Wölkchen, von seinem Atem erzeugt, schweben vor ihm her. Es ist Samstag und er geht heimwärts, den Lohn der Woche in der Tasche. Und um das ach so durstige Geldtäschchen im Hoscnsack krampst sich zornig und schmcrzersüllt feine Hand. Es ist wenig, so wenig! Und doch ist cs vielleicht das letzte Geld, das er verdient. Da hat er nim slinszehn Jahre an, Schlciskasten gesessen, hat sich die Finger blutig geschunden und die Augen iniide geschaut. Uno jede feingeschlissene Vase, jedes blinkende Flacon, jeder glitzernde Glasring har ihn« ein Teilchen seiner Lungen mit weggeholt. Nun ist er fertig. Heute hat er sich krank gemeldet und morgen wird er sich hinlegen. Vicviel Wochen wirbS dann wohl noch dauern mit ihm? Was wird dann sein Weib machen und wie wirbs seinem Kind gehn? Seine Tont wird, jung ist sie ja noch, wieder heiraten. Franzlbaucrs-Ludwigs-Anton hat ja noch immer ein Auge auf sic. Aber das Kind, sein lieber Junge, der wird dann überzählig sein. Ueberzühlig in der zartesten Jugend, wie sein Vater mit seinen siinfunddreißig Jahren . . . So hat der Glasschleifer, i» namenloser körperlicher und seelischer Qual die Höhe gewonnen »nd sein Tal liegt vor ihm. Sein Tal! Er würde lachen, wen» er nicht noch rechtzeitig bedächte, dag ihm das zu nichts helfen würde als zu einem neuen Hustenanfall. Sein Tal! Da liegt es mit all seinen kleinen Häuslein, die wie Krippensignren gegen die schwarzgrünen Walbmaffen vorriicke», mit seinen Glasschleifereien und den vielen eisglitzernden Teichen, mit den Glasfabriken, bereit hohe, rotglühende Fenster herrische, grelle Lichter ans die Schneedecke schlendern. Ein Tal, seine schönen Berge! Die haben ihn festgehalten und sestgehalte», bis die von feinen Vätern ererbte Arbeit ihn aufgefresscn hatte ... Ob er noch einmal in die Pilze wird gehen können? Ob er die nächsten Heidelbeeren sehen wird? Wenn er doch noch den nächsten ersten Mai erleben würde! Ob er wenigstens Ostern schauen wird? Wenn er nur noch zur letzten Fasching noch da wäre! To jagen sich seine Wünsche. Ein »euer Huftenansall durchkrampst ihn. Was ist denn das für ein Propsc» im Hals? Vielleicht, wenn er den ganz heraus- hnsten kann, ist ihm ans lange besser. Und er hustet. Nun ist ihm leichler. aber auch mit seiner Kraft ist's vorbei; er ums; sich setzen. Nicht auf lange, sagt er sich, denn in der Kälte sitzen ist gefährlich; aber er ist so müde. Dort ans dem Stein wird sich's ganz gut ruhen; von ihm ans sieht er auch sein Hause! liegen, niid die beiden kleinen Fenster blinken grüßend zu ihm hinaus. Sein Hansel! Es hat ja blaß «ine Stube und den Stall und der steht leer. Aber es ist sein Haus. Wenn er das nicht gehabt hätte, wäre er längst schon sartgczogen, so schön cs auch in den Bergen der Heimat war. Sein Häusel! Er hat niemanden, dem er es vererben könnte als die Frau und den Jungen. Schuld ist auch drauf, weils doch schon so oft schlecht gegangen ist mit der Gesundheit und dem Verdienst. Wenn er heim kämmt, will er cs gleich schriftlich mache», das; das Häusel dem Jungen gehört. Denn seine Tani wird sich dach bald einen anderen mit ins Hansel nehmen, wenn er dart drüben liegen wird am anderen Abhänge, iva bic hohen Fichten über die Fricdhossmaner hcriibernickcn und denen drunten znrauschen: Nun gehört ihr ganz uns! Aber, er war nach nicht lat. I,» Gegenteil, jetzt war ihm aus einmal sa wohl, so warm, so leicht. Nun ivvllte er aber rasch nach Hanse, seiner Toni erzähle». >vie frisch er sich fühle. Wie rasch das ging. Und wie schön nun doch das alles um ihn war, die weihe, reine Glitzerdecke, die munteren Rodlerpärchen, bic dort von der jenseitigen Bergstraße hcrabsaiiste», die vielen Lichter tut Tal. welche wie fröhliche Kindcraugcn in die hereindämmenid« Mondnacht blinkte». Und schon war er ,;u Hause. Wie liebevoll ihn die Tani heute ansah. ivie freudestrahlend sein Jung« sich an feine Knie hing. Nein, er ivallte dach wieder arbeiten gehen am Montag. Oder vielmehr Dienstag, Montags loollte er blau machen, iveilS ihm jetzt um sa viel besser ging. Ein tiefer Atemzug entlang sich ihm. Und plötzlich fühlte cr„ wie etwas in ihm »ach oben drängte, den; Kopse zu. Ein süßer Geschmack stieg ihm int Haise empor, legte sich auf sein« Zunge und dann quoll es heiß und schwer über seine Lippen. Eine harte Hand drückte ihm ans Stirn und Augen, ihm schwindelte, er siel, siel siel: alles »m ihn war dunkel, nur zwei rote Rüder, und in jedem «in blaiilrnchlenber Stern, tanzte» vor ihm her. Seine Toni schrie ciwas, der Junge ries: Pappa, soll ock tut! dann nichts mehr. In später Nacht fanden jiuei Heimkehrende einen toten Mann «m Wege. Er lag neben jenem Stein ans der Bcrghöhe. wo der Weg sich talab ins Dorr neigt. Ein stilles Lächeln ruht« auf ficut blauweißen, eingefallenen Gesicht des Glasschleifers, uni grausig bohrte sich neben das friedvolle Antlitz ein großer, herzförmiger, grellroter Fleck i„ bas frische Weiß des Bergschnees. lim dieselbe Zeit fragte in einem Hänschen drunten im Tal eine schlaftrunkene Jungenstimme: „Mamma, kömmt denn b'r Papxa ne bale heim?" Und eine leise bebende Jnngweibcrstimme beschwichtigte: „Bis ock stölle, a Word cigckohrt sein. A ivord wulk bale hejm luinni!" Und dann kam er heim. Aus Welt und Leben. Hausfrauensorgen vor 100 Jahren. Die Erinncrungsfeicrn an das Jahr 1813 haben uns tief hinein- geführt in das Leben und Streben dieser Zeit. Ta lst es geivtß von Interesse, auch die kleinen Sorgen bcö Haushaltes der damaligen Menschen nicht zn vergesie», und gern werden unsere Frauen hören, wie die bürgerliche Hausfrau vor 100 Jahren wirtschaftete. Unendlich einfach und anspruchslos waren Küche und Keller damals bestellt. „Zn Mittag", sagt Gustav Freytag in seine» Erinnerungen, „gab cs nur ein Gericht, am Abend erhielten die Kinder selten Fleisch häufig Wassersuppe, die die Mutter durch Wurz«!» oder einen Milchzusah schmackhafter machte. Wein wurde nur ausgesetzt, wen» ei» Besuch kam." Fleisch gab cs mittags nur in reicheren Familien. Einen wichtigen Teil der Nahrung bildete bas ganze Jahr hindurch das „Schlachtewerk", das durch bas Schlachtfest im Winter gewannen wurde. Oft ging diese Schlachterei auf offener Straße vor sich; gute Freunde durften an der „Wurstsuppe" tei!- »chnir». „Das gab für Alt und Jung im Haufe ein fröhliches Fest", erzählt Gustav Klemm in seine» Erinnerungen, „aus das man sich lange vorher freute. Aus dem Herde brannte ein gewaltiges Feuer unter dem großen Keff«!, worin erst das Wellfleisch und dann die Würste gekocht wurden, die dann zum Teil mit den Schinken und Speckseite» in der Rauchkammer auf dem Oberboden aufgehangen wurden. Verwandten und Freunden sendete man bann Wurst- schüsseln. Nächstdem wurde» von wohlhabenden Familien i» den Städten auch Vorräte von Rindfleisch in Pöckelfässern eingelegt, denn auf Vorrat ward sehr gehalten, da man nicht wie jetzt in den Fieisch- laden senden und das Gewünschte sofort herbeiholen laste» konnte." Auch Bäckereien waren in kleineren Städten noch eine Seltenheit. Tie Hausfrau pflegte das Brot selbst zn backen, und nur, wenn es etwas Außerordentliches zu bereiten galt, etwa einen Baum- oder Stangenknche», ließ man eine Kunstverständige ins Hans kommen, der alle Zutaten an Mehl, Butter Eiern usw. genau zugewogeii wurden. Trockenbrot war bas gewöhnliche; „belegt« Bntterbrötcr" düngten als ein unerhörter Luxus, und Kuchen gab cs nur bei seltene» Festen. Die Kinder erhielte» als Delikatesten „Mnsstnllen" »nd „Syrupsemnieln", die heut« wohl so ziemlich verschwunden sind. Nicht minder wichtig als das Schlachten war bas Einmachrn der Gemüse und Früchte, die man noch nirgends in Läden kaufen konnte. „Freilich war die Kunst", erzählt Otto Bahr, „in geschlossenen Blechbüchsen anszubewahreu, noch ganz unbekannt. Weißkraut (Sauer- kohl), Gurken, „Strünke" (geschnittene Stengel von Sommer- cndivien) und „Schnippelbohnen" wurden mit Salz und Pfeffer eingemacht und fanden im Keller ihren Platz. Bon Früchten wurden Kirschen, Heidelbeeren und Zwetschen eingekocht und in der Spcise- lainmer anfbcwahrt. Preißelbeercn galten für ein sehr luxuriöses Obst und kamen in bürgerlichen Haiishaliungen nicht vor." Ihre Weisheit schöpfte die Hausfrau gewöhnlich ans einem schon von der Großmutter überkommenen handschriftlichen Kochbuch, bas sic wie ein Heiligtum beivahrte und in das st« sorgfältig neue Rezepte ein» (ritfl. Mehr als ein Dienstmädchen zn Halle», galt für eine» in Bürgerkreisen unerhörten Aufwand. Der wichtigste Tag in der Woche war für die Hausfrau vor 100 Jahren der Samstag, wo da- „große Reinemachen" stattsand. An diesem Tage wurde in wohl- babcnden Bnrgerfamilien zu Mittag nicht gekocht, sondern nur Kaffee getrunken. Das R.ineinachen hatte eben noch eine ganz andere Bedeutung als heute und mag anch wohl noch intensiver gewesen sein. Ein Frouenparadies. Heuet cjsi bisher fast gänzlich unbekanntes Volk, die Jautz Stämme in Südchina, veröffentlicht der Missions- snpcrintendent F, W. Lcnschner eine intereffnnte Studie i» den Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft zn Jena. Dieses tu vieler Beziehung merkwürdige Volk beivohnt die Gebirgszüge, die sich dort «ifjcikii, wo die Provinzen Kwangtung, Kivangsie, Kiangsi und Hunan aneinanderstoßen. Tic Iautz sind ein kriegerisches, wach eignen Gesehen lebendes Volk, unter das sich selbst die Chinesen nur selten wagen, und Leuschners Studienreisen waren keineswegs un- gesiihrlich. Interessant ist, was er über die Stellung der F r a n bei den Iautz erzählt. Sic ist dem Mann nicht unter-, sondern übergeordnet, sie steht ihm nicht nur gleich, sondern hat sogar größere Rechte als er. Mädchen und Frauen dürsen immer unter Männern sein und werden zuvorkommend behandelt. Es steht der Frau frei, den Mann, der sic nicht gut behandelt, zu verlassen. Sie sucht dann entweder im Hause ihrer Eltern oder in dem eines andern Mannes Zuflucht. Wen» auch der eigene Mann genau weiß, wo sic ist, hat er doch keine Macht, sic gegen ihre» Willen zurückzuholen. Ter Mann muß seiner Frau ^n Gefallen leben, ihr alles kaufen, ivas sie will, sonst läuft sie ihm fort und erfreut zeitiveilig eine» andern Mau». Ausnahmsweise gibt es auch Ehepaare, die sich bis ins Aller treu bleibe». Aber in de» meisten Ehe» ist selbstverständlich, daß der Gatte auch eine Geliebte, die Gattin auch einen Geliebte n hat. Es kommt vor, daß die Iran ihren Eicisbeo in das Haus ihres Gatten bestellt und in der Ausübung ihrer Freiheiten selbst aus die Anwesenheit ihres Mannes nicht Rücksicht nimmt; dieser darf detl Eindringling nicht hiuauswerseu, er muß ihn sogar noch bedienen. Auch kommt es vor, daß eine junge Frau ihre» Man» verläßt, einige Woche» bei ihrem Liebhaber wohnt und dann wicderkommt. Ebenso erhält der Mann zeitweise Besuch von andern Frauen, manchmal sogar von zweien oder dreien aus einmal; diese »chnien in der Zeit ihres Besuchs am ganzen Haushalt teil. Eine Witwe, die kinderlos ist, darf eine Heirat ans kurze Zeit schließen; sie ladet einen Mann 8» sich «in und trennt sich dann von ihm, wenn sie Erfolg merkt. Eine große Rolle spielt im LicbeSleben der Iautz der Gesang. Lind große Gesellschaften, zu», Bc>ipiel bei Hochzeiten, beisammen, so singen einzelne Frauen vierzciiige „Ausforderunge» zum Tanzes die an bestiitimlc Personen gerichtet sind. Der angesungene Mann ant- wvrict dann in schönen Brusttöne» zustimmend oder wartet schweigend ab, bis eine ihm erwünschtere Jrcierin sich an ihn wendet. Gegen den Wille» oder ohne Aufmunterung einer Frau würde ei» Iautz niemals einer Frau näher zu treten wage». Ten Fremde» sehen die Iautz schon mit Hinsicht aus ihre Frauen mißtrauisch a». Ein Engländer, der das Volk cinnial besuchte, mußte eilig slüchic», weil er mit seiner Kamera „die Seelen der Frauen sing"; diejenigen, nach denen der srcmdc Teufel mit dem schwarzen Kasten „geschossen" hatte, tiefen weinend zu jenen Männern und klagte» über Schmerze» in der Herzgegend. Mit den Chinesen bekomme» die Iautz oft Streit; sie werdcti von den Chinese» mit Hinsicht ans ihre Moral kurzweg „H » n d t" genannt. Tic Frau als Arzt. Im Pall Magazine lief! mau: In England ist die Aerzti» bereits eine ganz alltägliche Erscheinung. Nicht weniger als tausend weibliche Namen stehe» im britische» Aerztc- register; London zählt davon allein 200, Brigthon 10, Manchester 5. Fast alle Städte besitzen wenigstens eine Aerzti», und wo noch keine ist, herrscht ein dringendes Bedürfnis danach. Erstaunlich rasch habe» sich die Tokiorinnen das Vcriraue» des englischen Publikums erobert. Tic Fra» aus dem Volke will von einer Frau behandelt werde», und so sind denn in .zahlreichen Frauenkrankenhäuser,, Englands bereits Aerztinnen an leilcnde Stellen gerückt, jo i» dem Franenhospital in London nud in dem neuen Südiondoncr Fraueu- lrankenhaus, in dem Neuen Hospital von Ensto» Noab, dem Lad» Ehichester-Hospltal in Brigthon u. a. Die iveibiichcn Aerzte Englands crsüllcn nicht nur ihre praklischc» Pflichten auss ircfslichste, sondern habe» auch bereits bedeutende wisienschastlich« Leistungen zu verzeichnen. Ihr Studiumgang ist der gleiche, wie der der Männer. Sie mUsien zttiiächst durch ein Examen i» allgemeinen Fächern, Englisch, Latein, Mathcmattk, Griechisch oder einer modernen Sprache, ihre Befähigung zum Besuch der Universität Nachweisen, stndiercn dann ü— 0 Jahre Medizin und müsse» dann noch eine Probezeit im Krankenhaus ablcgc». Tie amerikanische Hausfrau im Kampse gegen die Teuerung. Tie amerikanischen HauSsrane» habe» resolut den Kamps bis a»ss Messer gegen die beständig steigende Teuerung der Nahrungsmittel allsgenommen und wollen den Vorteil, den th»c» die neuen Tarif» gesctzc in AnSstcht stellte», sich nicht durch die Truste, Zwischenhändler und Kleinhändler zunichte machen lasse». Tie Händler erkläre» nämlich, daß, soweit sie i» Betracht kämen, an ein Riebrigwerben der Preise nicht zu denken sei. Tie 700 000 Mitglieder u»,fastende »Liga der HauSsrauen von Amerika" will sich das aber nicht gefallen laste» und hat eine Propaganda unter allen Hausfrauen des Landes organisiert, um mit allen Mittel» eine Verbilligung der Nahrung durchzusctzcn. Besonders empört sind die Hausfrauen über die gewaltige» Preis« der frische» Eier, von denen «in Dutzend jetzt nicht weniger als 2,ä0 Mark kostet und vor Ende des Winter» noch ans 0,30 Mark hinaufgchcn soll. In den Kühlhäusern des Eierlrustes liegen aber allein im Staate Ncwiwrk nach den offiziellen Angaben 22 Millionen Eier, von denen das Dutzend zn 73 Pfg. angekauft wurde. Jedes Mitglied der Hansfrauenliga und alle, die sich ihnen anschließen, sollen »»» die T r u st e i c r boykottieren, bis die Preise herabgesetzt sind, und Hilst das nichts, dann will die Liga selbst von England, Deutschland und Oesterreich her Eier einsühren, die zu einem billigen Preise abgegeben werden können. Ter Kreuz- zug der Hausfrauen gegen die Teuerung findet in ganz Amerika allgemeine» Beifall »nd die weitestgehende Anteilnahme. ^-esttttdöeitsp liege. Ein Heilmittel gegen Verbrennungen. Als ein vortreffliches Heilmittel gegen Verbrennungen wird in der Münchener Medizinischen Wochenschrift von Tr. Bambcrger (Kissingen) die gewöhnliche Soda empfohlen, wie sie in jedem Haushalt vorhanden ist. Tie Aiimcndungsivcise ist sehr einfach: man nimmt einen Kristall Soda, taucht ihn in Waffer und bestreicht die vcrbrannie Stelle einigemal. Tic Wirkung ist frappierend, der Schmerz hört nach kürzester Zeit, oft momentan ans. Gelegenheit, sie z» prüfen, hatte Tr. Bambcrger nur nach Verbrennungen ersten Grades. Bei Verbrennungen zweiten »nd dritte» Grades empfiehlt er, Kompressen mit zehn- prozentiger Sodalösung anszulegen; auch als Zusatz zni» permanenten Wasserbadc iväre sic zu versuchen. Rechtzeitig, das heißt sofort aiigcivandt, scheint die Soda sogar die Blasenbildung zu verhüten; in einem Falle wenigstens blieb die mit Sicherheit erwartete Blase nach Berbrühuna der Hand mit heißem, eben vom Herbe iveg- gcnommcncm Fette aus. Wie diese Wirkung der Soda zustande kommt, vermag Tr. Bambcrger ebensowenig anzugcbcii wie den Namen des Autors, der sic zuerst empfohlen hat; der genannte Arzt fcmit das Mittel vom Hörensagen. Kür Kaus rmd Kof. Ter Lehrmeister im Garte» und Kleintierhof sHaihmcistcr u. Thal, Leipzig). Inhalt der Nr. 4. lieber die Verwendung unserer einheimischen Farnkräuter in Garten und Park. Von G. Müller, Fürst!. Obcrgärtner. M. Abb. — Ter Fruchtgiirtel. Von Walter Pocnickc, Delitzsch. — Aus einem Kern gezogener Pfirsich. Von Hans Geyer, R-ichenhall. M. Abb. — Tic drei größten Feinde des Obst- züchtcrs. Von Venator. M. Abb. — Petersilie. Von F. Steinemann. — Ein praktischer Banmhakter. V. R. Oppermann. M. Abb. — Ter Zuchtstamm. Von G. BoaS. — Tic Aufzucht von Schlachtgänscn. Von Frau Pf. Leitze. M. Abb. — Ein nächtlicher Räuber. Von Bruno Hossman». M. Abb. Die Kanaricnhccke. Von I. Rose. — Ist Lnstnot der Biene» eine Krankheit? Von Kreisbicnenmeister Weigert. — Mein Kaninchenstall. Von F. Grieshammcr. M. Abb. — Einige wichtige Winicrarbcitc» des Teichwirts. — Von K. O. Walther. — Kleinere Mitteilungen — Hauswirtschaft — Meinungsaustausch— Kleintierarzt — Jragekastc» — Feuilleton: Ter weiße Hase. sFortsctznng.) Von Julius R. Haarhaus. — Ausstellungs. kalcnder — UntrrrichlSivefe» Aus der Geschäftswelt. kos. Ein praktisches Mittel gegen Snndegcbcll empfiehlt Prof. Helly. Eö ist nicht leicht. Hunden zweckloses Bellen abzngcwöhnen. namcutlich iven» man Schläge vermeiden möchte. Nun kann man aber auch aus einem sehr einfachen Wege Hunde dazu bringen, nie zwecklos z» bcllcti. Sobald nämlich der Hund ohne ersichtlichen Grund zu bellen anfängt, bespritzt man ihn mit einem ausgiebigen Wafferstrahl und wiederholt dieses Verfahren so oft es nötig ist. Man kann jedoch sicher sei», daß es nur weniger Aicderhoinngcn der „Spritzkur" bedarf, da der Hund anßcrordcnilich rasch verstehe» lernt, weshalb er bespritzt wird, »nd von nun an gewiß nur dann bellt, wenn Irgend eine Veranlassung dazu vorliegt. Ta die Lpritz- mclhode weder der Gesundheit schädlich noch schnierzhast ist. kann sie auch schon bei jungen Hunden unbedenklich angewendet werbe». Natürlich muß aber stets darauf geachtet werde», daß,das Spritzen nur dann vorgenommcn wird, wenn der Hund tatsächlich zwecklos bellt, hingegen niemals, wen» er durch Irgend eine Ursache Z»»> Bellen ae.zwunarv wird